Catherine Hales 
Translator

on Lyrikline: 119 poems translated

from: allemand to: anglais, hébreu

Original

Translation

[Aus meinem Arbeitsbericht: Ich stellte keine Fragen]

allemand | Martina Weber

Aus meinem Arbeitsbericht: Ich stellte keine Fragen. Ich zeigte ihm
die Überwachungskameras, die roten Hydranten.

Wir sahen zu, wie sie einen Überfall auf eine Apotheke filmten.
Was würdest du tun, mit dem Geld?
                                                           Er setzte mir den Kopfhörer auf.

Ein Junge mit schwarzem Haar spielt Akustikgitarre oder Schlagzeug.
Ich bin wieder neunzehn. In allen Büchern, die ich las, kam ich nicht vor.
War ich Fiktion? Ich fiel aus den Armen der Venus von Milo.
Sich von den Stimmen der anderen tragen zu lassen.
Jemand sagte zu mir, du brauchst diesen Raum.

Der Schmutz der Jahrhunderte auf den Häuserfassaden.
Hinter einem düsteren Fenster stand ein Skelett, so groß wie ich
oder du. Rasterfahndung, Fraktur. Ich mochte es,
wie du meine Hand nahmst, wenn wir eine Straße überquerten.

Der beleuchtete Glockenturm in der Dämmerung, in der Nacht.
Später nur noch das Neonschild des Hotels. Das blinkende o.

© Poetenladen Verlag
from: Häuser, komplett aus Licht
Audio production: Haus für Poesie / 2019

[From my work report: I asked no questions]

anglais

From my work report: I asked no questions. I showed him
the surveillance cameras, the red hydrants.

We looked on as they filmed a robbery of a pharmacy.
What would you do, with the money?
                                                           He placed the headphones over my ears.

A boy with dark hair playing guitar or drums.
I’m nineteen again. I’m not mentioned in any book I’ve ever read.
Was I a fiction? I fell from the arms of the Venus de Milo.
Letting yourself be borne by the voices of others.
Somebody said to me you need this space.

The filth of centuries on the house facades.
Behind one dark window a skeleton was standing, as tall as me
or you. Dragnet investigation, fracture. I liked it
when you took my hand when we were crossing a road.
The illuminated bell tower at dusk, in the night.
Later just the neon sign of the hotel. The blinking o.

translated by Catherine Hales

[Dieser Ort ist nur Kulisse, Illusion]

allemand | Martina Weber

Dieser Ort ist nur Kulisse, Illusion. Ein Ticket
für ein Erinnerungsspiel. Die Geschichte wirft            
die ausgetrunkenen Gläser weit
hinter ihren Rücken.
My stonewashed brainwashed memory.
Und deine Lippenbewegung, plötzlich
wie hinter Panzerglas. Der Bildschirm
zerspringt in zwei Teile. Ich bin
kein Groupie (Verschiebung einer Struktur).
Eine unbeschriftete Wiese, blue moon.  
Und das Gewicht dieses Farbwerts beachten.
Die abgestreifte, noch schimmernde Haut
einer Schlange am Wegrand. Häuser,
komplett aus Licht.

© Poetenladen Verlag
from: Häuser, komplett aus Licht
Audio production: Haus für Poesie / 2019

[This place is just a stage set, illusion]

anglais

This place is just a stage set, illusion. A ticket
for a game of memory. The story throws
the emptied glasses far
behind its back.
My stonewashed brainwashed memory.
And the movement of your lips, suddenly
as though behind bulletproof glass. The screen
bursts in two. I am
not a groupie (shifting of a structure).
An unwritten meadow, blue moon.
And watch the weight of this colour value.
The sloughed skin of a snake, still
shimmering beside the path. Houses
completely made of light.

translated by Catherine Hales

[Stenographie, Seismograph]

allemand | Martina Weber

Stenographie, Seismograph, dieses Land schwimmt davon.

Ein ausgeleuchtetes Meer, nur die Flaschenpost segelt vorbei.

Hier ist dein Fahrschein. Zwischen uns eine Hecke oder ein

Drahtzaun (ich kann das nicht übersetzen), geflüstertes Licht.

Schnittmuster, grau, Morsezeichen wie verwaschene Ziffern. Es

gibt eine Grenze. Ich hatte ein bisschen herumgekritzelt, auf

diesem Papier, um etwas wiederzufinden. Die Wörter nicht

unterschätzen, aber es geht nicht um Wörter. Es ist eine kaum

beweisbare Wanderbewegung. Zieh deine Schuhe an, geh

weiter als über Asphalt, setz dich ruhig auf den Plastikstuhl, der

einmal zu einem Café gehörte und den die Nachmittagssonne

jetzt direkt beleuchtet. Es gibt keine Grenze, vielleicht. Der Titel

heißt: Die Autonauten gelangen ans offene Meer und diskutieren

über die Fortsetzung ihrer Erzählung. (Die Zahlen bedeuten nichts.)

© Poetenladen Verlag
from: Häuser, komplett aus Licht
Audio production: Haus für Poesie / 2019

[Stenography, seismograph]

anglais

Stenography, seismograph, this land is floating away. An illustrated
sea, only the bottle post sailing past. Here is your ticket. Between us a hedge or a
wire fence (I can’t translate that), whispered light. Paper pattern, grey,
Morse signals like washed-out numbers. There is a boundary. I had scribbled
about a bit on this paper to rediscover something. Don’t underestimate
words, but this isn’t about words. It’s a migratory movement that can hardly be proven.
Put your shoes on, walk on as though over asphalt, just sit down on the plastic chair that
once belonged to a café and now has the light of the afternoon sun directly on it. There is
no boundary, perhaps. The title is: The autonauts reach the open sea and
discuss how their story is to continue. (The figures mean nothing.)

translated by Catherine Hales

Ich ging in Schuhen aus Glas

allemand | Martina Weber

In Zeitlupe bewegen wir uns durch aufgegebene Räume, Beton,
geschrägte Häuserfassaden, Linien der Nacht, unberührte
Gesichter, ich hatte dir einen kleinen Garten gezeigt, du sagtest,
wir könnten die Schönheit jeder existierenden Landschaft verdoppeln,
ganz einfach, so wie die Dimensionen der Sonne, großzügig
ausgeschüttetes Licht, das die Straßen wärmt, wir sind Gäste,
hier, wo das Leben unseren eigenen Bildern folgt, es ist viel,
es sind wieder gefundene Stücke, ein Film, der die Dunkelheit bricht.

© Poetenladen Verlag
from: Häuser, komplett aus Licht
Leipzig
Audio production: Haus für Poesie / 2019

I walked in shoes made of glass

anglais

We move in slow motion through abandoned rooms, concrete,
skewed house facades, lines of the night, untouched
faces, I would have shown you a small garden, you said
we could double the beauty of every landscape that exists,
quite easily, just like the dimensions of the sun, generously
poured-out light warming the streets, we are guests,
here, where life follows our own pictures, it’s a great deal,
these are rediscovered pieces, a film that breaks the darkness.

translated by Catherine Hales

[Loop me in. I am a looper]

allemand | Martina Weber

Loop me in. I am a looper. Dies hätten die ersten beiden Sätze eines

Buches sein können, das es nie geben wird. Lajlas Worte. Rot

markiert. Auf dem Flohmarkt erkennt ihr sie an ihrem Regenmantel

und dem Cowboyhut. Stiefel mit schrägem Absatz, perlenverziert,

nachts steht sie am Wasserfall und macht Klangaufnahmen. Oder

stellt sie es sich nur vor? Das Ego abladen. Kosmische Psychiatrie.

Ich betrat das selbstorganisierte Studentencafé, weil ich ihn

wiedersehen wollte. Er hatte ein Geschirrtuch über die linke

Schulter gelegt. Wir verwendeten handbetriebene  Kaffeemühlen.

Wir bekamen kein Geld dafür. Wir sprachen nicht viel. Wir sprachen

nie viel. Wir standen hinter der Theke, wir standen unter einem

Wasserfall und rollten eine Pergamentrolle aus. Geht nicht an Land,

las ich vor. Man weiß nie, wer Aufnahmen macht. 

© Poetenladen Verlag
from: Häuser, komplett aus Licht
Leipzig
Audio production: Haus für Poesie / 2019

[Loop me in. I am a looper]

anglais

Loop me in. I am a looper. That could have been the first two
sentences in a book that will never exist. Lajla’s words. Marked
in red. You’ll recognise her in the flea market by her raincoat
and her cowboy hat. Boots with crazy heels, decorated with pearls,
at night she stands by the waterfall and records the sounds it makes. Or
is she just imagining it? Unloading the ego. Cosmic psychiatry.
I walked into the autonomous student café because I wanted
to see him again. He had slung a tea towel over his left
shoulder. We used hand-operated coffee grinders.
We got no money for that. We did not speak much. We never
spoke much. We stood behind the counter, we stood beneath a
waterfall and unrolled a parchment scroll. Do not go ashore,
I read aloud. You never know who’s filming this.

translated by Catherine Hales

[beim durchblättern dieser bewerbung]

allemand | Martina Weber

beim durchblättern dieser bewerbung sind die zentralen motive
verloren gegangen. anders gesagt: farben lösten sich auf. gesichter,
die sich nur noch in wolken zeigen mit ihrem feinen, silbernen rand.

absicht und absichtslosigkeit, alles verschwimmt. ich kann diese ziffern
kaum lesen. ich hätte teilhaben wollen daran, die schuhe in händen,
ohne gewicht. septemberpläne, freiflächen, ein rhythmusgefühl. alles

wie wir. jeder kann etwas aufsagen, aber wie das abendlicht
auf autodächer fällt, ist auch nur aus wörtern gemacht. ein vorwurf
schwebte im raum, nicht wirklich berührbar. so blieben wir

unentschieden, im dunkeln. das schönste in dieser stadt
ist immer der fluss gewesen, sein unruhezustand, ein rauschen.
im abspann tauchten unsere namen schon gar nicht mehr auf.

© Poetenladen
from: erinnerungen an einen rohstoff
Leipzig: Poetenladen, 2013
Audio production: Haus für Poesie / 2019

[on leafing through this application]

anglais

on leafing through this application the central motifs
have got lost. in other words: colours dissolved, faces
that only reveal themselves in clouds with their fine, silvery edges.

intention and intentionlessness, everything blurs, i can hardly read
these figures. i would have wanted to be part of this, my shoes in my hands,
weightless. september plans, open areas, a feeling of rhythm,. everything

like us. anybody can announce anything, but the way the evening light
falls on the roofs of cars is also just made of words. an accusation
hovered in the room, not really tangible. so we stayed

undecided, in the dark. the most beautiful thing in this city
has always been the river, its unquiet state a background noise.
our names were not even mentioned in the credits.

translated by Catherine Hales

[auswertung der videobilder]

allemand | Martina Weber

auswertung der videobilder, kamera eins:
wie junge hunde, die in einem parkhaus streunen,
lebenshaltungen wittern. ein dauerprojekt. getrieben
von der idee einer kleinen geschichte in echtzeit.
eine erinnerung, die weiter trägt. etwas ändert. vielleicht.
grundriss auch deiner inneren landschaft: beton.

im zweiten stock: leichter wind spielt mit formationen von staub,
bevor er sie in die enge treibt. und wie du dich umblickst,
ist es die angst in den augen, umkreist von kamera zwei.
objektiver befund: wir sind nebenfiguren, flüchtigkeitsfehler,
geduldete nur. wo kein grund ist, hilft kein hundeblick.
kamera drei: an den außenwänden flirrt die hitze empor. 

© Poetenladen
from: erinnerungen an einen rohstoff
Leipzig: Poetenladen, 2013
Audio production: Haus für Poesie / 2019

[evaluation of the video images]

anglais

evaluation of the video images, camera one:
like young dogs on the loose in a multi-storey car park
sniffing out lifestyle attitudes. an ongoing project driven
by the idea of a small history in real time.
a memory that lingers on. changes something. perhaps.
layout plan, too, of your inner landscape: concrete.

on the second floor: a light breeze playing with formations of dust
before shoving it into a corner. and the way you look around yourself,
it’s the fear in your eyes, captured by camera two.
objective finding of the lens: we are minor characters, clerical errors,
just tolerated. where there’s no reason, no doggy-eyed look will help.
camera three: the heat shimmering up the outside walls. 

translated by Catherine Hales

[kamerafahrt in ein anderes jahrhundert]

allemand | Martina Weber

kamerafahrt in ein anderes jahrhundert, schwarzweiß. today
the documentary channel presents. um diesmal beim thema zu bleiben:
ein verstimmtes klavier, ein noch unbeschrifteter traum, nichts davon
kontrollierbar. offene und geschlossene linien, die signatur deiner augen
beim plötzlichen wechsel des lichts. kategorien, verrat, die gesetze
der schwerkraft, durch zeitrafferaufnahmen sichtbar gemacht. dabei
die zähne immer sehr weiß, fast blendend, wie alles, was aus
amerika kam. störfaktoren wie drogen und ihre nebenbedeutung
für das ewige zickzack im gleichgewicht der welt. die rote flagge?
ich weiß nicht. ich lösche das ein oder andere adjektiv über dich,
über mich. wir gingen raus und kauften ein brot. eine unkomplizierte
formel. auf nachfrage: diese musik will nichts, nur begleiten.

© Poetenladen
from: erinnerungen an einen rohstoff
Leipzig: Poetenladen, 2013
Audio production: Haus für Poesie / 2019

[tracking shot into another century]

anglais

tracking shot into another century, black-and-white. today
the documentary channel presents. to stay on topic this time:
an out-of-tune piano, a dream that’s not been inscribed, nothing of this
controllable. open and closed lines, the signature of your eyes
when the light suddenly changes. categories, betrayal, the laws
of gravity made visible by time lapse images. and in them
teeth always very white, almost blindingly, like everything that’s come
from america. disruptive factors like drugs and their connotations
for the eternal zig-zagging in the balance of the world. the red flag?
i don’t know. i delete one or the other adjective about you,
about me. we went out and bought bread. an uncomplicated
formula. upon enquiry: this music wants nothing more than to accompany.

translated by Catherine Hales

tetrapturus audax [Gestreifter Marlin]

allemand | Dana Ranga

Entfesselt die Zungen, lasst die Hunde los. Sein, Sein, sofort; es läutet, ich öffne nicht.
Ich verstecke mich unter ihrem Rock, zwischen Giftdrüsen und Zornauswüchsen,
arm bin ich geblieben, zu starr.

Große Worte sind hohl und kahl, wie Berge. Es gibt keine nährenden Schichten, Zufall, Willkür oder erst wenn; ich sehe nichts. Geschwindigkeit - ist schnell nicht anders
als seltsam und leicht?

Wenn ich mich umdrehe, wird alles rot ringsum. Sie ist schuld. Die Form wahren;
am schnellsten. Das Herz ist ein Berg, hohl und kahl; eine Fahne weht auf dem Gipfel,
mit deinem Namen. Mir gehört nichts


                                                                                   tetrapturus audax

© Suhrkamp Verlag Berlin 2011. Alle Rechte bei und vorbehalten durch Suhrkamp Verlag Berlin.
from: Wasserbuch
Berlin: Suhrkamp Verlag, 2011
Audio production: Lesungsmitschnitt bei der Veranstaltung ’Lyrikdebüts 2011‘ in der Literaturwerkstatt Berlin, 2012

tetrapturus audax [striped marlin]

anglais

Untie the tongues, let the dogs loose. Being, being, at once. The doorbell rings. I don’t open up.
I hide myself under her skirt, between poison glands and excesses of rage.
I have stayed poor, too rigid.

Big words are hollow and barren like mountains. There are no nourishing layers, chance,
caprice or even if. I see nothing. Speed – is fast not something other
than strange and light?

When I turn around everything turns red around me. It’s her fault. For form’s sake; 
as fast as possible. The heart is a mountain, hollow and barren. A flag wafts on its peak
with your name. Nothing is mine.

Translated by Catherine Hales

gorgasia preclara [Prachtröhrenaal]

allemand | Dana Ranga

Die Knochen der Toten tragen die Erde, sie sind ihre Stirn und ihr Rückgrat, Kummer
und Trostverzicht. Den Rümpfen gesunkener Schiffe wachsen Schuppen und Stacheln,
auf dass die Algen vergessen, die Höhlen, der Sand. Auf dass sich alles wiegt und alles leuchtet. Lege dich um die Erde, ersinne sie immer aufs Neue, mit Salz und rotem Ton mit Strömungen, Zweifeln, Geschrei


                                                                                   gorgasia preclara

© Suhrkamp Verlag Berlin 2011. Alle Rechte bei und vorbehalten durch Suhrkamp Verlag Berlin.
from: Wasserbuch
Berlin: Suhrkamp Verlag, 2011
Audio production: Lesungsmitschnitt bei der Veranstaltung ’Lyrikdebüts 2011‘ in der Literaturwerkstatt Berlin, 2012

gorgasia preclara [splendid garden eel]

anglais

The bones of the dead carry the earth. They are its brow and its spine, grief
and refusal of comfort. The hulks of sunken ships grow scales and spikes
lest the algae forget, the caverns, the sand. Lest everything sways and everything
gleams. Lay yourself around the earth, devising it ever anew, with salt and red clay with
currents, doubts, screaming.

Translated by Catherine Hales

synanceia verrucosa [Steinfisch]

allemand | Dana Ranga

Nichtsnutz, Holzkopf, grobes, zusammengeflicktes Ding. Dumm, fahl, marklos, blutlos, Rohling, Unglücksverkünder, der Dreck, der an dir klebt, ist besser als du. Ein Stich
ins Auge, dein Anblick. Hässlichkeit macht sich Feinde, was willst du hier? Missgeburt, Störenfried, stell dich tot.

Maß der Gewöhnlichkeit, ich bringe den Schatten zurück. Jeden Tag soll ich sterben,
und kein Versteck das mich erträgt; flüstert nicht. Ich halte den Fuß, der hinaufsetzt, ich hüte das Gegenteil. Splitter und Stacheln füttern die Angst, seht mich an, Vermeidung, was für ein Gift


                                                                                   synanceia verrucosa

© Suhrkamp Verlag Berlin 2011. Alle Rechte bei und vorbehalten durch Suhrkamp Verlag Berlin.
from: Wasserbuch
Berlin: Suhrkamp Verlag, 2011
Audio production: Lesungsmitschnitt bei der Veranstaltung ’Lyrikdebüts 2011‘ in der Literaturwerkstatt Berlin, 2012

synanceia verrucosa [stonefish]

anglais

Good-for-nothing, wooden-headed, patched-together thing. Stupid, colourless, markless, bloodless, 
blank, bringer of bad luck, the dirt sticking to you is better than you are. The very sight
of you is a stab in the eye. Ugliness makes enemies, what do you want here? Deformed freak,
disturber of the peace, just play dead will you.

Definition of dullness, I bring the shadows back. Every day I should die,
and not a hiding place that’ll put up with me; don’t whisper. I hold the foot that takes a step. I guard the contrary. Splinters and barbs fuel fear. Look at me. Avoiding me can be 
toxic.

Translated by Catherine Hales

bothus lunatus [Pfauenbutt]

allemand | Dana Ranga

Im Rauschen wohne ich, im Waldmeer. Halber Mond, halbe Sonne, das Wasser teilt
und jeder Stern ist zwei Mal. Durchgestrichen, eingekreist, wer zerfurcht das blaue

Blatt? Zwischen Meer und All: Erde, leise Stimmen. Magnetfeld, Nabelschau. Nichts wartet, alles strebt und stirbt. Im Vakuum zerspringt die Furcht, du sagst nichts. Tiefe, spitzer Gipfel; wer will ihn erobern, wer wird bei den warmen Quellen gesehen?

Wirbel und Scheitel, ich kämme das Meer und flechte Wellen in die Wolken. Du hast gerufen. Ist Liebe nicht erst recht Alarm? Zu dicht, das Glück; es scheint missraten


                                                                                   bothus lunatus

© Suhrkamp Verlag Berlin 2011. Alle Rechte bei und vorbehalten durch Suhrkamp Verlag Berlin.
from: Wasserbuch
Berlin: Suhrkamp Verlag, 2011
Audio production: Lesungsmitschnitt bei der Veranstaltung ’Lyrikdebüts 2011‘ in der Literaturwerkstatt Berlin, 2012

bothus lunatus [plate fish]

anglais

I live in noise, in the sea of trees. Half moon, half sun, the water parts
and every star is double. Crossed out, encircled, who furrows the blue

sheet? Between sea and space, soft voices. Magnetic field, navel-gazing. Nothing waits,
everything strives and dies. In the vacuum fear shatters; you say nothing. Depth, sharp peak.
Who will conquer it? Who is seen near the warm springs?

Vertebrae and skull, I comb the sea and plait waves into the clouds. You have
called out. Is love not more than anything just alarm? Too dense, happiness; it seems misshapen.

Translated by Catherine Hales

exodon paradoxus [Zweitupfen-Raubsammler]

allemand | Dana Ranga

Bekenntnispolizei, eine große Familie, auch unter uns lauter Kains und Abels, jeder ist ein Polizist, Glückspolizei, auch bei Hunger und Angst, wir greifen zu, Lauthalspolizei, wir durchsuchen die Liebe und nachts den Regen, jeder ist ein Polizist, auch der Hunger und die Angst, Armesünderpolizei, das Zittern ziert uns, ich jage dich und du jagst mich Immerwiederpolizei, du stirbst zuerst, danach sind wir die Toten


                                                                                   exodon paradoxus

© Suhrkamp Verlag Berlin 2011. Alle Rechte bei und vorbehalten durch Suhrkamp Verlag Berlin.
from: Wasserbuch
Berlin: Suhrkamp Verlag, 2011
Audio production: Lesungsmitschnitt bei der Veranstaltung ’Lyrikdebüts 2011‘ in der Literaturwerkstatt Berlin, 2012

exodon paradoxus [bucktooth tetra]

anglais

Belief police, a big family. Even all the Cains and Abels among us, everyone’s a
cop. Happiness police: we move in even where there’s hunger and fear. Loudmouth police: we
frisk love, and at night the rain. Everyone’s a cop, even hunger and fear. Miserable sinner police: trembling graces us. I hunt you and you hunt me.
Again-and-again police: you die first and then we are the dead.

Translated by Catherine Hales

geophagus altifrons [Erdfresser]

allemand | Dana Ranga

Ich verneige mich vor ihr, ich küsse sie scheu und zärtlich, das Wenigste ist mir genug.
Sand surrt durch die Zähne,

es knirscht nach Schönheit, die Erde singt und säugt mich. Ich beiße aus ihrem Jetzt und kaue ihr Gestern, das Meer allein

kennt kein Altern. (Ein großer Gedankenbauch und keine Besserung.) Ich bin aus Erde und Wasser und kenne das Nichts


geophagus altifrons

© Suhrkamp Verlag Berlin 2011. Alle Rechte bei und vorbehalten durch Suhrkamp Verlag Berlin.
from: Wasserbuch
Berlin: Suhrkamp Verlag, 2011
Audio production: Lesungsmitschnitt bei der Veranstaltung ’Lyrikdebüts 2011‘ in der Literaturwerkstatt Berlin, 2012

geophagus altifrons [eartheater]

anglais

I bow before her. I kiss her shyly and tenderly. The least is good enough for me.
Sand hums between my teeth.

It grinds like beauty. The earth sings and sucks me. I bite my way out of its Now and chew
its Yesterday. The sea alone

knows no ageing. (A big belly of thoughts and no improvement). I am of earth and
water and know the void.

Translated by Catherine Hales

xenomystus nigri [Schwarzer Messerfisch]

allemand | Dana Ranga

Es dient dem Jäger, wenn er selbst zum Gejagten wird; elektrisches Herz, zwei Ampere, sechshundert Volt. Er trägt Fragen unter den Flügeln und wiegt abends das Schweigen. Wir quälen ihn mit unserem Dreck, es tut weh, es wird gut. Er singt ein Lied,

und sein Leid geht auf wie Brot. Dann endlich frisches Wasser und still durch die Nacht. Berührung, Beruhigung; wer war noch brav? Kinderheimstille und seitwärts kein Laut. Kleine Wellen versickern am Ufer, seiden und leicht; komm, heb dein Röckchen


                                              xenomystus nigri

© Suhrkamp Verlag Berlin 2011. Alle Rechte bei und vorbehalten durch Suhrkamp Verlag Berlin.
from: Wasserbuch
Berlin: Suhrkamp Verlag,
Audio production: Lesungsmitschnitt bei der Veranstaltung ’Lyrikdebüts 2011‘ in der Literaturwerkstatt Berlin, 2012

xenomystus nigri [African knifefish]

anglais

It serves the hunter when he becomes the hunted. Electric heart, two amperes,
six hundred volts. He carries questions under his wings and in the evenings weighs the silence. We
torment it with our filth. It hurts. It will be well. He sings a song

and his suffering rises like bread. Then fresh water at last and silently through the night.
Touching, touching. Who’s been behaving? Children’s home silence and sideways not a sound.
Small waves trickle to the shore, silky and light. Come on, just lift up your skirt.

Translated by Catherine Hales

Wasser

allemand | Dana Ranga

Sie atmen mich ein, ihre Lieder durchziehen mich; ihn, den Einsamsten, trage ich.
Das Messer wählt nicht zwischen hell oder dunkel, ein Versteck bleibt mir verwehrt. Hinter dem Spiegel und auf dem Grund, was bin ich? Sie sagen, ich sei nur ein Teil
von allem, nur ein Aspekt


                                                                                   Wasser

© Suhrkamp Verlag Berlin 2011. Alle Rechte bei und vorbehalten durch Suhrkamp Verlag Berlin.
from: Wasserbuch
Berlin: Suhrkamp Verlag, 2011
Audio production: Lesungsmitschnitt bei der Veranstaltung ’Lyrikdebüts 2011‘ in der Literaturwerkstatt Berlin, 2012

Water

anglais

They inhale me. Their songs go right through me. Him I carry, the most solitary one.
The knife does not choose between light and dark. I am denied a place to hide. Behind
the mirror and on the ground, what am I? They say I am just a part
of everything, just one aspect.

Translated by Catherine Hales

carcharodon carcharias [Weißer Hai]

allemand | Dana Ranga

Auch wenn ich rufe, bleib - du wirst nicht bleiben. Du erkennst mich von weitem,
nichts kann dich täuschen.

Dein Herzschlag, ein Laut schöner als ein Wort. Hunger verbindet verlässlich und
das Vergnügen zu fragen,

was gibst du mir? Geschwindigkeit und Liebe, Fett und Blut. Nun lege dich auf mich,
ich will dich tragen.

Schon lange folge ich dir, gierig auf Wunden und Rauschen. Verweigerte Botschaft,
ich hörte dich

atmen und singen in stiller Bucht. Wasser kennt keine Narben; Druckwelle, Abschied, akzentfreie Entfernung

zwischen dir und mir. Ich brauche Gewissheit, mein Wissen um dich ist das Grauen. Lamna, lamnidae,

Himmel und Wasser wollen nichts wissen. Was vermag die Vernunft, wenn das Neue lockt? Betäubtes Glück schwimmt an der Kette.

Dein Fleisch, es zuckt und ruht. Augen auf, Augen zu. Mit rotem Band durchziehe ich
die Meere, in der Hoffnung

du würdest warten. Neugier hält dich fest, Korallenbusch, erglüht durch mein Rufen;
die Verstecke leuchten.

Wenn ich tausend Herzen schlagen höre, weiß ich, dass es Abend ist. Jetzt stehst du
vor mir, deine Arme sind offen. Ich bleibe dir fern,

so weit wie deine Hand hinausreicht. Wie fremd ich dir bin, wie fremd ich mir bin. Meer, Zelle mit zwei Kernen, ich und du


                                                                                   carcharodon carcharias

© Suhrkamp Verlag Berlin 2011. Alle Rechte bei und vorbehalten durch Suhrkamp Verlag Berlin.
from: Wasserbuch
Berlin: Suhrkamp Verlag, 2011
Audio production: Lesungsmitschnitt der Veranstaltung ’Lyrikdebüts 2011‘ in der Literaturwerkstatt Berlin, 2012

carcharodon carcharias [white shark]

anglais

Even if I call out stay you won’t stay. You recognise me from far off,
nothing can fool you.

Your heartbeat, a sound more beautiful than a word. Hunger is a reliable bond and
pleasure in asking

what will you give me? Speed and love, fat and blood. Now lay down on me,
I want to carry you.

