Leila Chammaa 
Translator

on Lyrikline: 70 poems translated

from: árabe to: alemão

Original

Translation

دفتر العابر - مانشستر / أمستردام

árabe | Yassin Adnan

قلتُ: سلامًا مانشستر
سأغادرُ فجرًا
كان السائق الإثيوبي الناحل دمثًا
ورفيقًا بي 
بأمتعتي
بمزاجي الهشِّ كبلَّوْرٍ مكسورْ
وبقُطْنِ صباحي
اقترحَ القرآنَ بترتيلٍ عذْبٍ لمصري مغمورْ
وظل يناديني طوال الطريقِ: أخي
Look Brother
You know Brother
 
عن كُسْكُسِ أهل المغربِ في مساجد أمستردام 
حدَّثَني
- عاش هناك سِنينَ أربعًا -
عن مطعم كازابلانكا في مانشستر
عن الكنائسِ المهجورة في هذي البلاد
- لو أن المسلمينَ اشترَوْها، أخي، وحوَّلُوها إلى مساجد؟ -
كان فخورًا بهجرة النبي الأولى إلى دِيارهِم
ذكرتُ اسمَ النَّجاشِيِّ
فانفرجَتْ أساريرُهُ
مرحى مرحى
سعيدًا حدَّثني عن بلاده
عن تاريخ الحبشة
عن عظمة الإسلام
كان يبدو مسحورًا كأنَّ الرسالةَ للتوِّ
نزلَتْ
وكأنهُ في طليعةِ الصَّحابة المبَشَّرين:
- هل صليتَ الفجرَ؟ يسألُ
ثم لا يترقَّبُ ردًّا: 
- صليتُ، أخي، في بهو الفندق وأنا أنتظرُ نزولَكَ
كان سعيدًا بي: أخًا من مراكش
ورَضِيًّا كان يسوق 
باتجاه المطار 
والصوت المصري العذبُ يرتِّلُ آيًا من سورة مريم1
 
ثم رحلتُ إلى جنة النار
كنتُ وحيدًا أعزل
مكتظًّا ببقاياي
خفيفًا
مسحوبًا من سأمي
محتارًا ما بين الوَرْدِ: ما يزعَمُهُ العطرُ
وما يفضَحُهُ، كيْدًا، صمَمُ الصُّبّار
 
قلتُ: دَع الصُّبّارَ يمضَغُ شوكَ العِطْرِ على مهَل
وأشرِعْ صدرَك للريح
لِريحٍ أخرى
وارحل
 
في محطة أمستردام
استقبَلَني بالحضْنِ غريبٌ بملامح أهل الجنوب. معي في نفس الرِّحلة كان. قادمًا من بروكسل. درَّسْتُهُ الإنجليزية في التسعينات. هناك بورزازات، قلتُ لهم لا تهتمُّوا للمُعدَّلِ. تعلَّمُوا اللغة لتُبحروا في لجَجِ الدنيا فرحِينَ. هو يذكرُ كلَّ وصايايَ ويريدُني الليلةَ ضيفًا: ردَّ جميلٍ، قال. 
 
في محطة أمستردام
كان رفيقي القديمُ في الانتظار. يَلفُّ كوفية حول عنقه حادَّ الملامِح كأنه للتوِّ عَادَ من موعدٍ مَعْ غيفارا. إلى بيته شرقِيَّ المدينة سيأخذُني. ثم إلى المقهى حيث الرفاقُ ينفُثونَ الشعاراتِ ودخانَ السجائر ويشرَبُون الكوفي فركيردkoffie Verkeerd ، شَرْحُها: القهوةُ الخاطئة. البلجيكيون يسمُّونَها الحليبَ الرُّوسِيَّ. 
كنتُ بعيدًا عن روسيا وسط بلاشِفَةِ الشرق في هذا المقهى الدفيء شرق أمستردام. 
أشرَبُ القهوة الخاطئة 
في المكانِ الخطأ
 
لا أمستردام هنا
فأدركني يا جاك بريل Jacques Brel 2
وأجِرْني يا ميناءَها الرحيم 
أيها الميناءُ الغارق بين نهدَيْ هولندية حسناء
أيها الميناءُ الرَّاسي على رصيفِ الأغنية
أخذتُ الباص 22 وعبرتُ يافاستراد 3Javastraat حيثُ العربُ والأتراكُ استرجعوا الأسماء السَّلِيبة. نزلتُ قربَ المحطة المركزية غير بعيدٍ عن الميناء 
قريبًا من قلبِ الغواية 
هناك يبهَرُك الضوء فتحمرُّ منك العينان. تسري الرعشةُ في روحك وفي بدنك. تظلُّ متشبثًا باتزانك. كلما صادفَتْ عيناك عربيًّا تاه عن شرق المدينة دارَيْتَ حرَجَك متقمِّصًا نظرةَ المسْتَطلِع الدَّهِشِ. كأنك لم تقصد. كأنما صُدْفةً. كأنكَ سائحٌ بريءٌ وحدَهُ الفضولُ الماكر قاده إلى حديقة الشبق 
هنا الهوى مُعلَّبٌ والعُلَبُ شفافةٌ من زجاج. هنا
بعيدًا عن شقة صديقي اليساري حيث الجرذان تقوم الليل
تمنعُ السُّرَى
ولو إلى الحمَّام
بعيدًا عن مقهى الرفاق حيث للشعاراتِ رائحةٌ نفَّاذةٌ وأكمامْ
هنا
في ميناء أمستردام4
لم يعد البحارة يغنُّون يا جاك بريل. أما الذين يرقصون ويَفْرُكُونَ بطونهم ببطون النساء فليست لهم هيئة البحارين. يتحدثون لغاتٍ أخرى غير لغة جيرانك الشماليين5. كأنهم يبحرون في لحْمِ العالم الصغير المعلَّب، فقط ليبقَوْا على قيدِ الأغنية
 
في الميناء
كنتِ تنشُرين، ظهرًا، سواقي البيرة فوق حبلِ الغسيل
عصرًا، تمشُطِين شعركِ الكثيفَ بالسلالم
بركْضِ الخُيول
وليلًا تُرتِّبين على الرُّفوف سُفنًا ضخمة 
تتسرَّبُ من شقوقها الصَّواري
ويُعربِدُ في براميلها النبيذ
أيتها الصبيَّة العجوز
أيتها البتول المتهتِّكة
يا أمستردام
 
ثم عُدْتَ إلى يقينكَ خاشعًا
قلتَ
يا ضِعْفي، أيها الندُّ الشقيُّ الذي 
يرحل عني حين أبقى
ويرعى غيْبَتي وصدى حروفِيَ إذْ أسافر،
ترفَّقْ بي وذكِّرني بأسمائي
دُسَّ ما أُلهِمْتَه من ذُلٍّ وتقوى في جِراب الفُجورِ
وسَافِرْ
لَمْلِمْ أفراسَ الغِبطة في روحك. أسْرِجها وأرسل في الشعاب 
صهيلكَ النَّاري
وقل ألا ليتَ الطريقَ سحابةٌ بيضاءْ.

© Yassin Adnan
Audio production: Haus für Poesie / 2017

Notizbuch eines Reisenden - Manchester / Amsterdam

alemão

Ich sagte: Lebe wohl, Manchester,
bei Sonnenaufgang reise ich ab.
Der schmächtige äthiopische Fahrer war herzlich,
ein Gefährte
mir
samt meinem Gepäck
und Gemüt, fragil wie ein angebrochener Kristall
und watteverhangen am Morgen.
Er verordnete den Koran,
melodisch rezitiert von einem unbekannten Ägypter,
und nannte mich unentwegt „Bruder“
Look Brother
You know Brother
Von marokkanischem Couscous in den Moscheen in Amsterdam
erzählte er
- dort hatte er vier Jahre gelebt -
vom Restaurant Casablanca in Manchester,
von verwaisten Kirchen in diesem Land
„stell dir vor, Bruder, die Muslime würden sie kaufen und in Moscheen umwandeln!“
Stolz war er, dass der Prophet zu allererst in sein Land ausgewandert war.
Ich erwähnte den Negus,
da erstrahlte sein Gesicht,
„bravo, bravo!“
Beseelt erzählte er von seinem Land,
von der Geschichte Abessiniens,
von der Herrlichkeit des Islam,
geradezu entrückt, als habe er soeben die frohe Botschaft
vom Himmel empfangen,
als gehöre er zur Vorhut der Glaubensboten.
„Hast du das Morgengebet eingehalten?“ fragte er,
ohne die Antwort abzuwarten,
„ich ja, in der Hotelhalle, als ich auf dich wartete, Bruder.“
Er genoss es mit mir - einem Bruder aus Marrakesch -
und fuhr fröhlich gestimmt
zum Flughafen,
während die sanfte ägyptische Stimme rezitierte
aus der Sure Maria.
Dann flog ich ins Paradies des Feuers
allein, losgelöst,
fragmentiert,
leicht,
gezogen vom eigenen Überdruss, 
hin und hergerissen zwischen den Blumen,
dem, was Parfüm vorgaukelt und offenbart,  
und dazwischen: Täuschung, taube Kakteen.
Ich sagte: lass es zu,
lass die Kakteen sich über die Dornen des Parfüms hermachen, sie langsam zermalmen,
stellte dich dem Wind
- einem anderen Wind -
und brich auf.

In Amsterdam am Bahnhof
wartete ein alter Freund auf mich. Eine Kufiya um den Hals geschlungen, blickte er ernst drein, als käme er gerade von einem Treffen mit Guevara. In seine Wohnung im Osten der Stadt würde er mich führen. Dann in ein Café, wo seine Kumpel zusammen mit Zigarettenrauch Parolen in die Luft blasen und Koffie verkeerd trinken. Falschen Kaffee also oder Russische Milch, wie sich das in Belgien nennt.
Fernab von Russland saß ich mitten unter den Bolschewisten des Orients in einem heimeligen Café im Osten Amsterdams
und trank falschen Kaffee
am falschen Ort.
Das ist nicht Amsterdam!
Steh mir bei, Jacques Brel!
Nimm mich auf, gütiger Hafen,
der du ruhst zwischen den Brüsten einer schönen Holländerin,
der du ruhst im Lied.
Ich nehme den Bus 22, fahre durch die Javastraat, in der die Araber und Türken die geraubten Namen wiedereingeführt haben. Ich steige aus - nahe des Hauptbahnhofs, unweit des Hafens,
fast im Herzen der Sünde.
Geblendet vom Licht, erröten dir dort die Augen vor Scham. Ein Schauder durchrieselt Körper und Seele. Du klammerst dich an dein Gleichgewicht. Kaum aber entdeckst du einen Araber, der sich aus dem Osten der Stadt hierher verirrt hat, überspielst du deine Verlegenheit, setzt einen erstaunten Forscherblick auf. So, als sei alles keine Absicht, sondern reiner Zufall. So, als seiest du ein argloser Tourist, der, von Neugier getrieben, in den Garten der Begierde geraten ist.
Hier ist Liebe eine Konserve. Eine Konserve aus transparentem Glas. Hier
fern der Wohnung meines linken Freundes,
wo nachts die Ratten herrschen
und dir jedes Umherwandeln verbieten
- ja sogar den Gang auf die Toilette -
hier fern dem Café der Kumpel,
wo Parolen einen durchdringenden Geruch haben und Ärmel
hier
am Hafen von Amsterdam
besingen die Matrosen nicht mehr Jacques Brel. Und die, die im Takt der Musik den Bauch an ihrer Tanzpartnerin reiben, sehen nicht aus wie Matrosen. Sie sprechen andere Sprachen als deine Nachbarn im Norden. Und nicht in See stechen sie, sondern ins konservierte Fleisch der kleinen Welt, nur um weiter mitzusingen.
Am Ende kehrst du ergeben zur Gewissheit zurück
sagst
ach Schwäche, gemeiner Rivale,
du wendest dich ab, wenn ich am Ort verweile,
bin ich aber fort, haftest du
an meinem Schatten und Nachhall.
Sei nachsichtig, erinnere mich an meine Namen,
leg die ersehnte Schmach und Glaubensstärke
zu den Lastern ins Bündel
und ziehe los,
die Pferde des Glücks in der Seele sattele,
entlasse in die Schlucht
dein feuriges Wiehern
und rufe: Ach, wär‘ der Weg doch eine weiße Wolke.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

فراغ بوسع وردة

árabe | Galal Alahmadi

صباح الخير يا ألله..
أدعوك إلى بيتي الصّغير,
ليس لديّ أخطاء أعترف بها /ليس إليك بالتّحديد/
لكنّني سأمنحك فرصة أن تبكي مع أحد,
ليس لديّ القدرة لأتظاهر بحبّك
وهذا ما يجعل منّا متساويين,
وليس لديّ قهوة
لكنّنا سنقعد على الشرفة ونحلم...
ربّما لديّ كلمات لا تودّ سماعها الآن
لكنّني يائس
وهذا ما يجعلني بشراً أكثر منكَ,
وربّما لديك أسباباً لا أودّ سماعها
وهذا ما يجعلك وحيداً
أكثر منّي.
تعال إلى بيتي الصّغير
سأعلّمك كيف تنصتُ إلى أغنية..
كيف تصنع من اللّيل شارباً مزيّفا
لتدخل الفرح على طفلكَ،
وكيف تنحني للحبّ
وتلوّث ركبتيك بالسّعادة.



تعال إلى بيتي ...
ثمّة فتاة أحبّها حزينة لأجلكَ,
سيكون من اللّطف
أن تقطف لها وردة في طريقك.
وجرو مطيع سيتظاهر بالاهتمام،
سنقعد خمستنا على الشرفة
الفتاة
والجرو
وأنا
والفراغ الذي يتسع الوردة
غيابكَ.. أيضاً
ونغنّي!!

© Galal Alahmadi
from: لبنان
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin / Haus für Poesie, 2016

Platz für eine Rose

alemão

Guten Morgen, lieber Gott,
ich lade dich ein zu mir, in mein kleines Zuhause.
Ich habe zwar keine Sünden zu beichten,
jedenfalls nicht dir,
schenke dir aber die Gelegenheit,
zu weinen mit einem Menschen.
Ich kann dir keine Liebe vorgaukeln
- so sind wir wenigstens gleichberechtigt -
und einen Kaffee habe ich auch nicht anzubieten,
aber ein geselliges Beisammensein auf dem Balkon
und ein gemeinsames Träumen.
Vielleicht sage ich Dinge, die du nicht hören willst,
denn ich bin verzweifelt
und deshalb menschlicher als du.
Vielleicht hast du deine Gründe, die ich nicht hören will,
und deshalb bist du einsamer
als ich.
Komm in mein kleines Zuhause.
Ich bringe dir bei,
wie man einem Lied lauscht,
aus der Nacht einen falschen Bart bastelt
und Kinder zum Lachen bringt.
Ich zeige dir,
wie du dich der Liebe entgegenbeugst
und die Knie ins Glück tauchst.
Komm zu mir nach Hause.
Da wohnt ein Mädchen, das ich liebe
und das sich sehr grämt um dich.
Sei so nett,
pflücke ihr unterwegs eine Rose.
Zuhause wohnt auch ein fügsamer Welpe,
er wird so tun, als interessiere er sich für dich.
Wir setzen uns auf den Balkon – wir fünf:
das Mädchen
der Welpe
ich
der Platz für die Rose
deine Abwesenheit – sie auch.
Und wir werden singen.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

غياب 6

árabe | Raed Wahesh

الحماماتُ البيضاءُ صارت بيضاء
بعدما تعافت من الوجد.

هي سوداء بالأصل
وكلما فقدتْ أحداً كان عليها الطيران وراءه
دون أن تعي أن للغياب قوةً
تضاعف من سرعة الغائبين
وتُسقط السواد من ريشها
شيئاً فشيئاً..

لتعود بيضاء بيضاء من غير سوء
تجلس فوق سطوح المنازل
ولا تبالي بأحد..

الحمامات المبرقعة
قريباً يموت آخر أحبابها
فيتغلب السواد وتتعافى..

© Raed Wahesh
Audio production: Haus für Poesie, 2016

Verschwinden 6

alemão

Die Tauben sind nun weiß,
genesen
von der Liebe.

Ursprünglich schwarz,
flogen sie beharrlich hinterher,
sooft ihnen jemand genommen wurde,
merkten nicht,
dass der Tod unbändig
jene hetzt auf dem Weg nach Drüben
und ihnen selbst
jedes Mal
etwas mehr Farbe vom Gefieder raubt.

Nun makellos weiß,
hocken sie auf den Dächern,
teilnahmslos, gleichgültig.

Und die gescheckten Tauben,
die verlieren bald auch die letzten,
die ihnen geblieben sind,
dann setzt sich das Weiß durch,
und sie genesen. 

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

غياب 5

árabe | Raed Wahesh

لا ترسل لي فيديو
ليست المدن شوارعَ وساحات..

لا أريد ألبوماتٍ
من قال إن الحياة كتالوجاً؟

إياك أن تتعب نفسك بتصويرها
بتقنية "360°"
صورها تبدو منعكسةً على ماء بئر عميق
ولا أريد لمدينتي السقوط في البئر.

ثمة ضبابٌ في ذاكرتي
يجعل شوارعها وحدائقها تختفي
ولا أدري إن كانت قد اختفت فيّ فقط
أم فيها هي الأخرى!

نسيت نصف الأشياء
كأن النسيان ثقب أوزون الرأس،
لم أعد أعرف هل المكتبة يمينَ الساحة أم يسارَها؟
وهل الجامعة بالقرب من نهرٍ كبير،
أم على ضفة بحيرةٍ؟

أعرني عيونك
ليومٍ
لساعةٍ
لدقيقةٍ..
لأجل ألا تختفي دمشق
من رأس أحد.


© Raed Wahesh
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin/Haus für Poesie, 2016

Verschwinden 5

alemão

Schick mir keine Videos.
Städte – das sind nicht bloß Straßen und Plätze.

Ich will auch keine Fotoalben.
Das Leben ist kein Katalog.

Lass es sein, spar dir die 360° Aufnahmen.
Darauf sieht die Stadt aus wie gespiegelt
in einem tiefen Brunnen.
Und ich will nicht, dass meine Stadt in den Brunnen fällt.

Dunst vernebelt mein Gedächtnis,
verschluckt Straßen und Gärten.
Ich weiß nicht...
Sind sie nur aus mir verschwunden?
Oder ganz und gar aus der Stadt?

Ich habe so vieles vergessen,
habe ein Ozonloch im Kopf.
Ich erinnere mich nicht mehr...
Liegt die Bibliothek rechts oder links am Platz?
Und die Uni? An einem Fluss?
Oder an einem See?

Leih mir deine Augen
für einen Tag,
eine Stunde,
eine Minute,
damit Damaskus nicht verschwindet
aus den Köpfen der Menschen.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

المدينة - The City

árabe | Ghayath Almadhoun

إذا كان الطريقُ إلى إيثاكا أجمل من إيثاكا، فإنَّ الطريقَ إلى دمشقَ ليس أجملَ من دمشق.


1
المدينةُ تشبهُ التجاعيدَ، ملتفةٌ على بعضها البعض كأجسادِ المنسيين في زنازين العالمِ الثالثِ، نافرةٌ كذاكرة مثقوبةٍ، واضحةٌ كملابس العيد، فضائحيةٌ كخيوطِ سجادةٍ فارسيةٍ، طالما سحرتني هذه المدينةُ بالتراكمِ، طبقةٌ تضاجعُ طبقةً تضاجعها أُخرى، تتوالدُ بلا حَبَلٍ، مدينةٌ تلبسُ البرقعَ في وجهها وتكشفُ عن ساقيها السمراوين، المدينةُ تقطعني حين أراودها عن نفسي جيئةً وذهاباً كل يومٍ، أقطعُها كما يقطعُ عرابو ثورةِ البروليتاريا رؤوسَ الطبقاتِ المخمليةِ بدايةً، ثم رؤوسَ الأصدقاءِ لاحقاً، أقطعُها بصبرِ جملٍ، بهمةِ كلاشنكوف، وشهوةِ جرادةٍ أمام حقلٍ في الصباحِ.

المدينةُ تشبهُ الذكرياتِ، مبهمةٌ، ولكنها تدغدغُ الحقيقةَ بحياءٍ، تُثْقِلُ نومنا بمزيدٍ من الشهوةِ، وصحونا بمزيدٍ من الأسئلةِ، ومثل جنازةِ الغرباءِ في المدنِ الغريبةِ، تثيرُ الشفقةَ دونَ أنْ تصافحَ يدَ الحزنِ، تئنُّ في الليلِ كأنها مصابةٌ بالترحالِ وتخدشُ جلدَ أحاديثنا بأظافرَ من حنينٍ مبهمٍ، ثم تندسُ إلى جانبنا في الفراشِ، كنَّا حين نصحو في منتصفِ الموتِ على صوتِ نشيجها، تغطي رأسَها بالوسادةِ، فتنكسرُ الأحلامُ.
المدينةُ تشبهُ السياحَ، بنزقهم، بكاميراتهم الديجتال وصنادلهم التي لا تعرفُ لغةَ الأرصفةِ في شمالهم الباردِ، بمرحهم المجمركِ ولفافاتِ حشيشهم التي ينكرونها وتنكرهم حين يعودون إلى بلادِ الثلجِ، تشبههم بلونهم البرونزي المزيفِ وقد شربتْ عظامهم الشمسَ وفيتامين "د" وكاميراتهم المدينة.
المدينةُ تشبه بائعي اليانصيب بوجوههم الميتة، وتقاريرهم لفروع المخابراتِ بعد غلاءِ الخبزِ، تشبههم وهم يزرعونَ الأحلامَ على الطرقاتِ، متوعدين العابرين بالملايين وأطفالهم يرضعون الماءَ ويربحون الجوع.
المدينةُ تشبهُ أبوابَها السبعةَ، مشرعةٌ بلا رقيبٍ كأسرَّةِ العاهراتِ، مغلقةٌ بلا بصيصٍ كقبورِ الموتى.
المدينةُ تشبهُ دمشق.




2
هنا تستلقي المدينةُ على ظهرها، الشمسُ تلدغُ جلدَها فتزدادُ شحوباً، والضجةُ تذهبُ إلى نهاياتها، من أولِ النهرِ إلى منتصفِ الروحِ، تشدُّ حبلَ مشيمتها الذي لم ينقطعْ، وترمي فقراءَها إلى الأطرافِ، فقراؤها الذين كلما حاولوا أنْ يحبوها سقطوا تحت عجلاتِ اتساعها، هذه الخدوشُ التي تسكنُ جلدها هي طرقاتُها المتشابكةُ بعنايةٍ لا إلهيةٍ، وتلكَ الغيمةُ السوداءُ التي تلفُّ جيدها إنما هي نتيجةُ تردُدِها المزمنِ أمامَ التوقفِ عن التدخينِ، يا إلهي، كيف لي أنْ أتسلقَ نهدَها المطلَّ على تجاعيدها، تستلقي عليه البيوتُ الرماديةُ من سفحهِ إلى الحلمةِ بهندسةِ التراكمِ منذ اكتشافِ اللذةِ صدفةً بين رجلٍ وامرأةٍ وحتى الحضارة، لا أصدقُ كيف يمكن لنهدٍ أن يُسمى جبلاً دون مجازٍ، ودربٌ شقَّها الذين مروا دون أن يُحبوا أعداءَهم، لا تزالُ كشاهدةِ القبرِ تبثُ التاريخَ، هنا تستلقي المدينةُ طازجةً وكأنها لم تسبقِ الأبجديةَ بعدةِ كوارثَ، تحيطها أسوارٌ لا تشبهُ الحصارَ، وتكادُ إنْ أنصتَّ قليلاً تسمعُ رجعَ صدىً خافتٍ لمنتصبي القامةِ الذين شربوا ماءَها وبعضهم تسللَ بحكمِ الوراثةِ إلى دمكَ المصابِ بالأغاني، إنها المقبرةُ الأولى التي احتفل الناسُ بها كدليلٍ على الذكرياتِ، أمرُّ بها غريباً عني فتمرُّ بي غريبةً عن ملامحي، أُبصرها في وجوهِ غرباءَ انتموا إليها فنتماهى في حضرةِ التوهمِ، هي القديمةُ مثل مستحاثةٍ وأنا الجديدُ مثل نهايةِ التاريخِ، أمسكُ ثوبها كطفلٍ وتمسكُ قلبي كامرأةٍ فنرتكبُ القصيدةَ، أنا الحالمُ يصطادُ الشعرَ وهي الواقعيةُ تنجبُ الأطفالَ ولا تربيهم، أنا الفاني وهي الأزليةُ الباقيةُ، أنا القدريُّ المشبعُ بالغيبياتِ وهي الواقعيةُ الملحدةُ، لا عزاءَ لي ولا ضيرَ عليها سوى أننا صُدفةً عاشقان.




