Timo Berger 
Translator

on Lyrikline: 229 poems translated

from: spanish, portuguese, arawak, english, galician to: german

Original

Translation

[robert & jules]

spanish | Yanko González

La vida, breve y aun así
Nos aburrimos.

Pido unas tijeras que corten
Una ventana que abra
Una viga que sirva

La cuerda que tensa no es una cuerda
Es una tilde sobre la cabeza

Así te enteras que fuiste una grave
Y no una aguda terminada en Ese
Y la gente que sufre
No tiene por qué ser buena.

La vida, breve
Y aun así nos aburrimos.

Dejar los brazos cansados de su gesto
En juego obligado con la boca
Y las rodillas recordando su genuflexión.

Piensa luz y anota sombra:
Qué es una vida si la miras
Qué es un sombrero si no te queda.

© Yanko González
from: Elabuga
Valdivia: Ediciones El Kultrún, 2011
Audio production: Yanko González, 2020

[robert & jules]

german

Das Leben, kurz und dennoch

Ist uns langweilig.

Ich verlange eine Schere, die schneidet

Ein Fenster, das aufgeht

Einen Balken, der trägt

Und das gespannte Seil ist kein Seil

Ein Akzent über dem Kopf

So weißt du, dass du auf der vorletzten Silbe betont wirst

Und nicht auf der letzten mit S endend

Und die Menschen, die leiden

Sind nicht unbedingt die besseren.

Das Leben, kurz

Und dennoch ist uns langweilig.

Die Arme sinken, müde ihrer Geste

Im erzwungenen Spiel mit dem Mund

Und den Knien, die sich erinnern an ihre Niederwerfung.

Ich denke Licht und schreibe Schatten:

Was ist ein Leben wenn du es betrachtest

Was ist ein Hut wenn er dir nicht passt.

Aus dem chilenischen Spanisch von Timo Berger

indirecto livre

portuguese | Rosa Oliveira

um romance é que era!...
dizem-me olhando de lado
os poemas
longos
magros
enguias pensantes
agarradas ao papel
do centro de reabilitação

um romance é que era
com acção tempo
uma casa inteira
da raiz quadrada
ao tecto
corredores a dar
para personagens
ténues
não totalmente
apatetadas
(sepultemos realismo
experimentalismo
e deus nos livre
do pós colonialismo)

um romance é que faz
virar as cabeças na rua
calça mesas
duplica escaparates
expande a crítica
constipada
no seu casulo refinado

agora a conveniente
pausa descritiva
logo seguida
de auto consciência
referencial
à guitarra e à viola

um romance é que era!
sobrancelha arqueada
entre a cobiça e a paráfrase

© Rosa Oliveira e Edições Tinta-da-china, Lda.
from: TARDIO
Tinta-da-China, 2017
ISBN: 978-989-671-366-9
Audio production: Casa Fernando Pessoa, 2018

freie indirekte rede

german

ein roman, das wäre es! ...

sagen sie zu mir und schauen seitwärts

auf die langen

dünnen

gedichte

denkende aale

die sich ins papier

des rehazentrums drücken.


ein roman, das wäre es

mit handlung zeit

ein ganzes haus

von der quadratwurzel

zur decke

flure, die zu

blassen figuren

führen

die nicht völlig

verblödet sind

(lass uns den realismus begraben 

den experimentalismus

und gott befreie uns

vom postkolonialismus)


ein roman sorgt

auf der straße für aufruhr

stellt die tische nach draußen

verdoppelt die schaufenster

erweitert die kritik

mit verstopfter nase

in ihrem raffinierten kokon


nun die willkommene

beschreibungspause

gefolgt von

einem selbstbewusstsein

das aus fadogitarren

erklingt


ein roman, das wär es! …

hochgezogene augenbraue

zwischen gier und umschreibung

Übersetzung: Timo Berger

menos-por-menos-dá-mais

portuguese | Rosa Oliveira

muitas vezes escrevi para não endoidecer
a maior parte do tempo em que não escrevi
foi para não endoidecer

© Rosa Oliveira e Edições Tinta-da-china, Lda.
from: TARDIO
Tinta-da-China, 2017
ISBN: 978-989-671-366-9
Audio production: Casa Fernando Pessoa, 2018

weniger ist mehr

german

oftmals schrieb ich, um nicht verrückt zu werden
die meiste zeit schrieb ich nicht
um nicht verrückt zu werden

Übersetzung: Timo Berger

essa imensa circulação

portuguese | Rosa Oliveira

                 Vou ler um texto que provavelmente não vou ler. Leio e não leio. Hesito. Leio e paro. Paro e recomeço. Acentuo e pontuo. Paro e sacudo. Hesito.
                 Escrever e falar é hesitar constantemente. Dar voz à hesitação é parar a vida para dar passagem ao pensamento. Um rio a correr no mesmo sítio de onde não sai. Um gargarejo. Um poço onde chapinhamos e olhamos para os pés. Um charco onde os pés se esquecem do corpo.
                 Por hesitar, escrevi tarde. Todos acentuam a chegada tardia.
                 Tardio, título do livro que se aproxima. Se ainda for a tempo, tal a ameaça lançada. Luto contra o tempo. Não lutamos sempre? Quem dá a quem? Quem pode brandir o dedo? Chegarei tarde e a boas horas, quebradiço lugar comum. Durante muito tempo fui para a cama tarde. Ficava entretida na sericultura. Chegar tarde à escrita parece ser grave, chegar tarde à vida não é nomeado. O inominável. Equivaler escrita e vida é o nó do enforcado. Não é metonímia. Não há figuras de estilo para o atraso. Só relógios, calendários, admoestações.
                 Tardio é tardio e ainda mais tardio.
                 Escrevo livros com uma só palavra. Livros apócrifos. Livros cheios de larvas, buracos na pele, hesitações e saltos.
                 Ainda não comecei a ler apesar de estar a ler.
                 Hesitar — palavra latina para o acto de estar perplexo.
                 Não, na verdade estou à espera de Samuel.

© Rosa Oliveira e Edições Tinta-da-china, Lda.
from: TARDIO
Tinta-da-China, 2017
ISBN: 978-989-671-366-9
Audio production: Casa Fernando Pessoa, 2018

dieser riesige Kreislauf

german

            Ich werde einen Text lesen, den ich wahrscheinlich nicht lese. Ich lese und lese nicht. Zögere. Lese und halte inne. Halte inne und fange wieder an. Ich akzentuiere und betone. Halte inne und schüttele mich. Zögere.
            Schreiben ist ein beständiges Sprechen und Zögern. Dem Zögern eine Stimme zu verleihen, bedeutet das Leben anzuhalten, um die Gedanken durchzulassen. Ein Fluss, der immer an der gleichen Stelle fließt, die er nie verlässt. Ein gurgelndes Wasser. Ein Pool, in dem wir planschen und auf unsere Füße schauen. Eine Pfütze, in der die Füße den Körper vergessen.
            Weil ich gezögert habe, kam ich spät zum Schreiben. Alle betonen den späten Beginn.
            Spät, der Titel des nächsten Buches. Bin ich noch in der Zeit, das war immer die Gefahr, die drohte. Ich kämpfe gegen die Zeit. Tun wir das nicht immer? Wer gibt wem etwas? Wer hat das Recht, mit dem Finger zu zeigen? Ich komme spät und zur richtigen Zeit, brüchiges Klischee. Lange Zeit ging ich spät zu Bett. Widmete mich der Seidenraupenzucht. Spät zum Schreiben zu kommen, scheint verwerflich zu sein, zu spät zum Leben zu kommen wird, entbehrt jeden Namens. Das Namenlose. Schreiben und Leben gleichzusetzen, bindet den Henkersknoten. Das ist keine Metonymie. Für Verspätungen gibt es keine Sprachfiguren. Nur Uhren, Kalender, Ermahnungen.
            Spät ist spät und sogar noch später.
            Ich schreibe Bücher mit einem einzigen Wort. Apokryphe Bücher. Bücher voller Larven, mit Löchern in der Haut, mit Zögern und Sprüngen.
            Noch habe ich nicht zu lesen begonnen, obwohl ich lese.
            Haesitāre, Zögern – ein lateinisches Wort für den Moment der Verblüffung.
            Nein, in Wahrheit warte ich auf Samuel.

Übersetzung: Timo Berger

botânica caseira

portuguese | Rosa Oliveira

foi no ano de magnólia, o filme
foi nesse longínquo ano em que ficámos encandeados a ver
a julianne moore a entrar e sair de farmácias para comprar morfina
e o tom cruise mais baixo que nunca num palco de onde cuspia labaredas
nesse ano distante ficámos confusos com as histórias cruzadas
ouvimos aquela música carregada de droga metálica
e regressou do nada uma jóia kitsch dos anos 70
os supertramp vinham como aliens
numa cena sentimento-pirosa
como lhes convinha

foi nesse ano nebulosa distante
no verão uma vaga de calor como não havia há 60 anos
(é o que dizem sempre)
os termómetros mantinham-se em incêndio permanente
eu emagrecera para engordar e voltar a emagrecer
tudo isto sem pensar muito
tudo isto mecanicamente
apenas para me manter a boiar à superfície da vida

a personagem mais só repetia comigo
«há um milhão de anos eu costumava ser inteligente»

oscar wilde cantava em reading
it’s not going to stop
‘til you wise up

as pessoas trabalhavam urinavam e voltavam a trabalhar
os dias seguiam em frente agarrados à flecha disparada

a magnolia grandiflora era um travesti da magnolia macrophyla

hoje vemos só bocas contorcidas
e acenamos à lombriga do tempo
arrastando-se penosamente
até ao take final

so just give up

© Rosa Oliveira e Edições Tinta-da-china, Lda.
from: Cinza
Lisboa: Tinta-da-China, 2013
ISBN: 9789896711610
Audio production: Casa Fernando Pessoa, 2018

häusliche botanik

german

der film im jahr der magnolie
in dem weit zurückliegenden jahr, in dem wir begeistert zusahen
wie julianne moore in apotheken ein- und ausging, um morphium zu kaufen
und wie tom cruise kleiner als je zuvor von einer bühne flammen spuckte
in jenem entfernten jahr verwirrten uns gekreuzte geschichten.
wir hörten die mit metallischer droge aufgeladene musik
und wie aus dem nichts kehrte ein kitschiger juwel der 70er zurück
die supertramps erschienen wie außerirdische
in einer kitschig-sentimentalen szene,
die zu ihnen passte

in dem fernen, nebligen jahr
eine hitzewelle im sommer, wie es sie in sechzig jahren nicht gegeben hatte
(das sagen immer alle)
die thermometer glühten ständig
ich magerte ab, um zuzunehmen und wieder abzumagern
all das ohne viel nachzudenken
all das mechanisch
nur um mich auf der oberfläche des lebens über wasser zu halten

die figur, die mir immer nur sagte:
„vor einer million jahren war ich intelligent“

oscar wild sang in reading
it’s not going to stop
’til you wise up

die leute arbeiteten urinierten und arbeiteten wieder           
geklammert an den abgeschossenen pfeil vergingen die tage

die immergrüne magnolie war ein transvestit der großblättrigen magnolie

heute sehen wir nur verzerrte münder
und beobachten den wurm der zeit
wie er sich mühsam bis zur letzten
einstellung schleppt

so just give up

Übersetzung: Timo Berger

Escreve sempre que precisares

portuguese | Margarida Ferra

Escreve sempre que precisares de me dizer
que há gelo nas tuas mãos e nas paredes do frigorífico.
Os legumes que trouxe ontem
não sobrevivem a mais do que uma geada,
muito menos nós.

Escreve sempre que precisares, podes
dizer-me outra vez que nunca houve inverno,
que este ano não há verão,
que estamos aqui e não estamos porque não sabemos
se somos nós ou se somos aquelas
quatro pessoas que vão à rua agora,
encontraram a porta certa.

Escreve sempre que precisares, faz
uma lista de compras, uma lista de desejos,
anota todos os pedidos que deixaste
em poemas atrasados.
Escreve sempre que precisares
de mais um postal com selo e carimbo.
Escreve sempre que riscares
na tua agenda mais uma morada.

Sempre que eu precisar vais devolver-me
uma caligrafia rebuscada que não é a tua,
curvas a mais que não fazias na letra d.
Já não há desses manuscritos,
só eu e os carteiros aprendemos a decifrá-los
(e toda a gente sabe que nem isso é verdade).
Vai escrevendo. Sempre que eu precisar,
as frases podem desviar deixas decoradas,
repetidas como as mentiras,
demasiado gastas para serem inócuas.

Escreve em vez de costurares.
Mesmo que soubesses, não há remendos suficientes,
arranhaste sem possibilidade de cura os joelhos,
os cotovelos e as canelas
(dançar sempre foi um antídoto fora do teu alcance).
Escreve que eu vejo nas tuas as minhas quedas,
os meus soluços nessas curvas
a mais que não fazes na letra d:
as tuas linhas são rectas, verticais e justas,
as minhas letras são apenas caracteres.

Escreve sempre que puderes
só em vez de apenas,
recursos humanos em vez de
resíduos urbanos. Talvez sejamos mais
do que pessoas, temos tamanhos diferentes
e não servimos nos lugares que nos foram destinados.

Escreve sempre que precisares de uma porta
onde caibas,
nunca trago chaves comigo.

© Margarida Ferra
from: Magazine «Correntes d’Escritas 2011»
Póvoa do Varzim, 2011
Audio production: Câmara Municipal de Lisboa, 2012

Schreib, wann immer du willst

german

Schreib, wann immer du mir erzählen willst,
dass an deinen Händen Eis klebt und an den Kühlschrankwänden.
Das Gemüse, das ich gestern gebracht habe
überlebt nicht mehr als einen Frost
noch weniger wir.

Schreib, wann immer du willst, du kannst
mir noch einmal sagen, dass kein Winter war,
dass dieses Jahr der Sommer ausfällt,
dass wir hier sind und nicht, weil wir nicht wissen
ob wir es sind oder ob wir die
vier Personen sind, die jetzt hinausgehen,
die die richtige Tür gefunden haben.

Schreib, wann immer du willst, mach’
eine Einkaufsliste, einen Wunschzettel,
notiere alle Bitten, die du
in früheren Gedichten festgehalten hast.
Schreib, wann immer du
noch eine Postkarte mit Briefmarke und Stempel willst.
Schreib, wann immer du noch eine Adresse
aus deinem Telefonbuch streichst.

Wann immer ich es brauche, reichst du mir
eine ausgefallene Kalligrafie, die nicht deine ist
zu viele Kurven, die du beim Buchstabe D nicht machst.
Solche Handschriften gibt es schon nicht mehr,
nur ich und die Briefträger lernen sie zu entziffern
(und alle wissen, dass auch das nicht die Wahrheit ist).
Schreib weiter. Wann immer ich es brauche,
können Sätze verzierte Stichworte umgehen,
die wie Lügen wiederholt
zu verbraucht sind, um harmlos zu sein.

Schreib statt zu nähen.
Auch wenn du gewusst hast, dass es nicht genug Pflaster gibt,
hast du dir die Knie aufgekratzt, ohne Aussicht auf Heilung,
die Ellbogen und die Schienbeine
(Tanzen war immer ein Gegenmittel, über das du nicht verfügt hast).
Schreib, dass ich in deinen meine Stürze sehe,
meine Lösungen in den zusätzlichen Kurven,
die du beim Buchstaben d nicht machst:
deine Linien sind gerade, senkrecht und straff,
meine Buchstaben können kaum als Schriftzeichen gelten.

Schreib, wann immer du kannst
nur statt bloß,
menschliche Ressourcen statt
städtische Abfälle. Vielleicht sind wir mehr
als Personen, haben unterschiedliche Größen
und taugen für die Orte nicht, für die wir bestimmt waren.

Schreib, wann immer du eine Tür brauchst,
durch die du passt,
Schlüssel habe ich nie dabei

Übersetzung: Timo Berger

Janela

portuguese | Margarida Ferra

Dias depois, ainda na cama,
não conseguia escolher a melhor saída,
que chão frio podia suportar os meus pés.
O peso das tuas costas, que estavam só
do outro lado, desceu até se somar
ao meu próprio peso sobre os meus pés descalços -
e eu sem saber a que parte da casa podia ligá-los.

Uma janela surpreendente, esquadria perfeita
agora à minha direita
e ar que entrou: talvez pudéssemos
de facto ser respiráveis.

A amanhecer ao longe um azul lento e claro.
Demasiado mais claro
em muito pouco tempo,
atrás da escola, não chegaria a cegar ninguém:
as nuvens mais leves, como os pesadelos,
resgataram antes as possíveis vítimas,
inocentes não declarados que circulam sem saberem
da sua condição ou destino.

© Margarida Ferra
from: Magazine “Ágio”
Lisboa: Ed. Artefacto, 2011
Audio production: Câmara Municipal de Lisboa, 2012

Garten

german

Tage später, noch im Bett,
gelang es mir nicht, den besten Ausstieg zu wählen.
Das Gewicht deiner Rippen, die nur
auf der anderen Seite lagen, senkte sich herab und erhöhte
mein eigenes Gewicht auf meinen nackten Füßen
ich wusste nicht, auf welchen Teil des Hauses ich sie setzen sollte.

Ein überraschendes Fenster, ein vollkommen rechter Winkel
jetzt zu meiner Seite
und ein Luftzug: vielleicht könnten
wir doch atembar sein.

Die Dämmerung in der Ferne ein langsames klares Blau.
In zu kurzer Zeit
viel zu klar
würde sie hinter der Schule niemanden blenden:
Die leichteren Wolken, wie Alpträume,
retteten mögliche Opfer schon vorher,
die nicht für unschuldig erklärt wurden, die sich bewegten, ohne
von ihrem Zustand oder Schicksal zu wissen.

Übersetzung: Timo Berger

7. [Ontem adormeceste, ainda]

portuguese | Margarida Ferra

Ontem adormeceste, ainda
tínhamos as facas todas na boca
e três por abrir.
Ficou uma pousada
em equilíbrio geométrico
na linha dos lábios.
Não sei de quem eram
esses lábios onde
o gume imóvel não deixava sair
as palavras duras
e, mais tarde, os pesadelos.
Outras o cabo na minha mão,
esqueci-a antes da última
costela flutuante
depois do coração.

De manhã éramos só nós, frios,
e a memória das cinzas na rua.

A terceira foi como se nunca tivesse existido.

© Margarida Ferra
from: Curso Intensivo De Jardinagem
Lisboa: Ed. &etc., 2010
Audio production: Câmara Municipal de Lisboa, 2012

7. [Gestern schliefst du ein, wir hatten noch]

german

Gestern schliefst du ein, wir hatten noch
alle Messer im Mund
und drei nicht benutzt.
Eines stand
exakt ausbalanciert
auf der Lippenlinie.
Ich weiß nicht, wem diese Lippen
gehörten, in denen
die starre Schneide harte Worte
zurückhielt
und später Alpträume.
Ein anderes Messer in meiner Hand
ließ ich vor der letzten
schwebenden Rippe
nahe dem Herzen fallen.

Am Morgen waren da nur wir, kalt
und die Erinnerung an Asche auf der Straße.

Das dritte Messer schien nie existiert zu haben.

Übersetzung: Timo Berger

3. [Instalei-me primeiro um pouco]

portuguese | Margarida Ferra

Instalei-me primeiro um pouco
mais abaixo da linha da tua pele,
que já tinha sido uma bela fronteira,
uma passagem impossível
para os segredos que faziam de ti
um animal sereno.

Quando uns dias depois, quase
todos os teus músculos paralisados,
percebemos que tinhas desaparecido,
correste mais do que precisavas atrás do carro do lixo.
O cheiro dos restos e o que não podias ouvir,
provas de existência, um novo vício,
alimentei-me do que sobrou nas noites seguidas

© Margarida Ferra
from: Curso Intensivo De Jardinagem
Lisboa: Ed. &etc., 2010
Audio production: Câmara Municipal de Lisboa, 2012

3. [Ich nistete mich zuerst ein wenig]

german

Ich nistete mich zuerst ein wenig
unter der Linie deiner Haut ein,
die bereits eine schöne Grenze war,
unmögliche Passage
für die Geheimnisse, die dich
in ein friedfertiges Tier verwandelten.

Als wir Tage später, fast
all‘ deine Muskeln waren gelähmt,
bemerkten, dass du verschwunden warst, ranntest du
zu lange hinter dem Müllwagen her.
Der Geruch von Essensresten und das, was du nicht hören konntest,
Existenzbeweise, eine neue Sucht,
in den Folgenächten ernährte ich mich von dem, was übrig war.

Übersetzung: Timo Berger

Relación sobre un ser superior

spanish | Sergio Gareca Rodríguez

Mi perro esta mañana es dueño del sol
Recostado estrellas hacia adentro
se disfruta y no siente el peso
de ese cuerpo que parece el aire y no es
Esa tristeza circundante y tendenciosa

Viene de un camino más grato que el mío
Sin política
Sin religión
y desde luego sin culpa
Ya está un poco viejo
pero tiene esa predisposición
de ir hacia la muerte
sin prisa
sin temor a despertar
sin ganas de huir
o ser mejor
Su ausencia de ambición
y su corazón gigante
se filtran por las estaciones
sin sentir el reloj
Por eso a veces siento
que cree ser mi amo
pero estoy seguro que
no necesita de esa soberbia

El patio está sitiado por el sueño
y la orden es precisa
respirar sólo respirar 

© Sergio Gareca Rodríguez
from: Mirador
Audio production: Haus für Poesie, 2019

Bericht über ein höheres Wesen

german

Heute Morgen ist mein Hund Herr über die Sonne

Mit den Sternen in seinem Bauch liegt er

wohlig da und spürt kaum das Gewicht

des Körpers, der Luft zu sein scheint und nicht

die uns umgebende tendenziöse Traurigkeit


Sein Weg war angenehmer als meiner

Ohne Politik

Ohne Religion

und auch ohne Schuld

Er ist schon etwas älter

doch er hat die Veranlagung

dem Tod ohne Eile

entgegenzuschreiten

ohne Angst aufzuwachen

ohne Lust zu fliehen

oder besser zu sein

Sein fehlender Ehrgeiz

und sein großes Herz

mischen sich mit den Jahreszeiten

ohne Zeitgefühl.

Deswegen habe ich manchmal den Eindruck

er glaubt, mein Herrchen zu sein

aber ich bin mir sicher, dass

er solch einen Hochmut nicht nötig hat.


Der Hof ist vom Schlaf umzingelt

und der Befehl ist präzise

zu atmen, nur zu atmen. 

Aus dem bolivianischen Spanisch von Timo Berger

TORPEDOS [L. donde dice línea]

spanish | Yanko González

L. donde dice línea, es forma. donde colores, texturas y donde ritmo, orden. qué es el arte.
colgar en un muro las cosas que alguna vez te hicieron daño.

© Yanko González
from: Objetivo general
Santiago de Chile: Lumen, 2019
Audio production: Yanko González, 2020

[L. wo linie steht,]

german

L. wo linie steht, muss form hin; wo farben, beschaffenheit und wo rhythmus, ordnung. was ist kunst. an einer mauer dinge aufhängen, die dir einmal weh getan haben.

Aus dem chilenischen Spanisch von Timo Berger

TORPEDOS [XLV. para qué llueve.]

spanish | Yanko González

XLV. para qué llueve. llueve para dar énfasis. llueve para no ir. llueve para enterrar a alguien.
llueve para callarse un rato. para botar la mirada en una poza. para usar los signos de
interrogación.

© Yanko González
from: Objetivo general
Santiago de Chile: Lumen, 2019
Audio production: Yanko González, 2020

[XLV. warum es regnet.]

german

XLV. warum es regnet. es regnet zur betonung. es regnet um nicht zu gehen. es regnet um jemanden zu begraben. es regnet um eine weile zu schweigen. um den blick in eine grube zu werfen. um fragezeichen zu setzen.

Aus dem chilenischen Spanisch von Timo Berger

TORPEDOS [XLI. educación musical.]

spanish | Yanko González

XLI. educación musical. cuando chasqueas los dedos, el sonido lo produce el golpe con la
palma de la mano. no es la fricción del pulgar con el dedo del corazón lo que resuena. es tu
mano casi en puño la que hospeda el sonido. no es el roce. te haces padre porque escuchas
por error.

© Yanko González
from: Objetivo general
Santiago de Chile: Lumen, 2019
Audio production: Yanko González, 2020

[XLI. musik.]

german

XLI. musik. wenn du mit den fingern schnippst, entsteht das geräusch durch den schlag auf die handfläche. es ist nicht die reibung zwischen daumen und mittelfinger, die man hört. es ist deine hand, der, fast zur faust geballt, dieser klang innewohnt. nicht dem reiben. du wirst vater, weil du etwas aufgrund eines fehlers hörst.

Aus dem chilenischen Spanisch von Timo Berger

TORPEDOS [XXIX. educación física (dominio espacial):]

spanish | Yanko González

XXIX. educación física (dominio espacial): una sobre lanzar o quizás otra sobre recepcionar.
la respuesta tienes que bosquejarla. traza a una pareja espalda con espalda y en medio un
balón medicinal. dibuja esa imagen hasta que se hagan viejos.

© Yanko González
from: Objetivo General
Santiago de Chile: Lumen, 2019
Audio production: Yanko González, 2020

[XXIX. sport, raumbeherrschung:]

german

XXIX. sport, raumbeherrschung: eine frage zum anstoßen oder vielleicht eine andere zum abnehmen. die antwort musst du skizzieren. zeichne ein paar, rücken an rücken, und in der mitte einen medizinball. zeichne dieses bild, bis sie alt geworden sind.

Aus dem chilenischen Spanisch von Timo Berger

TORPEDOS [XXI. cualquiera de química del carbono:]

spanish | Yanko González

XXI. cualquiera de química del carbono: no hay tinta lo bastante negra para describir la
irritación. ni bastante oxígeno para exhalar el hastío. ni sol ni lamparilla para detener la
oscuridad. a veces me compro flores y voy por la calle como si me las hubiesen regalado.

© Yanko González
from: Objetivo General
Santiago de Chile: Lumen, 2019
Audio production: Yanko González, 2020

[XXI. bei egal was zu organischer chemie:]

german

XXI. bei egal was zu organischer chemie: es gibt keine tinte, die schwarz genug wäre, um die irritation zu beschreiben. noch genügend sauerstoff, um die langeweile auszuatmen. weder sonne noch nachtlicht, um die dunkelheit aufzuhalten. manchmal kaufe ich mir blumen und gehe durch die straße, als wären sie mir geschenkt worden.

Aus dem chilenischen Spanisch von Timo Berger

[1999-2011]

spanish | Yanko González

Querido Leopold lee esto muy, muy despacio
Y créeme que no tengo otra forma de decirlo.

Si hasta aquí has leído de prisa
Te pido vuelvas a comenzar de nuevo.

No me atrevo a pulsar tu número
Y quemar el poco aliento que nos queda.

No seré quien arriba, no seré quien parte
Para quedar en la mitad y vacía.

No te apresures, no te fíes de mi brevedad
Porque este día pardo terminará en el mismo día pardo
Que persistirá inmutable en otro día pardo.

Querido mío, hoy a las cuatro y treinta de la madrugada
Nuestro hijo nos dejó. Sus ojos ya no muestran ni sienten dolor.

Perdóname. He perdido un cuerpo para llegar
Y he perdido un cuerpo para regresar.

© Yanko González
from: Elabuga
Valdivia: Ediciones El Kultrún, 2011
Audio production: Yanko González, 2020

[1999-2011]

german

Lieber Leopold lies das sehr, sehr langsam
Und glaube mir, ich kann es dir nicht anders sagen.

Wenn du es bis hier schnell gelesen hast
Bitte fange noch einmal von vorne an.

Ich traue mich nicht, deine Nummer zu wählen
Und unseren letzten Atem zu verbrennen.

Ich werd nicht die sein, die kommt, nicht die, die geht
Sondern in der Mitte zurückbleiben – und leer.

Überstürze nichts, misstraue meiner Kürze
Denn dieser graue Tag wird enden an demselben grauen Tag
Der sich unverändert fortsetzt an einem weiteren grauen Tag.

Mein Liebster, heute um halb fünf Uhr morgens verließ uns
unser Sohn. Seine Augen zeigen oder empfinden keinen Schmerz mehr.

Vergib mir. Ich habe einen Körper verloren um anzukommen
Und habe einen Körper verloren um zurückzukehren.

Aus dem chilenischen Spanisch von Timo Berger

pessoa

spanish | Yanko González

la belleza es griega. pero la conciencia de que sea griega es chilena.
nada es, todo se otrea.

© Yanko González
from: Alto Volta
Valdivia: Ediciones El Kultrún, 2007
Audio production: Yanko González, 2020

pessoa

german

die schönheit stammt aus griechenland. doch das bewusstsein, dass sie griechisch sei, aus chile.
nichts ist, alles andert sich.

*andern ein Neologismus entsprechend der Wortschöfpfung outrar-se (dt. für „zu einem Anderem/etwas Anderem werden) von Fernando Pessoa, Anm. d. Ü.

Aus dem chilenischen Spanisch von Timo Berger

pasavante

spanish | Yanko González

               “vine a ver a mis amigos,”
               me oyeron gritar por teléfono apretándome con furia el otro oído.
                           e. dobry


No,
si puedes quedarte
pero sucede
es decir la casa está
digamos que no hay
mucho por donde una
o dos puedan veamos
es que estoy con un ritmo
digo al mismo tiempo
con esto para allá
con lo otro preferiría
No,
si puedes quedarte
pero sucede
es decir la casa está
digamos que no hay
mucho por donde una
o dos puedan veamos
es que estoy con un ritmo
digo al mismo tiempo
con esto para allá
con lo otro preferiría
No,
si puedes quedarte
pero sucede
es decir la casa está
digamos que no hay
mucho por donde una
o dos puedan veamos
es que estoy con un ritmo
digo al mismo tiempo
con esto para allá
con lo otro preferiría
No,

© Yanko González
from: Alto Volta
Valdivia: Ediciones El Kultrún, 2007
Audio production: Yanko González, 2020

passierschein

german

Nein,
natürlich kannst du bleiben
es ist nur
also, die Wohnung ist
sagen wir mal, es gibt nicht
viel, wo einer
oder zwei, aber schauen wir mal
ich hab nur so nen Rhythmus
ich meine, wenn es deshalb
zwischen dem einen
und dem anderen, würde ich lieber
Nein,
natürlich kannst du bleiben
es ist nur
also, die Wohnung ist
sagen wir mal, es gibt nicht
viel, wo einer
oder zwei, aber schauen wir mal
ich hab nur so nen Rhythmus
ich meine, wenn es deshalb
zwischen dem einen
und dem anderen, würde ich lieber
Nein,
natürlich kannst du bleiben
es ist nur
also, die Wohnung ist
sagen wir mal, es gibt nicht
viel, wo einer
oder zwei, aber schauen wir mal
ich hab nur so nen Rhythmus
ich meine, wenn es deshalb
zwischen dem einen
und dem anderen, würde ich lieber
Nein,

Aus dem chilenischen Spanisch von Timo Berger

El siguiente vuelo

spanish | Sergio Gareca Rodríguez

A mí lo que me gusta es suicidarme
caer desde el cielo hasta el cielo
aun gobernado por un hilo
como un cometa de papel conectado
a un niño que sueña lo mismo que juega

abrirme las venas cuando llueve
con el filo de la música y el relámpago

brindarme a las arañas
crucificado en sus telares

ser el primero en la línea
frente a la barricada

llorar sin rencores y odiarme
con todo el corazón

Me gusta amarrarme a mi bomba
y desaparecer
sin recuerdos ni ambiciones 
sin memoria ni deseo

Porque tengo el corazón de kamikaze
espero el siguiente vuelo

© Sergio Gareca Rodríguez
from: La Inconclusa y su Yapa
Audio production: Haus für Poesie, 2019

Der nächste Flug

german

Ich mag es, mich umzubringen
aus dem Himmel in den Himmel zu stürzen
an einer Leine geführt wie ein Papierdrachen,
der mit einem Jungen verbunden ist,
der das träumt, was er spielt

mir die Adern aufzuschneiden, wenn es regnet
mit der Schneide der Musik und des Blitzes

mich den Spinnen auszuliefern
zur Kreuzigung in ihren Netzen

der erste zu sein in der Reihe
vor den Barrikaden

ohne Groll zu weinen und mich aus vollem Herzen
zu hassen

Ich mag es, mich an meine Bombe zu binden
und zu verschwinden
ohne Erinnerungen oder Ziele 
ohne Gedächtnis oder Sehnsucht

Weil ich ein Kamikazeherz habe
warte ich auf den nächsten Flug

Aus dem bolivianischen Spanisch von Timo Berger

Un trago de mi desahogo y me voy a otro bar

spanish | Sergio Gareca Rodríguez

Yo soy el amor mal curado
Vengo por dios o por quien sea
En mi puerta un perro de sombra
espera
fiel a mi pasado

Los teléfonos anotados
para el día del juicio final
se han borrado de mis paredes

No pude aguantarme las ganas
de soñar otra vida peor

Me muerdo los labios
y pongo una equis tras otra
sobre nombres y películas
sobre los números del calendario
sobre las tumbas de los desconocidos
sobre las tumbas de los hijos
que me prometo no tener
sobre los ceros que le faltan
al precio de mi existencia

Mi alma es un árbol 
donde viven los pájaros
que no pintaron en la creación

Yo no te conozco
Yo no conozco a nadie
Muero triste en todos mis reflejos

Todas las mujeres que he amado
han muerto
menos tú
que estás a punto de nacer

Las cuencas de mis ojos
tienen un letrero fluorescente
de post guerra o infierno

Silbo cuando no me doy cuenta
las canciones que he perdido
hundiendo mi lengua en tu ombligo
o mordiendo tu pezón

A veces te desnudo en la ventana de un taxi
en el humo que abandono en las calles
cuando no estás
A veces te disparo y lo disfruto
cuando eres cualquier cosa menos una mujer

Por ahora basta
No quiero escribir
los versos más tristes esta noche
ni quiero que vuelvan
las oscuras golondrinas

Porque no seré más tuyo
Porque me prometo
algo mejor que tú
                           Muerte
Esta noche
yo te voy a usar

© Sergio Gareca Rodríguez
from: Transparencia de la Sangre
Audio production: Haus für Poesie, 2019

Ein Drink zu meiner Beruhigung und ab in eine andere Bar

german

Ich bin die schlecht gereifte Liebe
Ich komme wegen Gott oder wem auch immer
Vor meiner Tür wartet
ein Schattenhund
der meiner Vergangenheit treu folgt

Die für den Tag des Jüngsten Gerichts
notierten Telefonnummern sind
an meinen Wänden verblasst

Ich konnte den Wunsch nicht ertragen
ein weiteres schlechtes Leben zu erträumen

Ich beiße mir auf die Lippen
und male ein X nach dem anderen
auf Namen und Kinofilme
auf die Zahlen des Kalenders
auf die Gräber der Unbekannten
auf die Gräber der Kinder
die ich mir niemals zu haben verspreche
auf die Nullen, die dem Preis
meiner Existenz fehlen

Meine Seele ist ein Baum 
wo die Vögel leben
die in der Schöpfung nichts zu suchen hatten

Ich kenne dich nicht
Ich kenne niemanden
Traurig sterbe ich in all meinen Spiegelungen

Alle Frauen, die ich geliebt habe
sind gestorben
nur du nicht
die du kurz davor bist, auf die Welt zu kommen

In meinen Augenhöhlen
ist eine Leuchtreklame
der Nachkriegszeit oder der Hölle

Ich pfeife, wenn ich es nicht bemerke
die Lieder, die ich verloren habe
und versenke meine Zunge in deinen Nabel
oder beiße in deine Brustwarze

Manchmal ziehe ich dich an einem Taxifenster aus
im Rauch, den ich auf den Straßen hinterlasse
wenn du nicht da bist
Manchmal schieße ich auf dich und genieße es 
wenn du irgendwas bist nur keine Frau

Das ist genug
Ich will nicht die traurigsten Verse
der Nacht schreiben
noch will ich, dass die dunklen
Schwalben wiederkehren

Weil ich nicht mehr dein sein werde
weil ich mir etwas Besseres
als dich verspreche
                                               Tödin
Heut Nacht
werde ich dich benutzen

Aus dem bolivianischen Spanisch von Timo Berger

El príncipe azul

spanish | Sergio Gareca Rodríguez

Llega el príncipe azul
con su botella de ron barato 
a tirar de los pelos
a la pobre rapunsel

Portate bien
Mamita

Un sorbo para el valor
y ya puede cerrarle los ojos
a puñetazos
al rostro de tus ilusiones

Llamemos a la brigada de familia
para que luzcan sus bellos uniformes verdes
y viajemos con la sonrisa dolorosa
sobre sus luminosas patrullas de caramelo

Llega el príncipe azul
a patear la puerta
los sillones
la mesa
los niños
y otros muebles

Los perros ladran sancho
señal de que hay fiesta
de bofetadas y alaridos

Los enamorados bailan el vals
Uno dos tres, uno dos tres
Puntapiés a tu vientre cenicienta
Uno dos tres, uno dos tres
Maldita zorra
Maldita

Llega el príncipe azul en la madrugada
a chupar con su caballo en la sala
Despierta bella durmiente
a ver la gallardía y el buen porte
de tu héroe y amante
Dale un beso a las babas de la felicidad
blanca nieves
es mejor que tú
en la cama

Llega el príncipe azul de rodillas
a pedir perdón hasta la siguiente semana

Portate bien princesita
Portate bien

© Sergio Gareca Rodríguez
from: Área Vip
Audio production: Haus für Poesie, 2019

Der Märchenprinz

german

Der Märchenprinz kommt
mit seiner Flasche billigen Rums 
um die arme Rapunzel
an den Haaren zu ziehen

Benimm dich
Mamita

Einen Schluck Mut antrinken
und schon kann er dem Antlitz deiner Illusionen
mit Fausthieben
die Augen verschließen

Lasst uns die Familienbrigade rufen
damit sie in ihren grünen Uniformen glänzen können
und lass uns mit traurigem Lächeln
auf ihren leuchtenden karamellfarbenen Streifenwagen davonfahren

Der Märchenprinz kommt
um auf die Tür einzutreten
die Sessel
den Tisch
die Kinder
und andere Möbel

Die Hunde bellen, Sancho Pansa
Signal, dass es eine Party
mit Ohrfeigen und Geheul gibt

Die Verliebten tanzen Walzer
Ein zwei drei, ein zwei drei
Fußtritt in deinen Bauch, Aschenputtel
Ein zwei drei, ein zwei drei
verdammte Schlampe
verdammte

Der Märchenprinz kommt im Morgengrauen
um mit seinem Pferd im Wohnzimmer zu trinken
Wache auf, Dornröschen,
um die Tapferkeit und Haltung
deines Helden und Liebhabers zu sehen
Küsse die glibbrigen Fäden des Glücks
Schneewittchen
ist im Bett
besser als du

Der Märchenprinz kommt auf Knien
und bittet um Entschuldigung bis zur nächsten Woche

Benimm dich, Prinzesschen
Benimm dich

Aus dem bolivianischen Spanisch von Timo Berger

Croema

spanish | Sergio Gareca Rodríguez

Caospiritan las nubatroces
sobre los vilejos bocerrajes
del yoelyo

Otros, besocupados,
mascarapiquean el ororó
más que el horará

En el aro, arrorró
cabisvalles los (s)in/dios
pachamaman y pachacuten
los machax versos subversos
de la retromatria

Otros, videosiglan
para la vigilogia
del satílote omniojoso,
enimaginario despiapiado,
croador del tierro y la ciela,
que tose:
“Bush! Bush! Bush!”
tras lo cual preocuvivientes
democratillecen fataclísmicamente

Mientras, los bolivianos,
pesimimos vanoseando
la cruealidad,
futbolósofos,
chicharrónomos
lloro(már)tires… 

© Sergio Gareca Rodríguez
from: La Inconclusa y su Yapa
Audio production: Haus für Poesie, 2019

Düstrung

german

Die Fürchterwolken chaospirieren
über den schwabbernden Munschlössern
des Ichdasich

Andere, bussisorgt,
maskierküssen das Goldodo
mehr als die Stundudu

Im Ohrloch ein Ohringoh
Mit talwärtsigem Kopf die INDI/götter(lOSen)
pachamamamieren und pachacutieren
die nowy Verse Subverse
des Retromutterlands

Andere videozeichnen
für die Wachlogik
des alläugigen Satteloiden,
enigmärisch mitleidlos,
Schröpfer des Erden und der Himmelin,
der krächzt:
„Bush! Bush! Bush!“
nachdem Besorgtlebende
fatalstrophisch demokratinieren

Während die Bolivianer
die Horroralität
pessischmusisch vertasten
Fußballosophen,
Schwartonomanen,
Trauer(mär)tyrer …

Aus dem bolivianischen Spanisch von Timo Berger

Canción del niño cabeza de mundo

spanish | Sergio Gareca Rodríguez

Ahora es cuando carajo
Ahora es siempre
anciano niño cabeza de mundo
Ismo tras ismo la paloma de tu boca
la metralla ciega de tus panes
Niño de rojo Trotsky a verde greenpeace
Niño marxiano
Niño copla de Soruco
Niño reencarnación de Victor Jara
ávido de clítoris Luxemburgo
Niño con venas abiertas de América Latina
Niño Bakuniño
Niño Sacco y Vanzetti
Niño Roque Dalton poema de amor
Niño de hoy
Trapo de la historia
Niño profesorcito historia-izquierdas
sueldo miserable
Deshabitado
en Marcelo PS-1
y nuevo habitante
de le monde diplomatique
Niño minero mil veces muerto
en la vanguardia
en los parajes
o en la chichería
Niño sin precio que miras como caen
vendidos los viejos compañeros
que se levantan burgueses
Niño cabeza de futuro
Calabozo de piel y panfleto
Niño huérfano de la humanidad y del muro de Berlín
Niño sin dictador que le dé alas
Niño revolución
cabizbajo sombrero de diario
Niño fósil de los tiempos soñados
Niño cabeza de mundo
Ojo de agua potable
Niño Amauta
Niño Chamán
Niño Silencio

Niño payaso de teatro humanista
Niño que se consuela soñando
un 1º de mayo para toda la vida
Niño sin poder tomar el poder
o destruirlo
Niño pájaro que vuela MP3 en canciones de Silvio
Niño cabeza de mundo
Escarabajo en sublluvia pensador
El de las mil hambres en las barbas
Obrero del futuro sin trabajo
rayando en paredes que no se borran
lengua de fantasma y punk rock

Ahora es cuando niño
Siempre es ahora

© Sergio Gareca Rodríguez
from: La Inconclusa y su Yapa
Audio production: Haus für Poesie, 2019

Lied des Weltkopf-Kinds

german

Jetzt ist es wenn verdammt
Jetzt ist immer
Weltkopf Greis Kind

Isthmus um Isthmus die Taube deines Munds
die blinde Kugel deiner Brote
Vom Trotski-Rot zum Greenpeace-Grün-Kind
Marxianisches Kind
Sorucostrophen-Kind
Wiedergeburt von Victor Jara-Kind
gierig nach der Luxemburg´schen Klitoris
Mit den offenen Adern Lateinamerikas-Kind
Bakunin-Kind
Sacco & Vanzetti-Kind
Roque-Dalton-Liebesgedicht-Kind
Heutiges Kind
Lappen der Geschichte
Geschichte-der-Linken-Professorchen-Kind
erbärmliches Gehalt
Verlassen
in Marcelos PS-1
und neue Bewohner
der le monde diplomatique
tausendfach gestorbenes Kumpel-Kind
in der Vorhut
in einsamen Gegenden
oder im Chicha-Lokal
preisloses Kind das zusieht wie die alten Genossen
straucheln sich verkaufeln
als Bourgeoise aufstehen
Zukunftskopf-Kind
Kerker aus Haut und Pamphleten
Der Menschheit und der Berliner Mauer Waisenkind
Kind ohne Diktator, der ihm Flügel verleiht
Revolutionskind
mit gesenktem Kopf ZeitungshutFossilkind aus der Ära der Träume
Weltkopf-Kind
Trinkwasseraugen
Dorfältesten-Kind
Schamanen-Kind
Schweigen-Kind

Clown-Kind des humanistischen Theaters
Kind das sich mit Träumen tröstet
ein 1. Mai fürs ganze Leben
Kind das die Macht nicht ergreifen
oder zerstören kann
Vogel-Kind, der MP3 in Liedern von Silvio fliegt
Weltkopf-Kind
Käfer in nachdenklichem Unterregen
Der mit tausendfachem Hunger im Bart
Arbeiter der Zukunft ohne Arbeit
der in Wände ritzt die sich nicht beseitigen lassen
Geistersprache und Punk Rock

Jetzt ist es wenn Kind
Jetzt ist immer


Anm. d. Ü.: Der PS-1 (Partido Socialista-1) war eine Abspaltung des Partido Socialista, die mit Marcelo Quiroga Santa Cruz bei Präsidentschaftswahlen in Bolivien Ende der 1970er kandidierte.

Aus dem bolivianischen Spanisch von Timo Berger

Fiesta de disfraces

spanish | Sergio Gareca Rodríguez

¿En qué libro? ¿En qué sueño nos conocimos?
Tantos bailes de disfraces que nos perdimos
Déjame lamer la telaraña en tu nombre —Juana la Loca
Quiero ser la blanca leche que acaricie tu espalda—Cleopatra
Tu enemigo íntimo— Julieta
Te robaría a un tercer reino con otros dioses más nuestros — Helena
Me entrego con fortaleza a la maldición y desearía otra vida a veces
Pero, porque tengo la certeza de tu amor—Penélope
siempre vuelvo—Siempre
Solo se necesita el amor de uno mismo—Dulcinea
para enfrentar sin miedo todo aquello que se llame imposible
Bajo tu hábito haría cosas
que envidiaría cualquier académico de la lengua —Sor Juana
Cómo no perderlo todo por vos—Misk´isimi
por tus palabras y tus besos
Pondría mis manos al barro por ti—Demi Moore
Chuparía la última gota de tu sangre
por darte la vida eterna— Winona Ryder
No te dejaría sola en la puerta— Scarlett O´Hara
Aunque seas lo que fueses— madame
Resolvería cualquier misterio hasta encontrarte—Audrey Tautou
Porque sé que tienes la fuerza
para degollar cobardes
con un niño en brazos— Juana Azurduy
El amor por ti
estuvo desde siempre condenado
a ser leyenda—Lorenza Chuquiamo
Aunque te arrastre de a poco a mi destino— Micaela Bastidas
Aunque no pueda apagar tu dolor— Frida Khalo
Siempre recordaré poemas tuyos—Idea Vilariño
Y a pesar de todo esto que digo
sabes muy bien que eres tú
de la que hablo—
La que escojo entre todas para ser mía
Aunque sepa que no podré salir del infierno sin mirarte
y que todo esto acabará mal
porque tendré que volver solo bajo la lluvia— Catherine Barkley
cavilando la suerte del joven Werther
o peor aún
la mía propia
la de ser yo mismo
sin ti

© Sergio Gareca Rodríguez
from: La Inconclusa y su Yapa
Audio production: Haus für Poesie, 2019

Maskenball

german

In welchem Buch? Welchem Traum lernten wir uns kennen?
So viele Maskenbälle haben wir verpasst
Lass mich die Spinnweben auf deinem Namen ablecken – Johanna die Wahnsinnige
Die weiße Milch, die deinen Rücken streichelt, will ich sein – Kleopatra
Dein intimer Feind – Julia
Mit anderen, mehr unsrigen Göttern würde ich dir ein drittes /Reich rauben – Helena
Mit Stärke gebe ich mich dem Fluch hin und wünschte mir manchmal ein anderes Leben
Aber, weil ich mir deiner Liebe gewiss bin – Penelope
komme ich immer wieder – immer
Man bedarf nur der Liebe zu sich selbst – Dulcinea
um sich furchtlos dem zu stellen, was man unmöglich nennt
Unter deinem Habit würde ich Dinge tun
um die mich jeder Kundige der Sprache beneiden würde – Sor Juana
Wie nicht alles für dich geben – Misk´isimi
für deine Worte und deine Küsse
Für dich würde ich meine Hände in den Schlamm tauchen – Demi Moore
Den letzten Tropfen deines Blutes würde ich trinken
um dir ewiges Leben zu schenken – Winona Ryder
Allein ließe ich dich nicht an der Tür zurück – Scarlett O´Hara
Egal wer du sein magst – Madame
Ich würde jedes Rätsel lösen, bis ich dich finde – Audrey Tautou
Weil ich weiß, dass du die Kraft hast
Feiglinge zu enthaupten
selbst mit einem Kind in den Armen – Juana Azurduy
Die Liebe war für dich
seit jeher dazu verdammt
Legende zu sein – Lorenza Chuquiamo
Auch wenn ich dich langsam zu meinem Ziel schleppte – Micaela Bastidas
Auch wenn ich deinen Schmerz nicht abstellen kann – Frida Kahlo
An deine Gedichte werde ich mich immer erinnnern – Idea Vilariño
Und trotz dem, was ich sage
weißt du ganz genau, dass ich
von dir rede –
Die, die ich unter allen auswähle, meine zu sein
Auch wenn ich weiß, dass ich die Hölle nicht verlassen könnte, ohne dich anzusehen
und dass all das ein schlechtes Ende finden wird
weil ich allein im Regen zurückkehren muss – Catherine Barkley
über das Schicksal des jungen Werther brütend
oder schlimmer noch
meinem eigenen
ich selbst zu sein
ohne dich


Anm. d. Ü.: Misk´isimi – Quechua für süßer Mund

Aus dem bolivianischen Spanisch von Timo Berger

Romance del tendedero

spanish | Sergio Gareca Rodríguez

Bajo las lluvias de domingo
mientras el viento respira piernas
y muslos dentro de las panty medias
que aferradas a su pudor de alambre
patalean a modo de obsesivas gimnastas
de natación aérea

Los calcetines caminan el sendero invisible
de un mundo al reverso
menos vil
menos enlodado
y menos transcurrido

Flamean calzones
en colorido y desvergüenza similar
a recibimientos de delegaciones presidenciales
reunidos para tratar el futuro
percudido, roto y malgastado
en todos los pretéritos presentes
¡Salve oh pendones de la intimidad!

