Ulrike Almut Sandig 
Translator

on Lyrikline: 30 poems translated

from: anglais, ukrainien, hindi, français, turc to: allemand

Original

Translation

Talk

anglais | Hinemoana Baker

make any sound
hiss or bubble
like brick in the hearth

like it was a habit
tell them all about
the mountain

the musical instrument
played with the nose
how we press our noses

to the stone
once for humans
twice for dogs

or is it twice for humans?
chisel out
a cave for us

to sleep in
using your hands
and no recitations

no rites belched out
no arts is there
a word for that?

a stream disappears
underground
then hatches

from the trunks of trees
the yellow quivers
of the kōwhai

© Victoria University Press / Perceval Press
from: ‘mātuhi | needle’
Wellington: Victoria University Press / Perceval Press, 2004
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

sprich

allemand

mach ein Geräusch
ein Zischen, ein Blubbern
wie Backstein im Herzen

als wär’s eine Gewohnheit
erzähl ihnen allen
vom Berg

vom Musikinstrument
das mit der Nase gespielt wird
und wie wir unsere Nasen

an den Stein drücken
einmal für Menschen
zweimal für Hunde

oder zweimal für Menschen?
hau für uns
eine Höhle heraus

um drin zu schlafen
benutz deine Hände dazu
und keine Rezitation

keine Riten ausstoßen
keine Künste            gibt es
dafür ein Wort?

ein Strom verschwindet
unterirdisch
und taucht wieder auf

aus den Stämmen der Bäume
die gelben Köcher
vom Schnurbaum Kōwhai

Übersetzung ins Deutsche: Ulrike Almut Sandig

the fossils

anglais | Hinemoana Baker

I feel
said the woman on the bus
like I’ve swallowed a branch.
Is this a new flu?
The bus-driver said
I feel like
I’ve swallowed a hurry.
Well I
said the depot manager
I feel like I’ve swallowed
a large white brick state house.
The brick isn’t real
it’s a kind of cladding.
At one corner
a nest of spiders is building.
We the shareholders
said the shareholders
feel like we’ve swallowed a bus – no
several buses, trolley buses
or trams which depend on electricity
for their volition and wave sparking
antennae up at the thick wires
which criss-cross our city
making every suburb
and hotspot accessible
without resort
to the motorcar and its
archaic fossil-fuel-burning
technologies.
We are a branch
say the fossils
of your family.

© Victoria University Press
from: ‘kōiwi kōiwi | bone bone’
Wellington: Victoria University Press, 2010
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

Fossilien

allemand

Ich fühl mich
Sagte die Frau im Bus
Als hätt ich einen Ast verschluckt.
Ist das eine neue Grippe?
Der Busfahrer sagte
Ich fühl mich, als
Hätt ich eine Hast verschluckt                  
Also ich
Sagte der Ast-, nein Zweigstellenleiter            
Ich fühl mich, als hätt ich
Ein großes weißes Parlamentsgebäude aus Backstein
Verschluckt. der Backstein ist nicht echt
Der ist nur Fassade.                    
Gerade entsteht ein Spinnennetz
An einer Ecke.
Wir, die Gesellschafter                    
Sagten die Gesellschafter                
Fühlen uns, als hätten wir einen Bus verschluckt – nein
Mehrere Busse, O-Busse                
Oder Trams, die aus freien Stücken
Am Stromnetz hängen und mit Funken sprühenden    
Antennen, die an den dicken Drähten wedeln    
Unsere Stadt durchkreuzen
Und die jeden Vorort und Hotspot
Ohne Einsatz der Personenkraftwägen
Und ihrer archaischen Fossil und Benzin
Verbrennenden Technologien
Zugänglich machen.
Die Fossilien sagen
Wir sind ein Zweig – nein, wir sind ein Ast
Aus deiner Familie.

Übersetzung ins Deutsche: Ulrike Almut Sandig

dismantling the crane

anglais | Hinemoana Baker

What is silver? Into this finger-space
the kotuku appears, flying once only
and far – to Holland, the vacated

apartment of your quiet friends
beaded slippers for sale
behind the silhouette

of the Moroccan woman whose feet
have been hurting her all day.
What is lost, here, where there was not

even eye contact, not even
eyes? Here a woman floated half-
miserable above land clutching

a posy – now there are growing
flowers, red with fat, sappy
green stalks and spongy leaves

and beside them the neighbourly
buttercups. Silver has become
hammer and aluminium.

The star in her firmament makes her way
over Rarotonga murmuring
hoki mai, hoki mai . . .

Meanwhile, how can this tui
be so violently black? White
petals could be made of

icing sugar, he flutters his wattle
with his two voice boxes. I sit here
wearing my bottletop, my lips

the dome above me dewy
with condensation. Outside
men in orange vests prepare

to dismantle the crane
its four ropes of chain rise
like snakes from the bed

of a dusty truck, link after link
on and on
until the morning is over.

© Victoria University Press
from: ‘kōiwi kōiwi | bone bone’
Wellington: Victoria University Press, 2010
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

den Kran zu zerlegen

allemand

was ist silbern? zwischen meinen vier Fingern
taucht der Reiher Kotuku auf, er fliegt
ein einziges Mal nur und weit – nach Holland

zur geräumten Wohnstatt deiner stillen Freunde
mit Perlen besetzte Pantoffeln, zum Kauf
feilgeboten hinter dem Umriss

der marrokanischen Frau, deren Füße
schon den ganzen Tag wehtun.
was ging hier verschutt, wo‘s nicht     

einmal Augenkontakt gab, nicht einmal
Augen? hier trieb eine Frau lächerlich
jämmerlich über das Land, in der Faust

ein Sträußlein mit Blumen – nun wachsen hier
rote Blüten, die mit den fetten, grün
saftigen Stengeln, den lappigen Blättern daran

und nebenan in guter Nachbarschaft
die Butterblumen. silbern sind heute
Hammer und Aluminium, der Stern

in seinem Firmament zieht über
Rarotonga hinweg, Armstrong’s Island
und murmelt hoki mai, hoki mai…

wobei, wie kann der Honigfresser Tui
hier nur so schrecklich schwarz sein?
sein weißes Federsträußlein könnte auch

aus Puderzucker sein, er plustert die Gurgel
mit seinen zwei Kehlköpfen auf. ich aber sitze                 
mit meinem Kronkorken drauf, meinen Lippen

und über mir ein Gewölbe, taufeucht
von Kondensation. draußen rüsten
sich  Männer in orangenen Westen

den Kran zu zerlegen                            
seine vier Ketten heben
sich wie Schlangen vom Boden

eines staubigen Trucks, Glied um Glied
weiter und weiter
und dann ist der Morgen vorbei.

Übersetzung ins Deutsche: Ulrike Almut Sandig

Song for Ukraine

ukrainien | Grigory Semenchuk

Усе, що могло статися вчора.
Усе, що могло не статися…
Забувши про море і гори і горе,
Хоч добре, що можемо жити й кохатися.

Хоч добре що вміємо воювати,
Писати вірші і ходити в кіно.
Дивитись на місто і відчувати,
Що світ - це велике вікно.

На тебе дивитися, тебе цілувати,
Під телевізійні сюжети з війни.
А літо стискає немов у лещатах,
І сірість дощу розпадається на півтони.

А так все нормально, буяє і квітне,
Усе що було не живе, оживає навкруг.
Нарешті моя Україна вагітна,
У неї трійнята - отець син і дух

Вона в нас -  єдина, струнка і тендітна,
А старші братове п’яні і злі.
Живе собі добра і багатодітна,
Й нервує усіх цих дебілів й козлів

Тримаймо за руки, щоб чула опору,
Вона нам віддячить за це, ще не раз.
Отак і живемо, пливемо угору,
І Бог помагає як дивиться зверху на нас.

© Grigory Semenchuk / Григорій Семенчук
from: MORE віршів і пісень
Видавництво Старого Лева, 2015
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

Song for Ukraine

allemand

Alles, was gestern geschah.
Alles, was gestern nicht war …
Meer und Marter, Mountains sind vergessen,
immerhin, wir können leben und uns Liebe geben.

Immerhin, wir können kämpfen,
Gedichte schreiben, ins Kino gehen,
die Stadt ansehen und ihre Gespenster,
wir spüren im großen Fenster – die Welt.

Dich anzuschauen, dich zu küssen
bei laufenden Break News vor Kriegskulissen,
während der Sommer uns im Schraubstock hält
und Regenrock grau zum Halbton zerfällt.

Wo alles wie immer wirkt, gedeiht und blüht,
was unbelebt war, belebt wird und glüht,
geht meine Ukraine schwanger, tolldreist
mit Drillingen: Vater, Sohn und Heiligem Geist

Sie ist uns – dreieinig, zierlich und zerbrechlich,
ihre großen Brüder sind trunken und schrecklich.
Mit vielen Kindern lebt sie, einfach und gut
bringt sie zur Weißglut – all die Ziegenböcke und Idioten.

Reichen wir ihr die Hände, führen sie durch dieses Tal
sie wird es uns danken, mehr als einmal.
Nur so leben wir, steigen wir wieder auf,
und Gott steh uns bei, wenn er uns von oben betrachtet.

Nachdichtung von Ulrike Almut Sandig

Російське телебачення

ukrainien | Grigory Semenchuk

У дитинстві я часто бачив у друзів вдома екзотичне супутникове
               телебачення
І розумів, що гірше українського нема.
Але Господь дав можливість дізнатись правду –
Я зрозумів, що не усе з 12 каналів мого домашнього телевізора,
Це УКРАЇНСЬКЕ телебачення,
і що там є ще й російське,
І як виявилося – воно ще гірше.

І що тепер опинилося серед дитячих спогадів?
Війна, бандити, міліція, алкоголізм,
Совєцкій Союз, села російської глибинки, Алла Пугачова…
Але не меншої травми мені завдало
І українське телебачення:
Вишиванки, програми привітань, співаючі ректори.
Тепер розумію одне: українське телебачення –
Це набагато вишуканіше збочення, ніж російське.
Алілуя!

