Elke Erb 
Translator

on Lyrikline: 78 poems translated

from: russo, alemão, bielo-russo, persa, sérvio, inglês, macedónio, espanhol to: alemão, inglês

Original

Translation

ЧВИРКА РАЗГОВАРИВАЕТ СО СТРЕКОЗКОЙ, ПОКА ЧВИРИК НА ВОЙНЕ

russo | Olga Martynova

— Стрекозка, чего ж ты летаешь,
Почти уже ночь на дворе,
Невидные дырки латаешь,
Во времени скрытой дыре.

— О Чвирка, летаю и таю,
Почти уже тенью на не-
Бе, сóлью на тьме проступаю,
А всё успокоиться не...

— Стрекозка, когда в беспространстве
Мой Чвирик тебя рисовал,
Он думал о маленьком братстве
Тебе неизвестных зеркал.

— О Чвирка, оно отразилась
Однажды на крыльях моих,
Как глупо, что я не умею
Об этом тебе рассказать.

© Olga Martynova
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

TSCHWIRKA SPRICHT MIT EINER LIBELLE, WÄHREND TSCHWIRIK IM KRIEG IST

alemão

– Libelle, was fliegst du denn noch,
bei fast völliger Dunkelheit,
du flickst unsichtbar Löchlein an Loch
im verborgenen Loche Zeit.

– Oh, Tschwirka, ich fliege, verfliege,
beinahe ein Schatten am Him-
mel, wie ein Salz-Ausschlag fast aus dem Dunkel,
und kann keine Ruhe fin-

– Libelle, als ins Raumlose dich
einzeichnete mein Tschwirik,
dachte er an eine kleine Bruderschaft
von dir unbekannten Spiegeln.

– Oh, Tschwirka, sie hat sich gespiegelt
einmal auf meinen Flügeln,
wie dumm, dass ich nicht verstehe,
dir davon zu erzählen.

Aus dem Russischen von Elke Erb und Olga Martynova
Erschienen in: Von Tschwirik und Tschwirka, Literaturverlag Droschl Graz – Wien 2012.

Selbstgespräche sind nur Meeresrauschen

alemão | Elke Erb

denn das Selbst, wie wir es hatten,
das reine
- unter Gottes Eifersucht und scheinheiligem Lidschlag -
Gold,

von unseren Klondike-Klauen und sibirischen, karpatisch...
geklaubt aus schroffen Quarzen:

außerordentlich weich
und dehnbar, leicht

mechanisch zu bearbeiten, von
träger Reaktion,

Scheibenmonstranz, wie es vom Stengel nickt,

hört ja weder selbst noch sprichts,

ein Inbegriff
des innersten Gehirns -
oh Blastula, oh Gastrula, oh Gast

aus fernem Meer, gereist
mit gleichsam aufsteigenden Teichen,

Amöbe, die

im Teichohr Meeresrauschen

3.7.1994

[Hör Version
(Fett sind die Zeilen der Lese-Version)

Selbstgespräche sind nur Meeresrauschen Meeresrauschen
Selbstgespräche sind nur Meeresrauschen
denn das Selbst das Selbst das reine
denn das Selbst, wie wir es hatten, das reine Gold
- unter Gottes Eifersucht und scheinheiligem Lidschlag - Gold
denn das Selbst, wie wir es hatten unter Gottes Eifersucht und scheinheiligem Lidschlag
denn das Selbst, wie wir es hatten,
das reine
- unter Gottes Eifersucht und scheinheiligem Lidschlag -
Gold
                                           
unter Gottes Eifersucht und scheinheiligem Lidschlag
von unseren Klondike-Klauen und sibirischen, karpatisch... geklaubt aus schroffen Quarzen
denn das Selbst das reine Gold geklaubt aus schroffen Quarzen    
das reine                                                 
Gold, außerordentlich weich und dehnbar, leicht mechanisch zu bearbeiten, von träger Reaktion
denn das Selbst, von träger Reaktion, leicht mechanisch zu bearbeiten, außerordentlich weich und dehnbar,
Gold
Scheibenmonstranz, wie es vom Stengel nickt unter Gottes Eifersucht und scheinheilgem Lidschlag
Scheibenmonstranz, wie es vom Stengel nickt
Selbstgespräche sind nur Meeresrauschen
denn das Selbst, wie wir es hatten
hört ja weder hört ja weder selbst hört ja weder selbst noch sprichts noch sprichts
hört ja weder selbst noch sprichts
Selbstgespräche sind nur Meeresrauschen Meeresrauschen
denn das Selbst, das reine
ein Inbegriff des innersten Gehirns Inbegriff des innersten ein Inbegriff des innersten Gehirns
denn das Selbst wie wir es hatten ein Inbegriff des innersten Gehirns
oh Blastula, oh Gastrula, oh Gast
oh Blastula, oh Gastrula, oh Gast
aus fernem Meer das Selbst oh Gast aus fernem Meer
Oh, Blastula, oh Gastrula, oh Gast
aus fernem Meer, gereist
mit gleichsam aufsteigenden Teichen,

aus fernem Meer, gereist, das Selbst
Amöbe, die, ein Inbegriff des innersten Gehirns aus fernem Meer
Amöbe, die
aus fernem Meer, gereist mit gleichsam aufsteigenden Teichen
Amöbe, die
im Teichohr Meeresrauschen
Meeresrauschen
Selbstgespräche sind nur Meeresrauschen]

© Urs Engeler Editor Basel, Weil am Rhein und Wien 1998
from: Mensch sein, nicht
Basel, Weil am Rhein, Wien: Urs Engeler Editor, 1998
ISBN: 3-905591-04-9
Audio production: 1999 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

TALKING TO ONESELF IS JUST A ROAR FROM THE SEA

inglês

because the self, as we've got it,
the pure
—under God's jealous & sanctimonious blink—
gold

that our Sibirian, Carpathian and Klondike claws
scraped from rugged quartz:

extraordinarily soft
and elastic, easy

to modify mechanically, and
slow to react,

a monstrance disk it nods on its stem

neither listens nor talks itself,

an incarnation
of the innermost brain—
O blastula, O gastrula, O guest

from distant seas, traveling
in as it were rising ponds,

amoeba in

pond's ear, roar of the sea

Translated by Rosmarie Waldrop

Elke Erb: Mountains in Berlin. Poems, translated from the German by Rosmarie Waldrop. Providence (USA)

ВЕСЕННИЙ ПРОЛЕТ ЖУКОВ

russo | Oleg Jurjew

Сквозь полый лес летят жуки,
руля пологими рогами,
их синеватые жидки´
глаза, не видимые нами,
их приторочены к крылам
в смолу залитые пожитки,
их, обращенные к не нам,
глаза невидимые жи´дки,
восток по ним коси´т косой,
пылая на прозрачных шляпах,
с-под них косою полосой
по склону сходит косный запах,
крупинки высохшей смолы
с их отпадают переносиц:
сквозь ослепленные стволы
из смерти в смерть их переносит.

© Oleg Jurjew
Audio production: Haus für Poesie / 2017

Der Frühjahrsflug der Käfer

alemão

Den Hohlwald durchfliegen die Käfer
mit den Plättchenhörnern lenkend;
bläulich, ihre, näßlich,
Augen, von uns unbemerkte,

beigepackt, ihre, den Flügeln,
Habe, in Harz getauchte,
ihre auf nicht uns gerichteten,
unsichtbaren näßlichen Augen,

der Osten schrägt über sie, Sense,
beglüht transparente Hütle,
quer unter ihnen absickert
ein müder Geruch den Hang lang;

eingetrocknet zu Krümeln,
rieselt Harz von dem Nasenansatz:
zwischen geblendeten Stämmen
schwärmts von einem Tod in den andern.

aus dem Russischen von Elke Erb

БЫЛ ГОРОД…

russo | Oleg Jurjew

I’ve never seen an ugly bridge
(из стихов Мерилин Монро)

Был город, который почти улетел,
Стал дутыми гроздами облачных тел,
Перетек в темноты колоннады.
Лишь тени подледные на жидкой земле,
Лишь птицы подлетные в небесной золе –
Пали цепи, сотлели канаты.
Его колокольни сквозили костьми
И голые кони горели из тьмы,
И ангелов бычились лица,
Когда над ночными мостами не здесь
В мерцающих шариках промзглая взвесь
В решетки пыталась налиться.
Мы и́з дому вышли, он еще был –
В подшерстки деревьев вмерзающий пыл
И сизые контуры рая.
Но чуть обернулись – пространства пусты,
Лишь только ползут над рекою мосты,
Сыромятную ночь растирая.

© Oleg Jurjew
Audio production: Haus für Poesie / 2017

Es war eine Stadt

alemão

                                               I've never seen an ugly bridge
                                               (aus Marylin Monroes Gedichten)

Es war eine Stadt, die fortflog fast,
eines Wolkenhaufens aufgeblasene Traube,
in die Kolonnaden der Düsternis floß.
Unterm Eis auf der flüssigen Erde allein blieben Schatten
und Vögel, kaum flügge, allein in den Himmel-Aschen;
die Ketten Rost, verfault die Taue.

Die Türme durchschimmert von Knochengerüst,
nackte Mähren durchglimmend die Finsternis.
und die Antlitze starrten der Engel,
während – nicht hier – über das Nachtpflaster sich
ein Mulm naßkalter Kügelchen glitzernd
in die Gitter versuchte zu schwemmen.

Wir gingen aus dem Haus, da sahn wir sie noch,
die ins Winterfell der Bäume sich frierende Glut
und Edens graublaue Umrisse.
Doch als wir uns eben mal umblickten –
nichts als leerer Raum. über den Fluß krochen nur
Brücken, zerdrückten die  weißgare Nacht

aus dem Russischen von Elke Erb

ЗИМА 2011

russo | Oleg Jurjew

город сверху вниз продут –
здесь они больше не пройдут:
эта тьма пылать устала
но есть над нею другая тьма –
так со стального пьедестала
осыпается зима –
белым облаком слоеным
над дорогой костяной
черным выдохом соленым
над тобой и надо мной:
дым сыпной снег треугольный,
тём слоящихся кочан
теплый падубок нагольный
с голым лоском по плечам
полудýбок полушубок
полукубок золотой
на обочинах сугубых
занесенных сволотой:
город снизу вверх продут –
сюда они больше не придут

© Oleg Jurjew
Audio production: Haus für Poesie / 2017

Der Winter 2011

alemão

                        die stadt ist von oben bis unten durchgeblasen
                        sie können sie nicht mehr durchrasen

diese finsternis ist das flammen leid
doch ist eine zweite unter ihr
so hier vom stählernen piedestal
der winter schneit –
zu weißem gewölk geschichtet
über den knöchernen straßen
als ein salziger schwarzer atem
über dir und über mir

flockenrauch schneedreieck
kohlkopf sich schichtender finsternis
stecheiche, warme, innen fell außen kahl,
an den schultern der kahle glanz
halbeiche halbpelz
goldener halbkelch
des buckelnden rands
aufgekehrt von den straßen

                        die stadt ist von unten hinauf geblasen
                        und dem verkehr verwehrt

aus dem Russischen von Elke Erb

*** [загород черный светом зарос]

russo | Oleg Jurjew

***
загород черный светом зарос
в форме наклонно-ходящих полос
ростом с нас
пригород белый тенью прирос
как на желéзе подтек купорос
просто снясь
подгород желтый прахом подрос
как от надпоротых папирос
ростом с нас
город незримый в воздухе рос
весь наплоенье невидимых роз
просто снясь

© Oleg Jurjew
Audio production: Haus für Poesie / 2017

* * * [Die schwarze nachstadt wuchs mit licht zu]

alemão

* * *

Die schwarze nachstadt wuchs mit licht zu
in schrägen schweifenden streifen
groß wie wir

die weiße vorstadt nahm mit schatten zu
wie vitriol auftreibt auf eisen
träumend ihr

der gelben unterstadt wuchs ein staubhut
wie aus aufgetrennten zigaretten steigend
groß wie wir

die unsichtbare stadt stieg in den himmel pur
lauter lotrechte falten von rosen geheimen
sie träumte nur

aus dem Russischen von Elke Erb

ПРОГНОЗ НА ЛЕТО

russo | Oleg Jurjew

Я вижу синие дворы,
Где стены сложены из дыма.
На камни Иерусалима
Ты положи свои дары.
Владимир Шенкман (1955–2002)

Лето будет красное, как поезд-стрела.
На застывших колесиках, перестуженных добела,
на колесиках золотых-раскаленных
пролетит – от стрекоз черно-желтых и до сине-зеленых.
Лето будет белое, встанет снег золотой.
Станет ветр обратный дуть рот в рот пустотой,
и, чернее зеленого, муравьиные львы
вылетят из иерусалимской Невы.
Лето будет черное, а в нем золотые фонарики.
По разлившейся пóд небом иерусалимской Москва-реке
метеором подкачанным вперекос
перелетит – от зéлено-синих и до желто-черных стрекоз.

© Oleg Jurjew
Audio production: Haus für Poesie / 2017

Wettervorhersage für den Sommer

alemão



                                                                     Blaue Höfe sehe ich,
                                                                     die Mauern errichtet aus Rauch.
                                                                     Auf Jerusalems Steine
                                                                     lege die Gaben, deine.

                                                                     
Wladimir Schenkmann (1955-2002)


Der Sommer wird rot sein wie der Pfeil auf dem Pfeil-Zug.
Auf erstarrten Rädchen, vereist bis zur Weißglut,
hin von schwarz-gelben Libellen bis zu blau-grünen
wird er fliegen auf Rädchen, die eis-weiß vor Hitze glühen.

Der Sommer wird weiß sein, anhebt ein goldener Schnee.
Ein Wind kommt zurück, daß er sein Nichts in die Naslöcher weh,
und, schwärzer als grün, sieht man die Ameisenjungfern
hervorschnellen kreiselnd aus der Newá in Jerusalem.

Blutrote Lämpchen den Sommer, den schwarzen nämlich, erhellen.
spitzwinklig den sich verströmenden Fluß Moskwá in Jerusalem
quert er einem Meteor gleich, einem aufgepumpten,
von den grün-blauen hin zu den gelb-schwarzen Libellen.

aus dem Russischen von Elke Erb

ОДА

russo | Oleg Jurjew

Я хотел бы звезд зеленых,
вздыхающих в ночном пуху,
и я хотел бы гор, сожженных
зыбкой нитью наверху,
но сыпкой тенью черный порох
ссыпается с заоблачных корон:
мир этот с верху покорён,
где горний гул, и дальний шорох,
и самолеты в сияющих шорах,
и горны ночных похорон.
Луны подотъеденный твóрог,
звезд огурецкий орех
застревают в решетчатых створах
неподъемно-ступенчатых рек:
подрагивают колосники,
подпрыгивают колесики,
и чей-то поезд поперек реки
сквозь облый мрак летит по просеке;
река же, створы затворя,
углом уходит в горькие моря.

© Oleg Jurjew
Audio production: Haus für Poesie / 2017

Ode

alemão

Ich wünschte mir die grünen Sterne
seufzten im Flaum zur Nacht,
und ich wünschte die grauen Berge
von der bebenden Glutnaht auf ihnen entfacht,
doch Schwarzpulver rieselt als schütterer Schatten,
herab aus den Wolkengoldkronen:
Diese Welt wird unterworfen von oben,
wo im Himmel das Tosen und das Nachgrollen wohnen
mit den Flugzeugen, die wie mit Scheuklappen glosen,
und der Blasmusik von dem zur-Nacht-Bestatten.

Der angenagte Hartquark, der Mond,
der Gestirne Gurkennuß
bleiben hängen in den Hebewerkgattern
der unhebbar gestaffelten Flüsse;
die Roste schnattern,
Räderchen hüsteln,
und jemandes Zug überquert den Fluß
die Schneise entlang durch die schwarze Röhre;
der Fluß aber macht mit dem Durchlassen Schluß
und winkelt sich ab in die bitteren Meere.

aus dem Russischen von Elke Erb

ДОЖДИК ВО ФЛОРЕНЦИИ: СНАРУЖИ И ВНУТРИ

russo | Oleg Jurjew

(ранняя весна 2007 года)

– Мы вышли из ворот под синий дождь флоренский,
В жемчужной сеточке жужжащий на весу –
Как туча пчельная, как воздух полуженский,
Как вдох, которого уже не донесу, –

Так пело олово, расплескано меж облак,
Так ныли головы деревьев под мукой,
И сердца голого летел веселый отблик
Над телом свернутым реки полумужской,
Так твердь творожная свой дождик отрояла –

остановившийся чтоб подождать пока вдохну
архангел с крыльями как крышка от рояля
наклонно реющий по итальянскому окну.

© Oleg Jurjew
Audio production: Haus für Poesie / 2017

Regen in Florenz: Draußen und drinnen

alemão

(frühes Frühjahr 2007)

Wir traten vors Tor in Florenz in den blauen Regen,
der summend in einem Perlenhaarnetz hing –
wie eine Bienenwolke, wie eine halbweibliche Luft,
wie einen Atem geholt, und ich kann ihn schon nicht mehr hegen.

So sang das zwischen den Wolken verplätscherte Zinn,
so flennten die Häupter der Bäume bestäubt mit Mehl,
und eines nackten Herzens heiterer Abglanz flog
über den zusammengerollten Leib dem halbmännlichen Fluß,
so ließ die quarkene Himmelsfeste ihr Regenschwärmchen zur Luft –

das innehielt zu warten bis ich meinen Atem holte
Erzengel mit Flügeln wie der Deckel eines Flügels, demnach der Flügelflügel,
welcher ein italienisches Fenster querte schräg schwebend
.

aus dem Russischen von Elke Erb

Пункціры

bielo-russo | Ales Rasanau

Снежнае неба:
ляціць аднекуль
некуды чорнай
адтулінаю крумкач.
    •
Кропка i штрых:
іглічка
трымае кроплю.
    •
Накропвае дождж:
з парасонам
вітаецца парасон.
    •
Людна.
Прымерваю на сабе
шматлікія постаці і абліччы.
    •
Дождж:
возера
ў акупунктуры.
    •
Сонца заходзіць:
y двое вачэй
узіраюся ў трэцяе вока.

