星期六晚上 / Xingqiliu wanshang

匆匆进饭馆,要了碗面条。
两分钟吃完,显得很忙,对地板上
蹲着的黑猫也没有在意,它一直
巴结地叫着。小店里就两个人,
我和店家。他歪站在柜台边
冲着灭蝇器直笑,半冷淡地
应付我的不耐烦,好像赞同
这个晚上的枯燥。他认真地找零时,
我感到有事情可做的确重要。

所以到了街上,买份晚报,
(没新闻)车一停下,就上去了。
公共汽车的冷气开得过分,
我猛地一抖,赶紧把背靠在椅子上。
车里布满塑料、木渣和油漆的
怪味。车上没几个人,下雨,
谁还要出门呢?如果不是回家,
不是一个不可靠的念头驱使,
谁愿意花四张车票,垂着脑袋,
几乎睡着了穿过南京路呢?

一小时,一觉醒来,我赶紧
下车。“有点儿糟糕!”身后
一个人说。他专心于擦眼镜
坐过了站。我回头瞄了一眼,
公交车摇摇晃晃,驶入那雨丝
夜色和霓虹灯混合的昏暗中。
我知道,银行门口的小伙子
就是我要见的人。他短颈,
矮个,自称是个强盗,当然,
他已尽量地挖掘他的相貌。

我们在走进快餐店之前
就把几句话讲完了。要了冷饮
靠窗坐下,我们谈起相关的
几个当事人。他们的痛苦
在几个大学之间奔走。而且,
他们也习惯于轻松地嘲笑,
嘲笑自己的器官,迫不得已,
和各种计划的无聊。过一会儿,
他又斜眼看看窗街,困难地
与他脑中的那些街市比较。

他顺便提起他母亲的葬礼,
很多亲戚,很多鞭炮,很多
不认识的小孩,但很少时侯
亲人们围着遗像交换悲哀。
他认为她的死结束了一场争吵。
我终于没有弄清是谁和谁,
决定把药物放进面包,她吃了
一个月,然后她最后地微笑。
我们恰当地沉默了一小会儿
看看已经把时间拖得够长,
就站起来告别:“下次吧!”

  一到街上,他就消失了。
时间还不晚,回家前不妨
逛逛街。又是那个不可靠的
坏念头,拽紧我。心儿直跳。
抽了只烟。甚至去电影院看了
节目表,片子好像都看过。一部
讲鸦片,一部离婚,另一部
讲我们中的一个战胜了感情。
我十岁得到的答案现在依然在
调侃我的疑问:我属于我们。

因此,日子美好的标志就是
散步、洗澡、使用人称的
单数时慢吞吞地胡说八道。什么
意思呢?几条街,几个乐队,
演奏国歌和军乐。商店敞开的
大门里涌出一股冷气。商店里
两个姑娘在挑选胸衣。此刻,
我想回家了。否则在高架桥下,
跟着气功师,就得学习用脚
抓背、打拳。反而用手走路。

职员们打着哈欠,提着电脑,
钻进出租车;高低楼房的灯光
开始熄灭。从弄堂里的酒吧
传来爵士乐的喝彩声。毕竟,
在这样的睡觉的时刻这么吵闹,
似乎一周的生活终于到了高潮。
其实很快,车到站了。现在,
夜深但夜色灰白,不是漆黑。
回到学校,我甚至看见路边
树林里,两个孩子走着拥抱。


(1997.6)

© Xiao Kaiyu
Extraído de: Xuexi zhi tian (Das süsse Lernen)
Beijing: Gongren, 2000
Produção de áudio: 2001 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Samstagabend

Schnell in ein Restaurant, eine Schale Nudeln bestellt.
In zwei Minuten gegessen, sehr beschäftigt wirkend, nicht mal
die schwarze Katze beachtet, die am Boden hockt und dauernd
schmeichlerisch miaut. Im Lokal sind nur zwei Leute,
der Wirt und ich. Schief an die Theke gelehnt
lächelt er unentwegt den Fliegentöter an, entledigt sich
mehr oder weniger teilnahmslos meiner Ungeduld, offenbar der Eintönigkeit
dieses Abends beipflichtend. Während er sorgfältig das Wechselgeld herausgibt,
spüre ich, wie wichtig es ist, etwas zu tun zu haben.

Also hinaus auf die Strasse, eine Abendzeitung gekauft,
(keine Neuigkeiten) und in den nächsten Bus hinein.
Die Klimaanlagen in den öffentlichen Bussen sind zu stark eingestellt,
ich schaudere, presse mich rasch in einen Sitz.
Der Bus ist von seltsamen Gerüchen nach Plastik,
Sägemehl und Farbe erfüllt. Im Bus sind kaum Leute, es regnet,
wer wird da noch einen Fuss vor die Tür setzen? Es sei denn, man fährt nach Hause,
oder wird von einem zweifelhaften Gedanken getrieben,
wer sonst wäre bereit, vier Fahrkarten zu vergeuden, nur um mit hängendem Kopf
im Halbschlaf durch die Nanjing-lu zu fahren?

