Martina Jakobson 
Translator

on Lyrikline: 16 poems translated

from: 白俄罗斯文, 俄文, 乌克兰文 to: 德文

Original

Translation

[калі ты дрэва]

白俄罗斯文 | Volha Hapeyeva

калі ты дрэва
             а вецер сышоў ад цябе
стаяць нерухома можна стагодзьдзямі

і што табе птушкі зь іх звонкімі песьнямі лета

калі ты
дрэва
ад якога сышоў вецер

© Логвінаў
from: Няголены ранак
Мінск: Логвінаў, 2008
Audio production: European radio for Belarus (http://euroradio.fm/) / Belarusian PEN-Centre

[und bist du ein baum]

德文

und bist du ein baum
                  verlassen vom wind  
jahrhundertelang hältst du womöglich stand

was nützen dir vögel und ihr gesang
im sommer

bist du
ein baum
verlassen vom wind

Übersetzung aus dem Weißrussischen von Martina Jakobson

:: :: :: [война закончилась, не начавшись]

俄文 | Stanislav Lvovsky

война закончилась, не начавшись. яблоки
сорок первого, тридцать девятого собрались,
как положено, улеглись в погреба, стали сидром
самогоном, кальвадосом и шнапсом. польские
пани, русские бабы
немецкие фрау, британские
миссус нарожали детей. и войны
не случилось ни в сорок первом,
ни в сорок втором, ни потом. а длилось себе и
длилось мирное время, всё меньше новых
офицеров принимали на службу взамен
пожилых уже, седобородых, смешливых,
сотнями уходивших
на пенсию, чтобы жить в белых
домиках на итальянских, турецких,
на греческих островах, забирать
внуков к себе на лето, в деревню
(кипр, ибица, Черногория).
чтобы собирать яблоки, гнать
из них самогонку и кальвадос,
делать сидр и апфелькорн,
угощать друг друга по вечерам, подливая из
пузатых зелёных бутылок небывалые яблочные
напитки


урожая тридцать девятого года, урожая
сорок первого года. пробуя, соглашаться
друг с другом, что, мол, не было ни до, и
ни после на их памяти таких урожаев.


не бывало яблок таких
огромных, таких
вкусных, алых, живых.
таких человеческих,
почти говорящих.


таких смертных,
живых горячих.

© Stanislav Lvovsky
from: Стихи из книги и другие стихи
Ozolnieki (Latvia): Literature Without Borders, 2017
Audio production: Haus für Poesie, 2017

:: :: :: [der krieg ging zu ende, ohne zu beginnen]

德文

der krieg ging zu ende, ohne zu beginnen,
die äpfel von einundvierzig und die von neun-
unddreißig waren gesammelt, lagen in den scheunen,
lagen in den kellern, wurden zu cidre gemacht,
zu calvados, zu selbstgebranntem, zu schnaps,
polnische panis, russische weiber,
deutsche fräuleins, englische
misses gebaren kinderscharen, und der krieg
kam nicht, er kam nicht einundvierzig,
er kam nicht zweiundvierzig, und auch nicht später, und es fingen
friedliche zeiten an, es gingen
kaum noch junge offiziere in den dienst,
statt der alten, graubärtigen,
lächerlichen männer, fristeten zahlreiche
rentner in weißgetünchten
häuschen ihr dasein, auf italienischen, türkischen,
griechischen inseln, um dahin
ihre enkelkinder im sommer einzuladen, aufs dorf,
(zypern, ibiza, montenegro),
um äpfel zu sammeln und selbstgebrannten zu machen,
und calvados,
und cidre und apfelkorn,
und abends, da saßen sie zusammen,
und schenkten sich aus grünen dickbäuchigen flaschen
wundersame apfelgetränke ein.


die ernte aus dem neununddreißigsten jahr,
die ernte aus dem einundvierzigsten jahr,
sie sagten sich, es würde schon stimmen,
dass alles so sein müsse. und auch danach
kam nie wieder solch eine ernte.


solche äpfel,
nicht solche großen,
nicht solche schmackhaften,
nicht solche roten und lebhaften,
nicht solche menschlichen,
nicht solche, die fast eine sprache sprachen,


nicht solche tödlichen,
lebendigen,
heißen.

Übersetzung aus dem Russischen: Martina Jakobson

[Это случилось в гражданскую]

乌克兰文 | Jelena Saslawskaja

Это случилось в гражданскую,
А тянется до сих пор.
Ведь у меня такая же
Голубая кровь,
Как у гимназистки Машеньки,
Марии Федоровны Вербовой.

А может быть кровь моя красная
Будто
Страсть, превратившая Машкино утро
В позор!

Он ей говорил, что не будет больно,
Он повалил ее на кровать,
Червонозоряний вершник Конон,
Стрелок, не помню какого полка.
И плакала Маха рыданием тихим,
И первая кровь ее на простыне,
Была лишь каплей, оброненной вихрем,
Носившимся по стране.

[Es geschah im Bürgerkrieg]

德文

Es geschah im Bürgerkrieg,
und ist bis heute nicht beendet.
Auch in mir fließt
blaues Blut wie wir es von
der Gymnasiastin Maschenka kennen,
Maria Fjodorowna Werbowa.

Vielleicht ist mein verborgenes Blut
auch rot wie die Leidenschaft,
denn die hat Maschas Morgen zur
Schande gemacht!

Er sagte zur ihr, es würde nicht wehtun,
und warf sie aufs Bett,
der purpurrote Reiter der Rosse, Pfeile, nur,
ich weiß nicht mehr, welches Regiment.
Mascha schluchzte, weinte still,
das erste Blut auf dem Laken,
dieser winzige Tropfen, wurde ein wilder Sturm,
brach herein über die Lande.