Немає нічого гірше за російське телебачення.
Впевнений: іранське, хоч і менш різноманітне,
Проте все ж з натяком на інтелектуальність.
Ніколи не бачив корейського телебачення –
Нічого, крім вирізок з новин про смерть чергового Кім Ір Чена, –
Але воно бодай відверто насміхається , не так завуальовано,
Як це кляте російське телебачення.
І часом, навіть нагадує раннє українське.

Але все ж приємно, що ти завжди
Можеш сказати – й інші тебе підтримають, –
моє лайно краще за їхнє лайно.
З нього проросло російське телебачення,
А воно – найгірше у світі.

© Grigory Semenchuk / Григорій Семенчук
from: MORE віршів і пісень
Видавництво Старого Лева, 2015
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

Russen-TV

allemand

Als Kind schaute ich manchmal bei Freunden zuhaus exotisches Satelliten-TV
und verstand, dass nichts schlimmer war – als ukrainisch zu sein.
Der Herr aber brachte mich auf den rechten Pfad
und ich habe erkannt – nicht jeder meiner zwölf Heimkanäle
war UKRAINISCHE Television,
es gab auch noch die russische gar,
die, wie sich ergab, noch schlechter war.

Was flimmert in den Erinnerungen der Kinderzeit auf?
Krieg und Banditen, Alkohol und Miliz,
Alla Pugatschowa, Sowjetunion, tiefe Russenprovinz …
Ukrainer-TV aber
hat mir kein kleineres Trauma verpasst:
Bestickte Hemden, Grußprogramme, singende Rektoren.
Eins ist mir klar: Ukrainer-TV
ist noch perversere Nabelschau – als Russen-TV.
Halleluja!

Nichts schlimmeres gibt es in der Welt als Russen-TV.
Vielleicht iranisches, obgleich weniger flau,
aber mit einem Quentchen von Köpfchen.
Nie hab ich jemals gesehen Korea-TV –
nichts als einen Nachrichtenbeitrag über den Tod von Kim Jong-Il,
den es offen auslacht hat, nicht so verkappt
wie im dreimal verfluchten Russen-TV.
Hier und da war’s gar wie früher – Ukrainer-TV.

Immerhin angenehm ist‘s, immerzu
mit Verweis auf die Andern behaupten zu können –
mein Mist ist besser als denen ihr Mist.
Daraus gewuchert ist Russen-TV,
das schlechteste in der Welt.

Nachdichtung von Ulrike Almut Sandig

*** [В ліс заїжджає чорний Lexus]

ukrainien | Grigory Semenchuk

В ліс заїжджає чорний Lexus –
Символ розлуки й німої печалі ...
Що він робитиме в лісі? Збиратиме березовий сік?
Танцюватиме чардаш із лісорубами-заробітчанами?

Що у тому лісі? Католицький монастир?
Рок-н-рольний паб? Міністерство охорони праці?
Весна приходить у снах і бере тебе за язик.
Відповісти не можеш – суцільна прострація.

Йдеш по слідах Lexus'a, слухаєш голоси,
І дика рожа питає: чи все в порядку?
Ясен з верховіть тихо говорить: НЕ СЦИ!
Згадуєш молитви, псалми і колядки.

З водійського місця Lexus'у виходить весна,
Збирає палички, витягає газети і запалює вогонь.
На чобітках її – болото, вона весела й сумна.
Падає мокрий сніг, у неї тече зі скронь.

Їй це точно не вдасться – навколо сніги і крига.
Я бачу її сльози, і Lexus сильно засніжений
Вона телефонує мєнтам і місцевим знайомим баригам,
А флора і фауна їй співчуває обіймами ніжними.

Весна, як завжди, на крутому чорнім кроссовері.
З кузовом «універсал» і 5-тилітровим баком у животі…
Вона виїжджає з лісу, звірі сидять у багажнику і на капоті,
І місяць виблискує в вікнах під саундртреки котів.

Вона дивиться на всі ці сніги, рефлекторно тиснучи НА газ.
Зникає за горизонтом, світить неоном, парує теплом в далечінь.
Ти розумієш, що відчуття весни – це просто звичайний спазм.
Десь усередині тебе, десь уночі…

© Grigory Semenchuk / Григорій Семенчук
from: MORE віршів і пісень
Видавництво Старого Лева, 2015
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

*** [Ein schwarzer Lexus hält Einzug im Wald]

allemand

Ein schwarzer Lexus hält Einzug im Wald –
und steht fürs Trennen, für stilles Beklagen …
Was hat er vor? Birkensaft sammeln?
Csárdás tanzen mit den Gastarbeitern im Holz?

Was steht im Walde, ganz still und stumm? Ein Kloster, katholisch?
Ein Pub, rock’n rollisch? Das Ministerium zum Schutze der Arbeit?
Die Frühlingsfrau erscheint dir im Schlaf und packt dich an der Zunge,
dass dir die Antwort im Hals stecken bleibt – totaler blackout.

Du trittst in die Fahrspur, du hörst auf die Stimmen,
und eine wilde Stockrose fragt: alles in Ordnung bei dir?
Eine Esche leis‘ aus der Baumkrone sagt: jetzt bloß keinen SCHISS!
Gebete, Psalmen, Sternsingerlieder fallen dir ein.

Aus der Fahrerseite steigt die Frühlingsfrau aus,
sucht Reisig, zieht Gazetten hervor und macht Feuer.
Traurig und heiter steht sie auf einem Bein, an ihren Stiefelchen Schlamm.
Nasser Schnee fällt und fließt ihr die Schläfe herab.

Sie schafft’s sicher nicht, weh – ringsumher Eis und Schnee.
Siehst du ihre Tränen? Der Lexus total eingeschneit.
Sie ruft die Bullen und hierzulande bekannte Hausierer,
Flora und Fauna umschlingen sie sacht – ein tröstendes Kleid.

Die Frühlingsfrau mit ihrem heißen schwarzen Crossover Kombi,
Universal-Karrosserie und Fünf-Liter-Motor im Leib,
wilde Tiere auf der Motorhaube und im Kofferraum, rauscht aus dem Wald.
Der Mond blitzt auf in den Fenstern, zum Soundtrack von Gespenstern.

Die Frühlingsfrau überblickt noch den Schnee und geht reflexhaft aufs GAS.
Grelles Scheinwerferlicht, auf den Horizont zu, verdampft in der Ferne.
Frühlingsgefühl, verstehst du, ist nichts als der übliche Krampf
irgendwo in dir, irgendwo in der Nacht …

Nachdichtung von Ulrike Almut Sandig

*** [Мені наснилася війна: з чорними волоссям]

ukrainien | Grigory Semenchuk

Мені наснилася війна: з чорними волоссям
Брудом під нігтями і сухою ороговілою шкірою.
Все відбулося. Залишилося відголосся.
І каноніри відходили зі зневірою.

Маленькі хлопчики. Вчорашні мішені,
Не винні нікому, винні лиш собі.
Ховають на згадку гільзи в кишені,
Змиваючи кіптяву в себе з лобів.

На фото вони будуть вічно засмучені.
З печаткою смерті – обличчя незримі.
Обнесені щільно дротами колючими
І блок-постами німими.

Мені наснилася війна: ця пані у чорному,
У неї від крові червоний рукав.
Вона підбирала нещадно поборених,
І їх автомати, гвинтівки і ПЗРК…

Війна розставила все на місця.
На місці життя – лиш залізні хрести,
І кожен патрон – це не просто цвях.
Це є я і Ти. Це є я і Ти.

© Grigory Semenchuk / Григорій Семенчук
from: MORE віршів і пісень
Видавництво Старого Лева, 2015
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

*** [Mir träumte von Mutter Krieg]

allemand

Mir träumte von Mutter Krieg – schwarzes Haar
schmutzige Nägel, trockene Hornhaut.
Es war alles schon da. Es kommt alles als Echo zurück.
Enttäuscht ziehen sich die Kanoniere zurück.

Kleine Jungen. Gestern Geschlagene,
niemandem schuldig, schuldig niemandem außer sich selbst.
Zum Souvenir stecken sie Hülsen in ihre Taschen
und waschen sich Ruß und Staub von der Stirn.

Auf den Bildern werden sie sein voller Gram,
vom Tod schon gestempelt – Gesichter, unsichtbar
umzäunt mit Stacheldraht, eng
bewacht von Blockposten, stumm.

Mir träumte von Mutter Krieg – der Dame in Schwarz,
Sie trägt ein blutschwarzes Kleid.
Sie klaubt die Besiegten und ihre Maschinengewehre
Flinten, Flugabwehrraketensysteme erbarmungslos auf …

Mutter Krieg stellt alles wieder in Position.
Für jeden Lebenden – eiserne Kreuze
Für jede Patrone – nicht nur einen Nagel.
Nein, dich und auch mich. Dich und auch mich.

Nachdichtung von Ulrike Almut Sandig

september solo

ukrainien | Grigory Semenchuk

якби мені їм усім потиснути руку і обійняти…
але сили нема – всього метр сімдесят три.
і у моїх снах вони продовжують мовчки стояти,
серед пагорбів, на коліях, де гудуть вітри.

усі вони такі прозорі, уквітчані зорями.
знаю їх поіменно, вони, мов у засідці, в серці глибоко.
і я далі частуватиму їх цукерками, міцними напоями,
щоб вони не тікали у Чехію чи Марокко.

