Jeet Thayil 
Translator

on Lyrikline: 4 poems translated

from: alemão to: inglês

Original

Translation

Vom Zugrundegehen

alemão | Tom Schulz

zu den See
Anemonen, den Muschel
Bänken, bei denen es nichts
zu holen gibt

außer Lichtgewinn
aus der Tiefe, die ins Laszive zieht
mit den Zugehfrauen, den Wund
Verschlüssen, hinab

als unvollendete Sinfonie
mit zerbrochenem Notenschlüssel
als Kaufhausspezies mit Mensch
Jacke, genetischer Strichcode

zu den Bachblüten, den zweimal
aufgegossenen Melissen der Aus
Linderung, frenetischer Zungenabdruck

in die Mehrzahl von Liebe, zu jener
Schmerzensmutter, den Opium
Tropfen am Grunde des Eimers

mit der Schneeharfe, der Hunger
Harke, zur zellularen Spiel
Bank, where no time is money

© Tom Schulz
from: unveröffentlichtem Manuskript
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Of Going to Ground

inglês

To the sea
anemones, the coral
reefs, where there is nothing
to be gathered

except a surplus of light
dragged from the depths into dalliance
with the charwoman, the wound
closed, falling

as an unfinished symphony
of broken notes
a shopping mall species in human
shape, genetic barcode

then the bachflowers, the extract of Melissa
twice as effective
frenetic tongueprints

in the plural of love, to each
pain mother, the opium 
tincture at the bottom of the bucket

with the snow harp, the hunger
rake, down to the cellular slot
machine, where no time is money

Translated into English by Sridala Swami & Jeet Thayil

A result of the project Poets Translating Poets. Versschmuggel mit Südasien, organised in 2016 by the Goethe Institute in collaboration with Literaturwerkstatt Berlin

Praga, danach

alemão | Tom Schulz

Zu viel was ich sah in vier Tagen. Ich muss die Augen dimmen.
Ich sah den Regen vor dem Regen. Ich sah ihn hinterher.
Ich sah Wolken inmitten von Wolken. Ich sah den Himmel leer.
Sah Fülle, die einem Gesetz folgte, zu entbehren. Etwas in die
Welt zu setzen, das hilflos war. Wäre nicht zweimal ich, wäre
nichts.
Was ich hörte, war gesprochen. Was ich sagte, war geflossen.
Ich sah im Fluss die Bewegungen. Ich spürte in allem
Regungen.
Alle Regungen. Das Brechen von Plastikbechern. Das
Versprechen. Zu zweit. Gleich zu sein. Der Schnaps und der
Raps. Und die Reife. Die Steifheit. Der Glieder. Die Streifen.
Die Schlieren. Das Hier.
Ich sah und ich sagte. Zu viel was ich sah in vier Tagen. Zu viel
was in sich versank. Es tagte und drinnen tagten Dirnen. Birnen
faulten.
Vor den Plätzen. Jemand sprach vor. Und sagte. Oder ein Vers
hob an. Das Versagen. In allem war Sagen. Waren Segel und
Ankerplatz.
Ich hob den Becher auf den Segen. Inzwischen war Dunkelheit.
Ein Schatz. Zu bergen. Arme und Beine. Deine meine keine.
Zu viel was ich gesehen hatte. Licht und Schatten. Schmerz.
Und das Stillen. Keines war besser als das andere. Jedes war. 

© 2015 Hanser Berlin in der Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, München
from: Lichtveränderung. Gedichte
München: Hanser Berlin, 2015
Audio production: Goethe Institut, 2016