Übersetzt von Martina Jakobson

[Сочиненье стихов – чем не признак шизофрении]

乌克兰文 | Jelena Saslawskaja

Сочиненье стихов – чем не признак шизофрении,
Когда все знанья твои о мире
Становятся ритмом бренчанья лиры,
Когда выдох теснится в горле,
Когда вдох обжигает грудь,
Когда любовника алкоголика
Хочется в бок пырнуть,
Это и есть  вдохновение,
Мне кажется будто я
Оставлена Богом, Чертом,  вами всеми,
Сама не своя…
И тут догадаться мне бы,
Что это не сон и не бред,
Божественный лепет неба
Стих на моей губе.

[Das Worte-Verdichten – erinnert an Schizophrenie]

德文

Das Worte-Verdichten – erinnert an Schizophrenie,
Wenn das Wissen, das du hortest,
Zum rhythmischen Lyra-Geklimper wird,
Wenn sich der Aushauch durch die Kehle zwängt,
Wenn du dir beim Einhauchen die Brust verbrennst,
Wenn du dem Geliebten, der sich im Alkohol ertränkt,
In die Seite treten willst.
So sieht sie aus, die Inspiration, die Einhauchung,  
Als wäre ich abgetaucht,
Verlassen von Gott, vom Teufel, von dieser Welt,
Abgedriftet von mir selbst.
Wie soll ich da Gefallen dran finden,
Dass das göttliche Gestammel,
Das auf meinen Lippen beginnt,
Kein Traum und kein Unsinn ist.

Übersetzt von Martina Jakobson

[А яшчэ – нельга зьвезьці...]

白俄罗斯文 | Maryja Martysievich

А яшчэ – нельга зьвезьці з сабой краіну (азёры, рэкі),
нельга выгадаваць пад пахай, як Карпа цмока.
Так габрэі раздорвалі хатнія бібліятэкі,
каб у тых, хто застаўся, расплюшчылася трэцяе вока.

Ў гэтым цымус жыцьця пад сузор’ем сахі й касы –
ты ня пэўны ні ў чым і адно толькі ведаеш пэўна:
нельга зьвезьці з сабой краіну (палі, лясы)
кантрабандай памерам зь яйка чорнага пеўня.

І ты ведаеш: варта напружыць унутраны слых,
як патрэскваньнем шкарлупы запульсуюць скроні.
Цмокі хутка вылупяцца; хутка яны здрадзяць тых,
хто паіў малаком са спраглай кляйнотаў далоні.

І калі пацямнее неба ў тым, што на астралягічных мапах
фігуруе як дом, дзе ўзыходзіць зорка Вэнэра,
гэта значыць нашыя цмокі лятуць на нераст,
несучы гасьцінцы ў пакрытых лускаю лапах.

Ты чакаеш; ты паліш вагні; ты начуеш на ходніку,
вызваляеш пад іх пасадку дзьве паласы кальцавой.
Будзь пільным; старайся роўна трымаць паходні,
калі прызямляецца твой.

© Maryja Martysievich
Audio production: PEN - Centre Belarus

[Und dennoch, ich kann nicht das ganze Land mitnehmen ...]

德文

Und dennoch, ich kann nicht das ganze Land mitnehmen (die Seen, die Flüsse),
ich kann nicht unter meinen Achseln Karpfen heranziehen.
Die Juden haben so ihre Bibliotheken verteilen müssen,
damit jene, die blieben, mit dem heranwachsenden dritten Auge sehen.

Und dies Salz des Lebens, bei dieser Konstellation des Pflugs und des Bargelds –
bist du dir nicht sicher, du siehst nur eines:
Du kannst nicht das ganze Land mitnehmen  (weder Wald noch Feld),
als schmuggeltest du Verbotenes.

Und du weißt: du solltest das innere Gehör anstrengen,
wenn beim Knacken der Schale die Schläfen pulsieren.
Denn unversehens schlüpfen die Drachen und wenden
sich gegen jene, die sie mit ihrer Milch nährten, als sie durstig danach gierten.

Wenn der Himmel sich verdunkelt für jene, die allein die Sternenkarten verzeichnen,
die ihnen ihr Heim ist, dort, wo die Venus aufgeht,
dann heißt dies - unsere Drachen fliegen zu ihren Plätzen zum Laichen,
und dass jeder sein Geschenk unter den flaumbedeckten Krallen trägt.

Du wartest, züngelst Flammen, beschließt auf dem Trottoir zu übernachten
und räumst zwei Streifen für ihre Landung.
Sei wachsam, versuch’ die Fackeln gleichmäßig zu halten,
denn der deine wird landen, auf dieser Gabelung.

Übersetzung aus dem Weißrussischen: Martina Jakobson

Гара Рацыі

白俄罗斯文 | Anatol Ivashchanka

...Мой Вораг жыве за межамі гэтае зімы. У яго безьліч імёнаў і безьліч абліччаў. Скрозь усе цыклы ўвасабленьняў доўжыцца наш двубой.
Яго прыстанак – гара Рацыі, якую мне не агораць. У яе міфрылавым зьзяньні адбіваецца возера Дабрачыннасьці.
Яго празрыстае цела гайдаецца над ранішнім лесам на нябесных арэлях, што зьвісаюць з распоратай срэбнай хвалі звонкімі нітамі сонечных промняў.
Спрабую наблізіцца, намагаюся зазірнуць у ягоны твар. Блюзьнерская ўсьмешка маланкі наўсьцяж разрэзвае неба. Ірвуцца ніты арэляў. Працяты вяршалінамі, ён сьцякае на брук, дзе зьмешваецца з крывёю ды ванітамі горада.
(Стаю адзін пасярод залевы. Пад сьмехам нябёсаў. Той-хто-шукаў-сьвятло.)