Las cansadas camisas
que usualmente cubren corazones hipócritas
se redimen crucificadas
a vista y paciencia de los cielos oscurecidos

y los rayos pervertidos
que fotografían la desnudez de toda la ropa
que fue enganchada en la esperanza mañanera
de un día de sol 

© Sergio Gareca Rodríguez
from: Mirador
Audio production: Haus für Poesie, 2019

Affäre des Wäscheständers

german

Im Sonntagsregen
erschnuppert der Wind Füße und
Schenkel in den Strumpfhosen
die an ihre drahtige Scham geklammert
wie ehrgeizige Turner
beim Luftschwimmen strampeln

Die Socken gehen auf dem unsichtbaren Pfad
einer umgestülpten Welt
die weniger schlecht
weniger mit Schlamm besudelt
und weniger vergangen ist

Schlüpfer flattern
ähnlich bunt und unverschämt
zu Empfängen der Präsidenten-Delegationen
die zusammenkommen, um über die Zukunft zu sprechen,
die in allen gegenwärtigen Vergangenheiten
verschlissen, kaputt und vergeudet ist
Seid gegrüßt, Banner der Intimität

Die müden Hemden
die sonst verlogene Herzen bedecken
finden gekreuzigt Erlösung
unter den geduldigen Blicken düsterer Himmel
 
und pervertierter Blitze
die die Blöße der gesamten Kleidung fotografieren
aufgehängt in der morgendlichen Hoffnung
auf einem sonnigen Tag 

Aus dem bolivianischen Spanisch von Timo Berger

Pequeña acción militar con fondo musical wagneriano

spanish | Sergio Gareca Rodríguez

El moscardón
como helicóptero de potencia extranjera
o emisario de una guerra incomprensible
se introduce en el cuarto
haciendo reconocimiento
de todos los rincones
Zumba feliz en la muerte del silencio

De súbito
es hallado y condenado a pena capital
En todo caso
nadie sabrá nunca
el motivo de su invasión
pero es sin duda necesario
desquitarnos del mundo
en sus perturbadoras alas

Un golpe certero
Una demolición
Una cacería
Un chivo expiatorio
Un mosco expiatorio

y ¡Zas! La vida 

© Sergio Gareca Rodríguez
from: Mirador
Audio production: Haus für Poesie, 2019

Kleine Militäraktion mit Wagner im Hintergrund

german

Die Schmeißfliege
dringt ins Zimmer ein
wie ein Hubschrauber einer fremden Macht
oder der Bote eines unverständlichen Krieges
und kundschaftet
alle Ecken aus
Summt zufrieden als die Stille stirbt

Plötzlich
wird sie aufgespürt und zum Tode verurteilt
Ganz sicher
wird nie jemand
das Motiv ihres Eindringens erfahren
aber es ist zweifellos notwendig
uns an der Welt zu rächen
auf ihren nervigen Schwingen

Ein treffsicherer Schlag
Ein Akt der Vernichtung
Eine Treibjagd
Ein Sündenbock
Eine Sündenfliege
und Zack! Das Leben 

Aus dem bolivianischen Spanisch von Timo Berger

Glosa a “Ode to a nightingale” de John Keats

spanish | Sergio Raimondi

El dolor en el corazón está. La modorra
también, ahí en el jardín, bajo el ciruelo,
sentado en la silla que tomó de la mesa
del desayuno. Pero no ha habido té.
Tragos fuertes a las tres de la mañana,
unas cuantas copas encima, boca mojada
y fuga entre la espesura de mayo, fuga,
como si eso fuera deseable, hacia la nada:
amnesia, quejas entre los reflejos prestados
del cielo, esas cosas. Se levanta y se mueve
hacia la fronda: lo más delicado no se ve,
se oye apenas o, mejor, sólo por el aroma
se distingue: y entre espinos y frutales,
entre el aromo, la violeta y la eglantina
persigue entre las sombras la sombra
de quien canta por los siglos para todos.
Bueno, no para todos. El jardinero duerme.
Hubo temprano la tormenta que vendrá
y el hombre, dicen, tuvo bastante trabajo:
podó árboles y cercas, amontonó ramas
en la hoguera, frutos podridos, una o dos
alondras en el estanque caídas y fue
el único en toda la casa que se acostó
con el pelo compacto de briznas y humo.
Dejó la Naturaleza parecida a un poema
y se cansó, claro. Ahora nada siente, nada, 
nada oye ni oirá hasta el sol: melodía ninguna.
Es que está muerto y literal y, encima, ronca:
zzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzz
zzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzz
zzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzz.
Amanece. No hay música en el mundo.
El jardinero se levanta, se dispone a buscar
sus herramientas y ve, al acercarse a la casa,
derrumbado al jovencito en la silla al sol.
¿Estará despierto o dormido el poeta?
Que descanse, shhh, que descanse ahora.

© Sergio Raimondi
from: Poesía Civil
Bahía Blanca: VOX, 2001
Audio production: Haus für Poesie / 2017

Glosse zur »Ode to a nightingale« von John Keats

german

Der Schmerz im Herzen unleugbar. Auch der Katzen-
jammer, dort im Garten, unterm Pflaumenbaum,
auf dem Stuhl, den er vom Frühstückstisch
entwendet hat. Doch serviert wurde kein Tee.
Starke Drinks um drei Uhr morgens, schon
ein paar Gläser intus, die Kehle angefeuchtet,
seine Flucht in der Schwere des Mai, Flucht,
als ob dies erstrebenswert wäre, auf das Nichts zu:
Amnesie, Klagen zwischen vom Himmel geliehenen
Reflexen, so was halt. Er steht auf und nähert sich
dem Laubwerk: Das Zarteste sieht man nicht,
man hört es kaum, es sticht vielmehr allein
durch seinen Duft hervor. Und zwischen Weißdorn und
Obstbäumen, zwischen dem Duft, den Veilchen
und der Weinrose verfolgt er unter den Schatten
den Schatten jener, die seit Jahrhunderten für alle singt.
Na, nicht für alle. Der Gärtner schläft schon.
Früh tobte ein Sturm, der noch über uns hereinbricht,
und der Mann, wird gesagt, hatte ziemlich viel Arbeit:
Er schnitt Bäume und Hecken, stapelte Äste
auf den Reisighaufen, verfaulte Früchte, ein oder zwei
in den Teich gestürzte Lärchen, und war
der Einzige im ganzen Haus, der zu Bett ging,
mit von Sprühregen und Rauch verdichtetem Haar.
Er hinterließ die Natur einem Gedicht gleich
und ist erschöpft, klar. Nichts fühlt er jetzt, nichts hört er
oder wird er bis zum Sonnenaufgang hören: keine Melodie.
Er liegt quasi wie tot da, und zudem schnarcht er:
zzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzz
zzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzz
zzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzz.
Der Tag bricht an. In der Welt ist noch keine Musik.
Der Gärtner steht auf, schickt sich an, seine Werkzeuge
zu holen, und sieht, als er zum Haus geht,
den Jüngling zusammengebrochen auf dem Sonnenstuhl.
Ist der Dichter schon wach, oder schläft er noch?
Er muss ausruhen, pssst, sich ausruhen, jetzt.

Übersetzung der Gedichte aus dem argentinischen Spanisch von Timo Berger.
Aus: Sergio Raimondi: Poesía civil | Zivilpoesie. Leipzig: Reinecke & Voß, 2017

Word

spanish | Omar Pérez

La buhardilla del poeta es Word
la pesadilla del poeta es Word
el paraíso del poeta es Word
el compromiso del poeta es Word.

Oí decir que en el principio fue
The Word
Adán y Eva comprendieron que
The Wall
era el reinado de la cosa en sí
bemol
todo pecado en el pasado fue
mejor.

La escalerilla del poeta es Word
la barandilla del poeta es Word
el paraíso del poeta es Word
el pasadizo del poeta es Word

Los Filisteos descubrieron que
The War
es la manera de seguir de bien
en peor
acumulando pan al por
mayor
y produciendo circo al sol
menor.

La buhardilla del poeta es Word
la pesadilla del poeta es Word
el sacrificio del poeta es Word
el armisticio del poeta es Word

Sobre el agua iba flotando
Word
y el Gran Libro pregonaba
War
el poeta se jactaba
por
los derechos que cobraba
en Word

La buhardilla del poeta es Word
la pesadilla del poeta es Word
el paraíso del poeta es Word
el limpiapisos del poeta es Word
el compromiso del poeta
el sacrificio del poeta
el armisticio del poeta
el orificio del poeta
el edificio del poeta
es Word.

© Omar Pérez
Audio production: Haus fuer Poesie, 2019

Word

german

Der Schreibraum des Dichters ist Word
der Alptraum des Dichters ist Word
das Paradies des Dichters ist Word
das Verlies des Dichters ist Word.

Ich hörte sie sagen: Im Anfang war
The Word
Adam und Eva verstanden:
The Wall
war das Reich der Dinge an sich
in b-moll
waren alle Sünden in der Vergangenheit
toll.

Die Gangway des Dichters ist Word
das Geländer des Dichters ist Word
der Garten Eden des Dichters ist Word
der Gang daneben des Dichters ist Word

Die Philisiter fanden schließlich heraus:
The War
war ein Konflikt in dem man alles
verlor
man hielt Brot und Brötchen
vor
und öffnete einem Zirkus das Tor
in g-moll.

Die Dachkammer des Dichters ist Word
Der Katzenjammer des Dichter ist Word
Die Opfertruhe des Dichters ist Word
Die Waffenruhe des Dichters ist Word

Über dem Wasser schwebte 
Word
und aus dem Großen Buch strahlte
War
und der Dichter prahlte
mit
den Rechten die man ihm bezahlte
in Word

Der Schreibraum des Dichter ist Word
der Alptraum des Dichters ist Word
der Garten Eden des Dichters ist Word
das Arrangement des Dichters ist Word
das Engagement des Dichters
die Opfertruhe des Dichters
die Waffenruhe des Dichters
die Geläute des Dichters
das Gebäude des Dichters
ist Word.

Aus dem kubanischen Spanisch von Timo Berger

El despelote

spanish | Omar Pérez

Matar no t hace verdugo
comer no t hace caníbal
volar no t hace paloma
ni discurrir t hace almíbar.

Soñar  no t hace Quijote
singar no t hace feliz
flotar en el despelote
como un árbol sin raíz.

Crecer como hace la yerba
como hoja en el tocón
ser para la mosca mierda
y para el niño canción.

Saber la verdad q encierra
la angustia desarrollada
la misma verdad, la tierra
sabe a tierra y sabe a nada.

Querías la vida muerta
d una vez y controlarla
querías cerrar la puerta
y lo q has hecho es quitarla.

© Omar Pérez
Audio production: Haus für Poesie, 2019

Das Durcheinander

german

Henker wirst du nicht durchs richten
Kannibale wirst du nicht durchs genießen
Zur Taube wirst du nicht durchs fliegen
Und Sirup auch nicht durchs fließen.

Don Quijote wirst du nicht durch einen Traum
Zufrieden nicht durchs Vögeln
wie eine Wurzel ohne ihren Baum
durchs Durcheinander rödeln

Wie Unkraut sprießen am Feldrain
wie das Blatt auf einem Baumstumpf
für die Fliege ein Hundehäufchen sein
und für das Kind ein Trumph.

Die ganze Wahrheit erkennen,
die eine große Angst umfasst. Einmal
die Wahrheit an sich benennen
Erde schmeckt nach Erde: schal.

Du wolltest das Leben zügeln
und dann wolltest du es tot
du wolltest die Tür verriegeln
die du aus den Angeln hobst.

Aus dem kubanischen Spanisch von Timo Berger

Zarabanda

spanish | Omar Pérez

Tiembla ciudad ronca, ciudad renga, ciudad rambla
gira bombo d rupias y ratas, en contradanza.
Ciudad maligna: miro tus tachos, miro tus techos, miro tus tetas
y en una esquina indigna podría comerme 12 croquetas.
Cuánto vale una rumba d cascabeles en competencia
cuánto cuesta un helado, una sonrisa, una paciencia
cuánto
este moho oscuro que todo llena d lentejuelas
del pasado oportuno: biblias, grilletes y castañuelas.
Sé que t gusta el mambo, quieres ser miembro d la porfía
sé q chupas y soplas, soplas y chupas con rebeldía
sé q cantas Habana
cual se tratara d un Paradiso
sueños d marihuana
lamiendo culos por un permiso.
Ah…
arrastrate serpiente, corre venado, calla tortuga
trinen los pajarillos, q baile el niño con su maruga.
La lengua se me traba en un trabalenguas d la prehistoria
tiene el preso su jaula, tiene el custodio su pan
d gloria.
Zarabanda, zarabanda, zarabanda.

© Omar Pérez
Audio production: Haus für Poesie, 2019

Sarabande

german

Es zittert die raue Stadt, die räudige Stadt, die Rambla-Stadt
es drehen sich die Trommeln d. Rupien und Ratten, im Contra Dance-Takt.
Bösartige Stadt: Ich sehe deine vermüllten Behälter, sehe deine Ballustraden, sehe deine Brüste
und in einer unwürdigen Ecke könnte ich verdrücken: 6 Würste.
Wie viel kostet eine Schellen-Rumba im Wettstreit
wie viel kostet ein Eis, ein Lächeln, Genügsamkeit
wie viel
dieser dunkle Schimmel, der alles füllt mit Pailetten
der vorteilhaften Vergangenheit: Bibeln, Fußfesseln und Kastagnetten.
Ich weiß, dir gefällt Mambo, du willst Mitglied sein der Hartnäckigkeit
Weiß, du saugst und bläst, bläst und saugst in deiner Widerspenstigkeit
ich weiß: du besingst Havanna
als wäre es ein Paradies
Marihuanaträume
aber in Ärsche kriechen für eine Erlaubnis.
Ah …
Winde dich Schlange, laufe fort Hirsch, bleib ruhig Schildkröte
sollen die Vögelchen zwitschern, der Junge tanzen mit Maruga und Tröte.
Meine Zunge verheddert sich in einem Zungenbrecher aus der Prähistorie
der Häftling hat seinen Käfig, der Wächter sein Brot
mt. Glorie.
Sarabande, Sarabande, Sarabande.


___________

Anm.:
Sarabande höfische Tanzform der Barockmusik

Aus dem kubanischen Spanisch von Timo Berger

Integridad d cartón

spanish | Omar Pérez

T prometieron una ley
o la prometes?
Un agujero d sol
llena la muela d sal
t prometieron una ley, o la prometes?
Un millón d sentidos son ofrendados
al absurdo
tus acciones caen en la bolsa
los banqueros pronuncian cualquier cosa:
“El sentido común es la manera más económica
d adaptarse al caos”.
Cada pichón
en su corral
solo si t pagan
sale a volar.
El protagonista es un niño azul
d cerebro carbonífero
en el cual se observan
guerrilleros derrengados.
Cada pichón
en su corral
solo si t pagan
sale a volar.
Habéis visto arder la hoguera astrològica?
Habéis participado en los juegos mundiales
del retraso mental adquirido?
Podrá participar en la olimpiada
quien tenga la lengua bien planchada.
Cada pichón
en su corral
solo si t pagan
sale a volar.
Una civilización completa es una sociedad formada
en hileras d a cinco pesos el minuto espacial
“Planetas que me escuchan!”
Cada pichón
en su corral
solo si t pagan
sale a volar.
T prometieron una ley
o la prometes
t prometieron una ley, t prometieron una ley
o la prometes?

© Omar Pérez
Audio production: Haus für Poesie, 2019

Integrität d. Pappe

german

Dir wurde ein Gesetz versprochen
oder bist du es, der es verspricht?
Ein Loch aus Sonnenschein
lässt in deinen Backenzahn Salz hinein
dir wurde ein Gesetz versprochen oder bist du es, der es verspricht?
Eine Million von Sinnen werden geopfert
dem Absurden
deine Aktien an der Börse fallen
die Bänker lassen es in ihren Kommentaren knallen:
„Ein gesunder Menschenverstand ist der günstigste Weg
sich an das Chaos zu gewöhnen.“
Jedes Kücken
in seinem Stall
nur wenn man dich bezahlt
flattert es gen All.
Der Protagonist ist ein blaues Kind
mt. kohleführendem Gehirn
in dem lendenlahme Guerrilleros
unter Beobachtung stehen.
Jedes Kücken
in seinem Stall
nur wenn man dich bezahlt
flattert es gen All.
Habt ihr das astrologische Feuer lodern sehen?
Habt ihr teilgenommen an den World Games
der erworbenen geistigen Zurückgebliebenheit?
An der Olympiade darf teilnehmen
wer über eine gut gebügelte Zunge verfügt.
Jedes Kücken
in seinem Stall
nur wenn man dich bezahlt
flattert es gen All.
Eine ganze Zivilisation ist eine Sozietät
Die aus Reihen von fünf Peso die Weltraumminute besteht
„Planeten hört mich an!“
Jedes Kücken
in seinem Stall
nur wenn man dich bezahlt
flattert es gen All.
Dir wurde ein Gesetz versprochen
oder bist du es, der es verspricht
dir wurde ein Gesetzt verspochen, dir wurde ein Gesetz versprochen
oder bist du es, der es verspricht?

Aus dem kubanischen Spanisch von Timo Berger

Cubanologìa

spanish | Omar Pérez

La poesía es el arma d la revolución
la poesía es el arpa d la revolución
la poesía es el herpes d la revolución
el policía es el héroe d la revolución
enarbolando el lápiz d la reprobación.
La tropelía es el lupus d la renovación
el cauce purulento d la fragmentación
fragmento con fragmento en la televisión
momento tras momento d cruda
imantaciòn.
La etnologia es el baile d la graduación
d los frijoles negros en ebullición
y el arrocito blanco, envase d cartón
d moros y cristianos en mala
traducción.
Y parecía
y parecía q el hombre se moría
despacio, d tanta reflexión
cabeceando en la noche d su generación
centenario d zafra y
desertificaciòn.
Què vacilòn, què vacilòn
el paso vacilante d la transición
d cada cual su sino
a cada cual su son
d cada cual su rito
a cada cual su ron
què vacilòn, el paso vacilante
d la transición.
La poesía es el huerto d la evolución
la poesía es un herpes cargado d emoción
la poesía es un arpa sembrada en un cajón.
Me dijeron q la isla no estaba fijada ni a su fondo
ni al cielo
y q en ella nacería una nueva criatura
sabroso mango sin chupar, y entonces
hasta cuándo
el amor será instrumento d venganza
 y la dulzura objeto para el lucro.
Me dijeron q la isla era infinita
y ahora q he llegado aquí
todo está lleno d límites.

© Omar Pérez
Audio production: Haus für Poesie, 2019

Kubanologie

german

Die Poesie ist die Waffe d. Revolution
die Poesie ist die Harpune d. Revolution
die Poesie ist der Herpes d. Revolution
die Polizei ist die Heldin d. Revolution
die den Bleistift schwingt mt. missbilligendem Ton.
Der Übergriff ist der Lupus d. Innovation
das eitrige Rinnsal d. Fragmentation
Fragment um Fragment in der Television
Augenblick auf Augenblick v. roher
magnetischer Polarisation.
Ethnologie ist 1 Abschlussball in voller Aktion
d. schwarzen Bohnen kurz vor d. Sieden in einer Ration
und der weiße Reis, Verpackung a. Karton
moros y cristianos
in schlecht übersetzter
Portion.
Und es schien
und es schien dass der Mensch langsam
starb, nach so viel Reflektion
schläfrig nickend in d. Nacht seiner Generation
hundert Jahre Zafra und
Desertifikation.
Wie ulkig, wie ulkig
der unsichere Schritt d. Transition
von jedem sein Schicksal
jedem seinen Son
von jedem sein Ritual
jedem seinen Rum
wie ulkig, der unsichere Schritt
d. Transition.
Die Poesie ist der Garten d. Evolution
die Poesie ist ein Herpes voll v. Emotion
die Poesie ist eine Harpune gesät in eine Cajón.
Man sagt mir die Insel sei weder am Meeresgrund
noch am Himmel vertäut
und dass auf ihr ein Wesen geboren wird
eine leckere ungelutschte Mango, also
wie lange noch
ist die Liebe das Instrument d. Rache
und wird mit der Sanftheit Profit gemacht.
Man erzählte mir dass die Insel unendlich sei
Und jetzt bin ich hier angekommen
und alles ist voller Grenzen.


_____________

Anm.: moros y cristiano (wörtlich "Mauren und Christen") kubanisches Nationalgericht aus Reis und schwarzen Bohnen; Zafra Zuckerrohrernte; Cajón lateinamerikanische Kistentrommel

Aus dem kubanischen Spanisch von Timo Berger

Canción de cuna

spanish | Omar Pérez

Los hombres viven borrachos
en sus canciones de cuna
y al que primero se despabila
le dan el premio de la locura.
Una camisa de fuerza, blanca
un crucifijo de piedra, negra
una medalla de oro, falsa
y una cadena.
Papá, cuando sea grande
cómprame un traje de héroe.
Hijo, cómpratelo tú
con los ahorros de tu conciencia.
Los hombres van en diez bandos:
primer bando, los que matan
bando segundo, los que enseñan
tercer bando, los que cavan
bando cuarto, los que vuelan
quinto, los que hablan en números
sexto, los que ensartan perlas
séptimo, los que se trasquilan
el dorso de la paciencia
octavo, los que se preparan
para vivir de la guerra
noveno, los que se ponen serios
disimulando que juegan
décimo, los que por hacer justicia
no perdonan ni a la abuela.
Hijo, cuando seas grande
constrúyeme una escalera.
Papá, constrúyela tú
con los peldaños de tu lengua.
Los hombres viven borrachos
gozando el premio de su locura
y al que primero se despabila
le cantan esta canción de cuna:
Una camisa de fuerza, blanca
un crucifijo de piedra, negra
una medalla de oro, falsa
y una cadena.

© Omar Pérez
Audio production: Haus für Poesie, 2019

Wiegenlied

german

Die Menschen leben besoffen
in den Wiegenliedern ihrer Kindheit
und dem ersten mit wiedererlangter Klarheit
verleihen sie die Trophäe der Verrücktheit.
Eine Zwangsjacke, Helligkeit
Ein steinernes Kruzifix, Dunkelheit
eine Goldmedaille, Falschheit
und eine Kette, allzeit bereit.
Papa, wenn ich groß bin
Kauf mir ein Heldenkostüm.
Sohn, kaufs dir selbst
mit den Ersparnissen deines Gewissen.
Die Menschen brechen in zehn Gruppen auf:
Erste Gruppe, die die töten
zweite Gruppe, die die erklären
dritte Gruppe, die die graben
vierte Gruppe, die die fliegen
fünfte, die die in Nummern sprechen
sechste, die die Perlen auffädeln
siebte, die die sich den Rücken
der Geduld scheren lassen
achte, die sich darauf einstellen
vom Krieg zu leben
neunte, die die ernst werden
und so tun als würden sie spielen
zehnte, die die um der Gerechtigkeit willen
niemandem nicht mal der eigenen Oma verzeihen.
Sohn, wenn du groß bist
Bau mir eine Leiter.
Papa, bau sie dir selbst
Mit den Sprossen deiner Sprache.
Die Menschen leben besoffen
genießen die Trophäe ihrer Verrücktheit
und dem ersten mit wiedererlangter Klarheit
singen sie dieses Lied der Kindheit:
Eine Zwangsjacke, Helligkeit
ein steinernes Kruzifix, Dunkelheit
eine Goldmedaille, Falschheit
und eine Kette, allzeit bereit.

Aus dem kubanischen Spanisch von Timo Berger

Bob

spanish | Tálata Rodríguez

Supo que Bob Dylan había escuchado su  salvaje versión de “It aint me babe”*. Se lo comentó alguien al pasar en una fiesta y todavía lo recordaba  a pesar de la nube confusa que era la noche. Estaba avergonzada, no sólo, porque  Bob Dylan la escuchara a ella, “una minita que apenas sabe tocar tres acordes”, sino porque  había grabado la canción tras una pelea y tenía los ojos hinchados como pelotas. Y lo había hecho en video, en español,  en una sola toma, pero la idea, la idea, era ingeniosa: la chica a la que el joven Bob canta “no soy yo, nena, no soy yo el que buscás”  usaba los mismos argumentos a su favor para decir: “no sos v,os, nene, no sos vos el que busco”.  A su manera de entender, reivindicaba a aquella mujer cualquier hija de vecino que exige a su hombre lo que cualquier hija de vecino debe exigir. Pero no cualquier hija de vecino era la dueña del corazón de Bob aunque le inspirara, sí, más de una canción recordada generación tras generación. Todavía recordaba la escena cuando sonó el teléfono  y una voz fresca y extranjera le dijo: “Bob Dylan quiere hablar con usted”. “Soy cocinera, que venga a cenar”, no dudaba  era el año del dragón y todos los planetas bailaban a su alrededor.  se puso un batón que olía a flores. Hizo su lista de compras, y compró: Plátano, batatas, hongos shitake, uvas… cerezas.  Cocinó sin parar  todo tipo de cocciones:, al vapor, crudas, hervidas, puré, al horno, fritas.  Vista desde arriba la mesa parecía un mandala o la cola abierta de un pavo real. No se detuvo a pensar si estaba muy nerviosa, si no estaba cocinando algo, estaba lavando algo o cortándose el pelo o pintándose las uñas de los pies. Sonó el timbre. Llegó Él. Como en los sueños en los que tevas a morir, temía que al ver a Bob la imagen se desvaneciera y se despertara en una cama doble con el costado derecho de las sábanas estirado. Pero bajó, y subieron  y tomaron un fernet con soda y limón. Y no había música pero en todo lo que él decía ella escuchaba una canción mientras respondía, con exagerados gestos, sobre las cosas que comían y viajar por el mundo hasta que él, con el sombrero de la noche del cazador, un aro en la oreja,señala el libro y le pregunta: “leíste a  Fogwill?”.

Ella Grita. Explota. Estalla

Da un saltito hasta agarrarle el brazo con la mano que sostiene el vaso. Habla del viejo Frog con el viejo Bob. Incluso se atreve a hacer una comparación sentimental y absurda entre Los pichiciegos y Changing of the guards. Pero cuando escucha al viejo Bob decir: “En 1978 yo también hice el amor con una muchacha punk, como vos”, se excita y va a buscar el postre: una cereza.

Una cereza.

Este es el postre”, dice y el viejo Bob, que tiene todo de viejo, viejo  diablo, viejo Fogill, muerde el cachete más jugoso de la fruta y con los dientes morados de jugo la tira sobre la cama. Y ya no es el viejo Bob, este crooner de estadios, sino el joven judas de la guitarra eléctrica. Y le lame el cuello con su lengua poética, y ella se siente una guitarra, una canción, “It ain´t me, babe, no no no no”
Pero despierta. Despierta en una cama doble con el costado derecho de las sábanas estirado. Su hijo durmiendo en el cuarto. Autos  veloces sobre la autopista como sueños fugaces. Toma dos tragos de agua. En el comedor,

el sol

dibuja su jaula.

© Tálata Rodríguez
from: Primera línea de fuego
Buenos Aires: Tenemos Las Máquinas, 2013
Audio production: Haus für Poesie / 2017

Bob

german

Sie hatte erfahren, dass Bob Dylan ihre wilde Version von „It ain’t me, babe“ gehört hatte. Auf einer Party hatte es ihr jemand im Vorbeigehen gesagt und sie erinnerte sich immer noch daran, obwohl sich die ganze Nacht in einer konfusen Wolke auflöste. Es war ihr peinlich, nicht nur, weil der alte Bob „ein Mädchen, das gerade mal drei Akkorde beherrscht“, also sie, gehört hatte, sondern weil sie das Lied nach einem Streit aufgenommen hatte, und ihre Augen stark geschwollen waren. Und sie hatte das Video auf Spanisch in einer einzigen Einstellung gedreht; aber die Idee, die Idee war eigentlich genial: Das Mädchen, dem der junge Bob „Ich bin’s nicht, Süße, bin nicht der, den du suchst“ entgegensingt, benutzt dasselbe Argument für sich und erwidert: „Du bist’s nicht, Süßer, du bist nicht der, den ich suche.“ Nach ihrem Verständnis bekannte sie sich damit zu diesem romantischen Mädchen, das von ihrem Mann fordert, was jede Tochter von Nebenan fordern sollte. Aber nicht jeder Tochter von Nebenan gehört das Herz von Bob, auch wenn sie ihn zu mehr als einem erinnerungswürdigen Song inspirierte, der von all den Generationen angestimmt werden würde, die geboren werden, nachdem Bob sich dazu entschlossen hatte, seinem aktuellen Model die Meinung zu sagen. Sie musste immer noch an die Szene denken, in der ihr jemand sagte, dass Bob „Du bist es nicht, Süßer“ gehört hatte, als das Telefon in der Wohnung klingelte und eine frische, ausländische Stimme zu ihr sagte: „Bob Dylan will Sie sprechen.“ Sie stellte keine Frage, hörte sich lediglich sagen: „Ich würde ihn gern zum Abendessen einladen. Ich bin Köchin.“ Die Klarheit ist ein im Wind stehender Drachen. Sie schrieb eine Einkaufsliste, warf sich einen Kittel über und stapfte zum Gemüseladen. Sie dachte nicht lange nach, es war das Jahr des Drachens und alle Planeten tanzten um sie herum. Kochbananen, Süßkartoffeln, Shiitake-Pilze, Trauben … Kirschen. Ohne Unterlass versuchte sie sich an allen möglichen Zubereitungsarten: Dämpfen, Rohkost, Kochen, Pürieren, Backen, Braten. Von oben glich der Tisch einem Mandala oder den aufgefächerten Schwanzfedern eines Pfaus. Sie fragte sich gar nicht erst, ob sie nervös war. Wenn sie gerade nicht kochte, dann spülte sie etwas ab, schnitt sich die Haare oder lackierte sich die Zehennägel. Es klingelte. Er war da. Wie in diesen Träumen, in denen du dich sterben siehst, fürchtete sie, dass sich, wenn sie Bob sah, das Bild auflösen und sie in einem Doppelbett aufwachen würde, dessen Laken neben ihr unberührt geblieben waren. Doch sie ging runter zur Haustür, zusammen gingen sie wieder nach oben und tranken einen Fernet mit Soda-Wasser und Zitrone. Die Anlage war aus, aber aus allem, was er sagte, hörte sie einen Song heraus, während sie ihm mit übertriebenen Gesten seine Fragen beantwortete, was sie aßen, und wohin auf der Welt sie gereist war, bis er mit dem Hut aus Die Nacht des Jägers und einem Ohrring auf ein Buch zeigt und fragt: „Hast du Fogwill gelesen?“

Sie schreit. Platzt. Explodiert.

Sie macht einen Sprung, bis sie ihn mit der Hand, die das Glas hielt, am Ellbogen erwischt. Sie spricht mit dem alten Bob über den alten Frog. Sie wagt sogar einen sentimentalen und absurden Vergleich zwischen Los pichiciegos und Changing of the Guards. Aber als sie den alten Bob sagen hörte, „1978 habe ich auch mit einem Punkmädchen geschlafen“, macht sie das heiß und sie geht den Nachtisch holen: eine Kirsche.

Eine Kirsche.

„Das ist der Nachtisch“, sagte sie zum alten Dylan, der alles von einem Alten hat, einem alten Teufel, einem alten Weisen, einem alten Fogwill. Er biss ins prallere Bäckchen der Frucht und mit vom Saft purpurgefärbten Zähnen stößt er sie ins Bett. Und er ist schon nicht mehr der alte Dylan, dieser Crooner der Stadien, sondern der junge Judas der E-Gitarre. Und er leckte ihren Hals mit seiner poetischen Zunge, und sie fühlt sich eine Gitarre, einen Song, „It ain’t me, babe, no no no no“.
Doch dann wacht sie auf. Wacht auf in einem Doppelbett, die Laken auf der rechten Seite ist unberührt. Ihr Sohn schläft in seinem Zimmer. Autos fahren wie Sternschnuppen über die Autobahn. Sie nimmt zwei Schluck Wasser. Ins Esszimmer

zeichnet die Sonne

ihren Käfig.


La Marilyn Monroe de Santo Domingo

spanish | Frank Báez

Soy la Marilyn Monroe de Santo Domingo. 
Tengo seis pies cuatro pulgadas. 
Dos pulgadas más cuando uso tacos. 
Tengo un lunar en las nalgas. 
 
Salgo con poetas de los ochenta. 
Salgo con chiriperos, guachimanes, 
modelos, ingenieros, artistas plásticos,
levantadores de pesas, abogados, rubios,
funcionarios, toleteros, parqueadores de carros. 

Soy la asidua al Bingo,  
la que se mete en la cartera
su Hojas de Hierba
(traducción de León Felipe)
y se pierde en la nada. 
La que bebe café en las paradas,
la buscamacho, la pitonisa, la megapoeta,
la que llora al final de la película
sin que nadie la abrace. 
Soy monstruo que menstrua
la que se sienta en las barras a beber, 
se ajuma y le pone cara de asco
a todos los cueros y le quema las falditas
con los cigarrillos cuando pasan.
La que quiso secuestrar a Anthony Ríos.
La que se inyecta hormonas en las piernas.
Soy la Cicciolina.
Soy Tiresias.  
La que escribe encuera.
Ese mujerón que los espejos
de los moteles multiplican
cuando la ponen en cuatro.
La que se sienta en el último banco
de la iglesia con un ojo morado.
Miss Boca Chica mil novecientos noventa y cuatro.  
Esa que fuma en el malecón mirando
los barcos con luces encendidas.
La estudiante de segundo semestre de enfermería.
La rubia que maneja ambulancias, OMSAS,
voladoras, patanas. 

Soy la MARILYN MONROE DE SANTO DOMINGO. 
Soy la MARILYN MONROE DE SANTO DOMINGO. 
No, no, eso seguía ahí.
No me lo había mochado. 
No tenía dinero con qué. 
Así que un día pensé en hacer recitales
pa’ recolectar dinero y hacerme la operación.
Llamé por teléfono a mis amigos poetas.
Me acuerdo que pasaban una canasta
como en las misas
y yo me paraba ahí en el escenario
pin pun la Marilyn Monroe de Santo Domingo
leyendo mis versos y agradeciendo los aplausos. 
Gracias amigos poetas.
Gracias señor Ministro de Cultura.
Muchas gracias.

Me sigue una turba con piedras.
Me apedrean en la Mella. Me apedrean
en los Car Wash de San Isidro,
de los Mameyes, de la Charles y de Villa Mella. 
Detrás del estadio Quisqueya.
Me golpean, me vejan, me vocean.    
Me dan una salsa. 
Se echan arriba de mí uno a uno.
Yo me he perdido.
No estoy aquí.
Repito: yo me he perdido
y no sé cómo encontrarme.
Ando por los cuatro puntos cardinales buscándome
en procesión con todas las que fui
y con las que seré y con las que no he de ser.
Duermo en camas de hospitales,
pensiones, moteles, parques. 
Tomo duchas. Muchas duchas.
El tinte me resbala por la cara
y por el maquillaje.
Siento que me voy despedazando
y que los pedazos de mí van cayendo uno a uno
llevándoselos el agua de la ducha
que va cayendo y llevándome
hasta el desagüe.

Heme ahí en la cola de un Setenta. 
Bailando con tres hombres en un patio. 
Caminando con un taco doblado.
Masajeando turistas italianos. 
Sentada sobre mi maleta
pidiendo bolas en un cruce.
Se paran dos en un Toyota.
El que maneja me dice
Hola rubia mi amol pa dónde tu va
y yo respondo go LA
all the way down to LA

o sea, Los Alcarrizos. 
Me dejan trece kilómetros más allá.
Camino al otro lado de la pista
y ellos se quedan ahí mirándome
hasta que de este lado
se para un camión de Leche Rica
y me monto. 

(Abro un paréntesis aquí para advertir
que tienen que hacerse el examen del sida.
Yo me lo hago anual.
A más tardar se lo dan en una semana.
Ciento ochenta pesos por la UASD.)

Salgo con divorciados, viudos, ateos, curas, críticos de arte,
psicoanalistas, ex suicidas, salsómanos, pasoleros,
haitianos, pastores evangélicos, payasos, enfermos terminales,
esquizos, boxeadores arruinados. 

Despierto en Puerto Plata.
Tengo visiones en Azua.
Veo al Papa bailando salsa.
Veo iglúes en Haina y los Tres Brazos.
Esquimales en colmados. Pingüinos en Mao. 
San Agustín con las pestañas de Charityn. 
Ovnis abduciendo senadores y diputados.     

Hay un país en el mundo colocado en el mismo trayecto del sol.  
Hay en el mundo un mismo país colocado en el trayecto del sol.  
Hay el mismo trayecto del sol colocado en un país del mundo. 
Hay el trayecto del sol en el mismo mundo de un país colocado.  

Viajo a Nueva York con un pasaporte falsificado.

MARILYN MONROE caminando de nuevo por la Quinta Avenida. 
MARILYN MONROE CON UNA BARBA DE TRES DÍAS. 

Desayuno en Tiffanys.
Bebo Champagne en limosinas.  
Corro por mi vida en Corona.
Toco el acordeón en una esquina.  
Peleo en Soho.
Lloro frente al Hudson. 
Recito en el Nuyorican Café.
Decimeros, poetas y raperos
me lanzan ramilletes de flores.
Firmo autógrafos.
Reparto besos.
De repente las puertas estallan.
Los de migración me esposan.
Me empujan mientras
el público los abuchea y arroja botellas. 
Suenan disparos. 
Ellos me deportan.

Soy la Marilyn Monroe de Santo Domingo.
Me depilo entera.  
Me empolvo. Me maquillo.
Me pongo un abrigo de pieles
lista pal próximo recital.

Soy la MARILYN MONROE DE SANTO DOMINGO.
Soy la MARILYN MONROE DE SANTO DOMINGO.
Soy la MARILYN MONROE DE SANTO DOMINGO.
¿Qué se va a hacer?

© Frank Báez
from: Este es el futuro que estabas esperando
Bogotá: Editorial Seix Barral, 2017
Audio production: Haus für Poesie / 2017

Die Marilyn Monroe Santo Domingos

german

Ich bin die Marilyn Monroe Santo Domingos.
Ich bin ein Meter 93 groß.
Fünf Zentimeter größer, wenn ich Absätze trage.
Ich habe einen Leberfleck am Po.

Ich gehe mit den Dichtern der Achtziger aus.
Gehe aus mit Glückspilzen, Securityleuten,
Modells, Ingenieuren, Künstlern,
Gewichthebern, Anwälten, Blonden,
Beamten, Schlägern, Autoeinparkern.

Ich bin eine ausdauernde Bingo-Spielerin,
bin die, die ihre Leaves of Grass
(in der Übersetzung von Léon Felipe)
in die Handtasche steckt
und sich irgendwo verirrt.
Die, die an Haltestellen Kaffee trinkt,
die Männchensucherin, die Niedliche, die Superdichterin,
die, die am Filmende heult
und niemanden hat, der sie dabei umarmt.
Ich bin das Monster, das menstruiert,
die, die sich an die Bar setzt, um zu trinken,
sich beschwipst und alle Nutten
angeekelt ansieht und ihnen die Röckchen ansengt
mit einer Zigarette, wenn sie vorbeigehen.
Die, die Anthony Ríos entführen wollte.
Die, die sich Hormone in die Beine spritzt.
Ich bin die Cicciolina.
Bin die weibliche Tiresias.
Die, die nackt schreibt.
Dieses Vollweib, das die Spiegel
der Motels vervielfachen,
wenn sie auf alle viere geworfen wird.
Die, die sich in der Kirche
mit einem blauen Auge in die letzte Reihe setzt.
Miss Kleiner Mund neunzehnhundertvierundneunzig.
Die, die an der Strandpromenade raucht und die Schiffe
mit leuchtenden Lichtern betrachtet.
Die Krankenschwester im zweiten Ausbildungsjahr.
Die Blondine, die Krankenwagen fährt, OMSA-Busse,
Minibusse, Sattelschlepper.

Ich bin die MARILYN MONROE SANTO DOMINGOS.
Ich bin die MARILYN MONROE SANTO DOMINGOS.
Nein, nein, der ist immer noch dran.
Ich hab ihn mir nicht abschnippeln lassen.
Ich hatte kein Geld.
Also dachte ich eines Tages, ich sollte Lesungen organisieren
Um Kohle einzutreiben und mich zu operieren.
Ich rief meine Dichterfreunde an.
Ich erinnere mich, dass sie ein Körbchen rumgehen ließen
wie im Gottesdienst
und ich stand auf der Bühne
Ta ta ta ta die Marilyn Monroe Santo Domingos
las meine Verse und bedankte mich für den Applaus.
Danke, liebe Dichterfreunde.
Danke, Herr Kulturminister.
Vielen Dank.

Mich verfolgt ein Mob mit Pflastersteinen.
Sie steinigen mich in der Mella. Steinigen mich
in den Car Washs von San Isidro,
von Los Mameyes, von Charles und von Villa Mella.
Hinter dem Stadion Quisqueya.
Sie schlagen mich, belästigen mich, schreien mich an.
Sie traktieren mich nach allen Regeln der Salsa.
Sie werfen sich einer nach dem andern auf mich.
Ich habe mich verirrt.
Ich bin nicht hier.
Ich wiederhole: ich habe mich verlaufen.
und ich weiß nicht, wie ich wieder zu mir finde.
Ich gehe in alle vier Himmelsrichtungen, um mich zu suchen
Mit mir alle, die ich gewesen bin
und die ich sein werde und die ich nicht sein muss.
Ich schlafe in Krankenhausbetten,
Pensionen, Motels, Parks.
Ich dusche mich. Dusche mich oft.
Die Tusche läuft mir übers Gesicht
und das Makeup.
Ich fühle, dass ich zerbröckele
und die Stückchen von mir eines ums andere zu Boden fallen
dass mich das Duschwasser mitreißt
das auf mich prasselt und mich
bis zum Abfluss spült.

Da bin ich in der Schlange des 70er-Busses.
Tanze mit drei Männern in einem Hinterhof.
Gehe mit einem umgeknickten Absatz.
Massiere italienische Touristen.
Sitze auf meinem Koffer
an einer Kreuzung und trampe.
Zwei in einem Toyota halten an.
Der Fahrer fragt.
Hi Blondy, wo willst du hin, Schätzchen?
Und ich antworte go LA
All the way down to LA

Das heißt nach Los Alcarrizos.
Sie setzen mich dreizehn Kilometer davor ab.
Ich gehe auf die andere Straßenseite
und sie bleiben stehen, beobachten mich
bis auf meiner Seite
ein Milchlaster von Leche Rica hält
und ich einsteige.

(Ich öffne eine Klammer, um darauf hinzuweisen,
dass ihr einen AIDS-Test machen müsst.
Ich mache jährlich einen.
Allerspätestens in einer Woche bekommst du das Ergebnis.
Für hundertachtzig Pesos in der Uni)

Ich gehe aus mit Geschiedenen, Witwern, Atheisten, Priestern, Kunstkritikern,
Psychoanalytikern, Ex-Selbstmördern, Salsasüchtigen, Rollerfahrern,
Haitianern, Baptistenpredigern, Clowns, Sterbenskranken,
Schizzos, abgebrannten Boxern.

Ich wache in Puerto Plata auf.
Habe Visionen in Azua.
Sehe den Papst Salsa tanzen.
Sehe Iglus in Haina und Los Tres Brazos.
Eskimos in Tante-Emma-Läden. Pinguine in Mao.
Den Heiligen Augustin mit den Wimpern von Charytín.
Ufos die Senatoren und Abgeordnete entführen.

Es gibt ein Land in der Welt gesetzt genau in den Weg der Sonne.
Es gibt in der Welt genau ein Land gesetzt in den Weg der Sonne.
Es gibt genau den Weg der Sonne gesetzt in ein Land der Welt.
Es gibt den Weg der Sonne in genau der Welt eines gesetzten Landes.

Ich reise nach New York mit einem gefälschten Pass.

MARILYN MONROE spaziert wieder über die Fifth Avenue.
MARILYN MONROE MIT EINEM DREITAGEBART.

Ich frühstücke im Tiffanys.
Trinke Champagner in Limousinen.
Renne um mein Leben in Corona.                
Spiele an einer Ecke Akkordeon.
Kämpfe in Soho.
Weine am Hudson.
Trete auf im Nuyorican Café.
Narren, Dichter und Rapper
werfen mir Blumensträuße zu.
Ich gebe Autogramme.
Verteile Küsse.
Plötzlich knallen die Türen.
Die Grenzer verpassen mir Handschellen.
Sie stoßen mich, während
das Publikum sie ausbuht und Flaschen wirft.
Schüsse erklingen.
Sie schieben mich ab.

Ich bin die Marilyn Monroe Santo Domingos.
Ich depiliere mich am ganzen Körper.
Pudere mich. Schminke mich.
Schlüpfe in meinen Fellmantel,
bereit für die nächste Lesung.

Ich bin die Marilyn Monroe Santo Domingos.
Ich bin die Marilyn Monroe Santo Domingos.
Ich bin die Marilyn Monroe Santo Domingos.
Was sonst!

Aus dem dominikanischen Spanisch von Timo Berger

Breve conversación con el mar Caribe

spanish | Frank Báez

Te cuento que el otro día conocí
al mar Mediterráneo y fue un poco
como conocer un actor olvidado. 

Caminé por el malecón oyendo
sus olas que sonaban como 
la tos de un Joe Pesci asmático. 

Aunque más que un actor olvidado  
el mar recordaba las momias que
exhiben en el museo del Cairo. 

Nada que ver contigo, mar Caribe,
que esta tarde tienes tanto vigor que
parece que vienes del gimnasio.  

No sé si te prefiero cuando
te tiendes manso y reposas como
un león en medio de la pradera.

O cuando te enfureces y ruges
e intentas sodomizar la costa
a la manera de Marlon Brando

en El último Tango en París
Los pelícanos y las gaviotas se
te escurren de los dedos cuando

intentas atraparlos, es como si
quisieras salirte del lecho,   
pero tus cadenas te sostienen

con tanta fuerza que no te queda
de otra que gritar y despotricar.   
Di la verdad, ¿no te molestan

los cruceros con ancianos
y toda esa basura que te arrojamos?           
Te hemos envenenado, contaminado.  

El año pasado tus costas tenían
tantas algas que parecía que
en nuestras playas un turista 

te contagió la sífilis.
Yo me dije esto se ve feo.
Y me pregunté si este no era el fin.  

Pero en vez de mandar un tsunami
y desquitarte de nuestras ciudades
y borrar del mapa a Miami, 

volviste a pacer tu rebaño de olas
que balaban en paz y en armonía
a lo largo y ancho de la costa. 

¿Qué más te digo? Eres el mar
de mi infancia, me he pasado
la vida descifrando tus palabras.

Ambos hemos envejecido, pero
a pesar del paso del tiempo 
sigo viniendo a este arrecife

a conversar contigo con la
misma inocencia de cuando
era niño y paseando por

tus playas recogí una caracola
y me la llevé al oído y tú me
hablaste por primera vez. 

© Frank Báez
from: Este es el futuro que estabas esperando
Bogotá: Editorial Seix Barral, 2017
Audio production: Haus für Poesie / 2017

Kurzes Gespräch mit dem Karibischen Meer

german

Hab ich dir erzählt, dass ich neulich das Mittelmeer
kennengelernt habe? Das war ein bisschen so
wie einen in Vergessenheit geratenen Schauspieler kennen zu lernen.

Ich spazierte über die Strandpromenade und hörte
seine Wellen, die wie das Husten
eines asthmatischen Joe Pesci klangen.

Dabei erinnert das Meer weniger an einen in Vergessenheit
geratenen Schauspieler als an die Mumien,
die im Museum in Kairo ausgestellt sind.

Kein Vergleich mit dir, Karibisches Meer,
das du heute Nachmittag so viel Kraft hast,
als würdest du gerade aus dem Fitnessstudio kommen.

Ich weiß nicht, ob ich dich lieber mag, wenn du
friedlich räkelst und ausruhst
wie ein Löwe mitten auf einer Weide.

Oder wenn du wild wirst und tobst
und versuchst, die Küste von hinten zu nehmen
so wie Marlon Brando

in Letzter Tango in Paris.
Die Pelikane und die Möwen
entwischen Deinen Fingern, wenn

du versuchst, sie zu fangen, es ist
als wolltest du dein Bett verlassen
aber deine Ketten halten dich zurück

mit solcher Kraft, dass dir nichts anderes
bleibt, als zu schreien und zu schimpfen.
Sei ehrlich, nerven dich nicht

die Kreuzfahrtschiffe mit den Rentnern
und der ganze Müll, mit dem wir dich bewerfen?
Wir haben dich vergiftet, verschmutzt.

Im letzten Jahr wuchsen an deinen Küsten
so viele Algen, dass es so aussah,
als hätte dich ein Tourist

an unseren Stränden mit Syphilis angesteckt.
Ich dachte, das sieht hässlich aus.
Und fragte mich, ob so nicht das Ende wäre.

Aber statt einen Tsunami zu schicken
und dich schadlos an unseren Städten zu halten
und Miami von der Landkarte zu löschen,

ließest du deine Herde von Wellen wieder weiden
die die ganze Küste entlang
in Frieden und Harmonie blökten.

Was bleibt mir zu sagen? Du bist das Meer
meiner Kindheit, ich habe mein Leben
damit verbracht, deine Worte zu entschlüsseln.

Wir sind beide älter geworden, doch
obwohl Zeit vergangen ist
komme ich immer noch an dieses Riff,

um mit dir zu reden mit derselben Unschuld,
wie damals, als ich Kind war
und auf einem Spaziergang

über deine Strände eine Muschel aufhob
und sie mir ans Ohr setzte und du
zum ersten Mal mit mir sprachst.

Aus dem dominikanischen Spanisch von Timo Berger

Mi amigo camina hacia el silencio

spanish | Frank Báez

Mi amigo decidió
que no iba a escribir más
estaba sentado en el metro
en dirección a su casa
tarde en la noche
cuando se dijo
que no más
que ya no es necesario
que uno sencillamente puede
dejar de escribir y renunciar
como uno de esos árboles
que en primavera se niegan a que
sus hojas broten
y eso hizo mi amigo
decidió que no iba a escribir más
y que cuando le viniera
el impulso
lo iba a ignorar
o mejor aún
iba aprovechar esa energía
para hacer otra cosa
como caminar
y eso hizo
se puso a caminar
por Manhattan
y cuando le preguntaron
hacia dónde iba
él respondía que caminaba
hacia el silencio y bueno el silencio
no existe
el silencio es una metáfora
en un experimento John Cage demostró
que no existe el silencio
se metió en una cámara a prueba de sonido
y se dio cuenta de que en todo momento
seguimos escuchando
el latido de nuestro corazón
o la circulación de la sangre
es decir que nuestro cuerpo es lenguaje
o mejor aún que el lenguaje es vida
pero a mi amigo esto no le interesa
y sigue caminando
en busca del silencio
y pronto hundirá sus zapatos en la nieve
y avanzará como si fuese el primer
explorador que alcanza las regiones del silencio
y los copos de nieve caerán cada vez más rápido
como queriendo sepultarlo
y sus pasos en la nieve resonarán
al igual que sus versos que solo cesarán
cuando alcance el silencio
y la nieve borre una a una sus huellas y su cuerpo
y la ciudad blanca como una hoja de papel.

© Frank Báez
from: Este es el futuro que estabas esperando
Bogotá: Editorial Seix Barral, 2017
Audio production: Haus für Poesie / 2017

Mein Freund nähert sich der Stille

german

Mein Freund hat beschlossen
nicht mehr zu schreiben
er saß in der Metro
auf dem Nachhauseweg
spät nachts
als er sich sagte
dass es reicht
dass es nicht mehr notwendig sei
dass man einfach aufhören kann
mit dem Schreiben und künftig darauf verzichten
wie einer der Bäume
die sich im Frühling weigern
ihre Blätter sprießen zu lassen
das tat mein Freund
er beschloss, nicht mehr zu schreiben
und sollte der Impuls
ihn doch überkommen
dann würde er ihn ignorieren
oder, besser noch
die Energie nutzen
um etwas anderes zu tun
wie spazieren gehen
und das tat er
er ging in Manhattan
spazieren
und als er gefragt wurde
wo er hinginge
sagte er, er spaziere
auf die Stille zu, nun ja, die Stille
gibt es nicht
die Stille ist eine Metapher
mit einem Experiment zeigte John Cage
dass die Stille nicht existiert
er schlüpfte in eine Kammer, um ihren Klang zu testen
und bemerkte, dass wir in jedem Augenblick
unseren Herzschlag
unsere Blutzirkulation
hören
das heißt, unser Körper ist Sprache
oder besser noch, dass die Sprache Leben ist
aber meinen Freund interessiert das nicht
er spaziert weiter
auf der Suche nach der Stille
bald tauchen seine Schuhe in den Schnee
er schreitet voran, als wäre er der erste
Entdecker, der die Regionen der Stille erreicht
und die Flocken fallen immer schneller
als wollten sie ihn begraben
und seine Schritte knirschen im Schnee
genauso wie seine Verse, die erst abbrechen
wenn er die Stille erreicht
und der Schnee seine Spuren eine nach der anderen löscht, und sein Körper
und die Stadt weiß wie ein Blatt Papier.

Aus dem dominikanischen Spanisch von Timo Berger

Una epístola para Walt Whitman

spanish | Frank Báez

Querido Walt, te escribo para contarte
cómo tu barba ha inspirado a mi generación
más que tu poesía.
 
Estoy en el futuro observando una foto
que tomaron en mil novecientos setenta y nueve
cuando yo tenía un año y mi papá tenía treinta y uno
y donde este me carga detrás de un retrato tuyo.
 
Mi papá tiene una barba rala.
Y tú tienes tu poderosa barba whitmaniana,
y ahora que el tiempo ha pasado
comprendo que era una premonición
de que yo también acabaría con barba.
 
Me la dejé crecer hace unos años.
No fue nada planificado.
Fue creciendo así como una hiedra
que crece misteriosamente en el patio. 
Y creció en mi cara y fue bien recibida
en una época en que quienes se dejaban la barba
eran talibanes o terroristas.
Pero yo la dejé que siguiera creciendo
y entonces cada vez más aparecían barbudos
y llegaron los hipsters con sus bigotes y sus barbas
las cosas inmediatamente cambiaron
y los barbudos se pusieron de moda 
como en el medio oriente
y a nadie más le volvieron a vocear terrorista
por tener la barba larga
ya que ahora con una barba lucías cool
y hasta los policías y las mujeres se las dejaban
y en los aeropuertos no volvieron a verme raro
y en migración me dejaban pasar
sin cuestionarme de más
y sin llamarme Osama. 
 
Ahora de cada dos hombres hay uno con barba
y cada vez que veo un barbudo
con una mujer hermosa de la mano 
siento que el mundo va por buen camino
y sé que este asunto de la barba
ha molestado a los lampiños
que no saben qué hacer
y están los bigotudos
que no se quieren quedar atrás
y que han empezado
a dejarse crecer la barba
y juran que siempre han sido barbudos
como si uno no se diera cuenta.
 
Y los he visto paseando en bicicletas, 
en picnics tomando té y galletas,
paseando perros y jugando con gatos.
Los he visto temprano en las mañanas
de pie en sus baños
aceitando y peinando sus barbas.
 
Querido Walt, he visto el puente de Brooklyn al atardecer
lleno de niños con barbas largas como la tuya.
Y a veces pienso que fue a ellos
a quienes te dirigiste cuando escribiste
los versos de «Cruzando en el ferry de Brooklyn»
y que quizás esa vez tuviste una visión profética
y alcanzaste a verlos a todos ahí arriba
con sus barbas paseándose en el puente de Brooklyn
que por cierto también era parte de la visión
ya que en esos días el puente tampoco existía.

© Frank Báez
from: Este es el futuro que estabas esperando
Bogotá: Editorial Seix Barral, 2017
Audio production: Haus für Poesie / 2017

Brief an Walt Whitman

german

Lieber Walt, ich schreibe dir, um dir zu erzählen
dass meine Generation weniger von deiner Poesie
als von deinem Bart inspiriert wurde.

Ich bin in der Zukunft und betrachte ein Foto
das neunzehnhundertneunundsiebzig gemacht wurde
als ich ein Jahr alt war und mein Vater einunddreißig
und mich vor einem Porträt von dir auf dem Arm hält.

Mein Vater hat einen spärlichen Bartwuchs.
Und du hast deinen mächtigen Whitman’schen Bart,
und jetzt, da die Zeit vergangen ist,
verstehe ich, dass es ein Omen dafür war,
dass ich auch einen Bart tragen würde.

Ich habe ihn mir vor ein paar Jahren stehen lassen.
Es war gar nicht geplant.
Er wuchs wie Efeu,
das auf mysteriöse Weise im Hof sprießt.
Er wuchs in meinem Gesicht und kam gut an
in einer Zeit, in der die, die sich einen Bart stehen ließen,
Taliban oder Terroristen waren.
Aber ich ließ ihn weiterwachsen
und dann gab es immer mehr mit Vollbart
und dann die Hipster mit ihren Schnauzern und Bärten
und alles wurde anders
der Vollbart kam in Mode
wie im Nahen Osten
und niemandem wurde mehr „Terrorist“ entgegengerufen
weil er einen langen Bart trug
denn mit Bart sah man cool aus
sogar Polizisten und Frauen ließen sich einen stehen
und an den Flughäfen wurde ich nicht misstrauisch beäugt
bei der Einreise ließen sie mich durch
ohne allzu viele Fragen
und ohne mich Osama zu nennen.

Jetzt trägt einer von zwei Männern Bart
immer wenn ich einen mit Vollbart sehe
eine schöne Frau an der Hand
spüre ich, dass die Welt auf dem richtigen Weg ist
und ich weiß, dass das mit dem Bart
jetzt die Bartlosen stört,
die nicht wissen, was sie tun sollen
und dann sind da noch die Schnauzbartträger
die nicht außen vor sein wollen
und die angefangen haben,
sich den Bart wachsen zu lassen
und schwören, sie hätten schon immer Vollbart getragen,
als ob einem das nicht auffallen würde.

Ich habe sie auf dem Fahrrad gesehen,
auf Picknicks Tee trinken und mit Katzen spielen.
Ich habe sie am frühen Morgen
in ihren Badezimmern gesehen,
wie sie ihre Bärte kämmten und einölten.

Lieber Walt, ich habe die Brooklyn-Brücke in der Abenddämmerung gesehen
Sie war voller Jungs mit langen Bärten so wie deiner.
Und manchmal denke ich, du hast dich an sie gerichtet,
als du die Verse von Auf der Brooklyn Fähre schriebst
und dass du damals vielleicht eine prophetische Vision gehabt hast
und alle dort oben gesehen hast
wie sie mit ihren Bärten über die Brooklyn-Brücke spazieren
die natürlich auch Teil deiner Vision war
denn damals gab es die Brücke noch nicht.

Aus dem dominikanischen Spanisch von Timo Berger

En la Biblia no aparece nadie fumando

spanish | Frank Báez

Pero qué tal si Dios o los que escribieron la Biblia
se olvidaron de agregar los cigarros
y en realidad todas esas figuras bíblicas
se pasaban el día entero fumando
al igual que en los cincuenta en que se podía fumar
en los aviones y hasta en la televisión
y yo imagino a todos esos gloriosos judíos
llevándose sus cigarrillos a los labios
y expulsando el humo por las narices
en lo que aguardan
por sus visiones o porque Dios les hable,
e imagino a David tocando el harpa
en un templo lleno de humo,
a Abraham fumando cigarro tras cigarro
antes de decidirse a matar a Isaac,
a María fumando antes de darle a José
la noticia de que está embarazada,
e incluso imagino a Jesús sacando un cigarro
de detrás de la oreja y fumando
para relajarse antes de dirigirse a las multitudes
reunidas en torno suyo.
Yo no soy un fumador.
Pero a veces me vienen ganas y fumo
como en este instante en que miro la lluvia
caer tras la ventana
y me siento como Noé cuando esperaba
que pasara el diluvio y se la pasaba
de arriba a abajo por toda el arca
buscando donde había puesto
esa maldita cajetilla.

© Frank Báez
from: Este es el futuro que estabas esperando
Bogotá: Editorial Seix Barral, 2017
Audio production: Haus für Poesie / 2017

Niemand raucht in der Bibel

german

Was wäre, wenn Gott oder die, die die Bibel geschrieben haben
die Zigaretten vergessen hätten
und all die biblischen Figuren eigentlich
den ganzen Tag geraucht hätten
genauso wie in den Fünfzigern, in denen man in Flugzeugen
und sogar im Fernsehen rauchen durfte
und ich stelle mir all die glorreichen Juden vor
wie sie sich die Zigaretten zwischen die Lippen stecken
und den Rauch durch die Nase blasen
während sie auf Visionen warten
oder darauf, dass Gott zu ihnen spricht,
und ich stelle mir David vor, wie er
in einem verqualmten Tempel Harfe spielt,
Abraham, der sich eine nach der anderen ansteckt,
bevor er sich entscheidet, Isaak zu opfern,
Maria, die raucht, bevor sie Joseph gesteht,
dass sie schwanger ist,
und ich stelle mir sogar vor, wie Jesus eine Zigarette
hinterm Ohr hervorzieht und raucht,
um sich zu entspannen, bevor er zu den Massen spricht,
die sich um ihn versammelt haben.
Ich bin kein Raucher.
Aber manchmal bekomme ich Lust und rauche
Wie in diesem Augenblick, in dem ich den Regen betrachte
der hinter der Scheibe fällt
und ich fühle mich wie Noah, der darauf wartete
dass die Sintflut nachließ und der
die ganze Arche auf- und abging
auf der Suche nach der Stelle,
wo er das verfluchte Päckchen hingelegt hatte.

Aus dem dominikanischen Spanisch von Timo Berger

Anoche soñé que era un DJ

spanish | Frank Báez

Llamo por teléfono a Miguel y le pregunto
si piensa que me iría mejor de DJ o como poeta
y Miguel responde que siga como poeta.
Mi novia también dice que como poeta.
El hermano de mi novia dice que como poeta
y una jevita que hacía una fila en el cine
y que recién conocí dice que como DJ.

Las menores me ven más como DJ
y las mujeres que compran en el supermercado
dicen que persista con los poemas.

Mi mamá dice que como poeta.
El plomero dice que poeta.
Los cinco poetas que conozco me dijeron
que me iría mejor como DJ.
Mi hermana se abstuvo de votar.

Fui a ver a DJ Tiesto
y una gringa me tomó de las manos
y me explicó que los DJ son criaturas de Dios.
Son ángeles, dijo y mientras hablaba
yo imaginaba a los DJ volando
con sus turntables alrededor de Dios
como si fueran mosquitos y Dios los espantara
con la mano.

Pero bueno, la cuestión es si los poetas y los DJ
se pueden conciliar.
Si pueden ser uno,
si es posible escribir con una mano poemas
y con la otra pinchar discos,
si se puede ser mitad poeta y mitad DJ,
si del ombligo para arriba soy poeta
y del ombligo para abajo soy DJ
o al revés
o quizás que un poeta se convierta
en DJ las noches de luna llena
o quizás estoy exagerando
y en el fondo todo DJ quiere ser poeta
y todo poeta quiere ser DJ.

Hay una fábula en donde un DJ y un poeta
caen en un pozo.
Empiezan a vocear y a vocear hasta
que un hombre se asoma y les tira una
cuerda para irlos subiendo poco a poco.
Sube al DJ primero y cuando se la
arrojan al poeta este grita que lo dejen abajo
y el hombre y el DJ así lo hacen, aguardan
en silencio y se marchan al rato.

© Frank Báez
from: Este es el futuro que estabas esperando
Bogotá: Editorial Seix Barral, 2017
Audio production: Haus für Poesie / 2017

Heute Nacht träumte ich, ich wäre ein DJ

german

Ich rufe Miguel an und frage ihn
ob ich mehr Erfolg als DJ oder als Dichter hätte
und Miguel sagt, ich solle es weiter als Dichter versuchen.
Meine Freundin sagt, weiter als Dichter.
Der Bruder meiner Freundin sagt auch: als Dichter
und eine Schnecke in der Kinoschlange,
die ich gerade kennengelernt habe, sagt, als DJ.

Die Jüngeren sehen in mir den DJ
und die Frauen, die im Supermarkt einkaufen
sagen, ich soll weiter Gedichte schreiben.

Meine Mama sagt, als Dichter.
Der Klempner sagt, Dichter.
Die fünf Dichter, die ich kenne, meinen,
ich hätte mehr Erfolg als DJ.
Meine Schwester enthält sich der Abstimmung.

Ich bin aufs Konzert von DJ Tiesto gegangen
und eine Amerikanerin nahm meine Hände
und erklärte mir, DJs seien Geschöpfe Gottes.
Sie seien Engel, sagte sie und als sie sprach
stellte ich mir vor, wie die DJs
mit ihren Turntables wie Fliegen
um Gott herumflatterten, der sie
mit der Hand verscheuchte.

Die Frage ist doch, ob sich Dichter und DJs
vertragen können.
Ob sie eins sein können,
ob es möglich ist, mit der einen Hand Gedichte zu schreiben
und mit der anderen Platten aufzulegen,
ob man halb Dichter, halb DJ sein kann,
ob ich vom Bauchnabel nach oben Dichter
und vom Bauchnabel nach unten DJ bin
oder umgekehrt
oder vielleicht verwandeln sich Dichter
in Vollmondnächten in DJs
oder – vielleicht übertreibe ich –
will jeder DJ im Grunde doch Dichter sein
und jeder Dichter DJ.

Man erzählt sich, dass einmal ein DJ und ein Dichter
in eine tiefe Grube fielen.
Sie schrien so lange bis
ein Mann erschien und ihnen ein Seil
zuwarf, um sie langsam nach oben zu ziehen.
Der DJ kam zuerst heraus und als sie das Seil
zu dem Dichter hinunterließen, schrie der, er wolle unten bleiben
der Mann und der DJ erfüllten seinen Wunsch
warteten schweigend ein Weilchen und gingen dann.

Aus dem dominikanischen Spanisch von Timo Berger

WEIL BROTHERS

spanish | Sergio Raimondi

Una de las «cuatro grandes» compañías exportadoras
afincadas en la Argentina a fines del siglo diecinueve
éxtasis de la división internacional de la producción

Es decir: rápida expansión de la frontera agrícola local
siembra al voleo de maíz y variedad de trigo Barletta
en el aire una mano de las millones de manos arribadas

de la península itálica o ibérica con una memoria secular
de los ritmos fértiles de Ceres y las fiestas lupercalias
completamente inútil para estos suelos sin roca y casi

sin linde para arrendar mal y pagar con una cosecha
potencial ante el granizo y el retorno de la langosta
o de los braceros y crotos de todo tipo para la siega

el uso de la espigadora si se invirtió en capital parvas
más parvas parvas trilla y largo trecho a la estación
tras el embolsado obligado la estiba alta en el carro

y la pérdida de uno que otro cero ante la ignorancia
de los movimientos bruscos de ascenso y descenso  
de los precios en pizarras del otro lado del mundo

cablegramas desde Londres o Rotterdam o Amberes
para distribuir la información a los agentes zonales de,
bueno, p. ej. esta empresa cuyas rentas financiaron

durante años los estudios de la Escuela de Frankfurt
dedicados a superar con elegancia la visión ortodoxa
economicista y mecanicista de base–superestructura.

© Sergio Raimondi
from: Para un diccionario crítico de la lengua (unpublished)
Audio production: Haus für Poesie / 2017

WEIL BROTHERS

german

Eine der »vier großen« Exportgesellschaften, gegen
Ende des 19. Jahrhunderts in Argentinien ansässig,
der Hochphase der internationalen Produktionsteilung,

das heißt: schnelle Expansion der heimischen Anbaugrenze,
Breitsaat von Mais und Barletta-Weizen, erhoben die Hand,
eine der Millionen Hände, frisch von der italienischen

oder iberischen Halbinsel mit ihrem uralten Wissen um
die Fruchtbarkeit der Ceres und die Lupercalien, das man
für Äcker ohne Lesesteine und fast ohne Rain nicht braucht,

deren teure Pacht man mit der unabsehbaren Ernte begleicht,
wenn Hagel droht oder die Rückkehr der Heuschrecken oder
der Landarbeiter und Lumpenproletarier für die Mahd,

der Einsatz des Mähbinders, so man investiert hat, Garben,
mehr Garben, Garben dreschen und der lange Weg bis
zum Bahnhof, nachdem man abgefüllt und im Wagen

hoch gestapelt hat, eine Null mehr oder weniger verloren hat, weil
man den jähen Wechsel zwischen Anstieg und Verfall der
Preise an den Tafeln auf der anderen Seite der Welt nicht

kennt, aus London, Rotterdam oder Antwerpen kommen
Telegramme mit den Notierungen für die Gebietsvertreter,
von zum Beispiel dieser Firma, deren Gewinne über Jahre

die Forschungen der Frankfurter Schule finanzierten,
die das orthodoxe ökonomische und mechanistische
Trugbild von Basis und Überbau elegant zu überwinden trachtete.

Übersetzung aus dem argentinischen Spanisch von Timo Berger.

ESCALATOR

spanish | Sergio Raimondi

Cada vez que se aproxima el extremo contrario
donde los rígidos peldaños acanalados pierden
la apariencia de su forma y se vuelven cinta

continua lanzada a rehacer la operación otra vez
según una mecánica capaz de instalar el concepto
de que cuenta la circulación no un rumbo eventual

de hecho el sentido es reversible y arriba y abajo
intercambiables mediante un simple dispositivo
pasible de fallar sin embargo ante el uso frecuente

convendría no voy a decir detenerse a reflexionar
no se trata de favorecer el riesgo de un accidente
pero sí reflexionar desde ese mismo movimiento

sobre el devenir de las sustancias y las compañías
rinde reconvertido en base a una tasa de ganancia
que interminablemente asciende o de pronto cae

aleación ayer usada para dejar en el aire vestigios
explosivos de una munición de cañón de sesenta
a veinticuatro milímetros y que ahora en el descanso

aparente, inicial o final de esta escalera automática
indica el pasaje de un paradigma de la guerra a otro:
fusión figurada THYSSENKRUPP en el acero fundido.

© Sergio Raimondi
from: Para un diccionario crítico de la lengua (unpublished)
Audio production: Haus für Poesie / 2017

ESCALATOR

german

Sobald man sich dem anderen Ende nähert, an dem
die starren Stufen mit den Rillen ihre Erscheinungsform
verlieren und wieder ein fortlaufendes Band

werden, das die Verwandlung noch einmal durchläuft,
gemäß einem Mechanismus, der die Idee durchsetzt,
dass es auf den Kreislauf, nicht auf die Richtung ankommt

– die Beförderung ist tatsächlich umkehrbar, ob es nach oben
oder nach unten geht, mithilfe einer einfachen Apparatur,
die bei häufigem Gebrauch jedoch ausfallen kann –,

dann sollte man – ich sage jetzt nicht anhalten,
um nachzudenken, man muss keinen Unfall riskieren,
aber doch aus dieser Bewegung heraus nachdenken

über das Werden der Stoffe und der Konzerne,
ein Geschäftsmodell, neu ausgerichtet an der Profitrate,
die unendlich steigt oder plötzlich fällt,

eine Legierung, die man gestern verwendete, um in der Luft
Spuren einer Mörsergranate Kaliber sechzig bis vierundzwanzig
Millimeter zu hinterlassen, und die jetzt in dem zweckmäßigen

Treppenabsatz am Anfang oder Ende der Rolltreppen den Übergang
von einem Kriegsparadigma zu einem anderen im Gussstahl
anzeigt: die metaphorische Verschmelzung von THYSSENKRUPP.

Übersetzung der Gedichte aus dem argentinischen Spanisch von Timo Berger.
Aus: Sergio Raimondi. Für ein kommentiertes Wörterbuch/Para un diccionario crítico de la lengua. Berlin: Berenberg, 2012

FISH BLOCK

spanish | Sergio Raimondi

Porque por supuesto aún la misma fluidez del pez en el agua
a ver, mas específicamente: ese vértice agudo y extendido
de la merluza de cola magallánica útil para moverse en orden
múltiple a cien dos tres cuatrocientos metros de profundidad
vuelta otra vez a las capas altas del Atlántico y Pacífico sur
ha de terminar compactada solidificada congelada embalada
para asumir así la forma vigente de la producción industrial


paralelogramo premium de siete kilos y medio de filet de hoki
medida estandarizada y universal de la lengua y las máquinas 
comercio y transporte a través de parelelogramos semejantes
ángulos sin imperfecciones y una superficie alisada de vacío
exacta para diluir los movimientos de la mano que enviscera
extrae el epitelio y se dispone ya a realizar el despinado fino
a bordo de un arrastrero cuya bandera no importa demasiado.

© Sergio Raimondi
from: Para un diccionario crítico de la lengua
Audio production: Haus für Poesie / 2017

FISH BLOCK

german

Ja sogar noch die Wendigkeit des Fischs im Wasser, also die spitz zulaufende Flosse des Langschwanz-Seehechts, mit der er in zwei-, drei-, vierhundert Metern Tiefe im Schwarm mit hundert anderen schwimmt, endet – nun wieder in den oberen Schichten des Südatlantiks oder -pazifiks – gepresst gehärtet gefroren verpackt und erhält so eine industrielle Produktionsform, ein Premiumparallelogramm aus

 

siebeneinhalb Kilo Hokifilet, standardisiertes und universales Maß der Sprache und der Maschinen, das man in ähnlichen Parallelogrammen handelt und transportiert, makellose Kanten und eine durchs Vakuumieren geglättete Oberfläche verbergen die Bewegungen der Hand, die den Fisch ausnimmt, Drüsengewebe herausschabt und Gräten entfernt an Bord eines Trawlers, der unter einer beliebigen Flagge fährt.

Übersetzung der Gedichte aus dem argentinischen Spanisch von Timo Berger.

悬挂 (XUÁNGUÀ)

spanish | Sergio Raimondi

Dejemos de lado el carácter monumental de la obra
parte de la planificación destinada a transformar
usando un tercio del acero y la mitad del hormigón
que se produce a lo largo y a lo ancho del planeta
un paisaje milenario con infraestructura de avanzada;

testimonio concreto --en principio en sentido literal--
del crecimiento del PBI desde la apertura gradual
peculiar e incesante hacia la economía de mercado
y por tanto también demostración de la magnitud
omnipresente y superior de la instancia del Partido;

tampoco abordemos la relación entre la dimensión
colosal del proyecto y el tamaño igualmente colosal
de una reserva de mano de obra en movimiento
constante de las zonas rurales a las zonas urbanas
y cuya ocupación es garantía de conflictividad baja;

y ni siquiera pongamos a consideración la cuestión
más específica del desafío de ingeniería involucrado
en la edificación de este interminable puente colgante
capaz de superar en suspensión la corriente del Yangtsé
que parte el amplio territorio en dos amplias mitades

con el fin de sostener la autopista futura Pekín-Shangai
mediante cables ultrarresistentes de gran espesor
hechos en realidad cada uno de miles y miles de cables
que parten de dos bloques de anclaje soterrados
en los suelos inundables de ambas puntas de la costa;

más bien reparemos en la cuadrilla sobre la pasarela
allá en lo más alto, venidos todos de una misma localidad
alejada a kilómetros según un método de contratación
pensado para privilegiar el uso de un dialecto común
necesario para entender indicaciones sin interferencias;

fijémonos entonces en ésos que acaban de terminar
de ajustar esos cables por lo pronto no tan tirantes
como sus propios nervios en una tarea de alto riesgo
dominando el vértigo de la altura y de la historia:
tal vez sean ellos la verdadera obra en construcción.

© Sergio Raimondi
from: Para un diccionario crítico de la lengua (unpublished)
Audio production: Haus für Poesie / 2017

悬挂 (XUÁNGUÀ)

german

Lassen wir das monumentale Format der Baustelle einmal außer Betracht,
also jenen Teil der Planung, der dazu bestimmt ist,
unter Einsatz eines Drittels des Stahls und der Hälfte des Betons,
die weltweit produziert werden, eine jahrtausendealte Landschaft
mithilfe modernster Infrastruktur zu transformieren;

Letzteres ein konkretes Zeugnis – erst im wörtlichen Sinn – dafür,
dass das BIP seit der schrittweisen, eigentümlichen
und unablässigen Öffnung hin zur Marktwirtschaft wächst,
und deswegen auch Demonstration der allgegenwärtigen
und sprichwörtlichen Größe der Partei;

lassen wir auch das Verhältnis zwischen der gigantischen
Dimension des Projekts und der ebenso riesigen
Reserve an Arbeitskräften beiseite, die permanent
von ländlichen in städtische Gebiete abwandern
und deren Beschäftigung Unruhen verhindert;

und ignorieren wir selbst die spezifische Frage
nach den technischen Herausforderungen
bei der Errichtung dieser endlosen Hängebrücke,
die die Strömung des Jangtsekiangs überspannt,
der ein weites Staatsgebiet in zwei weite Hälften teilt,

um die Jinghu-Autobahn Peking–Schanghai zu tragen
mit extrem dicken, widerständigen Tragkabeln, die in Wirklichkeit
aus Abertausenden einzelner Drähte geflochten sind
und von zwei in die sandigen Niederungen
an beiden Ufern eingegrabenen Ankerblöcken ausgehen;

wir sollten aber den Bautrupp auf der Brücke beachten
dort ganz oben: Sie stammen alle aus demselben, viele Kilometer
entfernten Ort und entsprechen damit einer Anwerbemethode,
die auf einen gemeinsamen Dialekt Wert legt, um sicherzustellen,
dass Anweisungen fehlerfrei verstanden werden;

beobachten wir also jene, die gerade die Tragkabel
justiert haben, die zunächst nicht so angespannt aussehen
wie ihre eigenen Nerven bei der hochriskanten Aufgabe,
den Schwindel der Höhe und der Geschichte zu meistern.
Vielleicht werden aus ihnen die wahren Werke der Baukunst.

Übersetzung der Gedichte aus dem argentinischen Spanisch von Timo Berger.

TRANSPORT COSTS

spanish | Sergio Raimondi

Más acá del lirismo de los reclamos
sobre el carácter disruptivo del arte

el poema también es un commodity
elaborado con un material específico

y por tanto hay que evaluar los costos
de ponerlo a circular en el mercado;

más particularmente de transportarlo;
esto es: de una lengua a otra lengua

de una más acotada en su alcance
a otra de hablantes más numerosos

de una literariamente empobrecida
a otra de capital ya consolidado

o también al revés dicho esto
en términos simbólicos o literales

ergo si estuviera leyendo estos versos
aunque no en su versión en español

le agradecería distinga a quien abrió
el diccionario para evaluar los matices

exactamente de estas mismas palabras
pensando quizá por qué habrá elegido

un trabajo no del todo bien pago
mientras su hijo lo llama para jugar.

© Sergio Raimondi
from: Para un diccionario crítico de la lengua (unpublished)
Audio production: Haus für Poesie / 2017

TRANSPORT COSTS

german

Diesseits der poetischen Klagen
über den disruptiven Charakter der Kunst

ist das Gedicht ebenfalls eine Ware,
hergestellt aus einem spezifischen Material,

und deswegen muss man abschätzen,
was es kostet, sie in Umlauf zu bringen;

insbesondere sie zu transportieren,
also von einer Sprache in eine andere,

von einer in ihrer Reichweite begrenzten
zu einer mit einer größeren Zahl von Sprechern,

von einer literarisch verarmten Sprache
zu einer mit schon konsolidiertem Kapital,

oder auch umgekehrt in übertragen
oder wörtlich zu verstehenden Begriffen;

sollten Sie also diese Verse lesen,
aber nicht in ihrer spanischen Version,

dankte ich Ihnen für die Auszeichnung desjenigen,
der das Wörterbuch aufschlug, um Nuancen

der Bedeutung dieser Verse abzuschätzen,
und sich dabei vielleicht fragte, warum er

eine schlecht bezahlte Arbeit gewählt hat,
während sein Sohn ihn zum Spielen ruft.

Übersetzung der Gedichte aus dem argentinischen Spanisch von Timo Berger.

El poeta menor ante el nacimiento de su hijo

spanish | Sergio Raimondi

Luego de hallar, tras días de búsqueda, el lápiz
en la cabina del camioncito de los bomberos,
y de comprobar la independencia de juicio
del heredero, que rompe las páginas predilectas
e intactas deja las indiferentes, el poeta menor
decide dialogar con su mujer sobre un tema clave:
la organización espacial y temporal de su labor,
en la casa, luego del nacimiento del hijo.
A lo largo de la conversación se tocan varios temas:
compra de comestibles y artículos de limpieza,
pago de impuestos, turnos para el cuidado,
diversión, alimentación e higiene del niño,
ausencia de cuidado, diversión, alimentación
e higiene de la pareja, necesidad de registrar
sus primeros pasos, frecuencia de uso del
—vulgarmente denominado— chupete,
amables formas de imponer distancia a los abuelos.
Cuando una mutua mudez evidencia el final,
el poeta menor comprueba que su inquietud
ha sido desplazada en vista de otras urgencias.
Esa noche, como un inspirado romántico
que aprovechase el silencio de los mortales
para dejar fluir el carácter alado de sus versos,
canta durante horas una canción de cuna.

© Sergio Raimondi
from: Poesía Civil
Bahía Blanca: VOX, 2001
Audio production: Haus für Poesie / 2017

Der Poeta minor und die Geburt seines Sohnes

german

Nachdem er tagelang seinen Bleistift suchte,
ihn im Fahrerhäuschen der Spielzeugfeuerwehr fand
und feststellte, dass das Urteil des Stammhalters unabhängig ist,
da er die geliebten und gelungenen Seiten zerreißt und
die mittelmäßigen verschont, entscheidet der unbedeutende Dichter,
mit seiner Frau über ein Hauptproblem zu sprechen:
die räumliche und zeitliche Organisation seiner Arbeit
zu Hause, jetzt nach der Geburt des Sohnes.
Im Verlauf des Gesprächs werden mehrere Themen behandelt:
Einkauf von Lebensmitteln und Reinigungsartikeln,
Steuern und Abgaben, Zeiten für Betreuung,
Vergnügen, Fütterung und Hygiene des Kindes,
und den Mangel an Betreuung, Vergnügen, Fütterung und Hygiene
in der Beziehung, die Notwendigkeit, die ersten Schritte
festzuhalten, die Häufigkeit des Einsatzes dessen,
was für gewöhnlich Schnuller genannt wird, Strategien,
um die Großeltern freundlich auf Distanz zu halten.
Als beidseitiges Verstummen einsetzt, stellt
der unbedeutende Dichter fest, dass seine Unruhe
von größeren Sorgen verdrängt worden ist.
Wie ein inspirierter Romantiker,
der das Schweigen der Sterblichen nutzt,
um den Versen freien Lauf zu lassen, singt er
in dieser Nacht stundenlang ein Wiegenlied.

Übersetzt von Timo Berger. In: Sergio Raimondi: Zivilpoesie/Poesía civil, Berlin: wissenschaftlicher verlag berlin 2005, ISBN: 3-86573-112-0.

AUTOR (ALS PRODUZENT, DER)

spanish | Sergio Raimondi

La época no nos exige espíritu, camaradas
del Instituto para el Estudio del Fascismo:
nos exige movimientos del diafragma.
Por eso les traigo un ejemplo concreto
(¡hoy los ejemplos concretos son rusos!)
de lo que es una obra literaria y política-
mente correcta. Ahí lo tienen a Tretiakov.
¿Cómo escribe el camarada Tretiakov?
Está en las reuniones directivas del koljós
organiza colectas para el pago de tractores
pregunta por acá y por allá para averiguar
cuáles son las mejores colleras y bujías
explica las tesis de Yakovlev y ahora calma
a las madres que se pelean en la guardería
obtiene caballos para el viaje de los maestros
inspecciona los clubes de lectura y envía
tres, diez y cuántas cartas sean necesarias
para exigir el arribo del cine ambulante
documenta con minucia siembra y cosecha
clak clak con su cámara en todos lados.
Sí, también escribe y publica informes
de lo hecho en los periódicos de Moscú
y dirige el diario comunal con información
sobre cómo preparar la tierra y las actividades
previstas para el aniversario de la revolución.
¿Cómo? No oí bien. ¿Que qué tiene todo esto
que ver con la literatura? Ah, la literatura…
Pero camaradas, ¿son capaces de entender
que el mundo puede cambiar, es más: luchan
día a día para que efectivamente cambie
y exigen una literatura siempre igual a sí misma?

© Sergio Raimondi
from: Para un diccionario crítico de la lengua (unpublished)
Audio production: Haus für Poesie, 2017

AUTOR (ALS PRODUZENT, DER)

german

Die Zeit erfordert keinen Geist von uns, Genossen
des Instituts zum Studium des Faschismus:
Sie erfordert von uns die Einstellung der Blende.
Ich bringe euch deshalb ein konkretes Beispiel
(heute sind die konkreten Beispiele russisch!)
des literarisch und politisch korrekten
Werks. Nehmt etwa Sergei Tretjakow.
Wie schreibt der Genosse Tretjakow?
Er geht zu den Sitzungen der Kolchos-Direktion,
sammelt Gelder für die Anzahlung auf Traktoren,
fragt hier und dort, um herauszufinden,
was die besten Zügel und Zündkerzen sind,
erklärt die Thesen von Jakowlew und beruhigt gerade
die Mütter, die sich in der Krippe streiten,
er besorgt auch die Pferde für die Reise der Lehrer,
inspiziert die Lesesäle und schickt
drei, zehn oder so viele Briefe wie nötig,
um die Einführung des Wanderkinos zu fordern;
er dokumentiert minutiös Aussaat und Ernte
klack klack mit seinem Fotoapparat überall.
Ja, er schreibt auch und veröffentlicht Berichte
über das, was er macht, in Moskauer Zeitungen
und ist Redakteur der Kolchos-Zeitung, in der steht,
wie man den Ackerboden vorbereitet und welche
Aktivitäten für den Jahrestag der Revolution geplant sind.
Wie bitte? Ich hab nicht recht verstanden. Was das Ganze
mit Literatur zu tun hat? Ach, die Literatur …
Aber Genossen, ihr seid in der Lage zu verstehen,
dass die Welt sich ändern kann, mehr noch: Ihr kämpft
Tag für Tag dafür, dass sie sich tatsächlich ändert,
und verlangt eine Literatur, die immer gleich bleibt?

Übersetzung der Gedichte aus dem argentinischen Spanisch von Timo Berger.

Agua de puerto

spanish | Tálata Rodríguez

Al entierro del estibador 
no fue nadie.
Se quedó sin conocer el mar,
nunca quiso 
navegar embarcado
porque prefería estar en tierra,
cargando y descargando
lo que tuviera a mano
Habia barcos que no sabía
ni de dónde venían
ni hacía dónde iban.
Le tocó una vez
vaciar unos contenedores
abollados por un tifón
Encontró restos de sangre
entre los bultos que llevaba
En temporadas de poco trabajo
vestía prolijamente 
cuidándose de no ser elegante
para que así,
lo eligieran
entre las turbas de hombres
perfumados por el hambre.
Días pasaban
o semanas,
sin que lo señalaran
pero él igual iba al puerto,
si no estaba ahí
¿adónde habría estado?
Esas aves que vió,
ese presidente comunista
que lo saludó apretándole la mano,
esas mujeres por las que pasó…
En su corazón 
todos eran iguales
y estaban igual de lejos
que esas naves que veía
alejándose irreversibles
El sol en el horizonte 
se apaga un poco,
ya es casi de noche.
Una gaviota tuerta
hace equilibrio 
en el mástil de un navío
que hubieras tenido que descargar.
¡Estibador que estiba 
acomodando sus problemas!
Ahora que estás en la tierra
ya no te procupes por el mar,
tu ataúd es un barco varado
cubierto en su sepultura
por cemento y azulejos
en él, harás un gran viaje
y el viento azotará
por siempre 
las velas de tus venas.

© Tálata Rodríguez
Audio production: Haus für Poesie / 2017

Brackwasser

german

Zur Beerdigung des Stauers
kam niemand.
Das Meer hat er nie kennengelernt,
er wollte nicht zur See
fahren,
blieb lieber an Land,
belud und entlud,
was gerade anfiel.
Von manchen Schiffen wusste er weder
wo sie herkamen,
noch wo sie hinfuhren.
Einmal sollte er
ein paar von einem Taifun
zerbeulte Container leeren.
Zwischen den Bündeln, die er hinaustrug,
fand er Blutlachen.
In Zeiten mit weniger Arbeit
zog er sich sorgfältig an,
achtete darauf, nicht elegant auszusehen,
damit sie ihn
unter der Menge nach Hunger
riechender Männer
auswählten.
Tagen vergingen
oder Wochen
und kein Finger zeigte auf ihn,
er stapfte trotzdem zum Hafen,
wenn nicht dort,
wohin hätte er sonst gehen sollen?
Die Vögel, die er sah,
den kommunistischen Präsidenten,
der ihn mit festem Händedruck begrüßte,
die Frauen, bei denen er Station gemacht hatte …
In seinem Herzen
waren sie alle gleich
und gleich weit weg
wie diese Schiffe, die er
unaufhaltsam davonfahren sah.
Am Horizont verlischt
allmählich die Sonne,
es ist fast Nacht.
Eine einäugige Möwe
balanciert
auf dem Mast eines Schiffes,
das du hättest löschen sollen.
Stauer, der die Ladung trimmt
und seine Probleme unterbringt!
Jetzt liegst du unter der Erde
und scherst dich nicht mehr um die See,
In deinem Grab
Unter Zement und Kacheln
Ist dein Sarg ein gestrandetes Boot.
In ihm trittst du eine lange Reise an
und der Wind peitscht
auf ewig
die Segel deiner Adern.

Aus dem argentinischen Spanisch von Timo Berger

Hoy Mark Ribot pasea solo

spanish | Tálata Rodríguez

Tengo una solución para mi parte del problema:
alguien dulce, lindo e inteligente, elegante, sensible
(entonces te olvidarías de mí)
¿Te acordás de esas noches locas de tequila?
¿Te acordás cómo le latía el corazón al caballo que montamos
y que nos perdió entre la maleza de un bosquecillo añoso 
para llevarnos luego hasta la estancia donde una pareja de viejos
le alisaba las crines con un peine de marfil?
Noches que no terminan. Lo difícil no es escribir
sino seguir escribiendo. ¿De quién es esta idea?
Vamos por partes, descuartizados.
Descuartizados por trenes que parten rumbo al extranjero,
por trenes que arriban desde tierras sin nombre
con sacos de dinero provenientes del mercado negro de diamantes,
con bolsas de arena y verduras de sabor amargo,
una araña, un tapir, un cuis, 
cualquiera sabe de qué estoy hablando.
Cuánta ciudad, soledad
El desayuno de una mujer desnuda,
el pavo real que se comerá al banquero,
superficies que se quiebran al rozarse,
La taza de arroz, el sombrero de un gato que pasó
frente a la puerta de tu camarote de oro.
¿Alguien más escucha el canto de este pájaro?
Sí, yo, pero no le presto atención 
porque también canto
No pasan las horas en el desierto.
Ciudad, sola.
Las horas que no pasan, pesan
Las a y las e descubiertas en una edad de hierro,
aprendiendo a fingir sus propias armas
amar armar amar
En mares de frutilla flota un barco
En mares de crema se ahoga un grumete
A la deriva, nuestros niños darán con una isla
y en la primer primavera brotará de sus pechos
una sepultura florida para que los amantes del futuro
escojan ramilletes gratuitos, robados de sus tumbas
y sean cada vez más egoístas.
Ahí terminará todo,
el trazo fino de un cuadro sobrevaluado
El amor es esta cosa que inventamos las mujeres.

© Tálata Rodríguez
Audio production: Haus für Poesie / 2017

Heute geht Mark Ribot allein spazieren

german

Ich habe eine Lösung für meinen Teil des Problems:
Jemand süßes, schönes und intelligentes – elegant und sensibel
(und dann wirst du mich schon vergessen)
Erinnerst du dich an die verrückten Tequilanächte?
Weißt du noch wie dem Pferd, das wir ritten, das Herz pochte,
wie es uns durch das Gestrüpp eines alten Wäldchens irrte,
um uns dann zu einer Ranch zu bringen, wo ein altes Paar
mit einem Elfenbeinkamm seine Mähne striegelte?
Nächte, die nicht enden. Schwierig ist nicht das Schreiben
sondern das Weiterschreiben. Von wem stammt dieser Gedanke?
Lass uns Stück für Stück vorangehen, geviertteilt.
Gevierteilt von Zügen, die mit einem Ziel im Ausland starten,
von Zügen, die aus namenlosen Ländern kommen
mit Taschen voller Geld vom Diamantenschwarzmarkt,
mit Säcken voll Sand und bitterem Gemüse,
eine Spinne, ein Tapir, ein Meerschweinchen,
jeder weiß, wovon ich hier spreche.
So viel Stadt, so viel Einsamkeit
Das Frühstück einer nackten Frau,
der Pfau, den wohl gleich ein Banker verspeist,
Flächen, die, wenn sie sich berühren, zerbrechen,
Die Tasse Reis, der Hut eines Katers, der an der Tür
deiner goldenen Kajüte vorbeischleicht.
Hört noch jemand den Gesang dieses Vogels?
Ja, schon, aber er interessiert mich nicht,
weil ich selbst singe
In der Wüste vergeht die Zeit kaum.
Stadt, so einsam.
Die Zeit, die nicht vergeht, bedrückt
Die As und Is gefunden in einer Eisenzeit,
und lernen, die eigene Bewaffnung vorzutäuschen
lieben schießen lieben
In Erdbeermeeren schwimmt ein Schiff
In Sahnemeeren ertrinkt ein Schiffsjunge
Indem sie sich treiben lassen, stoßen unsere Kinder auf eine Insel
und im ersten Frühling sprießt aus ihren Brüsten
ein blühendes Grab, damit die Liebhaber der Zukunft
kostenlose, von ihren Ruhestätten geraubte Sträußchen aussuchen
und immer egoistischer werden.
Dann findet alles ein Ende,
der feine Strich eines überbewerteten Bildes
Die Liebe ist diese Sache, die wir Frauen erfinden.

Aus dem argentinischen Spanisch von Timo Berger

Rana Sobre Piedra

spanish | Tálata Rodríguez

Ayer estaba en la selva, 
saltando
como rana sobre piedra
resbalando, 
buscando el hueco dónde poner el pie
musgo, viejo verde.
En uno de esos pozos,
entre muchas rocas preciosas, 
nacían las cascadas y las mariposas. 
Mi hija despertó la creciente
batiendo el río con sus piernas gordas y fuertes,
una espuma blanca con su luz.
Una rama con incontables
bananitas bocadillo,
dedos dulces de gorila. 
Ayer estaba a la vera de un camino,
desde una cuatro por cuatro estacionada
sonaba cumbia vallenata.
A todo volumen. 
Cuatro personas tomaban cuatro cervezas,
comían “detoditos”,
jugaban al tejo:
“Hágale hágale, hágale”. 
Caía el sol, ahí,
entre esas cuatro montañas. 
Yo había ido a comprar papel higiénico
pero me compré una cerveza
y subí hasta una loma,
campanitas amarillas, campanitas blancas
puntitos. Bastones de obispo.  
Trepé a un árbol  
y me fumé un cigarro
como la paloma blanca,
cortando la flor. 
Lo que no puedo pensar sobre todo existe.
Como antes las mariposas,
ahora nacían las nubes,
y los picos de las montañas eran las rocas desafiantes
¿En qué hueco poner el pie?
Me gustaría saber más del mundo, 
bajo el sol: usar sombrero, manga larga.
Comer la fruta,
sólo lo que cae.
Pero alimentamos a los peces en parques recreativos
Hundimos nuestros pies en el barro
para que unas tortuguitas
nos chupen los dedos. 
Cosquillas.
Los ojos que te miran
se cierran en los tuyos.

© Tálata Rodríguez
from: Tanta ansiedad
Madrid: Lapsus Calami-Caligrama, 2015
Audio production: Haus für Poesie / 2017

Frosch auf Stein

german

Gestern war ich im Wald
und sprang
wie ein Frosch auf Steine,
rutschte
und suchte eine Stelle, auf die ich meinen Fuß setzen konnte,
Moose, altes Grün.
Aus einem der Schächte
zwischen vielen glänzenden Felsen
sprudelten die Wasserfälle und die Schmetterlinge.
Meine Tochter sorgte für hohe Wellen,
indem sie den Fluss mit ihren dicken, starken Beinen schlug,
ein weißer Schaum mit Lichtkronen.
Ein Büschel unzähliger
Zwergbananen,
süße Gorilafinger.
Gestern stand ich am Wegesrand,
aus einem parkenden Jeep
tönte Cumbia Vallenata.
Voll aufgedreht.
Vier Personen tranken vier Biere,
aßen De Toditos-Chips
spielten Tejo:                                     
„Auf geht’s, auf geht’s, auf geht’s.“
Die Sonne ging unter, dort
hinter den vier Bergen.
Ich ging Klopapier kaufen,
kam aber mit einem Bier zurück
und stieg eine Hügel hinauf,
gelber Hibiskus, weißer Hibiskus
Kleine Punkte. Fackel-Ingwer.
Ich kletterte auf einen Baum,
rauchte eine Zigarette
und schnitt eine Blume ab
wie die weiße Taube.
Das, was ich nicht denken kann, existiert einfach.
So wie vorher die Schmetterlinge
erschienen nun zahlreiche Wolken
und die Gipfel der Berge ragten herausfordernd empor.
In welche Lücke setze ich meinen Fuß?
Ich wüsste gern mehr über die Welt,
in der Sonne gilt: einen Hut aufsetzen, lange Ärmel tragen.
Obst essen,
nur das, was fällt.
Doch wir füttern Fische in den Naturparks.
Tauchen unsere Füße in den Schlamm,
damit ein paar Schildkröten
uns die Sohlen lecken.
Kitzeln.
Die Augen, die dich ansehen,
schließen sich in deinen.

Aus dem argentinischen Spanisch von Timo Berger

Todo lo que ves es un conejo

spanish | Accidents Polipoétics

Todo lo que ves es un cuento interminable que un conejo que ha visto la
Luna imaginó mientras perseguía con sus orejas dos ojos de espuma
putrefacta en el centro de un pubis que salía en un anuncio de la tele que
nunca llegó a emitirse por problemas con la ética moral de aquellos que no
saben que todo lo que vemos es un cuento insostenible que una mosca
disfrazada de conejo que viajó hasta la Luna imaginó una tarde mientras
seguía un partido de waterpolo en una emisora pirata que la radio
expansionaba por las ondas de una ciudad cualquiera una hora cualquiera
de cualquiera de las horas en que aquellos cuyas ideas no pueden
soportar el vacío dictaban una sentencia de muerte para todos aquellos
que osaran utilizar la palabra: PUBIS.

Todo lo que pienses podrá ser usado en tu contra. Todo lo que digas podrá
ser usado en tu contra.

Todo lo que hagas podrá ser recordado y tarde o temprano pagarás por
ello. Ser blanco /joven /adulto /educado /leer el periódico /pagar tus
impuestos /ayudar a las ancianas /nada te servirá.  

Los tenderos llamarán a la puerta y pedirán tu complicidad en sus
mezquinos proyectos. Todo lo que ves es un cuento interminable que una
hormiga recitó una noche de verano sobre las ruinas de un televisor.


E                     Pensar demasiado es peligroso.
S                      Pensar en las cosas es peligroso.
T                      Si piensas nunca digas lo que piensas.
R                     Yo, desde que no pienso, vivo mejor.
I                       No sufro, pero vivo mejor.  
B                      Decidir por tu cuenta es peligroso.
I                       Recordar el pasado es peligroso.
L                      La historia la inventan
L                      periodistas y políticos.
O                     Nada de lo que dicen podrá ser
                        utilizado en su contra.

Yo, desde que no pienso, vivo mejor.
No sufro, pero vivo mejor.

© Accidents Polipoétics
from: Todos Tenemos la Razón
Barcelona: ed. La Tempestad, 2004
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Alles was du siehst ist ein Kaninchen

german

Alles, was du siehst, ist eine endlose Erzählung, die sich ein Kaninchen,
das den Mond gesehen hat, ausdachte, während es mit seinen Ohren zwei
Augen aus verdorbenem Schaum im Zentrum eines Schamhügels verfolgte,
der in einer Fernsehwerbung zu sehen war, die nie ausgestrahlt wurde,
wegen moralischen Problemen derer, die nicht wissen, dass alles, was wir
sehen, eine unhaltbare Erzählung ist, die sich eine als Kaninchen
verkleidete Fliege, die zum Mond gereist ist, eines Abends ausdachte,
während sie eine Partie Wasserball auf einem Piratensender verfolgte, der
vom Radio auf Wellen in irgendeiner Stadt zu irgendeiner Uhrzeit
ausgestrahlt wurde, irgendeine der Uhrzeiten, zu denen die, die es nicht
aushalten, die Leere zu denken, ein Todesurteil fällten über die, die es
wagen würden, das Wort SCHAMHÜGEL zu benutzen.

Alles, was du denkst, kann gegen dich verwendet werden. Alles, was du
sagst, kann gegen dich verwendet werden.

Alles, was du machst, kann erinnert werden und früher oder später wirst
du dafür bezahlen. Weiß/ jung/ erwachsen/ gebildet zu sein/ die Zeitung zu
lesen/ deine Steuern zu bezahlen/ alten Frauen zu helfen/ das wird dir
alles nichts nützen.

Die Krämerseelen pochen an die Tür und fordern deine Unterstützung für
ihre schäbigen Projekte. Alles, was du siehst, ist eine endlose Erzählung,
die eine Ameise in einer Sommernacht vortrug, auf einem zertrümmerten
Fernseher.

R         Zuviel zu denken, ist gefährlich.
E         An die Dinge zu denken, ist gefährlich.
            Wenn du denkst, sage nie, was du denkst.
F         Seit ich nicht mehr denke, lebe ich besser.
            Ich leide nicht, lebe aber besser.
R         Eigene Entscheidungen zu fällen, ist gefährlich.
            Die Vergangenheit erinnern, ist gefährlich.
A         Die Geschichte wird erfunden
            von Journalisten und Politikern.
I          Nichts von dem, was sie sagen, kann
N        gegen sie verwendet werden.

Seit ich nicht mehr denke, lebe ich besser.
Ich leide nicht, lebe aber besser...

Übersetzt von Timo Berger

EN BUSCA DE UN SUEÑO

spanish | Silvio Rodríguez

En busca de un sueño
se acerca este joven.
En busca de un sueño
van generaciones.
 
En busca de un sueño
hermoso y rebelde.
En busca de un sueño
que gana y que pierde.
 
En busca de un sueño
de bella locura.
En busca de un sueño
que mata y que cura.
 
En busca de un sueño
desatan ciclones.
En busca de un sueño
cuántas ilusiones.
 
En busca de un sueño
transcurren los ríos.
En busca de un sueño
se salta al vacío.
 
En busca de un sueño
abrasa el amante.
En busca de un sueño
simula el tunante.
 
En busca de un sueño
tallaron la piedra.
En busca de un sueño
Dios vino a la Tierra.
 
En busca de un sueño
partí con mi día.
En busca de un sueño
que no hay todavía.

© Silvio Rodríguez
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2011

Einem Traum hinterher

german

Einem Traum hinterher
jagt dieser Junge.
Einem Traum hinterher
ziehen ganze Generationen.

Einem Traum hinterher,
der herrlich ist und rebellisch.
Einem Traum hinterher,
der gewinnt und der verliert.

Einem Traum hinterher
von närrischer Schönheit.
Einem Traum hinterher,
der tötet und auch heilt.

Einem Traum hinterher
wüten die Zyklone.
Einem Traum hinterher
wie tausend Illusionen.

Einem Traum hinterher
strömen die Flüsse.
Einem Traum hinterher
springt man in die Tiefe.

Einem Traum hinterher
verzehrt sich der Verliebte.
Einem Traum hinterher
drückt sich der Faule.

Einem Traum hinterher
schöpften sie die Werke.
Einem Traum hinterher
kam Gott auf die Erde.

Einem Traum hinterher
brach ich auf in einen Tag.
Einem Traum hinterher,
der noch kommen mag.

aus dem kubanischen Spanisch von Timo Berger

[Malecón]

spanish | Víctor Rodríguez Núñez

el ruso con arpón y la santera
pisan fuerte sobre la savia de flamboyán
no hay sentido común
                                        solo hollar la belleza

él ensartará su cubera de oro
coleando en el agua enjabonada
ella se casará con su turista
encantado con la asimetría de los pechos

todo en la misma tarde
en que el sol decidió quedarse fijo
sin embargo la lluvia se apersona

se filtra entre las ruinas
cuando la noche vuelva encontrará
desilusión en sal

from: despegue
Madrid: FUNDACIÓN LOEWE, 2016
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2016

[Malecón]

german

der „Russe“ mit seiner Harpune und die Santera
stolzieren über den Saft des Flammenbaums
sie kennen keinen Gemeinsinn
                                        sind nur gegen alles Schöne

er spießt den goldenen Cubera-Snapper auf
dessen Schwanz im aufgeschäumten Wasser schlägt
sie heiratet bald ihren Touristen
der begeistert ist von ungleichen Brüsten

all das an einem Abend
an dem die Sonne beschloss, nicht zu weichen
der Regen klopft dennoch persönlich an

und versickert in den Ruinen
wenn die Nacht zurückkehrt, findet sie
Ernüchterung in Salz




* Ein ruso („Russe“) bezeichnet in Kuba einen Mulatten mit roten Haaren.
* Eine Santera, ist eine Anhängerin der Santería, einer synkretistischen Afrokubanischen Religion.

Übersetzt von Timo Berger

[Santa María]

spanish | Víctor Rodríguez Núñez

sin media luz donde caerse muerto
tirado en esta playa
como el cangrejo que no tuvo suerte
y el niño perdonó

compadeces a la piedra que te guiña un ojo
su fresca militancia
y la bicicleta cargada de caracoles
te cruza entre las muelas

la arena en las cesuras
hace que las claves no estén en tiempo
el mundo es una güira pintada como quiera

para la discreción de los turistas
nadie te contó antes
lo que se aprende si sales del agua

from: despegue
Madrid: FUNDACIÓN LOEWE, 2016
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2016

[Santa María]

german

zum Betteln zu arm gespült
an diesen Strand ohne Schatten
wie die glücklose Krabbe
die der Junge verschont hat

bedauerst du den Polypen der dir zuzwinkert
sein frischer Aktivismus
das mit Muschelketten beladene Fahrrad fährt
dir mitten durch die Scheren

der Sand in den Zäsuren
bringt die Claves aus dem Takt
die Welt ist eine angepinselte Kalebasse

für die feinsinnigen Touristen
verriet dir niemand vorher
was du erfährst wenn du aus dem Wasser steigt




* Santa María ist ein Strand in der Nähe von Havanna
* Claves, Klanghölzer, typische Instrumente der kubanischen Musik

Übersetzt von Timo Berger

Himno

spanish | Julián Herbert

cada color un estanque
y el viento el polvo: pájaro
de micas

                      [en el desierto de Mayrán:]


lo desplazado no regresa


la memoria cercena lo que une


el paisaje es una urna de cenizas

© Julián Herbert
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

Hymne

german

jede Farbe ein Bassin
und der Wind Staub: ein Vogel
mit glänzendem Gefieder

                          [in der Wüste von Mayrán:]

Verbrachtes kehrt nicht wieder

das Gedächtnis beschneidet, was es vereint

die Landschaft eine Urne voll Asche

Übersetzt von Timo Berger

El corazón del sábado en la noche

spanish | Julián Herbert

El viento baja del bosque. La luz del bulevar
baila como una vela en el pretil de una ventana.
Cielo tibio. Las montañas forman una corona
alrededor de nosotros. Alguien habla de futbol
entre el llano dormido del estacionamiento
y los gritos que salen a la puerta del bar.
Por la barra, las luces de colores
saltan vasos vacíos,
como en un juego de damas chinas.
La música es un río tembloroso de estrellas.
Una botella de vodka
hace más transparente la luna.

© Julián Herbert
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

Das Herz einer Samstagnacht

german

Der Wind weht vom Wald her. Das Licht des Boulevards
tanzt wie eine Kerze auf dem Sims eines Fensters.
Lauer Himmel. Die Berge bilden eine Krone
um unsre Köpfe. Jemand spricht von Fußball
zwischen der schlafenden Tiefebene des Parkplatzes
und den Schreien, die aus der Bar dringen.
An der Theke, die farbigen Lichter,
leere Gläser springen
wie in einem chinesischen Damespiel.
Die Musik ist ein Fluss zitternder Sterne.
Durch eine Flasche Wodka
erscheint der Mond viel klarer.

Übersetzt von Timo Berger

puerto 1

spanish | Víctor Rodríguez Núñez

un corazón discorde
no crees en el sistema donde tienes hogar
nunca te dio un hogar el sistema en que crees
arreas tu ganado tropical

por un maizal helado
y reclinas la cabeza traslúcida
ante los vapores de un majarete
nadie te echó nadie te pidió que te quedaras

cuando te fuiste cuando regresaste
no cayeron en cuenta
todos más desahogados que después

no lates por nostalgia
sino porque el ingenio demolido
acaba de silbar no sé qué hora

© Víctor Rodríguez Núñez
from: despegue
Madrid: FUNDACIÓN LOEWE, 2016
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2016

Hafen 1

german

verstimmtes Herz
glaubst nicht an das System, in dem du zu Hause bist
das System, an das du glaubst, gab dir kein Zuhause
du treibst dein tropisches Vieh

durch ein eiskaltes Maisfeld
und neigst in den Dämpfen eines Maispuddings
deinen durchscheinenden Kopf in den Nacken
niemand schickte dich weg und niemand bat dich zu bleiben

als du fortgingst und als du wiederkamst
bemerkten sie es nicht
alle hatten noch mehr Luft zum Atmen

du schlägst nicht aus Nostalgie
sondern weil die zerstörte Zuckerfabrik eben
mit einem Pfeifen die Uhrzeit kund tat

Übersetzt von Timo Berger

puerto 9

spanish | Víctor Rodríguez Núñez

una sábana con un agujero
¿qué hacer con lo que falta?
en su centro deben cantar los gallos
nada se despereza

ni la chica ojerosa
descarnada en el sueño por un tigre
se robaron la nieve las urracas
y el paisaje se ha quedado en los huesos

día rebanado en el filo
                                        de otro horizonte
noche en que rompe a hervir la manzanilla

con los nudillos cuentas sinalefas
simbólico algodón lavado a mano
donde nada se lee

from: despegue
Madrid: FUNDACIÓN LOEWE, 2016
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2016

Hafen 9

german

ein altes Bettlaken mit einem Loch
was tun mit dem was fehlt?
darin sollten die Hähne krähen
aber da rekelt sich nichts

auch nicht das Mädchen mit den Augenringen
von einem Tiger entfleischt im Traum
die Elstern stahlen den Schnee
und die Landschaft ist nur noch Haut und Knochen

ein von der Schneide eines anderen Horizonts
                                        aufgeschnittener Tag
Nacht in der die Kamille plötzlich hochkocht

mit Fingerknöcheln zählst du Synalöphen
die sinnbildliche Baumwolle von Hand gewaschen
auf der nichts geschrieben steht

Übersetzt von Timo Berger

puerto 3

spanish | Víctor Rodríguez Núñez

en esta encrucijada
                                   bajo otra tempestad
el gallo muerto por las muy piadosas
manos del babalao

un sentimiento sube
                                    por la húmeda escala
hasta donde no irradia la ceguera
a coro tres testigos
                                  
elevan la canción sin desplumar
saciada por la sed a cántaros caída
lleva corona recia el babalao

cortada del crepúsculo
y un cuerpo imperceptible
                                               que la lluvia no toca

from: despegue
Madrid: FUNDACIÓN LOEWE, 2016
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2016

Hafen 3

german

an dieser Kreuzung wurde
                                   in einem anderen Sturm
der Hahn geschlachtet von den barmherzigen
Händen des Babalao

und ein Gefühl klettert
                                    die feuchte Skala hinauf
bis dahin wo keine Blindheit ausstrahlt
im Chor stehen drei Zeugen
                                  
stimmen ein ungerupftes Lied an
gestillt durch den Durst aus Kübeln geschüttet
der Babalao hat eine steife Krone

geschnitten aus der Dämmerung
und einen scheuen Körper
                                               den der Regen nicht berührt




* In der synkretistischen Santería-Religion ist der Babalao „der Vater der Geheimnisse“ und Priester.

Übersetzt von Timo Berger

[Oregon City]

spanish | Víctor Rodríguez Núñez

entre un azulejo que salta desde la hierba
con la primera luz
                                  y un verso de Szymborska
contra los desencuentros de la muerte

te quedas con la duda
                                        su tallo inoxidable
su corola geométrica
espigan los escombros

                                         a manos del rocío
su terca sed celeste
                                  la rima de otro mundo

significante sin significado
cada cosa una voz
                                 con nada que decir

from: despegue
Madrid: FUNDACIÓN LOEWE, 2016
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2016

[Oregon City]

german

zwischen einer Kachel die im ersten Licht
des Tages im Unkraut glänzt
                                  und einem Vers von Szymborska
über gescheiterte Treffen mit dem Tod

wähltest du den Zweifel
                                        seinen rostfreien Stiel
seine geometrische Blumenkrone
Trümmer setzen Ähren an

                                         in den Händen des Taus
seines sturen blauen Dursts
                                  der Reim einer andren Welt

Signifikant ohne Signifikat
jedes Ding eine Stimme
                                 die nichts zu sagen hat

Übersetzt von Timo Berger

[27 Mallard Pointe]

spanish | Víctor Rodríguez Núñez

de súbito en tu casa
                                    que ya no reconoces
ni te reconoce peor aún
aunque has dejado fibras de ADN

en todas sus aristas
y has cargado contigo varios cielos
algún fondo de mar
ya ves no te será dado volver

a orillas de este lago imaginado
se olvidará tu lengua
se dirán cosas con letras inútiles

no te quites esa sombra arrugada
ni la mirada zurda
aquí también eres un extranjero

from: despegue
Madrid: FUNDACIÓN LOEWE, 2016
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2016

[27 Mallard Pointe]

german

plötzlich in deinem Haus
                                    das du nicht wiedererkennst
das schlimmer noch dich nicht kennt
auch wenn sich deine DNA in allen

Ecken und Winkeln findet
und du mehrere Himmel in dir trägst
auch einen Meeresgrund
merkst du nun eine Rückkehr ist dir verwehrt

an die Ufer dieses Fantasie-Sees
wo deine Sprache in Vergessenheit gerät
sagt man Sachen mit nutzlosen Buchstaben

lege diesen faltigen Schatten nicht ab
auch nicht den linkischen Blick
Fremder bist du auch hier

Übersetzt von Timo Berger

[Ohio River Valley]

spanish | Víctor Rodríguez Núñez

ya viene el horizonte
puedo escuchar su luz
                                         que tropieza con todo
y me deja la piel con sabor a jengibre

ya se deja empuñar
la z materna del río Ohio
sus fábricas de noche electoral
sus almacenes de desasosiego

ya las casas en mí
como remaches sobre el fuselaje
de un avión en el iris de un tornado

y el descenso hacia ti
                                      sonrisa izquierda
y el abrigo que me empieza a extrañar

from: despegue
Madrid: FUNDACIÓN LOEWE, 2016
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2016

[Ohio River Valley]

german

jetzt kommt der Horizont
ich höre schon sein Licht
                                         das sich auf alles legt
und meine Haut nach Ingwer schmecken lässt

jetzt ballt sich zu einer Faust
das mütterliche Z des Ohio
verlässlich die Fabriken der Wahlnacht
beunruhigend die Lagerhallen

jetzt schon die Häuser in mir
wie Nieten auf dem Rumpf
eines Flugzeugs in der Iris eines Tornados

und der Sinkflug hin zu dir
                                      linksgerichtetes Lächeln
und der Mantel der mich allmählich vermisst

Übersetzt von Timo Berger

vuelo 10

spanish | Víctor Rodríguez Núñez

no basta con la huella
                                        se precisa el error
bracear fuera de cámara
no esperes que el miedo te dé una mano

requeridos la altura
                                    remontar turbulencias
no creer más en ti estar atento
cada instante toda una noche en claro

hincar una familia vertical
al encanto del sitio
esto como el amor no se hace solo

aunque el después se ausente como el antes
eres raíz con miedo
                                   deseo y algo más

from: despegue
Madrid: FUNDACIÓN LOEWE, 2016
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2016

Flug 10

german

eine Spur allein reicht nicht
                                        man muss den Fehler finden
ohne Netzkäfig schwimmen
warte nicht, dass dir die Angst die Hand reicht

Requisiten: die Höhe
                                    auf Turbulenzen reiten
nicht mehr auf sich vertrauen achtsam sein
jeder Moment eine durchwachte Nacht

senkrecht zum Zauber des Orts
eine Familie pflanzen
genau wie Liebe macht man dies nicht allein

auch wenn sich das Nachher entfernt wie das Vorher
bist du furchtsame Wurzel
                                   Begehren und noch mehr

Übersetzt von Timo Berger

vuelo 2

spanish | Víctor Rodríguez Núñez

entre las nubes nadie es extranjero
latitud de la lengua
                                   longitud de la sangre
materia que se piensa y contradice

agua vapor escarcha
rápido de los Andes témpano de Noruega
lágrima de caimán
                                  traspiración

nunca tropiezas con la misma gota
con el otro carámbano
sino la turbulencia que entrecruza las penas

su comercio intangible
                                         estela de lo informe
eres el compatriota de las nubes

from: despegue
Madrid: FUNDACIÓN LOEWE, 2016
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2016

Flug 2

german

hoch in den Wolken ist niemand Ausländer
die Sprache der Breitengrad
                                   das Blut der Längengrad
Stoff um nachzudenken zu widersprechen

Wasser Dampf Raureif Strom-
schnellen aus den Anden Eisschollen aus Norwegen
Kaimansträne
                kalter Schweiß

nie stößt du auf denselben Wassertropfen
den anderen Eiszapfen
nur die Turbulenzen vergrößern die Strapazen

ihr nicht fassbarer Austausch
                unförmiger Kondensstreif
am Ende bist du ein Landsmann der Wolken

Übersetzt von Timo Berger

vuelo 1

spanish | Víctor Rodríguez Núñez

un vuelo sin destino sin origen
como bala de plata
                                  en la boca del lobo
la nostalgia agrumada nubarrón

claridad turbulenta
abordo del vacío
                              en su piel de majá
una pluma en la elipse de la noche

la violencia cubierta
                                     con maleza celeste
fijeza inalcanzable trayectoria

como rayo de albur
                                    adentrarse en el día
en el destierro también amanece

from: despegue
Madrid: FUNDACIÓN LOEWE, 2016
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2016

Flug 1

german

ein Flug ohne Ziel- und ohne Abflugort
wie eine Silberkugel
                                  in den Fängen des Wolfs
ausgeflocktes Heimweh Gewitterwolke

durchgeschütteltes Licht
an Bord des Vakuums
                              an ihrer Schlankboahaut
eine Feder in der Ellipse der Nacht

die Wildheit überwuchert
                                     von himmelblauem Gestrüpp
unerreichbare Starre einer Flugbahn

wie ein zufälliger Blitz
                                    in den Tag eindringen
auch in der Verbannung geht die Sonne auf




* Die Kubanische Schlankboa (sp. Boa-majá) ist eine nur auf der Großen Antilleninsel heimische Schlangenart.

Übersetzt von Timo Berger

[Rancho Boyeros]

spanish | Víctor Rodríguez Núñez

uno no viene de ninguna parte
uno no se va nunca
aquí te tienen sudado y ansioso
en la acera del sol la de los negros

sin vuelta o paraíso
                                    sin infierno o partida
ni la imaginación ni la memoria
te cambiarán de banda

siempre has estado allá también aquí
no hay otro lugar que este resplandor
milagro constatarlo

y cuando ya no seas
la misma indignación
                                       único compromiso

from: despegue
Madrid: FUNDACIÓN LOEWE, 2016
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2016

[Rancho Boyeros]

german

man kommt nicht aus dem Nirgendwo
man geht auch niemals fort
hier lassen sie dich schwitzen sehnsuchtsvoll
auf dem sonnenbeschienen Gehsteig dem der Schwarzen

ohne Rückkehr oder Paradies
                                    ohne Hölle oder Aufbruch
weder die Vorstellungskraft noch die Erinnerung
bringen dich dazu die Seite zu wechseln

du bist immer dort gewesen und zugleich hier
es gibt keinen anderen Ort als diesen Glanz
ein Wunder es zu sagen

und wenn du nicht mehr da bist
bleibt dennoch die Empörung
                                       als einzige Verpflichtung



* Rancho Boyeros ist der Stadtteil von Havanna, in dem der internationale Flughafen liegt.

Übersetzt von Timo Berger

PLAYA SANTA TERESA, 2006

spanish | Luis Chaves

Unos días con sus noches en Malpaís y Santa Teresa. Vi los pelícanos, los cocos asesinos, vi pizotes, ballenas, iguanas, garzas y unos peces azules minúsculos y fosforescentes nadando en las pozas que se forman en las rocas cuando baja la marea. También las gaviotas que nos seguían en la terraza del ferry para que las alimentáramos con snacks ultraquímicos. Vi amigos, vi a los hijos de los amigos. Vi a los amigos y a los hijos de los amigos encender una fogata en la noche y así cumplir con ese ritual que nos acompaña desde no sabemos cuándo. Vi el mar cada noche antes de dormirme y lo vi también cada mañana al despertarme. Vi una cometa multicolor inmóvil contra el cielo limpio, vi que la cuerda invisible que la sostenía llegaba hasta mis manos. Vi caricacos de todos los tamaños rodeándome mientras meaba en la arena. Vi, en el fondo de la mochila, el lomo de la novela de Dos Passos ni siquiera llegué a abrir. Vi los objetos que el mar deposita en la orilla: una piedra con forma de cassette, una rama con forma de linterna, una lata de birra con forma de lata de birra. Una tarde cerré los ojos y vi muchos viajes ya borrosos del pasado e imaginé paseos futuros en esta misma costa. Es así, la vida se puede reducir a una lista breve.

© Editorial Germinal
from: Monumentos Ecuestres
San José: Editorial Germinal, 2011
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2011

Playa Santa Teresa, 2006

german

Ein paar Tage und Nächte in Malpaís und Santa Teresa. Ich sah Pelikane, Mörderkokosnüsse, sah Nasenbären, Buckelwale, Leguane, Reiher und winzige blau glänzende Fische, die in Gezeitentümpeln schwammen. Auch Möwen, die uns, als wir auf dem Fährdeck standen, folgten, damit wir sie mit hochsynthetischen Snacks fütterten. Ich sah Freunde, sah die Kinder von Freunden. Sah Freunde und die Kinder von Freunden nachts ein Feuer machen und so das Ritual vollziehen, das uns seit grauer Vorzeit begleitet. Sah jede Nacht vor dem Einschlafen das Meer und sah es auch jeden Morgen beim Aufwachen. Sah einen farbigen Drachen, der in dem klaren Himmel stand, sah, dass die unsichtbare Leine, die ihn hielt, mir bis zu den Händen reichte. Ich sah Einsiedlerkrebse in allen Größen, die mich umrundeten, als ich in den Sand pinkelte. Sah, tief unten im Rucksack, den Rücken eines Romans von Dos Passos, den ich noch nie aufgeschlagen hatte. Sah die Dinge, die das Meer ans Ufer spült: ein Stein in Form einer Kassette, ein Zweig in Form einer Taschenlampe, eine Bierdose in Form einer Bierdose. Eines Nachmittags schloss ich die Augen und sah viele schon verblasste Reisen der Vergangenheit heraufziehen und stellte mir zukünftige Spaziergänge an der selben Küste vor. Das ist alles, ein Leben kann man  mit einer kurze Liste zusammenfassen, mit einer Aufzählung.

übersetzt von Timo Berger
in: Luis Chaves: Gedichte. Hochroth Verlag, Berlin, 2012

UNA BODA, UN DOMINGO, EL FIN DEL VERANO

spanish | Luis Chaves

A las 11 a.m., con los primeros en llegar, se descorchará la botella inaugural (a lo largo del día el arco democrático del vino cubrirá desde cosechas 2004 hasta cajas de tetrabrik). A las 11 p.m., ya en su casa, demasiado cerca del lunes, herido de gravedad por la bala lenta del alcohol, el último en haberse ido repasará, en diapositivas mentales, el primer domingo de marzo: el sol trazando su línea de 180 grados en cámara lenta; la multiplicación del pan y las reses; la montaña de zapatos revueltos en la entrada de la casa; la imagen de alguien, mitad del cuerpo dentro de la refri, buceando por cervezas; un guiso prodigioso preparado con ingredientes de una galaxia muy lejana; el recuerdo de los extensos y turbadores segundos en que sostuvo contacto visual con un perro; y el efecto dominó de la reproducción materializado en aquellas niñas que se bañan chingas en la piscina.

© Editorial Germinal
from: Monumentos Ecuestres
San José: Editorial Germinal, 2011
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2011

Eine Hochzeit, am Sonntag, das Ende eines Sommers

german

Morgens um elf, wenn die ersten kommen, zieht man den Korken aus der Flasche, die alles eröffnet (im Laufe des Tages spannt sich der demokratische Bogen des Weines von einem 2004-er Jahrgang bis zu Tetrapacks). Abends um elf, schon wieder zu Hause, dem Montag bedrohlich nah, schwerverletzt durch die langsame Kugel des Alkohols, lässt der, der als Letzter gegangen ist, noch einmal die Bilder des ersten Märzsonntags im Geist vorbeiziehen: die Sonne, die in Zeitlupe eine Kurve von 180 Grad zeichnet; die Vervielfachung des Brotes und der Rinder; der durcheinander geratene Stapel von Schuhen im Hauseingang; das Bild einer Person, die bis zur Hälfte im Kühlschrank steckt und nach Bier fischt; ein Eintopf, der auf wundervolle Weise mit Zutaten aus einer weit entfernten Galaxie zubereitet wurde; die Erinnerung an lange, verstörende Sekunden, in denen er einem Hund in die Augen blickte; und der Dominoeffekt der Reproduktion, materialisiert in jenen Mädchen, die sich nackt im Pool tümmeln.

übersetzt von Timo Berger
in: Luis Chaves: Gedichte. Hochroth Verlag, Berlin, 2012

MUDANZAS

spanish | Luis Chaves

1.

Si vieras.
Dos semanas de temporal
borraron la huella ocre
de las macetas.

Revuelta en la lavadora,
ropa blanca y de color.

Una casa reducida a cajas de cartón
la tarde que gira sobre el eje de la lluvia.
El mentolado falso
de un Derby suave + una Halls.

Ese color de la plasticina
cuando se mezclan todas las barras.

2.

El mundo da tantas vueltas
que parece no moverse.
Pensé decirlo
pero preferí, de copiloto,
verte manejar en círculos
por el estacionamiento.

3.

Las hormigas vinieron
en las cajas de la mudanza.
El apartamento nuevo
empieza a parecer una casa.  
De otro, pero una casa.

4.

En el departamento nuevo,
el albañil pica la pared buscando
dónde está la fuga de agua.

No es desorden lo que se ve,
es un orden disparejo.


Bolsas plásticas,
cartones con cursiva en pilot
Cocina / libros / baño
Si otro, en este momento, entrara,
no sabría si alguien llega o se va.

5.

Envuelto en la nicotina
de la inmovilidad,
se ablanda el cerebro
y se endurece el corazón.

Sin camisa me veo más viejo,
pensé decirlo pero preferí
recordar la vez que fui tu copiloto
y manejabas en círculos
por el estacionamiento.

6.

Francisca, silenciosa,
se mueve por cada ambiente.
Para allá con la escoba,
para acá con el balde.
Dentro de esa boca,
siempre cerrada,
brilla un diente de oro.

7.

Un pausa que amenaza
con convertirse en otra cosa.

La ropa sin tender,
el gusto del falso mentol,
el espacio libre
donde finalmente parqueaste.

8.

Rodeando latas de cerveza,
los amigos discutían
cuánto dura la juventud.
Pensaste en voz alta
"qué me importa, si nunca fui joven”.

Luego se agitó el borrador de la niebla.
Luego irrumpieron los grillos.

9.

Aquí tendría que ir una frase decisiva
pero se destiñe la camiseta
de la tarde que hablábamos
mientras crecía el pasto
y sin darte cuenta
usabas mis muletillas
cada seis palabras.

Lo que no se va a secar,
lo que brilla sin elección,
un período equivocado para la mudanza,
el cerebro: masa de plasticina,
el corazón: dos puertas de carro
que sólo saben cerrarse.

10.

Debajo de esto hay una canción,
aunque no se escucha ni se ve.

Las promesas de la casa nueva
quedaron en la casa vieja.

Del temporal va quedando ese color
de todas las barras de plasticina
que se mezclan se mezclan,
el martilleo que silencia
la tenacidad de una fuga,  
esas gotas de lluvia
como las venas de la ventana.
Y el canto de los grillos
crece como otra niebla.

Debajo de esto hay algo mejor.

© Editorial Germinal
from: Monumentos Ecuestres
San José: Editorial Germinal, 2011
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2011

Umzüge

german

1.

Wenn du das sehen könntest.
Zwei Wochen Gewitter
haben die ockerfarbenen Abdrücke
der Blumentöpfe abgewischt.

In der Waschmaschine
ein Knäuel weißer und bunter Wäsche.

Ein Haus, das nur noch ein paar Kisten ist
der Nachmittag, der über der Regenscheide kreist.
Eine gefakte Mentholzigarette:
eine Derby light plus ein Hustenbonbon.

Die Farbe, die sich ergibt
wenn man alle Knetstangen vermischt.

2.

Die Welt dreht so viele Runden
dass sie sich gar nicht zu bewegen scheint.
Das wollte ich sagen
Doch als dein Beifahrer
sah ich lieber zu, wie du in Kreisen
über den Parkplatz fuhrst

3.

Die Ameisen kamen
mit den Umzugskisten.
Die neue Wohnung
sieht allmählich wie ein Zuhause aus
das eines anderen zwar, aber ein Zuhause.

4.

In der neuen Wohnung
bricht der Maurer die Wand auf, sucht
das Leck an den Rohren.

Was zu Tage tritt, ist keine Unordnung
sondern eine ungleiche Ordnung.

Plastiktüten
Kartons mit Edding beschrieben in Schrägschrift
Küche / Bücher / Bad
Wenn ein Fremder in diesem Augenblick hereinkäme
wüsste er nicht, ob gerade jemand ein- oder auszieht.

5.

In einer Wolke
von statischem Nikotin
wird das Gehirn weich
und das Herz hart.

Ohne Hemd komme ich mir älter vor
das wollte ich sagen, doch ich
erinnerte mich lieber an das Mal, als ich neben dir saß
und du in Kreisen über
den Parkplatz fuhrst.

6.

Francisca bewegt sich
schweigend durch die Zimmer
in eines mit dem Besen
ins andere mit dem Eimer.
In ihrem Mund
der immer geschlossen ist
blitzt ein Goldzahn.

7.

Eine Pause, die sich in etwas anderes
zu verwandeln droht.

Die nicht aufgehängte Kleidung
der Geschmack von falschem Menthol
die Lücke
in die du schließlich eingeparkt hast.

8.

Deine Freunde saßen um Bierdosen
herum und diskutierten
wie lange die Jugend dauert.
Du dachtest laut:
»Was kümmert das mich, ich war nie jung.«

Später stieg der Nebel auf, der große Radiergummi.
Später stellten die Grillen ihr Konzert ein.

9.

Hier müsste ein entscheidender Satz stehen
Doch das T-Shirt verblasst
An den Nachmittagen, an denen wir sprachen
während der Rasen weiterwuchs
und du, ohne es zu bemerken
jedes sechste Wort
mein Füllwort übernahmst.

Das, was nicht trocknet
das, was willkürlich glänzt
ein falscher Zeitpunkt für einen Umzug
das Gehirn: Knetmasse
das Herz: zwei Autotüren
die sich nur zuschlagen lassen.

10.

Hier drunter liegt ein Lied
auch wenn man es weder hört, noch sieht.

Die Verheißungen des neuen Zuhauses
blieben in dem alten zurück.

Vom Unwetter bleibt jene Farbe zurück
alle Knetmassestangen zusammen
die sich vermischen und vermischen
die Hammerschläge, die eine entschlossene
Flucht zum Verstummen bringen
die Regentropfen
die Arterien eines Fensters gleichen.
Und der Gesang der Grillen
schwillt an wie der Nebel.

Hier drunter liegt etwas Besseres vergraben.

übersetzt von Timo Berger

Palavras aladas

portuguese | Antônio Cícero

Os juramentos que nos juramos
entrelaçados naquela cama
seriam traídos, se lembrados
hoje. Eram palavras aladas
e faladas não para ficar
mas, encantadas, voar. Faziam
parte das carícias que por lá
sopramos: brisas afrodisíacas
ao pé do ouvido, jamais contratos.
Esqueçamo-las, pois, dentro os atos
da língua, houve outros mais convincentes
e ardentes sobre os lençóis. Que esses,
em futuras noites, em vislumbres
de lembranças, sempre nos deslumbrem.

© Antonio Cicero
from: Porventura
São Cristóvão: Editora Record, 2012
Audio production: Casa Fernando Pessoa

Worte mit Flügeln

german

Die Schwüre, die wir uns schworen
ineinander verschlungen in jenem Bett
wären verraten, würden wir uns heute
an sie erinnern. Es waren Worte mit Flügeln
ausgesprochen nicht um zu bleiben
sondern betört davonzufliegen. Sie waren Teil
der Zärtlichkeiten, die wir
hauchten: luststeigernde Brisen
dicht am Ohr und ohne Vertrag.
Vergessen wir sie, denn unter den Akten
der Sprache waren auf den Laken andere
überzeugender und glühender. Mögen uns jene
in künftigen Nächten, im Schimmer
der Erinnerungen, stets erfreuen.

Aus dem Portugiesischen übersetzt von Timo Berger

Vitrine

portuguese | Antônio Cícero

Que divisa o olhar desse moreno?
Namora os tênis atrás da vitrine?
Ou a vidraça que os devassa e inibe
os seus reflexos serve-lhe de espelho
e ele recai na imagem de si mesmo,
igualmente visível e intangível?
É assim tantálica que ela me atinge
obliquamente e ao mesmo tempo em cheio
e mesmeriza, e sinto meio como
se eu o despisse e ele mal percebesse.
Quando olha para traz um instante, atino
sonhar e, salvo engano, ter nos olhos
cacos de um campo de futebol verde
feito o pano das mesas dos cassinos.

© Antonio Cicero
from: A Cidade e os Livros
Vila Nova de Famalicão : Edições Quasi, 2006
Audio production: Casa Fernando Pessoa

Schaufenster

german

Worauf fällt der Blick des Moreno dort?
Will er die Turnschuhe hinter dem Schaufenster haben?
Oder die Fensterscheibe, die sie ausstellt und verhindert
dass ihre Spiegelungen ihm als Spiegel dienen
und er zurückgeworfen ist auf das Bild seiner selbst,
genauso sichtbar und unberührbar?
So tantalisch ist das Bild, dass es mich schräg
trifft und gleichzeitig mit voller Wucht
und hypnotisiert, und ich fühle mich so
als zöge ich ihn aus und er bemerkte es kaum.
Wenn er sich einen Augenblick umdreht, kann ich
träumen und habe, wenn ich nicht irre, in den Augen
Fetzen eines Fußballplatzes, so grün
wie der Bezug von Casinotischen.

Anm. des Übersetzers: moreno kann eine dunkelhaarige oder eine dunkelhäutige Person bezeichnen.

Aus dem Portugiesischen übersetzt von Timo Berger

Eu vi o rei passar

portuguese | Antônio Cícero

Um rei assim
não ouve muito bem
e adora luz;
sem ver ninguém
prefere olhar
o horizonte, o céu:
longe daqui
é tudo seu.

Seu sangue azul
ninguém diz de onde vem
de que sertão
que mar, que além;
e para nós
ele jamais se abriu
senão uma vez
depois partiu.

Um rei assim
cultiva a solidão
sombria flor
no coração
e claro é
que o pêndulo do amor
às vezes vai
até a dor

Devo dizer
que não sofri demais.
Devo dizer
que acordei.
Mesmo sem ser
tudo que imaginei
devo dizer
que o amei.

© Antonio Cicero
from: Guardar
Vila Nova de Famalicão : Edições Quasi, 2002
Audio production: Casa Fernando Pessoa

Ich sah den König vorbeigehen

german

So ein König
hört etwas schlecht
und liebt das Licht;
beachtet niemanden so recht
betrachtet lieber
den Horizont, die Sterne:
die ihm gehören
in weiter Ferne.

Sein Blut ist blau
und keiner weiß, woher er stammt
aus welcher Provinz
von welchem Meer oder Eiland;
uns gegenüber
hat er nie offen gesprochen
nur einmal
und ist dann aufgebrochen.

So ein König
kultiviert seine Einsamkeit
dunkle Blume
die in seinem Herzen weilt
allen ist klar,
dass der Liebe Pendel ausschlägt
manchmal so heftig
dass man es kaum erträgt

Ich muss zugeben,
dass es mir wenig Leid brachte.
Ich muss zugeben,
dass ich plötzlich erwachte.
Obwohl wir nicht so leben
wie ich mir ausdachte
muss ich doch zugeben,
dass ich sehr achte.

Aus dem Portugiesischen übersetzt von Timo Berger

WOPÜ

arawak | Vito Apüshana

Yala julu’u yorolo Pulashiru’u
eesü wane jipia atüjaa kamairü kojutüinjatü tatuma.
Jia kasa mainñatuisü, tawalaa.
ma’aka ja’in jiipain Aalasü,
anaajawetka washa
jüchikijee najattüin chi wayuu ekai apütain
ma’aka ja’in niipain Juliruanarü,
anajaaka tü merajuukat na’u na outüshiikana.
ma’aka ja’in tü pütchi onjulajuushikat maka wamüin
aka nnojolüin wamuiwain waya.

© Vito Apüshana / M. López-Hernández
from: Contrabandeo Sueños con Aríjunas Cercanos. in: Woummainpa No. 7
Riohacha: Universidad de la Guajira, 1998
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2001

WOPÜ

german

In der Höhle von Pulashiru’u
hat das uralte Wissen ein Nest, das ich füttern muss.
Es handelt sich um lautlose Dinge, Bruder.
Wie den Stein von Aalasü,
der über den letzten Wayuu hinaus
über unser Blut wachen wird.
Wie den Felsen von Juliruanarü,
der das Mysterium der Toten in sich trägt.
Wie das Geheimnis, das uns sagt
dass wir nie allein sind.

Auf Grundlage der spanischen Übersetzung von Timo Berger

JUYAPOU

arawak | Vito Apüshana

Taya jükalio’ujuuyase tei
taya yuutuwaa ja’u aipia
taya jüsira tawalayuu.
Taya jütchüin naku’a talaülayuu.
waya wane kataa o’u maituisü...
Achajaashii waya wuin julu’u ja’in tü mmakat.

© Vito Apüshana / M. López-Hernández
from: Contrabandeo Sueños con Aríjunas Cercanos. in: Woummainpa No. 7
Riohacha: Universidad de la Guajira, 1998
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2001

JUYAPOU

german

Ich bin die Regenzeit meiner Mutter.
Bin ein Schweigen unter den Mesquitebäume.
Bin das Lachen bei meinen Geschwistern.
Bin der Widerstand meiner Vorfahren Gang.
Wir sind das einfache Leben ...
Suchen Wasser im Herzen der Erde.

Auf Grundlage der spanischen Übersetzung von Timo Berger

KATAA – O’U

arawak | Vito Apüshana


juka jütchin tü kataaka o’u
eeyülüja juchon yosu
ekajirüin na’anamiain na uchiikana
eesü tü to’ukalüirua
antüin
jünain Iiwa jüma Juyo’u (...)
eesü tü lapükat
antire’e rüin waya
nama na waamakakana.

© Vito Apüshana / M. López-Hernández
from: Contrabandeo Sueños con Aríjunas Cercanos. in: Woummainpa No. 7
Riohacha: Universidad de la Guajira, 1998
ISBN: ISSN 0121-7216
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2001

KATAA – O’U

german


Allein durch ihre Lebenskraft

füttern die Früchte des Kaktus
den Frieden der Vögel.
Finden
meine Augen
Iwa und Juyou (..)
Versöhnen uns
die Träume
mit unseren Toten.

Auf Grundlage der spanischen Übersetzung von Timo Berger

IPA

arawak | Vito Apüshana

Yala tü ipa yalajatüjütka’aya
wanajatkat nama na wayuu jumaiwajanakana:
anajaaka o’upalu’uirua
anajakat kulüirua.
Jia tü ipa erakat wayuuira outüsü
alati’raka watta jaalin juya
anajakat jo ekiisena
anajakat jo unu’ulia.
jia tü ipa erakat wayuuira kato‘ulü
erakat mainyatuli:
anajakat aiñüirua
anajakat wuikalüirua
e’irajena nachikuwa yala
nauchichonnikana
jupula ayula tü lapükalüirua.

© Vito Apüshana / M. López-Hernández
from: Contrabandeo Sueños con Aríjunas Cercanos. in: Woummainpa No. 7
Riohacha: Universidad de la Guajira, 1998
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2001

IPA

german

Dort der ewige Stein,
der der Ahnen:
der über die Blicke wacht
der über die Eidechsen wacht.
Es ist der Stein so vieler Toter,
so vielen Regens:
der über die Schreie wacht,
der über die Pflanzen wacht.
Es ist der Stein so vieler Lebender,
von so vielem Schweigen:
der über die Herzen wacht,
der über die Schlangen wacht.
Dort werden die Vögel
wieder singen,
um die Träume zu schöpfen.

Auf Grundlage der spanischen Übersetzung von Timo Berger

WAYUU

arawak | Vito Apüshana

Jemeishi taya julü’ü wane mma warattüsiü
Kepiashi taya ja’aka jorottüi, jaitairü apain.
Taya juwaralain wane lapü jumaiwajatü
Achejaashi asa’ire jünain juwaralain wuin
Taya kataakat o’u, joukai tüü.
Taya niimala tatuushi Anapule,
outakai juma kulemata...

© Vito Apüshana / M. López-Hernández
from: Contrabandeo Sueños con Aríjunas Cercanos. in: Woummainpa No. 7
Riohacha: Universidad de la Guajira, 1998
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2001

WAYUU

german

Ich wurde in einem hellen Land geboren.
Lebe zwischen Lichtern, selbst in den Nächten.
Bin das Licht eines vorherigen Traums.
Suche im Funkeln des Wassers, meinen Durst.
Bin das Leben, heute.
Bin die Ruhe meines Großvaters Anapule,
der lächelnd starb ...

Auf Grundlage der spanischen Übersetzung von Timo Berger

JIET

arawak | Vito Apüshana

Tü kataakat o’u anuu ya’aya, jupüshua, ja’aka jieyuu...
Tawala, jia watta’a maalu.
Tawayuuse, jia aliika.
Teii, jia aipa’a.
Toushi, jia lapükat.
Jütalatain, müsü aka wane isho’u,
motsosü oulaka o’utusü jia

© Vito Apüshana / M. López-Hernández
from: Contrabandeo Sueños con Aríjunas Cercanos. in: Woummainpa No. 7
Riohacha: Universidad de la Guajira, 1998
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2001

JIET

german

Das Leben spielt hier, voll und unter Frauen …
Meine Schwester, der Morgen.
Meine Frau, der Nachmittag.
Meine Mutter, die Nacht.
Meine Großmutter, der Traum.
Ihr Fest ist wie die Wasserlöcher
von kurzer Dauer und tief.

Auf Grundlage der spanischen Übersetzung von Timo Berger

La mosca

spanish | Diana Vallejo

Hay una mosca violenta
Que golpea en la tela metálica
Un bicho insistente
Que quiere salir, salir …

De ningún modo
Alcanzó los vidrios
Ni la orilla
Solo se dejo vislumbrar
Se dejó caer
Para volar, volar …

Soy como esta mosca
Molesta
A todo credo

No soy ficticia
Hay tentáculos
Glándulas salivales
Patas, ojillos
Para tratar, empujar…

Como esta mosca
Molesta…
Que zumba incrustada
En la tela metálica de la ventanas.

© Diana Vallejo
Audio production: ICORN, Sweden, 2014

Die Fliege

german

Da ist eine hitzige Fliege
Die gegen das Gitter stößt
Ein beharrliches Tier
Das hinaus will, hinaus …

Wie sie's auch anstellt
Die Scheibe erreicht sie nie
Nicht mal den Rand
Man kann sie nur erahnen
Sie stürzt in die Tiefe
Um zu fliegen, fliegen …

Ich bin wie diese Fliege
jeder Glaubensrichtung
lästig

Ich bin nicht erdichtet
Habe echte Fühler
Speicheldrüsen
Beinchen und Äuglein,
Um zu versuchen, zu stoßen …

Lästig
Wie diese Fliege
Die ins Gitter des Fensters
verheddert brummt

Aus dem Spanischen übersetzt von Timo Berger

El otro poeta en el barco

english | Diana Vallejo

Su ira es una llaga que agita el alma
breva sus lágrimas con golpes y verbos,
tira a la basura los amores familiares.

Su ira es un caracol abrasivo
que lleva dagas al agua, al viento
deja el camino para hacer cicatrices
al asfalto…

Su enojo es un globo terráqueo
que tiende a llamar a Dios !inepto!
y él que lo escucha…lo perdona
sin perdonarse nunca.

Su amor es un fósil
como ese gato crispado en el techo que te araña
con la sombra de su esperanza.

Tu ira…
es un remolino de arena
capaz de roer
las dunas del desierto…

Entonces…
¿Cómo ha de haber sido tu amor,
si tu ira es un pleonasmo universal?
¿Cómo sería tu fe,
Si tu enojo es una roca en la garganta?
¿Cómo sería la luz de tus ojos,
si tu odio carboniza a cuantos ve?…

Lástima, que no te conocí entonces…

© Diana Vallejo
Audio production: ICORN, Sweden, 2014

Der andere Dichter auf dem Schiff

german

Seine Wut ist eine Wunde, die die Seele erregt
unter Schlägen und Flüchen trinkt er seine Tränen,
verwirft die familiären Lieben.

Seine Wut ist eine scheuernde Spirale,
die Dolche ins Wasser schlägt, in den Wind,
die von der Spur abweicht, um im Asphalt
Narben zu hinterlassen …

Sein Ärger ist ein Globus,
der dazu neigt, Gott „unfähig!“ zu nennen
und der, der ihm zuhört … vergibt ihm,
sich selbst jedoch nie.

Seine Liebe ist ein Fossil
wie der gereizte Kater auf dem Dach, der dich kratzt
mit dem Schatten seiner Hoffnung.

Deine Wut …
ist eine Sandhose
mit der Kraft, der Wüste
Dünen zu schleifen …

Wie …
erst muss deine Liebe gewesen sein,
wenn deine Wut ein universeller Pleonasmus ist?
Wie war dein Glaube,
Wenn dein Ärger als Felsbrocken in meiner Kehle steckt?
Was geschah dem Licht deiner Augen,
wenn dein Hass alles verbrennt, was er erblickt? …

Schade, dass ich dich damals nicht kannte …

Aus dem Spanischen übersetzt von Timo Berger

Noches polos

spanish | Diana Vallejo

Hay noches como botones grandes…
                cerrando los sacos
Con la gente en las almohadas de los cielos
Y las plumas dispersas de los sueños.

Noches paraguas…
tremendos aguaceros destilando de las almas
ríos bravos de secretos y dolores omitidos.
arrecian, son tormentas silenciosas.

Hay cielos de párpados caídos
ventanas abriendo de par en par la libertad,

Hay despedidas que cierran las puertas del balcón
y el corazón es una carta leída y olvidada
un beso en el aire
una gotita de sangre derramada.

Noches …     polo
que nos cambian la vida.

El norte tiene personalidad múltiple
            y el sol que no acaece
Murmura a las ramas que se queden quietas y lo sostengan.
destroza, aquellas fibras oscuras
y la luna pierde sus pareos…

Entonces…   la multitud abre los ojos,     turbulenta…   despierta…

© Diana Vallejo
Audio production: ICORN, Sweden, 2014

Nächtliche Pole

german

Manche Nächte sind wie die großen Knöpfe,
            die man an einem Sakko schließt,
Mit Leuten, die auf himmlischen Kissen sitzen,
Und den verstreuten Federn der Träume.

Regenschirmnächte …
gewaltige Wolkenbrüche, destilliert aus den Seelen
wilde Flüsse unterdrückter Geheimnisse und Schmerzen.
sie erstarren zu stillen Stürmen.

Manche Himmel sind aus geschlossenen Augenlidern
Doppelfenster, die sich hin zur Freiheit öffnen,

Manche Abschiede schließen die Balkontüren
und das Herz ist ein gelesener und vergessener Brief
ein Kuss in die Luft
ein vergossener Blutstropfen.

Nächtliche … Pole,
die unser Leben ändern.

Der Norden hat eine multiple Persönlichkeit
            und seine Sonne zeigt sich nie,
Sie befiehlt den Zweigen flüsternd, still zu bleiben und sie zu tragen.
Zerreißt die dunklen Fasern
und der Mond verliert seinen Umhang …

Dann … schlagen die Massen die Augen auf… erwachen ... aufgewühlt ...

Aus dem Spanischen übersetzt von Timo Berger

[a sombra (o tigre de blake) a lira breve]

portuguese | Antonio Carlos Cortez

a sombra (o tigre de blake) a lira breve
a sombra horizonte da música
o revolver das mãos por dentro da pele
a voz na envolvente superfície do instante
a sombra no limite é o corpo a palavra
isto é o mármore da memória a fala
a cadeia de saliva em espessa floração
a sinuosa areia do deserto o sentido
perseguido na linha de sombra
a linha invisível a invasão antiga
a fonte grega a alegria súbita do êxtase
o poema é o rosto de alguém connosco
habitante como nós da imensa solidão
da sombra levada ao limite do signo
isto é do tecido rítmico

© António Carlos Cortez
from: A Sombra no Limite
Lisboa: Gótica, 2004
Audio production: Câmara Municipal de Lisboa, 2012

[der Schatten (der Tiger von Blake) die kurze Leier]

german

der Schatten (der Tiger von Blake) die kurze Leier
der Schatten Horizont der Musik
das Wühlen der Hände tief in der Haut
die Stimme in der packenden Oberfläche des Moments
der Schatten an der Grenze ist der Körper das Wort
dies ist der Marmor des Gedächtnisses die Sprache
die Kette des Speichels in zäher Blüte
der gewellte Sand der Wüste der Sinn
verfolgt auf der Schattenlinie
die unsichtbare Linie der antiken Invasion
die griechische Quelle die jähe Freude der Ekstase
das Gedicht ist das Gesicht von einem der bei uns ist
Bewohner wie wir der immensen Einsamkeit
des zur Grenze des Zeichens geführten Schattens
dies ist ein rhythmisches Gewebe

Aus dem Portugiesischen übersetzt von Timo Berger

[é o Tejo escorrendo nas sombrias casas de vermelho]

portuguese | Antonio Carlos Cortez

                                                 Hoje sou eu quem como o rio transluz
                                              Hoje sou eu quem sem primícias seca

                                                                                 Luiza Neto Jorge


é o Tejo escorrendo nas sombrias casas de vermelho.
pergunto pelos barcos e não me respondem. ninguém sabe
é o tempo diluído nas camas brancas dos amantes sem resposta
dos rápidos amantes que lembram duas balas no sangue arrefecido.
perguntei aos amantes pela cidade dos barcos no rio.
ninguém sabe. ninguém sabe da cidade com mar nos dedos
aquela que sobe pelo peito fácil das casas feitas do cheiro matinal
dos gritos e do amor rápido e sanguíneo e sedento. é talvez a hora
de romper por entre os barcos que estão nos portos sombrios
sombrios abutres de marinheiros sem literatura.
não me contaram dos barcos como num poema
nem de rostos varridos pelas musicas de cítaras antigas.
no Tejo escorria de vermelho-sangue um sabre só encontrei
o azul e o branco estagnados da parte velha da cidade do fado.
o rio calado e os seus barcos e tu a subires a rua nova do alecrim
pelo menos nos meus olhos era essa rua de cesário e eu a respirar
o mesmo ar de asfixia ou a tentar não naufragar nestas águas pantanosas
nestas vielas obscuras nesses barcos de madeira ao sol já corrompida
onde ainda adivinhamos o rio Tejo e as sete colinas gravados
onde o amor foi perpetrado (na memória tentacular do mar)
e era ainda o Tejo

© António Carlos Cortez
from: Um Barco no Rio
Lisboa: Hugin, 2002
Audio production: Câmara Municipal de Lisboa, 2012

[der Tejo durchfließt die düsteren in Rot getauchten Häuser]

german

                                                    Heute bin ich der durchscheinende Fluss
                                                 Heute bin ich der, der ohne Quellen austrocknet
                                                                                                     Luiza Neto Jorge


der Tejo durchfließt die düsteren in Rot getauchten Häuser.
ich frage nach den Schiffen und keiner antwortet. niemand weiß es
die Zeit verrinnt unerwidert in den weißen Betten der Geliebten
der schnellen Geliebten, die sich an zwei Kugeln im erkalteten Blut erinnern.
ich frage die Geliebten nach der Stadt mit den Schiffen im Fluss.
niemand kennt sie. niemand kennt die Stadt mit dem Meer an den Fingern
jene, die aufsteigt über der planen Brust der Häuser errichtet aus
                                                                                                                   Morgenduft
Geschrei und der schnellen und blutigen und gierigen Liebe. Vielleicht 
muss man jetzt zwischen den Schiffen hindurch, die in düsteren Häfen 
dümpeln düstere Geier jene Seemänner ohne Literatur.
wie in einem Gedicht erzählte man mir weder von den Schiffen
noch von den durch die Klänge alter Zithern entrückten Gesichtern.
ein Säbel zerrann blutrot im Tejo und ich stieß nur auf das stehende Blau
und das Weiß im alten Teil der Stadt des Fado.
der schweigsame Fluss und seine Schiffe und du gingst die neue Rua do
                                                                                                               Alecrim hinauf
wenigstens in meinen Augen war es jene Straße von Cesário und ich atmete
dieselbe stickige Luft oder versuchte in dem sumpfigen Wasser nicht                                                                                                                              unterzugehen
in den dunklen Gassen und auf den modrigen sonnenbeschienen Schiffen
wo wir den Tejo und die sieben eingravierten Hügel nur mehr erahnen
wo die Liebe begangen wurde (in den Fangarmen des
                                                                                               Meeresgedächtnisses)
die immer noch der Tejo war

Aus dem Portugiesischen übersetzt von Timo Berger

POESIA REALISTA

portuguese | Antonio Carlos Cortez

É esta a rua
O rio da vida
A vida tua

Quem por demasiado
tempo se entregou
ao exercício

de escrever
como quem morre
e quer viver

saberá um dia
se foi de verdade
amado?

Não é a escrita
essa rede realista
que agarra a vida

nas malhas de fogo
ou no trânsito do cianeto?
Quem escreve saberá

que escrevendo prolonga
o dia acabado
em mais uma noite

longa como
corpo esgotado?

© António Carlos Cortez
from: Depois de Dezembro
Évora: Licorne, 2010
Audio production: Câmara Municipal de Lisboa, 2012

REALISTISCHE DICHTUNG

german

Das ist die Straße
Der Fluss des Lebens
Deines Lebens

Einer, der zu viel
Zeit der Übung
des Schreibens

gewidmet hat
wie einer, der stirbt
und leben will,

wird er jemals erfahren
ob er wirklich
geliebt wurde?

Fängt nicht die Schrift
diese realistische Netz
das Leben ein

in seinen Feuermaschen,
im fließenden Zyanid?
Weiß einer, der schreibt

dass er den vollendeten Tag
schreibend verlängert
um noch eine Nacht

die lang ist wie
ein erschöpfter Körper?

