Sylvia Geist 
Translator

on Lyrikline: 41 poems translated

from: angleščina, telugijščina, urdujščina, afrikanščina, arabščina, malteščina, slovaščina to: nemščina

Original

Translation

Solid

angleščina | Sridala Swami

With those two heavy hands of his
he’d like to make a bird,
dark-eyed, delicate, quick-breathing.

But the bones turn into boxes.
Geometry breaks
the heart.
So he makes cages.

© Sridala Swami
Audio production: Goethe Institut, 2016

Solide

nemščina

Mit seinen harten Händen hat er
einen Vogel bauen wollen,
schwarzäugig, zartknochig, rasch atmend.

Aus den Knochen werden immer Kästen,
und Geometrie bricht
ihm das Herz.
Also baut er Käfige.

Übersetzung Sylvia Geist und Tom Schulz
Poets Translating Poets - VERSschmuggel mit Südasien, organisiert vom Goethe Institut in Zusammenarbeit mit der Literaturwerkstatt Berlin, 2016

ప్రకృతి పర్యంతమూ

telugijščina | Jayaprabha

ఆకులన్నీ  రాలాకా  వచ్చే  తొలి చిగురు 
  నీ  ఉద్రేకం లాంటిది !
    ముద్దు తర్వాత 
    చర్మం మీద  కమిలిన  ముద్ర లాగానే 
    మెత్తగా ఎర్రబడుతుంది  ! 

    నిన్ను గుర్తు చేస్తూ 
    సీమచింత  చెట్టు మీద  పంచవన్నె పక్షులు 
    వసంతాన్ని తెస్తాయి ! 
    నాలో  పాత జ్ఞాపకాలు 
    నారింజవాసనలతో వీస్తాయి !! 

   నీరెండ పడిన  తడి ఆకుల్లో 
   నీ  నవ్వు తళతళలను  చూసి ఎగిసి 
   కాసిన్ని కిరణాలను  వడిసి పడతాను !
   ఉన్మత్తంగా చల్లగాలి వెంట పరుగు పెడతాను 
   స్వర్ణసముద్రంలోకి 
   సూర్యుడినావ మీద బయలుదేరి 
   ద్వీప ద్వీపాల నించి 
   స్వప్న సుగంధాలెన్నో సేకరిస్తాను ! 

   ఏదీ ?
   ఎంత వెతికినా  ఎన్ని ఉదయాలు గడిచినా 
   నువ్వెక్కడా కనిపించవేం ? 
   అనేక మలుపులతో 
   జానపదగాధకు మల్లే  
   నా ముందుకొస్తావు కాబోలు ! 

   సంచారజీవనం లాంటి  నీ సాహచర్యంలో 
   నాకు స్థిమితమూ  ఉండదు 
   స్థిరత్వమూ  ఉండదు 

   అయినా సరే ! 
   మృదువుగా ఒకసారి 
   మహోధృతంగా ఒకసారి  
   నేను జీవనదిగా  కొనసాగుతాను ! 
   ప్రకృతి  పర్యంతమూ... 
   నీ జాడ కోసం ! 

© Jayaprabha
Audio production: Goethe Institut, 2016

natürlich bis

nemščina

alle blätter abgeworfen sind und neue
treiben wie deine leidenschaft aus
der wundgeküssten, rotliebkosten haut.
blutrote, pflaumenblaue, eigelbe, grüne
weiße vögel setzt das frühjahr zur erinnerung
an dich auf den tamarindenbaum, erinnerung
ist der duftstoff der narinja.
im feuchten laub, im stängel licht
blitzt lachen, deins, und ich geh strahlen
fischen mit dem sonnenboot
zu den inselfähren, windbetriebene
traumpflückerin, duftjägerin, dichsucherin. wo
du morgen für morgen nicht erscheinst.
oder irgendwann dastehst
wie der wendepunkt einer geschichte.
das leben mit dir kommt nicht an
bis

Übersetzung: Sylvia Geist und Tom Schulz
Poets Translating Poets - VERSschmuggel mit Südasien, organisiert vom Goethe Institut in Zusammenarbeit mit der Literaturwerkstatt Berlin, 2016

بارہ تیرہ سال کی میں تھی

urdujščina | Jameela Nishat

باره تیره سال کی میں تهی

کهیلنے کا سوق بہت تها

گلگلے کهائے غپ چپ کهائے

دل میرا للچاتا تها

بڑی سی گاڑی آکر رکی

مجه کو چو کلیٹ بتایا

اپنے پهٹے گریباں سے

میں نے ہونٹ صاف کئے

روز وہی امیر انکل

مجه کو چوکلیٹ کهلاتا تها

ایک دن اس نے مجه کو بلایا

لمبی کار میں مجه کو بٹهایا

اپنا بنگلہ مجهے بتاتا

پهر اچانک

میرے پهٹے دامن کو

اور پهاڑا

تم کو اچهے کپڑے دوں گا

لال پیلی شلوار قمیض

میں چپ ہی رہی

لال پیلی شلوار قمیض

میں چپ ہی رہی

جان نہ پائی

اس کی لمبی انگلیوں نے

لباس میرا پهاڑ ڈالا

اور بدن کے ہر روزن میں

جانے کیا کیا کر ڈالا

گم سم دیکه رہی تهی

کہ دوجے انکل نے

میرا بدن کاٹ ڈالا

میری نیلی آنکهیں

جانے کس کو بیج ڈالا

سیرا جگر میرے پهیپهڑے

اپنی قیمت لگار ہے ہیں

میرے بدن کا ہر عضو

دنیا بهر میں گهوم رہا ہے

مجه کو اس کا پتا نہیں

بس

اتنا جانوں

میری ہڈیاں ٹوٹی پهوٹی

گندی نالی میں بہہ رہی ہیں

چیخ رہی ہیں

© Jameela Nishat
Audio production: Goethe Institut, 2016

Zwölf oder dreizehn war ich

nemščina

spielte noch gern
mochte Süßzeug, Gulguley, Ghup Chup.
Neugierig war ich
als er in dem großen Auto kam, zutraulich
als er mir Schokolade gab, wischte ich
mir den Mund ab
mit meinem eingerissenen Gireban.
Er hatte immer Schokolade für mich
auch an dem Tag, als ich
ins große Auto stieg und er mich
mit in seinen Bungalow nahm.
Da hat er meinen Gireban
bis zum Saum aufgerissen:
„War doch verschlissen
Mädchen wie du müssen
sowieso was Besseres tragen
rote Kleider mit gelben Kragen.“
Sagen konnte ich nichts
und nichts wissen
als seine Finger mich
wie mein Kleid zerrissen.
Sagen konnte ich nichts
als der Zweite kam
und sie mich zerschnitten.
Meine blauen Augen -
wen sie wohl heute ansehen?
Meine Lunge und meine Leber
verkauften sich wie von selbst
wie nichts gingen meine Organe weg
wohin, darüber kann ich nichts wissen
bloß, dass meine Knochen
durch einen Abflusskanal treiben
und schreien müssen.

Ins Deutsche übertragen von Sylvia Geist and Tom Schulz
Poets Translating Poets - VERSschmuggel mit Südasien, organisiert vom Goethe Institut in Zusammenarbeit mit der Literaturwerkstatt Berlin, 2016

برقع پہن کر نکلی

urdujščina | Jameela Nishat

بر قع پہن کر نکلی

ڈگری بھی میں نے لیلی

کمپیوٹر میں نے سیکھا

اور دوسروں سے آگے

میں نے خود کو پایا

امی بھی بہت خوش تھی

ابا بھی بہت خوش

ہاتھوں میں اپنے

میں نے

کوہ طور اُٹھایا

زمانے کو روند دالوں

یہ دل میں

 میں نےٹھانا

بن جاؤں میں سکندر

کالے نقاب کے اندر

ہر سانس نے پکارا

 

موج مستی میں کرنے نکلی

تھیٹر میں جوں ہی پہوچی

ڈنڈے نے مجھے روکا

برقع منع ہے لڑکی

کالے نقاب سے کالا دھواں سا اُٹھا

اُس وقت

وہیں پر

میں نے

برقع اُتار پھیکا

© Jameela Nishat
Audio production: Goethe Institut, 2016

Ich zog die Burka an und ging fort

nemščina

einen Abschluss machte ich,
lernte Computersprachen

Weiter als andere
kam ich

Mutter war überglücklich
Vater war überglücklich

Mit meinen bloßen Händen
konnte ich den Berg Sinai versetzen

Von Herzen nahm ich mir vor
die alten Zeiten wie Unkraut niederzutreten

Ich muss werden wie Alexander der Große
unter dem schwarzen Schleier

Mein Atem rief mich zu den anderen
Zum Feiern ging ich raus

Sobald ich vor das Kino trat
hielt mich der Stock des Wächters auf

„Burkha darf man hier nicht tragen, Mädchen!“
 
Vom Schleier stieg schwarzer Rauch auf

Genau in diesem Augenblick

warf ich

die Burka weg

Ins Deutsche übertragen von Sylvia Geist and Tom Schulz
Poets Translating Poets - VERSschmuggel mit Südasien, organisiert vom Goethe Institut in Zusammenarbeit mit der Literaturwerkstatt Berlin, 2016

کوئی تصویرکسی پیکر کی تلاس میں ہوں

urdujščina | Jameela Nishat

کوئی تصویر کسی پیکر کی تلاش میں ہوں

فون کی گهنٹی بجے اور میں قطار میں ہوں

میرے قلم کی لہروں میں ہوں، الفاظ میں ہوں

ایک دیوانگی ہوں اپنی تلاش میں ہوں

 

ایک ایک پل نئی چاہت نئے فراق ملے

تارابن کر میری تقدیر فلک پر چمکے

صبح ہوتی ہے خواب کی تعبیر لیے

پهر بهی کیا ہے جو مجه کو نظر آتا نہیں

نہ قلم ہے نہ ورق ہے اور نہ لوح جگر

ایک احساس ہے

چپ کے سے نکل پڑتا ہے

گهومتا پهر تا ہے دنیا میں نیا نام لیے

فیس بک پر جو چهلکتا ہے نئے جام لیے

شکل اس کی تو لگے سب کو بہت ہی پیاری

پهر بهی مجه کو وه تنہائی کا غلام لگے

انگلیاں سوچ رہی ہیں قلم چپ چاپ کهڑا

لمس کے ساته مگر قافلہ ایک چلنے لگا

© Jameela Nishat
Audio production: Goethe Institut, 2016

Ein Profil sucht sein Gesicht

nemščina

In der Warteschleife häng ich
in der langen Schlange steh ich
in die Kurve meines Schriftzugs schwing ich
zu den Wörtern will ich
ein Wahn, eine Suche, ein Ich bin ich
in jeden Moment verliebt
jeden Moment verlassen.
Meine Zukunft ist glänzend wie ein Stern
und morgen werden alle Träume wahr.
Trotzdem, irgendetwas fehlt
kein Stift, kein Blatt, kein Buch, was.
Eine Empfindung
die wie eine Agentin hinter Nicknames
versteckt über die Flaniermeilen streunt.
Die Facebook-Freunde feiern sie ab
alle Welt liked ihr süßes Gesicht.
Eine Tagelöhnerin der Einsamkeit, für mich.
Die Finger zögern, der Stift steht wortlos still.
Aber es ist nur ein Zucken von hier bis zum
Punkt, an dem eine Karavane aufbricht.

Ins Deutsche übertragen von Sylvia Geist and Tom Schulz
Poets Translating Poets - VERSschmuggel mit Südasien, organisiert vom Goethe Institut in Zusammenarbeit mit der Literaturwerkstatt Berlin, 2016

کرچیوں پر چل کر

urdujščina | Jameela Nishat

کرچیوں پر چل کر

خیمہ تک اپنے پہنچی

کاغذ نے با ہیں پھیلائی

پلکوں نے ٹپکایا لہو

الفاظ جنم لینے لگے

© Jameela Nishat
Audio production: Goethe Institut, 2016

Auf holprigen Wegen, rennend

nemščina

sank ich zu meiner Herberge ins Gras

Der Drachen streckte die Arme aus

Wimpernrot, Bluttropfen auf dem Papier

Die Wörter beginnen, zur Welt zu kommen.

Ins Deutsche übertragen von Sylvia Geist and Tom Schulz
Poets Translating Poets - VERSschmuggel mit Südasien, organisiert vom Goethe Institut in Zusammenarbeit mit der Literaturwerkstatt Berlin, 2016

THE HEROIN SESTINA

angleščina | Jeet Thayil

What was the point of it? The stoned
life, the chased, snorted, shot life. Some low
comedy with a cast of strangers. Time
squashed flat. The 1001 names of heroin
chewed like language. Nothing now to know
or remember but the dirty taste

of it, and the names: snuff, Death, a little taste,
H—pronounce it etch—, sugar, brownstone,
scag, the SHIT, ghoda gaadi, #4 china, You-Know,
garad, god, the gear, junk, monkey blow,
the law, the habit, material, cheez, heroin.
The point? It was the wasted time,

which comes back lovely sometimes,
a ghost sense say, say that hard ache taste
back in your throat, the warm heroin
drip, the hit, the rush, the whack, the stone.
You want it now, the way it lays you low,
flattens everything you know

to a thin white line. I’m saying, I know
the pull of it: the skull rings time
so beautiful, so low
you barely hear it. Itch this blind toad taste.
When you said, “I mean it, we live like stones,”
you broke something in me only heroin

could fix. The thick sweet amaze of heroin,
helpless its love, its know-
ledge of the infinite. Why push the stone
back up the hill? Why not leave it with the time-
keep, asleep at the bar? Try a little taste
of something sweet that a sweet child will adore, low

in the hips where the aches all go. Allow
me in this one time and I’ll give you heroin,
just a taste
to replace the useless stuff you know.
Some say it comes back, the time,
to punish you with the time you killed, leave you stone

sober, unknowing, the happiness chemical blown
from your system, unable to taste the word heroin
without wanting its stone one last time.

© Jeet Thayil
Audio production: Goethe Institut, 2016

Heroinsestine

nemščina

Und was war der Sinn?
Das Leben als rollender Stein.
Gejagt, gesnieft, gespritzt. Jedenfalls stoned sein.
Ein B-Movie, in den Hauptrollen Fremde. Zeit
plattmachen. Die 1001 Wörter für Heroin
durchkauen: eine Sprache für sich. Nichts 

mehr kennen als die Süße dieses Drecks und nichts
benennen können als H (sprich: eytsch): Brauner Stein,
Sugar, Scag, Shit, Smack, Junk, Weißt-schon, Heroin,
Ghoda Gaadi, Ganja, Garad, Gesetz, Gott. Der Sinn?
Der Stoff, der Schuss, das abgeschossene Draußensein
im Orbit verrannter, verrinnender, geronnener Zeit,

die wie eine Liebe wiederkehrt, ein Gespenstersinn
wie das Jucken in der Kehle einer blinden Kröte. Nichts
kratzt sie, nichts schmeckt ihr, nichts wärmt sie wie Heroin.
Das Tropfen, das Klopfen, die Eile, das Heilen, der Stein
der Weisen, der dich wälzt, dich verschiebt auf sein
Gleis, auf die dünne weiße Spur deiner abgestellten Zeit.
Als du damals sagtest: „Unser Leben ist aus Stein“,
brach in mir etwas entzwei. Die Medizin war Heroin.
Was kann ich noch sagen? Ich kenne den Sinn
der Schädeluhr, ihr Ticken gen Null, wo keine Zeit
zu hören ist, so sacht. Danach das süße Nichts,
das fette Staunen darüber, ohne Schmerzen zu sein

in den Beinen, das Nicken dabei, der endlose Sinn
davon, die heillose Liebe dazu. Warum nicht Auszeit
nehmen an der Bar, warum bergauf mit dem Stein?
Nur noch diesmal was Süßes, ein bisschen Heroin,
um alles, was du nicht mehr brauchst, mit gar nichts
zu ersetzen. Was kann für vertane Zeit die Strafe sein?

Mehr Zeit. Nüchtern wirst du sein, ein ausgespülter Stein.
Wirst die Wörter nicht nennen und weiter nichts wollen,
wirst, den Sinn auf der Zunge, ihn nicht mehr kennen.

Ins Deutsche übertragen von Sylvia Geist and Tom Schulz
Poets Translating Poets - VERSschmuggel mit Südasien, organisiert vom Goethe Institut in Zusammenarbeit mit der Literaturwerkstatt Berlin, 2016

DECLARATION OF INTENT

angleščina | Jeet Thayil

Your lips go from sunny side to suicide in a single click.
You’re too fast for any sniper.
You know when to hit the ground and stay down.
When you step out, armies rise up or die by your eyes.
Your soldiers are of all ages, genders and religious denominations.
They have nothing in common but the image of you
carried in secret lockets, or burned into their third, unblinking eyes,
or tattooed into armpit and hairline and between the toes.
If you glance at yourself when you’re kissed, the mirror plucks out its eyes,
for no other image will ever again suffice.
You are kissed and kissed again. You are always kissed.
You wake up to a kiss and fall asleep to one. In between, kisses.
You say your dreams in a stunned small voice
that belongs to the other world.
Your pauses are glacial, the age melds its continent to your breath,
your tears are the end of seasons.
Sometimes, on an escalator, if you speak to yourself
your unheard words will make a stranger stop in grief.
Your power is sustainable and biodegradable.
Your green will outlast plastic.
You invented electricity. The grids belong to you.
They blaze your praises, visible from rocket ship and satellite.
When you skip town, the wind on the street says your name.
Ah, it says. Kang. Sha.
No one escapes your influence.
Once, out of my mind, I tried, but the grass barred my way.
And the stars wandered out of their pens.
And God exhaled.
And no faith was left in the world.