© Разанаў A. C.
from: Дождж: возера ў акупунктуры
Менск: I.П. Логвінаў, 2007
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Punktierungen

alemão

Schneehimmel:
Von irgendwoher fliegt
irgendwohin als schwarze
Lücke die Krähe.
   •
Punkt und Strich:
Die Fichtennadel
hält einen Tropfen.
   •
Regen tröpfelt:
Regenschirm
grüßt Regenschirm.
   •
Es ist belebt draußen.
Ich probiere
mannigfache Gestalten und Gesichter an.
   •
Regen:
Der See
unter Akupunktur.
   •
Die Sonne geht unter:
Mit zwei Augen
schau ich ins dritte.


Übersetzt von Elke Erb.
In: Ales Rasanaǔ. Das dritte Auge. Punktierungen.
Weißrussisch und Deutsch, übersetzt von Elke Erb, mit einem Nachwort von Ilma Rakusa.
Urs Engeler Editor, Basel/Weil am Rhein 2008


- - - alternative Übersetzung - -  -


Punktierungen

Punktierungen (2) | Пункціры (2)

Schneehimmel:
Schwarzer Spalt,
fliegt aus dem Nirgend
ins Nichts ein Rabe.
    •
Punkt und Strich:
Nadel
hält Tropfen.
    •
Regen tropft:
Schirm
grüßt Schirm.
    •
Getümmel.
Ausgiebige Anprobe
von Gestalten und Gesichtern.
    •
Regen:
Der See –
akupunktiert.
    •
Die Sonne sinkt:
zwei Augen
blicken ins dritte.


Übersetzt von Thomas Weiler


Пункціры

bielo-russo | Ales Rasanau

Стаіўся за дрэвам –
і для паловы свету
стаў толькі дрэвам.
   •
Уранку я выйшаў з дому
і ўвесь дзень ішоў
у кірунку да сонца.
Якім супярэчлівым аказаўся
мой шлях!..
   •
Зімовае сонца.
Імкнуцца ўстаць
са снежнай пасцелі
цені.
   •
Мокне на беразе возера
з вудай рыбак –
злоўлены язь
ловіць ротам дажджынкі.
   •
Лужына.
Захапіла
жоўты кляновы ліст
і зашклілася лёдам:
Ейны!..
   •
Дождж!.. Дождж!..
I дзе ты быў усё лета?!
-плачуць сады.
   •
Такая празрыстая далячынь
відаць
нядаўняе лета.
   •
Далёка ісці...
Смакчу
няспелую сліву.
   •
Шэпчуцца:
ці застацца
стаяць у вадзе,
ці выйсці
усё ж на сушу ...
Азёрныя чараціны.

© Разанаў A. C.
from: Дождж: возера ў акупунктуры
Менск: I.П. Логвінаў, 2007
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Punktierungen

alemão

Ich verbarg mich hinter dem Baum –
und für die halbe Welt
war ich nun nur ein Baum.
   •
Morgens trat ich aus dem Haus
und den ganzen Tag ging ich
in die Richtung der Sonne.
Als wie widersprüchlich erwies sich
mein Weg!..
   •
Wintersonne.
Aufzustehn mühn sich
aus dem Schneebett
die Schatten.
   •
Am Seeufer wird im Regen naß
der Angler mit seiner Angel –
die geangelte Plötze
schnappt mit dem Maul nach den Tropfen.
   •
Die Pfütze.
Sie hat ein gelbes
Ahornblatt erhascht
und hat es verglast mit Eis:
ES IST IHRS!
   •
Regen! Regen!
Und wo bist du den ganzen Sommer
gewesen?! –
weinen die Garten.
   •
Diese durchsichtige Weite –
zu sehen ist
der kürzlich vergangene Sommer.
   •
Es ist weit zu gehn ...
Ich lutsche
eine unreife Pflaume.
   •
Sie flüstern miteinander:
Solln sie
im Wasser bleiben
oder doch
hinausgehn aufs Land ...
Schilfpflanzen im See.
   •
Alte Häuser:
ich ginge gern hinein
in ein jedes von ihnen,
in jedem
eine Weile zu leben.


Übersetzt von Elke Erb und Uladsimir Tschapeha.
Aus: Ales Rasanaǔ. Tanz mit den Schlangen. Gedichtauswahl.
Aus dem Weißrussischen übertragen von Elke Erb und Uladsimir Tschapeha.
Berlin: Agora Verlag, 2002, 31. Erato-Druck


- - - alternative Übersetzung - -  -


Punktierungen


Versteckt hinterm Baum
bin ich der halben Welt
nur mehr Baum.
   •
Am Morgen ging ich zu Hause los,
ging den ganzen Tag
der Sonne entgegen.
Wie widersprüchlich
mein Weg war!
   •
Wintersonne.
Schatten
wollen aufstehen
vom Schneebett.
   •
Durchnässt am Seeufer
der Angler mit Rute –
der gefangene Nerfling
fängt seinerseits Tropfen.
   •
Die Pfütze.
Ein gelbes Ahornblatt
gepackt,
sich eisig verglast:
ihrs!
   •
Regen! Regen!
Und wo warst du den Sommer über?!
weinen die Gärten.
   •
So klar ist die Weite
noch sieht man
den Abglanz des Sommers.
   •
Der Weg ist weit …
Ich lutsche
eine unreife Zwetsche.
   •
Wispern:
weiter
im Wasser stehen
oder doch
an Land gehen …
Schilfrohre am See.


Übersetzt von Thomas Weiler


Голас

bielo-russo | Ales Rasanau

Гукаю і чую свой голас.
   Ён займае і гул ракі, і водгулле грамады, і
цішу далёкага лесу.

   I пакуль ён гучыць і, усюды прыняты і за-
ахвочаны ўсюды, мае адвагу і моц гучаць, у
гэтай краіне ён не чужы і не свой, а - сама,
заснаваная мной, краіна.

© Разанаў A. C.
from: Танец з вужакамі: Выбранае
Менск: Мастацкая літаратура, 1999
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Die Stimme

alemão

Ich rufe und ich höre meine Stimme.
   Sie nimmt sowohl das Flußrauschen auf als
auch das raunende Echo der Versammlung
und die Stille des fernen Waldes.

   Und solange meine Stimme ertönt und,
überall angenommen und überall begünstigt,
den Mut und die Kraft hat zu ertönen, ist sie
diesem Land nicht fremd und nicht eigen,
sondern das von mir gegründete LAND selbst

Übersetzt von Elke Erb und Uladsimir Tschapeha.

Aus: Ales Rasanaǔ. Tanz mit den Schlangen. Gedichtauswahl.
Aus dem Weißrussischen übertragen von Elke Erb und Uladsimir Tschapeha.
Berlin: Agora Verlag, 2002, 31. Erato-Druck

Цуд

bielo-russo | Ales Rasanau

Рака разлілася і падплыла да самых
падворкаў, і рыба, якая раней не хацела
лавіцца ні ў якія хітрыя сеткі, цяпер сама
давалася ў рукі.

   Нутром адчуваючы, што насампраўдзе
так не павінна быць, што гэта нейкае
ашуканства, людзі ў кашы, у мяшкі, у начоўкі
паспешліва набіралі ахвотнай, быццам
сп'янелай, рыбы, што не знаходзіла месца
сабе ў вадзе.

   I сам я, выпхнуты з чыстых глыбокіх віроў
на паверхню, курчуся разам з астатнімі
рыбінамі ў пакутах, усёй сваёй безгалосай
істотаю крычучы: »Людзі, глядзіце, глядзіце,
людзі, калі набліжаецца згуба, яна пасылае
перад сабою цуд.«

© Разанаў A. C.
from: Танец з вужакамі: Выбранае
Менск: Мастацкая літаратура, 1999
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Das Wunder

alemão

Der Fluß trat über die Ufer und drang in die
Höfe, und die Fische, die sich früher mit den
schlauesten Netzen nicht fangen ließen,
kamen jetzt von selbst in die Hände.

   Im Innern spürend, daß es so eigentlich
nicht sein sollte und irgendein Betrug ist,
sammelten die Menschen hastig in Körbe, in
Säcke, in Tröge die willigen, gleichsam trun
kenen Fische, die es im Wasser nicht aushiel-
ten.

   Auch ich bin es selbst, ausgestoßen aus
den reinen tiefen Wirbeln an die Oberfläche,
winde ich mich zusammen mit den anderen
Fischen in Qualen und schreie mit meinem
gesamten stummen Lebewesen: »Leute, seht,
seht, Leute, wenn das Verderben naht, schickt
es ein Wunder voraus.«

Übersetzt von Elke Erb und Uladsimir Tschapeha.

Aus: Ales Rasanaǔ. Tanz mit den Schlangen. Gedichtauswahl.
Aus dem Weißrussischen übertragen von Elke Erb und Uladsimir Tschapeha.
Berlin: Agora Verlag, 2002, 31. Erato-Druck

Пагарджаны прарок

bielo-russo | Ales Rasanau

Што надыходзіла - адышло, што
абяцалася - пастаяла, як белае воблака
над галавой, і паціху растала.

   Так многа было малых і вялікіх падзей - а
самай істотнай усё-такі не хапіла, так многа
было сустрэч - але ўсе яны ўжо за мяжою
часу і адгукаюцца калі як.

   - Чалавек, ты з'еў свайго Бога, - казаў
велікодным днём пагарджаны прарок і сту-
каўся велікодным чырвоным яйкам у чорны
камень.

   Вось, мёртвае ажыло.
   I вось, жывое змярцвела.

© Разанаў A. C.
from: Танец з вужакамі: Выбранае
Менск: Мастацкая літаратура, 1999
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Der verschmähte Prophet

alemão

Was kam, ist fort, was verheißen wurde, hielt
eine Weile an, wie eine weiße Wolke über
dem Kopf - und schwand allmählich dahin.

   Es waren so viele kleine und große
Ereignisse - aber das Wesentlichste fehlte
dennoch. Es gab so viele Treffen - sie alle aber
sind bereits hinter der Grenze der Zeit und
hallen so oder anders nach.

   »Mensch, du hast deinen Gott verspeist«,
sagte zu Ostern der verschmähte Prophet und
schlug mit einem roten Osterei an einen
schwarzen Stein.

   Siehe, das Tote lebte auf.
   Und siehe, das Lebende ist abgetötet.

Übersetzt von Elke Erb und Uladsimir Tschapeha.

Aus: Ales Rasanaǔ. Tanz mit den Schlangen. Gedichtauswahl.
Aus dem Weißrussischen übertragen von Elke Erb und Uladsimir Tschapeha.
Berlin: Agora Verlag, 2002, 31. Erato-Druck

Сербская вёска

bielo-russo | Ales Rasanau

Некуды падаў, траціў прытомнасць, поўз,
а развіднела - паўсталі з імглы будынкі і выйшлі
людзі...

   - Што гэта за мясціна? - спытаўся я ў
першай, у чорнай хустцы, старой жанчыны,
з якою сустрэўся на вуліцы ...

   - Козіцы, сербская веска, - сказала яна і
ўступіла ў дзверы адчыненай крайняй хаты,
а я гэтаксама за ёю, спрабуючы высветліць,
ці далёка ад Козіцаў да сталіцы ...

   Учора было ў гэтай хаце вяселле, а зараз –
рэзрух.
   Смуткуючы, маладая сядзіць ля акна, і
востраць мужчыны нажы на ганку.

   - Дваццаць чатыры д'яблы, - сказала,
адказваючы, старая, і мне было дзіўна чуць
аб гэтакай меры шляху,
   і цяжка было мне даўмецца, ці месцяц-
ца ў д'ябле вёрсты, ці, можа, д'яблы ў вярсце.

   Кожны з прысутных мне нешта хацеў
растлумачыць, і спараджала ўсякае слова
мноства наступных слоў, а кожная лічба
мноства далейшых удакладненняў.

   Адно маладая сядзела, як і раней, ля акна
і моўчкі глядзела некуды ўдалеч.

© Разанаў A. C.
from: Танец з вужакамі: Выбранае
Менск: Мастацкая літаратура, 1999
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Das serbische Dorf

alemão

Irgendwo fiel ich hin, verlor das Bewußtsein,
kroch, und als es tagte, erstanden aus dem Dunst
Gebäude, und Menschen kamen heraus ...

   »Was ist das für ein Ort?«, fragte ich die erste
alte Frau mit schwarzem Kopftuch, der ich auf
der Straße begegnete ...

   »Kosizy, ein serbisches Dorf«, sagte sie und
trat in die Tür eines geöffneten Hauses, und ich
folgte ihr, wollte erfahren, ob es weit sei von
Kosizy zur Hauptstadt ...

   Gestern war in diesem Haus Hochzeit, und
nun - Chaos.
   Die Jungvermählte sitzt traurig am Fenster,
und die Männer schärfen an der Vortreppe
die Messer.

   »Vierundzwanzig Diabolos«, gab die Alte zur
Antwort, und es verwunderte mich, ein solches
Wegmaß zu hören,
   es fiel mir schwer, damit klarzukommen, ob
die Wersten im Diabolo enthalten sind oder
die Diabolos vielleicht in der Werst.

   Jeder der Anwesenden wollte mir etwas
erläutern, und jedes Wort erzeugte eine
Menge nachfolgender Worte und jede Zahl
eine Menge weiterer Präzisierungen.

   Nur die Jungvermählte saß wie zuvor am
Fenster und blickte schweigend irgendwo in
die Ferne.

Übersetzt von Elke Erb und Uladsimir Tschapeha.

Aus: Ales Rasanaǔ. Tanz mit den Schlangen. Gedichtauswahl.
Aus dem Weißrussischen übertragen von Elke Erb und Uladsimir Tschapeha.
Berlin: Agora Verlag, 2002, 31. Erato-Druck

Танец з вужакамі

bielo-russo | Ales Rasanau

Змаганне захоплівае мяне: яно разня-
вольвае ўсе мае злольнасці, яно абуджае
ўсе мае сілы, яно становіцца танцам, яно ста-
новіцца святкаваннем, яно тчэ з маіх рухаў
свой непаўторны ўзор.

   Я ашчаджаюся ал яго. I чакаю яго.

   А з мора ўжо вынырнулі дзве вужакі - дзве
неспатольныя помсты.
   Яны апантана накідваюцца на мяне,
абкручваюць слізкімі шчыльнымі звівамі,
пстрыкаюць джаламі ў самы твар ...

   Я аддзіраю іх ад сябе, я душу іх рукамі,
тапчу нагамі, кручуся, уюся, крычу ...

   Навокал, з усіх бакоў, збіраюцца га-
раджане.
   Нібыта прыцягнутыя магнітам, яны глядзяць
на мой адчайны міжбой, на мае пагібель-
ныя вымогі...

   - Якое відовішча!.. - у захапленні, я чую,
гамоняць яны. -
   Мы першы раз назіраем такі напружаны
рытм,
   мы першы раз бачым такі выкшталцоны
танец.

© Разанаў A. C.
from: Танец з вужакамі: Выбранае
Менск: Мастацкая літаратура, 1999
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Der Tanz mit den Schlangen

alemão

Der Kampf erobert mich: Er befreit all meine       
Fähigkeiten, erweckt all meine Kräfte, er wird
ein Tanz, er wird ein Fest, er webt aus meinen
Bewegungen seine eigenwillige Zeichnung.

   Ich nehme mich in acht vor ihm. Und ich
erwarte ihn.

   Aus dem Meer sind schon zwei Schlangen
aufgetaucht- zwei ungestillte Rachgelüste.
   Sie werfen sich gegen mich, umwinden mich fest
mit den glatten Leibern, züngeln
dicht an meinem Gesicht...

   Ich reiße sie von mir ab, ich würge sie mit
den Händen, trete sie mit den Füßen, winde
mich selbst, schlängele mich, schreie ...

   Ringsum, von allen Seiten, versammeln sich
die Städter.
   Wie von einem Magneten gebannt, folgen
sie meinen verzweifelten Anstrengungen, mei
nem Todeskampf...

   »Was für ein Schauspiel ...«, höre ich be-
geistert sagen.
   »Noch nie sahen wir einen so gespannten
Rhythmus,
   zum ersten Mal finden wir einen so glän-
zenden Tanz.«

Übersetzt von Elke Erb und Uladsimir Tschapeha.

Aus: Ales Rasanaǔ. Tanz mit den Schlangen. Gedichtauswahl.
Aus dem Weißrussischen übertragen von Elke Erb und Uladsimir Tschapeha.
Berlin: Agora Verlag, 2002, 31. Erato-Druck

Палёт

bielo-russo | Ales Rasanau

Лакуль мне яшчэ трываць?

   Птах, з якім я лячу праз імглістую бездань
часу, з няволі - у вызваленне, са скрухі - у ра-
дасць, з цемры - у светлыню, паварочвае да
мяне галаву і кажа:

   датуль, пакуль хопіць часу,
   датуль, пакуль хопіць цябе самога,
   датуль, пакуль хопіць нас ...

   Я кармлю птаха сваім целам,
   паю сваёю крывёю
   і перастаю ўжо адрозніваць, дзе ён, а дзе я,
а дзе час ...

   Усё загойваецца на мне маё цела,
   усё аджывае ўва мне мая кроў,
   усё патрабуе птах сабе новай ежы,

   і ўсё доўжыцца праз стагоддзі наш
нерухомы палёт.

© Разанаў A. C.
from: Танец з вужакамі: Выбранае
Менск: Мастацкая літаратура, 1999
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Der Flug

alemão

Wie lange noch muß ich durchhalten?

   Der Vogel, mit dem ich durch die dunstige
Unendlichkeit der Zeit fliege, aus der Unfreiheit
zur Freiheit, aus der Trauer zur Freude, aus der
Dunkelheit zur Helligkeit, wendet den Kopf zu
mir und spricht:
   So lange, wie die Zeit reicht,
   so lange, wie du selbst reichst,
   so lange, wie wir reichen ...

   Ich füttere den Vogel von meinem Körper,
   tränke ihn mit meinem Blut,
   ich unterscheide nicht mehr, wo er ist, wo
ich bin und wo ist die Zeit ...

   Immerfort heilt mein Körper an mir,
   immerfort erneuert sich mein Blut in mir,
   immerfort fordert der Vogel neue Nahrung,

   und immerfort durch die Jahrhunderte
währt unser regloser Flug.