3
نازلاً في الطريقِ إلى خصرها، أتقاطعُ مع الشكِّ، هو سائرٌ نحو كمالِ اليقينِ وأنا أكادُ ألامس الظنَّ من حافتهِ الملساء، أكسرُ حصالةَ الوقتِ وأخرجُ منها ثلاثةَ أيامٍ وبضعَ ساعاتٍ هي لحظاتُ الفرحِ التي جمعتها خلالَ حياتي التي لا تزال على قيدِ الحياةِ، ثقلُ بندقيةِ الكلاشنكوف التي أورثني إياها شيوعيٌ مرَ صدفةً بجانبِ جرحي لا يزالُ يثقلُ كتفي الأيمن، ولذا أصبحَ كتفي الأيسرُ أعلى وأكثرَ شموخاً، وازدادَ وَحْلُ أيامي رخاوةً وإيذاناً بالغوصِ البطيءِ، أما شجرةُ البرتقالِ التي يتكررُ ظهورُهَا في حلمي بطعمها الذي يشبهُ طعمَ غزةَ مع ميلانٍ خفيفٍ نحو حموضةٍ تشبهُ هواءَ دمشق، فتفسيرها عصيٌ على الويكيبيديا، وليس عصياً على ابن العربي، في آخرِ الدربِ المفضي إلى "الزقاقِ المستقيمِ" أرافقُ حنانيا إلى بيت يهوذا، نتمشى مبهورين بالتفاصيلِ التي تتساقطُ من السماءِ بسبب أخطاءَ فنيةٍ في هندسةِ الربِّ، نلتقي الشهداءَ الذين ينتظرونَ في الردهةِ من يجيبُهم عن أسئلتهم الوجودية عن معنى حشرهم وأعدائهم في قاعةٍ واحدةٍ تحت شعار كلنا شهداءُ، هذه المدينةُ تأكلُ لحمَ أخيها وتتجشأُ ازدحاماً، هذه المدينةُ مسورةٌ بالحكايا ودعاءِ المنكوبين بالورعِ، هذه المدينةُ لم تقطعْ حبلَ مشيمةٍ يصلُها بالموتِ، إنها تشحذُ سكينها كلَّ ليلةٍ على أملِ المجزرةِ القادمةِ، ليت لي دفءَ محركِ سيارةٍ في شتائكِ الحزين أو برودةَ قبرٍ في صيفكِ المرِّ أيتها الصحراءُ الاسمنتيةُ، أيتها المدينةُ التي تشربُ الشايَ على أنغامِ المعركةِ، وترقصُ رقصةَ الهزيمةِ على جثثِ أبنائها الضالين، آمين.




4
ليسَ في جعبتي متسعٌ من الضوءِ لأوزعَهُ على عميانِ "مترلينك"، الأسوارُ تحيطُ المعنى داخلَ روحي كما تحيطُ المدينةُ ذكرياتي، آه يا روحي المؤمنةُ، آه يا جسدي الملحدُ، سأعترفُ الآن بخطيئتي الأصليةِ، إنَّ جميعَ قصائدي التي غرزتُها في لحمِ أيامكم كسكينٍ صدئةٍ، ليست قصائدي، لقد سرقتها من المنسيين وفاقدي الذاكرةِ، وجمعتُها من أسرةِ المشافي البيضاءِ وأنين المعذبين، إنها ذاكرةُ النساءِ المسفوكةُ أمام ذكورةِ الله، غرغراتُ الذين ماتوا برداً في منتصفِ الأغنيةِ، إنها الحلمُ حين يكونُ مجرداً من الحالمين، نعم، إنها ليست قصائدي، إنها ذكرياتٌ متحجرةٌ لأناسٍ عاشوا قبل زمنٍ سحيقٍ، لا نعرفُ أسماءَهم ولكننا نحملهم في ملامحنا الباهتة، أمنياتٌ لم تتحققْ، وضحكاتٌ مستعملةٌ، إنها ليست قصائدي، إنها أنفاسُ الغرقى والمشنوقين، والأرواحُ التي سالتْ من ثقوبٍ صغيرةٍ أحدثتها البنادق…

إنها ليست قصائدي…
لـ ـيـ ـسـ ـت قـ ـصـ ـا ئـ ـد ي.




5
لستُ أنا فقط،

جميعنا غرباءُ،
وإلا كيف تفسرون المدينة؟




6
الشاعرُ الذي التقيتهُ ذاتَ خمارةٍ في دمشق،…


أكلهُ الذئب.




7
من أولِ الجسدِ إلى تخومِ الشهوةِ، يسَّاقطُ الليلُ جرحاً جرحاً، فأحتمي بالضوءِ، النساءُ المتخفياتُ بجلابيبهنَّ يذكرنني بذكورةِ العالمِ، فأتعكزُ على أنوثةٍ كي أنجو، والتعبُ الذي يسيلُ خلفَ المارةِ يشدُني إلى القاعِ، هذه المدينةُ لا تشبهُ الفرحَ، لكنَّ فيها غموضاً يصيبُنا بسعادةٍ عابرةٍ، لا تشبهُ الموتَ لكنها محكومةٌ بالنهاياتِ، هي الظلمُ الموزعُ بعدالةٍ فاضحةٍ، حلمُ المرأةِ بالانعتاقِ، تنهيدةُ الله، ورأسُ يوحنا الذي يركضُ في ليالينا باكياً، هي التحالفُ بين القصيدةِ والجلادِ، بين رائحةِ الأسوارِ طازجةً ونكهةِ الأزقة التي تفضي إلى البدايةِ، إنها الشامُ، عرسُ الدمِ الذي لا ينتهي، رقصةُ سالومي التي تمطرُ أياماً على أيامنا، النهايةُ التي تبدأ الآن، صلاةُ أمي المبللةُ بالأساطيرِ، المآذنُ التي تلامسُ أصابعَ الله، لصوتها طعمٌ يشبهُ لون الشعرِ، ولجسدها تضاريس الخطيئةِ، إنها الشامُ التي انجبتني وسقطتْ برصاصةِ قناصٍ، فولدنا معاً، أشدُها نحوي فتنكسرُ الأغنيةُ، تشدُني نحوها فتؤلمني القصيدةُ، {يا أيها الذين آمنوا لا تقربوا الشامَ إلا وأنتم سُكارى فإنها مجبولةٌ بالنعاسِ}، لها الأغاني المقتولةُ وتفاصيلُ النبوةِ ورائحةُ الوحيِ، ولنا التصوفُ تحت سُرَتها عراةً، نحن أبناؤها العاقون الذين ضاعوا في الشمالِ، وهي أمُّنا التي لم ترضعْنا سوى الخوفِ، فورثنا سورةَ الشعراءِ، إنها الشامُ، تفاحةُ الضوءِ وسفرُ الحزنِ ورسائلُ ابن العربي التي لم تصلْ بعدُ.

© Ghayat Almadhoun
Audio production: Ghayat Almadhoun, 2014

Die Stadt

alemão

Auch wenn der Weg nach Ithaka schöner ist als Ithaka selbst, so ist der Weg nach Damaskus nicht schöner als Damaskus.

[...]


7
Von den Körperspitzen bis zum äußersten Verlangen hinterlässt die Nacht Wunde um Wunde. Ich flüchte mich ins Licht. Frauen, in Dschalabîjjas gehüllt, zeugen von einer männlichen Welt. Ich suche rettenden Halt im Weiblichen. Die Mühsal, die den Menschen auf der Straße nachjagt, zieht mich ins Bodenlose hinab. Dieser Stadt haftet keine Freude an, dafür aber ein Mysterium, das uns flüchtige Freude beschert. Diese Stadt gleicht nicht dem Tod, wird aber vom Ende beherrscht. Das ist sie. Empörend gerecht verteilte Ungerechtigkeit; von Frauen erträumte Befreiung; Gottes Seufzer; der Kopf des Johannes, der weinend durch unsere Nächte irrt. Sie ist der Pakt zwischen Gedicht und Henker, zwischen dem Geruch frischer Mauern und dem Duft von Gassen, die zum Anfang führen. Damaskus. Nicht endende Bluthochzeit; Salomes Tanz, der Tage auf unsere Tage regnen lässt; anbrechendes Ende; das Mythen benetzte Gebet meiner Mutter; Gottes Finger berührende Minarette. Ihre Stimme erinnert an die Farbe der Poesie. Ihr Körper ist von Sünde gezeichnet. Damaskus. Die Stadt, die mich hervorgebracht hat. Die Stadt, die einem Heckenschützen zum Opfer fiel. Zusammen wurden wir geboren. Ich ziehe sie an mich, und das Lied zerbirst. Sie zieht mich an sich, und mich schmerzt das Gedicht. „Ihr, die ihr glaubt, betretet Damaskus nur in trunkenem Zustand, denn diese Stadt neigt zu Trägheit.“ Getötete Lieder, Prophetie in allen Facetten, der Hauch von Offenbarung, das ist das Ihre. Das Unsere liegt im Meditieren, nackt, unterhalb ihres Nabels. Wir sind die undankbaren Söhne, die sich im Norden verloren. Sie ist die Mutter, die ihre Kinder mit Angst stillte. So erbten wir die Sure der Poeten. Damaskus. Der Apfel des Lichts; das Buch der Trauer; die Briefe des Ibn al-Arabi, die noch nicht angekommen sind.

Aus dem Arabischen übersetzt von Leila Chammaa

فكرة البيوت

árabe | Iman Mersal

بعتُ أقراطي في محلّ الذهب لأشتري خاتم ا من سوق الفضة. استبدلته بحبر قديم وكرّاس أسود. حدث ذلك قبل
أن أنسى الصفحات على مقعد قطار كان من المفروض أن يوصلني الى البيت. وكان كلما وصلتُ إلى مدينة بدا
لي أن بيتي في مدينة أخرى .
تقول أولغا من دون أن أحكي لها ما سبق: "البيت لا يصبح بيت ا إلا لحظة بيعه، تكتشف احتمالات حديقته وغرفه
الواسعة في عيون السمسار، تحتفظ بكوابيسك تحت السقف نفسه لنفسك، وسيكون عليك أن تخرج بها في حقيبة
أو اثنتين على أحسن الفروض". أولغا تصمت فجأة ثم تبتسم، مثل ملكة تتباسط مع رعاياها، بين ماكينة القهوة
في مطبخها وشبّاك يطل على زهور . زوج أولغا لم ي ر مشهد الملكة، وربما لهذا لا يزال يظن أن البيت هو الصديق الوفي عندما يصبح أعمى، أركانه
تحفظ خطواته وسُلماته ستحميه برحمتها من السقوط في العتمة . أبحث عن مفتاح يضيع دائم ا في قعر الحقيبة، حيث لا تراني أولغا ولا زوجها، حيث أتدرّب في الحقيقة حتى
أتخلى عن فكرة البيوت . كل مرة تعود إليه وتراب العالم على أطراف أصابعك، تحشر ما استطعت حمله في خزائنه. مع ذلك ترفض أن
تعرّف البيت بأنه مستقبل الكراكيب، حيث أشياء ميتة كانت قد بدت في لحظة ما تفاوض ا مع الأمل. ليكن البيت
هو المكان الذي لا تلاحظ البتة إضاءته السيئة، جدار تتسع شروخه حتى تظنها يوم ا بديلا للأبواب .
* * *

© Iman Mersal
from: Hatta atakhalla `an fikrat al-buyut
(Bis ich die Idee von Heimat aufgebe)
Dar Sharqiyat / Dar al-Tanwir, 2013
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

Eine Vorstellung von Zuhause

alemão

Ich habe meine Ohrringe in einem Goldgeschäft verkauft und mir dafür einen Ring auf dem Silbermarkt geholt. Den tauschte ich gegen alte Tinte und ein schwarzes Notizbuch ein. Das war, bevor ich meine Blätter im Zug liegen ließ, der mich heimbringen sollte. Doch immer wenn ich in eine Stadt kam, hatte ich die Vorstellung, in einer anderen zu Hause zu sein.

Olga sagt, ohne dass ich ihr von all dem etwas verraten hätte: „Ein Haus wird erst in dem Moment zu deinem Zuhause, wenn du es verkaufst. Welche Möglichkeiten der Garten und die großen Räume bieten, erkennst du im Auge des Maklers. Die Alpträume, die du unter diesem Dach erlebst, behältst du für dich. Und wenn du wegziehst, nimmst du sie, bestenfalls in ein, zwei Koffer gepackt, mit“. Olga verstummt plötzlich und lächelt - wie eine Königin, die sich zu ihren Untertanen herablässt, zwischen Kaffeemaschine in der Küche und einem Fenster mit Blick auf ein Blumenmeer.

Olgas Mann hat diesen königlichen Auftritt nicht gesehen. Vielleicht glaubt er deshalb immer noch, dass das Haus ihm auf ewig ein treuer Freund sein wird, selbst wenn er eines Tages erblindet, dass jeder Winkel seine Schritte kennt und die Treppe ihn bewahrt vor einem Sturz im Dunkeln.

Ich krame nach dem Schlüssel, der sich immer auf dem Grund meiner Tasche verirrt. Ich suche dort, wo mich Olga und ihr Mann nicht sehen, dort, wo ich üben kann, die Vorstellung von Zuhause aufzugeben.
Immer wenn du zurückkehrst, den Staub der Welt an den Zehen, verstaust du alles, was du mitgebracht hast, in Schränken. Trotzdem weigerst du dich, das Haus als Zukunft von Krempel und Plunder anzuerkennen, wo tote Gegenstände, Verhandlungen mit der Hoffnung aufgenommen zu haben scheinen. So sei das Haus also der Ort, an dem du vieles nicht bemerkst. Nicht, wie schlecht die Beleuchtung ist, und auch nicht, dass die Risse in der Wand immer größer werden, bis du sie eines Tages für Türen hältst.
***

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

الش رّ

árabe | Iman Mersal

كنت أظن أن هناك شراً كثيراً في العالم
فرغم أنني أكثر أصدقائي حناناً، لم أر وردة على مائدة
إلا وطحنت طرفها بين الإبهام والسبابة
لأتأكد أنها ليست من البلاستيك.
ومؤخراً بدأت أشك في وجود الشر أصلاً
ويهيئ لي
أن الأذى كله يكون قد حدث بالفعل
في اللحظة التي نتأكد فيها
أن الكائنات التي أدميناها كانت حقيقية.

© Iman Mersal
from: Hatta atakhalla `an fikrat al-buyut
(Bis ich die Idee von Heimat aufgebe)
Dar Sharqiyat / Dar al-Tanwir, 2013
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

Das Böse

alemão

Früher glaubte ich, dass es viel Böses gibt auf der Welt.
Obwohl ich unter meinen Freunden die Feinfühligste bin,
habe ich jeder Blume vor mir auf dem Tisch mit Daumen und Zeigefinger die Blütenblätter zerquetscht,
um mich zu vergewissern, dass sie nicht aus Plastik ist.

Seit Neuestem zweifle ich, ob es das Böse überhaupt gibt.
Alles Übel scheint bereits geschehen,
wenn einem bewusst wird,
dass die, die wir geschunden haben,
Lebewesen waren.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

[Fragments]

árabe | Iman Mersal

لماذا جاءت إلى البلاد الجديدة؟ هذه المومياء؛ موضوع الفُرجة
ترقد بزينتها في كتّانٍ رماديّ : حياةٌ متخيلةٌ في فترينة متحف.
أظن أن التحنيط مسألةٌ ضد الخلود
لأن الجسد لن يكون أبدأً جزءاً من وردة.
المومياء لم تختر هجرتها بينما هؤلاء الذين انتظروا طويلاً في طوابير السفا ا رت، وبنوا بيوتاً في بلادٍ أخرى،
يحلمون بالعودة عندما يصبحون جثث ا
يجب أن تحملونا إلى هناك
هكذا يتركون الوصايا في أعناق أولادهم
كأن الموت هويةٌ ناقصة لا تكتمل إلا في مقبرة الأُسرة.


**


هنا أيضاً أشجارٌ خض ا رء تقف تحت ضغط الثلج، وأنهارٌ لا يتعانق بجانبها عشاقٌ خلسة، بل يجري بموا ا زتها
رياضيون مع كلابهم في صباح الأحد، دون أن ينتبهوا للمياه التي تجمدت من الوحدة.
ومهاجرون لم يتدربوا على محبة الطبيعة ولكنّهم يصدّقون أن نسبةَ التلوث أقل، وأن بإمكانهم إطالة أعمارهم
بمضغ الأوكسجين قبل النوم عبر كبسولاتٍ هوائية.


**


لماذا لم ينسوا أنهم من هناك؟
الغرباءُ الفَشَلة يدرّبون عضلات أفواههم على التخلّص من اللكنة،
اللكنة هي المرض الو ا رثي الشفّاف الذي يفضحهم،
يقفز عندما يغضبون فينسون كيف يضعون أح ا زنهم في لغةٍ أجنبيةٍ
اللكنةُ لا تموت، ولكن الغرباءَ حفارو قبورٍ بجدارة
يعلّقون على باب الثلاجة أسماء من ماتوا من الأهل
حتى لا يخطئوا ويطلبوهم في التليفون.
ويدفعون رُبع أجورهم لشركات الاتصال
ليتأكدوا أنهم موجودون في مكانِ يمكن تحديده ببعده عن الطفولة
لماذا لم ينسوا؟


**


في ست خطواتٍ فقط، يكتب المغترب رسالة ناجحة إلى الأهلِ :
- يختار لحظة لا يفتقدهم فيها.
- يجلس وظهره للشارع لأن الحوائط أكثر حيادية.
- يو زّع السلامات بدقة.
- يستحضر المجا ا زت التي تر بى عليها، المجا ا زت التي ظن أنه
لن يلمسها يوماً مثل )أحبكم عدد نجوم السماء وعدد حبات
الرمال وأشتاق إليكم كما يشتاق العطشان إلى الماء والعليل
إلى الدواء والغريب إلى الوطن(.
- يتفادى ذكر تفاصيله اليومية لأنه لا يعرف كيف سي ؤ ولونها.
- يك رر"الحمد لله" كثي ا رً حتى يطمئنوا على إيمانه.


**


ما تع لّم تَه هنا لا يختلف عمّ ا تع لّم تَه هناك:
_ الق ا رء ةَ كتذكر ة مرورٍ إلى تغييبِ الواقع.
_ ت خ بِئة الخجلِ تحت ألفاظٍ بذيئةٍ .
_ إخفاءَ الضعفِ عبر إطالة الأظافر.
_ تسريبَ الأرق في التدخين دائماً وفي ترتيب الأد ا رج أحيان اً.
_ توفيرَ ثلاثة أنواع من قطرة العيون من أجل توضيح الرؤية ثم
الاستمتاع بالعمى. والأهم، تلك اللحظة ال ا رئعة من إغماض
الجفون على حريق.
هنا وهناك
تبدو الحياة وكأنها موجود ةٌ فقط لتُ ا ر قَب من بعيد.


**


في قار ة أخرى، تركتَ أعداءً مساكين،
يجب أن تخجل من نفسك عندما تتذكرهم
لا شيء يغضبك الآن،
من الصعب أن تقابل شيوعياً كلاسيكياً هنا، حتى إنهم يضعون
ساعة في المكاتب العمومية بدلاً من صورة الرئيس.
ربما يكون كابوس اً أن تقضي يوماً كهذا تحت تأثير المهدئات.
لا شيء جدير بأن تتمرد عليه.
أنت م رضيٌّ وميتٌ
والحيا ةُ من حولكَ تبدو مثل يدٍ رحيمةٍ
أضاءت الغرفة لعجوزٍ أعمى
ليتمكّ ن من ق ا رءة الماضي.

© Iman Mersal
from: Jughrafiya Badila
(Alternative Geografie)
Dar Sharqiyat, 2006
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

[6 Fragments]

alemão

Warum ist sie in die Neue Welt gekommen? Diese Mumie; Schauobjekt.
Sie liegt da, herausgeputzt, in graues Leinen gehüllt:
vorgestelltes Leben in einer Museumsvitrine.
Ich glaube, Mumifizierung wirkt der Unsterblichkeit entgegen,
niemals wird der Körper aufgehen in eine Blume.
Die Mumie hat sich die Emigration nicht ausgesucht,
all jene aber, die lange vor Botschaften angestanden
und Häuser in fremden Ländern gebaut haben,
träumen von der Rückkehr, wenn sie zur Leiche geworden sind.
Bringt uns dorthin,
so der letzte Wunsch, den sie ihren Kindern aufhalsen.
Als sei der Tod eine mangelhafte Identität,
die erst im Familiengrab Vollkommenheit erlangt.

* *

Auch hier grüne Bäume unter schwerem Schnee und Flüsse, an deren Ufern sich keine Liebespaare heimlich umarmen, sondern Sportler mit Hunden joggen am Sonntagmorgen, ohne zu merken, dass das Wasser vor Einsamkeit zu Eis gefroren ist. Dazu Einwanderer, nicht geschult in der Liebe zur Natur, die glauben, hier sei die Umwelt weniger verschmutzt und sie könnten ihr Leben verlängern, indem sie vorm Schlafengehen Sauerstoffkapseln schlucken.

* *

Warum können sie nicht vergessen, dass sie von drüben stammen?
Die gescheiterten Fremden,
sie trainieren ihren Gaumenmuskeln
den Akzent ab,
diese verräterische Erbkrankheit,
die unverhofft zutage tritt, wenn bei Ärger die Gefühle
in der anderen Sprache herausplatzen, unverpackt.
Der Akzent stirbt nicht,
Fremde aber sind hervorragende Totengräber,
sie heften an ihre Kühlschranktür die Namen der verstorbenen Verwandten, um sie nicht aus Versehen am Telefon zu verlangen.
Ein Viertel ihres Einkommens geben sie für Ferngespräche aus,
nur um den eigenen Aufenthaltsort zu ermitteln,
über die Entfernung zur Kindheit.
Warum können sie nicht vergessen?

* *

In nur sechs Schritten schreibt der Emigrant seiner Familie einen gelungenen Brief:
- Er wählt einen Zeitpunkt, an dem er sie nicht vermisst.
- Er kehrt der Straße den Rücken, Wände sind neutraler.
- Er verteilt seine Grüße gerecht.
- Er ruft sich Redewendungen in Erinnerung, mit denen er aufgewachsen ist und von denen er glaubte, er würde sie nie benutzen, wie: „Ich liebe euch so sehr wie es Sterne am Himmel und Sandkörner am Boden gibt“ oder „Ich verzehre mich nach euch wie ein Durstiger nach Wasser, ein Kranker nach seiner Medizin, ein Fremder nach der Heimat“.
- Er vermeidet, auf die Einzelheiten seines Alltag einzugehen, weil er nicht weiß, wie sie ausgelegt werden könnten.
- Er verwendet häufig die Floskel „Gott sei Dank“, um unerschütterlichen Glauben zu demonstrieren.