© Jeet Thayil
Audio production: Goethe Institut, 2016

Absichtserklärung

nemščina

Deine Lippen bewegen sich von der Sonnenseite zum Selbstmord in einem Klick.
Du bist schneller als jeder Heckenschütze.
Du weißt, wann du auf den Boden fällst und liegen bleibst.
Wenn du rausgehst, stehen Armeen auf oder sterben durch den Blick deiner Augen.
Deine Söldner haben jedes Alter, jedes Geschlecht und jede Religion.
Nichts Gemeinsames haben sie: außer einem Bild von dir,
das in geheimen Medaillons getragen, eingebrannt in ihren ausgelöschten dritten Augen, oder in den Achselhöhlen tätowiert bis zum Haaransatz und zwischen den Zehen.
Wenn du dich anschaust im Spiegel, während du geküsst wirst, pflückt das Glas
seine Augen, denn kein anderes Bild wird je genügen.
Du wirst geküsst, wieder und wieder. Du wirst immer geküsst.
Du wirst von einem Kuss geweckt und schläfst nach einem Kuss ein. Dazwischen, Küsse.
Du erzählst deine Träume so sanft mit betäubter Stimme,
die zu einer anderen Welt gehört.
Deine Stille ist lang und glazial, die Eiszeit verschmelzt den Kontinent mit deinem Atem,
deine Tränen bedeuten das Ende aller Jahreszeiten.
Manchmal, auf einer Rolltreppe, wenn du mit dir selbst sprichst,
stürzen deine ungesagten Worte einen Fremden in Trauer.
Deine Kraft ist nachhaltig und biologisch abbaubar.
Dein Grün wird Plastik überleben.
Du hast die Elektrizität erfunden. Die Stromnetzte gehören dir.
Sie erleuchten deine Pracht, sichtbar von Raumschiffen und Satteliten.
Wenn du die Stadt verlässt, flüstert der Wind auf den Straßen deinen Namen.
Ah, sagt er. Kang. Sha.
Niemand kann deinem Einfluss entkommen.
Einmal, fast verrückt, hab ich es versucht, aber das Gras war zu hoch gewachsen.
Und die Sterne fielen aus ihren Bahnen.
Und Gott atmete ein letztes Mal aus.
Und jeder Glaube auf dieser Welt war verloren.

Ins Deutsche übertragen von Sylvia Geist and Tom Schulz
Poets Translating Poets - VERSschmuggel mit Südasien, organisiert vom Goethe Institut in Zusammenarbeit mit der Literaturwerkstatt Berlin, 2016

THE TWO THOUSANDS

angleščina | Jeet Thayil

In the end it took so little to do us in:
the imaginative use of fuel,
the fuzzy grammar
of this or that group of logicians,
gifts of money
to the strongest among us.
Who could resist those voices raised in unison?
‘Travel broadens nothing,’
the Great Martyr said, ‘except your tan.’
It was the official position,
broadcast without commercial interruption
every evening at 6.
The time for lyricism had passed.
Also—kissing, sculpture, coq au vin, the tango,
and other items of behavior
too commonplace to mention.
They had G_D on their side;
we had fear.                          
Same difference, you might have said.
I kept a wet finger to the wind.
Depending on who was winning
I shaved or I didn’t.

© Jeet Thayil
Audio production: Goethe Institut, 2016

Die Nuller Jahre

nemščina

Am Ende brauchte es wenig, uns zu erledigen; ein kreativer Gebrauch von Treibstoff, die ungenaue Grammatik dieser oder jener logischen Schule, Geldgeschenke an die Stärksten unter uns. Wer kommt an gegen einen Chor, der sich mit einer Stimme ehebt? „Reisen vertieft nichts“, sagt der Große Märtyrer, „außer deine Bräune.“ So weit der offizielle Standpunkt, gesendet ohne Werbeunterbrechung jeden Abend um 6. Die Zeit für Lyrik ist vorbei. Auch die für Küsse, Skulptur, Coq au vin, Tango und gewisse andere Verhaltensweisen, die hier nicht genannt zu werden brauchen. Sie hatten G.O.T.T. auf ihrer Seite; wir hatten Angst. Wo ist der Unterschied, würdest du vielleicht sagen. Ich hielt einen nassen Finger in die Luft. Je nach dem, wer am Gewinnen war, rasierte ich mich oder nicht.

Übersetzung Sylvia Geist und Tom Schulz
Poets Translating Poets - VERSschmuggel mit Südasien, organisiert vom Goethe Institut in Zusammenarbeit mit der Literaturwerkstatt Berlin, 2016

THE HAUNTS

angleščina | Jeet Thayil

As starlight, as ash or rain,
as a smear on the moon,

as a tree, say a champakali,

as a leaf or a man impersonating a leaf
torn into shreds
and fed to the wind,

as the smell of a small dead animal,

as a tremble on the stair,
a mouse or air,
a tear, a heave,

as fear glimpsed from the window of a plane,

as a telepathic ginger cat
that appears in a slit of moonlight
enters the locked house
and leaves its stinking spoor in each locked room,

as a boat on the Muhatupuzha about to drop
its load of two children and a woman
into the monsoon current,
and if the river had taken them
how much pain would it have made,
how much would it have saved?

as my mother trying to push the monstrous head out from between her legs,

as the stalker at 4 AM
swing creaking in the park near my house
downturned face white in cellphone light,

as the god that swaggers the top floor of my spirit
or the ghost that twists in the basement
or the slave that inhabits the middle,

as an inconsolable soprano nearing the end of Ave Maria,

as a cherry red Stratocaster Elite
found in a pawn shop in Vancouver
and bargained down to eight hundred dollars,

as bad heroin in a Delhi alley
pink pill crushed up and sold in a twist of paper
snorted hungrily for no pleasure,

as a woman (again and again)
whose hair curls, mouth moves or eyes well like yours,

as a figure by the side of the Expressway
urging me to crash the car
in a voice so calm and wise
it took every shred of sanity not to give in,

as good heroin in Zurich,

as a bloated white face on the ceiling of a borrowed room
talking to me all night
in words I am too high to understand,

as a violin creeping through the
trees in front of Humboldt University
and I understood music as the hunger
that eats those it stokes,

as the careful lizard that patrols my brain,

as the dazzled bird who steals—gems, junk,
whatever comes—to build
and what did I build but a house of dust?

© Jeet Thayil
Audio production: Goethe Institut, 2016

Die Lieblingsplätze

nemščina

Wie Sternenlicht, wie Asche oder Regen
wie ein Abstrich vom Mond

wie ein Baum, wie der Jasmin
wie ein Blatt oder ein Mensch, der ein Blatt darstellt

in Stücke gerissen
und an den Wind verfüttert
  
wie der Geruch eines kleinen toten Tieres
wie ein Zittern auf der Treppe

eine Ratte oder einfach Luft
eine Träne, eine Hebung
  
wie Angst, flüchtig aus dem Fenster eines Flugzeugs gesehen
wie eine telepathische rotblonde Katze

die im Spalt des Mondscheins aufscheint
und in ein abgeschlossenes Haus tappt
ihre stinkende Spur in verschlossenen Zimmern zurück lässt
  
wie ein Boot auf dem Muhatupuzha-Fluss
dass die Last von zwei Kindern und einer Frau
in den Monsunstrom abwirft

wenn der Fluss sie mitgenommen hätte
wie viel Schmerz hätte es verursacht
wie viel hätte es gespart?
  
als meine Mutter versuchte, meinen monströsen Kopf zwischen ihren Beinen
herauszupressen
wie der Stalker um 4 Uhr morgens
sich auf der knarrenden Schaukel im Park in der Nähe meines Hauses bewegte
das Gesicht nach unten geneigt, weiß im Licht des Mobilphones
  
wie der Gott, der in der oberen Etage meines Geistes stolziert
oder der Geist, der sich im Keller krümmt
oder der Sklave, der die Kammer im mittleren Teil bewohnt

wie ein untröstlicher Sopran an das Ende von Ave Maria gelangt
wie eine kirschrote Stratocaster-Gitarre
gefunden in einem Pfandhaus in Vancouver
und auf 800 Dollar herunter gehandelt
wie schlechtes Heroin in einer Gasse von Delhi
rosa Pille zu Pulver zermahlen, in billiges Papier gewickelt
und gierig geschnupft ohne irgendein Vergnügen
  
wie eine Frau (wieder und wieder)
deren Haare locken, ihr Mund bewegt sich, die Augen fließen über in deine
  
wie eine Gestalt am Rand der Autobahn
die mich auffordert, das Auto gegen die Wand zu fahren
in einer Stimme, so besänftigend und weise
jedes Gramm Verstand hat es gekostet, nicht nachzugeben
  
wie gutes Heroin in Zürich
wie ein aufgeblähtes fahles Gesicht an der Decke eines gemieteten Zimmers
das die ganze Nacht mit mir gesprochen hat
mit Worten, die ich stoned nicht verstehen konnte
  
wie eine Violine, die durch die
Büsche vor der Humboldt-Universität kriecht
und ich habe Musik als den Hunger verstanden
der jeden auffrisst, der Feuer gefangen hat
  
wie der vorsichtige Gecko, der in meinem Gehirn patrouilliert
wie der geblendete Vogel, der den Schmuck stiehlt und billigen Plunder
was immer geschieht - um etwas zu bauen
und was habe ich erbaut außer einem Haus aus Staub?
  
wie ein Ritual zwischen frisch vermählten Insekten
wie ein Insekt, gehörnt zitternd gekrümmt
kleine Geburtswehen eines Tyrannosaurus
  
wie das Weiße meines Barts, weiß, das Schnee und Stupor übersteigt
wie das verlassene Kind, das du warst
das Wind und Wasser „Auf Wiedersehen“ sagte
und ins Jenseits der Luft stieg
dem irdenen Blut 'Nein' sagte
  
dem körperlichen Blut "Halt an" sagte
das wie ein weißer Schatten auftrat
ohne Besonderheiten oder Wünsche

wie ein Tropfen vom Opfer-Öl
der deine Atome zusammen führte
taumelnd herunter tropfend
in deiner Eile, in das Reich
des ewigen Lebens einzutreten
  
wie Leiden, eine Leberkrankheit
und der Fluss von rotem Wein, der sie heilt
wie die dunkle Traube, die den Wein macht
  
wie schwarzer Wundbrand am Bein, der über Nacht kommt
und jahrelang bleibt
wie ein unerklärlicher Buckel auf der Schulter
                 
wie der Ton von jemandem, nah und sanft weinend in der Nacht
wie ein totes Mädchen mit Blut auf den Lippen
Blut in den Augen und auf den Wangen
mit erwürgter Kehle, blutrot
  
wie eine Verbrennungsanlage
die nach Kampfer und Fleisch riecht

wie was immer du willst
komm einfach zurück.

Übersetzung Sylvia Geist und Tom Schulz
Poets Translating Poets - VERSschmuggel mit Südasien, organisiert vom Goethe Institut in Zusammenarbeit mit der Literaturwerkstatt Berlin, 2016

Post Mortem

angleščina | Sridala Swami

The brain in its jar floats and dreams:
streams of memory, consciousness, preserved.
The two halves, like breasts, grieve
for the softness of skin for the reserved
whisper of touch. All this has already happened

and will never happen again. The brain curls
itself up, hits glass, ricochets and remembers:
foetal, an echo of shape, a pearl
of desire – his body holding the other one
that burnt away and became ember.

There should be a question here. A ‘how’ or a ‘why’—
a way to understand linearities. Instead, there are ridges
and convolutions, the repetition of blood beating,
the raising of hair along an arm when a finger follows
vertebrae down the spine.

Brain body umbilicus. Our bodies stretch
within and without to accommodate life. But
without you without you without you
I am only a dissonance, an object adrift, a wretched
longing for the pain of being alive.

© Sridala Swami
Audio production: Goethe Institut, 2016

Post Mortem

nemščina

Das Gehirn schwebt in seinem Glas und träumt:
Konservierte Bewusstseinsströme und Erinnerung.
Die beiden Hälften, wie zwei Brüste, sie trauern
um die Zärtlichkeit der Haut, um den vorbestimmten
Atem des Berührens. All dies ist schon passiert

und wird nicht wieder geschehen. Das Gehirn rollt
sich ein, schlägt gegen Glas, prallt ab, erinnert sich:
Embryohaltung, Echo einer Gestalt, diese Sehnsuchts-
Perle – sein Körper hielt einen anderen
der verbrannt, zu nichts als Asche wurde.

An dieser Stelle muss eine Frage her. Ein „Wie“ und ein „Warum“ –
ein Weg, zu verstehen, wie Linearität funktioniert. Stattdessen gibt es
Abbruchkanten, Windungen, das Pochen des Bluts,
das wirre Aufrichten der Härchen an einem Arm
wenn der Zeigefinger die Wirbelsäule entlang streift.

Gehirn Körper Nabel. Unsere Leiber biegen sich
in uns und außen, um Leben eine Behausung
zu geben, ohne dich ohne dich ohne dich
Bin ich nur eine Dissonanz, ein treibendes Ding, die elendige
Sehnsuchtsform für den Schmerz, am Leben zu sein.

Übersetzung Sylvia Geist und Tom Schulz
Poets Translating Poets - VERSschmuggel mit Südasien, organisiert vom Goethe Institut in Zusammenarbeit mit der Literaturwerkstatt Berlin, 2016

h_ngw_m_n

angleščina | Sridala Swami

with lines from Paul Celan

expecting to fail? grant us a grave in the air!
over a whirling fan
throw the remaining yards of silk scrape your strings darker!
stand on the stool
put it around her neck we drink it at midday!
did she knot her wedding sari
still drawing its circle in the air: black milk of daybreak
afterwards, only one question

© Sridala Swami
Audio production: Goethe Institut, 2016

g_h_ngt_

nemščina

mit Zeilen von Paul Celan

in Erwartung zu scheitern schaufeln ein Grab in den Lüften
die restlichen Meter Seide
übern Ventilator geworfen streicht dunkler die Geigen
den Hocker bestiegen
um ihren Hals geknotet wir trinken dich mittags
hat sie ihren Hochzeitssari
noch in der Luft: schwarze Milch der Frühe
danach kreist nur eine Frage

Übersetzung Sylvia Geist und Tom Schulz
Poets Translating Poets - VERSschmuggel mit Südasien, organisiert vom Goethe Institut in Zusammenarbeit mit der Literaturwerkstatt Berlin, 2016

Never Start Something You Can Finish

angleščina | Sridala Swami

The poet dreams a painting. She owns it or a part of it with two other people she does not know. Which part of it does she own?

In the painting there is a tree, a mountain and something that could be an open mouth but when she looks directly at it, it becomes the colour rust. The mouth should belong to the sky because it spits out possibilities and the tree has a branch hacked down though the mountain remains as steadfast or true as it is possible for the poet’s time-bound eyes to comprehend.

Who are these other two people who own the rest of the painting? The poet has heard their voices come down the line like an experiment but there are no slots in her memory for them. They are waves masquerading as particles. When she thinks of them she thinks of rust.

© Sridala Swami
Audio production: Goethe Institut, 2016

Fang nie etwas an, das du zu Ende bringen kannst

nemščina

Die Dichterin träumt ein Gemälde. Sie besitzt es mit zwei weiteren Personen, die sie nicht kennt. Welchen Teil besitzt sie?

Auf dem Gemälde gibt es einen Baum, einen Berg und etwas, das ein offener Mund sein könnte, aber Farbe ist, Rost, sobald sie hinsieht. Der Mund sollte zum Himmel gehören, der Möglichkeiten wegen, die der ausspuckt, und dem Baum ist ein Ast abgehackt worden, der Berg aber bleibt stand- oder wahrhaft, so weit die zeitverbundenen Augen der Dichterin erkennen können.

Wer sind die beiden, die das übrige Gemälde besitzen? Einmal hat sie ihre Stimmen am anderen Ende der Leitung gehört, versuchter Verbindungsaufbau, doch im Gedächtnis der Dichterin ist kein Speicherplatz für sie. Wellen in der Maske von Teilchen. Denkt sie an sie, denkt sie an Rost.

Übersetzung: Sylvia Geist und Tom Schulz
Poets Translating Poets - VERSschmuggel mit Südasien, organisiert vom Goethe Institut in Zusammenarbeit mit der Literaturwerkstatt Berlin, 2016

యశోధరా ఈ వగపెందుకే !

telugijščina | Jayaprabha

యశోధరా ఈ వగపెందుకే 
          వారు బౌద్ధులు  తాపసులు 
           చింతలంటవు  వారిని 
           జరా మృత్యు భయాలుండవు 
           సరిగ్గా  బోధివృక్షం కిందే జ్ఞానోదయం  అవుతుందని 
           వారికి ముందే తెలుసు  ! 
            ఆ  అర్ధరాత్రి  అనంతయాత్రకి  ఆరంభం 
            తెలియనిది నీకేనే 
            యశోధరా ఈ  వగపెందుకే 
            అతుక్కుని గవాక్షానికి  అలా దిగులు చూపెందుకే 
            నీకు సూర్యోదయమంటేనే  అసలు  భయమెందుకే 

            ఫరవాలేదులే 
            నీ ఎదురుచూపు  వృధా పోదులే 
            ఎప్పుడో  ఓనాడు  దీక్ష బూనిన  కాషాయదారి  
            భిక్షాపాత్రతో 
            నీ  ఇంటిముంగిట కూడా  
            చెయిజాచి  వస్తాడటలే 
            శిధిల దేహంబుతో 
            నువ్వు  దీనవదనంబుతో 
            ఎదురు వస్తావని 
            ఏ ప్రాణమో  భిక్ష వేస్తావని 
            అతని  మనసులో  ఎక్కడో  ఉంటుంది  కాబోలు 

            యశోధరా  ఇంక వగపెందుకే 
            వారు బౌద్ధులు  తాపసులు 
            చింతలంటవు వారిని 
            జరామృత్యు  భయాలుండవు 
            అష్టాంగ మార్గాన  నువ్వు మాత్రం 
            అలా  చుక్కలని  చూడకే 
            యశోధరా  !
            నువ్వింక  త్యాగాలు  చేయకే ! 