Übersetzt von Elke Erb und Uladsimir Tschapeha.

Aus: Ales Rasanaǔ. Tanz mit den Schlangen. Gedichtauswahl.
Aus dem Weißrussischen übertragen von Elke Erb und Uladsimir Tschapeha.
Berlin: Agora Verlag, 2002, 31. Erato-Druck

Бязмежжа

bielo-russo | Ales Rasanau

Палову жыцця падаюся ў свет, палову -
варочаюся са свету,
   палову жыцця пішу на дарозе свае імёны,
   палову - закрэсліваю напісанае,
   палову жыцця расту ад зямлі, палову -
расту з зямлёю:

   і ўсё менш ува мне мяне, і ўсё больш
бязмежжа.

© Разанаў A. C.
from: Танец з вужакамі: Выбранае
Менск: Мастацкая літаратура, 1999
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Die Grenzenlosigkeit

alemão

Das halbe Leben gehe ich in die Welt
hinein, das halbe kehre ich aus der Welt
zurück,
   das halbe Leben schreibe ich meinen
Namen auf den Weg,
   das andere halbe streiche ich das Geschrie
bene durch,
   das halbe Leben wachse ich von der Erde
fort, das andere halbe wachse ich mit der
Erde zusammen:

   Und immer weniger habe ich in mir mich
und immer mehr - Grenzenlosigkeit

Übersetzt von Elke Erb und Uladsimir Tschapeha.

Aus: Ales Rasanaǔ. Tanz mit den Schlangen. Gedichtauswahl.
Aus dem Weißrussischen übertragen von Elke Erb und Uladsimir Tschapeha.
Berlin: Agora Verlag, 2002, 31. Erato-Druck

Пярэчанне

bielo-russo | Ales Rasanau

Яшчэ здольны балець,
   яшчэ здольны пакутаваць,
   яшчэ здольны памерці,
   я разбіваю душу і рукі аб камяні і сцены,
якія мяне абступаюць.

   Я парываюся з мінулага ў сёння, з бяспекі
ў свабоду.

   Але мы твая абарона, - пярэчаць мне
камяні і сцены, - мы тваё вонкавае цела,
   мы ратуем цябе ад спёкі і сцюжы, ад
агню і вады, ад кулі і шаблі,

   бо ты яшчэ не здольны не балець,
   бо ты яшчэ не здольны не пакутаваць,
   бо ты яшчэ не здольны не памерці.

© Разанаў A. C.
from: Танец з вужакамі: Выбранае
Менск: Мастацкая літаратура, 1999
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Sie widersprechen

alemão

Noch imstande zu erkranken,
   noch imstande zu Kränkung und Leid,
   noch imstande zu sterben,
   zerschlage ich die Seele und die Hände an
den Steinen und Mauern, die mich umschlie
ßen.

   Ich strebe aus der Vergangenheit in die
Gegenwart, aus der Sicherheit in die Freiheit.

   »Aber wir sind dein Schutz«, widersprechen
mir die Steine und die Mauern, »wir sind dein
äußerer Körper,
   wir schützen dich vor Hitze und Kälte, vor
Feuer und Wasser, vor Kugel und Säbel,

   denn du bist noch nicht imstande, nicht zu
erkranken,
       denn du bist noch nicht imstande, nicht zu
 leiden,
   denn du bist noch nicht imstande, nicht zu
sterben.«

Übersetzt von Elke Erb und Uladsimir Tschapeha.

Aus: Ales Rasanaǔ. Tanz mit den Schlangen. Gedichtauswahl.
Aus dem Weißrussischen übertragen von Elke Erb und Uladsimir Tschapeha.
Berlin: Agora Verlag, 2002, 31. Erato-Druck

Падарунак хроснай маці

bielo-russo | Ales Rasanau

Хросная маці аддае мне свой пада-
рунак. Гэта люстэрка. Я спрабую ўгле-
дзець у ім сябе, але дарэмна. Яго па-
верхня зморшчаная і цьмяная, быццам
чыясьці далонь.

   - У ім жыве Бог,— кажа хросная мa-
цi,— і некалі ты яго ўбачыш...

   Здараецца, люстэрка яснее, змор-
шчыны разгладжваюцца — і тады мне
відаць то птушка, якая ляціць, то паста-
вы людзей, то абрысы незразумелых
рэчаў...

   Я губляюся ў меркаваннях: магчыма,
я ўжо бачу Бога, ды толькі не ведаю,
што гэта ён.

© Разанаў A. C. / I.П. Логвінаў
from: Лясная дарога: версэты
Менск: I.П. Логвінаў, 2005
ISBN: 985-6701-91-0
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Das Geschenk der Patin

alemão

Die Patin gibt mir ihr Geschenk.
Es ist ein Spiegel. Ich versuche mich in
ihm zu sehen, aber vergebens: Seine Fläche
sieht so gefurcht aus und undurchsichtig,
als blickte man in jemandes Hand.

   „Gott lebt in ihm," sagt die Patin. „Und
irgendwann wirst du ihn sehen ..."

   Es kommt vor, daß der Spiegel klarer wird, die
Furchen sich glätten, - dann bekomme ich einen flie-
enden Vogel zu sehen oder menschliche Gestalten
oder die Konturen seltsamer Gegenstände...

   Ich verliere mich in Vermutungen: Vielleicht sehe
ich Gott bereits und weiß nur nicht, daß er es ist?

Übersetzt von Elke Erb.

Aus: Ales Rasanaǔ: Zeichen vertikaler Zeit. Poeme. Versetten. Punktierungen. Betrachtungen.
Herausgegeben von Norbert Randow. Aus dem Weißrussischen
übertragen von Elke Erb. Berlin: Agora Verlag, 1995, 28. Erato-Dru

Лясная дарога

bielo-russo | Ales Rasanau

Едзем на возе з Хведаркам Барада-
тым па даўняй лясной дарозе.

   Павыступалі з зямлі вузлаватыя ка-
рані, быццам чыесьці крыкі і нараканні.

   Апавядае Хведарка Барадаты, як
шмат тут чаго за вякі адбылося:
   як людзі людзьмі пераймаліся,
   як людзі людзьмі рабаваліся,
   як забіваліся людзі людзьмі...

   —Я ведаю,— кажа ён,— толькі трохі,
ды ўсё, што было тут, да самых апошніх
драбніц, адкрыецца на судзе, на тым
страшным судзе, дзе ўзважвацца бу-
дуць людскія душы.

   Просяцца ў нас, каб падвезлі, каго
даганяем: дзядзькі, дзецюкі, мала-
дзіцы, падлеткі, жанкі, старыя,— і мы
іх бяром, бо ўсе, хто ні ёсць на гэтай
дарозе, ужо не староннія нам, не чу-
жыя, ужо, нейкім чынам, с в a е.

   Зыбаецца воз па пяску, ляскоча воз
па карэнні,
   Хведарка Барадаты махае лейцамі і
паганяе каня...

   Цесна пасеўшы, усім хаўрусам едзем
па даўняй лясной — па людской!..— да-
розе, едзем на страшны суд.

© Разанаў A. C. / I.П. Логвінаў
from: Лясная дарога: версэты
Менск: I.П. Логвінаў, 2005
ISBN: 985-6701-91-0
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Der Waldweg

alemão

Chwedarka der Bärtige und ich fahren mit einem
Fuhrwerk auf dem uralten Waldweg.

   Knotige Wurzeln treten aus der Erde wie jeman
des Schreie und Vorwürfe.

   Chwedarka der Bärtige erzählt, was alles hier vor
Jahrhunderten geschah:
   wie Menschen bedrängt wurden von Menschen,
   wie Menschen beraubt wurden von Menschen,
   wie Menschen von Menschen getötet wurden...

   Ich weiß, sagt er, noch das wenigste, aber alles,
was hier war, kommt haarklein heraus beim Gericht,
bei jenem Schreckensgericht, wo die menschlichen
Seelen gewogen werden.

   Es bitten uns, daß wir sie mitnehmen, die wir ein
holen: Männer, junge Männer, Jünglinge, Halbwüch
sige, Frauen, Alte - und wir nehmen sie mit, denn
alle, wer auch immer ist auf diesem Weg, sind uns
nicht Fremde mehr, nicht andere, unsere schon
sind sie in gewisser Weise.

   Das Fuhrwerk schwankt über den Sand, es holpert
über die Wurzelballen,
   Chwedarka der Bärtige rührt die Zügel und treibt
das Pferd an...
   Eng zusammengerückt, fahren wir mit der ganzen
Gesellschaft auf dem uralten Waldweg, dem
menschlichen!... - fahren zum Jüngsten Gericht.

Übersetzt von Elke Erb.

Aus: Ales Rasanaǔ: Zeichen vertikaler Zeit. Poeme. Versetten. Punktierungen. Betrachtungen.
Herausgegeben von Norbert Randow. Aus dem Weißrussischen
übertragen von Elke Erb. Berlin: Agora Verlag, 1995, 28. Erato-Dru

شعر ماه اوت

persa | Djavade Modjabi

شعرهائي كه داشتم در سر
                        شبانه  
                          حلزون و زاغچه شدهاند.
هر روز سحر
                   مرا به تير ميبندد كسي
تا گلولها را از خود بتكانم
ظهر شده است و آبجوي تگري ميچسبد.
چهره ندارند و اندامشان مِهي كه دايم باز و بسته شود.
ميدانم كه آشنايان بودهاند
تقصير بارانهاي دم ريز اين جاست
طعم محزون حرفهايشان را سنجابها در آروارۀ حريص ميجويدند.
نگاه ميكنم
مرا نگاه ميكنند لابد
او چيزي در اين ميانه پديدار نيست مگر ابر.
ما را احاطه كرده
بوي زوال تاريخ دريا گردان.
دوباره تيرباران شروع شده.
نمي فراموش و نيمي به ياد آمده
در ميدان ميرويم رد خون خود را گرفته.
گلهاي ماه اوت از آسمان ما را تعقيب ميكنند.
دسته گلي فراهم ميآورم وراي بازي اين گونه زيستن
براي روزهاي پيرياي كه پس فردا به پايان ميرسد.

                              اول اوت 2005 -
   لندن

© Djavade Modjabi
Audio production: 2006, Literaturwerkstatt Berlin

Das Gedicht des Monats August

alemão

Die Gedichte, die ich im Sinn trug,
Sind über Nacht
Zu Schnecken und Elstern geworden.
In jedem Morgengrau
Füsiliert mich wer
Ehe ich die Kugeln von mir schüttle
Ist es Mittag geworden, und ein eiskaltes Bier tut gut.
Sie haben keine Gesichter mehr, ihre Leiber ein Nebel, bald zerwehend, bald sich
                                                                            verdichtend.
Ich weiß, es sind Bekannte,
Schuld ist der dauernde Regen hier
Den Trauergeschmack ihrer Worte zerkauen die gierigen Kiefer der grauen
                                                                   Eichhörnchen.
Ich schaue
Wahrscheinlich betrachten sie mich
Zwischen uns erscheinen nur Wolkenfetzen.
Es umfängt uns
Verwesungsgeruch einer Geschichte von Seefahrern.
Wieder hat das Erschießen begonnen.
Halb vergessend und halb erinnernd
Folgen wir unseren Blutspuren auf dem Platz.
Die Blumen des Augusts begleiten uns am Himmel.
Ich binde mir einen Strauß jenseits des Spiels dieses Lebens
Für meine alten Tage, die übermorgen zu Ende gehen.

London, 1. August 2005

Deutsche Fassung von Elke Erb entstanden im Rahmen des Übersetzungsworkshops Iran der Literaturwerkstatt Berlin im Dezember 2006

سفر مجوس

persa | Djavade Modjabi

مجوس
متاعش را به بازار ديگري
شهري ديگر
ميبرد
سفره قلمكارش را در گوشۀ خيابان ازدحام شمالي ميگسترد
بر آن:
رديف گلوهاي بريده را ميچيند
ديوانهاي سوخته و لبهاي دوخته را
قحطسال و روستا و شهرهاي گورستاني
آرزوهاي محال كودكان خيابان و فاحشههاي خردسال
و چند عكس فوري دلگير از جنگهاي اخير.
كسي خريدار غصههاي قديمي نيست.
- كالاي ديگري نداري جز اينها؟
- دارم، اما اين جا نيست، اگر ممكن است يك تك پا ...

متاع بيخريدار
در آفتاب دهر
چون دل او
آب ميشود و زهر
زير پي عمارت سنگي ميرود
تا كي درآوند شيشه و آهن
به سان دوزخي بالا گيرد.

16 جولاي 2005 - لندن

© Djavade Modjabi
Audio production: 2006, Literaturwerkstatt Berlin

Die Reise des Magus

alemão

Der Magus
Trägt seine Ware zu einem anderen Markt
In eine andere Stadt
Breitet sein buntes Tuch aus an einer belebten Straße des Nordens,
Er legt darauf:
Eine Reihe Hälse, durchschnitten.
Diwane, verkohlt, Lippen, vernäht,
Dörfer, verdorrt, und Städte gleich Gräbern,
Vergebliche Hoffnungen von Straßenkindern und kindlichen
                                                                       Prostituierten
Und ein paar quälende Schnappschüsse aus den jüngsten Kriegen.
Die alten Kümmernisse bleiben ohne Käufer.
– Hast du nichts anderes anzubieten?
– Habe ich, nur nicht hier. Wenn Sie auf einen Sprung …

Die ungefragte Ware
Schmilzt unter der Schicksalssonne
Wie sein Herz zu Gift zerfließt
Sickernd unter die Fundamente des steinernen Gebäudes
Um irgendwann in den Kapillaren aus Stahl und Glas
Höllengleich aufzusteigen.

London, 16.Juli 2005

Deutsche Fassung von Elke Erb entstanden im Rahmen des Übersetzungsworkshops Iran der Literaturwerkstatt Berlin im Dezember 2006

داستاني نه شعر

persa | Djavade Modjabi

لخت و عور
با عور و اطوار
اين طور
پرتاب شد
وسط داستان دنيا
شاعر.
شاعر چه داستاني دارد جز اين كه داستاني نگويد.
بازي برهنه با تخيل
تخيل برهنه
اين بازي.

ميتواند پرتاب شود
بارها
از پرتابي به پرتاب ديگر
تا داستان دنيا
از اين كشاكش ياوه
شعري شود
كه شاعر آن را در خيال خود نداشت.

5 ارديبهشت 84- تهران

© Djavade Modjabi
Audio production: 2006, Literaturwerkstatt Berlin

Die Erzählung, die kein Gedicht ist

alemão

Nackt und bloß
Und Faxen und Fratzen
So wurde er
  geschleudert
    in die Erzählung Welt,
               der Dichter.
Welche Erzählung hat er, außer daß er keine erzählt
Das nackte Spiel mit der Imagination
Die nackte Imagination
Dieses Spiel.

Er kann geschleudert werden
Vielmal
Und noch im Schleudern geschleudert
Bis die Erzählung Welt
Von diesem unsinnigen Ringen sich verwandelt
                              in ein Gedicht,
Das der Dichter nicht im Sinn hatte.

Teheran, 5. Ordibehesht 1384

Deutsche Fassung von Elke Erb entstanden im Rahmen des Übersetzungsworkshops Iran der Literaturwerkstatt Berlin im Dezember 2006

بين دريا و باغ

persa | Djavade Modjabi

وقتي از دريا برگشتيم
خيابان تابستان را سلانه گذشتيم تا كافهي آزادي
به فراغت در سايه
چاي سبز هندي نوشيديم و ديديم
دنيا در تلويزيون
مثل سي سال جلوتر
خندهدار از طنازي دلقكهاي عصر قجري
فيليم تكراري دارد آن ساعت روز.
كسي از كافه صدا زد نامم را
ميدانستم مرده است بدون شك
صدا زد باز.
كاميوني جلوي كافه توقف كرد و
باغ پيش رو را از منظره برد
مورچهها و سگها خيابان را پيمودند تا ما
حق خود را ميطلبيدند اما از كي؟
هيچ حقي در اين تابستان
به مستان داده نشد
جز اضطرابي سنگين كه در آن
سگها را خودمان ديديم و مورچهها ما را خود.
دوستم وقتي در دريا بوديم مرا از اين كافه ترساند.
صدا زد باز
آن كه در دريا او را در نعرهي غرقاب رها كرديم.
تابستان را بار زد و روشن كرد و رفت
آن جا باغي بود و حالا جايش خالي مانده
باد در شاخ درختان خيالي ميپيچيد و
ياد شهر ديرين من ميآمد در هوهوي باد.

جواد مجابي – تهران – 23 اسفند 84

© Djavade Modjabi
Audio production: 2006, Literaturwerkstatt Berlin

Zwischen Meer und Garten

alemão

Zurückkehrend vom Meer,
Gingen wir beschwingt die Straße Sommer zum Wirtshaus Freiheit
Im Schatten behaglich
Tranken wir grünen Tee und sahen
Im Fernsehen die Welt
Lächerlich wie all diese dreißig Jahre
Den Possen der alten Hofnarren gleich
     Zu dieser Tageszeit laufen die Filmwiederholungen
Aus dem Wirtshaus rief mich jemand beim Namen
     Ich wußte, der war zweifellos tot
Er rief erneut
Ein Lastwagen hielt vor der Schenke
Und verdeckte die Aussicht auf den Garten gegenüber
Ameisen und Hunde überquerten die Straße zu uns hin
Sie forderten ihr Recht, aber von wem?
In diesem Sommer wurde den Trunkenen
Keinerlei Recht zugestanden
Nur eine Panik kam auf, in der
      Wir uns selbst als Hunde sahen und die Ameisen uns als sich selbst.
Als wir noch im Meer waren, hatte mein Freund mich vor diesem Wirtshaus gewarnt.

Erneut rief er,
Den wir im Strudeln und Schreien des Meers sich selbst überlassen hatten.
Lud den Sommer auf, sprang an und fuhr fort
Ein Garten war dort gewesen, dessen Platz jetzt leer ist
Der Wind strich durch die imaginären Bäume
  Und die Erinnerung an meine alte Stadt kam im säuselnden Wind.