© Anatol Ivashchanka
Audio production: PEN - Centre Belarus

Hor(t) RATIO oder der Berg RATIO

德文

Mein Feind lebt in der Ferne, weit hinter der Wintergrenze. Er trägt unzählige
Namen und verändert beständig sein Gesicht. Unser Zweikampf währt alle
Jahreszeiten hindurch. Sein Hort – ist der Berg Ratio, den ich kaum jemals
bewältigen kann. In seinem Mythen-Maul spiegelt sich der See Wohltätigkeit.
Sein durchsichtiger Körper  wiegt sich über den morgendlichen Wäldern auf
himmlischen Schaukeln, die herabhängen von aufgeräufelten silbrigen Wellen,
mit klangvollen Bolzen aus Sonnenstrahlen. Versuche ich, mich ihm zu nähern
und gebe mir Mühe, in das Art-TV  GOTTESLÄSTERUNG hineinzuschauen,
entlädt er sich mit einem blitzartigen Lächeln.  Die Bolzen der Schaukel
reißen. Durchbohrt von den Wipfeln, tropft er auf das Pflaster, wo er sich mit
dem Blut und dem Erbrochenen der Stadt vermischt. (So stehe ich allein
inmitten dieses Schauers. Unter dem Gelächter des Himmels. Jener-

Übersetzung aus dem Weißrussischen: Martina Jakobson

* * * [паціху ўсё...]

白俄罗斯文 | Hlieb Labadzienka

паціху ўсё
па ці хурме
ці мандарынцы
кропля крочыць
сьнег быў -
і мы ў яго
турме
канвэртавалі
дні
на ночы
сьнег быў -
ён ведаў
свой расклад
ён ведаў
што чакаюць дзеці
раптоўны сьнегаў пераклад
гальля
у белыя суквецьці
на горках
зьмерзлыя насы
нагоды дачакалі мілай
ткаць ледзяныя паясы
адгэтуль -
і да небасхілу
сьнег быў -
хто б даў цяпер
яму ня быць?
хто зазлуе
на белакулі?
на голку
што любіла
ніць
на пчолаў
што любілі вулей
ды ўсе ж пайшоў
на галаву
не папрасіўшы нат
прытулку
і дворнік зранку
чэша вулку -
бы рыпае стары
ківун
шматкі аблокаў
рэшткі неба
сьнег -
моднік белы
насурочыў
мы ніцавалі
дні на ночы
сьнег быў -
была ў тым
патрэба

© Hlieb Labadzienka
Audio production: PEN - Centre Belarus

* * * [Stille draußen ...]

德文

Stille draußen
Stil Idylle in der Dattelpflaume
in der Mandarine
Tropfen liefen
als leise der Schnee fiel
und in seinem
Gefängnis
konvertierten wir auf diese Weise
die Tage zu
Nächten
Schnee fiel
da verstand er
seinen Plan
verstand er
was den Kindern daran gefiel
dieser übereilte Übergang
die verschneiten Äste
der farbliche Wechsel der Blüten
auf den Hügeln
die rotgefroren Nasen
die auf einen guten Vorwand warten
eisige Gürtel zu knüpfen
in diesem Moment
und bis ans Firmament
Schnee fiel
und warum sollte er nicht
von Dauer sein?
Wer verdient
was mit weißen Kugeln
Nadeln
die nichts lieben
als den Faden
Bienen
die nichts lieben als Bienenstöcke
es ging um die plötzliche Niederkunft
auf dem Kopf
ohne zuvor um eine Notunterkunft
zu bitten
und morgens der Hausmeister
kehrt mit dem Besen  
die Straße
als schleife ein Pendel
Wolkenfetzen
die letzten Reste
des Schnees
als verkehre ein Fetischist weißer Kleidung
das Innere nach Außen
verkehrten wir
die Tage in Nächte
als Schnee fiel
und diese Wendung
war notwendig

Übersetzung aus dem Weißrussischen: Martina Jakobson

* * * [“Бітва паміж розумам...]

白俄罗斯文 | Anatol Ivashchanka

“Бітва паміж розумам і думкамі
скончылася пераканаўчай нічыёй”, –
вымавіў і прачнуўся.

Рухаемся прыслухоўваючыся,
кахаем прыслухоўваючыся,
жывем прыслухоўваючыся…
“Шчасьлівыя, –
замілавана рэкаюць з дагератыпаў, –
вы ведаеце тое, што нам ня сьнілася…”

Па горадзе ходзіць п’яная Плачка,
ловячы гукі сваёй мовы…

Моўчкі назіраем,
як канае на нашых руках
паэзія.

© Anatol Ivashchanka
Audio production: PEN - Centre Belarus

***[Die Schlacht zwischen den Gehirnen …]

德文

"Die Schlacht zwischen den Gehirnen und Denkweisen
endete evident mit Unentschieden",
sagte ich und erwachte.

In uns hineinhorchend, sind wir in Bewegung
In uns hineinhorchend, schenken wir einander Liebe
In uns hineinhorchend, leben wir unser Leben
"Glücklich,
weich gezeichnet wie auf einer Fotografie,   
versteht ihr sehend das, was uns niemals träumte …"      
   
Durch die Stadt streift ein trunkenes Wehklagen,
und hascht nach dem Klang ihrer Sprache …

Wortlos sehen wir,
wie die Poesie
auf unseren Händen im Sterben liegt.