© Jayaprabha
Audio production: Goethe Institut, 2016

Was soll die Wut, Yashodhara?

nemščina

Dein Mann ist jetzt ein Mönch,
er hat keine Sorgen mehr
keine Angst vor dem Sterben
nicht mal vor dem Altern.

Dass ihm ein Licht aufgehen würde, um Mitternacht
unter dieser Pappelfeige, wusste er,
dass er sich davonmachen würde, oder auf
zu seiner großen Reise, wusste jeder
außer dir.

Was soll die Wut, Yashodhara
das Gestarre aus dem Fenster, die Zitterpartie
der Hände, das Morgengrauen jeden Tag?
Keine Sorge, früher oder später steht er vor deiner Tür
in seinem safrangelben Mönchsgewand
streckt dir die Bettelschale entgegen
und du ihm dein verhärmtes Gesicht
oder was du sonst noch für ihn übrig hast.
Vielleicht hofft er das sogar.

Also, was soll die Wut, Yashodhara,
er ist jetzt ein Mönch,
er hat keine Sorgen mehr
keine Angst vor dem Sterben
nicht mal vor dem Altern.
Lauf ihm nicht nach, Yashodhara
seinem halo-erleuchteten achtspurigen Weg.
Und noch etwas: Spar dir die Opfer.

Übersetzung: Sylvia Geist und Tom Schulz
Poets Translating Poets - VERSschmuggel mit Südasien, organisiert vom Goethe Institut in Zusammenarbeit mit der Literaturwerkstatt Berlin, 2016

బాధ

telugijščina | Jayaprabha

రైలు  దూసుకుపోతున్నప్పుడు
   పాడుబడ్డ  కోటలా  వెనకబడిపోవటమే బాధ ! 
      చీకటికి లొంగిన సాయంత్రంలా  మసకబడి 
      కరిగిపోవటమే బాధ ! 
      జాలువారిన అశృకణం  బాధ ! చితాభస్మం  బాధ ! 
      వ్యక్తావ్యక్త  మనో ప్రపంచపు  మాయాజాలం బాధ ! 

      ఎలా వ్యక్తీకరించటం  బాధని ?
      బాధ  పిదప  ఏమీలేనితనాన్ని !! 

      వ్యధకి  భాష  చాలదు 
      పండుటాకు లాంటిదది 
      దిగుడుబావి లాంటిదది 
      వడిలి ... ఎండిపోయిన  మొక్కలాంటిదది 
      మునివాకిట  చెరిగిన  ముగ్గులాంటిదది 

      బాధగా  ఉంటున్నప్పుడు 
      బాధ పోతుందని నమ్మడం కష్టమే ! 
      నడి ఎండలో  రాని  తొలకరి  రాకనూహించడం  కష్టమే !!

      చింతనలో ఒంటరినై  చిట్లిపోయి 
      ఎలా వ్యక్తీకరించటం బాధని ? 
      బాధ పిదప ఏమీలేనితనాన్ని !! 

    
వ్యధకి భాష చాలదు 
      క్షతగాత్ర  శరీరం లాంటిదది 
      ఒక్కోసారి  కురవని మేఘం  లాంటిదది  
     మరి బాగుపడని పాత గడియారం లాంటిదది  
మరణించిన  నాన్న  జ్ఞాపకం లాంటిదది 

© Jayaprabha
Audio production: Goethe Institut, 2016

Schmerz

nemščina

Der Zug rast vorbei
und man bleibt zurück wie ein verlassenes Dorf
Schmerz!

Dunkelheit und schwarzer Rauch
Nicht aufzulösender Nebel, Schmerz

Rinnende Tränen, Schmerz, verbrannte Erde, Schmerz

Sachen des Herzens, ungesagt, ungetan
Blöder stechender Schmerz

Wie kann man Schmerz ausdrücken?

Die Leere nach dem Schmerz

Keine Sprache genügt für den Schmerz

Ein verwelktes, fallendes Blatt

Der Brunnen hinab, Schmerz

Vertrocknete Tulsi-Pflanze

verwischtes Muggu-Muster am Eingang des Hauses

wenn du vor Schmerz schreist, glaubst du nicht
dass der Schmerz bald aufhört

So wie du nach Wochen brütender Hitze
dir den Regen nicht vorstellen kannst

Die Gedanken, wenn du einsam bist
sind rissig wie die vertrocknete Erde

Die Leere nach dem Schmerz

Wie kann man den Schmerz beschreiben?

Keine Sprache genügt für den Schmerz

Ein verwundeter Körper, Schmerz

 

Manchmal ist Schmerz eine dunkle Wolke
die nicht regnet

eine stehengebliebene Uhr, die man nicht mehr reparieren kann

Die Erinnerung an den toten Vater, Schmerz

Übersetzung: Sylvia Geist und Tom Schulz
Poets Translating Poets - VERSschmuggel mit Südasien, organisiert vom Goethe Institut in Zusammenarbeit mit der Literaturwerkstatt Berlin, 2016

కల

telugijščina | Jayaprabha

సూట్ కేస్    దింపటం  మరిచిపోతాను 
రైలెళ్లి  పోతుంది 
చిన్ననాటి  జ్ఞాపకాలూ 
చిరిగిపోయిన వస్త్రాలూ  నేనూ 
అలాగే  నిలబడి  చూస్తూండగా 
పులి వెంట తరుముతుంది  !
               
నా చుట్టూ  కోట్ల కొద్దీ  ఉత్తరాలు
ఒక్కటీ నాకర్ధం కావు 
ఎదురుగా తెలియని ఏదోదారి 
పరిచయస్తులంతా ముందే పడవెక్కేసారు  
భీతావహ  శూన్యం నాలో 
అదేమిటో  ఏ తలుపూ  వేయబడదు 
అస్పష్టంగా  జయా  అన్న ఒక  పిలుపు 

ఎంతగా  తడుముకున్నా  ఏ స్పర్శా  అంటదే ! 
పక్కకి  చూసేసరికి  పామొకటి  పక్కలో 
తప్పించుకుపోలేక  గుట్టలుగా  పుస్తకాలు 
కడుపులో లేచిన మంట 
ఎర్రగా  చెలరేగి గొంతుని  కాల్చేస్తోంది  దాహం ! దాహం ! 

నరనరాన  కడలి పొంగు 
తెరపై  పొగమంచు  లాంటి  దృశ్యం 
నేనింకా  నేలమీద పడ్డానో  లేనో  
అమ్మ మాయలోనే ఉన్నానో 
అని  తర్కించుకుంటూ  ఉంటే 
జ్ఞానదంతం  పొడుచుకొచ్చి 
ముల్లులా గుచ్చుకుంది ! 
గొల్లుమని  చెవి పక్కనే  అలారం 

గోల గోలగా  కాలం ! 

© Jayaprabha
Audio production: Goethe Institut, 2016

Ein Traum

nemščina

Ich habe den Koffer im Abteil vergessen 
dann fährt der Zug ab 
Erinnerung an die Kindheit 
in zerrissenen Kleidern, ich 
stehe auf dem Perron, sehe 
der Tiger jagt mir nach 

Um mich stapeln sich tausende Briefe 
nicht einen kann ich öffnen 
vor mir liegt ein schräg abfallender Weg 
in ein Boot sind ferne Verwandte gestiegen 
die Leere eines geschlossenen Museums 
breitet sich aus 
und ich weiß nicht, warum sich die Tür zur Veranda 
nicht schließen lässt 

Jemand ruft mich undeutlich: Jaya! 
Wonach ich greife, es verschwindet sofort 
als ich mich zur Seite drehe, liegt eine Schlange 
in meinem Bett - 
ich konnte nicht entkommen, denn Bücherstapel 
versperrten den Weg 

Im Bauch ein rotes Feuer 
in den Hals steigt die Flamme 
schreit DURST! DURST! 
Wellen brechen in den Synapsen 
Nebel auf den Screens 
Ich bin gerade geboren oder weiß nicht genau 
ob ich noch in meiner Mutter stecke 
ich diskutiere mit mir 
da schmerzt ein Weisheitszahn 
wie ein Dorn, der mich sticht 
der Wecker brüllt: Alarm 
So viel Geheul, Geheul…

Übertragung ins Deutsche von Sylvia Geist und Tom Schulz
Poets Translating Poets - VERSschmuggel mit Südasien, organisiert vom Goethe Institut in Zusammenarbeit mit der Literaturwerkstatt Berlin, 2016

Die man wat Livingstone gesien het

afrikanščina | Charl-Pierre Naudé

Die man wat Livingstone gesien het, was feitlik reeds blind.
Hoe lank gelede het hy Afrika ingestrompel – die 1850’s, 1860’s?
Livingstone en sy geselskap, hul muskietnette
en hul houtkiste, die groot verkenner wat kort daarna sterwe …
Leeftye terug. (Moeilik om sy jare te peil
volgens ’n koerantberig van die vroeë jare sestig.)
Dus is die ou man, wat toe hy kind was, Livingstone gesien het,
op die hande gedra deur sy mense, deur vreemdelinge ook:
’n nasionale kleinood, ’n rondreisende museumstuk.
Sy ululerende stamgenote het hom in ’n omgeboude kruiwa
van dorpie na dorpie gestoot, vooruit en agterna in ’n eindelose
kronkelgang al met die spoor langs in die nou modderpaadjie,
af deur digte bos, van oopte tot oopte, nie sonder ongevalle nie,
vir myle en myle en dae sonder ophou, die ou man wat geduldig
in sy ysterkoppie dobber, oë omgedop, bene ingevou.
Of hy kom in ’n dorpie aan in ’n sykar, vasgebind aan ’n tandemfiets,
wat deur twee getrap word, sy gevolg wat saamdrom en op fluitjies
blaas en toeters druk terwyl ekstatiese dorpelinge die stofstraat vee
vir die aankomende optog, met palmblare en strooibesems.
Soos die dag toe Livingstone self deur die skare
in Londen verwelkom is, stadig op sy pad na Buckinghampaleis.
En die nuuskieriges daar, van heinde en ver, om hul respekte te toon.
Om oopmond te staar na die enigste man nog lewend –
nou kinds van die ouderdom – wat die beroemde pionier
met sy eie oë gesien het op ’n bepaalde môre in 1870
van agter ’n struik, binne hoorafstand van die Groot Water:
hoe hy rigting vra in ruil vir wierook en koper.
Hoe vreemd om te aanskou, ’n deurskynende reisiger,
heeltemal van siel gemaak, ’n mens sonder ’n lyf!
Sy voete word gesoen, die omgedopte lepels van sy ooglede betas
ná ’n fooitjie by die deure van die gemeenskapsaal.
’n Historikus van Europa het gekom om notas te maak:
iewers in dié fossiel skuil ’n eerstehandse ervaring,
’n lewende prentjie, van die grootse Livingstone.
Die kenner het die ou grys kop gekantel soos ’n towerlantern
en diep in sy oë getuur vir die ontwykende geheuebeeld.
In die skadudans van blare wat deur die venster oor sy gesig speel, ja daar:
die avonturier, wat wild beduie; sy draers die pad vorentoe wys.
Die woerende dakwaaier se skaduweeflits, helder soos daglig:
’n voël wat verby swiep, net toe hy uitvra oor die Waterval.
Die oue was nou vinnig aan die kwyn, honderd en twintig jaar oud.
Al van hom nog oor, was daardie prentjie van die pionier.
Is ’n honderd en twintig jaar oue
                                                  dan nie ’n pionier nie?
Op ’n draagbaar het hulle hom uitgedra, een man voor
en een man agter, en hom langs sy houtkis neergesit.
Nie die einde van die reis nie, net ’n blaaskans vir die draers...
En só het hy Livingstone, selfs Marco Polo geword,
’n adellike op sy draagstoel oor die verste voorpos
die Oneindige in, ’n ontdekker
                                                van die suiwerste water.

© Charl-Pierre Naudé
from: In die geheim van die dag
Menlopark: Protea Boekhuis, 2004
Audio production: Music & production: Timon Wapenaar.
By permission of the poet taken from the CD
in die begin was die woord

Der Mann, der Livingstone sah

nemščina

Der Mann, der Livingstone gesehen hatte, war nun praktisch blind.
Wann trotteten gleich die Engländer durch Afrika -
in den 50ern des 19. Jahrhunderts, den 60ern? Er und seine Truppe,
Moskitonetze und Schrankkoffer, und der große Forscher gestorben
                                                                                          bald darauf …
(Menschenalter ist das her. „Schwierig, sein Alter
zu schätzen“ - aus einer Zeitung in den frühen Siebzigern.)
So wurde der alte Mann, der als Junge Livingstone gesehen hatte,
von seinen Leuten verehrt, und auch von anderen.
Ein nationaler Schatz, ein wandelndes Museumsstück.
In einem umgebauten Schubkarren zwischen den Dörfern hin und her
                                                                                          geschoben,
mit Geheul am Vorder- und am Hinterende einer endlos dahinschlängelnden
                                                                                          Reihe,
über einen engen schlammigen Pfad durch dichten Busch
von Abholzung zu Abholzung, nicht ohne Unglücksfälle.
Meile um Meile und tagelang dümpelte der alte Mann geduldig
in seinem eisernen Napf, die Augen gen Himmel gerollt, im Schneidersitz.
Oder er zog im Beiwagen eines Tandems in eine Stadt ein,
von zwei strampelnden Fahrern kutschiert, von seinem Gefolge umdrängt
unter Getriller und Gehupe, während ekstatische Dörfler mit Palmwedeln
und Strohbesen die staubige Straße für den Nahenden frei fegten.
Wie Livingstone höchstselbst, willkommen geheißen von der Menge
in London, auf seinem langsamen Weg zum Buckingham Palast.
Und die Neugierigen kamen von nah und fern, ihm Respekt zu zollen.
Anzustaunen den letzten lebenden Menschen (vergesslich vor Alter),
der die „Discoverer“ mit eigenen Augen gesehen hatte, eines Morgens
im Jahr 1870, hinter einem Busch hervor, in Hörweite des Großen Wassers -
als Kupfer und Weihrauch gegen Anweisungen getauscht wurden.
Was für ein seltsamer Anblick, ein lichtdurchlässiger Reisender:
ganz aus Seele gemacht, ein Mann ohne Körper!
Und sie küssten seine Füße und fühlten die Liebkosung der blinzelnden
                                                                                           Lider,
nachdem sie an den Türen des Gemeindehauses die Gebühr ausgespuckt
                                                                                          hatten.
Ein Historiker reiste aus Europa an, um mitzuschreiben:
Irgendwo in dem alten Fossil war eine Erinnerung
aus erster Hand begraben, ein lebensechtes Bild von Livingstone.
Der Experte kippte den alten Kopf hin und her wie eine Laterna magica
und spähte der durch die Augen nach dem ungreifbaren Bild.
Im Spiel der Blätter, die durchs Fenster wehten, ja dort: Der Abenteurer,
wild winkt er von seinem schwankenden Platz auf den Dienern.
Ein Schattenblitz des Deckenventilators, klar wie der helle Tag:
ein vorbeistreichender Vogel, der Moment, in dem er nach den Wasserfällen
                                                                                          fragte.
Der alte Mann schwand schnell dahin, mit hundertzwanzig Jahren.
Ist das denn kein Pionier,
                                          der hundertzwanzig Jahre alt wird?
Sie trugen ihn auf einer Bahre hinaus, ein Mann hinten, einer vorn,
und setzten ihn sanft neben seinem hölzernen Koffer ab.
Nichts Endgültiges, nur eine Verschnaufpause für die Träger´...
Und so wurde er Livingstone, wenn nicht Marco Polo,
ein Aristokrat, in seiner Sänfte
in die Unendlichkeit befördert, ein Entdecker
                                                                         reinsten Wassers.

Deutsch von Sylvia Geist

Teen die liefde

afrikanščina | Charl-Pierre Naudé

Is dit waar ons nou is? Hiér,
reg langs mekaar, en tog so ver uiteen;
twee liefdesvoëltjies wat na mekaar toe vlieg
in ’n transmissie waarvan die sein verbrokkel
tot vier liefdesvoëltjies - en verder opbreek - ’n hele sardientjieloop
wat nimmer die ander se strand sal haal nie.

Ek is teen die liefde, die hele storie van vermenigvuldiging:
Die Vatikaan se mooibroodjiesbakkery,
sowel as die viswinkel langsaan.

Jou opgeprikte borsies flous my nie,
jy’t maar net jou pantser uitgeklop.
Die metafore is soldate, die gebare almal draagbare,
en jy’s ’n baboesjka-poppie
gevul met Napoleons wat net al hoe kleiner word.
Stroop die vredemakers kaalgat en gooi hulle by die vensters uit,
Paasbolletjiekant eerste! Die middelgrond traak my nie meer nie.
Kom ons breek op, laat ons die atoom kloof;
dít sal ons minstens nie in die steek laat nie, tot in die oneindigheid.
Ons soet woordjies? Dié het suur geword –
die giftige kersiekoekies van ’n versaakte voodoo-ritueel.
Al goeie hiervan is om te sien hoe die beraders
en die priesters op die vlug slaan,
daardie swart poue in hul nuttelose sandale.
Ek is teen die liefde. Laat die kontinente uitmekaar dryf.
’n Nuwe wêreld maak. Nuwe ontdekkers.
’n Ander godsdiens.