I’ve been following you for a long time, greedy for wounds and intoxication. Message ignored,
I heard you

breathing and singing in a silent bay. Water knows no scars; pressure wave, valediction,
acccent-free distance

between you and me. I need certainty. My knowledge of you is horror. Lamna,
lamnidae,

sky and water want to know nothing. What can reason do when new things beckon?
Tranquilised happiness floats on the chain.

Your flesh, it twitches and rests. Eyes open, eyes closed. With a red ribbon I criss-cross
the oceans hoping

that you would wait. Curiosity holds you tight. Coral bush, my cries make it glow,
the hiding places luminescent.

When I hear a thousand hearts beating I know that it is evening. Now you are standing
before me, your arms are open. I stay away from you,

as far as your hand reaches out. How foreign I am to you, how foreign I am to myself. Sea,
cell with two nuclei, you and me.

Translated by Catherine Hales

Aquarium

allemand | Dana Ranga

Freitagnachmittag spielen Witwen und Pfleger Verstecken. Nina flüstert Algennamen
auf Polnisch, ihr Vater spricht laut über Rochen und List. Lernt Bildbeschreibung, betrachtet Lysmata, sie putzt für die Löwen, übt sich im Tango mit einem Skelett.
Herkunft zählt nicht beim Beischlaf aus Spaß.

Ein Verlobter ruft “Amore, veni” und lässt sich vor Haien fotografieren. Pixel zerreißen sein Gesicht; brauchen wir diese Erfahrung? Gymnothorax funebris atmet und starrt.

Pop-Art ist Mainstream, säuselt es im Korallenriff, der Pflegerchor klagt farbenblind.
Die Witwen kamen zum Rendezvous, ein Flirt mit der Unschuld. Unschicklich wäre es,
die Rocklänge zu messen; alle sind jungfräulich vor dem Tod. Bewahrt das Aquarium, sucht einen Sisyphos ohne Last.

Töchter und Söhne, teure Zierfische, silberne Seelen, ein Lächeln tarnt das Gesicht.
Sie saugen das Meer auf und spucken es aus und niemand schimpft, niemand klatscht.

Begeben Sie sich zum Ausgang, vorbei an Gott und John Dory, dieses Haus schließt
für die Nacht. Bevor das Licht in den Becken erlischt und das Leben beginnt, heute
mit Bouillabaisse zum Diner, im Kerzenschein. Wer biss der Schildkröte die Füße ab?
Es ist nur eine Spiegelung des Guten, ein natürlicher Feind


                                                                                   Aquarium

© Suhrkamp Verlag Berlin 2011. Alle Rechte bei und vorbehalten durch Suhrkamp Verlag Berlin.
from: Wasserbuch
Berlin: Suhrkamp Verlag, 2011
Audio production: Lesungsmitschnitt bei der Veranstaltung ’Lyrikdebüts 2011‘ in der Literaturwerkstatt Berlin, 2012

Aquarium

anglais

On Friday afternoon widows and carers play hide-and-seek. Nina’s whispering the names of algae
in Polish; her father’s rambling on loudly about rays and ruses. Is learning picture description, watching Lysmata. She cleans for the lions, is practising tango with a skeleton.
Where you come from doesn’t matter when you’re fornicating for fun.

A fiancé calls, “Amore, veni” and gets his photo taken in front of sharks. Pixels shred his
face; do we need to go through with this? Gymnothorax funebris breathes and stares.

Pop Art is mainstream. A rustling in the coral reef. The choir of colour-blind carers sings an elegy.
The widows came to the date, a flirt with innocence. It would be improper
to measure the length of their skirts; they are all virgins before they die. You must maintain the aquarium’s integrity, look for a Sisyphus without a burden.

Daughters and sons, dear ornamental fish, silver souls, a smile disguises the face.
They suck up the sea and spit it out and no-one curses, no-one claps.

Get yourself to the exit, past God and John Dory, this building is closing
for the night. Before the light goes out in the pool and life begins, today
with bouillabaisse for dinner, by candlelight. Who bit off the turtle’s feet?
It’s just a mirror image of the Good, a natural enemy.

Translated by Catherine Hales

des Ortes hier

allemand | Marion Poschmann

es war grau war genauso wie damals
die unveränderten Flächen sonderten
Stimmen ab innere Unruhe Rauch
aus den Dächern wie auf der Flucht

Begrüßungen Abschiede weitervermietet
vereinzelte Rückschritte aussortiert
schimmelnde Koffer man hatte
Gerüchte verwahrt hatte

Lustspiele noch orginalversiegelt
die Stille stark abgenutzt Schmelztiegel
falscher Bewegungen war es genauso
wie damals statt Landschaft

Übersprungshandlungen Flüche
wir leugneten nichts lange Schatten
beschrieben wir Kreise so als hielte
uns allein die Wißbegier des Ortes hier

© Frankfurter Verlagsanstalt
from: Grund zu Schafen
Frankfurt am Main: Frankfurter Verlagsanstalt, 2004
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2003

of this place here

anglais

it was grey was exactly like back then
the unchanged spaces separating
off voices inner restlessness smoke
from the roofs like on the run

welcomes leave-takings re-let
scattered setbacks sorted out
mouldy suitcases rumours had been
kept safe comedies still sealed

in their original packaging
the silence heavily worn melting pot
of false movements was it exactly
like back then instead of landscape

displacement activities curses
we denied nothing we described long
shadows circles as though it were only
its curiosity that kept us part of this place here

Translated by Catherine Hales

Gnadenanstalt

allemand | Marion Poschmann

barocke Lust überzuschwappen,
die zuckenden Lider, zuckenden Beine,
dick eingezuckerter Schlaf, süße Last
dieses Fleisch und schon außerhalb deiner Kontrolle,
schon fließend in Bildern, privates
TV-Programm, rosiger Saft, den ich schluckte,
du hast deine Lippen auf meine geschraubt
und der Körper, pumpend und träumend,
bewegt sich nach Fernbedienung

wir gehen auf Sendung, die Glieder
berühren sich, geben Signale, ich habe
die Haut voller Sirup, ich klebe
an dir, späte Serien rinnen dahin,
dünne Spielfilme, REM-Phasen, zappend
bearbeitet uns die Nacht

ich habe Lust überzuschnappen,
du testest im Schlaf
das Fassungsvermögen der Hände,
prüfst Südfruchte, rührst
in heißen Kompotten aus quellenden Pfirsichen,
Pflaumen, Marillen, die Bilder verbinden sich,
dickflüssig sehe ich Herzkammern, Dias
von gänzlich gezuckerten Wänden,
ein Lichtblick, ein Kochstudio, das sich stabilisiert,
und du tastest mich ab, bis ich schwer werde,
durchscheinend, glänzend, der Körper kandiert

© zu Klampen
from: Verschlossene Kammern. Gedichte
Lüneburg: zu Klampen! Verlag, 2002
ISBN: 3933156769
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2003

mercy asylum

anglais

baroque this desire to overflow,
twitching eyelids, twitching legs,
thickly sugar-encrusted sleep, sweet burden
of this flesh and already beyond your control,
already liquid in pictures, private
TV channel, rosy-pink juice I swallowed
you’ve screwed your lips to mine
and my body, pumping and dreaming,
moves along with the remote

we’re going on air, limbs
touching, giving signals, my skin
full of syrup, I stick
to you, late-night series blurring,
insubstantial movies, REM phases, channel-hopping
the night works us

I feel like cracking up,
you test in your sleep
the hands’ ability to grasp,
test exotic fruits, stir them
in hot compotes of seething peaches,
plums, apricots, the pictures combine,
viscously I see heart chambers, slide photos
of completely sugared walls,
a ray of light, a culinary studio stabilising
and your fingers scan me until I’m heavy,
translucent, shining, body candied

Translated by Catherine Hales

magnetisiertes Zimmer

allemand | Marion Poschmann

du hast die metallischen Jahresringe
der Obstkonserven gezählt,
jede Oberseite rotierender Stillstand
wie flimmernde Ventilatoren –

dieser Ort scheint verborgener jetzt, seit
du hier bist, als sei endlich Ruhe
eingekehrt, Sturm (alle Zimmer
ins Licht getaucht, alles
aus Angst überheizt):

ich beobachte dich, deinen zweiten
Versuch eine Dose zu öffnen,
beschwichtigend, ungeschickt, oder
als wartetest du, daß die
Stimmung sich ändert, als hättest du
deine gezielten Bewegungen leise verlegt

wir ähneln einander wenn manchmal
ein Gähnen ein anderes auslöst –
dann wieder die Unversehrtheit
verschlossener Körper, ein Blechspielplatz hier,
voller unverrichteter Dinge

© Frankfurter Verlagsanstalt
from: Grund zu Schafen
Frankfurt am Main: Frankfurter Verlagsanstalt, 2004
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2003

magnetised room

anglais

you have counted the metallic
age-rings on the fruit conserves,
every top-side rotating stasis
like flickering ventilators –

this place seems more secret now, since
you’ve been here, as though calm had finally
settled in, tempest (all rooms
submerged into light, everything
overheated out of fear):

I watch you, your second
attempt to open a tin,
placating, awkward, or
as though you were waiting for the
mood to change, as though you had
gently shifted your deliberate movements

we look like each other when from time to time
one yawn sets off another –
then once more the intactness
of closed-off bodies, a sheet-metal playground here,
full of things not done

Translated by Catherine Hales

schwesternlicht

allemand | Birgit Kreipe

                                                                    krieg-das heißt ins feld zu ziehen
                                                                                in einer bäumchenschonung
                                                                hundertachtzig zwerge zu erschießen
                                                       so ein getümmel--krieg, das heißt schätze
                                                    aus dem boden zu reißen und heimzulaufen,
                                          frieden heißt einfach weiterschlafen, und dann ...
                                                          

frieden war gekommen
mit ihm, rieseln, der frühling.
er hatte die strategie gewählt
ganz selbstverständlich
überall zu sein.
er postete gelbe blüten an zweige
riesige schneckenhörner, die
eben noch den regen
befühlten.

er machte den leuten
hoffnung auf leichtere schlafmittel
(man fürchtete insgeheim
die hellen, widerspenstigen nächte).
                                     
störungen kamen nur noch
aus den rückzugsgebieten der krähen.
kopftücher auf grünen stengeln
die benzodiazepine. ein zwerg
verflucht, für immer zu lächeln
harkte die luft-

der frühling verschenkte
knospen am fenster. zum aufwachen.
falls jemand aufwachen wollte
aus diesem benommenen licht.
er leuchtete den wald aus.

schneeweißchen schlief
eingewickelt in winterlicht
wie in weißes geschenkpapier
die finger wund. eine
putzsüchtige.
 
rosenrot, diese blume
das leben in märchen gewöhnt
(ein mucks zur falschen zeit
und du landest
in einem fass voller nägel)
blühte auf. es war ihre zeit.

hier, am baum
die stachlige
schwesternschaft der rosen
das lächeln der mutter
die sträußchen
die jalousien.

störungen kamen nur noch
aus den rückzugsgebieten der krähen.

unverschämtheit.

gute nacht.


© Birgit Kreipe
from: Schönheitsfarm
Berlin: Verlagshaus Berlin, 2012
Audio production: Haus für Poesie, 2020

sister shine

anglais

                                                                       war-that meant, field manoeuvres
                                                killing a hundred and eighty dwarfs in a forest
                                          plantation area, what a turmoil - war, that meant
                                               ripping treasures from the ground and running
                                                       home, peace means just staying in bed, and                                                                                                             then ...


peace had come.
with it, trickling, the spring
his chosen strategy was
to be everywhere
behaving naturally.
he posted yellow blossoms on branches
giant snail shell horns, which had only
just been feeling the rain.

he gave hope to the people
for easier help with sleeping
(the bright, rebellious nights
were sectretly feared).

the only disturbances came
from the retreat areas of the crows.
headscarves on green stalks
the benzodiazepines. a dwarf,
damned to smile forever,
raked the air -

the spring gave away
buds at the window. for waking up
in case anyone wanted to wake up
out of this dazed light.
he lit up the forest.

snow white slept
wrapped up in wintry light
like in white giftwrap
her fingers sore, a cleaning addict.

rose red, this flower
used to living in fairytale land
(make a noise and you end up
in a barrel studded with nails)
flourished. her time had come.

here, on the tree
the prickly
sisterhood of roses
the mother‘s purse-lipped smile
the small bouquets
the blinds

the only disturbancies came
from the retreating areas of the crows.

unheard of!

good night.

Translated by Catherine Hales

schneewittchen. revisited.

allemand | Birgit Kreipe

schneewittchen.
das gute an ihr:
man kann sie vergiften, schütteln
sie wacht wieder auf.

mal tanzt sie auf sieben hügeln
dann löscht die nacht sie aus
wie man eine schneekugel
vom nachtisch fegt.

da liegt sie. die ganze weiße
pracht schmilzt wie pulver.
jetzt ist klar, wer                                        
die glitzernde, strenge schöne ist. 

aber ein morgen, irgendeiner
voller apfelnachbilder
voller miederbänder und apfelreste
bringt sie zurück. irgendwann.

leg sie auf eis.
sie passt zu uns:
man kann sie auftauen und
wieder einfrieren. sieben
kühlschränke geben uns recht

ihre kehle ein bach, ihre zunge
liegt auf der zunge wie ein guter wein
ihr herz, königinnenart
verdirbt nicht so schnell.

© Brigit Kreipe
from: Schönheitsfarm
Berlin: Verlagshaus Berlin, 2012
Audio production: Haus für Poesie, 2020

snow white. revisited

anglais

snow white.
the good thing about her:
you can poison her, shake her
she will wake up again.

sometimes, she dances on seven hills
then nighttime puts her out.
just like whisking a snow globe
from your bedside table.

there it lies. the whole white
splendor melts like powder
now, it‘s clear, who
the sparkling, strict, beautiful woman is.

but one morning, any one of them
full of apple after-images,
full of corset ribbons and apple residues
brings her back. some day.

put her on ice.
she‘s one of us:
you can thaw and
refreeze her. seven
refrigerators prove us right

her throat is a brook, her tongue
lies on the tongue like a good wine
her heart, á la reine
doesn‘t spoil so easily

Translated by Catherine Hales

Königreich des weiten Wegs

allemand | Yevgeniy Breyger

Du hast sie gekannt. Sie war still, hat Gebirge verschluckt
mit dem Blick. Wie Wasserlilien im Dunkeln dich streifen,
sich in Portale verwandeln zu Ängsten, hat sie dich berührt.
Wie ein Punkt, ein gesprochenes Wort, gehört sie zu dir.

Wissen ist nutzlos, Richtung formlos. Strecke, Dauer
bestimmen die Form. Das Alter der Erde ist klein. Sie sagte,
die Zählung beginnt mit dem ersten Gesang einer Kröte.
Bewegung verdankt ihren Namen dem Weg. Noch vor Gott,

verkündet ein Schnitt die Geburten, hast du gelernt.
Du hältst deinen Kopf unter Wasser. In deinem Gesicht
liest ein Fisch die Brechung des Lichts und schwimmt fort.
Im Fisch ist ein Zimmer, das du nie verlässt. Eine Tür

in das Reich, das sich öffnet wie Blättchen dem Frühling.
Es ist kalt. Sie umkreist deinen Kopf als Trabant.
Kehrt im Kreisen zum Anfang zurück, ins Gestrüpp
zu dem Bau der aus Grüßen besteht. Bis sie geht.

Um zu wandern durch Tal, zu durchstreifen die Luft,
diesem Duft hinterher auf dem Rücken der Vögel, der dich
so betört. Sie zieht aus mit verschlossener Lunge, offenem
Mund auf der Suche nach Holz für ein Nest. Weil sie fliegt,

ist sie schwer. Dieser fremde Moment, wenn du wach wirst
im Traum als ein Strich und der Traum dir gehorcht,
eine Inschrift sich fügt in das Bild ihrer offenen Hand,
sich erschöpft in der Frage – Wo warst du bei deiner Geburt?

© Yevgeniy Breyger
Audio production: Haus für Poesie, 2019

Kingdom of the Long Way

anglais

You have known her. Silent, she swallowed mountain ranges
with her gaze. She has touched you as waterlilies rushing
against you in the dark, transforming into portals to fears.
Like a period, a spoken word, she belongs to you.

Knowledge is useless, direction formless. Distance and duration
determine the form. The age of the earth is slight. She said
the counting begins with the first song of a toad.
Away
owes its name to a way. Still, before god,

a cut announces the births, you have learned.
You hold your head under water. In your face
a fish reads the refraction of light and turns
away. In the fish is a room you never leave. A door

into the empire that opens itself like budding leaves
to the spring. It is cold. She orbits your head, circling
again to the start—she dives into the bush, burrows
into the den made of greetings. Then she just

takes off. To wander the valley, to scissor the air,
trailing this perfume on the back of the birds
that bewitch you so. She moves out with closed lungs, open
mouth searching for twigs for a nest. Because she flies

she is heavy. This alien moment when you wake
in the dream as a sketch and the dream belongs to you,
an inscription inserting itself into the image of her open hand,
exhausting itself in the question—where were you at your birth? 

Translated by Sandra Meek
VERSschmuggel 2019, poesiefestival berlin
Language Mediator: Catherine Hales

Tag 8

allemand | Yevgeniy Breyger

                                 Manche dürfen einen Traum träumen, andere zwei.
                                        Vollkommen egal. Ihnen erscheint doch dasselbe.
                                        Ein Dachstuhl, die Hitze des Sommers, träge Hände,
                                        die Spinnweben wegfegen von der Handfläche des Winds.
                   
                                                      A. Dragomoschenko / Y. Breyger

Sie träumt diesen Traum wie ein Hund. Immer wieder
von vorn. Doch der Traum ist für morgen bestimmt,
daher lebt sie sich nun einen Tag hinterher. Sie träumt
sich hinein in den Hof, durch das Tor, bis zur Tür,

geht ins Haus. Und wacht auf. Sie träumt das von vorn
wie ein Hund. Immer wieder den Weg durch das Tor
bis zur Tür in den Hof diesem Tag hinterher, wie
ein schwanzloses Tier. Dieser Hund will nicht gehn,

sitzt im Weg. Er bewacht sie, als wär sie sein Schatz.
Schwarzer Hund, will sie sagen, wach auf. Doch ist's sie,
die da schläft, die von neuem sich träumt in den Hof
durch das dreckige Tor. Ein verlorener Tag. Sie spaziert

in das Haus, das nach Hund riecht, vertraut. Sieht
sich sitzen zu Tisch, sieht sich schnitzen das Zeichen
des Abschieds hinein mit verschwommenem Blick.
Eine Acht. So ein seltsamer Tag. Sie wacht auf,

geht hinaus in den Hof, schaut sich um. Und erblickt
über sich den Komet, der im Himmel seit Jahren
nicht aufhört zu leuchten. Er umkreist ihren Kopf
und er bohrt sich durch Glieder ins Mark, bis sie bellt.

© Yevgeniy Breyger
Audio production: Haus für Poesie, 2019

Day 8

anglais

                                   Some may dream one dream, others two.
                                   It doesn’t matter at all. After all, the same appears to both,
                                   an attic, the heat of summer, languid hands
                                   brushing away spider webs from the palm of the wind’s hand

                                                                    A. Dragomoschenko / Y. Breyger

She dreams this dream like a dog. Again and again
from the beginning. But the dream is intended
for tomorrow, so she lives now a day behind. She dreams
herself into the courtyard, through the gate, to the door,

into the house. And wakes up. She dreams this, from
the beginning, like a dog. Again and again the way
through the gate to the door into the courtyard, following day
like a tailless animal. This dog does not want to walk,

sits in her way. It guards her as though she were
its treasure. Black dog, she wants to say, wake up. But it is she
who is sleeping, who again dreams herself into the courtyard
through the grimy gate. A lost day. She walks

into the house that smells of dog, familiar. Sees
herself sitting at the table, sees herself with blurred gaze
carving into it the sign of farewell.
An eight. Such a strange day. She wakes up,

goes out into the courtyard, looks around her. And spots
above her the comet that has for years not ceased
to shine in the sky. It circles her head, and through limbs
it bores itself into the marrow until she barks.

Translated by Sandra Meek
VERSschmuggel 2019, poesiefestival berlin
Language Mediator: Catherine Hales

Königreich des kleinen Fischs

allemand | Yevgeniy Breyger

Der Tag wird von Scherben zu Abend getragen.
Trockene Erde zwischen den Zähnen erinnert ans Lösen
des Kalksteins von Klippen, erfasst von vergangenen Zeichen
der Hand eines Toten. Sie gräbt in Archiven nach Namen.

Wie Tropfen von Säure, unnütz auf Stein, wird schwebend
der Abend zu Nacht getragen. Die Toten sind nachts
nicht sie selbst. Also schläft sie. Also denkt sie im Schlaf
an die Adern in Blättern des Ahorns durch die ohne Eile

das Leben entweicht in kleinen Portionen. Ans Schwanken
magerer Körper, an Strömungen, die plötzlich verschwinden
und Flüsse in Seen verwandeln, den Gestank, der sich bildet.
Die Nacht, wie sie ist, wird zu Morgen getragen.

© Yevgeniy Breyger
Audio production: Haus für Poesie, 2019

Kingdom of the Small Fish

anglais

In shards, the day shadows to evening.
Between the teeth, dry earth recalls limestone
sheering from cliffs as if scythed by a dead
hand. She digs in archives for names.

Like drops of acid, fruitless on lime, the hovering
evening shadows to night. At night the dead
are not themselves. So she sleeps. So she thinks
in her sleep of the maple leaf veins through which life

slowly leaks out in small measures, of the swaying
of gaunt bodies, of currents which suddenly
vanish, diminishing rivers to stagnant lakes rank
with rot. The night, as it is, shadows to morning.   

Translated by Sandra Meek
VERSschmuggel 2019, poesiefestival berlin
Language Mediator: Catherine Hales

Königreich der Adern im Ahornblatt

allemand | Yevgeniy Breyger

Folgsam schwanken Bäume, duldsam zanken
Träume, sagt man im Dorf. Langsam neigt sich
der Abend, freundlich die Gesichter der Hunde.
Sie zündet ein Streichholz an, wirft's in die Pfütze.

Treibt man Tiere über die Straße, wird auch sie
von Wesen getrieben hinausgehn zu den Felsen,
sichert sie zu, ist allein. Am Tag als das Dorf
sich bewaffnet, trabt ein Pferdchen müde

über ein Blumenwieslein. Sie findet das Pferdchen,
streichelt's, es schüttelt sich, die beiden lächeln sich zu.
Im Dorf werden Maischefässer bereitet fürs Fest,
in einem davon schläft ihr Kind. Daheim

vor dem Fenster sprießt eine Pflanze, gegossen
von Regen. Ich bin ein Geschoss, eine Wand,
eine Axt, ein Treibgut von Fröschen verfolgt,
ein zu spät begriffener Abschied, ein Handtuch,

ein Schnupftuch, ein Tierchen von vielen.
Man sieht mich an Türschwellen sitzen, taxiert mich,
noch bevor man mit Blicken begreift,
dass ich nackt bin. Pochen von innen.

Bäume schwanken im Wind, winken Gräsern zu.
Wieder das Pochen. Wirst du mich finden?
Wirst du dein Haus jemals verlassen?
Das Pferd richtet seinen Blick in die Steppe.

© Yevgeniy Breyger
Audio production: Haus für Poesie, 2019

Kingdom of the Maple Leaf’s Veins

anglais

Trees that sway, obey; dreams quarrel
in tranquility, they say in the village. Slowly
the evening declines, the dogs’ faces friendly.
She lights a match, throws it into a puddle.

If you drive animals across a road, she too,
driven by beings, will go out to the cliffs,
she promises—but she is alone. The day
the village arms itself, a foal trots tiredly

across a meadow full of flowers. She finds
the foal, strokes it; it shakes itself, they smile
each at the other. In the village, barrels of mash
are prepared for the feast; in one of them,

her child sleeps. At home, before the window,
a plant shoots, watered by the rain. I am
a shell, a wall, an axe, flotsam followed
by frogs, a farewell too late understood, a hand

towel, a handkerchief, one little animal
of many. You see me sitting at thresholds, size
me up, even before you realize
I am naked. Beating from within.

Trees sway in the wind, grasses wave.
Again the beating. Will you find me?
Will you ever leave your house? The horse
directs its gaze out over the steppe. 

Translated by Sandra Meek
VERSschmuggel 2019, poesiefestival berlin
Language Mediator: Catherine Hales

Königreich des Regens

allemand | Yevgeniy Breyger

In der Nacht als das Dorf sich bewaffnet, erfährt sie
ihre Bestimmung die großen Felsen zu beschießen.
Am Flusslauf warten sie wie Augen. Entschieden,
ruhig kriecht Stein über Stein – Von ihr weg?

Wieder eine falsche Richtung, gröber als Sand,
Pulver, das ihr nicht gehorcht. Diese trockene Ader,
kann ich sie fassen? Felder – Felder. Wälder – Getier.
Im Denken verschwimmt eine Erinnerung. Sie läuft

in den Wind. Durch die innere Welt, entschlossen zum Fels,
hört Schüsse. Geschichte schießt auf Geschichte,
Hunde erschießen sich, Dorf schießt auf Stadt, Tiere
schießen Pflanzen auf Mineralien. Flinten gleiten

durch Hände. Substanzen beschießen ein weiches
Gemisch aus Gummi und Erde – Vogelschwärme
existieren als solche Geschosse, denkt sie,
und verschwinden zwischen Himmel, zwischen

Boden, in einer Brust. Weder Ankommen noch
Verschwinden ist möglich, wenn du so stark liebst.
Tritt hinaus, selbst der Fels hat gelernt, zu verzeihen.
Tritt über zu den Menschen, ihre Körper

halten sich am Leben, indem sie wie Knospen
aufgehen wenn es warm wird. Jahrlang Frühling,
wohin soll ich gehn? Aufgeben sei dir Gewinn.
Vergiss, was du tust, folge einem Gesang.

© Yevgeniy Breyger
Audio production: Haus für Poesie, 2019

Kingdom of the Rain

anglais

In the night when the village arms itself, she discovers
her destiny to fire at the cliffs. At the river-
bed, they wait, like staring eyes. Determined
and calm, stone slides over stone—away from her?

Again a wrong direction, coarser than sand,
powder that does not obey her. This dry vein,
can I grasp it? Fields—fields. Forests—animals.
In thinking blurs a memory. She runs

into the wind. In her world, moving toward
the cliffs, she hears shots. History fires at history:
dogs shoot themselves, village fires at town. Animals
fire plants at minerals. Shotguns glide

through hands. Substances fire at gelled
rubber and soil—bird-swarms
exist as such shells
, she thinks,
then they disappear into the breast

between sky and earth. Neither arriving nor
disappearing is possible when you love so strongly.
Step outside: even rock has learned to forgive.
Go over to the humans, whose bodies

keep themselves alive by budding
when it warms. It’s yearlong spring:
where should I go? May surrendering be kind to you.
Forget what you’re doing. Follow a song.

Translated by Sandra Meek
VERSschmuggel 2019, poesiefestival berlin
Language Mediator: Catherine Hales

john fords handschrift

allemand | Alexander Gumz

sagen wir vermögend zu ihm. wie in unvermögen, in löten, tötung,
den delikten, die ihm seine hand diktiert.
ein ungezähmtes ding, schwer zu halten.

sich in schwarz zu schlagen, ist hauptsächlich ein versuch,
aus der umarmung mit sich selbst herauszufinden.

ewig ist er dieser idee hinterhergerannt,
ist endlich an eine station gekommen, vor jahren abgebrannt.
und es war kalt. es war wüst und weit
und wunderschön.

als hätte john ford seine augenklappe verloren
und das winzige licht der sterne wär in ihn gefahren,
no matter die verzögerung,
no matter die entfernung.

hell wurde es in john ford, hell wie in einem klischee:

dieser totalen, in der ein held in den sonnenuntergang reitet,
bleich vor ehrgeiz, und der nachspann
schießt ihm durch den kopf.

© kookbooks
from: barbaren erwarten. gedichte
Berlin: kookbooks, 2018
ISBN: 978-3-937445-86-1
Audio production: Haus für Poesie 2018

john ford’s handwriting

anglais

let’s say he’s wealthy, able to pay, as in unable – to solder, to kill,
to commit the crimes his hand dictates to him.
an untamed thing, hard to hold.

striking out into the unknown is mainly a way
of trying to get out of an embrace with yourself.

he was constantly chasing this idea,
finally arriving at a station, burned down years before,
and it was cold, it was desolate and wide
and really beautiful.

as though john ford had lost his eyepatch
and the minute light from the stars had entered him,
no matter the time lapse,
no matter the distance.

a light went on in john ford, a light just like in a cliché:

those long shots where the hero rides off into the sunset,
pale with ambition, and the closing credits
shoot through his head.

