Monika Rinck 
Translator

on Lyrikline: 195 poems translated

from: hungarian, spanish, english, arabic, polish, portuguese, irish, tumbuka to: german

Original

Translation

HU – Zoltán Tolvaj

hungarian | renshi.eu [GR-LU-IT-EE-SE-HU-PT-GR]

Nem tudom, miben lehetnék más. Tisztánlátó, kevésbé elvakult,
hogy az újszülött kitáguló szemében a kép ne legyen homályos.
Apáink 1989-ben az ancient regime vedlő kígyóbőrét kapargatják,
akár szovjet autóik testéről a mocskos gyári zsírt. A régi vasúti raktárt,
ahol szertartásaikat végezték, már lebontották. Válságtól villogó sötét
ablakaival a Westend teli szerelvénye áll ott, akár egy tömör Monolit,
ahová nem szökhet be fény, és nem lettek fényesebbek a kilátások,
hiába akadt annyi megmentő, merev nyakú filozófus, feminin próbababa,
focista népvezér. Az Öbölháború alatt Schwarzkopfnak csúfoltak a taxisok.
Olcsóbb benzinért tüntettek, amikor egy ronda obsitos kabátban
áttörtem a zsigulijaik gyűrűjét, hogy eljussak az erdő melletti boltba,
ahol már kapható volt a keserű varázselixír, amit Teiresziász emlői
azelőtt sohasem tejeltek. A nehéz terepen ledobott az ócska bringa,
sodródni kezdtem a kaotikus patakban, ahol piócák rendeztek vér-
szívó bált, mialatt Európa fekete arcán szederként burjánzott a rák.
Mosolyogva várta az ismerős szikét, a tengerentúli csodadoktorokat,
hadd lassa felnőni az évezred reményét, köztes utódait, akiket nem
áldozott fel, miután elhallgattak a légvédelmi szirénák, és a pincemélyből
kilépve előbb a törött széklábból faragott fegyvereket, majd a szurokkal
kisminkelt rongybabákat egyenként a téli Nap hunyorgó képébe vágta.

© Zoltán Tolvaj
Audio production: renshi.eu @ poesiefestival berlin 2012

Ungarn – Zoltán Tolvaj

german

Ich bin eine andere und sie machte mich blind. Ich weiß nicht, was ich an mir ändern soll. Um hellsichtiger, weniger verblendet zu sein, um das Bild in den sich weitenden Augen des Neugeborenen nicht zu trüben. 1989 haben unsre Väter die Schlangenhaut des sich häutenden Ancien Régime wie das dreckige Fabrikfett von den Körpern ihrer sowjetischen Autos gekratzt. Das alte Bahnhofslager, wo sie ihre Rituale vollführt hatten, wurde abgerissen. An seiner Stelle, als fester Monolith, das WESTEND-PLAZA, in der Krise ein voller Zug mit dunklen, aufblinkenden Fenstern, wohinein kein Licht dringen kann und die Aussichten nach wie vor nicht glänzend sind, trotz so vieler Rettungswilliger: Philosophen mit steifem Nacken, feminine Schneiderpuppen, fußballsüchtige Stammesführer. Während des Golfkriegs verspotteten mich die Taxifahrer als Schwarzkopf. Sie demonstrierten für billigeres Benzin, als ich im ausgedienten Armeemantel die PKW-Blockade aus Ladas durchbrach, um den Laden am Waldrand zu erreichen, wo das bittere Zauberelixir schon erhältlich war, das Teiresias Brüsten niemals zuvor so entflossen war. Auf dem schwierigen Gelände warf mich das schäbige Fahrrad ab, mich, mitgerissen vom chaotischen Bach, in dem Blutegel einen blutsaugenden Ball feierten, während auf dem schwarzen Gesicht Europas der Krebs wie eine Brombeere wuchs. Europa erwartete lächelnd das wohlbekannte Skalpell, die Wunderheiler aus Übersee, fragte sich, ob sie die Hoffnung des Jahrtausends, die nicht geopferte Zwischengeneration, aufwachsen sähe, nachdem die Sirenen verstummten, und Europa aus der Tiefe der Keller heraus geklettert kam, aus kaputten Stuhlbeinen Waffen schnitzte, dann die mit Ruß geschminkten Stoffpuppen einzeln in das blinzelnde Gesicht der Wintersonne schleuderte.

Übersetzung aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

EL ABRIGO DE PUERCO ESPÍN

spanish | Tomás Cohen

Cuando en las cúspides de la ternura
ruegue que me arruinen.

Saliente de un charco hondo e inesperado,
chorreando decepción, querré
no conseguir más lo que quiero.
Y esconder mis ojos.

Me iré sacando, púa a púa y
daño a daño, en otros,
este abrigo de puerco espín
que me heredaste.

Entonces, estilando, listo
para agradecer mi desastre,
podré decirme “así que así
eran los bautismos.”

© Tomás Cohen
Audio production: Haus für Poesie, 2019

DER STACHELMANTEL DES IGELS

german

Im Moment höchster Zärtlichkeit
erflehe ich den Zusammenbruch.

Aufgetaucht aus dem Becken des Betrugs
will ich nicht mehr, was ich will.
Und verberge meine Augen.

Ich werde ihn ablegen,
Stachel für Stachel verwunde ich andere,
mit diesem Mantel des Igels,
den du mir hinterlassen hast.

Dann, ein Rebell der Offenbarung, perplex
in einem atomaren Moment, werde ich
wissen, was es heißt, getauft zu sein.

Übersetzt von Monika Rinck und Tomás Cohen
zuerst in Edit, Papier für Neue Texte Nr. 71, Leipzig, Winter 2017

PASAMANERÍA

spanish | Tomás Cohen

Pastor a goterones
de plomadas, de medusa,
sin hallar la cueva
te llueves, de bruces
          y rosas lamentables
          de papel que incendia
          traman la frazada
          de vello sobre el niño.

Pastor sin adonde
el balar huyera,
te refugias en la flauta
como si ordeñaras
          y pisadas de ola,
          venturosas en la arena,
          espuman, abruman
          instantes de hueso.

Niño lanudo, pastor seco,
          ¿qué tambor atruena?
          ¿Qué algazara
          todavía vuelca estantes
          y estampa antílopes en bicho?

Pastor manco, niño empapelado,
          ¡qué bombo en estadio vacío
          apenas para circuir que ablanda!
          ¡Qué escabeche genital y veneno atento
          no más para regar con monedero!

Del leopardo del suelo jaspeado por llovizna
que trepa sin garras, de manchas a vapores,
no distingo ya tu néctar estrellado
y del cadáver delantero a tu siga
va al mercurio un dolor de lingotes.
Momio adolescente que tallas como leñador,
dale con tu purga y durma,
con tu disparate, liquidación y aguacero̶
          Mas, todavía
          la felpa de potro rellena a un conejo,
          todavía, el pecho de fiesta que no invita,
          idos los ladrones, todavía
          ladra enrejado un corazón,
          ¿de quién?

© Tomás Cohen
from: Redoble del ronroneo
Buenos Aires: Buenos Aires Poetry, 2016
Audio production: Haus für Poesie, 2019

PASAMANERÍA: DIE HAND AN DEN FRANSEN

german

Hirte, Du lässt Dir Riesentropfen
aus Blei und aus Quallen
rücklings auf die Schläfen regnen
ohne eine Höhle zu betreten.
       Die kläglichen Rosen
       aus entflammter Pappe
       die weben eine Decke
       aus Pelz über den Knaben.

Auf der Suche nach deinen Ziegen
verloren gegangener Hirte,
Du suchst Zuflucht in der Flöte
als melktest du eine Kuh.
       Das ausschreitende Meer
       kommt voran, auf dem Sand,
       schäumt und verdampft
       der Knochenmoment.

Wolliger Knabe, trockener Hirte
       Welche Trommel donnert?
       Welcher Aufruhr
       kippt jetzt alle Bücherregale um,
       Raserei der Antilopen auf einem Floh?

Einarmiger Hirte, tapezierter Knabe,
       diese Pauken in einem leeren Stadion
       für nichts als ein Kreisen und Erweichen?
       Eingelegte Genitalien und stets bereites Gift
       für nichts als die Beregnung mit Münzen?

Den Leoparden der vom leichten Niesel gepunkteten Erde,
der ohne Klauen die Flecken überklettert zum Dampf
kann ich nicht vom desaströsen Nektar unterscheiden,
und die Leiche, die dir voraus ist und dir folgt auf den Fuß,
verstetigt Quecksilber schmerzhaft zum Block.
Reaktionäre Teenager-Mumie, du schnitzt
dein verstörtes Wunder wie ein Holzfäller. Mach weiter
mit Ablass und Tiefschlaf, mit Hervorgeschoss,
Verflüssigung und deiner Flut aus Antiwasser –
       Aber noch passt
       das Füllmaterial eines Mustangs in ein Kaninchen,
       noch gibt die Brust eine Party, zu der Du nicht eingeladen bist,
       die Diebe sind weg, und hinter dem Zaun
       bellt noch immer ein Herz,
       aber wessen?

Übersetzt von Monika Rinck und Tomás Cohen
zuerst in Edit, Papier für Neue Texte Nr. 71, Leipzig, Winter 2017

PRIMAVERA

spanish | Tomás Cohen

La verdísima hoguera del trámite volado
hierve en su olla de follaje el caldo.
Derrama sed el cántaro, el canto echa su hedor:
se pintarrajea más primera vez.

¡A través! ¡A través! Niñita violadora
con paseo de clavel inmenso boca abajo,
con brazos en raíces —la muy semilla—
y a rastras las girantes nucas de esclavos.

Al redoble del ronroneo alza, riente,
las entrañas terrestres con ternura.
Es bomba de savia e inflación de fruta:
la glandular propulsión polinizadora.

Tras el agua en el aire, apenas lluvia,
y antes de la arena, casi nieve,
tras la caspa y la costra de agua lodo,
para el dado, ficha en la casilla roja.

Iza antorchas contra frescos cavernosos
y pica niveles de arbusto en llamas.
Tras horas y estaciones mordiéndose la cola,
la mañana del año antoja adorar.

© Tomás Cohen
from: Redoble del ronroneo
Buenos Aires: Buenos Aires Poetry, 2016
Audio production: Haus für Poesie, 2019

ERSTER FRÜHLING

german

Diese Bouilllon siedet auf dem allergrünsten Feuer
geflügelter Besorgungen in einem Topf aus Laub.
Karaffe, die Durst ausschenkt, fauliges Gezwitscher,
ein sehr überschminktes erstes Mal.

Hindurch! Hindurch! Ein lustmörderisches Mädchen
paradiert wie eine immense verdrehte Nelke
mit wurzelnden Armen – ein arger Samen –
durch eine Gischt umgewandter Sklavennacken.

In trommelndem Schnurren steigt sie lachend auf,
zärtlich, die Eingeweide der Erde in der Hand.
Pumpe für den Saft der Bäume, Fruchtinflation:
der glanduläre Antrieb der Bestäubung.

Nach der gefluteten Luft kaum ein Regen
und vor dem dürren Sand fast schon ein Schnee,
wie Schuppen, Schorf des Schlamms; im Brettspiel
stoppt sie den Lauf der Würfel, inhaftiert die Figur.

Gehisste Fackeln vor Fresken, frischen Höhlenmalereien,
mit einem Mal beginnen die brennenden Büsche zu jucken,
nach Stunden und Jahreszeiten, die um sich selber kreisen
löst der Morgen des Jahres ein Verlangen nach Anbetung aus.

Übersetzt von Monika Rinck und Tomás Cohen
zuerst in Edit, Papier für Neue Texte Nr. 71, Leipzig, Winter 2017

[¿OLVIDARÉ ESE PALITO]

spanish | Tomás Cohen

¿OLVIDARÉ ESE PALITO perfecto
del porte de dos falanges
de mi dedo meñique
que hundí por dos segundos
con mi dedo índice
en la duna cuyos poros tuve
a pestañas de mis ojos,
cuya arena me llevé
en la oreja y el bolsillo?
Blandía con el viento.

Su porte, hoy a flote
tras años sumergido es sueño
perdiéndose en conversa, señal
de humo en el viento, poema.
Lo olvidé, sin perderlo. Perfecto.
Y la arena de esa duna
la guardo en una bolsa dentro de un cajón
junto a este manuscrito, junto a quien sea
me lleve en la oreja.

© Tomás Cohen
from: Un árbol de luz íntima
Chile: Ediciones Bastante, 2019
Audio production: Haus für Poesie, 2019

[WERDE ICH DAS PERFEKTE KLEINE STÖCKCHEN]

german

WERDE ICH DAS PERFEKTE KLEINE STÖCKCHEN 
je vergessen, nicht länger als zwei Phalangen
meines kleinen Fingers, das ich
mit dem Zeigefinger in eine Düne
pflanzte, deren Körner nur eine Lidlänge
von meinen Augen entfernt waren,
deren lebhaften Sand ich in meinen Ohren
und der Tasche meines Hemds davontrug?
Es zitterte im Wind.

Wie seine Kontur aufscheint, nach einem Jahr,
ein Traum, der im Gespräch verloren geht,
ein Rauchzeichen, das bald verschwindet,
ein Gedicht. Ich hatte das Stöckchen vergessen,
doch nicht verloren. Perfekt. Und der lebhafte
Sand, der mir die Tasche über dem Herzen
gefüllt hat, ist jetzt in einer Schublade,
mit all jenen, die mich im Ohr tragen.

Übersetzt von Monika Rinck und Tomás Cohen
zuerst in Edit, Papier für Neue Texte Nr. 71, Leipzig, Winter 2017

LO QUE DI ES LO ÚNICO QUE GUARDO

spanish | Tomás Cohen

Esa palabra pescado
que compré retorciéndose en la red
porque quise devolverla a pez
y las tres veces que nadó
de vuelta a mis manos
desde su libertad nueva:
reconoció, agradeció,
se despidió al fin. Allí,
con el agua hasta el cuello,
mirando profundo
y por encima a la vez, allí,
en esa pausa de mi egoísmo
yo me libero a mí.

© Tomás Cohen
Audio production: Haus für Poesie, 2019

WAS ICH GAB, IST ALLES WAS MIR BLIEB

german

Dieses Wort »Fang«, das ich
noch lebendig im Netz kaufte,
weil ich es wieder zu »Fisch« machen wollte,
dreimal schwamm es aus seiner neuen Freiheit
zurück in meine Hand, mit einer Aura
schimmernden Wassers, anfangs
anerkennend, dann dankbar und
endlich zum Abschied. Dort, das Wasser
bis zum Hals, tief und durchsichtig, innen und
außen zugleich, dort, in dieser ausgesetzten
Selbstsucht, in dieser Eröffnung
eines vollendeten Verlusts, werde ich
mich entgrenzen.

Übersetzt von Monika Rinck und Tomás Cohen
zuerst in Edit, Papier für Neue Texte Nr. 71, Leipzig, Winter 2017

EL PUMA

spanish | Tomás Cohen

Cuando fui a sentarme al bosque
y me salió el puma, ¿me come?
¿Se me acurruca? ¿Sabe
del amor y de la maravilla
que disipan el miedo en esta mente
detrás de estos ojos que lo ven?
Oigo dos huesos de mi pierna crujir
como tubo de ensayo roto
en laboratorio de escuela
y su ronroneo, su belleza feroz
bajo mi mano anegada de pelaje
ocre dorado.

© Tomás Cohen
from: Un árbol de luz íntima
Chile: Ediciones Bastante, 2019
Audio production: Haus für Poesie, 2019

Der Puma

german

Eine Klause in der Wildnis, wenn
der Puma kommt, wird er mich fressen?
Wird er sich an mich schmiegen? Weiß er
von der Liebe, von dem Wunder,
das die Furcht in meinem Kopf, hinter
diesen beiden Augen, die ihn sehen, verdrängt?
Ich höre zwei Knochen meines Beines brechen
wie im Chemielabor ein Reagenzglas
zerbricht (oder wie Neonröhren,
von feiernden Vandalen zerschlagen),
und sein Schnurren, seine wilde Schönheit
unter meiner Hand, eingetaucht
in ockergoldenes Fell.

Übersetzt von Monika Rinck und Tomás Cohen
zuerst in Edit, Papier für Neue Texte Nr. 71, Leipzig, Winter 2017

UN GAJO DE MANDARINA

spanish | Tomás Cohen

Basta con lamer la nervadura
que relampaguea a cada lado
de un gajo de mandarina
y sostenerlo entre los portales
dentados de la boca, girándole en cerrojo
la llave de la lengua
como al lóbulo de una oreja amada—
basta con eso, demorar el comerlo,
para que la magia
ya no se crea, y se cree.

© Tomás Cohen
from: Un árbol de luz íntima
Chile: Ediciones Bastante, 2019
Audio production: Haus für Poesie, 2019

EIN STÜCKCHEN MANDARINE

german

Es reicht, an der blitzartigen Äderung
eines Stückchens Mandarine zu lecken
und es gegen die bezähnte Schwelle
des Mundes zu drücken, wie ein Schlüssel
sich im dunklen Schloss dreht, wie die Zunge
am Ohrläppchen der Geliebten – es reicht,
den Verzehr zu verzögern, um
einen Zauber herbeizurufen,
ohne verzaubert zu sein.

Übersetzt von Monika Rinck und Tomás Cohen
zuerst in Edit, Papier für Neue Texte Nr. 71, Leipzig, Winter 2017

TÍZ/TÍZ - KELTETŐ

hungarian | Kinga Tóth

nagy kerületű töltőcsövet
dugnak az öntőformába
töltik a pépet hurkaállagú
forgács és nyesedék
a masszát a töltőgépből
vákuummal szívják le
kenőanyaggal síkosítják
részeit csészealjnyi lemezeket
vágnak kerekeit meghúzzák
a lakkozás elcsúszik
felületét a motor érinti
tartóállványon löki a dugattyú
házát a csiga mozgását váltja ki
rugói pedálba futnak
másikon lábak az indítón
a kéz teste csővé változik
a hangok egyszerre futnak
át rajta a gép az ember
egy kilégzés

© Kinga Tóth - Edition Solitude - Magvető Kiadó
from: ALLMASCHINE - ALL MACHINE
Edition Solitude - Magvető Kiadó, 2014
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

ZEHN / ZEHN - BRUTSTATION

german

eine abfülltülle mit großem binnenumfang
wird in die gussform gesteckt
hinten die pampe hineingestopft späne
gehäckseltes von wurstiger konsistenz
aus der füllmaschine wird die masse
mit unterdruck herausgesaugt
mit schmiermaterial werden ihre teile
glitschig gemacht untertassengroße platten
rausgeschnitten ihre räder angezogen
die lackierung verrutscht
der motor berührt ihre oberfläche
auf seiner halterung stößt der das haus
des kolbens an löst die bewegung der rolle aus
ihre federn enden in einem der pedale
auf dem anderen pedal füße auf dem anlasser
wandelt sich der körper der hand zum rohr
die stimmen durchlaufen die brutstation
gleichzeitig die maschine der mensch
ein ausatmen

Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

TÍZ/KILENC - A HÁZ

hungarian | Kinga Tóth

fúvókáját hidraulikus henger

mozgatja csigáját forgó

irányban segíti a hüvely

fogazott tengelye hornyaiba simul

hevített borítása a garaton át a

tölcsérbe ömlik pofái

összezárnak új levegőt kap

nyakát külön húzzák

hirtelen szilárdul belsője

szabad és üres
 

záró egység
behúzó egység
vezérlő egység
a ház

© Kinga Tóth - Edition Solitude - Magvető Kiadó
from: ALLMASCHINE - ALL MACHINE
Edition Solitude - Magvető Kiadó, 2014
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

ZEHN/NEUN - HAUS

german

sein mundstück bewegt eine hydraulische

walze seine schnecke hilft in drehrichtung

einer hülse seine verzahnte achse

schmiegt sich in die verstrebungen

seine aufgeheizte bemantelung schmilzt

über den rachen in einen trichter

seine backen schließen sich es bekommt

neue luft sein hals wird extra gedehnt

plötzlich verhärtet sich sein inneres

ist frei und leer


abschlusseinheit
einzugseinheit
steuerungseinheit
das haus

Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

TÍZ/HÁROM - ÓRA

hungarian | Kinga Tóth

vékony acélszalagjait feltekercselik
rugója tárol az orsós rugóhajtással
hordozható emlékeztető
a billegőt visszatérítik a disznósörték

1.felhúzás 2.kismutató 3.nagy
4. másodpercmérő 5.riasztó
6-7.mozgása leáll a tisztelet
programja módja az ünnep

a cikkely közepébe forgó
hengeres vázán kis és nagy
fémpálca végüket nyílszerűre
nyomják pontosan
böknek a rovátkákra a középső
fúrt lyuktól kis távolságra
balra lejjebb a gátvédő
rugalmas disznósörtéi tartják
az egyensúlyt járásával egy-egy
hurok tekeredik le hat naponta
leesik újrahúzzák egyenletes
lefutása védi a gátlómű nyomatékát
súlyokkal egyenlítik a súlyok
mozgásával nyúlik a szőrrugó
pontosságát mérik a gátszerkezetek
felfeszítik a disznót

© Kinga Tóth - Edition Solitude - Magvető Kiadó
from: ALLMASCHINE - ALL MACHINE
Edition Solitude - Magvető Kiadó, 2014
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

ZEHN/DREI - UHR

german

dünne stahldrähte werden gewunden
ihre speichernde feder tragbare erinnerin
mit spiralförmigem federwerk
die löffelunrast regulieren schweinsborsten

1. aufziehen 2. der kleine zeiger
3. der große 4. sekundenmesser
5. alarm 6.-7. sie bleibt stehen die methode
das programm des respekts ist die feier

in der mitte des segments auf seinem
stangenförmigen gestell ein kleiner
und großer metallstab dessen pfeilförmig
gepresste enden genau auf die kerben
druck ausüben im mittig gebohrten
nur wenig entfernten loch
links weiter unten halten die elastischen
schweinsborsten des hemmungsschutzes
die balance während sie in bewegung ist
drehen sich schlaufen ab sechs pro tag fallen ab
wieder aufgezogen bewahrt sie ihren gleichmäßigen gang
das trägheitsmoment der hemmung wird
mit gewichten ausgeglichen mit der bewegung
der gewichte dehnt sich die borstenfeder
ihre genauigkeit messen die hemmungssysteme
sie reißen das schwein auf

Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

Journal fragments in a time of hazard

english | Kendel Hippolyte

--/--/2015
It’s weird, this climate change phenomenon. Creepy. Like rumours of an army that has encircled your town but you don’t actually see any soldiers. And then, a sniper’s shot.  Someone at the window of her home falls. Then quiet again. Days later, a bomb falls a few streets away … you hear that a house caught fire. You wonder when the war will reach your house.

I’m remembering when I was a child, probably twelve, and it began to seep into my imagination that nuclear annihilation was an actual possibility. It really could happen that at the command of a powerful leader, a button could be pressed and Armageddon would begin. In weeks, if not days, the planet could become a ruin of ash and wisps of smoke, suspended in dark space.

Perhaps a child’s imagination is what we need now. Thisis annihilation – just creeping. Mostly. For now.


--/--/2015
In a way, the deepest horror of this is how surreptitious its horrors are. Subtle disappearances. You’re talking to a literature class and you happen to mention miwiz. Puzzled looks. From everyone. You describe this fruit, its look, its taste, as best you can. Not one student in a class of more than thirty has ever seen a miwiz. Then it strikes you: When last have you seen one?

Incremental shifts. How many years have so many people in the Caribbean been saying: “Phew! Woy! To me, October didn’t use to be so hot!”?

No, it didn’t  … Or April … Or July … Or …

At first only old persons said this sort of thing. Now, young fellers on the block on a sweltering evening, teenage girls trying on outfits before each other for a party – they say it without irony: “When I was younger ...”


--/--/2015
So what do I say to my son, who turned nineteen two weeks ago? My granddaughter, who’ll be ten just three months from now? What do I say? “Yes, we knew but –“

What possible valid statement can follow that ‘but’? Really. What can matter more than giving children and grandchildren the possibility of a future with the normal good things of life in it and the possibility of them giving that to their children and grandchildren?

Thinking of the reasons why our ordinary everyday actions are taking place in a kind of poisonous psycho-miasma of our very being (the external miasma of greenhouse gas emissions is its exact counter-part) I am stunned, again, at how completely heartless this system is. Thinking of how much time, how much human effort, how much of the earth’s materials go into making millions of boxes of corn flakes a day, how many tons of tree-pulp transformed into cardboard, how much synthetic dye to make the boxes colourful, how many millions of genetically modified seeds engineered with the prime consideration of rapid growth, how many billions of barrels of oil to fuel the harvesters and haulage trucks and huge ships loaded with containers to bring these boxes to supermarket shelves and then to tables and then into bodies – and how little real nutrition there is in all of this. Thinking of how much cynicism it takes to keep this going. And I am stunned, yet again, at how completely heartless this system is. I shouldn’t be. I come from the Caribbean, where that heartlessness was systemically structured into the slave plantation.


--/--/2015
‘Global warming’. It’s a carefully scientific term, trying to avoid the knee-jerk judgemental morality that can be so limiting to science. That’s understandable, can’t quarrel with that. But ‘global warming’ for me is a dishonouring, a violation, of The Mother.

And to honour The Mother now, in this time, another way of living is needed. Another economic system, first of all. Whatever it’s called is, if not irrelevant, at best distracting. The point is it must honour The Mother. Everything flows from that.


--/--/2015
Out walking earlier today and the last couple days and seeing the familiar scenes and realising I really need to look at them again, closely. I really need to wonder. I need the child’s imagination again. Look at the vendor’s arcade at the harbour’s edge. Look at the GFL Charles airport, its main gate a sauntering one-minute walk from Vigie Beach. Look at the cemetery on that beach - my father is buried there. Can it really happen that with a one meter rise in sea level, all this could …?


--/--/2015

CONJUGATIONS – 5: THALASSA
i look           out where the sea, not far now, sips the shoreline in
you like        the still, stark beauty of this widening desolation
it lakes                     the empty roadways, buildings, dissolving the idea of progress
we lack        all hope now. You tell us: This cannot be contained;
you lock       your dams, dykes, doors in vain; the waters rise;
they lick       unhurriedly at the diminishing world which they will swallow.



--/--/2015
I wrote the poem a couple years ago. But only one part of me believes it. This situation now calls everything into question. Every morning it stares me down, makes me ask: Okay, so what do I do? What do we do?
Now everything is in hazard. The weight of that phrase is sinking into me as I write it, in a way I never felt before. ‘In hazard’. The negative charge of the word is obvious. But I’m also sensing the subtle tremor of another current. Hazard is risk, yes. But risk is chance. And chance is possibility.

Perhaps it’s because I’m involved in a climate justice campaign: 1.5 To Stay Alive. Perhaps it’s also to do with being from the Caribbean, which I’ve always seen as a zone – inner and outer – of possibilities that defy normal expectations. Perhaps it’s because I’m a father and grandfather, so I refuse to not hope, knowing that hope is a channel for a higher energy of being and acting. Whatever the reasons, this time of hazard is a time of possibility.

The possibility? That in the necessary snarl and snap of heated discussion as our negotiators fight for us and our future in Paris in December and in the people-clamour outside and all over cyber-space calling for climate justice, the voice of The Mother will be heard.

© Kendel Hippolyte
Audio production: Haus für Poesie / 2018

Tagebuch-Splitter in Zeiten der Gefahr

german

--/--/2015
Es ist seltsam, dieses Phänomen des Klimawandels. Unheimlich. Wie Gerüchte über eine Armee, die deine Stadt eingekreist hat, aber du siehst genau genommen gar keine Soldaten. Und dann, der Schuss eines Scharfschützen. Am Fenster ihrer Wohnung fällt eine Person um. Dann wieder Stille. Tage später fallen Bomben, ein paar Straßen weiter … und du hörst, dass ein Haus in Flammen aufgegangen ist. Du fragst dich, wann der Krieg dein Haus erreichen wird.

Ich erinnere mich daran, als ich ein Kind war, vielleicht zwölf, und es langsam in meine Vorstellungskraft einsickerte, dass die nukleare Vernichtung eine reale Möglichkeit war. Es könnte wirklich passieren, dass auf Befehl eines mächtigen Anführers ein Knopf gedrückt werden könnte und der Weltuntergang begänne. Innerhalb von Wochen, wenn nicht Tagen würde der Planet zu einer Aschenruine und Rauchfetzen, schwebend im dunklen All.

Vielleicht brauchen wir jetzt die Vorstellungskraft eines Kindes. Diesist Vernichtung – doch kriechend. Meistens. Einstweilen.


--/--/2015
In gewisser Weise ist das Entsetzlichste daran, wie verdeckt dies Entsetzen ist. Unmerkliche Vorgänge des Verschwindens. Du sprichst zu einem Literaturkurs und erwähnst zufälligerweise miwiz. Verwirrte Blicke. Von allen. Du beschreibst diese Frucht, wie sie aussieht, schmeckt, so gut du kannst. Nicht ein einziger in einem Kurs mit mehr als dreißig Studenten hat jemals eine miwiz gesehen. Dann fällt es dir auf: Wann hast du das zuletzt eine gesehen? 

Schrittweise Veränderungen. So viele Jahre haben so viele Leute in der Karibik immer wieder gesagt: „Puh! Wow! Mir kommt‘s vor, der Oktober war früher nicht so heiß!“?

Nein, war er nicht … Oder April … Oder Juli … Oder …

Zuerst waren es nur alte Leute, die so etwas sagten. Jetzt, junge Typen auf der Straße, an einem glühend heißen Abend, Teenagerinnen, die vor einer Party Outfits anprobieren – sie sagen es ohne Ironie: „Als ich jünger war ...“


--/--/2015
Was also sage ich meinem Sohn, der vor zwei Wochen neunzehn geworden ist? Meiner Enkeltochter, die heute in nur drei Monaten zehn Jahre alt sein wird? Was soll ich sagen? „Ja, wir wussten es, aber – “

Welche zulässige Behauptung auch immer kann auf dieses ‘aber’ folgen? Wirklich. Was kann wichtiger sein, als Kindern und Enkelkindern eine Zukunft mit den normalen guten Sachen des Lebens zu ermöglichen, und ihnen zu ermöglichen, das ihren Kindern und Enkelkindern zu geben?

Wenn ich über die Gründe nachdenke, warum unsere gewöhnlichen alltäglichen Handlungen in einer Art von giftigem Pyscho-Pesthauch unseres Daseins stattfinden (der äußere Pesthauch der Treibhausgas- Emissionen ist sein genaues Gegenstück), bin ich erneut verblüfft, wie vollkommen herzlos dieses System ist. Wenn ich darüber nachdenke, wie viel Zeit, wie viel menschliche Anstrengung, wie viel Rohstoffe der Erde täglich in die Herstellung von Millionen Corn Flakes-Kartons hineingehen, wie viele Tonnen Zellstoff aus Bäumen in Pappe umgewandelt wird, wie viel synthetische Farbe, um die Kartons bunt einzufärben, wie viele Millionen genetisch veränderter Samen, entwickelt unter dem Hauptaugenmerk schnellen Wachstums, wie viele Milliarden Fässer Öl, um die Ernte- und Lieferfahrzeuge und die enormen Containerschiffe anzutreiben, um diese Kartons in die Supermarktregale und dann auf die Tische und in die Körper zu bringen – und wie wenig wirkliche Ernährung in all dem ist. In Gedanken daran, wie viel Zynismus es braucht, um dies in Gang zu halten. Und ich bin einmal mehr verblüfft darüber, wie vollkommen herzlos dieses System ist. Ich sollte es nicht sein. Ich komme aus der Karibik, wo diese Herzlosigkeit systematisch in den Sklavenplantagen systematisch angelegt worden ist.


--/--/2015
‚Globale Erwärmung‘. Es ist ein vorsichtiger wissenschaftlicher Begriff, der versucht der reflexhaft urteilenden Moral zu entgehen, die der Wissenschaft so hinderlich sein kann. Das ist nachvollziehbar, völlig unbestreitbar. Aber für mich ist ‚globale Erwärmung‘ eine Entehrung, eine Missachtung Der Mutter.

Und um jetzt, in dieser Zeit, Die Mutter zu ehren, ist ein anderer Lebensstil nötig. Vor allem: Ein anderes Wirtschaftssystem. Welchen Namen es trägt, ist, wenn nicht irrelevant, so doch bestenfalls eine Ablenkung. Die Hauptsache ist, es muss Die Mutter ehren. Alles andere ergibt sich daraus.


--/--/2015
Als ich heute früh und in den letzten Tagen draußen herumging und vertraute Szenen sah, bemerkte ich, dass ich sie wirklich noch einmal genau betrachten muss. Ich muss mir wirklich Gedanken machen. Ich benötige wieder die Vorstellungskraft des Kindes. Seht euch die Ladenpassage am Hafenrand an. Seht euch den George F. L. Charles Airport an, dessen Haupteingang nur eine schlendernde Gehminute von Vigie Beach entfernt ist. Seht euch den Friedhof auf diesem Strand an – dort ist mein Vater begraben. Kann es wirklich passieren, dass mit dem Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter all dies womöglich …?




--/--/2015

KONJUGATIONEN – 5: THALASSA
ich schaue                         hinaus, wo das Meer, jetzt ganz nah, an der Küstenlinie nippt,
du schätzt                         die stille, karge Schönheit dieser wachsenden Verwüstung
sie spült                              die leeren Straßen, Gebäude, löst die Idee des Fortschritts auf,
wir schieben                     alle Hoffnung weg. Ihr sagt uns: Das kann nicht eingedämmt werden;
ihr schließt                       eure Dämme, Deiche, Tore vergebens; das Wasser steigt;
sie schlecken                    ohne Hast an der abnehmenden Welt, werden sie verschlingen.


--/--/2015
Ich schrieb das Gedicht vor einigen Jahren. Aber nur ein Teil von mir glaubt ihm. Die jetzige Situation stellt alles in Frage. Jeden Morgen starrt sie mich nieder, lässt sie mich fragen: Also gut, was mache ich? Was machen wir?

Jetzt ist alles in Gefahr. Die Schwere dieses Satzes sinkt in mich hinab, als ich sie schreibe, auf eine niemals zuvor gefühlte Weise. ‘In Gefahr’. Die negative Ladung des Wortes ist offenkundig. Aber ich spüre außerdem das feine Zittern eines anderen Stromes. Gefahr ist Risiko, ja. Aber Gefahr ist Zufall. Und Zufall ist Möglichkeit.

Vielleicht liegt es daran, dass ich an einer Kampagne zur Klimagerechtigkeit beteiligt bin: 1.5 Um Am Leben zu Bleiben. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass ich aus der Karibik komme, die ich immer als eine – innere und äußere - Zone von Möglichkeiten betrachtet habe, die sich den normalen Erwartungen widersetzen. Vielleicht liegt es daran, dass ich ein Vater und Großvater bin, daher weigere ich mich, nicht zu hoffen, weil ich weiß, dass Hoffnung ein Kanal für eine höhere Energie des Seins und des Handelns ist. Was auch immer die Gründe sind, diese Zeit der Gefahr ist eine Zeit der Möglichkeit.

Die Möglichkeit? Dass in dem notwendigen Knurren und Knacken der hitzigen Diskussion unserer Verhandlungsführer, die im Dezember in Paris für uns und unsere Zukunft kämpfen, und im Lärmen der Leute da draußen für Klimagerechtigkeit und im Cyber-Space, die Stimme Der Mutter hörbar wird.

Übersetzung von Monika Rinck

Fascioners of Progress

english | Kendel Hippolyte

Because you do not heed the voices of Imagination,
neither the tongues of trees nor the voices of poets,
earth will erupt in a conspiracy of poetry and nature.
Earthquake and landslide will snap and grind to rubble
your Baal-high idols of concrete and metal.
Fire will shrivel the pre-fabricated palaces
swelling like boils on our inflamed land.
Wind will shatter the thin cocktail glass illusions of our progress
into glittering dust scattering
over the ruins of casinos and the high-rise cemeteries made low.
Sea gnashing at our degraded shoreline
will foam corrosive spume that will dissolve your headstones —
they will return to sand.
But the poet’s words will last.
You will hear them prophesying in the hurricane,
their warnings in the night-sea whispering towards your chambers.
It will be the poet’s words coming at you
in the thundering sermon of the landslide,
in the revenging wind swearing down through the valley,
the crackling of the sun gone wild.
And when the earth has had her say and retribution,
afterward, in the green time of healing,
there will be other words, given to other poets.
They will be precious stones with healing properties;
mixed with dirt, folded in leaves and used as poultices,
they will protect the children who recite them.
But these words now – are for you,
David-stones, found at the river of reflection
and gathered in a poem, ready.
Come, fascioners of progress, come.
You hold the steel cuffs of the law,
the silver coins of bribery, the gun.
But when you see a poet writing poems,
run.

© Kendel Hippolyte
Audio production: Haus für Poesie / 2018

Fashionisten des Fortschritts

german

Da Ihr weder auf die Stimmen der Imagination hört,
noch auf die Sprachen der Bäume, die Stimmen der Dichter,
wird die Erde ausbrechen, in einer Verschwörung von Dichtung und Natur.
Erdbeben und Bergrutsch werden zugreifen und Eure Baals-hohen Idole
aus Beton und Metall zu Schotter zerreiben.
Feuer wird Eure vorfabrizierten Paläste ausdörren,
prall wie Beulen auf unserem entzündeten Land.
Wind wird die dünnen Cocktailglas-Illusionen unseres Fortschritts zerschmettern
und als Glitterstaub über den Ruinen von Kasinos
und den vielgeschossigen niedergemachten Friedhöfen verstreuen.
Das Meer, das unsere abgetragene Küste benagt
wird ätzende Gischt aufschäumen, die Eure Schlusssteine zersetzt,
sie werden wieder zu Sand.
Doch das Dichterwort wird bleiben.
Im Hurricane werdet Ihr ihre Prophezeiungen hören,
ihre Warnungen in der Meeresnacht, Euren Kammern zugeflüstert,
Es werden die Worte der Dichter sein, die über Euch herfallen,
in der donnernden Predigt des Bergrutsches,
im rächenden Wind, der das Tal hinabflucht,
im Knistern der wildgewordenen Sonne.
Und wenn die Erde zu Wort und zur Vergeltung gekommen war,
danach, in der grünen Zeit des Heilens,
wird es andere Worte geben, anderen Dichtern gegeben.
Es wird edle Steine mit heilenden Kräften geben,
mit Dreck gemischt, zur Packung in Blätter gefaltet;
Kinder, die sie aufsagen, werden durch sie geschützt.
Doch diese Worte jetzt – sind für euch,
David-Steine, an dem Fluss der Relexion gefunden
und in einem Gedicht gesammelt, bereit.
Kommt, Fashionisten des Fortschritts, kommt.
Ihr haltet die stählernen Handschellen des Gesetzes,
die Silbermünzen der Bestechung, das Gewehr.
Doch seht Ihr einen Dichter der Gedichte schreibt,
rennt.

Übersetzung von Monika Rinck

Mack 1 – McWanting

english | Kendel Hippolyte

What he’s most wanting is not what he wants
Is not what he craves
Deeper than avarice, if he’d let himself feel, is the haunting hunger
That saves

He holds the whole world with his hired hands
Desperately trying
To have it. But trapped in his spasming grip, his seizures, the earth
Is dying

He cannot stop grasping. Whatever he sees
He is accounting
Its self into cost into price into sale into profit into himself
McWanting

He gluts till he’s wracked with a spasm and spews
Blood-flecked bits of self
A wasting consumption leaving him gasping for life and clutching
At pelf

What is the deep whole he’s wanting to fill
For what is he hungry?
Gorged with the planet’s green flesh, its black bile, its ripped out entrails
And yet empty

Running to every thing and running everything
Avoiding the whole
He’s afraid that will swallow him into its void where he has no thing
No soul

And yet he touches us, Midas-like, desperately
Haunted and haunting
And we, his children, we bear his name like a watermark, secretly
McWanting

© Kendel Hippolyte
Audio production: Haus für Poesie / 2018

Mack 1 – McHabgier

german

Das, was er am meisten haben will, ist nicht was er will
Ist nicht, wonach er giert
Tiefer als Geiz, ließe er Gefühle zu, ist die quälende Not
Die spart

Er hält die ganze Welt mit seinen gemieteten Händen
im verzweifelten Versuch,
Sie zu haben. Doch gefangen in seinem zuckendem Griff, in Krämpfen
Stirbt die Welt

Er kann das Zupacken nicht lassen. Was immer er sieht
Muss er verrechnen
Das Selbst in die Kosten in den Preis in den Verkauf in den Umsatz in                                                                                                                           sich selbst
McHabgier

Er giert bis er vor Krämpfen bebt und
Blutbefleckte Stückchen Selbst ausspuckt
Verschwenderischer Konsum lässt ihn ums Leben ringen und am
Mammon klammern

Was ist das tiefe Ganze, das er füllen will?
Wonach hungert er?
Vollgefressen mit Planetengrün, schwarzer Galle, rausgerissnen Eingeweiden
und doch leer

Zu allem hinlaufend und alles am Laufen haltend
Das Ganze vermeidend
fürchtet er, die Leere wird ihn verschlingen, wo er nichts hat,
keine Seele

Und doch berührt er uns, wie Midas, verzweifelt
quälend und gequält
Und wir, seine Kinder, tragen seinen Namen wie ein Wasserzeichen,                                                                                                                               insgeheim
McHabgier.

Übersetzung von Monika Rinck

Conjugations – 4: Nox Irae

english | Kendel Hippolyte

i dim                the lamp, though night is rising round the house
you deem        my action fitting, dark calling to dark until
it dumbs          our very thoughts; the silence seeps in, spreading …
we dam           our rising fear as you, dispassionate, remind us:
You damn      your greed too late; the levelling floods are here
they doom       us all on this last treeless, lightless night.

© Kendel Hippolyte
Audio production: Haus für Poesie / 2018

Konjugationen – 4: Nox Irae

german

ich dimme                   die lampe, obwohl ums haus die nacht aufsteigt
du denkst                    das passt sehr gut, dunkel das nach dunkel ruft, bis
es dämpft                    die gedanken uns; die stille sickert ein, dehnt sich…
wir dämmen              unsre furcht, die wächst, als du uns kühl ermahnst:
Ihr verdammt       eure gier zu spät; die einebnenden fluten                                                                                                                           sind hier
sie verderben         uns alle in dieser letzten baumlosen,                                                                                                                   lichtlosen nacht.

Übersetzung von Monika Rinck

Coda

english | Kendel Hippolyte

What is this, what is it, what is this sound?
Hovering through streets in perishing cities of the wasting world we’ve made - this buzzed uneasiness,
like a low crepitation of burnt paper blowing, black scraps of it fluttering overhead,
like the dark notes of a didgeridoo swarming out of the ground – this sound, this dirge
of bees.
               The thick-electric-bristling-black-cloud of them
pauses over the jagged veins of breakening sidewalks,
over the brown crackling leaves in withering parks;
the wind disperses it; it resembles dried plucked petals of funeral wreaths
for a death that is still undergoing consummation.
The sound of bees widens - gradualizes downwards to their final silence
and ours. Their threnodies of global closure -
the coda of our cosmic possibilities.

This sound is … is … what this sound is …
Is a billion buzz-saws severing something from us.
What? They are severing their selves out of the cosmos.
Choosing to fly into the sun, a Sauteurs Leap upwards,
their frizzling wings falling back on us, a black drizzle, then a rain, then a soundless thunderstorm
of curses – on us now and on our unsucceeding generations.
How they fly wingless, only they can know,
clusters of them swarming from each almost-last refuge,
away from Earth, from Ovalea, from The Mother,
to each other, a cosmic coagulation of planetary flesh
swelling into a black bruise as we look up
to see a slight discolouration on the sun – only a moment –
then a flare of cleansing light. Fire.

And no great-grandchildren, and then no grandchildren
to tell of this, of us, what we did, what was …

© Kendel Hippolyte
Audio production: Haus für Poesie / 2018

Coda

german

Was ist dies, was ist es, was ist dies für ein Geräusch?
Durch Straßen verkommener Städte der siechen von uns gemachten Welt schwebend – diese
                               gesummte Unbehaglichkeit
wie ein tiefes Knistern von herbeigewehtem verbranntem Papier, schwarze Fetzen droben flatternd,
wie dunkle Noten eines Didgeridoos, die auf der Erde ausschwärmen – dieses Geräusch, dieses Klagelied
der Bienen.
Deren dicht-elektrisch-strotzend-schwarze-Wolke
verweilt über den zackigen Adern brüchiger Bürgersteige,
über dem braunen knisternden Laub in welkenden Parks,
der Wind verweht es, es ähnelt trockenen aus Trauerkränzen gezupften Blüten
für einen Tod, der noch der Vollendung entgegengeht.
Das Geräusch der Bienen breitet sich aus – senkt sich allmählich in ihre letzte Stille
und in die unsrige ab. Ihre Klagelieder globalen Kollapses –
die Coda unserer kosmischen Möglichkeiten.

Dieses Geräusch ist ... ist …was dieses Geräusch ist …
Ist eine Milliarde Kreissägen, die etwas von uns abtrennen.
Was? Sie trennen ihr Selbst aus dem Kosmos heraus.
Wählen den Flug in die Sonne, ein *Sauteurs Leap hinauf,
ihre zischenden Flügel fallen auf uns zurück, ein schwarzer Niesel, dann ein Regen,
dann ein geräuschloses Gewitter
von Verwünschungen – an uns heutige und an unsere unfolgenden Generationen.
Wie sie ohne Flügel fliegen, das wissen nur sie,
ihre Schwärme, von jeder vorletzten Zuflucht weg,
weg von der Erde, von Ovalea, von Der Mutter,
zu einander, eine kosmische Verkochung planetarischen Fleisches
die, als wir hochschauen, um eine leichte Verfärbung der Sonne zu sehen
- nur einen Moment – zu einer schwarzen Prellung anschwillt,
dann ein Leuchtblitz reinigenden Lichtes. Feuer.

Und keine Ur-Enkel, und dann keine Enkel,
davon zu berichten, was wir taten, was war …

Übersetzung von Monika Rinck

11:55

english | Kendel Hippolyte

What is the time?
It is the time of waiting

What time is it?
The time of little left

Is this the time?
It is the soon, the almost now

Tell me this time
The nearly now, the almost

What is this time?
The time of no more

Is our time - ?
No more, no more

© Kendel Hippolyte
Audio production: Haus für Poesie / 2018

11:55

german

Welche Zeit ist es?
Es ist die Zeit des Wartens

Was ist die Zeit?
Die Zeit fast ohne Rest

Ist dies die Zeit?
Es ist das Bald, das Beinah-jetzt

Sag mir diese Zeit
Das Nahezu-Jetzt, das Beinah

Welche Zeit ist dies?
Die Zeit des Nicht-mehr

Ist unsere Zeit - ?
Nicht mehr, nicht mehr

Übersetzung von Monika Rinck

All this is language

english | Kendel Hippolyte

(for Ayodele and Idara)

This, all this, is language:
a sullen mob of rain distant and murmuring,
wind whispering low rumour in the bushes,
clear shout of light over the hill.
The earth is utterance:
hosanna! is the scattering of pigeons,
hallelujah! stands the tree in the noon hour,
selah, the psalmody of waves in the late afternoon.
Branches like epileptic prophets in the wind
gibber wild questions at blue silence
and the taciturn ground, in sudden joyful places
cries: chrysanthemum! rose! bougainvillaea!
i listen, half-remembering....

The river, talking often in its sleep
a long sentence, an incantation
of silver and white feeling tumbling too quick for thought ...
damn, the river makes no sense at times
but words are like that
especially when spoken, like wind and water words.
So lately i trust the rocks especially;
they write their messages.
They intend, like all the ancient poets,
their words should take the weathering
of time, stay true as epitaphs.
Awed by that vocabulary – of things themselves –
i am illiterate, dumb before them.