я молюся за них поміж стін святого собору.
на екрані написано чорним по білому «evil».
попід арками древніми крик: «покличте чергового!»
ми усе що могли уже випити - випили

і у моїх снах вони продовжують мовчки стояти,
серед театрів, кафе і червоних готельних кімнат.
якби мені їм усім потиснути руку і обійняти,
зупинити жовтень і листопад, повернутись назад…

© Grigory Semenchuk / Григорій Семенчук
from: MORE віршів і пісень
Видавництво Старого Лева, 2015
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

september-solo

allemand

wie soll ich allen die hände drücken, wie sie umarmen …
bin nicht stark genug und nicht groß – einen meter dreiundsiebzig ja bloß.
in meinen träumen stehen sie, stehen und schweigen
zwischen den hügeln, auf den gleisen, im wind.

wie durchsichtig sie alle sind, mit sternen gemustert
all ihre namen sind in mir, im herzhinterhalt, verborgen.
ich biet ihnen weiter bonbons an und starke getränke,
dass sie nicht nach tschechien flüchten oder marokko.

ich bete für sie zwischen den wänden einer heiligen kathedrale.
auf dem bildschirm wird schwarz auf weiß angezeigt „evil“
und unter den alten bögen ein schrei: „her mit dem zuständigen!“
alles, was wir trinken konnten, ist geleert.

in meinen träumen stehen sie weiter, stehen und schweigen
zwischen theatern, cafés, in roten hotelzimmern.
wie soll ich allen die hände drücken, wie sie umarmen,
wie oktober und november aufhalten, wiederzukommen …

Nachdichtung von Ulrike Almut Sandig

मैं किसकी औरत हूँ

hindi | Savita Singh

मैं किसकी औरत हूँ
कौन है मेरा परमेश्वर
किसके पाँव दबाती हूँ
किसका दिया खाती हूँ
किसकी मार सहती हूँ...
ऐसे ही थे सवाल उसके
बैठी थी जो मेरे सामनेवाली सीट पर रेलगाडी में
मेरे साथ सफर करती

उम्र होगी कोई सत्तर-पचहत्तर साल
आँखे धँस गयी थीं उसकी
मांस शरीर से झूल रहा था
चेहरे पर थे दुख के पठार
थीं अनेक फटकारों की खाइयाँ

सोचकर बहुत मैंने कहा उससे
‘मैं किसी की औरत नहीं हूँ
मैं अपनी औरत हूँ
अपना खाती हूँ
जब जी चाहता है तब खाती हूँ
मैं किसीकी मार नहीं सहती
और मेरा परमेश्वर कोई नहीं’

उसकी आँखों में भर आई एक असहज ख़ामोशी
आह! कैसे कटेगा इस औरत का जीवन!
संशय में पड गयी वह
समझते हुए सभी कुछ
मैंने उसकी आँखों को अपने अकेलेपन के गर्व से भरना चाहा
फिर हँस कर कहा ‘मेरा जीवन तुम्हारा ही जीवन है
मेरी यात्रा तुम्हारी ही यात्रा
लेकिन कुछ घटित हुआ जिसे तुम नहीं जानती—
हम सब जानते हैं अब
कि कोई किसीका नहीं होता
सब अपने होते हैं
अपने आप में लथपथ-अपने होने के हक़ से लक़दक़’

यात्रा लेकिन यहीं समाप्त नहीं हुई है
अभी पार करनी हैं कई और खाइयाँ फटकारों की
दुख के एक दो और समुद्र
पठार यातनाओं के अभी और दो चार
जब आख़िर आएगी हर वह औरत
जिसे देख तुम और भी विस्मित होओगी
भयभीत भी शायद
रोओगी उसके जीवन के लिए फिर हो सशंकित
कैसे कटेगा इस औरत का जीवन फिर से कहोगी तुम
लेकिन वह हँसेगी मेरी ही तरह
फिर कहेगी—
‘उन्मुक्त हूँ देखो,
और यह आसमान
समुद्र यह और उसकी लहरें
हवा यह
और इसमें बसी प्रकृति की गंध सब मेरी हैं
और मैं हूँ अपने पूर्वजों के शाप और अभिलाषाओं से दूर
पूर्णतया अपनी’

© Savita Singh
Audio production: Goethe Institut, 2015

wessen frau ich bin

allemand

wessen frau bin ich
wer ist mein meister
wessen füße massier ich
wer gibt mir zu essen
wessen schläge erduld ich
das waren die fragen
einer mitreisenden, die mir
gegenüber im zug saß

siebzig, fünfundsiebzig jahre wohl alt
die augen eingesunken
das fleisch hing lose vom körper herab
ihr gesicht durchzogen von kummergeschollenen hochebenen
und furchen aus lauter qual

ich hab lange nachgedacht, und dann sagte ich
‚ich bin niemandens frau
ich bin meine eigene frau
ich esse mein eigenes mahl
wann immer ich essen will, ess ich
ich leide niemandens schläge
und einen meister habe ich nicht‘

ihr blick füllte sich mit ungewöhnlicher stille
ach! wie kann diese frau nur so leben!
ihr kamen zweifel
und ich verstand
ich wollte ihn mit dem stolz meines alleinseins füllen
also lachte ich und sagte‚ mein leben ist doch dein leben
meine reise doch deine
doch es ist was passiert, wovon du nichts weißt –
inzwischen wissen wir alle
dass niemand dem andern gehört
wir alle gehören uns selbst
das prächtige recht, im eigenen ich pitschpatsch zu plantschen!‘

die reise ist aber hier nicht zu ende
noch einige furchen aus lauter qualen zu überqueren
noch eins zwei kummergeschwollene meere
noch drei vier hochebenen, aus schindereien geschichtet
wenn schließlich jene frau wiederkommt
und du dich bei ihrem anblick erschreckst
auch schauderst vielleicht
und wieder über ihr leben verzweifelt in tränen ausbrichst
wie kann diese frau nur so leben!, wirst du wieder klagen
sie aber wird lachen wie ich
und dann wird sie sagen –
frei bin ich, schau
und dieser himmel
das meer und seine wogen
diese luft
und der geruch von natur drin, das alles ist mein
und weit weg vom fluch meiner ahnen und ihren erwartungen bin ich
ich selbst, ganz und gar

Ins Deutsche übertragen von Ulrike Almut Sandig
Poets Translating Poets - VERSschmuggel mit Südasien, organisiert vom Goethe Institut in Zusammenarbeit mit der Literaturwerkstatt Berlin, 2015

रूथ का सपना

hindi | Savita Singh

रूथ ने देखा एक सपना
उसने देखे ऐसे कई सपने
तब उसके साथ थे उसके दुसरे प्रेमी
इस बार वह बिस्तर में अकेली थी
और शहर भी दूसरा था
इस बार आधी रात से ही बर्फ़ गिरने लगी थी
और उसके घर के बाहर
सुबह-सुबह प्रेमियोंका एक जोड़ा झगड़कर अलग हुआ था

रूथ का सपना मामुली सपना नहीं था
उसने देखा था एक घने पेड़ के नीचे
बैठे एक दार्शनिक संत को
जो उसे समझ रहा था अस्तित्व के मानी
उसने उसे बताया भाषा ही समस्त संसार है
और उसमें ही एकांत और प्रेम दोनों संभव हैं

रूथ भ्रमित थी
क्योंकि वह तो भाषा में ही थी सदा से
लेकिन उसे प्रेम के बदले प्रेम कभी नहीं मिला
और उसका एकांत भरा पड़ा था
पिता की यातना और माँ की भीरुता से
यदा-कदा उसमें टहलते हुए आये थे कुछ प्रेमी
जो छोड गये थे पीछे सिर्फ अपने बिस्तर

रूथ देखना चाहती है कई बार

© Savita Singh
Audio production: Goethe Institut, 2015

ruths traum

allemand

ruth hatte einen traum
sie hatte viele solcher träume
wenn sie ihre liebhaber traf
dieses mal war sie allein im bett
und die stadt war auch eine andere
dieses mal fing es zur halben nacht an zu schneien
und draußen vorm haus
trennte sich im morgengrauen
ein liebespaar im streit

ruths traum war kein gewöhnlicher traum
unter einem dichten baum sah sie
einen weisen sitzen
der ihr den sinn des daseins erklärte
er teilte ihr mit, dass die ganze welt nur aus sprache besteht
und nur in der sprache liebe mit einsamkeit hand in hand geht

ruth war verwirrt
sie hatte doch immer in der sprache gewohnt
ihre liebe war aber nie auf gegenliebe gestoßen
und ihre einsamkeit randvoll
mit schindereien vom vater und der feigen schwäche von mutter
ab und an spazierten einige liebhaber herein
und hinterließen nichts als die leere im bett

wieder und wieder will ruth diesen traum
auf dass sie begreife
wie selbstbestimmte würde in sprache aufschimmert
zur ihrer eigenen rettung, in dieser stadt unterm schnee

Ins Deutsche übertragen von Ulrike Almut Sandig
Poets Translating Poets - VERSschmuggel mit Südasien, organisiert vom Goethe Institut in Zusammenarbeit mit der Literaturwerkstatt Berlin, 2015

यह नंबर मौजूद नहीं

hindi | Mangalesh Dabral

दिस नंबर डज़ नॉट एग्ज़िस्ट
जहां भी जाता हूं जो भी फ़ोन मिलाता हूं
अकसर एक बेगानी सी आवाज़ सुनाई देती है
दिस नंबर डज़ नॉट एग्ज़िस्ट यह नंबर मौजूद नहीं है
कुछ समय पहले इस पर मिला करते थे बहुत से लोग
कहते आ जाओ हम तुम्हें पहचानते हैं
इस अंतरिक्ष में तुम्हारे लिए भी बना दी गयी है एक जगह

लेकिन अब वह नंबर मौजूद नहीं है वह कोई पहले का नंबर था
उन पुराने पतों पर बहुत कम लोग बचे हुए हैं
जहां आहट पाते ही दरवाज़े खुल जाते थे
अब घंटी बजाकर कुछ देर सहमे हुए बाहर खड़ा रहना पड़ता है
और आख़िरकार जब कोई प्रकट होता है
तो मुमकिन है उसका हुलिया बदला हुआ हो
या वह कह दे मैं वह नहीं हूँ जिससे तुम बात करते थे
यह वह नंबर नहीं है जिस पर तुम सुनाते थे अपनी तकलीफ़

जहां भी जाता हूं देखता हूं बदल गए हैं नंबर नक़्शे चेहरे
नाबदानों में पड़ी हुई मिलती हैं पुरानी डायरियां
उनके नाम धीरे-धीरे पानी में धुलते हुए
अब दूसरे नंबर मौजूद हैं पहले से कहीं ज़्यादा तार-बेतार
उन पर कुछ दूसरी तरह के वार्तालाप
महज़ व्यापार महज़ लेनदेन खरीद-फरोख्त की आवाजें लगातार अजनबी होती हुई
जहां भी जाता हूँ हताशा में कोई नंबर मिलाता हूं
उस आवाज़ के बारे में पूछता हूं जो कहती थी
दरवाज़े खुले हुए हैं तुम यहाँ रह सकते हो
चले आओ थोड़ी देर के लिए यों ही कभी भी इस अंतरिक्ष में.