Translated by Catherine Hales

zersprengte neuigkeiten

allemand | Alexander Gumz

ich bin wütend auf sprache, auf alles,
was mit krachenden griffeln in mich fasst. doch ich sags nicht laut.

ganz blöd vor entsetzen rüttle ich an dielen,
horche auf klopfzeichen. mein atem, eine störrische einheit,
umprogrammiert von verfassungsklagen.

über mir räumt der geheimdienst auf. vorbereitungen laufen,
meine wohnung mit plankton zu überziehen.

unter der tür rutscht ein zettel durch: sorg dich nicht um mich.
hab die stimmen in den fallrohren ausführlich studiert.
indem ich meine flügel kappe, werde ich unsterblich.

nie hätte ich mich überreden lassen sollen,
schon unser erster schnaps: verkehrt. wie im western
wolltest du mich haben, dürr und mutig.

wie im western hast du mich zurückgelassen, als der sheriff kam.

© kookbooks
from: barbaren erwarten. gedichte
Berlin: kookbooks, 2018
ISBN: 978-3-937445-86-1
Audio production: Haus für Poesie 2018

blown-up news

anglais

i am angry at language, at everything
that thumbs me. but i don’t say so out loud.

stupid with outrage i rattle floorboards,
listen to knocking signals, my breath, a stubborn unit,
reprogrammed by constitutional complaints.

above me the secret service is making a clean sweep, preparations are under way
to flood my flat with plankton.

under the door a note is slipped: don’t worry about me.
i’ve made a thorough study of the voices in the downpipes.
i’m making myself immortal by clipping my wings.

i should never have let myself be persuaded,
our very first whisky: wrong, you wanted to have me
like in a western, wiry and courageous,

like in a western you left me behind when the sheriff came.

Translated by Catherine Hales

geboren für den blues

allemand | Alexander Gumz

flächen bauen und zerhauen. fundamente ausheben für knallrote pools

und dreck fressen im casino, kristall in einer bar.

auf panzern dösen, länder erobern mit nichts als wasserpistolen.

frieren, wo noch kein soldat zu frieren wagte.

und an jeder gangway beide daumen hoch, lächeln für die sicherheit.

aufräumen, was die eigenen eltern umgeworfen haben.

ihren angriffsspuren folgen.

kinderarbeit fördern, wo immer sie erscheint.

an der eigenen sohle einen peilsender orten.

das flugzeug über der skyline bitten, es möge noch warten mit der explosion.

© kookbooks
from: barbaren erwarten. gedichte
Berlin: kookbooks, 2018
ISBN: 978-3-937445-86-1
Audio production: Haus für Poesie 2018

born for the blues

anglais

building and chopping up lots. digging foundations for bright red pools

and eating dirt in the casino, beers in a bar.

dozing on tanks, conquering countries with nothing but water pistols.

freezing where no soldier has ever dared to freeze before.

and both thumbs up on every gangway, smiling for security.

clearing up what your own parents have thrown around.

following the tracks of their attack.

promoting child labour wherever it occurs.

locating a tracking device on your sneakers.

asking the aeroplane over the skyline if it can please just hold the explosion.


promoting child labour wherever it occurs.


locating a tracking device on your sneakers.


asking the aeroplane over the skyline if it can please just hold the explosion.

Translated by Catherine Hales

in real life

allemand | Alexander Gumz

wir denken uns als auffahrunfall, doch so richtig leidet niemand.
mein mittelfinger kneift, dir juckt die pupille.

noch vor tagen hätten wir uns geopfert, tapfere burschen
in einem schwimmbassin, die gürtel voller munition.

jetzt tänzele ich über den gehweg, hin und her gerissen
zwischen anlaufnehmen und zusammenbruch.

leg dich mal ne weile in die erde, sagst du, zur übung.
beim absprung nickst du mir zu.

ich lockere den strick um meinen hals. im wahren leben
wären wir nach diesem dialog für einen kuss aufs dach gestiegen.

die aussicht wär brutal: bahnsteige, im kreis gelegt.
selbstmörder warten, plaudern mit passanten, bis der zug einfährt.

© kookbooks
from: barbaren erwarten. gedichte
Berlin: kookbooks, 2018
ISBN: 978-3-937445-86-1
Audio production: Haus für Poesie 2018

in real life

anglais

we think of ourselves as a collision crash but nobody’s really suffering,
my middle finger’s tweaking, your pupil is twitching.

just a few days ago we’d have sacrificed ourselves, brave lads
in a swimming pool, belts full of ammo.

now i’m skitting over the pavement, torn
between making a start and breaking down.

lie down for a while in the ground, you say, for practice.
when we jump, you give me a nod.

i loosen the noose around my neck. in real life
we’d have gone on to the roof for a kiss after this dialogue.

the view would have been brutal: railway stations in a circle,
suicides waiting, chatting to passengers, until the train comes in.

Translated by Catherine Hales

lass uns ein neues ding drehen

allemand | Alexander Gumz

liebe, dieses vieh, ruft dich beim kosenamen. in ihrem zimmer:

jede zärtlichkeit improvisiert, jeder bräutigam am start. machs aus.

keine sekunde länger ertrag ich den spott so einer jahreszeit.

salz schlägt mir gegenüber aus der see. hübsch, ein ladefehler.

wochen, in denen wir posen bekannter dichterinnen nachstellten.

wir verschwanden in sichtbarkeit, schwenkten mit lahmen armen fahnen.

jetzt schläft unsere liebe, träumt fürchterliche kriege.

im ernst: sie wird uns fangen, wird uns fragen.

wir haben das vieh kapiert, habens nicht verraten.

© kookbooks
from: barbaren erwarten. gedichte
Berlin: kookbooks, 2018
ISBN: 978-3-937445-86-1
Audio production: Haus für Poesie 2018

let’s steal some horses

anglais

love, the beast, calls you by your pet name. in its room:

all tenderness improvised, every bridegroom hanging out. turn it off.

i won’t bear the mockery of a season like this a second longer.

salt sears into me from the sea. nice, a loading error.

weeks in which we copied the poses of famous female poets.

we vanished into visibility, waved banners with lame arms.

now our love is sleeping, dreaming of terrible wars.

seriously: it’ll catch us, it’ll question us.

we’ve understood the beast, haven’t given it away.

Translated by Catherine Hales

gott in shorts

allemand | Alexander Gumz

irgendwie sind die funkgeräte auf eine andere frequenz gestellt.
fachkräfte labern. wenig überlappung
mit den schlägen von gegenwart in meinem bauch.

weit aus dem bug eines kahns gelehnt,
haben wir uns sorgen gemacht um ausschnitte.

urteile selbst: warum kennt uns der unterbau,
ist er das prinzenpaar, von dem es heißt, es habe sich erhängt?
wir dürfen uns so oder so nicht auf rhetorik stützen.
besser geburtstagskarten übermalen, schreiben:

ihr lieben, wir haben seit heute eine heimat. ihr kennt sie,
hinter bergen, wo uns ein bad bereitet wird,
so durchsichtig, als hätten wirs verdient.

wir werden noch immer zu wenig verachtet.

wie sagte gott gestern im radio:
jemand wird büßen, wird aufstehen vom gedeckten tisch,
zwei schritte machen richtung untergang
und zack, das wars.

© kookbooks
from: barbaren erwarten. gedichte
Berlin: kookbooks, 2018
ISBN: 978-3-937445-86-1
Audio production: Haus für Poesie 2018

god in shorts

anglais

somehow the radios are set to a different frequency.
experts prattle on. not much overlap
with the blows of the present in my gut.

leaning a long way out of the bow of a boat
we’ve been worrying about necklines.

judge for yourself: how come this substructure knows us,
isn’t it the prince and princess who are supposed to have hanged themselves?
we shouldn’t rely on rhetoric anyway.
better to paint over birthday cards, write:

dear all, from today on we'll have a home, you know it,
over the mountains, and a bath is being run for us,
as transparently as though we’d deserved it.

we are still too little despised.

what did god say on the radio yesterday?
someone will pay, will get up from the laden table,
take two steps towards exitus.
and pow, that's it.

Translated by Catherine Hales

auf der veranda

allemand | Alexander Gumz

nimm mich mit zu deinem papa, schräges wesen.

sturm ist eine fiktion: umarmung heimlich, heimlich zurück.

so mag ich dich, hochgepitcht ins ungewisse.

und papa öffnet eine flasche port. allein das ist schon ein rätsel.

sein lieblingswort schließt kichern ein, mehr lust als hahnenschrei.

wie lang warte ich auf der veranda, wo sich elektrizität verfängt?

bis du deinen wagen startest, zart und wach vor meiner tür erscheinst.

der hagel baut sich heute selbst ein schloss.

wo ist dein papa jetzt?

© kookbooks
from: barbaren erwarten. gedichte
Berlin: kookbooks, 2018
ISBN: 978-3-937445-86-1
Audio production: Haus für Poesie 2018

on the porch

anglais

take me to see your daddy, weird thingy.

storm is a fiction: hugging secretly, secretly coming back.

i like you like this, pitched high in uncertainty.

and daddy opens a bottle of port. that’s a mystery in itself.

his favourite word includes sniggering, more lust than cockerels in the morning.

how long do i wait on the porch, where electricity catches?

until you start your car, appear tender and awake at my door.

the hail is building itself a castle today.

where is your daddy now?

Translated by Catherine Hales

hintergrundrauschen

allemand | Alexander Gumz

frische schrittfolgen. lob hier, sternenstaub da.

liveschaltung in die flüssigen schichten der erde.

wir kippen schnaps nach verstandener arbeit.

im osten hängen tapetentüren, aus der letzten diktatur gerissen.

widerspruch regt sich: gemurmel, anfangs schlecht zu hören.

einer, der sonst nie was sagt, lehnt an meinem gartenzaun:

wie viele strategien muss ich erfinden zur verhinderung von vaterland?

gegenüber beginnt wald, flackernd und kühl,

drehen sich kompassnadeln im kreis.

© kookbooks
from: barbaren erwarten. gedichte
Berlin: kookbooks, 2018
ISBN: 978-3-937445-86-1
Audio production: Haus für Poesie 2018

background noise

anglais

sequences stepping up. some praise, some stardust.

connecting live to the liquid layers of the earth.

we knock back schnapps after work and get it.

in the east wallpaper doors are fluttering out of the last authoritarian state.

objection stirs; murmuring, hard to hear to start with.

someone who would otherwise never say anything is leaning against my white picket fence:

how many strategies must i come up with for preventing fatherland?

over there the woods begin, flickering and cool,

compass needles are spinning in circles.

Translated by Catherine Hales

wenn

allemand | Tom Bresemann

                                   Auf das Notwendige kann ich verzichten.

wenn ich reich bin ziehe ich nur noch 100%
rein zerstoßenes geld durch die nase.

wenn ich reich bin baue ich kein haus,
ich kauf mir eure.

wenn ich reich bin gestatte ich nur noch apartesten
gleichnissen meiner langweile ausdruck zu verleihen.

exquisite buffetstrecken voll ausgestorbener
köstlichkeiten werde ich, wenn ich reich bin, veranstalten.

wenn ich reich bin werde ich auch schwul.

alle werden mich lieb und teuer halten
denn ich werde verstehen die leere auszukosten.

© Tom Bresemann
Audio production: Haus für Poesie / 2018

כש

hébreu

אני יכול להסתדר בלי צרכים בסיסיים
כשאהיה עשיר אשאף לאף

רק אבקת זהב 100% טהור.
כשאהיה עשיר לא אבנה בית –
אקנה את שלך.

כשאהיה עשיר אתיר רק למוזרים
שבדימויים לבטא את שעמומי.

כשאהיה עשיר אעמיס ארוחות בופה,
שלחנות גדושי מעדנים נכחדים.

כשאהיה עשיר גם אני אעשה גי.

כולם יעריצו אותי
כי אדע איך להתענג על הריקות.

מגרמנית: קתרין האלס, אמיר אור

Auszüge aus Geisterströmung

allemand | Brigitte Oleschinski

auf dem Nachtrücken, rücklings nackt

(und)
die Raumstation tief am Horizont, die Schlafhütte am Hang, das Gen-
labor, die Notaufnahme, die Bankenzentrale, das Studio

aus rohen Brettern und Fliegengittern, wenn das Zirren
wieder einsetzt und der Wind nach

Mitternacht, die ersten matten Vogelstimmen, noch
sind die Sterne zu sehen, der Termitenhügel

nebenan, der stille Helikopter-
platz, wir

                                    liegt schlaflos



                                    Geschlecht weiß, Hautfarbe
                                                                                    weiblich –



als die Tiere

noch Menschen waren, unteilbare Arten-
sprache aller –



das Gras

läuft überland, hügelan, hügelab, wird Reis
und Tee und wieder Gras –



dann Hände wie Zungen, die erste
                                                           Grammatik –



                                                           neunhundert Seelen, noch behaart –



Vertrauen war ein Geruch – wie sein Geruch

in sie eindrang, wie er ihre kalten Glieder bewegte und in Schlaf
fiel und nur der Geruch noch

sie von innen bewegt



und dieser Wille

in den Gerippen am Straßenrand, die Fliegen
verkaufen und Plastikbrillen



atmende Flechtwand, und wir

wie eingesickert in die Tropenlaken, ineinander tätowiert
vor dem aufdämmernden Morgenruf – ein überwacher
Lizzard, in dessen Neonbauch durchsichtig

leuchtend die Libellen  schliefen, Drachen-
fliegen, Ginger Bee
                                                   eating you alive



ich ist der Vogel-

darm, durch den sie reisen müssen, schlafende Keime, und ich
ist das Schlafende, das reist



auch die betende

Mantis, ihr Morgenmurmeln aus Armen und Atmen
mit dem züngelnd zurückgelassenen Echsen-
schwanz im Bauch, dem durchsichtig
fiependen Handphone



das leuchtende Mädchen, das

durch die Vorabendstadt fährt, vernieselter Asphalt, noch
                                    Stoppelränder, noch Tank-
flecken, Teerfallen, geschirrtuchkleine

Grundstücke, es trägt seine Brille nicht, weil das Mofa
den Weg weiß, das Mofa

sieht alles



ich leckt

daran, eine dünnhäutig geäderte Folie, durchscheinend schwarz, und
                                                                                     die Halden
inmitten der Landschaft, im Vorübergleiten, ihr Flackern
unter der Haut, Flattern

über den schwelenden, schwitzenden Säcken, ich leckt
daran, im Vorüber-
                                    gleiten



                                    nur Materie hat

                                    Materie geschaffen, niemand schuf wir, wir erst
                                    erschuf Gott –
                                                                    wozu



                                                                    Gas

                                                                    war die älteste Stille der Welt –



nickt ich, in ein Kopftuch

gebunden, bodenlanges Lächeln im Sehschlitz
der Gastkultur: tolerance, yes – nickt

ich (unrein), nickt, nickt: prayers for
a better world, yes, yes –



wir reisten, (eher:) wurden gereist, irgendwer

zahlte das Zimmer, gab uns ein Kingsize-Bett, einen Vorhang
aus Regenzeitrauschen, wir schon ein Dschungel

aus Haaren und Zähnen, darin dein Rücken

das flickernde Licht löschte, das Rasseln
der Kühlrippen, den Fliegengift-
geruch, wir

                                                sind

                                                Milliarden und Abermilliarden, jeder Cent
                                                davon

                                                führt Krieg



ein paar Wörter retten, Güte

vielleicht, Freude, Erbarmen, oder Freiheit, Vielfalt, Zweifel, oder
Gewissen, oder Mut – die Wörter retten

oder was sie bedeuten, oder retten
überhaupt –

oder wenigstens: und



                                                Flugdrache

                                                in meiner Schulter, rosen-
                                                fingriger

                                                Phönix, in Flutnächten fliegt er aus
                                                mit brennenden Klauen –



alle mit allen

verwandt, noch die Mutanten
mit allen verwandt

© 2004 DuMont Literatur und Kunst Verlag, Köln
from: Geisterströmung. Gedichte. Mit CD
Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag, 2004
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2009

Excerpts from Ghost Currents

anglais

on the back of night, on her back naked

(and)
the space station low on the horizon, the sleeping hut on the slope, the genetic laboratory, the a + e unit, the bank headquarters, the studio

of bare boards and fly meshes, when the humming
starts up again and the wind after

midnight, the first faint birdsong, stars
still visible, the termite mound

nearby, the silent helicopter
landing place, we

                                       lied sleepless



                                       gender white, skin colour
                                       female –



when the creatures

were still human, inseparable species
language of all –



the grass

runs overland, up hill, down hill, turns to rice
and tea and back to grass –



then hands like tongues, the first
                                                     grammar



                                     nine hundred souls, still hirsute



trust was a smell – as the smell

penetrated her, as he moved her cold limbs and fell
asleep and only the smell still

moved her from within



                                                and this will

                                                in their skeletons by the side of the road selling
                                                flies and plastic glasses



breathing wall of weave and we

as though trickled into tropical sheets, tattooed into each other
before the dawning morning call – an over-watchful
lizard with transparent, shining dragonflies

sleeping in its neon belly, dragon-
flies, Ginger Bee
                                         eating you alive



I am the bird

gut they have to travel through, sleeping germs, and I
am the sleeper that travels



and the praying

mantis, its morning murmuring of arms and breathing
with the lambent lizard-tail
left behind in its belly,
the handphone transparently peeping



this gleaming girl

driving through the early evening city, drizzled asphalt, then
                                                                  stubble roadsides, then places
to fill up, tar traps, parcels of land

small as handkerchiefs; she’s not wearing her glasses because her moped
kows the way, the moped

sees everything



I licked

it, a thin-skinned, veiny membrane, translucently black, and
                                                                                the waste tips
stuck in the landscape, gliding past, their flickering
under the skin, fluttering

over the smouldering, sweating casks, I licked
it all, while gliding
                                              past



                                              only matter has

                                              created matter, nobody created we, we first
                                              created God –
                                                                              what for



                                              gas

                                              was the oldest silence in the world –



I nod, bound in a head-

scarf, floor-length smile in the eye-slit
of the guest culture: tolerance, yes, I

nod (impure), nod, nod: prayers for
a better world yes yes –



we travelled (or rather:) were travelled, someone

paid for the room, gave us a king-size bed, a curtain
of rainy season rustling, we already a jungle

of hair and teeth, in which your back

extinguished the flickering light, the rattling
of cooling fins, the smell of fly
poison, we
                                              are

                                              billions and billions, every cent
                                              of which

                                              wages war



a few words to redeem, goodness

perhaps, joy, mercy, or freedom, diversity, doubt, or
conscience or courage – the words redeem

or what they mean, or redeem
at all –

or at least: and



                                              flying dragon

                                              in my shoulder, rose-
                                                           fingered

                                              phoenix, in flood-nights it flies out
                                                           with burning claws –



everyone related

to everyone, even the mutants
related to everyone

Translation: Catherine Hales

Unter dem Kelpwald

allemand | Mara-Daria Cojocaru

Klimmzug, morgendliches Schwimmen, deine ersten
Gedanken, Fetzen vom Tang: Schlag die Schleppdecke
Weg. Wedel. Ein Räkeln, ein Raschen in den rätselhaften
Wasserlagen. Ständig wächst der Algenwald. Bald bricht

Ein ungeborgenes Licht dir fast das Genick. Du wischst
Durch die isolierende Luftschicht. Wieder Perlen im Fell
Vor die Clownfische. Und dazu die Sorge: Wo ist sie hin
Ein Delphin flinkt lautlos, lächelnd, gequält, spionierend

Vorbei. Die gute Zeit. Ein Lippfisch, ebenso farbenfroh
Wie ratlos, mit der Geschlechtsumwandlung befasst, lacht
Der Barschnachbar schnarcht im Speichelsack. Siehst du
Werkzeuggebrauch: and now the fish. Nachbiblisch schwarz

Blickst du zurück, durchs submarine Stängelgedränge
Ein Tummeln ist das. Zärtlich bemüht umspielst du die
Kurven eines neuen Kontinents. Vulkanische Landmasse
Korallendame oder eher propoetische Ersatzhandlung

Komm, vergiss doch diesen Schaumnestbau. Niemand
Könnte ewig leben in den Baumkronen, verschwimmend
Wo denkst du hin? Du als Otter, sie als Zitterrochen und
Das Seepferdchen als Pestizid? 17 000 Quietscheentchen

Zogen an euch vorüber. Und so viele Schiffe. Und immer
Wieder die ozeanische Geschichte vom großen Hund
Auf der Suche nach dem versunkenen Ball. So als wäre
Das was für euch, als müsste jeder diese Spiele lieben

Und auch diese Kinder. Doch sie sagte: Schnapsidee. Lass
Uns erst mal wie die Kinder sprechen lernen, den Genuss
Phytoplanktonblüten: hochprozentig klar sein, über Wasser
Über uns. Diese Herzverklappung geht ans Haftorgan

© Schöffling & Co.
from: Anstelle einer Unterwerfung, Gedichte
Frankfurt: Schöffling & Co., 2016
Audio production: Haus für Poesie, 2017

Under kelp wood

anglais

Chin-up, morning swim, your first thoughts
Scraps of kelp: hurl off the drift duvet. Fronds
A stretching, a rushing in this puzzle of water
Areas. The algae wood constantly grows. Next

A light, unsecured, nearly breaks your neck. You wipe
Through the insulating layer of air. Again, pearls in your fur
Before the clown fish. And you worry: where has she gone
A dolphin sleeks by, silent, smiling, tortured, a spy. Goodbye

To the good times. A lipfish, as colourful as
Baffled, grappling with its sex change, laughs. The bass
Next door snores in its saliva sack. See: tool use
And now the fish. In post-biblical black, you look back

Through the stipes pushing and shoving under the sea
So much to see. You lap around, tenderly and with great care
The contours of a new continent. Volcanic land mass
Coral lady or just some propoetic redirection activity

Oh please, forget about building these nests of foam. Nobody
Could live eternally, in the tops of trees, becoming water
Eventually. What did you think? You the otter, she the
Torpedo and the sea horse the pesticide? 17,000 rubber ducks

Bobbed past the two of you. And so many ships. And time
And again, that oceanic story of the big dog in search of
The sunken ball. As if that were something you would like
As if everyone should love these games

And these children, too. But she said: crap idea. Let us firstly
Learn to speak, like children, how to enjoy the phytoplankton
Blossom: to be high-proof clear, about water, about us
This ocean dumping of the heart cuts to the holdfast

Translation ©2017 Mara-Daria Cojocaru and Catherine Hales

Hilfestellung für den letzten Menschen

allemand | Mara-Daria Cojocaru

Heute also, triffst dich mit Charles1
Vorsitzender der Kommission
Für unseren letzten Menschen

Ahnung, ahnungslos, grob
Welches Geschlecht, wenn überhaupt eines
Welche Sprache, wenn überhaupt eine
Wird er denn sprechen? Wird er Rot sehen
Können? Vielleicht nein. Doch
Das gibt ihm kein Recht auf
Nichtexistenz. Was für ein very wrongful
Leben. Du knirschst die Pläne weg
Weg mit den Spitzen der Weltliteratur, zu der
Bettwäsche gelegt. Was für ein Stuss
Man bläst ihm ein Luftschloss auf
Apokalyptische Hüpfburg, konditioniert den
Universalen Palmarreflex
Doch er muss loslassen: in Hologrammen lachen
Quatschen, schnattern; jedes Leben förmlich
Grüßen können, muss er
Schon. Der Gedanke beschleicht dich
Nicht, er stellt dir ein Bein: Der letzte
Mensch könnte genauso dein Gesicht- und Scham
Loses, Hass schwitzendes
Gegenüber von vorhin sein: das über Tip und Topsy
Lachen oder was in Bedlam witzig finden kann. Allein

Du gehst durch deine Garderobe. Warum
Fragt dich dein Besenstiel, ist dir am
Fortbestehen des Menschen überhaupt gelegen
Kehrsache: Fehlfarben. Wollen wir es nicht
Mit Liebe versuchen2
Dann also: Schnuppernde Bilder, türmendes Licht
Agafias Gesangbuch für jeden Sonnenuntergang
Den er alleine verbringt. Und ein Mobile
Strandgut, letzte, beschädigte Hoffnungsträger
Auf dass er in allem lieben Rat und Herzschlag findet
Dazu ein rastloses Kitzeln in die Fersen genäht
Auf dass er
Nicht vergisst: Er soll die Mengenlehre von den
Bienen lernen, ganz genau. Denn: In einem seiner
Sommer bleibt der Honig aus. Und schwärmend
Mit den Schweinen schwimmen
Das soll er auch

1 Goselmanu, ihr seid nun per Du
2 Huch

© Schöffling & Co.
from: Anstelle einer Unterwerfung, Gedichte
Frankfurt: Schöffling & Co., 2016
Audio production: Haus für Poesie, 2017

Assistance for the last man

anglais

Today, then, you’ll be meeting Charles1
The Chairman of the Commission
For our Last Man

Clued-in, clueless, roughly
What gender, if any at all
What language, if any at all
Will he speak? Will he be able
To see red? Perhaps not. Yet
That doesn’t give him the right
Not to exist. What a very wrongful
Life. You scrunch the plans away
Away with the laces of world literature
Stash them with the bedding. What nonsense
He has his very own inflatable castle blown up
An apocalyptic bouncy castle, with grip
Reflex conditioning
But he has to let go: laughing
Chattering, gabbing in holograms; he really
Does need to be able to give any life a formal
Welcome. The thought doesn’t creep up
On you, he trips you up: the last
Man could just as easily be your face and shame-
Less, hate-sweating
Opposite from before who can laugh at Tip and Topsy
Or find Bedlam amusing. Alone

You go through your wardrobe. Why is it
Your broomstick asks you, that the continued
Existence of humans is even important to you
Other way round: wrong colours. Maybe we should
Try love2
So then: hesitant pictures, towering light
Agafia’s songbook for every sunset
He spends alone. And a mobile
Beach jetsam, last damaged bearers of hope
That he might find good counsel and a heartbeat in everything
And with a restless itching sewn into his heels
So that he
Will not forget: he should learn set theory from the
Bees, exactly. Because: in one of his
Summers there’ll be no honey. And swarming
Enthusiastically swimming with the pigs
He needs to be able to do that too

1 Goselmanu. You’re on first name terms now
2 Yikes

Translation ©2017 Mara-Daria Cojocaru and Catherine Hales

Fisch Öl: lädiert

allemand | Mara-Daria Cojocaru

Ich hab das Gefühl, es hilft
Das Gefühl hilft natürlich: Fischöl
Für posttraumatischen Stress

Ich das Gefühl, ich muss das diesen Fischlein
Sagen, Fischlein, Fisch
Leichen, tiefes Wasser, roter Schnapper
Tiefer, verschmierter Horizont

Aber die Frauen sagen nicht
Stopp – die Erdölbohrung
Sie sagen: Bohr, Baby. Bohrende
Ungewissheit, glitschiger Zweifel, was knabbert
Ein Schnapper nicht alles so weg. Er vermisst
Seine Larven, aber das ist nichts
Gegen den Blauflossenthunfisch: Angriff
Auf die Herzzellen. Nein, ehrlich, das ist
Das intention-to-treat-Prinzip
Komm, Herz, Psychoedukation. Ich hab
Das Gefühl, es hilft nur bei Frauen
Ich bin gerührt. My love story came to an end
Drill, Baby, drill. Ich weiß nicht
Ob es mir hilft: Aber ich sage es noch mal
Therapieversager Dispergator
There was absolutely nothing*

Kein Fisch schwimmt in der Kinderstube
Kein Fischöl nimmt den Schmerz
Kein Fisch kann die Depression erklären
Die wir sehen
. Kein Öl, kein Fisch


____________

* Sprach die Tiefseetaucherin im Deutschlandfunk, die nicht wusste, was sie sagen sollte, und

© Schöffling & Co.
from: Anstelle einer Unterwerfung, Gedichte
Frankfurt: Schöffling & Co., 2016
Audio production: Haus für Poesie, 2017

Fish oil: damaged

anglais

I have the feeling it helps
The feeling helps naturally: fish oil
For post-traumatic stress

I the feeling, I must tell these little
Fishlets, hey fishlets, fish
Corpses, deep water, red snapper
Deep, smeared horizon