Übersetzung aus dem Weißrussischen: Martina Jakobson

Yhvh.by

白俄罗斯文 | Maryja Martysievich

[На Беларусі Бог жыве… У.Караткевіч]
                           [В деревне Бог живёт не по углам… І. Бродзкі]

Курган і дарога, і берагі два ў ракі.
Прывезла Табе цяльняшку – бяры й насі,
мой колісь магутны сівенькі Божа, які
у пэнсыйным узросьце пасяліўся на Белай Русі.

Мой пастаральны Госпад - сьціплы пчаляр,
рой вясковых турботаў у яго галаве:
зьдзейсьніўшы найсаладзейшую зь існых мар,
ён у слоікі мёд ліе і бароніць вульлі свае.

Госпадзе, Ты сплятаеш цыбулю ў вянкі
і пчолак, цалуючы, садзіш сабе на язык.
Даруй нам занятасьць сабой і імпэт гарадзкі,
як даруем і мы невяртальнікам нашых пазык.

Даруй нацыяналісту, каторы кажа: перадусім
Мова, і лёзунгам глушыць зумканьне пчолаў тваіх:
ён тут і такім нарадзіўся, зрэшты, мы ўсе вісім
на гэтым, хоць і не зьбіраемся больш за траіх.

Даруй фэміністцы, каторая кажа: усе мужыкі
казлы, й канкуруе зь нябёсамі сіньню сваіх панчох.
Даруй ёй, хаця, магчыма, я і сама з такіх:
Ты не крыўдуй на дурніцу, мой патрыярхальны Бог.

Даруй антыглябалісту, каторы зь дзіцячай рукі
вышыбае бляшанку колы і гамбургер топча двайны.
Даруй нам усім, бо гэта не на вякі,
гэта на пару хвілін да пачатку вайны.

© Maryja Martysievich
Audio production: PEN - Centre Belarus

Yhvh.by

德文

[In Weißrussland lebt Gott... U. Karatkevič]
[Auf dem Dorf lebt Gott nicht in jeder Ecke, nicht an jedem Ende ... J. Brodsky]


Ein Hügelgrab und ein Weg, zwei Ufer am Fluss,
ich habe dir ein Hemd mitgebracht – nimm und trag es,
meins war einst ein mächtig göttlich Pelziges,
das sich in einem gewissen Alter in Weißrussland angesiedelt haben muss.   

Mein pastoraler Herr – bescheidener Imker,
im Kopf einen Schwarm dörflicher Sorgen:
Es gelang ihm, den süßesten aller Träume zu erringen,
so goss er Honig in Gefäße und hat sie unter Nesseln verborgen.

Herr, dann flochtest du Zwiebeln zu Kränzen
und die Biene setzte sich, dich küssend, auf deine Zunge.
Verzeih uns unsere Geschäftigkeit und den Staub der Städte,
wie wir auch verzeihen den Nichtheimgekehrten ihre Schuld ohne Murren.

Verzeih dem Nationalisten, der sagt: zuerst die Sprache, und dann
betäubst du mit den Slogans deine Bienen:
Schließlich ist er so geboren, aber wir, wir alle hängen dran,
obgleich wir nicht mehr als drei sind, die sich zu versammeln schienen.  

Verzeih der Feministin, die sagt: dass alle Männer beschränkt sind,
und um das Himmelblau ihrer Strümpfe konkurrieren.
Verzeih ihnen, obgleich es sein kann, dass ich selbst so eine bin:
Und was diese Närrin angeht, mein patriarchaler Gott, das kann schon mal passieren.

Verzeih dem Antiglobalisten, der in seiner kindlichen Hand
eine Dose Cola und einen Hamburger wiegt.
Verzeih uns allen, denn dies ist nicht für immer, dies ist erst der Anfang,
weil dies für ein paar Minuten und mit dem Beginn des Krieges geschieht.

Übersetzung aus dem Weißrussischen: Martina Jakobson

ЭПИЦЕНТР

乌克兰文 | Jelena Saslawskaja

***
Жизнь бесценна.
Ты глядишь сквозь
прицел,
взгляд  светел
и цепок,
ты выбираешь цель.
Ты – эпицентр
Смерти.

***
Если бы я была камикадзе,
маленькой летчицей,
желтой и узкоглазой,
на крыльях своих одиночеств
мы бы столкнулись
и нам показалось:
мы снимся
друг другу
и ныне и присно.


***
Ты думал, меня нет,
бродил по улицам,
переходил дорогу на красный свет,
смотрел, как целуются,
был спокоен
и равнодушен,
но на подушке
волос моих прядь,
словно в ракушечнике
отпечаток ракушки,
жившей миллион лет
назад.

***
Цвели абрикосы,
солнце
падало на песок,
осы,
облаком жаркоголосым,
атаковали цветок.
Тело мое соты.
Тело мое мед.
Тело мое соткано
из тех, кто был в нем!

***
Он выбирает цель,
маленький цепкий.
Ныне и присно
Моя яйцеклетка –
эпицентр
Жизни!

EPIZENTRUM

德文

Das Leben ist wertlos.
Dein Blick geht
durch ein Zielfernrohr,
der Blick ist hell
und wie ein Stoß,
du nimmst das Ziel ins Visier.
Du bist das Epizentrum
des Todes.
 
***
Wäre ich ein Kamikaze,
eine kleine Flieger-Frau,
gelbe Haut, schräge Augen,
und berührten wir uns
auf den Flügeln der Einsamkeit,
spürten wir:
der eine sieht
den andern im Traum,
jetzt und immerdar.  