* *

Was er hier gelernt hat, entspricht haargenau dem drüben Gelernten:
- Mit Lesen lässt sich die Wirklichkeit wunderbar verdrängen.
- Scham verbirgt man hinter derben Flüchen.
- Schwäche überspielt man mit langen Fingernägeln.
- Schlaflosigkeit lässt sich immer mit Rauchen vertreiben, hin und wieder hilft auch, eine Schreibtischschublade aufzuräumen.
- Man braucht drei Sorten Augentropfen, um die Sicht zu schärfen, dann genießt man die Blindheit. Das Größte aber ist der Moment, wenn sich die Lider über dieses bestimmte Brennen legen.
Hier wie drüben
scheint das Leben nur zu existieren,
um es aus der Ferne zu betrachten.

* *

Auf einem anderen Kontinent hast du bedauerliche Feinde zurückgelassen,
beim Gedanken an sie schämst du dich.
Nichts regt dich jetzt mehr auf,
hier begegnest du keinem klassischen Kommunisten,
in öffentlichen Bibliotheken hängt statt des Präsidentenporträts eine Uhr.
Wahrscheinlich ist es der reinste Alptraum, solch einen Tag unter Einfluss von Beruhigungsmitteln zu verbringen.
Nichts ist es wert, dagegen zu rebellieren.
Du bist zufrieden und tot,
das Leben um dich herum gleicht einer barmherzigen Hand,
die einem blinden Alten im Zimmer Licht anschaltet,
damit er die Vergangenheit entziffern kann.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

يُحدّد النقطة الضعيفة

árabe | Iman Mersal

طبعا ،
الحواملُ الإسمنتيةُ لا تنقُصها الرهافة
وعواميدُ البيو ت القديمة نوستالجيا وح د ها
أضاف أنه يُحدّد النقط ة الضعيفة
ف يوزّ ع ثُقلها على النقاط القويّة نسبيّ ا
أن الدعائ م والسنّادا ت لا يصنعها إلا الحُبّ
ثم تُثبّت بحنا ن عك س م يلان القواء م
أكّد لي أيضا أن الترمي م مسألةٌ جنسيّة.
زميلُ مدرستي، الذي أصبح مهندسا في هيئة الآثار
ارتبك دقيق ة
لأنني لم تزل لي يدا تلميذة
وأخبرني وهو يمضي في الاتجاه الآخر
أنه لم يتخصّص في فهْم الانهيارات
لأجلي.

© Iman Mersal
from: Al-Mashy Atwal Waqt Mumkin
(Gehen - so lang wie möglich)
Dar Sharqiyat, 1997
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

Er bestimmt den Schwachpunkt

alemão

Selbstverständlich
mangele es Zementträgern nicht an Eleganz,
und die Säulen alter Häuser seien der Inbegriff von Nostalgie.
Er bestimme den Schwachpunkt, fügte er hinzu,  
und verlagere das Gewicht auf die verhältnismäßig stabilen Stellen.
Pfeiler und Pfosten zu bauen, erfordere Liebe,
und um mit ihnen Schrägen abzustützen,
sei bei der Positionierung Zartgefühl vonnöten.
Außerdem sagte er, Restaurieren sei ein sexueller Akt.

Mein früherer Klassenkamerad,
nun Ingenieur bei der Archäologiebehörde,
geriet für einen Moment aus dem Takt,
weil ich noch immer Hände habe wie eine Schülerin.
Dass er sich, sagte er,
während er in die andere Richtung ging,
mit Zusammenbrüchen befasse,
habe nichts zu tun mit mir.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

الجَلْطة

árabe | Iman Mersal

إلى أبي

مجرّد نوم
يزمُّ شفتيه على غض ب لم يعُد يذكر سب به
ينامُ عميق ا
الكفّان تسندان الرأس
فيُشبه جنو د الأمن المركزيّ،
في عربات آخر الليل
حين يغمضون الأعي ن على رُكا م من الصُّ ور
تاركي ن الرو ح للدورا ن المنت ظم
ليصيروا ملائك ة فجأة.


رسمُ القلب
كان يجب أن أصي ر طبيبة
لأُتابع رس م القل ب بعينيّ
وأؤك د ان ال جلْطة مجردُ سحابة،
ستنفكُّ إلى دموع عادية،
إذا توفر قليلٌ من الدفء
لكني لستُ نافع ة لأحد
والأبُ العاجز عن النوم خار ج سريره الشخصيّ
ينامُ عميقا ، فوق طاولة
في به و واسع.


صراخ
نساءٌ صامتات
ملأن الطُّرق ة التي تؤدّي إليك
وجهّزْن الأجسا د لطق س
سيزيح الصدأ المتراك م فوق حناج ر
لا تُجرِّب نفسها
إلا في الصراخ الجماعيّ.


هذا جيّ د
أكتافُ المتطوعين
حملتْ رجلا من السرير المجاور
إلى المقابر العمومية.
هذا جيّدٌ لأجل ك
لا يُمكن أن يكرّر الموتُ ف عل ته
في نفس الغرفة، في مسا ء واحد.


خانات
عاد ة ما تكون النوافذُ رماديّةٌ ،
وجليلةٌ في ا تساعها،
بما يسمح للموجودين داخل الأ سرَّة
بتأمُّل سير المرور،
وأحوا ل الطقس خار ج المبنى.

عاد ة ما يكون للأطبّاء أنوفٌ حادّةٌ،
ونظاراتٌ زجاجيّةٌ،
تثبت المسافة بينهم وبين الألم.
عاد ة ما يتركُ الأقاربُ
ورودا على مدا خل الحُجرات
طالبين الصف ح من موتاهُم القادمين.

عاد ة ما تمرُّ سيداتٌ على
مُربّعات البلاط بلا زينة،
ويقف أبناءٌ تحت مصابيح الكهرباء
مُحتضني ن ملفَّات الأشعّة،
ومؤكدين أن تمرير القسوة مُمكنٌ
إذا ت وفّر لآبائهم بعضُ الوقت.

عاد ة كل شيئ يتكرر
والخانات مملوءةٌ بأجسا د جديدة
كأن رئ ة مثقوب ة تشفط أكسجي ن الدُنيا
تارك ة كلَّ هذه الصدور
لضي ق التنفُّس.



قد لا يحدُث

قد لا يحدُث
أن آخذ أبي في آخر العام إلى البحر
لهذا
سأعلِّق في مقابل سري ره
صور ة مصطافين،
وشطوطا ممتدّة لجها ت لا أعلمها.
قد لا يحدُث أن يراها
لهذا
سأكتُم صوت تنفُّسي
وأنا أُبلِّل أطرا ف أصا بعه بمياه مالحة،
وسأصُدِّ ق بعد سنوا ت
أنني سمعتُهُ يقول:
"أشمُّ رائح ة اليود"

© Iman Mersal
from: Mamarr mu'tim yasluh lita'allum al-raqs
(Ein dunkler Gang genügt, um tanzen zu lernen)
Dar Sharqiyat, 1995
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

Herzinfarkt

alemão

Meinem Vater gewidmet

Bloß ein Schlummer
Er presst die Lippen zusammen, aus Wut,
den Grund kennt er nicht mehr.
Er schläft tief,
den Kopf in die Hände gestützt,
wie ein Wachmann,
spät nachts im Wagen,
wenn er die Augen schließt vor einem Bilderhaufen,
die Seele gleichförmig kreisen lässt
und zum Engel wird.

Das Kardiogramm
Ärztin hätte ich werden sollen,
dann könnte ich mit eigenen Augen das Kardiogramm verfolgen
und könnte feststellen, dass der Infarkt bloß eine Wolke ist,
die sich in gewöhnlichen Tränen entlädt,
sobald ein bisschen Wärme aufkommt.
Aber ich bin für niemanden von Nutzen,
nun, da mein Vater,
der nicht in fremden Betten schlafen kann,
tief schlummert,
in einem viel zu großen Saal, im Krankenhaus.

Schrei
Stumm drängen sich Frauen
im Gang
zu dir,
den Körper zurechtgemacht für ein Ritual,
um den Rost zu sprengen von Kehlen,
die nie etwas anderes geübt haben
als den kollektiven Schrei.

Das ist gut
Freiwillige haben
den Mann aus dem Bett nebenan auf Schultern
zum städtischen Friedhof getragen.

Das ist gut für dich,
der Tod kann nicht das selbe zweimal tun,
im selben Raum, am selben Abend.

Schubladen
Für gewöhnlich sind die Fenster grau
und übergroß,
damit die in den Betten
Verkehr
und Wetter draußen beobachten können.

Für gewöhnlich haben Ärzte spitze Nasen
und Brillen aus Glas,
die Abstand schaffen zum Schmerz.

Für gewöhnlich legen Besucher
Blumen vor die Zimmer,
um Vergebung zu erlangen von den sterbenden Verwandten.

Für gewöhnlich
gehen Damen schlicht gekleidet über die Fliesen,
stehen Söhne im elektrischen Licht,
Röntgenakten an die Brust gedrückt,
und beteuern, dass Härte zu verzeihen ist,
bleibt dem Vater noch ein wenig Zeit.

Für gewöhnlich wiederholt sich alles.
Schubladen, und immer neue Körper darin.
Als würde eine durchbohrte Lunge
allen Sauerstoff der Welt einziehen
und jeder anderen die Luft zum Atmen nehmen.

Vielleicht wird es nicht geschehen
Vielleicht wird es nicht geschehen,
dass ich mit meinem Vater zum Jahresende ans Meer fahre,
deshalb
hänge ich vor sein Bett
ein Bild mit Urlaubern
und Stränden, die sich ins Unbekannte erstrecken.
Vielleicht wird es nicht geschehen,
dass er das alles sieht,
deshalb
atme ich lautlos,
benetze seine Fingerkuppen mit Salzwasser,
und in ein paar Jahren glaube ich,
gehört zu haben, wie er sagte:
"Ich rieche das Jod".

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

احترام ماركس

árabe | Iman Mersal

أما م الفترينات المضيئة
المُزدهر ة بالملابس الداخليّة
لا أستطيعُ أن أمن ع نفسي

من التفكير في ماركس
احترامُ ماركس
هو الشيءُ الوحيدُ المشترك بين من أحبّوني،
وسمحتُ لهم أن يخدشوا – بنس ب مختلف ة -
عرائ س القُط ن المُخبّأة في جسدي.

ماركس
ماركس
لن أُسام حهُ أبد ا.

© Iman Mersal
from: Mamarr mu'tim yasluh lita'allum al-raqs
(Ein dunkler Gang genügt, um tanzen zu lernen)
Dar Sharqiyat, 1995
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

Verehrung für Marx

alemão

Vor erleuchteten Schaufenstern,
in denen Dessous blühen,
muss ich immer an Marx denken.

Die Verehrung für Marx
war das Einzige, was alle verband,
die mich geliebt haben
und denen ich – in unterschiedlichem Maße – erlaubte,
an den Baumwollpuppen in meinem Körper zu kratzen.

Marx,
Marx,
ich werde dir nie verzeihen.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

عيدان الشتاء

árabe | Abbas Beydoun

© Abbas Beydoun
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2005

Winterzweige

alemão

Du schüttelst weißes Haar über die Blumen
oder sperrst eine Schlange ein
vom vergangenen Frühling
wir fragen nicht
wie viele Länder wir gegen Schuhe tauschten
wie viele Jahre gegen Gläser voll Tee
sollte dies ein Leben sein in einem Hotel
mit so vielen Zimmern, wie mir Tage zuteil sind
dann haben wir es verdorben durch langes Laufen
und Suppenflecken
wir fragen nicht, ob wir Verzweiflung anhäuften
oder Leben
im Holz
dennoch verbrauchten wir nicht unser gesamtes Blut
und auch nicht die Kraft unserer Füße
doch wir verkauften einen Vogel
aus einem früheren Leben
ebenso wird der Winter verkauft für Zweige
vielleicht vereist er mit seinen Blumen
in der Bibliothek der Träume
dennoch bestechen wir die Dämonen
mit Erinnerungen
die wir unseren Nachfahren wie Münzen überlassen
das Gemüt zappelt im Löffel
oder in einem Glas Tee im Salon
vielleicht riechen wir sauer eingelegtes Gemüse oder Wein
aus diesem Leben
das die Straßen füllt
und zustande kam durch die Münzen vieler anderer
leg hier einen Dirham nieder oder ein Glas
wenn du fürchtest, dass dein Geheimnis
in diesen Kopfschmerzen steckt
oder dass du ein Jahr für ein Glas verkaufst
das Vergessen wirkt langsam
im Inneren der Berge.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

عن غيمة تسرُّ لأختها

árabe | Ali Al Jallawi

عن أبي.. عني أقولُ:
- لغيمة جلستْ تُسرُّ لأختها –
أن الفتى شتل القصيدة في إناء الماء
لكنَّ الصبية أعشبت يدها على حجر
وأجلسني – على حجرٍ نبيٍ – آخرٌ حجرُ

فيا ولدي انتبه
إن القصيدة لا تنام على سرير العابرين
فلا تثق بالماءِ
    لن تستدرج البحر الذكي يداك بعد الآن
يا ولدي...
يعودُ لصمته
انطفأت بعينيهِ سماءٌ مرة أخرى

ولكني وجدتُ البحر يستلقي على فستانها
البحر يخرج من وقار البحر
يعبر شارع الناجين للمقهى..
أبي..
والبحر ينهض عن ملابسه
وينزلُ في القصيدةِ سائحا يسهو
             فيدلق قهوة المعنى على هذيانهِ

والبحر يمشي خارج الميناء
مبتسما
أنيقا في بساطتهِ
يجرُّ "السبتَ" من أذنيه
يأخذ منه أعقاب السجائرِ
ثم يدفعه إلى "رزنامة" الأيامْ.

و البحر..
   / لم تملك شراعاً؟
قلتُ: يا أبتِ الفتى تبعته غيمته إلى المقهى
وإبرةُ قلبه علقت بنجمٍ
يا أبي
هذي رواية غيمة نزلت إلى ماء الكلام

وأنت... هل صدّقتَ؟
يا أبتِ الفتى شتل القصيدة في إناء الماءِ
لكنَّ الصبية يا أبي
جلستْ إليهِ تخيطُ سقفَ سمائها
إن الصبية مثلنا تسهو على خجلٍ
فينزل ربها في كفها
              غطتهُ بالأخرى فنامْ

هذي رواية غيمة نزلت إلى ماء الكلامْ.

© Ali Al Jallawi
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2011

Eine Wolke, die einer anderen ins Ohr tuschelt

alemão

Über meinen Vater... über mich sage ich
zu einer Wolke, die einer anderen zutuschelt:
Der junge Mann pflanzte das Gedicht im Wasserkrug an.
Die Hand der jungen Frau trieb aus auf dem Stein.
Auf den Stein des Propheten setzte mich ein anderer Stein.

Pass auf, mein Junge,
auf einem provisorischen Lager findet das Gedicht keinen Schlaf,
baue nicht auf Wasser.
Das weise Meer wirst du künftig nicht mehr in die Irre führen, mein Sohn,
sagt der Vater
und schweigt.
In seinen Augen erlischt der Himmel erneut.

Ich aber sehe:
Das Meer ergießt sich auf ihr Kleid,
das Meer gibt seine würdigen Haltung auf,
zieht vorbei an denen, die ins Café geflüchtet sind.
Vater...
Das Meer steigt aus den Kleidern,
begibt sich als Tourist ins Gedicht,
kippt den Kaffee der Klarheit ins Wortgewirr.

Das Meer tritt aus dem Hafen, wandelt umher,
lächelnd,
schlicht, elegant.
Es zieht den Sonnabend am Ohr,
entreißt ihm jeden Zigarettenstummel,
stößt ihn in den Kalender zurück.

Und das Meer...
Hast du die Segel nicht gesetzt?
Ich sage:
Dem jungen Mann, o Vater, ist die Wolke ins Café gefolgt,
der Zeiger seines Herzens verfing sich im Gestirn.
Das, o Vater,
ist die Geschichte einer Wolke,
die ins Wortwasser sank.

Und du? Hast du das geglaubt?
Der junge Mann, o Vater,
pflanzte das Gedicht im Wasserkrug an.
Die junge Frau, o Vater,
aber saß daneben und nähte sich einen eigenen Himmel.
Zaghaft wie wir hängt sie ihren Träumen nach.
Ihr Gott steigt in ihre Hand hinab,
mit der anderen deckt sie ihn zu, und er schläft ein.

Das ist die Geschichte einer Wolke,
die ins Wortwasser sank.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

طريق أخدود نبات الغار

árabe | Alaa Khaled

اليوم سرنا لأربع ساعات متواصلة فى
شارع أخدود نبات الغار
للمرة ألأولى نتشرب بالمدينة وأصواتها
كقطعة إسفنج صامتة.

© Alaa Khaled
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2010

Laurel Canyon Boulevard

alemão

In vier Stunden zu Fuß  
über den Laurel Canyon Boulevard
sogen wir heute
Stadt und Tumult auf
wie Schwämme,
lautlos.

Aus dem Arabischen von Mahmoud Tawfik und Leila Chammaa

طبق

árabe | Zakaria Mohammed

صباحا،
أفرط حياتي في طبق
كما تفرط قرون بازلاء!

يحفن العابرون من طبقي
ثم يمضون

كل يد قبضة
ثم يمضون!

ومساء،
أزحف بين الكراسي على ركبتيّ باحثا عن حبة واحدة
كي أذوق طعم حياتي.

٢٠٠٨

© Zakaria Mohammed
from: أحجار البهت
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2010

Teller

alemão

Morgens
breche ich mein Leben wie eine Schote auf
und lasse die Erbsen in einen Teller kullern.

An meinem Teller bedienen sich alle
im Vorübergehen.

Jeder eine Handvoll,
ziehen sie weiter.

Abends
krieche ich zwischen den Stühlen auf Knien umher,
suche nach einer verirrten Erbse,
um mein Leben zu kosten.

                                   2008

Aus dem Band: Zauberstein
Aus dem Arabischen von Leila Chammaa, 2010

ضد نصيحة رامبو

árabe | Abbas Beydoun

© Abbas Beydoun
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2005

Gegen Rimbauds Rat

alemão


Unablässig suche ich meine Blätter zusammen (der weißhaarige Valentin ist mit einer Rose glücklich) anstatt meinen Blumenstrauß aus dem Fenster zu werfen gegen Rimbauds Rat



Letztlich musst du signieren wie ein Mann, aufrichtig, bescheiden und vollkommen wie ein Knopf, und du musst sagen, dass der Abfall aus einem ganzen Leben nicht einmal eine Streichholzschachtel füllt. Trotz des vielen Wanderns haben wir nicht ein einziges Paar Schuhe abgenutzt



Weshalb sollte ich meine Karte einem Bettler geben. Pferdewagen beladen mit Blumen sind konserviert auf der Straße, und andere Kisten haben die Nacht über in riesigen Kühltruhen neben dem Fischlager gestanden



Selbst meine Signatur wirkt alt, obgleich ich mir soeben eine Wohltat erwiesen habe



Das Verlangen war stechend wie Äste, und als Straßenreiniger die erloschenen Blumensträuße aufhoben, konnte man sehen, dass sämtliche Stängel gebrochen waren, und dass dies alles vor Mitternacht geschehen war



Ich schaue meine vielen Briefe noch einmal durch. Erstaunlich, wie sich einige davon in Urkunden verwandeln. Vielleicht aufgrund der langen Misslaune und der Einsamkeit. Die Gültigkeit ist abgelaufen. Und gratis ist nicht einmal der Schlaf. Schulden entstehen aus jeder Liebesnacht. Der Schmerz ist ohne Preis, und du bemühst dich, ihn aus einem leblosen Gewissen zu begleichen



Mein Verlangen macht mich zu einer Nadelspitze. Doch nahezu kraftlos ist meine Signatur. Weshalb nimmst du auch den Schal deines Nachbarn mit auf Reisen. Letztlich musst du deinen Namen und deinen kranken Körper einhüllen, und du bist weder der Kutscher noch der alte Valentin, der die Karten ohnehin nicht genau prüft



Unablässig suche ich meine Blätter zusammen (der weißhaarige Valentin ist mit einer Rose glücklich) anstatt die Liebe aus dem Fenster zu werfen gegen Rimbauds Rat.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

صانعُ الفرح

árabe | Fatima Naoot

هذا شارعُنا القديم
وإسكافيُّ شارعِنا
يدقُّ المساميرَ في أحذيةِ المارة
بيدٍ،
وبالأخرى
يعلِّمُنا الشطرنجَ
ونحن صغار.

صغارًا كنّا
أكبُرُ في هذا البيت
وفي شرفةِ غرفتي
تواطأتُ مع مربيتي
على الهرب
لألتقي بك خلسةً
عند باب الجامعة.

الجامعةُ التي احتضنتْ صبانا
مدرّجُ فلسطين
الأبنودي
منير
"شبابيك، الدنيا كلها شبابيك"
طيّرتْ أحلامنا التي كنّا نحيكُها
بعيدًا عن عيونِ أمي.

عيونُ أمي
اتّسعتْ دهشةً
حين شاهدتْ وجهيَ بالفحم
على لوحةِ رسمِك.

لوحةُ رسمِكَ
وشوشتْ لي:
يا بنتُ
فارسُكِ يجلسُ أمامي كلَّ مساءٍ
هنا على هذا الكرسي
في يده ريشةٌ
وباليتُ ألوان
واسمُه
ستعرفينه بعد تسعةِ أيام.

تسعةُ أيامٍ
وبنتٌ تجلسُ في مدرّج الجامعة
تفكّرُ
وتخُطُّ في كشكول العمارة
ملامحَ غامضةً
يا تُرى
كيف يكونُ الفارسُ؟

الفارسُ اسمُه
"صانعُ الفرح"
يعلّمُ البنتَ الهوى
ثم يمضي
يطوي سنةً
إثرَ سنةٍ
إثر عقدٍ
إثر عقدين.

وبعد عقدين
يعودُ
يفتِّشُ في نوافذِ الحيّ
عن أحلامِه القديمة
حاملاً بالوناتٍ
وقطَعَ حلوى
وحكاياتٍ كثيرةً
حول فتى
وفتاة.

فتاةٌ
تجلسُ وحيدةً
تضفُرُ جدائلَها
وتُحصي العابرين تحت شرفِتها
يطلبون يدَها،
ليس بينهم حبيبُها!

حبيبُها
وصل بعد رحلة السفر
يخطفها
ويركضُ بها إلى حيث:
شارعُها القديم
وبيتُها القديم
والإسكافيُّ "عم سعيد"
وسلالمُ الجامعةِ العتيقة
وبابُ الحانوتْ
ابتاعا منه هدايا عُرسٍ
لم يحدث أبدًا.

                                                                              القاهرة / 24 أبريل 2011

© فاطِمَـة ناعـُوت/Fatima Naoot
from: The Joy Maker
Cairo: Merit Publishing House, 2012
ISBN: 0-622-351-977-978
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2012

Der Freude-Macher

alemão

Das ist unsere alte Straße,
der Schuster in unserer Straße
hämmert Nägel in die Schuhe der Passanten
mit einer Hand,
und mit der anderen
bringt er uns Kindern
das Schachspielen bei.

Wir waren noch sehr jung.
Etwas älter in diesem Haus
auf dem Balkon meines Zimmers
plante ich mit der Kinderfrau
meine Flucht,
um dich heimlich zu treffen
am Eingang der Universität.

Die Universität, die unsere Jugend beherbergte,
der Palästina-Hörsaal,
Al-Abnudi,
Munir,
„Fenster, die Welt ist voller Fenster“,
aus denen die Träume davonflogen, die wir uns ersannen,
fernab von Mutters Augen.

Mutters Augen
weiteten sich entsetzt,
als sie mein Gesicht in Kohle
auf dem von dir gemalten Bild sah.

Dein Bild
flüsterte mir zu:
Mädchen,
dein Prinz sitzt jeden Abend vor mir,
hier, auf diesem Stuhl,
in der Hand Pinsel
und Farbpalette,
seinen Namen
wirst du in neun Tagen erfahren.