But the women don’t say
Stop – the oil drilling
They say: Drill, Baby. Drilling
Uncertainty, slippery doubt, amazing what a snapper
Just nibbles away. It misses
Its larvae, but that’s nothing
Compared to the blue fin tuna: attack
On the heart cells. No, really, that’s
The intention to treat
Come on, love, psycho-education. I have
The feeling it only helps women
I’m moved. My love story came to an end
Drill, Baby, drill. I don’t know
If it’s helping me. But I’ll say it again
Treatment failure dispersing agent
There was absolutely nothing*

No fish swims in the nursery
No fish oil kills the pain
No fish can explain the depression
That we’re seeing. No oil, no fish


_________________

*Said that deep sea diver in that interview on the radio who did not know what to say and

Translation ©2017 Mara-Daria Cojocaru and Catherine Hales

Automatisches Morgendiktat mit meinem kritischen Hund

allemand | Mara-Daria Cojocaru

Mit einem Ohrenzucken schickt er die Sonne
Als Erstes duschen
Wir bleiben liegen, trödeln
Ein Traum von gestern klopft übers Pfotenspiel
Den Tag genau auf die Belastbarkeiten ab
Ich mache das Notat
Ein Schluchzen jagt die Herde lang vertaner Chancen
Und unsre frisch geborenen Fohlen
Über den angefrorenen Boden
Das Gras wächst grölend, stinkend, sauer
Der Wind schwimmt
Mit den Sirenen
Um die Wette, durch die Luft, über die Mauer
Dringt der Geruch vom Rückzug unsres stadtbekannten Fuchses
All das verschwindet hinterm steckdosengroßen, nassen
Unvergleichlich schwarzen, makrosmatisch mysteriösen Nasen
Spiegel: Wir lecken die Lefzen und Lippen im Wechsel
Schmecken im Philtrum den Wert ab
Den es hat, als Erstes in der Welt
Im Fell zu sein
Und feiern das bisschen
Anthropomorphismus
Mit kleinem Tanz und Schwanz
Wedeln an der Schwelle zum Bewusstsein

Ich lese ihm das vor, er nimmt es mir nicht ab
Und bedeutet, er ginge sich, noch heute, einen
Neuen Menschen
Kaufen

** Ich reibe es ihm noch einmal anders
Unter die Nase, mit mehr Rhythmus
Und spiel die zweite Hand
Dabei auf seinem Bauch
Wo das Fell dünn wird und hoch
Unter die erhobene Pfote
Wir sind doch beide pleite
Jetzt gefällt’s ihm auch

© Schöffling & Co.
from: Anstelle einer Unterwerfung, Gedichte
Frankfurt: Schöffling & Co., 2016
Audio production: Haus für Poesie, 2017

Automatic morning dictation with my critical dog

anglais

Twitching his ears, he sends the sun to
Shower first
We stay in bed, idling away
A dream from yesterday taps, with carillon paws
Checking the day precisely for what it can afford
I take the notes
A sob comes chasing the flock of long-lost opportunities
And our newborn foals
Across the frozen ground
The grass grows roaring, stinking, sour
The wind swims
Racing with the sirens
Through the air, across the wall
Penetrates the stench of the resident fox, beating a retreat
All that disappears behind that wet, incomparably black
Macrosmatically mysterious, plug socket sized nose
Leather: licking the flews, licking the lips
We taste in the philtrum the value
It has, being the first in the world
First of all, in the fur
And celebrate that little hint of
Anthropomorphism
With a short dance and tail
Wagging on the verge of being conscious

*          I read that to him, no approval
He signals that he was going
To buy himself, this very day
A New Human

**        I rub it under his nose again
But what I change is the rhythm
And I let my other hand play
Over his belly, where the fur
Is thinning, and up
Under his paw held in the air
Truth be told, we both are broke
Now he’s happy with it, too

Translation ©2017 Mara-Daria Cojocaru and Catherine Hales

Aus einer Position vermeintlicher Sicherheit

allemand | Mara-Daria Cojocaru

                                                                               The proper study of mankind is man,
                                                        but when one regards the elephant, one wonders.
                                                                                                        Papst Leo X. (nirgends)

So sehr ich mich bemüh, versetzt
Nach Asien: kein wilder Elefant
Zu sehen. Man trifft sich

In der Flüstergalerie. Dort legen
Die Armeen von Ektoparasiten1
Die Gebete dieser arbeitslosen Riesen

In Ketten und Verbindlichkeiten
Die man draußen kaufen kann
Willkürlich amputiere ich die Scham

Verschlucke, wie verschieden
Zahm und gefangen klingen
Aber sprachlos bleibt die Katastrophe

Ja angeblich unbekannt. Koshik
Dagegen, spricht und die Verwandten
Sprechen auch: Ich hör es deutlich

Aniya choah. Dein gestreckter Aschenfuß
Dein hingegebenes Leben, lang, und
Wieder nichts zu sehen, ich verstehe

Doch im Gehen winkt aus der Zuckerrohr
Plantage eine Elefantenkuh2 mir zu
Wie lustig die Forellen aus dem Wasser…

Ich muss lachen: mit
Den Gottesanbeterinnen
Gemeinsame Sache machen3

___________

1 Nach den Mahouts in den Genicken sitzend
2 Die sich als Dichterin verdingt
3 Was für ’ne Idee

© Schöffling & Co.
from: Anstelle einer Unterwerfung, Gedichte
Frankfurt: Schöffling & Co., 2016
Audio production: Haus für Poesie, 2017

From a position of supposed safety

anglais

                                   The proper study of mankind is man,
                        but when one regards the elephant, one wonders.
                                                           Pope Leo X (nowhere)

As much as I try, displaced
To Asia, I would not see a single
Wild elephant. We meet

In the whispering gallery, where the armies
Of ectoparasites* put the prayers
Of these unemployed giants

Into chains and liabilities
That can be bought outside
I arbitrarily amputate the embarrassment

Choke at how differently
Tame and captive sound
But if one is speechless, the catastrophe

Remains allegedly unknown. Koshik
In contrast, speaks and the relatives
Speak as well. I hear it loud and clear

Aniyachoah. Your bagged ashen foot
Your life laid down, long, and
Still not a thing to see, I understand

But as I’m leaving a cow elephant**
Waves to me from the sugar cane plantation
How joyfully the minnows come out and dart...

I have to laugh, make
Common cause with
Praying mantises***


_______________

*Sitting where the Mahouts have sat

**Moonlighting as a poetess

***What a thought

Translation ©2017 Mara-Daria Cojocaru and Catherine Hales

Apropos Herr Goselmanu

allemand | Mara-Daria Cojocaru

Also, ich bin seine Katze, zur
Blutdrucksenkung den Ägyptern
Schon bekannt, und
Als der Alte wusste
Wie es um seine Seelenruhe stand
Entzog er sich
Zunächst den Schlaf
Dann hat das Schlitzohr
Mich in einer Flasche aus
Halluzinogen verquicktem
Zuckerglas in den Fluss
Gesteckt. Ich leckte brav
Substanz – der Effekt
War: Darwin
Biss mir meine Krallen ab
In der Tat
Herrn Goselmanus Blutdruck sank und
Unterdessen trank ich, fand
Mich, mit der Auflösung
Der Flaschenwand
In seiner ruhigen Hand – seither
Schnurre ich, wenn man mich
Aus dem Wasser fischt

© Schöffling & Co.
from: Anstelle einer Unterwerfung, Gedichte
Frankfurt: Schöffling & Co., 2016
Audio production: Haus für Poesie, 2017

Apropos Mr Goselmanu

anglais

Now, I am actually his cat, well-known
To the Egyptians already for lowering
The blood pressure, and
When the old man knew
What the situation was
With his equanimity
He deprived himself of sleep
Then the crafty bastard stuck me
Into a bottle made of sugar glass combined
With hallucinogens, and threw me
Into the river. I licked like a good cat does
Substance – the effect
Was Darwin
Bit off one of my claws
And indeed
Mr Goselmanu’s blood pressure
Did come down
Meanwhile I drank, and I found
Myself, when the body of the bottle
Had finally dissolved
In his calm hand – ever since then
I purr when someone
Catches me, inadvertently

Translation ©2017 Mara-Daria Cojocaru and Catherine Hales

Mental Heat Control

allemand | Brigitte Oleschinski

Eine hochsensible Sonde wird im Gedächtnis befestigt
und spannungsfrei an den Nackenwirbeln entlang
bis zum Herzen, zum Zwerchfell, zur Vagina geführt.
Verankerung prüfen: Speicher blinkt.
Damit ist die Starttemperatur erreicht. Legt Strom
auf die Leitung. Ein Geruch von Regen weht auf, von nassem Pflaster
und alten Bäumen, in den ein Saxophon sich einschwingt
und schwingt und schwingt, bis alle Pfützen
die Augen erheben –

Der Speicher blinkt.
Dreht stärker auf! Das weich
und erwärmt erscheinende Abendlicht täuscht:
Über dem flachen Schärenrücken steht die Kälte
goldgefärbt und reizt in den Zellen
wieder die Mittelmeerlust, sich nackt auf die Felsen zu werfen,
an ihnen den Leib zu scheuern, zu reiben, die steinernen Risse
zu ertasten mit durstigen Händen, an quarzenen
Adern zu lecken und über die spröden, klüftigen Flächen
sich auszuspannen unter der bloßen Luft, gedehnt
bis an die Grenzen des Fleisches –

Die Sonde erwacht: ein winziger, glühender Sensor mitten
im Gehirn. Dies war das Stichwort, diese Lust
ist auszubrennen. Keine neue Begründung.
Anweisung löschen. Narbe löschen.

Ist die Sonde entfernt?
Sonde entfernt. Kontrolle positiv.

© beim Verlag und bei der Autorin
from: Mental Heat Control
Reinbek: Rowohlt Verlag, 1990
Audio production: 2001, M. Mechner, literaturWerkstatt berlin

Mental Heat Control

anglais

A highly-sensitive probe is fixed in the memory
and fed voltage-free along the neck vertebrae
to her heart, her diaphragm, vagina.
Check that it’s holding: storage unit’s blinking.
That means the start temperature’s been reached. Apply
current to the circuit. A smell of rain drifts up, of wet pavements
and old trees, into which a saxophone swings in
and swings and oscillates until all the puddles
have raised their eyes.

The storage unit blinks.
Turn the current up! The evening light
that seems so soft and warmed up is deceptive:
above the flat backs of the archipelagos the cold
is coloured gold and stirs again in her cells
desire for the Mediterranean, hurling herself naked on the rocks,
scraping and rubbing her body on them, exploring the cracks
in the stone with thirsty hands, licking quartz veins and stretching
out over the brittle, creviced surfaces in nothing but air, stretched
to the boundaries of the flesh –

The probe wakes up: a minute, glowing sensor in the middle
of her brain. This was the cue word, this desire
must be burned out. No new justification.
Delete the instruction. Delete the scar.

Has the probe been removed?
Probe removed. Control positive.


Translated by Catherine Hales


- - - - Alternative Translation - - - -

A highly sensitive probe is fastened in the memory
and run loosely along the vertebrae, leads extended
into the heart, the solar plexus, the vagina.
Test the connections: the light blinks.
So the starting temperature is achieved. Turn on
the power. The smell of rain wafts up, of damp pavement
and old trees, where a saxophone begins swinging
and swings and swings, until all the puddles
raise their eyes –

The light blinks.
More power! The weak
and warm-seeming twilight is deceiving:
Above flat cliff-backs the cold stands
tinged with gold and again surging through the cells
that mediterranean desire to throw oneself naked onto those cliffs,
to chafe oneself against them, to rub them, to touch
the stony fissures with thirsty hands, to lick at quartz
arteries and brittle, broken plates of stone
to stretch oneself beneath the open air, extended
to the edge of the flesh –

The probe reacts: a tiny, glowing sensor in the
brain. That was the correct response, this desire
is to be consumed. No new motivations.
Cancel the instructions. Efface the scars.
Power turned off.

Is the probe taken away?
Probe taken away. Control positive.


Translated by Gary Sea


- - - - Alternative Translation - - - -

A hyper-sensitive probe is attached to the memory
and conducted tension-free along the vertebrae
to the heart, the diaphragm, the vagina.
Check if firmly embedded: monitor flashes.
At which point starting temperature is attained. Introduce
current. A smell of rain wafts up, of wet paving
and old trees where a saxophone is swinging
swinging and swinging until all puddles
lift up their eyes –

The monitor flashes.
Increase current. The soft
and warm seeming evening light is deceptive:
above the flat ridge of rocks the cold stands
golden and in her cells again stimulates
a mediterranean urge to throw herself naked on the rocks,
scrape, rub her body against them, probe
the stony crevices with thirsty fingers, lick
at veins of quartz and spread herself out
over brittle, fissured surfaces beneath the sheer air, stretched
to the limits of flesh –

The probe awakens, a minute, glowing sensor ath the centre
of the brain. This was the cue, this was the impulse
to be eliminated. No new instructions.
Erase data. Erase links.
Wipe file.

Probe removed.
Probe removed. Test positive.

Translation 2 by Catherine Hales / Translation 2 by Gary Sea / Translation 3 by Raymond Hargreaves

Menschenseilschaft Halbaffenbeil

allemand | Sonja vom Brocke

Wir entgleiten
begießen die Nymphentemperatur
erobern schwaches Gewächs

ein verkalktes Nomen im Abguss
die Hüftgelenke auf
    Talerregen!
Ein schläfriges, tickendes Ei.

Dass du, Frau, und wir anderen Radierer
regsam und in Zeitlupe zugleich
den Flüchen begegnen.
Sammeln wir in der Kitteltasche zerstreute
stummelige Plättchen

sie werden nachgeben
liebend nisten
erschöpft und in Phlegma legen
himmelsgiftwirren Äthers noch voll
allein und in eins, ihre Sorge.

Sie wird uns helfen in ärgerer Zeit.
Gedrungen, softer zur Dauer.

Durchs All jagen indessen
hitzige Teeniechöre
erstarren blindlings im Schreck
vor der Sonne – sie ist heller, als man denkt! –
und sich selbst.

Die Verkohlten. Entheben noch zu Tentakeln
dann winken sie ihren Verwandten
und tippen einander zu:
Seepferdchen, Seepferdchen, du
eventuell war die Glut
eine andere Art des Abholens

© kookbooks
from: Venice singt
Berlin: kookbooks, 2015
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

Human rope team prosimian axe

anglais

We’re slipping away
watering the nymph temperature
conquering weak plant growth

a calcified nomen in the drain
the hip joints on
            Golden Rain!
A sleepy, ticking egg.

Would that you, woman, and we other erasers
would meet the curses
alertly and at the same time in slow motion.
Let us gather scattered stubby platelets
in the pockets of our white coats

they’ll yield
lovingly nest
exhausted and laying in phlegm
still full of ether confused with heavenly poison
alone and in one, their care.

Which will help us in a more terrible time.
Having come through, softer to permanence.

While heated teenie choirs race
through space
blindly petrifying in fright
of the sun – it’s brighter than you think! –
and themselves.

The charred ones. Shorn of all but tentacles
they wave to their relations
and tap keys to each other:

seahorse, seahorse, you
perhaps the glowing heat was
another way of being taken away

 
Poet's Note: another way of being taken away
From the farewell note of a young women which once came into my hands.

Translated by Catherine Hales

Ging die Auerstraße hoch

allemand | Sonja vom Brocke

Ging die Auerstraße hoch, durch Baugebiet, und vergaß zu verfolgen,
welcher Weg schon hinter mir lag – keine Schnur, ein Hineindrehen wie
Hineinreden, bis die Stadt nicht mehr zurrte in Fibern. Fieber-, Cyberland,
abgetrennt, war kaum Ziel, für den bangen Aufenthalt.

Ein Friedhof, darin das Theater, die alten Damen noch mottig, in ihre
Kittel gemufft. Hüte der Raben. Ihre hadernde Konferenz, die Zahl an
Zahl um das Efeugrab rankte. Doch ihr Gaukeln zerstob (ich gebe zu,
geschluchzt zu haben).

Empfindlicher Spuk. Danach nur die einzelnen Federn vom Hut, die keine
Federn waren, und auf den Grabstein flogen, der ein Grabstein war, und
so fort, aber für immer, unverwandt im Rumpelgarten der Abwesenheit,
in die ich mich löste.

Die Klinik von Hellichtem außerhalb der Mauern ein Aufkalken nüchterner
Uhrzeit. Mull und Radlager übernahmen die Führung, das Autohaus, in der
Wand einer Brücke, bot Kaffee an. »Setzen Sie sich, haarscharf und Flügel
echt! Diese Haut ist ein Schlachtvieh, wohlsortiert, Kuppeln unverbindlich
und hier, der Plastikknopf zähmt, was Sie sagen – sagen Sie! Hör’n Sie
mal?! Hören Sie? Kein Mucks; nun Sie mögen verschwinden.«

© kookbooks
from: Venice singt
Berlin: kookbooks, 2015
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

Walked up Auerstrasse

anglais

Walked up Auerstrasse, through the building site and forgot to take note
of which way I had gone – no thread, winding in like a tightening screw like persuasion, until the town was no longer fastened in fibres. Fever land, cyber land, cut off, was hardly a destination, for anxiously staying put.

A cemetery, in it a theatre, the old ladies still mothy, swathed
in their housecoats. Hats of the ravens. Their discordant conference, wreathed number on number about the ivy tomb. But their fluttering turned to dust (I admit that I let out a sob).

Sensitive spectre. Afterwards only the single feathers from the hat, which were not feathers, and fluttered on to the tombstone, which was a tombstone, and so on, but forever, unrelated in the rumble garden of absence into which I dissolved.

The clinic of broad daylight outside the walls a chalking-up of sober
time of day. Gauze and wheel bearings took over the lead, the car showroom, in the wall of a bridge, offered coffee. ‘Take a seat, that close and wings genuine! This skin is an animal for slaughter, well-stocked, coupling without obligation and here, the plastic button tames what you say – you say! Are you listening at all? Are you listening? Not a sound, now you can please get lost.’

Translated by Catherine Hales

Echolots Zornesmahl

allemand | Sonja vom Brocke


                                                      »Ich bin verschalt – und sie gaukeln!«
                

raffst die Fledermäuse zu Wutklumpen
kaust auf Lederwämsern, Arbeitsmuskeln
zwängst dich ein in die Herz-
und Nervstrangulierer, ein Herznervstrangulier-
maschinengeschlecht, geeicht.

Natürlich geeicht! Und von allen guten Geistern
bei den Minigauklern im Todhof gelassen
speist in Quasten, getrocknete Zwitter, Krust- –


beißt in Schaum. Ach.
Nippels ab ...

© kookbooks
from: Venice singt
Berlin: kookbooks, 2015
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

Sonar's supper of wrath

anglais


                                     »I am boarded in – and they are juggling!«


you pile the bats into clumps of rage
chewing on leather tunics, work muscles
cram yourself into the heart
and nerve strangulators, a heart-nerve strangulator
machine gender, calibrated.

Of course calibrated! And it’s abandoned by all reason
with the mini-jugglers in the courtyard of death
you feed in tassels, dried hermaphrodites, crust –


you bite into foam. Huh.
Nibble it off . . .

Translated by Catherine Hales

Kunde

allemand | Sonja vom Brocke

Das Doktorphantom auf der Terrasse. Wenn du jetzt deine Slipper ausziehst
beschützt dich die Schlange oder greift sie dich an?
Und was jetzt.     Nein
du hast keine Ahnung. Zahlst die Pommes und taumelst
bläst in den Pan-Hals, knackst
und denkst an Gregor, Saskia oder Ev
mit dem dicken, sichtlich erschöpfenden Haar.
Sie trägt ihr Kind wie angeboren, dazu ein Broschenaccessoire.
Ihr weht eine Brise von Malven und Stepptanz und der Typ (Typ Sporttyp)
hat kräftige Zehen und beißt in einen Apfel.

Während du reinkriechst, mal wieder die Brüste verspielst
(beheben) und zur Büste versteinst. In der ein zäher Nerv, ein – holder –
ein – hohler –  
    geräumiges Kulthaus der Abelam.

Jetzt beschützt dich die Schlange oder greift sie dich an?

© kookbooks
from: Venice singt
Berlin: kookbooks, 2015
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

Lore

anglais

The doctor phantom on the terrace. If you slip out of your shoes now
will the serpent protect you or attack you?
And what now.    No
you have no idea. You pay for your fries and stumble
blow into the Pan neck, crunch
and think of Gregor, Saskia or Ev
with her full head of hair you can see is exhausting.
She bears her child as to the manner born, with a brooch for bling.
A breeze wafting to her of mallow and tap dancing and the guy (sporty type guy)
has big, strong toes and takes a bite from an apple.

While you are creeping in, once again gaming away your breasts
(rectify) and turning into a stone bust. In which a tough nerve, a – noble –
a – hollow –
            spacious cult house of the Abelam.

Now does the serpent protect you or attack you?

Translated by Catherine Hales

Le Luxe

allemand | Sonja vom Brocke

aus Stenorüssel und -gebein
ne Lunatika geleimt

; nur in Vokabeln lieferte Le Luxe von Bräuns die Milch für ein
veganes Jahrzehnt, in dem Tastaturen – Insekten durch Weltstädte trampten

schaufelte Pyramidales, samt narbigen As, Gaumen und tückischen Sonnen
ein Lethegrab

die Räderaugen Lunatikas erwogen Bären der Realität, wie
aber sollten sie aufrecht stehen, im Gischttal der Giftidee
auf dem Hygienemull aussortierter Föten?

Nach Hieroglyphenkriegen der Kuss eines geschmuggelten Grizzlys

© kookbooks
from: Venice singt
Berlin: kookbooks, 2015
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

Le Luxe

anglais

a Lunatica cobbled together
from shorthand trunk and bones

; only as vocabulary Le Luxe von Bräuns supplied the milk for a
vegan decade in which keyboards – insects hitch-hiked through the world’s cities

a pyramid shape shovelled a Lethe tomb complete with scarred As, palate
and treacherous suns

Lunatica’s millwheel eyes pondered bears of reality, but how
were they supposed to stand up straight, in the spindrift valley of the toxic idea
on the hygiene waste tip of discarded foetuses?

After hieroglyph wars the kiss of a smuggled grizzly

Translated by Catherine Hales

Ablöse

allemand | Sonja vom Brocke

Was ist er entwichen. Einem Eihologramm? Einer sauber entfernten
Chip-Zyste? Der Neue-Knochen-Mann ist clean; bis in die engste
Zehnagelritze sterilisiert; selbst zwischen den Hinterbacken enthaart,
durchtrainiert farbfrei, bis ins symmetrische Mark. Pure Data. Seit
Azoikum alle Schrattage liquidiert, ein blanker Screen.

Noch tötet er, aber grifflos (Materie ist ihm nichts als Altlast,
anachronistische Gier), ohne quellendes Interesse – eigentlich reicht
ein Shift. Sorgt für Lösung. Dunkelheits Grafen zählen ihm nicht, Resopal,
kein Ingenieursinstrument zum Dränieren. Der Abhauch erfolgt ohne
Keime, darauf steht Garantie.

Mit Krimis, in denen sie schnäbeln, sich Wurmfortsätze krümmen,
treibt sich der Buli zum Speien. So ist sein Minusmagen leer wie eine
Unload- ... Urne, in der, hassenswert retrograd, das A- pfeift.

© kookbooks
from: Venice singt
Berlin: kookbooks, 2015
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

Relief

anglais

What did he slip out of. An egg hologram? A precisely removed
chip-cyst? The New Bones Man is clean; sterile right to the smallest
splits in his toenails; depilated even between his arse cheeks,
worked-out free of colouring, right to his symmetrical marrow. Pure data. Since
the Archean all hermit days liquidated, a blank screen.

He still kills, but without touching (material is nothing to him but a burden from the past,
anachronistic greed), with no swelling interest – in actual fact a shift
is enough. Gets a solution. Lords of Darkness don’t count for him, formica,
no engineer’s instrument for drainage. The final breath is drawn off
germ-free, and that’s guaranteed.

He’s a bulimic who stuffs himself with crime stories where characters bill and coo,
plots twist like worm-tails, until he throws up. That empties his minus stomach like an
unload . . . urn in which, hatefully retrograde, the A- whistles.

Translated by Catherine Hales

Wetterfelder / freeze frame

allemand | Hendrik Jackson

I

Geklirr gläserner Eiszapfen, das kalte Glas vor der Auslage, einige
Kristalle (Siedlung). für einen Augenblick war reines Nichts
der Horizont im Umdrehen weit (die Lider wie weggeschnitten)
reglose Luftschichten, du träumtest: dieser öde öde Nachmittag

ein feiner Riß – Lächeln, Lautsprecher schepperten im Eiszelt
das stete Summen des Aggregats, wie wir einzeln ausschwärmten:
kurzweilig Unruhe, fliegende Schatten über gleichgültige Gitter
(alte Reklamen) hinweg. Dunkel sickerte durch ein Loch am Himmel

II

von der Seite zog es in die Ärmel, einige Halbworte verschluckte
die Müdigkeit, zogen wir in die kältere Frostluft an der Rückfront
eines entfernten Gebäudes, ein Paar zwischen den Häusern, nachts
der Baum (Kescher) durch den knisternd Winde abflossen –

langsame Scheinwerfer Stille körperlose Schritte, dann Sätze
einer hergebrachten Handlung (Zwischeneinblendungen). im weichen
weißen Mantel floh die Eisprinzessin vorüber, Geister gingen durch
die Reihen der Sitze, der Häuser (deine Hand lag leblos in meiner)

III

die Tür klappte auf: der Schnee fiel (schlief) in dichten
Flocken – und stäubte, da begann etwas halb Vergessenes –
Gedanken passierten mühelos – zwei standen unbeachtet
wie wir damals, aufmerksam auf einen Arm (Pelz)

auf eine Wendung, erstaunt, im Gespräch um Zuneigung.
das Fahrrad, Gestänge und Lenker, Schnüre und Speichen
wurden weiß, wie von Kokos überrieselt (die schweren Mäntel)
feine, zweifelnde Versprechen, dein zurückgestecktes Haar

© Hendrik Jackson
from: Dunkelströme. Gedichte
Idstein: Kookbooks, 2006
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2005
Dem Tondokument liegt eine frühere Textfassung des Gedichtes zu Grunde

weather fields / freeze frame

anglais

I

draught up our sleeves from the side wind, tiredness suppressing
a few half words, we moved into the colder frost-air by the rear frontage
of a distant building, a couple among the houses, at night
the tree (landing net) through which winds flowed off crackling –

slow spotlights silence disembodied steps, then movements
from a conventional plot (interim fade-ins). in her soft
white coat the ice princess flew overhead, ghosts passing through
the rows of seats, of houses (your hand lying lifeless in mine)

II

jingling of glassy icicles, the cold glass in front of the window display, a few
crystals (housing estate). for a moment there was a pure nothingness
the horizon turning wide (eyelids as though cut away) –
motionless layers of air, you were dreaming: this dull dull afternoon

a hairline crack – smiling, loudspeakers rattling in the ice tent
the steady humming of the transformer, as we swarmed out singly:
briefly disquiet, flying shadows over indifferent gratings
(old advertising posters) and away. darkness trickled through a hole in the sky

III

the door swung open: snow was falling (sleeping) in dense
flakes – and gusted up, then something half forgotten began
thoughts passing effortlessly – two people were standing unnoticed
as we did back then, attentive to an arm (fur)

at a turning, astounded, in a conversation about affection
my bicycle, frame and handlebar, cables and spokes
turning white, as though sprinkled with coconut (the heavy coats)
fine, doubting promises, your hair tied back

translated by Catherine Hales

Wetterfelder / Verschwommene Ränder

allemand | Hendrik Jackson

I

Fahrten lauter Lichter, Eisentüren, über uns Cassiopeia unwillkürliche
Reflexe verwischten die Momentaufnahme (Schattenwände standen)
der Puls der Ampelschaltungen, einen Brief in der Seitentasche liefst du
verliefst dich im Dunst, plötzliche Panik trieb an: im Strom der Stadt

(strömender Regen) – Müdigkeiten überschwemmten, ein Detail verlagerte
seine Referenz. die ganze Weite ringsum riß auf, Folge ineinander
drängender Luftströme. im Cafe der Abglanz eines jubelnden Bildes
(lightning fields) – die diffuse Angst unter Überlebenden zu sein

II

an den Fassaden lief Regen ab. ein schwarzer Vorhang beiseite
geschoben, Rinnsale, unter metallenen Schildern spülte es
Bildfragmente weg, quillende Laute im Dickicht (Kulisse)
doch verwittert, ein Insekt fiel in die Straßenlaterne, es knackte

dann der ganze Straßenzug mit Himmel (die Stadt gab es nicht mehr)
befleckt. unentwegt unbewegtes Sichentfernen (von weit her) Grollen
Grauschleier, erkenntlich nur auf Photographien. dein Blick, sah ich
führte an mir vorbei. später nahmst du die Fährte auf


III

...leeres Brennen (i shaved the mountains) Eis am Fenster: Kristallisationen
Verläufe schwarze Schemen – und allein gelassen die Lichter, deren Ketten
sich durch die Häuserreihen zogen, die immergleichen gedämpften Laute
wo die Grenze zur Dunkelheit war – auf der Allee dann der Schmerz

schien stumpf. das bekamst du ab. es war ansteckend, ein Denken, schneller
als das Denken – uns aber überstieg es... (unstetes Gemurmel) schlohweißer
Horizont hinterm Schornstein (Schatten) - Krähen, und alles wie aussortiert
– lästiger Plunder. Barometer Niederschläge kein Anzeichen für Wunder

 

© Hendrik Jackson
from: Dunkelströme. Gedichte
Idstein: kookbooks, 2006
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2005
Dem Tondokument liegt eine frühere Textfassung des Gedichtes zu Grunde

weather fields / blurred edges

anglais

I

travellings so many lights, iron doors, above us cassiopeia involuntary
reflexes blur the snapshot of the moment (shadow walls standing) –
the pulse of traffic lights switching, a letter in your side pocket you ran
lost your way in the fog, sudden panic driving you: in the city's current

(streaming rain) – tirednesses flooding over, a detail shifting
its frame of reference, the whole range all around ripped open, consequence of
currents of air crashing into each other. in the café the reflection of a jubilant image
(lightning fields) – the indistinct fear of being among survivors
 

II

rain running down the facades, a black curtain drawn
aside, rivulets, beneath metal signs it washed
fragments of images away, bubbling sounds in the jungle of the city (stage set)
yet weather-shattered. an insect fell into the street light, there was a crack

then the whole street scene with sky (the city no longer existing)
soiled, unceasingly unmoved putting distance between (from far away) resentment
grey veil, only recognisable in photos, i could see your look
going straight past me. later on you picked up the trail


III

... empty burning (i shaved the mountains) ice on the window: crystallisations
tracks of black silhouettes – and abandoned the lights, the chains
of them threading among the rows of houses, the never-changing dampened sounds
where the border with darkness was – in the avenue then the pain

seemed dulled. you got hit by it. it was infectious, a thought, faster
than thought – but it was too much for us ... (unsteady murmuring) snow-white
horizon behind the chimney (shadows) – crows, and all as though thrown out
- annoying rubbish. barometer indicating rain no marking for miracles

translated by Catherine Hales

[zuweilen warst du nur]

allemand | SAID

zuweilen warst du nur
was wir beschlossen hatten
eine königin die ihre münder verschenkt
ein nasses tier
durstig und blind
das nach mehr wasser schreit
nach mehr wort

© SAID
from: unveröffentlichtem Manuskript
Audio production: 2007 M. Mechner, Literaturwerkstatt Berlin

[at times you were just]

anglais

at times you were just
what we had decided
a queen who gives away her mouths
a wet animal
thirsty and blind
yelling for more water
for more word

Translated by Catherine Hales

[Unfähig zum Rückzug...]

allemand | Johannes Jansen


Unfähig zum Rückzug geht uns die Ankunft voraus. Wollen sie nun
ankommen oder unterwegs sein, fragt die verfahrene Situation,
ohne ein Lächeln zu vermeiden. Letzteres, heißt es, denn wir
wollen nicht fertig sein, bevor sich die wechselnde Zeit nicht
erfüllt hat. Alles ist möglich. Nichts ist möglich. Ein Spiel
mit Aufbruch und Abscheu. Um unserer Existenz einen Zeitvertreib
zu bereiten, spielen wir die Wege durch. Sie enden alle im
Abseits, manche siegreich, doch der Sieg ist zu umgehen.

© Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2005
from: Halbschlaf. Tag Nacht Gedanken.
Zeichnungen von Regen Wachsmuth
Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag , 2005
ISBN: 3-518-12380-7
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

[Incapable of retreating...]

anglais

Incapable of retreating, arrival precedes us. Do you want to arrive or just be on the way, the intractable situation asks, without avoiding a smile. The latter, we say, because we don’t want to be finished before shifting time has fulfilled itself. Everything is possible. Nothing is possible. A game involving new departure and disgust. To give our existence a way to pass the time we play through the paths. All of them end offside, beyond the pale, some in victory, but victory has to be skirted round.

Translated by Catherine Hales

[Sommerregen. Schwarzer Abend. An den Rand]

allemand | Jürgen Becker

Sommerregen. Schwarzer Abend. An den Rand
einer Todesmeldung gekritzelt die verfügbaren Daten,
die das Interview in Gang setzen, die Erinnerung
an entrückte Begegnungen, von denen
wir uns mehr Zukunft versprochen hatten.

Der neue New Yorker bleibt offen liegen.
Was heißt Zukunft, wenn sich das letzte Gespräch
per Bandschleife endlos wiederholen läßt
und ein Nachruf zehn Jahre liegt im Archiv.
Trockener Sommer. Der Abend ist hell.

Eine Reise ist vorzubereiten. Man muß
durch eine Nebelfront, deren Weiß so weiß
wie chinesische Trauer ist. Bitte keine Zitate.
Thema vom Tisch. Die Gerstenfelder sind leer,
und man liest, kompliziert sind die Städte.


In memoriam Donald Barthelme

© Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1990
from: Das englische Fenster. heute in: Die Gedichte
Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag , 1995
ISBN: 3-518-39096-1
Audio production: 2000 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

[Summer rain. Black evening. On the edge]

anglais

Summer rain. Black evening. On the edge
of a death notice the available data scribbled
that set the interview going, the memory
of distanced encounters which we
had hoped had held a little more future.

The new New Yorker still open at the place.
What does future mean when our last conversation
can be endlessly repeated on a tape loop
and an obituary has been on the files for ten years.
Dry summer. The evening is bright.

We must get ready for a journey. We have
to go through a bank of fog of a white that’s as white
as Chinese mourning. No citations please.
The subject is finished with. The barley fields are empty
and, we read, the cities are complex.


In memoriam Donald Barthelme

Translated by Catherine Hales

[Schlaf der Geschichte. Die Karten Ansichten und Prospekte ]

allemand | Jürgen Becker

Schlaf der Geschichte. Die Karten Ansichten und Prospekte
waren vergriffen, oder es waren Fälschungen, von offizieller Seite
in Umlauf gebracht.
                                 Erinnerungen? Erinnerungen
an Familienangelegenheiten, die über die Hintertür
an die Öffentlichkeit kamen; erst später spielten im Sandkasten
die nationalen Interessen mit.
                                                Lange Zeit wurden die Rollen
nicht mehr besetzt, die vor und hinter den Kulissen
zu sprechen, etwas zu bewegen hatten, das die Leere
mit Konfliktstoff, Manövern, Verhandlungen, mit Personen
belebte, die sich nach allen Richtungen verneigten, wenn
wieder ein Krieg zu Ende war -
                                                    Gesichtslose Delegationen, Parkplätze
hinter den Hügeln. Im 'Winter werden die grünen Vitrinen
geschlossen. Es kommt auf die Momente des Alleinseins an,
die hinter der Biegung der Allee einen erwarten: es ist
wie eine plötzliche Begegnung
                                                   - du weißt, nach dem Aufwachen
hört alles auf, fängt alles an, das Suchen
nach richtiger Reihenfolge, das Mitmachen und Spielen gegen die Regeln.

© Frankfurt am Main Suhrkamp 1996
from: Korrespondenzen mit Landschaft. Gedichte. Collagen von Rango Bohne
Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag , 1996
ISBN: 3518408011
Audio production: 2000 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

[Sleep of history. The cards, views and prospects]

anglais

Sleep of history. The cards views and prospects
were out of print, or they were fakes, put into circulation
with an official stamp.
Memories? Memories
of family affairs that became public
by the back door; it was only later playing in the sandpit
that national interests came into it.
For a long time the roles
were vacant that were supposed to speak on stage and behind
the scenes, get something moving, animate the emptiness
with the stuff of conflict, manoeuvres, negotiations, with people
who bowed in every direction when
another war was over –
Faceless delegations, car parks
beyond the hills. In winter the green glass cases
are closed. What matters are the moments of being alone
awaiting us beyond the bend in the avenue: it’s
like a sudden encounter
- you know that after waking up
everything stops, everything starts, the search
for the right sequence, joining in and playing against the rules.

Translated by Catherine Hales

[Ich gehe eine Straße entlang...]

allemand | Johannes Jansen


Ich gehe eine Straße entlang als ginge ich eine Straße entlang
mit Nichts im Kopf, außer mich auf dieser Straße zu denken. Und
doch ist es ein Kreuzweg, der mich beschäftigt. Dieses Gefühl
der eigenen Nacktheit gegenüber allen und vor allem gegenüber
dem eigenen Abgrund, so daß meine Suche nach Formen in einen
Strudel gerät. Nicht ich finde oder bestimme die Form. Sie
wächst heraus aus dem Verschleiß meiner Existenz. Alles was mir
begegnet ist dazu angetan, mich versunken zu machen. So bin ich
auf offenem Meer. Das einzige was mich hält ist die Erinnerung
an jene Richtung, aus der ich gekommen bin: das Kind mit der
Freude an traurigen Geschichten. Seit damals befangen in diesem
Spiel, einer traurigen Jonglage. Wenn wenig zu sehen ist und
wenn es schwer war, das heißt, wenn es viel Trauer gebracht hat,
dann ist es gut. Man kann sagen, dass man nicht mitwächst.

© Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2005
from: Halbschlaf. Tag Nacht Gedanken.
Zeichnungen von Regen Wachsmuth
Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag , 2005
ISBN: 3-518-12380-7
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

[I’m walking along a street...]

anglais

I’m walking along a street as though I were walking along a street with nothing more in my mind than thinking myself on this street. And yet it is a crossing of ways that’s bothering me. This feeling of my own nakedness to everyone and above all to the depths of my own being, so that my search for forms is being drawn into a chaotic whirlpool. It’s not me who finds or determines the form. It grows out of the wear and tear of my existence. Everything I encounter is there to make me sunken. And so I am on the open sea. The only thing that is holding me is the memory of that direction I have come from: the child with the joy in sad stories. Since then ensnared in this game, a sad juggling act. If there’s little to see and if it was difficult, that is, if it brought much grief, then that is good. One could say that one does not grow with it.

Translated by Catherine Hales

[EINZELNE RATTEN]

allemand | Nicolai Kobus

EINZELNE RATTEN laufen im schatten von mauern
und hecken sie hatten vor generationen schon
schlechte erfahrungen auf freier fläche

gesammelt die prägen fürs weitere leben
das geht nur selten verlassen von statten
sie suchen beständig ihr ebenbild

rotten von ratten bevorzugen grotten
mit glatten böden auf denen sie satte masse
und dichte gewinnen als matten aus fell

und fleisch auf engstem raum verwachsen sie
im innern zu einem organ das atmet gelassen
und wird genährt von den rändern her

sie sagen sich du bist vollkommen gleich
unter gleichen unsterblich und nicht allein

[aus der serie kleintiere]

© Nicolai Kobus
from: hard cover
Münster: ardey Verlag, 2006
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

[INDIVIDUAL RATS]

anglais

INDIVIDUAL RATS run in the shadows of walls
and hedges generations ago the things
they experienced in open spaces

were not good they take note of things so that life
can go on which is only rarely a matter of going
it alone they constantly look for their likeness

gangs of rats prefer grottoes
with smooth floors upon which they gain
sated mass and density as mats of fur

and flesh fused together inside in the closest
proximity to one single organ that breathes
easily and is fed from the margins

they tell themselves you are completely equal
among equals immortal and not alone

[from the series small animals]

Translated by Catherine Hales

[die stadt]

allemand | SAID

die stadt
sie lehnt die erde ab und meint jede berührung mit ihr
sei eine abwärts gerichtete zärtlichkeit
sie überläßt ihre toten den einheimischen tieren
und ihre gebeine den fremden winden
ihre grenzen sind verseuchte mülldeponien
die zu festungen mutiert sind
die stadt lebt von den fortgegangenen
und vom fleisch ihrer erzählungen
dem fremden wird an der grenze ein wort beigebracht
fortan pflegt er seine verblendung
die einwohner lassen sich verleugnen
sie tragen kein organ mehr zur bespitzelung
der heimkehrer wird in ein glashaus gestellt
mit einem maulkorb und muß sich alles anhören
die stadt lauscht vergnügt dem klagelied der blinden
nachts wandert sie durch ihre gassen
und achtet auf die schritte der fremden

© SAID
from: unveröffentlichtem Manuskript
Audio production: 2007 M. Mechner, Literaturwerkstatt Berlin

[the city]

anglais

the city
it rejects the earth and believes any contact with it
to be a tenderness leading downwards
it leaves its dead to the indigenous animals
and their bones to alien winds
its borders are contaminated waste tips
mutated into fortresses
the city lives off those who have departed
and from the flesh of their narratives
the stranger is taught a word at the border
from then on he cultivates his blindness
the inhabitants allow their own denial
they no longer bear any organ for spying
the returnee is placed in a house of glass
with a muzzle and has to hear everything
the city listens with delight to the lament of the blind
at night it wanders through their alleyways
alive to the steps of the strangers

Translated by Catherine Hales

[der wolf]

allemand | SAID

der wolf
brachte die sprache auf deine augen
und ihre landschaften
ausgeraubt von meinen küssen
dein leib
aus treue zum licht abtrünnig geworden
verdingt sich beim vorbeiziehenden herbst

© SAID
from: unveröffentlichtem Manuskript
Audio production: 2007 M. Mechner, Literaturwerkstatt Berlin

[the wolf]

anglais

the wolf
brought language to your eyes
and their landscapes
plundered by my kisses
your body
turned apostate out of loyalty to the light
offers itself up to the passing autumn

Translated by Catherine Hales

[der süden deiner augen]

allemand | SAID

der süden deiner augen
der norden deines fleischs
der norden beraubt den süden
seiner sprache
die nacht
findet ein wort für uns
in einer sprache
die noch kein tier verdrängt hat

© SAID
from: unveröffentlichtem Manuskript
Audio production: 2007 M. Mechner, Literaturwerkstatt Berlin

[the south of your eyes]

anglais

the south of your eyes
the north of your flesh
the north robs the south
of its language
the night
finds a word for us
in a language
that no beast has yet suppressed

Translated by Catherine Hales

[DAS WESPENNEST]

allemand | Nicolai Kobus

DAS WESPENNEST ein fester rest von bauwerk
im zwischenraum der gaube als letzter
test des überlebens vor dem winter

ich glaube die ritzen der rigipsplatten
durchsickert kein kleistersekret
sondern geronnenes blut so sterben

gestreifte körper in röhren als material
und werkzeug zugleich in diensten
der königin ich höre das fressen

ein ohrenbetäubendes flüstern im dach
der kammerjäger vermittelt gelassenheit
angesichts einjähriger nester spätestens

nach dem ersten frost ist ruhe da oben
vergleichsweise kurzfristige staatenbildung


[aus der serie kleintiere]

© Nicolai Kobus
from: hard cover
Münster: ardey Verlag, 2006
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

[THE WASPS‘ NEST]

anglais

THE WASPS‘ NEST when the best of the rest
of the building between the eaves is the last
test of survival before the onset of winter

I believe the scratches scored in the plasterboard
not a secretion of sticky paste
but congealed blood it’s the dying

of striped bodies in pipes as material
and simultaneously tools in the service
of the queen I hear their feasting

an ear-splitting whispering in the roof
the pest control man has a relaxed attitude
regarding annual nests at the latest

after the first frost there’ll be quiet up there
comparative short-termism in state-building


[from the series small animals]

Translated by Catherine Hales

[bitte verlassen sie diesen raum]

allemand | Nicolai Kobus

bitte verlassen sie diesen raum
so wie sie ihn vorfinden möchten
danke möchten sie diesen raum
vorfinden wie sie ihn verlassen
haben bitte räumen sie alles so
vorgefundene als wären sie
verlassen worden danke sie
möchten doch nicht daß man
sie so verlassen im raum vor
findet bitte seien sie für einen so
verlassen vorgefundenen raum
dankbar bitte räumen sie diese
verlassenheit als hätten sie etwas
vorgefunden danke finden sie
einen raum der so verlassen
ist wie sie möchten bitte mögen
sie derart verlassene räume danke
so finden sie raum in der verlassen
heit bitte versuchen sie nicht sich
in verlassenen räumen zu finden
danke das vorfinden verlassener
räume möchten sie bitte unter
lassen danke alles vorgefundene
ist wie sie in der verlassenheit
des raums bitte finden sie diesen
raum so wie sie ihn verlassen haben
danke unterlassen sie räumliches
vorfinden bitte räumen sie diese
so vorgefundene verlassenheit
danke wie möchten sie in diesen
vorgefundenen räumen verlassen
werden bitte verlassen sie sich
auf die stattfindende räumung
danke möchten sie so vorgefunden
den raum noch verlassen bitte
verlassen sie diesen raum so wie
sie ihn vorfinden möchten danke


                                                       für Raphael Urweider

© Nicolai Kobus
from: hard cover
Münster: ardey Verlag, 2006
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

[please leave this room]

anglais

please leave this room
in the state in which you would like
to find it thank you would you like
to find this room in the state in which
you have left it please clear out
everything thus found as though you
had been left thank you you would not
like somebody to find you left
abandoned in the room now
would you please be grateful for
a room a space found in such
an abandoned state please clear out
this abandonedness as though you had
found something here thank you find
a space that is as abandoned as
you’d like please do you like this
kind of abandoned space thank
you this is how you find space in
abandonment please do not try
to find yourself in abandoned
spaces thank you you are requested
please to refrain from finding
abandoned spaces thank you every-
thing found is like you in the abandoned-
ness of the space please find this space
in the state in which you have left it
thank you refrain from finding things
pertaining to spaces here please
clear this abandonedness thus found
thank you how would you like to be
abandoned in these found
spaces please have faith in the clear-
ance that is taking place thank you
you are requested found as you are
still to leave the space the room please
leave this room in the state in which
you would like to find it thank you

Translated by Catherine Hales

[Auf der Schwelle verharren...]

allemand | Johannes Jansen


Auf der Schwelle verharren. Kühle aus dem Inneren des Gebäudes,
einer Kirche oder einer Produktionsstätte am Feiertag. Ich habe
nur Stichproben gemacht, mich dann auf die Schwelle zurückgezogen. Der Blick und das Warten. Altäre oder Maschinen. So unklar
ist das. Die Beleuchtung gedämpft. Das warten auf Erinnerungen,
von jedweder Berührung oder Vorhaltung frei. Der Traum vom nützlichen Handeln, nicht auf mich gerichtet, sondern auf ein Anderes, das mich aber doch zu erklären scheint, indem ich ihm
diene.

© Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2005
from: Halbschlaf. Tag Nacht Gedanken.
Zeichnungen von Regen Wachsmuth
Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag , 2005
ISBN: 3-518-12380-7
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

[Pausing on the threshold...]

anglais

Pausing on the threshold. Cold from inside the building, a church or a production facility on a public holiday. I’ve taken just random samples, then withdrawn back to the threshold. The looking and the waiting. Altars or machines. It’s that unclear. The lighting subdued. The waiting for memories, free of any touch or reproach. The dream of taking useful action, aimed not at me but at something else that nonetheless seems, however, to explain me, in that I am serving its purpose.


Translated by Catherine Hales

yellow

allemand | Sabine Scho

zwei gleich große hälften
die kerne, der saft, die noppen
tentakel von innen, die halten
das alles zusammen, die innen-
haut der innenhaut, elastomere
durchtrennt, ich ging durch die
schale, passionsfurcht einflößen
ein maler stand pate, and you really
wanted to ask, what i was afraid of?

© 2008 kookbooks, Idstein
from: farben. Gedichte
Idstein: kookbooks, 2008
Audio production: 2008 Literaturwerkstatt Berlin

yellow

anglais

two halves of equal size
the seeds, the juice, the knobbly bits
tentacles from inside, holding it
all together, the inner skin
of the inner skin, elastomers
severed, i went through the peel
instilling passion fright
a painter inspired this, and you really
wanted to ask what i was afraid of?

Translated by Catherine Hales

Wieder die Wespe sein, die morgens

allemand | Brigitte Oleschinski

durch ein fremdes Zimmer taumelt, flirrend hoch
über den Baustellenwaben, den weit in den Beton hinaus gefächerten

Lastwagentrassen, den am Boden verstreuten Wäsche-
stücken, Bungee war das

an einem Seidenfaden, Bun-

gee –

© beim Verlag und bei der Autorin
from: Your Passport is not Guilty
Reinbek: Rowohlt Verlag, 1997
Audio production: 2001, M. Mechner, literaturWerkstatt berlin

Being the wasp again, which every morning

anglais

tumbles through a strange room, whirring high
above the building site honeycombs, the lorry road beds fanned out

deep in the concrete, the items of underwear strewn over
the floor, bungee is what that was

on a silk thread, bun-

gee –

Translated by Catherine Hales

Was zu erreichen ist

allemand | Jürgen Becker

Die nächste Stunde. Als würde man warten. Aber
die Beschäftigungen gehen weiter, von den Altlasten wollen wir
gar nicht erst reden.

Hell genug ist es draußen. Es bedarf keiner
Aufforderung kein Motiv für den Leitartikel; ich sag dir
alles früh genug.

Es ist wirklich ganz einfach. Mit dem Rücken zur Wand,
zum Fenster, zum Bildschirm, zur Tür. Nichts mitbringen,
der Tisch bleibt jetzt leer.

© Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1999
from: Journal der Wiederholungen. Gedichte
Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1999
ISBN: 351841026-1
Audio production: 2000 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

What is to be achieved

anglais

The next hour. As though we were waiting. But
there are always things to be done, we won’t even mention
all the baggage.

It’s light enough outside. No prompting’s
needed no subject for the leader; I’ll tell you
everything soon enough.

It’s really quite simple. With your back to the wall,
to the window, to the screen, to the door. Bring nothing with you,
the table will now stay clear.

Translated by Catherine Hales

Was steht

allemand | Björn Kuhligk

Ich verneine die Zeitpunkte, die Flächen
die Orte, die zu stecknadeln sind

ich liebe, was ich nicht verhökern kann
ich hasse, was ich anders lieben könnte

ich traue dem Wasser, dem Unvermögen
der Unschärfe, dem Sand

solang ich mich erinnern kann, fängt
das Wünschen immer wieder von vorne an

© Berlin Verlag
from: Großes Kino
Berlin: Berlin Verlag, 2005
ISBN: 3-8270-0584-1
Audio production: 2004, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

How it is

anglais

I deny the points in time, the surfaces
the places that should be pinned

I love what I can’t flog off
I hate what I could love differently

I trust water, inability,
lack of clarity, sand

as long as I can remember, wishing
has kept on starting again from the beginning

Translated by Catherine Hales

vorrat

allemand | Andreas Altmann

der schnee beginnt in den augen,
wenn der wind das licht
laut aus den pappeln treibt.
du mußt dich entscheiden,
wenn dich dein schatten verläßt,
welche wege du aufstellst
fürs gehen. das zimmer erkaltet
unter geräuschen des schnees.
es klopft an der tür. du öffnest das holz.
es ist die alte geschichte.
jemand erkennt dich
und erzählt dir, was war.
du trocknest die worte und hoffst,
daß sie halten. doch noch ist es
september. du verteilst
deine schatten nach ihren gewichten,
fällst leicht durch die worte,
die leiser werden, verstummen,
wenn du sie aufschlägst
auf seiten des schnees.

© Rimbaud Verlag
from: das langsame ende des schnees. Gedichte.
Aachen: Rimbaud Verlag, 2005
ISBN: 3-89086-624-7
Audio production: 2004, M.Mechner / literaturWERKstatt berlin

store

anglais

the snow begins in your eyes
when the wind drives the light
loudly from the poplars.
you must make up your mind
when your shadow leaves you
which paths you consider
for taking. the room grows cold
with the sounds of the snow.
there is a knock on the door. you open.
it’s the old story.
someone recognises you
and tells you how things were.
you dry the words and hope
that they’ll keep. but it’s still only
september. you share out
your shadows by their weights,
fall lightly through the words,
which grow softer, fall silent,
when you turn to them
on pages of snow.

Translated by Catherine Hales

Vater: sagen die Kinder

allemand | Nora-Eugenie Gomringer

Ohne William James
Wäre er nicht pragmatisch
Er stellt sich hin
Und trinkt ein Ei aus der Schale
Füchslein sagen die Kinder
Stielt ein Ei

© Verlag Voland & Quist
from: Klimaforschung [Mit Audio-CD]
Dresden und Leipzig: Verlag Voland & Quist, 2008
Audio production: 2004, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Father: say the children

anglais

Without William James
He wouldn't be pragmatic
He sits himself down
and drinks an egg from the bowl
Foxy say the children
Is steeling an egg

translated by Catherine Hales

Vater, Mutter und Karin

allemand | Sabine Scho

jüngeres Kind von zweien.
Der Vater ist Fabrikant.
Die Mutter versorgt den Haushalt.
Die Eltern besitzen ein Haus auf dem Land.
Karin wächst in harmonischen Verhältnissen heran.
Man nimmt sich die Zeit, widmet dem aufgeweckten Kind
einen Großteil der Aufmerksamkeit, die es braucht, denn
das, so der Vater, macht sich später einmal bezahlt. Karin zeigt
gute Intelligenzbegabung, besonders für schlußfolgerndes Denken.
Sie liest früh und viel, steckt voller Ideen, was sie werden will, wenn
sie groß ist
                                                                          Karins Körperbau hat
                       alle Merkmale einer Frühentwicklung bei Hochwuchs.
  Wenn sie nicht als leptosom bezeichnet werden kann, dann wegen
    ihrer kräftigen Muskulatur und den breiten Schultern. Ihre Haltung
         ist grazil, beherrscht, zuweilen posiert sie, neigt zu Rollenspiel.
           In ihrer Selbstdarstellung auf Wirkung bedacht, zieht sie stets
                    die Blicke an. Ihr Ausdruck ist gewandt. Mit dem älteren
                       Bruder streitet sie viel. Der, so der Vater, wäre besser
                                         nicht geboren, wenigstens nicht als Mann.
                                                                          Die Eltern, noch jung,
wollen ein drittes Kind
oder später einmal einen anständigen Schwiegersohn.
Einen Mann von heute, der den Betrieb leiten und Karin etwas
bieten kann. Karin könnte in der Firma helfen, Buchhaltung und
die Auslandskorrespondenzen führen, denn man will expandieren.
Und vielleicht wird der Junge mal Jura studieren, so die Mutter ver-
söhnlich. Daß sie die Männer nicht haßt, deren Hemden sie bügelt.
Das, so der Vater, muß Karin noch lernen.

© 2008 kookbooks, Idstein
from: Album. Gedichte
Idstein: kookbooks, 2008
ISBN: 9783937445298
Audio production: 2001 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Father, Mother and Karin

anglais

younger child of two.
Father owns a factory.
Mother looks after the household.
The parents own a house in the country.
Karin grows up in harmonious surroundings.
They take the time to devote to the precocious child
most of the attention she needs, because
that, says her father, will really pay off later. Karin shows
great intelligence and is especially gifted in logical thinking.
She reads early and a great deal and is full of ideas about what she wants to do
when she grows up
                                                                          Karin’s body has
                       all the characteristics of early development of excessive height.
  If she cannot be described as leptosomic, that’s because of
    her muscular build and broad shoulders. Her posture
         is graceful, controlled, sometimes she likes to pose, tends to role play.
           Aware of the effect of the way she presents herself, she’s constantly
                    drawing people’s gaze. Her expression is quick. She fights
                       a lot with her older brother. Who, says their father, should never
                                         have been born, at least not as a man.
                                                                          Their parents, still young,
want a third child
or later on at least a proper son-in-law.
A man of today who can run the business and have something to offer
Karin. Karin could help out in the firm, doing the books and
the foreign correspondence, because the idea is to expand.
And maybe the boy will study law some day, says mother,plac-
atingly. So that she won’t hate the men whose shirts she irons.
That, says father, Karin still has to learn.

