Mirko Bonné 
Translator

on Lyrikline: 16 poems translated

from: curdo, hebraico, irlandês to: alemão

Original

Translation

Huba payîzê

curdo | Eskerê Boyîk

Min îro keçek dît bedew bû.

Bêbavê
Roj bû,
Hîv bû
Kulîlkek bû ji çîya.

Dilê min ji agirê çavên wê
Helya
Çavê min li min bûn bela…

Rûniştim…

Keçik ecêvmayî
Li min vegerya,
Keniya:

- Kalo
Tu çîma wa…? 

Min go: keça min
Xwedê xirav bike
Vê kalbûnê…vî halî,
Tu jî wek evîna min
Pirr delal î…

Evîna min li çiya ma
Min tu dîtî
Xortaniya min
Vegeriya….

2005

© Eskerê Boyîk
Audio production: Haus für Poesie, 2017

Liebe, herbstlich

alemão

Heute traf ich auf ein schönes Mädchen.

Vaterlos,
Eine Sonne war sie,
Ein Mond war sie,
Sie war eine Gebirgsblume.

Vom Feuer ihrer Augen schmolz mir
Das Herz,
Und meinen eigenen Augen traute ich nicht …

Ich setzte mich …

Das Mädchen, merkwürdig,
Es kam auf mich zu,
Es lachte:

– Opi,
Was hast du …?

Ich sagte: Mein Kind,
Möge Gott verhindern,
Dass du alt wirst.
Du siehst aus wie …
Mein Liebling … bist wunderschön …

Meine Liebste blieb im Gebirge.
Da sah ich dich,
Und meine Jugend
War zurück …

2005

Aus dem Kurdischen nachgedichtet von Mirko Bonné
VERSschmuggel, Kurdisch-Deutsch, Poesiefestival Berlin, 2017

*** [Payîz e, dereng, şeve dirȇjin]

curdo | Eskerê Boyîk

Payîz e, dereng, şeve dirȇjin,
Wek berȇ ne ode, ne çîrokbȇjin,
Kune pȋremȇr? Ku weke berȇ
Odada  rűnȇn  çîroka bȇjein,
Ne ode mane, ne şevbȇrk in xweş
Ne jî dengbȇj in…

Li vî warȇ sar, ezî tenȇme ,
Xewa min nayȇ, xewn derd ȗ ȇşin,
Kes dor min nîne hema wana ra
Çîroka emrȇ xweyî bȇhȋvî
Bi keser bȇjîm,
…Tenȇ, bȇ civak rűniştime ez
Nav derd-xemȇ xwe
Ker diponijin…

© Eskerê Boyîk
Audio production: Haus für Poesie, 2017

*** [Es ist Herbst, spät, lang sind die Nächte]

alemão

Es ist Herbst, spät, lang sind die Nächte.
Das Zimmer von früher, die Geschichtenerzähler,
Wo sind sie, wo die Alten? Da saßen sie, erzählten.
Die Zimmer gibt es nicht mehr, die schönen und
Langen Nächte zusammen und die Sänger,
Sie alle gibt es nicht mehr …

Ich bin allein an diesem kalten Ort,
Kann nicht schlafen, Träume stimmen
Traurig, und sie tun weh. Niemand ist da,
Dem zu erzählen wäre,
                               wie hoffnungsleer,
Wie leidvoll sie ist, meine Lebensgeschichte …
… Allein mit Kummer und Schmerz sitze ich hier,
Lautlos, in mich gekehrt …

2014

Aus dem Kurdischen nachgedichtet von Mirko Bonné
VERSschmuggel, Kurdisch-Deutsch, Poesiefestival Berlin, 2017

Hub

curdo | Eskerê Boyîk

Hub pirîsk e, hub agir e,
Dikeve dil, dibe alav
Xûnê digre,
Gurr dibe û, dibe per-bask
Û vedibe
Evdê feqîr pê difire…

Kê dibe buhuştê,
Kê dojê…

Herd rê jî şîrinin.

1977

© Eskerê Boyîk
Audio production: Haus für Poesie, 2017

Liebe

alemão

Liebe ist Funke, Liebe ist Feuer,
Sie dringt ins Herz, wird Flamme,
Sucht Blut,
Steigt auf, wird Flügel-Arm
Und öffnet sich
Zur Schwinge derer, die nichts haben …

Den trägt sie bis ins Paradies,
Den in die Hölle …

Süß, süß sind beide Wege.

1977

Aus dem Kurdischen nachgedichtet von Mirko Bonné
VERSschmuggel, Kurdisch-Deutsch, Poesiefestival Berlin, 2017

Heft zarok

curdo | Eskerê Boyîk

Tav diqijilîn e
Havîn e,
Li serê çiyayê bê av,
Gewr
Qeretûyê mirinê
Jiyanê dișewitîne…

Heft zarokê por zêrîn
Ber  tavê zarînin,
Tîne,
Zaha dibin,
Avê dixwezin:
-Dayê av
-Tîme av…

Germ e, av nîne
Kanî çikiyan e,
Berê cewa birîn e
Zarok tîne
Av nîne
Sî  nîne
Gul û gîha tev hishk bûne
Șewitîne,
Erd disincirî ne,
Kevir ji zihabûnê
Diqelișin
Rê birîn e.

