Fabjan Hafner 
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Original

Translation

prah

словенский | Tone Škrjanec

bile so neke povprečne sanje.
bila sta dva dolga valova, ki sta,
bila sta taka, da sta sekala jezero.
bilo je malce noči, bilo je čisto tiho,
bilo je pravzaprav vse zaprto,
nobenih problemov,
vsi smo bili zdravi, nobenih rakov,
podobnih smrtnih težav,
samo običajno jebanje, in nič, kdo ima koga rad,
kdo je komu kaj in kam vtaknil,
bilo je zares lepo, bilo je dolgo gladko jezero,
vsepovsod neke majhne barvaste luči,
bila sta dva sivkasta goloba, kup rac, črne so bile
z belimi kljuni. na našem balkonu pa jata sinic,
5–10 frfotavih gramov. boli me telo.
nič ne povem, ne bom govoril,
moj mir je tišina krivega, zunaj je tema,
mraz je, in komu mar, meni je mar,
meni ni vseeno, bolijo me mišice,
telo mi nekaj pripoveduje,
neko staro zgodbo, ki je vsem znana,
tudi meni, vsaj slutim jo,
na neki rahlo metafizični ravni.
meni ni nič zares, telo je tisto, ki ga oddajam,
meni ni do tega, da bi bil kar koli.  
meni je grozno, sedim v avtu in mi je grozno,
in je čista tišina, morda ravno zato,
samo motor stroja se sliši in dihanje.
meni veliko ne pomeni prav dosti. meni je veliko samovšečnih velikanov
samo neka slabotna arabska verzija sobotnega sprehoda,
meni včasih veliko pomeni, da sem majhen,
da sem pravzaprav za vedno neskončno majhen,
mene boli, ko moji bližnji mislijo,
da obvladam elektriko, vse te nepomembne napeljave,
da tiho sedenje in poslušanje ni stejtment
in da se rad zamislim, utihnem, da so mi vsakodnevne nečimrnosti prirojene
in naj bodo samo hecna obsesija,
da je prah na predmetih resna svar, ki ne odpušča,
da je svet iz dneva v dan bolj slaboumna domislica,
in žal ne samo to, da je vse skupaj nekaj čisto mimogrede,
majhna opazka, nekaj kamel, nekaj čisto malih živali,
komajda smiselna percepcija nečesa, kar nikoli ni bilo prav zares.
jaz sem tisti, ki sem zadnjič stal na nekem grobu,
in to je bil tisti isti grob, kot pred leti, ko sem nekje
v sebi govoril neumnosti:
poglej, poglej kaj se mi dogaja, pa se ni nič,
skoraj nič posebnega, samo mi smo po koščkih umirali.
stali smo tam in svet ni čakal, samo bil je tam nekje,
kot neka pofukana večnost, ki vse ve, ki vse razume
in ji dejansko ni prav nič jasno. zunaj je mraz in sneg
in želim si, da bi bil srečen, pa nekako ne gre,
vedno je nekaj vmes, vedno se dogaja, vedno te strukture,
čeprav smo vedno lepi, vedno imamo svoje golo telo,
ki blešči kot zvezda.
vedno lepo kot zvezda.
in nočem domov.

from: Koža
Ljubljana : LUD Literatura, 2006
Audio production: Študentska založba & Sonolab, Ljubljana 2010

staub

немецкий

da war ein durchschnittlicher traum.
da waren zwei lange wellen, die,
die waren so, dass sie den see schnitten.
da war ein wenig nacht, es war ganz still,
da war eigentlich alles zu,
keine probleme,
wir waren alle gesund, keine krebserkrankungen,
ähnliche tödlich beschwerden,
nur das übliche ficken, und nichts, wer wen liebt,
wer wem was und wohin gesteckt hat,
da war es wirklich schön, es war ein langer, glatter see,
überall kleine, bunte lichter,
da waren zwei gräuliche tauben, ein haufen enten, schwarz waren die,
mit weißen schnäbeln, und ein meisenschwarm auf unserem balkon.
5-10 flattrige gramm. mein körper tut weh.
ich sage nichts, ich will nicht reden,
mein friede ist die stille des schuldigen, im freien herrscht dunkelheit,
frost, wenn schert das, mich schert das,
mir ist es nicht egal, meine muskel schmerzen,
mein körper erzählt mir etwas,
eine alte, allen bekannte geschichte,
auch mir, zumindest ahne ich sie,
auf einer leicht metaphorischen ebene.
mir scheint nichts real zu sein, mein körper ist das, was ich aussende,
mir liegt nichts daran, irgendetwas zu sein.
mir ist angst und bang, ich sitze in meinem auto und habe angst,
und es herrscht vollkommene stille, vielleicht gerade deshalb,
nur der motor der maschine ist noch zu hören und das atmen.
mir bedeutet vieles nicht gerade viel. für mich sind viele eitle riesen
nur eine schwache arabische spielart eines samstagspaziergangs,
mir bedeutet es manchmal viel, dass ich klein bin,
dass ich eigentlich für immer unendlich klein bin,
es tut mir weh, wenn meine nächsten denken,
dass ich den strom beherrschte, all diese unwichtigen leitungen,
dass das still herumsitzen und lauschen kein statement wäre
und dass ich mich gerne in gedanken verliere, verstumme, dass mir alltägliche
                                                                           eitelkeiten angeboren sind,
und wäre es auch nur die komische obsession,
dass der staub auf den gegenständen eine ernste sache ist, die keine vergebung
                                                                                                           kennt,
dass die welt von tag zu tag zu einem immer schwachsinnigeren einfall wird,  
und leider nicht nur deshalb, weil alles zusammen ganz en passant passiert,
eine kleine bemerkung, ein paar kamele, ein paar ganz kleine tiere,
ein kaum sinnvolle wahrnehmung von etwas, das besonders real war.
ich bin der, der letzthin an einem grab stand,
und zwar an demselben grab wie vor jahren, als ich irgendwo in mir
unsinn redete:
schau, schau an, was mit mir geschieht, doch es geschah nichts,
fast nicht besonderes, nur dass wir stückweise starben.
wir standen da, und die welt wartete nicht, war nur einfach da,
wie eine gefickte ewigkeit, die alles weiß, die alles versteht
und der in wirklichkeit nichts klar ist. im freien frost und schnee,
und ich wünsche, ich wäre glücklich, aber es geht irgendwie nicht,
immer kommt etwas dazwischen, immer geschieht etwas, immer diese strukturen,
obwohl wir immer schön sind, immer noch haben wir unseren nackten körper,
der wie ein stern glänzt.
immer schön wie ein stern.
und ich will nicht nach hause.

aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

schwoaze männa

немецкий | Axel Karner

schwoaze männa
hobnd im föld draußn
a loch gegrobn
tiaf ausm bodn
es lebn gsuacht

mit de bloaßn finga
de toatn
aus da eadn
gekrotzt
und aufghänkt
zan steabn


- - - - -

schwarze männer 

schwarze männer 
haben im feld draußen 
ein loch gegraben 
tief aus dem boden 
das leben gesucht

mit den bloßen fingern 
die toten 
aus der erde 
gekratzt 
und aufgehängt 
zum sterben

© Axel Karner und Bibliothek der Provinz
from: schottntreiba
Weitra : Bibliothek der Provinz, 2004
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

črnə moži

словенский

črnə moži
so tone na pule
jamo sqopalə
hwoboko w zamlu
so žowlenje iskalə

s samimi prstimə
so ti mrtle
ven s prsti
skrempala
in obsela
da b wmrlə

Prevod iz narečje: Fabjan Hafner, April 2016
- - - - -


črni možje
so zunaj na polju
skopali jamo
globoko v prsti
so iskali življenje

z golimi prsti
so spraskali
mrtve
iz zemlje
in obesili
za umiranje


Prevod iz nemščine: Fabjan Hafner, April 2016


host ma

немецкий | Axel Karner

host ma
de augn vadraht
de sun vabotn
vatrocknet da mund

lei es schrein
auf da tenn
a ongnoglts kind
dos de ondan
vatreibt


- - - - -

hast mir

hast mir
die augen verdreht 
die sonne verboten 
vertrocknet den mund

nur das schreien
auf der tenne
ein angenageltes kind
das die anderen
vertreibt

© Axel Karner und Bibliothek der Provinz
from: schottntreiba
Weitra: Bibliothek der Provinz, 2004
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

wuči sə mə zawiw

словенский

wuči sə
mə zawiw
sunce prapuwedu
wuste pušušu

qoj rjutje
na hamnə
prbit wutrok
q wse drje
pražane


Prevod iz narečje: Fabjan Hafner, April 2016
- - - - - 


si mi
oči zavil
sonce prepovedal
usta izsušil

samo kričanje
na skednju
pribit otrok
ki odganja
vse druge


Prevod iz nemščine: Fabjan Hafner, April 2016


de leichntroga

немецкий | Axel Karner

de leichntroga
woatnd
bis de fliagltian
aufgeahnd
und de leit
ausawolgnd
in wind

lei
im banahaus
drinnen
tonznd
de toatn
bis unta de stean


- - - - -

die leichenträger

die leichenträger
warten
bis die flügeltüren
aufgehen
und die leute
herausrollen
in den wind

nur
im beinhaus
drinnen
tanzen
die toten
bis unter die sterne

© Axel Karner und Bibliothek der Provinz
from: schottntreiba
Weitra : Bibliothek der Provinz, 2004
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

pogrebcə

словенский

pogrebcə
čaqajo
da se dwujne duro
wupro
n ldi prnase
wen
na wetr

qoj
tantre
w qustncə
rajajo
ti mrtlə
horti du zwizd

Prevod iz narečje: Fabjan Hafner, April 2016

- - - - -


pogrebci
čakajo
da se krilna vrata
odpro
in se ljudje
prikotalijo ven
na veter

samo
notri
v kostnici
plešejo
mrtveci
gor vse do zvezd

Prevod iz nemščine: Fabjan Hafner, April 2016


[wonn da bam bliaht]

немецкий | Axel Karner

wonn
da bam bliaht
kriachnd
de leit
en toad
iba de augn
de knecht
straand
kolch
ibas diarre fleisch
und pfeifnd
auf de knochn
a liad


- - - - -


wenn
der baum blüht
kriechen
die leute
dem tod
über die augen
die knechte
streuen
kalk
über das dürre fleisch
und pfeifen
auf den knochen
ein lied

© Axel Karner und Bibliothek der Provinz
from: schottntreiba
Weitra : Bibliothek der Provinz, 2004
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

[če paml cweti]

словенский

če
paml cweti
lizajo
ldi
smrtə
čriz wuči
hwapci
pusipajo
apno
čriz ti medlə msu
na qostih
pa zapisqajo
ano pesm


Prevod iz narečje: Fabjan Hafner, April 2016
- - - - - 


ko
zacveti drevo
ljudje lezejo
smrti
čez oči
hlapci
trosijo
apno
po suhem mesu
in na kosteh
zapiskajo
pesem


Prevod iz nemščine: Fabjan Hafner, April 2016


woat I

немецкий | Axel Karner

wos du aa heast
im haus is es stüll

de leit rednd nit
fia dei woat
muaßt ongst hobn

oba hinta da wond
leise weata
deine briada
in da aufgrissenen tia

ka woat wead do gredet


- - - - - 

wort I

was du auch hörst 
im haus ist es still

die leute reden nicht
für dein wort
musst du angst haben

aber hinter der wand
leise wörter
deine brüder
in der aufgerissenen tür

kein wort wird da geredet

© Axel Karner und Bibliothek der Provinz
from: schottntreiba
Weitra : Bibliothek der Provinz, 2004
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

bisida I

словенский

wseanu qaj slišəš
v šiši je tiho

ldi ča marwajo
za swojo bisido
se morəš batə

wundar za miram
so tihe biside
tvojə bratrə
w durah q wofn stojo

kar biside tle na slišəš


Prevod iz narečje: Fabjan Hafner, April 2016
- - - - - 

beseda I


kar koli slišiš
v hiši je tiho

ljudje ne govorijo
za svojo besedo
se moraš bati

toda za zidom
tihe besede
tvoji bratje
v na stežaj odprtih vratih

tam se ne izusti nobena beseda



Prevod iz nemščine: Fabjan Hafner, April 2016


karntn IV

немецкий | Axel Karner

ka scheanas lond
hot iba nocht
so vül hamlichkeitn

a toates kind
mit an schra ols locha
a liab
von zwa kolte augn
und hoss

aufgrissene tian
schnell schnell
ka aufbegeahn
de händ ins kreiz gedraht

ka scheanas lond
konn
so vül stüll sein


- - - - -

kärnten IV

kein schöneres land
hat über nacht
so viele heimlichkeiten

ein totes kind
mit einem schrei als lachen
eine liebe
von zwei kalten augen
und hass

aufgerissene türen
schnell schnell
kein aufbegehren
die hände ins kreuz gedreht

kein schöneres land
kann
so viel still sein

© Axel Karner und Bibliothek der Provinz
from: schottntreiba
Weitra: Bibliothek der Provinz, 2004
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

quroška IV

словенский

či lipše dažale
q b čriz nuč mewa
an taj za skritə

mrtu wtrok
rjove mestə smiha
lbezn
dveh hwadnah wuči
in fejtninje

hor strhane durə
šitro šitro
ča branə se
roče v križ zawite

či lipše dažale
q bi wohkə
an taj tiho biwa


Prevod iz narečje: Fabjan Hafner, April 2016
- - - - - 


koroška IV

ni lepše dežele
ki bi imela čez noč
toliko skrivnosti

mrtev otrok
s krikom namesto smeha
ljubezen
dvoje hladnih oči
in sovraštvo

odpahnjena vrata
brž brž
brez upora
roke zavite v križ

ni lepše dežele
ki bi lahko
toliko molčala


Prevod iz nemščine: Fabjan Hafner, April 2016


karntn I

немецкий | Axel Karner

i bin a karntna
hob i gedocht
i war a karntna
homs gsogt

lei diafat i nit
auf mei hamat schimpfn
nit mit de redn
dera sproch i eh nit vasteah
nit olleweil
des maul aufreißn
fia eppes
wos mi nix ongeaht

weil
schließlich war i a karntna
wohl duat gebuan
sunst oba nix


- - - - -

kärnten I

ich bin ein kärntner 
habe ich gedacht 
ich wäre ein kärntner 
haben sie gesagt

nur dürfte ich nicht
auf meine heimat schimpfen
nicht mit jenen reden
deren sprache ich nicht verstehe
nicht immer
das maul aufreißen
für etwas
das mich nichts angeht

weil
schließlich wäre ich ein kärntner
wohl dort geboren
sonst aber nichts

© Axel Karner und Bibliothek der Provinz
from: schottntreiba
Weitra : Bibliothek der Provinz, 2004
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

quroška I

словенский

qorošc sm
sm si žinu
da sem qorošc
so m rekli

qoj da domowine
usirat nab smow
pa s tima marnwati
q jih jezq tak na zastopm
naq qoj wsol
hobc wdperat
za neki qar me čist
nč an na hre

saj
sm menda qorošc
tam rojan to že
weč pa tud nak


Prevod iz narečje: Fabjan Hafner, April 2016
- - - - - 


koroška I

korošec sem
sem mislil
da sem korošec
so mi rekli

samo da domovine
sramotiti ne bi smel
in ne govoriti s tistimi
katerih jezik ne razumem
in ne zmeraj
gobezdati
o nečem
kar se mene ne tiče

saj
sem menda korošec
tam rodil sem se že
kaj več pa tudi ne


Prevod iz nemščine: Fabjan Hafner, April 2016


gwolt I

немецкий | Axel Karner

es wead noch
vül
schiacha sein

se weand da
ols lebendiga
de haut obziagn
aus de zähnd
stana brechn
und mitn fleisch
ziagl brennen

noacha east
treibns di in kotta
und tuand da
liab


- - - - -


gewalt I

es wird noch
viel
hässlicher sein

sie werden dir 
als lebendigen 
die haut abziehen 
aus den zähnen 
steine brechen 
und mit dem fleisch 
ziegel brennen

dann erst
treiben sie dich in den kotter
und tun dir
lieb

© Axel Karner und Bibliothek der Provinz
from: schottntreiba
Weitra: Bibliothek der Provinz, 2004
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

hwowt I

словенский

še wolko
hmajnišə
bo

živá
te bojo
odrlə
iz zob
qaminje womilə
pa z mesam
cihle peklə

potle šele
te bojo v qajfnco hnalə
in se dawalə
da te majo radə


Prevod iz narečje: Fabjan Hafner, April 2016
- - - - - 


nasilje I

še
mnogo grše
bo

odrli
te bodo
živega
iz zob bodo
lomili kamne
in z mesom
žgali opeke

šele potem
te bodo odgnali v pripora
in se ti
dobrikali


Prevod iz nemščine: Fabjan Hafner, April 2016


Sanjska

словенский | Tone Škrjanec

danes sem se veliko vozil v avtu. skoraj cel dan. mimo je brzela čisto ravna
pokrajina z občasnimi majhnimi zaselki dveh ali treh hiš. okoli njih je raslo
nizko drevje. nobenih ljudi nisem ne srečal ne videl, nobenih živali. no, za
ptice nisem gotov, nisem prav veliko dvigal pogleda. na koncu dneva smo
pripeljali do neke temno modre in malo vijoličaste hiške. v njej živi starejša
gospa. na oknih goji rdeče in rumene rože. ima telo mladostnice. ima tudi
nekoliko večje sramne ustnice. nosi pepita obleko iz lahkotnega materiala.
belo s svetlo rumenimi pikami. obnaša se kot da nas ni. tudi zato se ne
zaustavljamo, samo malo upočasnimo vožnjo, da si lahko ogledamo gospo z
velikimi ustnicami in temno modro hiško. vse je še naprej ravno. zadaj pa
nebo. vozimo naprej. kristal držimo v rokah.  pazimo, da se ne razbije.
kadimo samo občasno. ob velikih praznikih in prometnih zastojih.

from: Duh želve je majhen in zelo star
Ljubljana: KUD France Prešern, 2009
Audio production: Študentska založba & Sonolab, Ljubljana 2010

traumgedicht

немецкий

heute bin ich viel auto gefahren. fast den ganzen tag. vorbei huschte eine vollkommen flache landschaft mit ein paar weilern mit je zwei oder drei häusern da und dort. um sie herum wuchsen niedrige bäume. ich sah oder traf keine menschen, keine tiere. was die vögel betrifft, bin ich mir nicht ganz sicher. ich sah nicht  besonders oft nach oben. am tagesende erreichten wir ein dunkelblaues, auch ein bisschen violettes häuschen. darin lebt eine ältere dame. in fensterkästen zieht sie rote und gelbe blumen. sie hat den körper einer jungen frau. ihre schamlippen sind etwas vergrößert. sie trägt ein pepitakleid aus leichtem material. weiß mit hellgelben punkten. sie benimmt sich, als wäre wir nicht hier. deshalb halten wir auch nicht, sondern drosseln nur das tempo, um die frau mit den großen lippen und dem dunkelblauen haus sehen zu können.  alles bleibt weiterhin flach. und hinten der himmel. wir fahren weiter. halten einen kristall in den händen. achten darauf, dass er nicht zerbricht. wir rauchen nur hin und wieder. an hohen feiertagen und im stau.

aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

Vrnitve

словенский | Robert Simonišek

Včasih je treba rezati Atlantik,
drugič Tihi ocean, kakšno leto le potoke.
Vračamo se od vsepovsod,
obujamo minule in med premori,
ki odpočijejo vid, mislimo na manjkajoče,
ki šepetajo onstran fresk.

Plamen raste, veter odmika krošnje
in ptice se vdajo večeru.
Kadar potrka neznanec,
mirujejo višine, mirujeta politično
in versko prepričanje,
čeprav nekdo za vrati sumi,
da gre za poganski shod.

Vsi apostoli različni po višini glasu,
en obraz, roka, ki jemlje z dolge mize,
vsako leto bolj preudarno,
med škrebljanjem obrabljenega pribora,
praznino nedoseženih dejanj
in tistim, kar prihaja.

Ko se utrnejo pomeni,
se pritajijo viharji izgnanstev,
ki so nekoč razmaknili oblake,
sneli nedelje s tečajev zguljenih vrat
in je neslišen pozdrav ženskega krila,
prhutal skozi pomladi,
drvel proti ciljem s hitrostjo kometa,
ki ne pozna vrnitve.

Nagibamo se k svetlemu jedru,
poravnamo brvi, ki nas ločene vodijo
čez zime, čez kalne vode.

© Robert Simonišek
from: Selitve
Ljubljana: LUD Literatura, 2013
ISBN: 978-961-6717-87-8
Audio production: LUD Literatura, 2014

Wiederkünfte

немецкий

Manchmal muss man den Atlantik schneiden,
ein andermal den Stillen Ozean, in manchem Jahr nur Bäche.
Wir kehren wieder von überallher,
erwecken die Vergangenen, und in den Pausen,
die den Blick erfrischen, denken wir an die Fehlenden,
die jenseits der Fresken flüstern.
 
Die Flamme wächst, der Wind entrückt die Wipfel,
und die Vögel ergeben sich dem Abend.
Wenn ein Unbekannter anklopft,
ruhen alle Höhen, ruhen die politische
und die religiöse Überzeugung,
obwohl hinter der Tür jemand den Verdacht hegt,
es handle sich um eine heidnische Versammlung.
 
Alle Apostel, unterschieden durch ihre Stimmlagen,
ein Gesicht, eine Hand, der am langen Tisch zugreift,
jedes Jahr überlegter,
unter dem Klappern von abgenütztem Besteck,
der Leere unerreichter Taten
und dem Kommenden.
 
Sobald sich vielerlei Sinn einstellt,
legen sich die Stürme der Verbannungen,
die einst die Wolken auseinanderrissen,
Sonntage aus den Angeln abgegriffener Türen hoben;
und der unhörbare Gruß eines Rocks
flatterte durch die Frühlinge,
eilte Zielen entgegen mit der Geschwindigkeit eines Kometen,
der keine Wiederkehr kennt.
 
Wir neigen uns zum lichten Kern,
rücken die Steige zurecht, die uns getrennt geleiten
über die Winter, über die trüben Gewässer.

Aus dem Slowenischen übersetzt von Fabjan Hafner

Nova Luna

словенский | Robert Simonišek

Skozi provincialno mestno jedro
si mršči lase latino glasba,
z vseh strani ograjena
v zbor visokih gozdov.
Beli zobje se nasmihajo,
omotični razum odlaša poteze.
Večer je razpet nad pričakovanji.

Češnje tipajo majsko bistvo
in zrak preceja vse,
česar nismo znali ubesediti
v načinih dnevne svetlobe,
priprti med urinim kazalcem
in praznimi ulicami.

Temni baker s streh se zliva
čez dišeča lica in obrabljene oči.
Za zaprtimi vrati hrama
mežikajo starodavne prerokbe.

Tudi nocoj veter orje krošnje
in vrača odmeve vedno istih imen,
ki potrebujejo naš glas.
Si upamo priznati, da nas edino koža
odveže od zemlje in zaustavi čas?

Hiša, v katero sem vstopil, ima pet sob.
Vse bele plujejo proti oranžni gmoti,
ki je ne motijo moje navade.

Nekaj časa bom še sedel na verandi
in se poslušal. Nato se bom spustil
skozi vrt, v še en običajen večer.
Pazil bom, da ne bi zmotil roba
med mano in polno luno. 

© Robert Simonišek
from: Selitve
Ljubljana: LUD Literatura, 2013
ISBN: 978-961-6717-87-8
Audio production: LUD Literatura, 2014

Neumond

немецкий

Durch den provinziellen Stadtkern
zaust sich eine Latinomusik ihr Haar,
von allen Seiten umfriedet
von einem Hochwaldchor.
Weiße Zähne lächeln,
ein benommener Geist schiebt Züge auf.
Der Abend ist über Erwartungen aufgespannt.

Die Kirschen tasten nach dem Wesentlichen im Mai,
und die Luft seiht alles durch,
was wir nicht in Worte fassen konnten
nach Art des Tageslichts,
eingeklemmt zwischen dem Uhrzeiger
und den leeren Straßen.

Der dunkle Kupfer von den Dächern ergießt sich
über die duftenden Gesichter und verbrauchten Augen.
Hinter den verschlossenen Toren des Tempels
zwinkern uralte Prophetien.

Auch heute Nacht bricht sich der Wind Bahn durch die Wipfel
und bringt die Echos der immergleichen Namen wieder,
die unserer Stimme bedürfen.
Wagen wir uns einzugestehen, dass allein die Haut
uns von der Erde löst und die Zeit zum Stillstand bringt?

Im Haus, das ich betrat, sind fünf Zimmer.
Ganz weiß segeln sie in Richtung einer orangen Masse,
die sich von meinen Gewohnheiten nicht stören lässt.

Einige Zeit werde ich noch auf der Veranda sitzen
mir selbst zuhören. Dann werde ich durch den Garten
in einen weiteren gewöhnlichen Abend hinuntergehen.
Ich werde darauf achten, die Kante zwischen
mir und dem Vollmond zu meiden.

Aus dem Slowenischen übersetzt von Fabjan Hafner

Hiša

словенский | Robert Simonišek

Rad bi se ustavil tukaj, 
morda le za nekaj mesecev, 
morda le za nekaj zim.

Življenja so manj predvidljiva
od časopisnih stolpcev, ki stojijo
na istih mestih kot včeraj,
karikatur, omamljenih od moči,
svetlejša so od najtanjšega kozarca, 
ki poleti proti tlom in razpade,
preden utegnemo zadržati odločitve.

Ne moti me, če se keramika ne blešči, 
če se tečaji vrat oglašajo zateglo 
in okna ne tesnijo ostrega zraka, 
ki ponoči grize spalnico.

Rad bi zbral misli pod temi stropi, 
prisluhnil variacijam odmeva, 
se vrnil po dolgem hodniku
in se preslikal v jesensko pokrajino.

Vsa zbledela življenja so bila 
obotavljiva sklepanja sporazumov, 
včasih na nevarnih krajih, 
včasih v sprevodu zaveznikov.

Naj se bele stene vzpenjajo visoko
in spočijejo kretnje, 
ki so se naveličale pločnikov, 
naj dolgo sedim ob plamenu, 
ki za mojim hrbtom riše prikazni.

Rad bi se ustavil tukaj 
in strgan potni list predal času. 
Potem bom zaklenil vhodna vrata 
in odšel dalje z istim razlogom, 
preden bo noč dosegla živo mejo.

© Robert Simonišek
from: Selitve
LUD Literatura, 2013
ISBN: 978-961-6717-87-8
Audio production: LUD Literatura, 2014

Das Haus

немецкий

Gerne würde ich hier bleiben,
vielleicht nur für ein paar Monate,
vielleicht nur für ein paar Winter.

Die Leben sind weniger vorhersehbar
als Zeitungskolumnen, die an
denselben Stellen stehen wie gestern,
als die Karikaturen im Machtrausch,
sind lichter als das dünnste Glas,
das zu Boden fällt und zerschellt,
noch ehe man eine Entscheidung aussetzen kann.

Es stört mich nicht, wenn die Fliesen nicht glänzen,
wenn die Türangeln langgezogen Laut geben und
die Fenster nicht abgedichtet sind gegen die scharfe Luft,
die nachts am Schlafzimmer nagt.

Gerne würde ich meine Gedanken unter diesen Decken sammeln,
den Spielarten des Echos lauschen,
durch einen langen Gang wiederkehren
und mich in der Herbstlandschaft abbilden.

Alle erbleichten Leben waren
das zögerliche Schließen von Übereinkünften,
manchmal an gefährlichen Orten,
manchmal im Zug von Verbündeten.

Sollen doch die weißen Wände hoch aufragen
und die Gesten ausruhen,
die die Bürgersteige satt haben,
soll ich doch lange bei der Flamme sitzen,
die hinter meinem Rücken Gespenster zeichnet.

Gerne würde ich hier bleiben
und meinen zerfetzten Pass der Zeit übergeben.
Dann werde ich die Eingangstür versperren
und aus demselben Grund weitergehen,
ehe die Nacht die Hecke erreicht.

Aus dem Slowenischen übersetzt von Fabjan Hafner

Sprehod po Lipici ponoči

словенский | Veronika Dintinjana

Šepetam, Herr, es ist Zeit.

Javor odgovarja s šelestom, pesek se drobi pod koraki.
Noč, delno oblačna, na zahodu ostanki zarje,
soj izpušnih plinov, meglica,
prhanje v konjušnici, konj v ogradi se prestopi,
prdne, kar odmeva v noč,
hotel je napol prazen, gosti spijo,
konji spijo stoje. Nekaj jih bedi,
šepetam, da se ne bi zbali neznanih korakov,
čas se je ustavil, ure so se sprijele v noč
brez mesečine, svetilk, nekaj svetlobe
prihaja od hotela, premalo, pogled mora seči skozi mrak,
oko se privadi, telo posluša. Med sencami
beli konji, najsvetlejša telesa poleg zvezd.
Čuti se hlad, vonj po konjskem gnoju,
jesen po poletju. Bršljan zajeda javor,
bori utirajo pot hrastu, hrast izpodriva bore,
življenje žre življenje, tako mora biti:

razumeti sosledje prehodov,
svoje mesto v njem, presega človeški delež. 

Naravnanost srca je vse, kar premoremo. 

Svet se oblikuje v odprtinah telesa,
pod streho vek prenočim vratarje neslutenih minut.

Belec v ogradi se ozre k meni,
naslonjena na deblo kostanja ostanem
tako celo večnost. Oblak nad nama
trosi spore spokojnosti. Niti samota se ne zdi
več neizbežna, žalost odpade, prehod je odprt, 
skozenj se pretaka nekaj trajnejšega od besed. 

© Veronika Dintinjana
from: Rumeno gori grm forzicij
Ljubljana: LUD Literatura, 2008
Audio production: LUD Literatura, 2014

Nachtspaziergang durch Lipica

немецкий

Ich flüstere: „Herr, es ist Zeit.“

Der Ahorn antwortet mit einem Flüstern, der Sand knirscht unter den Schritten,
Die Nacht, zum Teil bewölkt, im Westen Reste von Abendrot,
der Schein der Abgase, eine Nebelschwade,
das Schnauben im Marstall, das Pferd im Pferch tritt von einem Bein auf das andere,
es furzt, so dass es in der Nacht widerhallt,
das Hotel ist halb leer, die Gäste schlafen,
die Pferde schlafen im Stehen. Einige sind wach,
ich flüstere, damit die unbekannten Schritte sie nicht erschrecken,
die Zeit steht still, die Stunden sind verklumpt zu einer Nacht,
ohne Mondlicht, Lampen, ein wenig Licht
fällt vom Hotel herüber, zu wenig, der Blick muss durch den Dämmer dringen,
das Auge gewöhnt sich, der Leib lauscht. Zwischen den Schatten
weiße Pferde, die hellsten Körper neben den Sternen.
Man spürt die Kühle, den Duft von Pferdeäpfeln,
dem Herbst nach dem Sommer. Der Efeu schmarotzt am Ahorn,
die Kiefern bahnen der Eiche den Weg, die Eiche verdrängt die Kiefern,
ein Leben frisst ein anderes, so muss es sein:

Die Abfolge der Passagen verstehen,
den eigenen Stellenwert darin, übersteigt den menschlichen Anteil.

Die Ausrichtung des Herzens ist alles, was wir zu bieten haben.