Translated by Catherine Hales

unter dem glassturz

allemand | Norbert Hummelt

noch stehn die magnolien nicht
im zenit doch ist ein druck
auf meinem linken augenlid
u. sendet schauder bis in
mein gehirn als sei der flieder
schon an mir vorbeigegangen

die glocke soll sich nur nicht
wieder senken, um gottes
willen bitte, nicht um mich
ich will auch immer atmen daß
ich luft bekomme, mit tropfen
künstlich die pupillen weiten

daß ich das blühen einmal nicht
versäume, das weiße blitzen
der kastanienbäume
von dem ich eingekapselt
schon u. immerfort mit
allen venen u. arterien träume

© Luchterhand Literaturverlag
from: Zeichen im Schnee
München: Luchterhand Literaturverlag, 2001
ISBN: 3-630-62005-1
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

under the bell jar

anglais

the magnolias are still not
yet at their zenith however
something's pressing my left
eyelid and sending shockwaves
to my brain as though the lilac
had already passed me by

hold the bell jar up it's not
yet time to lower it again, for god's
sake please, not around me all I
want is to keep breathing so
that I can get enough air, artificially
dilate my pupils with eyedrops

so that just this once I do not
miss their blooming, the white
flashes of the chestnut trees
of which I'll dream in this
capsule now and for ever more
with all my veins and arteries

translated by Catherine Hales

und wieder ein paradies.

allemand | Jörg Schieke

dann lief ich durch die stadt bis an den rand
                                                                             der stadt
                                                        und habe tote
                             tiere, die ich fand,
auch nur mit langen zweigen
                                           angefasst. ich wollte
    auf zwei fingern
            pfeifen können doch es kam
         ein viel zu leichter, leerer, nicht mal den ratten
hinterm schilf
         vertrauter ton, so dass, wer mit mir scherzen wollte,
                                                                sich erbrach und ich,
und ich? ... ließ mich
                       von einem stein, der mir am herzen lag,
             bemuttern.

© Schieke
from: Seemanns Gesten. Gedichte und Prosa
Leipzig: Connewitzer Verlagsbuchhandlung, 1997
ISBN: 3-928833-70-7
Audio production: 2000 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

and again a paradise.

anglais

then i ran through the city right to the edge
                                                                             of the city
                                                        and the dead
                             animals i found
i only touched with long
                                           branches. i wanted
    to be able
            to whistle with two fingers but what came out
         was a sound that was much too light, empty, unfamiliar
even to the rats
         beyond the reeds, so that anyone wanting to joke with me
                                                                vomited and i,
and i? ... let myself be
                       mothered by a stone that was close
             to my heart.

Translated by Catherine Hales

Tragödie

allemand | Nora-Eugenie Gomringer

Mama hat mich
immer gewarnt

Mit dir zieh ich mir
ein hölzernes Pferd
in die Mauern

Papa ringt jetzt
mit den Schlangen
am Strand

© Verlag Voland & Quist
from: Klimaforschung [Mit Audio-CD]
Dresden und Leipzig: Verlag Voland & Quist, 2008
Audio production: 2004, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Tragedy

anglais

Mother was always
warning me

With you I'm pulling
a wooden horse
inside my walls

Now Father's wrestling
with snakes
on the beach

translated by Catherine Hales

Totentanz

allemand | Norbert Hummelt

furcht vor dem dunkeln ist es nicht alleine
man kennt sich kaum u. will auch nicht viel
mehr, der lange heiße sommer ist vorüber u.
stau war nur bei köln, doch auf der gegenspur
im dunst, im flachlandniesel liegt die scheune
daß ich musik auflege, kommt so oft nicht vor
man kennt sich gut u. wird sich immer fremder
bloß bleibt im kopf die alte partitur .. ist alles
nichts für sanftere gemüter, der krach, die posen
u. das viele bier, doch einmal fand ich darin viele
zarte wunder, u. wenn die wiederkämen, gäb ich
was dafür. furcht vor dem dunkeln dringt aus allen
boxen, die lichtorgel alleine macht nichts her; es
fehlt die discokugel, fehlt das trockeneis. nur jedes
fünfte lied sieht man noch beine zucken, doch in
den augen blitzt es gar nicht mehr .. wenn nur der
nebel in die scheune käme u. hüllt die tanzenden
gestalten ein: im dunst, im flachlandniesel huschen
bilder; so wild kann aber nur der tanz der toten sein.

© Luchterhand Literaturverlag
from: Totentanz, München: , ISBN
Luchterhand Literaturverlag, 2007
ISBN: 3-630-62109-0
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

dance of death

anglais

fear of the dark is not the whole story. we hardly
know each other and don't really want much more,
the long hot summer is over and the only traffic jam
was near cologne but going in the other direction.
the barn is in the haze, the drizzle of the flat land.
It's not often that I'm the one who puts the music on.
we know each other so well and are becoming more
and more like strangers. the old score is all that stays
put in our minds. this is nothing for gentler spirits, the
racket, the posing, and the quantities of beer, but once
I found in all of this many tender wonders, and if they
came back I'd have no objection. fear of the dark leaks
from all the speakers, the lighting console can do no-
thing on its own; there's no disco ball, no dry ice. only
one song in five is still able to get our legs twitching,
but there's no more sparkle in our eyes .. if only the fog
were to come into the barn and enfold the dancing fig-
ures: in the haze, the drizzle of the flat land images are
flitting; but only the dance of the dead can be so wild.

translated by Catherine Hales

Täler

allemand | Norbert Hummelt

dieses tal so gut wie irgendeines in seiner sanft
gekerbten muldenform birgt in den falten
irgendein geheimnis das vor der ebene zu einem

nichts zerstäubt im flachland flüchtet sich das sehen
weiter bis es sich bricht am fernen horizont
in wintertälern ist der weg verschneiter wenn nur

der gleithang sich im morgen sonnt in großen städten
sind die schluchten steiler wie in manhattan
die fifth avenue u. wie die brooklyn bridge u. ihre

pfeiler die wir von nahem sahen ich u. du in den
vertiefungen des einen körpers in sofaritzen
u. wo bettzeug liegt ein tal ist auch wo hier das buch

gefalzt ist im herzrhythmus auf einem diagramm
weiß ich doch selbst nicht was der kühle
grund ist mich zog es immer schon hinab zur klamm

© Luchterhand Literaturverlag
from: Totentanz
München: Luchterhand Literaturverlag, 2007
ISBN: 3-630-62109-0
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

valleys

anglais

this valley as good as any in the softly carved
hollow of its trough-like form holds in its folds
some secret that disperses to nothing before

the plain in the flat land sight flees further
until it breaks on the far horizon in winter valleys
there's even more snow blocking the way if only

the slip slope sunning itself in morning light in big
cities the gullies are steeper like in manhattan
fifth avenue and like the brooklyn bridge and its

pillars which we saw close up you and I in the
depths of the one body in cracks in sofas and where
bedclothes are lying this too is a valley where here

the book is folded in the heart's rhythm on a pristine
hospital chart I have no idea myself what the cool
reason is something's always drawn me down into the ravine

translated by Catherine Hales

sonett mit morpheus

allemand | Norbert Hummelt

erst ist die luft so süß von sanften drogen
u. wenn wir kuchen essen schließt sich lid um lid
dann wird die welt nach innen umgebogen
doch in der brust ist immer nur der stille beat

das ist musik mich in den schlaf zu schicken
u. was ich sehe ist allein das gras
ich werde müde wie van gogh zu blicken
weiß blüht der mandelsproß im trüben wasserglas

was denn für bilder. ich war weggetaucht
zu zögern zwischen halt u. überlassen
dann ist der kuchen restlos aufgebraucht

u. alles denken sinkt u. mir ist komisch warm
wie ist es möglich dich jetzt anzufassen
du bist so weit auf einmal weg in meinem arm

© Luchterhand Literaturverlag
from: Zeichen im Schnee
München : Luchterhand Literaturverlag, 2001
ISBN: 3-630-62005-1
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

sonnet with morpheus

anglais

at first the air is sweet with soft intoxication
as we eat this cake our eyelids snap shut one by one
then the world bends inwards in its dislocation
but in our breast only this silent beat goes on

this is music to send me nodding off
and all I can see then is this grass
I'm getting weary of seeing things like van gogh
the almond cutting is flowering white in the cloudy water glass

what pictures then. I slipped under and succumbed
to hesitate between holding on and letting go
then the cake is gone, we've eaten every crumb

and all thought sinks and I am strangely warm
how is it possible that I can touch you now
you are suddenly so far away encircled in my arm

translated by Catherine Hales

skin

allemand | Sabine Scho

säureschutz und druck
empfindlichkeit, zeig
mal das bein, a heart-
shaped bruise
, my
business, was geht
es dich an, bestimm-
ungsübung an reinzieh-
sachen, die sorge kam
doch schon längst ab-
handen, flächenüber-
greifend einen oberarm
umfassen, ein funkeln
ein zischen bemäntelt
das lachen, das muss
erst einziehen, die epi-
kritischen stellen, warte
ich halte das kühlkissen

© 2008 kookbooks, Idstein
from: farben. Gedichte
Idstein: kookbooks, 2008
Audio production: 2008 Literaturwerkstatt Berlin

skin

anglais

someone wants me
to say grass and spread out
a blanket, good grass, the pure
opulence of ruminants
it’s nothing, i willingly let
it be known, nothing more than
wind in the willows, could pass
for mars, a blue man from the
fast cleaners, preferably
photosynthesis, stromatolite
fields, temperature drops in des-
olate bloom, view from here creviced
free laser engraving, nothing and not
a drop of rain

Translated by Catherine Hales

seefahrerjournal.

allemand | Jörg Schieke

erster bis dritter tag: versteck gespielt
auf dem vordeck, unten
bei den gefangenen und sogar da, wo man's
nicht darf, in den

rettungsnussschalen. etwas fleisch
durch den fleischwolf gedreht und den schiffskoch
durch seine kochmütze gezogen. abends
äquatortaufe, neptunfest und

badefasching, alles auf einmal. weiter; vierter
bis siebter tag: jenny, die einzige frau
hier an bord, repariert meine letzte,
geheim gehaltene zigarette. mit leuchtenden
         
fingern und fingerspitzen
flickt sie den vom filter her
aufgeschlitzten und beim springen
von mast zu mast
      
gänzlich zerbrochenen glimmstengel marke
ich kann nicht mehr. achter (die gischt
spritzt & erlischt) bis zehnter: unwetter,
kotzen über die reling, offiziere in schlafanzughose

und uniformhemd versuchen beim ertrinken
zu reden. ich nehme den linken
lungenflügel voll rauch und fülle
den rechten mit dem gas

des entsetzens. bemerke erst jetzt,
die gallionsfigur draußen am bug
ist das ebenbild unseres
seit tag eins verschollenen käptens.

© Schieke
from: Manuskript
unveröffentlicht,
Audio production: 2000 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

seafarer’s journal.

anglais

first to third day: playing hide and seek
on the foredeck, below
where the prisoners were and even
where we’re not supposed to, in the

nutshell-like lifeboats. winding a bit
of meat through the mincer and dragging
the ship’s cook though his chef’s hat. in the
evening the equator baptism, neptune festival and

bathing carnival, all at one go. to continue; fourth
to seventh day: jenny, the only woman
here on board, repaired my last
cigarette i’ve been keeping secret. with shining

fingers and fingertips
she flicked the fag of the brand
i can’t go on slit open
from the filter up and completely

shattered when I leapt
from mast to mast. eighth (wave swells
spraying & subsiding) to tenth: bad weather,
throwing up over the railing, officers in pyjama trousers

and uniform shirt trying to talk
while drowning. I got a left
lung full of smoke and filled
my right with the gas

of outrage. only now notice
the figurehead out there on the bow
is the spitting image of our
captain who’s been missing since day one.

Translated by Catherine Hales

Scham

allemand | Nora-Eugenie Gomringer

Neben Martin
sah ich auf den Hang
vom Rosengarten aus
Meine Sandalenfüße
Warm von Urin
Keine Rose
wollt mich erstechen

© Nora-Eugenie Gomringer
from: unveröffentlichtem Manuskript
Audio production: 2004, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Shame

anglais

Next to Martin
I looked at the hillside
from inside the rose garden
My sandaled feet
Warm with urine
No rose
would prick me

translated by Catherine Hales

Rauschen

allemand | Hendrik Jackson

Regen schuf sich sein Meer und das Meer seine Wellen, schwollen
Wolken über der weißen Gischt des Meeres – helle Töne –
und wie Staub auf der Tonbandspur alles ineinander vermischt
die Stimmen, flüsternd, treten hervor aus dem Gestern, aus den
toten Gesprächen, eingewoben ins Moiré anschwellender
...sch...wellender Interferenzen, wohin der Wind geht, ob er sacht
aufbraust aufrauscht abflaut, lau oder leicht anhebt, wie Flausch
verraschelt oder aschgrau in grau verstummt – eine Handbewegung
wenn wie nach langer Krankheit alle Gleichzeitigkeiten endeten
alle Böen sich wendeten aufgebäumt Fragen sich leichthin erhöben

© Hendrik Jackson
from: Dunkelströme
Idstein: kookbooks, 2006
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

background noise

anglais

rain made for itself its sea and the sea its waves, clouds
swelled over the white spray of the sea – light tones –
and like dust on the tape track everything mixed in together
the voices, whispering, emerge from yesterday, from its
dead conversations, woven into the moiré of swelling
...sw...elling interference, whither the wind goes, whether it simply
whips up, whistles up, settles again, rises mild or light, rustles
like mistles or ash grey falls silent in grey – a hand movement
when as though after a long illness all simultaneities were to end
all squalls change tack reared up questions casually be raised

translated by Catherine Hales

rauschen

allemand | Andreas Altmann

nachtfrost hatte die gegend gelöscht,
farben brachen ineinander. du hast mir
geschrieben, wechsle dich aus und den namen
an eine andere tür gesprochen. das holz war hart
für deine weichen lippen. das rauschen
nach dem brand der bäume war noch warm.
du hast mein haar aus deinem mund gerochen.
der kopf war nackt und flüssig deckte sich
die hand im wasser auf und das gesicht
schwamm in den blick zurück. ich schrieb dir
ohne nur ein wort die alten stellen aus.
es war kein brief. es war mein leben.

© A.A.
from: Augen der Worte. Gedichte.
Aachen: Rimbaud Verlag, 2004
ISBN: 3-89086-654-9
Audio production: 2004, M.Mechner / literaturWERKstatt berlin

rushing

anglais

night frost had obliterated the region,
colours collapsed into each other. you wrote
and said to me make a new start and spoke
my name at a different door. its wood was hard
for your soft lips. the rushing sound
after the fire in the trees was still warm.
you smelled my hair from your mouth.
my head was bare and my hand fluidly
revealed itself in the water and my face
swam back into view. I wrote out the old
places for you without even a word.
it was not a letter. it was my life.

Translated by Catherine Hales

Psalmen (Auszug - Anfang)

allemand | SAID

herr
du kannst alles anbeten
neben mir
denn ich habe den anspruch der einzigartigkeit
aufgegeben
um nicht im eigenen licht zu erstarren
und ich bitte dich oh herr
verrate mir alle deine namen
auch den letzten
den verborgenen


herr
entzweie dich
für den abtrünnigen der ich bin
für meine zornlosen hände
für meine selektive treue
die alles verrät
bis auf träume und gebete


herr
laß uns das gespräch wieder aufnehmen
nach langem erzwungenem schweigen
nachdem du deine geschöpfe denaturiert hast
in auschwitz
in hiroshima
in halabtsche
in srebrenica
gehst du nun auf die knie vor den opfern?
und vor den tätern auch?
und glaubst du
daß wir die Versuchung zu einer noch radikaleren
                                                           liebe überstehen
ohne dein wort?


siehe oh herr
ich singe kein lob auf dich
ich suche dich
mit meinen gliedern
die ich eigens für dich gezüchtet habe
denn ich will über dein wort wachen
auf daß die liebe neu entdeckt werde
und wir unsere Wildheit zurückgewinnen

© Verlag C.H.Beck oHG
from: Psalmen
München: Verlag C.H.Beck, 2007
ISBN: 978 3 406 55750 7
Audio production: 2007 M. Mechner, Literaturwerkstatt Berlin

psalms (excerpt - beginning)

anglais

lord
you may worship everything
beside me
for i have given up my claim
to singularity
so as not to rigidify in my own light
and i ask you o lord
betray to me all your names
even the last one
the hidden one


lord
part yourself into two
for the apostate that i am
for my hands without wrath
for my selective loyalty
that betrays everything
even dreams and prayers


lord
let us enter into conversation again
after the long forced silence
since you denatured your creatures
in auschwitz
in hiroshima
in halabja
in srebrenica
do you now kneel before the victims?
and before the perpetrators too?
and do you believe
that we will survive the temptation to still more radical
                                                            love
without your word?


see o lord
i am singing you no praise
i am seeking you
with my limbs
that i have bred specially for you
because i want to guard over your word
so that love will be rediscovered
and we gain back our wildness

Translated by Catherine Hales

Ohne Kragen und wenn wirs denken würden

allemand | Björn Kuhligk

Die Farbfilme lagern in Kühlschränken
ein Beischlaf kann im Treppenhaus
beginnen, ja, unter den Tieren sind
wir die traurigsten

wir kaufen Geld an Automaten
wir mieten Zimmer für den Sommer
wir lesen morgens Zeitung und
erleben Déja-vus, wir erwarten
Liebesbriefe, die nicht kommen
wir denken uns ein Land und vögeln
bis ein Heiland niedergeht und
schieben Einkaufswagen durch
einen schwerbestückten Laden

ja aber, WENN WIRS DENKEN WÜRDEN
wir stünden auf Aussichtstürmen, eine Menge
Nomaden im verstörten Licht
„Es gibt Ansätze“, würde jemand
flüstern, „Eine Verbesserung“
würde jemand hinzufügen und vielleicht
sagt es dann einer: DER MENSCH ALS
KLEINSTE WIRTSCHAFTLICHE EINHEIT
geht jeden Sonntag Kuchen holn oder
steht vor einem Zielfernrohr
an dessen Ende der Körper fällt, MACHTS
GUT, NACHBARN, ja, es genügt
zu wissen, wie eine Schwertlilie aussieht

© Berlin Verlag
from: Großes Kino
Berlin: Berlin Verlag, 2005
ISBN: 3-8270-0584-1
Audio production: 2004, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Collarless and were we to think it

anglais

The colour films are stored in fridges
a sex act can begin in the stairwell
yes, of all the animals we
are the saddest

we buy money from machines
we rent rooms for the summer
we read the papers in the mornings and
experience déja-vus, we expect
love letters which do not arrive
we think up a country and fuck
until a redeemer falls and
push shopping trolleys through
a well-stocked shop

yes, but, WERE WE TO THINK IT
we’d be standing on lookout towers, a crowd
of nomads in the disturbed light
“There are reasons to believe,” someone
would whisper, “an improvement,”
someone would add and perhaps
someone will then say it: THE HUMAN BEING
AS THE SMALLEST ECONOMIC UNIT
goes to get cakes every Sunday or
stands in front of a telescopic sight
at the end of which the body falls, TAKE
CARE, NEIGHBOUR, yes, it’s enough
to know what an iris flower looks like

Translated by Catherine Hales

Niemand hier

allemand | Brigitte Oleschinski

berührt dich. Es ist nur dein Atem, der

die Wände beschlägt und in der Ecke
den umgestülpten schwarzen Eimer. Der Atem
bläht sich und stinkt

wie ein Scheuerlappen. Niemand hier
berührt dich

© beim Verlag und bei der Autorin
from: Your Passport is not Guilty
Reinbek: Rowohlt Verlag, 1997
Audio production: 2001, M. Mechner, literaturWerkstatt berlin

Nobody here

anglais

touches you. It’s just your breath

misting the walls and in the corner
the upturned black bucket. Your breath
bubbles up and stinks

like a scouring pad. Nobody here

touches you

Translated by Catherine Hales

Nachtlied

allemand | Norbert Hummelt

die nacht ist wieder da, ich stehe lauschend
über mein kind gebeugt an seinem bett, um
einen atemzug mit mir hinauszunehmen, aber
alles still; die nase scheint ganz frei zu sein
kein rasseln geht, u. ist es auch nicht völlig
finster hier im zimmer, so kann ich doch das
heben oder senken der bettdecke nicht ohne
zweifel sehen. in mir ist alles ungewiß wie je
ein zwielicht, das durch die lamellen dringt.
ein bellen nebenan, ein krankenwagen sind
zeichen, daß die welt besteht. ich muß es
glauben, es ist leicht, morgen früh, wenn gott
will, hören wir wieder die ringeltaube. ihr ruf
erinnert mich .. es ist august, mein liebling,
alles still. ich weiß nur sicher, daß die dielen
knarren, so vorsichtig ich mich bewegen mag.
es ist passiert; ein kurzes schlafeszucken mit
dem fuß rührte die spieluhr an, sie singt; oder
war es meine hand, die um die decke streicht.
ein kurzes wimmern nur, damit ich gehen kann.

© Luchterhand Literaturverlag
from: Totentanz
München: Luchterhand Literaturverlag, 2007
ISBN: 3-630-62109-0
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

night song

anglais

it's night-time again, I stand listening, bowed
over my child beside her bed, so that I can
take a breath away with me, but all is still;
her nose appears to be quite free, there's no
rattling, and it's not completely dark here in
the room, but still I can't see the rising or falling
of her cover without any doubt. everything is
uncertain in me as ever a twilight was that breaks
in through the blind. barking next door and an
ambulance are signs that the world exists. I have
to believe it, it is easy; lay thee down now and
rest, and in the dawn we'll hear the ring dove
again. its cry reminds me .. it's august, my love.
all is still. all I know for certain is that the floor-
boards creak however carefully I move. it's
happened; a brief twitch of her foot in her
sleep has touched her toy clock, it's singing;
or was it my hand stroking over the cover.
just one quick whimper so that I can go.

translated by Catherine Hales

Liebesrost

allemand | Nora-Eugenie Gomringer

Über Nacht
Hast du oxidiert
Neben mir

Hast auf mich reagiert
Bist rostig geworden
Du sagst
Golden
Ich lecke an deinem Hals
Du schmeckst wie der
Wetterhahn

© Verlag Voland & Quist
from: Klimaforschung [Mit Audio-CD]
Dresden und Leipzig: Verlag Voland & Quist, 2008
Audio production: 2004, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Love rust

anglais

Overnight
You've oxidised
Next to me

You've reacted to me
Gone rusty
You say
Golden
I lick at your neck
You taste like the
Weathervane

translated by Catherine Hales

distanz.

allemand | Jörg Schieke

ein wagnis am strand patrick macht
photos von lou in der pose
des sängers sie ändern


ihre namen tagsüber sie geben sich beide
nicht zu erkennen. patrick
schläft meistens in kleidern nur


um trostlos zu träumen in
unterkellerten räumen lauscht er den fernen
nerven des partners der seine fragen


einzeln parat hat am abend
baden die beiden vom boot aus und lautlos
verlassen die andren den strand richtung
hafen -

© 1995 Druckhaus Galrev
from: Die Rosen zitieren die Adern. Gedichte und Kurzprosa
Berlin: Druckhaus Galrev, 1995
ISBN: 3-910161-62-6
Audio production: 2000 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

distance.

anglais

a dare on the beach patrick takes
photos of lou in the pose
of the singer they change


their names during the daytime they pretend
they don’t know each other. patrick
sleeps mostly in dresses only


so as to dream without comfort in
rooms with cellars he listens to the far-off
nerves of his partner who has each


of his questions off pat in the evenings
the two of them bathe from the boat and silently
the others leave the beach and head for the
harbour -

Translated by Catherine Hales

Die Liebe in den Zeiten der EU

allemand | Björn Kuhligk

Wie ein Grenzschutz wieder
eine Linie zieht, das muß, es
darf geschossen werden, das
muß, das darf gefilmt werden

wie erdfremd dieser Kontinent
mit Sternchen am Revers, wie der
die Abwehr aufbaut, Mutti macht
noch schnell den Abwasch

als im Süden die ersten Turnschuhe
angespült wurden, später zwei, drei
Zweibeiner gefischt wurden, das muß
es darf zurückgefeuert werden

© Berlin Verlag
from: Großes Kino
Berlin: Berlin Verlag, 2005
ISBN: 3-8270-0584-1
Audio production: 2004, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Love in the age of the EU

anglais

As a border patrolman draws
a line again, shooting is necessary,
is permitted, filming
is necessary, is permitted

how unworldly this continent
with little stars on its lapels, how it
builds up its defences, Mummy
quickly does the washing up

when the first sneakers were washed
up in the south, later two, three bipeds
were fished out, firing back
is necessary, is permitted

Translated by Catherine Hales

Der Rose kündigen für den Tag, an dem alle nach Dornen fragen

allemand | Nora-Eugenie Gomringer

An süßduftenden Tagen, an denen Regen auf allen Bänken sitzt
und ein Rentner über die Rohheit der Jugend erzürnt
-denn der Regen ist jung und tritt die Bänke mit Wasserfüßen-,
an schweren, dunstigen, ebendiesen Tagen
ist der Garten ein Revier der Zierde,
der Schnecken und Würmer,
der Zähne der Löwen,
der Größe der Rosen,
der Majestät und des Grüns.
Ich sitze und gehe manchmal,
es ist ein Tanzschritt eher als ein Wegbereiter,
ich komme nicht an, ja ich verlaufe mich sogar.
Ich trete auf die Zehen meines Baumes.
Mein zarter Schuh versucht ein Muster, versucht etwas bleibendes zu zeichnen,
der Regen wird kommen und wird vergessen machen.
Ich werde mich wegspülen, ich werde unter der Straße gluckern, ich werde mich
wenden, an Ecken an die Oberfläche sprudeln,
ich werde Wände hinauf und hinabsteigen.
Meine Hände spielen im Haar der Farne
und ertasten das Zarte und Gegangene.
Ich denke bei mir, wie leicht und sonderbar die Flächen sind, auf denen wir
                                                                                               wandern
und gar nicht leben.
Der Rose lecke ich den Hals, den schlanken und ihre breite Stola lässt mich im
Schatten weilen.
Der Dorn, der kleine Sarazene, ist voller Eifersucht. Sein Schwert ist alt und meine
Lust sehr jung. Die bunte Dame gewährt, dass ich ein Blatt von ihrer Brust ablöse,
ein Blütensegel, ein bauschiges Tüchlein, das ich mir um Lippen und Fingerkuppen
lege, um, wie ein Schwärmer, dummer Junge, kleiner Muck vor ihr zu lagern und
                                                                                                               wie
einer, der nur Rosenworte reden darf.
Meine Dame hat ihr Herz auf meine Zunge gelegt mit dem einen Kuss.
An Tagen, wie ebendiesen. In Nächten wie jenen,
entsage ich dem Duft und schicke mich, um sie zu betrügen,
an die Hände und Münder anderer Sträucher.
Ich beiße in die Tomate, ich feiere die Röte der Völle.
Hin und her schwingt mein Verdacht,
der Garten raunt. Ich bin entdeckt,
enttarnt als Larve, die ein Blatt zerreißt.
Die Ameise kommt, um nach mir zu sehen.
Die treue Amme trägt mich hinab.
Manchmal bin ich ein Haus, das verlassen wurde von einer Schnecke.
Ich liege als stille Erinnerung am Rand und Halme wachsen in mich hinein
und Vögel hallen wider.
Meine Mauern, die gewunden und wund, zittern wie einsturzgefährdet.
Kein Denken an die fröhlichen Feste.
Sie fragen nach Dornen, die Undankbaren.
Für ebendiesen Tag, sage ich, habe ich der Rose gekündigt.

