A Portrait Of The Artist As A Young Child

The butterfly outgrew the child
in the drawing my daughter did —
a caterpillar frozen in motion;
long turd green, pink lips, curled limbs,
his turn next to bear wings.
A daisy of carmine 
salutes a bendy tree,
brown-barked with lime leaves, 
ochre sacs of round fruits 
pregnant with spindly secrets 
the tuft bush can’t hear, its twigs
daubed red with a brush too big to
fit its shape while a citrus sun
peeks from the edge of the paper
at right angles, seven sticks of rays
proclaiming summer. 
In this, I catch my daughter’s proxy, 
a wild-haired imp with two seeds for eyes,
moon mouth, hair in a top knot
of burnished terracotta, 
purple tunic and twiggy thighs.
She is small-sized amidst the giants,
the bonsai palm, the lemon star,
leaping without shadow above the
mustard ground, azure coloured
in for both air and sky.
I see she has crayoned in the
heaven around her, clouds 
a hair’s breath away,
the artist herself afloat in blue.
This is the world my daughter creates, 
no lines separate her will from the real;
no one has taught her how not to draw 
or where horizons end and start,
what is allowable in dreams
or how her eyes should learn
the gaps between spectrums.
The young are colour blind.
All children see rainbows
no matter rain, shine, snow or storm
in every pale wing, broken or torn.  

© Grace Chia
De: Mother of All Questions
Singapore: Math Paper Press, 2017
ISBN: 9789811150845
Producción de Audio: The Literary Centre and Sing Lit Station

Porträt der Künstlerin als kleines Kind

Der Schmetterling wuchs aus dem Kind heraus
in einer Zeichnung meiner Tochter –
Raupe, eingefroren in ihrer Bewegung;
Ein langes grünes Hinterteil, rosa Lippen, geringelte Glieder,
als nächstes muss sie Flügel tragen.
Karminrotes Gänseblümchen
Grüßt biegsamen Baum,
braune Rinde mit Limonenblättern,
Säcke runder Früchte, ockerfarben,
die spindeldürre Mysterien tragen,
die der Puschelstrauch nicht hören kann, rot verschmiert
wie seine Zweige sind, dank eines zu dicken Pinsels,
der die Gestalt nicht wiedergeben kann, während
eine Sonne, zitrusfarben, vom Blattrand linst,
im rechten Winkel, sieben Stangen ihre Strahlen,
die vom Sommer künden.
Es geht mir auf, dass sie mein Kind vertritt,
ein wildhaariger Kobold mit zwei samengroßen Augen,
einem Mondmund, Haaren hochgesteckt zu einem Dutt
aus poliertem Terracotta,
lila Kittel, dürre Schenkel.
Sie ist die Kleine unter den Riesen,
die Bonsaipalme, der Limonenstern,
springt schattenlos über den
senfgelben Grund, ausgemalt
mit viel Azur, was Firmament und Luft bedeutet.
Ja, auch den Himmel hat sie bunt
Gezeichnet, Wolken
Haaresbreit entfernt,
die Künstlerin höchstselbst, wie sie im Blauen treibt.
Das ist die Welt, die meine Tochter erschafft,
ohne Grenzen zwischen Wunsch und Wirklichkeit;
niemand hat ihr beigebracht, wie man so etwas nicht macht,
oder wo der Horizont beginnt und endet,
was erlaubt in Träumen ist,
wie die Augen das erlernen können,
wo die Lücken zwischen Spektren sind.
Wenn man so jung ist, ist man farbenblind.
Alle Kinder sehen Regenbögen
Gleich, ob es regnet, stürmt oder schneit, oder ob die Sonne scheint,
In jedem fahlen Flügel, ob zerbrochen oder aus dem Leim.

Übersetzung: Norbert Hummelt