Deutsche Fassung von Elke Erb entstanden im Rahmen des Übersetzungsworkshops Iran der Literaturwerkstatt Berlin im Dezember 2006

اين مادرساده

persa | Djavade Modjabi

علفي نورُسته آوردي وگفتي:
نگاه كن دخترم را
گياهي تيغدارونام نيافته .

خنجري كج آوردي عتيق
:نگاه كن اين پسروحشي را
چه خطي نوشته اندبرتيغه اش

قصربلنداوردي
با هزار آفتابش در دل
پرسيدي:
ميداني اين كيست؟

مي شناختياش به هر حال
اما ترا از اين همه گرد آوردن چه سود؟
پيش از آن كه به دست آري از كف داده بودياش.

نه باتوماندخنجروعلف
نه آفتابهاي قصر با او
گفت و گوهامان رابه خاطر نميآورم
تنها
آن حياط رابه ياد آريم كه
درخت پيرش
مرغان گرسنه را
به انجيرهاي زرين مهمان مي كند

9 ديماه 1383

© Djavade Modjabi
Audio production: 2006, Literaturwerkstatt Berlin

Diese schlichte Mutter

alemão

Du brachtest ein frisch gesprossenes Kraut und sagtest:
Sieh meine Tochter hier,
die namenlose Pflanze, die dornige.

Du brachtest einen antiken Krummdolch:
Sieh diesen wilden Knaben
Und diese Schrift auf der Klinge.

Du brachtest einen hohen Palast,
Mit tausend Sonnen in seinem Innern
Du fragtest:
Weißt du, wer das ist?

Du, du kanntest sie,
Was nützt dir aber, all dies zu sammeln?
Ehe du es besaßest, war es dahin.

Weder der Sproß noch der Dolch blieben bei dir,
Auch die Palastsonnen sind nicht mehr deine
Unsere Worte behalte ich nicht
Laß uns nur
An jenen Hof uns erinnern,
   dessen alter Baum
       die hungrigen Vögel
           zu goldenen Feigen einlädt

9 Dey 1383

Deutsche Fassung von Elke Erb entstanden im Rahmen des Übersetzungsworkshops Iran der Literaturwerkstatt Berlin im Dezember 2006

انحناي يك قائمه

persa | Djavade Modjabi

بيا بسازيم با هم شبي را كه نيامد تا امشب:
شبي نود درجه
با رنگ قهوهاي متمايل به سبز
شهردار لازم نداريم و شاعر
يك نقاش ساختمان دم دست باشد بد نيست
اول عمارتي بسازيم از قلب تو با نسترن يا نسرين
يك هليكوپتر بايد كه نجاتمان دهد به وقت خطر
بهتر است تراس عمارت به شكل يك صد بطر ويسكي باشد
كسي نبايد از عطر برگ شكايت كند چرا هاوانا نيست
تمام پنجرهها را عزيزم باز كن به كوه مرجان كه از جان دريا برآمده باشد.
شهر نه، تنها يك كوچه كافي است با چند همسايه از پريزادان و يك عفريت
حالا اين شب را از قائمه درآر و انحنايش را تابدار چون كفل رقاصان كولي كن
حياط را با ستارههاي سرگردان فرش كن و با نشئۀ علف كشان خواب و بيدار
از پلهها بالا رويم به طارمي عشرت
گو آفتاب بر نيايد مهاها از آزرم شرمگاهت
ما را طلوع هر سويۀ سرود بلبلان روشن ميدارد
بيا از شبي كه ساختيم پنهان گرديم در گچبريهاي طاق قصيده.
گريختن از ديدرس ابلهان را، هزار سال بنزين ذخيره دارد عفريت.

                                             سوم بهمن 84-تهران

© Djavade Modjabi
Audio production: 2006, Literaturwerkstatt Berlin

Die Krümmung der Lotrechten

alemão

Komm, laß uns gemeinsam die Nacht erschaffen, die, die bis heutnacht nicht kam.
Eine Nacht von neunzig Grad
Von brauner, ins Grünliche spielender  Farbe
Wir brauchen nicht Dichter noch Bürgermeister
Aber ein Anstreicher wäre nicht schlecht
Zunächst bauen wir aus deinem Herzen ein Haus mit Jonquillen und Rosen

Einen Hubschrauber brauchen wir, der uns aus der Gefahr holt
Schön wäre auch eine Terrasse aus hundert Whiskeyflaschen
Keiner soll klagen, die Zigarren dufteten nicht nach einer Havanna
Öffne alle Fenster, Geliebte, auf das Korallengebirge, das aus dem Meer sich erhob.
Keine Stadt, eine Gasse ist schon genug, mit ein paar Feen als Nachbarinnen und
                                                                    einer Riesin darin
Jetzt befreie die Nacht aus der Geraden und laß ihre Krümmung sich schwingen wie
                                                  ihren Hintern die Zigeunerin wiegt
Bedecke den Hof mit streunenden Sternen und dem halbwachen Schlaf und Rausch
                                                           der Grasrauchenden
Steigen wir die Stufen hinauf, die Hand am Geländer zur Lust,
Es sei, als komme die Sonne Monde lang nicht herauf aus Scham vor deinem Schoß
Von allen Seiten erhellt uns, statt ihrer aufsteigend, der Nachtigallengesang
Komm, laß uns uns bergen aus unserer Nacht in das Arabesken-Gewölbe eines
                                                                  Kassiden-Gedichts.
Für die Flucht vor den Blicken der Törichten hat die Riesin im Helikopter tausend
                                                                       Jahre Benzin.

Deutsche Fassung von Elke Erb entstanden im Rahmen des Übersetzungsworkshops Iran der Literaturwerkstatt Berlin im Dezember 2006

[Снег упаў на голле залатое.]

bielo-russo | Nina Mazjasch

Снег упаў на голле залатое.
Толькі ўчора сонцам ліўся ліст –
а сягоння пад завейны свіст
снег упаў на голле залатое.


І шчыміць разгублена душа,
нібы не бярозка, а сама я
так безабаронна адгараю, --
і разгублена шчыміць душа...

© Ніна Мацяш
Audio production: Belarus PEN-Centre / Goethe-Institut Minsk

[Schnee fiel auf die goldenen Zweige]

alemão

Schnee fiel auf die goldenen Zweige.
Das Blatt trank Sonne gestern noch –
und heute bei pfeifendem Sturmwind grob
fiel Schnee auf die goldenen Zweige.

Und verwundert und wund glimmt die Seele,
als sei nicht die Birke verbrannt,
als sei ich es, die dort stand –
verwundert wund glimmt die Seele.

Aus dem Belarussischen von Elke Erb

[Пытаешся, чаго маўчу.]

bielo-russo | Nina Mazjasch

Пытаешся, чаго маўчу.
Я не хачу
парушыць гэтую магчымасць –
паслухаць,
што там, за вачыма,
за небам позірку твайго.

Загавару –
і не пачую,
што
птушка часу нам вяшчуе.

© Ніна Мацяш
Audio production: Belarus PEN-Centre / Goethe-Institut Minsk

[Du fragst, warum ich schweige]

alemão

Du fragst, warum ich schweige.
Ich möchte nicht
dieses Mögliche stören –
zu hören,
was dort, hinter den Augen,
hinter dem Himmel ist deines Blicks.
Spreche ich –
dann höre ich nicht,
was der Vogel der Zeit
prophezeit.

Aus dem Belarussischen von Elke Erb

[Заходзіш. Гамоніш.]

bielo-russo | Nina Mazjasch

Заходзіш. Гамоніш. Прыгортваешся ўсхвалявана.   
Дапытваешся, ці жаданы –
                                              такі нечаканы?

А вочы іскрацца. А вусны  смяюцца. А словы
абвейваюць сэрца бялюсенькім цветам вішнёвым.

Мы ёсць – і няма нас. Нібы два пялёстачкі, тонем
у галавакружна расчыненых сонечных тонях.

І пьём – не нап”ёмся  з той плыні крыштальнай,
                                                           вянчальнай,
І гэтая смага –
                            адзінае, што найрэальна...
.

© Ніна Мацяш
Audio production: Belarus PEN-Centre / Goethe-Institut Minsk

[Du trittst ein. Du sprichst.]

alemão

Du trittst ein. Du sprichst. Du schmiegst dich an erregt.
Fragst: Komme ich auch gelegen –
so unverhofft?

Und die Augen funkeln. Und die Lippen lachen. Die Reden
umschweben das Herz, wie Kirschblüten blinkend.

Es gibt uns – und es gibt uns nicht. Wie zwei Blütenblättchen wir sinken
strudelnd in einem weit offenen sonnigen Trichter.

Und wir trinken – können uns nicht satttrinken an jenem hochzeitlich kristallklaren Strahlen

und dieser Durst ist –
      das einzige wahrlich Reale.

Aus dem Belarussischen von Elke Erb

[Ведаем, жывём занадта мала,]

bielo-russo | Nina Mazjasch

Ведаем, жывём занадта мала,
каб напрыканцы не шкадаваць,
што не ўсё, чым доля нас вітала,
з годнасцю мы ўмелі  адвітаць.

Ды ў часы расцугленых нейтронаў,
прамянёвай хуткасці часы
так жывём, нібы ўжо забаронна
промень наш выпадку пагасіць.

Быццам не паўвеку нейкіх толькі –
дадзена паўвечнасці ў запас,
і падбаць яшчэ паспееш з толкам,
будзе дастаткова сілы ў нас,

каб вярнуць запушчанаму саду
плён надзеі і харашыню,
каб, шануючы душы радню,
у сабе знайсці апору  й раду...

© Ніна Мацяш
Audio production: Belarus PEN-Centre / Goethe-Institut Minsk

[Das wissen wir, wir leben nicht genug]

alemão

Das wissen wir, wir leben nicht genug
und bedauern unser Unvermögen schließlich,
für alles Gut, das uns das Schicksal bot
mit Würde dankbar es zurückzugrüßen.

Doch in den Zeiten freigelassener Neuronen,
in unserer Bahn der Lichtgeschwindigkeit
lebt man, als sei dem Zufall schon verboten,
das Licht uns auszublasen vor der Zeit.

Als sei nicht dieses einzige Leben uns,
als sei uns eine Ewigkeit verfügbar,
daß wir noch sorgen könnten mit Vernunft
und auch an Kräften bliebe uns genügend,

der verwahrlosten Natur zurückzugeben
die Schönheit und die Frucht des Hoffnungsglücks,
und, ehrend die Familie der Seele,
zu lernen aus dem eigenen Geschick.

Aus dem Belarussischen von Elke Erb

ЗЕМНУЮ ЖИЗНЬ ЗАДУМАЛ ЧВИРИК

russo | Olga Martynova

Земную жизнь задумал Чвирик.
И что сказать? Она ему, пожалуй, удалась.

Но Чвирка так ему сказала:
— Я вяну здесь,
Давай вернемся.

И Чвирик Чвирку пожалел.

© Olga Martynova
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

TSCHWIRIK ERDACHTE DAS ERDENGESCHICK

alemão

Tschwirik erdachte das Erdengeschick.
Was wäre zu sagen dazu? Es scheint ihm gelungen.

Aber Tschwirka sagte zu ihm:
»Ich werde hier welk.
Komm, wir kehren zurück.«

Und Tschwirik erbarmte sich ihrer.

Aus dem Russischen von Elke Erb und Olga Martynova
Erschienen in: Von Tschwirik und Tschwirka, Literaturverlag Droschl Graz – Wien 2012.

Zagrljaj

sérvio | Vojislav Karanović

Obruči što grle bačvu punu gorkog
Vina. To su bili naši dani.

Trpki ukus crnice, uporno proticanje reka,
(kao proticanje krvi kroz vene i arterije)
Šum lišća, i talasi koji su
Borama pokrivali jasno lice mora.
Varka, koju smo svi voleli.

Nema više prepoznavanja,
Prisnog smeha oblaka.
I let laste,
Nestašno prevrtanje po vazduhu,
Mi ipak nismo razumeli.

Telo bi svaki od nas
Radije bio svukao:
Osećali smo ga kao tkaninu
Čije se niti brzo paraju.

Sada, okruženo zidovima
Koje pokriva sloj guste mahovine,
Ostalo je samo srce.

Krv se kao končić dima
Izvija ka nebu.

Nema više ni srca.

Dušo, umij svoje
Razgorele obraze snegom.

Čuju se samo još damari,
Kotrljanje zvezda niz nebo.
Kao u mračnoj kutiji, tišina
Koja opija; zagrljaj
U kome nema nikoga.

© Vojislav Karanović
from: Živa rešetka
Novi Sad : IP Matica srpska, 1991
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Die Umarmung

alemão

Reifen, die ein Fass umarmen, voll mit bitterem
Wein. Das waren unsere Tage.

Herber Geschmack von Humus, beharrlich strömt der Fluß
(wie das Blut durch Venen und Arterien strömt),
Rauschen von Laub und Wellen, welche
Das klare Gesicht des Meeres runzelten.
Eine Täuschung, die wir alle mochten.

Kein Wiedererkennen mehr,
Nicht anheimelnd lächelten die Wolken.
Und den Flug der Schwalbe,
Ihr übermütiges Sich-Schwingen durch die Luft
Haben wir ohnehin nicht erfaßt.

Den Körper hätte jeder von uns
Lieber abgestreift:
Wir nahmen ihn wahr wie ein Gewebe,
Dessen Fäden sich rasch auflösen.

Jetzt, umgeben von Mauern,
Die eine dichte Moosschicht bedeckt,
Ist einzig das Herz geblieben.

Wie ein dünner Faden von Rauch
Windet das Blut sich zum Himmel.

Es gibt auch kein Herz mehr.

Seele, wasche deine
Lodernden Wangen mit Schnee.

Zu hören sind nur noch die Pulse,
Sterne, die vom Himmel holpern.
Wie in einer dunklen Schachtel, eine Stille,
Die berauscht; eine Umarmung,
In der keiner ist.

Übertragung: Elke Erb
(Interlinear: Tatjana Petzer)

چيچي هوجو

persa | Djavade Modjabi

ميرفتم به خانه
كه درختي شدم كنار خيابان
پر از شكوفهي هلو.
پرندهاي كه بر شاخهام نشسته بود
پرواز كرده بود از شاهنامهاي كه در كتابخانه داشتم.
كسي در سايهام ترمز كرد
پياده شد
نشانياي را با رمز از پليس پرسيد
خانهي مرا ميجست.
پليس حدود آدرس را توضيح داد.
پليس كثيفتتر از سال پيش بود و ناشناختهتر.
به پرنده گفتم:
شايد از بيم اين همه
پرنده گفت:
چيچي هوجو
بارها اين ترانه را تكرار كرد تا يقين كردم:
شكوفه را نميتوان چشمبند زد.

تهران – 6 فروردين 84 – جواد مجابي

© Djavade Modjabi
Audio production: 2006, Literaturwerkstatt Berlin

Tschitschi hudschu

alemão

Ich war auf dem Heimweg,
Als ich ein Baum wurde an der Straße
Voll Pfirsichblüten.
Der Vogel, der sich auf meinen Ast setzte,
War dem Schahname meiner Bibliothek entflogen.
Jemand bremste in meinem Schatten,
Stieg aus,
Fragte einen Polizisten verschlüsselt nach einer Adresse.
Mein Haus suchte er.
Der Polizist beschrieb ihm andeutend die Anschrift.
Er war dreckiger als im vorigen Jahr und undurchschaubarer.
Ich sagte zum Vogel:
Vielleicht verwandeln wir uns aus Furcht.
Der Vogel sagte:
Tschitschi hudschu
Ständig wiederholte er diese Melodie, bis ich mir sicher war:
Den Blüten kann man nicht die Augen verbinden.

Teheran, 6. Farvadin 1384

Deutsche Fassung von Elke Erb entstanden im Rahmen des Übersetzungsworkshops Iran der Literaturwerkstatt Berlin im Dezember 2006

Svetlost

sérvio | Vojislav Karanović

Neka sve drugo ode, razveje se,
Izgubi. Samo svetlost
Da je tu, blagim okom
Da me gleda. Čak
Ako je gruba i na silu
Ulazi kroz staklena okna.
I onda kad tare ramena
O pukotine između roletni.
Opraštam joj uporno kuckanje
Po očnim kapcima u času
Kad oni ne žele da se otvore.
Jer ta želja je kao kamen:  
Brzo tone, pada na dno.
Svetlost je leptir
Sleteo na zenice.
Taj cvet
Lep je kao čestice
Uskovitlane prašine.
Samo da gledam, u njoj
Da se izgubim.
Kao što sam sebe gubio
U sjajnom pogledu one
Koju sam jednom
Stidljivo uhvatio
Za ruku, pomilovao
Po nadlanici.
Neka sve drugo ode,
I ljutito zalupi vrata
Za sobom. Dok je ona tu
Sve je na svom mestu.
U snopu svetlosti
Trepere sitna zrnca
Kao prah sa krila
Anđela.
Zar da tražim više?

© Vojislav Karanović
from: Sin zemlje
Beograd: Srpska književna zadruga, 1999
ISBN: 86-379-0735-0
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Licht

alemão

Alles andere soll gehn, verwehn,
Verschwinden. Nur das Licht
Soll hier sein, mit sanftem Auge
Mich anschaun. Sogar
Wenn es grob ist und gewaltsam
Sich schlägt durch das Fensterglas.
Auch dann, wenn seine Schultern sich
Durch die Spalten in den Rolläden zwängen.
Ich verzeihe ihm sein beharrliches Klopfen
Auf die Augenlider in dem Moment,
In dem sie sich nicht zu öffnen wünschen.
Denn dieser Wunsch ist wie ein Stein:
Er versinkt schnell, fällt auf den Grund.
Das Licht ist ein Schmetterling,
Der sich niederlässt auf die Pupillen.
Ihre Blume
Ist schön wie die Teilchen
Des aufgewirbelten Staubs.
Nur schauen möchte ich, in dem Licht
Mich verlieren.
So wie ich mich verlor
In den strahlenden Blicken jener,
Die ich einmal
Schüchtern anrührte
An der Hand, den Handrücken
Streichelte ich.
Alles andere gehe,
Und schlage zornig die Tür zu
Hinter sich. Solange es hell ist,
Hat alles seinen Platz.
Im Lichtbündel
Tanzen die feinen Körner
Wie Flügelstaub
Von den Engeln.
Was wollte ich mehr?

