Hans Raimund 
Translator

on Lyrikline: 5 poems translated

from: portuguese, german to: german, italian

Original

Translation

VILEGIATURA

portuguese | Paulo Henriques Britto

Munidos de maçãs, lápis e fósforos,
conquistaremos Nínive amanhã,
se não der praia e a noite for de sono.
Porque afinal os dias são dourados
e tudo é matinal nessa estação
de água fresca, madrigais e cópulas.

São tantas mãos e bocas, tantas cópulas,
tantas razões de se riscar um fósforo,
é tão horizontal essa estação,
que é puro engodo a idéia do amanhã.
E por que não beber o sol dourado
enquanto não nos sobrevém o sono?

Idéias sussurradas pelo sono,
pela sofreguidão de muitas cópulas.
Enquanto isso, Nínive dourada
aguarda a combustão de nossos fósforos
ao primeiro suspiro da manhã.
Rechacemos o torpor da estação

(e como é modorrenta essa estação,
tempo de bandolins, maçãs e sono!)
e vamos nus, na bruma da manhã,
buscar a glória, traduzida em cópulas,
claustros, tributos, castiçais e fósforos,
caixas de música e ídolos dourados.

Tomaremos a cidade dourada
na hora derradeira da estação,
quando já não restar nem mais um fósforo,
uma gota de sol, de céu, de sono.
A entrada triunfal será uma cópula
na imensidão da última manhã.

Quando acordarmos, já será amanhã,
os olhos turvos de sonhos dourados,
as peles mornas recendendo a cópulas,
bagagens esquecidas na estação,
jornais, explicações, ressaca e sono,
um alvoroço de café e fósforos.

Os fósforos primeiros da manhã
riscam o sono e o sonho do Eldorado.
Dessa estação só vão restar as cópulas.

© Paulo Henriques Britto
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

SOMMERFRISCHE

german

Bewaffnet mit Äpfeln, Stiften und Zündhölzern,
so erobern wir Ninive morgen,
falls wir nicht an den Strand gehen und nachts schlafen.
Denn schließlich sind die Tage golden,
und alles ist morgendlich in dieser Zeit
des Nichtstuns, der Madrigale und Paarungen.

Soviel Hände und Münder, soviel Paarungen,
soviel Gründe, anzuzünden ein Zündholz,
so horizontal ist diese Zeit,
ein Hirngespinst wäre der Gedanke an Morgen.
Und warum nicht die Sonne trinken, die goldene,
solang uns nicht übermannt der Schlaf?

Gedanken, Einflüsterungen des Schlafs,
der Begierde nach vielen Paarungen.
Indessen erwartet Ninive, das goldene,
das Abbrennen unserer Zündhölzer
beim ersten Seufzer des Morgens.
Vertreiben wir die Schlaffheit der Zeit

(und wie träge ist diese Zeit,
Saison der Mandoline, der Äpfel, des Schlafs!)
Und nackt gehen wir im Nebel des Morgens,
den Ruhm suchend, umgemünzt in Paarungen,
Klöstern, Steuern, Leuchtern, Zündhölzern,
Spieldosen und Götzen, goldenen.

Wir werden die Stadt einnehmen, die goldene,
in der allerletzten Stunde dieser, unserer Zeit,
wenn übrig ist kein einziges Zündholz,
kein Tropfen Sonne, Himmel, Schlaf.
Triumphal wird der Einzug sein, eine Paarung
in der Unermeßlichkeit des letzten Morgens.

Wenn wir erwachen, ist es schon Morgen,
die Augen trüb von Träumen, goldenen,
die Haut lauwarm, riechend nach Paarungen,
das Gepäck vergessen am Bahnhof der Zeit,
Zeitungen, Erklärungen, Kopfschmerz, Schlaf,
ein Durcheinander aus Kaffee und Zündhölzern.

Die ersten Zündhölzer am Morgen
löschen den Schlaf und den Traum vom Eldorado.
Von dieser Zeit bleiben nur die Paarungen.