© Verlag Voland & Quist
from: Sag doch mal was zur Nacht. [Mit Audio-CD]
Dresden und Leipzig: Verlag Voland & Quist, 2006
Audio production: 2004, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Through with the rose for the day on which everyone is asking about thorns

anglais

On sweetly-scented days on which rain sits on all the benches
and a pensioner rails at the rough manners of youth
-for the rain is young and kicks the benches with feet of water-
on heavy, misty days, days like this in fact,
the garden is a refuge of desire,
of snails and worms,
of dandelions,
of the greatness of roses,
of majesty and green.
I sit and walk sometimes,
it is a dance step rather than a pioneering one,
I don't get there, in fact I even lose my way.
I tread on the toes of my tree.
My tender shoe attempts a pattern, tries to draw something permanent,
the rain will come and wash memory away.
I will wash myself away, I will gurgle under the road, I will
twist and turn on corners bubble on to the surface,
I will climb up walls and down again.
My hands play in the hair of the ferns
and finger what's tender and gone.
I think to myself how light and strange the places are where we wander
and do not live at all.
I lick the rose's throat, its slender neck, and its wide stole lets me
stay for a while in the shade.
The thorn, the small Saracen, is swollen with jealousy. His sword is old and my
desire very young. The bright lady lets me take a leaf from her breast,
a petal sail, a miniature wind-filled canvas, that I stroke over my lips and fingertips
so that I, like a worshipper, silly boy, quiet as a mouse, can lie before her and like
someone who may only speak rose-words.
My lady has laid her heart on my tongue with a kiss.
On days like this one. In nights like that
I renounce the scent and take myself off to deceive her
at the hands and mouths of other shrubs.
I bite into tomatoes, celebrating the red of their fullness.
My suspicion swings to and fro,
the garden murmurs. I've been discovered,
revealed as a larva tearing a leaf.
The ant comes to see about me.
The loyal midwife takes me down.
Sometimes I'm a shell that's been abandoned by a snail.
I lie as a silent memory at the edge and grasses grow into me
and birds echo.
My walls, winding and wounded, tremble as though they're about to collapse.
Not a thought wasted on all the fun and parties.
They ask about thorns, the ungrateful things.
For just this very day, I say, I'm through with the rose.

translated by Catherine Hales

der erste schnee

allemand | Norbert Hummelt

du sagst du wußtest schon wie du zum fenster
gingst es ist die amsel die uns da beäugt
so tief wie du in meinen armen liegst hielt sie

sich fliegend an sich selber fest jetzt sitzt sie
stumm wo in der dunkeln gabelung noch eine
spur von etwas weißem blieb das ist bestimmt

erst über nacht gekommen u. stäubt herab
wenn sie den zweig verläßt du sagst im schlaf
hast du den ersten schnee gerochen doch

was uns trennte ist noch nicht besprochen
sind denn die vogelbeeren noch nicht bald
erfroren ich sah sie leuchten eben im geäst

© Luchterhand Literaturverlag
from: Zeichen im Schnee
München: Luchterhand Literaturverlag, 2001
ISBN: 3-630-62005-1
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

first snow

anglais

you say you already knew as you walked
to the window it's the blackbird eyeing us there
as deeply as you lying in my arms it held

itself tightly to itself in flight and now it's sitting
silently where in the dark fork yet another
trace of something white remains that must surely

just have come overnight and drifts down like dust
when it lifts from the branch you say in your sleep
you've smelled the first snow although

we have not yet spoken of what separates us
will the rowan berries not yet soon be frozen
I've just seen their glow in the filigree of branches

translated by Catherine Hales

Keine Ansprachen

allemand | Björn Kuhligk

(für Tom Schulz)


KEINE ANSPRACHEN, das Licht
sollte sich nach den Schatten richten

nichts Klares, kein Fahrplan
ein Gewirr aus Stimmen

ein Anfang aus jenem, vielleicht auch
etwas völlig anderes, wer weiß

z. B. Schneewehen im August oder
eine Bowling-Bahn, die nicht gemietet wird

anderen Tags, so wünscht man, einen Mund
der spricht, ein Ohr, dem etwas zu versprechen ist

© Berlin Verlag
from: Großes Kino
Berlin: Berlin Verlag, 2005
ISBN: 3-8270-0584-1
Audio production: 2004, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

No speeches

anglais

(for Tom Schulz)


NO SPEECHES, the light
should take its lead from the shadows

nothing clear, no road map
a jumble of voices

a beginning from which, perhaps something
completely different too, who knows

e.g. snow drifts in August or
a bowling alley that’s not hired

next day, for this is what we wish for, a mouth
that speaks, an ear to which a promise can be made

Translated by Catherine Hales

Kalium

allemand | Sylvia Geist

augen zu
im schlaf die lücken memorieren – „wüsstest gleich aber
hättest nicht du glichest“ - bis sie entfallen. abermaliges
aber

witziges spiel
wieder die geschicke der hände: haushalten mit wasser
und gleitzeit ihre gerechte verteilung auf abschiede. reinigungskräfte.
zählwerke.

was fehlt
sind verluste der appetit angeschlagener gefäße auf aschen
wucher mit glimmer galliger krume nochmals land pflanzen
wollen

neue parzellen
der urne fürs schwächelnde herz. das zitiert nichts
als sich. schnürt. zunge um zunge. bleibt flüchtiger
gelände.

© Sylvia Geist
from: Zyklus: Periodischer Gesang. unveröffentlicht
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Potassium

anglais

eyes closed
memorising gaps in sleep – “should have known but
didn’t what you resembled” – until they fade. repeatedly
but

amusing game
again the hands’ quick skill: sparing with water
and flexitime their fair sharing of farewells. cleaners.
counters.

what’s missing
are losses appetite of damaged vessels on ash
proliferation of mica bitter topsoil wanting to replant
land

new plots
for urns for the weak heart. quoting nothing
but itself. binds. tongue by tongue. remains transient
terrain.

Translated by Catherine Hales

déjà-vu

allemand | Norbert Hummelt

nimm nur die hand nicht weg aus meinem haar
u. streichel die bebende kopfhaut bloß weiter
mach still. mach ruhig. mach hin. laß nicht nach.
wie unruhig macht mich dies fußbodenmuster.
erzähl mir irgendwas, hauptsache sprich mit mir.
hier ist ein cluster panischer momente
was vorher bildlich war ist implodiert
u. kehrt als endlos ausgedehntes in der zeit zurück
hier ist die platte die andauernd springt
du kennst u. kennst nicht das verdammte stück
du kannst nicht aus deiner haut, aus dem kopfraum
u. jeder wimpernschlag ist ungeheuer
u. jeder satz den einer spricht ein schock u. stoß
u. jedes wort hat schwerkraft u. gewicht
u. zieht mich runter, bild erschlag mich nicht
nimm nur die hand nicht weg aus meinem haar
u. streichel die bebende kopfhaut bloß weiter
mach still. mach ruhig. mach hin. laß nicht nach.

© Luchterhand Literaturverlag
from: Zeichen im Schnee
München: Luchterhand Literaturverlag, 2001
ISBN: 3-630-62005-1
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

déjà vu

anglais

just don't take your hand away from my hair
and do keep on stroking my trembling scalp
be still. be calm. do it. don't stop.
how the pattern on this floor disturbs me.
tell me something, anything, just talk to me.
here is a cluster of moments of panic
what I could visualise has now imploded
and is returning endlessly expanded into time
here is that record that's always jumping
you know and don't know the fucking song
you can't escape your own skin, the space in your head
and each beat of an eyelash is an abomination
and each sentence someone speaks a shock and a blow
and each word has gravity and weight
and drags me down, image do not strike me dead
just don't take your hand away from my hair
and do keep on stroking my trembling scalp
be still. be calm. do it. don't stop.

translated by Catherine Hales

Iridium

allemand | Sylvia Geist

einmal angenommen
es ginge um etwas anderes. es ginge seltener
als gold um selteneres als das um etwas worin
man es aufbewahrte wäre es nicht widersinnig gold aufzubewahren
in seltenerem als gold. es ginge nur einmal
angenommen um kugelschreiber sonnenbrillen federn in mechaniken dinge
so wenig selten wie wasser oder licht widersinnige
dinge die es in sich haben spuren sind
von seltenem ohne dass man es wüsste dinge
die nicht enttäuschen nur entzwei gehen können
und trotzdem

aufbewahrt würden
weil sie nicht selten nur geschenke wären wie
momente zwecklosigkeiten die man einmal angenommen behielte spuren nicht
von momenten oder eines seltenen moments vielmehr von viel
mehr weil sie seltenes nur keinen einzigen moment
aufbewahren angenommen es ginge einmal um gar keinen
seltenen moment noch um die unabsehbar vielen einzigen
momente nur um das viele eines unabsehbaren moments
einen den man wenn man ihn behielte wieder
erhielte weil er einen bewahrte wie nicht
seltene dinge

selteneres aufbewahren
können kugelschreiber sonnenbrillen spuren davon sind federn sind
einer mechanik seltener als gold und es ginge nicht
wieder wie in dem moment als man einmal eintrat
in eine nicht so seltene zone aus wasser
und licht wo man es nicht mehr sah
nur wusste man wäre angenommen nicht selten nur
feder in einer mechanik die einen behielte weil
man es in sich hätte sich zu bewahren
einzig weil sie einen enthielte ginge es
einmal anders.

© Sylvia Geist
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

Iridium

anglais

just assuming
it were about something else. it were rarer
than gold something rarer than that something in which
it’s kept safe were it not paradoxical to keep
gold in something rarer than gold. involving let’s
assume ball-point pens sunglasses springs in mechanisms things
as little rare as water or light paradoxical
things that have something about them are traces
of rareness without anyone ever knowing things which
do not disappoint can only break apart
yet would

be kept
because they were not rare just gifts like
moments aimlessnesses that once accepted we’d cling to not
traces of moments or one rare moment but more
of much more because they preserve rarenesses not
just for a single moment assuming it were
not about a rare moment at all nor
the unforeseeably many single moments but the manyness
of one unforeseeable moment that could be repeated
because we’d held onto it as things
not rare

can hold
rarer things ball-points sunglasses its traces are springs
are of a mechanism rarer than gold and unrepeatable
as in that moment we once walked into a
zone that’s not so rare made of water
and light where we could no longer see
it but only know we were accepted not
rare but just springs in a mechanism that
contained us because we could contain ourselves only
because it contained us were it different
for once.

Translated by Catherine Hales

insel kopf

allemand | Andreas Altmann

vergitterte bunkerwände liegen am kopf
der insel gestoßen das meer plätschert dahin
vergangene hände haben einzelne federn
an finger starke drähte gebunden im stein

nach dem sommer werden sie fliegen
hier sieht man teile der wurzeln von unten
ohne zu sterben steil blättert die küste
aus dem sand zeigt eine rostige uhr

sie ist naß ihr vergeht diese zeit später
hab ich den schwan für die federn gefunden
ihm fehlte der kopf nur am körper
war das bild seines schattens zu ändern

© A.A.
from: Augen der Worte. Gedichte.
Aachen: Rimbaud Verlag, 2004
ISBN: 3-89086-654-9
Audio production: 2004, M.Mechner / literaturWERKstatt berlin

island head

anglais

barred bunker walls lie at the head
of the island impelled the sea laps as it will
long-gone hands have bound single feathers
to fingers thick wires in the stone

after the summer they are going to fly
here you can see some of the roots from below
without dying the coast peels steeply
out of the sand showing a rusty clock

it is wet this time is passing it by later
i found the swan for the feathers
its head was missing only on the body
could the image of its shadow be altered

Translated by Catherine Hales

Im Rheinland. An der Oder

allemand | Jürgen Becker

Gib her, ein Blättchen, Tabak, den Filter, nie
hört die Nachkriegszeit auf. Der Tau, die Kälte am Morgen,
so beginnt der September, der September
der Zitate.

Du verstehst ... oder bist du
zu jung? Dann kannst du jetzt zusehn, wie
Geschichte sich fortsetzt beim Selberdrehen, genau
die alte Technik.

Überreif sind die Birnen. Geländewagen, ein Mann.
Die Birnen prasseln nur so
aufs Verdeck, wenn er die Leiter anlegt und hoch,
immer höher steigt.

© Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1999
from: Journal der Wiederholungen. Gedichte
Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag , 1999
ISBN: 351841026-1
Audio production: 2000 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

In the Rhineland. On the Oder

anglais

Give me those, papers, tobacco, filter, this
time after the war will never end. Dew, the morning chill,
this is how September starts, September
of second-hand citations.

You understand... or are you
too young? Then you can just watch now how
history continues while I’m making a roll-up, exactly
the same technique as ever.

The pears are over-ripe. A land rover, a man.
The pears just pattering down on
to the roof when he props his ladder up and climbs,
higher and higher.

Translated by Catherine Hales

holzweg

allemand | Andreas Altmann

novemberwind drückt seine gesichter
ins wasser des sees. in ihm gehen sie unter.
blicke, die sich halten, wachsen
wochen später ins eis. die boote
liegen in ketten. ein mann in blut
roter weste geht mit dem rücken zum see
einen weg, den er unter dem jungen laub
vermutet. die asche der ruder ist naß.
er schwieg über den sommer. so ging er
worten aus den augen. nun sehen sie
keine fenster, die hell werden. und blätter
fallen schwarz durch das licht der dämmerung.
der mann geht durch die nacht in gestalt
der bäume. wenn die blicke des sees
tauen, hat er sein gesicht aus dem holz
geschlagen, setzen die bäume den weg fort.

© Rimbaud Verlag
from: das langsame ende des schnees. Gedichte.
Aachen: Rimbaud Verlag, 2005
ISBN: 3-89086-624-7
Audio production: 2004, M.Mechner / literaturWERKstatt berlin

mistaken path

anglais

november wind impresses its faces
into the water of the lake. they sink in it.
sightings containing themselves grow
weeks later into the ice. the boats
are lying in chains. a man in a blood
red waistcoat walks with his back to the lake
on a path he guesses is there beneath
the recent leaves. the ash beneath the rudder
is wet. he was silent all summer. in this way he
kept out of the sight of words. now they see
no windows that are lightening. and leaves
fall blackly through the twilight.
the man walks through the night in the shape
of the trees. when the lake’s eyes thaw,
he has hewn his face from their wood
and the trees carry on along the path.

Translated by Catherine Hales

grenz wald

allemand | Andreas Altmann

du blickst der grenze durch die augen. streu
siedlung, die verwesende haut der häuser.
du in den zimmern als kind. dahinter wege,
die sich um die blicke schnüren. magen
beschwerden vom kleiner werden. der wald
mit den schüssen auf dich gerichtet.

der vater müde vom schweigen. die mutter
müde vom schweigen. kein wort,
das zurück führt. sie kehren nicht heim
bis zum tod, der einen augenblick über
die zeit reicht. die grenze beginnt
in den augen davor. soldaten, papiere, ich

bin zu fuß mit den augen des vaters,
der meine hand fester drückt, und die perlen
auf mutters wimpern, die ich aufheb in leeren
zigarrenkartons und die beschlagen
bei jedem öffnen unter dem bett. im wald
sind gewehre vergraben, hat mir einer erzählt

ohne namen, seitdem sind die bäume
in den himmel geschossen, der hier verschwand.
ich achte nur auf den weg, daß ich heraus
find, bevor der abend sich aufstellt.
nur wenn ich allein bin im zimmer, schlaf ich
mit licht ein, das sich zerstreut.

© Rimbaud Verlag
from: das langsame ende des schnees. Gedichte.
Aachen: Rimbaud Verlag, 2005
ISBN: 3-89086-624-7
Audio production: 2004, M.Mechner / literaturWERKstatt berlin

border woods

anglais

you look to the border through your eyes. dispersed
settlement, the decaying skin of the houses.
you in those rooms as a child. beyond that paths
lacing around the lines of sight. stomach
upsets from growing smaller. the woods
with the shots aimed at you.

your father tired from keeping silent. your mother
tired from keeping silent. not a word
that leads back. they will not come home
until death, that extends a moment
across time. the border begins
in the eyes before that. soldiers, papers, me,

on foot with the eyes of my father,
who is holding my hand more tightly, and the pearls
on my mother’s eyelashes, which I keep in empty
cigar boxes and which mist up
each time I open them under the bed. in the woods
there are weapons buried someone told me

who has no name, since then the trees
have shot into the sky that vanished here.
i pay attention only to the path, to find
my way out before the evening rises up.
only when i am alone in my room do i sleep
with the light on, that disperses.

Translated by Catherine Hales

green

allemand | Sabine Scho

jemand will, dass ich gras
sage und eine decke aus-
breite, gutes gras, die reine
üppigkeit der wiederkäuer
es ist nichts, gebe ich bereit-
willig zu verstehen, nichts als
wind in den weiden, marstaug-
lichkeit, ein blaumann aus der
schnellreinigung, vorzugsweise
photosynthese, stromatolithen-
felder, temperaturstürze in wüster
blüte, verkrustete aussicht, kosten-
lose lasergravur, nichts und kein
bisschen niederschlag

© 2008 kookbooks, Idstein
from: farben. Gedichte
Idstein: kookbooks, 2008
Audio production: 2008 Literaturwerkstatt Berlin

green

anglais

someone wants me
to say grass and spread out
a blanket, good grass, the pure
opulence of ruminants
it’s nothing, i willingly let
it be known, nothing more than
wind in the willows, could pass
for mars, a blue man from the
fast cleaners, preferably
photosynthesis, stromatolite
fields, temperature drops in des-
olate bloom, view from here creviced
free laser engraving, nothing and not
a drop of rain

Translated by Catherine Hales

forsythien, die knallgelb, noch blattlos, ihr würfeln

allemand | Ulrike Draesner

das knospen der bäume, was für ein april.
was für ein mageres segnen, kastanien
knospen auf autochrom, was
für ein mageres regnen, knallgelb
die forsythien, was für ein blättern,
für was -

büsche. traueraugen. an
triebe, die los. die nicht.
regen als er hernieder. wie
durch seltsamen wald ging
ich mit den seltsamen weißen
blumen, den zu kleinen füßen:
knöcheltief ein blicken, das
fehlt.

mädchenhöhe, ein
schnitt. forsythie im brust
bereich, hüpfend der pony
vor der stirn - geschnittener
schopf, der gedanke an dich
wenn du wie jetzt dort hinten
winkst, vater, in deiner rinde,
sich näherndes grün.

forsythien, die knallgelb, noch blattlos,
ihr würfeln, vorm waldrand, der kippt.
gelbe streichhölzer, sonst nichts.
touchpad stirn. klickt die lücken
des waldes an. "dich gibt es
nicht mehr für mich", hast du gesagt.
staub auf dem autochrom. der regen. meine
füße stecken in schuhen, die drücken.
das knospen der bäume. nichts kehrt zurück.

© beim Verlag
from: für die nacht geheuerte zellen
München: Luchterhand Literaturverlag, 2001
Audio production: 2001, M. Mechner, literaturWerkstatt berlin

forsythias, yellow exploding, still leafless, their dicing

anglais

trees bursting buds, what an april.
what a meagre blessing, chestnut
buds on the chrome of cars, what
a meagre rain, forsythias yellow
exploding, what an eruption of leaves,
what for –

bushes. mourning eyes. on
shoots, which starting. which don't.
rain as it falls. as
through strange woods I
walked with the strange white
flowers, the too-small feet:
ankle-deep a glance that's
missing

girl-height, a
cut. forsythia at chest
level, fringe skipping
on forehead – tuft
of hair snipped as I think of you
as now, back there,
waving, father, in your bark,
approaching green.

forsythias, yellow exploding, still leafless,
their dicing, at the edge of the woods that tilts.
yellow matches, that's all.
touchpad forehead. clicks on the gaps
in the woods. "you don't exist
for me any more," you said.
dust on the chrome of cars. rain. my
feet in shoes that are rubbing my ankles.
trees bursting buds. nothing comes back.

Translated by Catherine Hales

für daphne: geklagt

allemand | Anja Utler

Im Lorbeer gewährt die verwandelte Daphne,
                                               deren Name selbst den Lorbeer bezeichnet,
                                               sich dem zum Dichter gewordenen  
                                               Liebenden.

                                                                                             Karlheinz Stierle

                                               Der Seidelbast ist wie andere Daphnearten   
                                               sehr stark giftig. [..] Die Blätter ähneln im  
                                               Aussehen denen des Lorbeerbaumes, daher
                                               der Gattungsname Daphne.

                                                                                                 Eintrag unter
                                                              www.heilpflanzen-suchmaschine.de


mir selbst: wie entstachelt! von ihm als: habe sich alles
gedreht bin: gewittert, gepirscht jetzt – ganz: der gehetzte
schweiß – schnell ich: durch äste, gestrüpp ihm entstürzen
die: fangen zu greifen an haken gepeitscht mir – schneller –
die flanken augen – nein – (..) weiß: ich muss durch da muss
– schleunigst – hin an den fluss, fluss –

bitten ihn: nimm mich kurz, vater, ich: tunke mich dir
in die schnellen und du dann: entlasse mich – rein – als die gischt
ja: als luft, luft –
und ich kraus dir entfliehend als dank das gesicht –

ja, schon: spritzt du triffst: mir die fesseln – frischst –
wirst mich lösen, lassen – gleich, sofort –


darf doch nicht – nein –
was: nimmst du dir –

selber – geradewegs – dir: auf den stickigen grund
gelaufen, festgesetzt: mit einem zug, ruck, nein,
reiße noch bäume mich einmal und stock –
muss: mich krümmen, ja kümmern: ins holz hinein
starren – was nimmst du mir: mich

sehe, als letztes: das schmückt dich jetzt, ja, mein
erblindetes bild wird, muss immer, gekraust, mit dir glitzern
und trüber, ja linsig: so schwimmt es – dein dank –
auch dem treiber im blick

wie trocken: mein arm macht – machte: die flanken – wie oft –
aufsprudeln, aus-  
jetzt: nagen die, speicheln – bespringend – mich an –
machen platz dann: rankt er sich mir zu: und sein heißes fleisch –

feucht! fortwährend – richtest dich auf in mir, mich:
dass ich stehe ja blühe und trage darf: nichtmal die blätter
lassen, mir fallen: nur früchte ab – unwillkürlich: so bring ich die –
rotten, nähren: dir deinen grund

weiter nur kümmern, dörren nur: dürsten zu dürfen
hören: ich raschle den vögeln jetzt trockener nach –

senge! bitte, dürre den schatten ihm: von dieser roten stirn,
dass er: ausglüht – ja mir: diesen puls aus den spitzen,
dass ich mich: auslöse – rein – als geruch als entknisternde
luft mich einsenke einsinke – laubend entlaubend mich –
in: die niedrigen, bastigen triebe und sie: enttreibe mir
kirschig, ja gischtig entstrecke – aufzischle: iss davon, iss –

© Edition Korrespondenzen
from: münden - entzüngeln. Gedichte
Wien: Edition Korrespondenzen, 2004
Audio production: LiteraturWERKstatt Berlin 2009

for daphne: lamented

anglais

In the laurel, the metamorphosed Daphne, whose
                                               very name signifies the laurel, grants herself to the
                                               lover-turned poet.

                                                                       Karlheinz Stierle
                                                                      (translation: Catherine Hales)

                                               Daphne, like other laurel species, is highly poisonous.
                                               ... In appearance, its leaves resemble those of the bay
                                               laurel tree, hence the genus name Daphne.

                                                                                                 entry under
                                                              www.heilpflanzen-suchmaschine.de
                                                              (translation: Catherine Hales)

to me myself: as though dethorned! by him as though: everything had been spinning
around am: sensed, stalked now – quite: the hounded
sweat – fast i: through branches, undergrowth bursting out to him
the: starting to grip at hooks and whipped me – faster –
the flanks eyes – no – (..) know: i must get through there must
fast as possible – through to the river, river –

ask him: take me briefly, father, i: dip me to you
in the rapids and you them: discharge me – pure – as the spray
yes: as air, air –
and i’ll crinkle your face as i flee as a thank-you –

yes, already: spray you strike: my bonds – freshen –
will free me, leave – now, immediately –

not yet i can’t – no –
what: are you taking to you –

yourself – directly – to you: have run on the sticky
ground, set fast: in one go, wrench, no,
rip still rear up once and flounder –
must: bend myself, yes wither: staring right into
the wood – what are you taking from me: me

see, as the last thing: that’s gilding you now, yes, my
blinded picture will, must always, crinkled, gleam with you
and duller, yes lens-like: thus it blurs – your thank-you –
in view of the driver as well

how dry: my arm makes – made: the flanks – as often –
bubble up, out –
now: they gnaw, salivate – mounting – at me –
then making space: he tendrils towards me: and his hot flesh –

moist! from now on – you stand up upright in me, me:
so that i stand yes bloom and may bear: noteven letting
my leaves, fall from me: only drop fruit – involuntary: thus i bring the –
packs, feed: you your ground

only withering now, only dessicating: that i may thirst
hear: i imitate the rustling of birds even more dryly –

singe! please, dessicate his shadow: from this red forehead,
so that he: glows out – yes to me: this pulse from the tips,
so that i may: release myself – pure – as scent as de-crackling
air immerse myself sink – leafing deleaf myself –
in: the low twiggy shoots and they de-shoot me
cherrylike, yes spraylike de-stretch – sizzle up: eat from this, eat –

Translated by Catherine Hales

expeditionen.

allemand | Jörg Schieke

hier wirst du mit einem tritt in die eier
geadelt. aber du
weinst nicht, du stehst wieder auf und erzählst
zwei geschichten in einer: die erste


ist die vom meer
in der nähe neapels das länger
den atem
anhalten kann als der im meer


versunkene felsen. aber
du weinst nicht, die zweite ist
die von dem gefangenen
auf jenem felsen dessen


magen, als wir ihn fanden, geschrumpft war auf die größe eines
für spielzeugfiguren gebastelten halbschuhs.

© Schieke
from: Seemanns Gesten. Gedichte und Prosa
Leipzig: Connewitzer Verlagsbuchhandlung, 1997
ISBN: 3-928833-70-7
Audio production: 2000 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

expeditions.

anglais

here you’ll be honoured with a kick
in the balls. but you
won’t cry, you’ll get up again and tell
two stories in one: the first


is the one about the sea
near naples that can hold
its breath
longer than the rock


sunk in the sea. but
you won’t cry, the second one is
the one about the prisoner
on that rock whose


stomach when we found him had shrunk to the size
of a shoe cobbled together for toy figures.

Translated by Catherine Hales

Constable

allemand | Norbert Hummelt

in manchen von john constables bildern kann
ich nur immer die wolken sehen wie sie als
könnten sie sich bewegen über den wiesen von

salisbury stehen. dann fällt das licht dann ändert
sich die stimmung unter den wolken ist sie kurz
gebannt: wirkungen des lichtes auf die stimmung

sind mir selbst zur genüge bekannt. ich sah den
wolken zu den halben tag heut über wie sie sich
formten änderten zogen weiße u. dräuende dunkel

geränderte u. lag so still wie eine landschaft da.
vor ein paar abenden erschien es mir als sei
am himmel eine blaue wolke ich rief nach dir u.

wollte sie dir zeigen du kamst nach draußen u.
erkanntest klar: über der stadt lag eine wolken-
decke durch die man kurz noch etwas helles sah.

© Luchterhand Literaturverlag
from: Totentanz
München: Luchterhand Literaturverlag, 2007
ISBN: 3-630-62109-0
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

constable

anglais

in some of john constable's pictures I can only
ever see clouds the way as though they could
move they hang motionless over the meadows

of salisbury. then the light falls then the mood
changes it's briefly banished beneath
the clouds: effects of light on the mood

are something I'm only too well aware of. I've been
looking at clouds half the day today the way they
were forming changing passing over white and with

threatening dark edges and was lying still as a landscape.
a few evenings ago it seemed to me as though
there was a blue cloud in the sky I called you and

wanted to show you you came outside and saw it
clearly: over the city a blanket of cloud through which
we could briefly see something else, something bright.

translated by Catherine Hales

Chlor

allemand | Sylvia Geist

vom rand
her eingeschweißt ins fleisch den blick aufs flache
kacheln. auf glanz geschnürt schlängelt die bahn

sich hinterher
kürzere leben versummen die siebe es blüht aus
den ritzen ihr schmutz. sonniges striemen verrückt

den beckengrund.
in den augen der mücken sind wir vielleicht
nur ein polyp der um sich schlägt

aber das
täuscht. maßlos sauber gegen einander geknallt werden wir
zwei glatte braune steine die nichts entzünden.

© Sylvia Geist
from: Die Umgebung des Auges
Dornbirn / Klagenfurt
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Chlorine

anglais

from the
edge in heat-sealed into flesh gazing on flat
tiles. compacted to shine the lane snakes

along behind
briefer lives cease buzzing the sifters from the
cracks blooms their dirt. sunny striation crazes

the base
of the basin. in the gnats’ eyes we
are perhaps just a polyp flailing around

but that
is deceptive. immeasurably cleanly crashing together we become
two smooth brown stones sparking off nothing.

Translated by Catherine Hales

Carbon

allemand | Sylvia Geist

für meinen vater,
vom 15.-18. lebensjahr
                bergmann

I.

„erste schicht -
einmal heißt das fallen

lernen.“ „ja
so. lotrecht. ohne schwindel“

„fest das
gesicht halten. nach über-

tage.“ „tunnel
sind die eine seite.“

für meinen sohn

II.

wie „neige“
ausgesprochen das in wärme

geschürfte strebe
geräusch. schraubflöten fürn abraum

möglich aber
kreise ins eis kaum.

schreib auf
ganz unten: „das helle“

© Sylvia Geist
from: Zyklus: Periodischer Gesang. unveröffentlicht
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Carbon

anglais

for my father,
a coal miner from the age
of 15 to 18

I.