Aus dem Portugiesischen übersetzt von Timo Berger

*QUE É DOR/ A DOR QUE DE VERAS SENTE

galician | Yolanda Castaño

Teño cara de gustarme
as cousas que non me gustan.

Os labios de toda a xente
falan sen despegarse.

Isto tamén é así.
As paredes dunha gruta na que alguén, hai dez mil anos,
desdoura o natural da pedra.
Moedas, corrente alterna,
unha rapaza nada cos xenes da beleza,
toda picada de complexos.
Coma un orgasmo de Hedy Lamarr, os ollos de Nikola Tesla.
Un país onde non ser,
onde só cómpre
parecelo.
Luvas desenfundadas, sal, a máis prestixiosa
de todas as escolas de dobraxe.

O capital é o pesadelo
de quedarmos atoados na nosa capacidade simbólica.
A máis favorecedora de todas:
maquillaxe tanatoestética.
Anos de traballo voltos un pedazo de granito ecuestre.
Unha industria da miseria, as leiras do volframio.
Coma un corpo ardente que sabe, e
disimula.
Pestanas postizas de marca barata, unha imaxe
idéntica a si mesma.

Coma poesía política que se confunde
cunha autofoto fronte o espello do baño.
A metonimia do mal,
normativo dislocado.
Escenificación, menú, a escaleira de incendios do discurso.
Algo ao que lle medran raíces aéreas
e devece por volver á terra en canto hai tempo que saíu á luz;
coma os ollos das patacas.

A ollada do poema é tamén así:
filas de formigas obreiras
esmagadas para permanecer,

restos de acenos
que parecen

outra cousa.

© Yolanda Castaño
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

WAS IST SCHMERZ / DER SCHMERZ, DEN SIE WIRKLICH FÜHLT

german

Ich sehe aus, als würde ich Dinge
mögen, die ich nicht mag.

Alle Welt spricht
mit geschlossenen Lippen.

Auch das hier:
Die Wände einer Grotte, in der vor zehntausend Jahren
jemand die natürliche Essenz eines Steins befleckte.
Ein paar Münzen, wechselnde Strömung,
ein Mädchen, dem die Schönheit in den Genen steckt,
vernarbt von Komplexen.
Wie ein Orgasmus von Hedy Lamarr, die Augen von Nikola Tesla.
Ein Land, in dem man nicht sein,
sondern nur scheinbar
sein musste.
Abgestreifte Handschuhe, Salz, die Akademie für Synchronsprecher
mit dem besten Ruf.

Das Kapital ist nichts als der Alptraum,
in einem symbolischen Vermögen gefangen zu sein.
Von allem am vorteilhaftesten:
ein thanatoästhetisches Make up.
Jahre der Arbeit, geronnen zu Reitergranit.
Eine Elendsindustrie, Wolframgärten.
Wie ein feuriger Körper, der sich genau auskennt
und trotzdem Unschuld vortäuscht.
Künstliche Wimpern einer Billigmarke, ein Bild,
das mit sich selbst identisch ist.

Wie politische Dichtung, vermischt
mit einem Selfie vor dem Badezimmerspiegel.
Die Metonymie des Bösen,
die verlegte Norm.
Eine Inszenierung, ein Menü, die Feuerleiter eines Vortrags.
Etwas, dem Luftwurzeln wachsen,
das sich sehnt nach der Rückkehr zur Erde,
wie Kartoffelaugen.

Auch der Blick des Gedichts ist so,
Ameisenstraßen,
für immer zerdrückt,

Reste von Gesten,
die aussehen

wie etwas anderes.

Aus dem Galicischen von Timo Berger und Heidi Kühn-Bode

MAZÁS DO XARDÍN DE TOLSTOI

galician | Yolanda Castaño

Eu,
que bordeei en automóbil as beiras do Neretva,
que rebañei en bicicleta as rúas húmidas de Copenhague.
Eu que medín cos meus brazos os buratos de Saraxevo,
que atravesei ao volante a fronteira de Eslovenia
e sobrevoei en avioneta a ría de Betanzos.
Eu que collín un ferry que arribase ás costas de Irlanda,
e á illa de Ometepe no Lago Cocibolca;
eu que non esquecerei aquela tenda en Budapest,
nin os campos de algodón na provincia de Tesalia,
nin unha noite nun hotel aos 17 anos en Niza.
A miña memoria vai mollar os pés á praia de Jurmala en Letonia
e na sexta avenida síntense coma na casa.
Eu,
que houben morrer unha vez viaxando nun taxi en Lima,
que atravesei o amarelo dos campos brillantes de Pakruojis
e crucei aquela mesma rúa que Margarett Mitchell en Atlanta.
Os meus pasos pisaron as areas rosadas de Elafonisi,
cruzaron unha esquina en Brooklyn, a ponte Carlos, Lavalle.
Eu que atravesei deserto para ir ata Essaouira,
que me deslicei en tirolina dende os cumios do Mombacho,
que non esquecerei a noite que durmín na rúa en Amsterdam,
nin o Mosteiro de Ostrog, nin as pedras de Meteora.
Eu que pronunciei un nome no medio dunha praza en Gante
que unha vez suquei o Bósforo vestida de promesas,
que nunca volvín ser a mesma despóis daquela tarde en Auschwitz.
Eu,
que conducín cara o leste até preto de Podgorica,
que percorrín en motoneve o glaciar de Vatnajökull,
eu que nunca me sentín tan soa coma na rue de Sant Denis,
que xamáis probarei uvas coma as uvas de Corinto.
Eu, que un día recollín
   mazás do xardín de Tolstoi,
quero voltar a casa:
o recanto
que prefiro
da Coruña

xusto en ti.

© Yolanda Castaño
from: Varios autores - A Coruña á luz das letras
Iñás-Oleiros: Ed. Editorial Trifolium, 2008
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

Äpfel aus Tolstois Garten

german

Ich,
die ich mit dem Auto die Ufer der Neretva entlangfuhr,
die ich mit dem Fahrrad die nassen Straßen Kopenhagens aufleckte.
Ich, die mit meinen Armen die Löcher Sarajevos vermaß,
die ich – am Steuer – die Grenze zu Sloweniens überquerte
und in einer Chesna über die Bucht von Betanzos flog.
Ich, die ich eine Fähre nahm, um an der Küste Irlands anzulegen,
und an der Insel Ometepe im Nicaraguasee;
ich, die ich jenes Geschäft in Budapest nie vergessen werde,
noch die Baumwollfelder Thessaliens
oder diese Nacht mit 17 in einem Hotel in Nizza.
Meine Erinnerung umspült meine Füße am Strand von Jūrmala in Lettland
und fühlt sich auf der 6th Avenue zu Hause.
Ich,
die ich beinah umgekommen wäre, als ich in Lima ein Taxi bestieg,
die ich durch das Gelb der leuchtenden Felder von Pakruojis schlenderte
und in Atlanta über dieselbe Straße ging wie Margarett Mitchell.
Meine Schritte führten mich auf Elafonisi über rosafarbenen Sand,
über eine Kreuzung in Brooklyn, die Karlsbrücke, die Calle Lavalle.
Ich, die ich durch die Wüste ging, um nach Essaouira zu gelangen,
die ich vom Gipfel des Mombacho mit einer Seilrutsche in die Tiefe fuhr.
die ich die Nacht, in der ich in Amsterdam auf der Straße schlief, nie vergessen werde
noch das Kloster Ostrog oder die Felsen von Meteora.
Ich, die ich mitten auf einem Platz in Gent einen Namen aussprach,
die ich einmal, gehüllt in Versprechen, den Bosporus durchpflügte,
die ich nach einem Nachmittag in Auschwitz nicht mehr dieselbe war.
Ich,
die ich nach Osten bis in die Nähe von Podgorica fuhr,
die ich im Motorschlitten über den Vatnajökull-Gletscher schoss,
ich, die ich mich nie so allein fühlte wie in der Rue de Sant Denis,
die ich nie mehr Trauben wie die Trauben von Korinth essen werde.
Ich, die ich eines Tages
                                                        Äpfel in Tolstois Garten pflückte,
will nach Hause zurückkehren:
ins Versteck
das ich am liebsten mag
in A Coruña

mitten in dir.

Aus dem Galicischen von Timo Berger und Heidi Kühn-Bode

HISTORIA DA TRANSFORMACIÓN

galician | Yolanda Castaño

Foi primeiro un trastorno
unha lesiva abstinencia de nena eramos pobres e non tiña nin aquilo
raquítica de min depauperada antes de eu amargor carente unha
parábola de complexos unha síndrome unha pantasma
(Aciago a partes iguais botalo en falla ou lamentalo)
Arrecife de sombra que rompe os meus colares.
Foi primeiro unha branquia evasiva que
non me quixo facer feliz tocándome co seu sopro
son a cara máis común do patio do colexio
a faciana eslamiada que nada en nada sementa
telo ou non o tes renuncia afaite traga iso
corvos toldando nubes unha condena de frío eterno
unha paciente galerna unha privada privación
(nena de colexio de monxas que fun saen todas
anoréxicas ou lesbianas a
letra entra con sangue nos cóbados nas cabezas nas
conciencias ou nas conas).
Pechei os ollos e desexei con todas as miñas forzas
lograr dunha vez por todas converterme na que era.

Pero a beleza corrompe. A beleza corrompe.
Arrecife de sombra que gasta os meus colares.
Vence a madrugada e a gorxa contén un presaxio.
Pobre parviña!, obsesionácheste con cubrir con aspas en vez de
co seu contido.
Foi un lento e vertixinoso agromar de flores en inverno
Os ríos saltaban cara atrás e resolvíanse en fervenzas rosas
borboletas e caracois nacéronme nos cabelos
O sorriso dos meus peitos deu combustible aos aeroplanos
A beleza corrompe
A beleza corrompe
A tersura do meu ventre escoltaba á primavera
desbordaron as buguinas nas miñas mans tan miúdas
o meu afago máis alto beliscou o meu ventrículo
e xa non souben qué facer con tanta luz en tanta sombra.

Dixéronme: “a túa propia arma será o teu propio castigo”
cuspíronme na cara as miñas propias virtudes neste
clube non admiten a rapazas cos beizos pintados de vermello
un maremoto sucio unha usura de perversión que
non pode ter que ver coa miña máscara de pestanas os
ratos subiron ao meu cuarto enluxaron os caixóns da roupa branca
litros de ferralla alcatrán axexo ás agachadas litros
de control litros de difamadores quilos de suspicacias levantadas
só coa tensión do arco das miñas cellas deberían maniatarte
adxudicarte unha estampa gris e borrarte os trazos con ácido
¿renunciar a ser eu para ser unha escritora?
demonizaron o esguío e lanzal do meu pescozo e o
xeito en que me nace o cabelo na parte baixa da caluga neste
clube non admiten a rapazas tan ben adobiadas
Desconfiamos do estío
A beleza corrompe.
Mira ben se che compensa todo isto.

© Yolanda Castaño
from: Profundidade de campo
Espiral Maior: La Coruña, 2007
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

GESCHICHTE EINER VERWANDLUNG

german

Am Anfang stand eine Verwirrung
eine schmerzhafte Enthaltsamkeit als Kind wir waren arm und ich nicht mal das
war ein rachitisches schwächlich Ding bevor ich da war mittellos und verbittert
eine Parabel von Komplexen ein Syndrom ein Gespenst
(verhängnisvoll: zu gleichen Teilen entbehren und lamentieren)
ein Schattenriff das meine Ketten kappt.
Am Anfang eine fliehende Kieme die
mich nicht glücklich machen wollte deren Atem mich jedoch berührte
Ich bin das gewöhnlichste Gesicht auf dem Schulhof
ein ordinäres Antlitz das Nichts ins Nichts sät
du hast es oder hast es nicht gibs auf schlucks runter
Raben die Wolken verdunkeln bringen ewige Kälte
Geduldige Galerne ein privater Verzicht
(Schülerin einer Klosterschule die werden alle
magersüchtig oder lesbisch
Lesen lernen mit blutigen Ellenbogen Blut in den Köpfen
im Bewusstsein in den Mösen)
Ich schloss die Augen und wünschte mir mit ganzer Kraft
ich könnte mich endlich in die verwandeln die ich war.

Doch Schönheit verdirbt. Schönheit verdirbt.
Schattenriff das meine Ketten verschleißt.
Der frühe Morgen triumphiert und die Kehle birgt Vorahnungen.
Armes Dummchen! Warst davon besessen dich mit Kreuzen zu bedecken
statt mit dem was sie bedeuten.
Ein langsames, atemberaubendes Erblühen von Knospen im Winter
Die Flüsse flossen rückwärts, lösten sich auf in rosa Wasserfälle
Insekten und Schnecken wuchsen mir aus den Haaren
Meine lächelnden Brüste betankten Flugzeuge mit Kerosin
Schönheit verdirbt
Schönheit verdirbt
Mein glatter Bauch kam mit dem Frühling
Schnecken quollen aus meinen winzigen Händen
eine höchste Liebkosung stach mir in die Herzkammer
ich wusste nichts anzufangen mit so viel Licht zwischen so viel Schatten.

Sie sagten mir: „Deine eigene Waffe wird zu deiner Strafe“
sie spuckten mir meine Tugenden ins Gesicht in diesem Club
sind Mädchen mit rot geschminkten Lippen nicht erwünscht
ein schmutziges Meerbeben ein Wucher aus Perversion der
nichts zu tun haben kann mit meiner Wimperntusche die
Mäuse kletterten in mein Zimmer verdreckten Schubladen voll weißer Wäsche
literweise lauern versteckt rostiges Eisen und Pech literweise
Kontrolle literweise Verleumdung kiloweise erhebt sich Misstrauen
allein mit der Spannung meiner hochgezogenen Brauen sollte man deine Hände fesseln
dir eine graue Gestalt verleihen und deine Züge mit Säure auslöschen
Mich selbst aufgeben um Schriftstellerin zu werden?
Sie verteufeln meinen eleganten schlanken Hals und die
Art wie mein Haar im Nacken wächst in diesem Club
sind zurechtgemachte Mädchen nicht erwünscht
Wir trauen dem Sommer nicht
Schönheit verdirbt.
Prüfe genau, ob es sich lohnt für dich.

Aus dem Galicischen von Timo Berger und Heidi Kühn-Bode

[tanto barro pra amassar]

portuguese | Criolo

tanto barro pra amassar
na sacola uma ilusão
na cabeça um querer
arma e ódio na mão
7 chaves pra abrir
7 portas meu irmão
odisséia sem ulisses
biqueira, viela e pão
pega a pedra pra jogar
na lua que não se vê
nem são jorge nem dragão
vaidade é ilusão
é a cinza do umbral
é o aço é a dor
é um pai é um irmão
é grana, sangue no chão.
1 alma pra ganhar
2 almas pra perder
3 almas que se vão
4 almas no porão
5 almas vão dizer : calma com esse alçapão
6 almas pra tentar
7 almas dizem não
8 almas pra sofrer
9 almas narrarão
que 10 anjos vão morrer, todos sem arma na mão .

© Criolo
from: inédito/unpublished
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2014

[so viel lehm ist noch zu formen]

german

so viel lehm ist noch zu formen
in der tüte ein trugbild
im kopf ein wunsch
in der hand eine knarre und hass
7 schlüssel zum öffnen
7 türen, mein freund
ohne odysseus eine irrfahrt
umschlagsort, gasse und brot
nimm den stein, schieß ihn
zum mond, den man nicht sieht
auch nicht georg* oder den lindwurm
die eitelkeit, ein hirngespinst
ist asche auf der schwelle
ist stahl, ist schmerz
ist vater und bruder
ist kohle, blut auf dem boden.
1 seele, zu gewinnen
2 seelen, zu verlieren
3 seelen, die davonziehen
4 seelen im keller
5 seelen werden sagen: vorsicht mit der falltür
6 seelen, zu verführen
7 seelen, die sagen: nein
8 seelen, die leiden
9 seelen, die erzählen
dass 10 engel sterben und nicht einer mit ner knarre in der hand.


* São Jorge, der Heilige Georg, ist Schutzheiliger von Rio de Janeiro.

aus dem brasilianischen Portugiesisch von Timo Berger

[amor será que existe ?]

portuguese | Criolo

amor será que existe ? se o mundo insiste num terreno vil
amor de fotonovela de mulher submissa objeto servil
amor que te amarra calada, que te põe pra baixo causa depressão
macho burro desligado ao virar as costas ela abre o portão
amor pra quem nasce na guerra a criança se apega ao pão e ao fuzil
amor de um país moribundo corrupção é o fundo da alma sem brio
amor de homem que maltrata, que engana e faz casa virar prisão
amor, isso não é amor
é falta de opção
amor palavra badalada se sente magoada por quem nunca a sentiu
amor, faça que essa política leve dignidade há quem nunca sorriu
amor acabe com essas guerras entre os homens, prospera o mal da ambição
amor não se compra ou se vende, o amor tá carente de outra propulsão
amor são marcas do tempo, chuva ,sol, vento, rosto, boca, corpo, quadril
amor é se sentir desejada, protegida, amada, sem ego viril
amor palavra tão falada, por demais insultada, eu te peço perdão
fêmea que nutre e desagua és quem manda e desmanda no pobre rei leão

© Criolo
from: inédito/unpublished
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2014

[liebe – gibt es die?]

german

liebe – gibt es die? wenn sich die welt niederen gefilden versteckt
liebe aus den fotolovestorys für unterwürfige frauen, als willfähriges objekt
liebe, die dich zum verstummen bringt, dich runterzieht, zu depressionen führt
dummer macho, wenn du dich umdrehst, und sie das tor aufschließt
liebe für den, der im krieg geboren wird, das kind klammert sich an brot und gewehr
liebe eines siechenden landes, korruption wiegt in der ehrlosen seele schwer
liebe eines mannes, der misshandelt, betrügt und sein zuhause zum knast macht
liebe, das ist liebe nicht
sondern das fehlen einer aussicht
liebe, gehyptes wort, fühlt sich verletzt von dem, der sie nie gefühlt hat
liebe, verleih dieser politik ein wenig würde, es gibt jemand, der nie gelächelt hat
liebe, beende diese kriege zwischen menschen, das übel des eifers floriert
liebe kauft oder verkauft man nicht, der liebe fehlt ein anderer antrieb
liebe wird von der zeit bestimmt, von regen, sonne, wind, gesicht, mund, körper, po
liebe ist, sich begehrt zu fühlen, beschützt, geliebt, ohne männliches ego
liebe, so oft gesagt, viel zu oft geschändet, um verzeihung bitte ich dich
löwin, die ernährt, du herrschst, du beherrschst den armseligen könig

aus dem brasilianischen Portugiesisch von Timo Berger

[o número daquele barraco identifica aquele pobre coitado]

portuguese | Criolo

o número daquele barraco identifica aquele pobre coitado
um músculo traz no peito um compasso
bate quase que por milagre um coração maltratado
da banca de jogo do bicho ele fez um armário
casa que se chover vira um aquário
de roupas dadas que quase não cabem
e das que cabem quase se tropeça
e na rua é mão na cabeça e tapa no ouvido
na rua é mão na cabeça e tapa no ouvido
põe número naquele barraco
mapeia e revitaliza aquele pobre coitado
um músculo dá nó peito um compasso
bate quase que por pirraça um coração maltratado
gíria que sugere um rever linguístico
felicidade é mito pra bairros longínquos
do topo de um arranhacéu ele rege um contrato
da casa que se chover e vira um aquário ele tira um barato
riquezas dadas que quase não cabem
e das que cabem se lambuza e tropeça
e na rua é mão na cabeça e tapa no ouvido
na rua é mão na cabeça e tapa no ouvido.
na rua é mão na cabeça e tapa no ouvido..
na rua é mão na cabeça e tapa no ouvido…

© Criolo
from: inédito/unpublished
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2014

[die nummer der hütte identifiziert den armen schlucker]

german

die nummer der hütte identifiziert den armen schlucker
ein muskel in der brust gibt den takt vor
fast ein wunder, dass ein misshandeltes herz schlägt
aus dem kiosk des jogo do bicho* baut er nen schrank
ein haus, das zum aquarium wird, wenn es schifft
mit geschenkten kleidern, die fast nicht passen
und die, die passen, über die stolpert er fast
auf der straße, hände hoch und ein satz heiße ohren
auf der straße, hände hoch und ein satz heiße ohren
er nummeriert die hütte
kartiert und wiederbelebt den armen schlucker
ein muskel gibt in der brust den takt vor
schlägt fast trotzig das misshandelte herz
der slang empfiehl, die sprache ganz zu revidieren
das glück, ein mythos für ferne quartiere
oben auf einem wolkenkratzer hat er nur einen mietvertrag
über das häuschen – bei regen ein aquarium –, er lacht
geschenkte reichtümer, die ihm fast nicht passen
und die, die ihm passen, verprasst er und stolpert
auf der straße, hände hoch und ein satz heiße ohren
auf der straße, hände hoch und ein satz heiße ohren.
auf der straße, hände hoch und ein satz heiße ohren..
auf der straße, hände hoch und ein satz heiße ohren…

* wörtlich „Tierspiel“ – ein illegales Lotteriespiel in Brasilien

aus dem brasilianischen Portugiesisch von Timo Berger

[quando o orgulho fere o orgulho ferido]

portuguese | Criolo

quando o orgulho fere o orgulho ferido
quando a calda ferve, ferve o inimigo
quando a dança para, aparece o ruído
ruído que tece, lençol, fronha e pele
quando a inveja chega, chega seu atrito
tem arma de fogo, fogo de conflito
quando a guerra para, já morreu foi gente
já não é mais gente o agente disso tudo que tá rindo agora
hospitais fechados, escolas e creches
sem amor, sem nada, dinheiro na frente
pau, foice, enxada nas ventas da mente
e quem pregava a paz, jaz no portão
e beijar sua boca que não seja em vão
vadiar mentiras nesta ilusão
coração escorre no asfalto quente
roupa de quebrada espirra sangue
sangue mata a sede de orgulho ferido
que fere o amigo
amigo quem tem não corre perigo
perigosamente pensar diferente
come calda quente quem fere
e sente ela se aproximar sem explicação
prêmio de quem trabalha é humilhação
mas beijar sua boca que não seja em vão
vadiar mentiras nesta ilusão

© Criolo
from: inédito/unpublished
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2014

[wenn der stolz verletzten stolz verletzt]

german

wenn der stolz verletzten stolz verletzt
wenn die calda* hochkocht, kocht der feind
wenn der tanz abbricht, bricht lärm aus
lärm, der laken, gesicht und haut verwebt
wenn neid aufkommt, kommt es zu spannungen
eine feuerwaffe gießt feuer in den streit dann
hört der krieg auf, gingen viele leute drauf
er ist kein mensch mehr, der all das macht und danach lacht
kliniken, schulen, krippen sind geschlossen
ohne liebe, ohne nichts, vor allem andern geld
knüppel, sichel, hacke in den nüstern eines geists
und der, der frieden predigte, liegt tot vor dem tor
seinen mund küssen, sonst kommt mir alles umsonst vor
in jeder illusion lungern die lügen
das herz zerinnt auf heißem asphalt
und von den kleidern der pusher spritzt blut
blut stillt den durst des verletzten stolzes
der den freund verletzt
wer einen freund hat, läuft keine gefahr
gefährlich schräg zu denken
der, der verletzt ist, wird sich einen löffel calda schenken
und sieht sie näherkommen, ohne erklärung
der preis für den, der malocht, bleibt die erniedrigung
seinen mund küssen, sonst kommt mir alles umsonst vor
in jeder illusion lungern die lügen

* Zucker, den man in Wasser aufkocht, etwa für eine Kuchenglasur

aus dem brasilianischen Portugiesisch von Timo Berger

[alguém, alguém tem que pagar pra catraca girar]

portuguese | Criolo

alguém, alguém tem que pagar pra catraca girar, pra saúde morrer e pra ração chegar
pro circo não vacilar
e pra farda :
BATER, BATER,BATER
e quem paga a conta amor ?
alguém, algum tem que lucrar quando a cachaça chegar e o povo adormecer quando a bola rolar
pro circo não vacilar
e pra farda :
BATER, BATER,BATER
e quem paga a conta amor ?
o amor é uma nota de 100 no barraco de quem não tem o que comer
enquanto numa mansão
chora um irmão porque amor comprado não é amor que vem do coração.

© Criolo
from: inédito/unpublished
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2014

[einer, einer muss dafür bezahlen]

german

einer, einer muss dafür bezahlen, dass sich das drehkreuz* dreht, damit die gesundheit stirbt und futter da ist
dafür, dass der zirkus nicht schwankt
und damit die polypen:
SCHLAGEN, SCHLAGEN, SCHLAGEN
und wer bezahlt die rechnung, liebste?
einer, einer muss davon profitieren, wenn der cachaça** fließt und das volk einschläft, wenn der ball rollt
dafür, dass der zirkus nicht schwankt
und damit die polypen:
SCHLAGEN, SCHLAGEN, SCHLAGEN
und wer bezahlt die rechnung, liebste?
die liebe ist ein hunderter in der hütte von dem, der nichts zu essen hat
während ein bruder
in einer villa weint, weil die käufliche liebe nie von herzen kommt.


* In brasilianischen Bussen ist hinter der Fahrerkabine ein Drehkreuz installiert an dem ein Schaffner kassiert – Anspielung auf die Proteste im Juni 2013, als Zehntausende Brasilianer unter anderem gegen die Erhöhung der Preise im Öffentlichen Nahverkehr auf die Straße gingen.
** Zuckerrohrschnaps

aus dem brasilianischen Portugiesisch von Timo Berger

[sem braços, sem pernas, sem moedas num pote]

portuguese | Criolo

sem braços, sem pernas, sem moedas num pote
sem uma boca grande pra dizer acode
estamos aí a sua mercê
ele chegou aqui cheio de ferramentas, desavenças, falsas crenças
em aço, soberba concreto e poder
se vai me ver assim numa caixa de vidro ou em leilão de alma por quilo
aqui jaz a mãe natureza, não quero dizer
e se a janela da alma tem uma trava
limpe seus olhos que tudo se acalma
plural quarta pessoa verbo proteger

© Criolo
from: inédito/unpublished
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2014

[keine arme, keine beine, im becher keine münzen]

german

keine arme, keine beine, im becher keine münzen
kein großes maul, um zu sagen, ich würd mir hilfe wünschen
bin zu ihren diensten
er kam mit werkzeug und ärger, dem irrglauben
an stahl, hochmut, beton und macht
wenn du mich so in einer vitrine siehst oder bei der versteigerung meiner seele, kiloweise
zu sagen, hier ruht mutter natur, wird nichts nützen
denn wenn ein riegel das fenster dieser seele versperrt
wasch deine augen, damit sich alles entzerrt
vierte person plural des verbes schützen

aus dem brasilianischen Portugiesisch von Timo Berger

[tomado de emoção forte]

portuguese | Criolo

tomado de emoção forte
da cana lascou três doses
chamou apostila de poste e foi a rua remar
numa pureza tão grande
olha o olho lacrimejante
explode a lantejoula no globo ocular
e se a vida é assim tão boa
porque é que a gente chora à toa
quando começa a remar ?
sair missão dos malotes
é roleta russa com a sorte
a faca perfura umbigo
chafariz vai chorar…
e no clássico feroz da cidade
até o mais inocente sabe
que o sonho do gandula é jogar
tomado de emoção forte
eu fiz um piso pra morte sorrir ao me visitar.

© Criolo
from: inédito/unpublished
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2014

[aufgewühlt von sehr starken gefühlen]

german

aufgewühlt von sehr starken gefühlen
den rachen er mit drei gläsern cana* spülte
zur laterne latrine sagte und zum rudern rausging
in solcher reinheit
sieht er das auge weinen
platzt im augapfel eine paillette
aber wenn das leben doch so nett ist
warum wir so oft losheulen
wenn wir zu den rudern greifen?
jeder botengang ist russisches roulette
man spielt auf glück
ein messer bohrt sich in den nabel
die fontäne, die dann sprudelt …
und beim grausamen stadtderby
weiß sogar der größte dummi:
der balljunge täumt davon zu spielen
aufgewühlt von sehr starken gefühlen
bau ich ein haus, dass der tod lächelt, wenn er mich besucht.

* hochprozentiger Zuckerrohrschnaps

aus dem brasilianischen Portugiesisch von Timo Berger

[come o que te dão !]

portuguese | Criolo

come o que te dão !
ou melhor dão ao cão
anda sem pés no chão a cada choro um refrão
a cada refrão o lamento de um irmão
braços, pernas, boca que impulsionam uma ilusão
sem dentição
o que fizeram dele ?
só tem sal, aqui e por onde meu olho toca e minha coxa roça
só tem sal

© Criolo
from: inédito/unpublished
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2014

[friss, was dir zu schnappen gelang!]

german

friss, was dir zu schnappen gelang!
oder vielmehr dem hund gelang
ohne füße auf dem boden dein gang, bei jedem weinen ein refrain
die klage eines bruders bei jedem refrain
arme, beine und mund stoßen eine illusion an
ohne gebiss, mann
was haben sie bloß mit ihm gemacht?
hier und dort, nichts als salz, wohin mein blick reicht, was mein schenkel streift
nichts als salz

aus dem brasilianischen Portugiesisch von Timo Berger

[quando o orvalho seca]

portuguese | Criolo

quando o orvalho seca, quando a gula engole, quando o sangue coalha, quando a alma morre
quando o tronco tranca a rua, fecha a flecha e numa COPA bole
tanta GENTE SOFRE quando a terra morre
não tem mais eu não tem mais você

© Criolo
from: inédito/unpublished
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2014

[wenn der tau trocknet]

german

wenn der tau trocknet, die völlerei sich verschluckt, das blut stockt, die seele das zeitliche segnet
wenn der stamm die straße stranguliert*, der pfeil pfeift und's in der KRONE** kracht
so viele LEUTE LEIDEN, wenn die erde darbt
es gibt kein ich mehr, und kein du

* auf Portugiesisch ist „tranca rua“ („Wege-Sperrer“) eine Anspielung auf den Senhor de Tranca Rua de Almas – ein Trickster aus der afrobrasilianischen Religion des Umbanda, der über die Wege wacht.
** auf Portugiesisch bedeutet „copa“ sowohl Baumkrone als auch Pokal. Das Gedicht spielt auf die Auseinandersetzungen um die Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien an.

aus dem brasilianischen Portugiesisch von Timo Berger

[olhos nos olhos, sem dar sermão]

portuguese | Criolo

olhos nos olhos, sem dar sermão
nada na boca e no coração
seus amigos são
um cachimbo e um cão
casa de papelão
olhos nos olhos sem dar sermão, olha a ocupação
ficou pra você só restou você
uiva um louco solto, sangue em choro pra agradar opressão
não de foice ou faca esquartejada a alma amarga amassa a lata
estoura pulmão
toda pedra acaba toda brisa passa toda morte chega e laça
são pra mais de um milhão
prédios vão se erguer e o glamour vai colher
corpos na multidão
seus amigos são
um cachimbo e um cão
casa de papelão

© Criolo
from: inédito/unpublished
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2014

[auge in auge und ohne stunk]

german

auge in auge und ohne stunk
nichts im herzen, nichts im mund
eure freunde in dieser stund
eine pfeife und ein hund
ein papphaus am abgrund
auge in auge und ohne stunk, sieh, der besetzte grund
blieb für dich, nur du bliebst übrig
ein entlassener irrer greint, blutige tränen erfreu'n die unterdrückung
weder die sichel, noch das messer schneiden, die bittere seele zerknüllt eine dose
die lunge platzt und
jeder stein geht zu ende, jede brise verfliegt, jeder tod schwingt die sense
es sind eine million hundertausend und
gebäude werden errichtet, der glamour richtet
körper im verbund
eure freunde in dieser stund
ein pfeife und ein hund
ein papphaus am abgrund

aus dem brasilianischen Portugiesisch von Timo Berger

(o lereru Bungiu)

spanish | Wingston González

no digo que no muchacha. esta es la istoria del pueblo garinagu. mariposa desgracia robotica negra flamenca posa de piedra el sielo caribeño desir el berbo mas colokial del mundo. el Cadejo en la sima la sima de la sal y en la sima de eya los barcos. señores señoras. el ruido de un helefante. las goletas. LLurumei mas que memoria miedo yaga muchachas bestidas de harina guerreros. Guanaragua. este idioma representa al otro. traducxion señores. no digo fuego y de los libros la sumision emerge. quien podra. quien quemara. la desgracia de la castamarfil de los negros esclabos del mar. ber al orisonte. ber las series. ber Amistad. ber hacia aya aceptarse emcadenados. machetes y la sangre. a parte. bocas blancas bestiales y el letargo de la istoria. LLurumei. los jobenes burrocratas solo ven asia el suelo. solo asia el miedo. ai donde no ay raises. donde no. no ay nada. esta el testigo enterrando las uñas en el fuego sanitario del asul sielo Caribe. ay donde estan los fantasmas que me niegan. pero no las raises. las raises no señores. de eso el agua y el Cadejo. el maldito Cadejo sister. el maldito Cadejo. señores el comienso. parti de las algas. mosu wonigirunei warerun mama garifuna Baudelaire niraü mama garifuna mua
     mama garifuna duna ani/adsuelto audas en una cantina yena de sirenas birgenes. sube sube sube buyei sube chaman sube brujo sube bestia profeta sube loa petro congo muñeca negra. este es el buzon del antricristo. (con calma. quien luego desencaja maldice). este desterrado soy un onbre negro que carece de rais. quien lo diga digo y fue umo mana despues las velas que prendimos ante el altar. señores. esta es la istoria del pueblo garinagu. protejeme bendita madre del Nasareno. no es esta sister la istoria del pueblo garinagu. la de las goletas sobre la piedra sobre la piel sobre el horisonte del onbre blanco. negar. LLurumei. «Africa is a forein place». Leroi. la espada salba la razon señores. el ijo de las entrañas se llama Adan. Adan Gonsales. «el onbre esta solo frente a la lus soñada por Dios». Sarduy libiano. Sarduy mas libiano mar y consiente de esa libiandad es un grabe puente. la orquidia de yerro cambia mi bida. mi negro discurso. amanecio muerto el pohema entre las rayas. bendita la capa negra del Nasareno. bendito el trasero santo de Satuye. las onse. mama. los turistas las palmeras. onse oncas. quieren negras en bikini y una vos que les diga tu plata que les diga tu amor que les diga lo que sea a sincuenta el tienpo. dance hall o reggeton. barroco o reggaeton. poecia o la animal historia del pueblo garinagu. su Dios nesesita un pueblo sin onbligo. uno que camine sobre las agua hacia la miseria. uno que cea el color el tropico el asombro de una ciudad saqueada. un freestayle cual esta maniatica cansion. ese es el onbligo. esta es la idea. la prueba de amor con una cansion de Tego al fondo. quien yega. rayo todos los arboles. eyos no quieren saber que Haiti es patria en America. quien llega.  fock you. me quejo. me quejo. suelo morderme en las fiestas y no bailar. me quejo. como una droga el cuerpo disperso en los cartilagos del niño que mira de lejos el ecceso. paisajes ateos. ellos no son angeles de Etiopia. quieren un muchacho rasta que cante un mito una estrella y un baso de gifiti 

                                             no budu please
                                             no chugu please
                                             no palo mayombe
                                             no garinagu please
no                  no                  no. me esplota el poder. el tema del poder. glacial concejo de onbres me niega: mama garifuna buguya. no sos ijo de onbre.

© Wingston González
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

(oder lereru Bungiu)

german

ich sage nicht dass nicht, Mädel. das ist die Gehschichte des Volks der Garínagu. Schmetterling Roboterunheil Flamenco-Schwarze Steinbecken karibischer Himmel das geläufigste Wort der Welt sagen. der Cadejo auf der Spitze die Senke des Salzes und in ihr die Schiffe. Señores. der Lärm eines Elefanten. die Schoner. Yurumein mehr als Erinnerung Angst Wunde Mädchen in Mehl gekleidet Krieger. Wanaragua. diese Sprache steht für den anderen. Übersetsung: Señores. ich sage nicht Feuer und aus den Büchern kriecht die Unterwerfung. wer wird können. wer wird verbrennen. das Unheil der Elfenbeinkaste der schwarzen Sklawen des Meeres. den Horitsont sehen ist die Raihen sehen. Froindschaft sehen. dorthin sehen sich in Ketten zu fügen. Macheten und Blut. außerdem. weiße barbarische Münder und die Lethargie der Geschichte. Yurumein. die jungen Bürokraten schauen nur tsu Boden. nur tsur Angst. dort wo keine Wurtseln sind. dort nicht. da gibt es nichts. dort wo der Zeuge ist und seine Nägel ins heilenden Feuer des azurblauen Karibikhimmels krallt. dort wo die Gespenster sind die mich verleugnen. aber nicht die Wurtseln. die Wurtseln nicht Señores. daraus, aus Wasser und dem Cadejo. Der verfluchte Cadejo Sister. Der verfluchte Cadejo. Señores: der Anfank. ich ging von den Algen aus. mosu wonigirunei warerun mama garifuna Baudelaire niraü mama garifuna mua
     mama garifuna duna ani/frei kühn in einer Taverne voller jungfreulicher Sirenen. geh hinauf hinauf hinauf Buyei: Schamane Hexer Bestie Prophet Loa Petro Kongo schwarze Puppe dies ist der Postkasten des Antichristen. (immer mit der Ruhe. wer nicht mehr passt der flucht). der Geächtete ist ein schwarzer entwurtselter Mann. wer mag das sagen frage ich und war Rauch Manna dann die Kerzen die wir vor dem Altar anzündeten. Señores. das ist die Gehschichte des Volks der Garínagu. beschütze mich gesegnete Mutter des Büßers. das, Sister, ist nicht die Gehschichte des Volks der Garínagu. die der Schoner über dem Stein über der Haut über dem Horitsont des waißen Mannes. verleugnen. Yurumein. „Africa is a foreing place“. Leroi. das Schwert rettet die Vernunft: Señores. der Soon aus dem Leib heißt Adam. Adam González. „der Mensch ist allain vor dem von Gott erträumten Lichd“. ein leichter Sarduy. leichter als das Meer und sich dieser Laichtigkeit bewusst ist er eine schwäre Brücke. die Orchidee aus Aisen verändert mein Leben. meine schwarze Rede; als der Tag anbrach war es tot zwischen den Strahlen das Gädicht. gesegnet der schwarze Umhang des Büßers. gesegnet der heilige Hintern von Satuyé. ellf Uhr, Mama; die Touristen wollen Palmen. elf Unzen. sie wollen Schwarze im Bikini und eine Stimme die ihnen sagt dein Geld die ihnen sagt deine Liebe die ihnen sagt was auch immer bei fümfzig für ainmal. Dance Hall oder Reggaeton. Barock oder Reggaeton. Dichtkunst oder die animalische Geschichte des Volks der Garínagu. der Gott braucht ein Volk ohne Nahbel. eines das übers Wasser geht ins Elend eines das der touristischste Farbtupfer einer geplünderten Stadt ist. ein Freestyle so wie dieses manische Liet. das ist der Nabel. das ist die Idee. der Liebesbeweis mit einem Song von Tego im Hintergrund. wer kommt. Ich ritze in alle Bäume. sie wollen nicht erfahren dass Haiti in Amerika ein Vaterland ist. wer kommt. fuck you. Ich beklage mich. Ich beklage mich. manchmal auf Partys beiße ich mich und tanze nicht. Ich beklage mich. wie eine Droge der Körper verteilt auf die Knorpel des Kindes das aus der Ferne den Eccess betrachtet. gottlose Landschaften. sie sind keine Engel aus Äthiopien, wollen einen Rasta-Jungen, der einen Mythos besingt, einen Stern und ein Glas Giffiti
                                               no vudú please
                                               no chugú please
                                               no palo mayombe
                                               no garínagu please
nicht.    nicht.    nicht. mich sprengt die Macht. das Thema. eisiger Rat der Männer verleugnet mich: mama garífuna buguya. du bist nicht Soon des Mänschen.

___________

Glossar:

Garifuna – Angehöriger der Garinagu oder Name der Sprache
Garinagu – Volk der Garífuna-Sprechenden
lereru Bungiu – Wort Gottes
Cadejo – eine fanstastische Tier, das die Betrunkenen nachts nach Hause führt
Yurumein – Isla de Yurumein
Wanaragua – Tanz, mit dem die Kämpfe der Garínagu gegen die europäischen Invasoren der Insel Yurumein erinnert werden
mosu wonigirunei warerun mama garifuna Baudelaire niraü mama garifuna mua mama garifuna duna ani – wir müssen die Sprache bewahren, Baudelaire ist nicht garífuna, mein Sohn. Die Erde ist nicht garifuna, das Wasser ist nicht garifuna und
Buyei – der Priester in der Garifuna-Religion
Loa Petro – Geist im haitianischen Voodoo-Kult¬¬
Satuyé – Joseph Satuyé, Anführer der Rebellion gegen die britische Kolonialregierung auf der Insel San Vicente 1975
Sarduy – Severo Sarduy ein kubanischer Dichter und Dramaturg
Unze – altes deutsches Wort für Jaguar ([pantera] onca im Original)
Giffiti – alkoholische Getränk der Garifuna
chugú – Ein garifuna-Ritual des Totenkult, das zwischen zwei und drei Tagen dauert
palo mayombe – Eine Spielart der afroamerikanischen Kulte
mama garífuna buguya – Du bist kein Garifuna wie er sein sollte (matrilineare Abstammung, die Mutter muss Garifuna sein)

Aus dem guatemaltekischen Spanisch von Timo Berger

florilegio zombie piedra automática y terrorismo sintáctico

spanish | Wingston González

i

zombie_i_500pix.jpg

ii

sin esquemas sin preámbulos la vida me cierra los ojos. y como vivir es cuestión de memoria el poema fluye espeso como roca antigua en el pie derecho. amor por la roca. la roca mi abuela mi abuela olvidar el tráfico de las cosas the scorpion king o la momiaborrar lo falso. hasta mis oídos sienten la exacta falsedad de su fotografía. o nostalgia de los lejanos de los muy lejanos sin músicas sin drogas sin pretextos. la vida no significa aún lo que creía. lo único significable es la ebriedad apostada en todas partes (cómo explicarlo/ cómo si te preguntas por qué un hombre por qué no amarillo tauro/ concilio del sueño). un muerto saca la mano de entre algo parecido al silencio. algo que no duerme en lenguaje extranjero. sueño extraño ácrata ¿cómo explicarlo/ cómo? si ayer encontré este libro en un prostíbulo. como un cuerpo nadando cocaína vino a mí la metáfora del libro de los muertos. ¿ve? así de fácil irse cuando el cuerpo que se ama llega tan lejos de uno caminando diez pasos hacia atrás y uno adelante (¿cómo saco de mi vida el lenguaje si un autobús es el universo y yo he clavado los pies a un metro cuadrado de tierra?¿cómo?)

© Wingston González
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

Zombie-Anthologie Automatik-Stein und Satzbauterror

german

i

i_Zombie-Anthologie_Automatik-Stein_und_Satzbauterror_500pix.jpg


ii

ohne Vorhaben ohne Vorreden schließt mir das Leben die Augen. und da Leben eine Frage der Erinnerung ist fließt das Gedicht zäh wie ein uralter Fels in meinem rechten Fuß. Liebe für die Felsen. der Fels meine Großmutter meine Großmutter vergessen der Handel mit den Dingen the scorpion king oder die Mumie das falsche löschen. sogar meine Ohren spüren die genaue Falschdarstellung seiner Fotografie. oder die Sehnsucht derer in der Ferne, derer in weiter Ferne ohne Musik ohne Drogen ohne Ausflüchte. das Leben bedeutet noch immer nicht, was ich glaubte. das einzig Bedeutsame ist der Rausch auf den alle setzen (wie das erklären/ wie wenn du dich fragst warum ein Mann warum nicht ein gelber Stier/ Rat des Traums). ein Toter zieht die Hand aus etwas wie der Stille. etwas, das nicht ruht in fremder Sprache. seltsamer, anarchistischer Traum wie das erklären/ wie? wenn ich dieses Buch gestern in einem Bordell fand. wie ein schwimmender Körper Kokain es kam mir die Metapher des Buchs der Toten. sehen Sie? so einfach ist es zu gehen wenn der Körper den man liebt sich so weit von einem entfernt zehn Schritte zurück einen vor (wie löse ich eine Sprache aus meinem Leben wenn das ganze Universum ein Bus ist und ich meine Hacken in einen Quadratmeter Boden geschlagen habe? wie?)