Praga, After

inglês

I saw too much in four days. I must shield my eyes. 
I saw the rain before the rain. I saw it after.
I saw the clouds inside the clouds. I saw the empty sky.
Saw abundance and desolation. To create something that was helpless. If I weren't two,
I would be nothing.
What I heard was spoken. What I said, flowed. 
I saw the movements in the river. I felt the current in everything.
All currents. The crushing of plastic cups. The promise. 
In twos. To be equal. The schnaps and the rapeseed. And the ripening.
The joints’ creaks. The stripes. The streaks. The now.
I saw and I said. I saw too much in four days. Too much collapsed
into itself. The day breaks and inside, a huddle of harlots. The pears rotted.
In front of the plazas. Somebody auditioned. And said. Or words appeared.
The failure. In everything, the lure of the saying. Sails and anchorage.
I raised the plastic cup in communion. Meanwhile there was darkness.
Bullion. To be recovered. Arms and legs. Thine mine none.
I saw too much. Light and shadow. Pain and the stanching. Each was.
No one thing better than the other.

Translated into English by Sridala Swami & Jeet Thayil

A result of the project Poets Translating Poets. Versschmuggel mit Südasien, organised in 2016 by the Goethe Institute in collaboration with Literaturwerkstatt Berlin

Mantra

alemão | Tom Schulz

Wir müssen wieder mit dem Herzen sehen. Durch den Klee und den Schnee. Durch die Krone des Affenbrotbaums. Wo die Schlehe den ersten Frost erwartet. Wo das Land mit Flechten bewachsen ist.
Kindchen, in einer Plastikspielzeugpuppe befindet sich mehr Gift als in einem Autoreifen. Wie viel ist wenig und wie viel ist viel? Wir müssen uns ein Herz fassen, gleichzeitig das eine oder andere Nebenorgan verkümmern lassen. Die Sehhilfe auf die Nasenwurzel schieben. Müssen wir? Ertasten. Was? Unter den Zwei- bis Dreiäugigen war ich stets ein Sehender. Vorwärts und nicht vergessen. Ich trage alle Dinge in einem Herzbeutel durch mein Dörfchen. An die Pumpe, wo wir uns mit den Hinterbänklern trafen. Eine wollte Blindekuh spielen. Dann Mau-Mau.
Ich schenkte ihr ein Feld aus Zuckerrüben. Die stolzen Männer erreichten die Stadt mit einer Büffelherde und gekauften Frauen im Gepäck. Könnten wir mit dem Herzen sehen, wäre die Taube auf dem Fenstersims eine fremde Schöne. Wenn wir jetzt weiter zweifeln, lachen noch die Hühner.
Wir könnten einfach weitergehen. Durch die Savanne und die Nesselwüste. Durch alles Fieber und den blinden Nebel. Unter der Brücke liegt ein Mann im Regen auf seiner alten Federkernmatratze. Ihr könnt mich mal.
Im Mondschein oder auf der Heide. Dem einen fehlen nur zwei Schneide- zähne. Davon haben wir doch viel zu viele. Wir anderen. Könnten wir einen Erlöser rufen. Wären wir Maden oder Mistbienen. Wären wir die sieben Zwerge. Sprechen wir lieber über menschliche Ressourcen.
Die stolz bezahlten Männer renovieren die Kaufhausstadt. Entwerfen aus Pappkisten Wohnungen. Verpachten eine Hundetoilette für alles, was Beine hat. Wer besitzt alles, vieles oder nichts? Die gleichgestellten Frauen aus dem Ausschuss haben sich Damenbärte zugelegt. Damit sie dem Konsul zum Verwechseln ähnlich sehen. Kindchen, die Gummibären machen süchtig. Enthalten Gifte, die zum Tode führen. Die uns abhängig machen von den toxischen Konzernen. Wir müssen sehen, müssen sehen, sehen.
Sehen. Hinauf zu den zerschossenen Sternen. Hinauf zur Sternenrettung. Mensch, atme zufrieden durch die Nasenlöcher. Atme und spüre eine Wärme in den Nasenlöchern.

