Amel Moussa

арабский

Raid Naim

немецкий

[Die Propheten draußen]

© Amel Moussa
Аудиопроизводство: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Die Propheten draußen

Wir kommen von weit her
Zu einer fernen Großmutter
Als Propheten formen wir
Die Erde zu einem geraden Weg
Unterarme umkreist von Armbändern
Gesichter streunen
In den Traumbildern der Geliebten

Die Schritte führen wir
Paarweise den Weg entlang
Einen Dritten hinterlassend
Der am Sand saugt

Wir betreten eine Hütte,
Die nicht für alle Propheten reicht
Aber für eine Großmutter
Wartend auf den Schlaf

Mein stiller Leib,
Lass Wasser in den Händen entspringen
Damit die Taille sich hebt
Schiebe den Schlaf eine Stunde auf
Und lass uns die Nacht zerfragen

Ich bin zu spät, Großmutter
Deine Hütte war weit
Und die Wege stimmten überein
In meinen Schritten
Die Zeit überholte mich zu dir
Mein Mörder fand Refugium
In deinem Gesicht

In der Frage sterbe ich
Zweimal, meine Göttin
Ich bin des Todes müde
Der Propheten Seelenruhe
Besänftigt mich nicht
Erdrückt dich der Hochmut
Oder habe ich die Frage nicht gelernt?


Welch rieselnde Kälte
Der Donner ahmt Götter nach
In meinen Gliedern
Er verspricht, das Wasser
Mit Baumwollbällen zu umarmen
Und droht
Mit dem Tod meiner Mutter
Schön bist du
Und schaurig
Nur im Schrecken
Bin ich dir ähnlich


Meine Herrin,
Angekommen begnügen wir uns
Mit unseren Augen
Und auf der Reise flehen wir
Um Wasser aus den Augen

Großmutter,
Befreie mich
Von meiner Bosheit
Befreie
Ein gesegnetes Selbst

Sprich, meine Göttin
Erzähl mir vom letzten Opferfest
Vom Schöpfungslied,
Das die Verwirrung vertrieb
„Agni“* gelobte,
Die Hütte niederzubrennen
Was soll ich sagen, Großmutter
Während die Propheten draußen warten?

*Gott des Feuers im Hinduismus. Er ist auch Mittler zwischen Mensch
und Göttern, da er diesen die Opfer bringt.

Übersetzung: Raid Naim