***
Du dachtest, mich gäbe es nicht,
wanderst durch die Straßen,
das rote Licht siehst du nicht,
nur die Küsse der andern,
du wartest geduldig,
bist gleichgültig,
doch auf dem Kopfkissen,
entfaltet sich die Strähne meines Haars,
wie der Abdruck einer Muschel
im Kalk,
Millionen Jahre
alt.

***
Aprikosen-Blüte,
die Strahlen der Sonne
fielen auf den losen Sand,
ein Wespen-Geschwader,
eine Wolke, hemmungslos tosend,
überfiel die Blüte.
Mein Leib sind die Waben.
Mein Leib ist der Honig.
Mein Leib ist gewebt
aus jenen, die in mich reinflogen.

***
Er wählt ein Ziel,
winzig, konzentriert.
Jetzt und immerdar:
Meine Eizelle -
Epizentrum
des Lebens!

Übersetzt von Martina Jakobson

ПРО СЧАСТЬЕ (отрывки из поэмы)

乌克兰文 | Jelena Saslawskaja

*
Это ты - мое Счастье:
Глаза твои, губы и руки,
Поцелуи, объятья.
Вздохну - и не звука,
Лягу на грудь
И слушаю, как тикает.
Ты просто Будь! Будь! Будь!
Счастье мое великое!

Чудо мое, ты, чудище,
Любящее и нежащее,
Спрячусь в твои я ручищи,
Словно в бомбоубежище,  
Спрячусь от взрывов отчаянья,
Ужасов одиночества.
В ритме с твоим дыханием
Дышать хочется.

*

Я теперь дом на ножках,
Теплый, уютный дом.
Крошечную горошину  
Мы поселили в нем.

Я - беременная, я - шар,
Я круглая, как планета,
Иду не спеша,
Несу себя по проспекту,
Нет, не себя, а живот.
Солнце во взгляде,
Во мне человек живет!
Дорогу нам уступайте!

*

Серая дымка.
Кап. Кап.
Мокро и зыбко.  
Кап. Кап.
Дождь, будто скрипка
Плачет.
Ветер по крышам скачет, скачет┘

Делаю выдох, вдох.
Бьется огонь в висок,
Спаси и помилуй, Бог!
Настал срок.

Разбушевалось ненастье.
Рвется наружу счастье.

Тело дрожит, как пружина,
Кажется что по жилам
Топливо движется жидкое.  
Мучаюсь, но с улыбкою.

Окна дорожками слез  
Вышиты.
Я умираю всерьез,
Вы слышите!

Губы искусаны,
Капли крови, как бусины,
Пощупайте пульс мне!

Разрастается боль.
Довольно!
Вопль
По венам высоковольтным,
По мышцам, морщинам, черточкам┘
Не хватает дыхания.
Сердце вишневой косточкой  
Выплюнулось из гортани.

И тишина вмиг,  
Кажется, ничего и не было,
И вдруг крик,
Молнией с неба.

ÜBER DAS GLÜCK (Auszüge aus einem Poem)

德文

Du allein – du bist mein Glück:
Augen, Lippen und Hände,
Küsse, Umarmung, Stück für Stück.
Ich seufze, es ist still in den vier Wänden,
als ich meinen Kopf
auf deine Brust niederlege:
Komm! Komm! Wie es klopft!
Du - mein größtes Glück, es geschehe!

Du – mein Wunder, mein ein und alles,
Geliebter, ich will dich niemals missen,
für allezeit in deine Arme fallen,
als würd ich im Bombenschutzkeller sitzen,
geschützt vor Verzweiflungs-Explosionen,
vor den Schrecken der Einsamkeit,  
mit dir allein Atem holen,
mit dir allein kann ich Rhythmus sein.

*
Ich bin jetzt eine Glucke, ein Häuschen,
ein gemütliches, warmes Nest,
ein hübsches Erbschen
haben wir da reingesetzt.

Ich bin - schwanger, bin eine Kugel,
rund wie ein Planet,
laufe langsam, mir ist übel,
schiebe mich durch Straßen, wenn's geht,
nein, nicht mich, meinen Bauch,
die Sonne im Gesicht, in mir entsteht
ein Mensch – so passt doch auf,
geht mir aus dem Weg!

*
Dunstschwaden.
Tropf. Tropf.
Faden an Faden.
Regen, als ob es Geigen sind,   
die da wimmern,
es geht der Wind,
schlimmer und schlimmer.

Ich atme aus, ich atme ein,
ein Feuer brennt in den Schläfen.
Oh, mein Gott, ist's schon so weit?
Wie soll's jetzt weiter gehen?

Das Unwetter hört nicht auf.
Das Glück drängt jetzt heraus.

Der Körper zittert, eine Feder auf dem Sprung,
als ob jemand durch die Adern
Brennstoff pumpt.
Ich quäle mich, bloß nicht hadern.

Die Fenster, Tränen benetzt,
gleichen einer Stickerei,
sterbe ich jetzt,
hört ihr mein Geschrei?

Die Lippen - aufgeplatzt,
Blut rinnt gleich Perlen,
fühlt ihr noch den Puls, er ist so flach!

Unerträgliche Qualen!
Genug! Ich muss wimmern.
Als würd' ich zermahlen,
die Venen zittern,
Achseln, Falten, jede Faser zuckt
wie unter Strom, dieser Schmerz,
ich bekomme keine Luft.
Wie einen Kirschkern hab ich das Herz
aus der Kehle herausgespuckt.

Und plötzlich – Stille,
als wäre nichts,
ein Schrei – wie aus heiterem Himmel,
ein Blitz.