Neun Tage,
das Mädchen sitzt im Hörsaal,
überlegt,
zeichnet ins Lehrbuch
schemenhaft ein Gesicht,
fragt sich:
Wie wird der Prinz wohl sein?

Der Prinz heißt
„Freude-Macher“,
er weist Mädchen in die Liebe ein
und geht dann fort,
lässt ein Jahr verstreichen,
noch ein Jahr
ein Jahrzehnt,
ein weiteres Jahrzehnt.

Zwanzig Jahre später
kehrt er zurück,
sucht in den Fenstern des Viertels
nach seinen alten Träumen,
bei sich Ballons,
Süßigkeiten,
und viele Geschichten
von einem Jungen
und einem Mädchen.

Ein Mädchen
sitzt allein da,
flicht das Haar zu Zöpfen,
zählt die Passanten unter dem Balkon,
die um ihre Hand anhalten.
Ihr Liebster ist nicht dabei.

Ihr Liebster
kam von der Reise,
wollte sie entführen,
zurückrennen mit ihr
zu ihrer alten Straße,
ihrem alten Haus,
zu Schuster Onkel Said,
zur alten Universitätstreppe,
zu dem Laden,
in dem sie Geschenke kauften für eine Hochzeit,
die nie stattgefunden hat.

                                                                        Kairo, 24. April 2011

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

صفقة

árabe | Zakaria Mohammed

في الحديقة شجرة مشمشٍ ميتةٌ
تركناها واقفة
ثم زرعنا أسفلها
نبتةً متسلقة
فغطتها الخضرة
من الجذع حتى الغصن

والآن
خضراء شجرة المشمش
حتى في كوانين

وهنا جوهر الصفقة:
الموت أخذ الجذر والثمرة
ونحن رضينا بالخضرةِ الكذّابة.

© Zakaria Mohammed
from: ضربة شمس
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2010

Handel

alemão

Im Garten steht ein toter Aprikosenbaum.
Wir ließen ihn stehen,
setzten darunter eine Kletterpflanze in die Erde,
die bald Stamm und Äste
bewuchs.

Jetzt
ist der Aprikosenbaum grün
sogar in den Wintermonaten.

Und das Wesen des Handels:
Der Tod hat Wurzeln und Früchte genommen,
und wir begnügen uns mit dem falschen Grün.

Aus dem Band: Sonnenstich
Aus dem Arabischen von Leila Chammaa, 2010

شجرة البونسيانا

árabe | Alaa Khaled

فى بيتنا القديم بالإسكندرية  ودعت شجرة البونسيانا العجوز
ذات الزهور الحمراء
وفى لوس أنجليس
فوجئت بثلاث شجرات أخرى من البونسيانا لها زهور أرجوانية
أكثر شبابا
وذاكرتها مازالت بيضاء
تطل على كل صباح عبر زجاج النافذة
تتمايل مع حركة الرياح،
تظهر وتختفى، كوجه طفل.
لقد جاءها أخيرا  زائر له نسب بتلك العائلة التى توزعت قديما فى البلاد
من بذرة استوائية واحدة
جئت لأذكرها بما ضاع من عائلتها الثرية
التى توزع الظل بدون حساب
وتفرش الأرض تحت أقدام البسطاء بسجاجيد ملونة
وهم فى مسارهم اليومى
حتى يظنوا أنهم فى طريقهم للاحتفال لاستلام جائزة  

يرحل الحزن من مكان لمكان
وفى كل سفر له يأخذ لونا جديدا

© Alaa Khaled
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2010

Der Flammenbaum

alemão

Vor unserem alten Haus in Alexandria
nahm ich Abschied von dem greisen Flammenbaum
mit feuerroten Blüten.
In LA erwarteten mich zu meiner Überraschung
drei seiner Art,
wesentlich jünger,
die Blüten purpurn,
das Gedächtnis noch weiß.
Jeden Morgen sehen sie durchs Fenster
zu mir herein.
Sie tänzeln im Wind,
tauchen auf und verschwinden wieder
wie verspielte Kinder.
Endlich bekommen sie Besuch von jemandem,
der in gewisser Beziehung zu ihnen steht,
ihre weitgestreute Verwandtschaft kennt,
die ein und derselben tropischen Saat entsprungen ist.
Ich erinnere sie an das Verlorene,
erinnere sie an den großen Reichtum,
den ihre Artgenossen seit jeher üppig verteilen.
Sie spenden Schatten,
rollen uns bunte Teppiche aus,  
machen uns zu Stars,
die feierlich ihrer Würdigung entgegenschreiten.
Die Traurigkeit zieht von einem Ort zum anderen,
nimmt auf jeder Reise eine neue Farbe an.

Aus dem Arabischen von Mahmoud Tawfik und Leila Chammaa

شيءٌ يُشبه المِلْح

árabe | Fatima Naoot

البنتُ الطيبةُ
تحتاجُ إلى كَذِبَةٍ أخرى
أخيرة
كي تنجوَ من لسْعةِ العقرب
الذي تسلّلَ إلى هودجِها
ذات غفلة.

تقولُ لفتاها:
اِكذِبْ عليَّ
كَذِبًـا شريفًا
وذكيًّا
مثلما المَصْلُ يكذبُ على خلايانا
فنبرأُ من السَّقَم.

يقولُ الفتى:
سأكونُ نبيًّا
لو أحببتِني،
والأنبياءُ
لا يكذبون!

تقولُ البنتُ:
الأنبياءُ لا يخرجون من هيكل السرطان
ليدخلوا مداراتِ العذراوات
الأنبياءُ
لا يدقّون أوتادَهم في كلِّ أرضٍ
فيفزِّعوا الطيرَ الغافيَ في الشجر،
الأنبياءُ
يحملون مِخلاتِهم على ظهورهم
ويجوبونَ الصَّحاريَ
بحثًا عن المِلْح الذي
يُطهِّر الروحَ
من أدرانِها،
الأنبياءُ
يكذبون أكاذيبَ جميلةً
وبيضاءْ
تُشبِه البَرَدَ
وتشبه المِلْحَ
وتشبه البلّلورَ الذي يقْطُرُ منه النور،
إذا كنتَ نبيًّا
هاتِ أكاذيبَكَ الطيبةَ
لأنجوَ من البَرَص
أنا
أنزعُ الثوبَ عن جسدي
كي أتهيأَ
لحمّامِ البَياضْ.

                                                                            الكويت / 1  نوفمبر 2009

© فاطِمَـة ناعـُوت/Fatima Naoot
from: The Joy Maker
Cairo: Merit Publishing House, 2012
ISBN: 0-622-351-977-978
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2012

Etwas wie Salz

alemão

Das sanfte Mädchen
braucht eine weitere,
letzte Lüge,
um dem stechenden Skorpion zu entrinnen,
der in ihre Sänfte eindrang,
als sie einen Moment lang unaufmerksam war.

Sie sagt zu ihrem Liebsten:
Erzähl mir
eine aufrichtige,
kluge Lüge
- überliste mich wie eine Infusion die Körperzellen -
und wir genesen von dem Leid.

Er sagt:
Ich werde zum Propheten,
wenn du mich liebst,
und Propheten
lügen nicht!

Sie sagt:
Propheten wechseln nicht vom Sternzeichen Krebs
zur Jungfrau über.
Propheten
schlagen ihre Zelte nicht überall auf,
scheuchen keine schlafenden Vögel aus Bäumen auf.
Propheten
laden sich ihren Proviantbeutel auf den Rücken
und durchwandern ganze Wüsten
auf der Suche nach dem Salz,
das die Seele reinigt.
Propheten
verbreiten schöne,
weiße Lügen.
Lügen
wie Hagel
wie Salz
wie lichtperlender Kristall.

Solltest du wirklich ein Prophet sein,
dann erzähle mir aufrichtige Lügen,
damit ich dem Aussatz entrinne.
Ich
lege mein Kleid ab,
mache mich bereit  
für das Lichtbad.

                                                                      Kuwait, 1. November 2009

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

ساعةُ الحائط

árabe | Fatima Naoot

إلى سهير أيضًا،
                             التي طارت إلى حيث تطيرُ الأمهاتُ ولا يعدن   

ألبسُ قميصَكِ الورديَّ
وروبَكِ الأزرقَ
أشدُّ الإزارَ على خِصري
وأضعُ شالَكِ الصوفيَّ على كتفيّ
فتنبسطُ ساعداكِ
تترفقانِ
تضمّانني
فأنام.

أُنصتُ إلى وَقْع دقّاتِ الساعة ذات البُندول
صوتُها
يستحضركِ وأنتِ تعدّين لنا الشطائرَ في الصباح
فيغسلُ عن بيتي الوحشةَ
والبياض،
يخبرُني أنكِ تنظرين إلىَّ من هناك
هلْ أنتِ في السماءِ؟
هلِ السماءُ جميلةٌ
بها شجرٌ ووردٌ وحلوى وعصافيرُ؟
ساعةُ الحائط  ذات البندول الفضيّ
قايضتُ شقيقي
بكل ما تملكين
مقابلَ هذا الرنين.

كانت في بيتكِ قبل عام
بيتنا القديم
هي الآن في بيتي
على الحائط المقابلِ صورتك
في فستان زفافك إلى أبي
هل قابلتِ أبي بعدُ؟
هو هناك منذ عشرين عامًا
لابد ابتنى لنا بيتًا
وزرعَ حوله حديقةً ونخلاً وبحيرة
ابحثي عنه
لابد ستجدينه جالسًا هناك
تحت الشجرة
يسمع فهد بلان وصباح وفيروز
في انتظاركِ
فستانُكِ الأبيضُ المطعم باللؤلؤ والتُّلّ والساتان
وضعتُه جواركِ
في الصندوق الخشبيّ.

تدقُّ الآن الثالثةَ
الليلُ موحشٌ
وأنا خائفةٌ
وأنت
وحشتيني.

                                                                                      القاهرة / مايو 2009

© فاطِمَـة ناعـُوت/Fatima Naoot
from: The Joy Maker
Cairo: Merit Publishing House, 2012
ISBN: 0-622-351-977-978
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2012

Die Wanduhr

alemão

Ebenfalls Suhair gewidmet,
                        die dahin entschwebte, wohin Mütter für immer entschweben

Ich schlüpfe in dein rosa Hemd,
ziehe deinen blauen Morgenmantel über,
schnüre den Gurt fest um die Taille,
lege mir deinen Wollschal um die Schultern,
und im Nu breiten sich deine Arme aus,
umfangen mich sanft,
wiegen mich in den Schlaf.

Ich lausche dem Ticken der Pendeluhr.
Ihr steter Takt
beschwört das Bild herauf,
wie du morgens Brote für uns machst,
spült die Einsamkeit fort.
Das Weiß
sagt mir, dass du mich anschaust von dort.
Bist du im Himmel?
Ist es schön im Himmel?
Gibt es dort Bäume, Blumen, Vögel, Süßigkeiten?

Die Wanduhr mit silbernem Pendel.
Für ihren Klang
gab ich meinem Bruder
alles her, was dir gehört.

Vor einem Jahr noch hing sie bei dir im Haus,
unserem alten Zuhause.
Nun hängt sie bei mir,
an der Wand gegenüber dein Foto.
Du im Brautkleid an dem Tag, als du Vater geheiratet hast.
Bist du Vater schon begegnet?
Zwanzig Jahre ist er schon dort.
Sicher hat er ein Haus für uns gebaut
und drum herum einen Garten mit Palmen und Teich angelegt.
Such ihn,
bestimmt wirst du ihn dort antreffen.
Unter einem Baum sitzend,
Liedern von Fahd Ballân, Sabâh und Fairuz lauschend,
wartet er auf dich.
Dein weißes Perlen besetztes Kleid aus Tüll und Satin
bewahre ich in einer Holztruhe auf
neben dir.

Die Uhr schlägt jetzt drei.
Eine trostlose Nacht,
ich habe Angst,
und du
fehlst mir.

                                                                        Kairo, Mai 2009

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

زهرة الحياة وقلب أبي الاسود

árabe | Abbas Beydoun

© Abbas Beydoun
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2005

Die Blume des Lebens und das schwarze Herz meines Vaters

alemão

Wir verspeisten die Geheimnisse lebendig
die Blume des Lebens
und das schwarze Herz meines Vaters
ich verspeiste sie beide
sie waren völlig ohne Geschmack
nur dass meine Hände
viele Lügen säten
sie trugen keine Früchte
ohne Samen spross mein Haar
ich warf eine Handvoll Namen
dem Vogel zu
doch die Namen kümmerte das nicht.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

رسالة إلى قريش

árabe | Ali Al Jallawi

لو كانت الأرض أعلى
لقلتُ السماء تُعِدُّ قيامتها باكراً
ثم تكنس حنجرة الله من كذب الأنبياء

لو كانت الأرض أعلى
نقول:
لتسدل سلم غيب السماء إلى حجرٍ
دعكتهُ مهاجرة بحليب النساء

لو كانت الأرض أعلى
أقول:
نعلِّقُ قبعة الله في قمرٍ
ثم ننشر ما بين قافيتين غسيل السماء

لو كان..
سقف السماء أقل امتناعا
لقلنا:
اتركْ الخيل تصعد
إن البلادَ إذا ضاق سكانها
غيرت قلبها
ومكان إقامتها

واترك الخيل، لا ناقة الآن للبيت
إن إلهك للناسِ
لا تدعون مع الناسِ، للناس بيتٌ وللبيت رب.


لو كانت الأرض أعلى
لما احتاجت امرأةٌ مشجباً
كي تعلّقَ عشاقها
ولكان أبو طالبٍ يحلبُ الغيمَ
          يعصرُ تفّاحَ سيدةٍ بالغناء.

© Ali Al Jallawi
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2011

Brief an Quraisch

alemão

Wäre die Erde höher,
würde ich dem Himmel raten,
sich für seine Auferstehung bereit zu halten
und die Lügen der Propheten aus Gottes Kehle zu fegen.

Wäre die Erde höher,
würden wir dafür einstehen,
dass der Himmel das Mysterium enthüllt und eine Leiter herablässt zu dem Stein,  
jenem Stein, den eine Auswanderin mit Muttermilch begoss.

Wäre die Erde höher,
würde ich dazu aufrufen,
Gottes Hut an den Mond zu hängen
und die Wäsche des Himmels zwischen zwei Reimen aufzuspannen.

Wäre...
der Himmel weniger abweisend,
würden wir sagen:
Lass das Pferd aufsteigen.
Werden die Menschen nämlich zu eng,
dann wechselt das Land Herz und Standort.

Lass das Pferd ziehen.
Zum Haus gehört kein Kamel.
Dein Gott gehört den Menschen.
Ihr sollt neben dem Menschen niemanden verehren!
Der Mensch hat ein Haus, und das Haus hat einen Gott.

Wäre die Erde höher,
brauchte keine Frau einen Kleiderhaken,
um ihren Geliebten aufzuhängen.
Abu Tâlib aber würde Wolken melken
und einer Frau mit Gesang Saft aus den Äpfel pressen.
 


________________________

Anmerkungen des Übersetzers:

Quraisch: Name des Stammes, aus dem der Prophet Mohammad stammte

Abu Tâlib: Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammad. Ihm wird nachgesagt, dass er Regen herbeirufen konnte.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

رجل دون أحمال

árabe | Abbas Beydoun

© Abbas Beydoun
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2005

Ein Mann ohne Bürden

alemão


Ich betrete das Leben eines Menschen wie eine Straße. Ich orte die Schaufenster und Winkel. Verlasse ich sie, bleibt die Straße lang und finster hinter mir zurück, wie jene Ahnen, die mich stets aus der Ferne bewachen, ohne jede Eile, meine Geburt zu beschleunigen


Die drei Gipfel verschwinden hinter mir, und ich begegne in
jeder Kurve Menschen, von denen ich keine Gewissheit
erlange, doch wenn ich bemerke, dass ein Vogel auf die
andere Seite fliegt, halte ich es für eine Seltenheit in
dieser Gegend ohne Wind


Meist sind sie tot, doch können sie mich inspirieren. Ich
bin der, der nur zu leben versprach. Ich fange Erinnerungen
und Träume, pflüge sie erneut unter die kalte Erde, die ich
bewohne mit meiner Angst


Ich lebe an unterirdischen Quellen und an Wassern, von
meiner Geburt an gelb verfärbt. Seit mein Leben verschwand
an diesem Ort, folge ich den Zeichen der Jäger. Ich treffe
Fremde und wandle in dem Dunst, der ihr Leben begleitet.
Ich treibe kein falsches Spiel. Aber durch den Betrug eines
einzigen Mannes, hören sie vielleicht auf zu rennen in der
Angst, die ihr Leben begleitet. Vielleicht regen sich die
inneren Tore zum Meer, weil ein Mann, der nahezu lebte,
ohne Bürden erscheint, um unter ihnen geboren zu werden.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

رائحة الليمون

árabe | Alaa Khaled

كم أحببت كتابا قرأته عن حياة ماركيز
اسمه " رائحة الجوافة"
بالرغم من أن أرض ذاكرتى
لم ينبت بها مثل هذا النوع من الأشجار

لا.. نسيت...
كانت أمى تغلى أوراق شجرة الجوافة لجارتنا
وتسقيه لى كدواء للسعال
السعال الطويل الذى لازم شتاءات طفولتى
أحاول الأن أن استدعى تلك الرائحة الخشنة
فتتدحرج من فوق سطح ذاكرتى الأملس
كقطرة ندى.
 
لايعلق بذاكرتى الآن
سوى الأشياء التى أحببتها
ولم يتبق الكثير
لأبنى عداوات جديدة
ليست عداوات بالمعنى الحرفى للكلمة
ولكنها محبة  ناقصة.

ولكن أرض ذاكرتى نبتت بها ثلاث أشجار ليمون
لو كان هناك كتاب سأكتبه عن حياتى
سأسميه " رائحة الليمون"
رائحة حمضية ونفاذة  تبعث تلك الرغبات
التى عبقت طفولتى
طفولتى لها نفس المذاق الحمضى لليمون
ومصبوغة بلون أصفر
كغيرتى من أقرانى الذين يلعبون
بينما أنا غارق فى  سعال طويل

أنا غير نادم على اللون الأصفر والمذاق الحمضى
اللذين  رفعا رايتهما على طفولتى
فهنا وأنا أعيش فى لوس أنجليس
فاجأتنى شجرة ليمون فى حديقة البيت برائحتها النفاذة
فانفتح جسر بينى وبين أرض طفولتى

كل طفولة لها شجرة
تنتظر منا أن نكبر
حتى تفاجئنا بالثمار
التى ادخرتها لنا

حبات الليمون هنا أكبر بكثير
من الأخرى التى  كنا نقطفها هناك
وليس لها نفس المذاق الحمضى اللاذع
ورائحتها  مغطاة بغشاء  رقيق من العطن
حتى أنى أول مرة أخرج للحديقة
اعتقدت بأن هناك عصفورا ميتا
ربما هى رحلة الذكريات المؤلمة التى تحللت

ربطت تلك الرائحة بين زمنين
كنت بحاجة اليهما معا
فى هذا البلد
وأنا غريب أبحث عن ظل شجرة
أو رائحة
لأعبر خلالها إلى
بيتى الذى فقدته هناك
لم يعد لى بيت هناك

أريد ان أهدم الجدار الأخير الذى أستند عليه
أريد من أحدهم أن يسحب الكرسى
فى اللحظة التى أهم فيها بالجلوس
وأظل معلقا
بينما الأرض، من تحتى،
تبتعد لتحفظ كرامتى من السقوط.

© Alaa Khaled
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2010

Der Geruch der Limone

alemão

Ich liebe das Buch über Marquez
mit dem Titel „Der Geruch der Guayave“,
obwohl im Land meiner Erinnerungen
diese Frucht nicht wächst.
Nein... ich vergaß...
Meine Mutter kochte regelmäßig Guavenblätter,
gepflückt vom Baum unserer Nachbarin,
und verabreichte mir den Sud gegen meinen Husten.
Einen hartnäckigen Husten,
der mich als Kind alle Winter lang begleitete.
Ich versuche mir
jenen derben Geruch zu vergegenwärtigen,
vergeblich,
er perlt an der glatten Oberfläche meiner Erinnerung ab
wie ein Tautropfen.
Nur die Dinge, die ich mochte,
sind mir im Gedächtnis geblieben,
kaum etwas,
was neue Feindschaften schürt,
keine Feindschaften im eigentlichen Sinne,
aber doch ein bisschen weniger Zuneigung.
Im Land meiner Erinnerungen stehen drei Limonenbäume.
Sollte ich also je ein Buch über mein Leben schreiben,
so werde ich es „Der Geruch der Limone“ nennen.
Ein unverkennbarer Geruch,  
der die Sehnsüchte meiner Kindheit wiedererweckt.
Meine Kindheit schmeckte sauer wie Zitronen
und war ebenso gelb.
Gelb vor Neid auf die anderen Kinder,
die fröhlich spielten,
während ich mit dem Husten rang.

Ich bedauere nichts,
weder das Gelb noch den Säuregeschmack,
die meiner Kindheit ihren Siegel aufdrückten.
Und nun, hier in LA
drängt sich wieder ein Limonenbaum in mein Leben.
Aus dem Garten weht sein intensiver Duft herüber
und schlägt eine Brücke ins Land meiner Kindheit.
Jede Kindheit hat einen Baum, der zu ihr passt.
Er lauert nur darauf, dass wir erwachsen werden,
um uns endlich die Früchte zu überreichen,
die er all die Jahre für uns aufgehgehoben hat.
Die Limonen hier sind viel größer als jene,
die wir einst dort pflückten.
Sie schmecken nicht so sauer.
Außerdem riechen sie leicht faulig,
dass ich bei meinem ersten Gang durch den Garten glaubte,
irgendwo liege ein toter Vogel.
Vielleicht waren es aber auch nur
die schmerzlichen Erinnerungen,
die sich langsam zersetzten.
Der Geruch verknüpft zwei Zeiträume,
die ich beide brauche,
hier
als Fremder auf der Suche
nach einem schattenspendenden Baum
oder einem Duft,
nach irgend etwas,
das mich zurückführt
zu meinem Zuhause.
Das Zuhause,
das mir verloren gegangen ist, dort.
Ich möchte das letzte Stück Mauer niederreißen,
das mich noch stützt.
Möchte, dass mir der Stuhl unter dem Hintern weggezogen wird, wenn ich mich setze.
Ich möchte in der Luft hängen und sehen,
wie der Boden zurückweicht,
um meine Würde zu bewahren vor dem Fall.

Aus dem Arabischen von Mahmoud Tawfik und Leila Chammaa

دخَلَ حرباً وخرَجَ منها سالماً .

árabe | Monzer Masri

دخَلَ حرباً وخرَجَ منها سالماً .
/
غيرَ أنَّ الأُمور
ليسَت بِهذهِ السُهولة
فالنارُ قد شاركتهُ فِراشَه
والتحفت أحلامُهُ
بالدُخان ..

© Monzer Masri
from: „Âmâl schâqqa“ (Harte Hoffnungen)
Aus dem Zyklus: „Gedichte aus der Tasche eines Khakimantels“

Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2010

Er zog in den Krieg und kehrte unversehrt heim

alemão

Er zog in den Krieg und kehrte unversehrt heim.
So einfach aber
sind die Dinge nicht.
Denn Feuer teilt mit ihm seither das Bett,
und Rauch vernebelt
seine Träume.

Aus dem Arabischen von Mahmoud Tawfik und Leila Chammaa

حداد في برلين

árabe | Ali Al Jallawi

(بترا) ترتِّب حزنهم في الصالة الوسطى،
ترتب دون أن تدري أثاث قصيدتي،
وأنا أرتب في ارتفاع الكعب عن جسدي الغناء.

كم أشبه الغرباء
يشبهني استدارة نهدك، شفتيك، وجهكِ
دون أن أدري سأشبهني
غريبا..
إن ضحكتُ فدون أن أدري يخالجني البكاء.