Ek is teen sin. Ek is teen onsin ook.
Nou die dag nog is ’n vark se vrug
met ’n menslike spermsel gekruis.
Ek’s heeltemal daar voor.
Dankie meneer meisiedemone,
mevrou kolonel vlieënde vis,
vir paddas reën op die buikspreker,
dat jy die goëlaar só moes vasketting
aan die boord se hangende lemoene;

en die gilspoke wat die Trappis gery het,
jy kan nooit ’n nagmerrie vertrou nie.
Nou moet ek weer voor begin –
was dit nodig om my Drie Apies te steel?

Poplappie Zeus, Moedertjie Son,
jy was my Pantheon gefotostateer
en deur die wind tot lewe gewaai;
nou flapper die verinneweerde tempel
die ene vlêrmuise.

Wat het van ons geword? Waar is die herinneringe?
Ons is aan mekaar se kele soos arende,
verstar in ’n opgediepte familiewapen.

Dit word somer op die hoëveld, waar ons albei woon.
Hulle noem hierdie streek die Wieg van die Mensdom,
waar die eerste mensape rondgeloop het.
Die geraamtes van die oertiere lê weggepak
in die kalksteen soos virtuele vleuelklaviere.
Nog ’n jaar verstryk. Die naakte savanne sing. En die weerlig flits
soos my rekenaarskerm – wat dié dokument nou bêre.
Skarrelende makelaars van die jong republiek verbeel nuwe markte
en vergruis met hulle rondgetrap die oeroue skedels.
Maar terwyl alles weer begin lewe, het ons liefde gesterf.
Kyk, die tarentale kom wikkel-wikkel uit die gras in hul tjalies van grafiet.
Hulle is die poue, die donsvuurwerke, van lank, lank gelede –
wat verdof het op die retinas van ons twee se lyke.

Liefde: die verborge kategorieë,
die beskilderde deure van die heuningkatakombes.
En nou dít. Verdomp. Fokkit. Vervolging.

Tyd: ’n klip versteende aarbeie,
die piekniekmandjie wat deur ’n bobbejaan gesteel is
naby Sterkfonteingrot,
en die vermiste paartjie.
Ja dít. Móér.

Ons slaap nou op die bodem van ’n see.
Ons gesigte kyk in teenoorgestelde rigtings,
twee profiele op afsonderlike munte.
Ons hare wat kon lig op die briesie van die oomblik,
lê nou geslaan in die wind van die ewigheid.
Ons is ’n verlore skat.
Die skip het in onweer gestrand.

Maar eendag, op ’n mooiweersdag in die verre toekoms
sal twee duikers, ’n ou en ’n meisie,
verliefde skattejagters in die vlak water,
my en jou opnuut daar vind,
met hul splinternuwe lywe
ons weer opdiep
uit hierdie vergete wrak.

© Charl-Pierre Naudé
from: In die geheim van die dag
Menlopark: Protea Boekhuis, 2004
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

Gegen Liebe

nemščina

So weit
sind wir also gekommen?
Dicht nebeneinander her, aber eines dem anderen fern;
zwei Turteltauben, übermittelt nur von einem Signal,
das bricht.
In vier Turteltauben.
Auch aufbricht, wie Sardinen im Fortpflanzungssog
ohne jede Chance, das andere Ufer zu erreichen.

Ich bin gegen Liebe, das ganze Vermehrungsding:
die endlose Bäckerei des Vatikan, genau wie der Fischladen
nebenan.
 
Mich täuschen deine aufgerichteten Nippel nicht, du
punzt bloss deine Rüstung.
Die Metaphern sind Soldaten geworden, die Gesten allesamt Bahren
jetzt, und du bist eine Matroschka
nicht enden wollender Napoleoninnen, eine kleiner
als die andere.

Zieh die Friedenssifter splitterfasernackt aus und schmeiß sie aus dem
                                                                                                                               Fenster -
verschnürt und mit den knackigen Arschbacken voran,                                                                                                              ich schere mich nicht um den Mittelweg!
Trennen wir uns. Das Nette am Atom
in geteiltem Zustand ist, dass du dich darauf verlassen kannst,
abermillionenfach.

Und unsere süßen Worte? Sind sauer geworden -
giftige Petit-fours eines wüsten Voodoorituals.
Das einzig Gute daran ist,
die Berater und Prediger im Geiste
sich davon machen zu sehen,
diese schwarzen Pfauen in ihren nutzlosen Sandalen.

Ich bin gegen Liebe. Lass die Kontinente auseinander driften.
Lass sie neue Welten formen. Neue Entdecker.
Eine andere Religion.

Ich bin gegen Sinn. Ich bin auch gegen Verwirrung.
Vor ein paar Tagen erst haben sie ein Schweineei
mit menschlichem Samen gekreuzt. Ich bin absolut dafür.
Danke, Herr Mädchendämon,
Frau zu-Oberst Fliegender Fisch,
für den Froschregen auf den Bauchredner,
für das Anketten des Jongleurs
im Obstgarten der abgehängten Orangen.

Und den bösen Feen, die den Trappisten bestiegen,
kann man keinen Alptraum anvertrauen:
jetzt fange ich wieder bei Null an -
und du hast meine Drei Affen gestohlen!

Baby Jupiter, Mutter Sonne,
du warst mein fotokopiertes Pantheon,
ins Leben geweht vom Wind,
aber der Tempel ist eingerissen und klappert mit den Flügeln.

Was ist aus uns geworden? Wo sind die Erinnerungen?
Wir sind einander an die Gurgel gefroren
wie Adler im Wappen
einer alten, ausgestorbenen Familie.

Es wird Sommer im hohen Grasland, wo wir beide leben.
Man nennt diese Gegend die Wiege der Menschheit,
die ersten Hominiden verbreiteten sich hier. Wieder vergeht ein Jahr.
Die Skelette vorzeitlicher Tiger liegen dicht bei dicht
im Kalkstein, wie große Scheinklaviere.
Die nackte Savanne singt. Und Blitze flackern
wie mein Computerbildschirm, der diesen Satz speichert.
Hastige Börsenmakler der jungen Republik werben
um neue Märkte und zertrampeln die urtümlichen Schädel.
Doch während alles aufs Neue beginnt, ist unsere Liebe gestorben.
Graue Perlhühner kommen aus dem Gras in ihren Graphitumhängen.
Das sind die Pfauen, die vor langem niedergegangenen Feuerwerke,
die die Netzhaut der zwei Leichen trübten, die wir sind.

Liebe: die verborgenen Kategorien,
die gemalten Türen auf den Honiggrabgewölben,
und jetzt das. Verdammt. Fick dich. Verfolgung.

Zeit: ein Stein aus versteinerten Erdbeeren;
der Picknickkorb, den ein Pavian stahl
bei den Höhlen von Sterkfontein,
und das verschwundene Paar.
Ja, das. Verdammt. -

Wir schlafen auf dem Grund eines Meeres.
Unsere Gesichter schauen in entgegengesetzte Richtungen,
zwei Profile, auf verschiedene Medaillen geprägt.
Unser Haar, das sich in die Brise von heute erheben wollte,
ist nun auf den Wind der Ewigkeit gemünzt.
Wir sind ein verlorener Schatz.
Das Schiff lief bei Dreckwetter auf Grund.

Aber einmal, an einem klaren Tag in ferner Zukunft,
werden zwei Schnorchler, ein Junge und ein Mädchen,
zwei schöne Liebende im seichten Wasser,
dich und mich entdecken und uns
mit ihren brandneuen Körpern
heraufholen

aus dem vergessenen Wrack.

Deutsch von Sylvia Geist

Nature and the revolution

angleščina | Charl-Pierre Naudé

That week several sightings of flying saucers were reported,
and auroras of the invisible universe.
I was in my car, and passed an unusual religious ritual
while rain poured down on a fractured dusk.
The men wore veils, except the two initiates;
a small choir of women enraptured on the roadside.
I had never seen this sect, a mixture of Africa and the West.
The veiled men urgently egged on the novices, who were sweating and crying,
to walk faster to the altar, and the new life awaiting them.
Blinded by fervour they shuffled like ducks into the veld
and fell to their knees, praying out loud. Two shots rang out.
I’d witnessed a car being hijacked, and summary execution.
How was I to know? There is hardly a road going anywhere
that does not also lead in the opposite direction.
Maybe it’s something to do with perception.
Some believe flying saucers are visions of the future
or of an advanced civilisation that perished in the past.
Take that story of the two brides for instance.
There’s the slow bride, whose single gesture can take three generations.
Her dress doesn’t flutter, its frills
are embossed in the pressed ceiling above me.
And the fast bride, unwrapped on the spot, wet before the ceremony’s over.
She has a long bridal train, white, and humbly calls herself toilet paper.
Maybe things are determined by how we view time.
And if you think I was a bad witness, remember circumcision
or sacrificial virgins. The quick hand and the slow hand, of God.
Yes, I might have been more useful to the enquiry.
Yes I’m glad, still to be among the living.
But idling past in my car in a time of apparitions,
on the right side of the road, on the good side
of the line, they didn’t see me. I was the one
who didn’t exist yet.

© Charl-Pierre Naudé
from: Against the Light
Menlopark: Protea Boekhuis, 2007
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

Natur und Umbruch

nemščina

In jener Woche gab es mehrere Berichte über fliegende Untertassen
und von Lichterscheinungen aus dem nicht sichtbaren Universum.
Ich saß im Auto und fuhr an einem ungewöhnlichen religiösen Ritual vorbei,
während Regen auf den Abenddämmerstaub eindrosch.
Die Männer trugen Schleier, abgesehen von den beiden Eingeweihten;
ein kleiner Frauenchor stand entrückt am Straßenrand.
Diese Sekte, eine Kreuzung zwischen Afrika und dem Westen, hatte ich noch
                                                                                                                                    nie gesehen.
Die vermummten Männer nötigten die schwitzenden, heulenden Novizen,
schneller an den Altar zu treten, wo das neue Leben auf sie wartete.
Blind vor Eifer watschelten sie wie Enten ins Buschland
und fielen laut betend auf die Knie. Zwei Schüsse knallten.
Ich war Zeuge einer Autoentführung gewesen sowie
                                                                                        einer standrechtlichen Exekution.
Was wusste ich denn? Kaum eine Straße irgendwohin,
die nicht auch in die Gegenrichtung führt.
Eine Frage der Wahrnehmung vielleicht.
Manche halten fliegende Untertassen für Ausblicke auf die Zukunft
oder auf eine vor langem untergegangene Hochkultur.
Nehmen wir zum Beispiel diese Geschichte von den zwei Bräuten.
Da ist die langsame Braut, bei der es drei Generationen dauern kann,
bis sie mit einer einzigen Gebärde niederkommt.
Ihr Kleid flattert nicht, seine Rüschen
sind in die flache stahlgraue Decke über mir gestanzt.
Und die schnelle Braut, an Ort und Stelle ausgewickelt, ist nass, bevor die
                                                                                                          Zeremonie vorüber ist.
Sie hat eine lange Schleppe und nennt sich bescheiden Toilettenpapier.
Vielleicht entscheidet unser Blick auf Zeit, wie wir die Dinge sehen.
Und wenn du denkst, ich war ein schlechter Zeuge, denk an Beschneidung
oder geopferte Jungfrauen. Die schnelle Hand und die langsame Hand -
                                                                                                                                  Gottes.
Ja, mag sein, ich hätte der Untersuchung nützlicher sein können.
Ja, ich bin froh, noch unter den Lebenden zu sein.
Aber in meinem Leerlauf im Auto, zur Zeit der Geisterscheinungen
auf der rechten Straßenseite, auf der guten Seite
der Linie, sahen sie mich nicht. Ich war derjenige,
den es noch nicht gab.

Aus dem Englischen von Sylvia Geist

Athena’s breastplate

angleščina | Charl-Pierre Naudé

My girl is facing her image in the mirrror.
With the faintest trace 
of concern the one gazes at the other.

The two of them were born 
at the same time 
and in the selfsame place.

And since then

these sisters have been reaching out 
to the other by hand,
across the unstirable silicon river
which separates them for ever.

They stare one another down.
Each is the other’s play doll
from childhood –
and on the birthday 
of every new day 
each gets delivered to the other
in an identical carton.

This mirror image of something,
this replica-striving-for-zero-difference,
is what allows for the “natural” to flow 
into what is super- or un-
natural, or simply unusual.

Metastasis – otherwise seen
a Siamese twin –

doesn’t differ much
from the second chamber of the House of Representatives;

or the disaffiliated state;

and that burlesque notion
called evil is nothing
but a fairground looking glass 
playing grotesque.

Then still you have to arrive 
at that point of shrewd doubling-by-default
known as the soul,

comparable to an life-support lung, 
or being seated on a tricycle.

Every day my girl gathers these shimmerings 
which she sees 
as her personal canopy of stars,
in her feminine basket –
her dressing mirror.

Under a summer tree
two boys are collecting berries;
the one arranges his compilation
into a visage, the other’s depiction 
resembles the corrals of a sheep farm.

Imagine: 
One can pick the selfsame far-off fruit 
– tiny oranges by the sea, tiny 
oranges in the hinterland – 
in the molecule orchards 
of either Jesus’s cloak or 
the turban of Mohammed.

No joke, one can go out 
and do the plucking 
for such breathtaking,
widely distinguishable bouquets
recognisable as “words”,

as things

or thought constructs.

Drifting in 
on the wind from outside 
is a drum solo
that comes to within earshot.
It’s a pointillist draft 
on the tympanum, 
a delineation that wrings 
into something seen, and from there
it becomes a mental conception;

viewed from one angle:
a palace built of knobkerries;
and differently: a heavenly spread 
of teeming, hardheaded demigods.

I turn my sights to the nocturnal expanse
and I swing my sickle for a harvest:
stars cascade with a crackle 
into my 
concave crucible; 
like atoms that in their small turn 
would whirl together alchemically
in systems.

Then I sweep the blinding specks 
into a small heap and whack them 
into artifact like an iron monger. 
The tinkling sound 
of an earthly roof takes shape
from the surrounding chaos 
in which time travel and space mechanics 
reach equal 
to myth and the faiths.

My oneday species and I
remind one another 
of the other like swarming mosquitoes.
Abuzz we are beneath
the breastplate of Athena.

She left it here on her rivergrass patch
beneath the trees, 
a short while ago 
when she went inside for a nap.

And thus we remain
(amid countless tiny bustling facts),
a tribute to a mould
of the breathing deities.

© Charl-Pierre Naudé
from: unpublished
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

Athenes Harnisch

nemščina

Mein Mädchen steht vor dem Spiegel.
Mit einer leisen Spur
von Beunruhigung schaut eine die andere an.

Alle beide sind
zur selben Zeit
und an demselben Ort geboren.

Und seither

strecken diese Schwestern die Hände
nach einander aus
über den nicht aufzurührenden Siliziumfluss,
der sie für immer trennt.

Sie zwingen einander zum Wegsehen.
Eine ist die Puppe der anderen
von Kindheit an -
zum Geburtstag
jedes neuen Tages
wird eine der anderen ausgeliefert
in einer völlig gleichen Schachtel.

Dieses Spiegelbild von etwas,
Replik eines gen Null strebenden Unterschieds,
erlaubt dem “Natürlichen”
in das zu münden, was über- oder un-
natürlich ist, oder ungewöhnlich.

Metastasierung - anders gesehen:
ein Siamesischer Zwilling -

unterscheidet sich nicht sehr
von der Zweiten Kammer des Repräsentantenhauses

oder vom feindseligen Staat;

und diese possenhafte Vorstellung,
Bosheit genannt, ist nichts
als der Zerrspiegel auf einem Jahrmarkt,
der Grimassen schneidet.

Dann musst du immer noch hinter
den gerissenen Verdoppellungsmechanismus kommen,
bekannt als Seele,

vergleichbar mit einer Herz-Lungen-Maschine,
oder Platz auf einem Dreirad nehmen.

Jeden Tag hortet mein Mädchen diese Reflexe,
betrachtet sie
als ihren persönlichen Baldachin aus Sternen
in ihrem Schminkkörbchen -
ihrem Ankleidespiegel.

Unter einem Sommerbaum
sammeln zwei Jungen Beeren;
der eine ordnet seine Sammlung
zu einem Gesicht an, das Bild des anderen
ähnelt den Weidezäunen auf einer Schaffarm.

Stell dir vor:
Man kann dieselbe Frucht von weit her
- winzige Orangen von der Küste, winzige
Orangen aus dem Hinterland -
in den Molekülplantagen
entweder aus Jesu Umhang pflücken,
oder aus Mohammeds Turban.

Kein Witz, man kann hinausgehen
und sie pfücken
für so atemberaubende,
weithin auszumachende Sträuße,
erkennbar als “Wörter”

wie Dinge

oder Denkgebäude.

Auf dem Wind                                                        
fegt von draußen
ein Trommelsolo heran
bis auf Hörweite.
Ein pointilistischer Entwurf
auf dem Trommelfell,
eine Linie, die sich in etwas
Kenntliches verdreht, und von da an
wird es Anschauung, Auffassung, Mentalität;

aus dem einen Blickwinkel:
ein Palast, erbaut aus Zeremonialknüppeln;
aus dem anderen: Ausdehnung eines
Wimmelhimmels dickköpfiger Halbgötter.

Ich wende mich der nächtlichen Weite zu
und schwinge meine Erntesichel:
Sterne stürzen mit einem Knistern
ab in meinen
gewölbten Schmelztiegel;
wie Atome, die auf ihrer engen Umlaufbahn
alchimistisch zueinander taumeln
in Systeme.