Übersetzt von Martina Jakobson

Нямецкае порна

白俄罗斯文 | Siarhiej Prylucki

У кадры фройляйн Марлен без убору
ляжыць у скураным купэ; чацьвёра
гераў (гэтаксама без убораў) без разбору –
хто як – бяруцца за Марлен. З Гаморы

ў Садом баварскі электрычка ймчыць.
За звон манэт і шоргат эўра
чаму заўгодна могуць навучыць
апалягеты юру. Паасобку й хеўрай,

з прыладамі і без, нібыта акрабаты, –
Марлен, Вольф, Томас, Гюнтэр, Ганс.
Гучаць з экрану стогны, маты;

рытмічны сэкс уводзіць іх у транс…
О, малады глядач, хаду рукі ўдвая
паскор і ў курчы выкрыкні: “Ja…ja!!!”

© Siarhiej Prylucki
Audio production: PEN - Centre Belarus

Deutscher Porno

德文

Auf dem Bildschirm liegt das Fräulein Marlen ohne Kleidung
im lederbespannten Schlafwagenabteil,
vier Herren (auch unbekleidet) nehmen sich ohne großes Drumherum
der Marlen an.  Der Zug eilt

von Gomorra nach Sodom.
Die Glocken locken mit Eurolust,
sie lehren uns darum
mit Apologeten zu verkehren, so ganz nebenbei, ohne Frust,


mit verschiedenen Geräten, und auch ohne, angeblich wie bei Akrobaten –
Marlen, Wolf, Thomas, Günther, Hans.
Den richtigen Sound vorm Bildschirm zu stöhnen, sie raten,

der rhythmische Sex bringe richtig in Trance ...
Und den  jungen Zuschauern gehen die Hände emphatisch
zwei Mal schneller, zuckend rufend sie aus „Ja... ja!!!“

Übersetzung aus dem Weißrussischen: Martina Jakobson

Венец творенья

乌克兰文 | Jelena Saslawskaja

Как истинная жительница Лесбоса
Не отличает фаллоса от пениса,
Так я, когда наедине с тобой,
Не в силах отличить земли от неба,
Тебя цепляю нижнею губой
С такой же страстью, как стихи Рембо
Слетали с губ влюбленного Верлена,
И я готова преклонить колена
И целовать кроссовки «Адидас»,
Твои кроссовки, пыльные от бега…
И застонал пружинами матрас,
И мы сложились, как игрушка «Легго».
И в этот миг никто не разберет, - кто правит миром, эрос ли, танатос,
Недель так через 40 словно парус,
Надуется мой кругленький живот,
В нем оживет оброненное семя.
Наш общий плод.
-Богем, бля, богема! –
Мне скажешь ты. Потом добавишь веско:
Что может быть приятнее процесса,
Неужто результат?
И я пишу тебе стихотворенье,
Венец творенья завершает акт.

Der Kranz der Schöpfung

德文

Gleich einer Einwohnerin von Lesbos,
Die keinen Unterschied macht zwischen Penis und Phallus,
Kann ich nicht zwischen Himmel und Erde unterscheiden,  
Wenn ich mich, dich liebend, wippend im Takt,
Mit zupfender Unterlippe an dir weide -
So wie über Verlaines Lippen, mit gleicher Leidenschaft,
Rimbauds Verse flogen.
Lass mich in dieser devoten Pose
Deine Adidas-Turnschuhe küssen,   
Staubig und grau vom Dauerlauf,
Auf dass die Federn der Matratze hüpfen,
Bis wir daliegen, wie vom Legospielen ausgelaugt,  
Und nicht kapieren, wer die Welt regiert, Eros oder Thanatos,
Und wenn sich in etwa 40 Wochen auch noch
Mein Bauch wie ein Segel bläht,
Dann reift darin ein Samenkorn, kein Wunder nach diesem Tatendrang,
Unser gemeinsames Produkt, jetzt ist es zu spät,
"Bohème, Blabla, Blage –  und das ist erst der Anfang!",
Sagst du zu mir, dir ist nicht zum Lachen:
"Nichts Schöneres als Es zu machen.
Doch mit diesem Resultat, das ist ziemlich vertrackt?"
Für dich allein schreibe ich diesen Artefakt,
der Kranz der Schöpfung beendet den Akt.

Übersetzt von Martina Jakobson

Бродскому

乌克兰文 | Jelena Saslawskaja

Здравствуй, мой Бродский!
Давай поебемся по-скотски.
Ты далеко, а я здесь в глуши Камбродской,

Это не ссылка, но все-таки захолустье.
Помню глаза твои полные страсти и грусти.
Ты заходи, и, быть может, печаль отпустит.

Кто я? Да я же твоя Трагедия,
Сестра твоя или Сестра Милосердия,
А может быть просто Ведьма я,

А значит, душа моя продана,
Проклята, Поэзией изуродована.
Я бы к тебе и сама, я не гордая,

Да только не знаю я адреса,
Рай, пустота, - кто признается…
Параллельные линии хоть где-то пересекаются?

Я постелю нам постель, или на пол брось меня,
Я не хочу на бумагу, хочу на простыни,
А, все одно, - в горизонтальной плоскости.

Стань моей осью Иосиф!
Начнись ниже пояса
И завершись где космос!

Für Brodsky

德文

Brodsky, grüß dich! Komm rein, in die Wärme!
Lass uns raufen wie wilde Kerle,
Ich - im Kaff Kambrodski, Du - aus der Ferne,

Ist zwar weit weg, aber ohne Verbannte,
Ich kenn' doch deinen bedrückten Blick, den Altbekannten,
Komm rein, lass die Trauer sein, du kannst dich entspannen.  