برلين هذا الشارع الممتد من أقصى كلام الناس
حتى آخر المدن الجريحة في الخليج

برلين طفل أسمر
رسم النوافذ في قميص جداره فرحا
وحاول فتحها

برلين سيدة تمرُّ أمام طاولتي
وأعرف أنها التفت ولكن ليس لي

برلين يا(بترا) تغني في حدادك
آه يا (بترا)
وتدلق قهوة الحزن الجميل على ثياب الله.

وأنا وقفت مجرّدا
أبتي الذي صعد الصليبَ
فقلتُ أصعدُّ
من هنا دخل الكلادنة الحجيجْ

برلين هذا الشارع الممتد من أقصى كلام الناس
حتى آخر المدن الجريحة في الخليج.

© Ali Al Jallawi
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2011

Trauerfeier in Berlin

alemão

Petra probt die Trauer im mittleren Saal.
Sie probt, ohne das Inventar meines Gedichtes zu kennen.
Und ich probe zum Takt ihrer Absätze meinen Gesang.

Wie fremd ich aussehe!
Alles Runde an dir gleicht mir. Brüste, Lippen, Gesicht.
Ohne es zu merken, werde ich mir selbst ähnlich.
Seltsam...
Wenn ich lache, laufen mir unwillkürlich die Tränen.

Berlin - eine Straße,
voll Menschengeplapper,
reicht vom entferntesten Wort  
zur letzten aller verwundeten Städte am Golf.

Berlin - ein Kind mit dunkler Haut,
fröhlich malt es Fenster an die Mauern um sich herum,
versucht sie zu öffnen.

Berlin - eine Dame,
sie geht an meinem Tisch vorbei.
Ich weiß,
sie hat sich umgeschaut, aber nicht nach mir.

Berlin, O Petra,
singt auf deiner Trauerfeier,
verschüttet den Kaffee anmutiger Traurigkeit auf Gottes Gewand.

Ich stand allein da.
Mein Vater am Kreuz.
Steig auch du hinauf, sagte ich mir.
So traten die Chaldäer ihre Walfahrt an.

Berlin - diese Straße,
voll Menschengeplapper,
reicht vom entferntesten Wort  
zur letzten aller verwundeten Städte am Golf.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

حياة

árabe | Girgis Shoukry

© Girgis Shoukry, 2004
from: والأيدي عطلة رسمية
Kairo: Dar al-Sharqiyyat, 2004
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Leben

alemão

Nie Lesen gelernt,
litt seine Seele unter Buchstaben.

Nie ein Haus bewohnt,
ergaben sich seine Augen in Fenstern.

Nie eine Frau geliebt,
waren seine Gefühle heimlich,
sie kamen und gingen still.

Er sah, wie Freunde
und Straßen und Bars
sich veränderten.

Es hieß, er sei gestorben,
als er zwischen Tag und Nacht
klar unterscheiden konnte.

Aus dem Arabischen übersetzt von Leila Chammaa.
Aus: Girgis Shoukry, Und die Hände auf Urlaub. Gedichte. Arabisch-Deutsch
Berlin: Verlag Hans Schiler, 2008

حلم

árabe | Mohammad Al-Nabhan

أَهربُ منكِ..
أراكِ أماميَ في الشارعِ،
في ناصيةِ الشارعِ،
في السّوقِ/ المقهى/ في الفندقِ،
في الفندقِ هذا الصّاخبِ جداً
صَوتكِ موسيقى.

أَهربُ منكِ..
إلى غرفتيَ المُهملةِ الترتيبِ
بلا أُنثى
أُغلقُ بابي،
وأنامْ
كي أَهربَ منكِ
إليكِ.

© Mohammad Al-Nabhan
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

Traum

alemão

Ich fliehe vor dir..
Ich sehe dich vor mir auf der Straße,
auf dem Gehweg,
auf dem Markt / im Café / im Hotel,
diesem schrecklich lärmerfüllten Hotel,
deine Stimme ist Musik.

Ich fliehe vor dir..
in mein unaufgeräumtes Zimmer
ohne Frau.
Ich schließe die Tür
und lege mich schlafen,
fliehe
vor dir
zu dir.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

حكاية حاسرة الرأس

árabe | Girgis Shoukry

© Girgis Shoukry, 2004
from: والأيدي عطلة رسمية
Kairo: Dar al-Sharqiyyat, 2004
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Geschichte ohne Kopfzeile

alemão

Er baute Häuser,
füllte die Leere mit Steinen
und schmückte sie mit Fenstern.

In jedem Haus schuf er eine Treppe,
die übers Dach zum Himmel führte.

War das Bauwerk vollendet,
strömten Menschen hinein und füllten die Leere.
Wenn er an seinen Häusern vorbeiging,
hörte er meist ein fröhliches Lachen und war
zufrieden.

Die anderen nannten ihn Häusermacher,
er sich selbst
Schöpfer von Leben in Räumen
mit Treppen zum Himmel.

Eines abends
ging er in die Berge, er sah keine Leere mehr,
seine Häuser munkelten
von einer Seuche, die allen unbekannt war.
Niedergeschlagen kehrte er heim und
verstummte.

Seine Frau sagte,
er rede wirr von Häusern,
die schneller wüchsen als ihre Bewohner.
Sie hieß ihn niederknien und beten für
Fenster und Türen.

Daraufhin
hörten die Nachbarn lautes Klagen.
Im Nachthemd rannten sie zu seinem Haus.
Am nächsten Morgen errichteten sie eine
Grabstätte
und schmückten sie mit Fenstern.

Aus dem Arabischen übersetzt von Leila Chammaa.
Aus: Girgis Shoukry, Und die Hände auf Urlaub. Gedichte. Arabisch-Deutsch
Berlin: Verlag Hans Schiler, 2008

جدار فيرمير

árabe | Abbas Beydoun

© Abbas Beydoun
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2005

Vermeers Wand

alemão


Vielleicht ist es der kleine Riss in Vermeers Wand, der mich jetzt schmerzt. Denn viel zu wenig nehmen wir uns in Acht vor den Rissen. Ich sage, es geschieht aus Leichtsinn. Mit einem Wahn zu leben, ohne ihm die Krallen zu stutzen. Ein Komma zu sehen und zu meinen, dass es niemals ein schmerzhaftes waw  werden wird. Zu glauben, dass man mit Vorsicht keine Mauern errichten kann, und dass du durch vieles Schwatzen mit Passantinnen dein Leben nicht eines Tages verschwendet auf den Stufen finden wirst.


Vielleicht trügt der kleine Riss, der von Vermeers Wand verschwunden ist. Denn der Schmerz ist nur ein Signum, und wir sprechen darüber erst, wenn seine Zeit abgelaufen ist.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

جباه خالية

árabe | Abbas Beydoun

© Abbas Beydoun
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2005

Hohle Stirnen

alemão


Sie stiegen aus den Kellern mit weißen Tüchern und sammelten sich an der Straße zum Meer


Wir wussten nicht, wer den stummen Befehl erteilt hatte, die Männer von den Frauen zu trennen und wer den Männern angeordnet hatte, auf der Küstenstraße den Kanonenrohren der fünf Panzer zu folgen


Die Menge war vollzählig, es fehlten nicht einmal die, die
niemals die Keller verlassen würden, und vielleicht gingen
sie jetzt in vorderster Reihe, da, wo die Tücher wedelten.
Liefen mit hohler Stirn, durch deren Gitter das Meer
glitzerte. Vielleicht sind dies die Fenster, aus denen die
Leere kein zweites Mal gesehen wird.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

جنسيات عديدة

árabe | Alaa Khaled

الحافلة
كعربة أطفال قديمة
محاطة بالأجراس
تأخذنا بهدوء إلى النوم
ترتج
فتختلط الأحلام واللغات
كزجاجة مياه غازية
نرجها بقوة
لنسبح، جميعا، تحت نافورة الطفولة
نمسح بمرح الرذاذ العالق بوجوهنا
أصحو
أراقب الشجر المتسارع فى عينى
لا أعرف بأى اللغات أتكلم
أو اتهجى اسمى.

جارتى ذات الأصل الصينى
كانت تبتسم
وهى تناولنى منديلا ورقيا.

© Alaa Khaled
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2010

Multikulti

alemão

Der Bus,
wie ein alter
glockenbehangener Kinderwagen
wiegt er uns sanft in den Schlaf.
Ruckelt,
wirbelt Träume und Sprachen durcheinander,
wie Sprudelwasser,
das wir kräftig schütteln
und aus der Flasche schießen lassen,
um dann wie Kinder
alle zusammen im Sprühregen herumzutollen.
Kreischend wischen wir uns
die Wassertropfen vom Gesicht.
Ich erwache,
sehe Bäume vorbeirasen,
weiß nicht, in welcher Sprache ich sprechen
oder meinen Namen buchstabieren soll.
Meine Sitznachbarin, ursprünglich aus China,
lächelt
und reicht mir ein Taschentuch.

Aus dem Arabischen von Mahmoud Tawfik und Leila Chammaa

تحليق

árabe | Mohamad Al-Harthy

تُحَلِّقُ بي هذه الطائرة..
تُحَلِّقُ. تبدأ بالشايِ بعد الطعامِ.
العُطورِ التي تُشترى. المَاءِ يُعصَرُ
مِنْ سُحُبِ اليوم. أغنيةً مُفرِحَة..
وانعِتاقِ العُيون الطفوليِّ في الأجنحَة.

تقولُ لنا:

أنتمُ الآن فوق المكانْ
أنتمُ الآنَ فاصِلةُ الوقتِ بين زمانٍ وبين زمانْ
أنتمُ الآن فوقَ الحُدودِ، وفوق الجُنودِ، وفوق الجُدودِ
الذين يغيبونَ في حَضرَةِ الأضرحَة..
أنتمُ الآن، وحدَكُمُ الآنَ، خارجَ كُلِّ المَمَالكْ
فرَسٌ مُسرعٌ ضدَّ كُلِّ اتجاهٍ بلا كَبوَةٍ
وبلا حَافِرٍ مُثقلٍ بالسَّنابكْ
................................................
.........................................
...............................
تُحَلِّقُ...
لكنَّها لا تُدافِعُ عنا
أمامَ رجالِ الجماركْ.

© Mohammad Al-Harthy
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

Flug

alemão

Das Flugzeug fliegt mit mir..
Es fliegt. Zuerst eine Tasse Tee nach dem Essen.
Parfüm, käuflich zu erwerben. Wasser, gewrungen
aus frischen Wolken. Ein heiteres Lied..
Die Augen kindlich ausgelassen an Bord.

Das Flugzeug sagt zu uns:

Ihr schwebt jetzt über den Dingen
als Trennung zwischen Zeit und Zeit.
Ihr schwebt jetzt hoch über Grenzen, über Soldaten,
über den Ahnen, die tot im Grab liegen..
Ihr - ihr allein -
seid jetzt jenseits von Staat und Imperium
ein galoppierendes Pferd entgegen aller Richtungen
stürzt nicht,
tragt kein schweres Eisen an den Hufen.

..................................................
........................................
..............................


Das Flugzeug fliegt,
schützt uns aber nicht
vor Zollbeamten.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

تلك

árabe | Qassim Haddad

تلك التي تترك المطر يقتفي أثر خطواتها
تلك المتعالية ناظرة إلى الشجر من شرفتها
تلك الرشيقة مشقوقة القميص
طائشة الشعر
تلك الضائعة
منشورة الأجنحة
مأخوذة بفكرة الآلهة
تلك المكترثة بعبء الخَلْق
غير المُتاحة في القصائد،
لا أعرف لها صفة ولا طبيعة.

© Qassim Haddad
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Sie

alemão

Sie,
die auf ihre Schritte den Regen folgen lässt,
erhaben von ihrem Balkon die Bäume überschaut,
die Grazile mit offenem Hemd
und verwehtem Haar,
verloren,
die Flügel ausgebreitet,
ist gefesselt vom Gedanken an die Götter.
Sie,
die sich mit der Last der Schöpfung abmüht
und in Gedichten nicht vorkommt,
ist mir unergründlich in Eigenschaft und Wesen.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

بابان

árabe | Alaa Khaled

البيت الذى أسكن به
له بابان
احب هذا النوع من البيوت
ربما هذا الحب يعود لطفولتى الوحيدة
ليس بسبب الهرب من " الباب الآخر"

كل بيت حقيقى
له طريقان للحياة
عليه أن يقطعهما
ليمنح ساكنيه فى النهاية حكمة الأبواب المتعددة
بهدوء
وبدون ادعاء أو مبالغة .

© Alaa Khaled
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2010

Zwei Türen

alemão

Das Haus, in dem ich wohne,
hat zwei Türen.
Ich mag solche Häuser.
Vielleicht, weil ich ein einsames Kind war,
gewiss nicht, um durch die Hintertür zu verschwinden.
Führten
aus jedem Haus
zwei Wege ins Leben,
dann offenbarte sich uns allen,
ohne große Worte,
ganz von selbst,
dass es immer mehr gibt
als nur eine Möglichkeit.

Aus dem Arabischen von Mahmoud Tawfik und Leila Chammaa

بيتي طابورٌ خامس

árabe | Fatima Naoot

صَحْنُكَ خائفٌ يرتجفْ،
كوبُكَ يبكي
ضممتُه إلى شفتي لأُطَمْئنَه
غافلَني،
وانتحرَ:
نُثارَ خَزَفٍ فوق البلاطِ،
البلاطُ مُغَبَّرٌ،
والثريا غائمةٌ،
مِقْعَدُكْ الذي هناك
ثنى ساقَه
وغَضَّنَ وسائدَه،
فرشاة أسنانِكَ
تفقدُ شَعرَها
ومِنشَفَتُك البيضاءُ
ترفضُ أنْ تشربَ ماءَها ليومين
لتوهمَني
أنها تبكي.

الكتبُ في المكتبةِ ساكنةٌ
لا تتعاركُ مثلَ دائمًا،
الصورُ على الحوائطِ
تشيحُ عني،
أباجورةُ مكتبي البرتقاليةُ
باردةٌ
أبَتْ أن تمنحَني بعضَ الضوءِ لأكتبَ،
والأقلامُ تآمرتْ
وغلَّقتْ على نفسِها الأدراجَ
الشرفةُ عاقِدَةٌ ذراعيها
وأطرقت برأسها بعيدًا
صوبَ الحديقة،
والحديقةُ كسولٌ
لأن العصافيرَ غادرت.

وهناك
 في قاعِ سلَّةِ الغسيل
ترقدُ بيجامتُكَ الزرقاءُ
تتقلَّصُ مثل جنين
يرفضُ الخروجَ إلى العالم
...
بيتٌ حزينٌ
وأشياءُ
تتآمر ضدّي
لأنكَ لن تعود.

بيتي
طابورُكَ  الخامس!


                                                                                القاهرة / 1 أبريل 2009

© فاطِمَـة ناعـُوت/Fatima Naoot
from: The Joy Maker
Cairo: Merit Publishing House, 2012
ISBN: 0-622-351-977-978
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2012

Mein Zuhause, eine Fünfte Kolonne

alemão

Dein Teller zittert vor Angst.
Dein Becher weint,
ich hebe ihn an die Lippen, um ihn zu beruhigen.
Er überrumpelt mich
und stürzt sich in den Tod:
Tonscherben auf den Fliesen,
die Fliesen staubig,
der Kronleuchter trüb.
Dein Sessel dort
hat das Bein eingeknickt
und die Polster in Falten gelegt.
Deine Zahnbürste
verliert die Borsten,
dein weißes Handtuch will sein Wasser nicht trinken,
schon seit zwei Tagen,
damit ich glaube,
es weint.

Die Bücher im Bord schweigen,
streiten sich nicht wie sonst.
Die Fotos an den Wänden
haben den Blick von mir abgewandt.
Der orange Lampenschirm im Arbeitszimmer
ist erkaltet,
schenkt mir nicht einen Lichtstrahl,
damit ich schreiben kann.
Die Stifte haben sich verbündet
und in der Schublade eingeschlossen.
Der Balkon hat die Arme gekreuzt
und den Kopf weggedreht
in Richtung Garten,
der Garten liegt träge da,
denn die Vögel sind davongeflogen.

Dort
auf dem Grund des Wäschekorbs
kauert dein blauer Pyjama,
zusammengerollt wie ein Embryo,
der nicht auf die Welt kommen will
...
ein trauriges Haus,
die Dinge
haben sich gegen mich verschworen,
weil du nicht zurückkehren wirst.

Mein Zuhause
ist deine Fünfte Kolonne!


                                                                        Kairo, 1. April 2009

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

بورتريه للصباح

árabe | Qassim Haddad

الصباح هنا لا يتبع الشمس
صباحٌ أكثر حرية من الشمس
يسبقها ويغرّر بها ويؤجّلها
كلما طابَ للمرأة أن تسهرَ الليل في وحشة النافذة
كلما طال ليل انتظاراتها
فالصباح المُبْكر يسرقها
مسعفاً ضعفها
الصباحُ هنا يبتكر شمساً يؤنس بها المرأة الساهرة.

****

صباحٌ يتماثلُ كلما حرّكَ الناسُ أعضاءَهم
في الرصيف الذي لا زال رطباً
في انكسار الهواء على شرفة موحشة
في القطارات مكتظّةً بالمرايا البخيلة
بالعصافير مرصودةً للشِراك
غابة غائمة
غير أنّ الصباح الذي يسبق الشمس
سوف يمرّ ليوقظَ رائحة الشاي
والقهوة النائمة.
صباحٌ كثيف يحرّر أحلامنا
ويقايضنا بالتفاصيل
بالأكفّ المدماة ذاهبة للعمل
كلما انتصرَ اليأسُ فينا
يقايضنا بالأمل.
صباحٌ هنا سوف لن يستجيب لمشتهيات الكسل
صباحٌ لنا،
كلما ندمَ الضوءُ في غابةٍ
بدأ المحتملْ.
سوف يمتدّ هذا الصباح
إلى أن تقرر أشجاره الكشف عن شمسه
إلى أن يهرول أطفاله في الحديقة قبل الحصص الموهنة
كأسُ الحليب الحبيب الذي تركَ امرأةَ الليل في عطرها هائمة
وانزاح في خلسة من سرير انتظاراتها
امرأة الليل يا وحدها
والحبيب الذي طار في العربات الأخيرة
في قاع برلين
في الدرجات الكثيرة والنوم
لا يرتبط الصبح بالشمس
هذا صباحٌ يلوّن ما تشتهيه الحياة
ويرسم كل التفاصيل
يوقظ ما انتابها في السرير الذي يغادره طيفها
لاحقاً بالعربات الرشيقة تشهق منسابة
في رواقٍ من الأفعوان
ويوقظها مثل شمسٍ قبيل الأوان
صباحٌ له الشمس تفاحة
له امرأة مثلها
كلما طاش في غامض الليل حلُمٌ لها
شـبّـت النارُ مثل النهارات،
كالشمس في غيمة ضائعة
كأنّ الصباح سينسى
كأنّ الجريدة وهي تؤجّل أحداثه
سوف تنسى
كأن الحبيب الذي سوف ينسى
كأنّ التي شغفت بالتفاصيل تنسى
ترى من يسأل الشمس عن فجرها
وهي تنسى؟

© Qassim Haddad
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Porträt des Morgens

alemão

Der Morgen hier folgt nicht der Sonne.
Ungebunden und frei 
eilt er ihr voraus, verlockt sie, hält sie auf,  
immer,
wenn es jene Frau ergreift,
sie nachts einsam am Fenster wacht
und Stunde um Stunde wartet.
In aller Frühe entführt er die glutrote Kugel,
umgarnt sie in ihrer Hilflosigkeit.
Der Morgen hier erfindet die Sonne,
um die schlaflose Frau zu erheitern.
Der Morgen offenbart sich
in jeder menschlichen Regung,
offenbart sich
auf taunassen Gehwegen,
im Wind, der sich an einsamen Balkonen bricht,
in Schnellzügen mit matten Scheiben,
in Vögeln, die früher oder später in die Falle gehen.
Nebelverhangen ist der Wald.
Dennoch erscheint der Morgen
noch vor der Sonne,
weckt Tee und Kaffee duftend
aus ihrem Schlummer.
 
Ein beflügelnder Morgen,
befreit Träume,
fordert zum Alltag heraus,
treibt wunde Hände zur Arbeit an.
Und siegt einmal die Verzweiflung,
so schenkt er uns neue Hoffnung.
Der Morgen hier erliegt nie trägem Müßiggang.
Er gehört uns.
Und verliert das Licht sich einmal im Wald,
so ist es der Beginn für das Mögliche.
Der Morgen wird sich hinziehen,
bis alle Bäume die Sonne enthüllen,
bis alle Kinder sich vor einem tristen Schultag im Hof einfinden.
Der tröstende Milchtrank
verflüchtigte sich unbemerkt,
ließ jene nächtliche Frau in ihrem öden Bett,
im eigenen Duft allein zurück,
schmerzgequält vor Sehnsucht
und einsam.
Ihr Liebster ist entschwunden,
im letzten Wagon,
in Berlins Untergrund,
die vielen Stufen hinab,
in den Schlaf.
 
Der Morgen ist unabhängig von der Sonne,
malt bunt an, was das Leben begehrt,
zeichnet jedes Detail,
erweckt zu Leben, was jene Frau nachts befällt.
Das Traumbild entschwebt dem Bett,  
folgt wendig den Zügen,
die sich ächzend durch endlose Tunnel schlängeln.
Der Morgen erweckt jene Frau zu Leben
wie eine Sonne vor der Zeit.
Der Morgen hat in der Sonne einen Apfel,
seine Frau.
Kaum zerbirst in ihr nachts ein Traum,
entflammt ein Feuer
wie der lichte Tag,
wie die Sonne in ziellos umherirrenden Wolken.
Vergesslich ist
der Morgen,
die Zeitung, wenn sie die Ereignisse aufschiebt,
der Liebste,
jene in ihrer Leidenschaft fürs Detail.
Was weiß die Sonne wohl noch von ihrer allmorgendlichen Geburt,
sollte auch sie vergessen?

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

اسم

árabe | Zakaria Mohammed

من كان بلا اسمٍ
سيُبرى له اسم
ومن كان بلا فمٍ
سيفتح له فم بالسكين.

© Zakaria Mohammed
from: ضربة شمس
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2010

Name

alemão

Wer keinen Namen hat,
bekommt einen zurecht geschnitzt.
Wer keinen Mund hat,
bekommt einen mit dem Messer aufgeschlitzt.

Aus dem Band: Sonnenstich
Aus dem Arabischen von Leila Chammaa, 2010

انتحار

árabe | Zakaria Mohammed

ليس لأكياس البلاستيك الفارغة أجنحة كي تطير
لكنها تحاول الطيران بإصرار

الطيران حلم كل الكائنات الأرضية

غير أن اليأس لا الحلم هو ما يدفع هذه الأكياس إلى الأعلى
تنفخ صدورها باليأس
كما تنفخ ذكور ضفادع صدورها بالهواء
وتقفز كي تطير في السماء

غير أن أغلبها يسقط ويعلق بنبتات الشوك اليابسة
تمسك عيدان الشوك بالكيس وتحجزه، فيصيح:
اتركوني
أريد ان أموت
أريد ان أرمي بنفسي من أعلى عمارة في رام الله!

والناس هنا تظل ترمي بالأكياس
كما ترمي زهرة نرد
وتنظر بحذر إلى التي تنجح في الطيران منها
فهي تهوي في آخر الأمر على رؤوسهم مثل عقبان منتحرة!
٢٠٠٧/١٢/٣

© Zakaria Mohammed
from: أحجار البهت
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2010

Suizid

alemão

Leere Plastiktüten haben keine Flügel,
trotzdem versuchen sie beharrlich zu fliegen.

Vom Fliegen träumen alle Erdbewohner.

Aber es sind nicht beflügelnde Träume,
es ist Verzweiflung,
was Tüten in die Höhe treibt.
Die Brust froschartig,
nicht luft-, sondern kummergebläht,
streben sie mit großem Schwung dem Himmel entgegen.