This morning now, raw wind tearing away leaves,
the sky unscrolls
that puzzling calligraphy of clouds again.
i shake my head, turn to
the rugged cuneiform of dry-river stones,
quick script of wind on grass,
blackbirds printed on blue morning -
all, everything, like ciphers in a code,
hieroglyphic messages i used to know....

On days like this
i try to read the earth-poem
but a scrawl of haze, a smoke
from something charred, but smouldering
sneers over the landscape.
Singed, the young grass twinges
memory, the scent of childhood insidiously accurate
rises acridly and stings.
On days like this my eyes run
and everything is blurred


© Kendel Hippolyte

© Kendel Hippolyte
Audio production: Haus für Poesie / 2018

All dies ist Sprache

german

(für Ayodele und Idara)

Dies, all dies, ist Sprache:
ein düstrer Regenmob von fernher murmelnd,
Wind, sein tiefes Wispern von Gerüchten in den Büschen,
klarer Ruf des Lichts über den Hügel.
Die Erde ist Äußerung:
hosianna! ist das Aufscheuchen der Tauben,
hallelujah! ragt der Baum in die Mittagsstunde,
selah, die Wellen-Psalmodie am späten Nachmittag.
Zweige im Wind wie epileptische Propheten
Wilde Fragen in die blaue Stille schnatternd
und der wortkarge Boden, an jähen frohen Plätzen,
ruft er: Chrysanthemen! Rose! Bougainvainvillea!
ich lausche, halb-besonnen....

Der Fluss, einen langen Satz spricht er
oft in seinem Schlaf, einen Zauberspruch
aus silbrigem und weißem Spüren, das dem Sinn davonstürzt …
verdammt, der Fluss ergibt zuweilen keinen Sinn,
aber so sind Worte,
vor allem wenn wie Wind- und Wasserworte ausgesprochen.
Jüngst vertraute ich daher vor allem den Felsen;
sie schreiben ihre Nachricht nieder.
Wie die alten Dichter wünschen sie,
dass ihre Worte in der Witterung der Zeit
bestehen, wahrhaftig wie Epitaphe.
Voll Ehrfurcht von diesem Vokabular – der Sachen selbst -
bin ich Analphabet, vor ihnen stumm.

Jetzt, an diesem Morgen, reißen rohe Winde Blätter ab,
der Himmel entrollt wieder
diese vertrackte Kalligraphie der Wolken.
Ich schüttele meinen Kopf, wende mich
der rauen Keilschrift von Steinen im leeren Flussbett zu,
der flinken Handschrift des Windes im Gras,
Amseln, dem blauen Morgen aufgedruckt -
allem und alles, wie Ziffern in einem Code,
Hieroglyphen, die ich einst gekannt ….

An Tagen wie diesem
versuche ich das Poem der Erde zu lesen
doch eine Dunstkritzelei, Rauch von
etwas, das schon verkohlt noch schwelt
feixt über der Landschaft.
Versengt, stechende Erinnerung
des jungen Gras‘, der Kindheitsduft, hinterlistig und genau,
steigt auf, ist scharf und sticht.
An Tagen wie diesem tränen meine Augen
und alles ist verwischt.

Übersetzung von Monika Rinck

from Eidolon (section 50)

english | Sandeep Parmar

Helen as a beam of moonlight                        caught sideways
            Helen              refracted onto thresholds           her reflection a holy cult
                        of high-born women ululating in bedrooms
                        gripping the mirror hard that bears her standard                     Helen

‘With beauty like a tightened bow’                

            The window clapping shut like an iron gate.
            She does the latch. Empty, diffuse glow.

Now focus on her lithe and loathed silhouette
            see if it makes plain
                                   how a woman could be mistaken
by so many men                     for a ghost                   bartered dead by nudest song

                                    even in this unacknowledged light    
                                                     at this impossible angle

© Sandeep Parmar
from: Eidolon
Shearsman Books, 2015
Audio production: Haus für Poesie / 2018

Aus Eidolon (Teil 50)

german

Helena als ein Strahl von Mondlicht                                 seitlich eingefangen
                Helena                  gebrochenes Schwellenlicht                             ihre Reflexion ein heiliger Kult
                               hochgeborener Frauen die in Schlafzimmern heulen
                               den Spiegel haltend der ihr Zeichen trägt                      Helena

‘Mit der Schönheit eines gespannten Bogens‘

                               Das Fenster klappt zu wie ein Eisentor.
                               Sie verriegelt es. Leerer, diffuser Schimmer.

Achten Sie jetzt auf ihre ranke und verabscheute Silhouette
                               schauen Sie ob daraus klar wird
                                                                              wie eine Frau von so vielen Männern                     mit einem Geist                   verwechselt werden konnte getauschter Tod durch bloßes Lied

                               selbst in diesem uneingestandenen Licht
                                                               aus diesem unmöglichen Blickwinkel

Aus dem Englischen von Monika Rinck

from Eidolon (section 30)

english | Sandeep Parmar

xxx.
                       
I am not the virgin mother      lamenting in the hills above Ephesus
           

I am the invective        injuring these dry plains studded with stone pines

I am the lateral commemorate            of war
            as the steps up to my hiding place suggest
                        I am the birther of sacrifice         received back into
                                   the earth          heavenly rockface

            if you knew my real name                   you would not
                        use it so lightly

© Sandeep Parmar
from: Eidolon
Shearsman Books, 2015
Audio production: Haus für Poesie / 2018

Aus Eidolon (Teil 30)

german

xxx.

Ich bin nicht die Muttergottes             die in den Hügel über Ephesos klagt

Ich bin das Schimpfwort                   das diese trockenen Kieferngespickten Ebenen verletzt

Ich bin das seitliche Gedenken                       an den Krieg
                               wie die Stufen hinauf zu meinem Versteck andeuten
                                         Ich bin der Schoß des Opfers     zurück in die Erde
                                                               empfangen                                           himmlische Felswand

                               Wenn du meinen wahren Namen kenntest                           du gebrauchtest
                                               ihn nicht so leichthin

Aus dem Englischen von Monika Rinck

from Eidolon (section 19)

english | Sandeep Parmar

xix.

            ‘As a wheel on its axis turns, this book unwitting to itself,
            Around the idea of thee’.
[Whitman]

            Helen of Sparta           of Troy            in Egypt
                        of no known address              of no known nationality
                                   refugee of no known conflict
                                               stateless           without property
                                                           disappearing under a veil
                                                                       of treason

© Sandeep Parmar
from: Eidolon
Shearsman Books, 2015
Audio production: Haus für Poesie / 2018

Aus Eidolon (Teil 19)

german

xix.

‚Wie ein Rad auf seiner Achse dreht dies Buch sich unwissentlich,
um die Idee von Dir‘     
[Whitman]

Helena von Sparta von Troja in Ägypten
                ohne bekannte Adresse     ohne bekannte Nationalität
                               Flüchtige keines bekannten Konflikts
                                               staatenlos             ohne Eigentum
                                                               verschwindend unter einem Schleier
                                                                                              des Verrats

Aus dem Englischen von Monika Rinck

Archive for a Daughter

english | Sandeep Parmar

November 1972, Derby
                        A dance card embalmed in sweat.      Her ruthless curve of palm
mowing the carpet into sheaves before a gas fire.

Liquidescent virgin in a purple dress.                        
                                                           Oil paint, shaded avocado, umbrella sun-wings.
Box 2, folder 20 ‘Early Married Life’
a single page:
            recto
               a fashionable centre-parting
            verso
               consonants: midnight affair nuclear affair bleach affair
            watermark indecipherable
                                  
[But here we are jumping ahead]

The archivist notes that no exact birth date is known.
An already Western dressed 6-year-old reads the headlines of English newspapers for party tricks.
Her black eyes are blunt and unequivocal like the prophecies of pharaohs.
In a Punjabi village, she and her impeccable mother, gemstoned, oracular, princess a vernal causeway.

Box 1, folder 2 ‘Emigration’

The BOAC stewardesses Max Factor crinkled baskets
of sweets to soothe the girl’s swinging, impatient feet.
Aviation—a risky endeavour in 1963—levels a curse at her progeny.
Aerophobia—her own daughter’s—fear of the air between home and exile collapsing.

Box 1, folder 7 ‘Education’

Homelands Grammar School For Girls

Miss Moore leans across an oak sea and parquets a line of future mothers.
Her bovine sympathies, neatly pressed, tentacle towards the only Indian in the class.
The Georgian battlecross marking her forehead, kindly and thoughtfully, segregates.

The girl bounds wildly through the Public Library—Huxley to her 11-year-old mind
suggests individuality—but the Savage’s feet recommend no one specific exit.

folders 8-17

[Unbound Notebook, mostly unreadable]

I thought I could become a doctor and asking found I could not think to ask to become anything

The archivist notes that these pages are not continuous. Refer to Box 2, folder 10
 ‘Correspondence’.
                        A photograph of a prospective husband and several handwritten credentials.

Box 3, folder 1 ‘Notes on Motherhood’

Nursery—pram—groceries—pram—doctor’s visit—cucumbers in half-lengths—
—over each shoulder some conspicuous intellect—

Husband-academic, wife-typist.                    
She door-to-doors Hoovers, Avon, thick rosaries of factory lace,
while her children pop tic-tacs for invented ailments in plastic houses.

Nottingham hurls snowballs at her black turbaned gentleman.

            Soaked typescript, fair copy of a life—

When she asked her parents for a spare suitcase for an exodus, they replied
            my child, nothing is ever spare

Box 4, folder 1 ‘Exile’

1985, Vancouver—ablaze with cherry blossoms from here to the kindergarten.
We arrived with one steel pot, a bag of lentils and an onion.

            folder 2

1987, North Hollywood—submarine fences root Thanksgiving potatoes, one a piece.
My daughter reads Laura Ingalls Wilder to her menagerie of dolls. Raft sails calmly on.   

            folder 3

1989, Oxnard—Gifted children are purse strings. We mind their collegiate years with interest.
El Rio wizens to a stockpile of citrus and rental agreements.


            folder 4

1995, Ventura—Bibled to real estate, gold blazers cinch round a wade of blonde, leathered adulterers.
The neighbours tend their god-plots of lawn and hedge.

Box 5, folder 1 ‘Drs Parmar’

She saunas with the ladies of the Gold Coast—
one Japanese ex-comfort woman, one savvy señora goldbuckled and multifranchised.

Stanford, Northwestern, Harvard, London, Cambridge—and when my husband’s sisters wept
because I had no sons            I said I have two doctors (one of body, the other of mind)
and sent my uterus via Federal Express to the village, with my compliments!

            On the verso, written in ink, is a page from Box 1, folder 8 [misplaced]

I remember clearly when I knew that I would one day die.
I was on the toilet and I was 11.
The bathroom was white and oblivious.

© Sandeep Parmar
from: The Marble Orchard
Shearsman Books, 2012
Audio production: Haus für Poesie / 2018

Archiv für eine Tochter

german

November 1972, Derby
            Eine Tanzkarte in Schweiß einbalsamiert.                      Ihre rabiat gebogene Handfläche
die vor einem Gasfeuer den Teppich zu Garben mäht.

Liquidgeborene Jungfrau in einem Purpurkleid.
                                                           Ölfarbe, verschattete Avokado, beschirmte Sonnenflügel.

Schachtel 2, Mappe 20 ‚Frühes Eheleben‘
eine einzige Seite:
            recto
                        ein modischer Mittelscheitel
            verso
           
Konsonanten: Mitternachtsaffaire Nuklearaffaire Bleichaffaire
            Wasserzeichen unkenntlich

[Aber hier springen wir voraus]

Der Archivar merkt an, dass kein genaues Geburtsdatum bekannt ist.
Eine bereits westlich gekleidete Sechsjährige liest zur Erheiterung der Partygäste die Schlagzeilen englischer Zeitungen vor.
Ihre schwarzen Augen sind offen und aufrichtig wie Prophezeiungen von Pharaonen.
Sie und ihre makellose Mutter, in einem Dorf in Punjabi, Edelstein-geschmückt, rätselhaft, Prinzessin einer frühlingshaften Chaussee.

Schachtel 1, Mappe 2 ‚Emigration‘

Die BOAC Stewardessen Max Factor zerknitterte Körbe
mit Süßigkeiten, um die ungeduldig zappelnden Füße des Mädchens zu beruhigen
Luftfahrt – 1963 ein riskantes Unterfangen – richtet einen Fluch auf ihre Nachkommen.
Flugangst – die ihrer eigenen Tochter – Angst vor dem Kollaps der Luft zwischen Zuhause und Exil.

Schachtel 1, Mappe 7 ‚Erziehung‘

Homelands Mädchengymnasium

Miss Moore lehnt sich über eine Eichensee und parkettiert eine Gerade zukünftiger Mütter.
Ihre dummen Sympathien, proper gebügelt, tentakeln in Richtung des einzigen indischen Mädchens in der Klasse.
Das St-Georgs-Kreuz auf ihrer Stirn segregiert, auf freundliche und nachdenkliche Weise.

Das Mädchen hüpft wild durch die Stadtbücherei – Huxley suggeriert ihrem elfjährigen Kopf Individualität – aber die Füße des Wilden empfehlen Keinem den Einzelabgang.

Mappen 8 bis 17

[Ungebundes Notizheft, zum Großteil unlesbar]

Ich dachte ich könnte Arzt werden und als ich fragte kam heraus dass ich nicht daran denken konnte zu fragen irgendetwas zu werden

Der Archivar merkt an, dass diese Seiten nicht fortlaufend sind. Siehe Schachtel 2, Mappe 10
‚Briefwechsel‘
            Ein Foto eines zukünftigen Ehemannes und verschiedene handschriftliche Referenzen.

Schachtel 3, Mappe 1 ‚Notizen zur Mutterschaft‘

Kinderkrippe – Kinderwagen – Einkäufe – Kinderwagen – Doktortermin – Gurken, halbiert – über jeder Schulter einen bemerkenswerten Verstand –

Ehemann-Akademiker, Ehefrau-Schreibkraft.
Sie vertreibt von Tür zu Tür Staubsauger, Avon, dicke Rosenkränze aus unechter Spitze,
während ihre Kinder in Plastikhäusern Tictacs gegen erfundene Erkrankungen einwerfen.

Nottingham schleudert Schneebälle auf ihren schwarz-beturbanten Herrn.

            Durchnässtes Typoscript, gerechte Kopie eines Lebens –

Als sie ihre Eltern nach einem übrigen Koffer für die Auswanderung fragte, antworteten sie
            Mein Kind, nichts bleibt jemals übrig

Schachtel 4, Mappe 1 ‚Exil‘

1985, Vancouver – in Kirschblüten entflammt von hier bis zum Kindergarten.
Wir kamen an mit einem Stahltopf, einer Tüte Linsen und einer Zwiebel.


Mappe 2

1987, Nord Hollywood – Unterseeboot Zäune Wurzel Thanksgiving-Kartoffeln, immer nur eine.
Meine Tochter liest ihrer Puppenmenagerie Laura Ingalls Wilder vor. Floß segelt ruhig weiter.


Mappe 3

1989, Oxnard – Begabte Kinder sind eine Goldgrube. Wir begleiten ihre Hochschuljahre mit Interesse. El Rio schrumpelt zu einer Halde von Zitronen und Mietverträgen zusammen.

Mappe 4

1995, Ventura – zum Grundbesitz gebibelt, Gold-Blazer umgurten einen Tross blonder, belederter Ehebrecher. Die Nachbarn hüten ihre göttlichen Rasen- und Heckengrundstücke.

Schachtel 5, Mappe 1 ‚Drs Parmar‘

Sie sauniert mit den Damen von der Goldküste –
eine ehemalige japanische Trostfrau, eine schlaue Senora, goldumschnallt und multi-lizensiert.

Standford, Nordwesten, Harvard, London, Cambridge – und als die Schwester meines Ehemannes weinte, weil ich keine Söhne hatte     sagte ich, ich habe zwei Ärzte (einen für den Körper, einen für den Geist) und schickte meinen Uterus mit Federal Express in das Dorf, mit meinen besten Grüßen!

                        Auf der Rückseite, mit Tinte geschrieben, befindet sich eine Seite aus Schachtel 1, Mappe 8 [falsch eingeordnet]

Ich erinnere mich deutlich, wann ich wusste, dass ich eines Tages sterben würde.
Ich war auf der Toilette und ich war elf.
Das Badezimmer war weiß und ahnunglos.

Aus dem Englischen von Monika Rinck

from Eidolon (section 46)

english | Sandeep Parmar

xlvi.

‘Put first before the rest as light for all and entrance-song of all,

That of eidolons.’
  [Whitman]

No one alive
remembers
the unrecordable
warmth of my
breath

© Sandeep Parmar
from: Eidolon
Shearsman Books, 2015
Audio production: Haus für Poesie / 2018

Aus Eidolon (Teil 46)

german

xlvi.

‚Setze zuerst noch vor dem Rest als Licht für alle und als allererstes Lied,
das vom Eidolon.‘


Kein Lebender
erinnert sich
an die nicht aufzuzeichnende
Wärme meines
Atems

Aus dem Englischen von Monika Rinck

from Eidolon (section 37)

english | Sandeep Parmar

xxxvii.

You are wild-eyed     
You are Helen

The grey-blue dawn
the Rosey-fingered Dawn
turning the snaking cloud
into the body of a goddess
raising her thin spear

we glide across
the blue-eyed morning
changing flags
as a woman changes
her lover as often
as another
lover permits
we glide across
zones of conflict

The wind lays down a road
across the waves
hiding us in a mooring of fog
flanks of earth lighten
like fantasy     like Leda’s body
to make way for our white ship
of a hundred tiers
and some thousand men

This parthenous soup
of buried cities
held close        we make out
the scent of their joints
the only real thing
in an invented eschatology
of free will

Did I mention the Indiana corn
from whence I came
and its hot unendingness?

            Proud like crosses on a prairie landscape.
Corn madness            
industrial corn a devil
bleating like a harp
made of 22 karat gold
High Fructose Syrup
infantile mass delusion           god
sugar fix of empire

Helen makes out the morning freeze
in the stillness of a suspended harvest
what eviction has nature made
in retaliation for these unkillable crops?
Out out for the outing acres of frozen heads.

© Sandeep Parmar
from: Eidolon
Shearsman Books, 2015
Audio production: Haus für Poesie / 2018

Aus Eidolon (Teil 37)

german

xxxvii.

Dein Blick ist wild
Du bist Helena

Die grau-blaue Dämmerung
die Rosen-fingrige Dämmerung
die die schlängelnden Wolken
in den Körper eine Göttin verwandelt
die ihren dünnen Speer erhebt

wir gleiten durch
den blau-äugigen Morgen
die Flaggen wechselnd
wie eine Frau ihren Liebhaber
wechselt so oft
wie ein anderer
Liebhaber erlaubt
wie gleiten durch
Konfliktzonen

Der Wind legt eine Straße ab
über den Wellen
versteckt uns an einem nebligen Liegeplatz
Erdflanken erhellen sich
wie Phantasie                      wie Ledas Körper
um Platz zu machen für unser weißes Schiff
mit hundert Rängen
und mehreren tausend Mann

Diese parthenöse Suppe
begrabener Städte
hielt zusammen   wir bemerken
den Duft von ihren Gelenken
die einzige echte Sache
in einer erfundenden Eschatologie
des freien Willens

Erwähnte ich den Indiana Mais
woher ich einst gekommen
und seine heiße Unerschöpflichkeit?


                               Stolz wie Kreuze in einer Prärie-Landschaft
Mais-Wahnsinn
industrieller Mais ein Teufel
blökend wie eine Mundharmonika
aus 22 karätigem Gold
Glucose-Fructose Sirup
infantile Massenhypnose    Gott
Zuckerschuss des Imperiums

Helena bemerkt den Morgenfrost
in der Stille einer aufgeschobenen Ernte
welche Vertreibungen vollzog die Natur
als Vergeltung für diese untötbaren Nutzpflanzen?
Raus raus auf die Ausflugsfelder gefrorener Köpfe.

Aus dem Englischen von Monika Rinck

from Eidolon (section 32)

english | Sandeep Parmar

xxxii.

An idea is not a woman          but many women           
            the composite of an idea

Ours is an older civilization                re-made
            dramatis personae       recast by different troupes
                        rebuilt in the style
                        of Ionian capitals
                        and fluted pilasters
            put through the ringer of the magisterium

                                   we see the real Helen
                                   is the false we
                                   is the eidolon

© Sandeep Parmar
from: Eidolon
Shearsman Books, 2015
Audio production: Haus für Poesie / 2018

Aus Eidolon (Teil 32)

german

xxxii.

Eine Idee ist keine Frau sondern viele Frauen
                               die Zusammensetzung einer Idee

Unsere ist eine ältere Zivilisation                     neu gestaltet
                dramatis personae                      umbesetzt durch andere Truppen
                               neu errichtet im Stil
                               Ionischer Säulen
                               und geriffelter Pilaster
                durchgestellt vom Glöckner des Magisteriums

                                               wir sehen die echte Helena
                                               ist die falsche wir
                                               ist das eidolon

Aus dem Englischen von Monika Rinck

from Eidolon (section 25)

english | Sandeep Parmar

xxv.

Helen is           instrumental

Laws permit me to refuse your advances
although I have eaten the salt from your table
           
            As for your hospitality—
I like it anywhere just fine
                        so long as I’m coming or going
                       
Helen              is not all but   
            scattered like grain

            Vituperate       ghost meaning

            to greet herself                        to make room
                        for herself                   at the table

            to eat a meal of dry meat and vinegar

            Helen is not vital

© Sandeep Parmar
from: Eidolon
Shearsman Books, 2015
Audio production: Haus für Poesie / 2018

Aus Eidolon (Teil 25)

german

xxv.

Helena ist                             dienlich

Gesetze erlauben mir Deine Avancen zurückzuweisen
obwohl ich das Salz von deinem Tisch gegessen habe

                               Was deine Gastfreundschaft angeht –
Mir gefällt es eigentlich überall
                                               so lange ich komm oder geh


Helena                                  ist nicht ganz, sondern
                               zerstreut wie Korn

                               Schmähen                            Geisterbedeutung

                               um sich zu grüßen                              um Raum zu schaffen
                                               für sich selbst                                      bei Tisch

                               um eine Mahlzeit aus Trockenfleisch und Essig zu essen

                               Helena ist nicht lebendig

Aus dem Englischen von Monika Rinck

from Eidolon (sections 1, 2)

english | Sandeep Parmar

i.

It was not me, but a phantom            
whose oath
            a variable star           
moldering in the reliquary
            is doubt.

            I have not unsealed love, its taproot
                        mouthing blackness
                        nor seized the fairer woman
to purge from her her song—

            This hell-house of primogeniture, bookish
                        and pale          quartering what is also
            its own and only rule 
                                   this: fire
and the fire that comes           from fire.



ii.

Helen, dispirited
            camera-bound             Helen
fetching the paper from the front lawn in her dressing gown a lot of the time
            and knowing when the phone will ring
            seconds before            by the click of its current
                       
Demi-goddess—not woman, not god
            disembodied like a bowl turned over and its loaf thumping out
                                               Helen
            Queen of never-mind-the-time, of you can’t run on gin for all the everlasting
                        And such

            moths, broiling airlessly in a sodium bulb
                        smell of it on her front porch
                                   lights on          home

© Sandeep Parmar
from: Eidolon
Shearsman Books, 2015
Audio production: Haus für Poesie / 2018

Aus Eidolon (Teil 1, 2)

german

i.

Es war nicht ich, sondern ein Geist
dessen Eid
                        ein unbeständiger Stern
im Reliquiar vermodernd
            Zweifel ist.

            Ich habe die Liebe nicht entsiegelt, ihre Pfahlwurzel
                        Schwärze im Mund
                        noch eroberte ich die schönere Frau
um ihr ihr Lied zu entwinden –

            Dieses Höllenhaus der Erstgeburt, belesen
                        und blass          vierteilend was außerdem
            ihre eigene und einzige Regel ist
                                               dieses: Feuer
und das Feuer das von              Feuer kommt.



ii.

Helena, mutlos
            auf die Kamera fixiert               Helena
wie sie im Bademantel oft die Zeitung aus dem Vorgarten
            holt
           
            die weiß, wann das Telefon klingeln wird
            Sekunden vorher          vom Klicken in der Leitung

Halb-Göttin – nicht Frau, nicht Gott
            entkörpert wie eine umgedrehte Schale und ihr Laib schlägt heraus
                                               Helena
            Königin der Achte-Nicht-Auf-Die-Zeit, der Du kannst nicht auf ewig von Gin leben
                        Und solche
                        Motten, luftlos in einer Natriumbirne grillend
                                   der Geruch davon auf ihrer Veranda
                                               Licht an                        zuhause 

Aus dem Englischen von Monika Rinck

from Eidolon (sections 4, 5)

english | Sandeep Parmar

iv.

I do not insist              that we retain the old names
          I would              know you

     ever, light               as the seed


v.

Marketting the daylong           detente       for a sliver of profit
            does not appear           to bother the kingdom of saints

Ascetics her brothers—          
            Spartans                      whose only god is [insert here
the death of eleven days]

                        Wash the man by the road who turns
                                   and seeing or not seeing
                                                 is soundless, animal
                                                           wash him
                                   he is your brother
            enter his encampment (of fuel-scarred fabrics)
                                   and listen to his black pronouncements
                                               void of exhaust
                           scramble up
            the highway’s escarpment
                                   inviolate, good
                                               wash him
                                                           or
                        be without       brothers

© Sandeep Parmar
from: Eidolon
Shearsman Books, 2015
Audio production: Haus für Poesie / 2018

Aus Eidolon (Teil 4, 5)

german

iv.

Ich bestehe nicht darauf                        dass wir die alten Namen beibehalten
            Ich würde                                 dich kennen

immer, leicht                                        wie der Samen


v.

Tagelange Entspannung vermarktend                           für ein Splitter Gewinn
            scheint das Königreich der Heiligen nicht zu stören

Ihre Brüder Asketen –
            Spartaner                                 deren einziger Gott [hier den Tod
von elf Tagen einsetzen] ist

                                   Wasche den Mann an der Straße der abbiegt
                                               und Sehen oder Nicht-Sehen
                                                           ist geräuschlos, Tier
                                                                       wasche ihn
                                               er ist dein Bruder
betrete sein Feldlager (kraftstoff-vernarbter Stoffe)
                                   und lausche seinen schwarzen Behauptungen
                                               abgaslos
                        Klettere die
Autobahnböschung hinauf
                                   unangetastet, gut
                                               wasche ihn
                                                           oder
            sei ohne                       Brüder

Aus dem Englischen von Monika Rinck

Elromlani milyen

hungarian | Dénes Krusovszky

Rossznak kellene lennem,
hogy erről mondjak valamit,
ahogy megyünk el egymás
mellett, az milyen szép,
mint a busz kijelzője,
elromlani milyen szép,
minden megálló végállomás.

*

Nem éreznek semmit,
fáradtan mozognak,
hideg szavak kopognak
egy betonkeverőben.

*

Vagy szabadnak lenni,
mint egy tárgy,
próbálom elképzelni,

egy kalapács például,
megfogod,
és nincsen benne isten.

*

Soha nincs itt és beszél,
hogy elrontani milyen szép,
mondjuk szakállal az arcot,
de ami nincs itt, az beszél,
már nem jut eszembe semmi rólunk.

*

Egy hentespult a legelőről
vajon mit tudna mondani még?

© Dénes Krusovszky
Audio production: Petőfi Irodalmi Múzeum, 2018

Wie schön es ist kaputtzugehen

german

Ich müsste kaputt sein,
um etwas darüber sagen zu können,
wie schön es ist, achtlos
aneinander vorbei zu laufen,
kaputt zu gehen, wie die LCD-Anzeige
im Bus, wie schön das ist,
jede Station ist Endstation.

                  *

Sie spüren nichts,
bewegen sich träge, kalte Worte
klackern rege im Betonmischer.

                  *

Oder frei zu sein
wie ein Ding,
versuche ich mir vorzustellen,
ein Hammer zum Beispiel,
du nimmst ihn in die Hand
und es ist kein Gott darin.

                  *

Nie ist er da, er spricht davon,
wie schön es ist, etwas kaputt zu machen,
z.B. ein Gesicht mit einem Bart,
aber was nicht da ist, das spricht,
mir fällt über uns nichts mehr ein.

                  *

Was könnte eine Fleischertheke
uns noch von der Wiese sagen?

Übersetzung: Orsolya Kalász und Monika Rinck

[تزوّجَ جلاّدٌ جلاّدةً، فأنجبا أقفاصاً لطيور أولادِ الجيران.]

arabic | Mohamad Alaaedin Abdul Moula

تزوّجَ جلاّدٌ جلاّدةً، فأنجبا أقفاصاً لطيور أولادِ الجيران.
في عيد زواجهما الأوّلِ أهداها سوطاً ناعماً.
فأخرجت له من تحت فستانها رئيساً وقالت له: اتّخذْهُ وطناً وإذا جعتَ كلْهُ قبل أن يأكلَنا...

© Mohamad Alaaedin Abdul Moula
Audio production: Haus für Poesie / 2016

[Es heiratete ein Henker eine Henkerin und schon bald]

german

Es heiratete ein Henker eine Henkerin und schon bald
brachten sie Käfige für die Vögel der Nachbarskinder zur Welt.
Zu ihrem ersten Hochzeitstag schenkte er ihr eine feine Peitsche.
Da holte sie für ihn einen Präsidenten unter dem Kleid hervor,
und sagte ihm: Mach ihn Dir zu Heimat, und wirst du hungrig,
dann iss ihn auf, bevor er uns isst.

Ins Deutsche übertragen von Monika Rinck
VERSschmuggel arabisch-deutsch 2016

P.I.A.C.

hungarian | Sándor Tatár

Mérjen a stanicliba, legyen szíves,
húsz deka megbocsátást.
Az mindig jól jön.
Már elkövetett s még ezután megvalósítandó
erkölcsi vásottságok (!) esetére is.
Igen, persze, hagyja csak nyugodtan.
Lehet valamivel hosszabb.

A mentségeket ide rakta ki,
látom, legelőre. - Nem, egy szóval se mondom,
hogy ne lennének olcsók. Szinte
gyanúsan jól néznek ki ezért az árért;
az embernek eszébe jutnak az intelmek
a génmanipulált élelmiszerekről.
Nem, ugyan-ugyan! Tényleg csak úgy
általánosságban mondom.
Viszont most nincs szükségem rá, úgyhogy
köszönöm, nem.

…Látom, van megváltása is.
Hogy primőr? Ja, látom az árán.
Meg - ha nem veszi zokon - eléggé
zöldnek is látom. - Jó, lehet, hogy a
szőlő savanyú, merthogy a bukszám a lapos.
No, akárhogyan is; talán
majd legközelebb.

© Sándor Tatár
from: Bejáró művész
Budapest: Orpheusz, 2007
Audio production: Petőfi Irodalmi Múzeum, 2016

M.A.R.K.T.

german

Packen sie mir von der Vergebung
bitte so zweihundert Gramm ein.
Immer gut, Vergebung auf Lager zu haben,
auch im Falle der bereits begangenen und der noch kommenden
kleinen moralischen Ausrutscher (!)
Ja, lassen Sie nur, kann ruhig etwas mehr sein.

Ich sehe, die Rechtfertigungen liegen hier vorne
gleich bei der Hand. Nein, man kann
nicht behaupten, sie wären zu teuer.
Für diesen Preis sehen sie sogar verdächtig gut aus.
Man wird ja ständig gewarnt
vor genmanipulierten Lebensmitteln.
Nein, nein, nicht doch!
Ich meine ja nur.
Aber im Moment habe ich keinen Bedarf,
danke.

Ich sehe, sie haben auch Erlösung.
Unbehandelt? Bei diesem Preis, ganz sicher.
Aber – ohne Ihnen zu nahe zu treten – ein
wenig unreif sieht sie aus. – Ja gut, vielleicht sollte
ich doch lieber in den sauren Apfel beißen, solange ich
so knapp bei Kasse bin; wie auch immer,
ein anderes Mal vielleicht.

Aus dem Ungarischen übersetzt von Orsolya Kalász und Monika Rinck
Aus: A végesség kesernyés v... * Endlichkeit mit bittrem Trost, pernobilis edition im Engelsdorfer Verlag, Leipzig, MMVI

[لو لم أكن سوريّاً لأزاحت السماء تابوتها عن كاهلي رتبةً.]

arabic | Mohamad Alaaedin Abdul Moula

لو لم أكن سوريّاً لأزاحت السماء تابوتها عن كاهلي رتبةً.
وتقلّصت الغابات التي تمشي وراء حارسها المقتول.
وما كنت نشرتُ في مدونات المنافي غير أسماكٍ تعيش مع الحيتان.
ولفصّلتُ حتى من صقيع الأسكيمو عباءة لهبية.
وحتى إشعار آخر، فسوف أواصل ابتلاع الرمال الجارحة، وتدليكَ عضلات آخر قتيلٍ محرضا إياه على دخول الجنة مبتسما، ربما عثر هناك على أرشيف العدم الخاص بي، وشطب منه أنني من سوريا.
حينها سوف أقف على تلّةٍ عالية، وأرمي أدمغة المهاجرين والأنصار لتأكلها الديدان، وأنظف مستقبلي من طوائف الدم. وأبتلعُ حبة سفرجل تخنقني وأنا أغصّ بالبكاء. وأصرخ في كابوس طويل:
ما حاجتنا إلى كل هذه البراهين على المذبحة؟ كان يمكن أن تكتبوا لافتةً بالفحم الجحيميّ وتعلقوها على مدخل سوريا: "نرحب بكم في الهولوكست الحديث"...

© Mohamad Alaaedin Abdul Moula
Audio production: Haus für Poesie / 2016

[Wäre ich kein Syrer, dann hätte der Himmel seinen Sarg ein wenig von meinem Nacken gehoben]

german

Wäre ich kein Syrer, dann hätte der Himmel seinen Sarg ein wenig von meinem Nacken gehoben. Dann hätten sich die Wälder verkleinert, die ihrem getöteten Wächter nacheilen.
Dann hätte ich in den Schriften des Exils nichts als Fische veröffentlicht, die friedlich mit den Walen zusammenleben. Selbst aus der Eiseskälte der Eskimos hätte ich ein loderndes Gewand geschneidert.
Aber nun werde ich weiter den harten Sand schlucken und dem letzten Todesopfer aufmunternd die Muskeln massieren, damit es lächelnd das Paradies betrete. Vielleicht trifft der Tote dort auf mein Archiv des Nichts und löscht daraus, dass ich aus Syrien bin.
Dann werde ich mich auf einen hohen Hügel stellen und die Gehirne der Auswanderer und die Gehirne der Anhänger den Würmern zum Fraß vorwerfen, um meiner Zukunft die Konfessionen des Blutes zu ersparen. Und eine Quitte werde ich schlucken, an der ich, an meinen Tränen würgend, ersticke. Und einem langen Alptraum brülle ich entgegen: „Wozu all die Nachrichten über das Massaker? Ihr könntet mit Höhlenkohle ein Transparent schreiben und es am Eingang Syriens aufhängen: „Wir begrüßen Euch zum modernen Holocaust“…

Ins Deutsche übertragen von Monika Rinck
VERSschmuggel arabisch-deutsch 2016

[لبسنا ظلالنا ووقفنا أمام المصوّرِ العجوز.]

arabic | Mohamad Alaaedin Abdul Moula

لبسنا ظلالنا ووقفنا أمام المصوّرِ العجوز.
حين أخرج الصورَ لم نشاهد أحداً منّا،
كان في عمق الصورةِ ولدٌ ناتئة مفاصله،
لا ظلال له،
الشمسُ لم تجدْ فيه غير قبرها العظميّ.

© Mohamad Alaaedin Abdul Moula
Audio production: Haus für Poesie / 2016

[Wir legten unsere Schatten an und posierten vor dem alten Fotografen]

german

Wir legten unsere Schatten an und posierten vor dem alten Fotografen.
Als er das Bild hervorholte, war keiner von uns darauf, nur tief im Bild
ein Junge mit spitzen Gelenken, der keinen Schatten warf.
In ihm fand die Sonne nichts als ihr knöchernes Grab. 

Ins Deutsche übertragen von Monika Rinck
VERSschmuggel arabisch-deutsch 2016

[لم أقل مرةً إنني سأكتب قصيدة عنكِ، إلا وضيّعتُ الفرق ما بين يدي وغصن الشجرة.]

arabic | Mohamad Alaaedin Abdul Moula

لم أقل مرةً إنني سأكتب قصيدة عنكِ، إلا وضيّعتُ الفرق ما بين يدي وغصن الشجرة. 
لهذا - ربما - تتحول الكلماتُ إلى ثمرٍ ينصبُ كميناً للخيال الشعري. 
لهذا - ربما - سوف نبقى نختلف حول مصدر الكتابة: من المخيلة، أم من قطرة ندى ما زالت عالقة بعروة قميصك تحت الشجرة؟ 
...
أنتِ ماذا تقولين؟

© Mohamad Alaaedin Abdul Moula
Audio production: Haus für Poesie / 2016

[Ein jedes Mal, da ich sagte, ich schriebe ein Gedicht über Dich]

german

Ein jedes Mal, da ich sagte, ich schriebe ein Gedicht über Dich,
wusste ich nicht mehr, ist das meine Hand oder der Ast eines Baumes.

Darum vielleicht – stellen die Worte, in Früchte verwandelt,
der dichterischen Fantasie ihre Fallen.

Darum vielleicht – einigen wir uns nie, woher das Schreiben kommt:
Aus der Fantasie oder einem Tautropfen, der vom Baum fällt
und im Knopfloch deines Hemdes hängenbleibt?

. . .

Was meinst du?

Ins Deutsche übertragen von Monika Rinck
VERSschmuggel arabisch-deutsch 2016

[أنْ تتألّمي أمام شجرة،]

arabic | Mohamad Alaaedin Abdul Moula

أنْ تتألّمي أمام شجرة،
فهذا يعني أنّ الله قد خبّأ فيكِ تاريخ الغابات

© Mohamad Alaaedin Abdul Moula
Audio production: Haus für Poesie / 2016

[Deine Schmerzen beim Anblick eines Baumes zeigen:]

german

Deine Schmerzen beim Anblick eines Baumes zeigen:
In Dir hat Gott die Geschichte der Wälder verborgen.

Du siehst einen Baum und es schmerzt Dich, warum?
Weil Gott die Geschichte der Wälder in Dir verbarg.

Ins Deutsche übertragen von Monika Rinck
VERSschmuggel arabisch-deutsch 2016

[بعد أن أشرف بنفسه على صناعة تابوته،]

arabic | Mohamad Alaaedin Abdul Moula

بعد أن أشرف بنفسه على صناعة تابوته،
واصل لعبته مع أولادِ ماضيه.
امرأةٌ من بعيدٍ كشفت له نهديها، فعاد ليكسر تابوته،
ويحوّل خشبه سريراً للموسيقى.

© Mohamad Alaaedin Abdul Moula
Audio production: Haus für Poesie / 2016

[Als er sah, dass die Tischler mit seinem Sarg fertig waren]

german

Als er sah, dass die Tischler mit seinem Sarg fertig waren,
spielte er weiter mit den Kindern seiner Vergangenheit.
Aus der Ferne entblößte eine Frau ihre Brüste für ihn,
da baute er aus dem fertigen Sarg ein Bett für die Musik.

Ins Deutsche übertragen von Monika Rinck
VERSschmuggel arabisch-deutsch 2016

my god

english | Crispin Best

you have no idea
of the distances i would travel
just to disappoint you

i will even wear a fashionable shoe
my god
just watch me

another? i ask
go ahead you say

and another?

no that’s too many shoes

we shout
we throw bits of the forest at the forest
we walk

the so-called trees and the sky
a so-called kite and a cloud
my god
the so-called sky but first the trees

if you hold my hand
hold my hand
it could even rain

a walk in the wet leaves

my so-called shoe comes off in the mud

my god these yellow socks

i love them

© Crispin Best
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

mein gott

german

du hast keine ahnung
von den entfernungen die ich zurücklegen würde
nur um dich zu enttäuschen

ich werde sogar einen modischen schuh tragen
mein gott
schau mir einfach zu

noch einen? frage ich
ja gerne sagst du

und noch einen?

nein das sind zuviele schuhe

wir rufen
wir werfen waldstückchen auf den wald
wir gehen

die so genannten bäume und der himmel
der so genannte drachen und eine wolke
mein gott
der so genannte himmel aber zuerst die bäume

wenn du meine hand hältst
halte meine hand
es könnte sogar regnen

ein gang durch die nassen blätter

mein so genannter schuh löst sich im schlamm

mein gott diese gelben socken

ich liebe sie

Übersetzung aus dem Englischen von Monika Rinck

io

english | Crispin Best

when i die
stomp 3,000 alabaster skateboards in my memory
kickflip my corpse into a ditch
eat pizza
sing

when i’m alive
every morning i am still me wishing
i was in a sleeping bag with you
on a jovian moon

i am dropping a frisbee with everyone watching
if we ever talk and you don’t smile
there are hills in you and i am on them

o greyskull
o solemn wall-hung portrait of a kangaroo
o digestive biscuits in the spring

there are hills i am on
i love you is like sitting on a bench
if you think about it
everything is like that

when i die
remember us
it’s cold
i can only hug your legs one way
and they can only hug me another
i like both

i am beside myself when i am beside myself
i am beside myself when i am beside you
o goatse in the snow
o tubgirl in the rain
o modern american poetry

it is truly ok to want to let me smooch you
knock my legs off with a plastic cricket bat
i’m ready

o besunglassed sun in the summer
o party rings
o life
o des’ree
o sonique
you

when i’m alive
feed me ex boyfriends' foibles
your thoughts on films
past moral lapses
let me be your ginger hard drive

i think of you while eating pizza

o dragostea din tea
o thudding in the electric lumber of my chest
o fisher price
o feet

motherfucking teresa
truly i could cry in a bathroom
i want you on google street view

o brookside
o blobby
o burmese cliffbuilt monastery in may

my big idea is basically just the xgames
but for dogs

we’re listening to ace of base
in our winter coats

when i’m alive
i love you like soup
and want to fuck you the same way

o bison
o balrog
o blanka
o guile

by the way i’ve never kissed someone
this close to a plug socket
before
so thank you

girl
is your daddy archimedes
because you're 31415 FINE

girl
is yr daddy a film director
because jean-luc goDAMN
that ass leaves me breathless

girl
i saw you
looking over at me
from across the bar
and i couldn't help noticing
that here is a picture
i'm holding
of a very beautiful dog
aw look

o earthquake
o savage
o hitman
o hulk

when i’m alive
it is strange to be naked in one room
and then walk to another room
and be naked there instead

we have raised this wild invisible animal
alone together
came home to it
what did we expect

you hate that metaphor though

when i die
know that i died how i lived:
not wanting to die

when i die:
know that i died doing what i loved:
your mum

when i die
scatter my ashes on the internet

o puzz 3-d
o crystal maze
o mood-lit silk-bound aubergine

this poem is my petition
for every film in history
to be renamed
“the mighty ducks
[and then the next available number]”

when i’m alive
i am the first person to ever use sarcasm
everyone is so confused
did i enjoy the rice pudding or not

we are in the wildflowers again
throw your spanx into the distance
you are the barefoot me

o haunted toaster buried in a panic and the woods
o kerplunk
o huggies pull ups
o cloud cap over mount cleveland

when i die
roll my corpse down an up-escalator
i feel like my skeleton might enjoy that
eventually

let’s watch cool runnings in the bath
sitting like they do
let’s listen to big willy style in bed

when i’m alive
find me topless in your dreams
screaming i love you like white people love mambo #5
whispering i love you like a bike

o curly wurly wrapper
o crepitating autumn leaf
o nokia 3210
o mars bar ice cream in september and the rain

we like each other and vice versa

when i die
endorse me on linkedin
for the messed up sex things i wanted to do
but couldn’t

o distance
o abandoned fairground
o tamagotchi
o gentle choad poking meekly out
o blue corn tortilla on the ground

let’s gonna fuck

when i die
i will miss watching a sad magpie try to get through a window
i miss looking at a fucked up magpie with you

if u read this poem your life will be better
let's go bowling to celebrate

it's friday with you even when it isn't
especially

© Crispin Best
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

io oder lass uns jetzt ficken

german

wenn ich sterbe
zerstampft zu meinem gedächtnis 3000 alabaster-skateboards
tretet meine leiche hochkant in einen graben
esst pizza
singt

wenn ich am leben bin
bin ich jeden morgen noch immer ich der sich wünscht
mit dir in einem schlafsack zu sein
auf einem jupitermond

ich lass vor aller augen eine frisbee fallen
wenn wir jemals reden und du nicht lächelst
es gibt hügel in dir und ich befinde mich darauf

o grauschädel
o ehrwürdiges wandportrait eines känguruhs
o verdauungskekse im frühling

da sind hügel und ich darauf
ich liebe dich ist wie auf einer bank zu sitzen
wenn man darüber nachdenkt
ist alles so wie das

wenn ich sterbe
erinnere uns
es ist kalt
ich kann deine beine nur in einer richtung umarmen
und sie mich nur in einer anderen
ich mag beide

wenn ich neben mir bin bin ich neben mir
wenn ich neben mir bin bin ich neben dir
o ziegenbart im schnee
o tubgirl im regen
o moderne amerikanische dichtung

es ist völlig in ordnung zu wollen dass ich mit dir schmuse
hau mir die beine mit einem kricketschläger aus plastik weg
ich bin bereit

o besonnenbrillte sonne im sommer
o partykringel
o leben
o des'ree
o sonique
du

wenn ich am leben bin
füttere mich mit den schwächen deiner exfreunde
deinen gedanken über filme
vergangenen moralischen ausrutschern
lass mich deine fuchsrote festplatte sein

ich denke an dich während ich pizza esse

o dragostea din tee
o dröhnen im elektro-gerümpel meiner brust
o fischer prize
o füße

mutter fickende teresa
wahrlich ich könnte im badezimmer weinen
ich will dich auf google street view

o bachufer
o blobby
o burmesisches in die klippen gebautes kloster im mai

meine superidee ist eigentlich einfach xgames
aber für hunde

wir hören ace of base
in unseren wintermänteln

wenn ich am leben bin
liebe ich dich wie suppe
und will dich genauso ficken

o bison
o balrog
o blanka
o tücke

übrigens habe ich zuvor noch nie jemanden
so nahe bei einer steckdose
geküsst
danke dafür

mädchen
ist dein papi archimedes
denn du bist 3.1415 SCHÖN

mädchen
issen dein papi n filmregisseur
denn jean luc vaDAMMT
dieser arsch raubt mir den atem

mädchen
ich sah dich
mich prüfend anschauen
quer durch die bar
und ich konnte nicht umhin zu bemerken
dass hier ein bild ist
das ich halte
von einem sehr schönen hund
ah schau

o erdbeben
o wilde
o killer
o hulk

wenn ich am leben bin
ist es seltsam in einem raum nackt zu sein
und dann in einen anderen raum zu gehen
und stattdessen dort nackt zu sein

wir haben dieses wilde unsichtbare tier aufgezogen
alleine gemeinsam
kamen zu ihm nach hause
was erwarteten wir

allerdings hasst du diese metapher

wenn ich sterbe
hoffe ich dass ich starb wie ich lebte:
nicht sterben wollend

wenn ich sterbe:
wisse dass ich in meinem leben tat was ich liebte:
deine mama

wenn ich sterbe
zertreut meine asche im internet

o 3-d-puzzle
o crystal maze
o seidengefesselte aubergine im mondlicht

dieses gedicht ist meine petition
um jeden film der geschichte
umzubenennen in
"die riesenenten
[und dann die nächste gültige nummer]"

wenn ich am leben bin
bin ich die erste person die jemals sarkasmus verwendet
jeder ist so verwirrt
schmeckte mir der reispudding oder nicht

wir sind wieder in den wildblumen
wirf deine stützwäsche weit weg
du bist mein barfüßiges ich

o gespenstiger toaster in panik in den wäldern begraben
o kerplunk
o topftrainings-windeln
o wolkenkappe über mount cleveland

wenn ich sterbe
rollt meine leiche eine hochkommende rolltreppe hinunter
ich denke das könnte meinem skelett
eventuell gefallen

komm wir schauen cool runnings im bad
sitzen genau wie sie
komm wir hören big willie style im bett

wenn ich am leben bin
treffe mich oben ohne in deinen träumen
schreiend ich liebe dich wie weiße leute mambo #5 lieben
flüsternd ich liebe dich wie ein fahrrad

o lecker schmecker verpackung
o knackendes herbstlaub
o nokia 3210
eine marsriegel-eiscreme im september und der regen

wir mögen einander und umgekehrt

wenn ich sterbe
empfehle mich auf linkedin
aufgrund der kaputten sexsachen die ich machen wollte
aber nicht konnte

o ferne
o verlassener festplatz
o tamagotchi
o sanfter schwanz der milde hervorsticht

lasst uns ficken

wenn ich sterbe
werde ich den versuch einer traurigen elster durchs fenster zu kommen vermissen
ich vermisse es mir mit dir eine abgefuckte elster anzusehen

wenn du dieses gedicht liest wird dein leben besser sein
lass uns das beim bowlen feiern

mit dir ist immer freitag selbst wenn es das nicht
insbesondere

Übersetzung aus dem Englischen von Monika Rinck

they are building a building

english | Crispin Best

is it still called brunch if i am alone

in my dream
i found out that my dad
was a wheelie bin
and i hugged the wheelie bin
and my mum said
"not that wheelie bin"
but i stayed hugging it

i have been thinking
about the time the universe
was the size of a cantaloupe

oh my

there are things i have
been confused about

there are things about which
i have been confused

when i asked if things are serious
with your new boyfriend
did you say you are just dating
or gestating

i am scared

i wish for you pancakes
bells
a wicker fence
a cat bewildered
bells in the distance
a cat in heat trying
to flirt with a wicker fence
i wish for you bells

i have crushed cans
while thinking of you

i have also cradled
a croissant
like a baby
so

i wish for you sirens going off like milk
i wish for you the evening
foxes sneezing in the streets below
the night

i wish for you butterflies in the airport

i have been thinking of the universe
it never gets older when i read how old it is
the sun paints me brightly
polishes the daymoon
above my head
oh my

i wish for you a warm balcony
faroff planes made big by sunset
to own at least one loveseat in your lifetime
i wish for you a bird screaming on a church roof
while you are trying to sleep

dusk is a good word to say during dusk
i wish for you
my heart is beating like a whisk

i wish for you birds
to find an uninflated balloon in your pocket
i wish for you the perfect banana
bluebirds for you
birds
a person waving down from the fifteenth floor excited
cows
birds

cows

i have been thinking about the universe
even distant fireworks
make me think of the people who lit them
i can’t help it

the builders are building a building

i am scared
i will be honest
the animal does not understand
that you are photographing him

i wish for you the ocean when you least
expect it

fast running is good
i wish i could do it

© Crispin Best
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

sie bauen ein Gebäude

german

gibt es noch brunch wenn ich allein bin

in meinem traum
fand ich heraus dass mein papa
ein müllcontainer war
und ich umarmte den müllcontainer
und meine mama sagte
"nicht diesen müllcontainer"
aber ich umarmte ihn weiter

ich habe über die zeit nachgedacht
in der das universum die größe
einer warzenmelone hatte

oh je

es gibt dinge die verwirrend
für mich waren

es gibt dinge über die
ich verwirrt gewesen bin

als ich dich fragte, ob es ernst sei
mit deinem neuen freund
sagtest du da, dass das nichts langes ist
oder dass du schwanger bist

ich habe angst

ich wünsche mir pfannkuchen
glocken
einen weidenzaun
eine konfuse katze
glocken in der ferne
eine rollige katze die versucht
mit einem weidenzaun zu flirten
ich wünsche dir glocken

ich habe büchsen zerdrückt
während ich an dich dachte

auch habe ich ein croissant
geschaukelt
wie ein baby
so

ich wünsche deine sirenen gingen los wie milch
ich wünsche dir den abend
in dem füchse niesen in den straßen unter
der nacht

ich wünsche dir schmetterlinge im flughafen

ich habe über das universum nachgedacht
wann immer ich sein alter lese ist es nicht weiter gealtert
die sonne bemalt mich strahlend
poliert den tagmond
über meinem kopf
oh je

ich wünsche dir einen warmen balkon
sehr ferne flugzeuge vom sonnenuntergang vergrößert
damit mir wenigstens ein zweisitzer deines lebens gehört
ich wünsche dir einen vogel der auf dem kirchdach schreit
während du versuchst zu schlafen

dämmerung ist ein gutes wort um es bei dämmerung zu sagen
ich wünsche dir
mein herz schlägt wie ein quirl

ich wünsche dir vögel
dass du einen unaufgeblasenen ballon in deiner tasche findest
ich wünsche dir die perfekte banane
blaukehlchen für dich
vögel
eine person die dir vom 15. stock aus aufgeregt zuwinkt
kühe
vögel

kühe

ich habe über das universum nachgedacht
selbst weit entferntes feuerwerk
läßt mich an die leute denken die es entzündeten
ich kann nicht anders

die erbauer erbauen ein gebäude

ich habe angst
ich werde ehrlich sein
das tier versteht nicht
dass du es fotografierst

ich wünsche dir den ozean wenn du es am wenigsten
erwartest

schnell zu rennen ist gut
ich wünschte ich könnt's

Übersetzung aus dem Englischen von Monika Rinck

ALUPAYIDA*

english | Niyi Osundare

I stay very long in the river
And I become a fish
With a head made of coral
And fins which tame the distance
Of billowing depths