Li serê çiyayê bê av
Zarok ji tîbûnê
Ziha dibin
Dimirin,
Dipișirin,
Diweșin -
Dibin xwelî, ax
Hey wex…

Biharê bê,
Kes nikare rêya biharê bibire,
Heft kulîlkê spî,
Li ser sîngê çiyê 
Wê çavê xwe vekin, 
Û derheqa vê zulmê da
Kulîlka ra gilîkin…

10.09.2014

© Eskerê Boyîk
Audio production: Haus für Poesie, 2017

Sieben Kinder

alemão

Die Sonne brät,
Am vertrockneten Berg
Ist Sommer.
Grau,
Todessilhouetten,
Verbrennendes Leben …

Sieben Kinder mit goldenem Haar
Weinen unter der Sonne,
Dürsten,
Vertrocknen,
Wollen Wasser:
– Mutter, Wasser!
– Ich habe Durst, Wasser …

Es ist heiß, wasserlos.
Brunnen sind erstickt,
Kinder dursten,
Kein Wasser,
Kein Schatten.
Verdorrt, Blumen und Gras,
Verbrannt,
Boden Glut,
Steine Karst,
Kohle
An wunden Wegen …

Am wasserlosen Berg
Verdursten die Kinder,
Vertrocknen,
Sterben,
Lächeln,
Werden zu Sand und werden zu Staub …

Kommt der Frühling,
Hält keiner ihn auf.
Sieben weiße Blüten
Auf der Brust des Berges,
Wie sollen sie je aufgehen,
Von Grausamkeit umgeben,
Klagen Blüten, klagen den Blüten …

Aus dem Kurdischen nachgedichtet von Mirko Bonné
VERSschmuggel, Kurdisch-Deutsch, Poesiefestival Berlin, 2017

עזה II - במין אינתיפאדה אחרת

hebraico | Mati Shemoelof

הָרָמַטְכָּ"ל שֶׁשָּׁלַח טִילֵי קְרָב לְתֵל אָבִיב
וְיָרָה בַּמְּבֻקָּשִׁים בִּרְחַבְיָה
הַגֶּנֶרָל שֶׁאָכַל גֵּפִילְטֶע וְעִנָּה אַשְׁכְּנַזִּים
בְּמַרְתְּפֵי הַֹשַּבַּ"כּ בְּרָמַת אֲבִיב
הַסָּבְתָא שֶׁהִתְפּוֹצְצָה בַּמַּחְסוֹם בְּהֶרְצְלִיָּה
הַמָּצוֹר עַל סַבְיוֹן, הַכֶּתֶר עַל כְּפַר שְׁמַרְיָהוּ,
הַסֶּגֶר עַל מוֹעֲדוֹן הַשִּׁירָה אֵי שָׁם
לֹבֶן זוֹעֵם מִבַּעַד לַחוֹמָה.

© Mati Shemoelof
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

Gaza II – eine andere Art Intifada

alemão

Der Oberbefehlshaber der Raketen schickte nach Tel Aviv
und in Rechavia die Gesuchten liquidieren ließ
der General der Gefillte Fisch aß und Ashkenasen folterte
in den Kellern des Schabak in Ramat Aviv
die Oma die sich in die Luft sprengte am Kontrollposten in Herzliah
die Belagerung Savions, die Einkesselung Kfar Schmaryahus
die Bannmeile um das Literaturcafé irgendwo
aufgebrachtes Weiß hinter der Mauer.

Aus dem Hebräischen von Mirko Bonné
VERSschmuggel Israel Hebräisch-Deutsch
Literaturwerkstatt Berlin April 2012

נוסע ברכבת מלאה רוחות

hebraico | Mati Shemoelof

קַקְטוּסִים שֶׁל כְּפָרִים נְטוּשִׁים
וַאֲנִי מְאֹהָב בַּאֲדָמָה עִירָקִית
כְּחֻלַּת עַיִן.

חָבֵר שֶׁלִּי עָזַב אוֹתָנוּ
הוּא מִשְׁתַּעֲשֵׁעַ עִם תּוֹדָעוֹת אַשְׁכְּנַזִּיּוֹת
עֲדַיִן מְחַפֵּשׂ לְהִטָּמַע, אֵיזֶה טָמַע
הֵם לֹא יְקַבְּלוּ אוֹתוֹ לְעוֹלָם לְמוּזֵאוֹן
הַשַּׁעֲוָה בְּגַן הַזִּכָּרוֹן שֶׁל לֹא זִכָּרוֹן וְלֹא הֶמְיַת
חֲתִיכַת קְלִפַּת פּוֹמֶלָה יְבֵשָׁה, שֶׁחוֹשֶׁבֶת שֶׁהִיא
הָאָקָדֶמְיָה אֲבָל הִיא נְטוּשָׁה, מִזְּמַן בָּרְחוּ מִמֶּנָּה
מַנְהִיגֵי הַהֲגָנָה עַל
הַהוֹן שֶׁל הַזֶּהוּת הָאֵירוֹפִּית הַלֹּא-שְׁכֵנָה.

אַשְׁכְּנַזִּים בְּתוֹדָעוֹת שֶׁל מִזְוָדָה     
עָזְבוּ עַל מְטוֹס גַּלֵּי-צַהַ"ל וּבָרֶקַע הָיְתָה מוּזִיקָה דָּתִית שֶׁסּוֹפְסוֹף
שָׂמְחָה לוֹמַר אֶת שֵׁם הַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא אַלְּלַה הוּא אַכְּבַּר בַּשְּׁכוּנָה
נִשְׁאֲרוּ רַק אֵלּוּ שֶׁאָהֲבוּ
סִרְטֵי קוֹמֶדְיָה עֲצוּבָה שֶׁל צַ'רְלִי
בּוּזַגְלוֹ צַ'פְּלִין אַבּוּ סְנֵינַה אַרִיסְטוֹפָנֶס מֵרָמָאלְלָה.

הִיא חִכְּתָה לִי בְּשִׂמְלַת כַּלָּה
וְהֵבַנְתִּי שֶׁהָעִירָקִית כְּחֻלַּת הָעַיִן
כְּבָר לֹא שֶׁלִּי, נִגַּשְׁתִּי לְפָלַסְטִין
וּוִתַּרְתִּי עַל הָאֶגוֹ.

© Mati Shemoelof
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

Fahrt in einem Geisterzug

alemão

Kakteen verwaister Dörfer
und ich bin verliebt in blaue Augen
irakischer Erde.

Mein Freund hat uns verlassen
er erfreut sich ashkenasischen Bewusstseins
sucht weiter sich zu assimilieren, feiner Assimilierter
sie werden ihn nie aufnehmen ins Wachsfiguren-
kabinett, die Gedenkstätte mäuschenstillen Garnichtsdenkens
ein Stück trockener Pomelloschale das glaubt es sei
die Akademie, aber leer zurückgelassen wurde, längst geflohen
sind die Führer der Haganah mit
dem Kapital nachbarschaftsloser Euro-Identität.