Die Welt gewinnt Form in den Körperöffnungen,
unter dem Dach meiner Lider biete ich den Türhütern ungeahnter Minuten ein Nachtlager.

Der Schimmel im Pferch wendet sich mir zu,
an den Stamm des Kastanienbaums gelehnt verweile ich
eine ganze Ewigkeit so. Die Wolke über uns verstreut
Sporen von Gelassenheit. Nicht einmal die Einsamkeit erscheint mehr
unausweichlich, die Trauer fällt ab, die Passage ist offen,
durch sie fließt etwas Dauerhafteres als Worte.

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

Oranževec pred hišo je v zenitu

словенский | Veronika Dintinjana

Poslušam odsotnost vetra med listi
in neobljudeno popoldne.

Zaradi treh stvari puščam polkna priprta,
zaradi štirih zapiram vrata.

Zaradi lune, ki razbeljena zacvrči, ko jo kovač potopi v vedro.
Zaradi jutra, ki prebledi, ko ga v obraz pogleda sonce.
Zaradi dneva, ki zardi v noč, in zaradi praga,
namesto stopinj ga bodo obrusili cvetovi.

Trije se dvigajo v nebo,
štirje so šli brez najmanjšega šuma.

Šla je gorilna nitka v žarnici,
iz glave mi je ušla prekinjena vrstica.
Skozi priprto okno se je pririnil hlad
in za mizo si je prostor našla večerja.

Štirih stvari ne morem dojeti,
treh ne pozabiti.

Oblega kamna na obali, kot otroka me je naučil
razlikovati levo in desno koleno, levo in desno stran ceste.
Bolečine, ki je bila vseobsegajoča in je minila hip zatem.
Ljubeznivega morja, vsako noč ga sanjam, čaka me pred vrati.
Podnevi pošilja galebe in druge sle po odgovor.

In drevesa, ki zahaja nad svetom.
Ni moč videti, kdo se vrti okoli koga.

Po dolžini sence določamo smeri neba.
Po dolžini korakov, katera ura noči je. 

© Veronika Dintinjana
from: Rumeno gori grm forzicij
Ljubljana: LUD Literatura, 2008
Audio production: LUD Literatura, 2014

Der Orangenbaum vor der Tür steht im Zenit

немецкий

Ich lausche der Abwesenheit des Windes unter den Blättern
und dem unbesiedelten Nachmittag.

Wegen drei Dingen lasse ich die Fensterläden angelehnt,
wegen vieren schließe ich die Tür.

Wegen des Mondes, der weißglühend aufzischt, wenn der Schmied ihn in den Eimer taucht.
Wegen des Morgens, der erblasst, wenn ihm die Sonne ins Gesicht sieht.
Wegen des Tages, der in die Nacht hinein errötet, und wegen der Schwelle,
die anstelle von Schritten von Blüten abgewetzt werden wird.

Die drei erheben sich zum Himmel,
die vier sind ohne den leisesten Laut durchgebrannt.

Der Brennfaden in der Glühbirne ist durchgebrannt
und der unvollendete Vers aus meinem Kopf.
Durch das angelehnte Fenster drang Kühle,
und am Tisch fand das Abendbrot Platz.

Die vier Dinge kann ich nicht begreifen,
die drei nicht vergessen.

Den runden Stein am Strand, als ich Kind war, hat er mir beigebracht,
das linke und das rechte Knie, die linke und die rechte Straßenseite zu unterscheiden.
Den Schmerz, der allumfassend war und im nächsten Augenblick verschwunden.
Das liebenswerte Meer, jede Nacht träume ich von ihm, erwartet mich vor der Tür.
Am Tag schickt es Möwen und andere Boten um Antworten.

Und den Baum, der über der Welt untergeht.
Man kann nicht sehen, wer sich um wen dreht.

Anhand der Länge der Schatten bestimmen wir die Himmelsrichtungen.
Anhand der Länge der Schritte die Nachtstunden.

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

Sv. Frančišek

словенский | Veronika Dintinjana

rasti v nebo,
dokler ne postaneš drevo

poln prebranega dežja in prhke zemlje

kaj ti more veter,
ko se odeneš v cvetje?

neponovljivost je tvoje žezlo

ne zlato ne srebro
nista dala telesa
za mizo, za posteljo

in ko pospijo ptice v tvoji krošnji,
se ne premakneš več

abecedo znamenj zamenja molčanje

© Veronika Dintinjana
Audio production: LUD Literatura, 2014

sankt franziskus

немецкий

in den himmel wachsen,
bis man zum baum wird

voll von verlesenem regen und bröckligem erdreich

was kann der wind dir anhaben,
wenn du dich in blüten kleidest?

die unwiederholbarkeit ist dein zepter

weder gold noch silber
gaben ihren leib
für einen tisch, für ein bett

und sobald die vögel in deiner krone eingeschlafen sind,
rührst du dich nicht mehr

das zeichenalphabet wird ersetzt durch schweigen

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

Zločin lune

словенский | Lucija Stupica

Vonj ribje restavracije, na terasi ples krožnikov,
mnoga šepetanja, obrisi sprehajalcev … in si sam,
preboden na svojo zakrpo obale, občutek neskončnosti
preplavi telo – in v naslednjem hipu izgine.

Dan se je sesul v stisnjeno pest,
ki se počasi odpira za darovanje
prahu morju v zadnje slovo.
Val, narejen kot iz glasbe, ne veš,
kje se začenja, kje končuje.
Nemirno tlakovanje galebjih poti.
Tudi v tebi morje – ga že poznaš?

Zvečer se kot splašena senca zliješ s temo.
Izgineš na svojo obalo, molčiš
v sestavljenem svetu jezika
in zreš, kot uboga žival, v žareč horizont.
Počasi sedeš in čakaš na zločin lune.

© Študentska založba
from: Vetrolov
Ljubljana: Študentska založba, 2004
Audio production: Študentska založba & Sonolab, Ljubljana 2010

Mondfrevel

немецкий

Fischrestaurantduft und auf der Terrasse Tellertanz,
Flüsterfülle, Passantenschatten … und du allein,
gespießt auf dein Küstenstück, ein Unendlichkeitsgefühl
überflutet deinen Leib – um im nächsten Augenblick zu verschwinden.

Der Tag, implodiert zu einer geballten Faust,
sich langsam zum Staubopfer öffnend,
als letzter Abschied vom Meer.
Eine Woge, wie aus Musik, und du weißt nicht,
wo sie beginnt und wo sie endet.
Das stumme Pflastern der Möwenwege.
Auch in dir ist ein Meer – kennst du es schon?

Abends verschmilzt du wie ein scheuer Schatten mit dem Dunkel.
Verschwindest an deine Küste, schweigst
in der Puzzlewelt der Sprache
und schaust, wie ein armes Tier, in den brennenden Horizont.
Langsam lässt du dich nieder und harrst auf den Mondfrevel.

Translated by: Fabjan Hafner

Školjka

словенский | Lucija Stupica

Nežna, presojna školjka na okenski polici
obuja morje. Odmik pogleda poraja
strah v golo mesto, ki na postaji čaka
na pisane sprevode predramljenih izrazov.

Skoz narebreno lupino se preceja
še zaspan dan. Kot dobro pričvrščen čoln
počasi dviguje svoje sidro. Na površini
školjke se zrcali fasada nasproti stoječega
bloka, siva ograja, ograja misli, oblak iz pepela.

Tvoja prstna blazinica steče vzdolž hrbtenice,
da sleče trdnjavo kože kot zvočni signal
ladje v megli, glas vlaka, vse bliže bliže,
me prebudi in do roba napolni z morjem.

© Študentska založba
from: Vetrolov
Ljubljana: Študentska založba, 2004
Audio production: Študentska založba & Sonolab, Ljubljana 2010

Die Muschel

немецкий

Die zarte, durchscheinende Muschel am Fensterbrett ruft
das Meer wach. Das Abrücken des Blicks bringt Angst
in die nackte Stadt, die am Bahnhof auf die bunten
Umzüge der wachgerüttelten Ausdrücke wartet.

Durch die geriffelte Schale sickert der noch verschlafene
Tag. Wie ein gut vertäutes Boot lichtet er langsam
seinen Anker. Die Oberfläche der Muschel reflektiert
die Fassade des Hochhauses vis-à-vis, die graue Umfriedung,
die Umfriedung der Gedanken, die Aschenwolke.

Deine Fingerkuppe fährt das Rückgrat entlang,
um die Körperfestung zu entblößen wie
ein Nebelhorn; ein näherkommendes Zuggeräusch
weckt mich und füllt mich bis obenhin an mit Meer.

Translated by: Fabjan Hafner

Reka je izgovor

словенский | Lucija Stupica

V hipu se zazdi vse zaman.
Besede so poletele čez cesto
in se niso vrnile. Molčiš,
zavit v težek volnen šal.
Čakaš. A je čas pretežak,
da bi dišal. Postaja amalgam
prekletih sanj. Tišina, ki
s svojim kopom kliče globino,
reka, ki je samo izgovor,
da se spustiš. Drugače bi ostal
na kamnitem bregu kot ideja,
ki se ne more uresničiti.
Amorfna goba, ki vase posrka
vse neskladje in gneve.

V hipu se zdi vse zaman.
Priznaj. Strah. Priznaj strah.
Ta ve nekaj o tvoji prihodnosti.

© Študentska založba
from: Vetrolov
Ljubljana: Študentska založba, 2004
Audio production: Študentska založba & Sonolab, Ljubljana 2010

Der Fluss ist eine Ausflucht

немецкий

Im Augenblick erscheint alles vergebens.
Die Wörter sind über die Straße geflogen,
ohne wiederzukehren. Du schweigst,
gehüllt in einen schweren Wollschal.
Du wartest. Doch die Zeit ist zu schwer,
um zu duften. Sie wird zu einem Amalgam
verfluchter Träume. Die Stille, die durch
ihr Schürfen die Tiefe beschwört,
der Fluss, der nur eine Ausflucht ist,
damit du loslässt. Sonst bliebst
du als Idee, die sich nicht
umsetzen lässt, an der Steinküste.
Ein amorpher Schwamm, der Zorn
und Zwietracht restlos in sich aufsaugt.

Im Augenblick erscheint alles vergebens.
Gesteh sie dir ein. Deine Angst.
Gesteh dir deine Angst ein.
Sie weiß etwas von deiner Zukunft.

Translated by: Fabjan Hafner

Pesmi iz drugega nadstropja

словенский | Lucija Stupica

Drugo nadstropje je ubijalo pesmi.
Nekaj je bilo na njih, kar jih je
spoznalo za krive. Ujetnike svojih spolov.
Nekaj jih je pozabilo na svoje proteze v ustih
in so zaman lomili zobe. Ni bilo
staršev, da bi pazili nanje, ni bilo sedanjosti,
da bi preprosto obstajali. Preteklost jih je
sunila v prihodnost. Brez obrestovanja.
Obresti so zapadle z njihovo mladostjo.

Drugo nadstropje jih je postaralo,
izdolblo v jutra polna nepričakovanja,
jim položilo strah v oči - kot ljudem,
ki so ob svetleči belini platna
iskali izhod iz dvorane,
polni vneme, da potisnejo svoje breme
čez prag in ga zakopljejo v sveže zapadli sneg.

Po filmu Pesmi iz drugega nadstropja, režija Roy Anderson

© Študentska založba
from: Otok, mesto in drugi
Ljubljana: Študentska založba, 2008
Audio production: Študentska založba & Sonolab, Ljubljana 2010

Lieder aus dem zweiten Stockwerk

немецкий

Das zweite Stockwerk tötete Lieder.
Etwas an ihnen sprach sie
schuldig. Als Gefangene ihrer Geschlechter.
Einige hatten ihren Zahnersatz vergessen,
und umsonst zerbrachen sie ihre Zähne. Da waren
keine Eltern, um auf sie achtzugeben, keine Gegenwart,
um einfach da zu sein. Die Vergangenheit stieß sie
in die Zukunft. Unverzinst.
Die Zinsen wurden mit ihrer Jugend fällig.

Das zweite Stockwerk ließ sie altern,
höhlte sie aus zu Morgen voller Erwartungslosigkeit,
senkte Angst in die Augen – wie Menschen,
die im Schimmerlicht der Leinwand
den Weg aus dem Saal suchten,
erfüllt vom Eifer, ihre Last über die Schwelle
zu schaffen und im Neuschnee zu vergraben.

Nach dem Film Sånger från andra våningen von Roy Andersen

Translated by: Fabjan Hafner

Pesem o mizi

словенский | Lucija Stupica

Sedela sta za isto mizo,
izbirala vedno podobne jedi,
si naročala isto vino,
prepoznavala nasmehe v besedah
in obratno besede v nasmehih,
dnevi so tekli skozi,
kasnje so tekla leta
in miza je postajala vse daljša
in jedi vedno bolj različne,
besede sta si podajala skozi natakarjeva usta,

na njenem krožniku je na koncu,
ko se nista več slišala in skoraj ne videla,
zrasla rukola - ta okusen plevel
v neizprosni enakomernosti časa.

© Študentska založba
from: Otok, mesto in drugi
Ljubljana: Študentska založba, 2008
Audio production: Študentska založba & Sonolab, Ljubljana 2010

Das Gedicht vom Tisch

немецкий

Sie saßen am selben Tisch,
wählten immer ähnliche Gerichte,
bestellten denselben Wein,
erkannten das Lächeln in den Worten
und umgekehrt die Worte im Lächeln,
die Tage flossen hindurch,
später flossen die Jahre,
und der Tisch wurde immer länger
und die Gerichte immer vielfältiger,
die Worte reichten sie einander durch den Mund des Kellners,

auf ihrem Teller wuchs am Ende,
als sie einander nicht mehr hörten und fast nicht mehr sahen,
Ruccola – jenes schmackhafte Unkraut
in der unerbittlichen Einförmigkeit der Zeit.

Translated by: Fabjan Hafner

Ko se zbujajo odtisi

словенский | Lucija Stupica

Ko se zbujajo odtisi, si spet sam.
Noč pestuje dvojino,
dovoli izbrise in pozabo,
razvaja te z lahkoto,
s katero pišeš in šivaš rane.

Dan je trezen, surov sogovornik,
a spet mehak, ko se potopiš
v let metulja in po tišini spolzi
spokojni narek dotika.

In tako je včasih tudi dan paren,
ko se naveličan samote primakne k tebi.

© Študentska založba
from: Vetrolov
Ljubljana: Študentska založba, 2004
Audio production: Študentska založba & Sonolab, Ljubljana 2010

Wenn die Abdrücke erwachen

немецкий

Wenn die Abdrücke erwachen, bist du wieder allein.
Die Nacht birgt Zweisamkeit,
gewährt Tilgung und Vergessen,
verwöhnt dich durch die Leichtigkeit,
mit der du schreibst und die Wunden nähst.

Der Tag ist ein nüchterner, ungehobelter Gesprächspartner,
dann wieder weich, sobald du eintauchst
in den Falterflug und das gelassene Diktat
einer Berührung durch die Stille gleitet.

Und so kommt manchmal auch der Tag daher in Paaren,
wenn er, des Alleinseins überdrüssig, zu dir hinrückt.

Translated by: Fabjan Hafner

Jabolko

словенский | Lucija Stupica

Čas je za jabolko, čas za odhod
na tržnico, tako kot sem se nekoč spustila
v sadovnjak in si ga sama izbrala in utrgala,
še v jutru, opranega z roso.
Tudi ob reki je jutro, in ta kačasto reže vanj,
prebuja se babilon, in ta kačasto reže vanj,
spustim se navzdol kot po golem telesu,
gladko in hitro, potem se je treba ustaviti,
si ogledati, izbrati, ugrizniti, da zakrvavijo
ustnice, spet mladostno sveže.
In spijem sok z obraza,
razdelim oči in rane,
vse se sestavi v red:
vid in življenje in drevo,
z blagoslovom razdelim sadež
in še enkrat ugriznem vanj,
in ugrizne mesto,
in ugrizneš ti.

© Študentska založba
from: Otok, mesto in drugi
Ljubljana: Študentska založba, 2008
Audio production: Študentska založba & Sonolab, Ljubljana 2010

Apfel

немецкий

Zeit für den Apfel, Zeit für den Gang zum
Markt, so wie ich früher zum Obstgarten
hinabstieg, ihn selbst aussuchte und pflückte,
noch im von Tau gewaschenen Morgen.
Auch am Fluss ist Morgen, sein Einschnitt ist eine Schlange,
Babylon erwacht, sein Einschnitt ist eine Schlange,
ich steige hinab wie über einen nackten Leib,
glatt und schnell, dann muss man innehalten,
sich umsehen, eine Wahl treffen, hineinbeißen, so dass
die wieder jugendlich frischen Lippen zu bluten beginnen.
Und ich trinke den Saft vom Gesicht,
teile Augen und Wunden,
alles fügt sich zu einer Ordnung:
das Sehen, das Leben und der Baum,
mit einem Segen teile ich die Frucht
und beiße noch einmal hinein,
dann beißt die Stadt zu
und dann du.

Translated by: Fabjan Hafner

Vsega ni treba razumeti

словенский | Lucija Stupica

Temni, kot s smolo obarvani kamni
in bele premične kopije, labodi,
z nevidnimi, globoko sklonjenimi

vratovi, zakopanimi v morsko podzemlje.
Še bolj temno morje jih zaliva s peno,
vrača peno trupel, ki jih je pognalo vase,

na drugi strani oceana, ob drugem pritoku.
A vsega ni treba razumeti −
Oko se krčevito oprijema

trdnosti kamnov, njihovih svetlečih
površin. Morda me voda naredi bližjo
in toplejšo, morda sem samo v ljubezni

lahko doma. Obračam se proti mestnemu
obzidju, vsak dan se srečujeva, dotikava
in opazujeva prihod valov z ladjami,

ki prinašajo in odnašajo druga morja ljudi.
Kadar sva najbolj sama, ko se prižgejo luči,
slišim šklepetanje njegovih ust, prepišne line

podstrešij, rumeni jezik mesta.
Nevidni premiki kot celjenje ran po ljubljenju.
Življenje vedno znova pridobiva. Telo mesta se rehabilitira.

Meni dopušča počitek, tiho hranjenje z morjem,
medtem ko me obzidje objema. Valovi kot da tipajo
za neznanimi odtisi. Znova in znova.
Vedno bolj vztrajno. Kot čas, ki ga hranim
s kruhom, namenjenim tudi pticam.

© Lucija Stupica / Študentska založba
Audio production: Študentska založba & Sonolab, Ljubljana 2010

Man muss nicht alles verstehen

немецкий

Die dunklen, wie mit Pech geschwärzten Steine
und weiße, bewegliche Kopien, Schwäne mit
unsichtbaren, tief gesenkten Hälsen, vergraben

im Meeresgrund. Ein noch dunkleres Meer überflutet
sie mit Gischt, gibt den Gischt der Leichen wieder,
die es in sich aufgenommen hat, auf der anderen Seite

des Ozeans, an einem anderen Mündung.
Doch alles muss man nicht verstehen –
Das Auge hält sich krampfhaft an

die Härte der Steine, an ihre schimmernden
Oberflächen. Vielleicht macht mich das Wasser
wärmer und nahbarer, vielleicht kann ich nur

in der Liebe daheim sein. Ich wende mich zur
Stadtmauer, wir treffen uns täglich, berühren uns
und sehen das Kommen der Wogen mit Schiffen,

die andere Meere Menschen bringen und forttragen.
Wenn wir am einsamsten sind, wenn die Lichter angehen,
höre ich das Klappern seines Mundes, die zugigen Luken

der Dachböden, die gelbe Zunge der Stadt.
Unsichtbare Regungen wie die Wundheilung nach dem Lieben.
Das Leben profitiert immerfort. Der Leib der Stadt wird kuriert.

Mir ermöglicht die Ruhe, während mich die Stadtmauer umfängt,
mich mit still am Meer zu laben. Die Wogen tasten gleichsam
nach unbekannten Abdrücken. Wieder und wieder.
Immer beharrlicher. Wie die Zeit, die ich mit
dem den Vögeln zugedachten Brot nähre.


Aus dem Slowenische von Fabjan Hafner

Včeraj je pozaba

словенский | Lucija Stupica

Včeraj je pozaba, so sanje, vse je,
včeraj je pesem, ki sem jo pozabila zapisati,
ker si zaprl dlani -  kot knjigo kot oči,
v katerih sem spala mirno kot dete,
kot nekogaršnja hči, kot ženska,
v svojih menjavah kože, menjavah telesa,
vzdož dneva se je vzpenjal obod sveta,
ki je grel besedo v upanje -  včeraj,
včeraj sem izbirala ključe najrazličnejših vhodov,
dokler nisem slišala Whitmanovega dečka, ki joče
ob pogledu na pogrebne oblake,
toliko razlogov je, da pozabim, da se izgubim
jočem kričim objemam drhtim,
se levim kot pisana kača,
znotraj se vse drobi kot korenine posušenega ingverja
v ročnem mlinu, katerega ročico vrti dekle
na tleh trgovine, ki jo zapuščam kot včeraj,
kot včeraj, ko si zaprl dlani.

© Študentska založba
from: Otok, mesto in drugi
Ljubljana: Študentska založba, 2008
Audio production: Študentska založba & Sonolab, Ljubljana 2010

Das Gestern ist das Vergessen

немецкий

Das Gestern ist das Vergessen, die Träume, ist alles,
das Gestern ist das Gedicht, das aufzuschreiben ich vergessen habe,
weil du deine Hand geschlossen hast – wie ein Buch, wie Augen,
in denen ich ruhig schlief wie ein Säugling,
wie niemandes Tochter, wie eine Frau,
in meinen Häutungen, in meinem Körperwechsel,
entlang des Tags erhob sich die Wandung der Welt,
sie wärmte das Wort, bis es Hoffnung war – gestern,
gestern wählte ich die Schlüssel zu den verschiedensten Eingängen,
bis ich Whitmans Knaben hörte, der beim Anblick
der Begräbniswolken weinte,
so viele Gründe gibt es zu vergessen, dass ich mich verliere, ich
weine schreie umarme bebe,
häute mich wie eine bunte Schlange,
innen bröckelt alles wie die Wurzeln von getrocknetem Ingwer
in der Handmühle, deren Kurbel ein Mädchen dreht,
auf dem Boden des Ladens, den ich wie gestern verlasse,
wie gestern, als du deine Hand geschlossen hast.

Translated by: Fabjan Hafner

Čez reko, na vzhod

словенский | Aleš Debeljak

Mlad srnjak je planil prek čistine, za kratek hip. Davni
strel na mostu sredi mesta, ki izginja, vibrira skozi naš
vek. Kaj bi to. Voda sili čez nasip. Gospodar hodnikov
se premetava v nemirnem snu, v vili ob sotočju rek. Prazno

odmeva mu korak. Godba v parku je zaspala. Ti, ki si šel skoz
taborišča in mraz Urala, hodiš mimo straž, ki gledajo v drugo
smer. Sporočajo ti skrivni znak. Drsiš skoz notranja dvorišča,
tlakovna s sivimi kostmi. Zdavnaj že prestopil si poslednjo

mejo in se naučil osnovne lekcije sveta. Preživi le tisti,
ki zna sprejeti boleči dar. Ne opazuj zdaj arhitekture rož!
Udari, kot je sanjal On. Da lobanja se zdrobi kot vanilijev

piškot na dno skodele. Udari! Da na rezilu zablešči se stok
otrok in angelov in oživi nagon. Naj se rod, če ne gre drugače,
v rani prepozna, naj vendar že razpade temelj zadnje citadele.

© A.D. und Mladinska knjiga
from: Mesto in otrok
Ljubljana: Mladinska knjiga, 1996
Audio production: 2003, Študentska založba

Über den Fluss, gen Osten

немецкий

Ein junger Rehbock huschte, augenblickslang, über die Waldlichtung. Ein ferner Schuss
auf der Brücke inmitten der verschwindenden Stadt vibriert durch unser Zeitalter. Doch
was soll das. Das Wasser brandet über den Damm. Der Herr der Gänge in der Villa am
Zusammenfluss der Ströme wälzt sich in unruhigem Schlaf. Hohl hallt jeder seiner Schritte.

Die Kapelle im Park ist eingeschlafen. Und du, der durch Lager und den Frost des Urals
gegangen ist, bewegst dich leise vorbei an den Wachen, die woandershin schauen.
Sie geben dir einen geheimen Wink. Gleitest durch die mit grauem Gebein gepflasterten
Hinterhöfe. Längst schon hast du die letzte Grenze überschritten und die Basislektion

der Welt gelernt. Überleben kann nur, wer das schmerzliche Geschenk zu empfangen
weiß. Betrachte jetzt nicht die Blumenarchitektur! Schlag so zu, wie Er es sich
erträumte. Damit die Schädel bersten wie die Vanilleplätzchen am Grund der Schale.

Schlag zu! Auf der Klinge glitzert das Stöhnen von Kindern und Engeln und belebt
den Trieb. Soll das Geschlecht, wenn's denn nicht anders geht, sich in der Wunde
wieder erkennen, sollen die Grundfesten der letzten Zitadelle doch endlich zerfallen.

aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

[Čas je]

словенский | Aleš Debeljak

Čas je. Povej, kar je nekoč že bilo
rečeno. Da ne bo nesporazuma. Začni,
kjer hočeš. Bolj kot zdaj ne boš trpel.
V ptičjem vzletu z vodne površine je že

padec. Tudi ti ne boš nič izgubil. Kolikor
si dal, toliko ostane tvoje. Vem, da se ti
na begu v tuj jezik toži po tišini. Ki ti
nacefra telesa, ker jo poznaš odznotraj.

Ker umrejo le ljudje, ne njihovo molčanje.
A jate škorcev, ki se vračajo domov, so glasne.
Moral boš povzdigniti svoj glas. Govori zdaj!
Povej. Kako si tiho in postajaš dih vseh ljudi.

© A.D. und Aleph-Verlag
from: Slovar tišine
Ljubljana : Aleph, 1987
Audio production: 2003, Študentska založba

Es ist Zeit

немецкий

Es ist Zeit. Sag, was schon einmal gesagt worden ist.
Um Missverständnisse zu vermeiden. Fang an, wo
du willst. Schlimmer als jetzt wirst du nicht leiden.
Im Auffliegen des Vogels von der Wasserfläche ist

schon sein Fall. Auch du wirst nichts verlieren. Soviel
du gegeben hast, bleibt dein. Ich weiß, auf der Flucht in
eine fremde Sprache sehnst du dich nach Stille. Die dir
den Körper nicht zerzaust, denn du kennst sie von innen.

Denn es sterben nur die Menschen, nicht ihr Schweigen.
Doch die Schwärme der Stare, die heimwärts ziehen, lärmen.
Du wirst deine Stimme erheben müssen. Sprich jetzt! Sag’s.
Wie still du bist und zum Atem aller Menschen wirst.

aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

[ZA VSE BOŠ PLAČAL]

словенский | Dane Zajc

Za vse boš plačal.
Največ boš plačal za svoje rojstvo.
Jata posmehljivih ptic te bo zasledovala
skoz življenje.
Ob uri miru
in ob uri nemira
se bo spuščala na tvoje prsi.
Terjala bo plačilo.
In ti boš dajal in dajal.
Ampak odrešitve ne bo nikoli.
Ker ni nikjer odpuščanja.
Nikjer ni odrešitve za človeka.
V sebi nimaš vrednosti,
s katero bi plačal.
In sam si plačilo za vse.

© Dane Zajc
from: Otroka reke (igra)
Ljubljana : Cankarjeva založba, 1963
Audio production: Študentska založba

[FÜR ALLES WIRST DU BEZAHLEN]

немецкий

Für alles wirst du bezahlen.
Am meisten für deine Geburt.
Ein Schwarm höhnischer Vögel verfolgt dich dein Leben lang.
In der Stunde Ruhe
und in der Stunde Ruhelos
senkt er sich auf deine Brust.
Und fordert Lohn.
Und du wirst zahlen und zahlen.
Doch die Erlösung bleibt aus.
Denn Vergebung ist nirgends.
Nirgends Erlösung.
In dir birgst du keinen Wert,
um damit zu bezahlen.
Und bist selbst Entgelt für alles.

Dane Zajc, Hinter den Übergängen. Gedichte und Stimmen.
Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner. © Klett Cotta, Stuttgart 2003.
http://www.klett-cotta.de/programm/literatur" ">www.klett-cotta.de/programm/literatur

[Ta pesem je zate]

словенский | Aleš Debeljak

Ta pesem je zate, brezimni. Ki razdražljiv in
bolan od monotonega čakanja na kdovekaj še vedno
tavaš skoz letne čase. In ne pišeš dnevnika. Še nihče
ga ni, ki je kakor ti. Prepuščen si sebi. In nostalgiji

po prihodnosti. Na svoj lep način boš preživel taborišča
za begunce in slovo od lepih ornamentov v secesijski
arhitekturi. Na siničjem perju boš morda uzrl bežno svet-
likanje orožja. In tvoj samotni žvižg. Ki traja. Dolgo.

Strdil se bo v elegijo. Pri tem ne moreš nič. Tako se mora
to zgoditi. Potem obup, ki rahlo šumi v nas. V tem je stvar.
Lahko izpiješ še šest steklenic, ne boš oživel svojega lika
v ogledalu tujega spomina. Do konca boš edini in sam. Gotovo.

© A.D. und Aleph-Verlag
from: Slovar tišine
Ljubljana: Aleph, 1987
Audio production: 2003, Študentska založba

Dieses Gedicht ist für dich

немецкий

Dieses Gedicht ist für dich, Namenloser. Der reizbar und krank von
monotonem Warten auf Werweißwas noch immer durch die Jahreszeiten
taumelt. Und kein Tagebuch führt. Noch keiner, der wie du war, führte
eines. Du bist dir selbst überlassen. Und der Nostalgie nach Zukunft.

Auf deine schöne Weise wirst du die Flüchtlingslager und den Abschied
von den schönen Ornamenten der Sezessionsarchitektur überstehen.
Im Meisengefieder wirst du vielleicht das flüchtige Blinken einer Waffe
entdecken. Und dein einsamer Pfiff. Der dauert. Lange. Der wird sich

verhärten zu einer Elegie. Da kannst du nichts machen. So muss das geschehen.
Dann die Verzweiflung, die leise in uns rauscht. Die Sache ist die. Du kannst noch
sechs Flaschen leeren, du wirst deine Figur im Spiegel einer fremden Erinnerung
nicht beleben. Bis zum Ende bleibst du der einzige und allein. Ganz sicher.

aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

[Razmočena mehkoba mahu]

словенский | Aleš Debeljak

Razmočena mehkoba mahu se ugreza pod nogami, ko hodiva
čez napol pomrznjene zalive in skoz redka rastišča brez,
potujoč v nepravilnem krogu, ki se širi v temo, skoz možgane
in otrpla telesa ljudi in živali, ujetih v led, ki mora biti tu že
od lani, ne: od vedno, enakomerna praznina pred nama, na
slabo prekrvavljenih obrazih se nabirajo kristalčki ledu, slišim
te, kako pritajeno, kakor na begu, popevaš neznano melodijo,
ne razločim besed, sapa se ti strjuje na krzneni ovratnici, široko
razprtih oči greva skozi tišino in vodeni sij zvezd, skoz vročična
mrmranja otrok v neznanih taboriščih, žuželke venijo pod
lubjem, december ali junij, ni razlike, pepel prekriva tla,
kolikor daleč sega pogled, mokra volna srajc, gaziva skoz
meglo, ki pronica v pljuča, kakor da izhaja izza gričev, za
katerimi slutim nerazcvetene rože pod ženskimi vekami, ki
sanjajo o potemnelih obrazih, strjujoč se v granit, gosti sneg
naju zasipa, jekleno sivo nebo, spiva stoje, ne da bi naju zares
zanimal ritem svitanj in zatonov, brez konca, kakor da se nikoli
ni začelo, zobna sklenina razpada od mraza, nočeva se ločiti,
komaj požiram slino, povej, povej mi besedilo pesmi, rad bi pel s teboj.