© Mangalesh Dabral
Audio production: Goethe Institut, 2015

die gewählte rufnummer ist nicht vergeben

allemand

this number does not exist
wohin ich auch geh, welche nummer ich wähle
wieder und wieder hör ich eine fremde stimme, die sagt
this number does not exist, die gewählte rufnummer ist nicht vergeben
noch vor kurzem waren unter ihr eine menge leute erreichbar
wir sind einander bekannt, sagten sie, komm vorbei
in diesem kosmos ist auch für dich noch ein plätzchen frei.

aber nun ist die gewählte rufnummer nicht vergeben, ist wohl eine von früher
von den alten kontakten kaum einer übrig
der beim leisesten geräusch von schritten die türen aufschloss
nun muss man klingeln, ein weilchen unsicher draußen stehen
und wenn endlich einer auftaucht
dann kann es geschehen, dass er ganz anders aussieht
oder sagt, ich bin nicht der, mit dem du gesprochen
und das nicht der anschluss, unter dem du von deinem kummer erzähltest

wohin ich auch geh, find ich nummern, gesichter, straßenzüge ausgewechselt.
im rinnstein liegen alte adressbücher
die namen darin waschen sich nach und nach aus
andere nummern sind nun vergeben, viel mehr als früher, mit kabel, ohne
gespräche anderer art finden statt.
nur geschäft, nur geben und nehmen, verkaufen und kaufen verfremdet ständig die stimme
wohin ich auch geh, wähl ich verzagt eine nummer.
ich frage nach jener stimme, die sagte
die türen zu meinem kosmos sind offen, hier kannst du sein
komm herein und bleib eine weile, komm einfach vorbei.

Ins Deutsche übertragen von Ulrike Almut Sandig
Poets Translating Poets - VERSschmuggel mit Südasien, organisiert vom Goethe Institut in Zusammenarbeit mit der Literaturwerkstatt Berlin, 2015

*** [я буду щоранку виходити з цього будинку]

ukrainien | Grigory Semenchuk

я буду щоранку виходити з цього будинку
і пам’ятатиму як за весною з’являлася ти
одразу приходила
роздягалась

ніколи не забуду того
як замочив ноги бо нікуди було йти
так щодня
бо це місто багате на дощ
як і я багатий на вірші

вірші проходять крізь мене
як рентген-проміні
флюрографічні
хоча певно якість моїх легеней
набагато гірша
ніж якість моїх текстів
ніж якість будь-яких текстів

тривалість текстових повідомлень твоїх
скоротилась до 10 символів
тривалість твоїх губ на моєму тілі
скоротилась до 10 секунд

я вчора дзвонив приятелям
двом з них їхні кохані
відмовили в одруженні
тепер вони пишуть вірші

я буду щоранку виходити з цього будинку
і пам’ятатиму як за осінню з’являлася ти
одразу приходила
роздягалась

© Grigory Semenchuk / Григорій Семенчук
from: MORE віршів і пісень
Видавництво Старого Лева, 2015
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

*** [ich werde jeden morgen dieses gebäude verlassen]

allemand

ich werde jeden morgen dieses gebäude verlassen
und mich erinnern: du bist gleich nach dem lenz aufgetaucht
kamst einfach mit
zogst dich aus

niemals vergess ich,
wie ich nasse füße bekam, weil nirgendwo hinzugehn war
und immer so weiter, tag für tag
denn diese stadt ist regenreich
wie auch ich reich bin an gedichten

die gedichte fallen durch mich hindurch
wie röntgenstrahlen, fluorografisch
obgleich die qualität meiner lungen
viel schlechter ist
als die qualität meiner texte
die qualität von texten überhaupt

die spanne deiner textnachrichten
hat sich auf zehn symbole verkürzt
die spanne deiner lippen auf meinem körper
hat sich auf zehn sekunden verkürzt

gestern rief ich meine freunde an
zwei von ihnen haben ihren liebsten
die hochzeit verweigert
sie schreiben jetzt gedichte

ich werde jeden morgen dieses gebäude verlassen
und mich erinnern: du bist gleich nach dem herbst aufgetaucht
kamst einfach mit
zogst dich aus

Nachdichtung von Ulrike Almut Sandig

संगतकार

hindi | Mangalesh Dabral

मुख्य गायक के चट्टान जैसे भारी स्वर का साथ देती
वह आवाज़ सुंदर कमजोर काँपती हुई थी
वह मुख्य गायक का छोटा भाई है
या उसका शिष्य
या पैदल चलकर सीखने आने वाला दूर का कोई रिश्तेदार
मुख्य गायक की गरज़ में
वह अपनी गूँज मिलाता आया है प्राचीन काल से
गायक जब अंतरे की जटिल तानों के जंगल में
खो चुका होता है
या अपने ही सरगम को लाँघकर
चला जाता है भटकता हुआ एक अनहद में
तब संगतकार ही स्थायी को सँभाले रहता है
जैसा समेटता हो मुख्य गायक का पीछे छूटा हुआ सामान
जैसे उसे याद दिलाता हो उसका बचपन
जब वह नौसिखिया था
तारसप्तक में जब बैठने लगता है उसका गला
प्रेरणा साथ छोड़ती हुई उत्साह अस्त होता हुआ
आवाज़ से राख जैसा कुछ गिरता हुआ
तभी मुख्य गायक को ढाढस बँधाता
कहीं से चला आता है संगतकार का स्वर
कभी-कभी वह यों ही दे देता है उसका साथ
यह बताने के लिए कि वह अकेला नहीं है
और यह कि फिर से गाया जा सकता है
गाया जा चुका राग
और उसकी आवाज़ में जो एक हिचक साफ़ सुनाई देती है
या अपने स्वर को ऊँचा न उठाने की जो कोशिश है
उसे विफलता नहीं
उसकी मनुष्यता समझा जाना चाहिए।

© Mangalesh Dabral
Audio production: Goethe Institut, 2015

der nebensolist

allemand

neben der festen stimme des ersten solisten
war die stimme des zweiten
verhalten, sanft, schön.
sie gehört seinem jüngeren bruder
schüler oder entferntem verwandten
der zu fuß zum unterricht kommt
und dem donnerlied des ersten solisten
seit jeher sein echo nachschiebt.
wenn der erste solist sich im dickicht
schwerer figuren verliert
seine tonleitern weit übersteigt
und sich auflöst in kosmischer unhörbarkeit
bleibt der nebensolist auf grund und boden des kehrreims zurück
als sammle er ein, was der sänger zurückließ
als erinnere er ihn an die eigene kindheit
als er noch ein blutiger anfänger war.
wenn die stimme des ersten solisten in der höchsten oktave versagt          
ihn die eingebung verlässt und die euphorie sinkt
seine stimme zu asche zerfällt
dann kommt dem solisten von irgend woher
die stimme des nebensolisten zupass.
manchmal begleitet er ihn auch bloß
um ihm zu sagen, dass er nicht allein ist
und dass ein einmal gesungener raga
auch wiederholt werden kann.
wer seine stimme zurückhält
wer nicht versucht, den andern zu überschallen           
der ist kein versager
sondern in aller menschlichkeit zu verstehen.

Übersetzung: Ulrike Almut Sandig

Triple pont. La culasse de l’œil pinéal

français | Linda Maria Baros

C’est comme si, coupé en trois, tu voulais traverser
la douce rivière Ljubljanica,
acculer au bout du pont
la créature écailleuse du parvis
qui tourne là-bas, sur place,
comme une tronçonneuse circulaire.

Mère, en pleurs, une sacoche de légumes dans les bras.
Peut-être ramasserait-elle par terre, avec les mains,
la chair qu’on a râpée de tes os.
L’œil fermé, pinéal.

Mère, elle saurait comment une larme s’arrondit en toi,
blottie comme un fauve,
selon les lois de la plus petite surface
sur laquelle peut s’étendre la douleur.
Comment une larme tourne là-bas, sur place,
toujours sombre, comme une foreuse,
ce tourbillon de sang dont tu as réchauffé les marches
de la cathédrale,
les murs, la cadence du tir ;
une larme dans laquelle mère lave longtemps,
comme pour un fils perdu, les ongles arrachés,
les plantes des pieds.

Derrière, il y a le pont triple :
au long duquel tu t’en vas, si tu t’en vas,
au long duquel tu viens, si tu viens,
au long duquel tu t’en vas.
L’œil fermé, pinéal. Sa culasse.

© Linda Maria Baros
Le Chambon-sur-Lignon: Cheyne Éditeur,
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2011

Dreifache Brücke. Der Verschluss des Scheitelauges

allemand

Das ist, als wolltest du, in drei Teile geschnitten,
den sanften Fluss Ljubljanica überqueren.
ans Ende der Brücke treiben
die schuppige Kreatur vom Kirchvorplatz
die sich dreht, auf der Stelle,
wie eine Kreissäge dreht.