Dann kehre ich die blendenden Flecken
zu einem Haufen und haue ein Werkzeug
daraus zusammen, wie ein Schrotthändler.
Das klirrende Geräusch
eines irdischen Dachs hebt sich
aus dem Chaos rundum,
in dem Zeitreisen und Weltraummechaniker
so viel zählen
wie Mythos und Glauben.

Meine Eintagsspezies und ich
erinnern einander an
einander wie Schwärme Moskitos.
Summen sind wir unter
dem Harnisch Athenes.

Sie ließ ihn hier in ihrer Schilfwiese
unter den Bäumen,
als sie vor einer kleinen Weile
auf ein Schläfchen nach drinnen ging.

Und so bleiben wir
(mitten unter zahllosen winzigen, emsigen Fakten)
ein Tribut an eine Hohlform
von Gottheiten, die atmen.

Deutsch von Sylvia Geist

Skuinslig op die plato

afrikanščina | Charl-Pierre Naudé

                                               Hoëveld, met ongewone weer

’n Sneeuvlok sit
op my ooglid –
en alles staar met ’n duisend oë
na my terug.

Ek bemerk ’n skaduweesoort
in die mites beskryf –
ʼn onvatbare gevaar, en argeloos.
Miskien is dit ʼn skim
wat ook te sien is
op die seebodem,
en op Madagaskar?

Die winterlig flikker
deur ritselende boomblare
soos televisie- of kameraflitse.

Hier is wesens
met seldsame tentakels.
Hul talryke ledemate,
in selofaanagtige kleding
wat aankleef soos koue sweet
wat opgespuit is,
loop dwarsdeur my

by ’n wildgroeiende modeparade
wat met skredes vertak.

Of dalk is ek
by ’n soort bruilof: dié eenmalige gewit
van die takke;
en die singende wortels
van ’n onsigbare gemenebes.

Ek glip tussen
glimpe op ’n buitenis:

rare leefvorme
soos op ʼn eiland,
betrap en gevang in die fuik
van my skuinsblik.

Die winterson
– stemme, honde wat veraf blaf
maar digby –
straal skielik vol

op my
met my netwerkie alledaagse
verbintenisse wat vervaag,
so tydgebonde belangrik vir myself

– vir kinders is dit
feë, elwe, Brigadoon –
hier onder die berke,

soos ’n flits
wat bleek skyn
op ’n vermiste persoon.

© Charl-Pierre Naudé
from: unpublished
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

In der sich neigenden Ebene Licht

nemščina

                                               bei untypischem Wetter auf dem Highveld

Eine Schneeflocke setzte sich
auf mein Augenlid -
und der Glast starrt zurück
mit tausendfachem Blick.

Ich nehme eine Art Schatten wahr,
in Sagen beschrieben -
eine Gefahr ohne Umriss
und Arglist -
vielleicht eine Erscheinung,
zu finden auch
auf dem Meeresgrund
oder irgendwo in Madagaskar?

Winterlicht flimmert
durchs raschelnde Laub
wie Kulissenbeleuchtung
oder Kamerablitze.

Hier leben Wesen
von wunderlicher Natur
und mit seltsamen Tentakeln.
Ihre zahllosen Gliedmaßen,
wie in durchscheinender Frischhaltefolie
mit Spritzern von kaltem Schweiß
darauf,

wandern geradewegs durch mich hindurch
zu einer wilden Modenschau,
die mit jedem Schritt neue Zweigstellen austreibt.

Oder vielleicht bin ich
auf einer Art Hochzeit: dieses unwiederbringliche
Erweißen der Arme
und die singenden Wurzeln
einer verschleierten Gemeinschaft.

Unter Lidschlägen kippe ich
auf eine Fremdartigkeit zu:

seltene Lebensformen,
wie auf einer Insel
geködert und gefangen
in meinem Seitenblick.

Die winterliche Sonne
- Stimmen, kläffende Hunde weit weg
und doch ganz nah -
auf einmal scheint sie voll

auf mich
in meinem kleinen Netzwerk
alltäglicher Zusammenhänge,
so eingespannt und wichtig für mich selbst,
doch schon im Schwinden

- Feen, Elfen, Brigadoon
für Kinder -

hier unter den Birken

wie der blasse Lichtbalken
eines Suchscheinwerfers,
der einen Vermissten findet.

Deutsch von Sylvia Geist
Anm. d. Ü.: Brigadoon ist ein Märchenschauplatz, eine an bestimmte Orte in Schottland erinnernde Stadt, die den Überlieferungen zufolge aber in einer anderen Dimension existiert.

Rekenkunde

afrikanščina | Charl-Pierre Naudé

“I was angry when I realised I had been lied to” – Rachel Zadok

’n Skrywer praat
oor haar geluk as kind,
niksvermoedend onder die juk
van propaganda en die skande
van apartheid –

’n tyd van kwaadwilligheid,
sonder twyfel.

Sy was kwaad vir die bewindhebbers
toe sy later besef
hoe hulle vir haar gelieg het.

Maar was die euwel
só kwaadwillig,
as dit innigheid is
wat wou beskik?

Kwade Wil is self maar ’n gehate skepsel.
Die Kruisvaarders het hom al voorgelê
en in voetboeie en kettings geslaan.
En steeds sleep ons hom deur die strate,
neuk hom met stokke dat hy skubbe kry
en steek die ou kookwater met messe dat hy sis,
(die fokken ou sirkusvirus aan sy rinkelende leiband):
“Dans, jou hans-satan, jou logge Gog!”
“Kap oop daai kastaiing!”
“Dat sy hare kan koek
om die piepende pit.”
“Ja, dit lyk of hy bloei ...”

Arme, arme
Kwade Wil.
Hy is maar net wat hy is:
vaartjie na sy aardjie.

Wat van die nie is nie?
Dis ’n groter bekommernis:
Laat staan tog die beer
oor sy toonnaels wat so lank is.
En die voedoepoppe dans nie
uit eie keuse nie.

’n Kosbare herinnering
aan my liewe pa,
waar hy sit onder die gespanne boog
van ’n leeslamp se lig en straal oor sy boek;
’n witwortel wat pas uit die grond getrek is:
“Treblinka, Auschwitz, dit mag nooit weer
gebeur nie” – prewelend, in die hoek ...

die hele wêreld tuis
terwyl die drukkoker saggies fluit
in die kombuis

waar die sterwensgang van duisende
plaasvind sonder dat dit lyke agterlaat.

Al wat nodig is
vir die bloederige opklits
van ’n slawe-optog en nuwe skelette in die tuig,
vir die klein koeverte waarin die universum versmoor,

die stamper wat God soos ’n sel vernietig,

is een,
slegs één, enkele
opregte mens.

En van hulle het ons vandag
meer as genoeg.

© Charl-Pierre Naudé
from: unpublished
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

Die kasteite Kastanie

nemščina

“Ich war zornig, als ich erkannte, dass man mich angelogen hatte”
Rachel Zadok

Eine Schriftstellerin spricht
über ihr unfreiwilliges Glück
als Kind unterm Joch
von Propaganda und Schande
der Apartheid -

eine böswillige Zeit,
keine Frage.

Sie sagt, sie sei zornig gewesen
an dem Tag, als sie kapierte:
sie hatten sie die ganze Zeit angelogen.

Aber welches Übel
braucht schon bösen Willen,
wenn Freimut es entfesselt?

Böser Wille, das verhasste Vieh,
wurde in den Hinterhalt gelockt und in Ketten gelegt,
von den Kreuzrittern durch die Straßen geschleift
und mit Stöcken kasteit, bis ihm Stacheln wuchsen,
dem haarigen alten Zirkusvirus,
an die Kandare genommen und zum Tanz gezwungen,

der ausgestopfte Lieblingssatan, das übergewichtige Biest.
Schneidet den verdammten Braunen in Scheiben!
Auf dass er Haare bekommen und bluten kann
aus seinem quiekenden Kern -

ja, sieht aus, als blute es ...

Armer, armer
böser Wille.
Er ist doch nur, was er ist.
Das liegt scheinbar in seiner Natur.

Was ist mit dem Ding,
das seiner Natur nicht treu ist?
Bestimmt eine größere Plage.

Rücken wir dem Bären nicht auf den Pelz
seiner zu langen Fußnägel wegen.
Und Voodoopuppen tanzen nicht,
weil sie irgendeine Wahl haben.

Ich hüte eine Erinnerung
an meinen lieben Vater, unterm straffen Lichtbogen
der Leselampe sitzt er mit einem Buch, so strahlend,
als wäre es in Lauge gewaschen, weiß
wie eine soeben gestochene idiotische Steckrübe:
“Treblinka, Auschwitz, das darf niemals
wieder geschehen.”, murmelt er, da in der Ecke ...

die ganze Welt zu Hause,
während der Schnellkocher
in der Küche zaghaft pfeift,

wo zu Millionen gestorben wird,
ohne einen Leichnam zu hinterlassen.

Es scheint, das alles ist nötig,
um eine verfluchte Sklavenprozession aufzupeitschen
und neue Gerippe ins Geschirr;
um ein sterbendes Universum in diesen kleinen
Umschlägen zu versiegeln und mit der Petschaft
Gott wie eine Zelle zu zerquetschen,

braucht es ein,
nur ein einziges
freimütiges Menschenwesen.

Und davon haben wir
heutzutage mehr als genug.

Aus dem Englischen von Sylvia Geist, unter Einbeziehung des Originalgedichtes in Afrikaans, "Rekenkunde".

Eergister en môre, met visse

afrikanščina | Charl-Pierre Naudé

Tyd
is die naam wat ons gee
aan die een wat in nat
beton getrap het,
lank gelede, en ons só nimmer verlaat
in die hede.

Om te begryp
is moeilik;
omhelsing nog swaarder.

Die wind fluit deur die peule,
soos die geheue
deur pieksels.
Dit roep herrysenis
soos ’n beeld by die naam,
’n hele dorpie bestaan
in ’n akwarel
– die treknet word gelig –
van diep uit die water.

Daar word ’n CD-opname
gegrif
op die bodem van ’n meer;
die konsentriese kringe
van maalkolke

sing
in my vingerafdruk.

© Charl-Pierre Naudé
from: Al die lieflike dade
Cape Town: Tafelberg, 2014
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

Untiefen in der Ewigkeit

nemščina

Zeit
ist unser Name für jene,
die in der Vergangenheit
über nassen Zement
gegangen sind

und uns folglich nie
verlassen
in der Gegenwart.

Sie zu fassen,
ist schwierig.
Zu umarmen, noch schwerer.

Der Wind pfeift durch die Spelzen
wie Erinnerung
in Pixeln.
Er ruft Auferstehung hervor
wie ein Bildnis nach seinem Namen;
ein Aquarell lässt
eine ganze Stadt erstehen
- das Schleppnetz wird eingezogen -
aus wässerigen Tiefen.

Der Gezeitenstrom brennt eine CD
am Boden
eines Sees;
die konzentrischen Kreise
von Whirlpools

singen
in meinem Fingerabdruck.

Deutsch von Sylvia Geist

Oggend en aand met duiwe

afrikanščina | Charl-Pierre Naudé

Die lug is vol a priori-duiwe.
Oral waar hul is, wás hulle tevore.
Soos ’n droom wat spartel in die lug
is die dag,
met een hand gepluk
uit die flikkerende stroom, dan verdof dit.

Die huise teen die rantjie staan skraal geëts
in die vroeë lig, soos tekenplanne.
En die lug is vol a priori-duiwe
vandag, of miskien was dit gister.

Die nag, weer,
word bewoon deur post factum-uile.
Hulle fladder op en verf
met hul bromiedkwaste
die teenwoordige tyd bruin –
die heterdaad word roes.

Onthou jy die leë huis met die voetstappe?
“Mense van ’n vervloë tyd ...”
“Miskien net óns s’n.”

Deur die stroke van die blindings
skuif motvlerkoë oor jou lyf
in akkoorde;
onder somersproei bot die polkadot
in die bikini-boorde.

Vet soos nuwe konfytbottels
staan die dimensies op ’n ry.
Die helder vlakke stig kore
in die heuningkoeke
teen die steiltes;

die as stort in matesis.

Die lug word grys van a priori-duiwe.
En alle tyd skyn deur,
soos ’n fiets teen die lig.

© Charl-Pierre Naudé
from: Al die lieflike dade
Cape Town: Tafelberg, 2014
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

Morgen und Dämmerung mit Tauben

nemščina

Der Himmel wimmelt von apriorischen Tauben.
Wohin immer sie ziehen,
sind sie schon gewesen.
Der Tag ist wie ein Traum,
der sich windet
an der Luft, sobald ihn eine Hand
dem Flimmerstrom entreißt.
Worauf sein Glanz verschwindet.

Im Frühlicht stehen die Häuser kahl, geätzt
wie Baupläne, auf dem Bergkamm oben.
Und der Himmel wimmelt von apriorischen Tauben
heute, oder vielleicht
war es gestern schon.

Dagegen
bewohnen nachträgliche Eulen die Nacht.
Sie ergreifen die Flucht,
und mit ihren Brauenbinsen
pinseln sie die Gegenwart braun -
das unmittelbare Geschehen
nimmt die Farbe von Rost an.

Weißt du noch, die Schritte im leeren Haus?
“Frühere Bewohner ...”
“Vielleicht nur wir selbst.”

Das Licht dringt durch
die Jalousie und spielt über deinen Körper
wie die Augen eines Mottenflügels
auf einer Klaviatur;
unter Sommergischt
sprießen Tupfenmuster
in den Bikinilauben.

Überquellend wie neue Einweckgläser
stehen die Dimensionen in einer Reihe.
Die unberührten Ebenen entfachen Chöre
in den Bienenwaben
der Hänge;

und die Asche zerfällt
zu Zahlen.

Der Himmel dunkelt von apriorischen Tauben.
Und alle Zeit ist durchsichtig
wie ein Fahrrad
im Gegenlicht.

Deutsch von Sylvia Geist

Die grond van die voorvaders

afrikanščina | Charl-Pierre Naudé

’n Paar jaar gelede beland ek een naweek
op ’n versaakte plasie, in noordoos Mpumalanga.
In hierdie streek, word gesê, kom die hoogste
frekwensie loodregte weerlig in die wêreld voor.
Die hemelruim verdonker; silwer en karmosyn –
en die pletterklanke begin. Soms slaan ’n hoë boom
in vlamme uit. My vriendin van Berlyn
was saam, ons was verliefdes in dié tyd,
en ver van die huisie toe die storm opsteek.
Sy het verlang na haar eie stad, met sy kleed van droewe as ...
In die wandeling kon ons voel hoe die lading in ons hare
en in ons klere oplaai, hoe die granietblokke
opstapel, in ’n onsigbare wêreld.
Die grondpaadjie het gekronkel na ’n oop plato,
                                                                ’n hoë grond
waar die woedende hemele als doodslaan wat beweeg.
Die gerug, van ’n ou luiperd wat daar rondsluip ...
Ons hartkloppe was hoorbaar, maar te laat vir omdraai.
Vroeër jare was daar ’n halfweg-hut. Peule het geritsel.
’n Blikkerige getingel, van amulette in die bome.
Verby ’n kopbeentjie wat grinnik op ’n stok.
“Jy weet daar’s ’n vloek hier,” sê ek; ontsenu, in ’n grap.
En net daar, vries sy: “Ons moet terug!”, steek haar arm uit,
die fyn haartjies regop, die wortels wat trek; pluk aan my
en slaan voet in die wind, daardie langbeenmeisie,
’n eksotiese volstruis oor die voorvadergrond
van ’n uitgedelgde Afrika-stam, die swart verskroeide stoppelland
bloedgrond haar rok wat opwaaier soos ’n waansinnige blomkroon,
die kelkie onder wat flits. Ek agterna. Sopnat.
                                                                By die huisie

aangekom. Ons kerse het nog gebrand.
Maar die plek was ’n gemors: tafeldoek gesleep,
glase omgestamp, borde op die vloer. ’n Wilde
veldreuk in die vertrek. ’n Wind, dieper huisin.
“Maak alles toe!” skreeu ek. “Gou!” beaam sy.
Haastig sit ons die klinke op en haak die luike toe.
Die reën het swaar uitgesak. Hael en wind. Blitsende
donder. Veilig nou ... Of nie? Daar het ons staan en drup,
met glimlagte breed soos seilbote wat te water gelaat word.
Toordery ... in die wegvlug loop jy daarin vas ...
En dink ek terug, het die onderdak ons nie gespaar nie.
Ons was steeds op voorvadergrond, met al sy grille.
Enige twee minnaars naak saam, is op voorvadergrond.
Die aasdier? … dit was ons, die mens, wat bedel om versorging.
                                                                En die weerlig?
Die laatmiddag se bliksemskigte –
wat tussen ons gebeur het met ons tuiskoms
op die oopte van die hart, waar geen mens kan wegskuil nie?
Dit was net genade. Bloot genade.