I stay very long in the fish
And I become a mountain
With a mist-cradled crest
And feet carpeted by grass which
Sweetens the dawn with its glorious green

I stay very long on the mountain
And I become a bird
With a nest of polyglot straw
And songs which stir the ears
Of slumbering forests

I stay very long with the bird
And I become a road
With long dusty eyes
And limbs twining through the bramble
Like precocious pythons

I stay very long on the road
And I become a cigarette
Lighted both ends by powerful geysers,
Ash-winged firefly on nights
Of muffled darkness

I stay very long with the cigarette
And I become a clown
With a wide, painted face
And a belly stuffed to the brim
With rippling laughters

I stay very long with the clown
And I become a sage
With a twinkling beard
And fables which ply the yarn
Of grizzled memories

I stay very long with s-i-l-e-n-c-e
I become a Word

-------------* Metamorphosis

© Niyi Osundare
from: The Word is an Egg
Ibadan, Nigeria: Kraft Books, 2000
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2016

ALUPAYIDA

german

Ich bleibe sehr lange in dem Fluss
Und ich werde zum Fisch
Mit einem Kopf aus Korallen
Und Flossen, die die Ferne zähmen
In wogenden Tiefen

Ich bleibe sehr lange in dem Fisch
Und ich werde zum Berg
Mit einem Dunst umschaukelten Kamm
Und Füßen, bedeckt von Gras, das
Die Dämmerung mit prächtigem Grün versüßt

Ich bleibe sehr lange auf dem Berg
Und ich werde zum Vogel
Mit einem Nest aus vielsprachigem Stroh
Und Liedern, die die Ohren
Der schlummernden Wälder wecken

Ich bleibe sehr lange bei dem Vogel
Und ich werde zur Straße
Mit langen staubigen Augen
Und Gliedern, die sich durch die Sträucher winden
Wie frühreife Pythons

Ich bleibe sehr lange auf der Straße
Und werde zur Zigarette
An beiden Enden von mächtigen Geysiren entzündet,
Aschegeflügelte Glühwürmchen in dunkel
vermummten Nächten

Ich bleibe sehr lange bei dem Clown
Und werde zum Weisen
Mit einem funkelnden Bart
Und Geschichten, in die sich das Garn
grauhaariger Erinnerungen verzwirnt

Ich bleibe sehr lange in S -T – I – L – L - E
Ich werde zum Wort

Übertragen von Monika Rinck

THE LEADER AND THE LED

english | Niyi Osundare

The Lion stakes his claim
To the leadership of the pack

But the Antelopes remember
The ferocious pounce of his paws

The hyena says the crown is made for him
But the Impalas shudder at his lethal appetite

The Giraffe craves a place in the front
But his eyes are too far from the ground

When the Zebra says it’s his right to lead
The pack points to the duplicity of his stripes

The Elephant trudges into the power tussle
But its colleagues dread his trampling feet

The warthog is too ugly
The rhino too riotous

And the pack thrashes around
Like a snake without a head

“Our need calls for a hybrid of habits”,
Proclaims the Forest Sage,

“A little bit of a Lion
A little bit of a Lamb

Tough like a tiger, compassionate like a doe
Transparent like a river, mysterious like a lake

A leader who knows how to follow
Followers mindful of their right to lead”

© Niyi Osundare
from: unpublished
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2016

DER ANFÜHRER UND DIE GEFÜHRTEN

german

Der Löwe behauptet seinen Anspruch
Auf die Rudelführerschaft

Aber die Antilope erinnert sich
An den heftigen Schlag seiner Pranken

Die Krone ist für ihn gemacht, sagt die Hyäne
Doch sein tödlicher Appetit lässt die Impalas erschaudern

Die Giraffen verlangt einen Platz ganz vorne
Aber ihre Augen sind zuweit von der Erde entfernt

Wenn das Zebra sagt, es sei sein Recht zu führen
Weist das Rudel auf seine doppeldeutigen Streifen

Der Elefant tritt ein das Machtgerangel
Aber seine Kollegen ängstigt sein trampelnder Fuß

Das Warzenschwein ist zu hässlich
Das Nashorn neigt zur Gewalt

Und wie eine kopflose Schlange
Schlägt das Rudel auf sich ein

„Unsere Notlage fordert einen hybriden Habitus“,
Verkündet der Weise des Walds,

„Ein Bisschen vom Löwen
Ein Bisschen vom Lamm

Stark wie ein Tiger, mitfühlend wie eine Häsin
Transparent wie ein Fluss, geheimnisvoll wie ein See

Ein Anführer, der weiß wie man folgt
Folgende, auf ihr Recht zu führen bedacht“

Übertragen von Monika Rinck

DEEP GREEN

english | Niyi Osundare

Deep green, my testament, as I forage
through this forest of vanished glories,
my memory one shell of naked echoes

Roots have shriveled in
earth’s heat-harassed crypt
blighted leaves float in the wind
like flakes of careless scars

Long-limbed lumbermen have
laid low the loins of the land;
the Yes-I birds have left
with their rainbow songs

The desert marches towards the sea,
a haughty, implacable army . . .

Once (not too long ago)
I talked to trees in this forest
and trees talked back to me,
Deep green

© Niyi Osundare
from: unpublished
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2016

TIEFES GRÜN

german

Tiefes Grün, mein Testament, da ich diesen Wald
einer verschwundenen Pracht durchstreife,
mein Gedächtnis eine Hülle nackter Echos

Wurzeln sind in der hitze-geplagten Gruft
der Erde verschrumpelt
verdörrtes Laub fliegt im Wind
wie Flocken achtloser Narben

Langgliedrige Waldarbeiter haben
die Lenden des Landes bedecktgehalten;
die Ja-Ich Vögel sind fort
mit ihren Regenbogenlieder

Die Wüste marschiert in Richtung See,
eine stolze unerbittliche Armee…

Einst (nicht so lange her)
sprach ich in diesem Wald mit Bäumen
und die Bäume sprachen zu mir,
Tiefes Grün

Übertragen von Monika Rinck

BERLIN 1884/5

english | Niyi Osundare

I looked round for vendors of my own past,
For that Hall where, many seasons ago,
My Continent was sliced up like a juicy mango

To quell the quarrel of alien siblings
I looked for the knife which exacted the rift
How many kingdoms held its handle

The bravado of its blade
The wisdom of potentates who put
The map before the man

The cruel arrogance of empire,
Of kings/queens who laid claim to rivers, to mountains,
To other peoples and other gods and other histories

And they who went to bed under one conqueror's flag,
Waking up the next beneath the shadows of another
Their ears twisted to the syllable of alien tongues

Gunboats
Territories of terror...

Oh that map, that knife, those contending emperors
These bleeding scars in a Continent's soul,
Insisting on a millennium of healing.

© Niyi Osundare
from: Pages from the Book of the Sun: New and Selected Poems
Trenton, United States: Africa Research & Publications, 2002
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2016

BERLIN 1884/5

german

Ich sah mich nach den Verkäufern meiner Vergangenheit um,
Nach diesem Saal wo, vor vielen Jahreszeiten,
mein Kontinent zerteilt wurde, eine saftige Mango in Scheiben.

Um den Zank fremder Geschwister zu bezwingen
Suchte ich nach dem Messer, das den Schnitt vollzug
Wie viele Königtümer hielten seinen Griff

Das Bravado seiner Klinge
Die Weisheit der Potentaten die
die Karte vor den Menschen stellten

Die grausame Arroganz des Imperiums,
Könige und Königinnen, die Flüsse, Berge, andere Menschen,
andere Götter und andere Geschichten für sich beanspruchten

Und die, die unter eines Eroberers Flagge zu Bett gingen,
Erwachten am nächsten Tag unter dem Schatten einer anderen
Ihre Ohren zu den Silben fremder Zungen hingebogen

Kanonenboote
Territorrien des Terrors….

O diese Karte, dieses Messer, diese streitenden Herrscher
diese blutenden Narben in der Seele eines Kontinents,
auf einem Jahrtausend der Heilung beharrend.

Übertragen von Monika Rinck

SOME DAYS

english | Niyi Osundare

Some days know
the secret leaning of the heart

their auricles are acres of clay
watered by the kindest dew

their music the beat of every pulse
smiles grow in the garden of their lips

there is grace in their greeting
bliss in their blessing

a merciful moon sits
in the center of their night

their hours ripen
in the shadows of a generous sun

when they pass
houses throw open their doors

flowers drape them
in their rarest fragrance

for them tenderness is no treason
compassion is no constraint

some days
are not allergic to softness

some days
are not afraid of being human

© Niyi Osundare
from: Days
Ibadan, Nigeria: HEBN Publishers, 2007
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2016

MANCHE TAGE

german

Manche Tage kennen
den geheimen Hang des Herzens

ihre Ohrmuscheln sind Felder aus Lehm
vom freundlichsten Tau bewässert

ihre Musik ist der Takt jeden Pulsschlags
im Garten ihrer Lippen wächst das Lächeln

ihr Gruß ist voller Anmut
Seligkeit in ihrem Segen

ein gnadenreicher Mond sitzt
inmitten ihrer Nacht

ihre Stunden reifen
im Schatten einer freigiebigen Sonne

wo sie vorübergehen
reißen Häuser ihre Türen auf

Blumen hüllen sie
in ihren seltensten Düfte

Zärtlichkeit ist ihnen kein Verrat
Mitleid kein Hemmnis

manche Tage
sind ohne Allergie gegen das Sanfte

manche Tage
fürchten sich nicht menschlich zu sein

Übertragen von Monika Rinck

IN THE MOOD FOR LOVE

english | Niyi Osundare

The moon is playing hide-and-seek
Behind the clouds. A mellow smile
Lingers on the lips of the sky

Tides tease and tangle
At the water’s edge. The buck eyes
The doe with a deep, alluring passion

        Sun mo bi, Ologuro*
        I am in the mood for love tonight

I can hear pigeons cooing
In their coop. I can hear alapandede**
Swapping notes in the shady eaves

Oge*** taunts the wind with its restless tail
In the narrow lane between the walls
The baobab’s bulbous boon is swinging in the wind

        Sun mo bi, Ologuro
        I am in the mood for love tonight

Touch my tale
Smell my song
Behold the dotted lines

On the pages of my skin
Unfurl my flower
Unravel my rave

        Sun mo bi, Ologuro
        I am in the mood for love tonight

Stir little fires in the furrow between my ridges
Plant me, a song, in your loamy acres
Palm my memory, mold my mask

Let rasping leaves caress the fruit
At the branch’s edge. Quench this quest
With the magic of murmuring moments

        Sun mo bi, Ologuro
        I am in the mood for love tonight

Settle this score with the argument
Of the heart. Uphold my plea. Roar
Heavenwards on the wings of my song

See my face beyond the mirror
Plumb my soul. Undread my dream.
Say my name. My name, my name. Say my name. . .

        Sun mo bi, Ologuro
        I am in the mood for love tonight

© Niyi Osundare
from: Tender Moments. Love Poems
Nigeria: University Press, 2006
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2016

DER LIEBE ZUGEWANDT

german

Der Mond spielt Verstecken
Hinter den Wolken. Ein mildes Lächeln
Weilt auf den Lippen des Himmels

Neckische und wirre Gezeiten umspielen
Den Wasserrand. Das Männchen mustert
Das Weibchen mit einer tiefen lockenden Leidenschaft

             Sun mo bi, Ologuro *
              Ich bin der Liebe zugewandt heut Nacht

Ich kann die Tauben gurren hören
In ihrem Stall. Ich kann die alapandede** hören
Im Wechselspiel der Noten am schattigen Gesims

Oge *** neckt den Wind mit seinem rastlosen Schweif
In der engen Gasse zwischen den Mauern
Des Baobabs bauchiger Segen schwingt im Wind

              Sun mo bis Ologuro
              Ich bin der Liebe zugewandt heut Nacht

Ertaste meine Geschichte
Wittere mein Lied
Betrachte die gestrichelten Linien

Auf den Seiten meiner Haut
Entfalte meine Blume
Enträtsele meinen Rausch

              Sun mo bi, Ologuro
              Ich bin der Liebe zugewandt heut Nacht

Bewege kleine Feuer in den Furchen meiner Rücken
Pflanze mich, ein Lied, in dein lehmiges Feld
Betaste mein Gedächtnis, forme meine Maske

Lass raschelndes Laub die Frucht liebkosen
Wo der Zweig aufhört. Stille diesen Durst
mit dem Zauber murmelnder Momente.

              Sun mo bi, Oluguro
              Ich bin der Liebe zugewandt heut Nacht

Sichere dieses Ergebnis mit dem Argument
des Herzens. Halte meine Bitte aufrecht. Brause
Himmelwärts auf den Flügeln meines Liedes

Sieh mein Gesicht jenseits des Spiegels
Lote meine Seele aus. Entängstige meinen Traum.
Sag meinen Namen. Meinen Namen, meinen Namen. Sag meinen Namen …

              Sun mo bi, Oluguro
              Ich bin der Liebe zugewandt heut Nacht

Übertragen von Monika Rinck

INVOCATIONS OF THE WORD

english | Niyi Osundare

     In the Beginning was not the Word
     In the Word was the Beginning


Unwind the wind
Give rapid legs to the crouching leaf;
The horse of words has galloped
Through clouds, through thunder, through roaring waters...
Throw open the door of your ears

     Araba ponmbe ponmbe ponmbe
     Araba ponmbe ponmbe ponmbe*

The Word, the Word, is an egg
From the nest oof hawk and dove
Its shell the sheath of anger's sword
Its yolk compostbed of bile and boon

The Word, the Word, is the woodpecker's beak
Which rattles the jungle of silence
The cat's eye which pierces the garment of night
The Word, the Word, is the fearless symmetry of zebra heights
The fiery hooffall of eloquent horses
The Word, the Word, is the armpit of stone
The groin of nodding marble

The Word, the Word, is the madness of the moon
The canine fury of barking tides
The Word, the Word, is the milky teeth of coconut mountains
The joyful tears of dawn

     Araba ponmbe ponmbe ponmbe


I see the Word
           plumbing distant clouds for echoes of golden idioms
I see the Word
           shaving mountainheads with razors of reason
I see the Word
          on the lips of the gun, animally red
I see the Word
          in parliaments of contending tongues
I see the Word
           with ears of joy, stalks of swaying rapture
I see the Word
          in the dream of a dream
          in the dream of a dream             [no stanza break]
          in the cloud which gathers the rain        
          in the rain which unchains the earth



Abuubutan Eja okun       (Inexhaustible, Fish of the sea)
Abuubutan Eja osa        (Inexhaustible, Fish of the lagoon)
Adunnni lenu             (A joy to have in the mouth)
Ma dunni lorun           (Dreadful to have around the neck)

     Araba ponmbe ponmbe ponmbe


The Word, the Word, is the ashes of twilight
The rainbow of vagrant skies
The Word, the Word
                   is rocks and roots
                   sand and stone
                   rust and dust
                   love ---- and lust


The Word is the peeping window of heady tails
The vital valley of maiden hiThe Word, the Word, is the simmering song of the adze
The lyrical breath of fire on clay
The Word, the Word, is the hemhem of the barber's razor
The footsounds of the sun on the tarmac of the lake

     Araba ponmbe ponmbe ponmbe


The Word is rain
The Word is dust
      The Word is rainanddust

The Word is black
The Word is white
     The Word is blackandwhite

The Word is life
The Word is death
      The Word is lifeanddeath

     Araba ponmbe ponmbe ponmbe


Give bony thoughts
The flesh of airy idioms
Let rounded laughters unknot the brow
Of wrinkled moments;
Scatter the Word
In the valley of the moon
Let harvestsongs reap the plenitude
Of waiting proverbs

                                              
In the Beginning was not the Word       
In the Word was the Beginning

Araba ponmbe ponmbe ponmbe
Araba ponmbe ponmbe ponmbe


* This refrain is used for its sound (qua performance) effect; it has no translatable 'semantic' meaning.

© Niyi Osundare
from: The Word is an Egg
Ibadan, Nigeria: Kraft Books, 2002
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2016

ANRUFUNGEN DES WORTES

german

Im Anfang war nicht das Wort
Im Wort war der Anfang
Im Anfang war nicht das Wort
Im Wort war der Anfang


Entwickle den Wind
Gib dem lungernden Laub schnelle Beine;
Das Pferd der Worte galoppierte
Durch Wolken, durch Donner, durch tosende Wasser…
Reiß die Tür deiner Ohren auf

Araba ponmbe ponmbe ponmbe *
Araba ponmbe ponmbe ponmbe

Das Wort, das Wort ist ein Ei
Aus dem Nest von Habicht und Taube
Seine Schale der Schaft des wütenden Schwerts
Sein Dotter gedüngtes Beet von Galle und Gunst

Das Wort, das Wort ist der Schnabel des Spechts
Der in der Dschungelstille hämmert
Das Katzenauge, das sich ins Nachtgewand bohrt
Das Wort, das Wort ist die furchtlose Symmetrie der Zebrahöhen
Der feurige Hufschlag beredsamer Pferde
Das Wort, das Wort ist die Achselhöhle des Steins
Die Leiste des schläfrigen Marmors

Das Wort, das Wort ist der Wahnsinn des Mondes
Der hündische Zorn bellender Gezeiten
Das Wort, das Wort ist der Milchzahn der Kokosberge
Die Freudentränen der Dämmerung

Arabe ponmbe ponmbe ponmbe

Ich sehe das Wort
       ferne Wolken nach Echos goldener Redensarten auslotend
Ich sehe das Wort
       die Berggipfel mit den Klingen der Vernunft rasierend
Ich sehe das Wort
       auf den Lippen des Gewehrs, animalisch rot
Ich sehe das Wort
       in Parlamenten widerstreitender Zungen
Ich sehe das Wort
       mit vergnügten Ohren, schwankenden Stängeln der Wonne
Ich sehe das Wort
       im Traum eines Traumes
       im Traum eines Traumes
       in der Wolke, die den Regen sammelt
       in dem Regen, der die Erde entfesselt

Abuubutan Eja okun   [Unermüdlich, Fisch des Meeres]
Abuubutan Eja osa      [Unermüdlich, Fisch der Lagune]
Adunnni lenu               [Vergnüglich, es im Mund zu haben]
Ma dunni lorun           [Entsetzlich, um den Hals zu tragen]

Araba ponmbe ponmbe ponmbe

Das Wort, das Wort ist die Asche des Zwielichts
Der Regenbogen unsteter Himmel
Das Wort, das Wort
              ist Felsen und Wurzeln
              Sand und Stein
              Rost und Staub
              Liebe ---- und Lust

Das Wort ist das Guckfenster feuriger Schweife
Das lebendige Tal des jungfräulichen Treffers, das Wort ist das
simmernde Lied der Deichsel
Der lyrische Atem des Tonbrands
Das Wort, das Wort ist das Hemhem des rasierenden Barbiers
Die Trappeln der Sonne auf dem Asphalt des Sees

Araba ponmbe ponmbe ponmbe

Das Wort ist Regen
Das Wort ist Staub
Das Wort ist RegenundStaub

Das Wort ist schwarz
Das Wort ist weiß
Das Wort ist schwarzundweiß

Das Wort ist Leben
Das Wort ist Tod
Das Wort ist LebenundTod

Araba ponmbe ponmbe ponmbe

Gib Knochengedanken
Dem Fleisch luftiger Redensarten
Lass rundliches Gelächter die Braue
zerknautschter Momente auffalten;
Verstreue das Wort
im Tal des Mondes
Lass Erntelieder die Fülle
der wartenden Sprichwörter mähen

Im Anfang war nicht das Wort
Im Wort war der Anfang

Araba ponmbe ponmbe ponmbe
Araba ponmbe ponmbe ponmbe


* Der Refrain wird rein klanglich, aufgrund seiner performativen Wirkung genutzt; er hat keine übersetzbare semantische Bedeutung.

Übertragen von Monika Rinck

głos

polish | Tadeusz Dąbrowski

I cały dzień stracony spędzony
na myśleniu co by tu jeszcze zrobić
żeby nie zrobić nic.

Urojone pragnienia urojone głody
kilka nadętych marzeń o wielkości
kilka nadętych marzeń o małości.

Już wieczór zwalniający z obowiązków poczucie
że nic się nie zrobiło i ten aksamitny
głos: lepiej że nie zrobiłeś nic

niż gdybyś miał zrobić coś

złego.

© Tadeusz Dąbrowski & Wydawnictwo a5, 2005
from: Te Deum
Kraków: Wydawnictwo a5, 2005
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Stimme

german

Und den ganzen Tag verloren verbracht
im Nachdenken darüber was man noch so machen könnte
um dann nichts zu machen.

Eingebildeter Durst eingebildeter Hunger
ein paar aufgeblasene Träume von Größe
ein paar aufgeblasene Träume von Kleinmut.

Schon ist Abend und erlöst aus den Pflichten ein Gefühl
dass sich nichts getan hat und die samtene
Stimme: Besser du hast gar nichts gemacht

als etwas

Schlechtes.

Übersetzt vom Autor und Monika Rinck

KÖZLEKEDŐ EDÉNYEK

hungarian | Kinga Tóth

a leforgott fejek mészkövet
koptatnak könyöknél pattog
a zománcon a hüvelykujj oda
dörzsöli magát lehúzza a koszt
az ostoba betűket hajában
gitárhúrok cimbalom
csavarodnak a koponyatetőt
futják be tekerednek
merevítik a szőrt a drótok
szervéből a csontokat
csavarozzák a patentoló
üt a sing az orsó közé át
a bőrén az anyákat belőlük
a rézfonalak kívülről tartják
a melleket fel a lapockánál fel
a vállövnél a nyakon át kívülről
adja a testet a folyásnak a zsír
ráolvad a húrokra folyik
a koponyatető lékein bújnak
ki erősítik a hagymákat
ahogy fúj a szél összeolvad
a melegtől átrendeződik
a haj kódja a réz kódja
egymásban közlekednek

© Kinga Tóth - Edition Solitude - Magvető Kiadó
from: ALLMASCHINE - ALL MACHINE
Edition Solitude - Magvető Kiadó, 2014
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

KOMMUNIZIERENDE GEFÄßE

german

die abgedrehten köpfe verschleißen
kalkstein den ellenbogen beklopft auf
der emaille der daumen dort reibt er
sich auf der stelle streicht den schmutz
die dummen buchstaben aus dem haar
saiten von gitarre und hackbrett
wickeln sich um die schädeldecke
umranken sie winden sich
die körperbehaarung steif von drähten
aus dem organ züngeln knochen
werden angedreht die nietpresse
schlägt zwischen elle und speiche
durch die haut die mütter hinaus
die messingschnüre halten von außen
die brüste hoch an den schulternblättern
hoch am schultergürtel durch den hals hindurch
von außen gibt er den körper ab an das fließen
das fett schmilzt an den seiten fließt wenn das gehirn
durch die öffnung in der schädeldecke leckt
schlüpfen sie hervor verstärken die wurzeln
sobald wind weht zerschmilzt
von hitze strukturiert
der code der haare der code des messings
sie kommunizieren ineinander

Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

NYAKTILÓ

hungarian | Kinga Tóth

hogy megértse a folyamatot
a vezető vitte be hogy készül
a granulátumból a csirkezsák
hogy feszítik ki a nyálat a tilolóra
hogy ütik a folyamot hidegre
hogy szeli el a penge tasakra
a zsigerben tömik meg ott jön
a szív felfüggesztve a nyakuknál
horgon a körpálya szélén ringlispil
repül a kopasztott szárnya
felettük a körpengét hozzájuk
irányítják a horgok illesztésénél
a vájat alá össze és szét forognak
le a fejek

© Kinga Tóth - Edition Solitude - Magvető Kiadó
from: ALLMASCHINE - ALL MACHINE
Edition Solitude - Magvető Kiadó, 2014
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

FALLBEIL

german

damit er den prozess begreife lässt der meister
vor ort erkunden wie geflügelbeutel
aus granulat angefertigt wie speichel
auf das fallbeil gespannt wie er im laufe
des prozesses geschlagen wird auskühlt
wie klinge speichel schneidet beutelgroß
im der innerei wird gestopft dort
kommen herzen an hälse gebunden
an haken am rand der ringführung karusell
gerupfte flügel fliegen oben
die kreisklinge wird angepasst
an die anschlusstellen der haken
unter furchen rollen auseinander zusammen
ab die köpfe

Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

METRONOM

hungarian | Kinga Tóth

szegycsontját kalapáccsal
a kismutató a nagy gégéjét
nyomja be ütemet keres a fixált
állórész szájánál a találkozási
pont a billegő inga érkezésnél
a mellet formázza orrát horzsolja
hegei az ütem a mutatók dupla
ritmus

© Kinga Tóth - Edition Solitude - Magvető Kiadó
from: ALLMASCHINE - ALL MACHINE
Edition Solitude - Magvető Kiadó, 2014
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

METRONOM

german

ihr brustbein mit einem hammer
vom kleinen zeiger die kehle des großen
eingedrückt wird der takt gesucht am mund
des fixierten ständers der schnittpunkt
bei ankunft des schwingenden pendels
formt ihre brust berührt ihre nase
ihre narben der takt die zeiger sind
doppelter rhythmus

Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

CSŐ

hungarian | Kinga Tóth

a Balerina bízik a gyomorban,
a torokban, a gége lazulásában
a csövek nyitottságában ki kell
engednem a lányt egészen addig
megnyitni felülről egy levegő
a gége egy a légcső a tüdő
a gyomorral a szelep egy másik a bél
az érrendszerrel a legalsó
nyílásokig egy csövet magában
mint az Elba szétnyit a hangnak
a cső rezgésszáma határozza meg
a szervezetet
egy anyagból öntött hangszer
a cső hajlékony mint a porszívóé
átvezeti a fújást és nem pattan el
rugalmas a test engedelmeskedik neki
alulról vezérelt természetesen mozog
le tud ülni vele akár guggolni is
a mélyig érezhető a légáramlás
ahogy a hang áthalad
a rezgés egyben tartja
nem szakad ketté nyílik

© Kinga Tóth - Edition Solitude - Magvető Kiadó
from: ALLMASCHINE - ALL MACHINE
Edition Solitude - Magvető Kiadó, 2014
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

ROHR

german

die ballerina vertraut dem magen
der kehle der lockerung des kehlkopfs
der elastizität von rohren ich muss
das mädchen herauslassen
soweit
von oben öffnen einmal luftholen
der kehlkopf noch einmal
die luftröhre die lunge mit dem magen
ein ventil ein anderes der darm
durch die adern bis in die tiefsten
öffnungen in sich aufmachen
die frequenz des rohrs bestimmt
den organismus
ein instrument aus einem guss 
das rohr ist gelenkig wie beim staubsauger 
führt den hauch ohne aufzuplatzen 
der elastische körper gehorcht 
in natürlichen tiefen bewegungen 
kann es sich hinsetzen
problemlos in die hocke gehen
wenn der ton es durchquert
spürt es in den tiefsten tiefen
den luftzug die frequenz hält es zusammen
es reißt nicht entzwei öffnet sich  

Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

KALAPÁCS-ÜLLŐ-TENGELY

hungarian | Kinga Tóth

anyja az Elba volt benne született
fülét sóval mosták ki vízében
tisztán a tengelyhez vágták éleit
kalapács-üllő-tengely
anyja szele felkavarja a nem jól
hangzó szemcséket belevágnak
az énekbe a kürtbe a sírás sűríti
össze az értelmetlenségeket
fertőtlenít nem jut a fülbe
egy kiesik
ha felejteni akarja bejuttatja
a nemcselekvést úgy tartja meg
ne billenjen-ne szédüljön-ne essen

© Kinga Tóth - Edition Solitude - Magvető Kiadó
from: ALLMASCHINE - ALL MACHINE
Edition Solitude - Magvető Kiadó, 2014
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

HAMMER-AMBOSS-ACHSE

german

die elbe war seine mutter in ihr ist er geboren
seine ohren wurden in ihrem wasser mit salz gewaschen
der anprall gegen die achse säuberte seine kanten
hammer-amboss-achse
der wind der mutter wirbelt die nicht gut
klingenden körnchen auf sie dringen ein
in das lied in den fanfaren verdichtet
das weinen die sinnlosigkeit die elbe
desinfiziert kein körnchen gelangt ins ohr
eins fällt hinaus
wenn sie ihn vergessen will führt sie es ihm ein
das nichthandeln halte es fest
es kippe – es schwindele – es falle nicht

Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

ELBA

hungarian | Kinga Tóth

a nő csikóhal combján válla
hal sellőn hullám az Elba
a hangok a sípcső alapon
száján adja ki egyszerre
ereszti a levegőt

testét átfúrják az énekléshez
a sípcsöveket kihúzzák engedi
a levegőt száján és az új
helyeken felületéhez
rakják fújnak a kis réseken
áténekelnek a mellkasán

© Kinga Tóth - Edition Solitude - Magvető Kiadó
from: ALLMASCHINE - ALL MACHINE
Edition Solitude - Magvető Kiadó, 2014
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

DIE ELBE

german

die frau ein seepferd der schenkel über ihrer schulter
ein fisch eine welle über eine meerjungfrau ist die elbe
klänge aus dem orgelpfeifengrund
durch ihren mund gleichzeitig hinaus
atmend die luft

ihr körper durchbohrt für den gesang
orgelpfeifen herausgezogen atmet sie
luft durch den mund aus und
an neuen stellen auf ihrer oberfläche
angebrachte pfeifen durch enge spalten
singen aus ihrer brust

Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

BALERINA

hungarian | Kinga Tóth

1
a tárgy anyaga alakja
szabályos fa 10x10
alsó és felső részét
csuklós fém pánt köti össze
hengeren fordul el
középen lyuk ide
csavarozzák az
éles kellékeket
belső kialakítása
finom vonalvezetésű
hajlatai vannak
a henger közepén
(és vele szemben)
kampókra csomózott
zsinór másik vége
a tárgy belsejében
elhelyezett emelvényen
forgó hasábra
tekerve 2/3-nál
a fedél kinyitásával és
becsukásával a feszített
hasáb a tárgy belső
falához/szegélyéhez dörzsölődik
lehajtáskor a szemben
elhelyezkedőhöz az első
fázis célja, hogy kisúrolják
belőle a lányt


2
a henger
közepén lyukba
illesztett kampókra
csomózva a zsinór
a zsinór a lányra
tekerve olyan
mint a csipkegallér
ez falazófonal
a lány támpillér
rajta nyugodt vagy feszül
a zsinór többszörös tekerés
ugyanennyiszeres fordulatszám
alakja változtatja a helyét
az emelvény elindított
mozgása miatt ki-be
nyit-zár a doboz
ernyed vagy levegőt kér
a lány rózsaszínű mint
az áldozatok
a második fázisban
balerinává változik


3
a harmadik fázis
a lefinomítás és
a viszonylagos hajlékonyság
megteremtése a dobozzár
ennél a lépésnél kap
funkciót a kulcs
elforgatásával a két
még nem jelölt oldalon
párhuzamos madzagok
emelkednek ki a szoknya
/tütü és a harisnya
részleteinek kidolgozásához
a fonalak kiválasztása
kulcsfontosságú a túl
erős belevág az emberi
részekbe a leselejtezett
darabokból peckek és kampók
készülnek az első fázis
maradék falazófonalai
szelvényezik őket egyenlőre


4
a végén tanul meg
az alak hajolni
a zár vonalában belül
egy eddig rejtett kazettából
a derékrészhez hatol egy
téglatest alakú formázó
kimunkáltságának köszönhetően
nyomja hajlítja de
nem töri meg a figurát
a külső jelleghez társul
a belső forog és hajol
és egészséges púderszínű

© Kinga Tóth - Edition Solitude - Magvető Kiadó
from: ALLMASCHINE - ALL MACHINE
Edition Solitude - Magvető Kiadó, 2014
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2015

BALLERINA

german

1
stoff und form des objekts
aus holz 10 x 10 und regelmäßig
unterer mit oberem teil
verbindet gelenkiger riemen
auf einer walze dreht es sich weg
in der mitte ein loch hierhin
schrauben sie scharfe
versatzstücke an
die ausarbeitung innen
fein auch die linien
ihrer beugen
in der mitte der walze
(und ihr gegenüber)
schnur auf haken geknotet
anderes ende im innern
des objekts aufgespult
auf eine drehbare scheibe
platziert auf einem podest
bei 2/3 durch öffnen
und schließen des deckels
reibt sich die eingespannte
scheibe an der innenwand/
rand des objekts beim
zuklappen an der gegenüberliegenden
ziel der ersten phase ist
das mädchen aus dem objekt
herauszuschrubben


2
die am haken
des in der mitte der walze
eingesetzten loches
angeknotete schnur
die schnur um das mädchen
gewickelt wie
ein spitzenkragen
eine richtschnur
das mädchen ein stützpfeiler
auf ihm ruht oder spannt sich
die schnur mehrfach gewickelt
die entsprechende anzahl drehungen
die figur wechselt die position
aufgrund der in gang gesetzten
bewegung des podests die dose
geht auf und zu öffnet und schließt sich
entspannt oder schnappt luft
das mädchen ist rosa
wie die opfer
in der zweiten phase
wird sie zur ballerina


3
die dritte phase ist
die zerfeinerung und
erschaffung verhältnismäßiger
gelenkigkeit bei diesem schritt
bekommt das schloss der dose
eine funktion mit drehen
des schlüssels heben sich an
zwei noch nicht markierten
seiten parallele strippen
um die details für rock
für tütü und strumpfhose
auszuarbeiten die auswahl
der fäden ist von größter
wichtigkeit zu starke
schneiden in menschliche
körperteile aus ausrangierten
teile werden haken und bolzen
angefertigt und von den resten
der richtschnüre der ersten phase
in gleiche teile segmentiert


4
am ende lernt die figur
sich zu beugen
in höhe des schlosses
innen aus noch verborgener
kassette dringt zum rumpf
ein quaderförmiger formrahmen
dank seiner ausarbeitung
drückt er beugt aber
bricht die figur nicht
zum äußeren gesellt sich
das innere dreht und beugt sich
hat eine gesunde puderfarbe

Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

HÁZTARTÁSI VERS

hungarian | János Háy

Mért vasalsz pizsamát,
mért mosol inget,
mért mondod:
- Á, te vagy az, Hanri Bogárt?
- Hát nem.

Nekem is van mosógépem,
s amikor te mosol,
én is mosok éppen.
S hogy mosás közben szeretlek,
neked egyáltalán nem árt,
nem én vagyok, nem én:
Hamfri Bogárt.

Kényelmes is neked így az élet,
körbevesznek a háztartási gépek,
s ha elmegyek hozzád ezen a télen,
bekapcsolod majd nekem
valamelyik géped.
Ha lehet, mondjuk a centrifugát,
akkor is, ha nem én
vagyok Hamfri Bogárt.

S amíg a gép vadul teker,
azt mondom:
- Ne moss pizsamát
és ne vasalj inget,
azért jöttem, hogy
elvigyelek innen.
Lépned is alig kell
és minden egészen más,
egy más világ.
Oda kell vigyelek,
ott én vagyok:
Hamfri Bogárt.

Audio production: Petőfi Irodalmi Múzeum 2006

HAUSHALTSGEDICHT

german

Warum bügelst du Pyjamas,
warum wäschst du Hemden,
warum sagst du:
- Ach, Hanri Bogart, bist du das?
- Nicht mit mir.


Ich hab auch eine Waschmaschine,
und wenn du wäschst,
wasche auch ich.
Und dass ich dich liebe, während ich wasche,
kann dir überhaupt nicht schaden,
Hamfri Bogart,
bin ich nicht, bin ich wirklich nicht.

Dein Leben ist sehr komfortabel so,
von Haushaltsgeräten umgeben,
und komme ich dich im Winter besuchen,
schaltest du mir zuliebe
eines der Geräte an.
Wenn ich die Wahl habe, dann bitte den Trockner,
auch wenn ich Hamfri Bogart,
gar nicht bin, gar nicht bin.

Und während das Gerät sich dreht,
sage ich:
Wasche keine Pyjamas
und bügle keine Hemden,
ich bin gekommen, um
dich zu entführen.
Ein winzig kleiner Schritt genügt,
und alles ist anders,
eine andere Welt.
Denn ich muss dich dorthin bringen,
wo ich Hamfri bin,
wo ich Hamfri Bogart bin.

aus dem Ungarischen übertragen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

The Old Walls

english | Zoë Skoulding

The wall is who we are and they are not and
            farther in the boundaries collapse in a rush of
            security as cells multiply and break through stone
translucent grit cracks the skin open to the elements
            we go down through layers and this is history
            a low door at the foot of the walls opens into starry
arches articulate as loin bones the slender joints
            lithe as a voice disappearing from behind the
            words behind the walls where water moves  
against deep tones of trees that cloud the air
            behind the smell of wet earth the voice leaves
            the shape of itself and the footprints of walkers
trace the shell of the city its dead words
            we crawled out of our words tender like snails
            and the new city grows from the loins of the old
as lichen spreads in acid maps invading and
            retreating the city runs along fingers runs along
            roads and wires and into fields and the sightlines
run back to the city in wires and the walls
            keep nothing out and the nothing beyond as a cloud
            of eyes moves through the streets and falls like rain

© Zoë Skoulding
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

Das alte Gemäuer

german

Diese Mauer ist was wir sind und was die nicht sind
   weiter drinnen kollabieren die Grenzen in einem Andrang von
   Sicherheit während Zellen sich vermehren und durch Stein stoßen
lichtdurchlässiger Split reißt die Haut auf öffnet sie den Elementen
   wir bewegen uns durch die Schichten nach unten und das ist Geschichte
   eine niedrige Tür am Fuß der Mauer die sich den gestirnten Bögen
öffnet verbindet wie Lendenknochen die schlanken Gelenke
   wendig wie eine Stimme die hinter den Worten
   verschwindet hinter den Mauern wo Wasser sich bewegt
gegen die tiefen Töne der Bäume die die Luft bewölken
   hinter dem Duft nasser Erde die Stimme verlässt
   ihre eigene Gestalt und die Fußspuren der Läufer
zeichnen die Außenform der Stadt nach ihre toten Worte
   wir krochen aus unseren Worten hervor zart wie Schnecken
   und die neue Stadt wächst aus den Lenden der alten
wie Flechten sich in sauren Landkarten ausbreiten eindringend und
   zurückweichend die Stadt verläuft entlang der Finger verläuft entlang
   der Straßen und Leitungen und in die Felder und die Sichtachsen
laufen zurück in die Stadt in Leitungen und die Mauern
   wehren nichts ab und das abgewehrte Nichts bewegt sich
   als Wolke aus Augen durch die Straßen und fällt wie Regen.

Übersetzung: Monika Rinck

Astrolaire

english | Zoë Skoulding

I walked in the garden
under planets and streetlights
          between streetlight and
 
          flower strung
                                   between elements
between the streets converging

a rose does not know
          it is a rose

the city
does not know it is a rose

the city opened

I unfolded myself
through lines of symmetry
 
                                  the  hidden
asterion star flower
punctured the dark
                                  life of

its root skeins stretched over sky
as satellites bloomed around
                                  the world

© Zoë Skoulding
from: Remains of a Future City
Wales, UK: Seren Books, 2008
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

Astrolarium

german

ich ging in dem garten
unter planeten und straßenlaternen
          zwischen straßenlaternen und

          blumen gespannt
                                              zwischen elementen
zwischen den sich annähernden straßen

weiß eine rose nicht
          dass sie eine rose ist

die stadt
weiß nicht dass sie eine rose ist

die stadt öffnete sich

ich entfaltete mich
durch symmetrische linien

                                              versteckt
asterion stern blume
punktierte das dunkle
                                               leben

seiner wurzelstränge himmlisch ausgespannt
wie der satelliten blühen rundum
                                              der erde

Übersetzung: Monika Rinck

Eső

hungarian | István Kemény

De büszke lennék erre az esőre,
hogyha az apám élne még!
Mutatnám neki, nézd, Apu,
tényleg nincs úgy látszik semmi új,
itt van például ez az eső,
olyan, amilyennek lennie kell,
ugye, hogy nincs rá egy rossz szavad?
Bármelyik régi esővel fölveszi a versenyt!

És hogy a lóláb ki ne lógjon,
úgy tennék, mint aki mérgelődik,
hogy az új eső nem korszerűbb
mint azok a régi nagy esők,
amiket ő szokott emlegetni,
én pedig hittem is, nem is,
és most látnám be érett fejjel, hogy
neki volt igaza, a fenébe!, megint.

Mérgelődnék, ő gyanakodna:
ravaszkodom, hogy hadd örüljön,
de erre bátran a szemébe néznék,
és hagynám, hogy lásson rajtam át,
elemezze vagy szedje is szét
és rakja össze a lelkemet, míg
megértené, hogy őszinte voltam,
és akkor talán megnyugodna.
Ő büszke lenne a régi esőkre,
én büszke lennék az új esőkre,
egymás esőit pedig szeretnénk nagyon.

Pedig becsapnám mindkettőnket,
mert bizony mindig is attól féltem,
hogy az új esők vizesebbek,
erősebbek és aljasabbak,
például itt ez a mostani:
nem állt el még, mióta élek,
gyűlik, gyűlik a föld alatt, és
majd előbugyog egy szép napon,

de hiába tudom ezt előre,
úgy fogok járni a vízözönnel,
mint az a cinikus, vén király,
vagy egy munkaképtelen Noé:
a kisujjamat se mozdítom,
hanem ugyanúgy mint apám
felelőtlenül meghalok.

© István Kemény
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

Regen - Für alle Bärenforscher dieser Welt -

german

Wenn mein Vater noch lebte,
wie stolz wäre ich dann auf diesen Regen!
Ich würde auf den Regen zeigen, schau, Vater,
offenbar gibt es wirklich nichts Neues,
nehmen wir zum Bespiel diesen Regen,
er ist, wie er sein soll,
auch du hättest nichts an ihm auszusetzen, nicht wahr?
Er könnte es mit jedem alten Regen aufnehmen!