Mutter in Tränen, die Gemüsetasche im Arm.
Vielleicht würde sie, mit den Händen, vom Boden lesen
das Fleisch, das man dir von den Knochen geschabt hat.
Scheitelauge zu.

Mutter, sie wüsste, wie sich eine Träne in dir rundet,
eingerollt wie ein wildes Tier,
nach dem Gesetz der kleinsten Oberfläche,
auf der der Schmerz sich ausbreiten kann.
Wie sich eine Träne dreht, auf der Stelle,
immer dunkel, wie ein Bohrer
der Strudel aus Blut, mit dem du die Stufen
der Kathedrale erhitzt hast,
die Mauern, die Folge der Schüsse;
  eine Träne, in der Mutter lange,
  wie für den verlorenen Sohn, die abgerissenen Nägel,
die Fußsohlen wäscht.

Die Brücke dahinter ist dreifach:
die du entlanggehst, wenn du denn gehst,
die du entlangkommst, wenn du denn kommst,
die du entlang wieder gehst.
Scheitelauge zu. Sein Verschluss.

Deutsche Fassung von Ulrike Almut Sandig.
Die Übersetzung entstand im Rahmen des Übersetzungsworkshops Versschmuggel des http://www.literaturwerkstatt.org/index.php?id=1016" ">Poesiefestivals Berlin 2011

OLUP BİTENLER

turc | Gonca Özmen

Merhameti ben bir sudan öğrendim
İçine elimi koydum, akana
Elimi ben nelere, kimlere

Toplama beni
Ben dökülmeyi sevdim

Bana baktı hep dünyada olup bitenler
Olup bitenler işte olup bitmezler

Geri vermez ölüyü sular
Yataksız onlar, uyurlar

Her şey olacağı gibi olsun
Ama olsun

Bahçemle barışayım
Üç kolu kesik tarihle

Bulmak bazen fenadır
Sesindeydim, o dingin ovanda

Sen orda ölürdün
Ben burda yıkardım gövdeni

© Yapı Kredi Yayınları
from: Belki Sessiz
Yapı Kredi Yayınları, 2008

GESCHEHNISSE

allemand

Ich lernte das Mitgefühl von einem Wasser
Meine Hand tauchte ich hinein, ins Fließende
Meine Hand in so vieles, in so viele

Heb’ mich nicht auf
Ich mag es zu zerfließen

Was auf der Welt geschah, schaute immerzu auf mich
Geschehnisse eben, geschehen nicht

Sie geben einem die Toten nicht zurück, die Wasser
Bettenlos sind sie, schlafen

Soll alles so geschehen, wie es  will
Nur geschehen soll es

Versöhnen will ich mich mit meinem Garten
Mit der verstümmelten Geschichte

Manchmal ist das Finden ein Übel
In deiner Stimme war ich, in deinem stillen Flachland

Du starbst dort
Ich wusch hier deinen Leib

Ulrike Almut Sandig

OLMUYOR

turc | Gonca Özmen

Yılanımı koru
Ölüm toprakta bitmiyor

O ikilik hiç olmuyor
O dal sesi hiç

(Olmayan bende bekliyor)

Herkesin toprağı boyuna göre
O genişlik açılmıyor

İçinde döndüğüm kilit sendin
Aralandın, aralandım

Estiysem rüzgarımdı diyorum
Kaldıysam kalmak akşamlardı
Bitimsiz otları vardı gitme demenin

(Dediğim de denmiş olmuyor)

Acımı koru  
O olan dinmiyor

Sensin diye eskitiyorum kapıları
Bende duran akmıyor

© Yapı Kredi Yayınları
from: Belki Sessiz
Yapı Kredi Yayınları, 2008

ES GELINGT NICHT

allemand

Behüte meine Schlange
Der Tod endet nicht unter der Erde

Es gelingt jene Zweiheit nicht
Jenes Knirschen der Äste

(Was nicht gelang, wartet in mir)

Jedermanns Grab nach seinem Wuchs
Jene Tiefe lässt sich nicht erweitern

Du warst das Schloss, in dem ich mich drehte
Du gingst ein Stück auf, ich ging ein Stück weg

Wehte ich, so war es mein Wind, meine ich
Blieb ich, so war das Bleiben den Abenden gleich
“Geh nicht” zu sagen war im endlosen Unkraut verfangen

(Auch was ich sage, bleibt ungesagt)

Behüte meinen Schmerz
Was geschah bleibt ungelindert

Immer vergeblich für dich geöffnet, nutzen sich die Türen ab
Was in mir steht, fließt nicht

Übersetzung: Ulrike Almut Sandig

DUTLUK

turc | Gonca Özmen

Dutluğa doğru gel
Evlerin uzağına

Sana susmayı öğreteceğim
Dalların kaygısını da

Azaldığın yerden öpeceğim
Azaldığı yerden doğanın

Ovayı geç
Dutluğa doğru gel
Arasına otların

Sana fırtınayı dinleteceğim
Theşub’un çığlığını

Bir suyun ardında seni
Neden sonra yine bekleyeceğim

Tarlayı geç
Daha gel daha
Dut kokusuna

Sana karıncaları göstereceğim

© Yapı Kredi Yayınları
from: Belki Sessiz
Yapı Kredi Yayınları, 2008

MAULBEERENHAIN

allemand

Komm richtung maulbeerenhain
Weg von den häusern

Schweigen lehren werde ich dich
Auch die sorge der äste

Wo du dich verminderst, dort werd ich dich küssen
Wo die natur sich vermindert

Geh über das flachland
Komm richtung maulbeerenhain
Zwischen die gräser

Den sturm hören lassen werde ich dich
Den schrei von teschup

Hinter dem wasserlauf werde ich
Doch wieder warten auf dich

Geh über den acker
Weiter, komm weiter
Zum maulbeerenduft

Die ameisen zeigen werde ich dir

Deutsche Fassung von Ulrike Almut Sandig.
Die Übersetzung enstand im Rahmen des deutsch-türkischen Übersetzungsworkshops in der Literaturwerkstatt 2008

Les enfants passés au tamis

français | Linda Maria Baros

C’est pour toi, pour que tu sois plus grande et plus belle
et plus droite,
que je me suis coupé le cœur en deux,
comme un sabot d’agneau.

J’ai volé et j’ai menti, j’ai craché du sang.

J’ai lavé des cadavres
et j’ai dormi sur des sacs plastique
remplis de déchets trouvés dans les poubelles,
dans des rues qui gardent toujours
un couteau à la main j’ai dormi,
parmi les écailles des vieux mendiants de la ville,
qui, en ton honneur, se sont laissé pousser
la barbe jusqu’aux chevilles,
comme les anciens Sumériens
partis chasser des lions pour leurs bien-aimées.

C’est pour toi que je me suis laissé hanter
par les cagous de minuit,
c’est auprès de toi que j’ai pleuré quand tu grattais la terre
avec les ongles, comme un cheval aux yeux arrachés,
j’ai pleuré, comme une suicidaire
dont le train réchauffe les jambes.

J’ai vécu parmi les enfants de la rue
qui inhalent de la colle, livides
comme quelques grosses pierres bercées
par les filets de l’éther,
que le tamis fait tourner dans le concasseur,
dans les égouts.

C’est pour toi que j’ai hurlé à la croisée des chemins, hissée
– sur quelque raclage hissée –
dans les fourches des barbeaux.
Je me suis laissé voler par les casseurs, par les magouilleurs,
dans le vacarme des cuillères grandes comme des pelles,
qui tintaient dans les gamelles.

J’ai erré à travers les troquets
qui sentaient le gaz, le chipset brûlé, le réseau,
je me suis frottée aux pyramides de vodka
et aux mains de tes grands hommes
– comme un chat qui se frotte au manuel d’électricité –,
ils ont aussi empourpré mon autre joue,
sans cesse leurs doigts ont heurté ma côte
et ils ont coupé mon cœur en quatre,
en riant, « parce que les auras des saintes sont ainsi »,
et ils m’ont passée au tamis
en même temps que tes autres enfants,
ils m’ont mis le bâillon d’autres paroles.

En ton nom, j’ai caché, comme une ordure,
dans mes poches, parmi les hardes,
les rats vigoureux de la trahison.
J’ai nourri, c’est avec ma chair
que j’ai nourri le pitbull du cachot.
J’ai pleuré, quand tu grattais la terre avec les ongles,
tout comme les chevaux aux yeux arrachés.

Oui, c’est pour toi que je suis entrée en force dans ce monde
comme une vague de sang
qui ne retrouve plus son chemin vers le cœur.

© Linda Maria Baros
from: L’Autoroute A4 et autres poèmes
Le Chambon-sur-Lignon: Cheyne Éditeur, 2009
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2011

Die ausgesiebten Kinder

allemand

Für dich, auf dass du größer und schöner
und aufrechter werdest,
hab ich mir das Herz in zwei Teile geschnitten
zum Huf eines Lammes.

Gestohlen hab ich und gelogen, Blut hab ich gespuckt.

Leichen gewaschen hab ich,
geschlafen hab ich auf Plastiksäcken voll Abfall,
in Mülleimern gefunden,
in Straßen, immer ein Messer zur Hand, hab ich geschlafen
im Schildpatt der alten Bettler der Stadt,
die, dir zu Ehren, sich den Bart
knöchellang wachsen ließen
wie alte Sumerer,
wenn sie auf Löwenjagd zogen für ihre Liebsten.

Für dich hab ich mich von den Mitternachtsgangstern
heimsuchen lassen,
neben dir hab ich geweint, als du mit den Nägeln
auf der Erde gescharrt hast wie ein Pferd mit ausgerissenen Augen,
geweint hab ich wie die Selbstmörderin,
deren Beine die Bahn erhitzt.

Gelebt hab ich unter Straßenkindern,
die Klebstoff schnüffeln, fahl
wie ein paar in den Netzen des Äthers
schaukelnde Brocken aus Stein,
das Häckselsieb dreht sie
in die Abflusskanäle hinein.