© Charl-Pierre Naudé
from: Against the Light
Menlopark: Protea Boekhuis, 2007
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

Ahnengrund

nemščina

Vor ein paar Jahren verbrachte ich ein Wochenende
auf einer verwaisten Farm im Nordosten Mpumalangas.
Die meisten Blitzeinschläge weltweit,
sagt man, werden in dieser Gegend gezählt.
Am Himmel zieht es dunkel auf; Silber und Purpur -
und der Krach beginnt. Ein hoher Baum
möglicherweise, der Feuer fängt. Ich war mit meiner Berliner Freundin dort,
wir waren verliebt damals, und weit entfernt von
unserem kleinen Haus, als der Sturm sich zusammenbraute.
Sie litt unter Heimweh nach ihrer Stadt mit der Geschichte aus Trümmern ...
Im Gehen konnten wir fühlen,
wie unsere Haare und Kleider sich aufluden, Granit -
Blöcke sich stapelten in einer unsichtbaren Welt.
Der Pfad schlängelte langsam zu einem offenen Plateau empor,
                                                                                   einer höheren Ebene zu,
wo die zornigen Himmel jede Regung niedermetzeln würden.
Ein Gerücht über einen alten Leoparden, der umherstrich ...
Unsere Herzen hämmerten, aber zu spät, um umzukehren.
Nicht so weit zurück lag auf halbem Weg eine Hütte.
Hülsen tingelten; ein blechernes Geräusch von Amuletten in den Bäumen.
Vorbei an einem kleinen Schädel, der von einem Stock grinste.
Du weißt von dem Fluch, sagte ich, aufgeschreckt, im Scherz.
Sie erstarrte: “Wir müssen zurück!”, und streckte einen Arm aus -
die zarten Härchen, gesträubt, zogen an den Wurzeln;
zerrten an mir, und sie rannte los, ein dünnbeiniges blondes Mädchen,
ein exotischer Strauß, über den Ahnengrund
eines besiegten afrikanischen Stammes, über schwarz verbrannte Stoppeln,
blutroten Boden flog ihr Kleid wie die Blütenblätter einer wahnsinnigen Blume,
ein aufleuchtender Kelch. Ich hinterher. Durchnässt.
                                                                                   Irgendwann kamen wir

endlich zu Hause an. Unsere Kerzen brannten noch.
Doch das Haus war ein einziges Durcheinander: das Tischtuch herabgezerrt,
umgeworfene Gläser, Teller überall.
Ein wilder Geruch hing in der Luft. Wind im Innern des Hauses.
“Mach alles dicht!” schrie ich. “Schnell!” stimmte sie zu.
Wir befestigten die Jalousien, schoben die Türriegel vor.
Die Wolken platzten aus den Nähten. Hagel und Wind. Donner -
Wetterpeitschen. In Sicherheit jetzt … Oder nicht? Wir standen tropfend da
mit breitem Lächeln wie zwei vom Stapel gelassene Flussschiffe.
Hexerei … du rennst darauf zu, wenn du fliehst ...
Und wenn ich zurückdenke, rettete uns der Unterschlupf nicht – wir waren
immer noch auf dem angestammten Land der Ahnen, seiner Willkür ausgesetzt.
Nackt befinden sich alle Liebenden auf Ahnengrund.
Die Aasfresser … waren wir, menschliche Wesen, die um Obhut bitten.
                                                                                     Und das Gewitter?
Die flackernden Blitzschläge des Nachmittags -
die zwischen uns bei der Heimkehr,
auf dem Plateau des Herzens, wo niemand sich verstecken kann?
Das war nur Gnade. Bloße Gnade.

Aus dem Englischen von Sylvia Geist

Vampiere

afrikanščina | Charl-Pierre Naudé

Vampiere in Malawi, berig die koerant.
Die president reik selfs ’n verklaring uit:
“Wys my ’n vampier, dan stop ek hom in die tronk.”
Maar wie behoef bewyse, as daar lyke is?
’n Meisie van so agttien, leeggesuig en styf
soos ’n stok, twee slagmerkeaan haar nek;
haar hande onnatuurlik groot en benerig
soos valkvlerke op haar wydogige borste.
En die hoofman se seun in sy kruis geknak
teen ’n ploeg, toe niemand gekyk het nie –
bene wat invou om die uier van sy fallus,
en nie ’n druppel bloed oor in die res van sy lyf nie!

Drie weermagjeeps van Lilongwe haas diékant toe
na ’n dorp, nog drie sóóntoe na ’n noodgebied:
om wag te hou in die nagte, maar tevergeefs.
Die vampiere sluip deur, altyd nog ’n lyk in die môre;
soms nie eens merke nie, net ’n pubis wat bult
soos nuwe piesangs; of ’n buik wat staan
                                                  soos ’n dier se skrik.

“Waar is die lyke?” vra die rondgaande kommisaris.
“Onmiddellik begrawe … ter beswering,”
fluister die priester en kriskras sy bors.
Die soldate bevestig dit; van hulle sterf ook,
een het so op sy stewels ineengesak,
arms om sy R1 soos ’n wingerdstok gevleg
of ’n slang, om die staf van die geneeskunde.
Selfs die VN se VIGS-kliniek word oornag ’n teiken.
“Dit slaap in my bloed, in die lengte van my lyf!”
sê een – om deure te grendel of toe te spyker
help ook nie, die vampiere loop deur mure.

Vampiere: sonder tande, met spuitnaalde;
hulle trek bloed en loop daarmee in sakkies weg.
Die hulpwerker sê die mense aanvaar dit al,
sien selfs uit met ’n groeiende begeerte.
“Snags land sy op my dak,” sê ’n man, “en hurk daar naak …
van onder af sien ek die tiervelbeursie
van haar mik ... so deur die sink.
Sy wag haar oomblik af en ek wag vir haar.”
’n Kerkhoffie met kerse flakker soos ’n verjaardagkoek.
’n Troue, maar net een staan voor die kansel:
’n visgraat van ’n meisie wat smoorverlief is
op háár vampier, ’n bruidegom in absentia.

Al hoe meer lanterns dwaal sonder mense,
’n stat het net ’n hond, maar iemand voer hom snags.

Fluisterings dryf: “kan nie wag nie” en “waarom môre …”
terwyl jonges glimmend dans in ’n dorpsaal
soos maskers op stokke in ’n ou, ou karnaval.

En soos
in verre noorderstreke,
waar lang seisoene van donkerte soms heers,
gaan die lewe voort
                               in die ryk van die skimme.

© Charl-Pierre Naudé
from: In die geheim van die dag
Menlopark: Protea Boekhuis, 2004
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

Vampire

nemščina

Vampire in Malawi, meldet die Zeitung.
Sogar der Präsident gibt eine Erklärung ab:
“Zeigen Sie mir einen Vampir, und ich sperre ihn weg!“
Aber wer braucht angesichts von Leichen noch Beweise?
Ein etwa achtzehnjähriges Mädchen, ausgesaugt und steif
wie ein Ast, zwei Wundmale am Hals;
ihre Hände unnatürlich groß und knochig
auf ihrer großäugigen Brust wie Falkenflügel.
Und der Häuptlingssohn, Lendenwirbel gebrochen
über einer Pflugschar, als niemand hinsah -
seine Beine baumeln um den Euter seines Glieds,
und nicht ein Tropfen Blut mehr in ihm!

Drei Armeejeeps rasen von Lilongwe zum Tatort
in einer kleinen Stadt, zwei weitere zu einem anderen Einsatz:
Wache stehen bei Nacht, doch es ist vergeblich.
Die Vampire schlüpfen durch, noch mehr Leichen am Morgen;
manche ohne Male, nur ist der Schamhügel
prall wie neue Bananen oder der Leib gekrümmt
in tierhaftem Entsetzen.

“Wo sind die Leichen?” fragt der Bezirkskommissar.
“Sofort begraben … zum Schutz vor Dämonen”,
flüstert der Priester und bekreuzigt sich.
Die Soldaten tun es ihm nach, auch ein paar von ihnen sterben.
Einer kollabierte auf seinem Posten, in Stiefeln,
Arme um sein Gewehr geschlungen wie Lianen
oder wie die Schlangen um den Äskulapstab.
Sogar die UN-AIDS-Klinik wurde eines Nachts zum Ziel.
“Es schläft in meinem Blut, in meinem ganzen Körper!”

sagt ein Patient.
“Die Türen verriegeln oder die Öffnungen vernageln,
ist nicht genug, Vampire gehen durch Wände.”

Vampire: ohne Zähne, dafür mit Spritzen bewaffnet.
Zapfen Blut in Plastiktüten und machen sich damit aus dem Staub.
“Die Leute gewöhnen sich an alles”, sagt ein Entwicklungshelfer,
“... freuen sich sogar darauf, mit wachsender Gier.”
“Sie landet auf meinem Dach und kauert da, nackt”, sagt ein Mann.
“Von unten kann ich das Leopardenfell
in ihrem Schritt durch das geriffelte Zinkblech sehen ...
Sie wartet ihren Moment ab, und ich warte auf sie.”

Ein kerzengeschmückter Friedhof flackert wie eine Geburtstagstorte.
Eine Hochzeit, mit nur einem Partner vor der Kanzel:
ein Skelett von einem Mädchen, bis über die Ohren verliebt
in ihren Vampir, einen abwesenden Bräutigam.

Immer mehr Laternen schweben ohne Spaziergänger umher;
gerade noch ein Hund im Dorf, aber jemand füttert ihn nachts.

Geflüster weht: “kann nicht warten” und “warum morgen ...”,
während schimmernde Kinder im Gemeindehaus tanzen
wie Masken auf Stöcken oder Karnevalzepter.

Und so
wie in abgelegenen nördlichen Gebieten,
auf die lange Jahreszeiten der Dunkelheit sinken,
geht das Leben weiter
                                                           im Reich der Gespenster.

Aus dem Englischen von Sylvia Geist

شمسٌ مسنّة

arabščina | Mohammad Al-Domaini

شاخَتِ الشمس تماماً
لم تعد نديمة الصّبا
ولا شاهدة الحب المطارَد بين حقول الذرة
لقد ذَبُلتْ
وغرقت
في الأعالي
وتركتْ لنا الفظاظة
تتسكّع في الشارع
كدعابات قديمة
يُطلقها
بائع التوابل العجوز

© Mohammad Al-Dominy
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

Alte Sonne

nemščina

Sogar die Sonne ist in die Jahre gekommen.
Lange her, ihre Tête-a-têtes mit mir,
oder dass sie von den Liebespärchen wusste,
die man aus den Maisfeldern jagte.
Abgeblüht, über uns
versunken, hinterließ sie uns bloß
die Schatten in den Straßen, hart
wie die Geschichten,
von denen der alte Gewürzhändler faselt

Deutsche Fassung von Sylvia Geist.
Die Übersetzung entstand im Rahmen des Übersetzungsworkshop Versschmuggel. Eine Karawane der Poesie.

سيرة

arabščina | Mohammad Al-Domaini

(1)

ولدتُ في حضن ينبوع
وها أنا من حضنه أسيل

(2)

أقدامٌ، وبنادق، وتمائم
توّجتْني فتى المنزل الكبير
الرماة يحرسون المنحدر، والأرائك
وأنا أتجرّع خيبة القياصرة
لم أستيقظ
من كابوسكِ الوحيد .. يا أمّاه
إني
فتىً أتهدّم

(3)

من هذه الرماح المغروسة في المخيّلة
دجّنت أيائلي،
ورشقتُ أحلامي على الآفاق،
تقطف، وتصفّق، وتُرعِد
وتؤثّث خيمةُ لمديحي
لا أنصب فخاخاً لرعيّتي
ولا أدجّج جنديْ
 
الله
كفيلٌ
بهذه المهزلة !

© Mohammad Al-Dominy
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

Lebenslauf

nemščina

I.

Ich lag meiner Quelle im Schoß,
bis ich abfloss.


II.

Ausstaffiert mit Stiefeln, Gewehren, Amuletten
gab ich den Prinzen ab im Haus des Dorfvorstehers.
Meine Leibgarde bewachte Hang und Divan,
und ich, schon mit dem Geschmack
von Cäsars letzter Enttäuschung auf der Zunge,
wachte einfach nicht auf
aus deinem Traum von mir, Mutter,
ein Pappkamerad von Prinz, zusammengeklappt.


III.

Doch diese Vorstellungen wurden meine Waffen,
phantastische Zügel, die ich meinen Hirschen anlegte.
Ich schleuderte meine Träume in den Horizont,
prasselnde, donnernde Saat und
Zelt, das sich aufschlug für mich.
Patrouillen, Kontrollen,
Bewaffnung der Soldaten -
zum Kuckuck damit.

Deutsche Fassung von Sylvia Geist.
Die Übersetzung entstand im Rahmen des Übersetzungsworkshop Versschmuggel. Eine Karawane der Poesie.

أيامٌ لم يدّخرها أحد

arabščina | Mohammad Al-Domaini

أطلبُ أياماً لم يدّخرها أحد
أيامٌ بأحذية لكي لا تبتردَ من الفاقة
وعظامٍ كثيرة
تشبه صرخات غريق

لم أعرف حياة أخرى
أكثر من هذه الملقاةُ تحت وسادتي
أنام فيها
وأصحو فزعاً
لأن جاراً بعيداً
يلتهم سكِِينتي
ويتسكّع في حُجرات صمتي الفسيح

بغضبٍ، أدفعُ ضريبة العمر،
وأواصلُ الحياة
كمتآمر نسي مسدّسه
في مكان الجريمة

أيامي كثيرة
بعضها يستيقظُ على عجل،
فينحدر لاهثاً في حديد الصحراء
فلا أستعيده
وبعضها يضطرم في غبار الطرقات
فأنقذه بيقَظَة عكّازي
....................
...................
تركتُ أياماً كثيرةً
في حماية لياليّ الهائجة
وحين عدتُ إلى المنزل
شممتُ دخان الخيانة
وراء كل ستارة
يختبيءُ قرصان

أحبّ اليدَ التي تلتقط، وتقبّل، وتتمرّغ فوق خشب الطاولة، بلا سببٍ
سوى صمت المكان
والتقاط كلمات نسيها الغزاة في حديقة
هناكَ ذئابٌ نائمة في الجوار
يكفي أن أسعل في ضباب الصباح الرّخو لتصحو
افتحوا باباً لهذا الضوء المسروق من ألم صديق
كثيرةٌ هذه الحجارة اللامعة
التي تتساقط من عيون العابرين
وبين أقدامهم
تتعثّرُ أساطير كسولة
نسيها الحطابون على شفير فؤوسهم ....

أردتُ إنقاذَ الصباح
من مكائدِ شمس مدربة
ثَمِلت وهي توصد المكان
بسعيرها العالي
أنتظرُ آخرين .. تعتم صلواتهم
أنتظرهم بلا يأس
كقاطع طريق يراقب
قُطعان ندمه
وهي تتدافع في حظيرة

قليلةٌ أيامي
وبعضها مليء بالشبهات
كثيراً ما أحدّق فيها
فأراها شواهد قبور
ينتحب تحتها موتى لم يتدربوا كثيراً على السهر الطويل

تركَ الألمُ سهامَه الحائرة فيّ
وحين مِلت قليلاً عانقتُ أجساداً
لم تدرك أبداً
أن الدم المتسرب عنوةً
سيوقظ الأمهات

لم نعرف حياةً أثمن من هذه التي لم يدفع فيها أحداً
مكافأة عن أيامهِ المتروكة في حظيرة الأيام

© Mohammad Al-Dominy
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

Tage, die keiner aufhob

nemščina

Ich will die Tage, die keiner aufhob.
Ich will sie mit Schuhen, damit sie nicht frieren,
die armen Tage, ich will die
Haut- und Knochentage,
die rufenden, die ertrinkenden Tage.

Kein Leben kenne ich besser
als das unter meinem Kopfkissen,
das Leben, in dem ich aufschrecke
unter den Argusaugen eines x-beliebigen Nachbarn,
der in die stillen Winkel meines Zimmers späht.

Wütend zahle ich noch die Tage ab,
die mir längst entglitten sind, und lebe doch weiter,
ein Verschwörer, der seine Pistole am Tatort verlor.

Ein paar meiner Tage
beginnen heiter, aber schon bald
schleppen auch sie sich durch die Wüste dahin,
ächzend unter schwerem Gerät, unhaltbar.
Andere gehen im Straßenstaub
in Flammen auf, ich müsste sie retten
mit einem geschickten Schwenk meines Gehstocks.
Viele ließ ich im Schutz langer Nächte zurück,
doch wenn ich heimkam,
konnte ich ihre Untreue riechen
und hinter jedem Vorhang einen Eindringling.

Ich brauchte neue Hände, solche, die zuschnappen könnten,
küssen, sich hin- und herwälzen könnten auf dem Holz
des Tischs, nur so, weil es gerade ruhig ist, Hände,
die die Wörter erfassen könnten, die von den Vandalen
vergessenen Gartenwörter.

Im Morgengrauen Wand an Wand
mit dem hellhörigsten Pack,
mach ich die Tür auf für den verletzten Freund Tag,
aus seinen Wunden sickert Licht.
Das lässt die Steine glänzen, wieder und wieder,
aufgeworfen vom Pflug wie müde Mythen,
trauriges Geröll unter unseren Augen,
die wir über diese Äcker stolpern.

Ich wollte den Morgen
vor den Spiegelfechtereien einer Sonne bewahren,
die sich am eigenen Sperrfeuer berauscht,
hoch über dem eingekesselten, geblendeten Dorf.
Jetzt warte ich auf andere. Unverständlich ihre Gebete,
aber ich warte auf sie, ein standhafter Dieb,
in dem die Reue sich zusammenballt
wie eine Herde im Stall.

Mir bleibt nur noch ein kleiner Vorrat
an Tagen, manchmal sind sie kaum mehr
als Verdachtsmomente, vor Müdigkeit gestorben
und begraben unter meinem Blick.
Der Querschläger Schmerz lässt mich taumeln,
als fiele ich allen in die Arme,
die schon vorausgegangen sind und nichts mehr wissen
von den Toten, nichts von den Müttern der Toten.

Wir kennen kein kostbareres Leben als das,
dessen Tage wir im Stall versäumten.

Deutsche Fassung von Sylvia Geist.
Die Übersetzung entstand im Rahmen des Übersetzungsworkshop Versschmuggel. Eine Karawane der Poesie.