Und damit es nicht so ins Auge fällt,
täte ich so als sei ich verärgert darüber,
dass der neue Regen nicht fortschrittlicher ist
als die großen alten Regen,
über die er mir immer erzählte,
und ich glaubte ihm, dann wieder nicht,
um jetzt, so viel später, einzusehen,
dass er Recht hatte, Verdammt!, selbst dieses Mal.

Ich also verärgert, er misstraut mir:
Oft war ich listig, damit er sich freut,
diesmal aber schaue ich ihm tapfer in die Augen,
und lasse zu, dass er mich durchschaut,
mich analysiert, mehr noch, meine Seele
auseinander nimmt und wieder zusammenlegt,
bis er versteht, dass ich aufrichtig war
und sich dann womöglich beruhigt.
Er wäre stolz auf die alten Regen,
ich wäre stolz auf die neuen Regen,
und den Regen des anderen liebten wir sehr.

Dabei wäre das alles nur gelogen,
weil ich schon immer die Befürchtung hatte,
dass die neuen Regen viel nasser sind,
stärker und niederträchtiger,
nehmen wir zum Beispiel diesen hier:
Seit ich auf der Welt bin, hört er nicht auf,
er sammelt und sammelt sich unter der Erde, und
eines schönen Tages kommt er hervorgequollen,

aber es hilft mir nicht, dass ich es vorher schon wusste,
mir wird es mit der Sintflut nicht anders ergehen
wie dem zynischen, alten König,
oder dem arbeitsunfähigen Noah:
Ich werde keinen Finger rühren
sondern wie mein Vater, verantwortungslos,
werde ich dann einfach nur sterben.

Aus dem Ungarischen von Monika Rinck und Orsolya Kalász

A Kossuth téren

hungarian | István Kemény

A nő, aki köpött a Parlamentre,
olyan volt, mint a jóslatokban.
Kis műszőr gallér, piaszag,
és ahogy beszélt, károgás.
Elindultam szép hazámból,
híres kis Magyarországból.
Nem mondott semmi többet,
ez hangzott úgy, mintha hányna.
Bűzlött szegény a gyűlölettől.
Te megmondtad, hogy ilyenek ezek,
de tévedsz, szívem, én mondtam meg,
és sokkal előbb, hogy el fog jönni,
és éppen ilyen lesz, hogy gyűlölhessed,
hogy megvethessed könnyen és olcsón,
hogy hozzájuthass késztermékként,
és félhess tőle kényelmesen.
Az anyád lehetne, mégis te vagy
a bűnös abban, hogy megjött és ilyen.
Én mosom kezeim, de mocsokban, vérben -
már nem leszünk tiszták, se te, se én.

© István Kemény
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

Auf dem Kossuth Platz

german


Die Frau, die auf das Parlament spuckte,
war der in den Prophezeiungen gleich.
Schmaler Kunstfellkragen, Alkoholfahne,
und wenn sie sprach, war es ein Krächzen.
Meiner süßen Heimat kehrte ich den Rücken
zurück ließ ich in Budapest die schönsten Brücken.
Das war alles, was sie sagte,
und das klang genau so, als würde sie kotzen.
Die Ärmste, ihr Hass war meilenweit zu riechen.
Du hast es ja vorausgesagt, was das für Leute wären,

aber, Liebes, du irrst dich, ich war es, der es vorausgesagt hat,
und schon viel früher, dass es so weit kommen würde,
und sie genau so sein werden, damit du sie hassen
und ganz einfach und nicht teuer verachten kannst,
dass du das als Fertigprodukt kriegen
und sehr komfortabel fürchten kannst.
Die Frau könnte deine Mutter sein und doch bist du
Schuld daran, dass sie jetzt hier und so ist, wie sie ist.
Ich wasche meine Hände, aber im Dreck, in Blut -
wir werden nie mehr unschuldig sein, weder du, noch ich.

Aus dem Ungarischen von Monika Rinck und Orsolya Kalász

Lecke

hungarian | István Kemény

Az ostobákkal pedig úgy kell bánni,
hogy felnősz velük, és nem gondolod,
hogy ostobák, mert csak egy család van,
szereted őket és simogatod,
és amit mondanak, szentírás lesz,
és lefekvés után mondogatod,
és ha megbüntetnek, befogod a szádat,
és nem veszed észre, ha nem boldogok,
és tudod előre, hogy Neked beszélek,
édes gyerekem! – ezt megkapod,
hogy Világnézetre szüksége van egy
kultúrembernek! – ezt felfogod,
és ha felnősz, majd kellő alázattal,
hogy ostobák neveltek, gondolhatod,
de akármit gondolsz róluk, halálig
szereted őket és simogatod,
és ha zsidóznak, illő tisztelettel
a tények alapján kijavítod,
és ha embert ölnének, ismerve őket,
azt évekkel előre zsigerből tudod,
és egy könnyű viccel, vagy egy halk neölj-jel
a jó pillanatban megállítod,
és azt, hogy valaki más bántsa őket
rajtad kívül, azt nem hagyod,
egyrészt azért, mert szereted őket,
másrészt azért, mert így a jobb,
és ha majd a lányod ostobáz le téged,
eszedbe se jut, hogy felpofozd.
Ha így lesz, szívem, egy új életedben
már semmitől sem kell tartanod.

© István Kemény
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

Lektion

german

Und mit den Idioten muss man folgendermaßen umgehen:
sieh zu, dass du mit ihnen erwachsen wirst und nicht denkst
dass sie Idioten sind, denn es gibt nur eine Familie,
du liebst sie, du streichelst sie,
und was sie sagen, ist dir Gesetz,
und vor dem Einschlafen wiederholst du es,
und wenn sie dich bestrafen, hältst du den Mund,
und auf keinen Fall fällt dir auf, dass sie nicht glücklich sind,
und du weißt im voraus, wenn: Ich rede zu dir,
mein liebes Kind! dann kriegst du noch:
Zivilisierte Menschen verfügen über
eine Weltanschauung! - dann begreifst du es,
und wenn du dann erwachsen bist, darfst du mit gebührender Demut
denken, dass dich idiotische Menschen erzogen haben,
aber was du auch über sie denkst, du liebst sie,
bis zum letzten Atemzug und streichelst sie,
und wenn sie Juden beschimpfen, korrigierst du sie
mit gebührendem Respekt, auf dem Boden der Tatsachen
und hätten sie vor, einen Menschen zu töten, würdest du das,
weil du sie auswendig kennst, Jahre zuvor wissen,
und mit einem leichten Scherz oder einem leisen: "Du sollst nicht töten!"
würdest du im rechten Moment einschreiten,
aber du würdest nie zulassen,
dass jemand, außer dir, sie verletzt,
einerseits, weil du sie liebst,
anderseits, weil es für alle besser ist
und wenn deine Tochter zu einem Idioten erklärt,
wird dir nicht mal im Traum einfallen, ihr eine zu kleben.
Wenn es so sein wird, Liebes, in deinem neuen Leben,
brauchst du dir keine Sorgen mehr zu machen.

Aus dem Ungarischen von Monika Rinck und Orsolya Kalász

Remember the Cogito

english | Eugene Ostashevsky

Now the Lord God said to DJ Spinoza,
      Baruch, are you there?

And DJ Spinoza replied to the Lord God,
      Here I am!

God:    Baruch, how about you be my mirror?

DJ:      Mirror? But God spelled backwards reads dog!

God:    Don’t be so literal.
             Tell me something nice
             about myself, tell me I exist.

DJ:      You exist.

God:    No, say it like you mean it.

DJ:      Why are you so needy today? Is everything alright?

God:    I was just thinking: If I really am Absolutely Transcendent, then I                         don’t exist at all, do I?

DJ:      But, Lord, remember the cogito: If you think you don’t exist, you
             exist!

God:    Yeah, I guess so.

                                                                  (Silence.)

Now the Lord God said to DJ Spinoza,
      Baruch!

And DJ Spinoza replied to the Lord God,
      Here I am!

God:    Are you sure? I mean, your argument, it’s not just verbal, is it? Does it                  really apply?

DJ:      Inasmuch as anything applies.

God:    But nothing really applies. Does the word dog apply to dogs? Ask                           yourself that.

DJ:      Does the word dog apply to dogs?

God:    Nu?

DJ:      I can’t tell. Shall we test it? (DJ Spinoza walks over to Yasha.) Yasha!                  Yasha! (Yasha wakes up.) Yasha, dog! Dog, Yasha! Dog, Yasha, dog!                    (Yasha stares incomprehendingly.)

God:    You see?

© Eugene Ostashevsky
from: The Life and Opinions of DJ Spinoza
Ugly Duckling Presse, 2008
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

Denk an das Cogito

german

So sprach Gott der Herr zu DJ Spinoza,
      Baruch, bist du da?

Und DJ Spinoza sagte zu Gott dem Herrn,
      Ich bin hier!

GOD:  Baruch, was hältst'n davon, mein Spiegel zu sein?

DJ:      Spiegel? Aber GOD rückwärts gelesen ist DOG!

GOD:  Sei nicht so wortwörtlich.
              Sag mit was Nettes
              über mich, sag mir, daß ich existiere.

DJ:      Du existiert.

GOD:  Nein, sag es mit Überzeugung.

DJ:      Warum bist du denn so bedürftig heut? Ist alles in Ordnung?

GOD:  Ich dachte nur gerade: Wenn ich wirklich Absolut Transzendent bin,
              dann existiere ich überhaupt nicht, oder?

DJ:      Aber Herr, denk an das Cogito: Wenn du glaubst, nicht zu
              existieren, existierst du.

GOD:  Ja, kann sein.

                                                                  Silence

So sprach Gott der Herr zu DJ Spinoza,
      Baruch!

Und DJ Spinoza antwortete Gott dem Herrn,
      Ich bin hier!

GOD:  Bist du sicher? Ich meine, ist dein Argument nicht einfach
             nur sprachlich? Trifft es wirklich zu?

DJ:      Etwa so, wie alles zutrifft.

GOD:  Aber nichts trifft wirklich zu. Trifft das Wort Hund auf Hunde zu? Das               frag dich mal.

DJ:      Trifft das Wort Hund auf Hunde zu?

GOD:  Nu?

DJ:      Kann ich nicht sagen. Sollen wir's ausprobieren? (DJ Spinoza geht zu
             Yasha)Yasha! Yasha! (Yasha wacht auf.) Yasha, Hund! Hund, Yasha!
             Hund, Yasha, Hund! (Yasha starrt ihn verständnislos an.)

GOD:  Siehste?

Aus dem Englischen von Monika Rinck

DJ Spinoza Fights the Begriffon

english | Eugene Ostashevsky

The Begriffon
is something out of Geistesgeschichte

but then so is DJ Spinoza
They gather

in an obscure region of the Little Magellan Cloud
on a rock abandoned by Mr. Clam

The Begriffon looks like

(xˆ2 / aˆ2) - (yˆ2 / bˆ2) = 1

His eyes may be mistaken 

for his nose

He can’t stand
lying

The front of his T-shirt says
I AM AMBIVALENT

The back of his T-shirt says
I AM NOT AMBIVALENT

When he gets irascible
he is not very erasable

because he has 2.7 • 105 claws
but he’s mislaid his one pair of clippers!

DJ Spinoza is misleadingly cuddly
His instructions say, HANDLE WITH CARE

On a periodic table
he lays out his definitions
                         axioms
                         propositions
like dentist’s tools before drilling a cavity

And then they begin to fight!

The Begriffon shows the DJ three fingers
but the DJ shows the Begriffon four fingers

The Begriffon makes a face
but the DJ already has one

DJ Spinoza picks up a fiddle
and plays the Ditty of the Excluded Middle

The Begriffon stiffens his feet and hands
and cries, I won’t dance,

merci beaucoup!
De rien, says DJ Spinoza

The Begriffon flies at him with a shriek
of whaddayamean’s (cause the DJ can’t stand ‘em)

but the DJ replies with a double drop-kick
and follows it up with a quod erat demonstrandum

The Begriffon folds like a memorandum
Has he lost the will to fight?!
Find out in the second half of this poem!


THE SECOND HALF OF THIS POEM

DJ Spinoza towers over the rock
The Begriffon takes a walk around the mental block

DJ Spinoza swings a chain
of syllogisms

The Begriffon objects
to the absence of symbolism

and then—like a matching-funds grant application –-
challenges the foundation

He puts his best foot forward and says:

Listen DJ Spinoza I had enough of your logocentrism
Words are justifications only

Only physical power
adjudicates the quizzical hour

Only the fist
differentiates between resist and desist

Have you ever seen giraffes
hold a symposium?

The consciousness of animals is pure time
untrammeled by the vagaries of Sic probo

Let us meet man to man
in the style of the whooping crane

or the praying mantis
Let us dismiss words

in toto
as the unionized janitors of reality!

DJ Spinoza replies

Listen you, чудо-юдо заморский Begriffon
I don’t care for your praying mantis
                          your whooping crane
                          eagle or monkey

For I shall kick your arse
                               with the only style I know
                               a style unabashedly virile
                               in its simplicity

I shall do it
more geometrico!

wha
huang
boomsie
loop

The Begriffon stands for me, Eugene Ostashevsky
so naturally he is victorious

© Eugene Ostashevsky
from: The Life and Opinions of DJ Spinoza
Ugly Duckling Presse, 2008
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

DJ Spinoza kämpft mit dem Begriffon

german

Der Begriffon
ist etwas das der Geistesgeschichte entstammt

aber das gilt auch für DJ Spinoza
Sie treffen sich

in einer obskuren Gegend der Kleinen Maggellanwolke
auf einem von Mister Mupfel verlassenen Felsen

Der Begriffon sieht aus wie

x2 y2
-- – -- = 1
a2 b2

Man kann seine Augen
für seine Nase halten

Standhaft
kann er nicht lügen

Vorne auf seinem T-Shirt steht
ICH BIN AMBIVALENT

Hinten auf seinem T-Shirt steht
ICH BIN NICHT AMBIVALENT

Gerät er in Jähzorn
gibt’s kaum eine Löschnorm

denn er besitzt 2,7 x 10 hoch 5 Klauen
aber kann seine einzige Schere nicht finden!

DJ Spinoza ist irreführenderweise knuffig
In der Anleitung steht: MIT VORSICHT ZU HANDHABEN

Auf einem Periodensystem
breitet er seine Definitionen
                         Axiome
                          Propositionen
aus wie ein Zahnarzt die Instrumente vorm Löcherbohren

Und dann beginnen sie zu kämpfen!

Der Begriffon zeigt dem DJ drei Finger
Aber der DJ zeigt dem Begriffon vier Finger

Der Begriffon zieht ein Gesicht
aber der DJ hat schon eines

DJ Spinoza hat sich eine Fiedel gegriffen
und spielt das Liedchen vom ausgeschlossenen Dritten

Des Begriffons Füße und Hände versteifen sich
und er schreit: Ich tanze nicht,

merci beaucoup!
De rien, sagt DJ Spinoza.

Der Begriffon fliegt ihm Wassolldasheißen-quiekend
entgegen (denn das kann der DJ nicht ab, du)

doch des DJs Antwort ein doppeltes Drop-Kicken
gefolgt von einem quod erat demsonstrandum

Der Begriffon faltet sich ein wie ein Memorandum
Hat er seinen Kampfwillen verloren?!
Das erfahren Sie in der zweiten Hälfte dieses Gedichts!

DIE ZWEITE HÄLFTE DIESES GEDICHTS

DJ Spinoza – über einem Felsen aufragend
Der Begriffon spaziert um die mentalen Blockaden

DJ Spinoza schwingt eine Kette
von Syllogismen

Der Begriffon beanstandet
den Mangel an Symbolismen

und dann – wie bei Unterstützung in Höhe der Drittmittelanwerbung –
fordert er die Stiftung heraus

Den besten seiner Füße vorneweg sagt er:

Hör zu, DJ Spinoza, ich hab genug von deinen Logozentrismen
Worte sind nichts als Rechtfertigungen

Nur körperliche Macht
hat in der fragenden Stunde Entscheidung gebracht

Nur die Faust
trennt Standhalten von Einfalten

Hast du jemals ein Symposion
von Giraffen erlebt?

Das tierische Bewußtsein ist reine Zeit
nicht den Launen des Sic probo unterworfen

Laßt uns treffen Mann zu Mann
wie es der Schreikranich kann

oder die Gottesanbeterin
Laß uns die Worte zur Gänze entlassen

in toto
wie die gewerkschaftlich organisierten Wirklichkeitsportiers!

DJ Spinoza antwortet:

Hör zu, du чудо-юдо заморский Begriffon
Deine Gottesanbeterin
              dein Schreikranich, Adler oder Affe
              sind mir egal

Denn ich werde dir mit dem einzigen
              Stil, den ich kenne
              in den Arsch treten, ein Stil, unverfroren
              viril in seiner Einfachheit

I werde es tun
more geometrico!

aa
huwäng
bummsie
Schlauf

Der Begriffon steht für mich, Eugene Ostashevsky
darum ist er natürlich siegreich

Aus dem Englischen von Monika Rinck

Koncert Helsinkiben

hungarian | Zoltán Csehy

Nincs vége ott és akkor,
a szünet éppúgy része:
ahogy kiválasztod az italt (pezsgő),
a mignont,
andalogsz a hatalmas asztal mellett,
üvegpalotában,
selyemruhák, gyöngysorok közt,
és kibámulsz a sirályokra,
csak te tudod, mikor törik át az üveget,
mikor költöznek be a hangszerekbe,
az egyik a kürtbe, a másik a trombitába,
páran a lakatlan dobba,
gyengéd szárnyuk miként emeli a basszust,
ügyetlen lábuk hogy lép a zongorán,
míg a szellős terem tollal lesz tele,
az akusztika az
elhalkulás felé vesz irányt,
csak ülsz és kitartóan nézed a madarakat,
végül is, te csaltad ide őket,
és most
telibe látod, ahogy
a legkisebbet
a hárfahúrok közt
halálos áramütés éri.

© Zoltán Csehy

Konzert in Helsinki

german

Weder hier noch in diesem Moment ist es vorbei,
die Pause ist Teil des Ganzen:
Wie Du dein Getränk auswählst (Sekt),
einen Petit Four,
wie du entlang eines riesigen Tisches schlenderst
in diesem Glaspalast,
inmitten der Seidenroben und Perlenketten
und die Möwen draußen beobachtest,
und nur du weißt, wann sie die Scheiben durchbrechen,
wann sie sich in die Instrumente einnisten,
die eine in das Horn, die andere in die Trompete,
ein paar von ihnen in die unbewohnte Pauke,
wie ihre zarten Flügel den Kontrabass lüften,
ihre ungeschickten Füße über den Flügel stolpern,
bis der ganze Saal sich mit Federn füllt,
die Akustik geht in Richtung
Verstummen,
du sitzt nur da und ausdauernd schaust du den Vögeln zu,
letztendlich hast du sie hierher gelockt,
und jetzt
siehst du sowas von wie
die Kleinste zwischen den Saiten der Harfe
einen tödlicher Stromschlag erleidet.

Übersetzt von Orsolya Kalász und Monika Rinck

Úszó

hungarian | Zoltán Csehy

Fél arca van,
orra alatti csak,
orrig semmi, vagy bármi, amit odaképzelsz
vagy visszaraksz 1983-ba,
(fehér vagy ezüst keret, fa asztallap, pergetett homok)
és én valósággal szégyenkezem kiegészíthetetlensége miatt.
Talán most is Narkisszosz ereszkedett
visszhangtalan önmagába,
és végre megtapasztalhatta a mozgás
sarjadását, a szó (az ekhó) sorvadását.
Nem, a medencébe így nem mehet vissza,
csonkolt tizedtesttel,
több mint húsz év múlva,
kartalan, úszósapka és szemüveg nélkül,
lúdbőrözötten, lányos-szőrtelen.

Szinte meztelen.
Épphogy túlöltözött,
a bőre alá öltözött,
tarka, sokféle ruhában úszott idáig,
hogy csak arca felét láthassuk, négy fogat,
sima, bölcsen osztott állat,
mintha lósörénytincs lenne, a haját,
az izmos nyakat és rajta a tapadós, hátracsúszott láncot,
ahogy
visszaúszik a lapba, 1983-ba,
a krétapapír fekete-fehér alaposságába,
az album hullámverése
körüli csönd aránytalanságaiba.

Az úszó mindig léte legelején tart,
Narkisszosz se létezett magzatvíz nélkül,
a víz hívja elő belőle a kort,
1983-ban és örökkön örökké,
s úgy lesz önmaga,
ahogy a tajték megél a vízen.

© Zoltán Csehy

Der Schwimmer

german

Nur ein halbes Gesicht,
nur unterhalb der Nase,
bis zur Nase nichts oder was immer du dir vorstellst
oder zurück ins Jahr 1983 verlegst
(weißer oder silberner Rahmen, Tischplatte aus Holz, rieselnder Sand),
und ich schäme mich förmlich wegen seiner Unergänzbarkeit.
Vielleicht ist auch diesmal Narkissos
in sein echoloses Ich eingetaucht
und endlich erfuhr er, wie Bewegungen
sich fortsetzten, wie das Echo versiegte.
Nein, ins Becken kann er so nicht zurück,
mit seinem verstümmelten Zehntelkörper,
mehr als zwanzig Jahre später,
ohne Arme, ohne Schwimmbrille, Badekappe,
mit Gänsehaut, mädchenhaft unbehaart.

Fast nackt.
Gerade noch overdressed
in seine Haut geschlüpft
schwamm er früher in bunten, in so unterschiedlichen Hosen,
damit wir nur die Hälfte seines Gesichts sehen, vier Zähne,
das glatte weise geteilte Kinn,
seine Haare, wie eine Strähne aus einem Pferdeschweif,
seinen muskulöser Hals, und auf ihm haftet die nach hinten gerutschte Kette
wie
er zurückschwimmt auf die Seite ins Jahr 1983
in die Gründlichkeit des schwarzweißen Kreidepapiers
in das Missverhältnis der Stille, die den Wellenschlag des Albums umgibt.

Der Schwimmer ist immer am Anfang seines Seins,
auch Narkissos verdankt seine Existenz dem Fruchtwasser,
das Wasser entlockt ihm sein Alter,
im Jahr 1983 und für alle Ewigkeit,
und so kommt er zu sich selbst
wie Schaum, der auf dem Wasser lebt.

Übersetzt von Orsolya Kalász und Monika Rinck

A perzsa freskófestő

hungarian | Zoltán Csehy

Amit nem rajzolt, nincs is.
Ha mégis lenne, merő csalás.
Meg hát ki érné utol a görögöket!
S ha mégis, itt más a szokás,
s kivetnek, ha nem követed.

Ahogy keze végigsöpör a falon,
s még a freskón innen játszik a porral,
nincs annál festőibb mozdulat.
A kompozíció! Ugyan!
Attól lesz, hogy imitál, idéz,
s görögsége ha kissé perzsa lesz,
ártani nem árt, s ha idegenebb,
teljességgel érthető.

Őt, őt festi föl, azért majd tódít picit,
kissé szebb lesz az arca, s majd diszkrét árnyalásba
rejti azt a kis forradást (mint ahogy Athénban tanulta).
Ajka ívét harmonizálja Pheidiasz módján
s a jón mesterek szerint.

Hajfürtje, fejformája, alakja marad a régi.
Vagyis a tapasztalás emlékéé.
Vagy ismerjük el, végeredményben
a képzeleté.

Már nem vágyik vissza,
csak olykor hiszi, hogy ott van,
eladják valahol, s megveszik valakik,
aztán az a szégyenletesen heves vágy,
mely csak göröghöz méltó.

Kell arany, sok és több,
alá cinóber s a babérhoz olivazöld,
meg ezüst, persze,
a perzsákat elbűvöli az ilyesmi.

A ruhája legyen inkább görög.

Aztán mellkasán, az az ostoba heg,
(a kés nyoma)
ahol egyesül emlék s képzelet.

© Zoltán Csehy

Der persische Freskenmaler

german

Was er nicht zeichnete, wird es nicht geben.
Wenn doch, wäre es glatter Betrug.
Und wer vermag schon den Griechen gleichen!
Und wenn doch, hier herrschen andere Regeln,
und verstoßen wirst du, wenn du sie brichst.

Wie seine Hand über die Wand streicht,
noch vor dem Fresko mit dem Pulver spielt,
keine Bewegung könnte malerischer sein.
Komposition! Ach was!
entsteht durch Imitation, Zitat
und sein Griechentum, sei es auch etwas persisch,
schaden kann es nicht, und sei es auch fremd,
so ist es doch vollkommen klar.

Ihn, ihn wird er malen, ein wenig übertrieben schon,
sein Gesicht verschönern, die kleine Narbe in eine diskrete
Schattierung hüllen (wie er es in Athen gelernt hat).
Die Konturen der Lippen harmonisieren nach Phidias
und den Meistern der Ionier.

Die Locken, der Kopf bleiben unverändert.
Die Erinnerung an die Erfahrung selbst.
Oder, wenn wir ehrlich sind, eigentlich
an die Phantasie.

Er sehnt sich nicht mehr zurück,
nur ab und zu glaubt er, dort zu sein,
irgendwo zum Kauf angeboten, von irgendwem gekauft,
dann die beschämend heftige Begierde,
die nur einem Griechen Ehre macht.

Man braucht Gold, viel und noch mehr
wie Zinnober und Olivengrün für die Lorbeeren
und Silber natürlich,
all dies wird die Perser verzaubern.

Sein Kleid sei eher griechisch.

Dann noch diese dumme Narbe,
(die Spur eines Messers),
wo Erinnerung und Phantasie sich vereinen.

Übersetzt von Orsolya Kalász und Monika Rinck

August in Edinburgh

english | Alan Gillis

Not a cloud in the sky and it’s raining.
It’s the brusqueness of things,
and the drag of things, that hurts.
The most beautiful woman in the world
is in Edinburgh, at the festival.
She looks me in the eye and says please
move I’m trying to look at the artworks.

My doctor says the heart works
but don’t push it. I hear music,
long familiar songs, everywhere I go.
Pain is in the mind, someone tells Leonardo
DiCaprio in Shutter Island. Everyone
is rushing but the crowd moves slow.
Leonardo can’t get his head around it.

A man in costume shouts we’ve sold out here
holding his hat out for money and rain.
The mind is an island and everyone
is beautiful, looking for something new
again. But the heart feels cold.
My son sticks my phone charger in his ear
and says I’ve got an electric brain.

I’ve been streaming old LPs I never thought
I’d hear again, never thinking the old songs
would not work, trying not to work the brain,
trying not to rise to the bait when that long
familiar voice rises from the damp and dismal
crowd, once again, to say hey, if we all think
hard enough, maybe we can stop this rain.

© Alan Gillis und The Gallery Press
from: Unpublished
The Gellery Press,
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

August in Edinburgh

german

Nicht eine Wolke am Himmel und es regnet
Was schmerzt, ist die Schroffheit der Dinge,
und wie sie sich dahinschleppen.
Die schönste Frau der Welt
ist in Edinburgh, beim Festival.
Sie schaut mir in die Augen, sagt, bitte, gehn Sie
zur Seite, ich möchte mir die Kunstwerke ansehen.

Mein Doktor sagt, das Herz funktioniert,
aber ich solls nicht übertreiben. Ich höre Musik,
lang vertraute Lieder, wo immer ich hingehe.
Schmerz findet im Kopf statt, sagt jemand zu
Leonardo Di Caprio in "Shutter Island". Alle
rennen, aber die Menge bewegt sich langsam.
Leonardo kriegt das nicht in seinen Kopf hinein.

Ein Mann im Kostüm schreit: Wir sind ausverkauft hier.
Hält seinen Hut heraus, für Geld und für Regen.
Der Kopf ist eine Insel und ein jeder
ist schön, der sich wieder nach etwas
Neuem umschaut. Aber dem Herzen ist kalt.
Mein Sohn steckt sich das Telefonladegerät ins Ohr
und sagt: Ich habe ein elektrisches Gehirn.

Ich habe alte LPs laufen lassen, von denen ich nicht
dachte, sie je wieder zu hören, nicht dass die alten Lieder
nicht funktionierten, das Gehirn durcharbeiten wollten,
besser nicht nach dem Köder schnappen, wenn diese
lang vertraute Stimme sich aus der klammen und trüben
Masse löst, nochmal, um zu sagen: Hey, wenn wir uns alle
total konzentrieren, könnten wir den Regen wohl beenden.

Übersetzt von Monika Rinck

Approaching Your Two Thousand Three Hundred and Thirty-third Night : IV

english | Alan Gillis

Little head, tired arms, speedy mind,
let yourself flow with the thrum of the engine.
Driving through the warpled night we can find
our way home, and then worry about heaven.
If there is a heaven it is chained to the earth
like flight to the air, a mirror to light,
air to the ground, rigor mortis to birth.
And if you could look down from the height
of heaven you would see us as loose grains
of rice, or sand, scattered and small
crisscrossed scars on the face of the earth.
We’ve been sifted through an impassable wall
we will pass through twice. That is all.
You ask what we are for? I’d say imagine.

© Alan Gillis und The Gallery Press
from: Here Comes the Night
The Gellery Press, 2010
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

Auf deine zweitausend dreihundert und drei und dreißigste Nacht zu : IV

german

Kleiner Kopf, müde Arme, flinker Geist,
auf dem Surren des Motors lass dich treiben.
Durch die verzerrte Nacht können wir unsern Weg
nachhause finden und uns dann um den Himmel sorgen.
Wenn es einen Himmel gibt, ist er an die Erde gekettet,
wie Flug an die Luft, ein Spiegel ans Licht,
Luft an den Grund, Leichenstarre an die Geburt.
Und wenn du hinabschauen könntest von der Höhe
des Himmels, sähest du uns als lose Reiskörner
oder als Sand, verstreute und winzig kleine
kreuzförmige Narben auf dem Gesicht der Erde.
Wir wurden durch eine unpassierbare Wand gesiebt
die wir zwei Mal durchqueren werden. Das ist alles.
Du fragst, wofür sind wir? Ich würde sagen: Stell dir was vor.

Übersetzt von Monika Rinck

In Whose Blent Air All Our Compulsions Meet : XII

english | Alan Gillis

We take the air, it has no surface, it has no depth;
but the air won’t cease to put another crease
upon your changing face, in the corner
of your eye. As our cindertrack turns to twitch grass
and the pixel-rich sky thrums, we reach our tree
while an aeroplane cuts the mustard of the sun
in the song-stained air. With mayflies jigging:
this is your life. May bugs buzzing: no real
harm done. Ferns and leaves dancing. And your dress
is burnt sienna, you breathe the shade’s perfume;
a wren breaks free, your face lights up—a may-apple
in bloom, or an open book. With shadows twitching:
look, everything’s moving. Raw earth turning:
you’re not dead yet. The livid air laughing.

© Alan Gillis und The Gallery Press
from: Here Comes the Night
The Gellery Press, 2010
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

In dessen Mischluft all unsere Zwänge sich treffen : XII

german

Wir schnappen Luft, die keine Oberfläche, keine Tiefe hat
doch wird die Luft nicht innehalten, deinem sich wandelnden
Gesicht neue Falten einzuprägen, in deinem Augen-
winkel. Als unsere Aschenbahn in die Quecken führt
und hochaufgelöst der Himmel surrt, erreichen wir unsern Baum
während ein Flugzeug durch den Senf der Sonne schlitzt
in der liedverschmierten Luft. Mit herumhüpfenden Eintagsfliegen:
Das ist dein Leben. Maikäfer brummen: kein echtes
Leid geschehn. Farne und Blätter tanzen. Und dein Kleid
in gebranntem Sienna, du atmest den Duft der Schatten;
ein Zaunkönig bricht los, dein Gesicht hellt sich auf – ein Maiapfel
in voller Blüte oder ein offenes Buch. Mit zuckenden Schatten:
Schau, alles bewegt sich. Rohe Erde dreht sich:
Du bist noch nicht tot. Die fahle Luft am Lachen.

Übersetzt von Monika Rinck

In Whose Blent Air All Our Compulsions Meet : II

english | Alan Gillis

How the mind drifts, as we mosey along
through brief nights and long walks in public
parks or by shorelines, by the riverside’s
crinkled ferns and fronds, traipsing past
hawksbeard and hawthorn, the brambled
hedge-banks of the cindertrack; how the mind,
as the melony sunblaze spangs bangles
over windlebrooke and witch-hazel that waggles
and sways while the breeze blows wild garlic
and you pull your hair back to the music
of the moment; how the mind plays away
and other times and places take shape and surface,
fuse and fester in your mind’s shifting frame
you chase through again, and again, and again.

© Alan Gillis und The Gallery Press
from: Here Comes the Night
The Gellery Press, 2010
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

In dessen Mischluft all unsere Zwänge sich treffen : II

german

Wie das Bewusstsein driftet, wenn wir durch kurze Nächte
und über lange Wege in öffentlichen Parkanlagen schlendern
oder an der Küste entlang, am Flussufer mit seinen
knittrigen Farnen und Wedeln vorbei, an Pippau und
Weißdorn entlang bummelnd, die brombeerigen  
Wallhecken der Aschenbahn; wie das Bewusstsein
wenn das melonige Sonnenlodern Schmucklilien
mit Spangen besprenkelt und die Zaubernuss wackelt
und schwingt während eine Brise wilden Knoblauch herbeiweht
und du ziehst dein Haar zurück nach der Musik
des Augenblicks; wie das Bewusstsein sich vertändelt
und andre Zeiten und Orte nehmen Form an und Fläche,
verschmelzen und verfaulen im bewegten Rahmen deines Bewusstseins.
den du immer wieder durchjagst, und wieder, und wieder.

Übersetzt von Monika Rinck

Death by Preventable Poverty

english | Alan Gillis

Three seconds passed, another one dead,
I walked past violets and wind-flowers,
cowbind, eglantine, moonlight-coloured may
and ivy serpentine snaking as I railed
after the epiphanies were over,
reeled among white cups and clover,
flag flowers, riverbuds awaiting the hail
that will hail on oxslips, bluebells looking to stay
the west-blown cyclone, these galled hours
and phantoms, children, flustered in my head,
yellow, and black, and pale, and red.

© Alan Gillis und The Gallery Press
from: Hawks and Doves
The Gellery Press, 2007
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

Tod durch vermeidbare Armut

german

Drei Sekunden später, wieder ein Toter,
ich ging an Veilchen und Windröschen vorbei,
Zaunrüben, Weinrosen, mondlicht-farbener Mai
und Efeu-Serpentinen schlängelten sich, als ich fluchte
nachdem die Epiphanien ans Ende kamen,
taumelte zwischen Weißbecher und Klee,
Flaggenblumen, Flussknospen, die den Hagel erwarten,
der auf Schlüsselblumen fallen wird, Glockenblumen mit der Absicht den
vom Westen wehenden Sturm durchzustehn, diese gereizten Stunden
und Geister, Kinder durcheinander in meinem Kopf,
gelb und schwarz und blass und rot.

Übersetzt von Monika Rinck

A Blueprint For Survival

english | Alan Gillis

I don’t know you, you don’t know me,
but if we want to carry on we need
to make like mountaineers who tie themselves
together to survive their clunt and grapple
up jagged peaks that shoot through clouds
into the shocked and haloed air.
If the weakest slows, the strongest grows
responsible, much like when you were born:
hot and bothered, you heard bad bongos
and withdrew your raw body from the verge;
so they took up the slack as you dandled
at the wrong end of your string, puffing
and wedging and pulling you back
to teeter and totter on this edge.

© Alan Gillis und The Gallery Press
from: Hawks and Doves
The Gellery Press, 2007
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

Eine Blaupause fürs Überleben

german

Ich kenne dich nicht, du kennst mich nicht,
aber wenn wir weitermachen wollen, müssen wir
vorgehen wie Bergsteiger die sich
aneinander binden um zu überleben und sich
schartige in die Wolken ragende Gipfel hochkämpfen
in die geschockte und Heiligenschein helle Luft.
Wenn der Schwächste zurückfällt, ist der Stärkste
in der Verantwortung, genau wie bei deiner Geburt:
heiß und gestört hörtest du blöde Bongos
und zogst deinen rauen Körper vom Rand zurück;
also nahmen sie das lose Ende, du schaukeltest
am falschen Ende deiner Schnur, keuchend
und keilend und dich wieder einholend,
um an der Kante zu wanken und zu schwanken.

Übersetzt von Monika Rinck

Morning Emerges out of Music

english | Alan Gillis

We dip, drop and dovetail in a cabaret
with crushed daiquiris and spellbound
maracas clippety-clapping the way
words click together and channel their sound
to a gorge-drop, a doorway, the sky-top’s
blue veil. But then alarm bells ring, the music stops
and I wake to a fade-out, an aftersound
of bebble behind a curtain of air
that I chase through, my head dancing around
after rhythms without meaning, without care.

© Alan Gillis und The Gallery Press
from: Hawks and Doves
The Gellery Press, 2007
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

Der Morgen steigt aus der Musik empor

german

Wir tauchen, sinken und fügen uns in ein Cabaret
mit Crushed Daiquiris und verzauberten
Rumbakugeln klipp-klappernd wie
Worte ineinander klicken und ihren Klang zu einem
Kehlensturz, einem Eingang, dem himmelhöchsten blauen
Schleier leiten. Aber dann Alarmglocken läuten, Musik aus,
und ich wache in ein Verklingen auf, ein Nachklang
von Gebrabbel hinter einem Vorhang aus Luft
durch den ich jage, mein Kopf tanzt herum
auf Rhythmen ohne Bedeutung, ohne Bedacht.

Übersetzt von Monika Rinck

Progress

english | Alan Gillis

They say that for years Belfast was backwards
and it’s great now to see some progress.
So I guess we can look forward to taking boxes
from the earth. I guess that ambulances
will leave the dying back amidst the rubble
to be explosively healed. Given time,
one hundred thousand particles of glass
will create impossible patterns in the air
before coalescing into the clarity
of a window. Through which, a reassembled head
will look out and admire the shy young man
taking his bomb from the building and driving home.

© Alan Gillis und The Gallery Press
from: Somebody, Somewhere
The Gellery Press, 2004
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

Fortschritt

german

Es heißt, jahrelang sei Belfast rückständig gewesen
und dass es großartig sei, nun gewisse Fortschritte zu sehen.
Also vermute ich, wir können uns darauf freuen, der Erde
Schachteln zu entnehmen. Ich vermute, Ambulanzen
lassen die Sterbenden inmitten der Trümmer zurück,
auf dass sie explosionsartig genesen. Mit der Zeit
werden einhunderttausend Glassplitter
in der Luft ein unmögliches Muster erschaffen
bevor sie zur Klarheit eines Fenster
verschmelzen. Durch das ein wieder zusammengesetzter Kopf
hinausblicken und den scheuen jungen Mann bewundern wird,
der seine Bombe vom Gebäude entfernt und nachhause fährt.

Übersetzt von Monika Rinck

Casuality

english | Alan Gillis

Car like a comet, breaking all the lights, we speed
towards waiting rooms and vending machines.
The anaesthetic takes time to empty your head
so it becomes a stadium and the game postponed.
Through a window, dead white eyes are staring
upon the sterilised floors, as you lift high
into orbits where the stars have ceased to war:
The Lake Isle of Innisfree, The Forest Moon of Endor.
Then the doctor makes her first incision
with an amphetamine glint in her eye.

© Alan Gillis und The Gallery Press
from: Somebody, Somewhere
The Gellery Press, 2004
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

Unfallopfer

german

Krankenwagen als Komet, alle Ampeln durchgerauscht,
rasen wir auf Wartezimmer und Warenautomaten zu.
Die Anästhesie braucht Zeit, um deinen Kopf zu leeren,
so wird sie Stadium und das Glücksspiel muss noch warten.
Durch ein Fenster starren tote weiße Augen
auf den sterilisierten Böden, als du hoch aufsteigst
in den Orbit, wo die Sterne sich nicht mehr länger bekriegen:
The Lake Isle of Innisfree, The Forest Moon of Endor.
Dann setzt die Ärztin ihren ersten Schnitt
mit einem amphetaminen Schimmer im Auge.

Übersetzt von Monika Rinck

The Ulster Way

english | Alan Gillis

This is not about burns or hedges.
There will be no gorse. You will not
notice the ceaseless photosynthesis
or the dead tree’s thousand fingers,
the trunk’s inhumanity writhing with texture,
as you will not be passing into farmland.
Nor will you be set upon by cattle,
ingleberried, haunching and haunting
with their eyes, their shocking opals,
graving you, hoovering and scooping you,
full of a whatness that sieves you through
the abattoir hillscape, the runnel’s slabber
through darkgrass, sweating for the night
that will purple to a love-bitten bruise.

All this is in your head. If you walk,
don’t walk away, in silence, under the stars’
ice-fires of violence, to the water’s darkened strand.
For this is not about horizons, or their curving
limitations. This is not about the rhythm
of a songline. There are other paths to follow.
Everything is about you. Now listen.

© Alan Gillis und The Gallery Press
from: Somebody, Somewhere
The Gellery Press, 2004
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

Der Ulster Weg

german

Das handelt nicht von Bränden oder Hecken.
Es wird keinen Ginster geben. Du wirst die
unaufhörliche Photosynthese nicht bemerken
oder die tausend Finger des toten Baumes,
des Stammes Grausamkeit, bebend vor Maserung,
weil du nicht quer über die Äcker gehen wirst.
Ebensowenig wird Weidevieh auf dich losgehen.
Verwarzt, hinterteilig und gespenstig
mit ihren Augen, ihren erschütternden Opalen,
dich einmeißelnd, einsaugend, ausschöpfend,
voll mit einer Was-heit, die dich durch die
Schlachthof Hügellandschaft siebt, das Bach-Sabbern
durchs Dunkelgras, schwitzig für die Nacht,
die zum Liebesbiss purpurwund erröten wird.

All dies ist in deinem Kopf. Wenn du gehst,
geh nicht weg, schweigend, unter der frost-feurigen
Gewalt der Sterne, an den wasserverdunkelten Strand.
Denn dies handelt nicht von Horizonten, oder ihren gekrümmten
Begrenzungen. Dies handelt nicht vom Rhythmus
einer Liedzeile. Es gilt anderen Pfaden zu folgen.
Alles handelt von dir. Jetzt hör zu.

Übersetzt von Monika Rinck

[Pomiędzy odpływem myśli…]

polish | Tadeusz Dąbrowski

* * *

Pomiędzy odpływem myśli a przypływem
snu mam minutę wieczności na zbieranie
metafor.

Lecz zanim zdążę schylić się po pierwszą
z nich, zalewa mnie fala i odmęt pochłania. Jakiś

czas później budzę się, bo słońce
wsadza mi palce do oczu. Niewiele pamiętam.

W prawej kieszeni mam kamyk, w lewej meduzę,
w ustach – piach.

© Tadeusz Dąbrowski
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

[Zwischen der Ebbe der Gedanken...]

german

* * *

Zwischen der Ebbe der Gedanken und der Flut
des Schlafs habe ich eine Minute Ewigkeit, um Metaphern
zu sammeln.

Doch bevor ich mich nach der ersten bücken kann,
erfasst mich eine Welle und ein Strudel verschlingt mich. Etwas

später wache ich auf, weil mir die Sonne
ihre Finger in die Augen sticht. Ich erinnere mich kaum.

In der rechten Hosentasche hab ich einen Kiesel, in der linken eine Qualle,
im Mund – Sand.

Übersetzt vom Autor und Monika Rinck

[Bóg nie odsunął się...]

polish | Tadeusz Dąbrowski

* * *

Bóg nie odsunął się – jak chciała Simone
Weil – na gigantyczną odległość, ale jest
tuż obok, tak blisko, że wyczuwam Jego

troskliwą nieobecność. (Która jest przemilczanym
słowem, zaniechanym gestem, zawieszonym
wzrokiem,
                 zatrzymanym na chwilę oddechem. Ten

bezdech to twoje życie.)

© Tadeusz Dąbrowski & Wydawnictwo a5, 2005
from: Te Deum
Kraków: Wydawnictwo a5, 2005
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

[Gott hat sich nicht...]

german

* * *

Gott hat sich nicht – wie Simone
Weil meinte – in eine gigantische Entfernung zurückgezogen, sondern Er ist
gleich nebenan, so nahe, dass ich Seine

fürsorgliche Abwesenheit spüre. (Die ein verschwiegenes
Wort, eine unterlassene Geste, ein innehaltender
Blick,
         ein für einen Moment angehaltener Atem ist. Dieses

Atemstocken, das ist dein Leben.)

Übersetzt vom Autor und Monika Rinck

[Qué hace aquel cuervo atascado en la rama]

spanish | Silvana Franzetti

Qué hace aquel cuervo atascado en la rama.
La copa lo asalta a medio camino:
entre la pose y el dibujo animado.

El lema que va
desde el helicóptero de ocasión
hasta la iglesia sin cúpula rebota
contra las ventanas de los edificios.

La nieve dobla la esquina y acumula
la voz del que vende
sistemas de salvataje en una plaza.


fictional translation of the poem: [Las campanas repican, los pájaros graznan]

© S.F.
from: Edición bilingüe [Manuskript]
Audio production: 2004, Goethe Institut Buenos Aires

[Was macht dieser am Zweig steckengebliebene Rabe]

german

Was macht dieser am Zweig steckengebliebene Rabe
Die Krone greift ihn sich auf halbem Weg
zwischen Pose und Zeichentrickfilm.

Der Slogan, der sich vom
Zufallshubschrauber
bis hin zur Kirche ohne Kuppel bewegt
prallt von den Fenstern der Gebäude ab.

Der Schnee biegt um die Ecke und ballt sich
um die Stimme dessen, der in einem Park
Programme zur Rettung verkauft.

Aus dem Spanischen von Monika Rinck

[El asunto no es el lápiz negro que chirría sobre el papel]

spanish | Silvana Franzetti

El asunto no es el lápiz negro que chirría sobre el papel
y tampoco las teclas de la computadora
decididas a llevarse el resto
de ruidos del lugar, sino callar como el extranjero
con un silencio reversible: del anverso
(para el natural) se trata de algo inalterable;
para el extranjero (del reverso)
su propio silencio sobrevive,
acepta la palabra en sentido hiperreal
porque sabe qué es la nada,
ya no digamos el nadie.


fictional translation of the poem: [Tiendo a volverme en contra de los tiempos]

© S.F.
from: Edición bilingüe [Manuskript]
Audio production: 2004, Goethe Institut Buenos Aires

[Es geht nicht um den Bleistift, der auf dem Papier quietscht]

german

Es geht nicht um den Bleistift, der auf dem Papier quietscht
und auch nicht um die Tasten des Computers
die entschlossen sind, den Rest der Geräusche dieses Ortes
mitzunehmen, sondern so zu schweigen wie der Fremde
mit einer umzudrehenden Stille: auf der Vorderseite
(für den Einheimischen) handelt es sich um etwas unveränderbares;
doch für den Fremden (auf der Rückseite)
überdauert das eigene Schweigen,
er bejaht das Wort im überrealistischen Sinn
weil er weiß, was das Nichts ist
vom Niemand ganz zu schweigen.

Aus dem Spanischen von Monika Rinck

[Como si se pudiera enumerar secretos]

spanish | Silvana Franzetti

Como si se pudiera enumerar secretos:
hay un barullo encorsetado
entre los paréntesis
–antes se ajustaba, ahora no cede–,
hay un ritmo que
trasvasa el silencio, está por terminarse.
El tono extranjero se impregna a través de capas foliadas
la memoria de una voz prepara el lapsus.
Hay sonidos sin comas
y demasiadas películas dobladas.


fictional translation of the poem: [Cartas de estación, fuera del silencio de ese idioma]

© S.F.
from: Edición bilingüe [Manuskript]
Audio production: 2004, Goethe Institut Buenos Aires

[Als ob man Geheimnisse aufzählen könnte]

german

Als ob man Geheimnisse aufzählen könnte:
es gibt einen eingeschnürten Lärm
zwischen den Klammern
– erst war er eng, jetzt gibt er nicht nach -
es gibt einen Rhythmus, der
das Schweigen umfüllt, kurz bevor er am Ende ist.
Der fremde Akzent durchdringt die nummerierten Schichten
die Erinnerung an eine Stimme bereitet den Lapsus vor.
Es gibt Klänge ohne Kommas
und zu viele synchronisierte Filme.