Für dich hab ich an der Kreuzung geheult, aufgestellt
– auf etwas Geschabtes gestellt –
vor den Spitzen der Zuhältergabeln.
Von Schlägern hab ich mich einsacken lassen, von durchtriebenen Typen,
im Lärm der schaufelgroßen Löffel,
die in den Blechnäpfeln klangen.

Durch die Kaschemmen bin ich geirrt,
die rochen nach Gas, verbranntem Chipsatz, nach Netzwerk,
an Pyramiden aus Wodka hab ich mich gerieben
und auch an den Händen deiner großen Männer
– wie eine Katze sich reibt am Handbuch für Elektrizität –,
auch meine andere Wange haben sie purpur gemacht
immerzu ihre Finger in meine Rippe gerammt
sie haben mein Herz in vier Teile geschnitten
und gelacht haben sie, „weil die Auren der Heiligen nun einmal so sind“,
sie haben mich ausgesiebt
gemeinsam mit deinen anderen Kindern,
mit fremden Sprachen haben sie mich geknebelt.

In deinem Namen hab ich wie Unrat,
in den Hosentaschen, unter Lumpen
robuste Verräterratten versteckt.
Genährt hab ich mit meinem Fleische
diesen Pitbull von Knast.
Geweint habe ich, als du mit den Nägeln auf der Erde gescharrt hast
ganz wie die Pferde mit den ausgerissenen Augen es tun.

Ja, für dich bin ich in diese Welt eingedrungen
wie eine Welle aus Blut,
die ihren Weg zum Herzen nicht wieder findet.

Deutsche Fassung von Ulrike Almut Sandig.
Die Übersetzung entstand im Rahmen des Übersetzungsworkshops Versschmuggel des http://www.literaturwerkstatt.org/index.php?id=1016" ">Poesiefestivals Berlin 2011

Le nuage d'Oort

français | Linda Maria Baros

Au petit matin, tu n’entends plus tes os se briser.

Il n’y a que les éjaculations d’hier qui sortent de ton corps.
On dirait des signatures : 
elles vibrent comme des aiguilles sismiques
dans une sorte de séance prolongée
d’acupuncture,
de vaudou.

Les éjaculations qui évadent des lingots poreux,
en platine, de tes vieux os,
et séparent – dans ton subconscient tribal –
comme des sexes,
le ciel et la terre.
Qui transpercent la poitrine,
donnent des noms, des trépanations,
qui vivent, qui dansent dans l’air tout comme les flammes,
plus longtemps que l’oxygène environnant.

Clouées dans. Excisées de ta chair.

Un fil invisible les relie à leur point de départ,
qui glapit de loin, d’une autre chair,
d’une autre rue.

Tu les vois se détacher de ton corps
au long de cet écart narcotique,
voler en morceaux quelque part, en dehors de toi.

Elles explosent. T’engluent.

© Linda Maria Baros
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2011

Die Oortsche Wolke

allemand

Im Morgengrauen hörst du deine Knochen nicht mehr zerknacken.

Bloß Ejakulationen von gestern laufen aus deinem Körper heraus.
Geradeso wie Unterschriften:
sie vibrieren wie seismografische Nadeln
in einer Art verlängerten Akupunktur-
einer Voodooséance.

Ejakulationen, die den porösen Platinbarren,
deinen alten Knochen, entweichen,
und scheiden – im Unterbewusstsein deines Stammes –
wie die Geschlechter
Himmel und Erde.
Die den Brustkorb durchstoßen,
die Namen geben, den Schädel durchbohren,
die leben, die tanzen wie Flämmlein in der Luft,
länger als der Sauerstoff rings um sie her.

Genagelt hinein. Beschnitten dein Fleisch.

Ein unsichtbarer Faden zieht sich bis zum Ursprung,
der kläfft von fern, vom anderen Fleisch
einer anderen Straße.

Du siehst sie von deinem Körper sich lösen
entlang des narkotischen Sprungs
in Stücke zerfallen, irgendwo außerhalb dir.

Sie explodieren. Verkleben dich.

Deutsche Fassung von Ulrike Almut Sandig.
Die Übersetzung entstand im Rahmen des Übersetzungsworkshops Versschmuggel des http://www.literaturwerkstatt.org/index.php?id=1016" ">Poesiefestivals Berlin 2011

KİME KALIRSA

turc | Gonca Özmen

Sular varken eski sular
Bana kaldı bir akşamı söylemek
Bir dalgınlıktan geldim ben bir dalgınlıktan
Gittiğim kime kalırsa

Çağırır evlerden uzun sesler
Getirilir biri uykuda
Her şey kendine gizlenir neden
Gizlendiğim kime kalırsa

Paslı bir kapandır insan paslı bir kapan
Çalışır saat ölünün kolunda
O bitmez sıkıntıyım neden  
Sıkıldığım kime kalırsa  

Dönsem havada dönsem
Döndüğüm kime kalırsa

© Yapı Kredi Yayınları
from: Belki Sessiz
Yapı Kredi Yayınları, 2008

FÜR WEN AUCH IMMER

allemand

Gibt es auch wasser, betagte gewässer
bin ich‘s doch, die von einem abend erzählt
aus einer versunkenheit steige ich auf, aus einer versunkenheit
Für wen auch immer: mein eigener weg

Aus den häusern wird lange gerufen
Einer, der schläft, wird hierher gebracht
Alles versteckt sich in sich: warum
Für wen auch immer: mein eignes versteck

Eine rostige falle ist der mensch, eine rostige falle
Die uhr am totenarm tickt immer weiter
Jene tödliche langeweile bin ich: warum
Für wen auch immer: mein überdruss

Wenn ich wirbele, mich dreh in der luft
Für wen auch immer: ich drehe mich um

Deutsche Fassung von Ulrike Almut Sandig.
Die Übersetzung enstand im Rahmen des deutsch-türkischen Übersetzungsworkshops in der Literaturwerkstatt 2008

Je sors dans la rue avec l’ange

français | Linda Maria Baros

Je sors dans la rue avec l’ange.
           Comme une chaîne enroulée autour de la main.
           Blanchie par la chaux des murs.

Les hommes que je rencontre
me lèchent la main et les chevilles,
me suivent de près.
Je leur marche dessus comme sur des charbons ardents,
comme sur des vagues, sur des toits.

           Je n’ai aucune pitié
          pour les hommes qui m’aiment.
           Ma chaîne a ouvert sur leur dos
des pupilles de serpent.

Me saluent tous ceux qui ont dormi
au bord des hauts toits,
ceux qui ont porté leurs poumons
          jusqu’aux tréfonds des eaux
           – comme de très minces chiens de chasse –
          et les ont accoutumés à y respirer.

Me saluent, d’en bas, les autres – les civils.
Atteints par la comatose.
Ceux dont on a cassé les dents avec une barre de fer.
Les cliniques magistrales, les entremetteurs.

Les déshérités du sort me saluent, les contusions, la toux.
Sous le lit fument peut-être encore
                                                  les canons du fusil.

Je suis sortie dans la rue avec l’ange. Je rentre chez moi.
Comme une chaîne enroulée autour de la main.

© Linda Maria Baros
Le Chambon-sur-Lignon: Cheyne Éditeur,
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2011

Ich geh mit dem Engel auf die Straße hinaus

allemand

Ich geh mit dem Engel auf die Straße hinaus.
Wie eine Kette, gewunden um meine Hand.
Gebleicht vom Kalk an den Mauern.

Die Männer, die ich treffe,
lecken mir Hand und Knöchel,
folgen mir auf den Fuß.
Ich übergeh sie wie glühende Kohlen,
wie Wellen, wie Dächer.

Ich habe keinerlei Mitleid
für die Männer, die mich lieben.
Meine Kette hat in ihrem Rücken
Schlangenpupillen geöffnet.

Mich grüßen all jene, die schliefen
am Rand der hohen Dächer,
jene, die ihre Lungen bis in die Untiefen
der Gewässer trugen
–  wie sehr schmale Jagdhunde –
und sie dressiert haben, da unten zu atmen.

Mich grüßen, von unten, die Anderen – die Zivilisten.
Von Komatose befallen.
Jene, deren Zähne man ausschlug mit einer Eisenstange.
Gewaltige Kliniken, Kuppler.

Die vom Schicksal Enterbten grüßen mich, Prellungen, Husten.
Unterm Bett rauchen wohl noch
die Läufe der Gewehre.

Ich ging mit dem Engel auf die Straße hinaus. Ich komme nach Haus.
Wie eine Kette, gewunden um meine Hand.

Deutsche Fassung von Ulrike Almut Sandig.
Die Übersetzung entstand im Rahmen des Übersetzungsworkshops Versschmuggel des http://www.literaturwerkstatt.org/index.php?id=1016" ">Poesiefestivals Berlin 2011

Hinemoana Baker - The fifteen paces between my socks and my shoes

anglais | Transit of Venus

1.

The hotel room is a yawning
cavern and I have forgotten my
carabiners. The bed’s made
tight, the linen’s cool, the overblanket
smells of soap and someone’s

breath. You’re in Ruapehu Street
between the ill-fitting
fitted winter sheets now bald
of any fleece. Yellow makes you scratch.
A planet is getting ready for its big moment.


2.

These two boys have to jump a little
to see into this telescope.
You can’t look directly at it, man.
Ka wreck koe i tō eyesight.

The transiteers, the singing politicians,

the old light of the new
nation. All of us stroll
along the revamped wharf
pitching our wishes
at the glinting Pacific.

And she’s there too,
the one they call Holden Torana
or Skinny Banana, Madame Iguana.
She’ll be long dead when they bring up the time
capsule. She’ll leave her responsiblities

purring in their red
blankets. We will monitor
the spectrum of scattered
sunlight on her surface.
She will say, in her way:

parachutes are heritage seeds
parachutes are significant star systems
parachutes are priestesses dancing and dying


3.