© A.D. und Mladinska knjiga
from: Minute strahu
Ljubljana: Mladinska knjiga, 1990
Audio production: 2003, Študentska založba

[Das aufgeweichte Moos]

немецкий


Das aufgeweichte Moos gibt unter unseren Füßen nach, wenn wir über halb zugefrorene Buchten und schüttere Birkenschonungen ziehen, wandernd in einem nicht regelrechten Kreis, der sich ins Dunkel dehnt, durch die Gehirne und Körper von Mensch und Tier, gefangen im Eis, das hier noch vom Vorjahr, nein: seit jeher sein muss, die gleichförmige Leere vor uns, auf den schlecht durchbluteten Gesichtern sammeln sich Eiskristalle, ich höre dich halblaut, wie auf der Flucht, eine unbekannte Melodie singen, ich kann kein Wort verstehen, dein Atem gefriert an deinem Pelzkragen, mit weit offenen Augen ziehen wir durch die Stille und das wässrige Sternenglimmen, durch das fiebrige Brabbeln der Kinder in unbekannten Lagern, Insekten welken dahin unter kärglichem Bast, Dezember oder Juni, kein Unterschied. Asche bedeckt den Boden, soweit das Blickfeld reicht, die nasse Wolle der Hemden, wir waten durch den Nebel, der in die Lungen dringt, als käme er von jenseits der Hügel, hinter denen ich unerblühte Blumen unter Frauenlidern ahne, die von gedunkelten, sich zu Granit verfestigenden Gesichtern träumen, dichter Schnee verschüttet uns, stahlgrauer Himmel, wir schlafen im Stehen, ohne dass uns der Rhythmus von Tagen und Nachtwerden wirklich interessiert, ohne Ende, als hätte es nie begonnen, der Zahnschmelz zerfällt vor Frost, wir wollen uns nicht trennen, ich kann meinen Speichel kaum schlucken, sag mir den Text des Liedes, ich will mit dir singen.

aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

[Opazujem te]

словенский | Aleš Debeljak

Opazujem te, kako nežno drsiš z roko po telesu. Se spra-
šuješ, kje se te je dotaknil angel: ustnice, pregib kolena,
ušesna školjka? Danes, včeraj, še pred tem, sem gledal
ženske tvojega rodu, kako rahlo se premikajo skoz prostore,
tako kot ti, drseč, kakor na krilih, zanesljivo, ponosno, brez
strahu. Vidim te, jasno in razločno. Pridi. Vstopi, rečem.

© A.D. und Mladinska knjiga
from: Minute strahu
Ljubljana: Mladinska knjiga, 1990
Audio production: 2003, Študentska založba

[Ich beobachte dich]

немецкий

                   
Ich beobachte dich, wie du zärtlich mit der Hand über den Körper gleitest. Fragst du dich, wo dich der Engel berührte: die Lippen, die Kniebeuge, die Ohrmuschel? Heute, gestern, noch viel früher betrachtete ich die Frauen deines Volkes, wie sie anmutig durch die Räume schritten, wie du, gleitend wie auf Flügeln, sicher, stolz, furchtlos. Ich sehe dich, klar und deutlich. Komm, tritt ein, sage ich.

aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

[Nič ni dosegljivo]

словенский | Aleš Debeljak

Nič ni nedosegljivo. Noben glas se ne podvoji.
Kot da se nikoli ni zgodilo. Mirno trajajo stvari.
In zjutraj se bo zdanilo. Po žilah teče kri.
Ti si nič. Za vse druge, z izjemo neke ženske, si

globoka tema na rečnem dnu. Brezupno gladek kamen
z modrikastim nadihom. Vdolbina v vodnjaku. Nikogaršnji
začetek, ki ga nihče ne spozna. Kakor Scottov dnevnik,
izgubljen v polarnem metežu. Ti si nič. Morda si moja

žalost, široka kot nebo. In prostor in praznina filma,
za vselej navitega v kolut. Mesto ni zdaj nič bolj ne-
bogljeno kakor prej. Samo jaz, to lahko delam, bom zvenel
na frekvenci tvojega molčanja in čakal, da mi odgovoriš.

© A.D. und Aleph-Verlag
from: Slovar tišine
Ljubljana: Aleph, 1987
Audio production: 2003, Študentska založba

Nichts zu erreichen

немецкий

Nichts zu erreichen. Keine Stimme verdoppelt sich. Als wäre es
nie geschehen. Ruhig dauern die Dinge. Und Morgen wird es
wieder Tag werden. Durch die Adern fließt Blut. Für alle anderen,
mit Ausnahme einer Frau, bist du das tiefe Dunkel am Grund des Flusses.

Ein hoffnungslos glatter Stein mit einem bläulichen Anhauch.
Eine Einbuchtung am Brunnen. Niemandes Anfang, den keiner kennt.
Wie Scotts Tagebuch, verschollen im Polargestöber. Du bist nichts.
Vielleicht bist du meine Traurigkeit, weit wie der Himmel.

Und der Raum und die Leere eines für immer auf die Rolle
aufgewickelten Filmes. Die Stadt ist jetzt nicht hilfloser als
zuvor. Nur ich, das kann ich hinzufügen, werde Töne von mir
geben auf der Frequenz deines Schweigens und warten auf Antwort.

aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

[Dovolj besed]

словенский | Aleš Debeljak

Dovolj je besed. Rajši zadremam. Nad mano let
divjih gosi, v meni suh kašelj in žerjavica. –
Piš vetra obrača strešnega petelina. Na koncu
sem ostal jaz. Zares je že čas, da postanem

akustika tišine, zamolčani sprotni dialog. Ne bom
več nikogaršnji krik, ukristaljen v jantarno sre-
dico. Zvezde so mrzle, ljudje v stanovanjih prižigajo
luči. Po svetu ultrazvok noči. Kaj lahko še pri-

čakujem, kaj lahko še dam? Zapomnil sem si ritem
telesne bolečine, s katero se vsak dan začenja svet.
Poznam slepila podob in starih spisov, rad bi bil
spet sam. Kakor dojenčkov jok, ko ga mati zapusti

© A.D. und Aleph-Verlag
from: Slovar tišine
Ljubljana: Aleph, 1987
Audio production: 2003, Študentska založba

Genug der Worte

немецкий

Genug der Worte. Ich schlafe lieber ein. Über mir der Flug der
Wildgänse, in mir trockner Husten und Aschenglut. – Ein Windstoß
dreht den Wetterhahn. Am Ende bin ich übrig geblieben. Wirklich,
es ist Zeit, dass ich zur Akustik der Stille werde, zum verschwiegenen,

unverzüglichen Dialog. Ich werde nicht mehr niemandes Schrei
sein, einkristallisiert in eine Bernsteinkrume. Die Sterne sind kalt,
die Leute machen Licht in ihren Wohnungen. Über die Welt
geht der Ultraklang der Nacht. Was habe ich noch zu erwarten,

was habe ich noch zu geben? Festgehalten habe ich den Rhythmus
des körperlichen Schmerzes, mit dem jeden Tag die Welt beginnt.
Ich kenne den Trug der Bilder und der alten Schriften, gerne wäre ich
wieder allein. Wie das Weinen eines Säuglings, den seine Mutter verlässt.

aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

ZLATE LADJE

словенский | Kajetan Kovič

O zlate ladje z vetrovi v zatilju
kam plovete kam plovete
volkovi se plazijo po trebuhu morjá
bliski padajo kakor rože
tam daleč
na čisto ravni črti obzorja
sta dan in noč tekmeca
neumakljiva tekmeca
tam daleč na tisti vodoravnici
sta dan in noč ljubimca
dve ptici dva orla
iz bogve katere kamene dobe
iz bogve katerega praznika rož
o sveto nasilje ljubezni
da šipek na njenih prsih zakrvavi
da se napne in upogne kot vrba
da razklene obzorja nad sabo
in je na nebu spet prostor za nove zvezde
o slavnosti
o slavci
tam daleč
tam daleč na vodoravnici

© Kajetan Kovič
from: Zlate ladje / Ogenjvoda
Ljubljana : Cankarjeva založba, 1965
Audio production: Študentska založba / Beletrina

GOLDENE SCHIFFE

немецкий

Ihr goldenen Schiffe mit Winden im Nacken
wohin fahrt ihr wohin fahrt ihr
Wölfe schleichen über den Meeresleib
Blitze stürzen blumengleich
weit weg
an der schnurgeraden Kimm
sind Tag und Nacht Rivalen
unräumbare Rivalen
weit weg an jener Waagerechten
sind Tag und Nacht Buhlen
zwei Vögel zwei Aare
aus weiß Gott welcher Steinzeit
aus weiß Gott welchem Blumenfest
o heilige Liebesgewalt
die die Hagebutte auf ihrer Brust bluten läßt
so daß sie schwillt und sich weidengleich biegt
und die Gesichtskreise über sich sprengt
und der Himmel von neuem Platz bietet für neues Gestirn
o Feiernächte
o Nachtigallen
weit weg
weit weg auf der Waagerechten

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner


© Kajetan Kovič

Vse, kar me spominja nate

словенский | Uroš Zupan

Franku O’Hari  

Oh Frank, Frank,
hodim po Manhattnu s polnim srcem mane,
ki jo je prinesel veter, ko se je odprlo morje.
Vse je še pred mano, pod mano, čisto vse;
Up Town, Mid Town, Down Town,
svetleča okna nebotičnikov, avtomobilske pošasti,
geto v Brooklynu, Chelsea hotel,
kjer je Bill Burroughs požrl svoje golo kosilo,
kjer je Cohen podaril cvetje Hitlerju,
Bronx z zadetimi zamorci, podgane v Centralnem parku,
pimpi s tanko pristriženimi brki na dvainštirideseti ulici,
tihi Hudson, jekleni mostovi, predori,
zadnja postaja Greenwich Village.
Plave newyorške oči koketirajo,
sprašujem se – koga bom ljubil –
odločam se, odločam
in naj se zemlja vrti, naj se celuloidni trakovi
vrtijo, naj Elisabet Taylor spi v kisikovi postelji,
naj se Marlon Brando vozi s tramvajem poželenja,
vedno bo poezija tista, ki nas bo popeljala najbliže
                                        Lepoti.
Plave newyorške oči so zavistne,
besede kot slapovi padajo z jezika,
nikomur ni mar za Rahmaninove note v poletnih vrtovih,
za Honeggerjeve oratorije, oblečene v kariraste hlače,
za Jacksona Pollocka, celo Dante naroča McDonaldov
hamburger in Haron se je začel voziti s trajektom,
nihče več ne piše pesnikom v Gano,
newyorška pesniška šola gori v mojem žepu,
medtem ko hodim po Manhattnu,
kot nekoč ti, Frank, skrivnostno
središče vsega lepega
in blaženost rock’n’rolla prši iz radijskih
membran, cel dan, vsak dan, celo večnost.

© Uroš Zupan
from: Sutre
Ljubljana: Aleph, 1991
Audio production: Študentska založba

Alles, das mich an dich erinnert

немецкий

Für Frank O’Hara

Ach, Frank, Frank,
ich gehe durch Manhattan mit einem Herzen voller Manna,
das der Wind herbeigeweht hat, als sich das Meer auftat.
Alles liegt noch vor mir, unter mir, alles, alles;
Up Town, Mid Town, Down Town,
die glitzernden Fenster der Wolkenkratzer, die Automonster,
das Brooklyn Ghetto, das Chelsea Hotel,
wo Bill Burroughs seinen nackten Lunch verschlang,
wo Cohen Hitler Blumen schenkte,
die Bronx mit den bekifften Negern, die Ratten im Centralpark,
Pimps mit dünnrasierten Oberlippenbärtchen auf der 42. Straße,
der stille Hudson, die Stahlbrücken, die Tunnel,
die Endstation Greenwich Village.
Die blauen New Yorker Augen kokettieren,
ich frage mich – wen soll ich lieben –
ich treffe Entscheidungen, Entscheidungen,
und die Erde soll sich drehen, die Zelluloidbahnen sollen sich
drehen, Elizabeth Taylor soll im Sauerstoffzelt schlafen,
Marlon Brando soll zur Endstation Sehnsucht fahren,
es wird immer die Dichtung sein, die uns
                                                              der Schönheit am nächsten bringt.
Die blauen New Yorker Augen sind neidisch,
Wörter purzeln wie Wasserfälle von der Zunge,
niemandem liegt an den Rachmaninow-Noten in den Sommergärten
an den Honegger-Oratorien, in karierten Hosen,
an Jackson Pollock, selbst Dante bestellt sich bei McDonald’s
einen Hamburger, und Charon nimmt die Fähre,
niemand schreibt mehr den Dichtern nach Ghana,
die New York School of Poets brennt in meiner Tasche,
während ich durch Manhattan streife,
wie einst du, Frank, das geheimnisvolle
Zentrum alles Schönen
und die Seligkeit des Rock ’n’ Roll sprüht aus
den Radiomembranen, den ganzen Tag, jeden Tag, die ganze Ewigkeit.

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

VSE PTICE

словенский | Dane Zajc

Pobili bomo vse ptice.
Vse. Vse, so rekli vrani v mraku.

In v tišini noči sem slišal,
kako nekdo v vrtu ubija moje ptice.
In vedel sem,
da bojo zdaj moja jutra
brez pesmi,
in čutil sem,
kako grabi žalost mojo dušo.

Vse. Vse ptice, so rekli.

In čutil sem,
kako plahutajo okrog mene
temne peruti
in kako me gleda izmed njih
rumeno vranje oko.
Česa iščeš, vran, sem vprašal.
Pod skorjo svoje lobanje
ne skrivam nobenih ptic.

Vse. Vse ptice.
Vse bomo pobili, je rekel.

In zbal sem se,
da mi bo neko noč
skoz temne sanje
razklal lobanjo
in da bo iskal z blaznim kljunom,
če se v gnezdu mojih misli
ne skrivajo pojoče ptice.

Vse. Vse ptice, bo hropel.

Zdaj čutim povsod na svojem tilniku
rumeno vranje oko.
Moja duša je prebodena.
Moja duša je ubita ptica.

Vse. Vse bomo pobili.
Vse ptice, krakajo vrani
pod temnim nebom.

© Dane Zajc
from: Požgana trava
Ljubljana : samozaložba, 1958
Audio production: Študentska založba

ALLE VÖGEL

немецкий

Erschlagen werden wir alle Vögel.
Alle. Alle, sagten die Raben im Dämmer.
 
Und in der Stille der Nacht hörte ich,
wie jemand im Garten meine Vögel erschlägt.
Und ich wußte,
nun sind meine Morgen
ohne Lieder,
und ich fühlte,
wie Trauer meine Seele erfaßt.
 
Alle. Alle Vögel, sagten sie.
 
Und ich fühlte,
wie mich dunkle Flügel
umflattern
und mich aus ihnen
ein gelbes Rabenauge anstarrt.
Was suchst du, Rabe, fragte ich.
Unter meiner Schädelrinde
verberge ich keine Vögel.
 
Alle. Alle Vögel.
Alle werden wir erschlagen, sagte er.
 
Und ich fürchtete,
eines Nachts spaltet er mir
durch dunkle Träume
meinen Schädel
und sucht mit seinem irren Schnabel
im Nest meiner Gedanken
nach verborgenen singenden Vögeln.
 
Alle. Alle Vögel, krächzt er.
 
Nun fühle ich überall in meinem Nacken
das gelbe Rabenauge.
Meine Seele ist durchbohrt.
Meine Seele ist ein erschlagener Vogel.
 
Alle. Alle werden wir erschlagen.
Alle Vögel, schnarren die Raben
unter dem dunklen Himmel.

Dane Zajc, Hinter den Übergängen. Gedichte und Stimmen.
Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner. © Klett Cotta, Stuttgart 2003.
http://www.klett-cotta.de/programm/literatur" ">www.klett-cotta.de/programm/literatur

Vrt, Bach

словенский | Uroš Zupan

Tu ni smrti. Vse oblike se le pretakajo druga
v drugo. Vse plava in lebdi. Ko zaprem oči,
vidim makadam, ki leti v nebo. Akacije se
razdajajo s svojimi sencami, razsipajo belilo
vonja. Češnje jim odgovarjajo z druge strani
vrta, z zunanjega roba dneva. Njihova govorica
bo kmalu postala rdeča. Pročelja sivorjavih hiš
z gorečimi okni kot mnogoustni velikani jedo
popoldansko sonce. Rumeni bagerji so obglodali
hrib. Majhen sem. Božam majhno muco, nižjo
od majske trave. Slišim glasove ljudi, ki vstopajo
in izstopajo iz hiše za mano. Ko gredo noter, jih
ližeta tema in hlad, ko se vrnejo nazaj ven, se
nanje usuje sončni prah. Španski bezeg ločuje
naš vrt od ceste, ločuje naš vrt od sveta. Samo
razdrobljeni glasovi in oddaljene sence prihajajo v
njegovo notranjost. Vsi me kličejo po imenu in
polagajo roke na mojo glavo. Ne poznam še besed –
Jeza, Strah, Sovraštvo, Bolečina, Odhod. Ne poznam
prostorov za njihovim zvokom. Ničesar ne poznam,
le ta vrt, neskončen lučaj oči, ki merijo svet.
Če se uležem na hrbet, vidim oblake. Če previdno
diham, se oblaki spreminjajo. Zdaj so: letalo,
pasja glava, konj, ovca, dlani prinašalke snega.
Zdaj plujemo skupaj. Sedem morij in devet
gričev je do prve reke in zadnje doline. Nikoli
konec vrta. Nikoli konec sveta. V sobi vseh ur,
na križišču vseh dni gori večna luč ali pa
ena sama sveča. Vseeno je. Na notranji meji zlata
se obračajo strani prihodnosti. Ker sem majhen,
jih ne znam brati. Ker sem majhen, se mirno
plazim pod veko Časa. Vrata v luč so na stežaj
odprta, tapecirana in mehka. Nikogar ne udarijo,
nikogar ne zavrnejo. Ležim in gledam in neslišno
diham. Vrt se bo vsak hip spremenil v oblak. Tako
lahko najdlje traja v arhivu neba.

© Uroš Zupan
from: Sutre, tretja, razširjena izdaja
Ljubljana: Šerpa, 2003
Audio production: Študentska založba

Garten, Bach

немецкий

Hier ist kein Tod. Alle Formen fließen nur ineinander.
Alles schwebt. Wenn ich die Augen schließe, sehe ich
McAdams Straßenbelag zum Himmel fliegen. Die Akazien
verausgaben sich mit ihren Schatten, streuen das Weiß ihres
Duftes aus. Die Kirschbäume antworten ihnen von der anderen
Seite des Gartens, vom Außenrand des Tages. Ihre Sprache
wird bald rot. Die Fassaden der graubraunen Häuser mit
den flammenden Fenstern fressen wie vielmündige Riesen
die Nachmittagssonne. Gelbe Bagger haben den Hügel
benagt. Ich bin klein. Streichle ein Kätzchen, das kleiner
ist als das Maigras. Ich höre die Stimmen der Menschen,
die das Haus nach mir betreten und verlassen. Beim Eintreten,
werden sie von Finsternis und Kühle beleckt, beim Hinausgehen
werden sie von Sonnenstaub überflutet. Der Flieder trennt unseren
Garten von der Straße, trennt unseren Garten von der Welt. Nur
zersplitterte Stimmen und entfernte Schatten dringen in sein
Inneres. Alle rufen mich bei meinem Namen und legen mir
ihre Hand auf meinen Kopf. Die Wörter – Zorn, Angst, Hass,
Schmerz, Aufbruch – kenne ich noch nicht. Ich kenne den Raum
hinter ihrem Klang nicht. Nichts kenne ich, nur diesen Garten,
diesen unendlichen Wurf  eines Augenpaars, das die Welt vermisst.
Wenn ich mich auf den Rücken lege, sehe ich Wolken. Wenn
ich vorsichtig atme, ändern die Wolken sich. Jetzt: ein Flugzeug,
ein Hundekopf, ein Pferd, ein Schaf, Hände, die Schnee bringen.
Nun fahren wir gemeinsam. Sieben Meere und neun Hügel weit
ist es bis zum ersten Fluss und zum letzten Tal. Der Garten nimmt
kein Ende. Die Welt nimmt kein Ende. Im Zimmer aller Stunden,
auf der Kreuzung aller Tage leuchtet das ewige Licht oder eine
einzelne Kerze. Es macht keinen Unterschied. An der Innengrenze
des Goldes werden die Seiten der Zukunft gewendet. Klein wie
ich bin, kann ich sie nicht lesen. Klein wie ich bin, krieche ich
ruhig unter das Lid der Zeit. Das Tor ins Licht ist sperrangelweit
offen, gepolstert und weich. Es schlägt gegen niemanden,
es weist niemanden ab. Ich liege und schaue und atme lautlos.
Der Garten verwandelt sich jeden Augenblick in eine Wolke.
So kann er im Archiv des Himmels am längsten überdauern.

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

Vonj po čaju

словенский | Primož Čučnik

Moj prijatelj je eksistencialist. Zbira kitajski porcelan
in japonske čajnike. Pri njem se pije najboljši čaj. Do
sekunde natančen. Mogoče ni prava ceremonija,
ampak v našem pitju, ko se razporedimo okoli mize,
je gotovo nekaj estetskega. Všeč mi je prizor, ko molčimo
in srkamo vonj po čaju. Vsi smo eksistencialisti. Najprej
se smejimo in šele potem rečemo: dobra šala. Tudi midva
bereva Šalamuna. Enkrat sva cele počitnice govorila: Jon
si riba? Riba sem. Kar naenkrat smo bili vsi na Hvaru.
Imam pa še drugega prijatelja, ki je budist. Enkrat sva
stala na meji med filozofijo in teologijo. Rekla sva: au, to je
ostro. Tu se urežeš. Mogoče bo on bral tibetanske skrite
tantre in se bomo potem lahko skupaj smejali na Šuštarju.
Drugič sva se hecala o praznini, kako zoprno hladna je
za naše hiše. On je rekel: najedel sem se modrosti. Zdaj
jemljem samo še z majhno žličko. Vse nas bo zavedlo.
Iz Nepala mi je Branko poslal sveto kravo.
Moral bi se že vrniti, ampak on je potepuh.
Dva moja prijatelja sta glasbenika. Eden mi piše s severa,
čeprav ima vzhodno ime. Lao zi je legenda.
Drugi je basist. Mogoče bo kdaj govoril s Peacockom.
Na Tales of another so stopinje bele. Jarrett se pogovarja
z angeli. Tudi duhovi, če hočete. Ko govoriva o glasbi,
nikakor ne veva od kod prihaja in kam gre. Sigurno pa ni
v notah. O tem se strinjava. In jaz vem iz lastne izkušnje.
Neki moj prijatelj dela v tiskarni. Midva se peljeva s kolesi.
Včasih sploh ne govoriva. Mogoče on ne ve, da sem pošten.
Da se odkrivam, če mi je vroče. Ker se bojim, da bo padel,
sem mu podaril Plezalno tehniko. Knjigo iz leta 1950.

Enkrat pejmo vsi v Medvode, na čaj, da rečemo eno
o naših usodah. Nekaj tenkega nas veže. Grom je rekel,
da je dober komad kot čik gumi, ki se razteguje in širi
v vse smeri, a ne pretrga. Zdi se mi, da je z nami isto.
Na elastiki se gugamo in pazimo, da nismo pregrobi.
Ko je vroče, čakamo, da se shladi. Tudi pihamo
in naš veter dela valove na robovih porcelana.
Nekaj tenkega nas veže. Važno je da poči,
a se ne pretrga.

© Primož Čučnik
from: Dve Zimi
Ljubljana: Aleph, 1999
Audio production: 2008 Literaturwerkstatt Berlin

Teeduft

немецкий

Mein Freund ist Existenzialist. Er sammelt chinesisches Porzellan
und japanische Teekannen. Bei ihm bekommt man den besten Tee
zu trinken. Sekundengenau. Vielleicht ist die Zeremonie nicht
authentisch, doch in unserem Trinken, wenn wir rund um den
Tisch unsere Plätze einnehmen, ist sicher etwas Ästhetisches.
Ich mag die Szene, wenn wir schweigen und den Teeduft schlürfen.
Wir sind alle Existenzialisten. Zuerst lachen wir, und dann sagen wir:
ein guter Witz. Auch wir beide lesen den Witzbold Šalamun. Einmal
wiederholten wir die ganzen Ferien: Jonas, bist du ein Fisch? Ein Fisch
bin ich. Auf einmal waren wir alle auf Hvar. Ich habe noch einen anderen
Freud, der ist Buddhist. Einmal standen wir an der Grenze zwischen
Philosophie und Theologie. Wir sagten: Au, das ist scharf. Hier kann
man sich schneiden. Vielleicht liest er die verborgenen tibetanischen
Tantras, wir könnten dann gemeinsam auf der Schusterbrücke lachen.
Ein andermal witzelten wir über die Leere, wie ekelhaft kühl sie ist für
unsere Häuser. Er sagt: Ich habe mir mit Weisheit den Bauch voll geschlagen.
Jetzt nehme ich sie nur noch teelöffelweise zu mir. Wir alle werden in die Irre
geführt. Aus Nepal hat mir Branko eine heilige Kuh geschickt. Er müsste schon
wieder hier sein, aber er ist ein Herumtreiber. Zwei meiner Freunde sind Musiker.
Einer schreibt mir aus dem Norden, obwohl er einen östlichen Namen trägt.
Laotse ist eine Legende. Der andere ist Bassist. Vielleicht redet er einmal
mit Peacock. Auf Tales of another sind die Fußspuren weiß. Jarrett spricht
mit Engeln. Auch mit Geistern, wenn ihr wollt. Wenn wir über Musik sprechen,
wissen wir nie, woher sie kommt und wohin sie geht. Mit Sicherheit steht
sie nicht in den Noten. Darüber sind wir uns einig. Und ich weiß es aus
eigener Erfahrung. Einer meiner Freunde arbeitet in einer Druckerei.
Vielleicht weiß er nicht, dass ich ehrlich bin. Dass ich mich freimache,
wenn mir heiß ist. Weil ich fürchte, dass er abstürzt, habe ich ihm die
Klettertechnik geschenkt.

Ein Buch aus dem Jahr 1950. Fahren wir
einmal alle drei nach Medvode, zum Teetrinken, um über unser Schicksal
zu reden. Etwas Dünnes verbindet uns. Grom sagte, ein gutes Stück ist wie
ein Kaugummi, der sich ausdehnt und in alle Richtungen ausbreitet ohne
zu reißen. Ich glaube, mit uns ist es genauso. Wir schaukeln auf einem
Gummiband und passen auf, dass wir es nicht übertreiben. Wenn er heiß
ist, warten wir, dass er abkühlt. Wir pusten auch, und unser Wind schlägt
Wellen am Rand des Porzellans. Etwas Dünnes verbindet uns. Wichtig ist,
dass es knallt, ohne zu reißen.

Übersetzung von Fabjan Hafner

Vodoravno sonce

словенский | Uroš Zupan

Poševni dež pada z neba. Ne morem se
razcepiti na različne osebnosti in živeti
toliko imaginarnih življenj. Ne morem.
Čeprav sem tudi jaz zaprt v nedokončano metafiziko.

Čeprav se tudi meni ljubezenska pisma zdijo
smešna. Sramujem se jih in jih zažigam.
Ne razumem se dobro s svojim prejšnjim
sabo. Bil je preveč divjaški, nedolžen,

zaupljiv do milosti višin. Ampak s pismi sem
te pravzaprav poklical. S tistim, kar je zdaj,
ko ležiš ob meni, pepel na dlani. Postelja
je najino edino preživetje, praviš. Ležiš ob

meni, ležiš v mislih, tudi ko te ni, in jaz
izginjam, nošen, prešit z globino. Poševni dež
pada z neba. Tvoja oče in mati sta bela
oblaka, plesa svetlobe, ki preletavata naše dneve.

Bolečina raste in ugaša v tebi. Molčim. Z ljubeznijo
je isto kot s katastrofo. Prerašča govor. Ostaja
nam le brbljanje in odkašljevanje, ko se znajdemo v
primežu njene moči. Tudi brez besed sva zaščitena

in premožna v njej. Najine misli se nenehno križajo
in rokujejo. Sape mešajo in dodajajo nekaj teže zraku.
Kratki so dnevi in še krajše noči, ko se včasih zdrznem
v spanju in te gledam z višine, kako ležiš v svojem

telesu globoko pogreznjena v gube posteljnine.
Nihče ne ve, kdo od naju bo prvi izročil novčič mračnemu
brodarju
. A še veliko prej bova živela v hiši s pisanimi balkoni.
Tvoje rože bodo cvetele in se osipale, se bodo osipale in cvetele.

In zunaj bo padal poševni dež.
In zunaj bo sijalo vodoravno sonce.

© Uroš Zupan
from: Nafta
Ljubljana: Cankarjeva založba, 2002
Audio production: Študentska založba

Waagrechter Sonnenschein

немецкий

Schräger Regen fällt vom Himmel. Ich kann mich
nicht in verschiedene Persönlichkeiten spalten und
so viele imaginäre Leben leben. Ich kann nicht. Selbst wenn
auch ich gefangen bin der unvollendeten Metaphysik.

Selbst wenn auch ich Liebesbriefe lächerlich finde.
Mich ihrer schäme und sie verbrenne. Ich verstehe
mich nicht besonders gut mit meinem früheren Ich.
Es war zu wild, zu unschuldig und vertraute zu sehr

der Gnade von oben. Doch durch die Briefe habe
ich dich eigentlich gerufen. Durch das, was jetzt ist,
da du neben mir liegst, Asche auf die Hände. Das Bett
ist unser einziges Überleben, sagst du. Liegst neben

mir, liegst in Gedanken, auch wenn du nicht hier bist,
und ich verschwinde, abgetragen, durchsteppt von Tiefe.
Schräger Regen fällt vom Himmel. Deine Eltern sind
zwei weiße Wolken die unsere Tage überfliegen.

Der Schmerz wächst und erlischt in dir. Mit der Liebe ist es genauso wie
mit einer Katastrophe. Sie wächst über die Sprache hinaus. Im Würgegriff
ihrer Macht bleiben uns nur Brabbeln und Räuspern. Auch ohne Worte
sind in ihr wir geschützt und vermögend. Unsere Gedanken kreuzen

einander ständig und schütteln sich die Hände. Unsere Atemzüge
vermischen sich und geben ein wenig Schwere an die Luft ab. Kurz
sind die Tage und noch kürzer die Nächte, wenn ich manchmal im
Schlaf zusammenzucke und dich von oben sehe, wie du in deinem

Körper tief versunken in die Falten der Laken liegst. Niemand weiß,
wer von uns als erster dem düsteren Fährmann eine Münze reichen wird.
Doch noch viel früher werden wir in einem Haus mit bunten Balkons
leben. Deine Blumen werden blühen und welken, blühen und welken.

