Growing Pains

In the four years of being openly trans
I have formed a whole new language on grief
And how to let dying things go
Or how living things die suddenly
And the first to go was my name
It went quietly
It did not put up a fight
The people around me did not let themselves mourn it
They were in denial
So they kept it, sometimes
Letting a name that is not mine sit in their mouths
And frowned when I was filled with acceptance
As if to say “why can't you hold this dead
Name for us, so we may live”
The second to go was the title
A silly little thing it was
For it, I was apologetic
Said a thousand ‘I’m sorry’s”
For every time the word “he”
Revived me
That it was not everyday that
Titles just find homes in bodies like mine
And so they would have to teach their teeth
How to chew on this
Like it was bark and I was not worthy of
Any roots that were of manhood
And I am realizing there is no vocabulary
Wide enough to hold me
So let me reintroduce myself
My name is Lee
I am a transboy
And I am still afraid
To be the grim reaper’s favorite guest to inhabit
To perpetually wait to die at the hand of a country,
A person or myself
That I have avoided eye contact with my country
For quite some time now
Because I know what kind of kindle
My bones would make
How flammable this body is
In the hands of men
Like my uncle
Who use the word “she” like an inside joke
Who ask you to pass the folk
In between suggesting that you
Find a man or a boy who will
Teach you how to be woman
And how everyone laughs and draws a crowd
Them pointing just to say
Look how this abomination has given itself a voice
But sometimes I forget
That I am an orphan in a foreign land
I forget to get sea sick on my ocean of tears
And instead dive into my transness
Like it is a glass of water in the middle of the desert
I am stronger
With every hair strand that finds its way
On to my face
And how i am thankful for it's arrival
No matter how long it took for it to claim me as its own
And every week
A wednesday of a night
I dread the coming of a needle to my thigh
Or ass
And how sometimes growing can be painful
And that this puberty is the one I needed
Sometimes I forget that I am even trans
Because sometimes
Becoming a man is uneventful.
It just an act of endurance.
Of how much pain you can take
There is no act of initiation.
Just choice.
Just today I cannot give in to this body.
I will shape it.
Make it what I most fear on any other day.
To become a man is to hate every single moment of change.
Of effort.
Of why did it take this long to come to this conclusion.
It wasted breathe on proving I’m worthy of a masculine pronoun.
That I am he.
Him.
Who learnt how to be boy from street soccer.
To not score a goal is to be loser.
Is to have your boyhood in question.
So I became MVP.
Most valuable player.
Chase the ball or balls as hard as I can.
Disregard the the pace of the game.
Pay attention to my speed. How fast I can keep up with the other players.
Becoming a man is keeping up with cis men.
And choosing to lie about it
And saying my identity is unique
That it pushes the boundaries
That it is not box.
But me also, I want the same box.
The same body. Walk. Speech. Mind.
To be man, no prefix.
And in unlearning this I have found
Myself
Not being to scared to speak
To not look at my life with sadness
But with hope
Because there are people who see me
And name my breath a triumph
Who have abandoned their prejudice To make room for my kind of beautiful
And I owe it to myself to take up space
To make noise
To shatter boundaries
I owe it to my home
To make it better
This does not make me activist
It makes me human
To want my rights without clauses or fineprint
I am refusing to die quietly.
I am a transgender south african. And I
exist.