Ashkenasen mit Kofferbewusstsein
verschwanden im Flieger des Armeesenders und dazu lief religiöse Musik, froh
endlich den Namen des Herrn sagen zu können gepriesen sei er
            Allah Hu Akbar, im Viertel
blieben nur Liebhaber trauriger
Komödien von Charlie
Busaglo Chaplin Abu Snena Aristophanes aus Ramallah.

Sie erwartete mich im Brautkleid
und ich begriff die Irakerin mit blauen Augen o la la
war nicht mehr die meine, ich näherte mich Palästina
und verzichtete auf das Ego.

Aus dem Hebräischen von Mirko Bonné
VERSschmuggel Israel Hebräisch-Deutsch
Literaturwerkstatt Berlin April 2012

למה אני לא כותב שירי אהבה ישראליים

hebraico | Mati Shemoelof


למשורר אמירי ברקה      

 
קֹדֶם תַּחְזִירוּ לִי אֶת הַהִיסְטוֹרְיָה
וְאַחַר כָּךְ אֶת סִפְרֵי הַלִּמּוּד
וְאַל תַּגִּידוּ לִי שֶׁהַשִּׁיר שֶׁלִּי הוּא מָנִיפֶסְט פּוֹלִיטִי
כְּשֶׁאֵין לָכֶם מֻשָּׂג עַל עָוֶל, אָז הִנֵּה קְצֵה חוּט
אֲנִי רוֹצֶה פִּצּוּי מִבַּנְק יִשְׂרָאֵל
לַפָלַסְטִינִים, לַמִּזְרָחִים, לַנָּשִׁים, לְהוֹמוֹ-לֶסְבִּיּוֹת,
עַל כָּל הֶעָרָה, מַעְבָּרָה, שֶׁטַח צְבָאִי סָגוּר, הַעֲלָמָה, הַשְׁחָתָה
אֲנִי רוֹצֶה שֶׁתִּפְתְּחוּ אֶת הַכַּסֶּפֶת שֶׁל הַשִּׁירָה
וְתַחְזִירוּ אֲדָמוֹת לְמִי שֶׁלְּקַחְתֶּם וּתְנוּ פִּצּוּי עַל כִּבּוּשׁ נוֹרָא
אֲנִי אֲחַכֶּה בְּצַד בַּנְק יִשְׂרָאֵל, מִבַּעַד לַחַלּוֹנוֹת בִּטּוּחַ לְאֻמִּי  
מִתַּחַת  לִמְכוֹנִיּוֹת מִשְׂרַד הָאוֹצָר
עַד שֶׁתִּתְּנוּ פִּצּוּי רָאוּי עַל כָּל הַגִּזְעָנוּת הַצְּרוּפָה
וְרַק אָז כְּשֶׁיַּלְדֵי יְלָדַי הַמְּפֻצִּים יִלְמְדוּ בָּאוּנִיבֶרְסִיטָה בְּחֶבְרָה שָׁוָה
לְלֹא בִּזּוּי, רַק אָז אֶהְיֶה מוּכָן לִכְתֹּב שִׁירֵי אַהֲבָה
יִשְׂרְאֵלִיִּים.

© Mati Shemoelof
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

Wieso ich keine israelischen Liebesgedichte schreibe

alemão

Für den Dichter Amiri Baraka

Erst gebt mir die Geschichte zurück
und danach die Lehrbücher
und sagt mir nicht mein Gedicht sei ein politisches Manifest
weil ihr von Unrecht keinen Schimmer habt, hier ein kleiner Hinweis
ich verlange Entschädigung von der israelischen Zentralbank
für die Palästinenser, für die arabischen Juden, für die Frauen,
für die Schwulen und die Lesben,
für jede Herabwürdigung, jedes Durchgangslager, jedes militärische
Sperrgebiet, jede Vertuschung und Bestechung
ich verlange dass ihr den Safe der Dichtung öffnet
alles Land zurückgebt an die denen ihr es nahmt und sie entschädigt
für die Schrecken der Besatzung
ich werde vor der Bank warten, vor den Fenstern der Nationalversicherung
unter den Karossen des Finanzministeriums
bis ihr den ganzen veredelten Rassismus angemessen entschädigt
erst wenn die Kinder meiner entschädigten Kinder auf der Uni sind, gleichberechtigt
ohne Demütigung, erst dann werde ich bereit sein israelische Liebesgedichte
zu schreiben

Aus dem Hebräischen von Mirko Bonné
VERSschmuggel Israel Hebräisch-Deutsch
Literaturwerkstatt Berlin April 2012

חברוּת מסוג חדש

hebraico | Mati Shemoelof

הוּא חָבֵר שֶׁל כָּל הָעוֹרְכוֹת
שֶׁל כָּל הָעִתּוֹנָאִים
שֶׁל כָּל הַסּוֹפְרִים, וַאֲפִלּוּ שֶׁל כַּמָּה אָמָּנִים מֶרְכָּזִיִּים
שֶׁלֹּא לְדַבֵּר עַל מוּזִיקָאִים, עוֹבֵד בְּאַחַת הַהוֹצָאוֹת,
יוֹשֵׁב לִכְתֹּב, סוֹגֵר אֶת הַטֶּלֶפוֹן, פּוֹתֵחַ, סוֹגֵר, פּוֹתֵחַ, סוֹגֵר
    וּמְאַיֵּם לְהִתְאַבֵּד בְּאֶס-אֶמ-אֶסִּים      
מַחְלִיט לְהִתְקַשֵּׁר אֵלַי
וְלֹא יוֹדֵעַ שֶׁמְּשׁוֹרֵר מִתְאַבֵּד כִּמְעַט בְּכָל שִׁיר וְשִׁיר
אֲנִי לֹא עוֹנֶה לוֹ, רַק מַקְשִׁיב,
אַתָּה חָבֵר שֶׁלִּי, הוּא שׁוֹאֵל
כֵּן, אֲנִי מֵשִׁיב לַמְרוֹת שֶׁלֹּא רָאִיתִי אוֹתוֹ כְּבָר חֲצִי שָׁנָה
אָז מַה מַּשְׁמָעוּת הַחַיִּים, הוּא שׁוֹאֵל

© Mati Shemoelof
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

Eine neue Art Freundschaft

alemão

Er ist befreundet mit allen Redakteurinnen
aller Zeitungen
mit allen Autoren und sogar ein paar wichtigen Künstlern
von den Musikern ganz zu schweigen, er arbeitet in einem Verlag,
setzt sich, will schreiben, legt auf, nimmt ab, legt auf, nimmt ab
droht per SMS sich umzubringen
beschließt mich anzurufen
und weiß nicht mal dass ein Dichter sich in fast jedem Gedicht umbringt
ich sage nichts, höre nur zu,
bist du mein Freund, fragt er
ja, antworte ich obwohl ich ihn schon ein halbes Jahr lang nicht gesehen habe
also was, fragt er, ist der Sinn des Lebens.