Und draußen wird schräger Regen fallen.
Und draußen wird eine Sonne waagrecht scheinen.

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

VODA ŽIVLJENJA

словенский | Kajetan Kovič

pride in trka
najprej tiho kot dež zgodaj zjutraj
na okna bifejev
kjer pijejo delavci hitre čaje
pride iz mlačnega zraka
iz steklene jeseni
z okusom po cvetni gori
in volčji nasladi
in se dotakne rok in nog
in kože po celem telesu
pride z omotico mlinov na veter
vijakov
in močnih motorjev
v nori
dinamični dan
v belo srce sveta
pride in reče:
jaz sem voda življenja
kam tečem
kam tečem

© Kajetan Kovič
from: Voda življenja /Labrador
Ljubljana : Cankarjeva založba, 1976
Audio production: Študentska založba / Beletrina

DAS WASSER DES LEBENS

немецкий

Kommt
zuerst ganz leise
wie der Regen frühmorgens
Klopft an die Scheiben der Kneipen
hinter denen die Arbeiter
vor ihrem eiligen Tee hocken
Kommt
aus der lauen Luft
aus dem gläsernen Herbst
mit dem Geschmack nach blühendem Berg
und wölfischer Gier
Berührt Hände und Füße
die Haut den Leib ganz und gar
Kommt
aus dem Rotieren der Windmühlen
der Aggregate
und der Propeller
in den irren
Turbinentag
ins weiße Herz der Welt
Kommt und sagt
ich bin das Wasser des Lebens
wohin fließe ich
wohin fließe ich

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner


© Kajetan Kovič

Voda

словенский | Maja Vidmar

Od svojega hladu
podrgetava
in krhko stekleni,
ne v led,
v solzno mile
sanje, ki se
z drobnim šumom
raztisočerijo ob breg.

© Maja Vidmar
from: Ob vznožju
Ljubljana: Nova revija, 1998
Audio production: Študentska založba

Das Wasser

немецкий

Vor seiner eigenen Kühle
bebt es,
und zerbrechlich verglast es,
nicht zu Eis,
zu tränenfeuchten
Träumen, die
mit einem leisen Laut
am Ufer in tausend Stücke bersten.

aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner
in: Maja Vidmar: Leibhaftige Gedichte. Literaturverlag Droschl: Graz, Wien 1999.
ISBN: 3-85420-511-2
http://www.droschl.com" >www.droschl.com

Visoko poletje na provincialnih bazenih

словенский | Uroš Zupan

Ta neslišna glasba ima mnogo variacij. Hkrati
opisuje sedenje tujca na ogretih betonskih ploščah
in nezavedno okrutnost otrok. "Poglej me. Moja
ponudba je boljša, zavarovana s hitrostjo in gibi
zagorelega telesa. Ni mogoče bolj skladno hoditi v

korak s časom. Drugače pa se bom hitro pogasil in
utopil v provinci. A tega še ne vem." To bi te moralo
zanimati, ne voda, ki vrti nemi film na plavem premazu
in spreminja jamske slikarije v vijugaste poteze abstrakcije.
Le kdo si s tem lahko pomaga? Nobene koristi

od lepote. Vstani in se spoglej s preteklostjo.
Nože je že zaprla in jih umaknila z dosega
misli. Nima se smisla utrujati v borbi z njimi
in zamujati zadnjih snopov zmehčane svetlobe.
V vodi bo šola, skozi katero si se s težavo

prerinil, ponovno odprla vrata. (Tokrat brez strahu
pred ponedeljki in nepredvidljivimi začetki.)
Potopil se boš in se s prsti držal za luknje filtrov.
Dolgo ne boš priplaval na površje, kot da bi končno
spoznal zablodo in tudi v dnu videl pokrov neba.

© Uroš Zupan
from: Nafta
Ljubljana: Cankarjeva založba, 2002
Audio production: Študentska založba

Hochsommer in Freibädern in der Provinz

немецкий

Diese lautlose Musik birgt viele Variationen. Gleichzeitig beschreibt
sie das Sitzen eines Fremden auf aufgeheizten Betonplatten und
die unbewusste Grausamkeit der Kinder. „Sieh mich an. Mein
Angebot ist besser, geschützt durch Geschwindigkeit und die
Bewegungen eines braungebrannten Körpers. Harmonischer kann

man gar nicht mit der Zeit Schritt halten. Sonst werde ich schnell verlöschen
und in der Provinz ertrinken. Doch das weiß ich noch nicht.“ Das müsste
dich interessieren, nicht das Wasser, das auf der blauen Schutzschicht einen
Stummfilm vorführt und die Höhlenmalereien in die Linien einer verschlungenen
Abstraktion verwandelt. Wer soll sich nur damit behelfen? Die Schönheit ist zu

nichts nütze. Steh auf und fasse die Vergangenheit ins Auge.
Die ihre Beine schon geschlossenen und aus der Reichweite der
Gedanken geschafft hat. Es hat keinen Sinn, sich im Kampf mit ihnen
zu erschöpfen und die letzten Kegel aus weichem Licht zu verpassen.
Im Wasser öffnet die Schule, die du nur mit Mühe geschafft hast,

von neuem ihre Pforten. (Diesmal ohne Angst vor Montagen
und unvorhersehbaren Anfängen.) Du tauchst unter und hältst
sich mit den Fingen an den Filteröffnungen fest. Lange steigst
du nicht zur Oberfläche auf, als hättest du deinen Irrweg endlich
erkannt und am Grund auch den Deckel des Himmels erblickt.

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

VELIKI ČRNI BIK

словенский | Dane Zajc

Veliki črni bik rjove v jutro.
Veliki črni bik, koga kličeš?
Prazni so pašniki.
Prazne so gore.
Prazne so grape.
Prazne kot odmev tvojega klica.

Veliki črni bik rjove v jutro.
Kot da bi brizgala težka črna kri
pod vršičke temnih smrek.
Kot da bi se nad gozdom na vzhodu
odpiralo v jutro
krvavo bikovo oko.
Veliki črni bik, koga kličeš?
Je slast poslušati,
kako ti vrača odmev
tvoj zamolkli klic?

Veliki črni bik, brezkrvno je jutro.
Tvoj glas pada v grape
kot razcefrana jata
črnih vran.
Nobeden ne sliši tvoje samote.
Nikogar ne napojiš
s črno krvjo svojega glasu.
Umolkni, veliki črni bik.

Veliki črni bik rjove v jutro.
Sonce na vzhodu brusi
bleščečo mesarsko sekiro.

© Dane Zajc
from: Požgana trava
Ljubljana : samozaložba, 1958
Audio production: Študentska založba

DER GROSSE SCHWARZE STIER

немецкий

Der große schwarze Stier brüllt in den Morgen.
Großer, schwarzer Stier, wen rufst du?
Leer sind die Weiden.
Leer sind die Berge.
Leer sind die Gräben.
Leer wie das Echo deines Rufs.
 
Der große schwarze Stier brüllt in den Morgen.
Als spritzte schweres, schwarzes Blut
unter die Spitzen der dunklen Fichten.
Als öffnete sich über dem Wald im Osten
ein blutiges Stierauge
in den Morgen.
Großer, schwarzer Stier, wen rufst du?
Genießt du es
zu hören, wie das Echo
deinen dumpfen Ruf zurückwirft?
 
Großer, schwarzer Stier, blutleer ist der Morgen.
Dein Brüllen fällt in die Gräben
wie eine zerzauste Schar
schwarzer Raben.
Niemand hört deine Einsamkeit.
Niemanden tränkst du
mit dem schwarzen Blut deines Brüllens.
Verstumme, großer, schwarzer Stier.
 
Der große schwarze Stier brüllt in den Morgen.
Die Sonne schleift im Osten
ein gleißendes Fleischerbeil.

Dane Zajc, Hinter den Übergängen. Gedichte und Stimmen.
Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner. © Klett Cotta, Stuttgart 2003.
http://www.klett-cotta.de/programm/literatur" ">www.klett-cotta.de/programm/literatur

Veliki petek

словенский | Uroš Zupan

Pred štiridesetimi leti se je Gagarin katapultiral v vesolje.
  - Zemlja je bila modra. Angelov ni videl. Hodili so med
Nami. Pred tisoč devetsto sedeminšestdesetimi leti je Kristus
  Razsipal svojo enormno avro po gričih Palestine.
Stemnilo se je, ko je umrl na križu. Njemu je bilo lahko.
  Vedel je, da bo čez nekaj dni stal na obali Galilejskega
Jezera in prepoznaval svoj glas, ki se bo dotikal vode.
  Oseminosemdesetkrat si preživela ta dan in nikoli se
Nisi zdrznila. Oseminosemdesetkrat so bila znamenja božje
  Numerologije neopazna. Bil je le post in čakanje,
Da se svet prerodi. Čas za cvetje na drevju in poganjke
  V zemlji. Čas, da se ljudje usedejo na tla in zleknejo
V visoko travo. Bil je čas – a zdaj ga ni.

Začetek prejšnjega stoletja je pozabljen. Vojne, ki si se jih
  Spominjala, pozabljene. Auschwitz. Prvi klici onstranstva.
Judje zapuščajo barake skozi dimnike. Cigani zapuščajo
  Barake skozi dimnike. Smrt je mojster iz Nemčije.
Pozabljeni. Otroci odrasli. Odseljeni. Hiša dokončana. Obrasla
  S plezalkami. Zgodnja vstajanja. Dela na polju. Meglica
Kot morje nad dolino. Zrelo žito kot ogenj na nebu. Zgodnje
  Smrti. Napačne diagnoze. Polarni mraz klinik. Korak od
Njih pa življenje z visokimi valovi in morsko peno,
  Smeh, ki pripada drugim. Pozabljeni. Bel cerkveni zvonik
Na griču kot premec ladje, ki ne odpluje nikomor. Pozabljen.
  Zajci. Kokoši. Vrtovi. Polje. Sadovnjak. Pozabljeni. Vsako leto
Znova sprejeto in pričakovano življenje. Tiho tkanje ur.
  Nevidna mreža, stkana iz dobrote in poguma. Pozabljeni.
Telo se je skrčilo. Pripravilo na neobstoj. Še en človek iz
  Vasi je odšel. Še ena zvezda ugasnila. Vse je izgubljeno
In zopet najdeno v dolgih hodnikih spomina tistih, ki
  Ostajajo. Besede posute kot pepel v veter. Smrt, bolečina,
Izguba, sožalje. Odmevajo votlo v ustih, za hip rešenih,
  Izpraznjene mesa. Vse je izpraznjeno mesa. Obleke. Sobe.
Očala. Vrt. Zobne proteze. Naprstniki. Copati. Čevlji. Tišina.

V počasnem sprevodu se pomikamo skozi prvi teden na
  Zemlji brez tebe. Naslanjamo se na sonce.
Toplota nam nekaj obljublja. Začasne rešitve,
  Slepila. Naslanjamo se na veter. Čudaška rasa – členi v
Verigi. Števila v binarnem sistemu rojevanja in umiranja.
  Ko naša moč presahne, jo sreča druga. Rimljani so odšli v
Ostijo. Nam ni treba iti nikamor. K nam prihajajo morje,
  Travniki, hribi, žito. Jezus sedi ob svojem očetu. V to smo se
Navadili verjeti. Gagarinov duh kroži po orbiti. Vsa človeška
  Megalomanija ima svoje meje. V to ne verjamemo. Ti si na potovanju,
K možu, najmlajši hčerki in zetu. V to se bomo morali navaditi verjeti.
  Povej jim, da sta dvojčici krhki, a si ju ves čas učila poguma.
Dobro je. Vse ima svoj red. Ko prispeš, javi. Spimo z odprtimi
  Očmi. Dihamo globoko. Čakamo znamenja. Solze so se
Posušile. Za njimi je prišel dež in zrahljal zemljo.

© Uroš Zupan
from: Nafta
Ljubljana: Cankarjeva založba, 2002
Audio production: Študentska založba

Karfreitag

немецкий

Vor vierzig Jahren katapulitierte sich Gagarin ins All.
– Die Erde war blau. Engel sah er keine. Sie wandelten unter
Uns. Vor eintausend neunhundert siebenundsechzig Jahren verströmte
Christus seine enorme Aura auf den Hügeln Palästinas.
Es gab eine Finsternis, als er am Kreuz verschied. Er hatte es leicht.
Er wusste, er würde in ein paar Tagen am Ufer des Sees von
Galiläa stehen und seine Stimme erkennen, die das Wasser berührt.
Achtundachtzigmal hast du diesen Tag erlebt und bist nie
Zusammengezuckt. Achtundachtzigmal waren die Zeichen der göttlichen
Numerologie unscheinbar. Nur das Fasten und das Warten auf
Die Wiedergeburt der Welt. Die Zeit für die Blüten auf den Bäumen und
Die Triebe in der Erde. Die Zeit, um sich auf den Boden zu setzen
Und sich im hohen Gras auszustrecken. Es war die Zeit – doch nicht jetzt.

Der Anfang des vorigen Jahrhunderts ist vergessen. Die Kriege, an die du dich
Erinnertest, vergessen. Auschwitz. Der erste Ruf des Jenseits.
Die Juden verlassen die Baracken durch die Schornsteine. Die Zigeuener verlassen
Die Baracken durch die Schornsteine. Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.
Vergessen. Die Kinder erwachsen. Weggezogen. Das Haus fertiggestellt. Bewachsen
Mit Ranken. Das Frühaufstehen. Die Feldarbeit. Die Schwaden wie ein
Meer über dem Tal. Das reife Getreide wie ein Feuer am Himmel. Die frühen
Tode. Die Fehldiagnosen. Die Polarkälte der Klinik. Einen Schritt weit
Entfernd ein Leben mit hohen Wogen und Meeresschaum, mit einem
Lachen, das anderen gehört. Vergessen. Der weiße Kirchtum auf dem
Hügel wie der Bug eines Schiffes, das nicht ausläuft. Vergessen.
Die Kaninchen. Die Hühner. Die Gärten. Das Feld. Die Obstbäume. Vergessen.
Das alljährlich neu empfangene und erwartete Leben. Das leise Ticken der Uhren.
Das unsichtbare, aus Güte und Mut geknüpfte Netz. Vergessen.
Der Körper geschrumpft. Als Vorbereitung auf das Nichtsein. Noch einer aus
Dem Dorf gegangen. Noch ein Stern verlöscht. Alles ist verloren und
Wiedergefunden in den langen Gängen der Erinnerungen jener, die bleiben. Worte,
Wie Asche in den Wind gestreut. Tod, Schmerz, Verlust, Beileid.
Hallen hohl im augenblickslang erlösten Mund, des Fleisches ledig. Alles ist
Des Fleisches ledig. Die Kleider. Die Zimmer. Die Augengläser. Der Garten.
Die Zahnprothesen. Die Fingerhüte. Die Pantoffel. Die Schuhe. Die Stille.

In einer langsamen Kolonne bewegen wir uns durch die erste Erdenwoche
Ohne Dich. Wir lehnen uns an die Sonne. Die Wärme verheißt
irgend etwas. Vorläufige Lösungen. Blendwerk. Wir lehnen uns an den Wind.
Eine wunderliche Rasse – die Glieder einer Kette. Zahlen im binären
System des Geborenwerdens und Sterbens. Wenn unsere Kraft versiegt,
Begegnet sie einer anderen
. Die Römer brachen nach Ostia auf.
Wir müssen nirgendwohin gehen. Zu uns kommen das Meer, die Wiesen, die Hügel,
Das Getreide. Jesus sitzt bei seinem Vater. Daran zu glauben haben wir
Uns gewöhnt. Gagarins Geist kreist im Orbit. Dem menschlichen Größenwahn sind
Grenzen gesetzt. Daran glauben wir nicht. Du bist unterwegs, zu deinem Mann,
Deiner jüngsten Tochter und deinem Schwiegersohn. Daran zu glauben müssen wir
Uns gewöhnen. Sag ihnen, die Zwillinge seien zerbrechlich, doch du habest
Ihnen immer Mut eingeflößt. Es ist gut. Alles hat seine Ordnung. Wenn du ankommst,
Melde dich. Wir schlafen mit offenen Augen. Atmen tief. Warten auf ein Zeichen.
Die Tränen sind getrocknet. Nach ihnen kam der Regen und lockerte das Erdreich.

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

UTOPLJENKA

словенский | Dane Zajc

Voda. Voda te pokriva.
Po njenem dnu drsi pesek.
Drsenje drobnih ur, ki suho šume trenutke.

Sveče dneva so ugasnile
v zelenih očeh reke.
Svetla skorjica meseca
je padla vanje. Na tvoj vrat.
Razparala je tvoje oblačilo,
sešito iz zelenih vodnih listov.

(Veter se je lovil okrog vrbe kot srobot
z zelenimi šepetajočimi prsti.)

Žarek daljne zvezde, tenek kot misel,
je prebodel tvoje prsi.
Hladna ostrina daljave
na belem siju kože.
Voda te odnaša.

Voda češe tvoje lase
z dolgimi steklenimi prsti.
Skorjica meseca presenečeno bega
po tvojih bokih.

Potem se oglasi tiktakanje peska.
In kosmate krevljaste roke korenin te zgrabijo.
In rumeni mesec te išče
kot zbegana riba.

Voda. Sence beže čez oči reke.
Belo cvetje pen zacvete
na črnem obrazu tolmuna.

Tisoči drobnih ur se usipavajo v tvoja ušesa.
Njihovi glasovi imajo mehke noge pajkov.

© Dane Zajc
from: Jezik iz zemlje
Ljubljana : Cankarjeva založba, 1961
Audio production: Študentska založba

DIE ERTRUNKENE

немецкий

Wasser. Wasser bedeckt dich.
Über seinen Grund rieselt Sand.
Das Rieseln winziger Uhren, die trocken Augenblicke rauschen.
 
Die Tagkerzen sind in den
grünen Flußaugen erloschen.
Die lichte Mondkruste ist
in sie gestürzt. In deinen Nacken.
Hat deine aus grünen Wasserblättern
geschneiderten Kleider aufgetrennt.
 
(Der Wind wand sich um die Weide wie eine Waldrebe
mit grünen, raunenden Fingern.)
 
Der gedankenfeine Strahl eines fernen Sterns
durchbohrte deine Brust.
Die kühle Fernenklinge
auf dem weißen Hautschimmer.
Das Wasser trägt dich fort.
 
Das Wasser kämmt dein Haar
mit langen Glasfingern.
Die Mondkruste irrt erstaunt
über deine Hüften.
 
Dann meldet sich das Ticktack im Sand.
Und haarige, krumme Wurzelarme packen dich.
Und der gelbe Mond sucht dich
wie ein verwirrter Fisch.
 
Wasser. Schatten fliehen über die Flußaugen.
Weiße Schaumblüten erblühen
auf dem schwarzen Kolkgesicht.
 
Tausende winziger Uhren rieseln in deine Ohren.
Ihre Stimmen haben weiche braune Spinnenbeine.

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

© Fabjan Hafner

Tolari i dinari

сербский | Ana Ristović

Tolari i dinari se mešaju u mom džepu:
zenit i pomračenje sunca
u istom času, na obe strane neba.

Second hand na beogradskim Terazijama
već dve godine prodaje moju kožu:
prozirnosti otkucavaju
poslednji časovi mode.

Krojačka radnja u Zemunu
pored mojih očiju nudi tri puta skuplje
dugmiće pokidane sa uniformi
pijanih generala.

Moja vulva plovi Ljubljanicom:
uzalud traži sušna polja
i nada se unapred plaćenom honoraru
za trajno navodnjavanje.

A moja glava je postolje
ukradenog spomenika:
istorija dobitaka i gubitaka
na kolenima, za samo jednu noć.

Dragi, imamo onoliko
koliko mi treba da kupim
tromesečnu dozvolu za vazduh tvoje zemlje.

I onoliko
koliko nam traže
telefonski račun i kanalizacija:
protok različitih informacija.

Sami svoje socijalno osiguranje
i carstvo kredita:
ti i ja, najmanja država na svetu,
sa revolucionarnim programom,
uvek u nacrtu.

Možemo birati između priče ili pesme,
ali isto je birati
između šok sobe i
odeljenja za intenzivnu negu.

Danas ćemo jesti
papir sa umakom,
sutra već,
zapaprenu depresiju.

© Ana Ristović
from: Život na razglednici
Beograd: Plato , 2003
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Tolar und Dinar

немецкий

Tolar und Dinar, vermischt in meiner Tasche:
Zenit und Sonnenfinsternis
zur selben Zeit, auf beiden Himmelshälften.

In den Belgrader Terazije wird meine Haut
bereits seit zwei Jahre aus zweiter Hand angeboten:
Die Durchsichtigkeit stottert
die letzten Modestunden ab.

Die Schneiderwerkstätte in Zemun
hat, dreimal so teuer wie meine Augen, auch
von den Uniformen betrunkener Generäle
abgerissene Knöpfe im Angebot.

Meine Vulva schwimmt auf der Ljubljanica:
Sucht vergeblich dürre Felder
und hofft auf ein Voraushonorar
für Dauerbewässerung.

Und mein Kopf ist der Sockel
eines gestohlenen Denkmals:
Die Geschichte von Sieg und Niederlage
auf den Knien, für nur eine Nacht.

Mein Lieber, wir haben
genug für einen Dreimontageanspruch
auf die Luft deines Landes.

Und genug
für die Telefonrechnung
und die Kanalgebühr:
die Informationsflüsse.

Wir sind selbst unsere Sozialversicherung
und unser Kreditreich:
Du und ich, der kleinste Staat der Welt,
mit revolutionärem Programm,
immer im Plan.

Wir können wählen zwischen Erzählung und Gedicht:
Das ist dieselbe Wahl wie
zwischen Gummizelle
und Intensivstation.

Heute gibt es
Papier mit Soße zu essen
und morgen schon
gepfefferte Depression.

Aus dem Serbischen von Fabjan Hafner

TIHI ŠKREBETAVEC

словенский | Dane Zajc

Vso noč gladi tihi škrebetavec
s šesterimi nogami
belo kost.

Belo kost, zakopano v pepelu,
struži s črnimi nogami,
nežnejšimi od puha,
tihi stružnik
z nečitljivim namenom
v pikčastih očeh.

Vso noč na čelu kosti.
S premišljenim ritmom
tipa po čelu,
zakopanem v pepelu brezčasja.

Kaj hoče.
Kaj prinaša.
S tujo mislijo,
ki jo misli šestero ritmičnih nog.

Mogoče ga je nori stvarnik
položil z dvema prstoma na čelo,
na svetlo čelo kosti:
Opravi to delo zame.
Opravi to tiho delo zame.
Dobro in neslišno ga opravi,
ker jaz grem na drugo zvezdo
ustvarjat novo stvarstvo norosti.

Vso noč gladi s šesterimi nogami
belo kost tihi škrebetavec.

In kadar odkrhne z nje lusko,
se zamajejo lestenci galaksij:
Tako se blazni stvarnik
veseli svojega dela.

© Dane Zajc
from: Ubijavci kač
Maribor : Založba Obzorja, 1968
Audio production: Študentska založba

DER STILLE SCHRAPPER

немецкий

Nachtlang schruppt der stille Schrapper
mit seinen sechs Beinen
einen weißen Knochen.
 
Einen weißen, in Asche vergrabenen Knochen
schabt er mit seinen schwarzen Beinen,
zarter als Flaum,
der stille Schaber
mit unlesbarer Absicht
in seinen Punktaugen.
 
Nachtlang auf der Knochenstirn.
In einem bedachten Rhythmus
betastet er die Stirn,
vergraben in der Asche der Zeitlosigkeit.
 
Was will er.
Was bringt er.
Mit einem fremden Gedanken,
gedacht von sechs rhythmischen Beinen.
 
Vielleicht setzte ihn der irre Schöpfer
mit zwei Fingern auf die Stirn,
die lichte Knochenstirn.
Erledige diese Arbeit für mich.
Erledige diese stille Arbeit.
Gut und lautlos erledige sie,
denn ich gehe auf einen anderen Stern
eine neue Wahnschöpfung schaffen.
 
Nachtlang schruppt mit seinen sechs Beinen
den weißen Knochen der stille Schrapper.
 
Und wenn er eine Schuppe lossprengt,
schwanken die Kronleuchter der Galaxien,
so sehr freut sich der irre Schöpfer
über sein Werk.

Dane Zajc, Hinter den Übergängen. Gedichte und Stimmen.
Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner. © Klett Cotta, Stuttgart 2003.
http://www.klett-cotta.de/programm/literatur" ">www.klett-cotta.de/programm/literatur

Svetloba v avgustu

словенский | Uroš Zupan

Ni veliko posluha za naglico v teh dneh. Vodni
zbiralniki skušajo zadržati redke oblake, a uspe
jim le za hip, potem se zgodba nadaljuje. Prva
stran se ponovi na zadnji in junak odide, tako
kot je prišel. Tih in nerazumljen. Vse stvari

so takšne. Šivajo si obleke in jih nosijo v neki
svoji glasbi. Mi jih le obkrožamo, zatopljeni
v načrte, kako se prebiti skozi svetlobo in
izpeljati življenje v vseh njegovih postajah.
Nekateri prestopijo ciljno črto, drugi omagajo na

poti. Pravzaprav so rezultati vedno isti –
sončni dnevi pazljivo katalogizirani, deževni
pa zdrsnejo v oddaljen kot vesolja, se prištejejo
med nepomembne opombe pod črto, ki se
ne odzivajo na noben klic. Vsak trenutek

traja še nekje drugje. Z očmi odklenjena nočna
pokrajina se odklepa dvakrat in ure spraševanja so
samo retorične figure. Mi dihamo naprej, kajti bližina
avgusta ostaja nedotakljiva, kot da se nima namena
pogasiti, kaj šele ukvarjati s tistim, kar ji sledi.

© Uroš Zupan
from: Nafta
Ljubljana: Cankarjeva založba, 2002
Audio production: Študentska založba

Licht im August

немецкий

In diesen Tagen fehlt es an Verständnis für die Eile. Die Wasser-
speicher versuchen die raren Wolken aufzuhalten, doch es gelingt
ihnen nur einen Augenblick lang, dann geht die Geschichte weiter.
Die erste Seite wiederholt sich auf der letzten, und dann bricht der
Held auf, so wie er gekommen ist. Still und unverstanden. Alle Dinge

sind so. Sie nähen sich Kleider und tragen sie zu ihrer
Musik. Wir umkreisen sie nur, versunken in Pläne,
wie wir das Licht durchdringen und das Leben
in all seinen Stadien bewältigen können. Einige
überschreiten die Ziellinie, andere geben unterwegs

erschöpft auf. Eigentlich sind die Ergebnisse immer
diesselben – die sonnigen Tage sorgfältig katalogisiert,
die verregneten in einen entlegenen Winkel des Alls
verbannt, gelten als unter dem Strich unwichtig,
reagieren auf keine Aufforderung. Jeder Augen-

blick dauert noch irgendwo anders. Die mit den Augen aufgesperrte
Nachtlandschaft wird zweimal aufgeschlossen, und die Fragestunden
sind nur rhetorische Figuren. Wir atmen weiter, denn die Nähe
des August bleibt unantastbar, als hätte sie nicht die Absicht zu
verlöschen oder sich gar damit zu beschäftigen, was nach ihr kommt.

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

SREČA SAMOTA

словенский | Dane Zajc

sreča samota drugo samoto
in reče samota drugi samoti
pojdi na moj dom samotni samota
in druga samota vstopi v dom samotni
in prva samota vstopi v drugo samoto
sta dve samoti ena v drugi
sta dve samoti zleppljeni v samoto
in reče ena samota drugi samoti
si mi dala vse kar si imela samota
zdaj se bom odlepila zdaj bom sama samota
počakaj ji reče druga samota
počakaj preden postaneš sama samota
in se uleže nanjo prva samota
se uleže kot da se še ni nikoli ulegla nanjo
jo stisne samota v objem iz plamenčkov
iz plavih plamenčkov kot da gori samota
jo stisne jo valja zažiga pod sabo
zdaj pa le pojdi ji reče le bodi lastna samota
le pojdi le bodi govorí pepelu pod sabo
pepelu ki več ne odgovarja in ne vzdihuje
saj pepel ni samoten
pepel je ubita samota

© Dane Zajc
from: Dol dol
Ljubljana : Nova revija, 1998
Audio production: Študentska založba

TRIFFT EINE EINSAMKEIT

немецкий

trifft eine einsamkeit eine andere einsamkeit
und sagt eine einsamkeit zur anderen einsamkeit
geh in mein einsames haus du einsamkeit
und die andere einsamkeit tritt in das einsame haus
und die erste einsamkeit tritt in die zweite einsamkeit
zwei einsamkeiten ineinander
zwei einsamkeiten verleimt zu einer
und sagt die eine einsamkeit zur anderen einsamkeit
gabst mir alles was du hattest einsamkeit
jetzt löse ich mich jetzt bleib ich allein einsamkeit
warte sagt ihr die zweite einsamkeit
warte ehe du alles bleibst einsamkeit
und legt sich auf sie die erste einsamkeit
legt sich als hätte sie sich noch nie auf sie gelegt
drückt sie in eine umarmung aus kleinen flammen
aus blauen flammen als würde die einsamkeit brennen
drückt sie walzt sie entflammt sie unter sich
und jetzt geh sagt sie sei nun nur eine einsamkeit für dich allein
geh nur sei nur sagt sie zur asche unter sich
der asche die nicht mehr antwortet und nicht mehr seufzt
denn die asche ist nicht einsam die asche ist getötete einsamkeit

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

© Fabjan Hafner

Srebro

словенский | Uroš Zupan

Srebrni so trebuhi rib, ki barantajo s svojo težo
in jo skušajo odložiti v zastavljalnice neba.
Srebrni so hrbti valov, ki pripovedujejo skalam, od kod
prihajajo in kaj vse so doživeli na poti,
a nikoli ne dokončajo zgodbe, ker jim zadihani
stavki vedno znova razpadejo na oblike soli,
Srebrna je prijaznost oljk, ki odklepajo svoje sence,
da bodo vanje položile tri različne višine oslovskega riganja,
Srebrno je dišanje rožmarina, ki z isto pozornostjo
prilepi sok iz rane na pečeno ribo in na počasno
poslavljanje dneva,
Srebrno je opoldne, ki ukaže vsem, naj mirujejo
in s počasnim dihanjem premerijo širino svoje sreče,
se v mislih sprehodijo do pristanišča,
iz katerega je v neki davni zori odplulo njihovo otroštvo,
Srebrn je veter, ki vsaki uri pozabe prišteje tri
dodatne ure pozabe, ki se konstantno dogajajo v
sedanjosti,
Srebrna so jadra, ki so v resnici bela in so srebrna
zaradi potreb domišljije in slavljenja neslišnega
gibanja,
Srebrna je nepremičnost popoldneva, ki svojo toploto
priveže na zemljo in potem noče odstopiti
sedeža prihajajočemu večeru,
Srebrne so sledi oblakov, ki gradijo mesta v zraku,
kamor smo povabljeni, ko nas po kosilu
zasuje plaz spanca,
Srebrni so kriki ljudi, ki ljubijo svoja telesa,
Srebrni so vrhovi cipres, ki rišejo neobstojne pismenke
na prožno kožo poletja,
Srebrni so vinogradi, kjer se nemirni fazani pripravljajo
na brodolom juga,
Srebrn je let galeba, ki šiva skupaj povedano in zamolčano
in sklepa trajno premirje z udarci večernih zvonov,
Srebrno je gibanje posušene trave, ki je pozabila
svoje življenje v zadnji pomladi in se zdaj
njeni duhovi vsak dan ruvajo s praznimi rokavi vetra,
Srebrn je prstan iz mesečine, ki ti ga natikam
na prstanec, ko zapustiš telo in nagovarjaš
noč, naj ti vrne vse prezgodaj umrle,
Srebrn je dež lune, ki se ustavi in naju
boža, ko se topiva posrebrena od poletnega
znoja,
in srebrna so puhasta semena,
ki jih gledam ležeč na hrbtu,
z očmi, vrezanimi v modrino neba,
kako padajo od nikoder in izginjajo neznano kam.