Übertragung: Elke Erb
(Interlinear: Jasmina Urukalo)

Sin zemlje

sérvio | Vojislav Karanović

Teški smo Zemlji. Dugo me je
Kopkalo to osećanje. Rilo  
Po meni, potkopavalo
Ovo malo mira  
I sigurnosti. Kroz glas,
Kroz dah, kroz riku
Šumskih zveri – Zemlja
Se oslobađa nas.
Cvrkut ptica, otvaranje
Pupoljaka, mirisi
Poljskog cveća - tako
Nas Zemlja predaje,
Vraća nebu. I kao
Da pri tom žuri.

Zemlja ne zna, da bez nas
Ne postoji. Da bi bez
Nas bila gola
I uzaludna
Kao bilijarska kugla
Zauvek sletela
Sa meke čoje
Bilijarskog stola.

Duša: to je prostor u kome
Zemlja jedino postoji. Tu se
Ona kotrlja i okreće,
Oko sebe i oko drugih planeta.

Poslednje osećanje, ono koje
Umirućeg prevede iz ovog
U onaj svet – eto ivice
Provalije dublje
Od najdubljeg kanjona.

Zemlja to zna, i zato
Okleva: ne da nas sve,
I odjednom.

Ja sam ovde. Cvet
Krvavih latica
Otvorio se u meni.

© Vojislav Karanović
from: Sin zemlje
Beograd : Srpska književna zadruga, 1999
ISBN: 86-379-0735-0
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Sohn der Erde

alemão

Wir sind der Erde schwer. Lange hat mich
Dieser Eindruck bedrückt. Es grub
In mir, untergrub
Dieses bisschen Frieden
Und Sicherheit. Mit der Stimme,
Mit dem Atem, mit den Schreien
Des Waldgetiers – die Erde
Befreit sich von uns.
Das Zwitschern der Vögel, das Aufgehn
Der Knospen, der Duft
Der Blumen im Felde – so
Übergibt uns die Erde.
An den Himmel zurück. Und als
Eile es sie.

Die Erde weiß nicht, daß sie ohne uns
Nicht bestünde. Ohne uns
Leer wäre,
Fruchtlos,
Wie eine Billardkugel,
Herab immer
Flöge vom weichen Bezug
Des Billardtischs.

Die Seele: sie allein ist der Raum, in dem
Die Erde existiert. Hier
Rollt und dreht sie sich,
Um sich selbst und um die andern Planeten.

Die letzte Empfindung, welche
Den Sterbenden aus dieser hinüber
In jene Welt führt – das ist der Rand
Der Kluft, die tiefer ist,
Als die tiefste Schlucht.

Die Erde weiß das und deshalb
hält sie zurück:: gibt uns nicht alle
Und nicht auf einmal. fort.

Ich bin hier. Eine Blüte
Von Blut hat den Kelch
Geöffnet in mir.

Übertragung: Elke Erb
(Interlinear: Tatjana Petzer)

Razglednica

sérvio | Vojislav Karanović

Jeste, živi smo.
Beton oko nas
Hrapav je
I hladan. Cvet
Ruže, kao plamen mek.
Čelična konstrukcija mosta
Podseća na ukrštene
Mačeve. Svetiljke
Noću obaraju svoje glave.
Automobili na ulicama
Zuje kao bube. Vazduh je
Lak, i prija,
Uz reku kojom plove
Polako brodovi. Ovo drveće,
To su topole. Lišće, mirisi.
Ivice su oštre. Jasnost
Na koju smo ponosni. Jeste,
Živi smo. Ali
Sve sporije i sporije.
Dok ne postanemo
Prizor na razglednici.

© Vojislav Karanović
from: Strmi prizori
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Die Ansichtskarte

alemão

Ja, wir leben.
Der Beton um uns
ist rauh.
Und kalt. Die Blüte der
Rose wie eine Flamme zart.
Die Eisenkonstruktion der Brücke
Läßt gekreuzte
Schwerter sehn. Die Laternen
Senken nachts ihre Köpfe.
Automobile auf den Straßen
Summen wie Käfer. Die Luft ist
Leicht und angenehm,
Am Fluß, ihn befahren
Gemächlich Schiffe. Diese Bäume,
Das sind Pappeln. Blätter, Gerüche.
Alle Ränder sind scharf. Klarheit,
Auf die wir stolz sind. Ja,
Wir leben. Aber
Immer langsamer und langsamer.
Bis wir stehenbleiben
Als Bild einer Ansichtskarte.

Übertragung: Elke Erb
(Interlinear: Tatjana Petzer)

PRE + CON or POSITIONS + JUNCTIONS (8)

inglês | Rosmarie Waldrop

Vibrations that beat
and dash at the eye
at adhere

eclipse at
moved at at
feverish

at no matter at
how much we
at no matter no

matter how
at love we never
enough

© Rosmarie Waldrop
from: PRE + CON or POSITIONS + JUNCTIONS
Audio production: LiteraturWERKstatt Berlin 2009

(8)

alemão

Vibrationen die pulsen
und schlagen an das auge
an anklammern

überblenden an
bewegte sich an an
fieberhaft

an wieviel auch
wir immer
an nimmer wir

an gleichviel wie
an wir lieben
genug nie

Übersetzt von Elke Erb und Marianne Frisch

PRE + CON or POSITIONS + JUNCTIONS (6)

inglês | Rosmarie Waldrop

If a bird if
up into the air
if cold if

we must if adhere if
a road if renamed by
if each if traveling

more than one set
if of darkness no angel
no annunciation

deeper yet if
the singer's
voice if

borne if by grief
as if a bird
if on wings

© Rosmarie Waldrop
from: PRE + CON or POSITIONS + JUNCTIONS
Audio production: LiteraturWERKstatt Berlin 2009

(6)

alemão

falls ein vogel falls
hoch in die luft
falls kalt falls

wir müssen falls uns anklammern
eine straße falls umbenannt von
falls jedem falls unterwegs

mehr als ein set
falls der dunkelheit kein engel
kein verkünden

tiefer noch falls
die sängers –
stimme falls

getragen falls von gram
als falls ein vogel
falls auf schwingen

Übersetzt von Elke Erb und Marianne Frisch

PRE + CON or POSITIONS + JUNCTIONS (5)

inglês | Rosmarie Waldrop

And possibly color is
divided
into the octave

gradations of
into love into
impalpable

in spite of into careful
attention into
leaves blown

into autumn blown
into tension into
between

growing into and
into ungrowing
desire into and into

© Rosmarie Waldrop
from: PRE + CON or POSITIONS + JUNCTIONS
Audio production: LiteraturWERKstatt Berlin 2009

(5)

alemão

und vermutlich ist farbe
geteilt
hinein die oktave

stufen von
hinein liebe hin –
ein unmerklich

ungeachtet hinein sorglicher
aufmerksamkeit hinein
blätter gewirbelt

hinein herbst gewirbelt
hinein spannung hin –
ein zwischen

wachsen hinein wie
hinein unwachsen
begehren hinein wie hinein

Übersetzt von Elke Erb und Marianne Frisch

PRE + CON or POSITIONS + JUNCTIONS (2)

inglês | Rosmarie Waldrop

Of bodies
of various
sizes of
vibrations

of blue excite
of never except
in his early
in childhood has he touched

of the space of
between of
to allow
of for impact

now of that color
has slowed
its pitch
or of skin

of but light
no deep foundation
nor of leans into
the blue

© Rosmarie Waldrop
from: PRE + CON or POSITIONS + JUNCTIONS
Audio production: LiteraturWERKstatt Berlin 2009

(2)

alemão

Von körpern
von diversen
weiten von
schwingungen

von blau erregen
von nie außer
in seiner frühen
in kindheit hat er berührt

von dem raum
von zwischen von
gestatten von
den stoß

jetzt von indem
die farbe verlangsamt
hat ihre stimmung
oder von haut

von aber licht
kein tiefer grund
von auch nicht lehnt sich
ins blau

Übersetzt von Elke Erb und Marianne Frisch

PRE + CON or POSITIONS + JUNCTIONS (12)

inglês | Rosmarie Waldrop

But to scream but
our lungs are
but made for

«Now but is Night»
no doubt wrong
but let's but suppose

that a but sour wine
can yet and a man's
been but a machine but can still

but the approaching
chill
but prevents

© Rosmarie Waldrop
from: PRE + CON or POSITIONS + JUNCTIONS
Audio production: LiteraturWERKstatt Berlin 2009

(12)

alemão

Aber zu schreien aber
unsere lungen sind
aber gemacht

«Now but is Night»
ohne zweifel falsch
aber laßt uns aber annehmen

ein aber sauren wein
kann man noch und ein mann
war immer nur maschine aber kann ja noch

aber die aufkommende
kalte
aber verwehrt

Übersetzt von Elke Erb und Marianne Frisch

PRE + CON or POSITIONS + JUNCTIONS (1)

inglês | Rosmarie Waldrop

The sun's light and
is compounded
and lovers and
emphatically

and cast long and shadows
of and a look
and on the
and face of a girl

waiting for and
the night and with imperfect
repose and secret
and craving

and bodies operate
and upon one and
another and blue
may differ
and in depth

© Rosmarie Waldrop
from: PRE + CON or POSITIONS + JUNCTIONS
Audio production: LiteraturWERKstatt Berlin 2009

(1)

alemão

Das sonnen licht und
ballt sich
und lodernd

und werfen lang und schatten
eines und anschein
und in dem
und gesicht eines mädchens

warten auf und
die nacht und mit ungenügender
ruhe und heimlicher
und gier

und körper reagieren
und jeweils und
miteinander und das blau
mag noch anders
und in der tiefe

Übersetzt von Elke Erb und Marianne Frisch

ЧОВЕК И ВРАТА

macedónio | Vera Čejkovska

Кога човекот
Ја затвора вратата
Ја затвора
Кратко и гласно
Оставајќи
Зад нејзиното
Стаклено
Дрвено
Железно
Тело
Безброј
Ликови
Зборови
Одблесоци
Мртви природи
Живи спомени

А кога вратата
Се затвора сама
Се затвора
Бескрајно долго
Оставајќи
Зад своето
Непровидно тело
Мртов простор

© Vera Čejkovska
from: Човек и врата
Скопје: Едиција Алфа, 1975
Audio production: 2007, Nikola Madzirov & MIM

Mensch und Tür

alemão

Wenn der Mensch
die Tür schließt
schließt er sie
kurz und laut
und hinterläßt
hinter ihrem
gläsernen
hölzernen
eisernen
Körper
unzählige
Gesichter
Wörter
Reflexe
tote Naturen
lebendige Erinnerungen

Doch wenn die Tür
sich von selbst schließt
schließt sie sich
unendlich lange
und hinterläßt
hinter ihrem
undurchsichtigen Körper
einen toten Raum

Übersetzt von Norbert Randow / Elke Erb

ЧЕТЫРЕ ДЛИННЫЕ МИНУТЫ

russo | Olga Martynova

1
Четыре длинные минуты
смеялась ласточка во сне (здесь ночи коротки)
и бормотала, и потела под крылом,
потом вздохнула, улетела по делам.

— своим полукругом резали воздух удоды
— (юг),
— творожное утро осталось без даты
— (вдруг).

Четыре длинные минуты
дождь выпускал и прятал коготки,
а Чвирик слушал: ла-ла,
музычка с листьев на листья упала,
упала и уплыла (пропала).

— пора открыть, каков он, Чвирик:
— нет у него приличного костюма.
— тук-тук, говорит птица, другая отвечает: чирик,
о чем, правда, думает Чвирка?

2
Но в том-то и дело, что Чвирик не птица.

3
Он хочет что-то записать,
и рассыпается тетрадь.
Три длинные минуты –
и нет тетради той.

За две минуты – лес распался,
стал хламом, пылью, наготой.
Одной минуты (не) хватило горке крутой,
чтоб в озерцо пролиться высотой.

Чвирик был этой минутой.


4
— О Чвирик, когда я улыбчивой тенью смущенной
скользну в этот мир, для плоти и крови построенный нами (что странно),
взлетая на склоны деревьев, с их жизнью, в коре заключенной...

— О Чвирка, не думай об этом, тогда мы оставим эти края.

— О Чвирик, скажи: без обмана?

— Чвирка, о чвирка моя!

Послушали птицы и стали смеяться: хи-хи.

0
И нет минуты этой,
и нет минуты той,
ни третьей, ни четвертой,
ни первой, ни второй.

© Olga Martynova
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

VIER LANGE MINUTEN

alemão

1
Vier lange Minuten
lachte eine Schwalbe im Schlaf (die Nächte sind kurz hier)
und murmelte, und sie schwitzte unter dem Flügel,
seufzte dann auf und flog fort, sie hatte wo zu tun.

– Mit ihren Halbkreisen schnitten die Wiedehopfe die Luft
– (Süden)
– Der Morgen, wie Quark war er, blieb ohne Datum
– (hienieden)

Vier lange Minuten
zeigte der Regen mal die Krallen, mal zog er sie ein,
und Tschwirik horchte: la-la,
ein Musikchen fiel von Blättern zu Blättern,
fiel und entglitt (verschwand).

– es wird Zeit, zu eröffnen, wer Tschwirik ist:
– er hat keinen anständigen Anzug.
– tik-tik, sagt ein Vogel, der andere zur Antwort: tschirik,
also sag mal, was denkt die Tschwirka sich?


2
Aber die Sache ist die, dass Tschwirik kein Vogel ist.


3
Er will etwas aufschreiben,
da löst sich das Heft in Staub auf.
Drei lange Minuten,
und das Heft ist gewesen.

Zwei Minuten – ein zerfallener Wald:
Trödel, Staub, Blöße.
Eine Minute (nicht) brauchte der Berg,
seine Steile in den Teich zu vergießen.

Tschwirik selbst war die Minute.


4
Oh, Tschwirik, wenn ich, ein lächelnder Schatten scheu,
gleite in diese Welt, die wir für Fleisch und Blut einst erbauten (seltsam ist das)
und in die Hänge der Bäume mit ihrem von Borke umschlossenen Leben fliege
hinauf …

Oh, Tschwirka, denk nicht daran, dann verlassen wir diese Länder.

Oh, Tschwirik, sag: ehrlich?

Oh, Tschwirka, meine Tschwirka!

Das hörten die Vögel und begannen zu lachen: hi-hi.


0
Und dahin ist diese Minute,
und dahin ist jene Minute,
die dritte, die vierte,
die erste, die zweite.

Aus dem Russischen von Elke Erb und Olga Martynova
Erschienen in: Von Tschwirik und Tschwirka, Literaturverlag Droschl Graz – Wien 2012.

ЧВИРКА БОИТСЯ

russo | Olga Martynova

Вот и лето улетело
на внезапном помеле,
съело нижний свет и село
миской ягод на столе.

Страшно фонарю качаться
и полосаты вечера,
а речке-млечке замедляться,
а роще-гречке спать пора.

Очень тонкие колечки,
ветра жабры-поплавки
выдыхает роща. Осень
греет пальцы у реки.

Вымя вымыла корова,
прогулявшись по реке,
съела слово, съела слева,
съела куст на пауке.

Сохнет кошка со двора
в дустном облаке сортира.
В белой шапочке сатира
Анти-Чвирик: та-ра-ра.

© Olga Martynova
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

TSCHWIRKA FÜRCHTET SICH

alemão

Fort ist der Sommer gesegelt
auf unerwartetem Besen.
Fraß das untere Licht und stellte sich
als Schüssel voll Beeren ab auf den Tisch.

Die Laterne gruselts zu schwanken,
den Abend ziehn Streifen ein.
Das Milchflüsschen rinnt verlangsamt,
der Schlaf fängt den grützbraunen Hain.

Dünne durchsichtige Ringlein,
des Windes Kiemen-Flösschen,
atmet das Holz. Und die Finger
wärmt sich der Herbst am Flüsschen.

Die Kuh sich im Flüsschen erging,
zu spülen ihr Euter-Linnen.
Sie fraß das Wort, fraß von links
den Busch ab von den Spinnen.

Vom Hof vertrocknet die Miez
im Chlorkalkdunst seines Abtritts.
Der Anti-Tschwirik marschiert,
trarara, weißbemützt, ein Satyr.

Aus dem Russischen von Elke Erb und Olga Martynova
Erschienen in: Von Tschwirik und Tschwirka, Literaturverlag Droschl Graz – Wien 2012.

ЧВИРИК НА ВОЙНЕ

russo | Olga Martynova

Еще я не погиб
В родном-чужом краю.
Еще закат-восход
Зовет меня в поход.

Мой ратный труд –
Обратный круг.
Мой родный брат –
Обратный враг.

Мой враг огонь, мой брат огонь,
«Ты потуши свою ладонь, —
Сказал товарищ мой Динь-Донь, —
Ты потуши мишень».

Динь-Донь завесит мой огонь,
Завесит шепотом: тинь-тонь,
И я сожгу свою ладонь,
Горящую мишень.

И будет птичий день
В родном-чужом краю.
И на закат-восход
Товарищ мой уйдет.

© Olga Martynova
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

TSCHWIRIK IM KRIEG

alemão

Ich kam noch nicht um
Im fremden Daheim,
Noch beruft mich West-Ost
Zum Feldzug ein.

Meine Müh im Heer –
Eine Kreisumkehr.
Der Bruder mein
War verkehrt der Feind.

Mein Feind ist Glut, mein Bruder Glut,
»Lösche du aus deine Hand«,
Sagte da Kamerad Ding-Dong,
»Diese Zielscheibe aus mach du!«

Verdecken wird mich Ding-Dong,
Mit Flüstern verdecken: Ting-Tong,
Und ich verbrenne die Hand,
Mach ausgehn die Zielscheibenglut.

Und es kommt ein Vogeltag
Im fremden Heimatland.
Und mein Freund geht fort
Nach West und Ost.

Aus dem Russischen von Elke Erb und Olga Martynova
Erschienen in: Von Tschwirik und Tschwirka, Literaturverlag Droschl Graz – Wien 2012.