Aus dem Hebräischen von Mirko Bonné
VERSschmuggel Israel Hebräisch-Deutsch
Literaturwerkstatt Berlin April 2012

וְזֶה לֹא צִטּוּט, זֶה אוֹת צוֹרֵב עַל צַוָּארִי

hebraico | Mati Shemoelof

הִגִּיעַ הַזְּמַן לוֹמַר הַדִּכּוּי לֹא הִסְתַּיֵּם
הָאֲדָמָה לֹא מִזְרָח-תִּיכוֹנִית
הַזַּעַם מְבַקֵּשׁ לִכְתֹּב שִׁיר אַנְאַלְפָבֵּיְתִי
שָׁחֹר מִתּוֹךְ מְחִילוֹת לבנות
מִלִּים נִקְרָעוֹת בַּכֶּלֶא
קוּמוּ הִתְחַבְּרוּ לַמֶּרֶד בַּשָּׂפָה
אֲנַחְנוּ קַמְנוּ
בֵּין חָרְבוֹת הָאוֹתִיּוֹת הַגִּזְעָנִיּוֹת שֶׁהִקִּיפוּ אוֹתָנוּ בַּמַּעְבָּרוֹת-לֹא מְנֻקָּדוֹת
אֲנַחְנוּ הָעֶבֶד וְהַשִּׁפְחָה שֶׁל הומרוס וּבְיַאלִיק
קוֹרְאִים מִזְרָחִית, כְּנֶגֶד ומעבר סוּג שֶׁל
אֶ פְ שָׁ ר וּ ת שְׁ לִ י שִׁ י ת לְ שִׁ י רָ ה.

© Mati Shemoelof
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

Und das ist kein Zitat, es ist ein Brandmal an meinem Hals

alemão

Es wird Zeit zu sagen dass die Unterdrückung nicht aufgehört hat
die Erde ist nicht mittel-östlich
der Zorn will ein analphabetisches Gedicht schreiben
schwarz aus weißen Höhlen heraus
Wörter werden zerrissen im Gefängnis
erhebt euch, rottet euch zum Aufstand wider die Sprache zusammen
wir haben uns erhoben
zwischen Trümmern rassistischer Buchstaben die uns umstellten
in vokalzeichenlosen Durchgangslagern
wir sind Sklave und Sklavin von Homer und Bialik
lesen östlich, gegen eine, jenseits einer Art
d r i t t e m W e g d e r P o e s i e.

Aus dem Hebräischen von Mirko Bonné
VERSschmuggel Israel Hebräisch-Deutsch
Literaturwerkstatt Berlin April 2012

העוני בשר מבשרך

hebraico | Mati Shemoelof


לא להיות בעל בית, להיות ללא מרחב פנימי, פירושו לא להיות מסוגל לקיים"

"קשר אמיתי עם הזולת, להיות זר לעצמך ולזולת.

, תרגם: דניאל אפשטיין, הוצאת שוקן, 2001, עמ')

(131 עמנואל לֶווינַס, "יהדות ומהפכה" בתוך: תשע קריאות תלמודיות

  


הָעֹנִי בָּשָׂר מִבְּשָׂרֵךְ
בִּתִּי אַתְּ הַתִּקְוָה שֶׁל בְּנִי
לִמְדִי מֵאִמֵּךְ אֶת חָכְמַת הָרֶחֶם הָרֵיק
הַמִּתְמַלֵּא בְּיָרֵחַ וְלֹא מְבַקֵּשׁ תְּמוּרָה
לִמְדִי אֶת הַמֶּלַנְכּוֹלִיּוּת הַזּוֹעֶמֶת בִּהְיוֹתֵךְ שָֹרַת הַבְּרִיאָה       
פָּרְקִי אֶת הַגַּבְרִיּוּת מֵהַכַּדּוּר הַתּוֹעֶה
הַלְבִּישִׁי אוֹתוֹ בְּמַדֵּי "אִשָּׁה"
הָכִינִי אֶת קִבְרוֹ
הָכִינִי אֶת קִבְרֵךְ
בַּגַּן הַצִּבּוּרִי, בַּכְּפָר, בַּמִּקְלָט, בַּמַּחְסוֹם
שֶׁל הַשִּׁירָה אוֹ פִּתְחִי אֶת אֲרוֹן בֵּית הַכְּנֶסֶת
וְקִרְעִי אֶת הָאֲדָמָה.

© Mati Shemoelof
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

Die Armut ist Fleisch von deinem Fleische

alemão

Nicht Hausherr zu sein, ohne inneren Rückzugsraum zu sein, heißt nicht fähig zu sein,
eine wirkliche Beziehung zum Mitmenschen zu unterhalten, ein Fremder zu sein,
dir selbst und dem Anderen.  Emmanuel Levinas

Meine Tochter, du bist die Hoffnung meines Sohnes
lern von deiner Mutter die Klugheit des leeren Uterus
der vom Mond erfüllt wird und dafür fordert nichts, nie
als Schöpfungsministerin wisse um zornige Melancholie
entschärf die Männlichkeit des verirrten Geschosses
kleid ihn in die Uniform einer „Frau“
bereite sein Grab
bereite dein Grab genau
im Park, im Ort, im Luftschutzraum, am Kontrollposten
der Poesie, oder öffne den Thoraschrein der Synagoge
und reiß auf die Erde.