Aus dem Spanischen von Monika Rinck

[Como mínimo, los distingue el modo]

spanish | Silvana Franzetti

Como mínimo, los distingue el modo
de hacer preguntas. Se unen al después
y caen en la virtud actual:

una serie discontinua de ruidos binarios que interrumpen
el intercambio de las cartas,
títulos necesariamente cómicos, un mapa de subte
al que le faltan estaciones,
la diferencia de tiempo que el intervalo no une.

fictional translation of the poem: [Entre las palabras borradas de la pantalla]

© S.F.
from: Edición bilingüe [Manuskript]
Audio production: 2004, Goethe Institut Buenos Aires

[Zumindest unterscheidet sie die Art]

german

Zumindest unterscheidet sie die Art
Fragen zu stellen. Sie vereinigen sich mit dem Nachher
und stürzen in die heutige Tugend:

eine unstete Serie binärer Geräusche, die den Austausch
der Briefe unterbricht.
Schlagzeilen, unnötig komisch, ein U-Bahnplan
auf dem Stationen fehlen,
der Zeitunterschied, den das Intervall nicht zusammenschließt.

Aus dem Spanischen von Monika Rinck

[Tiendo a volverme en contra de los tiempos]

spanish | Silvana Franzetti


Tiendo a volverme en contra de los tiempos
si pudiera hablar en presente nomás,
dejaría el teclado.

Me equivoco en el modo de sentarme
está muy lejos de
me siento mal.
El océano no separa una forma de otra,
es preferible confundir
a un húngaro con un familiar.
Qué hay debajo de las notas discordantes.
Es mi tímpano esta vez el que percibe
los grados bajo cero del idioma.

© S.F.
from: Edición bilingüe [Manuskript]
Audio production: 2004, Goethe Institut Buenos Aires

[ICH NEIGE DAZU, MICH GEGEN DIE ZEITEN ZU WENDEN]

german


Ich neige dazu, mich gegen die Zeiten zu wenden
könnte ich nur in der Gegenwart sprechen
würde ich die Tasten verlassen.
Mich irrtümlich zu jemandem zu setzen
ist weit entfernt von
jemandem zuzusetzen.
Der Ozean trennt nicht eine Form von der anderen,
da es ist besser,
einen Ungarn mit einem Verwandten zu verwechseln.
Was gibt es unterhalb dieser unstimmigen Noten.
Dieses Mal ist es mein Trommelfell,
das die Unternullgrade der Sprache empfängt.

Aus dem Spanischen von Monika Rinck

[Las campanas repican, los pájaros graznan]

spanish | Silvana Franzetti


Las campanas repican, los pájaros graznan.
Tener el tupé de ser indiferente al paisaje
volverse uno mismo oblicuo.

Los chicos
me recuerdan que no soy de acá
aunque por un rato habían acortado la distancia
que le otorgan sus aires diplomáticos.

O los cuervos, todavía me olvido que existen
fuera de la literatura. No podría
hacer corresponder este cuervo con ese.

© S.F.
from: Edición bilingüe [Manuskript]
Audio production: 2004, Goethe Institut Buenos Aires

[DIE GLOCKEN LÄUTEN, DIE VÖGEL KRÄCHZEN]

german


Die Glocken läuten, die Vögel krächzen.
Die Frechheit zu haben, die Landschaft links liegen zu lassen
sich selbst schräg zu werden.

Die Kinder
erinnern mich daran, dass ich nicht von hier bin
auch wenn sie für einen Augenblick die Distanz verringert hatten
die sie mit diplomatischer Miene gewähren.

Oder die Raben, noch immer vergesse ich, dass sie existieren -
außerhalb von Literatur. Ich könnte diesen
nicht mit jenem Raben in Verbindung bringen.

Aus dem Spanischen von Monika Rinck

[Entre las palabras borradas de la pantalla]

spanish | Silvana Franzetti


Entre las palabras borradas de la pantalla
es más fácil confundir
huella con sombra
las letras no tienen peso y el sol

es puro icono. Además, algo se ensancha
la escritura o el silencio.
Tampoco podría decir si queda algo. En parte,
el silencio electrónico es discreto
y se confunde con efectos personales.

© S.F.
from: Edición bilingüe [Manuskript]
Audio production: 2004, Goethe Institut Buenos Aires

[IN DEN ZWISCHENRÄUMEN DER VOM BILDSCHIRM GELÖSCHTEN WORTE]

german


In den Zwischenräumen der vom Bildschirm gelöschten Worte
ist es leichter
Spur mit Schatten zu verwechseln
die Buchstaben haben kein Gewicht und die Sonne

ist reine Ikone. Außerdem weitet sich etwas,
das Schreiben oder die Stille.
Auch könnte ich nicht sagen, ob etwas bleibt. In gewissem Sinn
ist die elektronische Stille verschwiegen
und vermischt sich mit persönlichen Gepäckstücken.

Aus dem Spanischen von Monika Rinck

[Cartas de estación, fuera del silencio de ese idioma]

spanish | Silvana Franzetti


Cartas de estación, fuera del silencio de ese idioma.
(Al menor malentendido escribo un punto.)
Franqueo simple:
es muy probable que ésta se pierda en el trayecto.
De ahí los diálogos recortables
en cualquier momento el tema pasa al clima
y es verano, no puedo atenerme tan bien al protocolo.
Los turcos mascan
hip-hop en el andén
pero la música no está en la cara de nadie.
Doy por sentado el modo de empapelar la ciudad.

© S.F.
from: Edición bilingüe [Manuskript]
Audio production: 2004, Goethe Institut Buenos Aires

[SAISONALE BRIEFE AUßERHALB DES SCHWEIGENS DIESER SPRACHE]

german


Saisonale Briefe außerhalb des Schweigens dieser Sprache
(Beim kleinsten Missverständnis setze ich einen Punkt.)
Einfacher Postweg:
es ist sehr wahrscheinlich, dass dies darauf verloren geht.
Daher die Dialoge zum Ausschneiden
jeden Moment geht das Gespräch zum Wetter über
und es ist Sommer, ich kann mich nicht so gut ans Protokoll halten.
Dies Türken kauen
hip-hop auf dem Bahnsteig
aber die Musik steht in keinem Gesicht
Die Art, wie die Stadt plakatiert wird, verstehe ich wie von selbst

Aus dem Spanischen von Monika Rinck

[Cada punto]

spanish | Silvana Franzetti


Cada punto,
cada instantánea,
cada sonido apagado
tirados hacia mí desde las preguntas
parecen, antes que nada, artículos desbaratados
en un bazar. No los apila
la proximidad, sino cierta forma de avisarme
que no desvíe la mirada.

© S.F.
from: Edición bilingüe [Manuskript]
Audio production: 2004, Goethe Institut Buenos Aires

[JEDER PUNKT]

german


Jeder Punkt,
jeder Schnappschuss,
jeder gedämpfte Ton
mir zugeworfen von den Fragen
scheinen vor allem zusammengeschmissene Artikel
in einem Basar. Es stapelt sie nicht
die Nähe, sondern eine gewisse Art mich
davor zu warnen, den Blick abzuwenden.

Aus dem Spanischen von Monika Rinck

Lovesong for my Wasteland, Sequence XLI

english | Remi Raji

And suddenly my land becomes a bride again

In this memory of decimals
You're a soulful, full-bodied number
the even envy of oddities...

Dressed like the garden of Arcadia

Make the mountains sing your name
Make the valleys vow in your name

Let the evening sun rise in gold, in your name
Walk in beauty like the deer among hogs
The forests proclaim your antimony of flesh...

I too proclaim you, woman, wife, mother, lover...my land.

You're the principle of sunshine
The embrace of pleasant fires
The only death I wish in this wasteland

For Love is the only language I know
In a season of parched promises and shrunken memories
Love is the caprice of remembrance, the remedy of forgetting.

And suddenly my land becomes a bride again.

© Remi Raji
from: Lovesong for my Wasteland
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

Liebeslied an mein Ödland, Sequence XLI

german

Und plötzlich wird mein Land wieder zur Braut

In diesem Gedächtnis der Dezimalen
Bist du eine seelenvolle, vollmundige Nummer
Der gerade Neid der Ungeraden…

Im Kleid des Gartens von Arkadien

Lass die Berge deinen Namen singen
Lass die Täler in deinem Namen schwören

Lass die Abendsonne in deinem Namen golden aufgehn
Gehe in Schönheit wie der Hirsch inmitten der Säue
Die Wälder verkünden wie gegenteilig dein Fleisch…

Auch ich verkünde dich, Frau, Gattin, Mutter, Geliebte ... mein Land.

Du bist das Prinzip des Sonnenscheins
Die Umarmung wohliger Feuer
Der einzige Tod, den ich in diesem Ödland ersehne

Denn Liebe ist die einzige Sprache, die ich spreche
In einer Zeit verdorrter Versprechen und geschrumpfter Erinnerungen
Liebe sind die Launen der Erinnerung, das Mittel des Vergessens.

Und plötzlich wird mein Land wieder zur Braut.

Aus dem Englischen von Monika Rinck

Questions and Prayers

english | Remi Raji

when the locusts come, will you greet them
with tears and blood, in the aftermath of fractured years?

when the termites come with fangs of iron
can you be the grit stubbornness of rocks?

when your throat is filled with fire
why do you watch in silence?

where will you give birth to the red hunger
of truth, who will welcome the sailing tongue?

where will you hide amid these impatient clouds
will you go where the smoke is perfumed light

when your throat is filled with fire?
will you bury the anger in the coffin of laughter?

you are a poet, the incurable child,
can you dream a song for tomorrow?

or are you cursed to cry without ceasing
about wilted seasons fattened in sorrow?

each time you leave you weep
as each time a lover leaves you on a rough road,

each time the wind brings the news of your own bleeding
they ask what will you do, why are you silent as the dead bee?

even if you spit poison as the saliva of oceans
what will happen, what will happen?

still do not sleep, dream but scream at slumber,
will you forget those forgotten in the teeth of dogs

those to whom agony is both foretaste and dessert
whose faces are painted in gloom, who bleed still and dance in hope?

Salute them all, who never said farewell to our tale.
Salute them, who always return, flowers in the diseased heart.

To all the seeds, all the fruits, and all the plants
and all the trees without names, offer a prayer of rains

To the locusts and termites, spoilers of rivers
and plunderers of farms, let the tongue become the fire,

let the fire borrow the shine of a thousand-edged sword,
let the sword burn and soothe the land.

© Remi Raji
from: Gather my blood rivers of song
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

Fragen und Gebete

german

wenn die heuschrecken kommen, wirst du sie begrüßen
mit tränen und blut, im nachhinein brüchiger jahre?

wenn die termiten kommen mit eisernen fängen
kannst du die beharrliche sturheit von felsen sein?

wenn deine kehle mit feuer gefüllt ist
wieso schaust du dann schweigend zu?

wo wirst du den roten hunger der wahrheit
gebären, der die segelnde zunge willkommen heißt?

wo wirst du dich verstecken inmitten hastiger wolken
gehst du dorthin, wo der rauch parfürmiert ist mit licht

wenn deine kehle mit feuer gefüllt ist?
wirst du den zorn im sarg des gelächters begraben?

du bist ein dichter, das unheilbare kind
kannst du ein lied für das morgen erträumen?

oder bist du verflucht unablässig zu heulen
über verwelkte zeiten, trauergemästet?

du weinst jedes mal, wenn du gehst
wie jedes mal, wenn ein geliebter dich auf einer harten straße zurücklässt

jedes mal bringt der wind die nachricht deines eigenen blutens
man fragt, was wirst du tun, warum schweigst du wie die tote biene?

selbst wenn du gift spucktest wie speichel von ozeanen
was wird passieren, was wird passieren?

noch immer nicht schlafen, träumen, doch aufschrein im schlummer
wirst du die vergessen, die in den zähnen der hunde vergessen sind

jene denen die qual sowohl vorgeschmack wie nachtisch ist
deren gesichter vom gram gemalt, die bluten noch und hoffnungsfroh tanzen?

grüße all die, die unserer erzählung niemals lebwohl sagten
grüße die, die stets zurückkehren, blumen in dem kranken herzen

all unseren samen, allen früchte und allen pflanzen
und all den namenlosen bäumen, biete ein gebet des regens

all den heuschrecken und termiten, den verderbern der flüsse
und plünderern von farmen, lasse die zunge das feuer werden

möge das feuer den schein eines tausendschneidigen schwertes sich borgen
möge das schwert brennen und das land besänftigen.

Aus dem Englischen von Monika Rinck

QUE ESCADA DE JACOB?

portuguese | Ana Luisa Amaral

A meu pai (23 de Dezembro de 2002)

Na noite em que a lua foi pisada pela primeira vez,
ainda a preto e branco a sua imagem,
escafandros brancos, o reflexo do sol nas lentes baças,
a escada que descia, o pó sem gravidade que a bota levantou,
tão branco e mágico,
nessa magia de duas da manhã, hora local, daqui,
estavas comigo.

Comemos sopa às quatro da manhã,
e eu vejo ainda aquela sala, a mesa lá ao fundo,
o sofá grande, e eu de onze anos a sentir-me grande,
porque assim me fazias e falavas.
A lua a ser pisada: humana condição
pela primeira vez.

No dia em que as ciências em exame mais longo se faziam,
eu sem saber o grau das equações, que incógnitas havia
a resolver, era verão e o sol do lado esquerdo,
à esquerda da imagem tripartida à minha frente,
teimando-me a ignorância,
nessa angústia menor de três da tarde,
sabia-te sentado atrás de mim, na carteira de trás,
à espera, atravessado de nervos e ternura.

Passei. E eu vejo ainda o teu sorriso,
o pó sem gravidade no olhar, e eu, quinze anos a sentir-me grande,
porque assim me parecia.
Uma galáxia à solta pelo corpo e o calor do sol
tão transparente.

No dia em que o meu corpo se atravessou de nova dor,
quase rasgado a meio, a luz do sol entrando
pela janela antiga, os tectos altos, brancos,
batas como escafandros,
nesse dia tão longo em que o sol caminhou até ao fim,
para do fim nascer, estiveste sempre lá.

Vejo-te ainda encostado à ombreira dessa porta alta,
a voz dos escafandros tentando sossegar-te,
e tu, a soluçar baixinho, retalhado entre amor
e alegria.

Na noite em que a lua te deixou,
em que deixaste de sentir a sua luz, o mais trémulo toque, tudo
o que assim nos faz: frágil, imensa, humana condição,
na noite dos fantasmas e escafandros cinzentos,
eu não estava contigo.

A que sabia a sopa que comemos?
Que escada de Jacob?

© Ana Luisa Amaral
from: Entre Dois Rios e Outras Noites
Campo das Letras, 2007
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

WELCHE JAKOBSLEITER?

german

Meinem Vater (23. Dezember 2002)

In der Nacht, als man den Mond zum ersten Mal betrat,
sein Bild noch schwarzweiß,
weiße Raumanzüge, die Spiegelung der Sonne auf den dunklen Scheiben,
die Leiter, die hinabführte, der schwerelose Staub, den der Stiefel aufwirbelte,
so weiß und magisch,
in dieser Magie um zwei Uhr morgens, Ortszeit, hier,
warst du bei mir.

Wir aßen Suppe um vier Uhr morgens,
und ich sehe noch das Wohnzimmer, den Tisch ganz hinten,
das große Sofa, und ich mit meinen elf Jahren fühlte mich groß,
weil du mich dazu machtest, weil du mich dazu sprachst.
Den Mond erstmals zu betreten:
das Wesen des Menschen.

Am Tag, als sich meine mündliche Prüfung unendlich verlängerte
und ich den Grad der Gleichungen nicht wusste, auch nicht
welche Unbekannten, war es Sommer und die Sonne kam von links,
links vom dreifaltigen Bild vor mir,
das auf meinem Unwissen beharrte,
in dieser lässlichen Drei-Uhr-Nachmittags-Angst,
wusste ich dich hinter mir, an der letzten Schulbank sitzen
und warten, von Nerven und Zärtlichkeit durchquert.

Ich bestand. Und ich sehe noch dein Lächeln,
den schwerelosen Staub im Blick, und mit meinen fünfzehn Jahren
fühlte ich mich groß, denn ich fühlte mich selbst.
Mein Körper eine losgelöste Galaxie, und die Hitze der Sonne
so transparent.

Am Tag, an dem ein neuer Schmerz meinen Körper durchquerte,
und er fast entzwei gerissen wurde, während das Sonnenlicht
durch die alten Fenster fiel, die hohen Decken, weiß,
Kittel wie Raumanzüge,
An diesem so langen Tag, als die Sonne an ihr Ende ging,
um vom Ende neu geborn zu werden, warst du immer da.

Ich sehe dich noch an den Pfosten dieser hohen Tür gelehnt,
während die Stimme aus den Raumanzügen dich beruhigen wollte,
und dir die Tränen kamen, hin und hergerissen
zwischen Liebe und Freude.

In der Nacht, als der Mond dich verließ,
als du aufhörtest, sein Licht zu spüren, diese flimmernste Berührung, alles
was uns ausmacht: zerbrechlich, unermesslich, das Wesen des Menschen,
in der Nacht der Gespenster und der grauen Raumanzüge
war ich nicht bei dir.

Wonach schmeckte die Suppe, die wir aßen?
Welche Jakobsleiter?

Deutsche Fassung von Monika Rinck.
Die Übersetzung entstand im Rahmen des Übersetzungsworkshops
VERSschmuggel des Poesiefestivals Berlin 2008

ŐSZ

hungarian | János Háy

Ősz van,
a lánynak vége.
Mintha tudták volna,
nem úszhatják meg élve:
a fáknak is vége.

Fű le, varjak föl,
a hold tört,
s a nap se kerek,
az utcán üvölt
valaki gyerek,
fázik,
az egész szája
nyálban ázik.
Nyel-nyal, nyál-nyel
a lánnyal
egy fiú a padon,
dorombol, hűs alkalom,
útban a csipke, útban a fodor,
a résen át hideget sodor
a szél.

Ott állok,
ahol a lány pontot tett.
Ha nem is mindig:
néha visszamegyek,
hátha még gyötör,
rámköhög és elsöpör,
mint akinek lennie is kár,
mint akinek a baj nem árt.

Ősz van.
Fű le, varjak föl.
A fáknak vége.
Mintha tudták volna:
nem úszhatják meg élve.

Audio production: Petőfi Irodalmi Múzeum 2006

HERBST

german

Es ist Herbst.
Mit dem Mädchen ist es aus.
Als hätten sie es geahnt,
sie kommen nicht lebendig da raus,
ist es mit den Bäumen auch aus.

Gras runter, Krähe rauf,
der Mond zerteilt
und auch die Sonne blass
auf der Straße schreit
ein Kind oder was
friert
sein Mund
voll Spucke, trieft.
Schluckt-schleckt, Spucke-schluckt
mit dem Mädchen
ein Junge auf der Bank
schnurrt, kühle Gelegenheit,
die Spitzen im Weg, die Rüschen im Weg,
durch die Ritzen weht
der Wind seine Kälte hinein.

Ich stehe dort,
wo das Mädchen seinen Schlussstrich zog.
Wenn auch nicht immer:
bin ich immer wieder dort,
vielleicht quält er mich noch
haucht mich an und weht mich fort
wie einen, der es nicht verdient zu sein
und dem das Unheil nichts anhaben kann.

Es ist Herbst.
Gras runter, Krähe rauf,
mit den Bäumen ist es aus.
Als hätten sie es geahnt,
sie kommen nicht lebendig da raus.

aus dem Ungarischen übertragen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

[Si X]

spanish | Silvana Franzetti

Si X
estuviera ausente
si por lo menos hubiese notado
que en el límite no hay más que líneas troqueladas,
caras, muertos, balsas que van, nubes, bandadas. Si X
se viera obligado a quedarse en la ironía
hasta entregar otras palabras,
pasaría a través de sí mismo.


fictional translation of the poem: [Cada punto]

© S.F.
from: Edición bilingüe [Manuskript]
Audio production: 2004, Goethe Institut Buenos Aires

[Wenn X]

german

Wenn X
abwesend wäre
wenn man zumindest bemerkt hätte
dass es an der Grenze nichts als perforierte Linien gibt,
Gesichter, Tote, losfahrende Floße, Wolken, Schwärme. Wenn X
sich verpflichtet sähe, in der Ironie zu verharren
bis er in der Lage wäre, neue Worte abzuliefern,
würde er sich selber durchqueren.

Aus dem Spanischen von Monika Rinck

(szemtenger)

hungarian | Attila Jász

Amikor becsukom a szemem,
tengereket látok hullámozni,

amikor kinyitom a szemem,
tengereket látsz hullámozni,

behunyom,
kinyitom,
hullámzik.

© Attila Jász

(augenmeer)

german

Wenn ich die Augen schließe,
sehe ich Meereswogen,

wenn ich die Augen öffne,
siehst du Meereswogen,

ich schließe sie,
ich öffne sie,
sie wogen.

Ins Deutsche übertragen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

You Will Live in Your Own Cathedral

english | Zoë Skoulding

The cathedral of sand is a storm
trickling through fingers, loose between roots,
or a single grit in the eye.

The cathedral of trees is built of mottled wings
and daubs of light on trunks or the carved
names of lovers surviving love.

The cathedral of letters trembles at the edges
of paper curling and yellowing
under the force of gravity or promises.

The cathedral of words is buttressed
against the pressure of lips falling open
on air caught in a windpipe.

The cathedral of winds whispers
through airwaves, cables or repeated loops
in the pitch glissando of speech.
 
The cathedral of books is on fire, its tongues
rushing into wind as charred pages
sweep up to settle in the dark, like snow.

The cathedral of glass is misted over
by the scratch of voices wearing it to sand.

© Zoë Skoulding
from: Remains of a Future City
Wales, UK: Seren Books, 2008
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

Du wirst in deiner eigenen Kathedrale leben

german

Die Sandkathedrale ist ein Sturm,
der durch die Finger rieselt, locker zwischen Wurzelwerk,
oder ein einziges Körnchen im Auge.

Die Baumkathedrale ist aus scheckigen Flügeln errichtet
und Lichtklecksen auf Stämmen oder den geschnitzten
Namen der Liebenden, die Liebe überlebten.

Die Briefkathedrale zittert an den Papier-
kanten, die sich wellen und vergilben
unter der Wucht von Schwerkraft oder Versprechen.

Die Wortkathedrale ist gegen den Druck
der Lippen verstrebt, die sich der in einem Windrohr
gefangenen Luft öffnen.

Die Windkathedrale flüstert
durch Äther, Kabel oder Wiederholungsschleifen
in den gleitenden Stimmhöhen der Rede.

Die Bücherkathedrale steht in Flammen, ihre Zungen
dem Wind entgegenrauschend, wie verkohlte Seiten
hochstürzen, um im Dunkel niederzugehn wie Schnee.

Die Glaskathedrale ist vernebelt
vom Gekritzel der Stimmen, die sie zu Sand zermahlen.

Übersetzung: Monika Rinck

YOU AND I

english | Lebogang Mashile

You and I
We are the keepers of dreams
We mould them into light beams
And weave them into life’s seams

You and I
Know life is not what it seems
We strip the fat from the lean
And find the facts in between
The visions we redeem
And the agony of choice
Yours is just a mind
And mine is a just a voice
But when we love
We love with a heat that would rise like a song in flight
On the flesh of our backs
If it’s love that we lack
Then we walk with the pain that we see
Love exchange that we spite
As we walk through indecision fading in fright
We ride the crest of intuition on the journey of this life

And by the hands of the infinite we hear the cries of the rest
Weighed down by their intelligence submitting to this test
But you and I
Push the boundary of reason
You and I
Plot the mystery of seasons
You and I
Paint this history to free men
Nothing can be stopped like you and I

You and I
We are the keepers of dreams
We mould them into light beams
And weave them into life’s seams

from: In a Ribbon of Rhytham
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Du und ich

german

Du und ich
Wir sind die Hüter des Traums
Wir formen die Strahlen des Lichtes daraus
Und weben Sie in des Lebens Saum

Du und ich
Wissen, dass das Leben ganz anders ist
Wir lösen das Geringe vom schweren Gewicht
Und finden die Fakten dazwischen entmischt
Die Visionen, die wir entrichten
Und die Qual der Wahl
Deine ist nur ein Meinen
Und meine ist nur ein Schreien
Aber wenn wir lieben
Lieben wir hitzig, wie sich Lieder auf der Flucht erheben
Über dem Fleisch, auf dem wir rücklings liegen
Doch wenn es Liebe ist, was wir nicht kriegen
Gehen wir im schmerzlichen Wissen, wir sehen
Wie Liebe sich wandelt, wie wir uns grämen
Wenn Unentschlossenheit in Entsetzen entgleitet
Beritten die Gipfel der Intuition, zur Reise des Lebens bereitet

An der Hand des Unendlichen hören wir die Schreie der Restlichen
Von ihrer Klugheit beschwert, sich dieser Prüfung zu ermächtigen
Aber du und ich
Haben die Grenzen der Vernunft gedehnt
Du und ich
Haben uns in das Geheimnis des Wetters gelehnt
Du und ich
Malen dem freien Menschen diese Geschichte
Alles geht voran, wie du und ich

Wir sind die Hüter des Traums
Wir formen die Strahlen des Lichtes daraus
Und weben sie in des Lebens Saum

Aus dem Englischen von Monika Rinck

Winter Studies in Movement

english | Gabeba Baderoon

I walk in a winter midnight
and my coat catches
snow like a spray of glass slivers.
At the corner, water pipes melt
a straight line of snow under the street.
A frozen waterfall by the roadside stretches
ice into taut strings.
Our footprints traced back to the door –
movement made visible.

© Gabeba Baderoon
from: The Museum of Ordinary Life
Stuttgart: DaimlerChrysler , 2005
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Winterliche Bewegungsstudien

german

Ich gehe in einer Wintermitternacht
und mein Mantel fängt
Schnee, einer Gischt aus Glassplittern gleich.
An der Ecke schmelzen Wasserleitungen
unter der Straße eine gerade Linie in den Schnee.
Ein gefrorener Wasserfall am Straßenrand spannt
Eis in straffe Fäden.
Unsere Fußstapfen führen zurück zu der Tür -
sichtbar gemachte Bewegung.

Übersetzt von Monika Rinck

White carnation

english | Gabeba Baderoon

We lose
even our loss.

At the funeral of a young woman aged 25,
death is everywhere.
We walk past the small house of her coffin
lay a single white carnation
by her photograph
and feel alone again,
an aloneness that is a curtaining of the self,
when the lights go out in the house
and the fire stills.

I touch the back of the young woman’s mother
and hold her long in my arms.
When I let her go, she bends double,
shakes her head, needing to stiffen
against the loneliness that follows holding.
Only the body knows,
the back that bends double,
the head that turns slowly, so slowly
and nothing changes.
A cry escapes her mouth, but only
for a second. She swallows the sound again.

Afterward, at home, I switch on all the lights
and make a fire
and drink tea, sweet and hot,
and fall asleep with the logs yellow against my back.
I wake to cold
and feel the ceasing again,
and the bleeding of colour into darkness.


A photograph makes its offering of one instant,
but in it hovers the instant just before.
In the photograph, the young woman looks
as though a smile has just faded from her face.

In the morning a bird flies overhead.
Its shadow touches the ground,
the house across the way, the flowers.

© Gabeba Baderoon
from: The Museum of Ordinary Life
Stuttgart: DaimlerChrysler , 2005
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Weiße Nelke

german

Wir verlieren
selbst unsren Verlust

Bei der Beerdigung der jungen 25-jährigen Frau
ist der Tod überall.
Wie gehen an dem Häuschen ihres Sargs vorbei
legen eine einzelne weiße Nelke
zu ihrer Fotografie
und sind schon wieder alleine,
ein Alleinsein, das dem Selbst ein Vorhang ist,
wenn die Lichter ausgehen im Haus
und das Feuer verlöscht.

Ich berühre die Mutter der jungen Frau am Rücken
und halte sie lange in meinen Armen.
Als ich sie loslasse, krümmt sie sich um so mehr
schüttelt ihren Kopf, muss sich verhärten
gegen die Einsamkeit die dem Gehaltenwerden folgt.
Was nur der Körper weiss,
der Rücken, der sich weiter krümmt,
der Kopf, der sich so langsam, langsam dreht
und nichts verändert sich.
Ein Schrei entkommt ihrem Mund, doch nur
sekundenlang. Schon hat sie den Laut verschluckt.

Später, zu Hause, knipse ich alle Lichter an
und mache ein Feuer
und trinke Tee, heiß und süß
und schlafe ein, die Scheite gelb in meinem Rücken.
Ich wache frierend auf
und spüre das Zuendegehn,
und das Ausbluten von Farben ins Dunkle.

Eine Fotografie macht das Angebot eines Augenblicks
doch darin schwebt der jüngste Augenblick davor.
Auf der Fotografie, da sieht sie aus, die junge Frau
als ob ein Lächeln gerade ihr Gesicht verließ.

Am Morgen fliegt ein Vogel droben
Sein Schatten berührt die Erde,
das Haus am Weg, die Blumen.

Übersetzt von Monika Rinck

WaistLands

english | Hind Shoufani

I suffer from your beauty.
Even the square curve of your knee,
hard and compact like your voice,
is a perfect crevice, shape of sunlight
for these desert-frozen fingers, a clasp of
jewel knuckles yearning. I would run hands
along solid spaces of
your thigh, soften
I would harden myself
become turgid with inaction
I would wave undulating fragile insides you see not,
paint stroke the length of you, tall a distance
from my seat to yours.
 
I would then let tongue, raspy cotton, old and unwashed,
blossom languages, speak
words inherent. Move, a
diaspora towards pleasure higher, further
up the mountain trail of
your skin,
finger feminine me leads lips to sacrosanct
intersections of your edges,
 yielding muscles that could heat and
grow a bridge between souls, two laps sitting
across a seat from this secret.

Contract and relax, a breath
of nature in every reflex, you breathe, eyes
 away, burying tempests could possibly rampage
at the core of you.
A universe hidden in this motion, I
can crawl,
I can crawl an empty quarter parched for the map to your waist.

I would then lean in on your chest, leave
 the wetness of primal
swamps behind for merely a plunge into you.
Your arms a canyon to set up camp in, to
 make a small fire, heat heart and
feet and close the eyes. I would find
borders to my refugee
blood. I would
order a citizenship,
make a permanent passport.
Draw a land property owned with my teeth
on the horizon between your nipples.

A home from within and without,
a resting swatch of grass with dew, ground
for homeless
curls. A purple iridescent valley is
your expanse. A rocky hell.  A jagged wasteland
of hope
oppressed. A temple obscure, as a planet
rotates between our heartbeats,
one seat apart.
Your smile is the sphere of earth and her orbit.

I would wander upstream . I would plant buds
 of kisses like tulips,
fuchsia. Your nape, a soft winged bird
can depart in rapture,
flight. Free fall into the universe that
 carries me, afloat.
I would trudge the geography, soar all the way to
my heart, beating a retreat from this
life solitary
we once knew.
I would live there.
I would die there.   Your brow an assigned grave
to a past remembered and
discarded.

I would let our faces discover the distance
of nothing, the separation of being
one, a unit of skin
that cinders, and I would, I would finally
drop anchor on your lips.
I would come home to your lips.
I would be finished.
I would be stone that
speaks poems. Time traveling lips
unleash histories straight to your
lungs, alive. I would pour soul honey
into your cavity,
into all that is craving sugar words
and the insides of me,
sweet.
I would kiss you until there was no more you.

I would kiss you until you become the
dictionary of anything I ever desired,
in all the letters ever invented-
and abandoned-  for love.
I would kiss you, kiss you till we infuse
 nothing but moonlight internal.
I could light up your cells.
I could bewitch your future with spells, blazing.

But the angular cruelty of your knee is a razor blade.
Beside me, translucent blood spills
over our feet, concrete bricks.
You read, I write.
Desire for you pricks.
 
And you are my friend,
you are my friend,
you are my friend.

And it is the year two thousand something,
and no one falls in love anymore.

© Hind Shoufani
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2011

WaistLands

german

(Verfasst während einer Busfahrt, kurz verblüfft und gebannt
von deinen entblößten Knien)


Ich leide an deiner Schönheit.
Selbst die eckige Kurve deines Knies,
hart und kompakt wie deine Stimme,
ist eine perfekte Kluft, Sonnengebilde
für diese wüstenfrostigen Finger, eine Spange
Juwelenknöchel Verlangen. Ich führte Hände
entlang der festen Räume
deines Schenkels, sanft
verhärtete ich mich
blähte auf vor Untätigkeit
ich schwenkte in Wellen fragiles Innenleben, unsichtbar für dich,
Farbe liebkoste dich der Länge nach, groß die Entfernung
von meinem Sitz zu deinem.

Dann ließe ich die Zunge, raues Frottee, alt und ungewaschen,
Sprachen blühen, eigene
Worte sprechen. Mich bewegen, eine
Diaspora, auf höheres Vergnügen zu, weiter
hinauf auf dem Bergpfad
deiner Haut,
Finger feminin mich führen Lippen an sakrosankte
Kreuzungen deiner Kanten,
nachgebende Muskeln die sich erhitzen könnten
und aus denen eine Brücke zwischen Seelen erwüchse, zwei Schöße
sitzen einen Sitz entfernt von diesem Geheimnis.

Spann dich an, entspanne dich, ein Atemzug
der Natur in jedem Reflex, du atmest, Augen
weg, Stürme begraben, die womöglich an
deinem Kern rütteln könnten.
Ein Universum versteckt in dieser Bewegung, ich
kann krabbeln, verschmachtend
kann ich eine leere Gegend durchkrabbeln, Landkarte zu deiner Taille.

Dann lehnte ich in, an deiner Brust, die Nässe
von urzeitlichen
Sümpfen hinterlassend, um nur einmal in dich zu tauchen.
Deine Arme, eine Schlucht, um darin zu lagern, um
ein Feuerchen zu machen, Herz und Füße
zu wärmen, die Augen zu schließen.
Ich fände Grenzen
für mein Flüchtlingsblut.
Ich beantragte
eine Staatsbürgerschaft,
einen permanenten Pass.
Zeichnete mein Gründstück mit meinen Zähnen
auf den Horizont zwischen deinen Brustwarzen.

Ein Zuhause von drinnen und draußen,
einen bleibenden Büschel betautes Gras, Boden
für heimatlose
Locken. Ein purpur schillerndes Tal ist
deine Weite. Eine Felsenhölle. Eine zerklüftete Ödnis
unterdrückter
Hoffnung. Ein obskurer Tempel, wie ein Planet
der zwischen unseren Herzschlägen rotiert,
einen Sitz entfernt.
Dein Lächeln ist die Atmosphäre der Erde und ihr Orbit.

Ich wanderte flussaufwärts. Ich pflanzte Knospen
von Küssen wie Tulpen,
Fuchsia. Dein Nacken, ein weichbeflügelter Vogel
kann in Verzückung fortfliegen,
Flucht. Freier Fall in das Universum das mich
trägt, über Wasser.
Ich trottete durch die Geographie, flöge den ganzen Weg
zu deinem Herzen hinauf, schlüge mir eine Zuflucht aus
diesem einsamen Leben
das wir einst kannten.
Dort würde ich leben.
Dort würde ich sterben. Deine Braue, ein zugewiesenes Grab
für ein Früher, unvergesslich und
abgeworfen.

Ich ließe unsere Gesichter die Distanz des Nichts
entdecken, die Trennung des
Einsseins, eine Einheit der Haut
die ausbrennt, und ich würde, endlich würde ich
auf deinen Lippen Anker werfen.
Zu deinen Lippen käme ich heim.
Ich wäre fertig.
Stein wäre ich, der
Gedichte spricht. Zeitreisende Lippen
entfesseln Geschichten direkt in deine
Lunge, lebendig. Ich würde Seelenhonig gießen
in deine Höhlung,
hinein in alles, was nach Zuckerworten verlangt,
und mein Inneres,
süß.
Ich küsste dich, bis es dich nicht mehr gäbe.

Ich küsste dich, bis du zum Wörterbuch
all dessen würdest, das ich jemals begehrte,
in all den Buchstaben, die man jemals erfand –
und verwarf – der Liebe wegen.
Ich küsste dich, küsste dich bis wir von nichts
als innerem Mondlicht durchzogen.
Ich könnte deine Zellen erleuchten.
Deine Zukunft verhexen, mit Zaubersprüchen, gleißenden.

Aber die eckige Grausamkeit deines Knies ist eine Rasierklinge.
Neben mir vergießt sich lichterfülltes Blut
über unsere Füße, feste Klötze.
Du liest, ich schreibe.
Prickelndes Verlangen nach dir.

Und du bist mein Freund,
du bist mein Freund,
du bist mein Freund.

Und wir haben das Jahr Zweitausend irgendwas,
und keiner verliebt sich hier mehr.

Übersetzt aus dem Englischen von Monika Rinck

Után

hungarian | Attila Jász

Sanyinak

Bátorságot kaptunk tőle. Ahogy a kövér lány mászott
előttünk a sziklán. Ha ő meg tudja csinálni, mi is.
Araszolni lefelé a függőleges sziklafalon tériszonyba
kapaszkodva. Alattad a tenger csapkodja a sziklát,
nem nézel le, csak hallod. Meg talán majd minket is,
ha már. De nem volt idő gondolkodni, mászni kellett
tovább a kövér lány mellett, miközben folytonos
szédülés fog el. Lehetetlen, hajtogatjuk félhangosan.
Hogy itt lehet csak lejutni. Hogy egyáltalán. A hercegnő
sziklafalakkal elzárt strandjára, magányterületre. És
elképzelni se tudtuk, a frissítő mártózás után hogyan
is mászunk majd vissza. Egyáltalán. És maga a hercegnő
hogyan juthatott le. Titkos ajtón talán. És szegény Rilke,
ő hogy. Nem tudom, némák a duinói gyíkok. Most
figyelni kell, mászni. A kövér lány után.

© Attila Jász

Hinterher

german

für Sanyi

Sie gab uns Mut. Das dicke Mädchen, wie es vor uns
über die Felsen kletterte. Wenn sie es schafft, dann auch wir.
Die senkrechte Felsenwand mühsam herunterklettern, während
man sich an der Höhenangst festhält. Unten peitscht das Meer die Felsen,
du schaust nicht nach unten, hörst es nur. Vielleicht peitscht es auch uns,
schon bald. Aber es gab keine Zeit nachzudenken, wir mussten klettern,
immer weiter neben dem dicken Mädchen, während uns die ganze Zeit
schwindelte. Unmöglich, wiederholen wir immer wieder halblaut.
Dass man nur nur so herunter kommen kann. Und überhaupt. Zum Strand
der Herzogin, von Felsen abgeschottet, zu ihrem Terrain der Einsamkeit.
Und nach dem erfrischenden Eintauchen konnten wir uns nicht vorstellen,
wie wir da zurückklettern sollten. Und überhaupt. Wie konnte die Herzogin
hierher gelangen. Durch eine geheime Tür vielleicht. Und der arme Rilke,
wie hat er es geschafft. Ich weiß es nicht, stumm sind die Eidechsen von Duino.
Wir müssen jetzt aufpassen und klettern. Dem dicken Mädchen hinterher.

Ins Deutsche übertragen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

Underpass

english | Zoë Skoulding

a wave on gut strings
changes phase at each
slam into polished stone
as skaters echo in the
bahnhof air caught
in their bodies as a
gulp on windpipe
slap of board vibrating
in the ear I lose bearings
underground come out
two streets later how far
out of place a question

of the balance between
echoes under stone
white-knuckle saunters
through the streets and
out of the rubble angels
free from gravity
gilt catching the light
the wall down the
movement of internal
displacement fractures
the wall a sentence
crumbling into air

© Zoë Skoulding
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

unterführung

german

eine welle auf darmsaiten
phasenwechsel bei jedem
schlag auf polierten stein
als skater echo in dem
bahnhof luft gefangen
in ihren körpern wie ein
schluck in die luftröhre
schlag des boards vibriert
im ohr ich verliere orientierung
unterirdisch komme raus
zwei straßen später wie weit
weg von wo eine frage

der balance zwischen
echos unter stein
weiß-knöchelig schlendert
durch die straßen und
aus dem schutt heraus engel
frei von schwerkraft
gold fängt sich das licht
die mauer gestürzt die
bewegung innerer
verschiebung bricht
die mauer ein satz
bröckelt zu luft

Übersetzung: Monika Rinck

Two Autumns

english | Gabeba Baderoon

I glance outside and expect
a mountain to rise behind the house,
sudden granite and trees
in inlets carved by waterfalls,
the air down the mountain slowing
to honey above the sea.

But it is this Autumn
and maple leaves swing on the pendulum of branches.
The oaks with their thinning net of leaves spin
above the house and its flat meadows.
Branches lean into an arched ceiling,
their leaves curved like hands clasped
in prayer.

It is this Autumn
and I will learn its supple light
and you will read to me on the grass
and I will watch your mouth while the leaves fall
and another season turns
on the other side of the world.

And here the trees will draw sharp elbows to their trunks
and a fine snow will tamp down the earth
and Winter will stretch its silence
and I will see the wind made visible
by the weight of snow.

I will learn a meadow is a field made velvet
by Spring flooding, planed by the wash
and ebb of water that levels out the earth.
And I will see the even stories of this place
draw a line to the mountains and wind
on the other side of the world.

© Gabeba Baderoon
from: The Museum of Ordinary Life
Stuttgart : DaimlerChrysler , 2005
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Zwei Herbste

german

Ich schaue nach draußen und erwarte,
dass hinter dem Haus ein Berg sich erhebt,
schlagartig Granit und Bäume
in Schluchten, von Wasserfällen eingeschnitzt,
die Luft den Berg hinab verlangsamt sich
zu Honig über der See.

Aber es ist dieser Herbst
und Ahornblätter schaukeln auf den pendelnden Ästen.
Die Eichen in ihrem gelichteten Blätternetz wirbeln
über dem Haus und seinen matten Wiesen.
Äste lehnen sich in ein gewölbtes Dach,
ihre gebogenen Blätter wie Hände, gefaltet
zum Gebet

Es ist dieser Herbst
und ich werde sein biegsames Licht erlernen
und du, auf dem Gras, wirst mir vorlesen
und ich werde deinen Mund ansehn, indes die Blätter fallen
und eine andere Jahreszeit wird
auf der anderen Seite der Welt.

Und hier werden die Bäume spitze Ellbogen an ihre Stämme ziehen
und ein feiner Schnee wird die Welt verstummen lassen,
und der Winter wird seine Stille ausdehnen
und ich werde den Wind sehen, sichtbar gemacht,
im Gewicht des Schnees.

Ich werde lernen, dass eine Wiese ein in der Frühlingsflut
samtgewordenes Feld ist, geglättet durch das Anbranden
und Abebben des Wassers, dass die Erde ausgleicht.
Und ich werde die gleichmäßigen Geschichten dieses Ortes
eine Linie ziehen sehen, zu den Bergen und dem Wind
auf der anderen Seite der Welt

Übersetzt von Monika Rinck

Transit

english | Gabeba Baderoon

In transit in Frankfurt airport halfway
through her journey to America,
she waits in the sheared hours of the morning
before the grey stalls open.

At the end of the corridor where
the phones stand back to back she presses
into a booth and dials the long number for home.

The delay in the call is one beat too long,
enough to jerk apart the words.
Is that you? Where are you now?

She hears the voices she has left and realizes,
where she is going she knows no one.
As the phone card marks the passing of silence,
she sinks to the floor
through the open borders of the self.

Then there is time only to say,
I am fine. I leave in an hour,
and step into the irreversible day.

© Gabeba Baderoon
from: The Museum of Ordinary Life
Stuttgart: DaimlerChrysler , 2005
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Transit

german

Beim Umsteigen auf dem Flughafen Frankfurt, auf halbem
Weg der Strecke nach Amerika,
wartet sie in den geschorenen Morgenstunden
bevor die grauen Counter öffnen.

Am Ende des Ganges wo
Rücken an Rücken Telefone stehen, zwängt
sie sich in eine Zelle und wählt die lange Nummer nach Hause.

Die Verzögerung des Anrufs ist grad einen Takt zu lang
reicht aus, die Worte abzuhacken.
Bist Du das? Wo bist du gerade?

Als sie die Stimmen hört, die sie verlassen hat, wird ihr klar
dass sie dort, wo sie hingeht niemanden kennt.
Und die Telefonkarte beziffert das Vergehen der Stille
sie sinkt auf den Boden
durch die offenen Grenzen des Selbsts.

Dann bleibt nur noch Zeit zu sagen:
Mir geht s gut. Ich fliege in einer Stunde,
und einzutreten in einen unabänderlichen Tag.

Übersetzt von Monika Rinck

Tower

english | Zoë Skoulding

the wind
tower
could be
  a pack
of lies
on stilts
or else
 a call to
prayer
language
disembodied
via
radiator
pipes
between
          storeys
   as voices
tangle
in the
breeze
directives
are
disobeyed
but
something
holds it up
 still it
leans
between us
  on ladders
where we
built it in
the silt
of the
buried river
flooding
the foundations
again
and
again songs
ooze    underground

© Zoë Skoulding
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

Turm

german

der Wind-
turm
könnte ein
ein Haufen
Lügen
auf Stelzen sein
oder auch
ein Ruf zum
Gebet
Sprache
entkörpert
durch
Heizungs-
rohre
zwischen
Stockwerken
wenn Stimmen
sich verstricken
in der
Brise
Richtlinien
werden
missachtet
doch
etwas
hält ihn aufrecht
noch
lehnt er sich
zwischen uns
an Leitern
wo wir
ihn errichteten
im Schlick
des
begrabenen Flusses
die Fundamente
flutend
wieder
und wieder sickern
Lieder in den Untergrund

Übersetzung: Monika Rinck

TOMORROW’S DAUGHTERS

english | Lebogang Mashile

I want to write a poem
About pretty black girls
Who don’t relax and lie their dreams away
Voices that curl
The straight edges of history
Hair thin slices of a movement
Turning the world kinky
I respect the disciplined silent screamers
Who expose the holes
Emily Dickinson, I am climbing through
To your wooden shed of isolation
Where the robin’s song
Robbed you of your sanity
I revere people to my own detriment
Perhaps you did too
But when I enter your hallowed hearth
Please don’t turn me away
I want to show pretty black girls
How to look at their hearts
With eyes blaring at full blast
The way you did
Together we can build a bridge
To the promise in their faces
And pull them towards poems
By pretty black girls
Wearing crowns of change

from: In a Ribbon of Rhytham
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

TÖCHTER VON MORGEN

german

Ich will ein Gedicht schreiben
über schöne schwarze Mädchen
Die nicht nachgeben und von ihren Träumen lassen
Stimmen, die die glatten Kanten
Der Geschichte wellen
Haaresbreite Schnitte einer Bewegung
Die die ganze Welt verdreht.
Ich respektiere disziplinierte stumme Schreier
Die die Löcher entblößen
Emily Dickinson, ich komme geklettert
Zu deinem Holzschuppen der Vereinzelung
Wo der Gesang des Rotkehlchens
Dir den Verstand geraubt hat.
Ich verehre Leute zu meinem eigenen Schaden
Vielleicht du ja auch
Aber wenn ich deinen geheiligten Herd betrete
Bitte schick mich nicht weg
Ich will schönen schwarzen Mädchen zeigen
Wie ihre Herzen anzuschauen sind
Mit Augen, schmetternd, voll Wucht
Wie du es tatst
Gemeinsam können wir der Verheißung
In ihren Gesichtern eine Brücke bauen
Und sie an Gedichte heranziehen
Von schönen schwarzen Mädchen
Bekrönt mit der Krone des Wandels

Aus dem Englischen von Monika Rinck

Time and Children

english | Gabeba Baderoon

Every Sunday when I was young,
the whole family crowded into cars to visit
my aunt who lived as far away as banishment.