Srebro, barva mojega uma!

© Uroš Zupan
from: Nafta
Ljubljana: Cankarjeva založba, 2002
Audio production: Študentska založba

Silber

немецкий

Silbern sind die Bäuche der Fische, die mir ihrem Gewicht schachern
und versuchen, es in den Pfandhäusern des Himmels abzulegen;
Silbern sind die Rücken der Wogen, die den Klippen erzählen, woher
sie kommen und was alles sie unterwegs erlebt haben,
doch ihre Geschichte niemals zu Ende bringen, weil ihre atemlosen
Sätze immer wieder zu Salzformen zerfallen;
Silbern ist die Verbindlichkeit der Ölbäume, die ihre Schatten aufsperren,
um Eselsrülpser in drei verschiedene Tonhöhen einbetten zu können;
Silbern ist das Duften des Rosmarins, der mit derselben Sorgfalt
den Saft aus seiner Wunde auf einen gebratenen Fisch und das langsame
Abschiednehmen des Tages träufelt;
Silbern ist der Mittag, der allen gebietet zu ruhen
und durch langsames Atmen die Weite des eigenen Glücks zu ermessen,
in Gedanken zum Hafen zu schlendern, von dem aus
eines fernen Tages im Morgengrauen ihre Kindheit in See gestochen ist;
Silbern ist der Wind, der zu jeder Stunde des Vergessens drei
zusätzliche Stunden des Vergessens hinzufügt, die sich immerfort
in der Gegenwart ereignen;
Silbern sind die Segel, die in Wirklichkeit weiß sind und silbern werden
wegen der Bedürfnisse der Phantasie und der Huldigung der lautlosen
Bewegung;
Silbern ist die Reglosigkeit des Nachmittags, der durch seine Wärme
an die Erde bindet und seinen Sitzplatz dann dem hereinbrechenden
Abend nicht überlassen will;
Silbern sind die Spuren der Wolken, die Städte in der Luft errichten,
wohin wir eingeladen sind, wenn uns nach Tisch
eine Schlaflawine verschüttet;
Silbern sind die Schreie der Leute, die ihre Leiber lieben;
Silbern sind die Zypressenwipfel, die flüchtige Lettern
auf die geschmeidige Haut des Sommers zeichnen;
Silbern sind die Weingärten, in denen sich unruhige Fasane
auf den Schiffbruch des Sommers vorbereiten;
Silbern ist der Flug der Möwe, die das Gesagte und das Verschwiegene zusammennäht
und einen dauerhaften Waffenstillstand mit dem Läuten der Abendglocken stiftet;
Silbern ist die Bewegung des ausgedörrten Grases, das sein Leben
im letzten Frühling vergessen hat und dessen Geister
jeden Tag mit den leeren Ärmeln des Windes ringen;
Silbern ist der Ring aus Mondlicht, den ich dir auf
den Ringfinger stecke, wenn du deinen Leib verlässt und die Nacht
aufforderst, dir alle zu früh Verstorbenen zurückzugeben;
Silbern ist der Mondregen, der innehält und uns
streichelt, wenn wir versilbert von Sommerschweiß
schmelzen;
und silbern sind die flauschigen Samen,
die ich auf dem Rücken liegend betrachte,
mit ins Himmelsblau geschnitzten Augen,
wie sie von nirgend woher fallen und verschwinden in Richtung unbekannt.

Silber, Farbe meines Geistes!

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

Sonet

словенский | Primož Čučnik

Oprosti mi, da nisem bil dovolj pozoren
največ štejejo pohvale svojih bližnjih
ljubezen je drveča domovina na kolesu
in vojna le strašljiva novica na jezikih

pod plašči se drobijo koščki kamnov
ti ne spregledajo nikogaršnjih slabosti
a probaj delat tisto, kar te izpolnjuje
strah je ponarejevalec tujega denarja

telo je zračnica do vrha polna zraka
vesolje je brezzračna ječa uma
ta, ki umre, ne bo nič več povedal

je vojna le strašljiva vest na ustih
ko bi vsak delal tisto, kar ga osrečuje
sprememba je drveča domovina na kolesu

© Primož Čučnik
from: Ritem v rokah
Ljubljana: Aleph, 2002
Audio production: 2008 Literaturwerkstatt Berlin

Sonett

немецкий

Entschuldige ich war nicht genug aufmerksam
am meisten zählt das Lob der Nächsten
die Liebe ist eine rasende Heimat auf einem Rad
und der Krieg nur eine Horrormeldung auf den Zungen

unter den Mänteln zerbröckeln Steinstückchen
sie durchschauen niemandes Schwächen
doch versuche zu tun was dich erfüllt
die Angst ist ein Devisenfälscher

der Körper ist eine bis obenhin volle Luftröhre
das All ein luftleeres Gefängnis für den Verstand
wer stirbt sagt nichts mehr

der Krieg ist nur eine Schreckensmeldung auf den Lippen
wenn jeder nur das tun würde ihn glücklich macht
der Wandel ist eine rasende Heimat auf einem Rad

Übersetzung von Fabjan Hafner

Sneg u cipelama

сербский | Ana Ristović

Ne gradi se kuća na zbirkama escajga
mada koja kašika više
ponekad dobro dođe.

Ne gradi se kuća na novim zavesama
mada drugačije poglede
s vremena na vreme
treba zakloniti novim platnom.

Da bi dom bio dom, između ostalog
treba ti i mnogo toga
čega bi se unapred
odrekao, vrlo rado.

Slušaj šta kažu Eskimi:
da bi sagradio dobar iglo
godinama moraš da nosiš
sneg u cipelama.

I špenadlu, zaboravljenu
u okovratniku kaputa,
blizu žile kucavice.

© Ana Ristović
from: Život na razglednici
Beograd : Plato, 2003
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Schnee in den Schuhen

немецкий

Man kann auf Bestecksammlungen kein Haus bauen,
doch einen Löffel mehr
kann man immer brauchen.

Man kann kein Haus auf neuen Vorhängen bauen,
doch andere Anblicke
muss man von Zeit zu Zeit
in ein neues Tuch hüllen.

Um ein Heim zum Heim zu machen braucht es,
neben vielem anderen, etliches,
auf das man von vornherein
verzichten möchte, und zwar dringend.

Man höre auf die Eskimos:
Um einen guten Iglu zu bauen,
muss man jahrelang
Schnee in den Schuhen tragen.

Und eine im Mantelkragen
vergessene Sicherheitsnadel,
nah an der Halsschlagader.

Aus dem Serbischen von Fabjan Hafner

SI – Gregor Podlogar

словенский | renshi.eu [GR-SI-BE-DE-DK-BG-GR]

Kasneje so se vsi
spremenili v kamne.
Algoritem je postal
predmet. Ne, ni bila
nesreča. Radi so
mešetarili: njihova želja
po imeti je premagala
željo po biti – biti v,
biti z. Digitalna revolucija
nas je za šalo pospravila
v prazno sobo ogledal.
Kot da je vse samoumevno:
skoraj srečni, skoraj večni.
Kdor je pozorno gledal,
je opazil – odnos pa odnos
do odnosa je prvo, kjer se oblaki
počutijo dobro. Daleč smo,
čeprav je vse tako blizu.

© Gregor Podlogar
Audio production: renshi.eu @ poesiefestival berlin 2012

Slowenien – Gregor Podlogar

немецкий

Später verwandelten
sich alle zu Stein.
Der Algorithmus wurde
zum Gegenstand. Nein, es
war kein Unfall. Sie trieben
gerne Handel: Ihr Wunsch
zu haben überwand ihren
Wunsch zu sein – in zu sein,
mit zu sein. Die digitale Revolution
schloss uns spaßhalber weg
in ein leeres Spiegelzimmer.
Als wäre alles selbstverständlich:
beinahe selig, beinahe ewig.
Wer aufmerksam hinsah,
bemerkte – der Bezug und der Bezug
zum Bezug sind das erste, wo sich
die Wolken wohlfühlen. Wir sind fern,
obwohl alles so nah ist.

Übersetzung aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

Selitve

словенский | Aleš Debeljak

Vse vidiš, vse: dihanje muh, piskajoči čajnik, naboj,
brezskrbno iztreljen v svit, molitev tapete, polmrak
koncertne dvorane, prašne violine, v naglici puščene
na parketu, napis v jeziku dveh prerokov, ki k Slovanom

sta prišla, stvari, ki se utapljajo v neizmerni luči,
krik, ki šine v sekundi do neba, blesk kovine, kolono
mladoletnikov in žensk, ki nosijo dojence, baziliko,
kako diši v gredici, tenke curke slivovega soka, ki

pronica v razpokano zemljo, zgaženo od umikajočih se grmad.
Vse. Vidiš pokopališča. In metastaze razbeljenih grmad.
Tu bo izhropel znani svet. Davni red nasilja se vrača na

ognjišča. Ugaša magija besed. In nem stoji dekliški zbor.
Proti vzhodu vodi sled, čez zasnežen prelaz. Ne izbriše je
noben napor. Zdaj veš, da bije stolpna ura za vas in nas.

© A.D. und Mladinska knjiga
from: Mesto in otrok
Ljubljana: Mladinska knjiga, 1996
Audio production: 2003, Študentska založba

Ortwechsel

немецкий

Alles siehst du, alles: das Atmen der Fliegen; den singenden Teekessel; eine Ladung,
sorglos ins fahle Morgengrauen abgefeuert; das Tapetenmotiv; das Halbdunkel des
Konzertsaals; die in der Eile auf dem Parkett zurückgelassenen, verstaubten Violinen;
die Inschrift in der Sprache der beiden Propheten, die zu den Slawen kamen; Dinge,

die im unermesslichen Licht versinken; ein Schrei, der binnen einer Sekunde zum
Himmel aufsteigt; ein metallisches Schimmern; eine Kolonne von Minderjährigen
und Frauen mit Neugeborenen; Basilikum, das im Beet duftet; dünne Rinnsale
Pflaumensaft, die ins rissige, von den Truppen auf ihrem Rückzug zertrampelte

Erdreich sickern. Alles. Du siehst Friedhöfe. Die Metastasen weiß glühender
Scheiterhaufen. Hier stößt die bekannte Welt endgültig ihr letztes Röcheln
aus. Die uralte Ordnung der Gewalt kehrt auf die Brandstätten zurück.

Die Wortmagie verstummt. Und stumm steht der Mädchenchor.
Ostwärts führt eine Spur über einen verschneiten Sattel. Von keiner Gewalt
auszulöschen. Und du weißt nun: Die Turmuhr schlägt euch und uns die Stunde.

aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

San Francisco

словенский | Uroš Zupan

Tu sem Frisco, tu, sveti asfalt mi poljublja
podplate, beli bizoni topotajo skozi moje
vlažne sanje, Kenneth Patchen spreminja
moje besede v slike,
tu sem, na apokalipsi ventilatorja,
na glasu Joni Mitchell, ki buta ob stene
italijanske restavracije – O Mingus, Mingus! –
neznan band šopa zategel blues v Victorija Cornerju,
glave skinheadov se svetijo v neonu, angeli
pekla so napravili namišljen pentagram,
joint jim šiba iz rok v roke,
tu sem, na Castro Streetu, počasni tramvaj se
vzpenja v Platonovo votlino, kri mi pulzira
v žilah, erekcija misli pritegne pozornost
negovanih pedrov, napete riti se mi smejijo
izpod usnjenih hlač, svetleče se kurčeve
glave se trgajo izpod zadrg,
tu sem, gospodar Cable Carov, kot fantom se plazim
skozi China Town, saksofon joče na Clayu,
na Sacramentu, na Washingtonu, na Jacksonu,
vibracija glasbe kot ogromen klobuk pokriva Frisco,
tu sem, na O’Farellu pohodim miniaturnega Batmana
Bona Voxa, harlekinski hipiji mi silijo v žepe,
mi ponujajo falzificirane karte za koncert
Grateful Deadov, Tom Waits me gleda s plakatov,
za en dan sem ga zamudil, zadržali so me
solipsizmi motelskih sob v Santa Cruzu,
pojedla in izpljunila me je pacifiška avtocesta,
tu sem, na nedeljskem joggingu beatniških okostnjakov,
v vonju, lebdečem pod stropi kitajskih restavracij,
v Run DMC rapu, na Civic Centru, na Hallidie
Plazi med kitarskimi riffi južnjaškega boogija,
na Columbus Avenue edini človek, ki se je slikal
v City Lights Books in čez cesto v Tosci,
v italijanskih operah, v trebuhu F. F. Coppole,
v pekočem zdrsu Jacka Danielsa, v oskubljenih
mednožjih brodwayskih kurb,
tu sem, na štiriindvajseti ulici skačem v knjige,
v katerih nastopajo bradači s karamazovskim
sindromom v družini, v anarhističnih
knjigarnah se pričkam s kosmatimi Bakunini,
ki podtikajo bombe ljubezni, z idiotskimi
komunističnimi agitatorji, ki so odšli v
Nikaragvo, da bi tam pomagali žvečiti listje koke,
tu sem, v zalivu, kjer Butthole Surfers režejo
valove, Bay Bridge me nese v Oakland, plavi angeli
krožijo okrog Colloseuma, ropotanje Subwaya prebije
toplo novembrsko noč, umsko dihanje potuje
iz Narope, čutim njegovo žgečkanje, moji škornji
posiljujejo pločnike, klošarji raziskujejo poetiko
preživetja, cigarete jim dogorevajo med prsti,
poceni vino jim požira jetra,
tu sem, jaham rumene dinozavre, prisluškujem Mehikancem,
ponoči me prebuja njihov glasni mambo, zjutraj me
okopa njihov svetli smeh, gledam proti Down Townu
in lesene hiše mi padajo v oči, prsti tipajo
zadnje grame tahitijske marihuane, ki mi je še ostala,
tu sem,
svoje srce sem zakopal v San Franciscu.

© Uroš Zupan
from: Sutre
Ljubljana: Aleph, 1991
Audio production: Študentska založba

San Francisco

немецкий

Hier bin ich, Frisco, hier, der heilige Asphalt küsst meine
Sohlen, weiße Bisons trampeln durch meine
feuchten Träume, Kenneth Patchen verwandelt
meine Worte in Bilder,
hier bin ich, in der Apokalypse des Ventilators,
in der Stimme Joni Mitchells, die an die Wände
des italienischen Restaurants brandet – O Mingus, Mingus! –
eine unbekannte Band dudelt einen trägen Blues im Victoria Corner,
die Köpfe der Skinheads leuchten im Neonlicht, die Hell’s
Angels haben einen erfundenen Drudenfuss gezeichnet,
ein Joint wandert von Hand zu Hand,
hier bin ich, in der Castro Street, eine langsame Straßenbahn
steigt zu Platos Höhle hoch, das Blut pulst in meinen Adern,
die Erektion meiner Gedanken erregt die Aufmerksamkeit
der geschniegelten Tunten, dralle Ärsche lachen mich
unter Lederhosen an, leuchtende Penisspitzen
drängen aus Reißverschlüssen,
hier bin ich, Herr der Cable Cars, wie ein Phantom krieche ich
durch China Town, das Saxophon wimmert in der Clay,
der Sacramento, der Washington, der Jackson,
das Vibrieren der Musik bedeckt Frisco wie ein riesiger Hut,
hier bin ich, in der O’Farrell trample ich einen Mini-Batman nieder,
Bono Vox, Harlekinhippies drängen in meine Taschen,
wollen mir gefakte Karten für ein Grateful Dead-Konzert
andrehen, Tom Waits sieht mich von Plakatwänden an,
ich bin einen Tag zu spät dran, wurde aufgehalten
von den Solipsismen der Motelzimmer in Santa Cruz,
der Pacific Highway hat mich verschluckt und ausgespuckt,
hier bin ich, im sonntäglichen Joggen der Beatnikskelette,
im Duft, der unter den Decken der Chinarestaurants schwebt,
im Run DMC Rap, im Civic Center, auf der Hallidie
Plaza in den Gitarrenriffs eines Südstaatenboogie,
der einzige auf der Columbus Avenue, der sich in den City
Lights Books fotografieren lässt und vis-à-vis in der Tosca,
in italienischen Opern, im Bauch F. F. Coppolas,
im brennenden Flutschen von Jack Daniels, im gerupften
Schritt der Broadwaynutten,
hier bin ich, auf der vierundzwanzigsten Straße springe ich in Bücher,
in denen Bartträger mit Karamasow-Syndrom in der Familie
auftreten, in anarchistischen Buchhandlungen
gerate ich in Wortwechsel mit bärtigen Bakunins,
die Bomben der Liebe legen, mit idiotischen
kommunistischen Agitatoren, die nach Nicaragua
gegangen sind, um dort beim Cocablätterkauen zu helfen,
hier bin ich, in der Bucht, wo die Butthole Surfers die Wellen
schneiden, die Bay Bridge trägt mich nach Oakland, blaue Engel
umkreisen das Colloseum, das Rattern der U-Bahn bricht
durch die warme Novembernacht, das Gedankenatmen wandert aus
aus dem Naropa, ich spüre sein Kitzeln, meine Stiefel
vergewaltigen die Gehsteige, die Penner untersuchen die Poetik
des Überlebens, die Kippen brennen zwischen ihren Fingern ab,
der billige Wein zerfrisst ihre Lebern,
hier bin ich, reite auf gelben Dinosauriern, belausche Mexikaner,
nachts weckt mich ihr lauter Mambo, morgens
badet mich ihr helles Lachen, ich sehe in Richtung Down Town
und Holzhäuser fallen mir in die Augen, die Finger tasten
nach den letzten Gramm Marihuana aus Tahiti, die noch übrig sind,
hier bin ich,
mein Herz habe ich in San Francisco vergraben.

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

RDEČE ROŽE

словенский | Tomaž Šalamun

rdeče rože rastejo v nebesih, senca je na vrtu
luč prodira od povsod, sonca se ne vidi
ne vem kako da je potem senca na vrtu, rosa je v travi
okrog so posuti veliki beli kamni da se na njih lahko sedi

hribi okrog so taki kot na zemlji
samo da so nižji in da so videti čisto prhki
mislim da smo tudi mi čisto lahki in da se komaj dotikamo tal
če hodim se mi zdi da se rdeče rože malo umaknejo pred mano

zdi se mi da zrak diši, da je strašno hladen in žgoč
vidim da prihajajo nova bitja
kot da jih nevidna roka polaga v travo
vsa so lepa in mirna in vsi smo skupaj

nekatere ki plavajo sem v zraku zavrti in jih odtrga
zginejo in jih ne vidimo več in ječijo
zdi se mi da je moje telo v žarečem tunelu
da vzhaja kot testo in da potem prši narazen v zvezde

tukaj v nebesih ni seksa ne čutim rok
ampak so vse stvari in bitja popolnoma skupaj
in drvijo narazen da se še bolj združijo
barve hlapijo in vsi glasovi so kot mehka kepa na očeh

zdaj vem da sem bil včasih petelin in včasih srna
da sem imel krogle v telesu ki jih zdaj drobi
kako lepo diham
imam občutek da me lika likalnik in da me nič ne peče

© Tomaž Šalamun
from: Bela Itaka
Ljubljana : DZS, 1972
Audio production: Študentska založba

ROTE BLUMEN

немецкий

im himmel wachsen rote blumen, schatten im garten
licht dringt von überallher, die sonne ist unsichtbar
ich weiß nicht woher der schatten im garten kommt, der tau im gras
ringsum verstreut große weiße steine um drauf zu sitzen

die hügel ringsum wie auf erden
nur niedriger und mürb anzusehen
ich glaub auch wir sind ganz leicht und berühren kaum den boden
wenn ich gehe scheinen mir die roten blumen ein wenig auszuweichen

mir scheint die luft zu duften, furchtbar kühl und sengend zu sein
ich sehe neue wesen kommen
als legte eine unsichtbare hand sie ins gras
allsamt schön und friedlich und wir sind alle beisammen

manche wirbelt es beim herschweben herum und reißt sie ab
sie verschwinden auf nimmerwiedersehen und ächzen
ich glaube mein körper ist in einem glühenden tunnel
er geht auf wie teig und zerstiebt dann sternwärts

hier im himmel gibt es keinen sex keine hände zu spüren
aber alle dinge und wesen sind völlig beieinander
und streben auseinander um sich noch mehr zu vereinen
farben verdunsten und alle stimmen gleichen einem weichen batzen auf den augen

jetzt weiß ich manchmal war ich ein hahn und manchmal ein reh
ich hatte kugeln im leib dieses jetzt aufreibt
wie schön ich atme
ich hab das gefühl mich bügelt ein eisen und es tut mir nicht weh

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner
© Fabjan Hafner

Prvi led

сербский | Ana Ristović

Spustiš grančicu, duneš u list,
otvoriš nečujna vrata za prigušeno svetlo
koje ne otkriva da li se to dan bliži kraju
ili se najavljuje jutarnja oluja:

tako se tvoj prst dotakne mog lica,
spusti niz čelo, proputuje nosnu autocestu,
pronađe zatvoren vulkan na bradi
i proveri toplinu tamnog ruba.

Spustiš grančicu, duneš u list,
ali list sklizne na jastuk
i vrata se otvore,
sa tihom škripom:

Oh, oprosti dragi, otkucava trideseta,
i počinjem da koristim
noćnu kremu, marke Afrodita
moji večernji poljupci su masni,
a tvoji prsti klizaju se
i padaju po mom licu

kao nesigurni mali klizači
po prvi put
na još nesigurnijem prvom ledu
pod kojim se još uvek može nazreti
po koji zaboravljeni plovak
i po koja smela,
mada sitna riba.

© Ana Ristović
from: Život na razglednici
Beograd: Plato , 2003
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Das erste Eis

немецкий

Du lässt einen Zweig fallen, hauchst ein Blatt an,
öffnest die lautlose Tür für das gedämpfte Licht,
das nicht verrät, ob sich der Tag neigt oder
ein Morgengewitter sich ankündigt:

So berührt dein Finger mein Gesicht,
fährt herab über die Stirn,
legt die Autobahn Nase zurück,
findet auf dem Kinn einen untätigen Vulkan
und prüft die Wärme des dunklen Rands.

Du lässt einen Zweig fallen, hauchst ein Blatt an,
und das Blatt gleitet auf das Kissen,
und die Tür öffnet sich
mit einem leisen Knarren:

Verzeih, Liebster, ich gehe auf die Dreißig zu
und beginne, die Gesichtscreme
Marke Aphrodite zu verwenden –
Meine abendlichen Küsse sind fett,
und deine Finger schlittern und
stolpern über mein Gesicht

wie unsichere kleine Eisläufer
beim ersten Mal
auf dem noch unsicheren ersten Eis,
unter dem immer noch
die eine oder andere Boje zu sehen ist
und der eine oder andere tapfere,
wenn auch winzige Fisch.

Aus dem Serbischen von Fabjan Hafner

Prva pesem

словенский | Primož Čučnik

Prva pesem govori o starem načinu
življenja. Kako so bile stvari postavljene
v začetku in kako se je vedelo, kje naj bi
se končale, ali v obrisih ponovno začele

z znanimi čustvi. A potem prične
kukavica biti večje ure, in trava rase
višje in rože cvetijo lepše in popoldanski
sprehajalci se zazirajo v prezrte barve.

Sneg je še bel, ampak bolj čist
in jasen, nebo nad strešniki še modro,
ampak modro v zlatosti odličnega
opoldneva, in pesem še vedno odmevna

v svojem zimzelenem tonu. Zvezde
pogledujejo proti nam kot presenečeni
znanci, srečani spet po tisoč letih,  
in knjiga še po tisoč letih trdi svoje

in posebna reka se je splazila med
bleščeče kamne, obrušene od stare
rečnosti in pravih oblik, kot trpežna
srca posejanih po dnu njenega rokava.

Ni kak mesec, ki bi se ga dalo imenovati,
ali leto, za katero bi se vedelo, kdaj
se je začelo, so le v uho se zlivajoči
zvoki hipov, ko se ne ve za čas, kot da

bi bil ves čas preteklost, tvoj izvirni greh
je zakopan še v spanju in iz praznih
žepov še lahko potegneš prvo pesem,
ki te ponese tja. A zdaj je jasna in razločna,

le njen refren, ki si ga enkrat znal na pamet,
se spreminja, da nikoli ne ujameš besed.

© Primož Čučnik
from: Nova okna
Ljubljana: Lud Literatura, 2005
Audio production: 2008 Literaturwerkstatt Berlin

Das erste Lied

немецкий

Das erste Lied handelt von der alten
Lebensweise. Wie die Dinge am Anfang
geordnet waren und wie man wusste, wo
sie enden sollten oder mit bekannten Gefühlen

in Umrissen neu anfangen. Doch dann beginnt
der Kuckuck größere Stunden zu schlagen, und das Gras
wächst höher und die Blumen blühen schöner und die
Nachmittagsspaziergänger erblicken übersehene Farben.

Der Schnee ist noch weiß, doch reiner
und klar, der Himmel über den Dachziegeln noch blau,
doch blau in der Goldheit eines erlesenen
Mittags, und das Lied hallt immer noch

in seinem immergrünen Ton. Die Sterne lugen in unsere
Richtung wie überraschte Bekannte, denen man nach
tausend Jahren wieder begegnet, und das Buch besteht
nach tausend Jahren immer noch auf seiner Meinung,

und ein besonderer Fluss kroch unter die glitzernden,
vom alten Fluss-Sein und der rechten Formen
zurechtgeschliffenen, wie haltbare Herzen über
den Grund seines Armes hingestreuten Steine.

Kein Monat, den man nennen könnte,
oder ein Jahr, von dem man wüsste, wann
es begonnen hat, da sind nur ins Ohr mündende
Augenblickstöne, wenn man die Zeit nicht weiß,

als ob die ganze Zeit Vergangenheit wäre, deine Erbsünde
liegt noch im Schlaf begraben, und aus leeren Taschen
kannst du das erste Lied ziehen, das dich dorthin bringt.
Doch jetzt ist es klar und deutlich, nur ihr Refrain,

den du einst auswendig konntest, ändert sich,
und mit dem Text kommst du nie zurecht.

Übersetzung von Fabjan Hafner

Prigodnica

словенский | Maja Vidmar

Popoldan je postalo jasno,
da ji bo odrezal nogi.

V smehu in vznemirjeno,
z nožem – samo zanjo – topim.

Skozi krilo, nogavice najprej –
desno.

Ne več v smehu, a vznemirjeno –
levo.

Ona hroma, on četveronožec
mrtvih nog.
Pa kaj, saj se še zdaj
smehljava.

© Maja Vidmar
from: Ob vznožju
Ljubljana: Nova revija, 1998
Audio production: Študentska založba

Gelegenheitsgedicht

немецкий

Klar wird es am Nachmittag:
Er schneidet ihr die Beine ab.

Er ist erregt und lacht,
mit einem Messer - nur für sie - stumpf gemacht.

Durch Rock und Strümpfe weiter -
rechts.

Nicht lachend mehr, aber erregt -
links.

Sie gelähmt, ein Vierfüßer er
mit toten Beinen.

Na und, wo wir selbst jetzt noch
lächeln.

aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner
in: Maja Vidmar: Leibhaftige Gedichte. Literaturverlag Droschl: Graz, Wien 1999.
ISBN: 3-85420-511-2
http://www.droschl.com" >www.droschl.com

pomiril bom konje

словенский | Tone Škrjanec

skicirka je polna obrazov.
zebe v dno duše in v konice prstov.
fotografiram staro tovarno,
bate, ki se enakomerno spuščajo.
zakaj bi hodila skupaj na večerjo,
če je ob jezeru tak pravilen mir
in so vrtnice obrezane.
nekaj dela še naprej čaka.
priključilo se je vrsti čakajočih.
kača že ni bila in niti ne vrv.
nekaj vmes se je
plazilo in sikalo. spet
kradem: preveril bom datume
in pomiril konje. najprej
bom pomiril konje.
dovolj časa imam.
nihče me ne čaka.

from: Duh želve je majhen in zelo star
Ljubljana: KUD France Prešern, 2009
Audio production: Študentska založba & Sonolab, Ljubljana 2010

ich werde die pferde beruhigen

немецкий

das skizzenbuch ist voller gesichter. die kälte reicht
bis an den grund der seele und bis in die fingerspitzen.
ich fotografiere eine alte fabrik,
kolben im gleichtakt.
wozu sollte wir gemeinsam zum abendessen ausgehen,
wo doch am see so ein regelrechter friede herrscht
und die rosen beschnitten sind.
einige arbeiten warten noch.
haben sich der warteschlange angeschlossen.
es war gar keine schlange, nicht einmal ein seil.
irgendetwas dazwischen
kroch und zischte. wieder
stehle ich: ich werde die daten prüfen
und die pferde beruhigen. zuerst
werde ich die pferde beruhigen.
ich habe genug zeit.
auf mich wartet niemand.

aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

POLETJE

словенский | Kajetan Kovič

Mogoče pa dnevi poletja
le zapustijo v nas
malo daljšo sled.
Kakšno pot,
ki se vije po gozdu,
skrita
pred hrupom sveta.
Kakšen kos morja
na obali
iz jantarja.
Mogoče potone v nas
čista črta
galeba
in zbegani roki
čez leta

mirno gotovost
ali se
čvrsti korak
mlade živali
zbere
v raztresenem srcu
kot moč.
Lahkó da se
nepopisni
večerni obleki
shranijo v nas
kot navdih
za ljubezensko pesem.
Veter,
ki gre skoz boróvje,
ima svojo stran
v nenapisani knjigi
in
mačja stopinja
pusti svoj odtis
na robu metafore.
Zime so dolge
v teh krajih
in skrbne živali
si polnijo kašče,
kjer jih zateče usoda,
ene v bogatih gozdovih,
druge na revni planjavi.

© Kajetan Kovič
from: Poletje / Poletje
Maribor : Založba Obzorja, 1990
Audio production: Študentska založba / Beletrina

DER SOMMER

немецкий

Vielleicht hinterlassen
die Tage des Sommers
in uns doch
eine etwas längere Spur.
Einen Weg,
der sich durch den Wald windet,
versteckt
vor dem Lärmen der Welt.
Ein Stück Meer
an der Küste
aus Bernstein.
Vielleicht sinkt die klare Linie
einer Möwe
in uns
und verleiht
der verstörten Hand
nach Jahr und Tag
ruhigere Gewißheit,
oder
der feste Tritt
eines Jungtiers
sammelt sich
im zerstreuten Herzen
als Kraft.
Vielleicht dauern
die unbeschreiblichen
Abendwolken
in uns fort
als Anlaß
für ein Liebesgedicht.
Der Wind,
der durch die Kiefern weht,
hat seine Seite
im ungeschriebenen Buch,
und
die Katzenpfote
hinterläßt ihren Abdruck
am Rand einer Metapher.
Die Winter sind lang
hierzulande,
und die sorgsamen Tiere
füllen ihre Speicher,
wo sie das Schicksal ereilt,
in den reichen Wäldern die einen,
die anderen im dürftigen Freiland.