Aus dem Hebräischen von Mirko Bonné
VERSschmuggel Israel Hebräisch-Deutsch
Literaturwerkstatt Berlin April 2012

אָבִי הַמֵּת

hebraico | Mati Shemoelof

הַבּוּלִים אָסְפוּ אֶת יָמָיו הָאַחֲרוֹנִים
שֶׁל אָבִי אֶל תּוֹךְ מְדִינוֹת שֶׁאֲלֵיהֶן
הוּא לֹא טִיֵּל,
הוּא הֵנִיחַ אוֹתָם בְּתוֹךְ קַעֲרַת מֵי נִשְׁמָתוֹ
וְקִלֵּף מֵהֶם אֶת מַעֲטֶפֶת הַהַזְנָחָה,
שֶׁל שְׁכוּנוֹת הַמַּעֲמָדוֹת הַנְּמוּכִים, שֶׁל הָעִיִר חֵיפָה,
אֵבֶל יְדֵיהֶן הַתַּמְנוּנִיוֹת שֶׁל רָשֻׁיּוֹת הַמֶּמְשָׁלָה
לֹא אִבְּדוּ אֲחִיזָה בַּבּוּל
וְהַדְּיוֹ הַשָּׁחֹר נוֹתַר כְּאוֹת
קַיִן.

© Mati Shemoelof
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

Mein toter Vater

alemão

Die Briefmarken sammelten die letzten Tage
meines Vaters in Ländern die
er nie bereiste,
er legte sie in die Wasserschale seiner Seele
und löste sie vom Umschlag der Vernachlässigung
in den Arbeitervierteln der Stadt Haifa,
die Krakenarme staatlicher Behörden
aber gaben die Marke nicht frei
und als Kainsmal blieb die schwarze
Tinte.

Aus dem Hebräischen von Mirko Bonné
VERSschmuggel Israel Hebräisch-Deutsch
Literaturwerkstatt Berlin April 2012

Dubh

irlandês | Nuala Ní Dhomhnaill

Is lá dubh é seo.
Tá an spéir dubh.
Tá an fharraige dubh.
Tá na gairdíní dubh.

Tá na crainn dubh.
Tá na cnoic dubh.
Tá na busanna dubh.
Tá na carranna a thugann na páistí ar scoil ar maidin dubh.

Tá na siopaí dubh.
Tá na bhfuinneoga dubh.
Tá na sráideanna dubh (is ní le daoine é).
Tá na nuachtáin a dhíolann an cailín dubh go bhfuil an folt láidir dubh uirthi
dubh dubh dubh.

Tá an damh dubh.
Tá an gadhar dubh.
Tá capall úd Uíbh Ráthaigh dubh.
Tá gach corréan a scinneann amach as an ealta dubh.
An chaora dhubh a sheasann amach de ghnáth i lár an tréada,
ní heisceacht í níos mó mar tá na caoirigh ar fad dubh.

Tá na prátaí dubh.
Tá na turnapaí dubh.
tá gach bileog cabáiste a chuirfeá síos i dtóin corcáin dubh.

Tá an sáspan dubh.
Tá an ciotal dubh.
Tá gach tóin corcáin as seo go Poll Tí Liabáin dubh.

Tá na Caitlicigh dubh.
Tá na Protastúnaigh dubh.
Tá na Seirbigh is na Cróátaigh dubh.
Tá gach uile chine a shiúlann ar dhromchla na cruinne
an mhaidin dhubh seo samhraidh, dubh.

Tá na polaiticeoirí ar sciobaidh
is iad ag baint na gcos is na n-eireaball dá chéile
ag iarraidh a chur ina luí orainn
nach fada go mbeidh gach dubh ina gheal.

Is an té a leomhadh a mhisneach dó
nó a chreidfeadh an méid a deireann siad
níor mhiste dó b´fhéidir an cheist a chur
ab ann ab amhlaidh a chiallaíonn sé seo anois
nach mbeidh ins gach dubhthréimhse ach seal?

Ach ní dhéanfadsa.
Mar táimse dubh.
Tá mo chroí dubh
is m’intinn dubh.
Tá m’amharc ar feadh raon mo radhairce dubh.
Tá an dubh istigh is amuigh agam díbh.

Mar gach píosa guail nó sméar nó airne,
gach deamhan nó diabhal nó daradaol,
gach cleite fiaigh mhara nó íochtar bhonn bróige,
gach uaimh nó cabha nó poll tóine
gach duibheagán doimhin a shlogann ár ndóchas,
táim dubh, dubh, dubh.

Mar tá Shrebrenice, cathair an airgid,
‚Argentaria’ na Laidne,
bán.

© Nuala Ni Dhmonaill
from: Cead Aighnis
Dublin: An Sagart Má Nuat, 1998

Schwarz

alemão

Es ist ein schwarzer Tag.
Der Himmel schwarz.
Das Meer schwarz.
Die Gärten schwarz.

Die Bäume schwarz.
Die Berge schwarz.
Die Busse schwarz.
Die Autos die die Kinder morgens zur Schule bringen sind schwarz.

Die Läden schwarz.
Die Fenster schwarz.
Die Straßen schwarz (und nicht von Leuten).
Die Zeitungen die das schwarze Mädchen mit dem dicken schwarzen Haar verkauft
schwarz schwarz schwarz.

Der Ochse schwarz.
Der Köter schwarz.
Das Ururpferd von Uíbh Ráthach ist schwarz.
Jeder einzelne Vogel der aus dem Schwarm schießt schwarz.
Das schwarze Schaf das sonst aus der Herde heraussticht
ist keine Ausnahme mehr denn alle Schafe sind schwarz.

Die Kartoffeln schwarz.
Die Rüben schwarz.
Jedes Kohlblatt auf dem Topfboden schwarz.

Die Pfanne schwarz.
Der Kessel schwarz.
Jeder Topfboden zwischen hier und dem Keller der Unterwelt schwarz.