Deutsche Fassung von Hans Raimund.
Die Übersetzung entstand im Rahmen des Übersetzungsworkshops VERSschmuggel des Poesiefestivals Berlin 2008


SECHS POSTSKRIPTA AUS DUINO

german | Hans Raimund

1
Viel Ansprache habe ich hier nicht

Die Vögel fehlen mir
Auch die Hasen
Von Rehen ist hier keine Rede mehr
Außer auf den Speisekarten und den Straßenschildern im Karst

2
Frühmorgens krähen auch hier die Hähne
Und heute fiel ein Eichhörnchen  ein schwarzes
Zerzaust aus einem Baum
Auf den Asphalt  direkt vor meine Füße

3
Unlängst  spätabends  bei Zitronendropsmond
Schauten der Hund und ich einem Igel zu
Neben einer Mülltonne  drin Katzen rumorten
Fraß er Papierschnitzel   stumpfsinnig

4
Wasser gibt es hier im Überfluß
Es macht mir Angst
Steht der Wind richtig  rieche ich es  bis ins Haus

5
Und die Bora!  Die ganze Nacht
Klappern die Fensterläden  liegen
Morgens aus den Scharnieren gerissen in den Büschen
Wetterseitig blättert der Verputz von den Fassaden

6
Auf den Feldern steht noch der Mais vom Vorjahr
Staubig  weiß  raschelt im Wind
Wieder ist es zu spät
Die Äcker abzubrennen

Platz zu machen für Neues  Heuriges  

                                                                              (1989)

© Hans Raimund
from: Der lange geduldige Blick
Mödling : edition umbruch, 1989
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Post-scripta da Duino

italian

Molte conversazioni qui non ho

Gli uccelli mi mancano
anche le lepri
di caprioli qui non se ne parla
altro che su menu e cartelli stradali in Carso

* * *

Presto al mattino anche qui cantano i galli
E oggi è caduto uno scoiattolo   nero
arruffato   da un albero
sull'asfalto dritto ai mei piedi

* * *

Poco fa a tarda sera sotto uno spicchio di luna
il mio cane ed io osservavamo un riccio
presso un cassone dell'immondizia   tra il brontolio dei gatti
divorava ebete grassi ritagli di carta

* * *

Acqua ce n'è qui trabordante
Mi Fa paura
Col vento giusto   fin dentro casa l'annuso

* * *

E la Bora! tutta notte
sbattono le imposte   giacciono
al mattino   strappate dai cardini, nei cespugli
Si sfoglia alle intemperie l'intonaco delle facciate.

* * *

Nei campi sta ancora il mais dell'altr'anno
polveroso   bianco   fruscia nel vento
Una volta ancora è troppo tardi
per bruciare i campi

per far posto alle primizie del nuovo anno

Traduzione di Augusto Debole
Hans Raimund: E QUALUNQUE COSA ACCADA
Milano: Crocetti Editore 1995

DE VULGARI ELOQUENTIA

portuguese | Paulo Henriques Britto

A realidade é coisa delicada,
de se pegar com as pontas dos dedos.

Um gesto mais brutal, e pronto: o nada. A
qualquer hora pode advir o fim. O mais
terrível de todos os medos.

Mas, felizmente, nao é bem assim. Há urna
saída — falar, falar muito. Sao as palavras
que suportam o mundo, nao os ombros.
Sem o "porqué", o "sim",

todos os ombros afundavam juntos. Basta
urna boca aberta (ou um rabisco num
papel) para salvar o universo. Portanto,
meus amigos, eu insisto: falem sem parar.
Mesmo sem assunto.

© Paulo Henriques Britto
Audio production: DE VULGARI ELOQUENTIA

DE VULGARI ELOQUENTIA

german

Wirklichkeit ist etwas Heikles, und sie muß
mit Fingerspitzen angegriffen werden.

Eine achtlosere Geste – und im Nu: das Nichts.
Das Ende, das kann kommen, jederzeit: das ist
die schrecklichste von allen unseren Ängsten.

Doch Gottseidank ist es nicht wirklich so.
Der Ausweg, der ist – Reden, nichts als Reden.
Die Wörter sind es, die die Welt aushalten,
nicht die Schultern. Ohne Wenn und Aber,

die Schultern gäben alle sofort nach.
Ein offener Mund (auch ein Gekritzel
auf Papier) genügt – das Universum ist gerettet.
Daher besteh ich darauf, meine Freunde:
Redet ohne Unterlass, auch wenn es nichts zu sagen gibt.