УПАВ С ВЕЛОСИПЕДА

russo | Olga Martynova

Упав с велосипеда, знаешь вдруг:
между тобой и миром – плоть,
и так тонка, и так капризна,
что грубой и выносливой душе
она сплошная укоризна.

И знаешь вдруг,
что равен небу, лесу, полю,
как зеркало, что ли, ты –
тогда представишь ЗЕРКЛО,
чьи отраженья сначала расплывчаты,
потом и вовсе вылиты,
и брызнули на волю,
как рыбки из садка,
как мотыльки из сада,
как с неба облака,
как с облаков вода,
как Аронзона вкруг
все замелькало, смеркло.

© Olga Martynova
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

WENN DU VOM FAHRRAD FÄLLST

alemão

Wenn du vom Fahrrad fällst, weißt du auf einmal,
zwischen dir und der Welt ist das Fleisch,
das so fein ist, so kapriziös,
dass es der groben und abgehärteten Seele
ein einziger Vorwurf ist.

Und weißt auf einmal,
dass du dem Himmel gleich bist, dem Wald, dem Feld,
wie ein Spiegel etwa –
dann denkst du: Ein SPILG,
wo die Spiegelbilder zuerst verschwommen sind,
dann überhaupt ausgegossen
und in die Freiheit gespritzt,
wie Fische, kleine, aus einem Aufzuchtteich,
wie Falter aus einem Garten,
wie vom Himmel Wolken,
wie von den Wolken Tropfen,
wie um Aronson* alles
zu flimmern begann, erlosch.

* Leonid Aronson (1939-1970), Leningrader Lyriker, starb bei einem Unfall
(vermutlich Selbstmord) während einer Reise nach Mittelasien.

Aus dem Russischen von Elke Erb und Olga Martynova
Erschienen in: Von Tschwirik und Tschwirka, Literaturverlag Droschl Graz – Wien 2012.

У ПОВАДЗІ НЕДАБРАТЫ

bielo-russo | Nina Mazjasch

Не трэба, мой дружа, не будзем.
Апрыкрала і гаварыць
пра ковы, пра чад нашых будняў,
як свет гэты белы, старых.

На макаўцы тлуму і стрэсу
не ўшчэнт абяскрылены мы.
пад клічы гусінай сурмы
выпырхвае лісцейка бэзу.

На градцы на мамінай крокус
ліе незямное святло.
і ластаўка ладзіць жытло
пад радыяцыйнаю кроквай...

Свет белы не вычарпаў лекаў.
і ў повадзі недабраты
хоць зрэдзь чалавек чалавеку
ёсць ласка жыцця.
Як мне – ты.

© Ніна Мацяш
Audio production: Belarus PEN-Centre / Goethe-Institut Minsk

AM GÄNGELBAND DES BÖSEN

alemão

Nicht doch, mein Lieber, laß das.
Ich bin es leid, dieses Reden
von den Fesseln, dem Qualm des Alltags,
der so grau ist und alt wie die Welt.

Im ärgsten Lärm und Streß
sind wir nicht unbeflügelt.
Aus dem Gänsetrompetenblech
flattert ein Blättchen Flieder.

Ein Krokus auf Mutters Beet
verströmt ein unirdisches Leuchten,
und ihr Nest eine Schwalbe klebt
unters Dach des verstrahlten Gebäudes.

Nicht erschöpft hat die Welt alle Heilung.
Noch am Gängelband des Bösen
kann ein Mensch, wenn auch nur bisweilen,
wie du mich,
einen andern erlösen.

Aus dem Belarussischen von Elke Erb

ТРУДНО ИСКАТЬ СЕРОГО АНГЕЛА В СЕРОМ НЕБЕ

russo | Olga Martynova

1.

Два синих тéльца в синем небе –
Не видно чвириков с земли.

Два тéльца огненных на солнце –
Не видно чвириков с земли.

Две ртутных тени в лунном теле –
Не видно чвириков с земли.

2.

Две пенки в пене океана –
Не видно чвириков с луны.

Две блёстки в блеске дня и снега,
Не видно чвириков со звéзд,

Два заплутавших демиурга:
В огне саврасом и кауром
Они – савраска и каурка.

© Olga Martynova
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

ES IST SCHWIERIG, EINEN GRAUEN ENGEL
IN EINEM GRAUEN HIMMEL ZU FINDEN

alemão

1

Zwei kleine blaue Körper im blauen Himmel –
man sieht die Tschwiriks von der Erde aus nicht.

Zwei kleine Körper im Sonnenball glimmen –
man sieht die Tschwiriks von der Erde aus nicht.

Im blassen Monde zwei Quecksilberschatten –
man sieht die Tschwiriks von der Erde aus nicht.

2

Zwei Schäumchen im Schaum der Meeresgischt –
man sieht die Tschwiriks vom Monde her nicht.

Zwei Schimmer in flimmerndem Schnee und Licht –
von den Sternen her sieht man die Tschwiriks nicht.

Zwei im Dasein verirrte Demiurgen:
Im Feuer von Rappe und Schimmel verborgen
sind sie – Schimmel und Rappe.

Aus dem Russischen von Elke Erb und Olga Martynova
Erschienen in: Von Tschwirik und Tschwirka, Literaturverlag Droschl Graz – Wien 2012.

ТЕКСТОВИ

macedónio | Vera Čejkovska

страстни и алхемиски усни меѓу ѕвездите.
 тој, првобитните огнови и дивеења.
 Здивените слики го оголија погледот:
 првото рамниште се продлабочи во мали
црни јами над градот,                   тајни облици на
звучните вериги.                            Кога ги плодиме
небесните нежности:                             глуварките,
кревките мевца...                 Тие неродени деца на
среќата   невидливи   господари    на    гласните  и
светлосните чудности                                        сите
спознајни вознеси  ги       носат        отсуствата
како бисерни мостри врежани во здивот.

Бевме  слепи  и  сиромашни  кога  клечевме  пред
сводот.

© Vera Čejkovska
from: Множење на словото
Скопје: Наша книга, 1986
Audio production: 2007, Nikola Madzirov & MIM

Texte

alemão

Leidenschaftliche und alchimistische Lippen zwischen den Sternen.
Er, die ursprünglichen Feuer und Wildheiten.
Die verwilderten Bilder entblößten den Blick:
Die erste Ebene vertiefte sich zu lauter
kleinen schwarzen Gruben oberhalb der Stadt,                     geheime Formen
der tönenden Ketten.                                                    Wenn wir fortpflanzen
die himmlischen Zärtlichkeiten:                           die Pusteblumen, die zarten
kleinen Lebewesen...                           Diese ungeborenen Kinder des Glücks
unsichtbare Herren der lautlichen und Licht-
wunder                                                         alle Aufschwünge des Erkennens
          tragen die Abwesenheiten als Perlenmuster
eingeschnitten in ihren Atem.

Blind waren wir und armselig als wir vor der Kuppel
knieten.

Übersetzt von Norbert Randow / Elke Erb

СКРЬШКА

bielo-russo | Nina Mazjasch

Скрозь --
               богава дрэва ды скрыпень.
Надхмар'я і долу бяседа.
Адкуль,
            кім забытая скрыпка
Тут, дзе ні сцяжыны, ні следу?
 
Зусім учарнелая дэка,
А струны іржою не ўзяты...
Ці гэта
          душа чалавека,
Што фібрамі ўсімі напята,
Каб суадпаведна азвацца
І на матылька, і на жабу,
Не ўмеючы гукам схавацца, --
Сама
         ці брыда,
                        ці паваба...

© Ніна Мацяш

DIE GEIGE

alemão

Überall –
Beifuß und Weidenröschen.
Und Erde und Himmel halten Rat:
Woher
die von wem vergessene Geige hier,
wo weder Spur ist noch Pfad?

Schwarz schon ist ihre hölzerne Höhlung,
aber unverletzt blieben die Saiten ...
Ist das denn nicht
eine Menschenseele,
die, gespannt mit allen Fibern,
spiegelgleich zu vertonen bereit ist
den Schmetterling so wie die Kröte,
nicht versteht, sich im Ton zu verhehlen, –
selbst ist beides.
abstoßend
oder Liebreiz ...

Aus dem Belarussischen von Elke Erb

ПТИЦЫ БРЕЮТ ПОДМЫШКИ ПЕРЕД НОЯБРЬСКИМИ

russo | Olga Martynova

Засохший серпантин давно ушедшего лимона,
стол в заусенцах и глазках.
И в щелке маленький голодный насекомый,

                    Но этого не видно никому.


А тут еще птицы, да хоть воробьи –
клюв, перья, подмышки.
Подмышки клювами скребут, как выбривают,

                    но подмышек и подавно не видно никому.


(Не)ви(д/н)ен сон власатых птиц,
а утром сна слышны излишки.
А птицы лысые в клетушках, хоть летают,

                    Но их полет невидим никому.


Лимонной корки плесень – камень-лабрадор,
кто забыл ее с лета на дачном столе,

                    придет ли за ней, найдет лабрадор?


Сок осенних деревьев – скудеющий дар

                    многого знанья – кому?

© Olga Martynova
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

DIE VÖGEL RASIEREN SICH DIE ACHSELHÖHLEN VOR DEN NOVEMBER-FEIERTAGEN

alemão

Die verdorrte Luftschlange einer längst dahingegangenen Zitrone,
ein Tisch mit Splittern und Astaugen.
Ein kleines hungriges Insekt in einer Ritze.

    Aber niemand schaut.

Und da sind noch die Vögel, meinetwegen Spatzen –
der Schnabel, die Federn, die Achselhöhlen.
Kratzen sich mit dem Schnabel unter den Achseln, als rasierten sie sie.

    Aber ihre Achselhöhlen sieht ja erst recht keiner.

Niemand sieht die Träume der gefiederten Sänger,
vom geträumten Fest den Rest kann der Morgen haben.
Die kahlen Vögel in Käfigen, freilich, sie fliegen,

    aber niemand sieht den Flug.

Die Zitronenschale im Schimmel – wie Labradorstein,
wer ließ sie dort auf dem Sommertisch liegen,
kommt zurück zu ihr, findet Labrador vor?

Der Saft der herbstlichen Bäume – die karger werdende Gabe
der vielen Kenntnisse – wem?

Aus dem Russischen von Elke Erb und Olga Martynova
Erschienen in: Von Tschwirik und Tschwirka, Literaturverlag Droschl Graz – Wien 2012.

ПЛАТА

bielo-russo | Nina Mazjasch

Колькі важыць святло? --
З адказу на гэта
Прырода не робіць сакрэту:
Хоць бы столькі,
Колькі важыць пялёстак вішнёвага цвету.
 
А колькі каштуе святло? --
Белы свет
Знае плату адну за яго спакон веку:
Жыццё чалавека.

© Ніна Мацяш
Audio production: Belarus PEN-Centre / Goethe-Institut Minsk

DER PREIS

alemão

Wieviel wiegt das Licht? –
Aus der Antwort darauf
macht die Natur kein Geheimnis:
Es wiegt
soviel wie die Kirschblüte wiegt.

Und wieviel kostet das Licht? –
Die weite Welt
weiß seit jeher nur einen Preis:
Das Menschenleben.

Aus dem Belarussischen von Elke Erb

ПЛАСТИКА

macedónio | Vera Čejkovska

Воедначен вкус на насушните лебови
+ нераспадлив цивилизациски отпад
+ постојана содржина на проширените митови
+ балсамиран проституиран кармин
+ заокружување на податоците
заради сведување на податоците
+ жлебови клинови отвори затворачи
се провираат низ густата атмосфера
+ стерилната страст на заштитните ракавици
се клонира:
+ кукли + вибратори
+ тампони во ушите
+ тврд стомак и дозиран здив
+ рутинска операција
+ на очите паѓа
поливинилска завеса
+ плексиглас-сонце
+ врелиот асфалт цвили под тенките метални штикли
+ во снимката на моментот
зауздените крикови ги бројам
како пластика-психи

© Vera Čejkovska
from: Множење на словото
Скопје: Наша книга, 1986
Audio production: 2007, Nikola Madzirov & MIM

Plastik

alemão

Immer gleicher Geschmack der täglichen Brote
+ unvergänglicher Zivilisationsabfall
+ ständiger Inhalt der erweiterten Mythen
+ balsamierter prostituierter Lippenstift
+ Umgehung der Steuern
zwecks Herabsetzung der Steuern
+ Fugen Keile Aufschlüsse Verschlüsse
schlüpfen durch die dichte Atmosphäre
+ die sterile Leidenschaft der Schutzhandschuhe
wird cloniert
+ Puppen + Vibratoren
+ Tampons in den Ohren
+ harter Magen und dosierter Atem
+ Routineoperation
+ auf die Augen fällt
ein Polyvinylvorhang
+ Plexiglassonne
+ der kochende Asphalt wiehert unter den hohen Metallabsätzen
+ auf der Momentaufnahme
zähle ich die gebändigten Schreie
wie Plastikpsychos

Übersetzt von Norbert Randow / Elke Erb

ОТСУСТВОТО НА БЛАГИОТ

macedónio | Vera Čejkovska

експериментаторот плус преносна апсида заслуш-
на камбана заочен витраж завкусна причест:
спектакл на слатката статистичка слуз на спојот.
          Кога N.B. и W.H. го дадоа таквото статис-
тичко толкување на квантната механика, лабора-
ториите постанаа прераскошни розети. розети
што го свртоа светиот свет: искушенија на св.
антоние.
или: св. тереза гали отсуство на благ божји
колк, сета во вознеси како платинести превези
и розови маглички.
или: св. антоние кине веројатни и неверојатни
ливчиња.
           Неговите избори потсетуваат на неповторливи-
те (историски) краци на кристализација.

© Vera Čejkovska
from: Множење на словото
Скопје: Наша книга, 1986
Audio production: 2007, Nikola Madzirov & MIM

Die Abwesenheit des Milden

alemão

Der Experimentator plus Apsis, übertragen, der Glocke Nachklang,
des Kirchenfensters Nachbild, des Abendmahls Nachgeschmack:
ein Spektakel der süßen statistischen Schmelze der Verlötung.
Als N. B. und W. H. eine solche statistische Deutung der
Quantenmechanik gaben, wurden die Laboratorien zu überreichen
Rosetten. Rosetten, die die heilige Welt umdrehten: Versuchungen
des hl. Antonius.
Oder: die hl. Theresa streichelt der milden göttlichen Hüfte
Abwesenheit, da sie auffährt ganz und gar wie platinfarbene
Schleier und rosa Nebelwölkchen.
Oder: der hl. Antonius zerbricht wahrscheinliche und unwahrscheinliche
Blättchen.
Seine Optionen erinnern an nicht wiederholbare (historische)
Türmchen einer Kristallisation.

Übersetzt von Norbert Randow / Elke Erb

НЕ ЗНАМ ДАЛИ ОВОЈ ТЕКСТ Е МОЈ

macedónio | Vera Čejkovska


      ... „и тоа ослободување одеше далеку, над себеси, кај
што виолетовото небо ја галеше водата која се
насмевнуваше и кај што болот бидуваше сè помал со пролевањето на една полнота од најнежни чувства. И сè живееше сè повеќе и повеќе само со себе и со сè околу себе. Се преплетуваа сите искинати делчиња на единството: една мекост трепереше, собираше сè во себе и ткаеше склад којшто дури и од небото не бил никогаш виден. А во воздухот играше срце, синото срце на спокојот. Едно лесно сонце се мазнеше над прашните патеки од себеси до земјата“...

© Vera Čejkovska
from: Опит
Скопје: Македонска книга, 1992
Audio production: 2007, Nikola Madzirov & MIM

Ich weiß nicht, ob dieses mein Text ist

alemão


»...und diese Befreiung ging weit, über sich hinaus, dorthin wo der violette Himmel das Wasser streichelte, welches immerzu lächelte, und wo der Schmerz langsam verebbte, eine Fülle zärtlichster Gefühle verströmend. Und alles lebte mehr und mehr mit sich selbst und mit allem um sich herum. Es verflochten sich alle herausgerissenen Teilchen der Einheit: eine Weichheit zitterte, versammelte alles in sich und wob ein Gefüge, wie es selbst vom Himmel niemals gesehen worden war. Und in der Luft tanzte ein Herz, das blaue Herz der Ruhe. Eine leichtfüßige Sonne glitt über die staubigen Wege bis hin zur Erde...«


Übersetzt von Norbert Randow / Elke Erb

НЕ СПΑЗНІСЯ

bielo-russo | Nina Mazjasch

Толькі мо ў казцы ёсць лёс, нібы кошык
Поўны адно медуніц ды суніц.
Бойся спазніцца з учынкам харошым:
Тонка прадзецца жыццёвая ніць.
А ліха -- не спіць...
 
Ах, запіваць бы сухую скарынку
Наканаванага --
        з чыстых крыніц!..
Бойся спазніцца з харошым учынкам:
Тонка прадзецца жыццёвая ніць.
А ліха -- не спіць...

© Ніна Мацяш
Audio production: Belarus PEN-Centre / Goethe-Institut Minsk

KOMM NICHT ZU SPÄT

alemão

Nur im Märchen mag das Geschick sein wie eine Schüssel,
mit nichts als Erdbeern gefüllt und Himmelschlüssel.
Sieh zu, verspäte dich nicht mit deinen guten Taten!
Dünn gesponnen ist unser Lebensfaden.
Aber das Böse – schläft nicht ...

Könnte man zu der trockenen Brotrinde, ach,
des Vorherbestimmten –
aus reinen Quellen doch trinken! ...
Es ist rasch zu spät, an die guten Taten zu denken:
Der Faden des Lebens ist schwach.
Aber das Böse – schläft nicht ...

Aus dem Belarussischen von Elke Erb

КТО ЧТО ГОВОРИТ

russo | Olga Martynova

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
                             Sind Schlüssel aller Kreaturen

                             (Novalis)*


1.

Вот календарь сказал: осенних листьев жар!
Не стыдно ли такое говорить?
Вот повторил: «безлистных» «осень» «жабр».
Ни-ни, – сказал, а лес пропел: фьюить.