Die meisten aber sinken wieder zu Boden,
landen in verdorrten Disteln.
Von den Stacheln festgehalten,
schreien sie:
Lasst mich los,
ich will sterben,
will mich vom höchsten Haus in Ramallah stürzen!

Die Menschen hier werfen weiterhin unbeirrt Tüten
wie Würfel
und schauen denen bange nach, die es schaffen,
hoch aufzusteigen.
Denn irgendwann fallen auch diese ihnen auf den Kopf
wie Adler im suizidalen Sturz.

                                 3.12.2007

Aus dem Band: Zauberstein
Aus dem Arabischen von Leila Chammaa, 2010

الحصان

árabe | Zakaria Mohammed

الحصان
يركض بلا فارس
الشمس
تلمع على عنقه وكفله
الحصان
يركض على أرض العشب والحجر

الطيور التي شاهدته أغمضت عيونها
الرجال الذين رأوه جمدهم البرق

كلهم أبصر الهاوية
إلا الحصان الذي كان يجري إليها

هوى الحصان في الهاوية
قبل أن يصرخ طائر
قبل أن يفك البرق قيوده
هوى الحصان
صار ظله غيمة سوداء
فوق الوديان.
 

- مختصر أول للقصيدة ١
الشمس تلمع على عنقه وكفله
الطيور التي شاهدته
أغمضت عيونها
الرجال الذين رأوه
جمدهم البرق

كلهم أبصر الهاوية
إلا الحصان الذي كان يجري إليها.


 - مختصر ثان للقصيدة   ٢
كلهم أبصر الهاوية
إلا الحصان الذي كان يجري إليها.


١٩٩١

© Zakaria Mohammed
from: الجواد يجتاز أسكدار
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2010

Das Pferd

alemão

Das Pferd
galoppiert ohne Reiter,
die Sonne
spiegelt sich auf Nacken und Rücken,
das Pferd
galoppiert über Weiden und Steine.

Die Vögel, die zusehen, schließen die Augen,
die Männer, die zusehen, sind vom Blitz wie gebannt.

Alle sehen den Abgrund,
nur nicht das Pferd,
das mit Lichtgeschwindigkeit darauf zugaloppiert.

Das Pferd stürzt in den Abgrund,
bevor ein Vogel krächzt,
bevor der Blitz den Bann löst.
Das Pferd stürzt,
sein Schatten schwebt als schwarze Wolke
über den Tälern.


1. Kürzung
Die Sonne spiegelt sich auf Nacken und Rücken.
Die Vögel, die zusehen,
schließen die Augen.
Die Männer, die zusehen,
erstarren beim Blitz.

Alle sehen den Abgrund,
nur nicht das Pferd,
das mit Lichtgeschwindigkeit darauf zugaloppiert.


2. Kürzung
Alle sehen den Abgrund,
nur nicht das Pferd,
das mit Lichtgeschwindigkeit darauf zugaloppiert.

                                               1991

Aus dem Band: Üsküdar
Aus dem Arabischen von Leila Chammaa, 2010

الحَوَارِيّون

árabe | Fatima Naoot

خَدْشٌ طفيفٌ في القلبْ
لأن الحواريَّ صمتَ عن الحكايا،
والمساءاتُ تجِفُّ. 

الحواريون ذوو العيونِ الطيّبة
ينتظرون دقَّةَ الربِّ على بابِهم
يُنصتون للوصايا العشر
يجدلونَ السَّعفَ مراكبَ وأشرعةً وصُلبانًا
يسكبونَ الطِّيبَ عند موطئ القدم
ثم يفترقون. 

ينزوي الفتى
-الذي حملَ الكتابَ في صدره-
بعدما أعدَّ  العشاءَ الأخير
وينتظرُ الصَّبيَّة التي نسيتْ أن تعيشَ
وأخفقتْ أن تموتْ،
ليُعلِّمَها درسَ السَّامريّ الصالح
ويُحذّرَها من شوكة "زهرة الصبح".

يأتي الصبحُ
يسمعانِ صوتَ الديكْ
فينهمرُ من جديد
-عبر شرفتِها-
رذاذُ الحَيرة.

تجلسُ في ركن الدار
وحيدةً
-كما دائمًا-
يدُها على خدِّها
تنتظرْ. 

بعد برهة 
سيأتي الملكُ الذي يقفُ على البابِ ويقْرع
مَن يسمعُ صوتَه
يفتحُ البابَ ليدخلَ
والعشاءُ مُعدٌّ،
لكن الصَّوتَ لا يأتي
ولا البابَ قُرِع. 
 
عشرون عامًا أخرى
يجِبُ أن تمرَّ
حتى تقفَ الإجاباتُ على الأسئلة،
عشرون عامًا
حتى تُصادفَ البنتُ الحزينةُ
حواريًّا جديدًا
بعينين رطبتيْن
بدلاً من ذاك الذي
صمَتَ عن الحكايا
وتركَ في القلبِ
خدشًا طفيفًا.
يُوجِعُ.


                                                                                         القاهرة/ 8 أبريل 2012

© Fatima Naoot/فاطِمَـة ناعـُوت
from: unpublished
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2012

Die Jünger

alemão

Leichte Schrammen im Herzen,
weil der Jünger zu erzählen aufhörte
und die Abende verdorrten.

Die Jünger mit gutmütigen Augen
warten, dass Gott an ihre Tür klopft,
lauschen den zehn Geboten,
flechten Palmblätter zu Booten, Segeln und Kreuzen,
gießen Öl auf die Fußspuren
und gehen dann auseinander.

Der Junge
- der das Buch im Herzen trägt –
zieht sich zurück,
nachdem er das letzte Abendmahl bereitet hat,
und wartet auf die junge Frau, die zu leben vergaß
und zu sterben verfehlte,
um ihr die Lektion über den guten Samariter zu erteilen
und sie vor dem Stachel des schönen Morgensterns zu warnen.

Der Morgen bricht an.
Beide hören den Hahnenschrei,
und wieder prasselt
- durch das Fenster der Frau –
die Ratlosigkeit herein.

Sie hockt sich im Haus in eine Ecke,
allein
- wie immer -
die Hand an der Wange,
wartet sie.

Bald
trifft der König ein, der an die Türen kommt und anklopft.
Wer seine Stimme hört,
öffnet ihm, bittet ihn herein
an den gedeckten Abendbrotstisch.
Doch seine Stimme bleibt aus
und das Klopfen an der Tür auch.

Zwanzig weitere Jahre
müssen vergehen,
damit sich auf die Fragen Antworten finden.
Zwanzig Jahre,
damit das unglückliche Mädchen
einen neuen Jünger trifft
mit feuchten Augen
statt dem, der
zu sprechen aufhörte
und im Herzen
leichte Schrammen hinterließ,
die weh tun.

                                                                              Kairo, 8. April 2012

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

الجزيرة المقلوبة

árabe | Zakaria Mohammed

الرحالة الذين مروا بها
رسموا نقطة على خرائطهم
ومضوا
فقد كانت جزيرة طحالب وحجار براكين
ولم تكن أكثر من حجر بين خطوط العرض والطول
وكان في وسع أي غيمة أن تسحبها بظلها

غير أن الطيور التي مرت بها صدفة
رأت ما لم تره العيون
فعلى سواحلها كانت تحت المياه الأسماك:
حمراء كالشقائق
خضراء كالزمرد
زرقاء مثل الوهم
وكانت الأشجار والأحياد والأصداف
والشمس التي من وراء الجبال

هكذا كان الرحالة لا يبصرون الجنة
ولا يدرونْ
أن الجزيرة مقلوبة
وأن أهلها تحت الماء.

١٩٨٩

© Zakaria Mohammed
from: الجواد يجتاز أسكدار
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2010

Insel, kopfüber

alemão

Reisende, die es hierher verschlug,
markierten die Insel mit einem Punkt auf ihren Karten
und zogen weiter.
Denn nichts als Vulkangestein und Moos fanden sie vor,
nichts als Geröll zwischen Breiten- und Längengraden,
das jede Wolke mit ihrem Schatten mühelos fortziehen konnte.

Die Vögel aber, die zufällig hier landeten,
erkannten, was Menschenaugen verborgen blieb.
An den Ufern tummeln sich im Wasser die Fische,
rot wie Anemonen,
grün wie Smaragde,
blau wie Traumbilder,
es gibt Bäume, Korallenriffe, Muscheln
und hinter den Bergen lugt die Sonne hervor.

So übersahen die Reisenden das Paradies,
erkannten nicht,
dass die Insel kopfüber steht
und ihre Bewohner im Wasser leben.

                                                1989

Aus dem Band: Üsküdar
Aus dem Arabischen von Leila Chammaa, 2010

الأرواح

árabe | Zakaria Mohammed

أرواحهم
عصافير حذرة
 تلعب بأذيالها عند طرف عيوننا

أرواحهم
تركض من غرفة إلى غرفة:
تطفيء الشمعة
وتصفق الأبواب

معها لن ينفع الثوم
ولا النفتالين
عليك أن تحرق البيت بما فيه
كي تحترق الأرواح
المعلقة من أرجلها كالخفافيش
على علاقات الملابس في الدواليب.

١٩٩١

© Zakaria Mohammed
from: الجواد يجتاز أسكدار
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2010

Seelen

alemão

Ihre Seelen
sind scheue Vögel,
wippen in unserem Augenwinkel
mit dem Schwanz.

Ihre Seelen
huschen von Raum zu Raum,
löschen Kerzen,
schlagen Türen zu.

Weder Knoblauchzehen noch Mottenkugeln
vertreiben sie.
Man muss das ganze Haus samt Einrichtung in Brand setzen,
um sie zu vernichten,
sie, die Seelen,
die in den Schränken
von den Kleiderbügeln baumeln
kopfunter wie Fledermäuse.

                                      1991

Aus dem Band: Üsküdar
Aus dem Arabischen von Leila Chammaa, 2010

الانتحار

árabe | Abbas Beydoun

© Abbas Beydoun
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2005

Der Selbstmord

alemão

Der Koffer wurde ihm zunehmend schwer in der Hand, je länger er lief
und als er hinaufstieg
bemerkte er, dass die Treppe sich hinter ihm zusammenfaltete
doch er schaute nicht zurück
im Zimmer machte er Licht und sah eine Kerze stehen
er hatte die Vorstellung, sie stecke in seinem Kopf
dann
spürte er im Koffer das plötzliche Gewicht eines gewaltigen Lärms
als rede eine gesamte Stadt darin
den ganzen Tag lang war er herumgelaufen
als suche er ein Loch in seinem Inneren
und von irgendwoher
waren Gewirr und endlose Gespräche geprasselt

Den ganzen Tag lang hatte er gespürt, wie Dinge sich
in seine Kleidung und in seinen Koffer verirrten
meist las er seine Gedanken von der Straße auf
oder griff sie aus der Luft
ebenso verlor er Dinge, auf die er nicht Acht gab
wie ein Gewand, das sich heimlich davonschlich

Dann merkte er, dass er den Blick nicht fassen konnte
aus der Leere
und ihm etwas davon in den Wimpern hängen blieb
wie ein Wort auf der Zungenspitze

Die Luft war warm
die Häuser
und die Stadt
folgten aufeinander
er konnte sich nicht erinnern, doch die Dinge stürzten auf ihn ein
als entstiegen sie einem Loch in der Zeit
er bahnte sich den Weg zu einer Straße, die aus der Ferne näher kam
Toren entgegen, die plötzlich aufleuchteten in der Finsternis
aus allen Richtungen vernahm er das Gemurmel
von Zeugen, die ihn identifizierten

Sie diskutierten, und geistesabwesend schnappte er
Fetzen ihrer Stimmen auf
unfähig, den Kopf aus dem Dunst zu heben

Er lief im Gestern
sie sprachen miteinander, und er würgte die Worte hervor
überholte Worte
er hatte die Sprache verloren
wandelte im Gedächtnis
als liefe er durch eine Ausstellung
in der ihm nichts gehörte
vergeblich musste er von neuem beginnen und wieder seinen Namen buchstabieren
und dies vom gegenüberliegenden Gehweg aus
doch immer, wenn er ansetzte
beengte ihn sogar der Schatten seines Hutes
und wann immer er merkte, dass seine Bewegungen stürzten und sich wiederholten
dass er den Atem anhalten musste
damit sein Rückgrat nicht jedes Mal klirrte, wenn er darauf achtete
und im Echo wogte
war dies zweifellos keine Bagatelle

Er musste also nichts tun
musste nur das Ende der Straße erklimmen
hinterließ dabei eine Schnur von Schritten, die er sich von den Füßen löste
er musste sich dort aufstellen wie ein Mast
(was an ein mittlerweile fernes Meer erinnerte)
und hinter sich
die Lampen eine nach der anderen erlöschen lassen

Am Morgen lag er ausgestreckt da
die Brille zerbrochen
doch aus seinen Augen strömte es weiß
auf dem Tisch befanden sich eine Zeitung und ein aufgeschlagenes Buch
eine Flasche und zwei leere Gläser
eine Schlaftablette
kleine Zeichnungen auf einem Blatt und der Versuch
ein Wort mit großen Buchstaben zu schreiben
und auf dem Tisch lag auch
ein blankpolierter Revolver
die Schuhe standen bereit
das Hemd lag gefaltet
und die Uhr auf einem Stuhl

Er trug halb einen Pyjama und halb Straßenkleidung
offensichtlich war er in mancherlei Hinsicht unentschlossen
als er sich erschoss
war das Zimmer im Großen und Ganzen aufgeräumt
die Zeit kroch langsam voran
wie eine Fliege eine Scheibe empor
auf der Straße rollten wie eine Welle ein Arzt, Polizisten und Genossen heran
die Polizisten waren sehr verärgert
denn er hatte ihnen nichts hinterlassen
der Arzt entdeckte keine Anzeichen für einen Komplott
die Genossen nahmen ihn streng ins Gericht
und auch wenn schon alle von seinem Selbstmord wussten
redeten sie unaufhörlich von seiner Leiche
und rezitierten – vielleicht – aus seinem Werk
ein Gedicht über die Zukunft

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

النشيد القومي

árabe | Girgis Shoukry

© Girgis Shoukry, 2004
from: والأيدي عطلة رسمية
Kairo: Dar al-Sharqiyyat, 2004
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Nationalhymne

alemão

Wir Messer
haben Klingen, die schreien,
und Griffe, die tot sind.

Wir wissen, dass wir schlachten und zerfetzen,
uns täuscht die Liebe des Schlächters nicht.
Wir lächeln dem Opfer zu, wenn es leidet.
Hasst uns nicht,
wir glauben nicht an die Liebe.
Wir wurden hingebungsvoll erschaffen,
aber ohne Herz.

Unser Gefühl liegt in der Messerspitze.
Der Schmied, unser Schöpfer, gab uns den Befehl,
mit aller Kraft zu töten,
damit wir selbst am Leben bleiben.

Hasst uns also nicht, wenn wir euch abschlachten.
Wir kennen keinen Schmerz,
und weinen auch nicht. Wir töten
mit hoch erhobener Klinge,
ohne Angst.

Aus dem Arabischen übersetzt von Leila Chammaa.
Aus: Girgis Shoukry, Und die Hände auf Urlaub. Gedichte. Arabisch-Deutsch
Berlin: Verlag Hans Schiler, 2008

المحرق

árabe | Qassim Haddad

أزقّتها المتربة
تجاعيد أطفالها الشاحبة
زرقتها،
ريشة التاج في عرسها
بحرها يحرسُ الفقرَ فيها
ويجتازها
تحضر الآن، في غيم برلين
رغم المسافات
تقترح الكتب الغائبة
أسمعُ نومَ النوارس في معطف الليل
أسمعها في الظهيرة
أركضُ،
والشمس خلف الخطى التائبة
يا أيّها الولع المرّ
يا منتهاي البدائي
أيتها المدن الغريبة
أنساكِ كي أتذكّرها وحدها
فرساً سائبة.

© Qassim Haddad
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Muharraq

alemão

Staubige Gassen,
runzelig matte Kindergesichter,
blau,
federbesetzte Hochzeitskrone.
Das Meer hütet hier die Armut,
überwindet sie.
Muharraq zeigt sich nun im wolkenverhangenen Berlin
allen Entfernungen zum Trotz,
regt ungeschriebene Bücher an.
Ich hören die Möwen schlafen, umhüllt vom Mantel der Nacht,
höre sie am helllichten Tag,
laufe,
die Schritte wehmütig, gefolgt von der Sonne.
Bitteres Verlangen,
endender Beginn.
Fremde Städte,
euch alle vergesse ich
und denke an sie,
die einsam ist
wie ein verlassenes Pferd.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

إشارة مرور

árabe | Alaa Khaled

فى إشارة مرور تقاطع
شارع الغار مع شارع فينتورا
هناك سيدة عجوز
أشاهدها كل يوم
وبجانبها بيتها المتنقل
تلك الحقيبة البلاستيكية الملآنة بالنفايات الصلبة للمدينة
ثضغط على زر إشارة المرور
فتتوقف لها العربات
تعبر السيدة الطريق بخيلاء
ثم تعاود الكرة فى الاتجاه المعاكس
لاتملك أن تأمر أحدا فى هذه المدينة الكبيرة
سوى إشارة المرور
وآخرين، لانراهم،
تظل تصرخ فى وجوههم، أثناء رحلة عبورها للطريق،
كى يكونوا شجعانا
ويعبروا معها
هذا التقاطع الخطر
بين ضفة وأخرى للعقل.

© Alaa Khaled
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2010

Ampel

alemão

An der Kreuzung
Laurel Canyon Boulevard Ecke Ventura Freeway
steht eine alte Frau.
Jeden Tag sehe ich sie an der Ampel.
Und immer hat sie ihr mobiles Zuhause dabei,
eine Plastiktüte voll gesammelter Abfälle.
Sie drückt auf den Knopf,
die Autos halten an,
stolz überquert sie die Straße.
Sie wiederholt das Spiel von der anderen Seite.
Nur die Ampel
hört in der riesigen Stadt auf ihren Befehl
und ein paar unsichtbare Wesen,    
die sie auf ihrer Reise über die Fahrbahn immerzu anschimpft,
sie sollen nicht so feige sein
und gefälligst mitkommen
über den gefährlichen Damm
zum anderen Ufer des Geistes.

Aus dem Arabischen von Mahmoud Tawfik und Leila Chammaa

إن كانَ مُحَتَّماً عَلَيَّ أن أعبُدَ إلَها

árabe | Monzer Masri

إن كانَ مُحَتَّماً عَلَيَّ أن أختارَ إلَهاً
لأعبُدَ وأخدُم
فإلَه جَدَّتي
مَن كانَت تُرسِلُهُ مَعي أينَما ذهَبت
وَتُكَلِّفُهُ بِحِراستي أينَما كُنت
وتطلبُ منهُ أن يُرسلَ لي
أناساً أحنَّ منها عليّ
هُوَ إلَهي .
/
كانَ لي أن عَبَدتُ النَّارَ يَوماً
وَكانَ لي أن عَبَدتُ صَنَماً
وَيوماً عَبَدتُ زَعيماً
وَيومأ عَبَدت امرَأةً
وَيوماً لَم أعبُد
أحَداً
ثُمَّ لَم أجِد بُدَّاً مِن أن أحني رَأسي
عَندَما قالتَ جَدَّتي :
( خَيرٌ لَكَ
أن تَكونَ حَياتُكَ بينَ يدَيِّ اللَّه
من أن تَكونَ
بَينَ أيدِي البَشَر .
/
إلَهُ جَدَّتي هُوَ إلَهي
مَن كانَت تُقدمُ لي
رَمَّانَةً حُلوَةً على طَبَق
وَتوصيني ألأ أترُكَ حَبَّةً منها
تَقَعُ على البَلاط
لأنَّ اللَّهَ يَضَعُ في كُلِّ رَمَّانَةٍ
حَبَّةً من رَمَّانِ الجَنَّة .
/
وحينَ جَمَعَ خاليَ رُفاتَ جَدِّي
في كيسٍ مِنَ البلاستيك الشَّفَّاف
بانَ منهُ جُمجُمَةٌ صغيرةٌ
أصلحُ أن تكونَ لطفل
مع بَعضِ العِظامِ السوداءِ المكسرة
وَنَقَلَهُ على دَرَّاجَتِهِ النَّارية
مِنَ المَقبَرَةِ الشَّرقيَّة
حَيثُ أقيمَت مَحَطَّةُ القِطار
إلى قَبرِهِ الجَديد
بظِلِّ سورِ جامِعِ المَغرِبي
قالت : ( رَحَمَهُ اللَّه
مَكتوبٌ لَهُ
أن يركَبَ الدَّراجَةَ النَّاريَّة
خَلفَ أحَدِ أولادِه ) .
/
مَن يَصيحُ بِكَ :
( الصَّلاةُ خَيرٌ مِنَ النَّوم )
النَّومُ وليس أيُّ شَيءٍ آخر
ثُمَّ يَدَعُكَ تَحلَم .
/
مَن إذا أخطَأتَ مَرَّةً ومَرَّتينِ وثَلاث
مَن إذا قَضَيت حَياتَكَ كُلَّها تُخطِئ
وَفي اللَّحظَةِ الأخيرَة
حينَ لَم يَبقَ لَديكَ أدنى فُرصةٍ لأيِّ خَطأٍ آخر
تُبتَ وطَلَبتَ المَغفَرَة
يَقبلُ .
/
مَن أوجَدَ العالَم
وهُوَ في غِنَىً عَنه
لكنهُ يتَحَمَّلُ وزرَهُ كامِلاً .
/
مَن خَلَقَنا ولَيسَ في نَفسِهِ غايَةٌ
سِوى أن يُحبّ
وَكأيِّ عاشِقٍ حقيقي
يشترِطُ علينا أن
لا نُشرِكَ في حُبِّهُ أحَداً .
/
مَن جَلَسَت جَدَّتي لِتَقرَأ في كِتابِه
فَراحَت تُتَمتِمُ
بما تَحفَظُهُ عَن ظَهرِ القَلب
من ( آيَةِ الكِرسي )
وَهِيَ تُقَلِّبُ مع كُلِّ كَلِمَةٍ
صَفحَةً كاملةً مِن سُورَةِ ( البَقَرَة )
لكنهُ
سَمِعَ وفَهِمَ وَسُرَّ .
/
قَلتُ لَها : ( هَل تَعلَمينَ يا جَدَّتي
أنَّ ثُلثَيَّ جَسَدِ الإنسانِ
ماء ؟ )
قالت : ( لا ... بَل ثُلثاهُ
دُموع ) ..