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner


© Wieser Verlag, Klagenfurt, Wien, Ljubljana 1999

Pokrajina

словенский | Uroš Zupan

Polno prikritih senzacij, razcvetenih v zraku.
Tiho sušeče se platno napokane modrine, prešito
s krožnim letom ptic. To naj bi pripadalo duhu.
In še; drevesa kot stebri, zavrtani v višino,
kot črni dež, ki v rafalih rešeta atmosfero.

Vse je le privid. Kletna vrata v druge sanje in
tako v nedogled. A vseeno vedno znova uspe nek
poskus vrnitve, izvin iz primeža potujočih duš,
ki so veseljačile v noči. V odprtih očeh postane
hrup letala mogočen plastelin, ki gosti zvočno

decembrsko pokrajino, in pisk vlaka sinhrono
odgovarjanje, nož, ki nadletava svetlikajoč se okostnjak
dneva. Bose noge ne poznajo tal, a misel ve, da je
prst porozna skorja, nagrbančena zavesa, zmrznjen
medvedji kožuh, ki so ga potopile zimske vode.

Torej smo in zopet mislimo. Torej je mir le
omrtvičenost, prevod v statiko. Torej je zrak
ostra gmota, ki razpraska grlo, in voda nekakšna
kristalizacija, strjena v steklo, na katerem
včasih pušča prstne odtise človeški dih.

© Uroš Zupan
from: Nafta
Ljubljana : Cankarjeva založba, 2002
Audio production: Študentska založba

Landschaft

немецкий

Voll verhohlener Sensationen, in Hochblüte in der Luft.
Ein leise vor sich hintrocknendes Gemälde berstenden Blaus,
durchwirkt vom Kreisflug der Vögel. Das soll dem Geist zufallen.
Und außerdem: Bäume wie Säulen, in die Höhe gebohrt,
wie schwarzer Regen, der in Garben die Atmosphäre durchsiebt.

Alles nur Erscheinung: Die Kellertür in einen anderen Traum und
so weiter und so fort. Dennoch gelingt immer wieder der Versuch
einer Wiederkehr, ein Entwinden aus dem Würgegriff der wandernden
Seelen, die die Nacht durchgemacht haben. In den offenen Augen wird
der Flugzeuglärm zu einem mächtigen Plastilin, das die Lautlandschaft

des Dezembers verdichtet, und der Pfiff der Lokomotive zum
synchronen Antworten, ein Messer, das das blinkende Skelett
des Tages überfliegt. Bloße Füße kennen den Boden nicht, doch
der Geist weiß, dass das Erdreich eine poröse Rinde ist, ein runzliger
Vorhang, ein gefrorenes Bärenfell, überflutet von Winterwassern.

Also sind wir und denken wir wieder. Also ist der Friede nur
Betäubung, Übersetzung in die Statik. Also ist die Luft eine
scharfe Masse, die die Kehle kratzt, und das Wasser eine Art
Kristallisat, geronnen zu Glas, auf dem der menschliche
Atem manchmal seine Fingerabdrücke hinterlässt.

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

Podzemna ljubav

сербский | Ana Ristović

Kada smo se uselili
bili smo napola u zemlji
napola nad njom –
stan u suterenu sa pogledom na vrt
pun breskvi i višanja u cvatu.

Znali smo da natrula tela uplaši prejaka svetlost
i isuši vlagu koju mogu deliti samo udvoje.
I ležali smo nagi u hladnoj sobi
i klizili jedno po drugom
i razmenjivali male, hranjene smrti
kao džempere u koje su moljci
davno utkali legla.

Kada smo se uselili, rekao si:
»Nekim knjigama treba dati pravo na olakšanje,«
i na policu u WC-u, u vertikali
do podzemnog sveta
postavio Džojsova pisma Nori.
»Neke snove treba zauzdati,« rekla sam
i kraj uzglavlja, poput koplja
porinula Kratki pregled raspadanja.

Kada smo se uselili, napola u zemlji,
napola nad njom,
povukla sam kao Arijadna pupčanu vrpcu
koja ti je rođenjem bila tri puta
obmotana oko vrata.

I ti, mojih pola kilograma
koji me nekad deliše od inkubatora
pretvorio u silu ljubljene mi teže
što nedostajaše sirotoj zemlji
da me pričvrsti za sebe.

Bili smo dva napukla čuna
iz kojih je neko godinama vadio vodu
i vraćao je u more.

Danas smo dve šupljine
u kojima rastu dva čuna
što znaju za rub,
a ipak podižu vesla u tišini.

Više se ne propinjemo na prste
da bismo videli nebo:
verujemo, ono čas beskraj, čas pustoš
pozajmljuje od nas.

Truljenje je, dušo, privilegija zrenja;
nad zemljom i u zemlji,
isti užitak, ista razmena.

© Ana Ristović
from: Život na razglednici
Beograd : Plato, 2003
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Unterirdische Liebe

немецкий

Als wir einzogen,
lebten wir halb in der Erde,
halb über ihr–
eine Souterrainwohnung
mit Blick auf einen Garten
voller Pfirsich- und Weichselblüten.

Wir wussten, dass zu grelles Licht
die angefaulten Körper verschreckt
und die Feuchtigkeit entzieht,
die man nur zu zweit teilen kann.
Und wir lagen nackt im kühlen Zimmer
und glitten aufeinander
und tauschten kleine, behütete Tode aus,
wie Pullover, in die Motten längst
ihr Gelege verwebt hatten.

Als wir einzogen, sagtest du:
„Einigen Büchern muss man
das Recht zugestehen, sich zu erleichtern“,
und stellte auf ein Bord im Klo, senkrecht
zur unterirdischen Welt,
Joyce’ Briefe an Nora.
„Manchen Träumen muss man
einen Riegel vorschieben“, sagte ich
und schob Ciorans Lehre vom Zerfall
wie ein Lanze neben das Kopfkissen.

Als wir einzogen, halb in der Erde,
halb über ihr,
zog ich wie Ariadne an der Nabelschnur,
die dir bei deiner Geburt dreimal
um den Hals gelegt worden war.

Und du verwandeltest das halbes Kilo,
das mich einst vom Brutkasten trennte,
in die Kraft eines Gewichts, das ich liebe,
das der armen Erde fehlte,
um mich an sich zu fesseln.

Wir waren wie zwei lecke Boote,
aus denen jemand jahrelang Wasser
zurück ins Meer schöpfte.

Heute sind wir zwei Höhlen,
in denen zwei Boote wachsen,
die den Rand kennen,
und dennoch in der Stille
die Ruder einziehen.

Wir stellen uns nicht mehr
auf die Zehenspitzen,
um den Himmel zu sehen:
Wir glauben, dass er von uns
bald Uferlosigkeit,
bald Einöde borgt.

Das Faulen, mein Lieber,
ist ein Vorrecht des Reifens;
über und unter der Erde,
derselbe Genuss, derselbe Austausch.

Aus dem Serbischen von Fabjan Hafner

PISMO

словенский | Boris A. Novak

Skrivnostno bolj pogosto mislim nate,
ki vate ne verjamem. A edino
pred tabo se upogne v tišino
moje koleno, trgajoč zaplate
besed in krvaveč kot v otroštvu.
Ti si doma v skrušenem uboštvu
vseh rok, ki se na smrt bojijo ran.
Povej mi, Jezus, je zelo bolelo?
Blisk bolečine strga noč in dlan.
A brez rane nič ne ostane celo.

Ti, ki te ni, me spremljaš kot mehkoba,
strah prve zgodbe, sinji sneg, ki veje
iz sanj, odvržen meč na dnu studenca.
Z lučjo zasenčiš rahlo zemljo groba,
kjer me dušijo zimzelene veje.
Sam sem. Ne morem prestopiti žeje,
ki večno loči najina vretenca,
in vendar si mi blizu kakor senca.
Povej mi, Jezus, je zelo bolelo?
Kar je in ni, boli. Neznosno belo.

Ti veš, kako je biti le za mnoge.
Nič zase. Gledati na hribu mater,
ki joka, ko odhajaš. Ti si zmogel.
Ti, ki te ni. Zato zdaj mislim nate.
Jaz ne zdržim. Človeška bodi mera
za mojo dlan, od jutra do večera.
Ker dlan je pismo. Za dotik. Otroke.
Povej mi, Jezus, je zelo bolelo?
Če bi takrat bil tam, bi vzel v roke
tvojo krvavo dlan. Dobro bi ti delo.

(Mojster nespečnosti, 1995)

© Boris A. Novak
from: Mojster nespečnosti
Ljubljana: Mladinska knjiga, 1995
Audio production: Študentska založba

DER BRIEF

немецкий

Geheimnisvoll denke ich immer häufiger an dich,
der ich an dich nicht glaube. Doch einzig
vor dir beugt sich mein Knie
in die Stille, wie in der Kindheit die Flicken
aus Wörtern abreißend und blutend.
Du bist zuhaus in der gekrümmten Armseligkeit
all der Hände, die Todesangst vor Wunden haben.
Sag mir, Jesus, tat es weh?
Der Blitz des Schmerzes reißt an Nacht und Hand.
Doch ohne Wunde bleibt nichts ganz.

Du, den es nicht gibt, begleitest mich als Weichheit,
die Angst der ersten Geschichte, blauer Schnee, der
aus dem Traum weht, weggeworfenes Schwert am Brunnengrund
Mit deinem Licht verschattest du die leichte Erde
des Grabes, in dem mich Immergrünzweige ersticken.
Ich bin allein. Ich kann den Durst nicht überschreiten,
der ewig unser beider Wirbel trennt,
und doch bist du mir nahe wie ein Schatten.
Sag mir, Jesus, tat es weh?
Was ist und nicht ist, schmerzt. Unerträglich weiß.

Du weißt, wie es ist, nur für viele dazusein.
Nicht für sich. Auf dem Berg die Mutter sehen,
die weint, wenn du gehst. Du hast es vermocht.
Du, den es nicht gibt. Deshalb denke ich jetzt an dich.
Ich halte es nicht aus. Menschlich sei das Maß
meiner Hand, vom Morgen bis zum Abend.
Denn die Hand ist ein Brief. Zum Berühren. Die Kinder.
Sag mir, Jesus, tat es weh?
Wäre ich damals dort gewesen, hätte ich deine blutige
Hand in die Hände genommen. Es hätte dir gut getan.

aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

Paund pruža prst

сербский | Ana Ristović

Ovo je hotel za pesnike
od kojih je odustala poezija.
Višečasovni trening tišine
pružaju male sobe s pogledom
na apokaliptični pejzaž.

Katalog bogova deli se na recepciji.
Džepna filosofija već za obedom.
Citati – na zavesama, spremni da
od trulog zelenila odmore magleni pogled.
Tetoviranje ožiljaka – u podzemlju
gde i imaginarna biografija.

U krovnom bazenu opatice
bište perje onemoćalim labudovima.
I pre no pesnik vidi, u mantije skupljaju
sitan izmet sa dna
i umesto njega seju hamburg grožđe.

U podrumskim zamrzivačima, dremaju vek-dva
mrtve drage spremne na iznajmljivanje.
Ako poeta od gole iluminacije u hladu
navuče tuberkulozu – za pesničku smrt
i to je dostojan ulog.

Sa bioskopskog platna mrtvi Paund
podiže ruku tanku kao viljuška
i jednom po jednom laureatu zabija
drhtavi prst u oko.

Kada iscure suvišne vode
svaka zenica može biti crna cev
preko koje jedna mitologija pod stečajem
motri na drugu.

Najuspešnijima sleduju kavezi
od lažnog, topljivog čelika
i nalog usure
u aleksandrijskoj biblioteci.

Kao prozori u poznu jesen
muze se mute od daha pesnika
koji ne poznaju distancu:
spoj sa svetom uvek traži pruženu ruku
koja se odmara
na oštrici probijenog stakla.

Na večernjim časovima uče se
da se osećaju posthumno:
jedan drugog uzimaju u usta
s opreznošću i ustezanjem
kao hostije.

© Ana Ristović
from: Zabava za dokone kćeri
Beograd: Rad , 1999
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Pounds ausgestreckter Finger

немецкий

Das ist eine Herberge für von der Dichtung
im Stich gelassene Dichter.
Für mehrstündige Einübungen in die Stille
stehen kleine Zimmer mit Aussicht
auf eine apokalyptische Landschaft zur Verfügung.

Der Götterkatalog liegt dem Anmeldungsformular bei.
Taschenphilosophie gibt es nach Tisch.
Zitate auf Gardinen, um dem vernebelten Blick
angesichts des welken Grün Ruhe zu schenken.
Narbentattoos bekommt man im Untergrund,
imaginäre Lebensläufe ebenfalls.

Im Dachpool säubern Oberinnen
das Gefieder ermatteter Schwäne.
Und ehe sich der Dichter versieht, lassen sie
ihre Köttel im Ornat verschwinden
und säen an ihrer statt Hamburger Trauben.

In den Eiskästen im Keller schlafen,
ein Jahrhundert lang oder zwei,
tote Geliebte, bereit zum Einsatz.
Wenn sich der Poet vor lauter Illumination in der Kälte
mit Tbc infiziert – ist selbst das
für einen Dichtertod ein würdiges Schärfchen.

Von der Kinoleinwand hebt der tote Pound
seine schmale Hand
und stößt Laureat um Laureat
seinen zitternden Finger ins Auge.

Nachdem die überflüssigen Wasser abgeflossen sind,
kann jede Pupille zum schwarzen Rohr werden,
durch das eine bankrotte Mythologie
eine andere beäugt.

Die Erfolgreichsten bekommen Käfige
aus falschem, schmelzendem Stahl,
und den Auftrag zu wuchern
aus der Bibliothek von Alexandria.

Wie die Fenster im Spätherbst beschlagen
sich die Musen vom Odem der Dichter,
die keinen Abstand wahren:
Der Anschluss an die Welt erfordert
immer die ausgestreckte Hand,
die sich auf den Kanten
der Glassplitter ausruht.

In Abendkursen lernen sie,
sich postum zu erinnern:
Sie nehmen einander in den Mund,
mit Achtung und Anstand,
wie Hostien.

Aus dem Serbischen von Fabjan Hafner

Očajna razglednica

сербский | Ana Ristović

Na mene neće nalepiti markicu,
neće me poslati poštom,
Air mail otpada sa mene
kao moguće inostranstvo sa pasoša
koji putuje
samo u božju mater.

Jer ne nudim pejzaž
ni uokviren zalazak sunca
ni veštačke ruže u očekivanoj v(l)azi.

Prikazujem malo, gotovo ništa.
I nudim samo
Predugačak, isuviše komplikovan,
i zahtevan tekst
na poleđini

razglednice, koju niko
ne bi stavio u svoj džep.

Jer toliko reči nositi sa sobom
isto je što i nositi kamenje
od koga se ne gradi ni kuća
ni nečiji spomenik.

Vreme upotrebe
svešće me bar
na dobru reciklažu.

© Ana Ristović
from: Život na razglednici
Beograd: Plato, 2003
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Verzweifelte Ansichtskarte

немецкий

Auf mich klebt man keine Marke,
ich werde nicht verschickt,
LUFTPOST kommt für mich nicht in Frage,
wie das mögliche Ausland aus dem Pass,
der nur zur Hölle
fährt.

Denn ich biete kein Panorama,
weder einen gerahmten Sonnenuntergang,
noch Plastikblumen in der absehbaren Vase.

Ich stelle wenig dar, beinahe nichts.
Und habe nur einen
überkomplizierten Vorschlag zu bieten
und den anspruchsvollen Text
auf der Rückseite

einer Ansichtskarte, die niemand
in seine Tasche stecken würde.

Denn so viele Wörter mit sich zu führen
wäre dasselbe wie Steine zu schleppen,
mit denen weder ein Haus gebaut
noch ein Denkmal errichtet wird.

Das Ablaufdatum
verspricht wenigstens
eine gute Wiederverwertung.

Aus dem Serbischen von Fabjan Hafner

OLJKA

словенский | Kajetan Kovič

Steblo
z rokami iz solz,
s telesom iz krušne skorje,

ti žeja kvišku za nebom vetra in zvezd,
od koder se sklanjajo k tebi
samo ptice in strele,

ti nežnost duše iz bledozelenih listov,
ti veter, ki grizeš prst z zobmi korenin,
ti hlad nad studenci presahlimi,

ti ptica v ušesu zemlje,
ti mravlja v očeh neba,

ti vélika prispodoba med nebom in zemljo,

drevo.

© Kajetan Kovič
from: Korenine vetra
Ljubljana : Cankarjeva založba, 1961
Audio production: Študentska založba / Beletrina

ÖLBAUM

немецкий

Du Stamm,
mit Tränenarmen
und Brotrindenlaib,

du Durst himmelwärts zum Wind- und Sternenzelt,
von dem sich dir nur Vögel und Blitze
zuneigen,

du blaßgrünblättrige Seelenzärte,
du seine Wurzelzähne ins Erdreich schlagender Wind,
du Kühle über versiegten Bornen,

du Vogel im Erdohr,
du Emse im Himmelsauge,

du großes Gleichnis zwischen Himmel und Erde,

du Baum.

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner


© Kajetan Kovič

Ogenj in voda

словенский | Maja Vidmar

Voda je tu,
hladna, nikoli ogreta
poji in duši,
stalno je tu
in odteka.

Ogenj nikjer
ne postaja. Mogoče
v hip, ki je lesk
in nanjo odblesk.
Tako sta objeta.

© Maja Vidmar
from: Ob vznožju
Ljubljana: Nova revija, 1998
Audio production: Študentska založba

Feuer und Wasser

немецкий

Das Wasser ist hier,
kühl, nie gewärmt,
es tränkt und würgt,
ist immer da,
und verfließt.

Das Feuer hingegen hält
nirgends inne. Außer
im Augenblick von Flammen-
schein und Wasserglitzern.
Da umarmen sie einander.

aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner
in: Maja Vidmar: Leibhaftige Gedichte. Literaturverlag Droschl: Graz, Wien 1999.
ISBN: 3-85420-511-2
http://www.droschl.com" >www.droschl.com

OBISK

словенский | Kajetan Kovič

Ne obiskujte
starih pesnikov.
Njihove dolge samote
tečejo težje
kakor vaš hitri čas.
Ne sije jim s čela
lesk pete izdaje
njihovih zbranih del.
Z ugaslim pogledom
strmijo
v zoglenele beležnice,
v katere so včasih pisali
z gorečimi svinčniki.
Tudi nesrečne ljubezni
jih več ne rešijo.
V prsih
so njihove turške neveste
le še mrzel pepel.
Na starih zofah ležijo,
skrčeni v svojo pobitost,
in če zaškriplje stopnica,
ugibajo,
ali se po lesenem stopnišču
vzpenja zdravnik ali smrt.

© Kajetan Kovič
from: Obisk / Poletje
Maribor : Založba Obzorja, 1990
Audio production: Študentska založba / Beletrina

BESUCH

немецкий

Besucht alte Dichter
nicht.
Ihre langen Einsamkeiten
verstreichen schwerer
als eure eilige Zeit.
Von ihren Stirnen scheint nicht
der Glanz der fünften Auflage
ihrer Gesammelten Werke.
Mit verlöschendem Blick
starren sie
in verkohlte Kladden,
in die sie einst
mit brennenden Stiften
Eintragungen machten.
Auch unglückliche Lieben
können sie nicht mehr retten.
In ihren Busen blieb
von den türkischen Bräuten
nur kalte Asche.
Sie liegen auf alten Sofas,
zurückgeworfen auf ihre Niedergeschlagenheit,
und knarrt eine Stufe,
fragen sie sich,
wer das hölzerne Treppenhaus hochsteigt,
ein Arzt oder der Tod.

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner


© Wieser Verlag, Klagenfurt, Wien, Ljubljana 1999

NAVODILO ZA SPANJE

словенский | Kajetan Kovič

Seveda, zaspati.
Pregnati mesec
iz okna.
Vpeljati kontumac
za komarje.
Odkazati mačkam
prostor za noč.
Utišati žalostne
tuje pse.
Zapreti sluh
za vse šume
razen za šum dežjà.
Vse hude misli
postaviti tja, kamor spadajo,
v pretekli
ali v prihodnji čas.
Pospraviti čustva
v odročne trakte srca,
v šatulje,
s ključem zaprte do jutra.
Potlačiti bolečine.
Obvladati hrepenenja
in preseči užaljenja.
Ne delati pesmi.
Nitko zgodbe ujeti
in si izmisliti pravljico.
Biti sam svoja mama.
Biti sam svoja ljuba.
S poljubi prekriti
nezadovoljno srce.
Pokriti z odejo
premražene ude.
Stopiti
v meniško enklavo
teme in tihote.
Oditi daleč.
Do roba sveta.
Na mejo sanj in nesanj.
In mogoče
še dlje.

© Kajetan Kovič
from: Navodilo za spanje / Poletje
Maribor : Založba Obzorja, 1990
Audio production: Študentska založba / Beletrina

ANLEITUNG ZUM SCHLAFEN

немецкий

Natürlich, einschlafen.
Den Mond aus dem Fenster
verbannen.
Das Fliegengitter
einsetzen.
Den Katzen ihren Platz
für die Nacht zuweisen.
Die traurigen fremden Hunde
zum Schweigen bringen.
Das Gehör für alle Geräusche verschließen,
außer für das Rauschen
des Regens.
Alle schlimmen Gedanken
an ihren Ort
verweisen,
in vergangene
oder künftige Zeiten.
Das Gefühl in entlegene Trakte
des Herzens schaffen,
in bis zum Morgen versperrte
Schatullen.
Den Schmerz unterdrücken.
Die Sehnsucht beherrschen,
und die Beleidigungen verwinden.
Keine Gedichte schreiben.
Den Faden einer Geschichte weiterspinnen,
und ein Märchen erfinden.
Seine eigene Mutter sein.
Seine eigene Geliebte.
Das unzufriedene Herz
mit Küssen bedecken.
Die frierenden Glieder
in eine Decke hüllen.
In die mönchische Enklave
von Dunkel und Stille
eintreten.
Weit fortgehen.
Zum Rand der Welt.
An die Grenze von Traum und Untraum.
Und vielleicht
noch weiter.

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner


© Wieser Verlag, Klagenfurt, Wien, Ljubljana 1999

Nasveti za uspešno literarno kariero

словенский | Uroš Zupan

Nič svetenja po diplomatskih salonih, rokovanja s predsedniki
in poljubljanja rok atašejem.
Nič večerij s kralji & plemenskimi starešinami, ko si v zadregi,
da ne boš znal v pravilnem vrstnem redu uporabljati srebrnega
pribora in prstov in bo polžja lupina končala v dekolteju
ali trajni ondulaciji pri sosednji mizi sedeče dame,
čeljust v kozarcu s šampanjcem, vse skupaj
pa v spominih in dnevniku.
Nič festivalov & branj – Oh, kakšna eminentna družba.
Naj padeta name svetloba in dinamit Alfreda Nobela
ali pa vsaj zvezdni prah s Pulitzerja. Tri dni se ne bom
umival in krtačil. Talent je sigurno nalezljiv.
Nič polnočnih klicev prevajalcem – Ali ne vidite te iluminacije?
Nevidni dinamo proizvaja novo vrsto energije. Ko bo
zmanjkalo nafte, bo poganjala avtomobile in letala.
Leta sem kopal podzemske rove, se dogovarjal,
vzdrževal korespondenco, trepetal pred boljšimi
in brezbrižnejšimi. Nikogar nisem pustil zraven.
Mladi feni takoj pristopijo in mi vzamejo prah od nog.
Nič več menjam tri srednje dolge pesmi, prevedene v
linguo franco, za dva haikuja, prevedena v slovenščino.
Če vam menjalniški tečaj ne ustreza, lahko po potrebi
odstopim še zobno ščetko, ženo, človeško ribico, idrijske
čipke in vile.
Nič več obraz in skrivnostni solipsizmi v Mladem konstruktorju,
Astrofiziki za začetnike, Reviji za vzgojo termitov in podlasic
...
Nič tehtanja knjig in najemanja izvoščka, rikše, tovornjaka,
da jih dostavi na časopisno hišo – še pred tem
pa odposlano cirkularno pismo, če ga nemudoma ne razmnožite
in ne objavite po vseh redakcijah & rubrikah, vključno s Svet,
Reportaže in zanimivosti, Šport, Iskrice in Osmrtnice,

vam bodo zgorele postelje & računalniki, napadli
vas bodo roji kobilic, presahnil bo vaš tako ali tako
sumljiv novinarski navdih.
Nič dviganja kozarcev, zazidavanja v generacije –
če boš vztrajen in prijazen, boš kanoniziran.
Nič prišli smo, da bi vladali, imamo fantastične trgovske
potnike, govorijo petnajst jezikov, vključno s svahilijem
in sanskrtom. Naše tajnice zmorejo 500 udarcev na minuto.
Navezali smo stike z Eskimi, ljudožerskimi plemeni na Novi
Gvineji in Atlantido. Zadnjič smo faksirali steklenico
avtohtonega vina in lipicanca v Gano.
Še in še zapiramo okna naših studiev, a veter
vedno najde špranje in neprestano razmetava
po sobi nepopisane papirje.
Nič obšolskih dejavnosti.
Nič obliterarnih dejavnosti.
Nič literarnih dejavnosti.
Pusti drugim, naj na ramenih nosijo Parnas, Panteon,
Akademijo, častne doktorate in nesmrtnost. Se vozijo
v limuzinah z zatemnjenimi stekli. Naj groupies z njih trgajo
obleko. Pusti political correctness. Urejanje sveta in države.
Tvoje je, da sediš od bajerju, gledaš race, žuliš vodo,
bereš Uvod h Krstu pri Savici & Dumo  in futraš krape.
Nič. Nič. Nič.

Poezija se ne začne z velikim pokom, ampak s cviljenjem.

© Uroš Zupan
from: Nafta
Ljubljana : Cankarjeva založba, 2002
Audio production: Študentska založba

Ratschläge für eine erfolgreiche literarische Karriere

немецкий

Kein Glänzen in diplomatisches Salons, keine Shakehands mit Präsidenten,
kein Den-Attachés-die-Hände-Küssen.
Keine Diners mit Königen & Stammesältesten, bei denen man in die Verlegenheit gerät,
das Tafelsilber und die Finger in der richtigen Reihenfolge zu verwenden
und wo das Schneckenhaus im Ausschnitt oder der Dauerwelle
der Dame am Nebentisch landet, der Kiefer im Schampusglas
und alles zusammen
in Memoiren und Tagebüchern.
Keine Festivals & Lesungen – Ach, welch eminente Gesellschaft.
Sollen doch das Licht und Dynamit des Alfred Nobel oder wenigstens
der Sternenstaub Pulitzers auf mich niedergehen. Drei Tage werde ich
mich weder waschen noch bürsten. Das Talent ist sicher ansteckend.
Keine mitternächtlichen Anrufe bei Übersetzern. – Können Sie denn diese
Illumination nicht sehen? Ein unsichtbarer Dynamo produziert eine neuartige Energie.
Wenn das Erdöl ausgeht, werden damit die Autos und Flugzeuge betrieben.
Jahrelang habe ich unterirdische Gänge gegraben, Vereinbarungen
getroffen, Briefkontakte unterhalten, vor den Besseren und
Rücksichtsloseren gezittert. Niemanden rangelassen. Die jungen
Fans treten sofort näher und lesen den Staub von meinen Füßen.
Ich tausche nicht mehr drei in eine Lingua franca übersetze Gedichte
mittleren Umfangs gegen zwei ins Slowenische übersetzte Haikus.
Sollte Ihnen der Wechselkurs nicht zusagen, überlasse ich Ihnen gerne
auch meine Zahnbürste, meine Frau, einen Grottenolm, Spitzen aus Idrija
und eine Mistgabel.
Kein Konterfei und keine geheimnisvollen Solipsismen im P.M., in Astrophysik
für Anfänger
, im Magazin zur Aufzucht von Termiten und Siebenschläfern
Kein Wiegen von Büchern mehr, kein Anheuern von Fiakern, Rikschas, Lastwagen,
damit sie diese einem Pressehaus zustellen – davor abgesandt: Ein Rundschreiben,
das besagt, man möge es unverzüglich vervielfältigen und in allen
Redaktionen & Rubriken, einschließlich International, Tagesgeschehen,
Sport, Panorama
und Todesfälle veröffentlichen, sonst
verbrennen eure Betten & PCs, überfallen euch
Heuschreckenschwärme, versiegt eure ohnehin
fragwürdige journalistische Inspiration.
Kein Zuprosten, kein Einmauern in Generationen –
wer beharrlich und freundlich bleibt, wird kanonisiert.
Kein: Wir sind gekommen, um anzuordnen, wir verfügen über phantastische
Handlungsreisende, die fünfzehn Sprachen inklusive Suaheli und Sanskrit
beherrschen. Unsere Schreibkräfte bringen es auf 500 Anschläge in der Minute.
Wir haben Kontakte zu den Eskimos geknüpft, zu Kannibalenstämmen in Neu-
guinea und zu Atlantis. Letzthin wurden eine Flasche autochtoner Wein
und ein Lipizzander nach Ghana gefaxt.
Wir schließen und schließen die Fenster unserer Studios, doch der Wind
findet immer einen Spalt und wirbelt in einem fort unbeschriebene Blätter
durch das Zimmer.
Keine außerschulischen Aktivitäten.
Keine außerliterarischen Aktivitäten.
Keine litarischen Aktivitäten.
Überlasse es anderen, den Parnass, das Pantheon, die Akademie, die Ehren-
doktorate und die Unersterblichkeit auf den Schultern zu tragen. Sie fahren
in Limousinen mit verdunkelten Fenstern. Solle die Groupies doch ihnen die Kleider
vom Leibe reißen. Lass die Political correctness. Die Ordnung der Welt und des Staates.
Dein Ding ist es, an einem Weiher zu sitzen, den Enten zuzusehen, das Wasser zu kräuseln,
das Vorspiel auf dem Theater und die Ode an die Freude zu lesen und die Karpfen zu füttern.
Nichts. Nichts. Nichts.

Dichtung beginnt nicht mit dem Urknall, sondern mit einem Wimmern.

