Remo Fasani

итальянский

Il fiume

Il fiume... la mia infanzia n'era tutta
vinta. Veniva di lontano e andava
lontano. E mi affacciavo al suo mistero,
a quel suo mondo che mi rivelava
la vita accesa istante per istante.

Una bolla, e la seguo con il fiato
sospeso, vedo che si frange a un gorgo,
o ristà, prigioniera, dietro un sasso,
o si allontana e perde. Poi mi volto,
ne cerco e seguo un'altra, ancora un'altra.

Il fiume era le stagioni, l'anno.
In crescita e turbato da principio,
poi ricolmo, sospeso a cielo e nuvole,
poi fondo limpido a se stesso, agli altri,
infine vetro, anche senza gelo.

Ma più era le piene, le alluvioni.
Un giorno o due di furia... Poi la calma,
il ritorno alla norma e lo stupore
di non trovarla. Il fiume ora appariva
un altro, aveva dislocato tutto.

E qualche cosa andava dislocandosi,
ora, in chi lo guardava. E non soltanto
per lo sfacelo: per la trama tenera
su certe sabbie prima inesistenti.
La grazia ch'era al fondo della furia.

© Remo Fasani
Из: Qui e ora
Lugano: Edizioni Pantarei, 1971
Аудиопроизводство: H.Strunk / M.Mechner, literaturWERKstatt berlin, 2003

Dem Fluss

Der Fluss ... meine Kindheit war ganz von ihm
Durchspült. Er kam von fern und ging
Ins Ferne. Ich öffnete mich dem Flussgeist,
Seiner Welt, die mir Augenblick für Augenblick
Das leuchtende Leben vorspiegelte.

Eine Wasserblase sehe ich angehaltenen
Atems, wie sie sich an einem Strudel bricht
Oder bleibt, gefangen hinter einem Stein,
Oder sich entfernt und verliert. Ich wende mich,
Suche, folge einer andern, noch einer andern.

Der Fluss war der Zeiten Wechsel, er war das Jahr.      
Wachsend und unruhig zu Beginn,
Dann erfüllt am Himmel schwebend zwischen Wolken,
Später durchsichtig sich selbst und andern,  
Schliesslich Glas, noch vor dem Eis.

Aber mehr war die Flut, die Überschwemung.
Ein oder zwei Tage Wüten ... Dann Ruhe,
Die Rückkehr zur Norm und das Staunen, keine
Norm zu finden. Der Fluss war ein anderer,
Alles hatte er von seinem Platz entrückt.

Irgend etwas entrückte sich in jenen,
Die ihn anblickten, nicht nur wegen der
Ortlosigkeit; ein zartes Gewebe vielmehr
Von Sandstellen, die vorher nicht waren.
Die Gnade war es auf dem Grund des Wütens.


Aus dem Italienischen übersetzt von Marcella Roddenrig


Der Fluß

Der Fluß… meine Kindheit war ganz davon
erfüllt. Er kam von weither und ging
in die Ferne. Und ich blickte in sein Geheimnis,
in diese ganz eigene Welt, die mir Stück für Stück
das glühende Leben offenbarte.

Eine Blase, und ich folge ihr mit angehaltenem
Atem, sehe, wie sie in einem Strudel zerbirst
oder sich zögernd hinter einem Stein verschanzt
oder davongleitet und sich verliert. Dann wende ich mich um
und suche eine andere, der ich folge, und noch eine andere.

Der Fluß war die Jahreszeiten, das Jahr.
Anfangs schwoll er und war wild,
dann voll, an den Himmel und die Wolken gehängt,
dann sich und den anderen klarer Grund,
und schließlich Glas, auch ohne Eis.

Doch mehr noch war er Hochwasser und Überschwemmung.
Ein oder zwei entfesselte Tage… dann Ruhe,
die Rückkehr zum Gewohnten und das Erstauen,
es nicht anzutreffen. Der Fluß war
ein anderer, er hatte alles verschoben.

Und etwas verschob sich auch jetzt,
in seinem Betrachter. Und nicht nur
der Zerstörung wegen: wegen der zarten Spuren
im Sand, den es vorher nicht gab.
Die Gnade auf dem Grund der Raserei.


Aus dem Italienischen übersetzt von Verena von Koskull