© Scharikat Riyâd ar-Rayyes
from: „Mazharîyya ’ala hai’at qabdat yad“ (Eine Vase in Form einer Faust)
Aus dem Zyklus: Das Echo, das sich irrte

Beirut
Audio production: Scharikat Riyâd ar-Rayyes

Wenn ich unbedingt einen Gott anbeten muss

alemão

Wenn ich mich für einen Gott entscheiden müsste,
dem ich ergeben diene,
dann wäre es der meiner Großmutter.
Der, den sie beauftragte,
mich auf all meinen Wegen zu begleiten,
mich stets und überall zu schützen
und mir wohlwollende Menschen zu schicken.
Der wäre auch mein Gott.
Vieles habe ich in meinem Leben schon angebetet,
Götzen,
Machthaber,
das Feuer,
auch mal eine Frau,
und dann wieder gab es Zeiten, da glaubte ich
an nichts.
Schließlich aber kniete ich nieder,
denn Großmutter sagte:
„Besser du legst dein Schicksal Gott
als einem Menschen in die Hand.“
Ihr Gott ist auch der meine.
Sie,
die mir süße Granatäpfel servierte
und mir einschärfte,
ja nichts davon fallen zu lassen,
weil Gott in jede dieser Früchte
einen Samen aus dem Paradies gesteckt hat.  
Als mein Onkel Großvaters sterbliche Überreste
in einen durchsichtigen Plastiksack legte,
sah ich
einen Schädel, kaum größer als der eines Kindes,
und ein paar zerbrochene schwarze Knochen.
Auf sein Motorrad geladen,
brachte mein Onkel ihn
vom östlichen Friedhof,
wo jetzt der Bahnhof steht,
zu seiner neuen Ruhestätte
im Schatten der Maghrebi-Moschee.
Großmutter sagte:
„Es war dem Guten, Gott habe ihn selig, vorbestimmt,
auf dem Motorrad spazieren gefahren zu werden.“
Der, der dir ins Ohr brüllt,
dass beten löblicher ist als schlafen
   - als schlafen, wohlgemerkt -
und dich dann weiterträumen lässt.
Der, der dir vergibt,  
wenn du Reue zeigst.
Selbst wenn du ein- und zwei- und dreimal sündigst,
selbst wenn du es dein Leben lang tust,
selbst wenn du erst im allerletzten Moment
um Gnade bittest,
wo dir für weitere Fehltritte
ohnehin keine Zeit mehr bleibt.
Der, der die Welt erschuf,
obwohl er sie nicht braucht,
und dennoch all ihre Sünden auf sich nimmt.
Der, der uns erschuf,
einzig und allein
der Liebe wegen.
Und der als Liebender
von uns verlangt,
dass wir keinen lieben neben ihm.
Der, dessen Buch Großmutter in der Hand haltend,
Verse aus dem Gedächtnis vor sich hinmurmelte,
während sie wahllos die Seiten umblätterte.
Er hörte ihr trotzdem zu, verstand und freute sich.
„Großmutter,“ fragte ich,
„wusstest du, dass der Mensch
zu zwei Dritteln aus Wasser besteht?“
„Nein“, sagte sie,
„der Mensch besteht zu zwei Dritteln
aus Tränen.“

Aus dem Arabischen von Mahmoud Tawfik und Leila Chammaa

أجري خلفَ كلِّ شيءٍ يجري

árabe | Monzer Masri

أخافُ أن يَأتي أحَدٌ
ويُجَنِّبَني هَذِهِ الحَرب
لأنِّي أحمِلُ اسماً مَيِّتاً
وقُوَّتي عاريَةٌ مِنَ
الأوراق .
/
أخافُ أن يَأتي أحَدٌ
ويَقولَ لي :
( دَعِ المَوتَى يَدفنونَ مَوتاهُم واتبَعني )
أتبَعُهُ
مُجَرجِراً مَوتاي في قَلبي .
/
يَمضي وَهُوَ يُغَنِّي : ( لَم أُخلَق لأتبَعَ أحَداً )
فَأتبَعُهُ وأنا أُغَنِّي : ( لَم أُخلَق لأتبَعَ أحَداً ) .
/
لأنَّه يَنقَصُني كُلُّ شَيء
أسُفُّ مَطحونَ وَرَقِ الغَار
وَفي كُلِّ مَرَّةٍ
أنسى إذا أكَلتُ مِنهُ سأموت .
/
أخافُ أن يَأتي أحَدٌ
يَعرِفُني مِن ظَهريَ بَينَ الوُجوه
فَيُناديني بِاسمِي ولَقَبِي
ويَمنَعُني أن أمضي
إلى حَيثُ
( ثِيابي تُلائمُ الطَّقس ) .
/
قالَ إنَّهُ سَيقطَعُ طَريقي
وأنا نَفسي
لا أعرِفُ طَريقي !
/
أذهَبُ مَعَ الهَواء .
/
أخافُ أن يَأتي أحَدٌ
ويُمسِكَني مِن كُمِّ قَميصي
أو يَتَعَلَّقَ بِي مِن ساقي
فَلا أستَطيعُ أن أجري
خَلفَ
كُلِّ شَيءٍ
يَجري ..

© Scharikat Riyâd ar-Rayyes
from: „asch-Schây laisa batî’an“ (Tee ist nicht langsam)
Beirut : Scharikat Riyâd ar-Rayyes, 2004
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2010

Ich laufe allem nach

alemão

Mir graust bei dem Gedanken,
jemand könnte mich aus dem Krieg ausschließen,
weil ich einen toten Namen trage
und meine Kraft sich nicht
ausweisen kann.
Mir graust bei dem Gedanken,
jemand könnte zu mir sagen:
„Lass die Toten ihre Toten begraben und folge mir!“
Und ich folge ihm,
meine Toten im Herzen mitschleppend.
Er geht voran, singt:
„Ich bin nicht zum Mitläufer geboren!“
Ich trotte ihm nach, singe:
„Ich bin nicht zum Mitläufer geboren!“
Weil es mir an allem mangelt,
gebe ich mich mit gemahlenen Lorbeerblättern zufrieden,
verdränge mit jedem Happen,
dass ich daran sterben werde.  
Mir graust bei dem Gedanken,
jemand könnte mich von hinten erkennen,
mich mit meinem Namen ansprechen
und mir verbieten, dorthin zu gelangen,
wo meine Kleidung zum Wetter passt.
Er sagt, er würde sich mir in den Weg stellen,
dabei kenne ich nicht einmal selbst
meinen Weg.
Ich folge dem Wind.
Mir graust bei dem Gedanken,
jemand könnte mich am Ärmel packen
sich mir ans Bein hängen,
jemand könnte mich daran hindern,
ausnahmslos allem nachzulaufen.

Aus dem Arabischen von Mahmoud Tawfik und Leila Chammaa

أُختُهُ العاطفة

árabe | Monzer Masri

قضى حياتَه
في حروبٍ قامَت وما قعَدَت
بينَ أُمِّهِ الغرائز
وأبيهِ العقل .
/
وقبلَ أن يَموت
فوجِئوا حينَ أسَرَّ لهم
بأنَّ ما قتلَهُ هوَ
أُختُهُ العاطفة ..

© Monzer Masri
from: „Âmâl schâqqa“ (Harte Hoffnungen)
Aus dem Zyklus: „Gedichte aus der Tasche eines Khakimantels“

Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2010

Schwester Liebe

alemão

Sein Leben war
eine einzige Schlacht
zwischen Mutter Instinkt
und Vater Verstand.
Auf dem Sterbebett
erschütterte er alle
mit seinem Bekenntnis:
Der Todesstoß
kam von
Schwester Liebe.

Aus dem Arabischen von Mahmoud Tawfik und Leila Chammaa

أَقلب كلمة الخوف

árabe | Abbas Beydoun

© Abbas Beydoun
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2005

Ich wende das Wort Angst

alemão


Der Fleck, auf den der Lichtschein fiel, ist erloschen, wir waren auf ihm getrieben, allein blieben wir am Tisch zurück, zogen los dicht bei den Fenstern, und die feuchten Wände zeigten sich uns.


Der Tisch war makellos weiß. Vom Winter gefärbt. Die Hände, ein wenig größer als vorher, ruhten wie Betten neben den vereisten Spielkarten


Der Wagen blieb stehen bei dem Frost. Die, die in der Kälte gruben, haben aufgehört oder sind verschwunden, dorthin, wo der Blitz seine Zähne hineinschlug


Diese Lampen nützen nur bei fortwährender Sonnenfinsternis und bei der Konservierung von Wänden. Die Säulen sind ein wenig mumifiziert, ebenso der Baum. Wir merkten nicht, dass sie unentwegt an die Wand hämmerten, ohne aus dem Stein und der Kälte herauszukommen


Dennoch, die Rettungsboote standen auf dem Balkon, das Haus flog mit seinen Vorhängen beinahe davon, und ich, ohne zu wissen, was sie in der Kälte begraben haben, wende das Wort Angst und gehe fort.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

أنا ماءٌ

árabe | Fatima Naoot

"أنتِ ماءٌ
لأنكِ يا صغيرتي
من نسْلِ حابي"،
قالتِ العجوزُ التي تضرِبُ الوَدَعَ
فوق الرمال:
"وإذن،
تحتاجين خَزَّافًا
أصابعُه ترابٌ
يصوغُكِ طميًا
بلون الخمر،
خِصْرُكِ
دقيقًا ينحتُه
كما النُّسغِ،

ونحرُكِ
واسعًا يبسطُه
مثل سجّادةٍ فارسية
لتحطَّ عليها اليماماتُ والسَّلوى
وتلقطَ من كفّيكِ المَنَّ أحمرَ
وكسراتِ الخبزِ سمراءَ،
ثم ساقان طويلتان
كما لأَخِيْل السريعِ الخَطْوِ،
بعدها
يرسمُ شفتيكِ نحيلتين
تقولان الشِّعرَ عذبًا ولاذعًا،
ويخطُّ لكِ عينين لامعتين
لا تكفّانِ عن الدهشة
والفرح،
ثم يدسُّ حبّاتِ الكَرَز والعنب
في مكامن الوجع،

في الأخير
يبسطُ غيمةً بيضاءَ فوق الجسد الطريّ
إلى أن يجفَّ الطميُ
يتكئُ برهةً إلى صخرة
ثم يذهبُ عند البحر المالح
ليكتري شريطًا من الفيروز
يلملمُ خُصُلاتِكِ الجعداءَ النافرةَ
التي تعرفُ كيف تسافرُ للبعيد
ولم تتعلمْ بعد
كيف تعود."

                                                       الإسكندرية  / 1 أغسطس 2009

© فاطِمَـة ناعـُوت/Fatima Naoot
from: The Joy Maker
Cairo: Merit Publishing House, 2012
ISBN: 0-622-351-977-978
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2012

Ich bin Wasser

alemão

„Du bist Wasser,
weil du, meine Kleine,
von Hapi abstammst“,
sagte die Alte, die Muscheln befragt
auf den Sand.
„Deshalb
soll ein Töpfer
mit irdenen Fingern
dich erschaffen
aus Ton
zartgelb wie Wein,
dir eine Taille formen,
zierlich wie der Stängel einer Blume,
eine Brust,
die sich offenbart wie ein edler Teppich,
dass sich Wildtauben und Wachteln auf ihr niederlassen,
dir rotes Manna
und dunkle Brotkrumen aus der Hand picken.
Er schenkt dir ein Paar Beine, lang,
wie für den schnellen Achilles bestimmt,
zeichnet dir schmale Lippen,
die sanft lodernd Gedichte sprechen,
graviert dir zwei leuchtende
immer staunende
und freudestrahlende Augen ein,
setzt Kirschen und Weintrauben
an dem geheimen Quell des Schmerzes.

Am Ende
legt er eine weiße Wolke über den feuchten Körper,
bis der Ton trocknet.
Er lehnt kurz an einen Felsen,
tritt dann an das Salzmeer,
entnimmt ein türkisfarbenes Band
und bändigt dein widerspenstiges Lockenhaar,
das in die Ferne aufzubrechen weiß,
den Weg zurück aber noch nicht kennt.“


                                                                      Alexandria, 1. August 2009

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

ألم

árabe | Zakaria Mohammed

ألمي إبريق
على طاولة
وعصاي ليست معي
لأهشمه.

                ۲۰۰۱

© Zakaria Mohammed
from: ضربة شمس
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2010

Schmerz

alemão

Mein Schmerz ist ein Krug
auf dem Tisch.
Ich habe keinen Stock zur Hand,
um ihn zu zerschlagen.

                        2001

Aus dem Band: Sonnenstich
Aus dem Arabischen von Leila Chammaa, 2010

يضَعُ حَصاةً في جيبِه ليتذكَّر

árabe | Monzer Masri

يضَعُ حَصاةً في جيبِه
ليتذكَّر
ويربُطُ خيطاً بإصبَعِه
ليعرِفَ كيفَ يعود
حتّى فاضَت بالحَصى جُيوبُه
وتشابكت أصابِعُهُ بالخُيوط .
...
وضاع ..

© Monzer Masri
from: „Âmâl schâqqa“ (Harte Hoffnungen)
Aus dem Zyklus: „Gedichte aus der Tasche eines Khakimantels“

Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2010

Er legte sich einen Kiesel in die Tasche, um sich zu erinnern

alemão

Er legte sich einen Kiesel in die Tasche,
um sich zu erinnern.
Er band sich einen Faden um den Finger,
um den Weg zurück zu finden.
Bis ihm aus allen Taschen Kiesel quollen
und die Finger sich in den Fäden verhedderten.
...
Da ging er verloren.

Aus dem Arabischen von Mahmoud Tawfik und Leila Chammaa

يفرك ظهرنا شجر

árabe | Ali Al Jallawi

أعلّق روحي على معطف امرأة
نزلت في الغناء
تعيد العصافير للنهر،
قالت:
إذا رجع الأنبياء عن الوعد بالآخرةْ
فاصلبوا عند باب المدينة عيسى
وحنوا بماء يديه ضحايا قنابلكم
إن بين القتيل ولحظته طفلةٌ
عبأت جيبها بالتراب،
وقالت: هنا يسكن الله / فانقطع الصوت في الذاكرة.  

قالت امرأة بملامحها البربرية:
كانوا على عَجَلٍ يكتبون الوصايا
وكان النبيون.. تصعد خطوتهم في بياض
وقتلى يعودون من موتهم
بأصابعهم يملؤون فراغ الرصاص على صدرهم
ثم تصمتُ
يرتفع الله في حزنه خطوتين
ويرتبك الفرح الطفل في (الناصرة)

قالت امرأة كان يجلس في جنبها شاعر
سوف يمرض في حبها:
السماء أقل ارتفاعا هنا مثل أحلامنا.. ثم تصمتُ
يصعد في الصمت قلبي الكثير، وتهبط مدرجها الطائرة.

ملائكة يقفون على مصعد الغيم
كان ملاك صغير يعدُّ أصابعه ثم ينسى
يشيرُ إلى القادمين من الموت
آهٍ ترى كم من القتل نحتاج كي يسرع الرب بالآخرة.

قالت امرأة صار ينبتُ في صمتها شاعر
مرضت مثله:
السماء أقل بياضا هنا مثل أفراحنا.. ثم تصمتُ
ينفرط الشاعر القروي على نفسه،
                          ويعيدُ إلى صدرها الدائرة.

© Ali Al Jallawi
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2011

Den Rücken kratzt uns der Baum

alemão

Ich hänge meine Seele an den Mantel einer Frau.
Singend steigt sie hinab zum Fluss,
lockt die Vögel zurück,
sagt:
Sollten die Propheten vergessen,
dass sie uns das Jenseits versprochen haben,
dann schlagt beim Stadttor Jesus ans Kreuz,
fangt das Wasser von seinen Händen auf,
balsamiert damit wie mit Henna die Opfer eurer Bomben ein.
Zwischen Gefallenem und Todesmoment steht ein Mädchen,  
die Taschen voll Erde,
sagt:
hier wohnt Gott / dann bricht die Stimme im Gedächtnis ab.

Eine Berberin sagt:
Die Gebote wurden in aller Eile geschrieben,
die Propheten hoben ab, gingen in weißem Dunst auf.
Ermordete kehrten aus dem Tod zurück,
die Brust zerschossen,
die Finger in die Einschusslöcher gesteckt.
Dann schweigt sie.
Gott steigt in seiner Trauer zwei Schritte empor,
und in Nazareth gerät die junge Freude aus dem Takt.

Eine Frau - neben ihr ein Dichter, krank vor Liebe zu ihr – sagt:
Der Himmel hier ist weniger hoch - ebenso unsere Träume...
Dann schweigt sie.
Im Schweigen
fliegt mein Herz auf,
und das Flugzeug setzt zur Landung an.
Engel führen den Aufzug himmelwärts.
Ein kleiner Engel zählte seine Finger, vergisst,
er zeigt auf die Rückkehrer aus dem Tod.
Wie viel Mord ist nötig, damit sich Gott im Jenseits beeilt?

Eine Frau - krank wie der Dichter, der aus ihrem Schweigen erwächst -
sagt:
Der Himmel hier ist weniger weiß - ebenso unsere Freude... Dann schweigt sie.
Der Dichter, ursprünglich aus einem Dorf, zerspringt,
schenkt ihren Brüsten die Rundung zurück.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

والأيدي عطلة رسمية

árabe | Girgis Shoukry

© Girgis Shoukry, 2004
from: والأيدي عطلة رسمية
Kairo: Dar al-Sharqiyyat, 2004
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Und die Hände auf Urlaub

alemão

1

Ich sah die einen altern,
habe andere auf den Friedhof geleitet.
Ich habe geweint
und ihnen meine aufrichtige Trauer zuteil werden
lassen. Auch
die Straßen sind gealtert,
manche Häuser verfallen.
Mein Mantel, den ich so sehr liebte,
ist auf tragische Weise
in der Küche verendet.
Meine Magenwände sind eingerissen
vor Nervosität,
meine Füße wund
von der unablässigen Jagd nach Liebe.
Immer noch
betrinke ich mich in derselben Bar
mit meiner rechten Hand,
die das Glas führt
an meinen Mund,
jeden Abend,
seit zwanzig Jahren,
und darauf wartet,
dass auch ich alt werde.


2

Einmal habe ich geweint,
meine Tränen aber nicht gefunden
und die Augen für immer verloren.

Einmal habe ich geschrien,
da ergriff meine Stimme die Flucht
und ließ mich nackt zurück.

Einmal habe ich gelacht,
und mein Mund stürzte einsam
zu Boden.

Einmal...
Einmal...
War ich es?

3

Einsam wie ein Tisch
in einem verlassenen Haus,
nachdem die Stadt überfallen und zerstört wurde.
In einem verängstigten Haus,
in einer traurigen Stadt,
deren Bewohner geflüchtet sind
und die Tische zurückgelassen haben,
ohne Stühle,
in verfallenen Häusern
und einsam
wie Menschen ohne Stühle.
Dort
lebte er
einsam wie ein Tisch ohne Stühle.

4

Er stieg auf einen Tisch
und befahl seinen Freunden,
hinauszugehen in alle Zimmer
und unter den Stühlen
Ausschau zu halten
nach Sündern,
die Buße nötig hätten.
Dann rief er: Ich bin es,
euch sind eure Sünden vergeben.

Als die Stühle sich selbst nicht mehr tragen
konnten
und ihm die Füße küssten,
applaudierten seine Freunde
und berichteten ihm,
dass die Körbe leer seien.
Hunde hätten sich über den letzten Fladen Brot
hergemacht.
Da wünschte er der Erde Verderben.
Seine Hände brachen in Tränen aus,
denn er hörte mit an, wie die Wände sich
absprachen,
ihn auszuliefern, um selbst heil davonzukommen.
Hier
schlossen sich die Fenster, 
der Tisch teilte sich entzwei,
der Strom fiel aus.
Als die Mutter hereinkam und schimpfte
wegen all der Unordnung,
fiel der Schauspieler lachend um.

5

In der leeren Kirche
wohnt ein trauriger Gott,
klagt seinen Kummer den Bänken.
Kerzen brennen ab,
ohne Gläubige.
In der leeren Kirche
sitzen
Gebet und Einsamkeit
miteinander
auf einer leeren Bank.

6

Ich habe nicht geträumt.
Ich nahm meinen Kopf und ging zu Bett.
Im Schlaf sprach ein Blinder zu einer Lampe
vom Faden, der im Nadelöhr spazieren gehe,
während er von einer Sonne an den Füßen
fortgeschleift wurde.
Wohin, wusste er nicht.

Ein Schuh verfolgte spät in der Nacht
einen Landstreicher und schrie:
Meine Füße haben keine Geschichte.
Ein Messer erstach einen Schlachter
und wollte Buße tun.

Dort hing einsam mein Hemd
an der Wäscheleine und schrie:
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich
erhängt?

Ich habe nicht geträumt.
Mein Kopf ist geflohen,
und Wissen versperrt meinen Träumen den Weg.

7

Gestern war die Beerdigung.
Wir haben den Verstorbenen bei uns behalten
und konnten nicht weinen.
Die Grabstätte zerbarst vor Traurigkeit,
worauf die Trauernden schrien:
Der Weg lastet schwer,
die Füße sind hohl.
Dennoch haben wir uns nicht beklagt!
Die Augen sind zu Stein geworden,
und die Hände auf Urlaub.

Aus dem Arabischen übersetzt von Leila Chammaa.
Aus: Girgis Shoukry, Und die Hände auf Urlaub. Gedichte. Arabisch-Deutsch
Berlin: Verlag Hans Schiler, 2008

وماذا بعد....

árabe | Alaa Khaled

لم تحدث أشياء هامة
تركت البيت
وانتقلت لآخر به الكثير من الأشجار المعمرة
زاد عمرى أربع سنوات
وأيضا زاد عمرك أربع سنوات
سافرت كثيرا
وفى كل سفر كنت أبحث عن عينين تودعاننى
زرتك على فترات متباعدة
قرأت " ياسين"
وأوصيت الحارس بالمزيد من الصبارات

وماذا بعد.....
كتبت رواية
وصرت أكثر نحافة
وبالأمس تحدثت معك فى الحلم
رأيت حجرا يتدحرج ببطء
على منحدر.


                            
لوس أنجليس من 13 يوليو- 20 أغسطس 2009

© Alaa Khaled
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2010

Nun...

alemão

Nichts ist geschehen,
nichts von Bedeutung.
Ich bin ausgezogen,
lebe jetzt in einem Haus mit vielen Bäumen.
Ich bin vier Jahre älter geworden.
Auch Du bist jetzt vier Jahre älter.
Ich bin viel herumgekommen.
Vor jeder Reise hielt ich Ausschau
nach einem Augenpaar, das Abschied von mir nimmt.
Ich besuchte Dich von Zeit zu Zeit,
las die Sure Jasin
und hielt den Wärter zu weiteren Fürbitten an.
Nun...
Ich habe einen Roman geschrieben,
bin etwas abgemagert.
Gestern unterhielt ich mich mit dir im Traum.
Ich sah einen Stein, der langsam
einen Abhang hinunterrollt.


Los Angeles, 13. Juli – 20. August 2009

Aus dem Arabischen von Mahmoud Tawfik und Leila Chammaa

نصب تذكارى

árabe | Alaa Khaled

فى شارع هوليوود
مئات السائحين يأخذون صورا
مع التمثال الشمعى لمارلين مونرو
يميلون برؤوسهم من كتفيها العاريين
ثم يمضون لنجم آخر
مئات العدسات مفتوحة على هذا الرصيف المزدحم بالنجوم
حتما سأكون موجودا فى عشرات الصور
عندما يعودون لبلادهم
ويستعيدون ذكريات الرحلة
ربما لن يلفت وجهى نظرهم وسط عشرات الوجوه الأخرى
ولكن أمام كل عدسة مفتوحة
كنت أفكر بأن صورتى
سترحل إلى أماكن أخرى عديدة
بلا اسم أو صفات أو حتى إشارة للبلد التى جئت منها
كنصب تذكارى لجندى مجهول

© Alaa Khaled
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2010

Denkmal

alemão

Hollywood-Boulevard,
Hunderte von Touristen lassen sich
mit Marilyn Monroes Wachsfigur fotografieren,
sie lehnen den Kopf kurz an ihre nackte Schulter
und ziehen dann weiter zum nächsten Star.
Hunderte von Kameras knipsen
den vor Prominenz strotzenden Walk of Fame.
Bestimmt bin ich auf Dutzenden von Fotos zu sehen,
wenn die Urlauber, wieder zu Hause,
die Andenken an ihre Reise vor sich ausbreiten.
Ich werde ihnen wohl kaum ins Auge fallen,
ein Gesicht unter hundert anderen.
Dennoch dachte ich bei jedem Schnappschuss:
Mein Abbild wird um die Welt kommen,
das Abbild eines Namenlosen,
wie ein Denkmal
für gefallene Soldaten.

Aus dem Arabischen von Mahmoud Tawfik und Leila Chammaa

نَظَراتُهُ قد تغيَّرَت

árabe | Monzer Masri

نادَوهُ
إلى حيثُ يُطبِّلونَ ويُزمِّرون
ولم يَجِدوا لهُ عُذراً
عندما فتَّحَ عينَيهِ قليلاً
ثمَّ عادَ إلى النوم .
/
فهم لَم يُلاحِظوا أنَّ نَظَراتِهِ
تغيَّرَت
وأنَّ حماستَهُ القديمةَ تنقعُ قدمَيها
بالماءِ البارد ..

