LUDWIG VAN BEETHOVEN’S RETURN TO VIENNA

Oh you men who think or say that I am malevolent, stubborn,
                     or misanthropic, how greatly do you wrong me. . . .
The Heiligenstadt Testament


Three miles from my adopted city
lies a village where I came to peace.
The world there was a calm place,
even the great Danube no more
than a pale ribbon tossed onto the landscape 
by a girl’s careless hand.  Into this stillness

I had been ordered to recover.  
The hills were gold with late summer;
my rooms were two, plus a small kitchen,
situated upstairs in the back of a cottage
at the end of the Herrengasse.  
From my window I could see onto the courtyard
where a linden tree twined skyward ––
leafy umbilicus canted toward light,
warped in the very act of yearning ––
and I would feed on the sun as if that alone
would dismantle the silence around me.

At first I raged.  Then music raged in me,                        
rising so swiftly I could not write quickly enough
to ease the roiling.  I would stop
to light a lamp, and whatever I’d missed ––
larks flying to nest, church bells, the shepherd’s
home-toward-evening song –– rushed in, and I
would rage again.  

I am by nature a conflagration;
I would rather leap
than sit and be looked at.
So when my proud city spread  
her gypsy skirts, I reentered;  
she burned a greater, constant light.

Call me rough, ill-tempered, slovenly–– I tell you,
every tenderness I have ever known
has been nothing
but thwarted violence, an ache
so permanent and deep, the lightest touch
awakens it. . . .It is impossible

to care enough.  I have returned
with a second Symphony
and 15 Piano Variations
which I’ve named Prometheus,
after the rogue Titan, the half-a-god
who knew the worst sin is to take
what cannot be given back.   

I smile and bow, and the world is loud.  
And though I dare not lean in to shout
Can’t you see that I’m deaf? ––
I also cannot stop listening.

© Rita Dove
从: Sonata Mulattica
New York & London: W.W. Norton & Company, 2009
录制: Literaturwerkstatt Berlin 2009

LUDWIG VAN BEETHOVENS RÜCKKEHR NACH WIEN

O ihr Menschen die ihr mich für feindselig störrisch oder  
Misantropisch haltet oder erkläret, wie unrecht thut ihr mir ...
--Das Heiligenstädter Testament

Drei Meilen von meiner Wahlheimatstadt
liegt ein Dorf, in dem ich Frieden fand.
Dort war die Welt ein ruhiger Ort,
selbst die mächtige Donau nicht mehr
als ein blasses Band, über die Landschaft geworfen
von nachlässiger Mädchenhand. Diese Stille

war mir zur Erholung befohlen worden.
Die Hügel waren spätsommergolden;
ich hatte zwei Zimmer und eine kleine Küche,
treppauf gelegen im hinteren Teil eines Häuschens
am Ende derr Herrengasse.
Von meinem Fenster konnte ich in den Hof schaun,
wo eine Linde sich himmelwärts wandte --
ein belaubter Umbilicus, dem Licht zugeneigt,
gekrümmt vom schieren Akt ihrer Sehnsucht --
und ich nährte mich von der Sonne, als könnte das allein
die Lautlosigkeit um mich herum zur Auflösung bringen.

Zuerst wütete ich. Dann wütete Musik in mir
in solch rascher Wallung, ich konnte nicht schnell genug
schreiben, um meine Aufgewühltheit zu lindern. Ich hielt ein,
um eine Lampe anzuzünden, und wasimmer ich dabei verpaßt hatte --
Lerchen auf dem Flug zu ihrem Nest, Kirchenglocken, des Schäfers
Lied zur Abendeinkehr -- stürzte sich auf mich, und wieder
wütete ich.

Ich bin von Natur eine Feuersbrunst;
lieber springe ich auf und ab,
als daß ich stillsitze und mich angeschauen lasse.
Drum kehrte ich, als meine stolze Stadt
ihre Zigeunerröcke ausbreitete, zu ihr zurück,
und brannte auf ihr größeres, stetiges Licht.

Nennt mich roh, übellaunig, schlampig -- ich sage euch,
jede Zärtlichkeit, die ich je erfuhr,
war nichts als
vereitelte Gewalt, ein Schmerz
so dauerhaft und tief, daß die leichteste Berührung
ihn widererweckt... Es ist unmöglich,

sich genug zu sorgen. Ich bin zurückgekehrt
mit einer zweiten Symphonie
und 15 Pianovariationen,
die ich Prometheus genannt habe,
nach dem abtrünnigen Titanen, dem Halbgott,
der wußte, daß die schlimmste Sünde ist zu nehmen,
was nicht mehr zurückgegeben werden kann.

Ich lächle und verbeuge mich, und die Welt ist schrill.
Und obwohl ich mich nicht mit Gebrüll
-- Seht ihr nicht, daß ich taub bin? --
bemerkbar zu machen wage, kann ich das Lauschen nicht lassen.

Übersetzt von Fred Viebahn