Die Katholiken schwarz.
Die Protestanten schwarz.
Die Serben und die Kroaten schwarz.
Jedes Geschlecht das auf der Erdoberfläche wandelt
an diesem schwarzen Sommermorgen ist schwarz.

Die Politiker sind eifrig am Geifern
beißen einander in Beine und Schwänze
und wollen uns glauben machen
alles Schwarze bald ist es hell.

Wer noch zu hoffen wagt
oder glaubt was sie erzählen
der sollte sich vielleicht fragen
ob all das auch bedeutet
am Ende des Tunnels ist Licht.

Ich sehe es anders.
Denn ich bin schwarz.
Mein Fühlen schwarz.
Mein Denken schwarz.
So weit das Auge reicht schwarz.
Ich wünsche uns alles Schwarze an den Hals.

Weil jedes Stück Kohle jede Beere von Brombeer oder Schlehe
jeder Dämon oder Teufel oder Teufels Kutschpferd
jede Rabenfeder oder Unterseite einer Schuhsohle
jede Höhle jede Grube jeder Arsch
weil jedes schwarze Loch die Hoffnung schluckt
bin ich schwarz schwarz schwarz.

Denn Srbrenica Stadt des Silbers
„Argentaria“ in Latein ist


weiß

Nachdichtung aus dem Irischen von Mirko Bonné, Juni 2004

Cuimhne an Uisce

irlandês | Nuala Ní Dhomhnaill

Uaireanta nuair a bhíonn a hiníon
sa seomra folctha
ag glanadh a fiacla le slaod tiubh
is le sód bácála,
tuigtear di go líonann an seomra suas
le huisce.

Tosnaíonn sé ag a cosa is a rúitíní
is bíonn sé ag slibearáil suas is suas arís
thar a másaí is a cromáin is a básta.
Ní fada
go mbíonn sé suas go dtí na hioscadaí uirthi.
Cromann sí síos ann go minic ag piocadh suas
rudaí mar thuáillí láimhe no ceirteacha
atá ar maos ann.
Tá cuma na feamnaí orthu -
na scothóga fada ceilpe úd a dtugaidís
‚gruaig mhaighdean mhara' nó ‚eireabaill mhadraí rua' orthu.
Ansan go hobann téann an t-uisce i ndísc
is ní fada
go mbíonn an seomra iomlán tirim arís.

Tá strus uafásach
ag roinnt leis na mothúcháin seo go léir.
Tar éis an tsaoil, níl rud ar bith aici
chun comparáid a dhéanamh leis.
Is níl na focail chearta ar eolas aici ar chor a bith.
Ag a seisiún siceotheireapach seachtainiúil
bíonn a dóthain dua aici
ag iarraidh an scéal aisteach seo a mhíniú
is é a chur in iúl i gceart
don mheabhairdhochtúir.

Níl aon téarmaíocht aici,
ná téarmaí tagartha
ná focal ar bith a thabharfadh an tuairim is lú
do cad é 'uisce'.
'Lacht trédhearcach,' a deir sí, ag déanamh a cruinndíchill.
'Sea' a deirann an teireapaí, 'coinnibh ort!'
Bíonn sé á moladh is á gríosadh chun gnímh teangan.
Deineann sí iarracht eile.
'Slaod tanaí', a thugann sí air,
í ag tóraíocht go cúramach i measc na bhfocal.
'Brat gléineach, ábhar silteach, rud fliuch.'

© Nuala Ni Dhmonaill
from: Féar Suaithinseach
Dublin: An Sagart Má Nuat , 1984

Wassererinnerung

alemão

Manchmal, wenn ihre Tochter
im Badezimmer ist
und sich die Zähne putzt mit Büschel, Stock
und Backpulver,
scheint ihr, das Zimmer füllt sich
mit Wasser.

Es steigt die Knöchel und die Beine hoch,
es gleitet aufwärts, weiter aufwärts
über Hintern, Hüften und die Taille.
Nicht lange
und es reicht bis zu den Armbeugen.
Sie langt hinein, etwas herauszufischen,
ein Handtuch etwa, oder Waschlappen,
die dort versunken sind.
Seltsamer Tang darauf -
in langen Fransen Kelp,
der früher "Meerjungfrauenhaar" und "Fuchsschwanz" für sie hieß.
Dann plötzlich fällt der Wasserspiegel
und nicht lange
und das Zimmer ist vollkommen trocken.

Ein fürchterlicher Stress,
den diese Flut Gefühle mit sich bringt.
Bei aller Welt hat sie doch nichts,
was dem vergleichbar wäre.
Und kennt dafür nicht einmal einen Ausdruck.
Bei ihrer wöchentlichen Therapie
müht sie sich ab,
die Wassergeschichte zu erklären
und sie dem Nervendoktor
begreiflich zu machen.

Ihr fehlt die Terminologie,
ihr fehlen die Vergleiche,
sie weiß kein Wort, das ihr vermittelte,
was Wasser ist.
Sie gibt ihr bestes und sagt: "Durchsichtige Milch."
"Ja", meint der Therapeut, "so weiter!"
Er lobt sie, spornt sie an, die Sprache zu gebrauchen.
Ein weiterer Versuch.
"Dünnflüssig Masse", sagt sie
und ringt um einen rechten Ausdruck.
"Klare Brühe, Fließzeug, etwas Feuchtes."

Nachdichtung aus dem Irischen von Mirko Bonné, Juni 2004

An Obair

irlandês | Nuala Ní Dhomhnaill

An móta is bábhún Normannach a chonac isteach thar chuirtín crann
is mé ag tiomáint thar bráid go tapaidh ar an mbóthar,
áit éigin faoin dtuath in aice le Cill Mhaighneann
i gCo. na Mí, a thugann an ainm don áit. Sin í An Obair.

É sin is an cara mná is ansa liom ar domhan ag fáil bháis go mall
in Ospidéal an Adelaide: an grianghraf thíos im’ phóca dúinn beirt inár mná óga
a tógadh lá Márta, an chéad lá earraigh i nGairdín na mBláth in Ankara
na Tuirce: sinn ag gáirí is gan tuairim againn ar cad a bhí romhainn:

aghaidh na mná Moslamaí ón Ailgéir a chonac le déanaí sa nuachtán
nuair a hinsíodh dí go rabhthas tar éis an scornach a ghearradh
ar ochtar leanbh óg dá clann: an file iomráiteach Seirbeach
a bhí ina cheannaire ar mhórchampa géibhinn; an stairí litríochta
a chaith a chuid ama saor lena chairde ag imirt caide le plaosc dhaonna:

m’fhear céile a chaith sé lá i gcóma is mé ag féachaint amach fuinneoga
an tseomra feithimh ar an solas ag dorchú amuigh ar an mbá
idir Dún Laoghaire is Beann Éadair, is ar theacht is imeacht na taoide:
trácht trom ar an mbóthar mar a raibh an saol Fódlach ag rith sall
is anall, ag plódú ar nós na nduilleog a bhí ag péacadh ar gach aon chrann:

– é seo go léir a thabhairt faoi ndeara is áit a dhéanamh dó id’ chroí gan pléascadh
é seo uile is an móta Normannach a chonac is mé ag gabháil na slí,
áit éigin faoin dtuath in aice le Cill Mhaighneann i gCo. na Mí –
An Obair. Sin í an obair. Sin í an obair nach éasca.

© Nuala Ni Dhmonaill
from: Féar Suaithinseach
Dublin: An Sagart Má Nuat , 1984

An Obair

alemão

Das Normannische Bollwerk, das ich sah durch einen Baumvorhang
während ich auf der Straße vorbeieilte
irgendwo auf dem Land bei Cill Mhaighneann
in der Grafschaft Mí, gibt dem Ort den Namen: An Obair, Die Arbeit.

Dies, und meine liebste Freundin auf der Welt, die langsam stirbt
im Adelaide-Krankenhaus; das Foto in meiner Tasche von uns zwei jungen Dingern,
aufgenommen an einem Märztag, dem ersten Frühlingstag im Botanischen Garten
von Ankara:  Wir lächeln und haben doch von der Zukunft keinen Schimmer;

das Gesicht der Muslimin aus Algerien, das ich letztens in der Zeitung sah,
kurz nachdem man ihr mitteilte, ihren acht kleinen Kindern
sei die Kehle durchtrennt worden; der bekannte serbische Dichter,
der Leiter eines Konzentrationslagers war; der Literaturhistoriker,
der in der Freizeit unter Freunden mit einem Menschenschädel Fußball spielte;

mein Mann, der sechs Tage lang im Koma lag, während ich vor dem Fenster
des Wartezimmers zusah, wie es draußen in der Bucht allmählich dunkel wurde
zwischen Dún Laoghaire und Beann Éadair, und wie die Gezeiten kamen und gingen;
dichter Verkehr in den Straßen, als wäre die ganze irische Welt unterwegs
von hier nach da in Scharen erschienen wie Knospen an einem Baum;

das alles mitanzusehen und im Herzen zu halten, ohne zu zerspringen,
das alles und das Normannische Bollwerk, an dem wir vorübergingen
irgendwo auf dem Land bei Cill Mhaighneann in der Grafschaft Mí –
An Obair.  Die Arbeit.  Und keine leichte ist sie.

Nachdichtung aus dem Irischen von Mirko Bonné, Juni 2004

An Chaor Aduaidh

irlandês | Nuala Ní Dhomhnaill

An chaor aduaidh:-
olagón bog binn na cruinne
ag casadh ar a fearsaid;
sioscadh na gaoithe grianda
os cionn folús na duibheagáin;
dán mascalach an domhain, a phaidir gheal,
ag soilsiú an mhaighnéadasféir.

Titeann bréithre na teangan domhanda seo
chun talaimh ceann ar cheann,
ina néalta bána is uaithne,
ar nós cuirtíní.

© Nuala Ni Dhmonaill
from: Cead Aighnis
Dublin: An Sagart Má Nuat , 1998

Das Nordlicht

alemão

Das Nordlicht: -
Wehgesumm des Erdballs,
da er sich dreht und dreht;
die Sonnenwinde knistern
über der Leere des Raums;
kraftvolles Weltenlied, Gebet der Helle,
erleuchtest die Magnetosphäre.

Wörter in dieser irdischen Sprache
fallen hernieder nach und nach
in weißen, in grünen Wolken
Vorhängen gleich.

Nachdichtung aus dem Irischen von Mirko Bonné, Juni 2004

Na Murúcha a Thriomaigh

irlandês | Nuala Ní Dhomhnaill

Ar an gcarraig lom seo ar a gcuireann siad isteach
an t-am de ló is an ngainní á dtriomú acu
tagann galair cnis mar oighear is gríosach orthu
is codladh grifín ón mbríos gaoithe is fiú ón leoithne,
rud nár thaithíodar as a n-óige is nár chleachtadar riamh
ar na bánta íochtaracha, iad ag iomrascáil is ag déanamh
gleacaíochta leis na leanaí ríoga. Dar leo tá goin na ré
gach pioc chomh holc leis an ngréin á mbualadh;
gorm a bhíonn siad i ndiaidh goin na gealaí
is buí i ndiaidh an ghrian á leagadh.

Nuair a thagann an rua orthu is go méadaíonn an braon
ins na harasaipil níl luibh ná leigheas a thabharfaidh
aon chabhair mura bpiocfá cúpla rúta de mheacan
an táthabha. Caitear é seo a bhaint i gcónaí
i dtaobh thall den abhainn is é a ullmhú
de dhroim uisce, chun ná geobhaidh an phiast bhaineann
a bholadh is ná neadóidh níos doimhne istigh
idir coirt is craiceann, idir feoil is leathar.
Deintear céirín ansan dó a thairrigíonn an nimh.

Caitheann na mná muincí troma thart faoina muineál
is na fearaibh ceirteacha dearga
nó rud ar bith a chlúdódh rian na sceolbhach.
Deireann an dochtúir liom go bhfuil an sine siain
ar lár ina lán acu. Caitear an ribe tuathail
i mbarr a gceann a stoitheadh nó é a chuimilt go maith
le céir sara gcnagfaidh sí seo thar n-ais iontu.
‚An gcualaís an cnag?', a fhiafraíonn sé dóibh
nuair a tharlaíonn an leigheas. Tá dearmhad glan déanta acu
faoin am seo ar shuathadh mearathail na gcaisí doimhne
is ar chlaisceadal na míol mór sa duibheagán.
Uair má seach airíonn siad fós é ag sioscadh
ar an ngaoith is tugann siad Port na bPúcaí air.
Cuireann siad fíor na croise idir iad agus é.

Sánn siad an fonn an ghabhann leis i gcúl an choicís
nó i bhfolach i bpoll sa chlaí i dteannta
lomadh na gruaige is bearradh na hingne,
an ionga úd a fuaireadar ón lia súl
is na spéaclaí nár chuireadar ariamh orthu.
Tá sé ag lobhadh ansan i gcónaí i dteannta
ceirteacha na gcneathacha, a fhuil mhíosúil
is náireach leo, a meabhraíonn dóibh is a chuireann
in iúl an slabar is an glóthach tiubh
dár díobh iad. Ní fhreagraíonn siad d'éinne
a ghlaonn as a n-ainm is as a sloinne orthu
ó théann an ghrian ina luí. Tá sé suite meáite
is go daingean i gceann gach uile dhuine acu
gurb ionann freagairt do ghlaoch shaolta
nó do ghlaoch síoraí.

Ní shínfeadh fear ná bean acu ar shúisín
ná ar leaba go mbeadh a gcosa sínte i dtreo na tine.
Dar leo gur cóiriú an duine mhairbh é sin.
Ní maith leo cloch a thabhairt isteach
'on tigh Dé Luain. Dá dtabharfadh leanbh
leis isteach i dteach í do chuirfí iachaill air
í a chaitheamh amach arís. Tá cur ina coinne acu.
Fágann na rabhartaí earraigh a rianta fós
ar chlathacha cosanta a n-aigne; gach tonnchosc díobh
ina ghlib ag bruth farraige is ag brúscar raice -
focail a scuabtar isteach mar a bheadh carabháin charraige
ar líne bharra taoide nuair a bhuaileann an ré roithleacáin
aimsir ré an tSathairn, focail a thugann scáil
na seanré fós leo, focail ar nós
‚más reamhar, com seang, meanmain uallaigh.'

© Nuala Ni Dhmonaill
from: An Dealg Droighinn
Dublin: The Mercier Press, 1981

Die entwurzelten Meerwesen

alemão

Auf diesem kahlen Felsen, auf dem sie den Tag
zubringen, während ihre Schuppen vertrocknen,
bekommen sie Hauterkrankungen wie Wundheit und Ausschlag
und den Gliederschlaf von den Böen und noch den lauen Lüften,
Dinge, die sie in ihrer Jugend nicht kannten und nie erlebten
auf den Wiesen in der Tiefe, wo sie rangelten und
wetteiferten mit den Königskindern. Der Mond, scheint ihnen,
sticht sie ebenso böse, wie die Sonne sie schlägt;
blau sind sie nach dem Mondkühleschlag
und gelb, wenn die Hitze sie trifft.

Wenn sie den Rotlauf bekommen und sich der Eiter
in den Geschwüren vermehrt, gibt es kein Kraut und kein Mittel,
das Abhilfe schaffte, es sei denn man grübe nach Wurzeln
vom Eisenhut.  Die sammelt man immer
auf dem anderen Ufer des Flusses und bereitet sie zu
jenseits des Wassers, damit der weibliche Wurm
die Pflanze nicht riecht und sich tiefer noch einnistet,
zwischen Borke und Stamm, zwischen Leder  und Fleisch.
Dann einen Wickel daraus gemacht, der das Gift zieht.

Die Frauen tragen schwere Halsketten
und die Männer etwa rote Tücher
oder was immer die Spuren der Kiemen versteckt.
Der Arzt sagt mir, das Gaumenzäpfchen
sei bei vielen eingedrückt.  Links die  oberste Borste
muss man vom Scheitel reißen oder steifen
mit Wachs, bevor es zurückknackt.
„Haben Sie es knacken gehört?“, fragt er sie,
wenn Besserung eintritt.  Den verwirrenden Strudel
tiefer Strömungen und die Walchoräle im Abgrund
haben sie mittlerweile völlig vergessen.
Hin und wieder hören sie einen Hauch davon
im Wind und nennen es „Port na bPúcaí”.
Dagegen rasch ein Kreuz gemacht.

Sie wischen den Rest dieser Klänge beiseite
oder verbuddeln ihn in demselben Loch wie
für abgeschnittene Haarwolle und Fingernägel,
die Salbe, die ein Augenarzt ihnen einmal verschrieb,
und die Brillen, die sie nie trugen.
Dort rottet es vor sich hin so wie die
Monatsbinden, derer sie sich schämen,
so sehr erinnern sie sie an den
Modder und klebrigen Schleim,
aus dem sie gemacht sind. Sie antworten
keinem, der sie nach Sonnenuntergang
bei ihren zwei Namen ruft.  Unwiderruflich
steht für jeden von ihnen fest,
dass antworten auf einen weltlichen Ruf
antworten auf einen ewigen heißt.

Ob Mann, ob Frau, keiner läge auf einer Decke
oder dem Bett mit den Füßen in Richtung Feuer.
Ihrer Ansicht nach liegen so bloß die Toten.
Sie mögen es nicht, bringt einer montags
einen Stein ins Haus.  Brächte ein Kind einen
ins Haus mit, sie würden es zwingen,
ihn vor die Türe zu werfen.  Das lehnen sie ab.

Frühjahrsüberschwemmungen hinterlassen Spuren
an den Deichen ihrer Gemüter; jeder Wellenbrecher
stirnfransig in der Brandung voller Treibgut und Strandgut;
entlang der Hochwassermarke waschen Seeigeln gleich
Worte herein, wenn das Schwindelgefühl
des Sonnabendmondes sich einstellt, Worte, die
den Schatten alter Zeiten mit sich führen, Worte wie
„breite Hüften, Wespentaille, flatterhaft“.

Nachdichtung aus dem Irischen von Mirko Bonné, Juni 2004