Nach einer Weile, aus dem Dämmer erwacht, steige ich
hastig aus. „Zu dumm!“ sagt jemand
hinter mir. Ins Putzen seiner Brillengläser vertieft
hat er die Haltestelle verpasst. Ich werfe einen Blick zurück,
schwankend fährt der Bus ins verschwimmende Dunkel
aus Regenfäden, Nacht und Neonlichtern hinein.
Nun weiss ich, der junge Kerl am Eingang der Bank
ist der Mann, den ich sehen will. Er ist kurzhalsig,
klein, und nennt sich selbst einen Räuber, kein Wunder,
er hat schon alles aus seinem Aussehen herausgeholt.

Noch vor dem Betreten des Schnell-Restaurants
haben wir ein paar Sätze zu Ende gesagt. Wir holen uns kalte Getränke,
setzen uns ans Fenster und beginnen über ein paar
uns bekannte Beteiligte zu reden. Ihr Leid
eilt zwischen ein paar Universitäten hin und her. Ausserdem
haben sie sich auch ans Spötteln gewöhnt,
spötteln über ihre eigenen Organe, sie können nicht anders,
und über die Langeweile von allerlei Plänen. Wenig später
äugt er wieder auf die Schaufensterstrasse, mühsam
mit den Geschäftsstrassen in seinem Kopf Vergleiche anstellend.

Nebenbei erwähnt er das Begräbnis seiner Mutter,
lauter Verwandte, lauter Knallfrösche, lauter
unbekannte kleine Kinder, aber nur ganz kurz standen
die Angehörigen um das Porträt der Verstorbenen und bekundeten ihre Trauer.
Er meint, ihr Tod habe einen Streit beendet.
Mir wird nicht klar, wer mit wem
beschloss die Arznei ins Brot zu tun, sie ass davon
einen Monat, dann lächelte sie ein letztes Mal.
Als wir für einen Moment in angemessenes Schweigen verfallen,   
merken wir, dass wir die Zeit schon ziemlich in die Länge gezogen haben,
stehen auf und verabschieden uns: „Bis zum nächsten Mal!“

     Kaum auf der Strasse, ist er verschwunden.
Es ist noch früh, vor dem Heimweg kann es nicht schaden,
noch ein bisschen durch die Strassen zu bummeln. Wieder packt mich  
dieser unselige zweifelhafte Gedanke. Das Herz hämmert.
Eine Zigarette geraucht. Sogar zum Kino gegangen und
das Programm angeschaut, offenbar alles schon gesehen. Ein Film
über Opium, einer über Scheidung, ein dritter
über einen von uns, der seine Gefühle besiegte.
Die Lösung, die ich mit zehn Jahren bekam,
erörtert immer noch meine Frage: Ich gehöre zu uns.

Folglich sind die Kennzeichen glücklicher Tage
spazieren gehen, baden und in der 1. bis 3. Person
Singular bedächtig das Blaue vom Himmel herunterreden. Was
soll das bedeuten? Ein paar Strassen, ein paar Musikkappellen,
die die Nationalhymne und Militärmusik spielen. In den weit geöffneten
Eingängen der Kaufhäuser flutet ein kalter Lufthauch. Im Kaufhaus
sind zwei Mädchen dabei, sich BH‘s auszusuchen. In dem Augenblick
möchte ich nach Hause. Andernfalls müsste ich unter der Hochstrasse
bei einem Qigong-Meister lernen, mit den Füssen den Rücken zu umklammern,     
Faustkampf üben, und am Ende gar auf den Händen durch die Strassen gehen.

Gähnend, mit ihren Computern, kriechen die Angestellten
in die Taxis; in den ungleich hohen Gebäuden
gehen die ersten Lichter aus. Aus den Bars in den Gassen
dringt Beifall von Jazzmusik. Immerhin,
zu dieser Schlafenszeit ein solcher Lärm,
als wäre das Leben einer Woche endlich auf dem Höhepunkt angelangt.
Doch schon hat der Bus die Haltestelle erreicht. Jetzt
ist die Nacht tief aber aschgrau, nicht pechschwarz.
Zurück auf dem Campus, sehe ich unter den Bäumen
am Wegrand sogar zwei Kinder, die umschlungen dahingehen.
 

4. 6. 1997

Die Nanjing-lu ist die wichtigste Geschäftsstrasse Shanghais. Die dort verkehrenden klimatisierten Busse sind viermal so teuer wie die normalen einfachen Busse.

© Aus dem Chinesischen von Raffael Keller