Led by my grandparents in their white Vauxhall,
after the last stretch of gravel track, barely
wide enough for a car and impassable
in heavy rain, we always arrived
in the narrow road in front of the house ready
for lunch and my aunt’s loud welcome.

And later, in that order of things
that has to do with Sundays,
and the way old men understand time
and children, my grandfather in his bowtie
and black felt hat would call the children
of the neighbourhood to his Vauxhall,
and they would crowd
into the back seat from one side
and lever onto one another’s laps
and shut the heavy door with a bang.

The visiting children would stand at the kerb
and watch him drive to the end
of the road and manoevre the car around.
Slowly my grandfather would pull up again
at my aunt’s house, and a fan of children,
would spill out of the back seat.

All my life I have remembered
the order of such Sunday afternoons.
Even now, recalling
the moment they drove away from us,
my head rears back
at the return of something.
In our watching and waiting
was the beginning of recognition and loss,
of apprehending something
we didn’t even know we had.

© Gabeba Baderoon
from: The Museum of Ordinary Life
Stuttgart: DaimlerChrysler , 2005
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Zeit und Kinder

german

An jedem Sonntag, als ich klein war
hat sich die Familie in Autos gequetscht, um meine Tante
so weit weg, dass es Verbannung glich, zu besuchen.

Angeführt von meinen Großeltern in ihrem weissen Vauxhall
nach den letzten Metern Schotterpiste, kaum
breit genug für ein Auto und in schwerem Regen
gar nicht erst unpassierbar, kamen wir stets
an, vor dem Haus in der engen Straße, bereit
zum Mittagsessen und dem lauten Willkommensgruß meiner Tante.

Und später, in derjenigen Abfolge der Dinge
die mit Sonntägen zu tun hat
und der Art, wie alte Männer Zeit und Kinder
verstehen, hat mein Großvater mit seiner Fliege
und dem schwarzen Filzhut die Kinder
der Nachbarschaft zu seinem Vauxhall gerufen
und sie haben sich
durch eine Tür auf den Rücksitz gedrängt,
und sind einander über den Schoß gekrabbelt
und haben die schwere Tür zugeknallt.

Die Kinder zu Besuch haben an der Kurve gestanden
und zugesehen, wie er an das Ende
der Straße fährt und den Wagen wendet.
Langsam ist mein Großvater wieder zurück
zum Haus meiner Tante gefahren und ein Kinderwirbel
hat sich vom Rücksitz ergossen.

Mein ganzes Leben lang habe ich mich
an die Abfolge dieser Sonntagnachmittage erinnert.
Selbst jetzt, den Moment
vor Augen, an dem sie wegfuhren von uns
mein Kopf wendet sich um
es kehrt etwas zurück.
In unserem Zuschauen und Warten
war der Beginn von Anerkennung und Verlust
das Begreifen von etwas,
von dem wir nicht einmal wussten, dass wir es hatten.
von dessen Besitz wir nichts ahnten.

Übersetzt von Monika Rinck

THE WILD BOAR

english | Peter Filkins

Was it Kiki or Heinz with whom we hitched
that ride from Hamburg to Berlin
twenty years ago, the sun setting across
the barren expanse of the Prussian march
as the car (an out-of-service ambulance!)
pulled onto the transit highway from which
there was no getting off except to stop,

wait for the East German cops to show up
and question the driver and his (her?) passengers
as to why we’d missed our scheduled arrival
in Berlin, wind whipping off the fields
with a cold as numbing as the grey
eyes of that policeman asking why
we’d stopped the car, the answer being

we’d hit something in the dark which – bang! –
was there and gone, the driver turning
onto the gravel shoulder as we got out
to assess the damage done, the headlight
shattered and caved in, while at the edge,
caught in the twisted chrome and there
for the cop to inspect, the bristles of a boar

we’d hit which none of us could see
or saw as it crossed into our path
all those years ago, the highway bleak
and empty but for the whistling wind
wild as the thought of tomorrow among
the dark reaches where that boar still ran,
wounded and mortal – was it Gabi? was it Fritz?

© Peter Filkins
from: unpublished
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

DER WILDE EBER

german

War es Kiki oder Heinz, mit denen wir die Strecke
von Hamburg nach Berlin trampten
vor zwanzig Jahren, die Sonne ging über
der kargen Weite der preußischen Felder unter,
als das Auto (ein ehemaliger Krankenwagen)
auf die Transitstrecke fuhr, von der man
nicht herunterkam, außer um anzuhalten

und zu warten, bis die DDR-Polizisten auftauchten,
und den am Steuer und seine (ihre?) Mitfahrer fragten,
warum wir unsere geplante Ankunft in Berlin
verstreichen ließen, Wind peitschte über die Felder
mit einer Kälte, die uns ebenso erstarren ließ wie
die grauen Augen des Polizisten, der uns fragte, warum
wir das Auto angehalten hätten, die Antwort war,

dass wir etwas überfahren hätten, im Dunkeln, das - Peng -
da war und weg war, der Fahrer wich auf den
geschotterten Randstreifen aus, wo wir ausstiegen, um den
entstandenen Schaden in Augenschein zu nehmen,
das Vorderlicht kaputt und eingedrückt, während am Rand
im verbogenen Chrom stecken geblieben und dort
für den Polizisten zu untersuchen, die Borsten eines Ebers,

den wir überfahren hatten, den keiner von uns sehen konnte
oder gesehen hat, als er unseren Weg querte
vor so vielen Jahren, die Autobahn trostlos
und leer bis auf den pfeifenden Wind,
wild wie der Gedanke an Morgen unter
der dunklen Ausdehnung, in der der Eber noch rannte
verwundet und sterblich - war es Gabi? war es Fritz?

Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Monika Rinck

The Signing Ceremony

english | Gankhanani Moffat Moyo

It is the signing ceremony
Of the death pact
Who goes first
And who goes last?
That is the ghostly question
Vibrating in our insides
Struggling, seeking to be exhumed
An explosion, a blast!
The metallic points
Of the signing pens
Bleeding red death
On the white paper
Whence the decrees are made –
The pact of death.
  
In those conference rooms
Colourful speeches
Like poetic inscriptions
Are engraved on TV screens
That these pacts are facts
Created to correct
And draw out of the abyss
The poverty-stricken
Malnourished Zambians
But when hands are shaken
Smiles beamed
Words like swords
Are buried in the bellies of the poor
Told to till the land
And feed the overfed
And the facts of the pacts
Are the fats and the oils
That run down the over-ballooning bellies
The official black suits stained
In the greases of the delicacies
While in pain and in grief
The poor in the abyss are buried!
  
Now, the darkness dwindles
As the sun rises…
The soiled and oiled suits
Pleading for plentiful washing
It is the rotting poor
Reeking in the abyss of death
To sweat without rest
And wipe clean best
The oiled, soiled, stained suits
In the sacrifice
For the ailing mother Zambia.
  
When night approaches
Sharply pointed pains
Scruffily scribble white paper in blood
And the packs in stacks
Are created – the conjoined loves
For the poor ailing Mother Zambia
The feasts abound around
And the signing ceremony
Of the death pact
Still goes on.

© Gankhanani Moffat Moyo
from: Songs from my Soul
Audio production: LiteraturWERKstatt Berlin 2009

Feierliche Unterzeichnung

german

Es ist die feierliche Unterzeichnung
Des Todespaktes
Wer geht vor
und wer zuletzt?
Das ist die gespenstige Frage
Die in unserm Innern vibriert
Ringt, aus dem Grab dringt
Eine Explosion, ein Knall!
Die metallischen Spitzen
Der Stifte zur Unterschrift
Bluten roten Tod
Auf das weiße Papier
Worauf die Dekrete beschlossen –
Der Todespakt.

In diesen Konferenzräumen
Sind vielfarbige Reden
Wie poetische Inschriften
In Fernsehbildschirme graviert
Dass diese Pakte Fakten sind
Kreiert zum Korrigiern
Und aus dem Abgrund zu ziehn
Die mit Armut geschlagenen
Unterernährten Sambier
Aber wenn Hände geschüttelt werden
Leuchtet Lächeln
Worte wie Schwerter
Sind in den Bäuchen der Armen begraben
Aufgefordert, das Land zu pflügen
Und die Überfütterten zu füttern
Und die Fakten der Pakte
Sind die Fette und Öle
Die an den aufgeblasenen Bäuchen runterlaufen
Die offiziellen schwarzen Anzüge befleckt
Mit den Fetten der Delikatessen
Während in Schmerzen und Leid
Die Armen im Abgrund begraben werden.

Jetzt, da die Sonne aufgeht
Schwindet die Dunkelheit…
Die befleckten und öligen Anzüge
Bitten um ausgiebiges Waschen
Die verrottenden Armen
Die im Abgrund des Todes stinken
Ohne Pause schwitzen
Sind die besten Reinemacher
Der öligen, beschmutzten, fleckigen Anzüge
Als Opfer
Für die sieche Mutter Sambia.

Wenn die Nacht sich nähert
Scharf gespitzte Schmerzen
Weißes Papier mit Blut dreckig bekritzeln
Und Stapel von Pakten
erschaffen werden – die vereinigte Liebe
Für die arme sieche Mutter Sambia
Umher brechen die Feste aus
Und die feierliche Unterzeichnug
Des Todespakts
Ist noch nicht vorbei.

Übersetzt von Monika Rinck

The New Bridge

english | Zoë Skoulding

as the vein runs
                    under fragile reconstructions
of what was holding us together
         the river made of time and water
I walk beside the swing of your pulse
         and your heart pumps
                    in both directions at once
the lines of the landscape
                    run through me to somewhere else
sight lines shriek into the present
         loyalties tattooed in rose and gold
                    stop my mouth for
                             we are water and time
runs through us
                    the river sings between be-
tween rose and gold the blood
                             runs between us outlines of fish
in the shadows slipping green
                    on this side of the river we and on that side they

© Zoë Skoulding
from: Remains of a Future City
Wales UK: Seren Books, 2008
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

die neue brücke

german

wie die ader unter
fragilen rekonstruktionen verläuft
dessen was uns zusammenhielt
der fluss aus zeit und wasser gemacht
laufe ich neben dem schwung deines pulses
und dein herz pumpt
in beide richtungen zugleich
die linien der landschaft
durchlaufen mich nach anderswo
blicklinien quietschen in die derzeitigen
ergebenheiten tätowiert in rosé und gold
stoppe meinen mund denn
wir sind wasser und zeit
durchläuft uns
der fluss singt zwischen zwi-
schen rosé und gold das blut
läuft zwischen uns konturen von fisch
im schattigen gleitenden grün
auf dieser seite des flusses wir und auf jener seite die

Übersetzung: Monika Rinck

The Man in the Train

english | Gabeba Baderoon

Pulling into the station, our trains pause
and I catch your eye across everything
that separates us. I wait to leave but, in a moment
of stillness, I hold your gaze.

Do you too feel that every journey
takes you in larger circles away from home.
For a moment, though soon we will move
in opposite directions, it feels
as though I have come to rest.

© Gabeba Baderoon
from: The Museum of Ordinary Life
Stuttgart : DaimlerChrysler , 2005
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Der Mann im Zug

german

In den Bahnhof einfahrend, hält unser Zug
und ich fange deinen Blick ein, über all das hinweg
was uns trennt. Ich muss gleich weg, doch in einem Moment
der Stille, halte ich deinen Blick.

Findest du auch, dass jede Reise
um dich den Radius vergrößert, dessen Mitte Heimat ist.
Für einen Moment, obwohl wir uns bald in
entgegengesetzte Richtungen bewegen werden, fühlt es sich an
als sei ich zur Ruhe gekommen.

Übersetzt von Monika Rinck

The Lab of Poetry

english | Gankhanani Moffat Moyo

We are in the lab, in this room
Creating a deadly bomb
A bomb as of a storm
In the lab, in this room.
  
In the lab are we seated, dears
Africa’s own sons and daughters
As thou thinkest like fire
And implements like the mighty sun
What are we then
In this lab to create in turn?
  
Like the lion of the jungle
That stealthily strides upon the earth
Dear, with no fear of any peer
We create a blasting bursting bomb
That shall break boundaries
  
And when the bomb if fallen
Upon the sires and sons of this earth
It shall beat and break boundaries
The boundaries that separate Kanyama from Chawama
Lusaka from Mazabuka
Western from North-western
And Zambia from Gambia
  
We shall beat and break boundaries
That separate your blood from mine
And thy breath from mine
And thine heart from mine
  
And we shall call upon somebody
We shall call upon our ancestors
Hidden deep in the hearth of the earth
We shall groan and moan
We shan’t slip into sleep
We shan’t eat to keep fit
  
We shall call upon the blood
That drips with this pain
From this part
The heart of Africa
We shall weep sore in the night
And shed blood from our souls
To bury the lines between black and white
  
O’ gentles, you shall hear voices changing
The skies of our sweat to piles of praises
The black bitter blood to blood of brave boys
The mournful voices of Africans
To voices of birth of mirth
For we shall come back
  
True, back not to sing, but back to our black truth
Once again we shall sing
Bathing in the illumination of the full moon
We shall dance our energies out
And truthfully circumcise our children
For cleanliness and purity
  
The young shall speak out
And give not up their mother Zambia
The young shall not stop
Till Zambia smile,
Till Zambia smile.
  
We are in the lab
Creating a bomb to fall upon our people
And kill the loss we’ve gained in them
The loss in truth in Africanism
And bring Africa back
To the mother of the world’s civilisation
  
We are in the lab
Not a lab of rubudiam
But a lab of consonants and plosives
A lab of alliteration and mono and bi and deca and poly syllables
A lab not of for the Iraq war
But a lab of development
A lab of diction
A lab of speech
The lab of poetry.

© Gankhanani Moffat Moyo
from: The Lab of Poetry (CD)
Audio production: LiteraturWERKstatt Berlin 2009

Das Lyriklabor

german

Wir sind im Labor, in diesem Raum
Erschaffen eine tödliche Bombe
Eine Bombe wie die eines Sturms
Im Labor, in diesem Raum.

Dort sitzen wir, in diesem Labor, liebe
Söhne und Töchter Afrikas
Herr, da du dachtest wie Feuer
Und Werkzeuge wie die mächtige Sonne
Was sollen wir wiederum
In diesem Labor Dir erschaffen?

Wie der Löwe des Dschungels
Der verborgen auf der Erde schreitet
Lieber, ohne Furcht vor irgendwem
Erschaffen wir eine berstend-platzende Bombe
Die Grenzen niederreißen wird.

Und wenn die Bombe auf die Vorfahren
Und die Söhne dieser Erde gefallen ist,
Wird sie Grenzen besiegen und brechen
Die Grenzen die Kanyame von Chawama
Lusaka von Mazabuka
Westen von Nordwesten
Und Sambia von Gambia trennen

Wir werden die Grenzen besiegen und brechen
die dein Blut von meinem trennen
Und Deinen Atem von meinem
Und Dein Herz von meinem

Und unser Ruf wird jemandem gelten
Unser Ruf wird unseren Vorfahren gelten
Versteckt tief im Herzen der Erde
Wie werden ächzen und stöhnen
Wir werden nicht in den Schlaf gleiten
Wir werden nicht essen um fit zu bleiben

Unser Ruf wird dem Blut gelten
Das mit diesem Schmerz tropft
Von diesem Teil
Dem Herzen Afrikas
Wir werden bitter weinen in der Nacht
Und unserer Seelen Blut vergießen
Um die Fronten zwischen Schwarz und Weiß zu begraben

O Sanfte, ihr werdet Stimmen hören, die den Himmel
Unseres Schweißes in einen Berg von Gebeten verwandeln
Das schwarze, bittere Blut auf Blut der tapferen Jungen
Die leidvollen Stimmen der Afrikaner
In Stimmen der Geburt und der Freude
Denn wir werden zurückkommen

Treu, nicht zum Gesang, sondern zu unsrer schwarzen Wahrheit zurück
Werden wir aufs Neue singen
Gebadet vom hellen Schein des Vollmonds
Wir werden unserer Energien hervortanzen
Und wahrhaftig unsere Kinder beschneiden
Um Sauberkeit und Reinheit willen

Die Jungen werden ihre Stimme erheben
Und nicht ihre Mutter Sambia aufgeben
Die Jungen werden nicht auhören
bis Sambia lächelt,
bis Sambia lächelt.

Wir sind im Labor,
Eine Bombe zu erschaffen, die auf unser Volk falle
Und den Verlust töte, den wir in ihnen gewonnen
Den Wahrheitsverlust im Afrikanismus
Um Afrika zurückzubringen
Zur Mutter der Weltzivilisation

Wir sind im Labor
Kein Rubidium-Labor
Sondern ein Labor von Konsonanten, Plosiven
Ein Labor der Alliteration und Eins-, Zwei-, Zehn- und Vielsilber
Ein Labor nicht für den Irakkrieg
Sondern ein Labor der Entwicklung
Ein Labor der Diktion
Ein Labor der Rede
Das Labor der Poesie.

Übersetzt von Monika Rinck

THE HUNTERS

english | Peter Filkins

for Susan

Dawn’s tender light
shatters to a blast
of shotguns on the lake,
jolting us awake
from our halting sleep.

The hunters are back,
predictable as fall’s
bright bloody wash
of dying maples.
Camouflaged, funereal

in their whispered
death-bed watch
behind a makeshift blind,
their fitful quack-ack-acks
imitate the call

of a wounded duck
that in fact sounds drunk,
each belching shot
an attempt at validation
that ends in folly.

Dearest, the blaze
of morning is upon us
here in our downy bed.
Come closer. Let’s kiss.
Whatever’s insinuated

by the chuck of water,
far fields of sun-blanched hay,
may it be this
sweet tribulation
of lips and arms and breasts

under the snug duvet
you lift like a vaulted wing,
our bodies warm as the rose
light firing the hills
of this furious season.

© Peter Filkins
from: unpublished
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

DIE JÄGER

german

Für Susan

Das zarte Licht der Frühe
geht in Fetzen, Schüsse,
die über dem See detonieren,
rütteln uns wach
aus unserem weichenden Schlaf.

Die Jäger sind zurück
sicher wie die leuchtend
blutige Beize des sterbenden
Ahorns im Herbst.
Vermummt, düster

in ihrer geflüsterten
Totenwache
hinter einem notdürftigen Schirm
imitieren ihre launischen
qack-ack-acks den Ruf

einer verwundeten Ente
die eigentlich besoffen klingt,
jeder ausgespeite Schuss
ein Versuch der Bewertung
der im Irrsinn endet.

Liebste, das Aufflammen
des Morgens steht bevor
hier in unserem Daunenbett.
Komm näher. Lass uns küssen.
Was immer das Wasserglucksen

uns zu verstehen geben will,
weite Felder sonnengebleichten Heus,
es möge diese
süße Trübsal sein
der Lippen und Arme und Brüste

unter dem kuschligen Federbett
erhebst du dich wie ein gebogener Flügel,
unsere Körper warm wie das rötliche
Licht, das die Hügel dieser
rasenden Jahreszeit befeuert.
 
Das Entfernen der Birken

Stutzen, Fällen, Zerhacken von zwei morschen Birken
steht auf der Rechnung, die eine Woche später eintrifft
Der Schaden? Arbeitsaufwand & Werkzeug - $ 250,
obwohl das kein Schnäppchen ist: muntere leere Luft
ist nun alles was blieb von dem, was da mal stand, wer weiß,
ein Jahrhundert oder Leben lang? Ihre hochschwankende Macht,
reduziert zu Feuerholz, in diesem Winter zu verbrennen.

Doch es war an der Zeit. Die Birken dem Haus zu nah,
in einer windigen Nacht brach ein schwerer Ast herab
weckte uns, mit einem Krach, so laut, dass wir dachten
das Ende des Schlafs sei gekommen, unser Dach kaputt
und hereingekrochen kam die knochige Novemberkälte
bis am nächsten Morgen, Arbeiter die Neuigkeiten brachten:
Da hilft nichts, diese Bäume sind runtergekommen.

Sommer. Morgen. Das Loswimmern einer Heuschrecke,
der Tag ein Versprechen, in freundlichem Laub geborgen,
als Junge liebte ich ihre drängenden weißen Triebe,
wie sie sich als massives V vor meinem Fenster errichteten,
der Umfang jedes Stammes meine doppelte Ärmchenlänge,
die vernarbte, papierne Rinde, ein Bogen, eingeschrieben
sind Drehung und Neigung, vom Wetter beschriftet.

Wie viele Sommer haben sie gesehen? Welche Drachen
endeten den Flug, aufgeschlitzt zwischen ihren Zweigen?
Und wer konnte wissen, was für ein Fluch oder Glück
sie so groß hat wachsen lassen, Blitzschlag
und Brand, Dürre und Winterwinde, auf der Skala
der Erfahrung streckte es sie nieder, ebensogut
wie die stete Hege sie dehnte bis ins fahle Blau.

Ich blinzele mit den Augen, doch sie sind wirklich weg.
goldenes Sägemehl hinterlassend, das vor Zerstörung
süß ist, sein Geruch der stechende Nachgeschmack
einer Kettensäge beim Holzfraß, das ätzend ölige Summen
das den Ast stutzt, als zerstückelte man eine Puppe
entblößt im Missbrauch, als das letzte kehlige Knattern der Säge
sich eingräbt und wühlt, verrückt nach dem markigen Stamm.

Was sie waren, wird Abwesenheit, oder zumindest
gezwungenermaßen: Sägemehl, Holzspäne und Feuerholz
wird auch bald verschwunden sein. Indes hat sich die Sicht
geöffnet und mir ihr erscheint eine Landschaft
ungesehen zuvor, aber offensichtlich immer schon da.
Eisengrau im Herbst, eine Stille, durchlärmt von Gänsen
auf ihrem dringlichen Flug über die Bäume.

Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Monika Rinck

The House Where it is Impossible Not to Fall in Love

english | Zoë Skoulding

In the flick of an eye
             the room shrinks to a double pulse
                        and you recognise half of everything

                                  The chairs
                                                    too far apart
                                  teeter

Extravagant fables gather in doorways
            circulate like draughts with no reference

                 to the real
                             which disappears
        under the carpet

                                     when your voice at breaking point
                                                     rolls over a mouthful of bricks

to fill these crumbling arches that have
                                               opened up all over you

and you should go home now but you never can

© Zoë Skoulding
from: Remains of a Future City
Seren Books, 2008
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

Das Haus in dem es unmöglich ist, sich nicht zu verlieben

german

Im flackern eines auges
schrumpft der raum zu einem doppel-puls
und du erkennst die hälfte von allem

die stühle
zu weit weg von einander
taumeln

extravagante fabeln sammeln sich in fluren
kreisen wie luftzüge ohne referenz

zum realen
das verschwindet
unter dem teppich

wenn deine stimme im moment da sie bricht
über eine mundvoll ziegel rollt

um diese bröckeligen bögen zu füllen, die sich
überall über dir geöffnet haben

und du solltest jetzt nachhause gehen aber das kannst du nie

Übersetzung: Monika Rinck

The Great Lesson

english | Gankhanani Moffat Moyo

As time has flown
Into the ocean of yesterdays
I have come to drink of its facts
And think of its pasts
As reservoirs of knowledge
From which to learn life
I have come to learn that love
Is as abstract as it is dead
A phenomenon created for the weak-hearted
Those who feed on those lies
Coated in thin layers of truth.
I have learnt to learn
That love shall never ever be
For it is but just a frame
Used to cage, blind, and kill
Innocent, decent and young ones
Whose thoughts are as delicate
As the breath of an infant barely born.
We have fallen victim
To the I love yous –
Bloody words
Exhumed from ghostly mouths
Of our devilish loves
Ugly mouths whose lips
Have dug into us
Just upon blinding us in I love yous.
With time fully flown
Into the ocean of yesterdays
As December 31st is about
To depart for eternity
I have come to learn
And convinced myself
Not all the I love yous I hear
Are clean in heart
But just my heart to cut
To steal my thought of purity
My love of reality
My genuine love, my trueness
I have convinced myself
Never to swallow of any I love you
-                      cast them into nothingness
And, alone, walk shoulder high
Smile for my hearts joy
And joy in my own joy
No more I love yous!

© Gankhanani Moffat Moyo
from: Songs from my Soul
Audio production: LiteraturWERKstatt Berlin 2009

Die große Lektion

german

Da die Zeit verflossen ist
In den Ozean damaliger Jahre
Kam ich dazu, von ihren Fakten zu trinken
Und an ihre Vergangenheiten zu denken
Als Speicher des Wissens
Das Leben zu lernen
Ich kam dazu, zu lernen, dass Liebe
So abstrakt ist wie tot.
Ein Phänomen gemacht für die Schwachherzigen
Die sich von diesen Lügen ernähren
Von dünnen Wahrheitsschichten umhüllt
Ich habe gelernt zu lernen
Dass Liebe niemals SEIN wird
Denn sie ist nichts als ein Rahmen
Um Unschuldige, Anständige und Junge
Zu fangen, zu blenden, zu töten
Deren Gedanken so fein sind
Wie der Atem eines kaum geborenen Kleinkindes.
Wir sind dem "Ich liebe dich"
Zum Opfer gefallen
Blutige Worte
Dem Grab der gespenstigen Münder
Unserer teuflischen Lieben entnommen
Hässliche Münder, deren Lippen
Sich in uns gegraben haben
Gerade als sie uns mit "Ich liebe dich" blendeten.
Mit der ganz in den Ozean
Damaliger Jahre geflossenen Zeit
So wie der 31. Dezember dabei ist
Aufzubrechen zur Ewigkeit
Kam ich dazu, zu lernen
Und mich davon zu überzeugen
Dass nicht alle "Ich liebe dichs" die ich höre
Rein in meinem Herzen sind
Sondern nur, mein Herz zu kappen
Um meine reinen Gedanken zu stehlen
Meine Liebe zur Realität
Meine echte Liebe, meine Wahrhaftigkeit
Ich habe mich überzeugt
niemals irgendein "Ich liebe dich" zu schlucken
es in die Nichtigkeit zu verbannen
Und alleine, schulterhoch zu gehen
Lächeln vor Freude meines Herzens
Und mich an meiner Freude zu erfreuen
Keine "Ich liebe dichs" mehr.

Übersetzt von Monika Rinck

THE GLOBE

english | Peter Filkins

Blue tilted pupil
staring at heaven,
a child’s small hand
can set you spinning.

Countries and borders,
like cataracts,
float on your surface
as passing facts

arranged by history,
shifted by wars,
erased by time
like dinosaurs.

Artifice, too,
that web of lines
crossing the sphere
on which we find

ourselves all alone
like aliens in space,
observing continents
flow down your face,

while you on your own
are ignorant of pain,
geography’s game plan:
simply remain.

But should we vacate
your azure premises,
who will there be
to measure the distances

from ocean to landfall,
from equator to cap;
who will there be
to color the map?

No matter. Don’t worry.
It’s not your concern.
Another sun sets,
another Troy burns,

as you circumnavigate
the core of your being
– empty dead air,
cardboard and printing.

© Peter Filkins
from: unpublished
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

DER GLOBUS

german

Schrägblaue Pupille
in den Himmel starrend
eine kleine Kinderhand
kann dich ins Kreiseln bringen.

Länder und Grenzen
gleichsam Katarakte
treiben auf deiner Oberfläche
als flüchtige Fakten.

geschichtlich arrangiert,
verlagert durch Kriege,
ausgelöscht durch die Zeit
wie Dinosaurier.

Genauso ein Kunstgriff
dieses Netz von Linien
das die Sphären überzieht
in denen wir uns selbst

ganz alleine finden
wie Außerirdische im Raum
Kontinente beobachtend
die dein Gesicht durchgleiten

während du ganz bei dir
schmerzunempfindlich bist
Spielplan der Geographie:
einfaches Überdauern.

Aber sollten wir das azurblau
Gegebene verlassen,
wer wird dann da sein
die Entfernungen zu messen

vom Ozean zur Landung
von Polkappe zum Äquator
wer wird dann da sein,
um die Landkarte einzufärben?

Macht nichts. Keine Sorge.
Das ist nicht deine Sache.
Eine andre Sonne geht unter,
ein andres Troja in Flammen auf

während du den Kern
deines Seins umschiffst
- leere tote Luft,
Pappe und Vierfarbdruck.

Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Monika Rinck

The Building Constructed from its Own Fall

english | Zoë Skoulding

Our feet drag with the effort of
holding it all up. Or is this

weight the way it holds us
down? It begins with an echo,

then a footprint in rubble,
dust gathered into clouds

that churn into a storm
before the ground unsettles,

loose bricks flying up
in the repulsion of forces –

upper storeys rocket
from billows of cement

bound in the blast as walls
heave themselves together,

steel unbuckles, cracks
in the concrete disappear.

Hard to say whether this is
destruction or creation

as the building rises to a tremor,
the shape of itself shifting

into true, the core straight
above its foundation –

a split second of balance
before the fuse lit in a place
that used to be the future.

© Zoë Skoulding
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

Das aus seinem Zusammenbruch errichtete Gebäude

german

Unsere Füße schleppen sich mit der Mühe dahin,
das Ganze aufrechtzuerhalten. Oder ist dies

Gewicht die Art und Weise, wie es uns
niederhält? Mit einem Echo fängt es an,

dann ein Fußabdruck im Schutt,
Staub, der sich zu Wolken sammelt,

die, bevor der Boden bebt,
einen Sturm losstampfen

lose Ziegel fliegen hoch
in der Gegenwucht der Kräfte -

höhere Stockwerke schießen auf
aus Wogen von Zement

in der Detonation zusammengepresst
während Wände einander erheben,

sich aufrichtender Stahl, Risse
im Beton verschwinden.

Schwer zu sagen ob das hier
Zerstörung ist oder Erschaffung

da das Gebäude aufstrebt, erzittert,
sich seine eigene Gestalt in die Senkrechte

verschiebt, der Kern aufrecht
über seinem Fundament -

der Bruchteil einer Sekunde Balance
bevor die Lunte zündet, an einem Ort
der einmal die Zukunft gewesen ist

Übersetzung: Monika Rinck

TELL YOUR STORY

english | Lebogang Mashile

After they’ve fed off of your memories
Erased dreams from your eyes
Broken the seams of sanity
And glued what’s left together with lies,   
After the choices and voices have left you alone
And silence grows solid
Adhering like flesh to your bones

They’ve always known your spirit’s home
Lay in your gentle sway
To light and substance
But jaded mirrors and false prophets have a way
Of removing you from yourself
You who lives with seven names 
You who walks with seven faces
None can eliminate your pain

Tell your story
Let it nourish you,
Sustain you
And claim you
Tell your story
Let it feed you,
Heal you
And release you
Tell your story
Let it twist and remix your shattered heart
Tell your story
Until your past stops tearing your present apart

from: In a Ribbon of Rhytham
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Erzähl deine Geschichte

german

Nachdem sie deine Erinnerungen fraßen,
Dir die Träume aus den Augen löschten,
Die Naht deines Verstandes durchbrachen,
Und den Rest mit Lügen flicken möchten
Nachdem Geben und Reden dich alleine gelassen
Und die sich verfestigende Stille
Wie Fleisch an deinen Knochen haftet

Haben sie immer gewusst, dass das Daheim deines Geistes
In deiner schwingenden Neigung lag
Hin zum Licht und zum Wesen hin.
Doch stumpfe Spiegel und falsche Propheten haben eine Art
Dich von dir selbst zu entfernen
Du, die mit sieben Namen lebt
Du, die mit sieben Gesichtern geht
Nichts kann dir deine Schmerzen nehmen

Erzähl deine Geschichte
Lass sie dich nähren
Dich Erhalten
Und dich Behaupten
Erzähl deine Geschichte
Lass sie dich füttern
Dich Heilen
Und dich Befreien
Erzähl deine Geschichte
Lass sie die Fetzen deines Herzens flechten und remixen
Erzähl deine Geschichte
Bis das, was war, aufhört, dir zu entreißen, was ist.

Aus dem Englischen von Monika Rinck

Téip Cheoil i Sceach Shléibhe

irish | Greágóir Ó Dúill

Ar bhóthar an phortaigh, snaidhmthe i sceach aitinne,
Eitlíonn an téip, ag imeacht léi sa ghaoth,
Líonann le haer gan ceol a ghabháil a thuigim,
Síneann chun gluaisteáin ag iarraidh déirc na cluaise,
Bolgann, iarrann seoladh,
Impionnn guth.

Ní stróiceann, ní stríocann,
Líne dhonn ag drithliú, ina ribín aerach earraigh,
Tamall ag ligean uirthi gur mionbhrainse í,
Ní héalú go camouflage.
Bruscar atá inti, a d’imigh ó mhaith,
Níor oir – ró-statach – don ghléas nua, don cheol reatha.

Acra ná inneall níl ann lena seinnt,
Is tiocfaidh an ghrian, an sioc,
Agus ídeoidh an aimsir í.

Tiocfaidh lá éigin,
Is bainfidh mé go foighdeach den sceach de shiosúr í,
Crapfaidh mé i mo phóca í, cuirfidh le tine,
Agus beidh bua ag slacht mar is dual.

© Greágóir Ó Dúill

Ein Tonband an einem Dornenbusch in den Bergen

german

Verfangen im Stechginster an der Straße ins Moor
Fliegt ein Tonband, ergibt sich dem Wind,
Füllt sich mit Luft, bleibt stumm für mich und ohne Musik
Dehnt sich zu einem Auto hin, das Erbarmen eines Ohres zu erlangen,
Wölbt sich weiter, versucht sich ganz zu lösen,
Erbittet eine Stimme.

Es reisst nicht ab, es gibt nicht nach
Braunfunkelnde Strippe, ahnungsvolles Frühlingsband
Eine Weile war es ganz den Zweigen anverwandelt
In Ähnlichkeit gehüllt, geschützt durch Camouflage.
Müll ist es, zu nichts mehr zu gebrauchen
Passte nicht - zu statisch - zur neuen Technologie,
Zur jetzigen Musik.

Da ist keine Maschine mehr, die ihm Töne entlockt
Und Sonne wird kommen und Frost
Verwittern wird es, mit der Zeit.

Es kommt der Tag, da werd' ich es, in aller Ruhe,
Von dem Busch entfernen und in die Tasche
Zu der Schere tun, und es zum Feuer bringen.
Damit Ordnung herrscht, ganz wie es sich gehört.

Übersetzt von Monika Rinck

SZOMORÚAN

hungarian | István Kemény

Ki kéne bolondulni innen.
Mint az öngyilkos, ha visszafele él,
Leszedni az i-ről a pontot.
De visszarakni, ha a helye fehér.

A legjobb, ha úgy marad minden,
Ahogy találtam, nem is volt rossz az úgy,
Megvetni a megbomlott ágyat,
Földön aludni, és meggyógyul a múlt.

Ajándék volt. Hallom, hogy koppan,
Mielőtt leesne, jóval hamarább.
Angyal száll át, helyreáll a rend,
Kibomlik a papír, kiesik a tárgy.

És akkor megkezdeni szépen,
Mint az öngyilkos, ha visszafele él,
Elfelejteni az egészet
Kis cetliket írni: tej, kenyér
                                tej, kenyér

© István Kemény
Audio production: 2005, Petőfi Irodalmi Múzeum

TRAURIG

german

Man müsste dem Verstand verloren gehen.
Wie der Selbstmörder, wenn er rückwärts lebt.
Dem i sein Tüpfelchen wegnehmen,
aber wiedergeben, bliebe seine Stelle leer.

Besser ist es, wenn alles so bleibt wie ich es vorfand,
es war gar nicht mal so schlecht.
Das aufgewühlte Bett entmachten, auf dem Boden schlafen.
Dann wird das Gestern wieder heil.

Es war ein Geschenk. Ich höre den Aufprall
noch bevor es fällt, schon viel eher.
Ein Engel schwebt vorbei, Ordnung stellt sich ein.
Der Gegenstand entfällt dem sich lösenden Papier.

Dann ganz einfach von neuem beginnen
Wie der Selbstmörder, wenn er rückwärts lebt
Das Ganze hier vergessen
Kleine Zettel schreiben: Milch, Brot
                                Milch, Brot

Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

Szerda [Ez az ablakban megülő napfény...]

hungarian | Ferenc Szijj

Ez az ablakban megülő napfény,
annyit se melegít, hogy bárkinek bárhová
egy könnyes csókot küldeni, ha mondjuk,
vagy halvány esély lenne egy kivételes
pillanatban, és mehet tovább az élet,
ölni, hazudni, a sötét, hideg forgatag.

Vagy mi az, hogy belőlem valami,
hogy odakínálnám időről időre a védtelen
oldalamat, és akkor az lenne az egész,
amelyben nagy nehezen lelepleződöm,
és aztán csak gyűjthetem egyre szálanként
és százasonként az örömöket.

Nem kell már senkinek a testem pusztán,
csak a lelki értékeket tartják számon,
amiért én is annyira hálás tudok lenni
néha a napnak, a holdnak és a mindenségnek,
hogy elúszom benne akár a legközelebbi partig is,
ahol kirakom a zsebemből a féktuskókat.

És akkor erre billenteni, mert lehet,
vagy akármerre az alkalom, hogy engedem-e
vagy még inkább engedem, mígnem már
nincs hová, hanem visszatér a hosszú,
korai vég a maga kis konkrétumával.
És abban pedig a rövid, kései kezdet.

© Ferenc Szijj
from: unveröffentlichtem Manuskript / unpublished manuscript
Audio production: 2004, Petőfi Irodalmi Múzeum

Mittwoch

german

Dieses verstockte Sonnenlicht am Fenster
hat nicht die Wärme, um süße Küsse zu senden
an wen und wohin auch immer, wenn dem so wäre,
oder weil  in einem besonderen Moment eine winzige
Chance doch bestünde und danach geht das Leben weiter:
das Töten und Lügen, das dunkle, kalte Treiben.

Und wie ist es gemeint, dass ich von mir etwas,
dass ich meine ungeschützte Seite von Zeit zu Zeit
hinreichen sollte, und dabei ginge es ums Ganze,
weshalb ich mit Müh und Not  enthüllt werde
und dann anfangen kann die Freuden
scheibchenweise und scheinchenweise zu sammeln.

Niemand mehr will nur meinen Körper,
allein die inneren Werte werden registriert,
weshalb auch ich so dankbar sein kann,
manchmal der Sonne, dem Mond und dem Universum,
dass ich ins Schwimmen gerate, sogar bis zum nächsten Ufer,
wo ich meine Bremsblöcke aus der Tasche hole.

Und das gibt dann den Ausschlag, womöglich,
oder was auch immer, mir die Gelegenheit nachzugeben
oder um so mehr nachzugeben, bis es nicht
mehr geht, sondern das lange, frühe
Ende zurückkehrt mit seinem Konkretum.
Und darin aber der kurze, späte Anfang.

aus dem Ungarischen von Orsolya Kalasz und Monika Rinck

Szerda [A végállomáson abroncsmintás...]

hungarian | Ferenc Szijj

A végállomáson abroncsmintás egyenruhájában
a forgalmista rozsdás szekrénykulcsba fúj bele,
de egyetlen madár se mozdul. Mi is láthatatlanul
cipeljük be csomagjainkat a váróterembe,
ahol a vaskályhában a tenger morajlik.
A falon egy megnyúzott macska
anatómiai pontosságú ábrája, viaszosvásznon,
feszítőléccel. Mit követtek el bennünk telefonon?

Egy gépi hang összehasonlította a legkisebb félelmeket:
kifordított télikabát és selyembélésű ridikül,
vagy mintha állítólag mi dobtunk volna kavicsokat
a szomszéd kútjába, és ő azt hallotta volna
már régóta mindennek egyszerre, kondulásnak,
cseréptörésnek, durrdefektnek, alkonyatnak,
amikor pedig mi éppen meg voltunk halva
egymás nevében, kezünkben árcédula.

A kabátodra hátul nedves falavelek tapadtak.
Egyet leveszek, az ablakon beáradó fény felé tartom,
és látom az arcod öregen, mint aki nem érti, mire volt jó
az örökös változás. A levelet megrágom, kiköpöm,
de az ízét még tartogatom, hátha kérdezed, mielőtt
ennénk, innánk valamit, bár akkor azt repülőgépről kell
ledobni a múlt heti feladat megoldásával együtt.

© Ferenc Szijj
from: unveröffentlichtem Manuskript / unpublished manuscript
Audio production: 2004, Petőfi Irodalmi Múzeum

Mittwoch

german

An der Endstation bläst der Bahnbeamte in zackig gemusterter
Uniform auf einem rostigen Schrankschlüssel,
aber kein Vogel regt sich. Auch wir schleppen
das Gepäck unsichtbar in den Warteraum,
wo im Eisenofen das Meer rauscht.
An der Wand hängt die anatomisch genaue Abbildung
einer gehäuteten Katze, mit Leisten auf Wachstuch
gespannt. Was hat man telefonisch in uns angerichtet?

Eine mechanische Stimme verglich die kleinsten Ängste miteinander:
Ein umgestülpter Mantel, ein seidengefüttertes Handtäschchen,
oder aber die Vermutung, wir hätten die Kiesel  in den Brunnen
des Nachbars hineingeworfen und er hätte das Geräusch schon seit
längerem für alles mögliche gleichzeitig gehalten: Läuten,
Scherbenbruch, Reifenknall und Sonnenuntergang,
wo wir doch gerade tot wahren, einander
stellvertretend, mit einem Preisschild in der Hand.


Hinten an deinem Mantel kleben noch feuchte Blätter.
Ich nehme eins ab und halte es in das Licht, das durch das Fenster fällt,
und sehe dein Gesicht gealtert, wie jemand, der nicht versteht, wozu
die ständigen Veränderungen gut sind. Ich zerkaue das Blatt, spucke es aus,
will seinen Geschmack noch bewahren, vielleicht stellst du Fragen, noch bevor
wir etwas essen und trinken, wobei das dann aus einem Flugzeug abgeworfen
werden müsste, zusammen mit der Lösung der Aufgabe der letzten Woche.

aus dem Ungarischen von Orsolya Kalasz und Monika Rinck

Szerda [A kereszteződésben a pánik...]

hungarian | Ferenc Szijj

A kereszteződésben a pánik
a legkisebb jelre is kitör, leejtett gombostűre,
távoli kondulásra, elszabadult légkalapácsra,
mert mindenki viszi magával számzáras, időzítős,
késleltetős aktatáskában a nyílt sebeket,
hogy sosem lehet tudni, pedig csak én tudom,
mikor van észrevétlenül, s ha egyébként semmit,
akkor is miért?

Jobb elrohanni vele messzire,
és csak utána feltenni a kérdést,
amelyre aztán, körül se kell nézni,
csak a bomlás, hervadás, penészledés és virágzás
logikus rendje lenne a gyógyír,
vagy ha kimondani, azt se kell az utolsó pillanatig,
amikor már magától szétesik a zsíros, ecetes buborék,
mély nyomokat hagyva a pohárka gipszben.

Vagy ahogy a szerdában egy ősi, kegyetlen
időjárási megfigyelés, úgy követni toronyiránt
az ösztönélet szivárványos tócsáit és tavacskáit,
amelyekben mind egy-egy jéghegynek ütközött cséplőgép
alussza dohogó álmát, s azóta már a fél országot
elárasztották volna az egymás ellen forduló tévedések
rozsdás fogai. Csak én bízom rád magam,
és onnantól, mint egy névtelen szakadék, minden újra.

© Ferenc Szijj
from: unveröffentlichtem Manuskript / unpublished manuscript
Audio production: 2004, Petőfi Irodalmi Múzeum

Mittwoch

german

Die Panik an der Kreuzung
bricht bei den kleinsten Anzeichen aus, beim Aufkommen der Stecknadel,
beim fernen Läuten, wenn ein Presslufthammer tobt,
denn jeder trägt sie bei sich, in seinem Aktenkoffer mit Zahlenschloss
und Zeitschaltuhr gesichert, die offene Wunde,
dass es keine Gewissheit gibt, wo doch nur ich weiss,
was dabei unbemerkt bleibt, und wenn ich sonst nichts,
wofür dann doch?

Besser ist es, damit weit weg zu rennen
und erst danach die Frage zu stellen,
von der man, wohin man auch schaut,
nur durch die logische Ordnung von Verwesung, Verwelkung,
Schimmelbefall und Blühen geheilt werden kann.
Oder aber mit Worten, zwanglos bis zum letzten Moment,
wenn die fettige Essigblase schon von alleine zerfällt
tiefe Spuren hinterlassend in einem Gläschen Gips.

Oder aber so wie der Mittwoch von jeher eine grausame
Bauernregel fürs Wetter ist, gilt es den regenbogenfarbenen
Pfützen und Teichen des Instinkts geradewegs zu folgen,
in jedem von ihnen träumt eine, im ewigen Eis havarierte    
Dreschmaschine ihren schnaufenden Traum. Inzwischen hätten
die rostigen Zähne der gegeneinander antretenden Irrtümer das halbe
Land besetzen können. Nur ich vertraue mich dir an
und von da an, wie eine namenlose Schlucht, alles von Neuem.

aus dem Ungarischen von Orsolya Kalasz und Monika Rinck

Stráinséir

irish | Greágóir Ó Dúill

Earc bheag luachra, fireann donn ar an leac ghlas,
Ag siúl an urláir ó bhalla na síne go balla na díne,
Casann sé a eireaball go mall, tógann a cheithre uillinn,
Ceann i ndiaidh a chéile os cionn a choirp,
Cúig mhéar ar gach láimh ag méirínteacht an bhealaigh.

Tá óg, mo dhragan beag, chomh hóg léis an fhrog
A rinne an turas céanna ag tús an tsamhraidh,
(Buachaillí bó a dhiúltaíonn don tsreang dheilgneach is mise,
Trasna na machaire ba theach tais folamh leis na blianta.)
Glacaim leis na feithidí – gach cliabh móna, is long choilínithe.
Lucha agus leamhain ní miste a roinnt den spás liom.

Aithním gur sona na péisteanna seo, frog is earc,
Ach na mílte glún ó shin níor chairde iad
Agus nuair a chuirim cúl mo mhéire lena gcraiceann, craithim.

Tógaim cárta poist, fanaim go dtránn a amhras, go dtéann sé air,
Tugaim amach chun na fearthainne, chun na sráide é,
Tiontaím an cárta sa dorchadas,
Guím nach dtiteann sé ar a dhroim, go ritheann chun foscaidh.
Is oth liom gur theip  orm fáilte a chur roimhe.

Nó bheith múinte roimh a fháiltesean.

© Greágóir Ó Dúill

Eindringling

german

Läuft ein kleiner Eidechs, männlich, braun auf grauen Fliesen
Von der wetterzugewandten zu der wetterabgewandten Wand.
Schwingt er sachte seinen Schwanz, hebt die Ellenbogen,
Alle vier, einen nach dem anderen, über seinen Rücken.
Ertasten alle Finger seiner Hand den Weg durch meine Küche.

Er ist jung, mein kleiner Drache, jung so wie der Frosch
Der sich im frühen Sommer auf die gleiche Reise machte
Cowboys alle beide, die mein eingezäuntes Ich missachten.
Das leere, feuchte Haus war jahrelang das weite Land,
Das sie durchquerten.

Insekten lass ich mir gerne gefallen - jede Kiepe Torf ein Immigrantenschiff.
Es macht mir nichts, mein Heim mit Motten und Mäusen zu teilen.
Auch geht die Legende, dass der Frosch und der Eidechs, ich weiß das,
Als Glücksbringer gelten. Doch ebenso weiss ich, vor tausenden Jahren
Waren es Drachen, die Ahnen des Eidechs, die mich verschreckten.
Und wenn meine Rückhand ihre Schuppen berührt.
Krallt meine Haut sich zusammen.