© Monzer Masri
from: „Âmâl schâqqa“ (Harte Hoffnungen)
Aus dem Zyklus: „Gedichte aus der Tasche eines Khakimantels“

Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2010

Nicht mehr derselbe

alemão

Sie luden ihn ein
zu Tanz- und Trommelfest.
Er öffnete die Augen,
wandte sich ab
und schlief weiter.
Sie verübelten es ihm.
Dass sein Blick nicht mehr derselbe war,
sahen sie nicht.
Auch nicht,
dass seine Lebenslust
zur Erholung
ein Fußbad nahm.

Aus dem Arabischen von Mahmoud Tawfik und Leila Chammaa

مسرح الدمى

árabe | Zakaria Mohammed

الوردة
وأنا والموت على الخشبة
لكننا نبدل أقنعتنا باستمرار:
أحيانا، أصير أنا الموت
فأضرب بقبضتي المدمرة كل شيء
أحيانا، يتفتح الموت
وردة على السياج
وتصير الوردة
شظية قاتلة من زجاج

نحن الثلاثة على الخشبة:
يد واحدة تحركنا
مرنة وقوية

يد من هذه التي حومت فوقنا كالنسور؟
"يد الله"، قالت الوردة
"يد الشيطان"، قال الموت
أما أنا
فلم اقل شيئا
الموت وضع يده على شفتي قبل أن أقول كلمتي.

١٩٩٢

© Zakaria Mohammed
from: الجواد يجتاز أسكدار
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2010

Puppentheater

alemão

Die Rose,
ich und der Tod teilen uns die Bühne.
Unablässig tauschen wir die Masken.
Mal bin ich der Tod,
dann schlage ich mit vernichtender Faust alles kaputt.
Mal erblüht der Tod
zu einer Rose am Zaun,
und schon wird die Rose
zum tödlichen Glassplitter.

Wir drei auf der Bühne
werden von ein und derselben Hand gelenkt,
einer geübten, kräftigen Hand.

Was ist das für eine Hand, die wie ein Adler über uns kreist?
„Die Hand Gottes“, sagt die Rose.
„Die Hand des Teufels“, sagt der Tod.
Ich aber
sage nichts.
Der Tod legt mir seine Hand auf den Mund,
ehe ich ein Wort sagen kann.

                              1992

Aus dem Band: Üsküdar
Aus dem Arabischen von Leila Chammaa, 2010

مدينة أخيرة

árabe | Mohammad Al-Nabhan

نرحلُ
لا نتركُ أثراً للبيتِ يدلُّ عليهِ
ولا نحملُ من ذاكرةِ البيتِ حَنينٌ
أو شنطةُ سفرٍ فارغةُ المعنى
الغابةُ
حينَ تُنادينا
نمضي..
أربعُ خطواتٍ في درجِ السهوِ
وَنُعطي للعالمِ ظَهرينا.

© Mohammad Al-Nabhan
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

Letzte Stadt

alemão

Wir brechen auf
ohne den leisesten Hinweis auf unser Zuhause preiszugeben,
nehmen aus dem Gedächtnis
keine Spur Sentimentalität mit,
auch kein sinnloses Gepäck.
Der Wald lockt,
also gehen wir...
vier Stufen auf der Traumleiter,
du und ich,
der Welt den Rücken gekehrt.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

محارة

árabe | Abbas Beydoun

© Abbas Beydoun
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2005

Eine Auster

alemão


Das Meer ist nicht hier, doch ist es auf dem faltenlos ausgebreiteten Laken. Es braucht kein Rauschen. Um zum Leben zu erwachen, verlangt es nach einem einzigen Atemzug auf offener Fläche, und sei es auf einem Streichholz. Das Meer ist nicht hier, doch Jodfelder entströmen dem Nabel der Finsternis, und wer eine Auster öffnet, wird niemals die Seele vergessen, die er einst verschlang und das Salz, das jeden Moment im Begriff ist, eine Seele einzuatmen.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

ملك

árabe | Zakaria Mohammed

هنا
أربي كلابي
وأطعمها مشمشا وحليبا
وآخذها في المساء إلى البحر

هنا كالملوك المقالين:
شمس تناور فوقي
وندامى لصوص
وأضغاث حلم

ههنا
فكرتي تتعفن تحت الرطوبة والشمس
ويسيل نبيذي على لحيتي
وكلابي تجرجرني في المساء إلى البحر:
أطواقها في يدي
ويدي تستجيب لها
وتغرقني في المياه.

             ١٩٨٧

© Zakaria Mohammed
from: أشغال يدوية
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2010

König

alemão

Hier
päppele ich meine Hunde,
nähre sie mit Aprikosen und Milch,
und abends führe ich sie ans Meer.

Hier, wie ein gestürzter König:
gleißende Sonne,
reuige Diebe,
ein wirrer Traum.

Hier nun
verwesen, Nässe und Sonne ausgeliefert, meine Gedanken,
läuft mir der Wein über den Bart,
und abends zerren mich meine Hunde ans Meer.
Ich halte sie an der Leine,
meine Hand gibt ihnen nach,
sie ertränken mich in der See.


                              1987

Aus dem Band: Handarbeit
Aus dem Arabischen von Leila Chammaa, 2010

ليل برلين

árabe | Qassim Haddad

في ليلِ برلين يُخطئ مستوحشٌ بابَ أحلامه،
كلما انتابه النومُ
أطلقَ أشباحه في الهزيع الكثيف من الوقت
يُخطئ مستوحشٌ
عندما ينهمرُ الخوفُ من ليلها.
برلين ليستْ على رسِـلها
بيتها غابة
برلين محروسة بالكلُورُوفيل
بالأخضر الفائض المُستهام
بالبحيرات والإنسجام
برلين تسهو قليلاً
فيستيقظ تاريخُـها في التفاصيل،
في دفتر الحرب
منسابة في ما تبقى من الحجر القرمزي
من الفرن يخبز طيناً ويرسمه للجياع
من المرتجى في ضياع الهروب الكبير
من الموت
مما تبقى لبرلين من صوتها
من الليل أطول من نومها.
يا ليل برلين
يا حارسَ الخطوات البطيئة عبرَ الممرات
قلْ خبراً واحداً يسعفني في صباحٍ بعيد
قلْ كيف اقرأ أخبارَها
كيف أساعدها كي ترى في الظلام الوحيد
احتمالاتها في كتابي؟
يا ليلها قلْ لها
كيف سأقرأها في كتاب الصباح،
كما يصنع الخوفُ لي
ما يـلي في الخطى الراعشة
شرفتي الموحشة
سفرٌ موغلٌ في التآويل
في معجم الليل،
تاريخها، منتهاها
لها ما يحضّ على الذكريات
ما يجعل السور إرثَ الكوابيس
ما ينتهي حين يبدأ
ما يستحيل اختزالاً مُخلاّ لها
وهي في ليلها
في الهزيع السريع من الحلم.
يا ليل برلين
دعني أفسّـرُ ما سوف يبقى من الروح
في البدء والمنتهى.

© Qassim Haddad
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Nachts in Berlin

alemão

Einsam in der Nacht verfehlt er die Pforte zum Traum.
Vom Schlaf übermannt,
lässt er im tiefsten Moment den Gespenstern freien Lauf.
Einsam irrt er umher,
wenn die Angst zum Ausbruch kommt nachts in Berlin.
Berlin, ungewohnt in Eile,
ist im Wald zu Haus
umgeben von Chlorophyll
von sattem, überschwänglichem Grün
von Seen
harmonisch das Farbenspiel der Natur.
Berlin ist nur einen Moment zerstreut,
und die Geschichte erwacht sogleich.
Die Chronik des Krieges zeigt sich im Detail
gegenwärtig
im alten, tiefroten Gemäuer
in Öfen, in denen man Lehm brennt, für Hungrige bestimmt
gegenwärtig
in der unerschütterlichen Hoffnung auf Leben,
die unzählige Menschen auf der Flucht vor dem Tod in die Ungewissheit trieb
gegenwärtig auch
in dem Rest Stimme, der Berlin geblieben ist
in Nächten, die länger dauern als der Schlaf.


Nacht,
schützend wachst du über all jene,
die sich durch finstere Gänge schleppen.
Erzähl mir etwas,
das mich hinüberrettet zum Morgen, der noch in weiter Ferne liegt.
Sag,
wie soll ich die Geschichte verstehen,
was kann ich tun, dass die Stadt im Dunkeln erkennt,
wie sie in meine Texte eingegangen ist?
Nacht,
berichte der Stadt,
was ich über sie schreiben werde morgen früh,  
was die Angst mit mir treibt,
dass mir die Beine zittern beim Gehen.
Einsam halte ich Ausschau
blicke
auf eine Reise, die unzählige Lesarten hat
im Lexikon der Nacht
über Vergangenheit und Zukunft.
Untrennbar haftet Berlin all das an,
was die Erinnerungen heraufbeschwört
was die Mauer zum Vermächtnis eines Alptraums macht
was zuende ist, kaum dass es begonnen hat
was in Kürze beschrieben, unmöglich das Gesamtbild erfasst.  
Unterdessen in der Nacht verfangen,
durchlebt Berlin einen schnellen Traum.
Nacht,
lass mich begreifen, was von der Seele bleibt
am Anfang und am Ende.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

كأن لا شيء

árabe | Mohammad Al-Nabhan

كلُّ شيءٍ كأن لم يكنْ:
لا المساءُ المساءُ،
ولا خطوةُ الدّربِ تفضي إلى الدّربِ،
لا الدَّربُ،
لا عتبةُ البابِ،
لا درجُ البيتِ،
لا البيتُ، لا رقمُ الهاتفِ،
أو وجعُ الانتظارْ.

كلُّ شيءٍ كأن لا يكونْ:
السّماءُ التي أَسْقَطتني؛
السّماءُ التي سَقَطَتْ من يَديَّ..
لا المرأةُ/ الحلمُ،
لا قبلةُ الجمرِ،
لا الخمرُ،
لا الجسدُ، السّريرُ، الأَريكةُ،
لا صرخةٌ في الجدارْ.

كلُّ شيءٍ كأَنْ لا شيءَ:
لا الذاكرة!!
وجهكِ الذاكرةْ.

© Mohammad Al-Nabhan
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

Als wäre nichts

alemão

Als wäre alles nicht gewesen:
der Abend ist nicht der Abend,
der Schritt führt nicht auf den Weg,
der Weg nicht,
die Türschwelle nicht,
die Treppe nicht,
das Haus nicht, die Telefonnummer nicht
das quälende Warten nicht.

Als sei alles nicht:
der Himmel, der mich fallen ließ,
der Himmel, der mir aus den Händen fiel...
die Frau /der Traum nicht,
der glühende Kuss nicht,
der Wein nicht,
der Körper, das Bett, das Sofa nicht,
der Schrei in der Wand nicht.

Als wäre alles nichts:
Die Erinnerung nicht!!

Dein Gesicht ist das Gedächtnis.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

كقهوة أمكَ نرجس

árabe | Ali Al Jallawi

كبرتُ سريعاً كأغنيةٍ لم تُغنّى.

كنايٍ قديمٍ يحطُّ أصابعَهُ في ثقوبِ الكلامِ،
يجرُّ إلى صدره الريحَ،
يفتحُ غمّازتينِ،
ويعقدُ بينهما يخط معنى.

كنايٍ قديمٍ
يُضيفُ الموسيقى لكأسِ النبيذِ
ويجمع أحفادهُ حوله..
وكنايٍ
سيجرفُ ثلجَ الرزانةِ عن بابهِ
ثم ينسى
سيثلجُ رأسكَ وجّهتَ قلبكَ أنّى

كبرتُ سريعاً
أقول لأمي فتبسمُ:
هذا بياضُ القناديلِ في القلبِ يا ولدي
مثلَ جدكَ (جعفرْ)

وهذي الدموع السريعة مثل الوداع
لأمكَ (نرجسُ)،
لكنكَ ازددتَ حزناً كقهوتها
ولأنك مني كقهوتها ازددتَ لكن بسكَّرْ


وأقول لها:
صرتُ أشربها دونما سكرٍ
فتقولُ: اكتفي بالذي فيك.

آهٍ كبرتُ
وصرتُ أزور الطبيب
أرتبُ مكتبتي ومواعيد قلبي صباحا

تعلّمتُ شيئا من الرقصِ
لكنني دون قصدٍ
رضضتُ جميع أصابع قلبي،
        فعالجني بالحياءِ السكوتُ

كبرتُ بكل المحطاتِ
مثل قطارٍ عجوزٍ
سيرجع للبيت حين يموتُ

كبرتُ
كأغنية لم تغنّى.

كنايٍ يحطُّ أصابعَهُ في ثقوبِِ الكلامِ،
يحاولُ
يصطادُ ذاكرتين بمعنى

© Ali Al Jallawi
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2011

Wie Mutters Kaffee

alemão

Schnell gealtert bin ich wie ein ungesungenes Lied.

Wie eine Flöte,
die mit Fingern Wortlücken füllt,
Wind in die Brust saugt,
zwei Grübchen erwachen lässt
und sie dann sinngebend verbindet.

Wie eine alte Flöte,
die zum Glas Wein ein Lied spielt,
alle Enkel um sich versammelt.
Wie eine Flöte,
die Schnee und Ernst von der Schwelle fegt,
dann vergisst,
dass der Kopf, wohin das Herz auch immer zieht,
mit der Zeit verschneit.

Schnell gealtert bin ich,
sage ich zu meiner Mutter. Sie lächelt:
Das ist das strahlende Licht im Herzen, mein Sohn.
Wie das von deinem Opa Dschaafar.

Dir laufen die Tränen so schnell
wie meine Mutter Nardjis Abschied hielt.
Dunkel und trüb bist du wie ihr Kaffee.  
Von mir aber hast du die extra Prise Zucker mitbekommen.

Ich trinke den Kaffee jetzt ohne Zucker, sage ich.
Dir reicht eben der eigene, sagt sie.

Gealtert bin ich,
besuche häufig den Arzt,
räume morgens Schreibtisch und Herzenssachen auf.

Ich lernte ein wenig tanzen,
zertrat versehentlich
alle Finger in meinem Herzen,
pflege meine Scham mit Schweigen.

Gealtert bin ich, durchlief alle Stationen
wie ein alter Zug
der heimfährt, wenn er stirbt.

Gealtert bin ich
wie ein ungesungenes Lied.

Wie eine Flöte,
die mit Fingern Wortlücken füllt
in dem Versuch,
zwei Gedächtnisse in einem Gedanken einzufangen.

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

قرطبة

árabe | Fatima Naoot

حين نسلِّمُ الأرضَ إلي الله
سيكون علينا أن نُعيدَ الكونَ سيرته الأولى:
نزرعُ الغاباتِ التي أحرقناها
وننفخُ من أرواحِنا
في الهياكل
التي نزعنا الروحَ منها
نُعيدُ للطير أمانَه
وزقزقتَه التي تعلّمَ أن يُسكتَها
كلمّا مررنا جوار شجرة،
نُعيدُ الصحراءَ
صحراءَ
والمروجَ فراديسَ
وندرّبُ أنفسَنا
أن نسيرَ فوق الرمال
دون أن تدهسَ أقدامُنا الطولى
أسرابَ النمل الطيبة،
سيكونُ علينا
أن نفكِّكَ نهرَ قرطبةَ
ونمنحَ شطرًا اسم: جوادا
وشطرًا: الوادي الكبير
ثم نعيدُ الكاتدرائيةَ مسجدًا
والمسجدَ
كنيسةً رومانيةً،
سيقفُ ابنُ رشد
 بين الهيكل
والمحراب ليقول:
الحقُّ لا يضادُّ الحقَّ!
ثم نقف أمام الله في صف طويل
لنشهدَ
كيف نحن
جعلنا الحقَّ
يُضادُّ الحقّ.

                                                           قرطبة / أبريل 2010

© فاطِمَـة ناعـُوت/Fatima Naoot
from: The Joy Maker
Cairo: Merit Publishing House, 2012
ISBN: 0-622-351-977-978
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2012

Cordoba

alemão

Wenn wir Gott die Erde übergeben,
müssen wir alles in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzen:
die Wälder neu anpflanzen, die wir niedergebrannt haben,
den Tempeln die Seele einhauchen, die wir ihnen entrissen haben,
den Vögel Geborgenheit zurückschenken
und das Zwitschern, das sie klugerweise unterdrücken,
kaum dass sich unsereins ihrem Baum nähert,
die Wüste wieder in eine Wüste verwandeln
und grüne Weide in ein Paradies,
gehen lernen, ohne mit großem Fuß zarte Ameisenvölker zu zertreten.
Wir müssen
den Fluss, der durch Cordova fließt, aufteilen,
das eine Ufer „Guada“ nennen  
und das andere „al-Wâdi al-Kabîr“.
Dann verwandeln wir die Kathedrale zurück in eine Moschee
und die Moschee
in einen römischen Tempel.
Ibn Ruschd,
zwischen Tempel und Gebetsnische stehend,
wird sagen:
Das Recht widerspricht dem Recht nicht!
Wir aber, in einer langen Schlange vor Gott anstehend,
sehen,
wie wir das Recht dazu gebracht haben,
dem Recht zu widersprechen.

                                                                              Cordoba, April 2010

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa

قمرٌ نَهاري يذوبُ في ضوءٍ قَويّ

árabe | Monzer Masri

لَم يكُن بوُدِّي أن
أُحدِّثَكِ عن أشياء
( ماذا يُجدي ذلِك !)
كنتُ أُريدُ أن تُحدِّثَكِ
الأشياءُ عنّي
أن أستعيرَ شِفاهَها
لأقولَ لكِ
حتّى إنَّهُ مرَّ في خاطِري :
( بشِفاهِ الآخرين
أستطيعُ تقبيلَكِ ) .
/
خطأي أنّي لَم أعرِف
من أيِّ زاويةٍ ومن أيِّ مسافةٍ
كانَ عَليَّ أن أنظُرَ إليكِ
كقمرٍ نَهاريٍ يذوبُ في ضوءٍ قَويّ
كنتُ أراكِ بعينِ الألَم .
/
لا يلزَمُني البَتَّةَ
أن أقِفَ على حافَّةِ  سَطحٍ عالٍ
وأنظُرَ إلى الأسفلِ مُتَخيلاً
كيفَ سَيكونُ
سُقوطيَ الحُرّ .
/
أو أن أذهبَ إلى مكانٍ فيهِ ضَجيج
وأصرَخَ وأصرَخَ وأصرَخ
لأتَمالَكَ نَفسي
وأستَعيدَ بعضَ قُدرتي
على التحكُّمِ بتفكيري : ( فلقد أحببتُكِ أحببتُكِ وتلَوَّثتُ )
وصارَ ذلِكَ عَسيراً
حتّى على ازدرائكِ المُبطَنِ للشفقةِ .
/
ذلِكَ أنّي آثَرتُ معكِ انْهزاماً مَجيداً
عَوَضَ مُجرَّدِ انتصارٍ
لَن يسمَحَ لي أحدٌ أن أدَّعيهِ لنَفسي   
حينَ لَمَستُ الكأسَ
وأزَحتُهُ من مكانِهِ ألفَ مرَّة
ولَم أُفكِّر
رَغمَ جَفّافِ فَمي
أن أرفَعَهُ
أمامَ كلِّ مَن يَراني
وأشرَبَ منهُ قَطرَة ..

© Scharikat Riyâd ar-Rayyes
from: „Mina-s-a’b an abtakira saifan“ (Es ist schwierig, einen Sommer zu erfinden)
Beirut: Scharikat Riyâd ar-Rayyes, 2008
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2010

Ein Mond, der am helllichten Tag erblasst

alemão

Eigentlich wollte ich dir nichts
von irgendwelchen Dingen erzählen.
  (Was bringt das schon!)
Ich wollte vielmehr, dass die Dinge  
dir von mir erzählen,
wollte mir ihre Lippen leihen,
um mit dir zu sprechen.
Ich hatte sogar die Vorstellung,  
dich mit fremden Lippen
eher küssen zu können.
Mein Fehler war es, nicht zu wissen,
aus welcher Richtung und Entfernung
ich dich hätte ansehen sollen.
Wie einen Mond, der am helllichten Tag erblasst,
betrachtete ich dich schmerzerfüllt.
Nein, ich muss nicht
auf ein Hochhaus steigen,
vom Dach in die Tiefe blicken und
und mir ausmalen,
wie er sich anfühlt
der freie Fall.
Ich muss mich auch nicht
in ohrenbetäubenden Lärm stürzen   
und mir die Seele aus dem Leib schreien,
um mich wieder zu fangen
und meine Gedanken halbwegs unter Kontrolle zu kriegen.
  (Ich bin von brennender Liebe zu dir restlos verseucht.)
Es ist unerträglich, nicht zu verkraften.
Dem Ganzen hält nicht einmal mehr
deine kaschierte Abneigung gegen Mitleid stand.
Was dich betrifft,
ist mir eine glorreiche Niederlage
lieber als irgendein banaler Sieg,
den mir ohnehin niemand anerkennen würde.
Ich greife nach dem Glas,
schiebe es aber nur auf der Stelle hin und her.
Ich werde es niemals,
und wenn meine Kehle noch so trocken ist,
vor den Augen anderer
an den Mund führen
und auch nur einen Tropfen trinken.

Aus dem Arabischen von Mahmoud Tawfik und Leila Chammaa

في المَرْسَم

árabe | Fatima Naoot

كلَّ مساء
أعودُ إلى بيتي
بعدما أتركُ وجهيَ في المَرْسَم
على نسيجِ التُّوال.

في الليل
أنسلخُ من إطار الخشب
تجولُ عيناي بين أروقةِ القاعةِ
ترقبان:
الألوانُ نائمةٌ في أنابيبِها
والفُرْشاتُ ساكناتٌ في إناءِ الزيت
واللوحاتُ غافية.

أنا حارسةُ المكانِ
وظيفتي:
أن أحميَ أكفانَ الفراعينِ
التي دثّرَ بها الرسّامُ
مومياواتِ السَّلف
دِثارًا أبيضَ
فوق دِثار
من عبثِ الأزرق والأخضر والبُنّي
حتى يظلَّ الأبيضُ أبيضَ
كما التاريخ،
وعند الفجر
أعودُ إلى الحاملِ
أُغمضُ عينيّ برهةً
لأغفوَ
قبل أن يستسلمَ من جديد
وجهي المطبوعُ على القماش
إلى ريشة
أحمد الجنايني.


                                                                  المنصورة / 15  يونيو 2009

© فاطِمَـة ناعـُوت/Fatima Naoot
from: The Joy Maker
Cairo: Merit Publishing House, 2012
ISBN: 0-622-351-977-978
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2012

Im Atelier

alemão

Allabendlich
kehre ich heim,
mein Gesicht noch im Atelier
auf der Leinwand.

Nachts
reiße ich mich aus dem Holzrahmen los,
lasse die Augen durch den Raum schweifen,
sehe zu, wie
die Farben in ihren Tuben schlummern,
die Pinsel reglos im Ölglas stehen,
die Bilder schlafen.

Ich bin die Wächterin hier.
Meine Aufgabe:
Die Leichentücher der Pharaonen,
mit denen der Maler
die Mumien der Vorfahren
Schicht um Schicht
weiß umhüllte,
zu schützen
vor den Streichen des Blau, Grün, Braun,
damit das Weiß
weiß bleibt
wie die Geschichte.

Im Morgengrauen
steige ich zurück auf die Staffelei,
schließe die Augen einen Moment,
schlafe ein,
und schon gibt sich
mein Gesicht auf der Leinwand
wieder dem Pinsel
von Ahmad al-Ganayni hin.

                                                                        Mansura, 15. Juni 2009

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa