Pankow

汽车碾着落叶停在环街另一端,
那里几幢房子待租,灰暗的花园里
新立的木牌亮着电话号码;旁边就是电车
缓缓滑向冬季深处,铁轨弯入郊区。

小伙子拴狗在旗杆上。在轻响的
漂亮的旗帜下,大使们曾经相互行礼。
接传真,发照会,为远方的祖国
而穿衣、讲话、喝酒,而匆匆退席。

连垃圾桶都倾诉着变化。连旧电脑
都无法启动旧程序。沿黑塞街去墓地
会遇见一个精神病人,唱歌拯救他的记忆。

可是在文学宫,所有声音确实来自模仿。
某个地方,某个时间,某个稍稍年轻的人
从痛苦发出呼吁,而非召唤痛苦的情绪。


(25/11/97)

© Xiao Kaiyu
Extraído de: Xuexi zhi tian (Das süsse Lernen)
Beijing: Gongren, 2000
Produção de áudio: 2001 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Pankow

Die abgefallenen Blätter plattwalzend hält ein Auto am anderen Ende des Rings.
Dort warten ein paar Häuser auf ihre Vermietung. In fahlen Gärten
prangen Telefonnummern auf neu errichteten Holzschildern; gleich daneben
gleitet die Strassenbahn langsam in die Tiefen des Winters, die Schienen biegen in die Vorstadt ein.

Ein junger Mann bindet seinen Hund an einen Fahnenmast. Unter prächtigen
leise flatternden Flaggen tauschten einst Botschafter Begrüssungen aus.
Sie empfingen Bildtelegramme, erliessen Noten, für ihre fernen Heimatländer
kleideten sie sich ein, hielten Reden, tranken Wein und empfahlen sich eilig.

Selbst aus den Mülltonnen quillt die Veränderung. Selbst die alten Computer
sind nicht in der Lage, das alte Programm wieder in Gang zu setzen. Auf dem Weg durch die Hesse-Strasse zum Friedhof
kann man einem Verrückten begegnen, Gesang erlöst seine Erinnerung.

Aber im Literaturhaus entspringt jeder Laut in Wirklichkeit der Imitation.
An irgendeinem Ort, zu irgendeiner Zeit, erhob irgendein Mensch, um etwas jünger
aus dem Leiden seine Stimme, und rief nicht eine Stimmung des Leidens herbei.


25. 11. 1997

Aus dem Chinesischen von Raffael Keller



© Raffael Keller