Ich nehme eine alte Prager Ansichtskarte,
Und warte bis er Zutrauen fasst und sie betritt
Drauf bringe ich ihn auf den nächtlichen Hof
Mitten in den Regen und die Karte kippend bete ich
Dass er auf seine Füße fällt und eine Zuflucht findet.

Mich reut, dass mir die Größe ermangelt,
Ihn Willkommen zu heißen.
Oder vor seinem Willkommensgruß
Höflich meinen Kopf zu verneigen.

Übersetzt von Monika Rinck

Sono Tiza

tumbuka | Gankhanani Moffat Moyo

Paumaliro, paumaliro tiza
Tiza kuno kuchita
Kokwamba na komalizga
Tiza kuno kuchita
Volemba na vobelenga
Enya, enya na.
Tiza kuno paumaliro.
  
Apa uchechelo wangwiza
Zuba lati ngwee
Kufunda kunjila kumtima
Zuba kutipa ungweru
Tangumanya...umoyo wiza
  
Ndipo sono
Sono tiza
Thukutira nge ni maji
Apo tuzunta-zuntha na kutemwa
Pakuti vijaro va kuchanya
Vyajurika kwa ise.
  
Sono tuona maluba
Maluba ghawemi ghaswesi
Chipango chithu chasono
Paumaliro tili kuno
Kupurikirira uwemi wa chipango
  
Enya, enya, enya na
Tafika kukaya kwithu
Pakuti pa nyengo yitali
Tikapiwa nyengo yolindilira
Tikalindira nyengo kuti yize
Ndipo sono, nyengo yili pano:
  
Nyengo yakupolera
Nyengo ya chimwemwe
Nyengo yakutukulira
Chino charo chithu
M’nthowa yosambizga
Bana bithu bawemi.
  
Sono ise tiza
Vemwemwe pamaso pithu
Tikolerane mawoko
Apo tuvina Vimbuza, M’ganda na Fwemba
Apo tugoma nchuba
Tikolerane mawoko
Tisekelere pamoza
Paumaliro tafika
Paumaliro tiza
Enya na.

© Gankhanani Moffat Moyo
Audio production: LiteraturWERKstatt Berlin 2009

Wir sind gekommen

german

Endlich sind wir hier
Hier um das
Erste und das Letzte zu tun
Hier um zu
Lesen und zu schreiben
Ja, wir sind endlich hier.

Als der Morgen kam
Der helle Sonnenschein
Weich die Wärme kam
Die Sonne uns ihr Licht gab
Wussten wir, das Leben war gekommen

Und jetzt sind wir endlich angekommen
Schwitzend doch feiernd
Keuchend doch lächelnd
Weil die Himmeltüren sich
Uns geöffnet haben

Und jetzt sehen wir Rosen
Schöne rote Rosen
Eine neue Schöpfung für uns
Endlich sind wir hier
Uns der Schöpfung zu erfreuen
Beim Versuch, aus dem Heute
Eine schöne Zeit zu machen
Für unsere schönen Leben

Ja, ja, wir sind endlich zuhaus
Für, für so lange Zeit
Hat man uns Zeit zu Warten gegeben
Wir warteten auf die künftige Zeit
und jetzt, jetzt ist sie hier

Eine Zeit zum Heilen
Eine Zeit zum Lächeln
Eine Zeit herzbildender Erinnerung
Eine Zeit für die Wiedererschaffung unsrer Nation
Durch die Erziehung
von Mutter Sambias schönen Kindern

Endlich sind wir angekommen
Wir stehen schießlich der Schönheit gegenüber
Endlich lächeln wir

Mit der Erziehung unserer Kinder in dieser Nation
Herrscht friedlich das neue Erwachen

Die neue Erwachen des Lebens
Das neue Erwachen der Realität
Das neue Erwachen der Freude
Das neue Erwachen von allem
Wir, die das neue Erwachen sind

Ja, wir sind gekommen
Um euch alle zu erwecken
Wie sind hier
Hier für immer
Bis zur Herrschaft des neuen Erwachens.
Afrika

Übersetzt von Monika Rinck

Soinéad Don tSos Lámhaigh, Tar Éis Sé Mhí

irish | Greágóir Ó Dúill

Amharcaim orthu is iad ag siúl an ghleanna, beirt fhear ar thóir mhadaidh rua
Aimsir seo na n-uan. Gunnaí leo, is madaidh chaorach, agus fios.

Eistim leis, ar a chuairt phráinne go Toraigh, heileacaptar íseal ag bolgadh an aeir,
Na báid faoi chónaí, an sunda garbh, an duine i sáinn.

Chím é ar bhóthar oíche, faobhar an gheimridh ag gearradh,
Húda an anarac in airde, solas fána shúile, bealach lámhaigh ar eolas acu.

Cúbaim ón trup tobann sa chlaí, ón éadan bhán nach bhfuil ann ach bullán,
Cuartaím an píobán faoin bhóthar ar eagla a staptha,
Cromaim faoin charr a scaoileadh brainse gaiste.
Chím na maoir faoina n-uchtach kevlar,
Gach dream a bhfuil ungadh orthu, cead acu, cárta acu.
Tá fada mar shos análach, mo scamháin ar tí a bpléasctha.

Tá nimh ag snámh Sruth na Maoile ón dumpa mhór faoin fharraige a rinneadh is mé óg.

© Greágóir Ó Dúill

Sonnett für eine sechsmontige Waffenruhe

german

Ich schaue zu, wie sie das Tal durchqueren, zwei Männer auf der Jagd nach einem Fuchs,
in dieser Zeit der Lämmer. Sie haben Waffen und Hunde und Wissen von damals.

Ich höre, wie der Hubschrauber auf Rettungsflug nach Toraigh diese Luft aufwölbt,
Indes sind Boote an den Strand gebettet, der Sund rau, jemand ist in Sicherheit zu bringen.

Ich sehe ihn auf der nächtlichen Straße, im scharfen Winterschnitt.
Seine Anorakkapuze hochgeklapppt, in seinen Augen die Schusslinie des Lichts.

Ich schrecke zurück vor einem raschen Geräusch in den Hecken, ein weißgesichtiger Ochse;
Ich prüfe voll Furcht den Abflusskanal unter Straße, er könnte blockiert sein,
Ich bücke mich unter das Auto nach einem gefangenen Zweig.

Ich sehe diese Wächter in ihren Brustpanzern aus Kevlar
All diese gesalbten, zugelassenen Kartenhochhalter
Ich halte zu lange meinen Atem an, meine Lungen sind kurz vorm Zerplatzen.

Gift treibt in der Sea of Moyle, aus den Fässern, die sie ins Meer warfen, als ich jung war.

Übersetzt von Monika Rinck

SISTERS

english | Lebogang Mashile

I see the wisdom of eternities
In ample thighs
Belying their presence as adornments
To the temples of my sisters
Old souls breathe
In the comfort of chocolate thickness
That suffocates Africa's angels
Who dance to the rhythm
Of the universe's womb
Though they cannot feel
Its origins in their veins

Blessed am I to be loved
In the temple of my own skin
My nappy center kisses the sun
In harmony divine
Devoid of the ugly
That does not know this as God

But the sons of oppression
Never gave sisters loaves
To feed the hungry fury in their bellies
Nor did they teach them to fish for spirit

So I pray to the voices
That whisper in my soft curves
For the lionesses of my blood
To hear the songs of the cool reeds

To feel the green blood beat of cataclysm in their breasts
And to know the embrace of freedom in nourishing silences
Where their radiant ebony vessels are reflections of their souls

from: In a Ribbon of Rhytham
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

SCHWESTERN

german

Ich sehe die Weisheit von Ewigkeiten
In üppigen Schenkeln
Ihre Präsenz zur Verzierung umgelogen
In den Tempeln meiner Schwestern
Alte Seelen atmen
Behaglich in einer schokoladenen Dichte
Die Afrikas Engel erstickt
Welche tanzen im Rhythmus
Der Gebärmutter des Universums
Obwohl sie seinen Ursprung
In ihren Venen nicht spüren können

Gesegnet bin ich geliebt zu werden
Im Tempel meiner eigenen Haut
Meine krause Mitte küsst die Sonne
In göttlicher Harmonie
Frei vom Hässlichen
Das dies nicht als göttlich erkennt

Aber die Söhne der Unterdrückung
Gaben kein Brot an die Schwestern
Um den hungrigen Zorn in ihren Bäuchen zu stillen
Noch lehrten sie sie nach Geist zu fischen

Also bete ich zu den Stimmen
Die in meinen weichen Kurven
nach der Löwin meines Blutes wispern
Um die Lieder des kühlen Schilfs zu hören.

Um das grüne Blut in ihrem Busen vom Aufruhr pochen zu hören
Und die Umarmung der Freiheit in nährender Stille zu erfahren
Wo ihre leuchtenden Ebenholzgefäße Abbilder ihrer Seelen sind.

Aus dem Englischen von Monika Rinck

Sionnach

irish | Greágóir Ó Dúill

Tráthnóna beag, siúlaimid i dtreo an tábhairne,
Blianta ár gcaidrimh mar chraiceann tiubh ar chomhrá.
Dul ó sholas, agus scáileanna ar thalamh,
Bícearnach codlatach éan, anonn’s anall na n-ialtóga.

Chím é, ag siúl na seaniomairí fada, é íseal, ceart,
Trasna ó chlaí go claí, ar a choimhéad ach ag seilg:
sionnach.
Imíonn díreach, gan mhoill gan deifre, ar chosa tapa,
Smut íseal, eireaball ag scuabadh drúchta. Stánaimid.

Baineann sé amach an t-ard beag, tiontaíonn,
Amharcann siar orainn faoi amhras, rian den dúshlán ann.
Fios aige nach aon díobháil sinn, téann faoi thom.
Pógaimid. Athraíonn mian. Fillimid ar theach.

© Greágóir Ó Dúill

Der Fuchs

german

Der Abend senkt sich und wir gehn in Richtung Kneipe.
Die langen Jahre unsrer Zweisamkeit patinieren, was wir sagen.
Im letzten Licht verlängern sich die Schatten auf den Feldern.
Das schläfrige Schelten der Vögel, der stöbernde Fledermausflug.

Dann seh ich ihn, kurzläufig, die langen Ackerfurchen queren,
Von Hecke zu Hecke, ein Jäger auf der Flucht: ein Fuchs.
Er läuft geradeaus, ohne Eile, ohne Rast, auf flinken Pfoten,
Die Schnauze zu Boden, die Rute wischt über den Tau. Wir starren.

Auf einem kleinen Hügel angekommen, wendet er sich um
Und schaut zurück - in seinen Zweifel mischt sich Vorwitz.
Sich sicher, dass wir harmlos sind, schleicht er unter einen Busch.
Wir küssen uns. Das Begehren kehrt sich um und wir nach Hause zurück

Übersetzt von Monika Rinck

Seilide

irish | Greágóir Ó Dúill

Rófhada sa bhlaosc, ag fanacht, leis an chos anuas.
Mall, fáilí, sínim adharca amach, bolaím, cuartaím,
Agus bogaim liom go mall ón áit a rabhas teann:
Ar dhath an airgid atá smug mo shiúil,
Ar dhath an óir bhuí an pabhsaer sin faoi mo shúil.

Téann an saol mór thart go fóill, ar chosa táirne in airde,
Ach bhí an bhlaosc róbheag, róbhog, bogach mo sheasaimh ’mo bhá.
Má b’eagal bogadh, ba ró-eagal fanacht is thugas mallacht mhisnigh;
Ar eagla eagla iompraím teach ar ghualainn isteach sa lá.
Bhí an stalú dulta bréan is shantaíos an t-aer.

Soir amach as Dún Aengusa, trén chevaux de frise soir amach,
Snámhann mo dhroim dhubh, ag soilsiú faoin ré úr lán.
Tá broic ann, tá, fiacail, agus gob nach sos dóibh ariamh,
Ach tá gá agam le caitheamh bia agus le caidreamh póir.

© Greágóir Ó Dúill

Schnecke

german

Zu lange behaust schon, käme doch nur der hervorstampfende Fuß,
Langsam und verstohlen, im Flimmern der Fühlern rieche, suche ich
Und bewege mich langsam aus meiner Festung heraus.
Silbrig schimmert meine schleimige Fährte
Golden erglänzt vor meinen Augen die Blüte.

Das Leben übergeht mich in benagelten Schuhen,
Doch das zarte Haus war keine Zuflucht, die weiche Erde war kein Grund
Und wo ich stand, da gab sie nach.
Erstarrt vor Angst, so dass ich weder gehn noch stehen konnte,
Verfluchte ich meinen Kleinmut und trage mein Haus
Auf meinen Schultern in den Tag hinaus.
Heraus aus der muffigen Bleibe, mir verlangte nach Luft.

Von Dun Aengus ostwärts, ostwärts durch die schwarzkantigen Wälle
Schwimmt mein schwarzer Rücken, er glänzt im frischen vollen Mond
Dachse sind da, ja, ein rastloser Zahn, Klauen und ein Schnabel
Doch ich muss essen, ich muss Leute treffen, mich vermehren, sprechen.

Übersetzt von Monika Rinck

Seasamh Fóid

irish | Greágóir Ó Dúill

Tá an fód ag imeacht ina luaithreach,
Ó dhonn go bán,
Ach las sé, las, is dhóigh ar feadh i bhfad,
Agus théigh.
Ag tiontú ina luaithreach bán
Ón chraiceann isteach,
Tá fionnadh air, nó féasóg seachtaine ar ghiall teann seanduine
Agus imíonn an crot deimhin dronuilleogach sin
Ba fhianaise ar scil na bhfear,
Is imíonn na poill a d’fhág an píce
Ba fhianaise ar a neart.
Tá bealóg ann, domhain, dearg, nimhneach.
Char thréig na déithe teallaigh go fóill an áit seo.
An dul ó sholas, nach sin an t-am
Do leannáin, don phleanáil, don oiliúint faoi rún,
Don fhilíocht?

© Greágóir Ó Dúill

Bodenständig sein

german

Die Torfsode geht über in Asche
Von braun nach weiß.
Aber sie flammte, ja, flammte und brannte lange
Und wärmte.
Wird zu weißer Asche
Von Außen inwärts
Wächst Pelz,
Ein Wochenbart am starken Kinn von einem alten Mann.
Dahin geht diese stabile klare Form
Sie war Beweis für die Geschicklichkeit der Männer
Und die eingehackten Löcher
Sie waren Beweis für deren Stärke, gehen dahin.
Ein kleiner Riss erscheint, tief, zornig, rot.
Die brandigen Götter haben diesen Ort noch nicht verlassen.
Nun Anbruch der Nacht, ist das nicht die Zeit
Für Liebende, für Planungen, zum Üben im Geheimen
Für die Poesie?

Übersetzt von Monika Rinck

Salutation

english | Remi Raji

I come gently
Like the evening rain

I come in silence
Like the dews of a virgin morn

I come suddenly
Like thunder, like the rain at noon.

Rites of first tuber and leaves to you
Oh forbears of redolent words
Salute to you who ponder our ways to sunlight
Salute to you who hold pestles of songs
To the mouths of mortal wrongs.

I salute the song I salute the singer
I salute the patience of quick proverbs
I salute the craft in immortal songs
I salute the pebbles I salute the pearls...

Give my voice the sonorous strains of bitter kolas
Give my voice the slippery depths of colobus bananas
Let my eyes curve into the past
Like a sickle in the harvest of gladsome songs
Let my blood draw the picture of things
Gone, going and coming...

I come tenderly
like the full moon
among gasping stars.

I come gently like the evening rain.

© Remi Raji
from: Webs of Remembrance
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

Gruss

german

Sacht komme ich
Wie Regen am Abend

Still komme ich
Wie unberührter Morgentau

Plötzlich komme ich
Wie Donner, wie der Mittagsregen.

Rituale früher Knollen und Blätter für Euch
Oh Ahnen duftender Worte
Seid gegrüßt die ihr unsre Wege dem Sonnenlicht antragt
Seid gegrüßt die ihr die Stößel der Lieder an die
Münder sterblichen Unrechts haltet.

Ich grüße das Lied ich grüße den Sänger
Ich grüße die Geduld schneller Sprichwörter
Ich grüße das Geschick in unsterblichen Liedern
Ich grüße die Kiesel ich grüße die Perlen…

Gebt meiner Stimme die sonore Kraft bitterer Kolanüsse
Gebt meiner Stimme die glatte Tiefe von Colobus Bananen
Lasst meine Augen sich in das Gewesene krümmen
Wie eine Sichel in die Ernte fröhlicher Lieder
Lasst mein Blut ein Bild der Dinge zeichnen
die fort sind, gehen und kommen…

Sacht komme ich
Wie der Vollmond
Inmitten keuchender Sterne

Sacht komme ich wie der Regen am Abend.

Aus dem Englischen von Monika Rinck

Release

english | Ursula Rucker

Release... your heart, my heart... release, release... your heart, my
heart... release

When, planes be crashing... and
Blood written checks be cashing
To fund builders who build pillars from
Ash and debris, from
Bones and metal, from
Fathers and daughters and friends and memories and hate
When, suicide bombers be bombing
And high alerts be sounding and never calming
Peoples' fears and fright that, Jesus is coming
That, world is ending
When, wars be waged
When, lives be sacrificed not saved but never lost
When sense of security be rattled found false
When skies were quiet and clear and quiet
And blue that day
When, everything changed
What changed?
Who really changed?

Release... your heart, my heart... release, release... your heart, my
heart

Release your heart

So here I stand... at the crossroads of my life
Do I choose plata or plomo?
Silver or lead

When boys be dying on blocks everyday
An the TV and the paper don't never say
Nothing about them
When tattered yellow paper flags be taped to forgotten project windows
When billowing waving flags be perched on car tops of bigots and
Crooked politicians
Has anything changed?
What changed?
Who really changed?

When towers be falling
And Babylon be calling... your name, my name
How will we answer?

With dread?
With faith?
With misplaced power or power of prayer?

© Ursula Rucker
by permission of the author
from: Silver or Lead
!K7, 2003
Audio production: 2008 Literaturwerkstatt Berlin

Erlöse

german

Erlöse … dein Herz, mein Herz … Erlöse, erlöse …
dein Herz, mein Herz … erlöse
Wenn, Flugzeuge abstürzen … und
Mit Blut geschriebene Schecks eingelöst werdn
Um Bauherrn zu finanziern, die Pfeiler aus
Asche und Trümmern baun, aus
Knochen und Metall, aus
Vätern und Töchtern und Freunden und Erinnerungen
und Hass
Wenn Selbstmord-Attentäter Attentate begehn,
In Höchstbereitschaft Alarm erklingt und nie sich
beruhigt
Furcht und Schrecken der Leute, dass Jesus kommt,
Dass, die Welt untergeht
Dass, Kriege geführt werden
Wenn, Leben geopfert, nicht gerettet, doch niemals
verlorn sind
Wenn das Gefühl von Sicherheit erschüttert falsch
gefunden
Wenn die Himmel leise und klar und leise warn
Und blau an diesem Tag
Als alles sich veränderte
Was hat sich verändert?
Wer hat sich wirklich verändert?
Erlöse … dein Herz, mein Herz … erlöse, erlöse …
dein Herz, mein Herz
Erlöse dein Herz
Hier stehe ich also … am Scheideweg meines Lebens
Wähle ich Plata oder Plomo?
Silber oder Blei
Wenn jeden Tag Jungs in ihren Vierteln sterben
Und das Fernsehn und die Zeitung nie und nichts
über sie berichten
Wenn gelbe Papierflaggen in Fetzen an vergessene
Zeitfenster geklebt werden
Wenn bauschend flatternde Flaggen auf Autodächer
von Frömmlern
und korruptn Politikern gesetzt werdn
Hat sich irgendwas verändert?
Was hat sich verändert?
Wer hat sich wirklich verändert?
Wenn Türme stürzen werdn
Und Babylon rufen wird … deinen Namen, meinen
Namen
Wie werden wir antworten?
Mit Grauen?
Mit Glauben?
Mit verfehlter Macht oder der Macht der Gebete?
[Mit Frömmelei.
Mit Menschlichkeit.
Mit Liebe.
Mit Liebe.
Erlöse
Erlöse dein Herz.]

Aus dem amerikanischen Englisch von Monika Rinck

Részletekben rejti el

hungarian | Attila Jász

Alkonyatkor érzi magát leginkább
elégikus hangulatban az ember,
ilyenkor szinte egészen könnyedén nézve szembe
az aranyló, de már hanyatlóban lévő nappal,
ahogy maga mögé bukik le lassan.

Elkésett Daidaloszként reméli,
jón s rosszon túl van, szemhéja résnyi,
nincs nő, modell, akit meg kéne nézni,
tanulmányozni kicsit a rejtett részeket,
félni a vélt vagy valós lényeget.
Hús-vér asszonyként szorítani magához
a tájat, pajzsként magát a vágyat,
valami hangulatot a halál ellen.
Sajnos ennyire közhelyesen.

A fáradtságtól feje félrebillen,
figyelme elszáll a tó fölött.
A pillanatnak egy sirály is része, örök.
És nem fog belenézni a víz törött
tükrébe, szilánkokból egy képet összerakni,
egyszerűen nem érdekli,
aki onnan készül visszanézni.

Hezitál egy kicsit, úgy érzi,
mintha egy nagy, kivörösödött szem fókuszálná
fáradt tekintetét a tükrön át,
konstatálva sok olvasás után:
a dolgok elvesztették értéküket.

Már csak a régi festők tudnak úgy ránézni egy tájra,
mintha egész életükben erre vártak volna.
Mintha a látvány a megfesthető képpel,
egy pillantásra legalább, azonos lehetne.

Belesimítja érzékenységét a háttérbe,
mintha nem is lenne, eltüntet minden ismert
gondolatszilánkot a felszínen,
önmagát a fák közötti részletekben rejti el.

Az ostorlámpák halvány fénye jelzi,
ezt a képet már nem festi meg senki,
amúgy is csupán egy árnyék
bizonytalan kontúrja látszik épp.
Egy magányos sétáló, ahogy visszanéz.

A csukott szem most pihen, hogy a reggel
ott találja majd ismét, újult erővel
a színház nézőterének megfestése,
félig kész arcok mellett,
az elvárás dekoratív horizontján,
mindig a nézőkkel szemben.

Egy ártatlannak tűnő tóparti séta is
mennyi vágyakozást kelthet,
mi eltereli a figyelmet,
meséli majd másnap a hercegnek,
miközben a kastélyudvaron reggeliznek.
Önmagam tájban, arcban, testben ismerem fel.

© Attila Jász

Er verbirgt es in Details

german

In der Abenddämmerung fühlt sich der Mann
am fähigsten zur elegischen Stimmung,
dann blickt er mit fast ungetrübter Leichtigkeit
in die goldene, sich bereits neigende Sonne,
wie sie langsam hinter sich fällt.

Als verspäteter Dädalus hofft er über Gut und Böse
hinweg zu sein, seine Augen nur spaltweit,
keine Frau, kein Modell, die man betrachten müsste,
ein wenig die verborgenen Details studieren,
keine Angst vor dem vermeintlich oder wirklich Wesentlichen.
Als Frau aus Fleisch und Blut die Landschaft
an sich drücken, die Begierde selbst als Schild,
eine Stimmung, trotzend dem Tod.
Leider so banal.

Vor Müdigkeit kippt sein Kopf zur Seite,
seine Aufmerksamkeit entflieht über den Teich hinweg.
Teil des Augenblicks ist auch eine Möwe, ewig. Und er
wird nicht in den zerbrochenen Spiegel des Wassers blicken,
um aus den Scherben ein Bild zusammenzufügen,
denn, derjeniger, der von dort zurückblickte
interessiert ihn einfach nicht.

Er zögert ein wenig, hat das Gefühl, als ob ein großes,
gerötetes Auge durch den Spiegel
seinen müden Blick fokussieren würde,
nach dem vielen Lesen konstatierend:
Die Dinge haben ihren Wert verloren.

Allein die alten Meister können eine Landschaft noch so betrachten,
als ob sie ihr ganzes Leben lang darauf gewartet hätten.
Als ob der Anblick und das zu malende Bild
wenigstens in diesem einen Blick identisch wären.

Er bettet seine Empfindlichkeit in den Hintergrund,
als ob es sie gar nicht gebe, lässt jede wohlbekannte
Gedankensplitter in der Oberfläche verschwinden,
sich selbst versteckt er in den Details zwischen den Bäumen.

Das blasse Licht der Peitschenlaternen deutet an,
dass dieses Bild niemand mehr malen wird,
gerade sind auch nur die unsicheren Konturen
eines Schattens zu sehen.
Ein einsamer Spaziergänger, wie er zurückblickt.

Das geschlossene Auge ruht sich aus,
damit der Morgen ihn in neuer Frische
beim Malen des Theatersaals wiederfindet,
bei den halbfertigen Portraits
am dekorativen Horizont der Erwartung,
den Zuschauern immer vis-à-vis.

Wieviele Sehnsüchte weckt ein scheinbar
unschuldiger Spaziergang am Teich,
die die Aufmerksamkeit ablenken,
erzählt er am nächsten Tag dem Herzog,
während sie im Schlosshof frühstücken.
In Landschaften, Gesichtern, Körpern erkenne ich mein Selbst.

Ins Deutsche übertragen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

Postscript

english | Gabeba Baderoon

In my old bedroom I reach for boxes
and the dust of undisturbed years rises
in the afternoon light. As children we drew

our names on such powdery floors. I flick
through high school report cards, forgotten
library books, letters now tearing and flaking.

My hand pauses on an envelope, sealed but unsent.
On the front, the name of our neighbours,
on the back, above the name of my family, I slide
a finger under the flap and tear open the years.
Inside, I find, on a Christmas card two decades old,
a greeting to the tailor next door, who has since died,
in the writing of my father, who has since died.

How brief and irretrievable our actions,
the writing and the forgetting,
and the lives that unfolded from them.
Opening a letter not addressed to me,
I wonder if I am stealing a gift,
or completing a small, necessary ritual.

In the dusty room I say their names out loud
and place the card again among the old papers.

© Gabeba Baderoon
from: The Museum of Ordinary Life
Stuttgart : DaimlerChrysler , 2005
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Postscriptum

german

In meinem alten Kinderzimmer lange ich nach Schachteln
und der Staub ungestörter Jahre mischt sich
in das Licht des Nachmittags. Als Kinder malten wir

unsere Namen auf so pulverige Böden. Ich krame
in Belegzetteln aus der Oberstufe, vergessenen
Büchereibüchern, in Briefen, heute verschlissen und blass.

Meine Hand hält auf einem Umschlag inne, zugeklebt, nicht abgeschickt.
Vorne drauf der Name unserer Nachbarn,
und hinten, oben der Name meiner Familie, ich gleite
mit einem Finger unter die Lasche und reisse die Jahre auf.
Innen, finde ich auf einer zwanzig Jahre alten Weihnachtskarte,
einen Gruß an den Schneider von nebenan, der inzwischen verstorben ist,
in der Handschrift meines Vaters, der inzwischen verstorben ist.

Wie kurz und unwiederbringlich ist unser Handeln
das Schreiben und das Vergessen,
und die Leben, die sich daraus entfalten.
Beim Öffnen eines Briefs, der nicht an mich gerichtet ist
frage ich mich, ob ich ein Geschenk entwende
oder ein kleines, notwendiges Ritual vollführe

In dem staubigen Raum sage ich laut ihre Namen
und tue die Karte zurück zu den anderen alten Papieren.

Übersetzt von Monika Rinck

Péntek

hungarian | Ferenc Szijj

Mint egy hosszú, lebegő, végül felfelé,
távolba tűnő metszés belső szervek között,
úgy haladt el a vonat a felüljárón.
Meghallottam magam mögött a hangját,
s hátranéztem. És mintha csak az idő
telt volna el azóta, hogy én is ott utaztam.

Belső tudományok között a kétely.
A jókora súly a fejben, amely csak számtanilag
létezik, mégis egyik pillanatról a másikra
képes lyukat radírozni a halálfejes tapétára,
mint egy kenyérgombóc, és akkor rajtam át néznek
engem mindig mások, akiknek mindegy.

És innen már nem esik messze,
hogy egy kifordított meddőbányában járok-
kelek, botladozom, és alig bírom elviselni
a sejtelmes fényű üregekből áradó,
küszöb alatti hallelujját, amelyben dupla vagy
semmire biztatják egymást beavatottak.

© Ferenc Szijj
from: unveröffentlichtem Manuskript / unpublished manuscript
Audio production: 2004, Petőfi Irodalmi Múzeum

Freitag

german

Wie ein langer, schwebender, sich dann in Höhe
und Ferne verlierender Schnitt entlang innerer Organe,
so passierte der Zug die Überführung.
Ich hörte ihn von hinten kommen,
und drehte mich um. Mir war, als wäre nur die Zeit
vergangen seitdem auch ich mit ihm reiste.

Inmitten der inneren Wissenschaften ist Zweifel.
Im Kopf das enorme Gewicht, das nur mathematisch
existiert, trotzdem vermag es im nächsten Moment
ein Loch in dasTotenkopfmuster der Tapete zu radieren
wie eine Brotkugel, danach ist mein Anblick immer nur
ein Blick der gleichgültigen anderen durch mich hindurch.

Und dann bin ich nicht mehr weit enfernt davon,
in einer umgestülpten, stillgelegten Grube auf und
ab zu gehen und herumzustolpern. Unerträglich tönt
aus den geheimnisvoll leuchtenden Höhlen jenes
unterschwellige Halleluja, mit dem sich die Eingeweihten
gegenseitig zum Alles oder Nichts ermuntern.

aus dem Ungarischen von Orsolya Kalasz und Monika Rinck

PASSADO

portuguese | Ana Luisa Amaral

Ah velha sebenta
em que escrevia as minhas composições de Francês
“Mes Vacances”: gostei muito das férias
je suis allée à la plage (com dois ee,
o verbo ètre pede concordância), j’ai beaucoup
nagé e depois terminava com o sol a pôr-se
no mar e ia ver gaivotas ao dicionário

As correcções a vermelho e o Passé Simple,
escrever cem vezes nous fûmes vous fûtes ils fúrent
as tardes de sol
e Madame Denise que dizia Toi ma petite
com ar de sargento e a cara zangada a fazer-se
vermelha (tenho glóbulos a mais, faites attention)
e o olhar que desmentia tudo
em ternura remplit

E as regras decoradas e as terminações
verbais a i s, a i s, a i t,
a hora de estudo extra e o sol de fim de tarde
a filtrar-se pelas carteiras,
a freira a vigiar distraída em salmos
eu a sonhar de livro aberto
once upon a time there was a little boy
e as equações de terceiro grau a uma
incógnita

Ah tardes claras em que era bom
ser boa, não era o santinho nem o rebuçado
era a palavra doce a afagar-me por dentro,
as batas todas brancas salpicadas de gouache
colorido e o cinto azul que eu trazia sempre largo
assim a cair de lado à espadachim

As escadas de madeira rangentes
ao compasso dos passos, sentidas ainda
à distância de vinte anos,
todas nós em submissa fila a responder à chamada,
“Presente” parecia-me então lógico e certo
como assistir à oração na capela e ler as Epístolas
(De São Paulo aos Coríntios:
Naquele tempo...),
tem uma voz bonita e lê tão bem, e depois
mandavam-me apertar o cinto para ficar
mais composta em cima do banquinho,
à direita do padre

E o fascínio das confissões,
as vozes sussurradas na fina teia de madeira
castanha a esconder uma falta,
o cheiro do chão encerado e da cera das velas
e quando deixei de acreditar em pecados
e comecei a achar que as palavras não prestam
e que era inútil
inútil a teia de madeira

Ah noites de insónia à distância de vinte anos,
once upon a time there was a little boy
and he went up on a journey
there was a little girl, une petite fille
e o passé simple, como parecia simples o passado

Au clair de la lune
mon ami Pierrot
Prête-moi ta plume
pour écrire un mot

Escrever uma palavra
uma só
ao luar
a pedir concordância como uma carícia
Elles sont parties,
les mouettes

© Ana Luisa Amaral
from: Minha Senhora de Quê
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Vergangenheit

german

Ach altes Schulheft
mit meinen Französischaufsätzen
« Mes vacances »: meine Ferien waren sehr schön
je suis allée à la plage (mit zwei ee
das Verb être fordert Kongruenz), j’ai beaucoup
nagé und dann schloss ich mit dem Sonnenuntergang
im Meer und schlug Möwe im Wörterbuch nach

Die Korrekturen in Rot und das Passé Simple
hundert Mal nous fûmes vous fûtes ils fûrent schreiben
die sonnigen Nachmittage
und Madame Denise sagte, Toi ma petite
mit der Miene eines Feldwebels, einem vor Zorn sich rötenden
Gesicht (ich habe zuviele Blutkörperchen, faites attention)
und einem Blick, der all dies widerlegte
remplit mit Zärtlichkeit.

Und die auswendig gelernten Regeln, die Endungen
der Verben  a i s, a i s, a i t,
die Sonderstunden und am späten Nachmittag
die sonnendurchdrungenen Schulbänke
die Nonne, die die Aufsicht hatte, Psalm versunken
und ich, verträumt, vor dem aufgeschlagenen Buch
once upon a time there was a little boy
und die Gleichungen dritten Grades mit einer
Unbekannten

Ach helle Nachmittage, als es gut war
gut zu sein, nicht das Heiligenbildchen, auch nicht das Bonbon
es war das süße Wort, das innerlich mich streichelte
die weißen Kittel mit Wasserfarbe
bunt bekleckst und der blaue Gürtel, den ich stets locker trug
um verwegen auszusehen.

Die knarrenden Holztreppen
im Rhythmus der Schritte, auch nach zwanzig Jahren  
noch spürbar
wir alle artig aufgereiht in Reih und Glied, aufgerufen:
„Hier“, das schien mir logisch und richtig damals
wie das Gebet in der Kapelle, und die Episteln vorzulesen
(von Paulus bis zu den Korinthern:
Es begab sich aber zu der Zeit ...)
sie hat eine schöne Stimme und liest so gut, und danach
musste ich mir den Gürtel richten, damit ich
ordentlich auf meinem Bänkchen säße
zur Rechten des Paters.

Und der Reiz der Beichte
die wispernden Stimmen durch das feine hölzerne
Gitter, das die Vergehen verbirgt
der Geruch des gebohnerten Bodens und des Kerzenwachs'
und als ich aufhörte an die Sünde zu glauben
und herausfand, dass Worte nichts bringen
und dass es nutzlos war
nutzlos das Holzgitter

Ach schlaflose Nächte aus der Distanz von zwanzig Jahren
once upon a time there was a little boy
and he went up on a journey
there was a little girl, une petite fille
und das Passé Simple, wie einfach schien die Vergangenheit

Au clair de la lune
mon ami Pierrot
Prête-moi ta plume
pour écrire un mot

Ein Wort schreiben
ein einziges
im Mondlicht
und um Kongruenz bitten wie um eine Liebkosung
Elles sont parties,
les mouettes

Deutsche Fassung von Monika Rinck.
Die Übersetzung entstand im Rahmen des Übersetzungsworkshops
VERSschmuggel des Poesiefestivals Berlin 2008

otthonos számkivetettség. Mikrózás

hungarian | Attila Jász

„Ahogy élnem kéne.”
(Győrffy Ákos)

(i, vissza az égbe)

Távoli világokat, érzéseket és benyomásokat rejtesz el egy nagyon is közeli és konkrét mikrovilágba, vagy fordítva, tó vagy folyópart, jólesik a hajnali dér csipkedte csipkebogyót leszakítani, morzsolgatni, rágogatni, zsebedben szelídgesztenye lapul, nyomodban rég halott vadászkutyád csaholása, az elhagyott ház korhadt falához gyümölcsöktől roskadozó ágat vereget a koraőszi szél, lassan nem ártana befűteni, teleírt papírlapról húzkodod ki a szavakat, nagyon lassan, és amikor mindet kihúztad, azt mondod, igen, tűzbe vele, minden elengedett szó ima, visszakerül az égbe, végre, oda tehát, ahonnan rövid időre kölcsönözted.

(ii, repedések között)

A part állandósága csak egy mulandó érzés, a vízhez, az állandó változáshoz képest a hullámzás is nagyjából mindig ugyanolyan, mindig egy kicsit más, hisz bárhol élhetnél, de persze mégse, most éppen itt kell otthonra találnod, a stég algás, folyószagú lécei között nyíló piszkossötét kavargásban, ahogy lehetőségeid réseiben találod és teremted meg önmagad, mész tovább, menned kell tovább, és szerencsére még elhiszed, bármikor beköltözhetsz az íróasztalon tartott, üres és porlepte csigaházba, bárminek is nevezd, egy füzet kusza naplómondatai közé.

(iii, az ég küllői között)

Visszatérő félelmed biciklizés közben az út menti partoldalról rossz felé felröppenő madár, éppen a küllők közti égcikkelyben látja meg a menekülés, a szabadság egyetlen esélyét, szinte érzed, az apró csontok halkan, alig hallhatóan reccsennek egyet, aztán, aztán a küllők finoman permetezik arcodba a langyos madárvért, tollak szállnak, őszi levelek hullanak, a küllők közé ragadnak, mocskos rongydarab vagy szétgyúrt műanyag flakon lüktet az út szélén, az idő, miközben nem mersz visszanézni, és ha biciklizés közben egy madár kavarog a közeledben, már rosszul is vagy, szédülsz, borzongasz, émelyegsz és izzadsz.

(iv, hajnali buszmegálló valósága)

Az elképzelt menedékház és környéke az erdőben, meg a valóság, most pontosan lefedik egymást, egy hosszú pillanatig mintha a reflektor vak fényében állnál a sötét színpadon, most is minden a színpadon kívül zajlik, csak állsz, fülelsz, és tudod a helyed, pontosan ott állsz, a hajnali buszmegállóban, sűrű, őszi ködök gubbasztanak a fákon és bokrokon, csigaházak halk, nedves reccsenése jelzi, mások is várnak a buszra, ez már egy másik valóság, kavicsok fülsértő csikorgása, a képzelet hűlt helye, valaki véletlenül odébb rúg egy széttaposott csigát, mint egy kavicsot, csigavér, mondogatod magadban, mindjárt jön a busz.

© Attila Jász

Vertraute Verbannung. Mikrokosmierend.

german

"wie ich leben müsste"
(Ákos Győrffy)

(i. zurück in den Himmel)


Ferne Welten, Gefühle und Eindrücke verbirgst du in einer allzu nahen und konkreten Mikrowelt, oder umgekehrt, Teich oder Flussufer, es tut gut, die bereiften Hagebutten abzureißen, sie zwischen den Fingern zu reiben, sie zerkauen, in deiner Tasche verbirgt sich eine Esskastanie, das Gebell deines längst toten Hundes folgt dir, der frühherbstliche Wind schlägt die von Früchten schwer beladenen Äste gegen die morsche Wand des verlassenen Hauses, langsam wird es Zeit den Ofen zu heizen, du ziehst die Worte aus den vollgeschriebenen Blättern, und als du sie alle herausgezogen hast, sagst du, ja ins Feuer damit, jedes losgelöste Wort ist ein Gebet, das in den Himmel zurückkehrt, endlich, also dahin, von wo aus du es für kurze Zeit entliehen hast.


(ii. Zwischen den Spalten)

Das Stete des Ufers ist nur ein vergängliches Gefühl, verglichen mit dem Wasser, verglichen mit der steten Veränderung ist das Gewoge im Großen und Ganzen immer gleich, immer ein wenig anders, denn du könntest ja überall leben, eigentlich doch nicht, jetzt gerade musst du dich hier zuhause fühlen, im schmutzig dunklen Strudel, der sich zwischen den algigen, nach Fluss riechenden Brettern des Stegs öffnet, wie du dich in den Spalten deiner Möglichkeiten wiederfindest und erschaffst, weitergehst, du musst ja weitergehen, und zum Glück glaubst du noch, dass du jederzeit in das leere und staubige Schneckenhaus auf deinem Schreibtisch einziehen könntest, egal, wie du es auch nennst, zwischen die verworrenen Tagebuchaufzeichnungen in einem Heft.

(iii. Zwischen den Speichen des Himmels)

Deine wiederkehrende Furcht beim Radfahren ist der aufgeschreckte Vogel von der Uferseite, der in die falsche Richtung fliegt, die einzige Möglichkeit zur Flucht genau in der Himmelsspalte zwischen den Speichen sieht, schon kannst du fühlen, wie die winzigen Knochen leise, kaum hörbar knacken und dir die Speichen das lauwarme Vogelblut ins Gesicht sprühen, Federn lösen sich, Herbstblätter fallen, kleben zwischen den Speichen, ein schmutziger Stofffetzen, eine zerquetschte Plastikflasche, die Zeit pulsiert auf dem Weg, während du nicht wagst, zurückzuschauen, und wenn beim Radfahren ein Vogel doch in deiner Nähe schwirrt, wird dir gleich flau, schwindelig, dir schaudert, wird übel und du bist schweißgebadet.


 
(iv. Die Wirklichkeit der Bushaltestelle im Morgengrauen)

Die erdachte Schutzhütte und ihre Umgebung im Wald und die Wirklichkeit sind jetzt in Übereinstimmung,  einen langen Augenblick ist es, als ob du auf einer dunklen Bühne im blendenden Licht des Scheinwerfers stündest, auch jetzt spielt sich alles außerhalb dieser Bühne ab, du stehst nur da, horchst, und kennst deinen Platz, die Bushaltestelle im Morgengrauen, dichte Herbstnebel hocken in den Bäumen und auf den Sträuchern, das leise, feuchte Knirschen der Schneckenhäuser signalisiert, dass noch andere auf den Bus warten, dies ist schon eine andere Wirklichkeit, das ohrenbetäubende Quietschen der Kieselsteine, der verlorene Ort der Phantasie, jemand tritt versehentlich eine zertretene Schnecke bei Seite, wie einen Kieselstein, ganz ruhig, sagst du zu dir selbst, gleich kommt der Bus.


Ins Deutsche übertragen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

O EXCESSO MAIS PERFEITO

portuguese | Ana Luisa Amaral

Queria um poema de respiração tensa
e sem pudor.
Com a elegância redonda das mulheres barrocas
e o avesso todo do arbusto esguio.
Um poema que Rubens invejasse, ao ver,
lá do fundo de três séculos,
o seu corpo magnífico deitado sobre um divã,
e reclinados os braços nus,
só com pulseiras tão (mas tão) preciosas,
e um anjinho de cima,
no seu pequeno nicho feito nuvem,
a resguardá-lo, doce.
Um tal poema queria.

Muito mais tudo que as gregas dignidades
de equilíbrio.
Um poema feito de excessos e dourados,
e todavia muito belo na sua pujança obscura
e mística.
Ah, como eu queria um poema diferente
da pureza do granito, e da pureza do branco,
e da transparência das coisas transparentes.
Um poema exultando na angústia,
um largo rododendro cor de sangue.
Uma alameda inteira de rododendros por onde o vento,
ao passar, parasse deslumbrado
e em desvelo. E ali ficasse, aprisionado ao cântico
das suas pulseiras tão (mas tão)
preciosas.

Nu, de redondas formas, um tal poema queria.
Uma contra-reforma do silêncio.

Música, música, música a preencher-lhe o corpo
e o cabelo entrançado de flores e de serpentes,
e uma fonte de espanto polifónico
a escorrer-lhe dos dedos.
Reclinado em divã forrado de veludo,
a sua nudez redonda e plena
faria grifos e sereias empalidecer.
E aos pobres templos, de linhas tão contidas e tão puras,
tremer de medo só da fulguração
do seu olhar. Dourado.

Música, música, música e a explosão da cor.
Espreitando lá do fundo de três séculos,
um Murillo calado, ao ver que simples eram os seus
anjos
junto dos anjos nus deste poema,
cantando em conjunção com outros
astros louros
salmodias de amor e de perfeito excesso.

Gôngora empalidece, como os grifos,
agora que o contempla.
Esta contra-reforma do silêncio.
A sua mão erguida rumo ao céu, carregada
de nada —

© Ana Luisa Amaral
from: Às Vezes o Paraíso
Quetzal, 1998
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Der perfekteste Exzess

german

Ich wünschte ein Gedicht mit straffem Atem
und ohne Scham.
Mit der runden Eleganz barocker Frauen
und ganz die Kehrseite eines dünnen Strauchs.
Ein Gedicht, das Rubens, sähe er es, mit Neid erfüllte
aus dreihundertjähriger Tiefe heraus
sein herrlicher Körper hingegossen auf dem Diwan
seine nackten Arme ausgebreitet
mit kostbaren (so kostbaren) Armreifen
und dort oben ein Engelchen
in seiner kleinen Wolkennische
das es beschirmt, auf süße Weise.
So ein Gedicht wünschte ich.

Noch mehr Alles als die griechischen Würden
des Gleichgewichts.
Ein Gedicht aus Exzessen und Vergoldungen
und doch so schön in seiner dunklen und
mystischen Fülle.
Ach, wie wünschte ich ein Gedicht, das sich unterschied
von der Reinheit des Granits und der Reinheit des Weißen
und der Durchsichtigkeit durchsichtiger Dinge.
Ein Gedicht, das vor Qual frohlocken würde
ein großer blutfarbener Rhododendron.
Eine ganze Allee von Rhododendren durch die der Wind
ginge, bis er geblendet
und voller Hingabe innehielt. Da würde er verharren, gefangen vom Gesang
seiner kostbaren (so kostbaren)
Armbänder.

Nackt, mit runden Formen, so wünschte ich ein Gedicht.
Eine Gegenreformation der Stille.

Musik, Musik, Musik, die ihm den Körper füllt
und Blumen und Schlangen ins Haar geflochten
und eine Fontäne aus vielstimmigem Staunen,
die ihm durch die Finger fließt.
Hingegossen auf einem samtenen Diwan
ließe seine runde und volle Nacktheit
Greife und Nixen erbleichen.
Und die armen Tempel mit ihren so reinen und gezügelten Linien
vor Angst erzittern, unter der Strahlkraft
seines Blickes. Des Goldenen.

Musik, Musik, Musik und die Explosion der Farbe.
Ein Blick vom dreihundertjährigen Grund,
ein Murillo, der verstummt, als er sieht, wie schlicht seine
Engel waren
neben den nackten Engeln dieses Gedichts
die in Harmonie mit anderen
blonden Gestirnen
Psalmen von Liebe und perfektem Exzess singen.

Góngora erbleicht, wie die Greifen
jetzt, wo er sich darin vertieft.
Diese Gegenreform der Stille.
Die ausgestreckte Hand, dem Himmel entgegen, gefüllt
mit nichts —

Deutsche Fassung von Monika Rinck.
Die Übersetzung entstand im Rahmen des Übersetzungsworkshops
VERSschmuggel des Poesiefestivals Berlin 2008

Nemakar

hungarian | Attila Jász

duinói paradoxon

Szárnyas hajóról nézni a halk, halódó partot,
ahogy Isten szépen lecsupaszít mindent,
alkot,

egy angyal meg a szikláról nézi a tengert,
vizet, köveket, szemetet,

nem akar,
nem akar látni embert.

© Attila Jász

Will nicht

german

Duineser Paradoxon

Wer vom Flügelboot auf den stillen Tod dieses Ufers schaut,
sieht, wie Gott nach und nach alles entblößt, erschafft, erbaut,

vom Felsen aber schaut ein Engel auf das Meer,
aufs Wasser, auf die Steine und den Müll,

er will nicht,
den Anblick der Menschen will er nicht mehr.

Ins Deutsche übertragen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

NAPPAL ÉS ESTE

hungarian | János Háy

Fölkelni gyorsan,
és sírni
s csontok alatt mélyen,
hová egy régi képet
férceltek az emlékek.