Ħofor Suwed

malteščina | Adrian Grima

Mara li taqra x-xorti,
għidli jekk hemmx biżżejjed riżq fil-pala t’idi.
Għax jekk m’hemmx,
naqleb il-mejda bik b’kollox,
u naqbad l-ewwel ajruplan lejn il-ħofor suwed
li ma jinħbewx wara l-ħżuż ta’ jdejna.

Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2010

Schwarze Löcher

nemščina

Sternguckerin,
sagen Sie mir: Habe ich eine glückliche Hand?
Falls nämlich nicht,
werde ich Ihren Tisch umstoßen, mitsamt
dem Firlefanz darauf, und mit dem ersten Flieger
zu den Schwarzen Löchern aufbrechen,
die sich nicht hinter den Menetekeln unserer Hände verstecken

Nachdichtungen: Sylvia Geist ; Nach Interlinearfassungen aus dem Maltesischen von Ray Fabri und Dominik Kalweit

Ċinji

malteščina | Adrian Grima

Iċ-ċinji jistennewna nieqfu qabel jinżlu.
U mbagħad jibqgħu ’l bogħod,
bħax-xewqat siekta u kbar li jitturmentawna.
Fid-dgħajsa Samwel jistaqsini mitt elf ħaġa
u jien nibża’ li jagħtini ħass ħażin
u nħalli lilu f’nofs għadira barranija waħdu.
L-ilma jistkenn taħt is-siġar twal skjerati,
u jferfer ftit il-ġwienaħ ixxamplati.
Fil-wiċċ hemm weraq tondi u fuqhom
fjuri sofor kbar u delikati.
Bl-imqadef ma noqrobx,
u ma naħsadhomx,
imma dax-xewqat fraġli jgħumu fil-wiċċ
jippersegwitawni.

Samwel irid jaqdef naqra hu,
u nirħulha bil-mod lejn ix-xatt
mgħobbijin b’xeni u xbihat ġodda fjamanti.

Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2010

Schwäne

nemščina

Bevor wir innehalten, landen die Schwäne nicht.
Und dann bleiben sie in sicherer Entfernung
wie die stillen Wünsche, die uns unstillbar machen.
Im Boot fragt mich Samwel nach tausend Dingen,
und mir ist, als müsste ich ohnmächtig werden
und ihn allein lassen, mitten auf einem fremden See.

Mit dem leichten Flattern ausgebreiteter Schwingen
findet das Wasser Zuflucht unter den Uferbäumen.
Runde Blätter treiben an der Oberfläche,
mit großen gelben Blüten.

Ich halte Abstand mit den Ruderblättern,
störe sie nicht auf, die zarten Schwimmer über der Tiefe,
die meine Verfolgung schon aufgenommen haben
wie Wünsche.

Samwel möchte nun selbst ein wenig paddeln,
und langsam nähern wir uns dem Ufer,
bevölkert von brandneuen, brennenden Bildern.

Nachdichtungen: Sylvia Geist ; Nach Interlinearfassungen aus dem Maltesischen von Ray Fabri und Dominik Kalweit

TAL-ĠELATI

malteščina | Adrian Grima

Parts of North and South America, northern Europe and northern and central Asia have been getting wetter since 1900, and the Sahel, the Mediterranean, southern Africa and parts of southern Asia are getting drier.

“The heat is on: the race to find innovative solutions to climate change” Euroabstracts, April 2007


Il-baħar qed jogħla, qed jibla’ r-ramliet,
fejn bejtu minn dejjem il-fkieren
li jieklu mill-bram bil-mijiet.
Il-baħar qed jisħon, qed jikber, u miegħu
il-bram qed jiżdied;
ifekren bla sabar fejn qabel kont tara kif folla
tinvadi bla ħniena l-bajjiet.

It-tfal mhux qed jgħumu,
mhux jgħoddsu bil-flippers,
mhux jibnu l-kastelli u jħaffru l-passaġġi
li jċedu bħas-silġ taħt in-nar;
mhux jiġu t-turisti, bil-ġilda ġa roża,
bl-umbrella tal-kiri, bit-tifel jippoża,
bis-sunblock jiddewweb
taħt xemx tarmi r-raġġ’ ultra vjola.

U m’hawnx tal-ġelati.
Qed jarma, qed jgħidu,
faċċata tal-bieb ta’ l-iskola,
Il-baħar bla ndiema,
bla ħniena,
qed jogħla.

*Wara konverżazzjoni ma’ Annalise Falzon

Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2010

Der Eisverkäufer

nemščina

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts werden Teile Nord- und Südamerikas, Nordeuropa sowie Nord- und Zentralasien feuchter, während das Klima im Süden Afrikas und in Teilen Südasiens trockener wird.
„Die Lage heizt sich auf: ein Wettlauf um innovative Lösungen des Klimaproblems.“Euroabstracts, April 2007


Der Spiegel steigt, das Meer schluckt die Strände,
die alten Nistplätze der Schildkröten,
die täglich Hunderte von Quallen fraßen.
Das aufgeheizte Meer schwillt an, und mit ihm
die Zahl der Quallen, in der Bucht,
früher von Menschenströmen gnadenlos überschwemmt,
pulsiert heute die Rushhour der Quallen.

Kein Platz für badende Kinder,
für Schwimmflügel und Taucherflossen,
für die Burgen,
die im Sonnenfeuer vergehen wie Schnee,
für Wälle und Gräben;
kein Platz für Touristen
mit rosiger Haut
unter gemieteten Sonnenschirmen,
kein Platz für das Posieren der Jungen,
für die Riten mit der Sonnenmilch,
die schmilzt unterm Ultraviolett.

Auch der Eisverkäufer kommt nicht mehr.
Es heißt, er hätte seinen Stand
jetzt vor dem Schultor.
Das Wasser kümmert es nicht, das Wasser
steigt ohne Gnade.


*Nach einem Gespräch mit Anna Falzon

Nachdichtungen: Sylvia Geist ; Nach Interlinearfassungen aus dem Maltesischen von Ray Fabri und Dominik Kalweit

Mletie [4]

slovaščina | Martin Solotruk

4.

Daj si čas, vyjdi si na prechádzku
a sleduj, ako stromy berú
rovnováhu zo zeme. Navzájom sa
navštevujú, v krásnom kanonickom
škrípaní, a rozptyľujú tak takzvané
subjektívne problémy.

Ich cesta z rozvrhnutých telesných
manierizmov smeruje k milencom.  
Aj to je  však len otázka prístupu,
každodennej dochádzky do pôvodných
zámerov periférneho videnia.
Keď si ešte nespoznával mamu, nevedel
odlíšiť jej kontúry od ostatného horizontu.

Čo bolo najmä mlieko a troška medu.
A za tým nekonečný bzukot.
Nevýslovne rušil, hoci dnes už znie viac
ako motor.
Stále najradšej prijímam pozvanie
od človeka na opačnej strane hojdačky.  

Výhodou je, že vzhľadom na dané
okolnosti,
si nikto z partnerov nemôže pripadať
vypočúvaný.  Ako pozdĺž kriedovej trasy,
čo križuje chodníky života. Skončíš
niekde, kde na čase a vzdialenosti až tak
nezáleží.

Ale rozhoduje prúdenie vody a
koncentrácia.  Je chladnejšia ako tvoje
očakávanie a navyše si už odhlásený zo
všetkých knižníc.  
Bez ohľadu na ich rozmerovosť.
A tak si tu, bezmenný, na moste zo
škrípania, kde si môžeš zvážiť osobné
závažnosti.   

Ku každej hviezde na orbite je ešte jedna
ktorá k nej dopovedáva kúsok z paraboly,
a tak nás odrazu privádza k celkom
odlišným, dovtedy neznámym záverom.  
Zvláštnym teplom ťa zrazu ovanie  
myšlienka ústredného kúrenia
s celou fascinujúcou logikou.  
A pritom nie v rozpore s univerzálnym
herným systémom.

Kto by občas neocenil aj prístrešok?
Človek si tak lepšie uvedomí, že ako
prišlo, tak odišlo.        

Tak by to mohlo byť i s odvekým zvykom
onanie.
Ale ako bez pevnej ruky?
Hoci práve preto nám známe veci ukazujú
chrbát a dokonale anulujú naše kúpne
rozhodnutia.  

Takmer všetka investovaná koncentrácia
ide do rastúcej prosperity vetra.
S niekoľkými zrniečkami prachu,
z ktorých sa každé zameriava na iné pole
záujmu. Púšťaš si šarkanov,
ale už len ako spomienku, takpovediac.

A potom, ako sa ti v oku prudko rozrastú  
slnkom šírené fraktály,  je čoraz ťažšie
sledovať obrysy ovocia, ktoré pre teba
kdesi zreje.
Sú to blastrulové jaskynky, čo  nerozlišujú
medzi konvexnosťou a konkávnosťou.

Prežil si večnosť
v  tomto dopravnom prúdení,
a nevieš nájsť ani len priemerný okamih
pre vystúpenie.
Na začiatok vlastného príbehu.

Kým ťa zrazu neovalí, nakoľko sú hodiny
podobné kruhovému objazdu.
Hľadajú. Ale nevedia nájsť vzťažný bod
- tak trochu hra na skrývačku -
plná nasadenia
o dochvíľnosť.

© Martin Solotruk
from: Mletie
Bratislava: Vydavateľstvo Drewo a srd, 2001
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Mahlen [4]

nemščina

(4)

Laß dir Zeit, mach einen Spaziergang
und sieh den Bäumen zu, sie ziehen
ihr Gleichgewicht aus der Erde. Streben
einer zum andern, zum knarrenden Kanon
vereint, das zerstreut
die sogenannten subjektiven Probleme.

Ungezwungen wie Liebende werfen sie
ihr Bild auf den Weg, ohne Übertreibung.
Vielleicht eine Frage der Anschauung,
das pünktliche Erscheinen zur Tageslektion,
aus dem Augenwinkel etwas
zu erkennen, wie es ursprünglich war,
als die Umrisse der Mutter den Horizont ausmachten,

Milch und Honig hießen.
Und ein endloses Summen,
das unerhörte Störgeräusch
eines Motors dahinter.
Bis heute folge ich nur zu gern dem Wink
eines Gegenübers auf die andere Seite der Wippe.

Zum Glück wird keiner von beiden mitgenommen
und vernommen, so wie die Dinge liegen.
Nur kindliche Kreidezeichen
durchkreuzen die Wege, irgendwo da
wirst du enden, wo es nicht mehr ankommt
auf Zeit und Entfernung.

Halte dich besser an die Strömung des Wassers,
konzentriert, kälter als deine Erwartung.
Längst bist du abgemeldet von den Bibliotheken,
ihren Räumen, weiten Fluchten, zum Trotz.
Stehst ohne Ausweis auf einer Brücke und liest,
was du wiegst, ihrem Knarren ab.

Zu jedem Stern im Orbit gehört ein anderer,
der seine Parabel zu Ende erzählt
und uns zu neuen Schlüssen führt.
Warm weht dich plötzlich
der Gedanke der Zentralheizung an,
wärmt dich, logisch, die faszinierende Idee,
im Einklang zu stehen mit den Regeln
des universalen Spiels.

Wer wüsste nicht ein Obdach zu schätzen,
das die Sprichwörter bewiese, etwa
wie gewonnen so zerronnen,

oder alte Gewohnheiten wie
Onanie, nur wie
ohne eine feste Hand?
Alles Vertraute kehrt uns den Rücken,
widerruft unsere Kaufentscheidungen.

In die Binsen investiert, all die Mühe
in die steigenden Wachstumsraten
des Windes, jedes Korn
Staub verstreut auf ein anderes Feld.
Du lässt Drachen steigen,
nur zur Erinnerung, sozusagen.

Hinter den Lidern fällt die Sonne
in Flocken, Fraktale weiten dein Auge,
wie sollst du da das Obst wachsen sehen,
die kleinen Leiber der Früchte, die wo
für dich reifen, sich aus ihren winzigen
Höhlen wölben und schälen, im Kern
ohne Innen und Außen.

Du hast die Ewigkeit
überlebt im strömenden Verkehr,
den Moment zum Abbiegen
verpasst. Immer
am Anfang deiner Geschichte,

bis es dich umhaut im Kreisel
der Zeit. Die Uhr sucht und findet
kein Ende, kommt nicht zum Punkt, spielt
noch ein bisschen – Verstecken? -
aber mit vollem Einsatz
für die Pünktlichkeit.

Aus dem Slowakischen von Sylvia Geist

Mletie [3]

slovaščina | Martin Solotruk

3.

Je také príjemné občas si čosi prečítať o svete,
na dohľad od lesa, pozorovať
vzduch plný lietadiel,
ktorým ide o fazuľky
a čakať, či zo zdedeného hrnčeka nevykypí
bublina, čo by spustila oné pochody,
ktoré robia z jazyka atómový ľadoborec.

Tak vhupnem do kaleidoskopu významných pohľadov
v kŕdli pred odletom,
ktorým sa masy dávajú do pohybu.
Cestu však križuje zvon.
Aspoň na prechode tentokrát auto pribrzdí
a dá mi prednosť,
aby som mohol pomyslieť na tichší druh premávky,
keď sa nádychom a výdychom plavíme vzduchom,
kam nás len srdce ťahá,  
aby sme sa abstraktným lúpaním hrachu
odvolávali na miesta čoraz zapadnutejšie,

no neustále oživované hromadnými zrážkami
zrniečok prachu,
ktoré sa vo všetkých mierkach k sebe
z protichodných pólov rútia
a pri slávnostnom zvrate do zážitku
nestíhajú dávať pozor
na fanfáry od klaksónov.

Naozaj len reportéri,
čo sa hlásia z kotrmelca,
avšak z brucha stále pekní,
nemôžu nevidieť,
ako ich pri každej  premárnenej šanci ťahá naspäť
ku kriveniu ruky.

Občas sa celkom oplatí zavrieť dvere,
znova ich otvoriť
a nebrať nič smrteľne vážne.

Zlých duchov to však samozrejme
nezaženie. Prebývajú v puklinách.
Najmä v tých, čo nechceš vidieť.

Raz si si umýval ruky v umývadle
plnom pokladov. Je ti z toho
stále tak strašne zvláštne jasno,
že môžeš len pokračovať v tejto forme
triašky.
Sleduješ, čo sa deje. Sústredený
na veky vekov, so zamrznutým úsmevom
zimného cyklistu.

Cyklistika si v dnešných časoch získava
masovú podporu. Otvára prevodové
možnosti.
Stojí na komunikácii.
A tak formuje premávku.
Celý pohyb v jednom zrelom jablku.
Iných športovísk niet.  

Pohyblivé prízraky chvalabohu uvoľňujú
priestor hutnejším spôsobom života.  
Jedeniu, napríklad.  Niektoré body tak
uvidíš podstatnejšie. Stavce. Ustavične
dočisťujúce rovnováhu. Vysoká kopa
tanierov, ktorú nesú do kuchyne na
umytie.

Nie je čas zavrieť dvere, znova ich otvoriť
a nebrať to smrteľne vážne?
Škoda, že nehody sú často len stupídne
náhody.

... Čo s tým, keď jeden plesk a prásk
zmení povahu vecí. Vtáci migrujú v
trhanom pohybe očí.

© Martin Solotruk
from: Mletie
Bratislava: Vydavateľstvo Drewo a srd, 2001
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Mahlen [3]

nemščina

(3)

Angenehm, sich hin und wieder was über
die Welt durchzulesen, in Sichtweite
den Wald, die Luft
voller Flugzeuge, denen es um Peanuts,
nicht um blaue Bohnen geht,
und zu warten, ob nicht aus dem Becher,
dem Erbstück, eine Blase steigt, etwas, das die Sprache
in einen Eisbrecher verwandeln könnte, mit Atomantrieb.

So falle ich, mitten im Pulk der Ausflügler,
in ein Kaleidoskop bedeutender Einsichten.
Massen setzen sich in Bewegung.
Glockengebimmel, die Signale der Kreuzung.
Wenigstens diesmal bremst das Auto,
lässt mich passieren, gibt mir Zeit,
an eine leisere Art Verkehr zu denken,
wenn wir, einatmend, ausatmend, durch den Äther
schwimmen, wohin uns das Herz zieht,
anstatt abstrakte Erbsen zu zählen,
uns auf Entlegenes zu berufen,

Orte, die immer häufiger zusammenstürzen.
Ständig Massenkarambolagen,
hochzeitliche Staubkörner, Pole,
die kollidieren, die festlichen Fanfaren
der Hupen,
von keinem beachtet.

Wirklich nur die Reporter,
die sich live aus dem Purzelbaum melden,
aus dem Bauch heraus, doch immer noch schön,
übersehen nichts, jede verpasste Chance
ein Krampf in der Hand.

Manchmal kann es sich lohnen,
die Tür zu öffnen, um sie wieder zu schließen,
und nichts todernst zu nehmen.

Gespenster schlägt man so natürlich nicht
in die Flucht. Sie hausen
in Rissen, am liebsten in solchen,
die du nicht sehen willst.

Einmal hast du dir die Hände gewaschen
im Becken voller Schätze, davon bist du
immer noch so schrecklich klar,
dass nur der Schüttelfrost dich weitertreibt.
Du beobachtest, was geschieht. Konzentriert
für alle Zeit, mit dem Lächeln
eines Radfahrers im Winter.

Das Radfahren erfreut sich heutzutage
wachsender Beliebtheit. Es eröffnet den Massen
Zugang zu Schalthebeln.
Es dreht sich um Kommunikation.
Es beeinflusst den Verkehr.
Alle Bewegung in einem reifen Apfel.
Andere Sportplätze gibt es nicht.