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

NASPROTI ŠTRLEČIM OTOKOM

словенский | Veno Taufer

kamen se igra z obokom
se igra steklo
po črepinjah hodi

zrak se igra z vodo
se igra nebo
po cvetju hodi

telo se igra s krogom
se igra bach z zvokom
po dimu sveč hodi

oče se igra z otrokom
pod križem hodi
morje se igra

z ladjo
igračo valovom
nasproti štrlečim otokom

se igraš s svetlobo
vse bližje slepoti
lovim tvojo roko

smrt se igra
z mano
kakor z otrokom

© Veno Taufer
from: Ravnanje žebljev in druge pesmi
Ljubljana : DZS,
Audio production: Študentska založba / Beletrina

RAGENDEN INSELN ENTGEGEN

немецкий

ein stein spielt mit dem gewölbe
spielt glas
geht über scherben

die luft spielt mit dem gewässer
spielt himmel
geht über blüten

der körper spielt mit dem kreis
spielt bach mit dem laut
geht über kerzen rauch

der vater spielt mit dem kind
geht unter dem kreuz
das meer spielt

mit dem schiff
ein spielzeug der wellen
ragenden inseln entgegen

spielst du mit dem licht
der blindheit immer näher
lange ich nach deiner hand

der tod spielt
mit mir
wie mit einem kind

Aus dem slowenischen von Fabjan Hafner

Morala angelov

словенский | Maja Vidmar

Še prašen od pozlate
pride angel.
Kaj si storila
- reče.

Mislila sem, da si
Ti - trepeče.
Bil sem, a to
te ne opraviči
- odhaja angel.
Zlato zaprši, ko
steče.

© Maja Vidmar
from: Ob vznožju
Ljubljana: Nova revija, 1998
Audio production: Študentska založba

Die Moral der Engel

немецкий

Noch staubig vom Vergolden
kommt der Engel.
Was hast du getan
– sagt er.

Ich dachte, es seist
Du – zittert er.
Ich war’s, doch das
rechtfertigt dich nicht
– geht der Engel fort.
Gold versprühend, wenn
er losrennt.

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

MON PERE

словенский | Kajetan Kovič

Mon père,
ne vem, zakaj te tako nagovarjam,
nisi govoril francosko,
a to bi najbrž razumel,
mogoče ti rečem po tuje
zaradi distance,
ljubila sva se lahko
edino tako:
ne preblizu.
Sedela sva
v starih gostilnah,
pila sva rizling
ali šipon
ali sploh
kakšno kislo vino
in govorila
zelo vsakdanje stvari.
Življenje je stalo
za vrati,
v varni razdalji.
Zdelo se je
presilno, da bi mu dala
ime.
Bala sva se,
mon père,
prevelikih besed.
Zdaj si samo še
slika na steni
in grob
na lepem pokopališču.
Prižgem ti luč,
prinesem ti rože.
Ne tebi,
tvojim kostem.
Toliko stvari
ti rečem.
A molčiš.
Samo tvoja plošča je.
Z datumi.
Od – do.
Mojbog,
kaj vse sinovi
zdaj govorijo očetom.
Živim in mrtvim.
Mon père,
nobeden ni bil
kakor ti.
Tako sam,
tako moj,
tako oče,
zgubljen na tem svetu
kot jaz.

© Kajetan Kovič
from: Mon père / Poletje
Maribor : Založba Obzorja, 1990
Audio production: Študentska založba / Beletrina

MON PERE

немецкий

Mon père,
ich weiß nicht, warum ich dich so nenne,
du konntest kein Französisch,
doch das hättest du wohl verstanden;
vielleicht sorgt die Fremdsprache
für Distanz,
nur so konnten wir
einander lieben:
nicht zu nah.
Wir saßen
in alten Gasthöfen,
tranken einen Rizling,
einen Šipon
oder einen anderen
sauren Wein
und besprachen
sehr alltägliche Sachen.
Das Leben stand
hinter der Tür,
in sicherem Abstand.
Es schien,
zu
stark,
für
einen Namen.
Wir hatten Angst,
mon père,
vor zu großen Worten.
Nun bist du nur noch
ein Bild an der Wand
und ein Grab
auf dem schönen Friedhof.
Ich entzünde ein Licht,
ich bringe Blumen.
Nicht dir,
deinen Knochen.
So viel
sage ich dir.
Und du schweigst.
Da ist nur der Grabstein.
Mit den Daten.
Von - bis.
Mein Gott,
was wagen jetzt Söhne nicht alles
ihren Vätern zu sagen.
Den lebenden und den toten.
Mon père,
keiner war wie du.
So allein,
so mein,
so Vater,
auf Erden verloren
wie ich.

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner


© Wieser Verlag, Klagenfurt, Wien, Ljubljana 1999

Moja generacija

словенский | Maruša Krese

Ne dotikaj se mojih stvari.
Življenje zdaj uči.
Nič več mi ne zameri.

Globoko v duše se nikdar nismo rešili.
Kot mlade mačke so nas že utopili.
Kot mlada dekleta so nas razdevičili,
mlade fante po mrazu vozili.
Kot papagaje v zimske vrtove zapirali.
Skupno z materinim mlekom nas s strahom
    hranili.
Kot dediče mladih herojev zaznamovali,
kot razvajance prikazali.
Dušna kultura je buržoazija,
dvom v življenje je skoraj prešuštvo.
Otroci so tvoj optimizem,
prosim, da gre do takrat vse gladko.

Ne obupajte,
prosili ste nas, ne živeti.

© Maruša Krese
from: Danes
Celovec : Založba Drava, 1989
Audio production: Študentska založba

Meine Generation

немецкий

Du sollst meine Sachen nicht berühren.
Das Leben erteilt jetzt seine Lehren.
Nichts nimmt es mir mehr übel.
Tief in die Seelen konnten wir uns nie retten.
Als junge Katzen schon hat man uns ertränkt.
Als junge Mädchen hat man uns entjungfert,
als junge Burschen durch die Kälte gefahren.
Als Papagein in Wintergärten gesperrt.
Uns mit Muttermilch, mit Angst genährt.
Als Erben junger Helden gebrandmarkt,
Seelenkultur sei bourgeois,
Zweifel am Leben ein unkeuscher Spaß.
Dein Optimismus die kinder.
Bis dahin, ich bitte darum, geht alles gut.
 
Verzweifelt nicht,
ihr habt uns gebeten, nicht zu leben.

aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner



aus: Gestern, heute, morgen


Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1992

Micro & soft forecast

сербский | Ana Ristović

Sedećemo u istoj spavaćoj sobi,
ćuteći, svako za svojim stolom,
i slati jedno drugom najpre opširna
a onda vrlo štura pisma
preko interneta.

Na kraju ni to, već samo potpise
uz pitanje
Jesi li za kafu, čaj, poljubac
ili ni za šta.

Ekrani će goreti i zujati
od viška pamćenja onoga
što smo ostavili u hodniku
glasne ranobračne istorije.

Utiskujući se celim telom
u belinu stakla kao nekada u sneg
pravićemo pale anđele
težine milion gigabajta
od kojih se ruši i najčvršći sistem.

Ono što će preživeti biće plavo
kao oko giljotine.
*

Ono što progovori:
stolovi, stolice, pepeljare i podovi
nadglasavaće jedno drugo
pozajmivši samo oblik naše nekadašnje blizine.

* Adam Zagajevski, Referendum

© Ana Ristović
from: Život na razglednici
Beograd: Plato , 2003
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Micro & soft forecast

немецкий

Wir sitzen in ein und demselben Schlafzimmer,
schweigend, jeder an seinem Tisch,
und schicken einander – zuerst ausführliche,
dann immer knappere
E-Mails.

Am Ende selbst das nicht mehr, nur Unterschriften
unter der Frage:
Kaffee, Tee, Kuss
oder gar nichts?

Die Bildschirme leuchten und sirren
vom Zuviel an Erinnerung an etwas,
das wir im Flur der lauten Frühgeschichte
unserer Ehe zurückgelassen haben.

Mit dem ganzen Leib gepresst
ans Glasweiß wie einst in den Schnee
zeichnen wir gefallene Engel,
Millionen Gigabytes schwer,
die selbst das stabilste System zum Abstürzen bringen.

Was übersteht, ist blau
wie das Auge der Guillotine.*

Zu Wort melden sich:
Tische, Stühle, Aschenbecher, Böden.
Sie werden sich gegenseitig übertönen und
nur die Gestalt unserer einstigen Nähe annehmen.

* Adam Zagajewski, Referendum

Aus dem Serbischen von Fabjan Hafner

Lajke na mesecu

сербский | Ana Ristović

Lako je biti jedina kučka na Mesecu:
vrckanje tvog repa i zurenje u krater
za koji misliš da je prazna činija
dobijaju metafizičku vrednost;
nemaš više ni na koga da laješ
osim na neku zastavu, snimiše sve
i umesto koske pružiše ti mikrofon,
al ne snimiše kako si podigla nogu
u nameri da se popiškiš kraj nje;

Lako je biti
kad tvoje krpelje otkupljuju muzeji

Lako je biti jedina kučka na Mesecu,
teško je biti jedini Mesec nad tolikim kučkama
koje bi sve da pišu poeziju
ali tek pošto te poližu,
dobro probave celog
i onda spuste u meta-travu
kao beli brabonjak, dajdžest izdanje
od samog ličnog iskustva

© Ana Ristović
from: Život na razglednici
Beograd: Plato, 2003
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Die Laikas auf dem Mond

немецкий

Es ist leicht, die einzige Hündin auf dem Mond zu sein:
Das Wedeln deines Schwanzes und Spähen in den Krater,
den du für eine leere Schüssel hältst,
bekommen eine metaphysische Qualität.
Niemand da zum Anbellen, außer einer Fahne,
alles wird aufgezeichnet, und anstelle
eines Knochens hält man dir ein Mikrofon hin,
doch wird nicht aufgezeichnet, wie du
dein Bein hebst, um sie anzupissen.

Es ist leicht,
wenn die Museen deine Zecken kaufen.

Es ist leicht, die einzige Hündin
auf dem Mond zu sein;
es ist schwer, der einzige Mond
über so vielen Hündinnen zu sein,
die alles daran setzen zu dichten,
und sobald sie dich ablecken,
haben sie dich schon verdaut,
und lassen dann ins Metagras,
wie weiße Scheiße, die Digestfassung
einer persönlichen Erfahrung fallen.

Aus dem Serbischen von Fabjan Hafner

KEPA PEPELA

словенский | Dane Zajc

Dolgo nosiš ogenj v ustih.
Dolgo ga skrivaš.
Za koščenim plotom zob.
Med belim risom ustnic ga stiskaš.

Veš, da ne sme nobeden zavohati
dima iz tvojih ust.
Spominjaš se, da vrane ubijejo belo vrano.
Zato zakleneš usta.
In skriješ ključ.

Ampak nekoč začutiš v ustih besedo.
Votlina glave ti odmeva od nje.

Takrat začneš iskati ključ svojih ust.
Dolgo ga iščeš.
Ko ga najdeš, odkleneš lišaj svojih ustnic.
Odkleneš rjo svojih zob.
Potem iščeš jezik.
Ampak jezika ni.
Potem hočeš izreči besedo.
Ampak usta so polna pepela.

In namesto besede se skotali
kepa pepela med saje
v tvoje grlo.
Zato odvržeš zarjaveli ključ.

Potem si narediš nov jezik iz zemlje.
Jezik, ki govori besede iz prsti.

© Dane Zajc
from: Jezik iz zemlje
Ljubljana : Cankarjeva založba, 1961
Audio production: Študentska založba

EIN KLUMPEN ASCHE

немецкий

Lange trägst du Feuer im Mund.
Lange hältst du es verborgen.
Hinter dem knöchernen Zaun Zähne.
Gepreßt im weißen Bannkreis deiner Lippen.
 
Du weißt, daß niemand Rauch
aus deinem Mund wittern darf.
Du erinnerst dich, daß die Raben weiße Raben erschlagen.
Deshalb versperrst du deinen Mund.
Und versteckst deinen Schlüssel.
 
Doch einmal spürst du im Mund ein Wort.
Die Höhle deines Kopfes hallt dir wider davon.
 
Da beginnst du den Schlüssel deines Mundes zu suchen.
Lange suchst du nach ihm.
 
Als du ihn findest, sperrst du die Flechten deiner Lippen auf.
Sperrst den Rost deiner Zähne auf.
Dann suchst du deine Zunge.
Doch da ist keine Zunge.
Dann willst du ein Wort aussprechen.
Doch dein Mund ist voll Asche.
 
Und statt eines Wortes kollert
ein Klumpen Asche zum Ruß
in deine Kehle.
Deshalb verwirfst du den rostigen Schlüssel.
 
Dann formst du aus Erdreich eine neue Zunge.
Eine Zunge, die Worte aus Erde spricht.

Dane Zajc, Hinter den Übergängen. Gedichte und Stimmen.
Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner. © Klett Cotta, Stuttgart 2003.
http://www.klett-cotta.de/programm/literatur" ">www.klett-cotta.de/programm/literatur

Izak

словенский | Maja Vidmar

Kadar Izak spi,
mu pokrivam perutničke,
ga gledam, kako diha,
in ga voham,
kakor da je moj.
Ko mi Izak maha,
ga svarim čez cesto
in trepečem,
kakor da je moj.
Ker ga spuščam,
ko trikrat potrkam,
ga spuščam vsak dan
med zveri.

Kako naj rečem,
kakor da mi je vseeno,
Izak, pridi, greva
na visoko goro.
Kako naj iščem tnalo,
gladko, čisto tnalo
zanj.
Kako naj z nožem,
kakor da mi je vseeno,
z golim, sivim nožem
živega,
kako naj ga odrežem stran.

Izak, pridi, greva.

© Maja Vidmar
from: unpublished poem
Audio production: Študentska založba

Isaak

немецкий

Wenn Isaak schläft,
bedecke ich seine winzigen Schwingen,
sehe, wie er atmet,
und beschnuppere ihn,
als gehörte er mir.
Wenn mir Isaak zuwinkt,
ermahne ich ihn über die Straße
und zittere,
als gehörte er mir.
Weil ich ihn freilasse,
nachdem ich dreimal geklopft habe,
ihn jeden Tag freilasse
unter die Raubtiere.

Wie soll ich es sagen,
als wäre es mir einerlei.
Isaak, komm, wir gehen
auf einen hohen Berg.
Wie soll ich einen Hackblock suchen,
einen sauberen, glatten Hackblock
für ihn.

Wie soll ich mit dem Messer,
als wäre es mir einerlei,
mit dem nackten, grauen Messer,
wie soll ich ihn bei lebendigem Leib
abschneiden.

Isaak, komm, wir gehen.

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

ISTI

словенский | Dane Zajc

Je na drugem svetu. Enakem.
Je drug na enakem svetu. Enak
Je enak na istem svetu. Drug na drugem
Isti

Je tebi enak. Je enakih las
Enakih rok. Enake glave
Enakih oči. Enakega pogleda. Enake starosti
Je isti.

Enakih norosti. Enakih ljubezni
Enakih izkušenj. Enakih ljubljen.
Ki zdajle misli isto
Enakih plesov gugastih korakov
V mrežeh mraka v polnočnih zankah
ujet v iste nastave.
Isti.

Enakih ran. Enakih brazgotin
Enakih dvomov. Enakih zmot
Enakih cincanj. Enakih padcev.
Je ti te sluti.

Ko te zagleda ko te v razpokani luči
Ko te med ljudstvom ki izumira istega
Ko te slutnjo ko te senco istega sebe
Reče ko te zagleda
Joj, kakšen smisel. Kakšen dvojni nič. Ha.
(Brblja iste besede. Vrti isti jezik.
Istež.)

© Dane Zajc
from: Rožengruntar
Maribor : Založba Obzorja, 1975
Audio production: Študentska založba

DERSELBE

немецкий

Ist auf einer anderen Welt. Einer gleichen.
Ist ein anderer auf der gleichen Welt. Gleich
Ist gleich auf derselben Welt. Anders auf einer anderen
Derselbe.
 
Ist dir gleich. Gleiches Haar
Gleiche Hände. Gleicher Kopf
Gleiche Augen. Gleicher Blick. Gleiches Alter.
Ist derselbe.
 
Gleiche Torheiten. Gleiche Lieben
Gleiche Erfahrungen. Gleiches Kosen.
Der im Augenblick dasselbe denkt
Gleiche Tänze wiegende Schritte
In Dämmernetzen in Mitternachtsschlingen
gefangen in denselben Fußangeln.
Derselbe
 
Gleiche Wunden. Gleiche Narben
Gleiche Zweifel. Gleiche Irrtümer
Gleiches Zaudern. Gleiche Stürze.
Ist du ahnt dich.
 
Wenn er dich erblickt wenn er dich im zerborstenen Licht
Wenn er dich unter dem Volk das ausstirbt denselben
Wenn er dich Ahnung wenn er dich Schatten denselben sich
Sagt er wenn er dich erblickt
Ach, was für ein Sinn. Was für ein doppeltes Nichts. Ha.
(Brabbelt dieselben Worte. Spult dieselbe Sprache ab.
Derselbige.)

Dane Zajc, Hinter den Übergängen. Gedichte und Stimmen.
Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner. © Klett Cotta, Stuttgart 2003.
http://www.klett-cotta.de/programm/literatur" ">www.klett-cotta.de/programm/literatur

Jezik, moj jež

сербский | Ana Ristović

Ljubljanski taksisti se klade
da sam iz Ukrajine.

Na moje »Dobar dan«,
požele mi dobru noć –
moj slovenački miriše na jug ili istok,
siguran užitak.

Beogradski misle
da dolazim iz užičkih krajeva:
otežem, tvrde, kao Morava pred sušu.

A oni oko autobuske stanice
na koju stižem umorna od puta
kažu da mi Ć nije kao njihovo meko,
mora da sam Slovenka –
i pod povišenim pritiskom
taksimetar otkucava sve brže i brže.

I pitaju se, pod kojom firmom
vozim tanko telo, usijanu glavu,
čiji je mali kofer na kolenima i pod njim
čija kratka suknja,
ćumez sa namenom vedrom.

Čije je tvrdo DŽ na sandalama
privezano umesto kopče
i čija su dva glasna A iz imena
oko mojih ruku i vrata, umesto omče.

I pitaju se, a ne znaju:
moj jezik brži je od mene,
jež maratonac na 500 kilometara
kome bodlje rastu na unutra.

Kao zaverenici, sastajemo se
u bescarinskoj zoni, na pola puta:
naše su neme šume, gluva doba
u kojima ga mogu grejati u ruci.

Osuđeni jedno na drugo,
gramatičke revolucije preživljavamo ćutke:
ja radost ponovo nađene dvojine,
on, strah od crnog imperfekta.

© Ana Ristović
from: Život na razglednici
Beograd: Plato, 2003
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Die Sprache, mein Stachelschwein

немецкий

Die Laibacher Taxifahrer möchten wetten,
ich käme aus der Ukraine.

Auf mein „Guten Tag“ hin
wünschen sie mir eine „Gute Nacht“ –
mein Slowenisch riecht nach Süden oder Osten,
Genuss garantiert.

Die Belgrader meinen,
ich käme aus der Gegend von Užice,
spräche so gedehnt, wie die Morava vor der Dürre.

Und die vom Busbahnhof,
wo ich müde ankomme,
sagen, mein „ć“ sei nicht so weich wie das ihre,
ich müsse Slowenin sein –
und unter dem verstärkten Druck
tickt der Taxameter immer schneller.

Und sie fragen, für welche Firma
ich den schlanken Körper, den erhitzten Kopf lenke,
wem das Köfferchen auf den Knien gehöre
und wem der kurze Rock darunter,
der Hühnerstall mit dem vergnüglichen Zweck.

Wem das harte DŽ auf den Sandalen
anstelle der Schnalle gehöre
und wem die beiden lauten „a“ im Namen
um meinen Arme und meinen Hals, anstelle einer Schlinge.

Und sie fragen, ohne zu wissen:
Meine Sprache ist schneller als ich,
ein Marathonstachelschwein, das 500 Kilometer läuft
und dessen Stacheln nach innen wachsen.

Wie Verschwörer treffen wir uns
in der zollfreien Zone, auf halbem Weg:
Uns gehören die stummen Wälder, die taube Zeit,
dort kann ich mein Sprachschwein in der Hand wärmen.

Einer des anderen Schicksal
überstehen wir die Grammatikrevolutionen schweigend:
Ich – die Freude der wiedergefundenen Zweizahl,
er – die Angst vor dem schwarzen Imperfekt.

Aus dem Serbischen von Fabjan Hafner

JELEN

словенский | Tomaž Šalamun

Najstrašnejša skala, bela bela želja.
Voda, ki izviraš iz krvi.
Naj se mi oži oblika, naj mi zdrobi telo,
da bo vse v enem: žlindra, okostja, prgišče.

Piješ me, kot bi mi izdiral barvo duše.
Lokaš me, mušico v drobnem čolnu.
Razmazano glavo imam, čutim, kako so se
gore naredile, kako so se rodile zvezde.

Spodmaknil si mi svoje teme, tam stojim.
Poglej, v zraku. V tebi, ki si zdaj zlit in
moj. Zlate strehe se ukrivljajo pod nama,

pagodini listi. V ogromnih svilenih bonbonih
sem, nežen in trdoživ. Meglo ti potiskam v
sapo, sapo v božjo glavo v mojem vrtu, jelen.

© Tomaž Šalamun
from: Živa rana, živi sok
Maribor : Založba Obzorja, 1990
Audio production: Študentska založba

HIRSCH

немецкий

Furchtbarster Fels, weißer, weißer Wunsch.
Wasser, du entspringst aus Blut. Soll meine Form sich
verengen, soll mein Körper zerbröckeln, damit
alles in einen ist: Schlacke, Skelette, eine Handvoll.

Du trinkst mich, als würdest du die Farbe meiner Seele
ausreißen. Schlabberst mich, Mücke in einem winzigen
Nachen. Mein Kopf ist verschmiert, ich fühle,
wie die Berge entstanden, wie die Sterne geboren

wurden. Du hast mir deinen Scheitel entzogen, dort
stehe ich. Schau, in der Luft. In dir, nun bist du
eins und mein. Goldene Dächer krümmen sich unter

uns, Pagodenblätter. In riesigen Seidenbonbons bin
ich, zärtlich und zäh. Nebel schieb ich dir in den
Atem, Atem in den Gotteskopf in meinen Garten, Hirsch.

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner
© Fabjan Hafner

auch in: Tomaž Šalamun: Wal. Ausgewählte Gedichte. Slowen./Dt. Graz: Droschl Literaturverlag 1990
ISBN: 3854201826


Hčerki

словенский | Maja Vidmar

Nekoč bova peljali
tigra v dolino.
Bo ležal na odprtem
pragu in nama
posojal zlato.

Toda zdaj, zdaj ne
morem spati pred
usodo kačjih črt, kdaj
bo spet zdrsnila
čez tvojo zibko.

Če ne bi bilo tebe,
ti povem, bi spet
bežala v grozi,
saj v žrelu noč in dan
straši zadah požrtih.

Nespečna se ga
učim, se učim
objeti, da ga bova
nekoč peljali,
tigra v dolino.

© Maja Vidmar
from: unpublished poem
Audio production: Študentska založba

Für meine Tochter

немецкий

Einmal bringen wir
den Tiger ins Tal.
Dann ruht er auf
der offenen Schwelle und
borgt uns Gold.

Doch jetzt, jetzt
kann ich nicht schlafen
vor dem Geschick der
Schlangenlinien, wann
gleiten sie wieder
über deine Wiege.

Gäbe es dich nicht,
das sage ich dir, flöhe
ich wieder in Grauen,
denn im Rachen
spukt Tag und Nacht
der Ruch der Vertilgten.

Schlaflos lerne ich,
lerne ich, ihn zu umarmen,
damit wir ihn, den Tiger,
eines Tages ins Tal
bringen können.

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

hoja

словенский | Tone Škrjanec

tak lepljiv dan danes.
ko hodim, mi v žepu žvenketajo novci.
kupčki mladih rac čepijo v senci drevesa,
ki bi, takole na hitro rečeno, lahko bila vrba.
ženski z nogami, golimi do kolen, se smejita
in blaženo gestikulirata, ko prečkata cesto,
ki se zvija okoli jezera. važna je hoja.
razmišljanje med hojo. telesa med hojo.
trije biciklisti na vrhu stopnic so iz drugega sveta.
pokriti s čeladami znanstvenofantastične sorte,
vsi rdeči in zaripli, so videti kot vesoljci.
ko hodiš, srečaš marsikatero precej božansko bitje,
npr. račke, ki sem jih že omenil,
ali pa tole tukaj, ki čisto sama sedi ob jezeru
in navidez brez zveze na stežaj odpira kljun,
da se ji lepo napenja dolg in slok vrat.
tak lepljiv dan, pa vseeno
tako prijetna predvečerna tišina,
samo avtomobili, ptice in od daleč
vesla, ki udarjajo po jezeru,
in zdi se, da smo živali v glavnem zadovoljne.

from: Koža
Ljubljana: LUD Literatura, 2006
Audio production: Študentska založba & Sonolab, Ljubljana 2010

gehen

немецкий

so ein klebriger tag heute.
beim gehen klimpern die münzen in meiner tasche.
junge enten hocken haufenweise im schatten eines baumes,
der, wenn sie mich so schnell fragen, eine weide sein könnte.
zwei frauen mit bis zu den knien entblößten beinen lachen
und gestikulieren selig beim überqueren der straße,
die sich um den see windet. das gehen ist wichtig.
das nachdenken beim gehen. die körper beim gehen.
die radfahrer auf dem treppenabsatz stammen aus
einer anderen welt. sie tragen science-fiction-helme,
haben alle hochrote köpfe, sehen aus wie außerirdische.
beim gehen trifft man etliche ziemlich göttliche geschöpfe,
z. b. die schon erwähnten kleinen enten oder
die eine hier, die ganz allein am see hockt und scheinbar
einfach so ihren mund sperrangelweit aufsperrt, so dass
ihr langer, schlanker hals eine schöne spannung erhält.
so ein klebriger tag, und trotzdem
eine so angenehme vorabendstille,
nur auto, vögel und aus der ferne
ruder, die auf den see einschlagen,
und es scheint, als wären wir tiere im großen und ganzen zufrieden.

aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

Hiša

словенский | Maja Vidmar

Z očetovim mlekom
sem pila trdno
arhitekturo
hiše,
a še v teh prostorih
sem se zvečer
pokrivala čez glavo,
in nobenega
dvoma ni:
na odprtem bi
prišli, ki jih ni,
in me požrli.

Težko je s hišo
v glavi.
Zvečer sedam
na zadnji
prag
in jih zateglo
kličem,
ki jih ni.

© Maja Vidmar
from: unpublished poem
Audio production: Študentska založba

Haus

немецкий

Mit der Vatermilch
sog ich die feste
Architektur des
Hauses ein,
und in diesen Räumen
deckte ich mich abends
zu bis über den Kopf,
und kein Zweifel besteht:
Im Offenen kämen die,
die es nicht gibt und
fräßen mich.

Schwer ist ein Haus
im Kopf.
Abends setze ich mich
auf die letzte Schwelle
und rufe lang gezogen
die, die es
nicht gibt.

Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

Gradski otpad

сербский | Ana Ristović

U šetnju ćeš odlaziti automobilom,
od drveća ljubiti ono
što ostane u retrovizoru.

Ugledaš li kravu, reći ćeš: Vidi, krava!
I mrlje na njenoj koži
postaće proćerdana nafta.

Ozepšćeš na jutarnjem suncu,
ogrejati se kod prve table
i saobraćajnog znaka.

Usred procvalog polja
razmišljaćeš čas o literaturi,
čas o kilometrima što te dele
od najbliže apoteke:

glava puca od bola
zajedno sa jasnim vidikom
na četiri strane neba.

Ugledaš li ježa, reći ćeš: Vidi, jež!
I bodlje njegove
postaće mali minobacači.

Osedećeš na prejakoj mesečini,
izgoreti od viška melanholije
u suton koji predugo traje.

Kraj šćućurenog rukavca reke
priželjkivaćeš telefonske govornice,
u gustišu šimšira bar jedan
ozebli ljudski glas.

Nelagodnost tvoja rašće sa navalom vazduha.
Strah tvoj, sa viškom plavetnila.
Tvoj privatni pakao uskomešaće se
sa svakim novim sudarom
svetlosti i zenica.

Ugledaš li svoju senku
na pustom proplanku, reći ćeš: Vidi, senka!
I senka tvoja postaće mahovina
koja ni ovde ni onde
nema oko čega da obraste.

© Ana Ristović
from: Život na razglednici
Beograd: Plato, 2003
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Stadtmüll

немецкий

Spazieren fährst du mit dem Auto;
von den Bäumen liebst du,
was von ihnen im Rückspiegel bleibt.

Siehst du eine Kuh, sagst du: Schau, eine Kuh!
Und der Fleck auf ihrem Fell
wird zu vergeudetem Erdöl.

Du frierst in der Morgensonne,
wärmst dich am ersten Schild
und den Verkehrszeichen.

Inmitten eines blühenden Feldes
denkt du bald über Literatur nach,
bald über die Kilometer, die dich von
der nächstgelegenen Apotheke trennen:

Dein Kopf birst vor Schmerzen,
zugleich mit der klaren Sicht
in alle vier Himmelrichtungen.

Siehst du einen Igel, sagst du: Schau, ein Igel!
Und seine Stacheln werden
zu kleinen Granatwerfern.

Du setzt dich hin im gleißenden Mondlicht,
brennend vom Zuviel an Schwermut
in einer zu langen Dämmerung.

An einem verlandenden Flussarm
ersehnst du dir Telefonzellen,
im Dickicht wenigstens eine
unterkühlte menschliche Stimme.

Dein Missbehagen wächst mit der Luftflut.
Deine Angst mit dem Zuviel an Blau.
Deine Privathölle wallt auf
mit jedem neuen Zusammenstoß
von Licht und Pupille.

Siehst du deinen Schatten
in der öden Lichtung, sagst du: Schau, ein Schatten!
Und dein Schatten wird zu Moos,
das weder hier noch anderswo
etwas findet, um das es wachsen kann.

Aus dem Serbischen von Fabjan Hafner

Gospodar solz

словенский | Aleš Debeljak

Naj bo: naj tvoja ušesa zaenkrat še ne slišijo prhutanja kavk,
ki žlebove stražnih stolpov prekrivajo kot sad neba. Zdaj tiho
gnije. Naj korak ti meri neizčrpno dno v sprejemnici akademije:
tu sapa odposlancev iz daljnih ambasad vzgaja nek stari sen.

Sen o pokrajinah brez konca, kjer isto ime izgovarjajo z istim
strahom. Naj otrdi ti slina v kristal. Naj se ti roka nikogar ne
dotika nežno. Naj prerokujejo prihodnost ti junaki, ki so ilirske
hribe prekoračili in na bregu toplega morja legli v sipine. Sami,

neizbežno. Naj plima za trenutek pljuskne čez slavne razvaline,
ki so vojske jih pustile za seboj. Naj smrtno resno poveljniki
poslušajo ukaz spomina, ki gosti se kakor vosek. Z njim boš

zapečatil dediščino bolečine, ki zlagoma narašča v zbranih delih
kraljevskih pesnikov. Proti obalam razdeljenega otoka bežijo s
tabo. Prepozno bo, ko pod surovo zvezdo upognil boš koleno.

© A.D. und Mladinska knjiga
from: Mesto in otrok
Ljubljana: Mladinska knjiga, 1996
Audio production: 2003, Študentska založba

Der Herr der Tränen

немецкий

Es sei so: Deine Ohren sollen fürs erste das Geflatter der Dohlen nicht vernehmen,
die die Rinnen der Wachttürme bedecken wie eine Himmelsfrucht. Jetzt verfault
sie leise. Dein Fuß soll den unerschöpflichen Grund im Empfangsraum der Akademie
ausloten: Hier züchtet der Atem der Parlamentäre ferner Botschaften einen alten Traum.