Когда протрется медь копыта на змее,
Седая рыба выплывет к скале,
Раскроет утлый рот и скажет (но не мне),
Что рыбы говорят, очнувшись на земле:

2.
Вороне Бог сказал: ‚Сыграем
В «цветок», «новалис», «мотылек»’?

Когда лишь числа и фигуры
В ключицах птичьих, кто авгуры?  
И для кого мы здесь летаем?

Скажу ль ученым попугаям:
«Новалис», «бабочка», «цветок»?

На бабской рифме «коромысло»,
Без геометрии и смысла
Висят фигуры, виснут числа –

Уж так их славно попугаем.

*Если не в арифметике и геометрии отныне находятся ключи Творения...
(Новалис) (нем.)

© Olga Martynova
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

WER SPRICHT WAS

alemão

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
                                                                 Sind Schlüssel aller Kreaturen
                                                                                                                 Novalis
1

Der Kalender sprach: Die Glut der herbstlichen Blätter!
Ist es nicht schändlich, so zu reden?
Er wiederholte: Ja. »Der blätterlosen«. »Herbst«. »Kiemen«.
Nein, nein – so sprach er, und der Wald sang: kiwitt.

Wenn das Kupfer des Hufs auf der Schlange einst durchschabt sich,
schwimmt zu dem Felsen ein ergrauter Fisch,
öffnet das lecke Maul und sagt (aber nicht zu mir),
was die Fische sagen, kommen sie zu sich an Land: – – –


2

Zum Raben sprach Gott: Spielen wir
»Blume«, »Falter«, »Novalis«?

Wenn nichts als Zahlen und Figuren
den Flugweg zeichnen der Kreaturen,
wer mißt die beflügelte Frist?

Soll ich den Papagein, den gelehrten, sagen:

»Blume«, »Falter« »Novalis«?
Die Figuren und Zahlen hängen doch
an dem Weiberreim »Schulterjoch«
ungeometrisch und ohne Zweck.

So, da haben die Papagein ihren Schreck.

Aus dem Russischen von Elke Erb und Olga Martynova
Erschienen in: Von Tschwirik und Tschwirka, Literaturverlag Droschl Graz – Wien 2012.

КРИСТАЛНИ СНИШТА

macedónio | Vera Čejkovska

расте дрвото
на кристалот. зинува големото
прелестно ѕвоно
да си го покаже јазикот
своето рубин-јаболко.

       рујни усни  врз  еден  бистар  кристален образ
 а одраз е:
       четири очи се пијат и четири раце принесуваат
јаболко кон пргавиот јазик-јазик.

жолчни јазици се заледуваат до камчиња
светлост
во подножјето на јасните предели.

или:  насладата,  овошна  гранка  на еволуцијата,
се враќа во групи горски кристали.

       така умноста зачнува:
љубов за геолошките епохи

и низа симетрични слова

© Vera Čejkovska
from: Множење на словото
Скопје: Наша книга, 1986
Audio production: 2007, Nikola Madzirov & MIM

Kristallene Träume

alemão

Es wächst der Baum
des Kristalls. Es klafft die große
verführerische Glocke
um ihre Zunge zu zeigen
ihren Rubin-Apfel.

Rote Lippen auf einem klaren kristallenen Antlitz
und ein Abglanz ist:
vier Augen trinken sich und vier Hände bringen dar
einen Apfel der flinken Zunge-Zunge.

Gallenzungen gefrieren neben Steinchen
Helligkeit
zu Füßen der lichten Weiten.

Oder: Der Genuß, ein Obstzweig der Evolution,
kehrt zurück in Gruppen von Bergkristall.

So entsteht die Klugheit:
Liebe zu den geologischen Epochen

und eine Folge symmetrischer Wörter

Übersetzt von Norbert Randow / Elke Erb

ЗНАЦИ НА УМНОЖУВАЊЕ

macedónio | Vera Čejkovska

и стрипот наликуваше на некои одамна познати
постапки на оголување, луштење и осржување на
изразот до цврсто, незаемодејствено поле.
          но, видението на градовите како системи
совршени оцрти во вечна свеченост на еден
апсолутен, празен, простор се брише.

Денес, јас ги памтам пресните простори од
неговите раце.          подемите на
околината.
          меурчињата во чашите млеко. свилените лачи.
          коричките зора во очите...        јатата млади
          црвеношијки...          што се
          спојуваа...
сенките на плоштадот го лижеа пурпур сонцето,
а кога и прозорците станаа јазик,
нашите јазици се извија во огнени преоди
во длабоки, неочекувани неба.

© Vera Čejkovska
from: Множење на словото
Скопје: Наша книга, 1986
Audio production: 2007, Nikola Madzirov & MIM

Multiplikationszeichen

alemão

Auch der Strip frohlockte über einige seit langem bekannte
Verfahren beim Entblößen, Entschuppen und Entpellen
des Ausdrucks bis hin zu einem festen, reaktionsunfähigen Feld.
Aber, die Vision der Städte als Systeme
vollkommener Konturen in ewiger Festlichkeit eines absoluten,
leeren Raumes wird weggewischt.

Denn heute gedenke ich der frischen Räume aus
seinen Händen. Der Aufschwünge
der Umgebung.
Der Bläschen in den Gläsern mit Milch, der seidenen Strahlen.
Der Stückchen Morgenröte in den Augen... Der Schwärme
junger Rotkehlchen... Die sich vereinigen...
Die Schatten des Platzes leckten die Purpursonne auf,
und als auch die Fenster Zunge wurden,
züngelten unsere Zungen in feurigen Übergängen
zu tiefen, unverhofften Himmeln.

Übersetzt von Norbert Randow / Elke Erb

ВОРАН КРУЖЫЦЬ

bielo-russo | Nina Mazjasch

Я шукала чараўніцу,
ах, шукала,
каб мяне ад варання
паратавала,
каб яно штодня-штоночы
не кружыла,
каб я цяжка так па сонцу
не тужыла.

Абышла я паўкраіны,
паўзямліцы,
не знайшла нідзе жаданай
чараўніцы,
бо яны, бо і яны
па сонцу тцжаць,
бо над кожнаю   душой
свой воран кружыць...

© Ніна Мацяш
Audio production: Belarus PEN-Centre / Goethe-Institut Minsk

DER RABE KREIST

alemão

Ich suchte eine Zaubererin,
ich suchte, ach,
eine, die von den Raben hat
mich zu erlösen die Macht,
daß sie nicht kreisen über mir schwarz
bei Tag und bei Nacht,
daß ich nicht hange und bange so schwer
der Sonne nach.

Ich ging das halbe Land,
das halbe Erdenrund ab,
die Fee, die ersehnte, die Zaubererin,
ich nirgends fand.
denn auch sie, die Feen, sehen
die Sonne nicht,
denn es rauben jeder Seele
die kreisenden Raben das Licht.

Aus dem Belarussischen von Elke Erb

ВЕШТАЧКИ РАЕВИ

macedónio | Vera Čejkovska

мрежницата ни се слепи во незауздлива љубов со
мрка небесна гранка, која изби на ТВ-екранот.

и во воздухот слинкав околу светата свила,
низ која цвета гнилежот, како маслинка...

Маслинка, слинка - слика и слика во силен слик
слинкав.

Сонова твар што себеси се мисли е слинката.
Маслинеста гранка обвиткуваме со свежи
свилени слоеви

                                                       на јаствата.

© Vera Čejkovska
from: Множење на словото
Скопје: Наша книга, 1986
Audio production: 2007, Nikola Madzirov & MIM

Künstliche Paradiese

alemão

Unsere Netzhaut erblindet in unbändiger Liebe zu einem
finsteren himmlischen Zweig, der auf dem TV-Bildschirm hervorbricht.

Und in der feuchten Luft, rings um die heilige Seide,
auf der die Fäulnis blüht wie eine Olive...

Olive, Feuchtigkeit - Bild und Bild in starkem Reim
feucht.

Ein Traumgeschöpf, welches sich selbst denkt, ist die Feuchte.
Den Olivenzweig umwickeln wir mit frischen
seidenen Schichten
                                                               der Ichheiten.

Übersetzt von Norbert Randow / Elke Erb

В ОТКРЫТОЕ ОКНО ВШАГНУЛ СИРЕНЕЙ ЗАПАХ

russo | Olga Martynova

В открытое окно вшагнул сиреней запах –
Дача.

Я думаю о Чвирике и Чвирке –
Они уже тогда определяли звуки,
Не зная ничего, не знача.

                    Волк пропел три раза «мяу»,
                    Минутки маятник пожрал.
                    Толк вропел мри таза «ряу»,
                    Минутки маятник пожрали.

                    Сетка, локоть, сандалетка,
                    Лодыжка, запястье, ракетка.

ч – чв – чви
р – ри – рик
(так Чвирка Чвирика зовет)

                    Минуты капают в компот.

Воланчик: верхняя дуга + (только где она?) + нижняя дуга
У маятника – одна нога, сказал бы кто-нибудь.

Но я скажу: на длинной шее голова (собою вниз) – вот нижняя дуга.

И вместе это – дачный глаз.

Подумай, взять хотя бы таз:
Сегодня там варенье,
А завтра там белье.
Так у людей всегда:
Привыкнешь к ним,
Глядишь – они вранье
И пыль надлуговая.
(Так Чвирка говорила).

Сиреней запах вышел из окна,
Осталась комната – одна, темна, надменна,
Как фотография не на,
Как маятник на не, но...

Лишь на обоях вечность – бесстыдна, кровавлéнна.

© Olga Martynova
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

DURCH DAS OFFENE FENSTER SCHRITT DER DUFT VON FLIEDER

alemão

Durch das offene Fenster schritt der Duft von Flieder –
ein Sommerhaus.

Ich denke an Tschwirik und an die Tschwirka–
sie bestimmten schon damals die Laute,
ohne etwas zu wissen oder zu bedeuten.

    Ein Wolf sang drei Mal »Miau«,
    eine Pendeluhr fraß die Minuten.
    Ein Molf mang wrei Dal »Siau«,
    die Minuten fraßen die Pendeluhr.

    Netz, Ellbogen, Sandale,
    Knöchel, Handgelenk, Schläger.

Tsch – tschw – tschwi
r – ri – rik
(so ruft die Tschwirka den Tschwirik)
    die Minuten tropfen in das Kompott.

Ein Federball: ein Bogen oben + (wo bleibt er nur?) + ein Bogen unten.
Ein einziges Bein hat die Pendeluhr, hätte da wer gesagt.

Ich aber sage: am langen Hals (unten) ein Kopf – das ist der untere Bogen.

Und so hast du zusammen ein Sommerhausauge.

Denke dir, wir nehmen einen Kessel zum Beispiel:
Heute kocht Marmelade in ihm
und morgen schon Wäsche.
So ist es bei den Leuten:
Du gewöhnst dich an sie,
schaust dann – da sind sie Geflunker
und wehender Wiesenstaub.
(So sprach die Tschwirka).

Der Duft von Flieder schritt durch das Fenster hinaus,
das Zimmer blieb – allein, arrogant und dunkel,
wie ein Foto, hängt nicht an,
wie eine Pendeluhr, steht nicht auf, aber …

Und nur auf den Tapeten die Ewigkeit – schamlos, geblutet.

Aus dem Russischen von Elke Erb und Olga Martynova
Erschienen in: Von Tschwirik und Tschwirka, Literaturverlag Droschl Graz – Wien 2012.

БОШ

macedónio | Vera Čejkovska

хиеронимус погледна свето и световно на херто-
генбошскиот плоштад:
         брабантските камени дијаболици се множат
         по црквените фасади:
                   свештениците се книговодители светите
                   книги регистри
хиеронимус погледна проникливо и низ звуците:
        сите златни труби на велелепното синило
        минуваат во ситен пеколно ненаситен ритам
        како на дождот:
кога капките како преодни привиди од небесата
се спуштаат кон:           Лепливата лаплива длабина:
улицата е луциферска.

© Vera Čejkovska
from: Множење на словото
Скопје: Наша книга, 1986
Audio production: 2007, Nikola Madzirov & MIM

Bosch

alemão

Hieronymus blickte heilig und weltlich auf den Marktplatz von
`s-Hertogenbosch:
Die Brabanter steinernen Teufelchen vermehren sich
an den Kirchenfassaden:
Die Priester sind Buchhalter die heiligen
Bücher Register
Hieronymus blickte eindringlich auch den Tönen nach:
Alle goldenen Trompeten der herrlichen Bläue
gehen über in einen feinen höllisch unersättlichen
Rhythmus wie den des Regens:
Wenn die Tropfen wie vergängliche Erscheinungen vom Himmel
herabstürzen zur: Klebrigen gefräßigen Tiefe:
Die Straße ist luziferisch.

Übersetzt von Norbert Randow / Elke Erb

АЛЕ ТВАЯ СЛЯЗА

bielo-russo | Nina Mazjasch

Выясніваўся дзень. І ноч растаць хацела.
... О, як твая сляза ў маю слязу глядзела!

Ад промняў з-пад смугі ўся далеч залацела.
...Але твая сляза ў маю слязу глядзела.

Чародка галубоў над намі ўсё гусцела.
...О, як твая сляза ў маю слязу глядзела!

Крылялі галубы як свята, як нядзеля.
...Але твая сляза ў маю слязу глядзела

© Ніна Мацяш
Audio production: Belarus PEN-Centre / Goethe-Institut Minsk

ABER DEINE TRÄNE

alemão

Der Tag hellte auf. Und die Nacht wollte Abschied nehmen.
...Oh, wie die Träne, die deine, schaute in meine Träne!

Zu goldenem Dunst die Strahlen die Weite verweben.
   Aber die Träne, die deine, schaute in meine Träne.

Der Taubenschwarm wurde dichter und dichter stetig.
    Oh, wie unentwegt schaute deine in meine Träne.

Wie ein Fest, ein Sonntag, die Tauben schwirrten und schwebten.
    Aber die Träne, deine, schaute in meine Träne.

Aus dem Belarussischen von Elke Erb

Elegija o bagremu pod prozorom

sérvio | Vojislav Karanović

1.

Koliko si puta gledao tu krošnju,
lišće što treperi ili miruje,
grančice tanke kao popucali
kapilari na oku;

to stablo, uspravno
kao znak usklika,

i grane, pružene u stranu
kao da nešto pipaju i traže.

Plašio se da nećeš naći
reči za neku pesmu,
da će ti ona izmaći:

kao da pesma može da nestane,
da se izgubi, pretvori u tišinu, u vazduh.

U jesen drvo bi gubilo listove,
u proleće ga opet sticalo.
Tako se tebi činilo.

A bagrem je bio tu, pod tvojim
prozorom, i nije se pomerao -
osim u olujnom košmaru.

2.

Opali listovi kotrljaju se
asfaltom, polako menjajući
boju, od zelene u tamnomrku.
Sve više su nalik
licima dece u sumrak, kad je dan na izmaku .

Toliko si puta gledao to drvo
i ono se davalo tvom pogledu,
ravnodušno, umirenog daha.
Žilice, tkivo, sokovi koji
hrane to telo što se migolji
i beži iz zagrljaja u koji ga
steže tvoja svest. Možda ne vidiš

ali drvo gleda pravo
u tvoje oči.

3.

Listovi, zeleni i meki kao reči,
raspadaju se i trule, vraćaju se
zemlji, iz koje su i nikli.

Da li se i dalje plašiš
za pesmu, da će ti pobeći?

Pesma ne odbacuje svoje reči.
Stihovi - kome oni da se vrate?
Od koga su uopšte potekli?

Još uvek si na prozoru. Gledaš.
Krošnja, taj šumni kovitlac,
skuplja se u tačku
malu kao zenica.
Asfalt je boje beonjača.
Vetar preko njega klizi
kao kapak preko oka.

Zemlja ima crte tvog lica.
I ovo nije prozor nego ogledalo.

Koliko si mu puta samo prišao,
a to nisi shvatio,
nisi primetio.

© Vojislav Karanović
from: Svetlost u naletu
Beograd: Plato, 2004
ISBN: 86-447-0183-5
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Elegie von der Akazie unter dem Fenster

alemão

1

Wie oft schon hast du diese Krone betrachtet,
die Blätter, die beben oder ruhn,
die Zweige dünn wie geplatzte
Äderchen im Auge;

diesen Stamm, gerade
wie ein Ausrufezeichen,

und die Äste, zur Seite gestreckt,
als betasteten sie etwas und suchten.

Du warst bang, nicht die Worte
zu finden für ein Gedicht –
daß es sich dir entzieht:

als könne ein Gedicht verschwinden,
verlorengehn, in Stille übergehn, in Luft.

Im Herbst verliert der Baum seine Blätter,
im Frühling bekommt er sie wieder.
So scheint es dir.

Und die Akazie stand da, unter deinem
Fenster, und rührte sich nicht –
außer in Sturm wie Albtraum.


2.

Gefallene Blätter drehen sich
über den Asphalt, langsam die Farbe
wechselnd, von ihrem Grün in das düstere Grau.
Sie ähneln immer mehr
Kindergesichtern im Dämmern, wenn der Tag sich entzieht.

So oft hast du diesen Baum angesehen,
und er ergab sich deinem Blick,
gleichmütig, mit beruhigtem Atem.
Äderchen, Gewebe, Säfte, die
diesen Körper nähren, der sich windet
und aus der Umarmung flieht, in die ihn
klammert dein Geist. Vielleicht siehst du es nicht,
aber der Baum schaut
dir in die Augen.


3.

Blätter, grün und weich wie Worte,
zerfallen, zersetzen, verkehren sich
in ihren Ursprung, Erde.

Hast du sie immer noch nun, die Angst,
dein Gedicht könne dir entfliehen?

Das Gedicht wirft seine Worte nicht ab.
Verse − zu wem sollen sie zurück?
Wer denn ist ihr Ursprung?

Noch immer bist du am Fenster. Du schaust.
Die Krone, dieser rauschende Wirbel,
sammelt sich in einem Punkt,
klein wie ein Korn.
Der Asphalt ist das Weiße im Auge.
Der Wind gleitet über ihn
wie das Augenlid über das Auge.

Die Erde hat Züge deines Gesichts.
Und das ist kein Fenster hier, sondern ein Spiegel.

Wie oft bist du schon herangetreten an es,
aber das hast du nicht verstanden,
nicht bemerkt.