Ich bin's, deine Tragödie, was soll jetzt die Hetze,
Ich bin's, deine barmherzige Schwester, lass mich zu dir setzen,
wer weiß, vielleicht bin ich eine Hexe,

Du weißt, meine Seele ist verkauft, ich bin eine Verfluchte,  
verstümmelt von der Poesie, ich bin eine Verruchte.
Ich käm' ja zu dir, nur wie, ich würd' dich ja suchen,
 
Wir tauschten nie die Adressen,
Paradies oder Wüste,  liegt nicht in unsrem Ermessen …
Sind unsre Seelen nicht verwandt, sind wir nicht besessen?     

Ich mach uns das Bett oder wirf mich gleich zu Boden - zum Finale,
nicht auf Papier, auf ein Laken, doch nicht in die Vertikale,
ich will das Horizontale.

Sei meine Säule, Iossif, hinter den Bergen!   
Errichte sie tief in der Erde,
Wo das All beginnt – werde!

Übersetzt von Martina Jakobson

Арфэй

白俄罗斯文 | Siarhiej Prylucki

Ты, цемра, што мяне радзіла...

           Р.  М.  Рыльке

Як і заўжды, на Варшаўскім мосьце выходзіш з машыны.
Сапсаваны, сапселы канвэер мытні, сябры, знаёмцы...
Цыгарэта за цыгарэтай зь відам на рэчку, памежныя вышкі,
на зьмяінае тулава чэргаў, ярмарку жарсьцяў.

Гэта былі няўяўныя зборышчы душ,
якія сноўдалі каля шапікаў з дрэнным фастфудам
і ўзіраліся скрозь туман у адным кірунку.
Цямнела вада за адхонам. Больш не было нічога.
Хіба што зарасьнікі й прывідныя лясы.
Мост над вірамі, шэрае люстра неба.
А ўдалечы – між аўто, людзей, прасталытак –
быццам планкі бар’ераў на стадыёне,
віднеліся абрысы шлагбаўмаў.

Ноч, ледзьве ня раніца; дрымота й чаканьне гадо
ў бурлівым варыве моў, дыялектаў і рас:
скрыні з карэйцамі, партыя сьвежых лаосцаў.
А вось і ён, твой  дзяжурны зьмены, мытнік гэрмэс:
“ваш квіток”, “кіруйце на трэці шэраг”, “калі ласка, пашпарт”.
Свае абавязкі выконваў, як і належыць:
пакуль душу маю разьвярэджваў позіркам, тут жа
спрактыкавана абшукваў аўто.
Нават потым (па ўсім) трывога, нібы сабака,
не адставала і бегла заўсёды побач.   

Але большасьць – тутэйшыя: дзядзька са століну, цётка
зь відамлі, два маладзёны з чарнаўчыц, нібы цытаты
з адной і той самай кнігі. Сьвітанак і кава з хатдогам.
Мэтамарфозы лёсаў чаруюць вока.

Вось ты і маеш тую нібыта-свабоду,
што блукае па венах і падвышае ціск.
Знэрваваным арфэем ганяеш да беластоку,
а твая эўрыдыка – палонная ў царстве айчыны.
Пад нагамі ніякае глебы – яе й не было ніколі.
“Гэткім гандлем ты мецьмеш свой мінімум”, – кажа пагодак,
выхаванец хіп-хопу, свабоднага сэксу  й бясчасься.

Што ж, і ў гэтым схаваныя пэўныя праўда і шчырасьць.
Бо яго заяблі, давялі да апошняе рысы
іхні мэнтарскі тон, засьцярогі, іхнія будатрады,
іхні цёплы куток з муштакамі, сном і гарбаткай.

Атрымаўшы патрэбны штамп, зьнікаеш за даляглядам:
са сваімі сумнівамі, верай, каханьнем, жыцьцёвай мэтай.
Калі ты малады – кайфуеш з уласнай няведы.
Аднак і ў яе, як і ў візы, аднойчы сканчаецца тэрмін.
І тады дзяжурны гэрмэс спыняе і кажа, наўпрост у вочы,
абыякава й патрабавальна: “Вяртайся”.

І ты едзеш назад, каб неяк уладкавацца
качагарам у штольні аіду, пад бок да сваёй каханай.
Таму колы аўто пажыраюць кавалкі дарогі дамоў
няўпэўнена, мякка й цярпліва.

© Siarhiej Prylucki
Audio production: PEN - Centre Belarus

Orpheus

德文

Dunkel, du, das mich gebar …
Rainer Maria Rilke

Wie immer, steigst du auf der Warschauer Brücke aus dem Auto.
Das halbkaputt, klapprige Band beim Zoll, Freunde, Bekannte …
Eine Zigarette nach der anderen mit Blick auf den Fluss der Dinge, Grenztürme,
die grauen Rümpfe der Warteschlangen, Jahrmarkt der Leidenschaften.
                                              
Das war eine unklare Ansammlung von Seelen,
manche hingen an den Kiosken rum mit lumpigem Fastfood
und starrten durch den Nebel hindurch in die eine Richtung.
Wasser dunkelte über dem Bahndamm. Weiter gab es nichts.
Vielleicht etwas hinter dem Gestrüpp und dem gespensterhaften Wald.
Die Brücke über den Wasserstrudeln, der dunstige Spiegel des Himmels.
Und in der Ferne – zwischen den Autos, Menschen, Langweiler –
dort waren die Schranken des Stadions,
sah man die Umrisse der Schlagbäume.

Nacht, der Morgen brach an; Schläfrigkeit und nachdenkliches Warten   
im brodelnden Schweigen, Dialekte und Rassen:
Boxen mit Koreanern, teilweise Laozianer.
Und da kommt er, der Diensthabender dieser Schicht, der Hermes-Zolltyp:
"Ihr Ticket", "Machen Sie drei Schritte nach vorn", "Ausweis, bitte".
Legt er seine Dienstmiene an den Tag, als würde ihm alles gehören:
Während er meine Seele mit Blicken taxiert, auf der Stelle
sucht er geschickt das Auto ab.
Nicht einmal gründlich(nach allem) nach dieser Aufregung,
schnüffelnd wie ein Hund, der nicht von der Seite weicht.