Der ganze Spuk macht gottseidank
einem reiferen Lebensstil Platz.
Essen, zum Beispiel. Manchen Punkt
siehst du so klarer. Die Wirbel,
die dich unablässig ins Gleichgewicht
balancieren. Den hohen Tellerberg,
der in die Küche zum Abwaschen gebracht wird.

Ist es nicht Zeit, die Tür zu schließen,
um sie wieder zu öffnen, und das nicht
todernst zu nehmen? Schade,
dass Unfälle oft nichts als dumme Zufälle sind.

Und was, wenn ein Knall, ein Krachen
die Natur der Sache veränderte.
Mit der traumhaften Schnelligkeit von Augen
im Schlaf ziehen die Vögel.

Aus dem Slowakischen von Sylvia Geist

Mletie [1]

slovaščina | Martin Solotruk

1.

Tak žeby predsa? Všeobjímajúce sústredenie
ako mletie atakuje všetko,
čo si dosiaľ len tak hovelo v raste,
náhlilo sa za najrôznejšími preludmi,
aké len každodenný vzduch dokáže splodiť?

Teraz však už mletie melie do posledného,
v mlynici z posledných činí prvé.

Aby sa napokon dostalo aj na hostinu.

Povstaňme, uvoľnime starším miesta na sedenie,
prichádza náš čas.

Čas, keď sa na dvore i ulici,
odrazu dokážeme na veci pozrieť historicky.

Balóny čoraz vyššie nad krajinou sugerujú,
že tu ešte asi zostalo čosi vzduchu.
Sme na seba právom pyšní,
objavujeme sférickosť života,
a zatiaľ zvládame tlaky,
ktoré z odstupu vyzerajú tak pekne.  

Každé prasknutie medzi blízkymi
vzduchoplavcami však nami dokáže zamávať
prekvapivým pocitom, že ešte nie sme mŕtvi,
aspoň v bubienku nie.   

Na bubon, na bubon teda stále staviame,
odtiaľ vysielame posolstvá našej metarevolúcie.

Pripravili sme si, čo považujeme za odvysielateľné:
aj kamarátom skrytou kamerou nazbierané materiály,
ktorých strih nemusí padnúť každému.

Ani najlepšia nová metla
sa nedostane všade,
môže však miestami príjemne poštekliť,
zamiesť pod drn, či dočista zmeniť dojem zo života.

I tak sa staň. Hoci s činmi je to horšie.   
Na vysokej nohe.  
Z vtáčej perspektívy spínam zrak.
Vo vlastnom královstve ani holý
nemám pred sebou čo skrývať.
Je to stále chlieb a hry.
Vreckové diery znásobujú súvislosti
zemských obežív,
držia ich v jednej množine.

Posilňujú tak dôveru v krajčírov,  
v ich schopnosť ušiť na ľudskú mieru aspoň čosi,
ak už nie dieru.
Ako vravím, nemám čo ukrývať.

Koľkí blízki si to už namierili pod deravý klobúk,
a ani sa nestačili diviť,
koľko sa toho až nad hlavu
premelie jedným dychom spusteným lístím.
Takáto práca sa nemusí stať ohňostrojom
v pamäti hneď.

V mladších obdobiach ľudia vyťahovali pero
a písali si kozmické nočné.  
Pod dojmom, že vidia háčik,
si domysleli i kľúč.

Stačí malá spomienka na vodcu,
a je koniec so samostatnou rukou,
hoci by sa nám tak veľmi zišla,
keď budeme ešte raz pri sebe
- aspoň prázdnymi vreckami.

Každé najmä nevedomé prefrngnutie
na spôsob nerozlišujúceho orgazmu
prosto zvýši počet stopárskych mávnutí
o jedno z miest, kde som už mal pocit,
že sa zamilujem  do nejakého vlastného obdobia.
Že budem robiť múdreho
zajaca medzi historickými kopami
očami nakoseného sena.

© Martin Solotruk
from: Mletie
Bratislava: Vydavateľstvo Drewo a srd, 2001
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Mahlen [1]

nemščina

(1)

Also doch? Der ganze Wirbel
ein Mahlen, das alles erfasst,
was eben noch in Ruhe wuchs,
Täuschungen, Spiegelungen,
den üblichen Luftbildern entgegen?

Bis aufs letzte Korn mahlt das Mahlen
in der Mühle das erste.

Soll es doch zum Festmahl kommen.

Stehen wir auf, machen Älteren Platz,
unsere Zeit kommt.

Die Zeit, wenn wir im Hof, auf der Straße
plötzlich Historisches sehen.

Ballons, hoch über Land,
als hinge hier noch etwas in der Luft.
Zu Recht stolz auf uns
entdecken wir das Sphärische des Lebens,
bis dort hinaus beherrschte Spannungen,
aus der Ferne schön.

Jedes Bersten eines
der nahen Luftschwimmer eine
Überraschung, wir sind noch nicht tot,
nicht am Trommelfell.

Auf die Trommel, auf die Trommel, bis heute
senden wir so die Botschaften unserer Metarevolution,

präparieren, was wir für sendefähig halten, auch das
vom Freund mit versteckter Kamera gesammelte
Material. Nicht alle Schnitte kommen an.

Auch der beste neue Besen
reicht nicht überallhin, langt aber um hier
und daran zu kratzen, das Leben
scheinbar ins Reine zu bringen.

Laß nur. Es gibt schlimmere Vergehen.
Riesen, schweren Schritts.
Aus der Vogelperspektive der Blick:
Nackt im eigenen Königreich habe ich nichts
vor mir zu verbergen.
Brot und Spiele gab es immer.
Löcher in den Taschen, durch die
die irdischen Mittel in Umlauf kommen
und bleiben, vervielfacht.

Das stärkt das Vertrauen ins Vermögen
von Schneidern, etwas auf menschliches Maß
zu nähen, wenn auch kein Loch.
Wie gesagt, ich bin ganz offen.

Wie viele Verwandte suchten Schutz
unter einem löchrigen Hut, ohne Erstaunen
über die in einem Atemzug wirbelnden Blätter,
oder was sonst über ihren Kopf hinweg geschah.
Kein Feuer, Werk eines Augenblicks,
kein Andenken.

In zeitigeren Epochen griff man zur Feder
und schrieb sich durch kosmische Nachtschichten.
Im Glauben, den Haken zu erkennen,
dachte man sich den Schlüssel dazu.

Doch bloß eine kleine Erinnerung an den Führer,
und es ist aus mit der freien Hand,
die uns dienen könnte,
kämen wir doch noch einmal zu uns,
verwandt durch unsere leeren Taschen.

Vorbei, vorbei, blind
für das Ziel. Am Straßenrand wird gewunken,
in der Hoffnung auf eine Gelegenheit
mitzukommen, und ich, noch immer verrückt
nach irgendeinem Zeitraum, der meiner sein könnte,
mime den klugen Hasen, in der Geschichte
wie zwischen Ballen Heus,
gemäht mit scharfem Blick.

Aus dem Slowakischen von Sylvia Geist

Missieri Jistenna s-Sema Blu

malteščina | Adrian Grima

Id-demm joqtor tipp tipp
ġoċ-ċilindru tad-dripp.
Nimmaġinani qed nisimgħu.
Hemm borża oħra sfigurata
fuq il-mejda maġenbu.

Missieri jħares lejn it-tieqa miftuħa
fuq in-naħa l-oħra tas-sala.
Is-sema blu u s-sodda ta’ faċċata battala.
L-irkejjen jimtlew malajr hawn ġew,
u jerġgħu jitbattlu.

Iċ-ċilindru trasparenti jieħu tipp wara tipp
u jibqa’ ma jimteliex
u missieri jistenna s-sema blu.
Fis-sodda l-oħra hemm klandestin ingezzez fir-rokna.
Kulħadd iġiblu l-affarijiet, jgħidli missieri,
u jerġa’ jdawwar wiċċu.

Il-pulizija għassa mal-purtiera
qed jibgħat messaġġ wara l-ieħor
jew jilgħab logħba.

Ipprova jaħarbilhom skond missieri.
Kif inhu, imn’alla ma rnexxilux.
Kuljum jiġu jżuruh.
 
Jien u ħiereġ jidher mistrieħ.
Missieri, fir-rokna l-oħra,
qed jistenna fil-blu.
Warajh id-demm għadu ma meliex iċ-ċilindru.

Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2010

Mein Vater wartet auf den blauen Himmel

nemščina

In den Infusionszylinder
tröpfelt das Blut: tipp, tipp.
So, stelle ich mir vor,
klingt das. Auf dem Nachttisch
liegt schlaff ein Beutel.

Mein Vater sieht zum Fenster am Ende
des Saals. Der Himmel
ist blau, das Bett gegenüber leer.
Die Plätze werden hier rasch belegt
und rasch wieder frei.

Ein Tipp nach dem anderen für die Flasche,
aber die wird und wird nicht voll,
und mein Vater wartet auf den blauen Himmel.
Im anderen Bett liegt ein Illegaler,
wie eingewickelt in seine Ecke.
Alle bringen ihm Geschenke, sagt mein Vater
und dreht sein Gesicht weg.

Die Wache beim Vorhang,
ein Polizist, tippt
eine Nachricht oder spielt
ein Spiel.

Der andere, so mein Vater,
hat die Flucht versucht.
Bedenke man seinen Zustand,
sei es wohl besser, dass sie misslang.
Jeden Tag bekäme er Besuch.

Als ich gehe, sieht er ausgeruht aus.
Mein Vater in seiner Ecke
wartet aufs Blaue.
Hinter ihm die Flasche ist noch nicht
voll von Blut.

Nachdichtungen: Sylvia Geist ; Nach Interlinearfassungen aus dem Maltesischen von Ray Fabri und Dominik Kalweit

Dit-Tagħbija Barranija

malteščina | Adrian Grima

Lanqas taħt id-doċċa ma jeħfief dal-piż.
Il-misħun jaħbat ’l hawn u ’l hinn bla kwiet
imma dahri jibqa’ maqbud
ġo did-diqa trasparenti.
Dirgħajja ma jintelqux,
lanqas ma’ ġenbejja,
u ndur ġo dal-kwadru nkejjuż
qisni tapp tas-sufra dieħel lura f’postu.
Nistenna l-misħun dejjem ġej
imma dit-tagħbija barranija ma trid teħfief b’xejn.

Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2010

Fremde Last

nemščina

Nicht mal unter der Dusche wird sie leichter.
Das heiße Wasser schlägt unaufhörlich auf
meinen Rücken, verstrickt ihn
in durchsichtige Peitschen.
Die verkrampften Arme
an die Seiten geklebt,
so drehe ich mich in dieser lächerlichen Zelle
wie ein Korken, zurück gezwungen an seinen Platz.
Verharre unter dem steten heißen Strom,
doch die fremde Last lässt sich nicht forttragen.

Nachdichtungen: Sylvia Geist ; Nach Interlinearfassungen aus dem Maltesischen von Ray Fabri und Dominik Kalweit

Kanċellazzjoni tal-Istorja

malteščina | Adrian Grima

Meta telqu s-suldati
ried jerġa’ jmur fiċ-ċella fejn għawġuh,
bħalma tnalja tobrom xewket id-dahar
sakemm tismagħha tfaqqa’ –
it-tnalja.
Ried jisfida,
imqar għal darb’oħra,
il-kanċellazzjoni ta’ l-istorja.

Fiċ-ċella seta’ jerġa’ jonoraha,
u ebda tluq, u ebda firma,
u ebda propaganda mqanqla
ma setgħu
jifirduha mill-memorja.

Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2010

Die Abschaffung der Geschichte

nemščina

Als die Soldaten gingen,
wollte er in die Zelle zurück, wo sie einem
wie mit einer Zange das Rückgrat verbiegen,
bis man etwas brechen hört -
die Zange.
Wenigstens einmal
wollte er stehen bleiben, gegen
die laufende Abschaffung der Geschichte.

In der Zelle wäre sie bei ihm,
kein Weggehen, keine Unterschrift
und keine rührende Propaganda
könnten sie entfernen
aus seinem Gedächtnis.

Nachdichtungen: Sylvia Geist ; Nach Interlinearfassungen aus dem Maltesischen von Ray Fabri und Dominik Kalweit

Iċ-Ċimiterju ta’ Arlington, Virginia

malteščina | Adrian Grima

F’din l-ewwel skola fil-miftuħ li qatt żort
hawn il-bankijiet u l-istudenti kwieti u ggalbati
imqegħdin f’ringieli kważi perfetti.
Is-skiet mhuwiex żball, jew passività,
jew ingratitudni lejn l-għalliema.
Li kellhom jitgħallmu tgħallmuh,
u issa jisktu huma biex nitgħallmu aħna
li nduru u nħufu f’dawn il-klassijiet moderni
mingħajr ħjiel, kieku ma jgħidulniex ta’ qabilna,
li sibna ruħna fl-aħjar skola possibbli.

Uħud mill-ex-alumni għandhom bank
ikbar minn ta’ sħabhom
imma l-biċċa l-kbira laħqu ’ndunaw bid-differenza fil-qisien
u għamlu bank bħal tas-soltu,
kemm kemm joqgħod ġisem ta’ bniedem
u post fejn tħarbex xi ħaġa.

Arlington jgħallmuk kollox f’daqqa
u mbagħad ma jkollokx għalfejn issaqsi aktar.

Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2010

Der Friedhof in Arlington, Virginia

nemščina

In dieser ersten Freiluftschule, die ich je besuchte,
fand ich Pulte und gute, ruhige Schüler
in Reih und Glied. Die Stille ist kein Versehen,
und keinesfalls bedeutet sie Faulheit oder Undankbarkeit
den Lehrern gegenüber. Was gelernt werden musste,
wurde gelernt, nun ist es still, damit wir lernen,
wir, die dieses sehr moderne Klassenzimmer
durchstreifen, ahnungslos, es sei denn,
unsere Ahnen erklärten uns, weshalb das hier
die beste aller möglichen Schulen sein soll.

Einige der ehemaligen Schüler haben
größere Pulte als ihre Kameraden, aber
meistens wird der Unterschied rechtzeitig genug bemerkt,
um eines in Normmaßen dazu zu stellen,
gerade groß genug für den Körper eines Menschen
und mit ausreichend Platz für Kritzeleien.

In Arlington bringt man dir alles auf einmal bei,
da brauchst du nach nichts mehr zu fragen.

Nachdichtungen: Sylvia Geist ; Nach Interlinearfassungen aus dem Maltesischen von Ray Fabri und Dominik Kalweit

Baħar Jgħum f’Għajnejk

malteščina | Adrian Grima

Int dejjem trid tmur timxi fejn il-baħar,
minn kullimkien trid tara l-fond u l-blu;
tinsisti li trid togħla ’l fuq miċ-ċinta,
avolja kbirt u l-biża’ jafek hu.

Bil-ġebla f’idek trid tinħabb u tinki,
trid tara fejn se tinżel, daharha lejk.
Int trid titbaħbaħ bħalha f’baħar mibdi,
trid timxi msaħħar bl-ilma jgħum f’għajnejk.

Il-qamar ħadlu postu l-mewġ imriegħed,
il-bogħod, is-skiet m’għadhomx jikkuntentawk.
Hemm baħar sħiħ imċafċaf  tiela’ miegħek,
hemm ħoss ta’ ġebla u fond jitturmentawk.

Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2010

Ein Meer schwimmt in deinen Augen

nemščina

Immer willst du am Meer entlang,
willst die Tiefe ringsum und die Bläue;
unbedingt willst du über die hohe Ufermauer,
obwohl du groß genug bist, um die Angst zu kennen.

Mit dem Stein in deiner Hand willst du geliebt sein und die anderen prüfen,
willst sehen, wo er landet, der Stein, der dir den Rücken zukehrt,
willst aufprallen wie er auf ein angebrochenes Meer, verzaubert laufen
mit dem Wasser, das in deinen Augen schwimmt.

Die zitternden Wellen haben den Mond verdrängt,
Entfernung und Stille sind dir nicht mehr genug,
ein ganzer rauer Ozean überrollt dich
mit dem Klang jenes Steins, eine Fülle, die schmerzt.

Nachdichtungen: Sylvia Geist ; Nach Interlinearfassungen aus dem Maltesischen von Ray Fabri und Dominik Kalweit

Ansjetà Oħra

malteščina | Adrian Grima

Kieku nista’,
inġorr dir-riħa tan-nagħniegħ ma’ mnifsejja,
naqla’ l-iskaldi ta’ l-ansjetà bil-ponta u l-vini
tal-weraq aħdar tiegħu,
nintelaq minn tuli qalb ix-xtieli mxarrba
taħt xemx nieżla
u nibla’, boqqa boqqa,
dir-riħa skunċertanti.

Imma din mhix ħlief ansjetà ġdida,
poeżija oħra inutli,
diskors imlissen biex jimla l-karta ta’ l-eżami tal-moħħ
li jgħarraq lill-qalb f’xewqatu.

Ansjuża din l-ansjetà li tfuħ.

Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2010

Eine Angst mehr

nemščina

Könnte ich, würde ich
diesen Duft nach Minze auf meinem Atem tragen,
mit ihren Spitzen, den grünen Adern ihrer Blätter
würde ich die Angst entfernen wie einen Splitter,
ich würde mich zwischen die nassen Pflanzen
unter die Abendsonne legen
und Schluck für Schluck
ihren beängstigenden Duft trinken.

Aber das ist nur eine Angst mehr,
noch ein zweckloses Gedicht, Vokabeln
für die Prüfungsbögen des Hirns,
das das Herz in Wünschen ertränkt.

Diese duftende Angst hat Angst.

Nachdichtungen: Sylvia Geist ; Nach Interlinearfassungen aus dem Maltesischen von Ray Fabri und Dominik Kalweit