Aus dem guatemaltekischen Spanisch von Timo Berger

Gabriela se esconde en su cuarto a ver un fragmento de una película de Lars Von Trier

spanish | Wingston González

cantata de Marlene al principio de la noche
un golpe divino
de verdad que ahí está el frío sol del orgasmo
de nuevo la lengua anatómica con su problema erótico
escucha la clave/ tac/ tac/ tac/ no las trompetas, la clave
la alegría es la prueba del nueve
las catedrales se quedaron con el ojo cuadrado
ser de allá, de acá, el mito de la felicidad con sus máscaras
el oxígeno a galones ventilando la fiebre estival de las secuencias
de subir a montañas donde la luz estribaba herida en quienes
buscando sus cenizas se pasaban de cervezas y sacaban los machetes
(¡cómo relucían cercanas al cielo sus palabras de sexo grotesco!
allá en lo alto, donde era necesario bajar al cráter para ver
el único televisor a diez kilómetros a la redonda
a 4220 metros sobre el nivel del mar
a lo alto del rancho de los androides
y aquel viejo, que era de una fauna ambigua, parecía una flor
gritar, su carnívora esencia se alimenta de fotografías de 1922
cuando una mujer delgada le susurraba respiro de ti y mi lengua de ti
y pensaba
que para subir al cielo la escalera medía un metro sesenta, apenas
gritar. allá los santos parecen de piedra y contemplan el sol por una pantalla)
cuántos murieron hoy ya no importa
seis hombres desnudos
el infierno es un acto de amor
superprutefaction
ahora todo cae del cielo
ahora todo quiere caer como si fuera una verdad que nos pesca
océano de ropas exquisitas, un olor cuajado, casi astronómico
mitad muriático, detergente para lavar el piso de la cocina
reducto madre, grasa de niños y verse abrillantada suicida
amargada tocando la puerta, de los nichos del sueño
oh eros bonito animal
bonito armatoste para hacer arcoiris alucinógenos
máquinas chillan, y chillan porque un escalofrío se apodera de los árboles en
          el sueño rave de la gloria del rumbero
arrullar la lengua de una fiesta
telégrafos manipulados por princesas de noble estatura repiquetean, y las
          tamboras duelen de la felicidad
escucha la clave/ tac/ tac/ tac/ no las trompetas, la clave
el mito inaugural de la olimpiada
                                                        brrrrrr
                                                                    hr.
                                                                Yv
                                               ­¢
         ¬rrrrrrr w rrrrrrr
 
                                                           OV06_-_graph.jpg

                                                    
l
                                                    a
                                                    s
                                                    m
                                                    á
                                                    q
                                                    u
                                                    i
                                                    n
                                                    a
                                                    s


las máquinas de humo del este del bosque
para que la luna lance sus piedras al deseo
cielo rave
máquinas y superputrefacción que se desagua de un paraíso brasileño
arts magna es un juego que jugábamos, compuesto por un cero, un uno y seis ceros más
arts magna tenía volovanes tenebrosos
una escalera que termina en la oscuridad
voces de niños muertos
de mirarse y mirar se trataba su juego, paisajes solitarios después de la batalla
hablarnos y hablar a la oscuridad su juego, hacer como si no se sintiera ese
          miedo en los cabellos electrizados por una balada y subirse
esas naves al infierno que sólo al final de la escalera engullen todos los sueños
          mordidos por perros de lluvia
óxido

las goletas se acercaban al reírnos o al encender la fiebre de un salmo cantado
          por una hembra que abraza un robot
la patria depende del cristal con el que se le mire pero no, igual que en esta
          película Marlene solía recitarle poemas a los camaleones, cometas,
          comerse a Cavafis
llenar de talco los jardines que desaparecen tras la tarde
sobre ese solar los diamantes tapaban el sol
sobre ese tener uno de ellos y mirarle desde el balcón de juego
dos, cinco, relojes que amanecen fuera y una lluvia que se niega a acercarse a
          la sabana, oh las jirafas, coño, pequeña es la música como para no
          repetir tu luz, la gloria del rumbero, la prueba del nueve, el gas que
          atraviésame, pero más el vino de lo pequeño que es la música para
          repetirse en la luz
qué atrás se quedan las ruinas
de niña mis sueños a menudo me jalaban la almohada para llorar alegres
apagaban la luz
decían, adentro de ti, una hembra gorgotea rumbos

(tocan la puerta, debe ser la fiesta quien a mi cuerpo llama)
una vez  soñé que mi rostro sucio destilaba una luz lejana pero oscura y sorpresiva
¿cómo se llamaba?

oscura
¿y qué decía?

creo
que
(sí,
creo)
creo
que
algo
así

© Wingston González
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

Gabriela, versteckt in ihrem Zimmer, wo sie einen Lars-von-Trier-Films sieht

german

Gesang von Marlene bei Einbruch der Nacht
ein göttlicher Schlag
wirklich hier ist die kalte Sonne des Orgasmus
schon wieder die anatomische Sprache mit ihrem erotischen Problem
hör die Claves/ tack/ tack/ tack/ nicht die Trompeten, die Claves
die Freude ist der Neuner-Beweis
die Kathedralen bekamen quadratische Augen
von dort sein, von hier, der Mythos des Glücks mit seinen Masken
Gallonen von Sauerstoff lüften das Sommerfieber der Sequenzen
Berge zu besteigen wo sich das Licht verwundet auf die stützte
die es auf der Suche nach ihrer Asche mit dem Bier übertrieben und
          Macheten zogen
(wie sehr glänzten nahe des Himmels ihre Worte über grotesken Sex!
dort oben, wo man vom Krater herunterklettern musste, um
den einzigen Fernseher im Umkreis von zehn Kilometern zu sehen
auf 4220 Metern über dem Meeresspiegel
auf der Höhe der Ranch der Androiden
und jenen Alten, der aus einer zweideutigen Fauna stammte, aussah wie
          eine Blume
ihn schreien sehen, sein fleischfressendes Wesen ernährt sich von
          Fotografien aus dem Jahr 1922
als eine schlanke Frau ihm zuflüsterte ich atme aus dir und meine Zunge
          kommt aus dir

und ich dachte
dass die Leiter um in den Himmel zu steigen 1,70 Meter maß, gerade mal
schreien. dort scheinen die Heiligen aus Stein zu sein und die Sonne auf
          einem Bildschirm zu betrachten)
wie viele heute gestorben sind ist schon nicht mehr wichtig
sechs nackte Männer
die Hölle ist ein Liebesakt
Überverwesung
jetzt fällt alles vom Himmel
jetzt will alles fallen als wäre es eine Wahrheit die uns packt
Ozean exquisiter Kleidung, ein geronnener Geruch, fast astronomisch
halb Salzsäure, Reinigungsmittel um den Küchenboden zu wischen
Mutters Versteck, Kinderfett und sich selbst sehen: poliert, selbstmörderisch
verbittert an die Tür der Traumnischen klopfen
oh schöner animalischer Eros
schöner Trödel, um halluzinogene Regenbögen hervorzubringen
Maschinen quietschen und quietschen weil ein Schaudern die Bäume
          überkommt im Rave-Traum der Glorie des Rumberos
die Sprache einer Party gurren
Telegrafen knistern manipuliert von edelwüchsigen Prinzessinnen und die
          Trommeln schmerzt das Glück
hör die Claves/ tack/ tack/ tack/ nicht die Trompeten, die Claves
den Eröffnungsmythos der Olympiade
                                                                        brrrrrr
                                                                                     hr.
                                                                    JW
                                                      „¢“
         ¬rrrrrrr w rrrrrrr
                                                                    OV06_-_graph.jpg

                                                    d
                                                    i
                                                    e
                                                    m
                                                    a
                                                    s
                                                    c
                                                    h
                                                    i
                                                    n
                                                    e
                                                    n

die Nebelmaschinen im Osten des Waldes
damit der Mond seine Steine ins Begehren wirft
Rave-Himmel
Maschinen und Überverwesung, die aus einem brasilianischen Paradies sickert
Arts Magna ist ein Spiel, das wir spielten, bestehend aus einer Null, einer
          Eins und sechs weiteren Nullen
Arts Magna hatte dunkle Vol-au-vents
eine Leiter die in die Finsternis reicht
Stimmen toter Kinder
vom sich sehen und sehen handelte ihr Spiel, verödete Landstriche nach
          der Schlacht
vom mit uns Sprechen und in die Dunkelheit Sprechen handelte ihr Spiel,
          so tun als ob man sie nicht spürte diese Angst in den Haaren
          elektrisiert von einer Ballade, und vom an Bord gehen
auf eines jener Schiffe zur Hölle die schon am Ende der Leiter alle Träume
          verschlingen von Regenhunden gebissen
Rost

die Schoner näherten sich, als wir lachten oder das Fieber eines Psalms
          entfachten gesungen von einem Weibchen, das einen Roboter
          umarmte
das Vaterland hängt ab von der Linse durch die man es betrachtet aber
          nein, genau wie in diesem Film Marlene den Chamäleons Kometen
          Gedichte vortrug, Cavafis vernaschte
die Gärten die nach dem Abend verschwinden mit Talkum füllen
auf diesem Grundstück verdecken die Diamanten die Sonne
auf diesem einen von ihnen zu haben und ihn vom Balkon aus im Spiel
          zu betrachten
zwei, fünf, Uhren die draußen erwachen und einen Regen, der sich
          weigert, sich der Savanne zu nähern, oh die Giraffen, scheiße, klein
          ist die Musik, um nicht dein Licht zu wiederholen, der Glanz des
          Rumberos, die Neuner-Probe, das Gas, das mich durchströmt, doch
          eher der Wein des Kleinen, der die Musik ist, um sich im Licht zu
          wiederholen
wie weit bleiben die Ruinen zurück
als kleines Mädchen zerrten meine Träume oft am Kissen, damit ich in
          Freudentränen ausbräche
sie stellten das Licht aus
sagten, tief in dir, gluckern Wege aus einer Frau

(es klopft an der Tür, es muss die Party sein, nach der mein Körper schreit)
einmal träumte ich, dass mein schmutziges Gesicht ein entferntes, aber
          dunkles und überraschendes Licht absonderte
wie hieß das?
dunkel
und was sagte es?
ich glaube
dass
(ja,
ich glaube)
glaube
es war
so
etwas

Aus dem guatemaltekischen Spanisch von Timo Berger

Poema de Cámara a media cuerda para Marilyn

spanish | Wingston González

I made ONE verse with the south winds
hasta hoy cuelga de mis ojos
cuando la lluvia se parquea en los sentidos
se rompe en silencio
el tiempo se hace una madeja
en el humo de cualquier cigarrillo
/con los versos del sur hice un nuevo viento/

aquí nada hay aparte del deseo
de la certeza de ser siamesas de alguien con quien jamás intimaremos/
pobres fantasmas aferrados
a los buses que pasan en todo sentido
pero en ninguna dirección/
a los vectores de la angustia
que hieden como sonrisas sin tumba
en cualquier cementerio de nombres / en cualquier puerta cerrada/
estás
pero en ningún ocaso/
en ningún alba
en ningún cuerpo

los brassieres
de diamantes incinerados
corren a la velocidad del sueño
lento
con vértigo de carcajadas en los tobillos/ efluvios que aumentan la
ausencia
ANSIAS de arañar la hermosura
cielos acumulados
flores gigantes / jardines enanos
era cierto / para entrar al abismo
          sólo basta con jalar del gatillo

soledad se llama mi único ramo de rosas
alguien llamado tristeza me lo regaló/
sobre mi mesa de noche está sentada
rasurándose siempre
hablando nunca
la visión del vahído que se llama vacío
detrás de los cerros/ AMANECE
ves las noches pasar
con los taxis transportando fantasmas
mar asfaltado donde aguardas por la esperanza
por si algún día
los traileres ebrios sobre ella pasan

adicto al amor
alérgico al mar
alérgico al puerto
sin embargo adicto               al ESCÁNDALO de quimeras
moviéndose en el reloj

este fuego
sobre las venas arde
este y otros
quemando el madero llamado poema/
sister
no sabes lo cerca que está tu ombligo
que la muerte
aquí
o en otra esquina
espera obscena la novela o el zapato sucio/
lo mismo es el tempo o el prostíbulo/
la catedral y la Residencia/
aquí nadie vive
todos EXISTEN
el vacío de saberse ciudadano
entre la democracia del hambre

cerca de aquí
vive un bisbiseo que sabe a rock
a peces que vuelan como maíz recién salido del microondas
city
no ciudad
suena falsa
lo sé
igual que nuestros nombres
igual que el dios que desde algún bolero danza y crece
Mesías, luna o ventana
alumbres las nubes nuestros valses
con luces negras de fin de mundo

alumbran las nubes nuestros valses
cuando cumplas diecisiete
escribirás versos/
          supe que duelen

cuatro pieles borré
hasta que el jardín se me desgastó en el tintero/
ver
como todo se hunde sin que nada puedas CONCEBIR
palparte las sienes
estás vivo / no hay duda
la pasión de no poderse explicar
porqué algo se allana
sin que tu sonrisa pueda abrirse
like a umbrella under the rain

© Wingston González
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

Kammergedicht auf der Mitte des Seils für Marilyn

german

I made ONE verse with the south winds
er hängt bis heute an meinen Augen
wenn der Regen in den Sinnen parkt
bricht das Schweigen
die Zeit wird zu einem Knäuel
im Rauch irgendeiner Zigarette
/mit den Versen des Südens machte ich einen neuen Wind/

hier gibt es nichts außer dem Verlangen
der Gewissheit, siamesischer Zwilling von jemandem zu sein, mit dem wir
          nie vertraut werden/
armselige Gespenster geklammert
an die Busse, die in jedem Sinn vorbeifahren
aber in keine Richtung/
an die Vektoren der Angst
die stinken wie ein Lächeln ohne Grab
auf irgendeinem Friedhof der Namen / in irgendeiner verschlossenen
Tür / bist du
aber in keinem Abendrot/
in keiner Morgendämmerung
in keinem Körper

die Brassières
der eingeäscherten Diamanten
rennen mit der Geschwindigkeit der Träume
langsam
mit dem Lachanfall in den Knöcheln/ Ausdünstungen die
die Abwesenheit vergrößern
SEHNSUCHT danach die Schönheit zu zerkratzen
geschichtete Himmel
riesige Blumen / Zwergengärten
es war sicher / um in den Abgrund zu fahren
musste man nur den Abzug ziehen

Einsamkeit heißt mein einziger Strauß Rosen
jemand der Traurigkeit heißt hat ihn mir geschenkt/
auf meinem Nachttisch sitzt
sich ständig rasierend
immer schweigend
die Vision des Schwindels, die sich Leere nennt
hinter den Hügeln/ WIRD ES TAG
du sieht die Nächte vorbeifahren
in Taxis, die Gespenster befördern
asphaltiertes Meer, wo du auf die Hoffnung wartest
darauf ob die betrunkenen Trucker
sie eines Tages plattfahren

süchtig nach Liebe
allergisch auf das Meer
allergisch auf den Hafen
trotzdem süchtig                               nach dem SKANDAL der Chimären
die im Uhrwerk turnen

dieses Feuer
brennt über den Venen
dieses und andere
verbrennen den Pfahl namens Gedicht/
sister
du weißt nicht wie nah dein Nabel ist
dass der Tod
hier
oder in einer anderen Ecke
obszön auf den Roman wartet oder den schmutzigen Schuh/
einerlei die Zeit und das Bordell/
die Kathedrale und die Residenz/
hier lebt niemand
alle EXISTIEREN
die Leere zu erfahren, dass man ein Bürger ist
in der Demokratie des Hungers

in der Nähe von hier
nistet ein Flüstern, das nach Rockmusik schmeckt
nach Fischen die springen wie Mais der gerade aus der Mikrowelle kommt
City
nicht Stadt
das klingt falsch
ich weiß
genauso wie unsere Namen
genauso wie der Gott der auf irgendeinen Bolero tanzt und wächst
Messias, der du Mond oder Fenster
erhellst die Wolken unsere Walzer
mit schwarzen Lichtern vom Ende der Welt

erhellen die Wolken unsere Walzer
wenn du siebzehn wirst
wirst du Verse schreiben/
ich wusste sie tun weh

vier Felle radierte ich aus
bis sich mir der Garten im Tintenfass verbrauchte/
sehen
wie alles versinkt, ohne dass du etwas EMPFANGEN könntest
zwick dir in die Schläfen
du lebst / kein Zweifel
die Leidenschaft des sich nicht erklären könnens
warum etwas sich fügt
ohne dass dein Lächeln sich öffnen könnte
like an umbrella under the rain

Aus dem guatemaltekischen Spanisch von Timo Berger

Torá(x)h II

spanish | Wingston González

Antes que abril perforara ojos, antes de muerta. Dos días después del abuelo, tres antes de madre. Playa, silencio, no pregunta. Nace otoño, olvido, abuela, polvo lo que nadie extraña. Digo ahora porque dije memoria, algo desaparece, las ruinas de jardines del porvenir. Fogatas, extraña vestimenta. Qué extraña la música; de las palabras; que no conducen a nada. Pregunto por la inflexión; imposible en lo escrito. Noches de sábado, todo llena sala de gaviotas. Digo porque otras palabras cobijan pechos con esperanza de barcos. Digo porque decir trae mareas, trae astronautas. Las pisciformes caras de angustia en novelas victorianas riegan arena sobre inicua televisión de martes. Tambores atados sandalias, etc. Digo porque esparzo ceniza dentro de mí, mar agitado soy en espera de polvo estelar para destruirse. Jardín soy que se forma en medio de un nudo. Instalación soy en el océano hecha por aire.

Acá, de lejos de todo, piel de durazno. Digo a mal. Con rabia digo. De a sorbos, espero viento, en sueño digo. Al pie del silencio germina cada mundo de invierno. Dos días después del abuelo tres antes de madre, calendariopierdesentidoantelaverdad.

Antes que abril perforara ojos, J ve a Platón junto a la hamaca del patio. El ver verbo fulmina como queriendo morir, lluvia, polvo. Como queriendo

             Ya, da igual.

                                       así octubre                     así octubre
                                       -genérica dictadura-   -dictadura-
                                       del fuego                         de mineral
                                       de costillas                     evas muertas
                                       parceladas                     fr agme nt adas
                                       en vocablos                    en nada
                                       insulina                           al ser vacío
                                       Fausto                             un verbo
                                       tierra, chimenea           conspira, contrac
                                       de cielo roto                   nspira, por, pa
                                                                                 ra nosotros
             Ya,
             da igual.

© Wingston González
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

T(h)ora(x) II

german

Bevor der April Augen durchstäche, bevor sie eine Tote wäre. Zwei Tage nach dem Großvater, drei vor der Mutter. Strand, Stille, sie fragt nicht. Wird im Herbst geboren, Vergessen, Großmutter, Staub, den niemand vermisst. Sage ich jetzt weil ich Erinnerung gesagt habe, etwas verschwindet, die Ruinen der Gärten der Zukunft. Lagerfeuer, seltsame Kleidung. Wie sonderbar die Musik; von den Worten; die zu nichts führen. Ich frage warum der andere Ton; unmöglich im Geschriebenen. Samstagnachts, alles füllt den Saal mit Möwen. Sage ich, weil andere Worte Brüste mit der Hoffnung der Schiffe bedecken. Sage ich, weil sagen Gezeiten bringt, Mondfahrer. Die fischförmigen Gesichter der Angst in viktorianischen Romanen spritzen Sand auf niederträchtiges Dienstagsfernsehen. Zusammengebundene Trommeln Sandalen, usw. Sage ich weil ich Asche verstreue in mir, ein aufgewühltes Meer bin, wenn ich warte dass der Sternenstaub zerfällt. Bin ein Garten, der mitten in einem Knoten gedeiht. Bin eine Installation in einem Ozean aus Luft.

Hier, weit entfernt von allem, Pfirsichhaut. Sage ich bös. Sage ich wütend. Ich erwarte schluckweise Wind, sage ich im Schlaf. Am Fuß des Schweigens sprießt jedwede Winterwelt. Zwei Tage nach dem Großvater, drei vor der Mutter, einKalenderverliertSinnangesichtsderWahrheit.

Bevor der April Augen durchstäche, sieht J neben der Hängematte im Patio Platon. Das Verb sehen explodiert als wollte es sterben, Regen, Staub. Als wollte es

          Das ist jetzt Wurst.

                              also Oktober                                also Oktober
                              – universelle Diktatur               – Diktatur
                              aus Feuer                                      aus Mineral
                              aus Rippen                                   tote Evas
                              aufgeteilt                                      ze rspl it tert
                              auf Vokabeln                               ins Nichts
                              Insulin                                           ins hohle Sein
                              Faust                                             ein Verb
                              Erde, Schornstein                       konspiriert, gegenk
                              vor zerbrochenem Himmel      nspiriert, wegen, fü
                                                                                      r uns

          Das
          ist jetzt Wurst.

Aus dem guatemaltekischen Spanisch von Timo Berger

Deep Sailent Complete es

spanish | Wingston González

                        I

canpana animal Babel
es la sangre pabimento del espejo
            canpana; zebras
zebras, niños; soy, señores, un pastor de zebras; de nuves tanbien
            acere
guardapolvo. soy, un ladron de zebras
lebanta la mano lebiatan, conceinte
ha Jesus el Cristo por señor y salbador
, dice una bobita enferma
corasa que libra de todo mal el pecado


trensemos
esta vida, si, ormigas

canpanas nosticas; dance to walk! walk to dance! lets go! cienpre tarde,
            el hangel del Señor, señores, anunsio a Maria, y consibio una condena

canpana, es Babilonia del muro a la plenitut:
7 bueltas dio el pueblo del Dios
para ser el dedo ultimo de el Diablo, para ser salbado, para
            aniyo de chivo
                        funeral: al pueblo ce ba bailando
tropico

Dep silent complet, lenguas zoneras
«salbe mi alma pensando –esta cansion es mentira–»


mi gente teik fire y
esta mas perturbada que el pueblo de el Dios
bailando ante los turistas del muro de gerico

si

                        II

si, si, si, rie la niña, mas con su granisado
mis palabras no tienen fomdo, aja
            mis palabras son superfisie
            mis palabras son
            los ijos mas putitos de el Dios
            mis palabras son
            las tetas de Judas
            mis palabras son
            algodom de asucar callendo sobre la cansion del berano
            mis palabras son
pero no son nada mas que eso
que la Elisa esperando a molerce Henri James
y despues tras el salir coriendo, aja
tras la minima lus sale
sin puertas de control sin aplahusos
a diestra la ziniestra Magdalena
y silenciosas banderas americanas
para hacer de esto un mito perfecto
dijo, dichosas las muñecas negras
            el ronboide
de la poecia es farsa
                        mentira,
                                   manbo

dijo, lla no era rei, lla no soi el rei
lla no sere el rei; ni de comarcas, ni de bacio, lla no soy
Charles Mingus tocando Isabels Teible Dans;
nada de trasportador, nada de arte contenporanio

si llamaras
            contenporanio
al futuro no ay como llamarlo
            tunba
mar del delincuente
piedra fuego
(fuego, claro, alunbra a mi jente)

si

                        III

y al fuego el fuego
el dia despues de mañana

y fuego lo contenporanio
de las piedras de lo que biene, rebelion
agetibo de las balas, de los halaridos
en su metamorfocis a berbo

despues de mañana, despues del desalluno
no llames contenporanio a nada

el presente
            llamara moscas, nada
esta seguro muchacha
nada cegado, destruccion sintactica
sobre la memoria, morena, las ratas
que la poecia es mentira, si, ipocrecia

mas que candorosos, que energicos
alsaba banderas sobre tinbales mi gente
            sabe
para este cistema la mierda,
dise
«Bienabenturao el que escuche este lirikelo»


sale tras el pan y su inpetut
y del pan, la casa mar arbol incandesente
            eso mami         para esa mara
            las palabras
para tipos, como Guillen el malo
como las maracas mas maracas
donde ce baila un sueño en vogueing
donde santo santo es El Señor. para ellos
solo santo es uno

para los bitniks que dan bueltas
a la espiral del sentro del Atlantico

en amor te eccedes, mi gente
              y
              corte/

© Wingston González
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

Deep Seilent Compliet ist

german

                                     I

animalische Glokke Babel
das Blut ist Belag des Spiegels
               Glokke; und Tsebras
Tsebras, Kinder; ich bin, Herrschaften, ein Tsebrahirte; auch fon Wollken
               Kunpel
Arbeitskittel, bin, ein Tsebradieb
erheebe die Hand Lewiathan, nimmm
Jesus den Christus als Herrn und Erlöhser, sagt eine dumme Gans
der Harnisch, der von allem Übel die Sünde befreit

täntseln wir
dieses Leben, ja, Amaisen
gnostische Glokkn; dance to walk! walk to dance! lets go! Immer zu
               schpet, der Ängel 
des Herrn, Herrschaften, kündigte Maria an
               und empfing eine Strafe

Glokke, Babylon ist von der Mauer bis zum Überphluss:
7 Runnden drehte das Volk Gottes
um des Teufels letster Finger zu sein, um geretted zu werden, für den
               Rink des Ziegenbocks
                              Begräbnis: ins Dorf geht man tanzent
Tropen

Depp silent komplett, Sprachen des Son
»rette meine Seele mit dem Gedanken – dieses Lieht ist eine Lüge –«

meine Leute täik fire und
sind noch gestörter als das Volk Gottes
das an der Mauer von Jerichoh für Touristen tanzt

JA

                                     II

ja, ja, ja, lacht das Mädchen, auch noch mit ihrem Snow Cone
meine Worte haben keine Tiife, aha
               meine Worte sind Oberfleche
               meine Worte sind
               die miesesten Kinderlein von Gott
               meine Worte sind
               dem Judas seine Brüste
               meine Worte Son
               Zuckervatte, die auf das Lieht des Sommerß fälld
               meine Worte sind
aber sind nicht mehr als das
als die Elisa, die scharf drauf ist, Henri James zu verdräschen
und ihm dann hinterherzurennen, aha
dem mickrigsten Lichd hinterher
ohne Türkontrollen ohne Baifall
zur rechten die linnke Magdalena
und stille Sternenbanner
um daraus einen perfekten Mythos zu stricken
sagte er, selig die schwarzen Puppen
               das Paralelogramm
der Dichtung ist eine Fars
                              Lüge
                                             Manbo

sagte, ich war kein Könich mer, ich bin nicht mer Könich
ich wärde nicht mer der Könich sein; weder der Comarcas, noch des
                                                                                                                      Nichtz

ich bin nicht mer Charles Mingus, der Isabels Täible Dans spielt;
keine Winkelmesser, keine zaitgenössische Kunst
wenn du sie
               zaitgenössischnennst
kannn man die Zukunft nicht als
               Grap
Verbrechermeer
Feuerstein bezeichnen
               (Feuer, klar, erläuchte meine Loite)

JA

                                     III

und dem Feuer das Feuer
am Tag nach Morgen

und Feuer das Zaitgenössische
der Steine, dessen was commt, Rebelljon
Atjektif der Geschosse, des Geschrais
in seiner Metamohrfose zum Werb

nach Morgen, nach dem Vrühstück
nenne nichts zaitgenössisch

die Gegenwart
               ruft die Fliegen herbei, nichts
ist sicher Mädel,
nichts geblendet, syntaktische Zerstörung
der Erinnerung, Morena, die Ratten
dass die Dichtung Lüge ist, ja, Hoichelei

mehr als einfältig, als enärgisch
erhohben sie über Timbales Flaggen, meine Leute
               wissen
für dieses Süstem die Scheiße, sagen sie
»sehlig der, der dieses Liriqueo hört«

rennt dem Brot und seiner Heftigkeit hinterher
und vom Brot, zu Haus Meer Baum, weißglühend
               dies, Mami für diese Bande
               die Worte
für Kerle, wie Guillén den Bösen
wie die rasselnden Maracas
wo ein Traum im Vogueing getanzt wirt
wo heilig, heilig ist der Herr. für sie
ist heilig nur er

für die Bietniks, die Runden um die Spirale
des Tsentrums des Atlantiks drehen

in der Liebe findet ihr euren Eccess, meine Leute
               und
                              Schnitt/

Aus dem guatemaltekischen Spanisch von Timo Berger

Zuerst erschienen in poet nr. 16. Literaturmagazin, hrsg. von Andreas Heidtmann, Leipzig: poetenladen, Frühjahr 2014.

sobre el fondo de una canción de Calle 13

spanish | Wingston González

nada destruye con tanto ímpetu como la alegría, oh
la alegría que busca con quien jugar
¿y quién juega con nosotros, quién?, nada
¿y quién juega con nosotros, quién?, nada
cantan todos ¿quién juega con nosotros, quién?, nada, nada, nada
aparte de la débil tranquilidad, sí, el azúcar
aparte del júbilo borroso del cine, los eclipsados
aparte la madrugada de héroes peinándole las cabelleras a sus cámaras
                                                                                                           fotográficas

y con todo eso la música,
la música de esta hacienda que se aparea
con la demencia, ñam, la música, sí
de mujeres avivadas por una portilla sublime
detrás de la cual había hace poco un vaso cuya fuente
venía del cielo e iba
a las cuatro vaginas de dios
revestidas de una luz que fluía
de los amores perdidos de los hombres todos, baby

de las cosas todas

y nada más

© Wingston González
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2014

über einen Song von Calle 13 im Hintergrund

german

nichts wütet so leidenschaftlich wie die Freude, oh
die Freude, die jemanden zum Spielen sucht
und wer spielt mit uns, wer? nichts
und wer spielt mit uns, wer? nichts
alle singen wer spielt mit uns, wer? nichts, nichts, nichts
außer der ermatteten Stille, ja, der Zucker
außer dem seichten Vergnügen des Kinos, die Lustlosen
außer dem Morgen der Helden, die ihren Fotoapparaten die Mähne kämmen

und zu all dem die Musik,
die Musik dieser Hazienda, die sich paart
mit der Demenz, mampf, die Musik, ja
von Frauen beflügelt von einem erhabenen Tor,
hinter dem vor kurzem noch ein Glas stand, dessen Quelle
im Himmel sprudelte und
zu den vier Vaginas Gottes führte
umhüllt von einem Licht, das aus
den verflossenen Lieben aller Männer strömte, Baby

aus allen Dingen

und weiter nichts

Aus dem guatemaltekischen Spanisch von Timo Berger

[la vida es un fonógrafo]

spanish | Wingston González

LA VIDA ES UN FONÓGRAFO y hay días en los que sus sonidos no nos
          despejan y sólo hay miedo, miedo/miedo y más miedo: un fonógrafo
y ni así aire sobre sus aguas ni agua sobre sus cielos, la vida repite lo que mi boca
          dice que repita, un fonógrafo, como algo lleno de ternuras inservibles,
          como un invierno perseguido por cíclopes, como símbolos, una
          mitología lsd, como paisajes esotéricos pintados sobre cuerpo poblado de
          un enjambre. la vida como fonógrafo

grande y triste, un fonógrafo
de noche bailable hasta las cuatro de la mañana, así es

dice a mí el extranjero –que la soledad no te perturbe, que nada es real, que
          todo es maldito fingimiento sobre los faros en riveras orladas de
          artefactos metálicos. ¿mirás? allá los campanarios sobrevuelan sobre el
          rosa de los días. como en una película de Godard

cuánta turbación –me dice–. cuántas flores abusando del veneno, los relojes
          derraman verdes colinas sobre nuestros cuerpos

© Wingston González
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

[DAS LEBEN IST EIN PHONOGRAPH]

german

DAS LEBEN IST EIN PHONOGRAPH es gibt Tage, an denen uns seine
          Klänge nicht entspannen sondern Angst herrscht, Angst / Angst und
          noch mehr Angst: ein Phonograph
und selbst dann keine Luft über seinen Wassern noch Wasser über seinen
           Himmeln; das Leben wiederholt, was mein Mund sagt: es
          wiederholt, ein Phonograph, ein Ding voller unnützer Zärtlichkeit,
          ein Winter gehetzt von Zyklopen, Symbole einer LSD-Mythologie,
          esoterische Landschaften gemalt auf einen Körper, in dem Bienen
          schwärmen. das Leben ein großer und trauriger

Phonograph, ein Phonograph
einer Nacht mit Tanz bis vier Uhr früh, so ist es

sagte ein Ausländer zu mir – die Einsamkeit soll dich nicht beunruhigen,
          nichts ist wirklich, alles ein vermaledeites Trugbild über den
          Leuchttürmen auf Ufern gesäumt von Metallteilen; siehst du, dort
           überfliegen die Glockentürme das tiefste Rosa der Tage wie in
           einem Film von Godard

wie viel Aufregung – sagt er zu mir – wie viele Blumen, die das Gift
          missbrauchen; die Uhren verschütten grüne Hügel über unsere
          Körper

Aus dem guatemaltekischen Spanisch von Timo Berger

[estacionamentos]

portuguese | Nicolas Behr

estacionamentos
de árvores
genealógicas
dinastias
de engravatados
cargos hereditários
dom carimbo
de visconde
nobres funções

© Nicolas Behr
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

[parkplätze]

german

parkplätze
von stammbäumen
schlipstragende
dynastien
vererbbare ämter
hochgeborener
vicomte
von stempel
adlige ämter

Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Timo Berger
Die Übersetzung entstammt der Anthologie: JA Brasília NEIN. Gedichte von Nicolas Behr, Brasilia, 2014.

[brasília foi]

portuguese | Nicolas Behr

brasília foi
construída
para ser destruída
aos poucos
exatamente
como estamos
fazendo

© Nicolas Behr
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

[brasília]

german

brasília
wurde gebaut
um zerstört zu werden

nach und nach

genau
wie wir es jetzt
machen

Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Timo Berger
Die Übersetzung entstammt der Anthologie: JA Brasília NEIN. Gedichte von Nicolas Behr, Brasilia, 2014.

[arte]

portuguese | Nicolas Behr

arte
para arquiteto
ver

poema
para analfabeto
ler

© Nicolas Behr
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

[kunst]

german

kunst
die der architekt
sehen soll

gedicht
das die analphabeten
lesen sollen

Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Timo Berger
Die Übersetzung entstammt der Anthologie: JA Brasília NEIN. Gedichte von Nicolas Behr, Brasilia, 2014.

[aconteceu na 103]

portuguese | Nicolas Behr

aconteceu na 103
o porteiro do bloco I da 103 sul pegou a filha do
síndico do bloco O da
413 norte com o cara
do 302 do bloco D
da 209 sul dentro do
carro do zelador do
bloco J da 513 norte

© Nicolas Behr
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

[es geschah in der 103]

german

es geschah in der 103
der pförtner von
gebäude I der 103
süd hat die tochter
des verwalters von
gebäude O der 413
nord mit dem typen
von 302 des gebäudes
D der 209 süd im wagen des
hausmeisters von
gebäude J der 513
nord erwischt

Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Timo Berger
Die Übersetzung entstammt der Anthologie: JA Brasília NEIN. Gedichte von Nicolas Behr, Brasilia, 2014.

[brasília são as ruínas]

portuguese | Nicolas Behr

brasília são as ruínas
de machu picchu
invertidas, cuzco
reconstruida, tiahuanaco
inacabada, pirâmide de
teotihuacán ao contário,
palácio do altiplanalto,
cidade perdida dos candangos
a esfinge fita seu espelho, jk
as linhas do eixo monumental
são continuação
das linhas de nazca

© Nicolas Behr
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

[brasília ist die]

german

brasília ist die
umgedrehte ruine
von machu picchu,
das wiederaufgebaute
cuzco, das unvollendete
tiahuanaco, die pyramide
von teotihuacán kopfüber,
der palast des altiplanalto,
die versunkene stadt
der candangos die sphinx starrt
auf ihr spiegelbild, jk
die linien der monumentalachse
setzen die
nazca-linien fort

Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Timo Berger
Die Übersetzung entstammt der Anthologie: JA Brasília NEIN. Gedichte von Nicolas Behr, Brasilia, 2014.

[nas escavações também foram]

portuguese | Nicolas Behr

nas escavações também foram
encontrados clips
pré-históricos,
grampeadores de
sílica, crachás em
plaquinhas de ouro,
carimbos petrificados,
ministros embalsamados
e ofícios em escrita
ainda não decifrada

© Nicolas Behr
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

[bei den ausgrabungen]

german

bei den ausgrabungen
wurden auch prähistorische
heftklammern
gefunden, hefter aus
silizium, vergoldete
namensschilder,
versteinerte stempel,
einbalsamierte
minister und
papierbögen beschrieben
mit einer noch nicht
unentschlüsselten schrift

Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Timo Berger
Die Übersetzung entstammt der Anthologie: JA Brasília NEIN. Gedichte von Nicolas Behr, Brasilia, 2014.

[uma forte tempestade]

portuguese | Nicolas Behr

uma forte tempestade
trouxe à luz uma
parte do que poderiam ter sido os ministérios, iniciando
escavações que permitiram identificar também estruturas
habitacionais bastante
complexas, com pessoas
aparentemente vivendo
dentro de grandes
caixas de concreto

© Nicolas Behr
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

[ein schwerer sturm]

german

ein schwerer sturm
legte teile von etwas
frei, was wohl
ministerien
gewesen sind, das gab
den anlass
für ausgrabungen,
die es erlaubten
ziemlich komplexe
wohnstrukturen zu
erkennen,
in denen offenbar
menschen in großen
betonkästen lebten

Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Timo Berger
Die Übersetzung entstammt der Anthologie: JA Brasília NEIN. Gedichte von Nicolas Behr, Brasilia, 2014.

[brasília nasceu]

portuguese | Nicolas Behr

brasília nasceu
de um gesto primário:
dois eixos
se cruzando,
ou seja, o próprio
sinal da cruz
como quem pede
bênção
ou perdão

© Nicolas Behr
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

[brasília ist]

german

brasília ist
aus einer uralten
geste entstanden:
zwei achsen,
die sich kreuzen,
sich gar
bekreuzigen
wie jemand,
der um segen bittet
oder um vergebung

Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Timo Berger
Die Übersetzung entstammt der Anthologie: JA Brasília NEIN. Gedichte von Nicolas Behr, Brasilia, 2014.

[SQS415F303]

portuguese | Nicolas Behr

SQS415F303
SQN303F415
NQS403F315
QQQ313F405
SSS305F413

seria isso
um poema
sobre brasília?
seria um poema?
seria brasília?

© Nicolas Behr
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

[SQS415F303]

german

SQS415F303
SQN303F415
NQS403F315
QQQ313F405
SSS305F413

wär das
ein gedicht
über brasília?
wäre es ein gedicht?
wäre es brasília?

Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Timo Berger
Die Übersetzung entstammt der Anthologie: JA Brasília NEIN. Gedichte von Nicolas Behr, Brasilia, 2014.

UMA PALAVRA

portuguese | Chacal

uma
palavra
escrita é uma
palavra não dita é uma
palavra maldita é uma palavra
gravada como gravata que é uma palavra
gaiata como goiaba que é uma palavra gostosa

© Chacal
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

EIN WORT

german

ein
notiertes
Wort ist ein
unausgesprochenes Wort ist ein
ausgesprochen loses Wort, nicht in Watte
gepackt wie Krawatte, ein Gaunerwort
wie Guave ein ausgesprochen geschmackvolles Wort.

Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Timo Berger

SETE PROVAS E NENHUM CRIME

portuguese | Chacal

Havia a mancha de sangue no jaleco
E nenhum corpo
Havia o olhar rútilo, o rosto crispado
E nenhum motivo
Havia o cheiro impregnado no copo
E nenhuma digital
Havia o vírus, o bilhete, a arma branca
E nenhum assassinato
Havia em vão a confissão
E nenhum ilícito
Havia a cadeira de rodas vazia
E nenhum suspeito
Havia um gato emborcado no aquário
E peixe nenhum

© Chacal
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

SIEBEN BEWEISE UND KEINE TAT

german

da war ein blutfleck auf der weste
und keine leiche
war ein funkelnder blick, ein zucken im gesicht
und kein motiv
war ein geruch überall am glas
und kein fingerabdruck
war ein virus, ein geldschein, eine stichwaffe
und kein mord
war ein sinnloses geständnis
und keine straftat
war ein leerer rollstuhl
und kein verdächtiger
war ein kater ertrunken im aquarium
und kein fisch

Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Timo Berger

O OUTRO

portuguese | Chacal

só quero
o que não
o que nunca
o inviável
o impossível

não quero
o que já
o que foi
o vencido
o plausível

só quero
o que ainda
o que atiça
o impraticável
o incrível

não quero
o que sim
o que sempre
o sabido
o cabível

eu quero
o outro

© Chacal
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

DAS ANDERE

german

ich will nur
was nicht
was nie
was aussichtslos
was unmöglich

ich will nicht
was schon
was war
was bezwungen
was wahrscheinlich

ich will nur
was noch
was anspornt
was unausführbar
was unglaublich

ich will nicht
was ja
was immer
was bekannt
was verlässlich

ich will
das andere

Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Timo Berger

MEIO ASSIM

portuguese | Chacal

tava atrasado.
o metrô ia partir.
corri.
a porta se fechou.
metade de mim foi,
outra ficou.

olhando o relógio
falando no celular.

a outra, tagarela,
levantava leviana
a saia das moças,
uivando intempestiva.

se alguém
encontrar uma delas,
avise a outra
que eu vou ver
se estou na esquina.

© Chacal
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

SO HALB

german

hatte mich verspätet.
die metro fuhr gleich los.
ich machte einen satz.
die türen schlossen sich.
die eine hälfte drin.
die andre hälfte blieb.

die eine dieʼs schon war,
versank noch mehr in sich,
wenn sie auf die uhr sah,
in ihr handy sprach.

die andere, recht redselig,
lupfte leicht frivol
die röcke mehrerer mädchen
und kreischte dabei

falls ihr
eine der hälften seht,
sagts der andern sofort:
ich werd sehen
ob ich an der ecke steh.

Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Timo Berger

VOZ ATIVA

portuguese | Chacal

todos têm uma voz
alta, baixa, aguda, grave
rouca, intensa, suave

todos têm uma voz
só que muitos não a usam
com medo de tudo e todos

e assim deixam que outra
que não sua mas de outro
tome então o seu lugar

e saem por aí dizendo coisas
que na real não acreditam
mas que não tem força de evitar

porque sua voz foi vendida
é o novo dono quem fala
e a voz verdadeira, silenciada

ainda assim ela está lá
reprimida inibida sufocada
à espera do dono verdadeiro

torcendo pra que ele quebre
de repente a mordaça do medo
e fale aquilo que sempre quis

então quem falava por ele
baterá rapidinho em retirada
e a voz terá de novo a sua voz

© Chacal
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

AKTIVE STIMME

german

alle haben eine hohe stimme
eine tiefe schrille ernste
heisere eindringliche weiche

alle haben eine stimme
nur benutzen viele sie nicht
aus angst vor allem und allen

und lassen so zu dass eine andere
nicht ihre sondern die eines anderen
ihren platz einnimmt

und sie sagen dann dinge
an die sie nicht glauben
haben den mut  nicht, sie zu verneinen

denn ihre stimme wurde verkauft
und der neue besitzer spricht
die wahre stimme verstummt

doch trotz allem ist sie noch da
unterdrückt gedämpft erstickt
wartet sie auf ihren besitzer

sehnt sich danach dass er plötzlich
den knebel der angst zerreißt
und sagt was er immer schon wollte

wer an seiner stelle sprach wird dann schnell
den rückzug antreten und die stimme
gehört wieder dem der spricht

Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Timo Berger

La inmortalidad

spanish | Luis García Montero

Nunca he tenido dioses
y tampoco sentí la despiadada
voluntad de los héroes.
Durante mucho tiempo estuvo libre
la silla de mi juez
y no esperé juicio
en el que rendir cuentas de mis días.

Decidido a vivir, busqué la sombra
capaz de recogerme en los veranos
y la hoguera dispuesta
a llevarse el invierno por delante.
Pasé noches de guardia y de silencio,
no tuve prisa,
dejé cruzar la rueda de los años.
Estaba convencido
de que existir no tiene trascendencia,
porque la luz es siempre fugitiva
sobre la oscuridad,
un resplandor en medio del vacío.

Y de pronto en el bosque se encendieron los árboles
de las miradas insistentes,
el mar tuvo labios de arena
igual que las palabras dichas en un rincón,
el viento abrió sus manos
y los hoteles sus habitaciones.
Parecía la tierra más desnuda,
porque la noche fue,
como el vacío,
un resplandor oscuro en medio de la luz.

Entonces comprendí que la inmortalidad
puede cobrarse por adelantado.
Una inmortalidad que no reside
en plazas con estatua,
en nubes religiosas
o en la plastificada vanidad literaria,
llena de halagos homicidas
y murmullos de cóctel.
Es otra mi razón. Que no me lea
quien no haya visto nunca conmoverse la tierra
en medio de un abrazo.

La copa de cristal
que pusiste al revés sobre la mesa,
guarda un tiempo de oro detenido.
Me basta con la vida para justificarme.
Y cuando me convoquen a declarar mis actos,
aunque sólo me escuche una silla vacía,
será firme mi voz.

No por lo que la muerte me prometa,
sino por todo aquello que no podrá quitarme.

© Luis Garcia Montero
from: Completamente viernes
Tusquets, 1998

Unsterblichkeit

german

Ich hatte keine Götter,
noch spürte ich in mir den eisernen
Willen eines Helden.
Der Stuhl meines Richters
blieb lange leer.
Mich erwartete kein Prozess, Rechenschaft
über meine Tage abzulegen.

Entschlossen zu leben, suchte ich einen schattigen Platz
für den Sommer
ein Lagerfeuer mit der Kraft,
den Winter auszutreiben.
Schweigend durchwachte ich Nächte,
Eile kannte ich nicht.
Und das Rad der Jahre drehte sich.
Ich war mir sicher:
Das Leben hat keine Transzendenz,
weil das Licht stets
in der Dunkelheit verlischt,
ein Schimmer, umgeben von Nichts.

Dann loderten im Wald die Bäume auf
von so viel beharrlichen Blicken,
und das Meer schürzte seine Sandlippen
wie in eine Ecke geflüsterte Worte.
Der Wind öffnete seine Fäuste,
die Gasthöfe ihre Zimmer.
Die Erde war nackt wie nie zuvor,
weil die Nacht
dem Nichts glich,
ein dunkler Schimmer, umgeben von Licht.

Da verstand ich: Unsterblichkeit
gibt es schon vorab.
Eine Unsterblichkeit, wie man sie nicht spürt
auf Plätzen mit Statuen,
in frommen Wolken oder
in der eingeschweißten Eitelkeit der Literaten,
voll Schmeicheleien, mörderisch,
im Geplänkel der Stehempfänge.
Ich denke anders. Mich soll keiner lesen,
für den die Erde noch nie
in einer Umarmung gebebt hat.

Das Glas,
das du auf den Tisch stellst, umgedreht,
bewahrt eine angehaltene, goldene Zeit.
Mir genügt das Leben, mich zu rechtfertigen.
Und wenn sie mich rufen, meine Taten zu erklären,
wird meine Stimme, selbst wenn mich nur
ein leerer Stuhl erwartet, fest sein.

Nicht, weil mir der Tod etwas verspricht, sondern
weil er mir nichts mehr nehmen kann.

Übersetzt von Timo Berger

El amor

spanish | Luis García Montero

Las palabras son barcos
y se pierden así, de boca en boca,
como de niebla en niebla.
Llevan su mercancía por las conversaciones
sin encontrar un puerto,
la noche que les pese igual que un ancla.

Deben acostumbrarse a envejecer
y vivir con paciencia de madera
usada por las olas,
irse descomponiendo, dañarse lentamente,
hasta que a la bodega rutinaria
llegue el mar y las hunda.

Porque la vida entra en las palabras
como el mar en un barco,
cubre de tiempo el nombre de las cosas
y lleva a la raíz de un adjetivo
el cielo de una fecha,
el balcón de una casa,
la luz de una ciudad reflejada en un río.

Por eso, niebla a niebla,
cuando el amor invade las palabras,
golpea sus paredes, marca en ellas
los signos de una historia personal
y deja en el pasado de los vocabularios
sensaciones de frío y de calor,
noches que son la noche,
mares que son el mar,
solitarios paseos con extensión de frase
y trenes detenidos y canciones.

Si el amor, como todo, es cuestión de palabras,
acercarme a tu cuerpo fue crear un idioma.

© Luis Garcia Montero
from: Completamente viernes
Tusquets, 1998

Liebe

german

Wörter verlieren sich
von Mund zu Mund,
in Nebelschwaden, wie Schiffe.
Sie fahren ihre Fracht über die Gespräche,
finden keinen Hafen,
und die Nacht, ein Anker, zerrt an ihnen.

Sie müssen sich ans Altern gewöhnen,
geduldig wie Holz,
verschlissen von Wellen, müssen ertragen,
wie sie aufquellen, langsam leckschlagen,
bis das Meer in ihren schmucklosen Laderaum dringt
und sie zum Kentern bringt.

Weil das Leben in die Wörter dringt
wie das Meer in ein Schiff,
legt es eine Patina auf die Namen der Dinge
und führt den Himmel eines Datums,
den Balkon eines Hauses
zu den Wurzeln eines Adjektivs,
die Lichter einer Stadt, gespiegelt im Fluss.

Wenn die Liebe zwischen Nebelschwaden
in die Wörter einmarschiert, schlägt sie
an ihre Wände, schnitzt die Zinken
einer persönlichen Geschichte,
hinterlässt in der Vergangenheit des Wortschatz'
einen Eindruck von Kälte, von Hitze.
Nächte, die die Nacht sind,
Meere, die das Meer sind.
Einsame Spaziergänge, so lang wie ein Satz.
Angehaltene Züge und Lieder.

Ist die Liebe, wie alles, eine Frage der Worte,
schuf ich eine Sprache auf dem Weg zu dir.

Übersetzt von Timo Berger

Tal vez nos vamos de nosotros mismos, pero queda casi siempre una puerta mal cerrada…

spanish | Luis García Montero

Cuando cierro la puerta de mi casa
suelen los escalones llenárseme de dudas.
Es posible, tal vez
la luz trabajadora del despacho
se ha quedado encendida,
no sé si corté el agua
y además me parece
que no le di dos vueltas a la llave.

Es como cuando salgo de alguna discusión
y el ascensor se cubre de verdades no dichas.
Van conmigo respuestas decisivas.
Más tarde siento miedo
de aquellos dos minutos de intemperie.
Yo levanté la voz, los demás se callaron
y se rompió la copa.

Es como cuando salgo de una fiesta
y me asalta el temor
de que alguien se haya molestado.
¿Me despedí de ella? ¿Debería
acordarme de él?
¿Entendieron la broma
y la doble intención de mis palabras?
¿Ha llegado a saberse
la pequeña mentira del viernes por la tarde?

Es como cuando salgo de mí mismo,
después de haber nadado entre dos aguas
incluso en la bañera.
Dejo la ropa sucia a los pies de la silla,
una cama deshecha,
los platos sin lavar,
toallas en el suelo, y en el cuarto de baño
un espejo con niebla
donde está todavía
el desnudo sin piel del impostor
que ahora sale a la calle,
y saluda a los otros,
y atiende a quien le llama por su nombre.

Todo es raro y difícil
como sentirse Luis, como vivir en el segundo
izquierda de la noche,
ser español o estar enamorado.

Tal vez nos vamos de nosotros mismos.
Pero queda una luz, un grifo abierto,
la sombra de una puerta mal cerrada.

© Luis Garcia Montero
from: Un invierno propio
Visor, 2011

Kann sein, wir treten aus uns selbst heraus, vergessen aber meistens, die Tür abzuschließen …

german

Kaum trete ich aus der Haustür,
kommen mir auf den Stufen Zweifel.
Hab ich vergessen
das unermüdliche Licht im Büro
auszuschalten?
Hab ich den Wasserhahn zugemacht?
Mir kommt es vor, als hätte ich versäumt,
den Schlüssel zweimal rumzudrehen.

So ist es auch, wenn ich im Streit fortgehe
und der Fahrstuhl sich mit ungesagten Dingen füllt.
Nun liegen mir auf einmal alle Antworten auf der Zunge.
Später machen mir die zwei Minuten
Donnerwetter Angst.
Ich wurde laut, die anderen verstummten.
Glas zerbrach.

So ist es auch, wenn ich aufbreche von einer Feier
und mir nicht sicher bin, ob ich nicht doch
jemanden vor den Kopf gestoßen habe.
Hab ich mich von der einen verabschiedet? Hätt ich mich
an den andern erinnern müssen?
Haben sie den Scherz verstanden,
den Doppelsinn meiner Worte?
Ist meine Notlüge von Freitag-
abend aufgeflogen?

So ist es auch, wenn ich heraustrete aus mir selbst,
nachdem ich zwischen allen Stühlen gesessen habe,
sogar noch am Küchentisch.
Ich lege die Wäsche neben den Hocker,
hinterlasse ein zerwühltes Bett,
schmutziges Geschirr,
Handtücher auf dem Boden und im Bad
einen beschlagenen Spiegel.
Vor dem steht immer noch der Nackte,
ohne das Fell des Hochstaplers,
der jetzt das Haus verlässt
und die anderen Leute grüßt,
sich einem zuwendet, der ihn beim Namen nennt.

Alles ist seltsam und vertrackt,
wie sich als Luis zu fühlen oder im zweiten Stock
links neben der Nacht zu wohnen.
Oder Spanier zu sein. Oder verliebt.

Kann sein, wir treten aus uns selbst heraus.
Aber ein Licht brennt noch, ein Wasserhahn tropft.
Der Schatten einer unverschlossenen Tür.

Übersetzt von Timo Berger

La tristeza del mar cabe en un vaso de agua

spanish | Luis García Montero

               No hay pues mujer más sola,
               más tristemente sola,
               que la que quiere amar a un hombre triste.
                                             Piedad Bonnett

Los hombres tristes,
que tienen en sus ojos un café de provincias,
que no saben mentir como quien dice,
que se esconden detrás de los periódicos,
que se quedan sentados en su silla
cuando la fiesta baila,
que gastan por zapatos una tarde de lluvia,
que saludan con miedo,
que de pronto una noche se deshacen,
que cantan perseguidos por la risa,
que abrazan, que importunan hasta quedarse solos,
que retornan después a su tristeza
igual que a su pañuelo y a su vaso de agua,
que ven como se alejan las novias y los barcos,
esos hombres manchados por las últimas horas
de la ocasión perdida,
se parecen a mí.

© Luis Garcia Montero
from: Un invierno propio
Visor, 2011

Die Traurigkeit der See hat Platz in einem Wasserglas

german

               Es gibt wohl keine Frau,
               die einsamer und trauriger wäre
               als die, die einen traurigen Mann liebt.
                                             Piedad Bonnett

Die traurigen Männer,
in ihren Augen ein Kleinstadtcafé,
die wortwörtlich nicht lügen können,
sich hinter ihren Zeitungen verstecken,
auf verchromten Stühlen verharren,
wenn die Feier in Schwung kommt,
statt in Slipper in einen Regenabend schlüpfen,
schüchtern grüßen,
Männer, die eines Nachts aufblühen,
singen und prusten vor Lachen,
die umarmen, rempeln, rülpsen, bis alle andern fort sind,
dann in ihre Traurigkeit zurückfallen,
ihr Stofftaschentuch hervorholen, das Wasserglas,
und zusehen, wie Bräute und Boote davonziehen.
Jene Männer, gezeichnet von den letzten Stunden
einer verpassten Gelegenheit,
sind fast wie ich.

Übersetzt von Timo Berger

Primer día de vacaciones

spanish | Luis García Montero

Nadaba yo en el mar y era muy tarde,
justo en ese momento
en que las luces flotan como brasas
de una hoguera rendida
y en el agua se queman las preguntas,
los silencios extraños.

Había decidido nadar hasta la boya
roja, la que se esconde como el sol
al otro lado de las barcas.

Muy lejos de la orilla,
solitario y perdido en el crepúsculo,
me adentraba en el mar
sintiendo la inquietud que me conmueve
al adentrarme en un poema
o en una noche larga de amor desconocido.

Y de pronto la vi sobre las aguas.
Una mujer mayor,
de cansada belleza
y el pelo blanco recogido,
se me acercó nadando
con brazadas serenas.
Parecía venir del horizonte.

Al cruzarse conmigo,
se detuvo un momento y me miró a los ojos:
no he venido a buscarte,
no eres tú todavía.

Me despertó el tumulto del mercado
y el ruido de una moto
que cruzaba la calle con desesperación.
Era media mañana,
el cielo estaba limpio y parecía
una bandera viva
en el mástil de agosto.
Bajé a desayunar a la terraza
del paseo marítimo
y contemplé el bullicio de la gente,
el mar como una balsa,
los cuerpos bajo el sol.
                                   En el periódico
el nombre del ahogado no era el mío.

© Luis Garcia Montero
from: Habitaciones separadas
Visor, 1994

Erster Urlaubstag

german

Ich schwamm aufs Meer hinaus, spät,
genau in jenem Augenblick,
in dem die Lichter wabern wie die Glut
eines erlöschenden Feuers
und die Fragen im Wasser verbrennen,
die seltsame Stille.

Ich wollte bis zur roten Boje schwimmen,
die sich, der Sonne gleich, auf der anderen Seite
der Boote versteckte.

Weit entfernt vom Ufer, einsam
und verloren in der Dämmerung,
tauchte ich ins Meer,
spürte dieselbe Unruhe, die mich erfasst,
wenn ich in ein Gedicht tauche
oder in eine lange Nacht unbekannter Liebe.

Und plötzlich sah ich in den Wellen
eine Frau
von matter Schönheit, älter schon,
das schlohweiße Haar zum Zopf,
schwamm sie mir entgegen,
löste sich mit ernsten Armzügen
vom Horizont.

Als wir aufeinandertrafen,
hielt sie inne und sah mir in die Augen:
Ich bin nicht gekommen, dich zu holen.
Dich noch nicht.

Marktgeschrei weckte mich,
das Knattern eines Mopeds,
das verzweifelt durch eine Straße heizt.
Es war fast Mittag,
der Himmel klar
eine flatternde Fahne
am Mast des August.
Ich ging zum Frühstück ins Café
an der Strandpromenade
und sah dem Treiben zu.
Das Meer war ein Wasserbassin,
Körper unter der Sonne.
                                Und in der Zeitung
der Name eines Ertrunkenen. Nicht meiner.

Übersetzt von Timo Berger

Figura sin paisaje

spanish | Luis García Montero

He vendido mi alma dos veces al diablo,
por monedas de niebla y curso clandestino
en países que nadie se ha atrevido a fundar.

Un realista que vive el mundo de los sueños,
un soñador que quiere vivir la realidad.

Mal destino es el tuyo.
Así te va.

© Luis Garcia Montero
from: Habitaciones separadas
Visor, 1994

Figur ohne Landschaft

german

Ich verkaufte meine Seele zweimal an den Teufel
für Nebelmünzen und zum Schwarzmarktpreis
in Ländern, die keiner sich zu gründen traut.