Den Traum von Landstrichen ohne Ende, wo derselbe Name von derselben Angst
erfüllt ausgesprochen wird. Dein Speichel soll sich zu einem Kristall verhärten.
Deine Hand soll niemanden zärtlich berühren. Die Zukunft sollen jene Helden
prophezeien, die die illyrischen Hügel überquert und sich am Ufer des warmen

Meeres in die Dünen gelegt haben. Unausweichlich allein. Die Flut soll einen
Augenblick lang über die berühmten Trümmer schwappen, die die Heere hinterlassen
haben. Die todernsten Feldherren sollen dem Befehl der Erinnerung gehorchen, die sich

wie Wachs verdichtet. Damit wirst du das Erbteil des Schmerzes besiegeln, der nach
und nach in den Gesammelten Werken der Hofdichter anschwillt. Zu den Küsten der
geteilten Insel flieht ihr gemeinsam. Dein Kniefall unter dem rohen Stern kommt zu spät.

aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

esej o poeziji

словенский | Tone Škrjanec

kadarkoli bo dobro.
samo ne prehitro. storjeno mora biti
čimbolj počasi, z občutkom in prefinjeno.
naj bodo upoštevani in zajeti
vsi detajli, vse s filigransko
natančnostjo izdelane arabeske.
upošteva naj se stopnja vlažnosti,
napetost in slokost kože. torni faktor.
različne osebnostne lastnosti in preference,
mladostne ljubezni, šifrirana sporočila
skrita v ljubezenskih pismih, tajne pisave.
zares opolzke misli. občutljivost
ušesnih mešičkov in prstnih blazinic.
ugodje, ki se nam zdi tako samoumevno
ob božanju. ritem trepalnic. vse naključno, slučajno
in nepredvidljivo, od višje sile odvisno
in skrito v jeziku trav. zvoki jasmina
v svetlozelenihporcelanastihšalčkah iz Kitajske,
svež šemalotopel kruh z marmelado.
dobro jutro sobotno jutro na golem hrbtu.
to ni pravi zmaj.
poezija je limanje.

from: Pagode na veter
Ljubljana: LUD Apokalipsa, 2001
Audio production: Študentska založba & Sonolab, Ljubljana 2010

essay über die dichtung

немецкий

es geht jederzeit.
nur nicht zu schnell. man muss es möglichst
langsam angehen, mit gefühl und finesse.
zu erfassen und zu berücksichtigen sind
sämtliche details, sämtliche mit filigraner
präzision ausgearbeiteten arabesken.
zu berücksichtigen sind der feuchtigkeitsgrad,
die spannung und die straffheit der haut. ihr reibefaktor.
verschiedene persönlichkeitsmerkmale und präferenzen,
jugendlieben, in liebesbriefen versteckte
chiffrierte nachrichten, geheimschriften.
wirklich schlüpfrige gedanken. die empfindsamkeit
von ohrläppchen und fingerkuppen.
das wohlgefühl, das uns beim streicheln selbstverständlich
erscheint. der rhythmus der wimpern. alles zufällige
und unverhoffte, abhängig vom höherer gewalt und
verborgen in der sprache der gräser. die jasmintöne
in den hellgrünen porzellantassen aus China,
das frische, noch ein wenig warme marmalendebrot.
guten morgen samstagmorgen auf dem nackten rücken.
das ist kein echter drache.
dichten heißt leimen.

aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

CRNGROB

словенский | Niko Grafenauer

V sončni oksid uklani rob gorske višine,
nad poldnevom sijoči šiv neba.
v zraku razlita severna kislina
in oniksni zavoji južnih vonjev.
snežna perut, nadkriljena prostoru
v daljavi z belim perjem mraza,
razpetim v mirno ravnovesje
dvoreznosti, se spušča, nikdar sklopljena,
z labodjim bleskom, težjim od minevanja,
na duše.

samota, kjer se križata korak in polje.
odsotnost gozda, daleč, ki z meglicami
še izdihva v vid svojo svežino.
vnebljeno zemljemerstvo ptic
                                               in topol,

topol samujoč
v zrcalni žetvi perutnic.
zrak poln prestopnega ječanja let.

živopeščeni venomer, v presipanju brez teže,
svetli takt trenutkov,
ki na njem v sedmerolistni popek belega
zlistana luč oklepa v sebi večni ne,
je bivanje?

a pot? ni-
kjer bomo našli manj strašno noč
pod gostoljubno streho, listnato ljudstvo
v nikdar globje vdahnjenem novembru
s polnimi pljuči drugega sveta.
ne z raztaljeno grudo svinca, z upanjem
v brezbrižno mrzlo zrenje
                                          nikogar
kot uganka
vlito, je ob-
up? življenje. brez prerokb
v svetovni noči.

v similni legi zvezd, nóči nasproti,
prelit z galvanskim srhom lesketanja
čiste prehodnosti v poljubu, neskončnem,
ki v njem traja neizgovorljivo,
                                                 jezik,

s koliko vnebo-vzemljovzetja zbran v ustnem dotiku
živih, mrtvih? za vedno moj in ne za vedno
v dihu, a kar odpade, se brezlistno šelesteč
zvrtinči v molk.
                           izluženi pomeni
na koncih misli, solze, ubiserjeno težo
se iskreč, ki zatiskuje, a v očeh
smer, kamor se izteka dan. mera luči,
višja od morja, v razcveteni peni
s srcem ozvočenih daljav iz časa v čas.

zemlja teži, tožba se vzpenja
z listjem, v rastru vetrov, osutim,
s sencami zacinkan črtomirni spanec
in v grlu zadržana polnoč
iz prsti.

a prostor, ki preseva, zasteklen z modrino,
prstne odtise domotožja, še hrani
v onstran pokopano, v zrak izpisano
pogrebno brazdo izginulih.

blesk, prenešen v temi s pogledi,
črno izlitim v lobanje. do živega izstruženi
streljaj med ne in da. čebelja struna
izravnavanja, napeta z jedkim zvenom
v kri.
        a krik,
zagrizen s sigami
bele odsotnosti v resničnost, ki ga zazidava,
živo cvetoč nad vratom, prerezanim,
brez stebla v napredovanju viška,
ki se obletava.

noč v rogu izkljuvana nevesta mrtvih
v črnem, še bedi, nagrobno zvesta,
                                                        z zvezdami
nad njimi.
v so-
čutje ukleten sveče, ki pokopavajo,
brez vek utripajoč s pogledom, ničelno svetlim
od izteknja sekunde za sekundo, v kapljah.
koliko voska nad imeni, z vso težo bitja
položeni v snežni ničnič,
in še več solzami pobeljena
kostnica spanja, crn-
grob.

© Niko Grafenauer
from: Izbrisi, elegije
Ljubljana : DZS, 1984
Audio production: Študentska založba

Ehrengruben

немецкий

Der ins Sonnenoxyd gehauene Hochgebirgsrand,
die über dem Mittag strahlende Himmelsnaht.
in die Luft ergossene Nordsäure
und die Onyxhüllen südlicher Düfte.
die Schneeschwinge, den Raum überflügelnd
in der Ferne mit weißem Frostgefieder,
ausgebreitet ins ruhige Gleichgewicht
der Zweischneidigkeit, senkt sich, nie angelegt,
mit Schwanenglast, schwerer als das Vergehen,
auf die Seelen.

Einsamkeit, wo sich Schritt und Feld kreuzen.
die Abwesenheit des Waldes, des fernen, der mit Schwaden
noch seine Frische ins Augenlicht aushaucht.
das gehimmelte Markscheidewesen der Vögel
                                                                                                     und die Pappel,
die Pappel Einsam
in der Spiegelernte der Schwingen.
die Luft erfüllt vom überwindbaren Ächzen der Jahre.

treibsandiges Immerzu, im Geriesel ohne Gewicht,
der lichte Takt von Augenblicken,
auf dem das zur siebenblättrigen Knospe des Weißen
gefächerte Licht in sich das ewige Nein umklammert,
ist das Sein?

doch der Weg? nirgend-
wo findet man eine weniger furchtbare Nacht
unter gastfreiem Dach, Blättervolk
im nie tiefer eingeatmeten November
mit Lungen voll anderer Welt.
nicht mit dem schmelzflüssigen Bleiklumpen, mit der Hoffnung
auf ein unbesorgt kaltes Schauen
                                niemandes
rätselgleich
eingeflößt, ist die Ver-
zweiflung? Leben. weissagungslos
in der Weltnacht.

in der Simil-Lage der Sterne, nachtwärts,
übergossen vom galvanischen Schauer des Geglitzers
reiner Durchgängigkeit im Kuß, dem unendlichen,
in dem das Unaussprechliche dauert,
                                                          die Sprache,
mit wie viel Himmel-Erdenfahrt gesammelt in der Mundberührung
Lebender, Toter? für immer mein, und nicht für immer,
im Atem, doch was abfällt, zerstiebt blätterlos raschelnd
zu Schweigen.          
             ausgelaugte Bedeutungen
an Gedankenenden, Tränen, mit geperltem Gewicht
das zudrückt, funkelnd, doch in den Augen
die Richtung, in die sich der Tag neigt. das Lichtmaß,
höher als das Meer, im Hochblüten-Schaum
der herzbeschallten Weiten zeitein, zeitaus.

die Erde lastet, die Klage rankt sich
empor mit dem Blätterwerk, dem abgeblühten, im Windraster,
schattenverzinkter Haßfriedschlaf
und in der Kehle die verhaltene Mitternacht
aus Erdreich.

doch der Raum, durchscheinend, blauverglast,
Fingerabdrücke von Heimweh, wahrt noch
die im Drüben beerdigte, in die Luft geschriebene
Begräbnisfurche der Verschwundenen.

im Dunkel mit Blicken getragener Flimmer,
schwarz ergossen in Schädel. der bis Mark gedrechselte
Schuß zwischen nein und ja. die Bienensaite
des Ausgleichs, mit gellendem Ton gespannt
ins Blut.
         doch der Schrei,
verbissen mit Sintern
weißer Abwesenheit in die Wirklichkeit, die ihn einmauert,
lebendblühend über dem Hals, dem durchgeschnittenen,
stengellos in der Verheißung des Höhepunkts,
des umflatterten.

die Nacht im Hornwald eine blankgepickte Totenbraut
in Schwarz, wacht noch, grabtreu,
                                 mit den Sternen
über ihnen.
ins Mit-
fühlen gekellerte Kerzen, die zu Grabe tragen,
lidlos pulsend mit den Blicken, nullhell
vom Verfließen von Sekunde um Sekunde, tropfenweise.
wieviel Wachs über den Namen, mit allem Seinsgewicht
gelegt ins Schnee-Nichtsnichts,
und den mit noch mehr Tränen getünchten
Schlafkarner, Ehren-
gruben.

Aus dem Slowenischen übertragen von Fabjan Hafner.



Božji nagon

словенский | Maja Vidmar

Lepo je ob vznožju,
ko se bogovi
sklanjajo.

Bleščeče nedogledljivi
v prah
si pišejo odsev.
V golo telo
ob nogah ležeče.

Nedoumljivi božji
gon jih sili
dol. Ob vznožju
nas ne bodo zapustili.

© Maja Vidmar
from: Ob vznožju
Ljubljana: Nova revija, 1998
Audio production: Študentska založba

Der Göttliche Trieb

немецкий

Schön ist es zu ihren Füßen,
wenn die Götter sich
herabneigen.

Im Gleißen unsichtbar
schreiben sie ihren Abglanz
in den Staub.
In den nackten Leib
zu ihren Füßen.

Herab zwingt sie
ein unfaßbarer göttlicher
Trieb. Zu ihren Füßen
lassen sie uns nicht im Stich.

aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner
in: Maja Vidmar: Leibhaftige Gedichte. Literaturverlag Droschl: Graz, Wien 1999.
ISBN: 3-85420-511-2
http://www.droschl.com" >www.droschl.com

Bosanska elegija

словенский | Aleš Debeljak

Poj, mladi pesnik, dotakni se mi vnete kože, ožgane od dolgih
begov čez obzorja, skoz gričevnata brezpotja, ne odnehaj zdaj,
ko vročična zrkla topničarjev strmijo v razpoke na štukaturi
muzejev in palač, ki nemo ždijo. Kakor izrabljene svetinje.

Naštej preprosto, kar je še ostalo: jate lastovic, ki ščebetajo pod
bivšimi zvoniki in oboki, večna modrost francoskega romana,
ki beremo ga v zakloniščih, srebrnikast puh na ušesnih mečicah
dojenčkov, ki naglo že odpada, zamolkli grom z ravnic Panonije.

Duh smodnika draži pljuča ljudi. Mi nismo stopili čez črto v
pesku. Spregovori zdaj: gladina tolmuna valovi. Ne vem, če bo
blagoslovljena. V mulju žarijo prstani. Radostijo se neznane

stvari. Verjemi, res: pripravljena sem. Zadnjič mi zapoj
še o ljubezni mili do neviht, o skrivnosti ženskih senc in
marmornih stopnišč, poj, kakor si pel, ko še nisi osivel.

© A.D. und Mladinska knjiga
from: Mesto in otrok
Ljubljana: Mladinska knjiga, 1996
Audio production: 2003, Študentska založba

Bosnische Elegie

немецкий

Sing, junger Dichter, rühr an meine entzündete Haut, versengt von den langen
Fluchten über Horizonte, durch hügelige Weglosigkeiten; hör jetzt nicht auf, da
die fiebrigen Augäpfel der Kanoniere auf die Risse in den Stuckaturen der Museen
und Palais starren, die stumm vor sich hinbrüten. Wie verbrauchte Heiligtümer.

Zähl einfach auf, was noch übrig ist: Die Schwalbenschwärme, die unter den Kirchtürmen
und Gewölben von einst zwitschern; die ewige Weisheit des französischen Romans,
den wir in den Luftschutzbunkern lesen; der silbrige Flaum an den Ohrläppchen
der Babys, der sich sehr bald löst; das dumpfe Donnern aus den Tiefebenen Pannoniens.

Der Pulvergeruch reizt die Lungen der Leute. Wir haben die Linie im Sand nicht
überschritten. Sprich jetzt: Die Oberfläche des Wasserlochs schlägt Wellen. Ob es je
geweiht wird, weiß ich nicht. Im Schlick glühen Ringe. Unbekannte Dinge freuen sich.

Glaub mir, wirklich: Ich bin bereit. Sing mir zum letzten Mal von der zärtlichen
Liebe zu den Gewittern, vom Geheimnis weiblicher Schatten in den marmornen
Treppenhäusern; sing, wie du gesungen hast, als du noch nicht ergraut warst.

aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

Bogovi

словенский | Maja Vidmar

Božji sli
so prihajali
k nimfam.
Krive vejice in
liste čudnih oblik
so spuščali
v vodo.
Brale so iz
dneva v dan
bolj vznemirjene
in čakajoče.
Voda je valovila
svetleje in gozd
se je premikal
še dolgo v noč.
A znamenja
so potihnila
in začudene so se
ozrle.
V bleščavi
vodnega grmovja
so odhajali.
Vse so čutile,
a le za nazaj.

© Maja Vidmar
from: Ob vznožju
Ljubljana: Nova revija, 1998
Audio production: Študentska založba

Die Götter

немецкий

Die Nymphen
erhielten den Besuch
von Götterboten.
Sie ließen
krumme Zweige und
seltsam geformte Blätter
ins Wasser.
Sie lasen, von
Tag zu Tag
unruhiger
wartend.
Das Wasser wogte
heller, und der Wald
bewegte sich noch
spät in der Nacht.
Doch die Zeichen
verstummten,
und sie schauten
verwundert.
Im Glast
des Wassergebüschs
wurden sie verlassen.
Sie spürten alles,
doch erst im nachhinein.

aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner
in: Maja Vidmar: Leibhaftige Gedichte. Literaturverlag Droschl: Graz, Wien 1999.
ISBN: 3-85420-511-2
http://www.droschl.com" >www.droschl.com

Bog

словенский | Maja Vidmar

Vedno s sabo, sebe živeč,
razvajenec sebe, Gospoda,
se črkuješ med voskano perje,
zaljubljenec lastnega koda.

Vedno v razkošju svoje
prisotnosti, si raca, si ikar,
si brezperutna prigoda
in sam svoje premirje.

Toda, ko se polagam pod
težo božjega svoda,
ko zdržim v resonanci
tvojih premikov – ko drhtim,

sam Bog, si odvisen
od mojega prevoda.

© Maja Vidmar
from: Ob vznožju
Ljubljana: Nova revija, 1998
Audio production: Študentska založba

Gott

немецкий

Immer mit dir, dich selbst lebend,
Liebkind deiner selbst, des Herrn,
buchstabierst du dich ins Wachsgefieder,
als Liebender deines eigenen Codes.

Immer im Überfluß der eigenen
Gegenwart, bist du Ente, bist du Ikarus,
bist du ein schwingenloser Zwischenfall
und deine eigene Feuerpause.

Doch, wenn ich mich unter
das Gewicht des göttlichen Zeltes lege,
wenn ich in der Resonanz
deiner Bewegungen bestehe - wenn ich bebe,

brauchst Gott, selbst du,
meine Übersetzung.

aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner
in: Maja Vidmar: Leibhaftige Gedichte. Literaturverlag Droschl: Graz, Wien 1999.
ISBN: 3-85420-511-2
http://www.droschl.com" >www.droschl.com

BESEDE V DEŽ

словенский | Dane Zajc

Dež, obvaruj me pred mano.
Naj ne pridem k meni opotekav
in s cunjasto kožo.
Ne s kletvinami pod opuhnjenim
jezikom. Ne z lažmi
in ne z medenimi sladkostmi.
Ne s potoglavimi smehljaji.
Ne z obljubami. Ne z upanji
lažnimi. Dež, ne.

Ne pusti me več k meni.
Ne razhojenega. Ne razgrabljenega.
Ne, ki grabi, dež.

Si razmislek. Me vklepaš
v tihoto kapelj. Kapelj.
Z vodo zalivaš poti.
Prehode delaš neprehodne.
Zgrabi ga, o katerem govoriva,
drži ga pod vodo, ne spusti ga.
Trešči njegovo dušo ob katedralo Škednjovca.
Naj umre. Naj mu voda zalije oči.
Hudournik odplakne besede.
Naj ga ptiči in miši raznesejo.
Za radaljo življenja stran od mene.
Mejnik med nama smrt.

Dež, obdrži me v vodi.
Pokrij me s klobukom vode.
A ne daj mi govoriti.

Zakleni me pred mano, dež.

© Dane Zajc
from: Dol dol
Ljubljana : Nova revija, 1998
Audio production: Študentska založba

IN DEN REGEN GESPROCHEN

немецкий

Regen, beschütze mich vor mir.
Ich will nicht zu mir kommen, torkelnd
und mit abgetragener Haut.
Nicht mit Verwünschungen unter der geschwollenen
Zunge. Nicht mit Lügen
und nicht mit Honigsüßigkeiten.
Nicht mit einem dösigen Lächeln.
Nicht mit Versprechen. Nicht mit Hoffnungen,
verlogenen. Nein, Regen.
 
Laß mich nicht mehr zu mir.
Nicht verschlissen. Nicht zerrissen.
Nicht als Raffenden, Regen.
 
Du bist Bedacht. Du sperrst mich
in die Stille der Tropfen. Tropfen.
Du überflutest die Wege mit Wasser.
Machst die Passagen unpassierbar.
Pack ihn, von dem wir reden,
halte ihn unter Wasser, laß ihn nicht mehr gehen.
Schmettere seine Seele gegen die Kathedrale Škednjovec.
Er soll sterben. Das Wasser soll seine Augen überfluten.
Ein Wildbach seine Worte fortschwemmen.
Vögel und Mäuse sollen ihn in alle Winde vertragen.
Eine Lebenslänge weit weg von mir.
Der Grenzpfahl zwischen uns der Tod.
 
Regen, halte mich im Wasser.
Bedecke mich mit einem Wasserhut.
Aber laß mich nicht reden.
 
Regen, sperr mich weg von mir.

Dane Zajc, Hinter den Übergängen. Gedichte und Stimmen.
Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner. © Klett Cotta, Stuttgart 2003.
http://www.klett-cotta.de/programm/literatur" ">www.klett-cotta.de/programm/literatur

ASSKALLA

словенский | Dane Zajc

Tako škrlatni disk iz zvokov
Asskalla
Tako se kruši beli smeh iz jutra
Asskalla
Tako po steni skalnati jezik
Asskalla
Tako varljivi klobčič senc
Asskalla
Tako nevarna z vnetljivo kožo
Asskalla
Tako na koži plavi zubelj
Asskalla
Tako se giblješ tako živali si tako
Asska
Tako nosiš zamolčano tako zalizano
sska
Tako poševni pogled Evine živali
Asska
Tako žerjavico tako zabubljeno
lla
Tako iz rubina tako iz dna reči
Asskalla
Tako potonjeno tako do konca tako
Ass
Tako nas nosi namen taku v cvetju ognja
lla lla lla
Tako živali v senci kvadratov
Asska
Tako hodijo tako ležejo tako zvok Evine živali
sska sska sska
Tako žarek iz votlin telesa
lla lla lla Asskalla

© Dane Zajc
from: Rožengruntar
Maribor : Založba Obzorja, 1975
Audio production: Študentska založba

ASSKALLA

немецкий

So eine Scharlachscheibe aus Lauten
Asskalla
So bröckelt weißes Lachen aus Morgen
Asskalla
So über die Wand Felsenzungen
Asskalla
So das trügerische Schattenknäuel
Asskalla
So auf der Löwenmähne deine Hand
Asskalla
So gefährlich mit entflammbarer Haut
Asskalla
So auf der Hand die lichte Lohe
Asskalla
So regst du dich so Tier bist so
Asska
So trägst du verschwiegen so verschlossen
sska
So der schräge Blick von Evas Tier
Asska
So Glut so verpuppt
lla
So aus Rubin so von der Dinge Grund
Asskalla
So versunken so bis zum Ende so
Ass
So trägt uns der Zweck so in der Feuerblüte
lla lla lla
So die Tiere im Quaderschatten
Asska
So gehen sie so lagern sie so der Laut von Evas Tier
sska sska sska
So der Strahl aus den Körperhöhlen
lla lla lla Asskalla

Dane Zajc, Hinter den Übergängen. Gedichte und Stimmen.
Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner. © Klett Cotta, Stuttgart 2003.
http://www.klett-cotta.de/programm/literatur" ">www.klett-cotta.de/programm/literatur

Akordi III

словенский | Primož Čučnik

Ali boš zmeraj drsal sam.
Ali bo tvoje drsanje poplačano.

Drsalec, glasba rohni iz tišine
močnejša,
srce drži ravnotežje z drsalkami.

Ogromni liki mest te hočejo otožnega,
a ne smeš se ustaviti, da bi ujel odprto govorjenje.

In sam drsiš (kot bi nekdo drsal ob tebi),
v množici drsalcev (in vendar drsaš sam).

Kako se spreminjaš, veš, kaj je pod nebom,
kako spretne so tvoje drsalke!

Še prvi drsalec ti hoče pokazati,
kako je najhitreje drsati v vesoljnem drsališču!

Da nisi edini, so bolj tekmovalni od tebe,
a ni vsakdo v čudovitem brestju praznine.

Ali slediš nebesno smer, sledi ji, sledi,
tam je vedno kaj odločilnega.

Samo ne govori ljudem o svojem drsanju.
Ne bi verjeli, da ti nihče ne daje ravnotežja.

Ne ponavljaj v nedogled, kaj te osrečuje.
Nisi edini s skrhano drsalko.

Drsaj tako kot da drsaš v samoti.
Drsaj kot bi drsal sam.

© Primož Čučnik
from: Akordi
Ljubljana: Šerpa, 2009-11-13 14:16:32
Audio production: 2008 Literaturwerkstatt Berlin

Akkorde III

немецкий

Wirst du immer allein laufen.
Wird dir dein Laufen vergolten.

Eisläufer, die Musik heult aus der Stille
stärker
das Herz hält sein Gleichgewicht mit den Schlittschuhen.

Die riesigen Stadtfiguren wollen dich schwermütig,
doch du darfst nicht stehen bleiben, um ein offenes Reden zu erhaschen.

Und du läufst allein (als liefe jemand neben dir)
in der Masse der Läufer (und läufst doch allein).

Wie du dich änderst, weißt du, was unter dem Himmel ist,
wie geschickt deine Schlittschuhe sind!

Noch er erste Eisläufer will dir zeigen,
wie man am schnellsten läuft auf der kosmischen Eisbahn!

Damit du nicht der einzige bist, sind sie wettbewerbslustiger als du,
doch nicht jeder läuft im wunderbaren Ulmenwald der Leere.

Folgst du einer Himmelsrichtung, folge ihr, folg,
dort ist immer etwas Entscheidendes.

Erzähl nur den Leuten nichts von deinem Laufen,
Sie würden nicht glauben, dass dir dein Gleichgewicht niemand gibt.

Wiederhole nicht endlos, was dich beglückt.
Du bist nicht er einzige mit einer schartigen Kufe.

Lauf, als liefst du in der Einschicht.
Lauf, als liefst du allein.

Übersetzung von Fabjan Hafner

Akordi II

словенский | Primož Čučnik

O fant, kam drsaš, v jezi
na drsalkah ne poznaš smeri.

Je vesolje, kamor te nosi in se drsalke
več ne stikajo s tlemi pod tabo.

Ali plesalci tu na glavah plešejo
ali samo padajo
in so globoko v naglem padanju.

Drobne pike so planeti in drsalke
vsake toliko zdrsnejo z ukrivljene ploskve.

Je to ples o plesu, ali zemlja že
ves čas pleše in je tvoje drsanje le želja.

Če se premikaš s tako naglico, te sploh
še kdo ustavi, vidi sneti drsalke.  

Dober drsalec si, tvoje drsanje
je let okruškov kometa v kozmosu.

Si kdaj videl utrinke, zagledal
bliske, nenadne, zaslišal velike poke.

Je razneslo tvoj notranji, človeški glas ali
se je izustil molčečnež, ki se prej ni še nikoli.

Ah, treseš se (ko zadrsaš v praznino),
drsalke ječijo: Ne obžaluj ničesar.

© Primož Čučnik
from: Akordi
Ljubljana: Šerpa, 2004
Audio production: 2008 Literaturwerkstatt Berlin

Akkorde II

немецкий

O Junge, wohin läufst du, vor Wut
kennst du auf Schlittschuhen deine Richtung nicht.

Es ist das All, wohin es dich trägt, und die Schlittschuhe
berühren schon den Boden nicht mehr.

Tanzen die Tänzer hier auf dem Kopf
oder stürzen sie nur
und stecken tief in einem schnellen Stürzen.

Winzige Punkte sind die Planeten, und die Schlittschuhe
rutschen immer wieder von der gekrümmten Fläche.

Ist das ein Tanz über einen Tanz, oder tanzt die Erde
schon die ganze Zeit und ist dein Tanz nur ein Wunsch.

Wenn du dich mit einer derartigen Geschwindigkeit bewegst, hält
dich überhaupt jemand auf, sieht er dich deine Schlittschuhe ablegen.

Ein guter Eisläufer bist du, dein Eislaufen ist
der Flug von Kometensplittern im Kosmos.

Hast du je Sternschnuppen gesehen, Blitze
erblickt, unverhofft, lautes Knallen gehört.

Flog deine innere menschliche Stimme in die Luft
oder redete ein Schweiger, der bisher noch nie gesprochen hatte.

Ach, du zitterst (wenn du ins Nichts läufst),
die Schlittschuhe ächzen: Bedauere gar nichts.

Übersetzung von Fabjan Hafner

Akordi I

словенский | Primož Čučnik

Primi zavržene drsalke in zadrsaj se
čez poledenele pločnike.

Na nož nabrušene zareži v ploskev
in naj sta nogi z drsalkami eno.

Oddrsaj hitro, sam, kot da bi šlo za
tekmovanje, ne oziraj se na klice: »Kam drsi?«.

Dobro je tako drsati, brez omejitev
pod drsalkami ti je vse dovoljeno.

Edini drsalec tu spodaj si, ne vidiš niti
lis in senc ki jih mečejo drsalke.

Zdrsiš med mestne luči
imaš ravnotežje
ne prevrneš se na hrbet.

Drsalke puščajo ostro sled črt
na leskeči ploskvi pod njimi so rezi.

Vzemi torej zaprašen par in oddrsaj  
v drsečo snov, tam se boš počutil celega.

Drsaj sam in pod tabo se bo led
spremenil v živo tekočino.

Ne govori ljudem o svojem drsanju.
Drsaj, kot da ne bi drsal sam.

© Primož Čučnik
from: Akordi
Ljubljana: Šerpa, 2004
Audio production: 2008 Literaturwerkstatt Berlin

Akkorde I

немецкий

1.
Nimm die verworfenen Schlittschuhe und laufe
über die vereisten Bürgersteige.

Die messerscharfen Kufen kerbe in die Fläche,
und die Füße sollen mit den Eisschuhen eins sein.

Gleite eilig, allein, als wäre es ein Rennen,
beachte nicht die Rufe: „Wohin läuft er?“

Es ist gut, so zu laufen, ohne Einschränkungen
unter den Kufen ist dir alles erlaubt.

Der einzige Eisläufer hier herunten bist du, siehst nicht einmal
die Lichtflecken und Schatten, die die Schlittschuhe werfen.

Du läufst zu den Lichtern der Stadt
hältst das Gleichgewicht
fällst nicht hintüber.

Die Schlittschuhe hinterlassen eine scharfe Linienspur,
auf der glitzernden Fläche unter ihnen sind Schnitte.

Nimm also das verstaubte Paar, und lauf los
in den Gleitstoff, dort fühlst du dich ganz.

Lauf allein, und unter dir verwandelt das Eis sich
in eine lebendige Flüssigkeit.

Erzähl den Leuten nicht von deinem Eislaufen.
Lauf, als liefst du nicht allein.

Übersetzung von Fabjan Hafner

V tem primeru

словенский | Primož Čučnik

sem prepričan, da moraš povsem
zaupati domišljiji in stezicam,
ki jih na brezpotjih ubere jezik.
On bi lahko vedel – vsekakor
pametnejši od nas, mogoče edina opora.
Ko greš skozi puščavo, rabiš vodo
in rezervne dele za motor džipa.
Vzemi torej vse, kar je v tem slovarju
in tudi česar ni. Lahko ti pride prav.
Tudi pozneje, tudi ko te ne bo več –
prividi utrinkov nad sipinami
in zvezde bodo sijale.

© Primož Čučnik
from: Nova okna
Ljubljana: Lud Literatura, 2005
Audio production: 2008 Literaturwerkstatt Berlin

In diesem Fall

немецкий

bin ich überzeugt, dass man der Phantasie und
den Pfaden, die die Sprache in der Weglosigkeit
beschreitet, ganz und gar vertrauen muss.
Sie könnte es wissen – ist jedenfalls klüger
als wir, ist vielleicht die einzige Stütze.
Gehst du durch die Wüste, brauchst du
Wasser und Ersatzteile für den Jeepmotor.
Nimm also alles, was in diesem Wörterbuch steht
und auch das, was nicht drinsteht. Du könntest es
brauchen. Auch später, auch wenn du nicht mehr bist –
Trugbilder von Sternschnuppen über den Dünen,
und die Sterne werden scheinen.

Übersetzung von Fabjan Hafner