Übertragung: Elke Erb
(Interlinear: Jasmina Urukalo)

El Libro, tras la duna X

espanhol | Andrés Sánchez Robayna

Comenzaba a saber
(pero sólo del modo en que ignorarlo
es una forma de conocimiento)
que, al igual que el silencio
ha de ser una parte del decir, que al igual
que la visión del cielo
forma parte del cielo,
una nube interior, muy parecida
a la que fluye quieta en la mañana
hecha de transparencia entrecruzada,
se alza hasta la visión
de la nada que somos, y que es todo.
Y la visión del hombre
se llega a transformar en la experiencia
de esta nada que está en ninguna parte.
Es una nube. Sólo
años después sabría que su nombre,
entre otros nombres justos que la llaman
y el nombre conseguido de los nombres,
es la nube clarísima
del no saber, la nube
interna del amor
y la contemplación. Es una nube
oscura y clara a un tiempo,
hecha de cegadora oscuridad.

Por este tiempo comencé a sentir
la sombra de esa nube
ante mí, precediendo
a menudo mis pasos,
y seguirla fue a veces   
un acto de inocencia.
Era sólo una sombra, y ya sentía
su potestad, con todo.  
Aquella nube, aquella
sombra del no saber era un saber.

© Andrés Sánchez Robayna
from: El libro, tras la duna
Valencia: Editorial Pre-Textos, 2002
Audio production: 2002, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Das Buch, jenseits der Düne X

alemão

Allmählich erfuhr ich
(doch nur, weil Unwissenheit
eine Form der Erkenntnis ist),
daß, ebenso wie das Schweigen
ein Teil des Sagens sein muß, daß, ebenso wie
das Bild des Himmels
teilhat am Himmel,
eine innere Wolke, der ganz ähnlich,
die ruhig am Morgen dahinschwebt,
gemacht aus gepaarter Transparenz,
sich erhöht zu dem Bilde
des Nichts, das wir sind und alles ist.
Und das Bild des Menschen
verwandelt sich allmählich in die Erfahrung
dieses Nichts, das nirgends ist.
Es ist eine Wolke. Jahre danach erst
sollte ich erfahren, ihr Name,
unter anderen treffenden Namen, die sie benennen,
und der Name, der diese Namen krönt,
ist die so helle Wolke
der Unwissenheit, die innerliche
Wolke der Liebe
und der Kontemplation. Es ist eine Wolke,
dunkel und hell zu gleicher Zeit,
gemacht aus blendender Finsternis.

Zum ersten Mal damals spürte ich
den Schatten jener Wolke
vor mir, oft ging er
meinen Schritten voraus,
und ihm zu folgen war manchmal
ein Schreiten in Unschuld.
Es war nur ein Schatten, und schon spürte ich
seine Macht, trotz allem.
Jene Wolke, jener Schatten der
Unwissenheit war ein Wissen.

Auf der Grundlage von Interlinearübersetzungen aus dem Spanischen übertragen von Elke Erb

El Libro, tras la duna VIII

espanhol | Andrés Sánchez Robayna

¿Era Sirio o Capella, Vega o Pólux?

Cuántas veces la vi temblar, arriba,  
tras las montañas que tomaba
la espesura nocturna, entre las hojas
vibrátiles de abril, o echado yo,
las manos en la nuca,
por la arena de agosto,
sobre la lenta duna que aún guardaba el calor,
y cuántas veces quise
penetrar por su nombre en el secreto
silabario del cielo,
y saber la palabra que escribían
las luminarias renacientes, claro
secreto escrito en el fulgor supremo,
en la curva estelar del cielo tembloroso.

© Andrés Sánchez Robayna
from: El libro, tras la duna
Valencia: Editorial Pre-Textos, 2002
Audio production: 2002, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Das Buch, jenseits der Düne VIII

alemão

War es Sirius oder Capella, Wega oder Pollux?

Wieviel mal sah ich ihn zittern, oben,
jenseits der Berge, wenn sie
das nächtliche Dickicht eroberte, zwischen den unsteten
Blättern des April, oder ich lag,
die Hände im Nacken,
im Sand des August,
auf der trägen Düne, die noch
ihre Wärme bewahrte, wieviel mal wollte ich
eindringen durch seinen Namen in die geheime
Fibel des Himmels
und das Wort erkennen, das
die wiederkehrenden Lichter schrieben, helles Geheimnis,
geschrieben hinein in den höchsten Glanz,
den Sternenbogen des Himmels.

Auf der Grundlage von Interlinearübersetzungen aus dem Spanischen übertragen von Elke Erb

El Libro, tras la duna VII

espanhol | Andrés Sánchez Robayna

El rumor de los árboles
y su texto infinito se escribían
con negros caracteres en el ojo
del sol. Y desde allí,
en remolino prieto, resbalaban
cayendo en la mirada como una fundición
de oro y hojas exactas
sobre el punto del iris.

Oh desasida claridad,
echado sobre el césped contemplaba
la avalancha solar, el aluvión
suave de nuestra luz
abrazando los mundos. Yo habitaba
en las torres del sol.

© Andrés Sánchez Robayna
from: El libro, tras la duna
Valencia: Editorial Pre-Textos, 2002
Audio production: 2002, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Das Buch, jenseits der Düne VII

alemão

Das Rauschen der Bäume
und ihr endloser Text trugen sich ein
mit schwarzen Lettern ins Auge
der Sonne. Und von dort,
in dunklem Wirbel, glitten sie
nieder in den Blick wie ein Guß
von Gold und den präzis gerandeten Blättern
auf den Punkt der Iris.

O ungebundene Helle,
auf dem Rasen liegend, betrachtete ich
die Sonnenlawine, die sanfte
Flut unseres Lichts,
das die Welten umarmte. Ich wohnte
in den Türmen der Sonne.

Auf der Grundlage von Interlinearübersetzungen aus dem Spanischen übertragen von Elke Erb

El Libro, tras la duna VI

espanhol | Andrés Sánchez Robayna

Los pies desnudos en la tierra, sobre
las uvas para el vino de noviembre,
sobre las piedras del barranco seco,
sobre la luz y su deshacimiento.

El pie dejaba
su huella por los mundos, se manchaba
con el limo solar. En las acequias
se lavaba tan solo
para poder ser uno con el sol.

Pisaba el pie la luz.

El sol tenía
la anchura del pie humano.

© Andrés Sánchez Robayna
from: El libro, tras la duna
Valencia: Editorial Pre-Textos, 2002
Audio production: 2002, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Das Buch, jenseits der Düne VI

alemão

Die nackten Füße am Boden, auf
den Trauben zum Novemberwein,
auf den Steinen des trockenen Bachbetts,
auf dem Licht und seinem Zergehen.

Der Fuß hinterließ
seine Spur in den Welten, befleckte sich
mit dem Sonnenschlamm, In den Rinnen
wusch er sich nur, um mit der Sonne
eins sein zu können.

Der Fuß trat auf das Licht.
Die Sonne hatte
die Breite des Menschenfußes.

Auf der Grundlage von Interlinearübersetzungen aus dem Spanischen übertragen von Elke Erb

El Libro, tras la duna V

espanhol | Andrés Sánchez Robayna

Cada día, una página
del desplegado libro de la luz
se entregaba a mis ojos. ¡Fulgurante blancura
pisada por los pasos del niño que corría
sobre los médanos solares!
Luego, sobre la hierba, restañaban
las heridas manantes.

Oh renacida claridad,
aprendí pronto a amar, cerca de los naranjos,
la pedrería de la luz, el sol
cortado por las hojas en la hierba,
multiplicados soles diminutos
en el agua sencilla, en el estanque
y en las claras acequias. Aprendía.

© Andrés Sánchez Robayna
from: El libro, tras la duna
Valencia: Editorial Pre-Textos, 2002
Audio production: 2002, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Das Buch, jenseits der Düne V

alemão

Jeden Tag bot sich eine Seite
in dem aufgeschlagenen Buch des Lichts
meinen Augen dar. Blitzendes Weiß,
das die Schritte des Kindes betraten, es lief
über die Sonnen-Dünen!
Dann, auf dem Gras, gerann
das Blut der offenen Wunden.

O wiedergeborene Helle,
bald lernte ich lieben, bei den Orangenbäumen,
das brillante Gestein des Lichts, die Sonne,
vom Baumlaub zerschnitten, im Gras,
vervielfachte winzige Sonnen
im einfachen Wasser, in dem Becken
und den hellen Wasserrinnen. Ich lernte.

Auf der Grundlage von Interlinearübersetzungen aus dem Spanischen übertragen von Elke Erb

El Libro, tras la duna IX

espanhol | Andrés Sánchez Robayna

Rosa carnal del risco, oscuro nudo
de pétalos que abrazan los soles y las lunas
y los aires que soplan desde el mar atezado,
animal que reposa: mira pasar a un niño.

Tú que fuiste mirada y que gobiernas
las horas y los días y las noches
en lo invisible que renace, mira
a un niño abandonar tu paraje aterido.

Míralo despoblar tu reino absorto,
dejar tu compañía para siempre,
el grácil contubernio. Un niño deja
el exento país entre el gorrión y el góngaro.

© Andrés Sánchez Robayna
from: El libro, tras la duna
Valencia: Editorial Pre-Textos, 2002
Audio production: 2002, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Das Buch, jenseits der Düne IX

alemão

Fleischliche Rose des Felsens, dunkler Knoten
von Blütenblättern, umarmend die Sonnen und die Monde
und die Winde, die wehten vom finsteren Meer,
Tier, das ausruht: sieh, ein Kind geht vorbei.

Du, die du Blick warst und die du regierst
die Stunden und Tage und Nächte
im Unsichtbaren, das wiederkehrt, sieh,
ein Kind verläßt deinen erstarrten Ort.

Sieh, es gibt auf dein selbstvergessenes Reich,
zieht aus für immer aus deiner Gesellschaft,
dem zarten Beisammensein. Ein Kind läßt zurück
das offene Land zwischen dem Spatz und dem Góngaro-Kaktus.

Auf der Grundlage von Interlinearübersetzungen aus dem Spanischen übertragen von Elke Erb

El Libro, tras la duna IV

espanhol | Andrés Sánchez Robayna

Me seguía un perrillo
hambriento y fiel. Yo era
fiel también a sus pasos, y no sabría decir,
ahora, quién seguía
a quién. Y exploraba con mi hermana,
o con algún amigo, y muchas veces solo,
los pasajes del fuego sediento, el verano
en las bellas laderas, o los felices charcos
del otoño insular. En lo más alto
de los árboles hice un mirador
sobre la casa y sobre los caminos
que hasta ella llevaban, la camisa
manchada por el níspero de julio
y con tierra en las manos, descalzo   
sobre la tierra húmeda y rojiza.

¿Podré decir, así, que el cielo
como manto allá arriba protegía
con su extendida claridad mis pasos?
Amada tierra de esplendor, cavé
desde entonces en ti, y en ti me acogerás.

© Andrés Sánchez Robayna
from: El libro, tras la duna
Valencia: Editorial Pre-Textos, 2002
Audio production: 2002, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Das Buch, jenseits der Düne IV

alemão

Hungrig und treu
lief mir ein Hündchen nach. Auch ich richtete mich
treu nach seinen Schritten und wüßte nicht zu sagen
jetzt, wer folgte
wem. Und ich erkundete mit meiner Schwester
oder einem Freund und oft allein
die Engpässe des dürstenden Feuers, den Sommer
auf den schönen Berghängen oder die glücklichen Lachen
des Inselherbstes. In den höchsten Wipfeln
der Bäume richtete ich einen Ausblick ein
hin zu dem Haus und über die Wege,
die zu ihm brachten, das Hemd
befleckt von der Mispel des Juli
und mit Erde an den Händen, barfuß
auf der feuchten und rötlichen Erde.

Darf ich also sagen, der Himmel,
wie ein Mantel dort oben, beschützte
mit seiner ausgespannten Helle mein Schritte?
Du liebes, lichtes Land, seitdem
habe ich in dir gegraben, und du nimmst mich in dich.

Auf der Grundlage von Interlinearübersetzungen aus dem Spanischen übertragen von Elke Erb

El Libro, tras la duna III

espanhol | Andrés Sánchez Robayna

Allí, en aquella parte  
del libro que se abre
de la memoria mía, oigo
un rumor de arboledas, un barranco interpuesto
entre laderas altas en las que recorría
las piedras, las veredas,
la tarde en la que, solo, me alejé de la casa
y grabé en una piedra,
bajo los cielos cómplices,
la inicial de mi nombre
para dejar señal
del nombre y su secreto.

Y los cielos copiaban
el color de la tierra.

© Andrés Sánchez Robayna
from: El libro, tras la duna
Valencia: Editorial Pre-Textos, 2002
Audio production: 2002, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Das Buch, jenseits der Düne III

alemão

Dort, wo es sich öffnet,
das Buch meiner Erinnerung,
in jenem Teil, höre ich
ein Rauschen von Alleen, ein trockenes Bachbett
zwischen hohen Hängen, durch die ich lief
über die Steine, die Pfade,
den Abend, an dem ich, allein. fortging von daheim
und in einen Stein ritzte
unter dem verbündeten Himmel
den ersten Buchstaben meines Namens,
um ein Zeichen zu hinterlassen
des Namens und seines Geheimnisses.

Und alle Himmel wiederholten
die Farbe der Erde.

Auf der Grundlage von Interlinearübersetzungen aus dem Spanischen übertragen von Elke Erb

El Libro, tras la duna II

espanhol | Andrés Sánchez Robayna

Todo comienzo es ilusorio.
Todo comienzo es sólo un enlazarse
del principio y del fin en la cadena
del tiempo, es el instante
en que creímos ver el nacimiento
y el nacimiento es sólo un acto
de lo incesantemente renacido
—es decir, estas líneas semejan un comienzo
pero el comienzo surge a cada instante,
como la lluvia que esta tarde
vi caer sobre el mar
y esta tarde es tan solo una tarde del tiempo que renace
en un eterno recomienzo
y la lluvia y la tarde se han hundido en el tiempo
en el que ruedan siempre las nubes agolpadas
sobre los mármoles celestes

y la línea inicial es un comienzo
y la línea final será un comienzo.

© Andrés Sánchez Robayna
from: El libro, tras la duna
Valencia: Editorial Pre-Textos, 2002
Audio production: 2002, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Das Buch, jenseits der Düne II

alemão

Jeder Beginn ist trügerisch.
Jeder Beginn ist nur ein Verketten
von Anfang und Ende zu Gliedern
der Zeit, ist der Augenblick,
in dem wir glaubten, die Geburt zu sehen,
und die Geburt ist nur ein Akt
des unablässig Wiedergeborenen
- das heißt, diese Zeilen gleichen einem Beginn,
doch der Beginn hebt an in jedem einzelnen Augenblick,
wie der Regen, den ich heute abend
aufs Meer fallen sah,
und dieser Abend ist nur ein Abend der Zeit, die wiedergeboren wird
in einem ewigen Wiederbeginn,
und Regen und Abend tauchten ein in die Zeit,
in der die gedrängten Wolken endlos rollen
über die himmlischen Marmorsteine

und die erste Zeile ist ein Anfang
und die letzte Zeile wird ein Anfang sein.

Auf der Grundlage von Interlinearübersetzungen aus dem Spanischen übertragen von Elke Erb

El Libro, tras la duna I

espanhol | Andrés Sánchez Robayna

Ahora,
en la mañana oscura del desceñido octubre,
en que, umbroso y en calma, yace el mar
entregado a la pura aquiescencia del cielo,
al deslizarse de las nubes blancas
que un gris ya casi mineral golpea,
marmóreo, dilatado,
ahora,
mientras el tiempo gira
a punto de ser siempre alumbramiento,
sin dar a luz más que el instante cierto
y siempre tembloroso,
y damos vueltas en su vientre ciego,
y entrega solamente
un puñado de arena
que vemos escurrirse entre las manos,
mientras un niño juega,
después de echar los dados,  
ahora,
sólo ahora,
el comienzo
comienza.

© Andrés Sánchez Robayna
from: El libro, tras la duna
Valencia: Editorial Pre-Textos, 2002
Audio production: 2002, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Das Buch, jenseits der Düne I

alemão

Jetzt,
in dem dunklen Morgen des ungezügelten Oktober,
in dem das Meer schattig und ruhig liegt,
hingegeben der reinen Zustimmung des Himmels,
dem Hingleiten der weißen Wolken,
an die ein Grau stößt, fast schon mineralisch,
marmorn, weithin,
jetzt,
während die Zeit kreist,
nahe daran, immer Entbindung zu sein
und nichts als den Augenblick zur Welt zu bringen, den wahren
und ständig zitternden,
und wir uns drehen um uns in ihrem blinden Leib,
und sie nichts hergibt als
eine Handvoll Sand,
den wir rinnen sehen durch unsere Finger,
während ein Kind spielt,
nach seinem Würfelwurf,
jetzt,
erst jetzt,
beginnt
der Beginn.

Auf der Grundlage von Interlinearübersetzungen aus dem Spanischen übertragen von Elke Erb

O

macedónio | Vera Čejkovska

силниот лет на светлоста кон стаклените
огради прегради врз стаклените паралелопипеди
врз итн. градираните загради
е глатка зафатнина на воздухот
системска распределба на непроодни огледала
е серамен евклид во сесјајната улица.
Облоста е само во грленцата зрнцата
и бранчињата сладост од автоматите.
И:
небесниот исечок
сакав да го изговорам
лудо сино

from: Множење на словото
Скопје: Наша книга, 1986
Audio production: 2007, Nikola Madzirov & MIM

O

alemão

Der starke Flug des Lichtes zu den gläsernen
Umfriedungen Einfriedungen auf den gläsernen Parallepipeden
auf usw. den gemauerten Ummauerungen
ist glattes Volumen der Luft
eine systematische Verteilung von undurchgänglichen Spiegeln
ist ein immer flacher Euklid in der immer strahlenden Straße.
Die Rundheit ist nur in den Ketten den Perlen
und den Wellchen Süße aus den Automaten.
Und:
den Himmelsausschnitt
wolte ich aussprechen
irre blau

Übersetzt von Norbert Randow / Elke Erb