Ein Realist, der in der Welt der Träume lebt,
ein Träumer, der die Wirklichkeit erleben will.

Bös ist dein Schicksal.
Du hast es verdient.

Übersetzt von Timo Berger

[Vem ver-me antes que eu morra de amor — o sangue]

portuguese | Maria do Rosário Pedreira

Vem ver-me antes que eu morra de amor — o sangue
arrefece dentro do meu corpo e as rosas desbotam
nas minhas mãos. Da minha cama ouço a tempestade
nos continentes; e já quis partir, deixar que o vento
levasse a minha mala por aí; fiz planos de correr mundo
para te esquecer — mas nunca abria a porta.

Vem ver-me enquanto não morro, mas vem de noite —
a luz sublinha a agonia de um rosto e quero que me recordes
como eu podia ter sido. Da minha cama vejo o sol
tatuar as costas do meu país; e já sonhei que o perseguia,
que desenhava o teu nome no veludo da areia e sentia
a vida pulsar nessa palavra como um músculo tenso
escondido sob a pele — mas depois acordava e não ia.

Vem ver-me antes que morra, mas vem depressa —
os livros resvalam-me do colo e o bolor avança
sobre a roupa. Da minha cama sinto o perfume das
folhas tombadas nos caminhos, O outono chegou. E o quarto
ficou tão frio de repente. E tu sem vires. Agora
quero deitar-me no tapete de musgo do jardim e ouvir
bater o coração da terra no meu peito. Os vermes
alimentam-se dos sonhos de quem morre. E tu não vens.

© Maria do Rosário Pedreira
from: O Canto do Vento nos Ciprestes
Lisboa: Gótica, 2001
Audio production: Casa Fernando Pessoa/CML

[Komm zu mir, bevor ich vor Liebe sterbe – das Blut]

german

Komm zu mir, bevor ich vor Liebe sterbe – das Blut
wird in meinem Körper kalt und in meinen Händen
verblassen die Rosen. Vom Bett aus höre ich wie ein Sturm
über die Kontinente fegt; und wollte schon aufbrechen, es zulassen
dass der Wind meinen Koffer davonträgt; ich habe
den Plan gefasst, in die Welt zu ziehen
um dich zu vergessen – doch ich habe die Tür nie geöffnet.

Komm zu mir, solange ich noch nicht tot bin, aber komm nachts –
denn die Agonie steht mir im Gesicht und ich will, dass du mich so
in Erinnerung behältst, wie ich einst war. Vom Bett aus sehe ich die Sonne
wie sie die Küsten meines Landes tätowiert; und habe geträumt, dass ich sie verfolge
dass ich deinen Namen in den samtigen Sand zeichne und das Leben
spüre, das in dem Wort wie ein angespannter Muskel pocht
versteckt unter der Haut – aber dann wachte ich auf und blieb liegen.

Komm zu mir, bevor ich sterbe, aber komm schnell –
die Bücher gleiten mir so aus dem Schoß und der Schimmel befällt
meine Kleidung. Vom Bett aus rieche ich den Geruch des
Laubs auf den Wegen. Der Herbst ist gekommen. Und das Zimmer
auf einmal kalt. Und du kommst nicht. Jetzt will ich mich
im Garten auf den Teppich aus Moos legen und das Herz
der Erde an meiner Brust schlagen hören. Die Würmer
verzehren die Träumen dessen, der stirbt. Und du kommst nicht.

Aus dem Portugiesischen von Timo Berger

[Uma girafa com búzios]

portuguese | Luís Carlos Patraquim

Uma girafa com búzios
ao pescoço
os lábios nos ramos altos

Rilham

E os espinhos macerados
Concedem à savana
O dorso crepuscular
Em que se fecha

© Luis Carlos Patraquim
unveröffentlichtem Manuskript,
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

[Eine Giraffe mit Muscheln]

german

Eine Giraffe mit Muscheln
um den Hals
und Lippen, die hinter hohen Zweigen

Kauen

Und die weich gekauten Dornen
überlassen der Savanne
den Rücken der Dämmerung
in den sie sich einhüllt

Aus dem Portugiesischen von Timo Berger

[Se puede, apaciguado y taciturno]

spanish | Martín Gambarotta

Se puede, apaciguado y taciturno, mear
tartamudeando la banda de sonido que más
se le cante a tus bolas hasta que se vuelva
una deprecación constante
se puede dejar en el suelo lo que otros
podrían tener interés en llegar a levantar
y porque día tras día en este lugar
la luz mengua esquemáticamente
como si de verdad hubiera un jehová
que desde un eje a todo le echa un ojo
se puede tomar impulso sobre
la silla giratoria y
rotar un rato.

© 2008 Ediciones VOX
from: Para un plan primavera
Bahía Blanca/Buenos Aires, Argentina: Ediciones VOX, 2008
Audio production: 2011 Literaturwerkstatt Berlin

[Man kann friedlich und einsilbig pinkeln]

german

Man kann friedlich und einsilbig pinkeln
und den Soundtrack summen, der einem
ganz und gar unter die Haut geht, bis er nur
noch ein endloses Wimmern ist
man kann auf den Boden stellen, woran andere
Interesse haben könnten und es mitnehmen
und weil das Licht an diesem Ort
Tag für Tag schematisch schwindet
als hätte es wirklich einen Jahwe gegeben
der von einer Achse aus auf alles einen Blick wirft
kann man sich auf dem Bürostuhl
selbst einen Schubs geben und
ein wenig drehen.

Aus dem argentinischen Spanisch von Timo Berger
Für einen Frühlingsplan/Para un plan primavera. German/Español
Ediciones VOX, Bahía Blanca/Buenos Aires, Argentina 2011

[Os amantes aparecem no verão, quando os amigos partiram]

portuguese | Maria do Rosário Pedreira

para J.G.

Os amantes aparecem no verão, quando os amigos partiram
para o sul à sua procura, deixando um lugar vago
à mesa, um bilhete entalado na porta, as plantas,
o canário, um beijo e um livro emprestado: a memória
das suas biografias incompletas. Os amigos

desaparecem em agosto. Consomem-nos as labaredas do sol
e os amantes que chegam ao fim da tarde
jantam e de manhã ajudam a regar as raízes das avencas
que os amigos confiaram até setembro, quando regressam

trazem saudades e um romance novo debaixo da língua.
Levam um beijo, os vasos, as gaiolas e os amantes
deixam um lugar vago na memória, cabelos na almofada,
uma carta, desculpas, e um livro de cabeceira que os
amigos lêem, pacientes, ocupando o seu lugar à mesa.

© Maria do Rosário Pedreira
from: A Casa e o Cheiro dos Livros
Lisboa: Gótica, 1996
Audio production: Casa Fernando Pessoa/CML

[Die Liebhaber tauchen im Sommer auf, wenn die Freunde]

german

für J.G.

Die Liebhaber tauchen im Sommer auf, wenn die Freunde
auf ihre Suche in den Süden fahren und einen leeren Platz am Tisch
hinterlassen, einen an die Tür geklemmten Zettel, die Zimmerpflanzen
den Kanarienvogel, einen Kuss und ein geborgtes Buch: das Gedächtnis
ihrer unfertigen Biografie. Die Freunde

verschwinden im August. Die sengende Sonne verzehrt uns
und die Liebhaber, die am späten Nachmittags eintreffen
essen zu Abend und helfen morgens, das Farnkraut zu gießen
die uns die Freunde bis September anvertrauen. Wenn sie zurückkehren

sind sie voller Sehnsucht und eine neue Romanze liegt unter der Zunge.
Sie bringen einen Kuss mit, und Töpfe und Vogelkäfige und die Liebhaber
hinterlassen ein verschwommenes Bild im Gedächtnis, Haare auf den Kissen
einen Brief, Entschuldigungen und eine Bettlektüre, die die Freunde
geduldig lesen, während sie am Tisch ihren Platz wieder einnehmen .

Aus dem Portugiesischen von Timo Berger

[No me dejan otra opción que hablar]

spanish | Martín Gambarotta

No me dejan otra opción que hablar
porque no me dejan otra opción voy a hablar
porque no me dejan la opción primaveral
la opción botánica, la opción magnesiana, porque
no me dejan otra opción voy a hablar del bolso
debajo de la silla, voy hablar de la silla arriba
del bolso, de la que dejó el bolso debajo de la silla
porque no me dejan la opción que irradia
la opción inimaginable, la opción que irriga, la opción
por demás, en esta instancia, inmanejable
en esta instancia inteligible voy
a hablar de las prefecturas, la invectiva
terráquea, los lustros de ignominia, porque
no me dejan otra opción voy a hablar.

© 2011 Ediciones VOX
from: Für einen Frühlingsplan/Para un plan primavera. German/Español
Bahía Blanca/Buenos Aires, Argentina: Ediciones VOX, 2011
Audio production: 2011 Literaturwerkstatt Berlin

[Man lässt mir keine andere Wahl als zu sprechen]

german

Man lässt mir keine andere Wahl als zu sprechen
da man mir keine andere Wahl lässt, spreche ich
da man mir nicht die Frühlingsauswahl lässt
die botanische Wahl die magnesianische Wahl da
man mir keine Wahl lässt, spreche ich von der Tasche
unterm Stuhl, von dem Stuhl über
der Tasche, von der, die die Tasche unterm Stuhl vergaß
da man mir nicht die strahlende Wahl lässt
die unvorstellbare Wahl die verrinnende Wahl,
die Wahl, die zu viel ist, in diesem – nicht beherrschbaren –
in diesem fassbaren Augenblick spreche ich
von den Präfekturen, der Beleidigung
der Weltkugel, dem Jahrfünft der Schmach, da
man mir keine andere Wahl lässt, spreche ich.

Aus dem argentinischen Spanisch von Timo Berger
Für einen Frühlingsplan/Para un plan primavera. German/Español
Ediciones VOX, Bahía Blanca/Buenos Aires, Argentina 2011

[No es que quieran...]

spanish | Martín Gambarotta

No es que quieran que dejes de rotar en una silla giratoria a una velocidad
distinta que el mundo distante, no presentan objeciones a que te sientas
en una órbita original al girar sobre un eje propio, ni que después abras
pensativo una lata cilíndrica de paté haciéndola rotar en tu mano, ellos
también a veces hacen girar sus globos terráqueos y los detienen con el índice
para elucubrar un rato acerca de la región que señalaron al azar
no tienen problema alguno con tu murmurante desiderata sobre
si lo que gira es la lata de paté o el abrelatas, sobre el pequeño disco dentado
que se desprende del resto de esa lata cuando abierta, no quieren ver
tus planes a la hora de otra primavera adjetivada, ni tienen especial interés
en plantarte un dispositivo de rastreo satelital para seguir tus pasos
por ramblas de balnearios atlánticos donde supo haber
videobares, disquerías, locutorios, ni ubican
a esos automóviles contratados por los motores de búsqueda que salen con cámaras
de trescientos sesenta grados en el techo a fotografiarlo todo, no quieren saber
las canciones que almacena tu pequeño reproductor de acero cromado y plástico
blanco, no están necesariamente al tanto del diagnóstico que dice que lo anómalo
no es estar desconectado de la realidad sino, a un nivel macro, estar demasiado
conectado, ni esperan que se entienda por realidad un lanchón de asalto adentrándo
lentamente en una mesopotamia, que se entienda por realidad camelias
sobreexcitadas por el viento, por realidad a un grupo de hijos etíopes haciendo
que esperan un micro en una circunvalación específica habiendo perdido toda noció
de especificidad, con sus parkas estropeadas, pasándose un cigarro, clavándose
en la yema de los dedos los dientes de la tapita redonda de una botella recién
abierta, no ponen en duda la frágil camaradería nocturna que tejieron hace un rato
comiendo corazones de pollo ensartados en palillos de madera, no contextualizan
ese manifiesto, no teorizan sobre el entumecimiento, no leen todo lo que dice
el vicepresidente de Bolivia, no sintetizan la tenacidad, no acampan a las puertas
de abisinia, ni azuzan leopardos semidomesticados con el tamborileo de
sus panderetas, no queman tabloides, no se duermen con las manos entrelazadas
sobre el pecho mirando propaganda, ni les preocupa que ahora te pasees
con dulce parsimonia, la almohada todavía marcada en la cara, arrastrando los talones
por los pasillos de un supermercado buscando una marca específica de sopa
de fideos instantánea japonesa, y tampoco es que quieran evitar
que prepares, el temperamento hecho un témpano, esa sopa antes de ponerte
a leer un manual para perfeccionar maniobras de evasión, lo que sea
no, no, no, nada de eso, no
simplemente quieren que te mueras.

© 2008 Ediciones VOX
from: Para un plan primavera
Bahía Blanca/Buenos Aires, Argentina: Ediciones VOX, 2008
Audio production: 2011 Literaturwerkstatt Berlin

[Es ist nicht so, dass sie wollten...]

german

Es ist nicht so, dass sie wollten, dass du dich weiter auf deinem Bürostuhl mit einer anderen Geschwindigkeit
als die ferne Welt drehst, sie erheben keinen Einspruch dagegen, dass du dich
beim Kreisen um die eigene Achse in einer eigenen Umlaufbahn glaubst, noch dass du danach
gedankenverloren eine zylinderförmige Dose Paté öffnest und sie auf deiner Hand drehst, auch
sie lassen manchmal ihre Globen rotieren und halten sie mit dem Zeigefinger an
um eine Weile über die Region, auf die sie per Zufall zeigen, zu meditieren
sie stören sich nicht an deinen gemurmelten Desiderata
ob sich die Dose Paté oder der Dosenöffner dreht; ob sich die kleine gezackten Scheibe
vom Rest der Dose löst oder die Dose von der Scheibe, sie wollen zu Anbruch
eines weiteren bestimmten Frühlings deine Pläne nicht sehen, noch setzen sie alles daran
dir einen Satellitensender einzupflanzen, um deine Schritte über Promenaden
in Seebädern am Atlantik zu überwachen, wo es bekanntlich
Videobars, Schallplattenläden, Telecafés gab, noch machen sie
diese Fahrzeuge ausfindig, die im Auftrag der Suchmaschinen mit aufs Dach geschraubten
360-Grad-Kameras ausschwärmen, um alles zu fotografieren, sie interessieren sich nicht für
die Songs, die dein winziges Wiedergabegerät aus verchromten Stahl und weißem
Plastik speichert, sie kennen nicht unbedingt die Diagnose, die besagt, dass es nicht anormal
sei, nicht mit der Realität verbunden zu sein, sondern – auf einer Makroebene – zu sehr verbunden zu sein,
noch erwarten sie, dass man unter Realität einen Zerstörer versteht, das langsam
in ein Zweistromland eindringt; dass man unter Realität vom Wind
gepeitschten Klatschmohn versteht; oder eine Gruppe von Söhnen Äthiopiens, die so tun, als warteten sie
an einer bestimmten Umgehungsstraße auf den Bus und dabei jeglichen Begriff von
Bestimmtheit verloren haben, mit ihren gammligen Parkas, den geteilten Zigaretten, den Zacken des Kronkorkens
einer gerade geöffneten Flasche, die sie sich in die Fingerkuppe bohren; sie zweifeln
die brüchige nächtliche Kameradschaft die sie vor einer Weile schon geschmiedet haben
indem sie auf Holzstäbchen aufgespießte Hühnerherzen aßen, nicht an, noch setzen sie
dieses Manifest in einen Kontext oder theoretisieren über den Stillstand, sie lesen auch nicht alles, was
der Vizepräsident von Bolivien absondert, noch sind sie eine Synthese der Beharrlichkeit, noch zelten sie
vor den Toren Abessiniens oder hetzen halb gezähmte Leoparden mit dem Trommelwirbel ihrer
Tamburine auf, noch verbrennen sie Boulevardblätter, noch schlafen sie mit über der Brust
verschränkten Armen vor Werbespots ein, noch interessiert es sie, dass du mit süßem Geiz spazieren
/gehst, den Kissenabdruck noch immer im Gesicht und auf der Suche
nach einer bestimmte Marke japanischer Instand-Suppennudeln die Hacken
durch die Gängen eines Supermarkts schleifst, und es ist auch nicht so, dass sie verhindern wollten
dass du – mit dem Temperament einer Eisscholle – diese Suppe zubereitest, bevor du dich daran machst
ein Handbuch über perfekte Ablenkungsmanöver zu lesen, oder sonst was
nein, nein, nein, nichts von all dem, nein, nein
sie wollen einfach nur, dass du verreckst.

Aus dem argentinischen Spanisch von Timo Berger
Für einen Frühlingsplan/Para un plan primavera. German/Español
Ediciones VOX, Bahía Blanca/Buenos Aires, Argentina 2011

[Lembrava-se dele e, por amor, ainda que pensasse]

portuguese | Maria do Ros

Lembrava-se dele e, por amor, ainda que pensasse
em serpente, diria apenas arabesco; e esconderia
na saia a mordedura quente, a ferida, a marca
de todos os enganos, faria quase tudo

por amor: daria o sono e o sangue, a casa e a alegria,
e guardaria calados os fantasmas do medo, que são
os donos das maiores verdades. de outra vez mentira

e por amor haveria de sentar-se à mesa dele
e negar que o amava, porque amá-lo era um engano
ainda maior do que mentir-lhe. E, por amor, punha-se

a desenhar o tempo como uma linha tonta, sempre
a cair da folha, a prolongar o desencontro.
E fazia estrelas, ainda que pensasse em cruzes;
arabescos, ainda que só se lembrasse de serpentes.

© Maria do Rosário Pedreira
from: Poemas de Amor – Antologia da Poesia Portuguesa, Organização e Prefácio de Inês Pedrosa,
Publicações dom Quixote, 2001
Audio production: Casa Fernando Pessoa/CML

[Erinnerte sie sich an ihn, würde sie aus Liebe, obgleich sie]

german

Erinnerte sie sich an ihn, würde sie aus Liebe, obgleich sie
an Schlangen denkt, bloß Schnörkel sagen; würde den brennenden
Biss in ihrem Schoß verbergen, die Wunde, das Mal
all der Täuschungen, sie würde fast alles

aus Liebe tun: gäbe ihren Schlaf und ihr Blut, das Heim und die Freude
und würde hüten die stummen Gespenster der Angst, welche die
Besitzer größerer Wahrheiten sind. Und schon wieder Lügen

aus Liebe müsste sie sich zu ihm an den Tisch setzen
und leugnen, dass sie ihn liebte, denn ihn zu lieben, wäre ein
noch größerer Betrug, als ihn zu belügen. Und aus Liebe würde sie

die Zeit als eine törichte Linie zeichnen, die ständig droht
vom Blatt zu schießen, die Entfremdung zu vergrößern.
Und sie würde Sterne malen, obgleich sie an Kreuze denkt;
Schnörkel, obgleich sie sich nur der Schlangen erinnert.

Aus dem Portugiesischen von Timo Berger

[Lê, são estes os nomes das coisas que]

portuguese | Maria do Ros

Lê, são estes os nomes das coisas que
deixaste – eu, livros, o teu perfume
espalhado pelo quarto; sonhos pela
metade e dor em dobro, beijos por
todo o corpo como cortes profundos
que nunca vão sarar; e livros, saudade,
a chave de uma casa que nunca foi a
nossa, um roupão de flanela azul que
tenho vestido enquanto faço esta lista:

livros, risos que não consigo arrumar,
e raiva – um vaso de orquídeas que
amavas tanto sem eu saber porquê e
que talvez por isso não voltei a regar; e
livros, a cama desfeita por tantos dias,

uma carta sobre a tua almofada e tanto
desgosto, tanta solidão; e numa gaveta
dois bilhetes para um filme de amor que
não viste comigo, e mais livros, e também
uma camisa desbotada com que durmo
de noite para estar mais perto de ti; e, por

todo o lado, livros, tantos livros, tantas
palavras que nunca me disseste antes da
carta que escreveste nessa manhã, e eu,

eu que ainda acredito que vais voltar, que
voltas, mesmo que seja só pelos teus livros.

© Maria do Rosário Pedreira
from: Nenhum Nome Depois
Gótica, 2004
Audio production: Casa Fernando Pessoa/CML

[Lies, hier sind die Namen der Dinge, die]

german

Lies, hier sind die Namen der Dinge, die
du zurückgelassen hast – mich, Bücher, deinen
Geruch überall im Zimmer; die geteilten
Träume und der doppelte Schmerz, Küsse
am ganzen Körper wie tiefe Schnitte
die nie verheilen; und Bücher, eine Sehnsucht
den Schlüssel eines Zuhauses, das nie
unsres war, einen Morgenmantel aus blauem Flanell
in dem ich diese Liste schreibe:

Bücher und ein Lächeln, das sich nicht aufräumen lässt
und Wut – der Topf mit den Orchideen, die
du so sehr geliebt hast – ich wusste nie warum –, und
die ich vielleicht deshalb nie mehr gegossen; und
Bücher und das seit Tagen nicht gemachte Bett

und auf deinem Kissen, ein Brief und so viel
Kummer, so viel Einsamkeit; und in einer Schublade
zwei Karten für einen Liebesfilm, den du nicht
mit mir gesehen hast, und noch mehr Bücher, ein
ausgeblichenes Hemd, das ich zum Schlafen
anziehe, um dir näher zu sein; und, wo man

hinsieht, Bücher, so viele Bücher, so viele
Wörter, die du nie zu mir gesagt hast, vor dem Brief
den du mir an dem Morgen geschrieben hast, und ich

ich, die immer noch glaubt, dass du zurückkommst
zurückkommst, wenn auch nur wegen deiner Bücher.

Aus dem Portugiesischen von Timo Berger

[Dulce cabroncito, impío vástago]

spanish | Martín Gambarotta

Dulce cabroncito, impío vástago
por si debe sértelo dicho otra vez
acá queda dicho otra vez lo que debe
serte dicho una y otra vez: negociación
para un fin no negociable, negociar
todo por lo innegociable. Inflígete
esta consigna en la carne, grábatela
en la frente con una púa de tocadiscos
calzate otra vez las botas y regresá
a la estrella de la que viniste.

© 2011 Ediciones VOX
from: Für einen Frühlingsplan/Para un plan primavera. German/Español
Bahía Blanca/Buenos Aires, Argentina 2011: Ediciones VOX, 2011
Audio production: 2011 Literaturwerkstatt Berlin

[Niedlicher Mistkerl, gottloser Spross]

german

Niedlicher Mistkerl, gottloser Spross
falls es dir nochmal gesagt werden muss
hier wird gesagt, was dir
immer wieder gesagt werden muss: Verhandle
um ein nicht verhandelbares Ende, alles für
das nicht Verhandelbare einsetzen. Präge
dir diese Losung gut ein, ritze sie dir
mit einer Plattenspielernadel in die Stirn
zieh dir die Stiefel wieder an und kehr zurück
auf den Stern, von dem du gekommen.

Aus dem argentinischen Spanisch von Timo Berger
Für einen Frühlingsplan/Para un plan primavera. German/Español
Ediciones VOX, Bahía Blanca/Buenos Aires, Argentina 2011

[circular de adeus]
[trinta de janeiro. os nomes vazios]

portuguese | Pedro Sena-Lino

não sei se alguma vez viste a morte
crescer no corpo de alguém

sobe lenta como se fossem as escadas
a chegar-te depressa

ou a memória como uma coisa viva
e impalpável como uma fotografia

© Pedro Sena-Lino
from: deste lado da morte ninguém responde
Quasi, 2005
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

[abschiedsschreiben]
[dreißigster januar. die leeren namen]

german

ich weiß nicht ob du schon mal gesehen hast
wie der tod in einem körper heranwächst

er steigt langsam auf als wären es die stufen
die dich schnell erreichen

oder die erinnerung wie etwas lebendiges
und nicht greifbares wie eine fotografie

Aus dem Portugiesischen von Timo Berger

[circular de adeus]
[quinze de janeiro. luz de sombras]

portuguese | Pedro Sena-Lino

tem nas costas a luz batente
que a vida concede ao fim

agita o mais íntimo das águas
repete os nomes essenciais
e grita com uma invisível voz
a fome do regresso

é deus assim como é mínimo
com a sabedoria dos dias
e a estrada como um fim

© Pedro Sena-Lino
from: deste lado da morte ninguém responde
Quasi, 2005
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

[abschiedsschreiben]
[fünfzehnter januar. schattiges licht]

german

ein streiflicht fällt auf die küste
geschenk des lebens an das ende

es wiegelt das innerste der wellen auf
wiederholt die essenziellen namen
und schreit mit unsichtbarer stimme
den hunger nach heimkehr heraus

gott ist so und so gering
mit der weisheit der tage
und der weg wie ein ende

Aus dem Portugiesischen von Timo Berger

[Bienvenida]

spanish | Martín Gambarotta

Bienvenida perdida Eme
a la aldea de los huraños
las hormigas cuentan las horas
las arañas cuentan los años.

© 2008 Ediciones VOX
from: Para un plan primavera
Bahía Blanca/Buenos Aires, Argentina : Ediciones VOX, 2008
Audio production: 2011 Literaturwerkstatt Berlin

[Willkommen]

german

Willkommen, verlorene M
im Weiler der Nörgler
die Ameisen zählen die Stunden
die Spinnen zählen die Jahre.

Aus dem argentinischen Spanisch von Timo Berger
Für einen Frühlingsplan/Para un plan primavera. German/Español
Ediciones VOX, Bahía Blanca/Buenos Aires, Argentina 2011

[a infância do mendigo e a promessa do poema.]

portuguese | João Maimona

a infância do mendigo e a promessa do poema.
imensas interrogações sobre a sintaxe da felicidade.
a chuva como resposta tardia quando
a benevolência do império dispersa seu esplendor.
há na calçada do mendigo o mar e o poema.
na espuma azul do novo dia há milhares
de candeeiros desenhado a arquitectura
da convalescência com letras maíusculas.
são janelas misteriosas. anunciados
crepúsculos em cartas de Deus dispersas
por colinas ensoleiradas. de súbito
o coração do mendigo alegra-se
por ler cartas com suspiros de liberdade
e a fome de outros mendigos dedica
uma noite de amor aos loucos do palácio
de exílio quando a chuva se despede da catedral.

© João Maimona
from: O Sentido do Regresso e a Alma do Barco
Luanda: Kilombelombe, 2007
Audio production: 2008 Literaturwerkstatt Berlin

[des Bettlers Kindheit und das Versprechen des Gedichts.]

german

des Bettlers Kindheit und das Versprechen des Gedichts.
unermessliche Fragen zur Syntax des Glücks.
der Regen als verspätete Antwort, wenn
ein wohltätiges Imperium all seine Pracht in die vier Winde streut.
das Meer oder das Gedicht steht auf des Bettlers Bürgersteig.
im blauen Schaum des neuen Tags modellieren Tausende
von Straßenlaternen die Architektur
der Genesung in Großbuchstaben.
geheimnisvolle Fenster. aus Gottes Karten
zu lesende Dämmerungen, großzügig
über sonnige Hügel verteilt. plötzlich
erfreut sich des Bettlers Herz
nach der Lektüre von vor Freiheit jauchzenden Briefen,
und der Hunger anderer Bettler widmet
den Irren aus dem Exilpalast eine Liebesnacht, während
der Regen die Kathedrale verabschiedet.

Aus dem Portugiesischen von Timo Berger

Querida Marina

spanish | Marina Mariasch

No me gusta el título
ya lo escuché en otro lado.
Parece el título
de una canción de Bon Jovi
solista o de Leonard
Cohen o de ¿Andersen
eran? Los hermanos que
fabulaban. O no,
nada que ver, de Bioy
Cortázar, esos que te hecen amar
a los 18 y después
odiás.  La parte afectadita
literario-pop es la que menos
me gusta. Me gusta
la parte industrial, hit trolo
es decir: femenino. ¿Son “las chicas”
las que hacen cortar tanto? No sé
no sé por qué
la insistencia. Cortar versos
¿Cuál es? Me gustaría que un día
me expliques esos cortes. Ni ahí
los entiendo. ¿Por qué
todas las chicas hablan mal
de sus ex-novios? ¿Por qué
qieren tener bebés?
¿Lo de los cuerpos deformados?
Ah, sí. Pero más denotativo que esto
difícil. Gestos punk
como poner música fuerte
para joder al vecino
en la tarde del viernes más cálido del año.
Pero es el movimiento doble del realismo
que amo. Es el ritmo, aquí,
lo que estremece.

© M.M.
Audio production: Timo Berger / M.Mechner, Literaturwerkstatt Berlin

Liebe Marina

german

Mir gefällt der Titel nicht
habe ihn schon woanders gehört.
Es scheint der Titel
eines Lieds von Bon Jovi
als Solist oder Leonard
Cohen zu sein oder waren es die
Andersens? Die Brüder, die
Märchen erzählten. Oder, nein,
ganz falsch, von Bioy
Cortázar, jene, die du mit achtzehn
lieben musstest und danach
hasstest. Der künstlerische Aspekt,
der pop-literarische, gefällt mir
am wenigsten. Mir gefällt der
industrielle Aspekt, der sorgfältig arrangierte Hit
will sagen: weiblich. Sind es «die Mädchen»
die soviel schneiden? Ich weiß nicht
ich weiß nicht wieso
diese Beharrlichkeit. Verse zu brechen
Was ist daran? Ich hätte gerne, dass du mir einmal
diesen Zeilenbruch erklärst. Auch dort
verstehe ich sie nicht. Warum
reden alle Mädchen schlecht
von ihren Exfreunden? Warum
wollen sie Babys bekommen?
Das mit den deformierten Körpern?
Ah, doch. Aber bedeutsamer als das,
schwierig. Es ist die doppelte Bewegung
des Realismus, die ich liebe.
Es ist der Rhythmus, hier
der aufwühlt.

Übersetzt von Timo Berger

Qué es el mar

spanish | Sergio Raimondi

El barrido de una red de arrastre a lo largo del lecho,
mallas de apertura máxima, en el tanque setecientos mil
litros de gas-oil, en la bodega bolsas de papa y cebolla,
jornada de treinta y cinco horas, sueño de cuatro, café,
acuerdos pactados en oficinas de Bruselas, crecimiento
del calamar illex en relación a la temperatura del agua
y las firmas de aprobación de la Corte Suprema, circuito
de canales de acero inoxidable por donde el pescado cae,
abadejo, hubbsi, transferencias de permiso amparadas
por la Secretaría de Agricultura, Ganadería y Pesca; ahí:
atraviesa el fresquero la línea imaginaria del paralelo, va
tras una mancha en la pantalla del equipo de detección,
ignorante el cardumen de la noción de millas o charteo,
de las estadísticas irreales del INIDEP o el desfasaje
entre jornal y costo de vida desde el año mil novecientos
noventa y dos, filet de merluza de cola, SOMU y pez rata,
cartas de crédito adulteradas, lámparas y asiático pabellón,
irrupción de brotes de aftosa en rodeos británicos, hoki,
retorno a lo más hondo de toneladas de pota muerta
ante la aparición de langostino (valor cinco veces mayor),
infraestructura de almacenamiento y frío, caladero, eso.

© Sergio Raimondi
from: Poesía Civil
Bahía Blanca: VOX, 2001
Audio production: Haus für Poesie, 2017

Was ist das Meer

german

Das Schleifen eines über Grund gezogenen Schleppnetzes,
Maschen größtmöglichster Öffnung, siebenhunderttausend Liter
Diesel im Tank, Säcke mit Kartoffeln und Zwiebeln im Laderaum,
Arbeitsschichten von fünfunddreißig Stunden, vier Stunden Schlaf,
Kaffee, in Brüsseler Büros ausgeheckte Abkommen, Vermehrung
des Tintenfischs Illex im Verhältnis zur Wassertemperatur
und den Beschlüssen des Obersten Gerichtshofs, Bahnen
aus rostfreien Stahlkanälen, durch die der Fisch rutscht,
Kabeljau, Seehecht, vom Ministerium für Land- und
Viehwirtschaft und Fischerei erteilte Fangkonzessionen; dort:
überquert der Frischfischhändler die gedachte Linie parallel zur
Küste, verfolgt auf dem Monitor des Aufspürgeräts einen Fleck,
der Fischschwarm kennt weder den Begriff Meilen oder Konzession,
noch die wirklichkeitsfremden Statistiken der INIDEP oder das
Auseinanderdriften von Tageslohn und Lebenskosten seit neunzehn-
hundertzweiundneunzig, Filet von Patagonischem Grenadier, SOMU
und Himmelsgucker, gefälschte Kreditbriefe, Lampen und Asia-Pavillon,
Maul- und Klauenseuche auf britischen Schlachthöfen, Hoki-Fisch,
Rückgabe von Tonnen toter Kurzflossenkalmare an die Tiefsee
als ein Schwarm Rotgarnelen auftaucht (fünfmal höherer Wert),
Infrastruktur für Lagerung und Kühlung, 12-Meilen-Zone, eben das.



[INDEP: Instituto Nacional de Investigación y Desarrollo Pesquero. Nationales Institut für die Fischereiforschung und -entwicklung



SOMU: Sindicato Obreros Marítimos Unidos. Gewerkschaft der vereinten maritimen Arbeiter. Darin sind die Besatzungen der verschiedenen Wasserfahrzeuge (Tanker, Frachtschiffe, Schlepper, Hochseefischer), die unter argentinische Flagge fahren, organisiert. - d.Ü.]

Übersetzt von Timo Berger. In: Sergio Raimondi: Zivilpoesie/Poesía civil, Berlin: wissenschaftlicher verlag berlin 2005, ISBN: 3-86573-112-0.

VO5

spanish | Marina Mariasch

Una lista de nombres
que pudieron ser  hippies
como “Nova” o “Supernova”
para ponerle a tu bebé
que va a nacer

la noche del año nuevo.
Tu papá se acerca y dice:
“¡Hola! ¡Soy el hombre auto, el hombre
autopista!” Lo sabías,
sólo que es distinto
escucharlo de esos labios finitos
que una vez dieron un beso
para que salieras vos.

Amo tus pies
ahora yo digo “vernos”
y volvés con la tos y un poco de fiebre:
no lo haremos-
“antes que nunca” no es otra cosa
que “nunca”.

Hablar de vos
requiere una voz adolescente:
“doméstico” no significa aquí
tenedores y cuchillos.

¿Hay algo que pueda hacer callar
a esa chica? Detesto
oír hablar  a las chicas.

Esparcís a puñados palabras como
“espantoso”, “gigante”, “tremendo”,
“famoso”; preferís evitar
el “muy”, que es tan preciso en pos
del “francamente”, vago
y reticente.
La fotografía

puede seguir colgada en tu habitación
tranquilamente-
pero yo también quiero estar en mi habitación.
No me comprendiste bien en lo tocante
a las expresiones fuertes:

Cargan las bayonetas;
multitudes gritando y aquí
la vergüenza de vivir siempre
bajo protección.

© M.M.
Audio production: Timo Berger / M.Mechner, Literaturwerkstatt Berlin

DU

german

Eine Liste mit Namen,
die nach Hippies klingen könnten,
wie «Nova» oder «Supernova»
für dein Kind,
das zur Welt kommt

in der Silvesternacht.
Dein Vater geht zu dir und sagt:
«Hallo. Ich bin der Automann, der Autobahn-
mann!» Das wusstest du,
nur macht es einen Unterschied,
es von den feinen Lippen zu hören,
die eines Tages küssten
damit du entstandst.

Ich liebe deine Füße
jetzt sage ich «uns sehen»,
und du hast wieder Husten und ein wenig Fieber:
wir werden es nicht tun –
«bevor wir nie» ist nichts anderes
als «nie».

Von dir sprechen
bedarf einer erwachsenen Stimme:
«häuslich» bedeutet hier nicht
Gabel und Messer.

Gibt es etwas, was dieses Mädchen
zum Schweigen bringt? Ich hasse es,
die Mädchen reden zu hören.

Du verteilst eine Handvoll Wörter wie:
«schrecklich», «gigantisch», «furchtbar»,
«berühmt»; du ziehst
dem «sehr», das so treffend ist,
ein «überaus» vor,
vage
und zurückhaltend.

Die Fotografie

kann ruhig weiter in deinem Zimmer
hängen –
aber ich will auch in meinem Zimmer sein.
Du hast mich nicht richtig verstanden, was
die starken Ausdrücke betrifft:

Man lädt die Bajonette;
Die Massen schreien und hier
meine Scham, immer
behütet gelebt zu haben.

Übersetzt von Timo Berger

Vladimiro Isou

spanish | Ezequiel Alemian


El sorpresivo regreso al país de un ex asesor vice presidencial generó una sostenida ola de rumores acerca de la posibilidad de que el gabinete en pleno presente su renuncia a sólo 20 días de haber sido designado.

Rodeado por un grupo de colaboradores armados, el ex asesor descendió de un jet particular minutos después del mediodía.

“Mi dinero es mío. No debo explicaciones a nadie. Todos los que me critican son unos hipócritas. No estaba escondido. No tengo cuentas secretas. He vuelto para salvar mi vida y estar con a mi mujer y mis hijas”, señaló a los pocos medios que, alertados del retorno, se habían hecho presentes en el aeropuerto.

Voceros del oficialismo restaron importancia al regreso, asegurando que “no representa ningún desafío a la gobernabilidad institucional.”

“El Ejecutivo proseguirá con firmeza el desarrollo de su política de aislamiento y marginación, convencido de que sólo una vez que se haya llegado al punto en que todas las tensiones se concentren en una sola letra alcanzará a entenderse el sentido de su empresa”, señalaron.

© E.A.
Audio production: Timo Berger / M.Mechner, Literaturwerkstatt Berlin

Vladimiro Isou

german


Die überraschende Rückkehr eines Ex-Beraters des Vizepräsidenten löste eine anhaltende Welle von Gerüchten aus, dass möglicherweise das vollständige Kabinett nach nur zwanzig Tagen seiner Ernennung seinen Rücktritt erklären könnte.

Umgeben von einer Gruppe bewaffneter Mitstreiter, stieg der Ex-Berater einige Minuten nach Mittag aus einem Privatjet.

«Mein Geld ist meins. Ich schulde niemandem Erklärungen. Alle, die mich kritisieren, sind Heuchler. Ich habe mich nicht versteckt. Ich habe keine geheimen Konten. Ich bin zurückgekehrt, um mein Leben zu retten und bei meiner Frau und meinen Töchtern zu sein», erklärte er den wenigen Medien, die sich durch die Rückkehr aufgeschreckt am Flughafen eingefunden hatten.

Sprecher der Regierung spielten die Bedeutung der Heimkehr herunter, indem sie versicherten, dass sie «keine Herausforderung für die Regierbarkeit und die Institutionen darstellt».

«Die Regierung wird die Entwicklung ihrer Politik der Isolie-rung und Ausgrenzung energisch vorantreiben, überzeugt, dass der Sinn ihres Unternehmens nur verständlich werde, wenn sie an den Punkt gelangt, an dem sich alle Spannungen in einem einzigen Buchstaben zusammenziehen», so die Verlautbarung*.





[*Der Buchstabe spielt auf Isidoro Isou an. Dem Begründer der Bewegung des Lettrismus, der später mehr oder weniger in den Situationismus überging. Der Lettrismus verfolgte in einer seiner Ausprägungen die Idee, der Abflachung oder Auslöschung des Sinns durch die Beto-nung der graphematischen Aspekte eines Gedichts. - d.Ü.]

Übersetzt von Timo Berger

Vida de hotel

spanish | Laura Wittner

Fruta pelada en platos blancos:
toronja rosa, naranja sosa,
melón ardiente, guayaba moza.
Plátano verde para tostones,
banana blanca, arrodajada,
deshecha a fuerza de cuchillo y tenedor.
Furioso chorro del café negro
que inunda la taza, mezcla
el sarro multilingüe,
la brisa tempranera,
marina punteada de nada, lisa.
De prisa, de prisa:
iremos corriendo al agua.
Líneas de sol en la guacaleta
que se vuelven redondeles y espirales
por andar confundidas con las hojas.
Quiero hablar, quiero cantar,
quiero cantar hablando
y hablar cantando pero no puedo:
me sale este runrún sureño,
asoberbiado. Soy sobria, soy tonta,
me enrollo el corpiño en una mano y nado.
Escucho mi respiración, él escucha la suya,
pero vamos juntos a ver peces.
Inspirar, exhalar, inspirar, exhalar,
me mira desde el visor y entre nosotros
se pasea el negro y amarillo pez a rayas.
Tras el pez, el pez viene tras nosotros,
frutas, pez y nadadores
enamorados: una disposición ikebanesca,
naturaleza viva, retrato a la acuarela,
modelos para una abigarrada
versión del origami vegetal.

© Laura Wittner
from: La tomadora de café
Bahía Blanca: Vox, 2005
Audio production: Polvo. 9 Poetas argentinos (CD), Voy a salir y se me hiere un rayo, 2004

Leben im Hotel

german

Geschälte Frucht in weißer Schale:
rosa Pomeranze, fade Apfelsine,
feurige Melone, unreife Guavenbirne.
Grüne Kochbananen als Toastbelag,
weiße Bananen in Scheiben geschnitten,
von Messer und Gabel zerdrückt.
Ein wütender schwarzer Kaffeestrahl
der die Tasse überquellen lässt, mischt
den vielsprachigen Zungenbelag
unter die Morgenbrise,
die glatte, ununterbrochene Küste
und schnell, schnell:
springen wir zum Wasser.
Sonnenstreifen auf der Guacaleta-Ranke
die zu Kreisen, zu Spiralen werden
weil sie über die Blätter verlaufen.
Sprechen will ich, singen,
will sprechend singen
und singend sprechen, aber ich kann nicht:
aus meinem Mund dringt dieses südliche,
ernüchterte Gemurmel. Ich bin nüchtern, albern,
wickle meine BH in der Hand auf und schwimme.
Höre auf meine Atmung, er auf seine,
aber die Fische beobachten wir gemeinsam.
Ein- und ausamten, ein- und ausatmen,
er sieht mich durch den Sucher und zwischen uns
schwimmt ein gelb-schwarz-gestreifter Fisch hindurch.
Hinter dem Fisch, der Fisch kommt von hinten,
Früchte, ein Fisch und verliebte
Schwimmer: ein Ikebana-Arrangement,
ein lebendiges Stillleben, ein Aquarellbild,
Modelle für eine bunte
Version eines Pflanzen-Origami.

aus dem argentinischen Spanisch übertragen von Timo Berger

Una foto

spanish | Laura Wittner

De Elizabeth Taylor, su familia,
y Richard Burton usando una cabeza
enorme, del ratón Mickey.
Elizabeth sonríe, posa las manos
sobre el regazo y dulcemente
mira a la cámara como diciendo:
heme aquí, éste es mi matrimonio,
he logrado insertarlo con naturalidad
en el fluir del mundo, y mi marido
se ha puesto, ya lo ven,
esta cabeza tan graciosa,
dentro de la cual también sonríe.
Hoy todo me da electricidad,
o yo le doy electricidad a todo.
Me sacuden descargas,
produzco clicks,
no puedo tocar nada.
También, siento la lengua
como cuando se está pasando la anestesia
pero al no haber anestesia, lo que siento
es que la lengua se me está durmiendo.
¿Qué tengo? No quisiera mirar a la gente tan de cerca
porque la piel me recuerda a otros materiales.
¿Se les abren los poros?
¿Pero a tal punto?
¿A mí me está pasando?
Hace tanto que llueve, que el agua se acumula
en los pasadizos de separación
entre los adoquines chatos,
y que la voz de la vecina
llega rallada por la lluvia,
que el día de hoy,
que iba a guardar como una foto propia,
donde yo misma sonreiría
sugiriendo mis mensajes a la cámara
se apelmazó con otros: forma parte
de una materia descompuesta, subterránea,
que hechizada por una maldición
no conecta, no contacta.

© Laura Wittner
from: Las últimas mudanzas
Bahía Blanca: Vox, 2001
Audio production: Polvo. 9 Poetas argentinos (CD), Voy a salir y se me hiere un rayo, 2004

Ein Foto

german

Von Elizabeth Taylor, ihrer Familie,
und Richard Burton, der einen riesigen
Kopf aufhat, den von Mickey Maus.
Elizabeth lächelt, legt ihre Hände
in den Schoß und blickt
sanft in die Kamera, als würde sie sagen:
seht her, dies ist meine Ehe,
ich habe geschafft, sie ganz natürlich
in den Fluss der Welt einzufügen, und mein Mann
hat sich, wir ihr seht,
diesen komischen Kopf aufgesetzt,
in dem er auch noch lächelt.
Heute werde ich von allem aufgeladen,
oder ich lade alles auf.
Ein Schlag durchfährt mich,
ich erzeuge Klicks,
kann nichts anfassen.
Meine Zunge fühlt sich so an
als ob eine Betäubung nachließe
doch weil ich keine Betäubung bekommen habe, fühle ich
nur wie meine Zunge einschläft.
Was fehlt mir? Ich möchte die Menschen nicht aus solcher Nähe sehen
weil mich ihre Haut an andere Materialien erinnert.
Öffnen sich ihre Poren?
Aber wie weit?
Und auch mir?
Es regnet schon so lange, dass sich Wasser sammelt
in den Fugen
zwischen den flachen Pflastersteinen,
und die Stimme der Nachbarin
ist vom Regen zerrieben,
der heutige Tag,
den ich wie eine Fotografie aufbewahren wollte,
auf der ich selbst lächeln würde
und der Kamera meine Botschaften übermitteln,
ist ein Klumpen geworden mit anderen Tagen: Teil
eines zerfallenden, unterirdischen Stoffes
der aufgrund eines Fluches
weder verbindet, noch verbandelt.

aus dem argentinischen Spanisch übertragen von Timo Berger

UN APARATO MUY TRISTE

spanish | Damián Ríos

Quiero aprovechar un ruido oscuro
quiero aprovechar
la cara
blanca
de una madre
bajo la sombra raleada de una parra.

Son las once y a cada rato subo a la terraza para ver
los patrulleros saliendo del garage de la comisaría;
vacilante, uno llega a la esquina y antes de que el
semáforo se ponga en verde, el rati acelera y prende
la sirena. Algo de viento cruza en lentas ráfagas,
seca el poco de agua que resta de los chaparrones de
tarde. No hace frío y un amigo hablaría de cervezas
pero ahora estoy solo.

Quiero aprovechar
madre
la palabra
la cara
la penumbra de un recuerdo
un resto de ruidos
motores
la huella
la respiración
la boca
abierta
de una rubia sentada
en una cama
una noche
-un invierno-.

Hacia el fondo, hacia el centro, un movimiento en
espiral. Alguien habrá estado, pienso, temprano,
hojeando suplementos de espectáculos; eligiendo
entre avisos diminutos que prometían -gratis-
recitales y teatro. Alguien marcó un número de
teléfono y preguntó que vas a hacer, nada, salir
a comprar cigarrillos. Fumar.
Fumar en aulas
vacías
en paradas
de colectivos
fumar
nerviosos
tranquilos guardar
humo
en los pulmones
después
dejarlo ir.
en una sala
de hospital
una espera
una mujer
busca
fuego
pregunta
por fuego
a enfermeros/camilleros
no hay fuego
dicen
ha dejado de llover
piensa ella
y no hay fuego
no hay
a esta hora
kioscos abiertos
dicen
y ella piensa en muchas cosas
pero lo realmente preocupante es que no hay fuego.

Silencio.
Primero es el sonido largo de una frenada. Un sonido
que va engordando y que durará pocos segundos, y si
bien supongo que no son menos de dos cuadras las que
me separan de esos dos autos que tal vez están a pto
de chocar, igual mi cuerpo se prepara, encogiéndose,
para amortiguar un golpe que, obviamente, no va a
recibir: tengo que escribir eso, Y tengo que escribir,
además, que después paso dos horas mirando la bolsa
de basura que debí haber sacado antes de las diez.

Entonces yo debo cantar
debo aprender
a leer música
por ejemplo
saber
lo que es una nota
un tono
debo aprender lo que no es
entonces yo quiero cantar
aprender a decir
cantando
lo mismo qué
sin música
y sin embargo no puedo
no se lo que es
lo que no es
no sé
no sé porqué a veces me distraigo
cambiando el dial de la radio
que todos sabemos que es
una operación muy triste: hablo
de buscar una linda canción
entre tantas noticias y partidos de fútbol.
Hablo de encontrarla y que se oigan,
detrás, descargas de una tormenta eléctrica.
Hablo de eso, ¿no?

© D.R.
Audio production: Timo Berger / M.Mechner, Literaturwerkstatt Berlin

EIN SEHR TRAURIGER APPARAT

german

Ich will ein dunkles Geräusch benutzen
Ich will
das weiße
Gesicht
einer Mutter
im Schatten sich rankender Weinreben benutzen.

Es ist elf, und immer wieder steige ich auf die Terrasse, um
die Streifenwagen aus der Garage des Kommissariats fahren zu sehen;
stockend, einer erreicht die Ecke, noch bevor die Ampel auf
Grün schaltet, beschleunigt der Wagen und stellt die
Sirene an. Einige schwache Windstöße wehen,
es ist spät, nicht kalt, und ein Freund würde von Bier sprechen,
aber jetzt bin ich allein.

Ich will
die Mutter
das Wort
das Gesicht
die Dunkelheit einer Erinnerung benutzen

Reste eines Geräuschs
Motoren
die Spur
die Atmung

der offene
Mund
einer auf einem Bett
sitzenden Blonden
eines Nachts
– im Winter.

Auf den Grund, zur Mitte, ein spiralförmige
Bewegung. Jemand muss da gewesen sein, denke ich, in der Frühe
die Kulturbeilagen durchgeblättert, aus winzigen
Anzeigen ausgewählt haben, die – gratis –
Konzerte und Theateraufführungen versprechen. Jemand strich eine Telefon-
Nummer an und fragte, was wirst du machen, nichts, Zigaretten
holen gehen. Rauchen.

Rauchen in leeren
Sälen
an Bus-
Haltestellen
nervös
rauchen
ruhig den Rauch
in den Lungen
zurückhalten
dann ihn
ziehen lassen.

In einem Saal
im Krankenhaus
wartet eine

eine Frau
sucht nach
Feuer
fragt
die Krankenschwestern
nach Feuer

Es gibt kein Feuer
sagen sie
es hat aufgehört zu regnen
denkt sie
und es gibt kein Feuer
es gibt
jetzt keinen
geöffneten Kiosk
sagen sie
und sie denkt an viele Dinge
aber wirklich beschäftigt sie nur, dass es kein Feuer gibt

Stille...

Zuerst das lange Kreischen einer Bremse. Ein Geräusch,
das anschwillt und wenige Sekunden andauert, und auch wenn
ich davon ausgehe, dass es weniger als zwei Blocks sind, die mich
von jenen zwei Autos trennen, die vielleicht kurz davor sind,
zusammen zu stoßen, stellt sich mein Körper darauf ein, krümmt sich,
um einen Schlag zu abdämpfen, den ich, offensichtlich, nicht
empfangen werde; ich muss dies schreiben. Und ich muss außerdem
schreiben, dass ich danach zwei Stunden die Müll-
beutel ansehe, die ich vor zehn Uhr hätte hinausstellen sollen.

Danach muss ich singen
muss ich lernen
Musik zu lesen
zum Beispiel
um zu wissen
was eine Note ist
ein Ton

Ich muss lernen, was es nicht ist

Danach möchte ich singen.
lernen, im Singen
dasselbe
zu sagen wie
ohne Musik
und trotzdem kann ich es nicht

Ich weiß nicht, was es ist
was es nicht ist
ich weiß nicht

ich weiß nicht, warum ich mich manchmal damit ablenke,
am Rädchen des Radios zu drehen.
Wir wissen alle, dass dies
eine sehr traurige Handlung ist, ich spreche
davon, ein schönes Lied zu chen
unter all den Nachrichten und Fußballspielen.
Ich spreche davon, es zu finden, und dass ihr dahinter
die Entladungen eines elektrischen Sturms hören sollt.
Davon spreche ich, oder?