Deutsche Fassung von Hans Raimund.
Die Übersetzung entstand im Rahmen des Übersetzungsworkshops VERSschmuggel des Poesiefestivals Berlin 2008


ESSEN MIT DEN ELTERN

german | Hans Raimund

Ich probiere es noch einmal
Ich erzähle von mir
Aber sie hören schlecht
Sie hören nicht zu
Sie reden Reden
Von den beiden Weltkriegen
Von Krankheiten Diäten
Von den wenigen noch lebenden Verwandten
Die nichts mit ihnen zu tun haben wollen
Von der Sommerfrische
In die sie nicht mehr fahren können
Vom plötzlichen Tod eines viel jüngeren Bekannten
Von Konten Losungswörtern Sparbüchern
Von Politik
Von der unglaublichen Korruption heutzutage
Von der bevorstehenden Wahl
Zu der sie sicher nicht gehen werden
Vom Wetter

.........................................................

Die Kälte macht ihnen zu schaffen Die Kälte
Die spüren sie noch
Und das bockige Verlangen nach allem
Was ihnen der Arzt verboten hat
Fettes Fleisch eingebranntes Gemüse
Angebratene Erdäpfel Bier Wein
Alles das schlucken schlingen sie hinunter
Kaum kauend ohne Hunger ohne Durst
Beinah ohne Absicht
Bloß aus Gewohnheit
Und jeder für sich

..............................................................

Ich weiß es paßt ihnen gar nicht
Wie ich jetzt lebe
Sie sagen sie hätten nichts dazu zu sagen
Sie würden sich hüten sich in mein Leben einzumischen
Aber dann platzen sie doch mit Fragen heraus
Seit Jahr und Tag in Ton und Wortlaut unverändert
Wann gehst du endlich wieder zum Frisör?
Wie lange willst du noch im Ausland bleiben?
Kannst du denn vom Schreiben leben?
Hast du auch an deine Pension gedacht?
Aber ohne eine Antwort abzuwarten sagt sie
Mit vollem Mund zu ihm
Was fragst du denn!
Du weißt er lügt uns ja doch nur an

...................................................................

Beim Weggehen steckt sie mir einen Geldschein zu
Kleingefaltet so daß er nichts merkt
Auf der Straße nehmen wir Abschied
Der Wind treibt uns Tränen in die Augen
Wir schütteln einander die Hände
Wir küssen einander auf die Wangen flüchtig
Um halbeins sind Nachrichten im Radio und der Wetterbericht

Ich seh sie gehen
Steifbeinig auf dem vereisten Gehsteig
Sie setzen Fuß vor Fuß
Halt suchend an Hausmauern und parkenden Autos
Mit kleinen ängstlichen Bewegungen
Beinah ohne Absicht
Bloß aus Gewohnheit
Und jeder für sich

                                      (1989)

© Hans Raimund
from: Der lange geduldige Blick
Mödling : edition umbruch, 1989
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

A pranzo coi genitori

italian

Ci provo ancora una volta:
Racconto di me
Ma loro sentono male
Loro non ascoltano
Loro parlano parlano
delle due guerre mondiali
di malattie di diete
dei pochi parenti ancora vivi
che non vogliono saperne di loro
della villeggiatura
che non possono più fare
della morte improvvisa di un conoscente molto più giovane
di conti parole d'ordine libretti di risparmio
di politica
dell'incredibile corruzione del giorno d'oggi
delle elezioni imminenti
alle quali sicuramente non andranno
del tempo

* * *

II freddo li fa tribolare il freddo
lo sentono ancora
e la voglia caparbia di tutto
quello che il medico ha loro proibito:
carne grassa e verdure in besciamella
patate abbrustolite birra vino:
tutto quanto ingoiano lo mandano giù
masticando appena senza fame senza sete
quasi senza intenzione
solo per abitudine
E ciascuno per sé