I wasn’t here for Nukutaimemeha
therefore this is not the real globe.
The girl with the grass-green ring

was not here for Horouta and neither was
the Ginger Bee, nor the sailor singing his insistent songs
of icebirds and liquor. All things move South

when they become cold. All things move North
when they become cold. All things make sails
from the liquid ocean, from their lala language.


4.

In eight minutes your light
will reach me, hangi smoke in my mouth.
The light which fell on my newborn body is still alive.
I plant a tree at the mouth of the Uawa river
in your name my crawling, bawling space station.

It is imperative I be as far away from you as possible.
You rise from the yellow bed, black and cold
and travel four hours
every cent of you making war
the telescopes of the world trained upon you.

_____________

Notes by the poet:

The following phrases/words reference and/or quote poems by the three German poets who partnered with us in the Transit of Venue project:

- every cent of you making war, (originally 'every cent of them / making war'), space station and Ginger Bee – Brigitte Oleschinski, tr. Andrew Shields, from 'Geisterströmung', Gedichte mit CD, DuMont, 2004


- grass-green ring – Ulrike Almut-Sandig, tr. Bradley Schmidt, from 'Thicket' (original title: 'Dickicht', Schoffling & Co., 2011)


- insistent songs and icebirds – Uwe Kolbe,  Sailor's All', from 'Sailor's Home' (poems of love and drunkenness), tr. Mick Standen and Jo Tudor, from 'Sailor's Home' (anthology), Yang Lian (ed.), Shearsman Books Ltd, 2007


- the word transiteers was used by Toby Manhire in a blog written for the NZ Listener about the Transit of Venus event.


- The newborn body/light phrase in section 4, verse 1, is from a podcast I listen to called ‘The Mental Illness Happy Hour’. A listener called Anne wrote in from Berlin about her atheism, and how her wonder at the natural world, physics and biology is no less intense simply because she doesn’t believe in a deity of any kind.
The link to her full response is here: http://mentalpod.com/Anne-Atheism

© Hinemoana Baker
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

die fünfzehn Schritte zwischen meinen Strümpfen und meinen Schuhen

allemand

1.
das Hotelzimmer ist eine gähnende
Höhle, ich hab meine Karabiner vergessen.
die Zudecke ist fest gesteckt, die Bettwäsche
kühl, der Überwurf riecht nach Seife und Atem

von einem Andern. du bist in Ruapehu Street
zwischen schlecht gespannten Winterlaken, ganz
ohne Fütterung. von Gelb musst du dich kratzen.
ein Planet plant seinen großen Moment.


2.
die zwei Jungen müssen hüpfen
um durch das Teleskop zu spähen.
Mann, du kannst nicht direkt hinsehen.
Ka kaputtmacht koe i tō Augen.
Transiteure,
singende Politiker

das alte Licht der neuen
Nation. wir alle spazieren
den aufpolierten Kai entlang
und schleudern unsere Wünsche
dem schimmernden Pazifik entgegen.

und sie ist auch da
Holden Torana genannt oder
Skinny Banana, Madame Iguana.
sie wird längst tot sein, wenn die Zeit-
kapsel aufgemacht wird. sie wird 

alle Zuständigkeiten fahren lassen
und in ihren roten Bettdecken
schnurren. wir werden das Spektrum
des gestreuten Sonnenlichts auf ihr
im Auge behalten. auf ihre Art wird sie sagen:

Fallschirme sind Sternensysteme
Fallschirme sind Samen voll Erbgut
Fallschirme sind sterbende Priesterinnen im Tanz


3
für Nukutaimemeha war ich nicht da.
darum ist das hier auch nicht der echte Erdball.
das Mädchen mit dem grasgrünen Ring

war für Horouta nicht da, ebenso wenig
war‘s Ginger Bee und auch nicht der singende Seemann
mit seinen ständigen Liedern von Eisvögeln und Schnaps.

alles zieht südwärts

wenn es erkaltet. alles zieht nordwärts
wenn es erkaltet. alles schneidert sich Segel
aus flüssigem Meer, aus lirum larum language.


4
in acht Minuten wird dein Licht mich erreichen
mein Mund voller Rauch, voller Erde, voll Fleisch. 
das Licht auf meinem neugeborenen Körper, es ist ja
immer noch da.
an der Mündung des Flusses Uawa
pflanz ich einen Baum für dich, du meine
krabbelnde, babbelnde Raumstation.

es ist unumgänglich. ich muss so weit wie möglich
von dir weg sein. du steigst aus deinem gelben Bett
bist schwarz und kalt und vier Stunden unterwegs.
jeder Cent in dir führt Krieg
die Teleskope der ganzen Welt
sind auf dich gerichtet. 


________


Anmerkung der Dichterin:

Folgende Auszüge/Wörter sind Referenzen an bzw. Zitate aus Gedichten der drei deutschen Dichter, die am Venustransit-Projekt teilgenommen haben:

- every cent of you making war, (eigentlich 'every cent of them / making war'), space station und Ginger Bee – Brigitte Oleschinski, üb. v. Andrew Shields, aus 'Geisterströmung', Gedichte mit CD, DuMont, 2004

- grass-green ring – Ulrike Almut-Sandig, üb. v. Bradley Schmidt, aus 'Thicket' (Original Titel: 'Dickicht', Schoffling & Co., 2011)

- insistent songs und icebirds – Uwe Kolbe, Sailor's All', üb. v. Mick Standen und Jo Tudor, in: 'Sailor's Home' (Anthologie), Yang Lian (Hrsg.), Shearsman Books Ltd, 2007

- Das Wort transiteers hatte Toby Manhire in seinem Blogartikel über den Transit of Venus Event benutzt.

- Die Formulierung The newborn body/light im 4. Abschnitt, Vers 1, entstammt einem Podcast ‘The Mental Illness Happy Hour’. Eine Hörerin aus Berlin namens Anne schrieb diesbezüglich über ihren Atheismus, sowie über ihr Staunen angesichts der Natur, der Physik und der Biologie, welches nicht weniger intensiv sei, nur dass sie einfach an keinerlei Gottheiten glaube.

Hier der Link zu dem vollständigen Beitrag: http://mentalpod.com/Anne-Atheism


Übertragung ins Deutsche von Ulrike Almut Sandig während des Übersetzungsworkshop
Venustransit, Verstransit (Literaturwerkstatt Berlin, October 2012)

Hinemoana Baker - Taranga’s Song

anglais | Transit of Venus

i sleep with a stone, oh make a sound
of it     stone warms as I drift, soft
thudding distant     and dust clatters
on my outer metal shell     Fire of fingers,

Taranga don’t cry just move into the water
and open your arms    gram of atmosphere
song book, glass plates    Taranga your hair
I will rise in you like a village    perfectly

shaking the family, stay in the chair     Taranga
be precise or we will not
follow you, scream sand, knees and palms
all songs in the shell   oh make a sound of it

sound it to Kōpū to Pareārau to Tāwera

stand, Taranga, and standupstand
chink of right breath and milk, income
of eels and the overnight moment   Taranga hair
is the best tears make me         a hammock

© Hinemoana Baker
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

Tarangas Lied

allemand

mit einem Stein schlafe ich o mach daraus
einen Klang   er wärmt mich beim Treiben
er schlägt in der Ferne dumpf und leis auf Staub klickert
auf meinen Muschelpanzer aus Metall        Fingerfeuer

nicht weinen Taranga lauf nur ins Wasser
und mach deine Arme weit auf        Gramm Atmosphäre
Liederbuch Scheiben aus Glas      Taranga, dein Haar
ganz wie ein Dorf will ich in dir wachsen  grandios

die Familie erschüttern bleib einfach sitzen Taranga
erklär dich oder wir folgen dir 
nicht schrei Sand Knie und Hände schrei
alle Lieder in die Muschel hinein      o mach daraus einen Klang

blas ihn den Venusplaneten Kōpū und Tāwera
und auch dem Jupiter Pareārau zu

steh auf Taranga steh aufrecht
der Lichtspalt aus gutem Atem und Milch der Ertrag
aus dem Aalfang und auch dieser lange dunkle Moment       Taranga Haare
sind die besten Tränen bind mir daraus         eine Schaukel

Übertragung ins Deutsche von Ulrike Almut Sandig während des Übersetzungsworkshop
Venustransit, Verstransit (Literaturwerkstatt Berlin, October 2012)

Hinemoana Baker - I’d rather be crossing the surface of the sun with you

anglais | Transit of Venus

Creaking, I fail to sink, twelve
tons of pig iron in my gut.
An envelope of orders
a restaurant menu
opens in his dry fingers

each edict directs me one
degree at a time. In your
presence I make the sound of
a tympani, a tattoo
needle, the musical stretch

of my elm, my pine, my white
oak and fir, tensioned from my
tops to my futtock shrouds, live
ballast crawling through me like
a bloodstream. I wish I were

the Earl of Pembroke again
dirty with riches for fires
and not the antecedent
of broads who turn up dripping
with clams and zebra mussels.

I’d rather be crossing the
surface of the sun with you.
But somewhere in the strings of
my hair, a small boy, a sharp
loblolly boy, calls out land.

© Hinemoana Baker
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

viel lieber würd ich mit dir die Sonne durchkreuzen

allemand

statt endlich zu sinken, knarre ich nur.
zwölf Tonnen Eisenballast in meinem Bauch.
die Speisekarte, ein Umschlag mit Befehlen
geht in seinen trockenen Fingern auf

jeder Erlass bewegt mich um je
einen Grad. in eurer Gegenwart
mach ich Geräusche, als wär ich
nichts als ein Meißel, ein Kessel

als hätte wer an meiner Ulme und Kiefer
Weißeiche, Tanne, von meinen Spitzen
bis zu den Püttingswanten, Saiten gespannt.
bewegliches Gut durchkriecht mich, als wärs

ein Blutstrom. ich wünschte, ich wär
wieder Earl of Pembroke, dreckig
an schwarzen Schätzen fürs Feuer
und nicht der Vorgänger

der Bräute, die vor lauter Venus-
muscheln, Wandermuscheln triefen.
viel lieber würd ich mit dir
die Sonne durchkreuzen.

doch irgendwo in den Schnüren
meines Haars ruft ein kleiner Junge
der Loblolly Boy vom Schiffsdoktor
ein Junge mit guten Augen ruft: Land.