“first shift -
called learning to fall”

“yes, like
a plumb. no vertigo.”

“keep face.
until you get above

ground.” “tunnels
are the one side.”

for my son

II.

like “neige”
pronounced sound of striving

prospected in
warmth. screwflutes possible for’t

slagheap but
hardly circles into ice.

write this
here below: “the brightness”

Translated by Catherine Hales

Blues

allemand | Norbert Hummelt

das licht brach nochmals durch die glasbausteine u.
spielte auf den fliesen, dem parkett, u. zeigte so wie
gähnend leer der raum war, denn in dem haus war
nicht mal mehr ein bett. auch war kein echo da wie
noch vor gar nicht lange, was daran liegen mochte, daß
auch niemand sprach, ich ging nur langsam durch die
leeren zimmer, während das licht durch glasbausteine
brach. die glasbausteine lange nicht gesehen, als hier
noch möbel standen, fielen sie nicht auf, es war ein
wintertag u. draußen schien die sonne, das paßte nicht
u. machte mir was aus. ich ging noch einmal durch die
leeren zimmer. dann kam von draußen auch noch der
gesang von vogelstimmen, die zu überhören mir leider
gottes nicht so ganz gelang. das licht brach nochmals
durch die glasbausteine, dies wahrzunehmen kam ich
nicht umhin, so ging ich lieber wieder in den keller, wo
noch im hobbyraum ein alter spiegel hing. da sah ich
augen, aber nicht nur meine. da tanzten welche, waren
hinter mir. es lagen erdnußlocken auf dem laminat. es
lief musik, u. eine platte sprang. ich wandte mich, doch
tanzen sah ich keine. am boden keine flips, nur staub
u. stille. u. licht, das schwach durchs kellerfenster drang.

© Luchterhand Literaturverlag
from: Totentanz
München: Luchterhand Literaturverlag, 2007
ISBN: 3-630-62109-0
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

blues

anglais

the light broke through the glass blocks again and
played over the tiles, the parquet, showing how yawn-
ingly empty the room was, for there was not so much
as a bed in the house. nor did it echo as it did just so
recently, which was probably because no-one was
speaking; I went slowly through the empty rooms while
the light was breaking through glass blocks. we haven't
seen these glass blocks for a long time when there was
furniture here we didn't notice them it was a winter's day
and outside the sun was shining that didn't fit into my
scheme of things I went through the empty rooms again.
then on top of that the sound of birdsong came in from
outside which I was not quite able to ignore. the light
broke through the glass blocks again I could not fail to
see it so I thought it better to go back down to the base-
ment where there was still an old mirror hanging in the
hobby room. I could see eyes in it, but they were not only
mine. there were people dancing, they were behind me.
there were peanut flips on the lino. music was playing
and a record was jumping. I turned around, but saw no-
one dancing. no flips on the floor, only dust and silence
and light pushing weakly through the basement window.

translated by Catherine Hales

Beispielsweise am Wannsee

allemand | Jürgen Becker

Natürlich, diese Seerosen, jederzeit
ein zitierbares Ambiente; meine Erziehung war das
nicht, aber auch später haben wir
drüber reden können, denk an Erdbeerfelder,
später gelang viel mehr.

Plötzlich hat auch eine Schilfgruppe Bedeutung,
ein Büschel am Seeufer, über das wir
(bei aller Bedeutung) nicht sprechen wollen. Neutral
bleibt kein Bild; ein Bild gibt weiter
jeder Spion, da nützt unser Schweigen nichts.

Dazu kommt ein Zufall. Im Vorbeigehn
eine Telefonzelle, in der jemand Münzen
nachschiebt, solange es Münzen gibt. Wen
wolltest du, außerhalb, sprechen; oder hast du
gewartet, gezählt, phantasiert?

Nochmal, Seeufer unten, und zwischendurch
Wind, Bewegung im Schilf, konnten wir sehen
und spürten nichts, einige Meter entfernt
und sichtbar für alle. Für wen, alle gab es natürlich
nicht; wer malt denn Seerosen heute?

Früher, verstrickt in irgendeins
der Systeme, hätten wir nicht mehr gelebt;
begreif das beispielsweise am Wannsee. Aber
so leicht geht das auch nicht, einfach
im Stil der Geschichte, nachher gemacht.

Nachher, oder ich sage: zunächst: das wird
keine Zukunft, sind Seerosenbilder; besser
das Kleingeld, Nachschieben, wer spricht schon
mit wem, wir alle sind in der Nähe.

© Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1981
from: Die gemachten Geräusche. heute in: Die Gedichte
Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag , 1995
ISBN: 3-518-39096-1
Audio production: 2000 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Take the Wannsee for example

anglais

Of course, these water lilies, at any time
a citeable atmosphere; that is not the way
I was brought up, but later we
were even able to talk about them, think of strawberry fields,
later much more was possible.

Suddenly even a group of rushes has meaning,
a clump by the lake shore we did not want
(for all their meaning) to talk about. No picture
can stay neutral; a picture is what
every spy passes on, our silence is no help at all.

Add to that a coincidence. Walking past
a telephone box in which someone keeps pushing
in coins for as long as coins are there. Who
did you, outside, want to speak to; or were you
waiting, counting, fantasising?

Once again, lake shore below, and from time to time
we could see wind, movement in the rushes
and felt nothing, a few metres away
and plainly visible to everyone. To whom, everyone was of course
not there; so who is painting water lilies today?

Before, caught up in any one
of the systems, we would not have been alive any more;
to grasp that take the Wannsee for example. But
it is not that easy either, simply
in the style of history, done afterwards.

Afterwards, or I say: to begin with: this has
no future, pictures of water lilies; better
small change, keeping on pushing it in, what does it matter
who is speaking to whom, we are all close by.

Translated by Catherine Hales

Bauernzart

allemand | Nora-Eugenie Gomringer

Das Kalb geht die Nacht ein
Ich schlaf draußen im Stall
Hier, die Suppen is in der Kanna
Geh fei ins Bett, morgen müss ma naus

© Nora-Eugenie Gomringer
from: unveröffentlichtem Manuskript
Audio production: 2004, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Farmerly tender

anglais

The calf will die in the night
I sleep outside in the byre
Here, your soup's in the pot
Get into bed now, we're up early tomorrow

translated by Catherine Hales

Autobahnring

allemand | Jürgen Becker

Hochblickend, die Kette der Kraniche,
sie wechselt gerade die Keilspitze aus,
die Flugrichtung bleibt, die Geschwindigkeit
ändert sich nicht, einige schreien, dann
schreien andere, die Kette entfernt sich zwischen
den Städten, die still sind in der Luft.

© Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1999
from: Journal der Wiederholungen. Gedichte
Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag , 1999
ISBN: 351841026-1
Audio production: 2000 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Orbital Motorway

anglais

Looking up, the chain of cranes
is switching the tip of the wedge it makes,
the direction of flight stays the same, their speed
does not change, some cry, then
others cry, the chain vanishing into the distance between
cities that are silent in the air

Translated by Catherine Hales

Ausgang

allemand | Norbert Hummelt

nicht nur im traum ist es mir oft begegnet daß
ich den ausgang durch die rechte tür nicht
fand in züge einstieg in der falschen richtung
da war ein bahnhof nur noch halb bekannt
das war ein schreck doch war ich unter glas u.
konnte mich von jenem fleck nicht rühren
weil ich im buch gerade eine stelle las begann
ich wallungen in meinem blut zu spüren ich
ging im wald umher u. fühlte warmes licht
u. ließ mich willenlos zu einem abhang führen
da kamen bilder doch sie schmerzten nicht
mehr so wie sonst denn unter toten wipfeln
blühte die wildnis auf mit farn u. fingerhut
u. ich ging wieder in den straßenschluchten
unüberschaubar weit in meinem blut in
seinen fensterlosen zimmerfluchten lief ich u.
rannte eine zeit im kreis bis etwas unter
meiner jacke bebte ich griff danach mit meiner
rechten hand u. hielt u. atmete hart an der
bahnsteigkante beugte mich vor u. sah das gleis

© Luchterhand Literaturverlag
from: Totentanz, München
Luchterhand Literaturverlag, 2007
ISBN: 3-630-62109-0
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

exit

anglais

it's not just in dream that it's often happened to
me that I've been unable to find the exit through
the right door got into trains going in the wrong
direction it was a station I only half recognised
that was a fright but I was under glass and was
fixed to that spot and could not move because
I had just got to that place in the book I began
to sense surging flushes in my blood I walked
around in the woods and could feel warm light
and slackly let myself be led to an edge images
came but they were not giving me pain any more
like they used to for beneath dead treetops the
wilderness was coming alive with fern and fox-
glove and I went back into the gullies of streets
incomprehensibly distant in my blood in its
suites of rooms without windows I walked and I
ran in circles for a while until something beneath
my jacket heaved I clutched at it with my right
hand and held it and breathed hard at the edge
of the platform I bent forward and saw the tracks

translated by Catherine Hales

Aus dem Zittergras

allemand | Brigitte Oleschinski

vor den Klinikfenstern tanzen sie wie Mücken davon, ein Schwarm glitzernder
Babyzellen

über der windigen Ebene, durch die mit allen Fingern das Licht
fährt, leere Parkplätze aufwirbelnd und die nickenden, wiegenden Prärie-
skalpelle, die unter rollenden Wolkenzügen das flüchtige
Bündel

eilends auseinanderstreuen in nichts
als flirrende

Augen-, Flügel-, Zehenpixel

© beim Verlag und bei der Autorin
from: Your Passport is not Guilty
Reinbek: Rowohlt Verlag, 1997
Audio production: 2001, M. Mechner, literaturWerkstatt berlin

Out of the quaking grass

anglais

outside the hospital windows they dance away like midges, a swarm of gleaming
baby cells

above the windy plain, through which the light runs with all its fingers,
whipping up empty parking lots and the nodding, swaying prairie
scalpels which beneath rolling cloudscapes rapidly scatter the transient
cluster

apart into nothing
more than whirring

pixels of eyes, wings, toes

Translated by Catherine Hales

Auch Dresden liegt unter Wolken

allemand | Ursula Krechel

Vogelhafte Greisenstimme, ein Krächzen, Golkern
zittrige Wörter zwischen eingefallenen Lippen
halbe Silben verschluckt, wie das Gebiß beinah
verschluckt der Name, der Ort, Gemäuer, Schornsteine
alles, was ist, war. Verschmorte Erinnerungslücken.
Wo jetzt die Baukräne gewaltig einarmig zuckeln
Blickfänger im Himmelsblau, verschluckt von Wolken
und seitwärts in Baugruben eingelassen, vorher in Gräben
gesenkt, wo kein Grab: Leichenteile und verbranntes Haar
die angesengten, leicht entflammbaren Hinterlassenschaften
zur Asche eines nahezu aufgebrauchten Lebens.
Auch die Stimme gesenkt, vorurteilslose Mementostimme
und der Zug, ein rasend schneller, so leer
bis auf die bleichenden Reservierungen, Plätze nicht eingenommen von –
rasche Buchungen, Umgruppierung von Zeit, Gepäck, Umständen
und harmlos aussehende Reisende, schnelle Spurwechsler
zwischen Ost und Nie-mehr-Ewigkeit in neuer Streckenführung
rascher Verstand, was eher heißt: Anpassungsfähigkeit
die Eiszeit durch Kälteschock überwinden
was auch eine Frage der Vorsorge ist. (Ein Forschungsprojekt)
Vorsorge gleich Fürsorge minus Menschenfreundlichkeit.
Futter schnappen die Fische auf mit kaltlippigen Mäulern
kaltschnäuzig geht die Zeit ins Land in Dresden
doch wo die Steine gesammelt und numeriert, wo kein Stein
auf dem anderen und alles um- und umgewendet, abgetragen
der große Leichnam, auf das nichts
wo jede Wolke rechtens jede andere verschiebt
in einem namenlosen Nahkampf, und Kunst hängt auf jeder Etage
zum Belieben, es gibt so viel, die Künstler
sehr freigiebig, malversessen, malvenfarbene Flächen
freizügig den Hotelgästen übers Bett gehängt, freudig frei
sehr vernünftig, geschäftstüchtig das Metier gewechselt
so daß nun jeder Atemzug, jeder Stein (sorgsam signiert, numeriert)
aufgehoben in einer Monographie des Ausgeatmethabens, Erlöschens
wenn das nicht schon zu viel gesagt
Wolkenverschieben über Ruinen
zwischen verwirrten Gesichtern, unter die Baukräne gedruckt
das Tote aufeinandertürmen, damit es aufrecht steht.
(Welche Ruinen, welche Epoche, numeriert, signiert, von wem?)

Als dann die Sonne durchbrach, hitzig und überwältigend hell
blank wie ein künstlich gewachster Apfel, und die Künstler
sehr freigiebig, malversessen mit kräftigen Pinselschwüngen
Wolkengemälde in Wasserfarben, ein aufgehellter Horizont
jetzt mit ausgefransten malvenfarbigen Rändern
der schnelle Zug, zügig ohne Aufenthalt
was einmal Leben in Scheiben schnitt
flottiert jetzt konjunktur- und wetterabhängig
kann auch mal vorkommen, daß der Triebkopf eines Zuges
vollständig wie niedergeritten, niedergemacht von Russen
Betriebsstörung: verbrämt in höflich peinvoller Entschuldigung
wie dann der Sonnenball, als wir nach Westen fuhren
wie neben uns riesengroß im Fensterausschnitt
der abendliche Sonnenball nach Westen rollte
wie wir uns pampig in den Polstern plusterten
das steht uns zu, diese Sonne, Kunst überm Bett, dieser Zug
so leer, so still, so von der Sonne begleitet.
Auch Dresden liegt unter Wolken
hinter uns (historisch gesehen)
doch die Vorstellung von Wetter jeder Couleur
Wolkenbanksitzen, Wolkenkitzeln, Wolkenkopfkissen
Gnadenbrotfressereien mit noch warmer Kruste
von denen der Magen, naja, schwerverdaulich
eine einzige Ellipse historisch besehen
doch wie der Sonnenball rollte immer links vom Zug
halbstundenlang so gerecht wie die Geographie
wie wir so bequem unter der Wolkendecke schliefen.

© Ursula Krechel
from: Verbeugungen vor der Luft. Gedichte
Salzburg, Wien: Residenz Verlag, 1999
ISBN: 3-7017-1165-8
Audio production: 1999 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Dresden is covered in cloud as well

anglais

Birdlike an old man's voice, a croaking, a cavilling
trembling words between collapsed lips
syllables half-swallowed, nearly swallowed too
like his dentures his name, the place, walls, chimneys
everything that is, was. Charred gaps in memory.
Where construction cranes now joggle along hugely with their single arms
catching the eye in the blue of the sky, swallowed by clouds
and let in sideways into foundation pits where before they were sunk
into ditches, where no grave: bits of corpses and burnt hair
the singed and easily inflammable leavings
reduced to ashes of a life almost completely consumed.
And his voice lowered too, memento voice without prejudice
and the train, so very fast, so empty
even the fading reservations, seats not claimed by –
hurried bookings, regroupings of time, luggage, circumstances
and harmless-looking travellers, quick to change lanes
between east and no-more-forever with the route realigned
quick on the uptake, which really means: adaptability
overcoming the ice age with a cold shock
which is also a matter of precaution. (A research project)
Precaution equals caring minus human kindness.
Fish snap at their food with cold-lipped mouths
coldly is how time passes into the distance in Dresden
but where the stones have been gathered and numbered,
where no stone on another and everything turned
over and over the great corpse carried off, on which nothing
where every cloud legitimately shifts the rest
in nameless close combat, and art hangs on every floor
to give pleasure, there's just so much, the artists
very open-handed, obsessed by painting, mauve-coloured canvases
generously hung above the beds for the hotel guests, joyously free
very sensibly changed their trade with a good nose for business
so that now every drawing of breath, every stone (carefully signed, numbered)
recorded in a monograph of having breathed out, of expiring
if that's not saying too much already
shifting of clouds above ruins
among confused faces, bowed beneath the building cranes,
that the dead pile into towers so that it stands upright.
(What ruins, what epoch, numbered, signed, by whom?)

So when the sun then broke through, hot and overwhelmingly bright
blazoned like an artificially waxed apple, and the artists
very open-handed, obsessed by painting with mighty sweeps of the brush
painting of clouds in water colours, a brightened horizon
now with frayed mauve-coloured edges
the express train, fast and no stopping
what once cut life into slices
floating now subject to the state of the economy and the weather
it can happen at times that the locomotive of a train
completely as though ridden down, run into the ground by Russians
interrupted service: smoothed over with politely embarrassed apologies
how then the ball of the sun as we were heading west
how next to us immense in our section of window
the evening sun a ball rolling west
how we plumped ourselves pertly into the pillows
this is our due, this sun, art above the bed, this train
so empty, so silent, so accompanied by the sun.
Dresden is covered in cloud as well
behind us (seen historically)
yet the idea of weather of any colour
sitting on banks of clouds, tickling clouds, pillows of clouds,
stuffing unleavened bread with the crust still warm
from which our stomachs, well, hard to digest
a single ellipse looked at historically
yet how the ball of the sun kept rolling away from the train to the left
for a whole half-an-hour as just as geography
how we slept so comfortably under the blanket of clouds.

English by Catherine Hales

atomic tangerine

allemand | Sabine Scho

eine tür, was für ein gebrauch
ein schloß, scharnier, kragen-
stäbchen, damit misst man
stahlzargen aus, beton, akten
und, ja, akten. »so machen wir
das licht aus«, auf stapeln von
papier, aber grauen ist doch auch
eine farbe, betont sachlich mit dem
besenstiel, beinahe wie zuhaus, nur
höher, der dritte teil des karma-
spiels fiel aus, no alarms and
no surprises
, ein korridor, was
für ein schlauch, pizza aus der
plätzchendose, und da draußen
wird es immer weißer, an weih-
nachten, heißt es, sei das so brauch
glitzerzäune, ein letztes umschlussbier
but, please, couldn’t you let me out of here

© 2008 kookbooks, Idstein
from: farben. Gedichte
Idstein: kookbooks, 2008
Audio production: 2008 Literaturwerkstatt Berlin

atomic tangerine

anglais

a door, what a custom
a lock, hinge, collar stiffeners, that’s
what’s used to measure up steel
doorframes, concrete, files
and, yes, files. “that’s how we
turn off the light”, on piles of
paper, but the horror of grey is a
colour too after all, deliberately
careful with the broom, almost like at
home, but a bit higher, the third part
of the karma game was cancelled, no
alarms and no surprises, a corridor,
what a tube, pizza from the biscuit
tin, and out there it’s getting whiter
all the time, at christmas, they
say, that’s sort of the custom
glitter fences, one last beer to reconnect
but, please. couldn’t you let me out of
here

Translated by Catherine Hales

AT – Christoph Szalay

allemand | renshi.eu [GR-ES-IE-CY-PL-AT-GR]

Niemand wird je wieder auf die Idee kommen
eine Hauptrolle zu besetzen mit dir.


& den himmel hat man nie geschrieben/(geschrien)
wann ist es still genug &. wie lange hat es gedauert.

l'écriture du désastre. oder


cut


lies die scripts. lies die scripts & versuche dich daran zu halten. versuche dich
an die scripts zu halten. versuche dich an die scripts zu halten & vergib am
ende credits. vergib credits an jene, die sie verdienen. vergib credits an die, die
sie sich wirklich verdient haben. vergib am ende credits an das beste storyboard.
vergib am ende credits für die besten dialoge. vergib am ende credits für die
schönsten grafiken. für die schönsten bilder. nahaufnahmen. weitwinkel. zoom.
negative. vergib am ende credits für den besten sound. vergib die besten credits
an jene, die sie sich wirklich verdient haben. also tout le monde sait que also

die städte also die städte & ihre kapazitäten also die städte & wir also du & ich &
die schönsten märchen
also was für welten also borderline language also pretty, pretty
cinderella have faith in glamour
also yeah yeah yeah mothafuckaz also was, wenn


cut


wer aber werden wir gewesen sein
&

© Christoph Szalay
Audio production: renshi.eu @ poesiefestival berlin 2012

Austria – Christoph Szalay

anglais

Now no one is even going to consider
casting you in one of the main roles.


& the sky has never been scripted (screamed)
when is it quite enough &. how long did it last.

l'écriture du désastre. or


cut


read the scripts. read the scripts & try to stick to them. try to stick
to the scripts. try to stick to the scripts & give out
credits at the end. give out credits to those who deserve them. give out credits to those
who have really earned. give out credits at the end to the best storyboard.
give out credits at the end for the best dialogues. give out credits at the end for the
finest graphics. for the finest images. close-ups. wide-angle. zoom.
negatives. give out credits at the end for the best sound. give the best credits
to those who have really earned them. and so tout le monde sait que just so

the cities okay the cities & their capacities okay the cities & we that is you & me &
the prettiest fairytales
okay what kinds of worlds okay borderline language okay pretty, pretty
cinderella have faith in glamour
okay yeah yeah yeah mothafuckaz okay what if


cut


but who will we have been
&

Translation from German by Catherine Hales

Abschied von Gomera

allemand | Tom Schulz

wir ließen die Delfine eine Stunde
lang tanzen, bevor die Aquafarm
auftauchte, Mezzoclaquere in Agfa
Color, sie zogen an einem Strang und hingen

den Seewolf ins Fenster, er hatte den Hang
zum Schwadronieren, ein Vitalkomplex
wie wir, die semantisch gefügt, den Oliven
Hainen abdankten, auf der Sehnsuchts

Platine, marinetraurig, geschuppt
ein Süßalgenräuber, Schlammbader 
in warmen Gefilden, die gleiche Schiene
bis Biarritz, wir Nicht-Schmetterlinge

aus den Salinen, das kommt an dieser
Stelle gewiss unvermutet, ich möchte
anstelle der Tiermaske paar Schnurrhaare
dann fauchen, fauchen, fauchen

have Azucar, die Plünderungen von Strand
sie nannten ihn Sand, wenn er einfach
zerrann, Vorsicht fehlender Standstreifen!
beim Harpunieren von Spatzen floss

Magma am Himmel, in der Erinnerungsfunktion
el Teide, waren es verlandete Kakteen
Filialen, die dornenreich zur Sparte der Kalt
Nadelgewächse gehören mussten, sie schmeckten

nach brandigen Kernen, Asbach 68, Hippies
am Liegenschaftsrand, wir stiegen mit Gummistiefeln
in den Vorfluter, die Apartmentanlage musste
das sichere Abschreibungsobjekt sein, von dem

wir gehört hatten, die Steinbeißer auf Granit
Erde, oder was das war, drehte sich in einer
Wiederholungsschleife, das Jingle von den Wasser
Elefanten, die über Nacht die Supermarkt

Arche verließen

© Tom Schulz
unveröffentlichtem Manuskript / unpublished,
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Leaving Gomera

anglais

we let the dolphins dance
for an hour before the aquafarm
emerged, mezzo claqueurs in Agfa
Color, they tugged together on the same line and hung

the catfish in the window, it had a tendency
to boast and swagger, a vital complex
as we, semantically joined, abdicated
from the olive groves, on the yearning

motherboard, marine-sad, scaly
a raider of freshwater algae, mud baths –
in warm climes, the same line
as far as Biarritz, we Non-Butterflies

from the salines, that’s bound to sound
a bit unexpected here, I’d like
a few whiskers instead of the animal mask
then hiss, hiss, hiss

have azucar, the plunderings from the beach
they called it sand when it was simply
trickling away, watch out for missing standing strips!
when they harpooned sparrows,

magma flowed in the sky, in the reminder function
el teide, it was silted cacti, branch establishments
that must have belonged thorn-rich to the category of dry point
conifers, they tasted

like burning kernels, Asbach 68, hippies
at the periphery of the property, we waded in rubber boots
into the receiving water, the apartment complex must
have been the safe depreciation asset

we’d heard about, the wolf-fish on granite
soil or whatever that was, turning in a
repeat loop, the jingle of the water
elephants, that overnight left the supermarket

ark

Translated by Catherine Hales

o Dorle, alle Geschichten

allemand | Tom Schulz

enden als Kofferträger, zwischen Himmel
und Erde, im flüchtigen Akt des nackten
realen Wahnsinns, geben Sie ihre Pin
Nummer ein
, tauschen sie den Wasser
Melonenmann, der die Wangen trocknet

die Tränen beziehen das Überbett, die Schlaf
Brillen blinzeln dazu, die Sterne sind Wagen
Standsanzeiger, wir liegen in Abteien
die uns erliegen, wir wiegen die Brust
die ihre Tränen in Legionen aussendet

an eine Schlüsselmutter, die den Absinth
verwünscht hat, mit den generalstabsmäßigen
Zähnen, immer wieder malmen malmen
die Nägel wund in den Steppbetten
ganz Filet, ganz bestimmt Fisch ohne Knochen

in Anbetracht des Taus waren wir Flüssige
du Weiche, du Weichgeköpfte, ich
zwei Minuten zu früh Aufgeschlagener
in einem Santiago, wo wir die streng
komponierten Reisenden einer Zwölfton
Musik in Jukeboxes, wir vereinzelte

konzessionslose Art-Deco-Kopisten
resümieren als Heiratsschwindler in Minne
Sängerkostümen, wir ausrangierten Fax
Weichen, wir liegen in Weichen
(mit dem Bahnhof trinken wir Nescafé
auf Eis, der Elsternkreditanstalt winken
wir hinterher)

o Dorle, die Nerven des Ozeans
leuchten aus dem Liebeslautbojengebiet
wie Antennen, zerpflückt, dass der Strand
Hafer wiehert, so glitzert Sewastopol
auf der Schallfolie, noch einmal die Video
Piraterie und dann wir, Hafenspieler
mit leicht veränderlichen Brauen, das Meer

hört nicht auf, hört nicht auf zu senden

© Tom Schulz
unveröffentlichtem Manuskript / unpublished,
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

oh Dorle, all stories

anglais

end as luggage bearers, between heaven
and earth, in the fleeting act of naked
real madness, enter your PIN
number
, swap the water
melon man who’s drying his cheeks

tears bedew the duvet, the sleeping
mask blinks along too, the stars are car-park
space indicators, we lie in abbeys
that cave in to us, we cradle the breast
that sends out its tears in legions

to a key mother who has cursed
absinth, with teeth like a general
staff, constantly grinding, grinding
nails raw in the bed coverings completely
filleted, most definitely fish without bones

in view of the dew we were liquid
you soft, you softly beheaded, I
pitched up two minutes too early
in a Santiago where we, the strictly
composed travellers of a twelve-tone
music in juke boxes, we scattered

concessionless Art Deco copyists
amount to marriage swindlers in troub-
adour costumes, we obsolete fax
switching signals, we lie where the signals change
(with the station we drink Nescafé
on ice, waving to the retreating
magpie bank)

oh Dorle, the nerves of the ocean
are shining from the buoy zone of sounds of love
like antennae, plucked, so that the beach
whinnies oats, and Sebastopol glitters
on the sound vinyl, once again video
piracy and then we, harpists
with easily modified eyebrows, the sea

does not stop, does not stop transmitting

Translated by Catherine Hales

Daheim

allemand | Nora-Eugenie Gomringer

Mamaundpapaundkindundkindsschwesterundkinderbruder
undkinderonkelundhoppehoppeundfallefalleindengrabengefress
envonrabenundangesabbertvomhundundmeerschweinunds
einekurzenbeinchenverschwindenimschlundgelbervogelimkäfi
gundnachbarundnachbarsfrauundputzeundputzesmannund
mamasloverundpapasblondeundpapasblondeshellesundmam
astablettenundhundeshitzeundnachbarskatzeundidylleinderrei
he

© Verlag Voland & Quist
from: Klimaforschung [Mit Audio-CD]
Dresden und Leipzig: Verlag Voland & Quist, 2008
Audio production: 2004, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

At home

anglais

Mummyanddaddyandchildandchild'ssisterandchildren'sbrother
andchildren'suncleandbouncybouncyandallfalldownandhere
comesthechoppertochopoffyourheadandlickedbythedogandguinea
piganditsshortlegsdisappearingdownitsthroatandyellowbirdieina
cageandneighbourandneighbour'swifeandcleanerandcleaner's
husbandandmummy'sloveranddaddy'sblondeanddaddy'snicepint
andmummy'stabletsanddog'sonheatandneighbour'scatandidyllallina
row

translated by Catherine Hales