* * *

Lo so che non gii va giù
come io vivo ora
Loro dicono che non hanno niente da ridire
che si guardano bene dall'immischiarsi nella mia vita
Ma ecco poi si lasciano scappare domande
da sempre nel tono e nelle parole uguali:
Quand'è che finalmente vai dal parrucchiere?
All'estero quanto pensi ancora di restare?
Davvero puoi guadagnarti la vita da scrittore?
E alla tua pensione ci hai pensato?
Ma senza aspettare risposta
sbotta lei con la bocca piena:
Ma perché fai tutte 'ste domande?
Lo sai bene che ci racconta solo bugìe

* * *

Mentre vado lei di nascosto mi passa una banconota
ben piegata che lui non se ne accorga
Per la strada ci salutiamo
II vento ci spreme lacrime dagli occhi
Ci stringiamo la mano
Ci diamo un bacio sulle guance - in fretta:
alla mezza c'è il notiziario radio e le previsioni del tempo

Li vedo andare:
con passi rigidi sul marciapiede ghiacciato
Mettono un piede davanti all'altro
Cercano appoggio contro i muri delle case e le auto in sosta
con piccoli movimenti ansiosi
quasi senza intenzione
solo per abitudine
E ciascuno per sé.

Traduzione di Augusto Debole
Hans Raimund: E QUALUNQUE COSA ACCADA
Milano: Crocetti Editore 1995

BILANZ

german | Hans Raimund

Kaum einen Lidschlag lang
Der Frühling
Dein Frühling

Halten wir dir zugute
Du hast das Gespräch gesucht
Mit Bäumen  Gräsern  Steinen
- Die Scheu der Tiere schüchtert dich ein -
Du hast Fragen gestellt   aber
Mit gewohnter Ungeduld
Die Antworten nicht abgewartet
Hast dich bereitwillig ablenken lassen
Vom Singen der elektrischen Drähte
Hoch über dir  an gewaltigen Masten

Dein Ziel  die Erreichung des Wasserturms
Jenseits der echostillen Doline
Hast du - kaum ins Auge gefaßt -
Im Nu aus den Augen verloren
Gewohnt gleichmütig
Dich mit der Weglosigkeit des Geländes abfindend
Die Brunnen vor den verfallenen Gehöften
Hast du erst zur Kenntnis genommen
Als deine Zunge schon raschelte
Deine Lider spröd sich spannten

Für das Blühen des Ginsters im Karst
Voll Ungeduld erwartet
Hast du kein Auge gehabt
Kein Ohr
Für das Getöse der Vögel
Im wetterschrägen Spalier der Olivenbäume
Keine Nase
Für den Rauch brennenden Unkrauts
Jäh aufsteigend
Aus eben gejäteten Gärten

Stumpfsinnig  wie eh und je stehst du
Mitten im Sommer
Im Sommer der andern


                                                                    (1989)

© Hans Raimund
from: Der lange geduldige Blick
Mödling : edition umbruch, 1989
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Bilancio

italian

Appena un batter di palpebra
la primavera:
la tua primavera

Te lo passiamo per buono:
hai cercato la conversazione
con alberi erbe pietre
la diffidenza degli animali ti scoraggia –
hai fatto domande ma   
con abituale impazienza
le risposte non hai aspettato
ti sei volontariamente lasciato sviare
dal canto dei fili elettrici
alti sopra di te su giganteschi pali

II tuo scopo: raggiungere la torre dell'acquedotto
al di là della dolina vuota di echi
l'hai appena impressa nell'occhio
che subito è svanita al tuo sguardo
abituato ad accordarti impassibile
all'assenza di sentieri
delle fontane davanti ai cascinali
allora solo hai avuto consapevolezza
quando la tua lingua già raspava
le palpebre si tendevano, aride

Per il fiorire delle ginestre nel Carso
tanto impazientemente atteso
non hai avuto occhi
non orecchi
per il garrire degli uccelli
sui filari degli ulivi curvati dal vento
non naso
per il fumo di falò di erbe secche
che sale improvviso
dai ben sarchiati giardini

Attònito come sempre te ne stai
in mezzo all'estate:
nell'estate degli altri

Traduzione di Augusto Debole
Hans Raimund: E QUALUNQUE COSA ACCADA
Milano: Crocetti Editore 1995