Übersetzt von Timo Berger

UMA BOTÂNICA DA PAZ: VISITAÇÃO

portuguese | Ana Luisa Amaral

Tenho uma flor
de que não sei o nome
 
Na varanda,
em perfume comum
de outros aromas:
hibisco, uma roseira,
um pé de lúcia-lima
 
Mas esses são prodígios
para outra manhã:
é que esta flor
gerou folhas de verde
assombramento,
minúsculas e leves
 
Não a ameaçam bombas
nem românticos ventos,
nem mísseis, ou tornados,
nem ela sabe, embora esteja perto,
do sal em desavesso
que o mar traz
 
E o céu azul de Outono
a fingir Verão
é, para ela, bênção,
como a pequena água
que lhe dou
 
Deve ser isto
uma espécie da paz:
 
um segredo botânico
de luz

© Ana Luisa Amaral
from: Entre Dois Rios e Outras Noites
Campo das Letras, 2007
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Botanik des Friedens: Besuch

german

Ich besitze eine Blume
und kenne ihren Namen nicht.

Ihr Duft vermischt sich
auf dem Balkon
mit anderen Gerüchen:
Hibiskus, Rose
Zitronenverbene

Doch das sind Wunder
für einen anderen Morgen:
Denn der Blume
sind erstaunlich grüne Blätter
gewachsen,
winzig und leicht.

Weder Bomben bedrohen sie
noch romantische Winde
Raketen oder Tornados
noch weiß sie, obwohl sie so nah ist
von der Gefahr, welche die salzige
Seeluft bringt

Und der blaue Herbsthimmel
der vorgibt, noch Sommer zu sein
ist für sie ein Segen
wie das bisschen Wasser
mit dem ich sie gieße

Das muss eine Art
Frieden sein:

ein botanisches Geheimnis
des Lichts

Aus dem Portugiesischen von Timo Berger

Todos tenemos la razón

spanish | Accidents Polipoétics

Todos tenemos la razón.
                        Porque la razón es sagrada.
                        Porque la razón es buena.
                        Porque la razón es definitiva.

                  Todos tenemos la razón.
                        Porque la compramos
                        o porque la tenemos
                        o porque nos lo creemos
                        o porque nadie nos discute
                        o porque no hay nadie en casa.

    Todos, todos, todos tenemos la razón.
                        Altos o bajos. Feos o gordos.
                        Guapos o taxistas. Dioses o policías.


El perro tiene razón cuando riega las esquinas.
Mamá tiene razón porque no tienes trabajo.
Ella no tiene razón porque no tienes dinero.

Tener la razón es fácil:
                        Basta tener hijos, empleados, mujer,
                        camareros, alumnos, soldados, tíos feos,
                        amigos tímidos, animales domésticos,                            
peces de colores.
                        
Qué satisfacción saber que las merluzas
                        nunca te llevan la contraria!.
                                      ¿Por qué?
                        Porque tienes razón.

Todos, todos, todos tenemos la razón,
                        porque la razón es buena, es santa,
                        es el mejor invento desde el agua de seltz.
Y en último caso siempre se puede uno comer la merluza
si esta se atreve a replicar.
 
Porque todos, todos, todos, todos, todos
                                         tenemos la razón.

© Accidents Polipoétics
from: Todos Tenemos la Razón
Barcelona : ed. La Tempestad, 2004
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Alle haben wir recht

german

Alle haben wir Recht
                            Denn Recht haben ist heilig.
                            Denn Recht haben ist gut.
                            Denn Recht haben ist endgültig.

                 Alle haben wir Recht.
                            Weil wir es gekauft haben
                            oder weil es uns gehört
                            oder weil wir es glauben
                            oder weil uns niemand widerspricht
                            oder weil niemand zu Hause ist.

Alle, alle, alle haben wir Recht.
    Große und Kleine. Hässliche und Dicke.
    Schöne oder Taxifahrer. Götter oder Polizisten.

Der Hund hat Recht, wenn er die Straßenecken gießt.
Mama hat Recht, weil du keine Arbeit hast.
Sie hat nicht Recht, weil du kein Geld hast.

Recht haben ist einfach:
    Man muss nur Kinder haben, Angestellte, Ehefrau,
    Kellner, Schüler, Soldaten, hässliche Onkel,
    schüchterne Freunde, Haustiere,
bunte Fische.

Wie zufrieden macht es doch, zu wissen, dass dir die Seehechte
    nie widersprechen werden!
Warum?
    Weil du Recht hast.

Alle, alle, alle haben wir Recht,
    weil Recht haben gut ist, heilig ist,
    die beste Erfindung seit dem Aqua Seltzer.
Und im schlimmsten Fall kann man den Seehecht immer noch verspeisen,
sollte er es wagen zu widersprechen.

Denn alle, alle, alle, alle, alle
                       haben wir Recht.

Übersetzt von Timo Berger

Todas las sillas huelen a culo

spanish | Accidents Polipoétics

Como todas las vacas huelen a paja               
             y todas las flores a abono
             y todas las botas a pie sudado,
             todas las sillas huelen a culo
             como todos los coches huelen a gasolina
             o todas las secretarias a perfume barato.

Todos los cretinos huelen a estiércol,
             como vacas con botas,
             y todos los autobuses huelen a nada,               
             como sombras vetustas de alguien
             que se extravió hace tiempo.

Todas las sillas huelen a culo
             como todas las botellas huelen a vómito,
             vueltas a llenar y vendidas de nuevo
             para la próxima resaca.
             Todos los condones huelen... a algo.
             Y todas las margaritas de los parques             
             huelen a margarita, porque están en el parque.

Todas las neveras y los lavaplatos.
             Todos los televisores y las estufas.
             Todos los ciclomotores y las cocinas.
             Todas las lámparas y los inodoros
             huelen a desinfectante,
             porque justo hace un momento
             acaban de limpiarlos.

Todos los cabellos huelen a laca,
             como todas las medicinas huelen a muerto.
             Todas las personas huelen a mono,                
             como todas las joyas huelen a sudado.
             Todas las sillas huelen a culo,
             como todos los culos huelen... a mierda.

© Accidents Polipoétics
from: Todos Tenemos la Razón
Barcelona : ed. La Tempestad, 2004
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Alle Stühle riechen nach ärschen

german

So wie alle Kühe nach Stroh riechen
und alle Blumen nach Dünger
und alle Stiefel nach Schweißfüßen,
riechen alle Stühle nach Ärschen
so wie alle Autos nach Benzin riechen
oder alle Sekretärinnen nach billigem Parfüm.

Alle Kretins riechen nach Misthaufen
wie Kühe mit Stiefeln,
und alle Omnibusse riechen nach nichts,
wie die alten Schatten von einem,
der vor langer Zeit verschwand.

Alle Stühle riechen nach Ärschen
so wie alle Flaschen nach Kotze riechen,
wiederaufgefüllt und wieder verkauft werden,
für den nächsten Kater.
Alle Kondome riechen… nach etwas.
Und alle Margariten im Park
riechen nach Margarite, weil sie im Park sind.

Alle Kühlschränke und Geschirrspüler.
Alle Fernseher und Heizungskörper.
Alle Mopeds und Küchen.
Alle Lampen und Kloschüsseln
riechen nach Desinfektionsmittel,
denn sie wurden gerade vor einem Augenblick
gereinigt.

Alle Haare riechen nach Haarlack,
so wie alle Arzneimittel nach Tod riechen.
Alle Menschen riechen nach Affe,
so wie alle Schmuckstücke nach Schweiß riechen.
Alle Stühle riechen nach Ärschen,
so wie alle Ärsche nach… Scheiße riechen.

Übersetzt von Timo Berger

Tiempo transfigurado

spanish | Eugenio Montejo

A António Ramos Rosa

La casa donde mi padre va a nacer
no está concluida,
le falta una pared que no han hecho mis manos.

Sus pasos, que ahora me buscan por la tierra,
vienen hacia esta calle.
No logro oírlos, todavía no me alcanzan.

Detrás de aquella puerta se oyen ecos
y voces que a leguas reconozco,
pero son dichas por los retratos.

El rostro que no se ve en ningún espejo
porque tarda en nacer o ya no existe,
puede ser de cualquiera de nosotros,
—a todos se parece.

En esa tumba no están mis huesos
sino los del bisnieto Zacarías,
que usaba bastón y seudónimo.
Mis restos ya se perdieron.

Este poema fue escrito en otro siglo,
por mí, por otro, no recuerdo,
alguna noche junto a un cabo de vela.
El tiempo dio cuenta de la llama
y entre mis manos quedó a oscuras
sin haberlo leído.
Cuando vuelva a alumbrar ya estaré ausente.

© E.M.
from: Tiempo transgurado (Anthología Poética)
Carabobo: Universidad de Carabobo, 2002
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Verwandelte Zeit

german

für António Ramos Rosa


Das Haus, in dem mein Vater zur Welt kommen wird,
ist noch nicht fertig,
es fehlt eine Wand, die ich noch nicht gebaut habe.

Seine Schritte, die mich jetzt in der Welt suchen,
kommen dieser Straße näher.
Doch ich kann sie nicht hören, noch sind sie nicht bei mir.

Hinter jener Tür hört man Echos
und Stimmen, die ich meilenweit entfernt wiedererkenne,
doch sie gehören den Bildern.

Das Gesicht, das man nicht im Spiegel sieht,
weil es später zur Welt kommt oder schon nicht mehr existiert,
könnte von jedem von uns stammen
– es ist uns allen ähnlich.

In jenem Grab liegen nicht meine Knochen
sondern die des Urenkels von Zacharias,
der einen Stock benutzte und ein Pseudonym.
Meine Überreste gingen schon lange verloren.

Dieses Gedicht wurde in einem anderen Jahrhundert verfasst,
ich erinnere nicht, ob von mir oder einem anderen,
eines nachts im Schein eines Kerzenstummels,
als die Zeit die Flamme einholte,
und das Gedicht in meinen Händen schwarz wurde,
bevor ich es lesen konnte.
Wenn es wieder hell wird, bin ich schon weg.

Übersetzt von Timo Berger

Tal vez

spanish | Eugenio Montejo

Tal vez sea todo culpa de la nieve
que prefiere otras tierras más polares,
lejos de estos trópicos.

Culpa de la nieve, de su falta,
-la falta que nos hace
cuando oculta sus copos y no cae,
cuando pospone, sin abrirlas, nuestras cartas.

Tal vez sea culpa de su olvido,
de nunca verla en estas calles
ni en los ojos, los gestos, las palabras.
Tantas cosas dependen noche y día
de su silencio táctil.

Nuestro viejo ateísmo caluroso
y su divagación impráctica
quizá provengan de su ausencia,
de que no caiga y sin embargo se acumule
en apiladas capas de vacío
hasta borrarnos de pronto los caminos.

Sí, tal vez la nieve,
tal vez la nieve al fin tenga la culpa…
Ella y los paisajes que no la han conocido,
ella y los abrigos que nunca descolgamos,
ella y los poemas que aguardan su página blanca.

© E.M.
from: Tiempo transgurado (Anthología Poética)
Carabobo: Universidad de Carabobo, 2002
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Vielleicht

german

Vielleicht hat die Schuld an allem der Schnee,
denn er zieht andere Länder vor, näher an den Polen,
fern dieser Tropen

Schuld hat der Schnee, sein Fernbleiben
– er fehlt uns,
wenn er seine Flocken versteckt und nicht fallen lässt
wenn er unsere Briefe zurückschickt, ohne sie zu öffnen.

Vielleicht hat die Schuld seine Vergesslichkeit,
dass er nie gesehen wurde in dieser Gegend,
diesen Augen, Gesten, Worten.
Tag und Nacht hängen so viele Dinge
von seinem berührbarem Schweigen ab.
 
Unser alter kämpferischer Atheismus
und unser belangloses Geschwätz
stammen vielleicht von seinem Fernbleiben,
davon, dass er nicht fällt und sich dennoch ansammelt
in sich türmenden Schichten von Nichts,
bis er auf einmal doch die Wege verwischt.

Ja, vielleicht der Schnee,
vielleicht hat der Schnee die eigentliche Schuld...
Er und die Landschaften, die ihn nie kennen gelernt haben,
er und die Mäntel, die wir uns nie umhängen werden,
er und die Gedichte, die noch auf einer weißen Seite warten.

Übersetzt von Timo Berger

Sueño y reparación

spanish | Sergio Raimondi

Como ciertos motores de nafta, el operario
se alimenta de sopa, una porción de papas
hervidas, un sangúche de milanesa y dos
frutas que pueden ser naranjas o manzanas.
Todo esto sobre una bandeja de telgopor
envuelto en nylon. Además un vaso plástico
y una serie de jarras con jugo o agua
en forma regular dispersas sobre la mesa.
Si bien el menú no se repite en forma exacta
día a día, semana a semana, mes a mes,
ciertas vitaminas dominan la composición.
El paladar de cada uno de los comensales
se adapta a un sistema de sabores y pesos
que varía según el grado de importancia
de la empresa y la calidad de la licitación.
Quienes se dedican a proveer las raciones
saben sin duda que no conviene generar
somnolencia (usualmente modorra o fiaca),
aunque es posible que un sueño limitado
de entre veinte o treinta minutos, la cabeza
caída sobre el respaldar, sueltos los brazos
a ambos lados de la silla, permita renovar
las fuerzas del cuerpo con un plus de eficacia.
Con una pala en la mano a punto de ser
hundida en el montón de tierra, el operario
se asemeja desde muy lejos a la máquina
que hace lo mismo aunque con rapidez
mayor y en mayor cantidad. El sol, la lluvia
y la acción constante también debilitan
el artefacto e imprimen marcas notables
no sólo en la carrocería sino en el sistema
de transmisión y aún en el motor mismo;
su siempre inminente vejez, sin embargo,
se mide menos por progresivas deficiencias
que por la aparición de un nuevo modelo
de funcionalidad más amplia y costo más bajo.

© S.R.
Audio production: Timo Berger / M.Mechner, Literaturwerkstatt Berlin

Schlaf und Reparatur

german

Wie gewisse Motoren Benzin, verbraucht
der Arbeiter Suppe, eine Portion gekochter
Kartoffeln, ein Schnitzelsandwich und zwei
Früchte, etwa Orangen oder Äpfel.
Das Ganze auf einem Styroportablett
in Folie eingewickelt. Dazu ein Plastikbecher
und einige, regelmäßig über den Tisch
verteilte Krüge mit Saft oder Wasser.
Auch wenn sich das Menü nicht genau gleich
täglich, wöchentlich, monatlich wiederholt,
dominieren doch bestimmte Vitamine die Auswahl.
Der Gaumen eines jeden der geladenen Gäste
passt sich einer Ordnung von Aromen
und Gewichten an, die je nach Bedeutung
des Unternehmens und Güte seines Auftrags variiert.
Die, die sich um die Lieferung der Mahlzeiten kümmern,
wissen zweifellos, dass es nicht ratsam ist, Schläfrigkeit
hervorzurufen (für gewöhnlich: Hundemüdigkeit und
Schlappheit), obwohl es sein mag, dass ein begrenzter
Schlaf, zwischen zwanzig und dreißig Minuten,
– Kopf auf der Lehne, Arme locker
zu beiden Seiten des Stuhls – die Kräfte des Körpers
mit einem Plus an Effizienz erneuern kann.
Mit der Schaufel in der Hand, kurz davor,
sie in einen Erdhügel zu stecken, gleicht
der Arbeiter, von weitem, der Maschine,
die dasselbe vollbringt, wenn auch mit höherer
Geschwindigkeit und in größerer Menge. Sonne,
Regen und eine ständige Laufzeit schwächen
auch die Maschine und hinterlassen wahrnehmbare Spuren
nicht nur an der Karosserie, sondern an der Kraft-
übertragung und gar am Motor selbst;
ihre immer schon drohende Alterung misst sich
dennoch weniger an ihren zunehmenden Mängeln,
als durch das Erscheinen eines neueren Modells
mit umfangreicheren Funktionen und geringeren Kosten.

Übersetzt von Timo Berger. In: Sergio Raimondi: Zivilpoesie/Poesía civil, Berlin: wissenschaftlicher verlag berlin 2005, ISBN: 3-86573-112-0.

Sueño de la melodía inifinita

spanish | Ezequiel Alemian


Esa mañana, cuando dejamos el pueblo como todos los días, encontramos que el camino estaba sembrado con estacas de madera. Si bien no tuvimos problemas para cruzar, el correo y la proveeduría, que normalmente llegaban al mediodía, no contaron con tanta suerte y detuvieron la marcha en la entrada del bosque. Los encontramos al caer la tarde, de regreso de las reuniones. Nos encargaron hacer las entregas por ellos.

Al día siguiente pasó lo mismo.

Al tercer día las estacas eran tantas que tuvimos que salir bordeando el bosque y a la vuelta nos negamos a cargar con los paquetes.

Después dejé de salir.

Los que se animaban a cruzar decían que afuera el progreso seguía con su ritmo natural. Por las noches empezaron a asaltarme visiones.

Fueron pasando los años.

Viví en el galponcito que mi padres tenían en el fondo del jardín hasta que fallecieron. Entonces me mudé a la construcción principal.

© E.A.
Audio production: Timo Berger / M.Mechner, Literaturwerkstatt Berlin

Traum der unendlichen Melodie

german


An jenem Morgen, als wir das Dorf wie jeden Tag verließen, entdeckten wir, dass der Weg mit Holzpfählen übersäht war. Auch wenn wir ohne Probleme durchkamen, waren der Postbote und die Lieferanten, die normalerweise gegen Mittag eintrafen, nicht so erfolgreich und stoppten am Waldrand. Wir begegneten ihnen, als der Abend anbrach, bei der Rückkehr von unseren Terminen. Sie beauftragten uns, ihre Lieferungen zu übernehmen.

Am nächsten Tag geschah dasselbe.

Am dritten Tag waren die Pfähle so zahlreich, dass wir den Waldrand entlanggehen mussten, und auf dem Rückweg weiger-ten wir uns, die Pakete zu tragen.

Danach ging ich nicht mehr hinaus.

Die, die es weiterhin wagten, den Weg zu nehmen, sagten, dass der Fortschritt draußen seinen natürlichen Lauf nahm. In den Nächten überkamen mich Visionen…

Die Jahre vergingen…

Ich lebte in einem kleinen Schuppen im hinteren Teil des Gartens, bis meine Eltern starben. Danach zog ich in das Hauptgebäude.

Übersetzt von Timo Berger

Sueño con serpientes

spanish | Silvio Rodríguez

Hay hombres que luchan un día
                  y son buenos.
                  Hay otros que luchan un año
                  y son mejores.
                  Hay quienes luchan muchos años
                  y son muy buenos.
                  Pero hay los que luchan toda la vida:
                  esos son los imprescindibles.
                                               Bertolt Brecht

 
Sueño con serpientes, con serpientes de mar,
con cierto mar, ay, de serpientes sueño yo.
Largas, transparentes, y en sus barrigas llevan
lo que puedan arrebatarle al amor.
 
Oh, la mato y aparece una mayor,
oh, con mucho más infierno en digestión.
 
No quepo en su boca. Me trata de tragar
pero se atora con un trébol de mi sien.
Creo que está loca. Le doy de masticar
una paloma y la enveneno de mi bien.
 
Oh, la mato y aparece una mayor,
oh, con mucho más infierno en digestión.
 
Esta, al fin, me engulle. Y mientras por su esófago
paseo, voy pensando en qué vendrá.
Pero se destruye cuando llego a su estómago
y planteo con un verso una verdad.
 
Oh, la mato y aparece una mayor,
oh, con mucho más infierno en digestión.

© Silvio Rodríguez
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2011

Traum von Schlangen

german

»Die Schwachen kämpfen nicht.
                  Die Stärkeren kämpfen vielleicht eine Stunde lang.
                  Die noch stärker sind, kämpfen viele Jahre.
                  Aber die Stärksten kämpfen ihr Leben lang.
                  Diese sind unentbehrlich.«
                  Bertolt Brecht

Mir träumt von Schlangen, von Seeschlangen,
von einem ganzen Meer voller Schlangen träumt mir.
Riesige, durchsichtige Nattern, und in ihren Mägen,
was sie der Liebe entreißen konnten.

Oh, ich töte sie und es erscheint eine größere
Oh, die eine noch größere Hölle verdaut.

Ich pass nicht in ihr Maul. Sie will mich verschlingen,
aber verschluckt sich am Kleeblatt meiner Schläfe.
Ich glaube, sie ist verrückt, werfe ihr eine Taube
vor und kann sie vergiften mit meiner Güte.

Oh, ich töte sie und es erscheint eine größere
Oh, die eine noch größere Hölle verdaut.

Und die verschlingt mich. Während ich in ihr spaziere,
frag ich mich, was kommt noch in diesem Schlund?
Aber kaum, dass ich in ihren Magen komme und
mit einem Vers die Wahrheit sage, fliegt sie in die Luft.

Oh, ich töte sie und es erscheint eine größere
Oh, die eine noch größere Hölle verdaut.

aus dem kubanischen Spanisch von Timo Berger

Still Polish

spanish | Ezequiel Alemian


Un científico que regresa del exterior, donde ha sido becado para desarrollar un proyecto de investigación, se toma unos días para visitar a un ex compañero de estudios, que lleva a cabo tareas rutinarias en un alejado pueblo de provincia.
Después de haber pasado por un largo tratamiento de salud en las montañas, el hermano mayor acude a casa del menor, para disfrutar con él los meses previos de lo que se supone será su recaída final.

Homenajeado por la ciudad que lo ha visto partir treinta años antes, un consagrado director de orquesta vuelve a su lugar de formación, donde es recibido por un conductor joven y desmedidamente ambicioso, que está casado con la hija de la mujer que ha sido amante del renombrado y que, de alguna manera, precipitó su exilio, cuando decidió cortar con la relación.
El adolescente que la madre escondió en un altillo para evitar que lo enviaran al frente es dado por muerto en combate, y el pueblo entero le rinde honores como a un verdadero héroe sacrificado en la defensa de la patria.

Un joven se acaba de recibir de geógrafo y vive con su pobre sueldo de profesor. Debe mantener a una esposa embarazada.

No tiene parientes ricos, no tiene vivienda, tampoco tiene talento para los negocios.
No tiene perspectiva alguna.

© E.A.
Audio production: Timo Berger / M.Mechner, Literaturwerkstatt Berlin

Still Polish

german


Ein Wissenschaftler kehrt aus dem Ausland zurück, wo er dank eines Stipendiums ein Forschungsprojekt durchgeführt hat-te; er nimmt sich ein paar Tage frei, um einen ehemaligen Stu-dienkollegen zu besuchen, der Routinearbeiten in einem abgele-gen Dorf in der Provinz erledigt.

Nach dessen langwieriger Behandlung in den Bergen, eilt der große Bruder zum Haus des jüngeren, um mit ihm gemeinsam die Monate vor seinem zu erwartenden endgültigen Rückfall zu verbringen.

Geehrt durch die Stadt, die ihn vor dreißig Jahren gehen ließ, kehrt ein anerkannter Orchesterdirigent an den Ort seiner Ausbil-dung zurück, wo er von einem jungen und übermäßig ehrgeizigen Dirigenten empfangen wird, der die Tochter der ehemaligen Lieb-haberin des Berühmten geheiratet hat – und die, wenn man es so will, dessen überstürztes Exil ausgelöst hat, als sie damals ent-schied, die Beziehung zu beenden.

Man erklärt den Jugendlichen, den die Mutter in einer Dach-kammer versteckt hat, um zu verhindern, dass er an die Front ge-schickt wird, zum Gefallenen in der Schlacht, und das ganze Dorf erweist ihm seine Ehre wie einem wahrhaftigen Helden, der sich für die Verteidigung des Vaterlandes geopfert hat.

Ein junger Mann hat gerade sein Geographiestudium beendet und lebt nun von seinem armseligen Gehalt als Lehrer. Er muss eine schwangere Frau unterhalten.

Er hat keine reichen Verwandten, er hat kein Haus, er hat auch kein Händchen für Geschäfte.

Er hat keine Perspektive.

Übersetzt von Timo Berger

Soy-ex

spanish | Marina Mariasch

Nunca fui sexy

para mi papá:
un gato,
un oso,
un perro,
un león.

¿Me soltás?
¡Destiérrenme!
Ya incendié “cadáveres”,
castigué bebés
y encerré ancianos.

Supe hablar varios idiomas.
Bailar tango, flamenco y folclor
lento
rápido
te tapé en la cama
una noche que hacía calor.
Alguien dice que se comería mi pelo:
-“¡pura proteína!”
Pero: qué pasa-
rá?

Pienso en cruzar
a la terraza de esa vieja
que tiende la ropa al sol.
Pero creo que una piedra es un sapo,
ya estoy de otro color.

Entonces sigo adentro de este jean
donde hasta soy capaz
de abrocharme
los botones de la cream.

Me extraña
producir calor.
Lo extraño-
es algo innato.
Como las manchas
hereditarias
cambian de color.

¿Debería llamarte Canasta?
Cuando dicen no hay
momento mejor para comprar,
¿suponen una recuperación del valor?
Todos los días se cumple el aniversario
de un atentado.

Nunca fui Tweety ni Chilly Willy,
me habría gastado el dedo
en esas esponjitas
para contar dinero.
Se diría que el terror en los animales
es más evidente.

¿Cómo puedo estar llorando en el supermercado?
¡Un exceso de poesía!

Pero hago esfuerzos:
pensar en lo más más feo.
Ya está.

© M.M.
Audio production: Timo Berger / M.Mechner, Literaturwerkstatt Berlin

Ich-bin-ex

german

Nie war ich sexy

für meinen Papa:
eine Katze,
ein Bär,
ein Hund,
ein Löwe.

Lässt du mich los?
Verbannt mich!
Ich habe «Kadaver» angezündet,
Babys bestraft
und Alte eingesperrt.

Ich konnte mehrere Sprachen sprechen.
Tango, Flamenco und Folklore tanzen
langsam
schnell

Ich deckte dich zu im Bett
eines Nachts, als es heiß war.
Jemand sagt, dass er meine Haare aufessen würde:
– «reinstes Protein!»
Aber: was würde
geschehen?

Ich denke daran hinüberzugehen
auf die Terrasse jener Alten
die ihre Wäsche in die Sonne hängt.
Doch ich glaube, dass ein Stein ein Frosch ist,
schon habe ich eine andere Farbe.

Dann lasse ich weiter diese Jeans an
bei der ich sogar in der Lage bin
die Knöpfe am Bund
zu schließen

Es erscheint mir seltsam,
dass ich Wärme erzeuge.
Das Seltsame –
ist etwas Angeborenes
So wie die vererbten
Flecke
ihre Farbe wechseln.

Sollte ich dich Warenkorb nennen?
Wenn man sagt, es gäbe keinen
besseren Moment um einzukaufen,
legt man eine Wertsteigerung zu Grunde?
Jeder Tag ist der Jahrestag
eines Attentats.

Nie war ich Tweety, noch Chilly Willy
Ich hätte mir den Finger ausgeleiert
an jenen Schwämmchen
fürs Geldzählen.
Man würde sagen, dass die Angst bei den Tieren
offensichtlicher ist.

Wie kann ich im Supermarkt am Weinen sein?
Ein Überschuss an Poesie!

Aber ich strenge mich an:
denken an das Allerhässlichste.
Schon vorbei.

Übersetzt von Timo Berger

SEGREDO

portuguese | Fernando Pinto do Amaral

Esta noite morri muitas vezes, à espera
de um sonho que viesse de repente
e às escuras dançasse com a minha alma
enquanto fosses tu a conduzir
o seu ritmo assombrado nas trevas do corpo,
toda a espiral das horas que se erguessem
no poço dos sentidos. Quem és tu,
promessa imaginária que me ensina
a decifrar as intenções do vento,
a música da chuva nas janelas
sob o frio de fevereiro? O amor
ofereceu-me o teu rosto absoluto,
projectou os teus olhos no meu céu
e segreda-me agora uma palavra:
o teu nome – essa última fala da última
estrela quase a morrer
pouco a pouco embebida no meu próprio sangue                           
e o meu sangue à procura do teu coração.

© Fernando Pinto do Amaral
from: Às Cegas
Relógio d’Água, 1997
Audio production: Casa Fernando Pessoa/CML

Geheimnis

german

Viele Male starb ich heute Nacht, als ich
auf einen Traum wartete, der mich jäh überkam
und im Dunkeln mit meiner Seele tanzte
so lange du ihren gespenstischen Rhythmus
in die Finsternis meines Körpers führtest
die vollständige Spirale der Stunden, die sich
aus dem Schacht der Gefühle erhoben. Wer bist du
– vorgestellte Verheißung –, die mich lehrt
die Absichten des Windes zu enträtseln
die Musik des Regens am Fenster
in der Februarkälte? Die Liebe
hat mir dein absolutes Gesicht gezeigt
deine Augen auf meinen Himmel gebannt
und flüstert mir jetzt ein Wort zu:
deinen Namen – das letzte gesprochene Geräusch
vom letzten siechenden Stern
allmählich bin ich in mein eigenes Blut getränkt
mein Blut, das nach deinem Herzen sucht.

Aus dem Portugiesischen von Timo Berger

SARJETA (PROVAR O PECADO)

portuguese | Kalaf Ângelo

benvindos a Lisboa
ruas, noites, cheiros, madrugadas
becos, cores, espaços, avenidas
11H… a Lisboa para adolescentes curiosos
atraídos pelo fascínio do BA
turistas do pitoresco e seus amarelos sorrisos
rude boys exercitando o B-A-B-A
para fezadas a grande escala
a rua contínua a ser a melhor escola
dealers do Meskal quem os controla?
a lei aparentemente não se rala
o zé povinho fala fala
mas o circo passa
olha aí!? montou a tenda na praça
na figueira das pensões a 10 paus
putas sem dentes
e seus pimpos com caras de maus
mas os ventos do leste
são também os ventos da mudança
pimpos que mais parecem agentes
do KGB
vieram para saciar o apetite luso
por loiras e anoréxicas QB


Vem… prova deste pecado
Só mais um bocado
Vem… por mais um bocado
provar deste pecado…


Benvindos a Lisboa
janelas fechadas, ovelhas negras
segredos, boatos, outras regras
4h na lisboa dos que nunca dormem
taxistas discretos observam
o afundar da moral da nação
no banco de trás
taxistas zelosos evitam pretos
e viagens a bairros sociais
mas o mundo é dos espertos
o medo serve apenas para vender os jornais
que criam manchetes
com as fobias dessa gente
Enquanto o Jet 7 sorri contente
com as linhas na retrete
As mesma linhas paralelas
que separam esses dois mundos
dos inocentes e dos que vivem o sonho das estrelas
do crime, do sexo, das novelas
da política, da música, da bolsa

das construções, da noite, dos diamantes de angola
da sorte, do mundo da bola

Vem… prova deste pecado
Só mais um bocado
Vem… por mais um bocado
provar deste pecado

quero esse corpo nu!


Benvindos a lisboa
meia idade, pitbulls, tascas abertas fora de horas
emigrantes diplomados, silêncios, novas feras
aurora na Lisboa dos madrugadores
quarentões com mulatas nos braços
ou presas exóticas e seus predadores
abandonam a selva nos seus mercedes
cruzam a cidade que agora desperta
para trás deixam, alcoólicos, loucos, freaks
que amanhecem na sarjeta
com a mente noutro planeta
amanhecem no chão desta cidade
que não aparece nas páginas da Time Out
cheiro a vinho, vómitos, mijo nas paredes
imagens do paraíso e anúncios da Stout
poluindo a paisagem e o ar
será que conhecemos esse lugar?
e os corpos que se arrastam como fantasmas
maquilhagens desbotadas
rostos transfigurados, o despertar de comas
gorozan e outras drogas abençoadas
para sobreviver mais um dia na cidade

welcome to Lisbon!

© Kalaf Ângelo
Audio production: 2008 Literaturwerkstatt Berlin

Gosse (koste von dieser Sünde)

german

Willkommen in Lissabon
Straßen, Nächte, Gerüche, Morgendämmerungen
Gassen, Farben, Plätze, Alleen
11 Uhr... das Lissabon für neugierige Jugendliche
angezogen vom Reiz des Bairro Alto
Touristen des Malerischen mit ihrem gespielten Lächeln
Rude Boys die das ABC
des Verbrechens in großem Stil erlernen
die Straße ist immer noch die beste Schule
wer kontrolliert sie schon, die Meskal-Dealer?
offensichtlich stört sich das Gesetz nicht an ihnen
das einfache Volk redet und redet
doch der Zirkus zieht weiter
siehst du dort? Er hat sein Zelt errichtet
auf der Praça da Figueira mit den billigen Pensionen
zahnlose Huren
und ihre Zuhälter mit Verbrecherfratzen
doch Ostwinde
sind auch Winde der Veränderung
Zuhälter, die an KGB-Agenten
erinnern
kamen um den Hunger der Portugiesen
nach blonden und magersüchtigen Frauen nach Geschmack zu stillen


Komm ... koste von dieser Sünde
Nur noch einen Happen mehr
Komm ... um noch einen Happen mehr
von dieser Sünde zu kosten …


Willkommen in Lissabon
geschlossene Fenster, schwarze Schafe
Geheimnisse, Gerüchte, andere Gesetze
4 Uhr im Lissabon derer, die nie schlafen
diskrete Taxifahrer beobachten
den Untergang der Moral der Nation
auf der Rückbank
besorgte Taxifahrer meiden Schwarze
und Fahrten in Siedlungen mit Sozialwohnungen
doch die Welt gehört den Scharfsinnigen
mit Angst kann man nur Zeitungen verkaufen
Schlagzeilen machen
mit den Phobien dieser Leute
Während der Jet Set zufrieden grinst
mit den lines auf dem Klodeckel
Dieselben parallelen Linien
die diese zwei Welten voneinander trennen:
die Unschuldigen und die, die den Traum der Stars leben
des Verbrechens, des Sex, der Seifenopern
der Politik, der Musik, der Börse

der Bauarbeiten, der Nacht, der Diamanten aus Angola
des Glücks, der Fußballwelt


Komm ... koste von dieser Sünde
Nur noch einen Happen mehr
Komm ... um noch einen Happen mehr
von dieser Sünde zu kosten …


Ich will diesen nackten Körper!

Willkommen in Lissabon
Menschen mittleren Alters, Pitbulls, After-Hour-Bars
Einwanderer mit Diplom, Stille, neue wilde Tiere
Morgenröte im Lissabon der Frühaufsteher
Vierzigjährige mit Mulattinnen im Arm
oder exotische Beutetiere mit ihren Jägern
verlassen den Urwald in ihrem Mercedes
durchqueren die gerade erwachende Stadt
um Trinker, Verrückte, Freaks hinter sich zu lassen
die in der Gosse die Augen aufschlagen
in Gedanken auf einem anderen Planeten
die auf dem Boden der Stadt erwachen
den man im Time Out-Magazin vergeblich sucht
Gestank von Wein, Erbrochenem, Pisse an den Wänden
Bilder vom Paradies und Bier-Reklame
verschmutzen die Landschaft und die Luft
Kennen wir diesen Ort überhaupt?
und die Körper, die sich wie Gespenster davon schleppen
verlaufenes Make-up
entstellte Gesichter, die aus dem Koma erwachen
Gorosan und andere gesegnete Drogen
um einen weiteren Tag in dieser Stadt zu überleben

Welcome to Lisbon!

Aus dem Portugiesischen von Timo Berger

Relato de posguerra

spanish | Ezequiel Alemian


La misión había sido un éxito; ahora los soldados se preparaban para volver a casa cargando sus mochilas con avellanas, pasas de uva y café. La vegetación de la zona había sido exterminada por los ácidos derramados en combate, y la tierra arcillosa estaba salpicada con charcos de un líquido amarillento y espeso, nauseabundo, que mataba a los animales y obligaba a los hombres a taparse las narices con bolitas de miga de pan.

La técnica los libraba del veneno pero no de la infección: la mayoría tenía las fosas nasales inflamadas en una ampolla rojiza, brillante, muy sensible, del tamaño de un puño. A veces, cuando hacían mucha fuerza y la sangre se les concentraba en la cabeza, la ampolla reventaba.
...

© E.A.
Audio production: Timo Berger / M.Mechner, Literaturwerkstatt Berlin

Nachkriegsbericht

german


Die Mission war ein Erfolg; nun bereiteten sich die Soldaten auf ihre Heimkehr vor und packten in ihre Rucksäcke Haselnüsse, Rosinen und Kaffee. Die Vegetation der Zone war durch die Säuren zerstört, die während des Gefechtes verspritzt worden waren, die tonhaltige Erde von Furchen mit einer gelblichen und dicken, ekelerregenden Flüssigkeit durchsetzt, die die Tiere tötete und die Menschen zwang, ihre Nasen mit Brotkügelchen zu verstopfen.

Diese Technik bewahrte sie vor dem Gift, aber nicht vor der Infektion: Die meisten hatten entzündete Nasenhöhlen wie rötlich-glänzende, sehr empfindliche, faustgroße Blasen. Manchmal, wenn sie sich sehr anstrengten und das Blut in ihren Kopf stieg, platzten die Blasen.

Übersetzt von Timo Berger

PT – Filipa Leal

portuguese | renshi.eu [GR-LU-IT-EE-SE-HU-PT-GR]

Apontas para o rosto sarcástico do sol de Inverno
e disparas. Há tantos meses que não chove – reparaste?
É o próprio céu a desistir de ti. E mesmo assim tu disparas, só sabes disparar.
Estás enganada, Europa. Envelheceste mal e perdeste a humildade.
Não é contra o sarcasmo que disparas, não é contra o Inverno,
nem sequer contra o insólito, contra o desespero.
Tu disparas contra a luz.
Podes atirar-nos tudo à cara, Europa: bombas, palavras, relatórios de contas.
Podes até atirar-nos à cara um deputado, uma cimeira.
Mas os teus filhos não querem gravatas. Os teus filhos querem paz.
Os teus filhos não querem que lhes dês a sopa. Os teus filhos querem trabalhar.
Há tantos meses que não chove – reparaste?
A terra está seca. Nem abraçados à terra conseguimos dormir.
Enquanto te escrevo, tu continuas a fazer contas, Europa.
Quem deve. Quem empresta. Quem paga.
Mas os teus filhos têm fome, têm sono. Os teus filhos têm medo do escuro.
Os teus filhos precisam que lhes cantes uma canção, que os vás adormecer.
Eu acreditei em ti e tu roubaste-me o futuro e o dos meus irmãos.
Se estamos calados, Europa, é apenas porque, contrários ao teu gesto,
nós não queremos disparar.

© Filipa Leal
Audio production: renshi.eu @ poesiefestival berlin 2012

Portugal – Filipa Leal

german

Du zielst auf das sarkastische Antlitz der Wintersonne
und schießt. Seit so vielen Monaten regnet es nicht – hast du es bemerkt?
Selbst der Himmel gibt dich auf. Und dennoch schießt du, kannst nur schießen.
Du täuscht dich, Europa. Bist alt geworden und hast deine Demut verloren.
Du schießt weder auf den Sarkasmus noch auf den Winter,
nicht einmal auf das Unglaubliche, auf die Verzweiflung.
Du schießt aufs Licht.
Du kannst uns alles entgegenschleudern, Europa: Bomben, Worte, Bilanzen.
Du kannst uns sogar einen Abgeordneten entgegenschleudern, ein Gipfeltreffen.
Aber deine Kinder wollen keine Krawatten. Deine Kinder wollen Frieden.
Deine Kinder wollen nicht, dass du ihnen Suppe vorsetzt. Deine Kinder wollen arbeiten.
Seit so vielen Monaten regnet es nicht – hast du es bemerkt?
Die Erde ist trocken. Nicht einmal Arm in Arm mit der Erde gelingt es uns einzuschlafen.
Während ich dir schreibe, rechnest du weiter ab, Europa.
Wer schuldet. Wer leiht. Wer zahlt.
Aber deine Kinder haben Hunger, sind müde. Deine Kinder haben Angst vorm Dunkeln.
Du musst deinen Kindern ein Lied singen, damit sie einschlafen können.
Ich habe an dich geglaubt, und du hast meine Zukunft und die meiner Geschwister geraubt.
Wenn wir schweigen, Europa, dann nur weil wir, im Gegensatz zu dir,
nicht schießen wollen.

Übersetzung aus dem Portugiesischen von Timo Berger

PRAIA DO TOFO

portuguese | Luís Carlos Patraquim

Para a Mila e o Calane da Silva
Para a Marília, in memoriam


E ressurgirá das águas, como o pássaro
Do Bhagavad-Guitá, seu riso de pura alegria,
A das árvores que sobem e buscam o fruto mais alto,
depois dos ramos;

Adornada de limos e seixos e de pedrinhas,
As mil capulanas soltas ao vento,
Da inteira absorta beleza de seus peixes,
Ó desnuda sobre as areias,
Marília do longo mar e das viagens,
À tua praia chegada!

© Luis Carlos Patraquim
unveröffentlichtem Manuskript,
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Tofu Beach

german

Für Mila und Calane da Silva
Für Marília, in memoriam

Und aus den Wassern wird ihr Lachen aus reiner Freude
Wieder auftauchen wie der Vogel aus der Bhagavad-Gita,
Die Freude der Bäume, die sich recken und bis zu den Früchten
hoch über den Ästen reichen;

Geschmückt von Algen, Kieseln, Schill,
Tausende von Capulana-Tüchern im Wind,
Der Schönheit ihrer Fische anverwandelt,
Du, nackt auf dem Sand, Marília,
aus der Weite des Meeres und von Reisen
Bist du an deinen Strand gelangt!

Aus dem Portugiesischen von Timo Berger

Poema de Amor para bocina solista

spanish | Accidents Polipoétics

Cuando digo que te  (MOC),
en realidad no te estoy diciendo nada.
Y sin embargo te (MOC),
ciegamente te (MOC),
apasionadamente te (MOC),
insosteniblemente te (MOC).
Con una locura imposible de describir yo te (MOC).

Te (MOC) con todo mi corazón,
que te idolatra a pilas y con corriente alterna.
Porque, créelo, yo te (MOC),
y te (MOC),
y te (MOC),
y te vuelvo a (MOC)
y (MOC)

Porque si no te (MOC) me siento triste y enfermo.
Porque si no puedo (MOC) a ti,
deambulo por las calles, con los ojos inyectados en sangre,
y una sierra eléctrica, como un animal herido que te (MOC).
Porque, si no me dejas que te (MOC), yo moriré,
o algo así. ¡Sí¡

Por eso tengo que decirte que, aunque te (MOC) de verás,
Me resisto todavía a aceptar un compromiso así.
Es por ello que creo que no deberíamos de vernos más,
Lo cual no es obstáculo para que te (MOC)
E incluso quedar un día de estos para (MOC MOC MOC)
En fin, ya sabes... (suave MOC).
 
Tuyo, afectuosamente
y (MOC) hasta el desenfreno,
Tu (MOC)
que te (MOC) mucho.

Postdata: Te (MOC) (MOC) (MOC) (MOC)


Bocina de fútbol: MOOOOCCCCC

© Accidents Polipoétics
from: Todos Tenemos la Razón
Barcelona: ed. La Tempestad, 2004
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Liebesgedicht für solo-hupe

german

Wenn ich sage, dass ich dich (MOC),
sage ich dir in Wirklichkeit gar nichts.
Obwohl ich dich (MOC),
dich blind (MOC),
dich leidenschaftlich (MOC),
dich aussichtslos (MOC),
dich mit einem nicht beschreibbaren Irrsinn (MOC).

Dich (MOC) aus ganzem Herzen,
das dich vergöttert mit Batterien und Wechselstrom.
Weil – glaube mir – ich dich (MOC),
und dich (MOC),
und dich (MOC),
und dich wieder (MOC)
und (MOC)

Denn wenn ich dich nicht (MOC), dann fühle ich mich traurig und krank.
Denn wenn ich dich nicht (MOC),
irre ich durch die Straßen, mit Blut in die Augen gespritzt
und einer Motorsäge, wie eine verletztes Tier, das dich (MOC).
Denn, wenn du nicht zulässt, dass ich dich (MOC), werde ich sterben,
oder so was ähnliches. Jawohl!

Deshalb muss ich dir sagen, dass, obwohl ich dich wirklich (MOC),
es mir immer noch widerstrebt, eine solche Verpflichtung einzugehen.
Deswegen denke ich, wir sollten uns nicht mehr sehen,
Was kein Hindernis dafür ist, dass ich dich (MOC)
Und uns sogar mal zu treffen, um zu (MOC MOC MOC)
Du verstehst, was ich meine… (zartes MOC).

Dein, zärtlich
und (MOC) bis zur Zügellosigkeit.
Dein (MOC)
Der dich sehr (MOC).

PS: Ich (MOC) (MOC) (MOC) (MOC) dich.

Fußballtröte: MOOOOCCCCC

Übersetzt von Timo Berger

Poética y revolución industrial

spanish | Sergio Raimondi

Materia de disputa, la poesía, delicadísima cuestión
para asumir la cual sería necesario un diagnóstico
de los criterios del público lector, ya sean estos
débiles o robustos en su enajenación o conciencia,
un análisis de los modos según los cuales hábitos
y lenguaje reaccionan entre sí y un buen estudio
de los distintos vaivenes entre literatura y sociedad.
De hecho se dice que estos poemas fueron escritos
para iluminar la percepción de quienes pierden,
de a miles congregados en ingentes ciudades,
la sutileza del propio pensar en la uniformidad
de sus ocupaciones e incapaces son ya de reacción
ante lo que no sean estímulos groseros o violentos.
Por eso es curioso que la métrica, considerada
por el poeta como el elemento similar y constante
que organiza todo un nuevo modo de componer,
actúe tal como el regulador que por ese tiempo
Watt introdujo en la máquina a vapor para darle
velocidad de funcionamiento estable y promover
todas las automatizaciones que habrían de venir
máquinas capaces de efectuar tareas ayer realizadas
por hombres y de controlarlas sin su intervención;
por otro lado, Wordsworth presentó a su lector
ideas asociadas en estado de exitación en nombre
de un mecanismo preciso que recupera la emoción
en estado de tranquilidad hasta que la tranquilidad
desaparece y la emoción se renueva. Y yo digo: eso
es energía del vapor de agua que se expande expande
y vuelve a enfriar para explotar y producir, más.

© S.R.
Audio production: Timo Berger / M.Mechner, Literaturwerkstatt Berlin

Poetik und industrielle Revolution

german

Der Gegenstand des Streits, die Poesie, und die äußerst heikle Frage,
sich ihrer anzunehmen, macht eine Diagnose der Kriterien
des Leserpublikums notwendig, mag dieses auch wankelmütig
oder unerschütterlich sein in seiner Entfremdung oder seinem Bewusstsein,
sowie eine Analyse der Art und Weise, wie Gewohnheiten
und Sprache aufeinander reagieren, und eine gründliche Studie
der Wechselbeziehungen zwischen Literatur und Gesellschaft.
Sicher, es wird gesagt, dass diese Gedichte geschrieben wurden,
um die Wahrnehmung der Tausenden zu erhellen,
die in riesigen Städten zusammengepfercht, die Feinheiten
des eigenen Denkens bei der Gleichförmigkeit
ihrer Beschäftigungen verlieren und unfähig zur Reaktion sind,
wenn ihnen ein plumper oder brutaler Reiz fehlt.
Deswegen ist es merkwürdig, dass die Metrik, die der Dichter
für ein Element der Regelmäßigkeit und Beständigkeit hält,
welches eine ganz neue Art der Komposition organisiert,
so funktioniert, wie der Regler, den zu seiner Zeit
Watt in die Dampfmaschine einbaute, um ihr die Geschwindigkeit
eines stetigen Funktionierens zu verleihen und all die
Automatisierungen zu ermöglichen, die noch kommen sollten,
Maschinen, in der Lage, Aufgaben auszuführen, die gestern
noch Menschen erledigten, und diese auch selbst zu kontrollieren;
andererseits stellte Wordsworth seinem Leser Ideen vor,
die ein erregter Zustand hervorgerufen hatte, einem präzisen Mechanismus
folgend, der die Emotion im Ruhezustand wieder einholt, bis die Ruhe
verschwindet und sich die Emotion erneuert. Und ich sage: Das
ist die Energie des Wasserdampfs, der sich ausdehnt und ausdehnt
und wieder abkühlt, um auszubeuten und zu produzieren, mehr.

Übersetzt von Timo Berger. In: Sergio Raimondi: Zivilpoesie/Poesía civil, Berlin: wissenschaftlicher verlag berlin 2005, ISBN: 3-86573-112-0.

PLAYA GIRON

spanish | Silvio Rodríguez

Compañeros poetas, Querida
tomando en cuenta
los últimos sucesos en la poesía,
quisiera preguntar --me urge--
qué tipo de adjetivo se debe usar
para hacer la canción de este barco
sin que se haga sentimental,
fuera de la vanguardia o evidente panfleto,
si debo usar palabras
como Flota Cubana de Pesca
y Playa Girón.
 
Compañeros de música,
tomando en cuenta  esas politonales
y audaces canciones,
quisiera preguntar --me urge--
qué tipo de armonía se debe usar
para hacer la canción de este barco
con hombres de poca niñez,
hombres y solamente hombres sobre cubierta,
hombres negros y rojos y azules,
los hombres que pueblan el Playa Girón.
 
Compañeros de Historia,
tomando en cuenta lo implacable
que debe ser la verdad,
quisiera preguntar --me urge tanto--
qué debiera decir, qué fronteras debo respetar.
Si alguien roba comida y después da la vida,
¿qué hacer?
¿Hasta dónde debemos practicar las verdades?
¿Hasta dónde sabemos?
Que escriban, pues, la historia, su historia,
los hombres del Playa Girón.

© Silvio Rodríguez
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2011

Playa Girón

german

Genossen Dichter, Liebste,
die letzten Entwicklungen
der Dichtkunst vor Augen,
wollte ich fragen – denn es beschäftigt mich –,
welches Adjektiv soll man benutzen,
um diesem Boot ein Lied zu schreiben,
ohne gefühlsduselig zu werden,
jenseits der Avantgarde, des offensichtlichen Pamphlets.
Ob ich Wörter benutzen darf
wie Kubanische Fischereiflotte
und »Playa Girón«?

Genossen Musiker,
diese polytonalen und mutigen Lieder
in den Ohren,
wollte ich fragen – es beschäftigt mich –,
welche Harmonien soll man benutzen,
um diesem Boot ein Lied zu schreiben,
mit Männern, die eine kurze Kindheit hatten,
Männern, nur Männern auf Deck,
schwarzen und roten und blauen Männern,
Männer auf der »Playa Girón«.

Genossen der Geschichte,
die grausame Wahrheit
vor Augen,
wollte ich fragen – denn es beschäftigt mich sehr –,
was müsste ich sagen, welche Grenzen einhalten.
Wenn jemand Essen klaut und sich danach aufopfert,
was müsste ich tun?
Wie weit sollen wir uns in Wahrheit üben?
Wie weit kennen wir sie überhaupt?
Lassen wir sie doch schreiben, die Geschichte, ihre Geschichte,
die Männer von der »Playa Girón«.


Playa Girón ist ein Ort an der Südküste Kubas in der Schweinebucht, in
deren Nähe 1961 während ihrer Invasion von den USA unterstützte und
ausgerüstete Exilkubaner landeten. Auf dem gleichnamigen Fischerboot
begleitete Silvio Rodríguez 1969 die Fischer bei ihrer Arbeit. (Anmerkung
des Übersetzers)

aus dem kubanischen Spanisch von Timo Berger