© Lee Mokobe
Produção de áudio: Haus für Poesie, 2019

Aufwachsen in Schmerzen

In den vier Jahren, die ich offen trans bin
Hab ich einen völlig neuen Wortschatz für das Leid entwickelt
Und wie man Sterbendem entsagen kann
Oder wie Lebendiges im Handumdrehen vergeht
Zuallererst verging mein Name
Ging leise
Hat sich nicht gewehrt
Die Leute um mich rum verboten sich darum zu trauern
Sie belogen sich gern selbst
Und hielten deshalb an ihm fest, hatten
Zuweilen einen Namen, der nicht meiner war, auf ihren Lippen
Und runzelten, wenn sie sich einließen auf mich, die Augenbrauen
Wie um zu sagen: „Warum kannst du diesen toten Namen nicht
Um unser Willen tragen und wir können leben“
Das Nächste, das verging, war das Pronomen
Ein dummes kleines Ding war das
Seinetwegen hatte ich Gewissensbisse
Sprach jedes Mal
Wenn mich das Wörtchen „er“ elektrisierte
Ein tausendfaches „Tut mir leid“
So ein Pronomen wird nicht automatisch heimisch
In einem Körper wie dem meinen
Und so würden sie ihren Zähnen beibringen müssen
Wie man es zurechtkaut
Als sei es Rinde und ich keine jener Männlichkeit
Hervorbringenden Wurzeln wert.
Und mir wird klar, es gibt keine Sprache
Groß genug, um mich zu fassen
Also lasst mich euch noch einmal vorstellen
Ich heiße Lee
Ich bin ein Transboy
Und ich hab noch immer Angst
Das Lieblingsopferlamm des Sensenmanns zu sein
Ständig in Erwartung, durch die Hand einer Regierung, eines Menschen
Oder meiner selbst zu sterben
So dass ich nun schon länger Blickkontakt
Mit meinem Land vermeide
Weil mir bewusst ist, was für Flammen
Meine Glieder schlagen würden
Wie leicht entzündlich mein Leib wär
In den Händen von Gestalten
Vom Schlage meines Onkels
Die das „sie“ wie einen Witz für Insider verwenden
Die dir anempfehlen, geh unter
Leute und finde irgendwen
Ob Jüngling oder Mann
Der dir beibringt, eine Frau zu sein
Und wie alle grölen und Leute um sich scharen
Und mahnend auf dich zeigen
Schaut, die Ausgeburt will wirklich eine Stimme haben
Doch gelegentlich vergesse ich
Dass ich eine Waise bin in einem fremden Land
Ich vergesse, dass ich seekrank bin auf meinem Ozean aus Tränen
Und tauche dafür in meine Transness ein
Als wäre sie das Glas voll Wasser mitten in der Wüste
Ich werde stärker
Mit jeder neuen Strähne, die sich ihren Weg
In mein Gesicht bahnt
Und wie ich dankbar bin für ihr Erscheinen
Ganz gleich, wie lange es gedauert hat, mich als ihr eigen anzunehmen
Und jede Woche
Am Mittwoch einer Nacht
Graut mir vor der Nadel, die in meinen Oberschenkel jagt
Oder in den Arsch
Und wie schmerzvoll das Heranwachsen mitunter sein kann
Und dass diese Pubertät die war, die ich brauchte
Oft vergesse ich gar trans zu sein
Denn oft ist es ereignislos
Ein Mann zu werden
Ist nur eine Frage von Geduld
Und von wie viel Schmerzen du ertragen kannst
Es gibt keine ausdrückliche Initiation
Nur die Wahl
Gerade heute kann ich diesem Körper nicht nachgeben
Ich werde ihn gestalten
Mach ihn zu dem, was mir an allen anderen Tagen am meisten Panik macht
Ein Mann zu werden heißt noch die leiseste Veränderung zu hassen
Oder Anstrengung
Oder warum es so irre lang gedauert hat bis zu dem Entschluss
Was es an Atem kostete um zu beweisen, dass ich des männlichen Pronomens würdig bin
Dass ich er bin
Er und jener
Der beim Kicken auf der Straße lernte, wie man Junge ist
Kein Tor schießen heißt Verlierer sein
Heißt sein Jungssein anfechtbar zu machen
So wurde ich ein MVP
Wertvollster Spieler auf dem Platz
Jag mit vollster Kraft den Ball oder die Bälle
Lass mir das Spieltempo egal sein
Es gilt nur meine eigene Dynamik. Wie mir gelingt mit allen anderen mitzuhalten
Mann werden heißt mit Cismännern mithalten
Und was das angeht bedenkenlos zu lügen
Und zu sagen: meine Art zu sein ist ganz für sich allein
Sie verschiebt den Grenzbereich
Sie ist nicht Hülle
Sondern ich, dieselbe Fülle
Selber Körper, selbe Sprache, selber Gang und Geist
Träumend, Mensch zu sein und präfixfrei
Und mich davon trennend fand ich
Mich
Nicht mehr zu schüchtern um zu sprechen
Mein Leben nicht mehr voller Trauer zu betrachten
Sondern voller Hoffnung
Weil es Leute gibt, die mich begreifen
Und meinen Weg als Sieg verbuchen
Die ihre Vorurteile aufgegeben haben, um Platz zu schaffen für Schönheit meiner Art
Und ich schulde mir, den Raum auch zu besetzen
Um für Lärm zu sorgen
Um Grenzen zu zerstören
Ich schulde das der Heimat
Damit sie besser wird
Ich bin deswegen noch längst kein Aktivist
Sondern einfach Mensch
Der seine Rechte ohne Klauseln oder Kleingedrucktes wahrnehmen will
Ich weigere mich, still zu sterben
Ich bin südafrikanischer Transgender. Und ich existiere.

Aus dem Englischen von Axel Schock und Ron Winkler