© 2015 Hanser Berlin in der Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, München
from: Lichtveränderung. Gedichte
München: Hanser Berlin, 2015
Audio production: Goethe Institut, 2016

Mantra

inglês

We must see with the heart again. Through the clover and the snow. Through the crown of the baobab tree. Where the wild plum waits for the first frost. Where the land is overgrown with lichen. Darling child, there is more poison in a doll than in a tyre. How much is too little and how much too much? We must pluck up courage; allow one or the other subsidiary organ to fail. Adjust the visual aid upon the bridge of the nose. Must we? Feel our way. What? I was always the seeing one amongst those with two or three eyes. Vorwarts und nicht vergessen! I carry everything in the sac of my heart through my small village. To the water pump where we met the truants. One of them wanted to play Blind Man’s Buff. Then Mau-Mau. I gave her a gift, a field of sugar beet. Proud men arrived in town with a herd of buffalo and comfort women in the baggage train. Could we see with the heart, could the pigeon on the window sill be exotic? If we still have doubts, the joke’s on us. Or so say the chickens. We could just go on. Through the savannah and the desert of nettles. Through all the fever and the blinding mist. Under the bridge a man lies in the rain on an old spring mattress. Up yours. In the moonlight or on the moor. Only two of his teeth are missing. Well, we have too many of those. We others. Could we call the redeemer? Could we be maggots or dung bees? Could we be the seven dwarves? Let’s talk about human resources instead. The proud salarymen are renovating the metropolis. Are designing flats out of cardboard boxes. Leasing out a dog toilet for everything with legs. Who owns everything, a lot or nothing? The women from the committee who are on equal terms with the men have grown ladies’ beards. So that they could be mistaken for the consul. Darling child, the gummy bears are addictive. They contain poisons that could kill you. Thy make us dependent on the conglomerates. We must see, we must see, see. Up to the star in shambles. Up to the rescuers of the stars. Man, breathe deeply through the nostrils. Breathe and feel a warmth in the nostrils.

Translated into English by Sridala Swami & Jeet Thayil

A result of the project Poets Translating Poets. Versschmuggel mit Südasien, organised in 2016 by the Goethe Institute in collaboration with Literaturwerkstatt Berlin

An einem heißen Juli-Tag

alemão | Tom Schulz

wurde der Vater in einen Plastiksack gepackt, ein Bündel
Knochen noch das rasch verfeuert wurde - er sprach
zuvor, als er in seinem Sterbezimmer lag

kaum mehr ein Wort, Sonnenstrahlen schossen die Wände
hoch - kein Reich das kommen würde, das ihn zu sich rief
nicht zu entziffern die Kinderschrift der Seele

in mir ein Blindenhund nahm seine Hand
und wechselte die Straßenseite, Schüsse fielen dabei röhrte,
röchelte nur der Auspuff eines Käfer wir leben länger als wir
denken können

Steine in Früchten sind wir, oder Eingewecktes in Nächten,
in denen ich durch Schlaf
und Traum bis zu der Kammer wandle voll duftendem
Rosinenbrot

manchmal wenn ich stehen bleibe, berühren sich unsere
Zehennägel vor der Waschkommode mein Haar ganz gelb - ein
Hauch von Sommer weht durchs Zimmer, Schwalbenrauch

© 2015 Hanser Berlin in der Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, München
from: Lichtveränderung. Gedichte
München: Hanser Berlin, 2015
Audio production: Goethe Institut, 2016

On a Hot Day in July

inglês

father was packed into a plastic sack, 
just a bundle of bones that burned too fast—
earlier, he hardly said a word 
as he lay dying

sun-rays shot up the walls—
no kingdom to come or to gather him
or call him home
or decipher the child-like writing of the soul

beside me, a seeing-eye dog took his hand
and crossed to the other side of the street
shots were heard but it was only a Beetle backfiring
our bodies outlive our minds

we are the stones of fruit
or preserves in the nights in which I sleepwalk
and dream into a small chamber
fragrant with raisin bread

sometimes when I stop
our toenails touch in front of the sink
my hair a shock of yellow
a whiff of summer, smoke of swallows

Translated into English by Sridala Swami & Jeet Thayil

A result of the project Poets Translating Poets. Versschmuggel mit Südasien, organised in 2016 by the Goethe Institute in collaboration with Literaturwerkstatt Berlin