Aber die meisten kamen von hier, aus Belarus: der Opa aus Stolin,
die Tusse aus Vidamli, zwei junge Typen aus Chernavchitsy, als
hätte sie jemand aus dem selben Buch herbeizitiert. Morgengrauen und Kaffee mit Hotdog.
Die Metamorphosen des Schicksals erfreuen das Auge.

Da hast du jene Angeblich-Freiheit,
die durch die Adern wandert und den Druck erhöht.
Wie ein abgenervter Orpheus hetzt du bis Bialystok
und deine Eurydike – ist eine Gefangene im Reich deiner Heimat.
Kein Boden unter deinen Füßen – wie nie dagewesen.
"Mit diesem Tausch bekommst du dein Minimum", sagt der Typ,
der auf Hip-Hop, freien Sex und auf Unglücklichsein steht.           

Was soll's, auch dahinter verbirgt sich eine Art Wahrheit und Aufrichtigkeit.     
Doch dich machten dieses Getue, diese nervigen Typen,
ihr Polizeiton, diese Entpersönlichung, diese Atmosphäre,
ihr warmes Eckchen und der Drill, Verträumtheit und Teetrinken kaputt.

Als der nötige Stempel drin war, verschwindest du mit deinen Ansichten:
Deinen Zweifeln, Glauben, Liebe, Lebenszielen.
Weil du jung bist, mit deiner Unwissenheit.
Allerdings auch die Zeit des Visums läuft mal ab.
Und dann wird dich der diensthabende Hermes anhalten und dir
kalt und fordernd direkt ins Gesicht sagen: „Hiergeblieben“.

Und du fährst wieder zurück, als müsstest du dich
auf Teufel komm raus einrichten, direkt an der Seite deiner Liebsten.
Daher fressen sich wohl ganze Häuserbrocken in die Räder deines Autos,
unsicher, weich und geduldig.

Übersetzung aus dem Weißrussischen: Martina Jakobson

BARBARA RADZIWIL'S LIVEJOURNAL (5)

白俄罗斯文 | Maryja Martysievich

Ну вось і ўсё – сякера пры камлі.
Па жылах разьліваецца атрута.
Мне роспачна, нібыта на зямлі
ля кожнага прысаду вяне рута.

Ля ложку  распачатае чытво -
адно недачытанае каханьне.
Сьвет – кніга, й крыўдна пакідаць яго,
спыніўшы на сярэдзіне чытаньне.

Цікава, ці наведаюць браты
хоць раз, калі пліта прыцісьне грудзі?
Бо ён, які ня прыйдзе да пліты,
на жаль, мяне ніколі не забудзе.

Ну вось і ўсё – Гасподзь націснуў Shift.
Далей – лягчэй. Больш не пужаюць мукі,
нібыта мама пры ўваходзе ў ліфт
абачліва бярэ з вазка на рукі.

І аўтабан, зіхоткі ад імжы,
Заблытвае дзясяткам вострых брамак.
– Прабачце, як даехаць да мяжы?
– Зьезд на Галгофу. Гродзенскі напрамак.

– Dzień dobry.
Rajska stzaż graniczna.
Proszę państwo przygotowić paszporty,
otwożyć je na zdjęciach.
– Мамачка, а чаму
яны кажуць “Дзень добры”?
Зараз жа цёмна і ноч.
– А ў іх, дачушка, заўсёды,
бы ўдзень, сьветла.

ракаў 8 траўня 1551 г.

© Maryja Martysievich
Audio production: PEN - Centre Belarus

BARBARA RADZIWIL'S LIVEJOURNAL (5)

德文

Das wär's dann. Die Streitaxt liegt nicht weit vom Stamm.
Das Gift in den Adern. In der Luft – Bedrohung.
Ich bin verzweifelt, als erfahre jedes Milligramm
Rosenblüten auf der Erde seine Veräußerung.

Das Buch indessen hat nur ein Haupt,
und selbst das hab ich noch nicht mal ausgelesen,
die Liebe , auch diese wartet darauf,
dass ich sie endgültig zur Seite lege.

Ganz gleich, ob sich Freunde am Herd versammeln,
du liegst mit zugeschnürter Brust danieder.
Sie werden kommen. Diesen Gefallen
machst du mir nicht, dennoch, du denkst an mich, hin und wieder.

Das wär's dann. Gott bediente – Shift.
Ist wohl besser so. Schluss mit dem ewigen Umgarnen.
So nimmt eine Mutter vor dem Eingang zum Lift
besorgt ihr Kind auf die Arme.

Die Straße gleißt frostig. Der Wald
wirft uns noch alle irgendwann um.
Sagen Sie, der Himmel, kommt der bald?
Fahr doch nach Golgatha. Dann bis Grodno – bis zur Aufforstung.

"Dzień dobry, Guten Tag ",
sagt der Grenzbeamte, " Pässe bereithalten,
hier ist der Grenzübergang,
und schon mal auf der richtigen Seite entfalten."

"Mutter, verstehst du, warum sagen die das
Dzień dobry? Wie soll man das verstehen?
Jetzt ist es dunkel und tiefe Nacht. "
"Töchterchen, weil es bei denen
immer hell ist – wie am Tag."

Krakau, 8. Mai 1551.

Übersetzung aus dem Weißrussischen: Martina Jakobson