Übertragung ins Deutsche von Ulrike Almut Sandig während des Übersetzungsworkshop
Venustransit, Verstransit (Literaturwerkstatt Berlin, October 2012)

BULUTLARI KALDIR

turc | Gonca Özmen

Giderek bir avluya benze
Böylesi daha iyi

Bir serinliği büyüt ağzında
Pencerelerin diline çalış

Anlamanın çatısı akıyor bak her evde
Yazımı çöz
Yerini değiştir tüm seslerin

Hem bu sesleri bize böyle kim öğretti
Kim çizdi göğü

Gitsen uzak kentler bulaşacak yüzüme
Konuşsan suya sessizliğim

Geceyi kaldır üstünden
Böylesi daha iyi

Bir düş ayır tenine
Sözün boşluğuna dağıl

© Yapı Kredi Yayınları
from: Belki Sessiz
Yapı Kredi Yayınları, 2008

DIE WOLKEN NIMM WEG

allemand

Innenhof werde, so nach und nach
So ist es schon besser

In deinem mund sorg für frische
Die sprache der fenster erlerne

Schau, das dach des verstehens ist in keinem haus dicht
Entziffere mich
Den klang aller laute dreh um

Überhaupt, wer hat uns die laute so beigebracht
Wer hat das himmelsgewölbe gezeichnet

Gehst du, zerlaufen entfernte städte auf meinem gesicht
Sprichst du, zerläuft in allen wassern mein stillsein

Die nacht über dir, nimm sie weg
So ist es schon besser

Heb einen traum auf für deine haut
In der leere im wort, dort breite dich aus

Deutsche Fassung von Ulrike Almut Sandig.
Die Übersetzung enstand im Rahmen des deutsch-türkischen Übersetzungsworkshops in der Literaturwerkstatt 2008

BELKİ SESSİZ

turc | Gonca Özmen

Geceye hazırlanıyor orman
Yavaş yavaş soyunuyor yeşili

Bir kuşun bir buluta karışmış düşü

Rüzgâr yine kayalardan söz ediyor
Rüzgâr gezip gördüğü yerleri anlatıyor

Bu sefer akar belki sözcükler diyorum
Yağmurla boşanır tenin arzusu

Belki şaşırır vaktini ezanlar ve ölümler
Nasılsa çiçek açar bir çocuğun kesik kolu

Ey dünya, küçüldükçe küçüldün içimizde

Durmadan birikiyor söz balçığı
     gölün dibinde

Durmadan sesini yitiriyor her şey

© Yapı Kredi Yayınları
from: Belki Sessiz
Yapı Kredi Yayınları, 2008
ISBN: 9750813771

STILL VIELLEICHT

allemand

Wald macht sich zur nacht zurecht
Legt langsam sein grün ab, langsam

Traum eines vogels, einer wolke untergemischt

Wind redet wieder über die felsen
Wind spricht von allem, was er bereist und gesehn hat

Vielleicht fallen dieses mal wörter, sag ich
Strömt das verlangen der haut mit dem regen

Vielleicht irren gebetsrufe, tode im zeitpunkt
Wie dem auch sei, es blüht der abgetrennte arm eines kinds

Hey welt, kleiner und kleiner bist du in uns geworden

Pausenlos häuft sich der wortschlamm
         am boden des sees
Verliert alles den laut, pausenlos

Deutsche Fassung von Ulrike Almut Sandig.
Die Übersetzung enstand im Rahmen des deutsch-türkischen Übersetzungsworkshops in der Literaturwerkstatt 2008

BANA BEKLET

turc | Gonca Özmen

Bana beklet yontusunu ayaklarının
Bana beklet saksında o mahcup çiçeği

Ben ki beyaz bir sayfanın sıkıntısındayım
Yüzümde suskun ev tenhaları

Ah hanginize baksam bir bahçe dağınıklığı
Geçsem içinizden geçsem
Kederimdeki faytonun ağır aksaklığı

Bana beklet bu yara bilincini  
Ölümlü olmanın

Ben ki kuşların göç zamanıyım
Büyüttüğünüz kötülük yılanı

Ah bilmemenin geniş huzuru

Korkuyu getirdi rüzgar
Öylece koydu aramıza

Bitir sessizi ve yeniden başla

© Yapı Kredi Yayınları
from: Belki Sessiz
Yapı Kredi Yayınları, 2008

HEB FÜR MICH AUF

allemand

Heb für mich auf die skulptur deiner füße.
Heb für mich auf die gebeugte blume in deinem topf.

Ich, ich bin in der not einer seite, die weiß ist
Stille häusereinöde in meinem gesicht

Ach, wen unter euch ich auch anschau: ein garten voll unkraut.
Geh ich hindurch, durch euch hindurch
eine lahmende, schleppende kutschfahrt in meinem kummer.

Heb für mich auf jene wunde darüber
Sterblich zu sein.

Ich, ich bin die zugzeit der vögel
Die schlange der bosheit, aufgezogen von euch.

Ach, diese seelenruhe aus lauter blödheit

Der wind brachte angst mit
Und legte sie zwischen uns hin.

Bring die stille zuende und fang wieder an.

Deutsche Fassung von Ulrike Almut Sandig.
Die Übersetzung enstand im Rahmen des deutsch-türkischen Übersetzungsworkshops in der Literaturwerkstatt 2008

AĞZINDI

turc | Gonca Özmen

Ağzındı
Çıplak duvar, mahrem kapı

Ağzındı
Doğmamış dizeler getirip bıraktı

İklim değiştirdi otlar kendiliğinden
Gördüm ağzın yaprak kırgınlığı

Ağzındı
Yıkılan ceviz ağaçları gibi

Tüm sesleri toplayıp gitti

Ağzındı
Sokak çocuğum, eksik göğüm

Ağzındı
Ve çocuktuk hâlâ sevişirken
(iki oyun arası)

© Yapı Kredi Yayınları
from: Belki Sessiz
Yapı Kredi Yayınları, 2008

WAR DEIN MUND

allemand

War dein mund
Nackte wand, verbotene tür

War dein mund
Warn ungeborene verse, die er brachte und daließ

Von sich aus haben die gräser den zustand gewechselt
Hab ich gesehn, dein mund ein baumblatt, gekränkt

War dein mund
Wie walnussbäume im fall

Hob alle laute er auf, ging er weg

War dein mund
Mein straßenkind, mein fehlendes himmelsgewölbe

War dein mund
Und wir waren immer noch kinder, und wir haben liebe gemacht
(zwischen zwei spielen)

Deutsche Fassung von Ulrike Almut Sandig.
Die Übersetzung enstand im Rahmen des deutsch-türkischen Übersetzungsworkshops in der Literaturwerkstatt 2008

ARDINDAN

turc | Gonca Özmen

Gökyüzü devam ediyor
Bunu omuzlarından anlıyorum

Sen dağınıklık diyorsun
Ben dalgınlık diyorum ona

Sen nehirleri seviyorsun delice
Ben bir derenin yıkıklığını

Sen başıboşluğunu insanın
Öteki berikiyi ben
Kapı ardına bırakılanı

Sen denize giriyorsun
Ben kıskanıyorum tüm suları
Tüm suları topluyorum ayaklarının dibinde

Ayaklarının dibinde sonsuzu arıyorum

Uzak devam ediyor
Bunu omuzlarından anlıyorum
 
Kim kimin ardından su döküyor şimdi
Ben suyun yarasına bakıyorum

© Yapı Kredi Yayınları
from: Belki Sessiz
Yapı Kredi Yayınları, 2008

NACH DIR

allemand

Der Himmel geht weiter
Das erkenne ich an deinen Schultern

Du nennst es Unordnung
Ich nenne es Versunkenheit

Du schwärmst für die Flüsse
Ich für die Verwildertheit eines Baches

Du für das Vagabunde im Menschen
Ich für diesen und jenen
Für das Zurückgelassene hinter der Tür

Du gehst ins Meer
Ich bin eifersüchtig auf alle Wasser
Alle Wasser sammle ich zu deinen Füßen

Zu deinen Füßen, suche ich die Unendlichkeit

Die Ferne geht weiter
Das erkenne ich an deinen Schultern

Wer schüttet nun hinter wem Wasser zum Abschied her
Ich sehe mir die Wunde des Wassers an

Übersetzung: Ulrike Almut Sandig

AKIŞ

turc | Gonca Özmen

Ben bir ırmaktan dökülenim sana
Beni kirlet

Geceye at
olduran geceye

Çıt sesi içimin
düştü

Dünya bir daha dönmez sanırdım
Dünya bir daha döndü

O ardıç kokusu
kaldı

Biri unutsa
Biri unutmaz

Ben bir sudan akanım sana
Beni bulandır

Suça benzet
Öyle anımsa

© Yapı Kredi Yayınları
from: Belki Sessiz
Yapı Kredi Yayınları, 2008

VERLAUF

allemand

Ich bin es, was von einem Fluss zu dir strömt
Beschmutze mich

Wirf mich in die Nacht
in die vervollkommnende Nacht

Die Tiefenstille in mir
ist herab gefallen

Die Welt würde sich nicht mehr drehen, glaubte ich
Die Welt drehte sich wieder

Dieser Wacholdergeruch
der blieb

Vergisst der Eine,
Vergisst der Andere nicht

Ich bin es, was von einem Wasser zu dir fließt
Trübe mich

Mach’ aus mir eine Sünde
Und so entsinne dich

Übersetzung: Ulrike Almut Sandig