Zokogni délben
ebéd előtt,
hallgatni a gázon
kopogó fedőt,
amint ritmusra söpri
mögénk az időt.

Siratni este,
mikor ablakra dől,
zörögve gurul
le a redőny.
Nekifordulni a falnak
és várni,
hogy egy beteg angyal
átsodorjon az éjszakán.

Audio production: Petőfi Irodalmi Múzeum 2006

TAG UND ABEND

german

Schnell aufstehen
und weinen
unter den Knochen
haftet die Erinnerung,
ein altes Bild.

Vor dem Mittagessen
heulen,
hören wie der Topfdeckel
auf dem Herd klappert,
wie er im Takt
die Zeit hinter uns schlägt.

Abends schluchzen
wenn die Rollos
scheppernd fallen und sich
an die Fenster lehnen
Sich zur Wand drehen
und warten,
dass ein kranker Engel einen
durch die Nacht hindurchspült.

aus dem Ungarischen übertragen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

Dutiful Ducks

english | Charles Amirkhanian

dutiful
the drano ducks collide
and mercy
gather-collide-like
fancy tension
pow-wow
dutiful dutiful ducks
than double Elly
Macy
treetops pray
the signal
hay in May
says
dutiful

dutiful
ducks

dutiful

dutiful
dutiful
ducks

dutiful
the drano ducks collide
the maestro
gather-collide-like
condescension
tavlu
dutiful beautiful ducks
than double Elly
Elgar
treetops pray
the signal
hay in May
says
dutiful

dutiful

dutiful

dutiful
dutiful
dutiful
dutiful

dutiful
ducks

dutiful

dutiful
dutiful
ducks

dutiful
the drano ducks collide
amoeba
gather-collide-like
x-extension
Bangkok
dutiful dutiful ducks
than double Elly
maybe
treetops pray
the signal
hay in May
says
dutiful
!
dutiful
ducks
!
dutiful
!
dutiful
dutiful
ducks
!
dutiful
the drano ducks collide
and curtsy
gather-collide-like
fancy sandals
sanction
suitable beautiful ducks
than double Elly
Dundas
treetops pray
the signal
hay in May
says
dutiful
!
dutiful
ducks
!
dutiful
!
dutiful
dutiful
ducks
!
dutiful
!
dutiful
!
!
dutiful
!
!
!
dutiful*
1u2utiful*
1u2u3utiful*
1u2u3u4utiful*
1u2u3u4u5utiful*
dutiful*
1u2utiful*
1u2u3utiful*
ducks
dutiful
the drano ducks collide
and mercy
gather-collide-like
fancy tension
scoundrel
beautiful dutiful ducks
than double Elly
huelga
treetops pray
the signal
hay in May
says
dutiful*/
1u2utiful*/
1u2u3utiful*/
1u2u3u4utiful*/
1u2u3u4u5utiful*/
dutiful*/
1u2utiful*/
1u2u3utiful*/
1u2u3u4utiful*/
1u2u3u4u5utiful
ducks
dutiful
ducks
dutiful
!
!
ducks
ducks
ducks
dutiful
ducks
!
dutiful
!
ducks
dutiful
ducks
dutiful
!
ducks
ducks
ducks
dutiful
ducks
!
!
!
dutiful
!
ducks
dutiful
ducks
dutiful
!
!
!ducks
!ducks
!ducks
!beautiful
!dutiful
!ducks


! = loud popping hand-clap
— = one beat rest


To my mother, Eleanor Kaprielian Amirkhanian (1917-2007)

© 1977 Arts Plural Publishing (BMI)
Audio production: 2004 M. Mechner, Literaturwerkstatt Berlin
(P) Arts Plural Publishing (BMI)

ERGEBENE ENTEN

german

Ergeben
die abflussfreien Enten
prallen
und Gnade
versammeln-aufprall-artig
schicker Thriller
pow-wow
ergebene ergebene Enten
mehr als doppelt Elly
Macy
Baumkronen beten
das Signal
Heu im Mai
sagt
ergeben
-
ergebene
Enten
-
ergeben
-
ergebene
ergebene
Enten
-
ergeben
die abflussfreien Enten
prallen
der Maestro
versammeln-aufprall-artig
Herablassung
Tavlu
ergöbene schöne Enten
mehr als doppelt Elly
Elgar
Baumkronen beten
das Signal
Heu im Mai
sagt
ergeben
-
ergeben
-
ergeben
_
ergeben
ergegen
ergeben
ergeben
-
ergebene
Enten
-
ergeben
-
ergebene
ergebene
Enten
-
ergeben
die abflussfreien Enten
prallen
Amöben
versammeln-aufprall-artig
Ex-Expansion
Bangkok
ergebene ergebene Ente
mehr als doppelt Elly
mag sein
Baumkronen beten
das Signal
Heu im Mai
sagt
ergeben
!
ergebene
Enten
!
ergeben
!
ergebene
ergebene
Enten
!
ergeben
die abflussfreie Ente
prallen
und knicksen
versammeln-aufprall-artig
schicke Sandalen
Sanktionen
entsprechend schöne
Enten
mehr als doppelt Elly
Dundas
Baumkronen beten
das Signal
Heu im Mai
sagt
ergeben
!
ergebene
Enten
!
ergeben
!
ergebene
ergebene
Enten
!
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1er2ergeben*
1er2er3ergeben*
1er2er3er4ergeben*
1er2er3er4er5ergeben*
ergeben*
1er2ergeben*
1er2er3ergeben*
Enten
ergeben
die abflussfreien Enten
prallen
und Gnade
versammeln-aufprall-artig
schicker Thriller
Schurke
ergöbene schöne Enten
mehr als doppelt Elly
huelga
Baumkronen beten
das Signal
Heu im Mai
sagt
ergeben* /
1er2ergeben* /
1er2er3ergeben* /
1er2er3er4ergeben* /
1er2er3er4er5ergeben* /
ergeben* /
1er2ergeben* /
1er2er3ergeben* /
1er2er3er4ergeben* /
1er2er3er4er5ergeben
Enten
ergeben
Enten
ergeben
!
!
Enten
Enten
Enten
ergeben
Enten
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Enten
ergeben
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Enten
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!Enten
!Enten
!Enten
!schön
!ergeben
!Enten

Deutsche Fassung von Monika Rinck

Dubhghall

irish | Greágóir Ó Dúill

Bhí daingean uaim, is foslongphort.
Mo sháith faoi seacht de thoinn, de mhaide stiúrach,
De bhroinn ag líonadh
Ag striapach liom leat de ghaoth Mhuir Meann.

Daingean uaim, is foslongphort.
Tharraing mé de rópa cnáibe
Ar shoc mo chéachta, ar mhuinéal m’eich mhara,
Rinne campa de long, d’fhadaigh tine,
Rinne páil de mhaidí rámha gur bhláthaíodar.

Seasann céaslaí; gruaig ghoirm faoi chois,
Scarbh ar sgeir ina aonar ar imeall  mo radhairc,
Mo chiotóg i bhfostó sa sciath,
Tine chnámh ar an chnoc udaí, dealáin chugam,
Riastra imithe do mo sarknochtáin,
Cneá droma na sceana dubha tirim orthu.

Is é cleacht mo shean an long a sheoladh,
Tine léi agus corp gléasta taoisigh,
Fá mhuir. Deasghnáth nach acmhainn d’aonarán.
Chugaim a thagaid. Tosaím laoi an bháis éachtaigh.
Fanaim, easnacha ag eitilt.

© Greágóir Ó Dúill

Schwarzer Fremdling

german

Ich brauchte eine Bleibe, und einen Landeplatz
Wellen hatte ich, mehr als ich Wellen wollte, genug vom Steuerruder
Genug der vom herumhurenden Wind prallen Segel
Auf der Irischen See.

Ich brauchte eine Bleibe, und einen Landeplatz
Mit einem Hanfseil zog ich
Die Schnauze meines Pflugs, meines Seepferdchens Hals,
Hab aus dem Boot ein Lager gemacht, hab Feuer gemacht,
Rammte Ruderblätter in den Boden,
Und siehe: Sie erblühten.

Die Ruder stehen still. Krause Haare unter meinen Füßen,
Des Kormorans gebreitete Schwingen streifen meinen Blick, hier
Auf dem fernen Riff.
Meine linke Hand umfasst den Schild
Leuchtfeuer auf dem Hügel drüben, Funken fliegen zu mir hin,
Der Blutrausch entlässt die Berserker
Und die Wunden auf dem Rücken, beigebracht von schwarzen Klingen,
Sind getrocknet.

Meiner Ahnen Brauch verlangt, den aufgebahrten Leib
Des Herrschers, auf einem Schiff, entflammt,
Auf's Meer herauszuschicken.
Eine würdige Zeremonie, für einen alleine kaum machbar.
Sie kommen zu mir. Ich setze an zum letzten Monolog.
Ich warte, mit flatternden Rippen.

Übersetzt von Monika Rinck

Moments Bearing No Notation

english | Gabeba Baderoon

I run down the airport corridors
willing time to be still,
and, impossibly, catch the flight.
I sleep all day and in the evening walk
to the twilight waiting by the lake,
my body a heavier part of the dusk.

The lake looks obsidian turned
to slate by sudden rain
droplets widen into momentary
silver mouths under the jetty
the glint of insects on the reeds scattered
like sequins on the thickening fall
solo violin of a gull call –
moments bearing no notation.

© Gabeba Baderoon
from: The Museum of Ordinary Life
Stuttgart: DaimlerChrysler , 2005
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Momente ohne Vermerk

german

Ich renne durch die Flughafengänge
will, dass die Zeit stehen bleibt,
und will doch den Flug noch erreichen.
Ich verschlafe den Tag und am Abend laufe
ich durch die Dämmerung, die um den See her wartet,
mein Körper, ein erschwerter Teilhaber am Staub.

Der See sieht aus wie vulkanisches Glas
das im jähen Regen Schiefer wird
Tröpfchen weiten sich zu momentanen
Silbermündern unter dem Steg
schimmern Insekten im Schilf versprengt
wie Pailletten im heftigeren Schauer
Geigensolo eines Möwenschreis -
Momente ohne Vermerk.

Übersetzt von Monika Rinck

megkezdett szépség. Az ikonfestés szabályai

hungarian | Attila Jász

„…arról hoznak hírt, mi van a test túloldalán.”
(Pavel Florenszkij)


(i, Fra Angelico próbálkozásai)

Minden újabb és újabb Krisztussal, kit
kolostorok csendjében feszítek falakra,

újra és újra átélem szenvedéseit a kereszten,
könnyeim ködpáráján át látom csak, ahogy

megszületik, ahogy megszületik
ecsetvonásaim nyomán, újra és újra,
haldokló Jézus Urunk.


(ii, Rubljov belső monológja)

Isten nevet rajtunk, olykor sír is,
az ikon törött ablak az örökkévalóságra,
homálya elfedi az időt, egész a sírig,

csupasz fákat látsz, égboltot
átszelő villanyvezetéket,
kéményeket és háztetőket,
nekiállsz, kaparod a festéket,

égboltot látsz, fákat
átszelő fényes villanyvezetéket,
számolod az estéket, miközben
isten sír, isten nevet,

elkezd, de nem fejez be
helyetted semmit.


(iii, Raffaello Santi kételyei)

Sötét ragyogással elevenedik meg
a befejezetlen Madonna-kép minden éjszaka
az ággyal szemközti festőállványon.

© Attila Jász

Angefangene Schönheit. Das Regelwerk der Ikonenmalerei

german

"...sie berichten darüber, was jenseits des Körpers ist"
(Pavel Florenszkij)

(i. Versuche des Fra Angelico)

Mit jedem weiteren Christus, den ich
in der Stille der Klöster an die Wand spanne,

durchlebe ich immer wieder sein Leiden am Kreuze,
durch die Nebelkissen meiner Tränen sehe ich, wie

er geboren wird, wie er geboren wird mit meinen Pinselstrichen,
immer und immer wieder, unser sterbender Herr Jesus Christus.


(ii. Rubljows innerer Monolog)

Gott lacht über uns, manchmal weint er, die Ikone ist nur ein zerbrochenes Fenster
zur Ewigkeit hin, trüb verbirgt es die Zeit, bis in das Grab,

du siehst kahle Bäume, den Himmel teilende Stromleitungen,
Schornsteine und Dächer und beginnst an den Farben zu schaben,

du siehst den Himmel, Stromleitungen, die Bäume teilend, funkelnd,
und zählst die Abende, während Gott weint, Gott lacht,

beginnt, aber nichts beendet
an deiner Stelle.

(iii. Die Zweifel des Raffaello Santi)

Nacht für Nacht wird mit dunklem Leuchten das unvollendete Bild
der Madonna auf der Staffelei gegenüber des Bettes lebendig.

Ins Deutsche übertragen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

MATA HARI MON AMOUR

english | Peter Filkins

Mata Hari, for the first time since she had been arrested, began to see the futility
of the efforts to save her.... People whom she knew innocently had become dangerous
companions; conversations which were private and intimate had become acts
committed to divulge secrets of state; things that were simple became complicated;
actions that were plain became guilty, and Mata Hari knew that explanations
were of no avail. The war had changed everything – small things had become big,
and appearance had become reality.

Sam Wagenaar, Mata Hari


Tonight they’re dancing at the Folies Bergטre,
cigar smoke rising thick as black curls.
Lovers clink glasses, betrayal in the air
sweet as the flesh of a new showgirl.

Out at Ypres, thick as black curls,
smoke ascends from fields of mud,
as a moonbeam bathes a dozen dead girls
rejected as barter for your head.

Disgraced, abandoned, your name now mud
in every salon and Bundeskammer,
somehow you managed to keep your head
afloat amid the tides of rumor.

Later salons and Bundeskammers
will dim their lights, but not for you.
Spy or lover, eventually rumor
replaced your life, made it twice as true.

Dear Margaretha, whoever you
thought you could be became a lie
told by Mata Hari, but not as true
as the woman at dawn ready to die.

For who? For God and country? Lies
thick as smoke at the Folies Bergטre?
No matter. It’s done. The life that died
was betrayed by those shots shattering the air.

© Peter Filkins
from: unpublished
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

MATA HARI MON AMOUR

german

Mata Hari wurde zum ersten Mal seit ihrer Verhaftung klar, dass die Bemühungen sie zu retten, nutzlos waren. Aus
Leuten, die sie ganz harmlos kannte, waren gefährliche
Kompagnons geworden; aus Gesprächen, die privat und vertraut  waren, ist der Verrat von Staatsgeheimnissen geworden; einfache Dinge wurden kompliziert, schlichte Handlungen wurden schuldhaft, und Mata Hari wusste, dass Erklärungen keine Ausflucht boten. Der Krieg hatte alles verändert, kleine Dinge waren zu großen geworden, und der Schein zur Wirklichkeit.

                              Sam Wagenaar, Mata Hari

Heute Nacht tanzen sie im Folies Begère
Zigarrenrauch steigt in dichten schwarzen Kringeln.
Liebespaare, Gläser klirren, Verrat atmet schwer
und süß wie das Fleisch einer neuen Tänzerin.

Von Ypres her, dicht wie schwarze Fädchen,
erhebt sich Rauch aus schlammigen Feldern,
ein Mondstrahl badet ein Dutzend toter Mädchen
abgelehnt im Austausch gegen deinen Kopf.

Aufgegeben, entehrt, dein Name ein Dreck
in jedem Salon und jeder Bundeskammer,
irgendwie hast du es geschafft deinen Kopf
über Wasser zu halten in der Flut der Gerüchte.

Später werden Salons und Bundeskammern
ihre Beleuchtung dimmen, nicht für dich zwar,
Spionin oder Geliebte, am Ende ersetzten Gerüchte
dein Leben, machten es zweimal so wahr.

Liebe Marguerita, wer immer du dachtest
sein zu können wurde zur Unwahrheit,
von Mata Hari erzählt, doch nicht so wahr
wie die Frau, im Morgengrauen, todbereit.

Für wen? Für Gott und die Nation? Lügen
dicht wie der Rauch im Folies Bergère?
Ganz gleich. Das war's. Das Leben, das starb
wurde verraten im Kugelhagel der Gewehre.

Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Monika Rinck

MAN RUNNING

english | Peter Filkins

Outside my window, a man running.
Though it’s mid-winter, ten above,
he stays the course, determined
to shed those Xmas pounds, lop off

another tick from his last 10K,
or better yet, live another year
or two, provided come-what-may
isn’t a skidding car or cancer.

Focused, head down, pumping fists,
worry washes off him with his sweat.
Though God may be dead, Fitness
has replaced [H]im, as millions bent

on lower heart rates like acolytes
to Rome take to their morning run,
a daily sacrifice for the lithe,
sure ease of a country they call Health.

Meanwhile, I think of Verdun,
men (boys, really) gone ‘over the top’
and through jagged wire to run
forever and a mile, never to stop

or know or breathe the scent of pine,
fresh fallen snow, or see the expanse
of road whose glare arrests the sun,
and on which we’ve run ever since.

© Peter Filkins
from: unpublished
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

RENNENDER MANN

german

Vor meinem Fenster, ein Mann, der rennt.
Trotz winterlicher Temperaturen, 12 Grad minus,
hält er bis ans Ende durch, entschlossen
den Weihnachtsspeck zu tilgen, seiner Bestzeit

auf 10 000 Metern ein paar Sekunden abzunehmen,
oder besser noch, ein weiteres Jahr zu leben
oder zwei, vorausgesetzt, was immer bevorsteht
wäre nicht Krebs oder ein Auto außer Kontrolle.

Konzentriert, gesenkter Kopf, pumpende Fäuste
der Ärger löst sich auf in seinem Schweiß,
Und wäre Gott auch tot, die Fitness
hat Ihn ersetzt, Millionen beugen sich

gesenkten Herzfrequenzen wie Messdiener
gen Rom, absolvieren sie ihren Morgenlauf,
ein tägliches Opfer für das stabile, gesicherte
Wohlsein eines Lands genannt Gesundheit.

Aber unterdessen denke ich an Verdun
Männer (Jungs eigentlich), zu weit gegangen
und durch stachligen Draht, um ewig und
eine Meile zu rennen, niemals anzuhalten

den Pinienduft zu bemerken oder zu verschnaufen,
frisch gefallener Schnee oder die Erstreckung
der Straße im gleißenden Licht zu sehen,
auf der wir seither nichts anderes als rennen.

Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Monika Rinck

Majd

hungarian | Attila Jász

1977-ben Jakob Gautel és Jason Karaindros egy angyal-
detektort szerkesztenek. És Prágában be is mutatják
egy kiállításon. Állítólag, ha angyali lényt vél érzékelni
a kiállított térben, kigyullad egy lámpa. Ám valójában
a csendet méri. És minél nagyobb, annál fényesebben
izzik a vitrinbe szerelt villanykörte. Kékes fénnyel
árasztva el a helyiséget, azúrkék palástot borít a
látogatók szemére. (Az Úr azúrszín köpenye alatt
Mallarmé mosolyog megbocsátóan Marlene Dietrichre.)
Miként a váratlan beálló, kínos hallgatáskor. Várva,
hadd repüljék csak át a némaság angyalai a jégbe
dermedt szobát. A süketnéma biztonság őrök
örök kék fényben vakoskodnak, reménykedve,
holnap majd valaki egy kis zajt üt legalább, s ők
a huzatos sötétben vacogva pihenhetnek egy kicsit.

© Attila Jász

Dann

german

1977 bauen Jakob Gautel und Jason Karaindros einen Engel-
detektor. Sie führen ihn auch in Prag auf einer Austellung vor.
Wenn er im Raum einen Engel wahrnimmt, dann  leuchtet
angeblich seine Lampe auf. In Wirklichkeit misst er die Stille.
Und je größer sie ist, desto stärker glüht die eingebaute Glühbirne
 in der Vitrine. Den Raum mit blauem Licht überflutend, wirft sie
einen azurblauen Umhang über die Augen der Besucher.
(Unterdem azurfarbenen Umhang des HErrn lächelt
Mallarmé nachsichtig Marlene Dietrich zu.)
Genauso, wie bei einer plötzlich eintretenden, peinlichen Stille
alle darauf warten, dass die schweigsamen Engel durch den eisig
erstarrten Raum fliegen. Die taubstummen Sicherheitsleute vom ewigen
blauen Licht geblendet, hoffen, dass am nächsten Tag jemand kommt
und wenigstens ein kleines Geräusch macht, damit sie sich zitternd
in der zugigen Dunkelheit ein wenig ausruhen können.

Ins Deutsche übertragen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

LOVE IS ELASTIC

english | Lebogang Mashile

When I am closed
Used up
You are stretched at your fullest width
Ready to give
I want to jump
Into you
And feel this life
As you do
Perhaps then
I could give as you do
Perhaps then
I could live as you do

from: In a Ribbon of Rhytham
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

LIEBE IST ELASTISCH

german

Wenn ich verschlossen bin
Verbraucht
Spannst du dich zu deiner vollsten Weite
Bereit zu geben
Springen will ich
In dich hinein
Und dieses Leben spüren
So wie du
Vielleicht dann
Könnte ich geben wie du
Vielleicht dann
Könnte ich leben wie du

Aus dem Englischen von Monika Rinck

Loki agus Loch

irish | Greágóir Ó Dúill

Loki ar an tsliabh, mealla iarainn
Den fhearthainn throm á rolláil aige
Ar dheic mhioscaiseach an fhána
In éadan mo dhíomais.

I laghad, i léithe, a théid gach uile ní;
Crapann fad is crot, tréigeann fuaim:
Sníomhann an chumha trí gach feadán,
Gach feadh, gach giolcach, ar an loch ghlas i mo lár.
Casann an ghaoth fonn mall gan ornáid
Ar phoill nóta mo chéadfaí.

Ach an loch sin, mairfidh slán, ag lacha, ag breac
Beo, cleasa Loki ag cur lena bheocht,
Uisce faoi thalamh á neartú. Mairfidh liath, glas,
Ach tiocfaidh grian, imirt cheolmhar goirmeacha,
Leacht ceoil fuiseoga, ceol miontonnta.
Beidh gach giolcach ag rince leis an ghaoth.

© Greágóir Ó Dúill

Loki und der See

german

Loki auf dem Berg, Kanonenkugeln
Schweren Regens rollt er talwärts, meuterisch.
Das heftig stampfende Deck meiner Tage,
Ich halte es trotzig auf Kurs.

Alle Dinge schrumpfen und ergrauen,
Entfernung verkürzt sich, Formen wabern, Laute verhallen
Verlorenheit dreht sich in jede Vene ein. Jedes Schilfrohr,
Jede Binse auf dem grauen See in meiner Mitte.
Der Wind singt eine langsame, schmucklose Weise.
Eine Note trifft meine Sinne zutiefst.

Doch dieser See wird bleiben, unversehrt,
mit Enten und lebendigen Forellen
während Lokis Listen sein Leben vermehren
und unterirdisch tiefe Ströme befüllen.

Er bliebe grau, wenn nicht die Sonne käme,
ein letzter Abgesang aus Wassern und aus Himmeln
Fluidität des Lerchensangs, Fluidität der Wellen
Und jedes Schilfrohr tanze dann, sachte mit dem Wind.

Übersetzt von Monika Rinck

Lélekben

hungarian | Szabolcs Várady

Tetszetős elgondolás,
hogy létünk lényege nem itt zajlik (vagy vesztegel),
nem e piszkos lépcsőházakban kanyarog a falak mentén,
felüdülve a páternoszterben (ahol van és amely
mindig elmulattat egy percre). S tekintetem, valóban,
kiröppen szabadon, tisztább egekbe,
„lélekben ott vagyok” – de hol is?
Mert gyakran tréfát űz velem,
amit, jobb híján, léleknek hívunk.
Hagyján az álmok, de a hídon, ébren,
egyszer csak zsupsz, le a mélybe.
Vagy téged, édesem. Bizony letaszítlak.
S egy pillanatra a vakrémület:
megtettem-e vagy sem? Lélekben bizonyára.

Audio production: Petőfi Irodalmi Múzeum 2006

Tief in meiner Seele

german

Ein gefälliger Gedanke,
hier bewegt er sich nicht, der Sinn unseres Daseins, noch steht er hier still,
kurvt nicht durch die Wände der schmutzigen Treppenhäuser,
erheitert sich nicht im Paternoster (wo es noch welche gibt,
die auch mich flüchtig belustigen). Und mein Blick reißt sich
wirklich los, in reinere Höhen.
"In meiner Seele bin ich dort" - doch wo genau?
Denn allzu oft erlaubt sie sich einen Scherz mit mir,
sie, die wir mangels eines Besseren, die Seele nennen.
Träume sind eine Sache, aber auf der Brücke, wach,
auf einmal hupps, ab in die Tiefe.
Oder dich, Liebling, werd ich von der Brücke werfen.
Und für einen Augenblick die blanke Angst:
Tat ich es oder nicht? Tief in meiner Seele sicherlich.

aus dem Ungarischen übertragen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

DISMANTLING THE BIRCHES

english | Peter Filkins

for James Lasdun

“Topped, dropped & chipped 2 dead white birch trees”
reads the bill arriving one week later.
The damage? “Labor & Equipment – $250,”
though it’s no sure bargain: blithe empty air
now all that’s left of what once stood, who knows,
a lifetime? a century?, their tall, swaying might
reduced to firewood we’ll burn this winter.

Still, it was time. The birches too near the house,
one windy night a heavy limb broke loose,
waking us with a thunk so loud we thought
the end of sleep had come, our roof done in
and leaking through November’s bony cold
until next morning workers broke the news:
nothing for it, those trees were coming down.

Summer. Morning. A locust’s rising whine,
the day a promise caught in each chuckling leaf,
as a boy I loved their white thrusting shoots
rising like a massive V outside my window,
each trunk’s diameter twice my skinny arm across,
the scarred papery bark a sheet inscribed
with twists and leanings, weather written in.

How many summers had they seen? What kites
had disemboweled flight among their branches?
And who could know what kind of spell or luck
had let them grow so tall, lightning blasts
and blight, drought and winter gales, the gamut
of experience as like to strike them down
as nurture lasting reach into a pale blue sky.

I blink my eyes, but yes, they’re really gone,
leaving behind a golden sawdust sweet
with desolation, its smell the pungent tang
of a chainsaw gnawing wood, the acrid oily buzz
lopping off a branch as if dismembering a doll
naked with abuse, as the saw’s last throaty chug
digs and burrows, mad for the meaty girth.

Absence now becomes them, or at least
it must: sawdust, wood chips, and firewood
soon vanishing as well. Meanwhile, the view
has opened, and with it a landscape appears,
unseen before, yet obviously always there,
iron grey in autumn, a stillness loud with geese
on their necessary flight above the trees.

© Peter Filkins
from: unpublished
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

DAS ENTFERNEN DER BIRKEN

german

Stutzen, Fällen, Zerhacken von zwei morschen Birken
steht auf der Rechnung, die eine Woche später eintrifft
Der Schaden? Arbeitsaufwand & Werkzeug - $ 250,
obwohl das kein Schnäppchen ist: muntere leere Luft
ist nun alles was blieb von dem, was da mal stand, wer weiß,
ein Jahrhundert oder Leben lang? Ihre hochschwankende Macht,
reduziert zu Feuerholz, in diesem Winter zu verbrennen.

Doch es war an der Zeit. Die Birken dem Haus zu nah,
in einer windigen Nacht brach ein schwerer Ast herab
weckte uns, mit einem Krach, so laut, dass wir dachten
das Ende des Schlafs sei gekommen, unser Dach kaputt
und hereingekrochen kam die knochige Novemberkälte
bis am nächsten Morgen Arbeiter die Neuigkeiten brachten:
Da hilft nichts, diese Bäume sind runtergekommen.

Sommer. Morgen. Das Loswimmern einer Heuschrecke,
der Tag ein Versprechen, in schmunzelndem Laub geborgen,
als Junge liebte ich ihre drängenden weißen Triebe,
wie sie sich als massives V vor meinem Fenster errichteten,
der Umfang jedes Stammes meine doppelte Ärmchenlänge,
die vernarbte, papierne Rinde, ein Bogen, eingeschrieben
sind Drehung und Neigung, vom Wetter beschriftet.

Wie viele Sommer haben sie gesehen? Welche Drachen
endeten den Flug, aufgeschlitzt zwischen ihren Zweigen?
Und wer konnte wissen, was für ein Fluch oder Glück
sie so groß hat wachsen lassen, Blitzschlag
und Brand, Dürre und Winterwinde, auf der Skala
der Erfahrung streckte es sie nieder, ebensogut
wie die stete Hege sie dehnte bis ins fahle Blau.

Ich blinzele mit den Augen, doch sie sind wirklich weg,
goldenes Sägemehl hinterlassend, das vor Zerstörung
süß ist, sein Geruch der stechende Nachgeschmack
einer Kettensäge beim Holzfraß, das ätzend ölige Summen
das den Ast stutzt, als zerstückelte man eine Puppe
entblößt im Missbrauch, als das letzte kehlige Knattern der Säge
sich eingräbt und wühlt, verrückt nach dem markigen Stamm.

Was sie waren, wird Abwesenheit, oder zumindest
gezwungenermaßen: Sägemehl, Holzspäne und Feuerholz
wird auch bald verschwunden sein. Indes hat sich die Sicht
geöffnet und mir ihr erscheint eine Landschaft
ungesehen zuvor, aber offensichtlich immer schon da.
Eisengrau im Herbst, eine Stille, durchlärmt von Gänsen
auf ihrem dringlichen Flug über die Bäume.

Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Monika Rinck

KESZTYŰ

hungarian | István Kemény

Te, aki tudsz vezetni,
fékeznél, ha egy kesztyű
volna az útra dobva
eléd, ahol a zebrát
közlekedési lámpa
világítja be zölden,
pirosan, sárgán, vagy ha
későre jár, csak sárgán,
elhinnéd azt, hogy sün, vagy
egyéb elütött állat;
mondjuk, hogy időd volna,
kedved is lenne élni
és élni hagyni mást is,
megállni és kiszállni
a hülye sünt szapulva,
vagy észrevenni rögtön,
hogy az egy kesztyű ott csak,
mégse lépni a gázra,
ha már nem tetted addig,
hanem kiszállni, és úgy
konstatálni, hogy kesztyű,
kesztyű az útra vetve,
és mivel te állsz itt csak,
nyilván eléd vetették,
megvárni, aki dobta,
és ha az nem jön, akkor
megvárni, aki dobta,
és ha az nem jön, akkor
rájönni, hogy nem is fog,
de mégse lehet mindent
a véletlenre fogni?
Megmondom, miért kérdem,
mert nem tudok  vezetni,
és egy zebrára esve
heverek mint egy kesztyű,
pirosan, sárgán, zölden,
ilyenkor már csak sárgán
villódzik rám a lámpa,
el is vagyok veszítve,
meg is vagyok találva,
van is párom meg nincs is,
egyedül mint az ujjam,
akármelyik az ötből,
mert nem jelentek semmit,
de mégse lehet mindent
a véletlenre fogni.

© István Kemény
Audio production: 2005, Petőfi Irodalmi Múzeum

HANDSCHUH

german

Du kannst bestimmt gut Auto fahren
und würdest auf die Bremse treten
wenn ein Handschuh vor dir
hingeworfen auf der Straße liegt,
genau dort wird die Ampel
Zebrastreifen grün erleuchten,
oder rot oder gelb, oder sollte dies spät
nachts passieren, nur noch gelb;
anfangs wärest du dir ganz sicher, es ist
ein Igel oder irgendein verletzes Tier;
angenommen, Zeit hättest du genügend
und hättest Lust an deinem Leben
und anzuhalten, auszusteigen
um ein anderes Leben zu erretten
dabei den dummen Igel wüst beschimpfen
oder von Anfang an wäre klar
- dass das nur ein Handschuh war,
doch würdest du nicht gleich weiterfahren
wenn du schon mal da bist, sondern
aus dem Auto steigen, um dich so
zu vergewissern, dass es nur ein Handschuh war,
ein Handschuh auf die Straße geworfen
und da kein andrer außer dir dort steht
womöglich vor deine Füsse geworfen,
deshalb auf den warten, der ihn geworfen hat
und wenn er nicht kommt,
warten auf den, der ihn geworfen hat
und wenn er nicht kommt,
begreifen, dass er gar nicht kommen wird,
aber man kann doch nicht jedesmal
glauben, der Zufall wollte es so?
Ich sag dir auch, warum ich frage,
weil ich nicht Auto fahren kann,
und auf die Zebrastreifen geworfen
da liege, wie ein Handschuh,
rot, gelb, grün,
um diese Zeit nur noch gelb
blinkt mich die Ampel an,
mich hat man sowohl verloren
als auch gefunden,
mich gibt es paarweise und dann wieder nicht,
bin einsam, wie einer meiner Finger, ohne
die anderen, welcher der fünf, das ist egal,    
so unbedeutend bin ich eben
aber man kann doch nicht jedesmal
glauben, der Zufall wollte es so?

Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

Kedd

hungarian | Ferenc Szijj

Néhány madár, vagy talán sok,
még ennél is több, nem nagyon lehet
kilátni közülük, zuhan lefelé.
Lefelé egyenesen, nem siklanak,
de mégis szépen, elegánsan. Időnként
még lassan lebben is a hatalmas szárnyuk,
de ez nem változtat semmin,
nem fékezi a zuhanást, csak ha lehet,
még szebbé teszi. És néha elkapnak
egy-egy kisebb madarat, amely épp
az útjukba kerül, lenyelik őket egyben,
aztán felöklendezik a csontokat,
s azok, mintha üresek lennének belül,
gyorsan elmaradnak. Vagy egy kaotikus
légtömeg hirtelen felborzolja a tollukat,
kissé megdobja őket, de más zavart nem okoz.
Jobb lenne ilyenkor, ha meg se születtünk
volna, vagy ha mégis, akkor farkasoknak.

© Ferenc Szijj
from: unveröffentlichtem Manuskript / unpublished manuscript
Audio production: 2004, Petőfi Irodalmi Múzeum

Dienstag

german

Etliche Vögel, vielleicht auch viele,
oder sogar unzählige, man sieht kaum
durch sie hindurch, stürzen nach unten.
Steil nach unten, kein Gleiten, trotzdem
schön und elegant. Von Zeit zu Zeit
schwingen sich die riesigen Flügel noch auf,
aber dies ändert hier gar nichts,
bremst den Sturz nicht, macht ihn, wenn möglich,
nur noch viel schöner. Und ab und zu
fangen sie einen kleinen Vogel, der gerade
ihren Weg kreuzt, verschlucken ihn als Ganzen,
und stoßen dann die Knochen auf,
und diese, als wären sie innen hohl,
bleiben schnell zurück. Oder eine chaotische
Luftmasse plustert ihre Federn auf,
hebt sie etwas an, stört aber nicht weiter.
Da wäre es dann besser, wenn wir
nicht auf die Welt gekommen wären
und wenn doch, dann als Wölfe.

aus dem Ungarischen von Orsolya Kalasz und Monika Rinck

Daily Bread

english | Hind Shoufani

I thought to write a dirty poem
one about fucking and sucking
and lips pouted
licking
cigarette butts left in ashtrays flowing
about the grit edged into our teeth
grinding TV screens that
enlarge year after year to devour
us with all the porno sacred

I thought to write about the harsh
words we dismiss
the bitter words
we utter
the basic daily bitching
we mutter
I thought to remove all splendor
to strip my thoughts brutal

I thought to describe fast food containers after our sleepless night
I thought to show you the bruises I gathered in the restless morn

I thought to write about bombs
and limbs bleeding
and eye sockets gouged
and entire nations massacred

I thought to write in words that do not rhyme
that have no flow
words that reek like scum
words about what we have become
you, enslaved by your cocks
us, enslaved by history
by the goddamn army checkpoints
and the barbed wire streets
the machine gun blocks
Arab students dumping art for rocks
burning tires to inhale black death
like your eyes

I thought to write a dirty poem
like your heart

like many others I can name
like the ones who rule this jungle
we call home
my breath to them money whoring
my smile a mere game

I thought to write about hate
and children dying as we speak
I thought
and thought
I thought through the whole violent day

there is nothing to say

your eyelashes are curved long on your cheek
you sleep
it is silent
and I love you.

© Hind Shoufani
from: Inkstains on the edge of light
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2011

Tägliches Brot

german

Ich wollte ein dreckiges Gedicht schreiben
eins über ficken und blasen
über schmollende Lippen
leckend
Zigarettenstummel in überquellenden Aschenbechern,
über den Split schneidig in unsere Zähne
knirschende TV-Bildschirme, die sich
Jahr für Jahr vergrößern um uns
mit all den Pornogötzen zu verschlingen

Ich wollte über die harten Worte schreiben
die wir abweisen
die bitteren Worte
die wir aussprechen
die täglichen Grundnörgeleien
die wir murmeln
Ich wollte jede Pracht entfernen
meine Gedanken entblößen, brutal

Ich wollte Imbiss-Container nach unserer schlaflosen Nacht beschreiben
Ich wollte dir die Schrammen zeigen, am rastlosen Morgen gesammelt

Ich wollte über Bomben schreiben
und blutende Gliedmaßen
Augenhöhlen, geblendet
und Massaker an ganzen Nationen

Ich wollte Worte schreiben, ohne Reim
und ohne Schwung,
Worte, die wie Abschaum stinken
Worte, über das, was wir geworden sind
Ihr, versklavt von Euren Schwänzen
Wir, versklavt von der Geschichte,
von den gottverdammten Checkpoints der Armee
und den stachelverdrahteten Straßen
den Maschinengewehr Häuserblöcken
Arabische Studenten die Kunst gegen Steine eintauschen
Reifen verbrennen um Tod zu atmen schwarz
wie deine Augen

Ich wollte ein dreckiges Gedicht schreiben
wie dein Herz

wie viele andere, die ich aufzählen kann
wie die, die diesen Dschungel regieren,
den wir Zuhause nennen
denen mein Atem Geldhurerei
mein Lächeln ein Glücksspiel

Ich wollte über Hass schreiben
und Kinder die in diesem Augenblick sterben
Ich dachte
und wollte
Ich dachte den ganzen gewalttätigen Tag

es gibt nichts zu sagen

deine langen Wimpern sind auf deine Wange gebogen
du schläfst
es ist still
und ich liebe dich.

Übersetzt aus dem Englischen von Monika Rinck

INSIDE OUTSIDER

english | Lebogang Mashile

Home is a foreign land
That hurls the might of its confusion around the world
Strangers believe they know my bruises
The smallness of boxes they call eyes
And woo them into a false comfort

I will not live in boxes
They are not my home
Home is laughter
Home is rounded figures
Home is a sharpened mental weapon
To be wielded against foreigners of the spirit

I am tired of being different
My feet burn from the fires of those
Who have been anointed
With the certainty of origins

I will wander the earth
In search of my tribe
Or build it from the shreds of boxes
With my own hands

from: In a Ribbon of Rhytham
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

IM AUSSENSEITER

german

Zuhause ist ein fremdes Land
Das der Welt seine gewaltige Wirrnis entgegenheult
Fremde glauben meine Wunden zu kennen
Die winzigen Kisten, sie nennen sie Augen
Und verlocken sie zu falschem Behagen

Ich werde nicht in Kisten leben
Die sind nicht mein Zuhause
Zuhause ist Lachen
Zuhause sind rundliche Figuren
Zuhause ist eine geschärfte geistige Waffe
Um sie gegen die Geistfremden zu führen

Ich bin es müde anders zu sein
Meine Füße brennen vom Feuer derer
Die mit der Gewissheit der Ursprünge
Gesalbt worden sind

Ich werde die Erde durchwandern
Auf der Suche nach meinem Stamm
Oder werde ihn aus den Fetzen der Kisten
erbauen, mit meiner eigenen Hand.

Aus dem Englischen von Monika Rinck

INDULÁS A KOORDINÁTA-RENDSZERBŐL

hungarian | István Kemény

A pont, az Origó, mint testből a lélek
kirepült egy nap, kilebegett, kiszállt,
elindult világot látni belőlem,
a világot, ami központot keres,
királyt - zérust, vagy királyt – és vitte, vonta
magával a rendszert: mindhárom tengelyét,
hogy felverje őket akárhol másutt
s azzá legyen ott is, amiből
egy elég; kilebegett belőlem az Egy Pont,
de nem messze megállt, és ott lebeg,
a megfoghatatlan volt idebent eddig
és most kell megfogni, különben hogy
legyek. A Pont, az Origó még nem
a lélek, a lélek megmaradt idebent,
mint repülőablaknál, lesütött szemmel –
még érzi az Origót, és tűnődik: mire ment?

© István Kemény
Audio production: 2005, Petőfi Irodalmi Múzeum

AUFBRUCH AUS DEM KOORDINATENSYSTEM

german

Wie die Seele aus dem Körper, flog eines Tages
Punkt Null aus mir heraus, glitt schwebend dahin,
verließ mich um die Welt zu sehen
Die Welt, die eine Mitte will
König oder Garnichts, oder König und schleppte
das System mit sich: alle drei Achsen
um sie woanders wieder aufzurichten
Und dort zu werden, wovon
eins genügt; der Ursprungspunkt ist mir entschwebt
doch blieb in meiner Nähe, dort schwebt er jetzt.
In mir war er das Unfassbare, das ich jetzt
fassen muss, wie soll ich sonst bestehen.
Jener Punkt ist nicht identisch mit der Seele
die Seele ist hier drin geblieben
wie am Kabinenfenster eines Fliegers, den Blick gesenkt
spürt sie den Nullpunkt, und fragt sich noch: wozu?

Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

Jelek

hungarian | Attila Jász

Ablaknyílás a mellemen. Kitárom a szárnyait,
hadd szellőzzenek a szobák. Repülje át
minden rejtett sarkát a friss levegő. Hordja
csak tele homokkal, növényi, állati meg
emberi nyomokkal az idő. Csontjaimnak
majd egykoron puha homokágya legyen.
Egy-kettő elsárgulva a felszínen, míg
a legtöbb kicsit lejjebb pihen. Maradjon
az archeológusoknak is valami munka,
feladat, terep. De addigra annyira beborítja
a lakást, emlékeim zegét-zugát a homok,
a félig tárt ajtókat mozdítani se lehet.
Belülről is látni majd a festett kék eget.
Az ablakokat becsukom. Lazítok egy kicsit,
fekszem. Azaz jeleket hagyok a homokon.

© Attila Jász

Die Zeichen

german

Mein Brustkorb hat ein Fenster. Ich öffne seine Flügel,
fliege doch frische Luft in die Zimmer und lüfte
dort jede verborgene Ecke. Trage sie nur
Sand hinein, mit pflanzlichen, tierischen und
menschlichen Spuren der Zeit. Sollen meine Knochen
einst in ein weiches Sandgrund gebettet sein.
Der eine oder andere vergilbt über dem Boden, während
die meisten ein wenig tiefer ruhen. Damit noch
Arbeit für die Archäologen bleibt, Aufgabe,
Fundort. Aber bis dahin hat der Sand die Wohnung,
die geheimen Ecken und Enden meiner Erinnerung so aufgefüllt,
dass sich die halb geöffneten Türen nicht mehr schließen lassen.
Auch von innen kann man dann den gemalten blauen Himmel sehen.
Ich schließe das Fenster. Lockere mich ein wenig aus,
liege. Das bedeutet, ich hinterlasse Spuren im Sand.

Ins Deutsche übertragen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

IE – Edward O'Dwyer

irish | renshi.eu [GR-ES-IE-CY-PL-AT-GR]

the sediments claw and scrape,
the attrition into rubble of that which was now

but in those eyes these days
I see just bills
and the weeping of little black numbers

and they say this is where memory reigns
and history reverberates

I can remember when I saw only wildness,
a Celtic untameability
in those same eyes, where

compressing and setting, the rubble
remakes the present

now as I look deeper, deep into the back of them
see their throngs of older eyes,
of famine, of plague and of war,

bonded in the cementing wash
of all of the past

© Edward O'Dwyer
Audio production: renshi.eu @ poesiefestival berlin 2012

Irland – Edward O'Dwyer

german

Die Sedimente zerkratzen und mahlen,
Abrieb zu Schutt dessen was jetzt war

Doch in hiesigen heutigen Augen
sehe ich nur Banknoten
und das Weinen schwarzer Nümmerchen

und es heißt, hier regiere Erinnerung,
hier halle Geschichte wider

Ich kann mich erinnern, dass ich nichts als Wildheit sah,
eine Keltische Unbezähmbarkeit
in eben diesen Augen, wo ich

verpressend und härtend, erschafft
der Schutt die Gegenwart neu

jetzt tiefer, tief in ihre Höhlen schauend,
Scharen von älteren Augen sehe,
von Plagen, Hunger und von Krieg

gebunden im kittenden Kielwasser
aller Vergangenheit

Übersetzung aus dem Englischen von Monika Rinck

I used to live

english | Gabeba Baderoon

I used to live in a small room
with a narrow bed
and a television at my feet.
A mirror hung on the back of the door.
I lived in the order
of its smallness.

I lie here next to you
and feel the distance
from the walls.
If I held you closer
we would fit
onto a narrow bed.

© Gabeba Baderoon
from: The Museum of Ordinary Life
Stuttgart: DaimlerChrysler , 2005
Audio production: 2005, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Ich wohnte mal

german

Ich wohnte mal in einem kleinen Zimmer
mit einem schmalen Bett
und am Fußende einem Fernseher.
Ein Spiegel hing innen an der Tür.
Ich lebte nach der Vorschrift
seiner Enge.

Hier liege ich neben dir
und spüre den Abstand
zu den Wänden.
Hielte ich dich fester
passten wir
auf ein schmales Bett.

Übersetzt von Monika Rinck

Hypothetical Moments (in the Intellectual Life of Southern California) [studio composition]

english | Charles Amirkhanian

Holyoke! The Bambi Biennale.
Hypothetical moments in the
intellectual life of Southern
California.

All the faces interview themselves,
breathing in rhythms just short of
papoose.

Gordon masturbates Gordon. Her freckles
dim.

Dada Carew. New punctual stew. Stripes
raise a base's snare. Tahoe beware.

I, posture, take thee Edna, to be
Nadine.

Don't you have to, with a wife?
Not the picnickers. Not the sampan bagels,
or the curves in the core of Capri.
Perhaps one might in the great echoing
cigar of responsive canals.

But if so, hypertension blends with
bosoms so real. Tans on sides make
waves in proportion to Tuaca, too.

Take stock, served only to deepen a chasm
on haunches, puffed up by a queer wizard's
health system.

Thunderstruck billows wipe away the
heartsick gamelan. We gaze openly
at the closure, becoming aghast
genius.

It's serious, these legs of mantra,
lisping as thumping dares. Why shrink
back voluntarily when fat's so perplexing?

Thereby, thoroughbreds find the needy.
Farouk coming! Cunning Farouk.
Or . . . honk if you love honkies.

Reagan wastes aways. He butt-splices
Haig to lather. To fade his pupils.
That leaves that cataract stare.

Often machismo backfires, you see, creating
an interracial halitosis which summons
Hirohito.

Bastards bastards bastards. You might
seem uncompromising but you've worn
optimism out. Your toggery is baseness;
your jewelry your joint. Underneath
that jaunty high-hat lurks the gagged
isolation of Poopsie.

Aftermath basket glimpses cliche.
Sues aperture for breakfast.

All quaint poignancy aside, let's collect
her wits and knock on Egypt's drip.
Let's satisfy my need to say, "Say,
she'd need my words.

Perhaps that was shy she spoiled Turin.
Pansy duty by the letter.
To take away.
To try to do today.

23 June 1981 Tassajara, California

Revised 22 Sept 81 Columbia, Missouri
& 13, 15 Oct 81 New York City

© Arts Plural Publishing (BMI)
Audio production: (P) Arts Plural Publishing (BMI)

HYPOTHETISCHE MOMENTE (IM INTELLEKTUELLEN LEBEN SÜDKALIFORNIENS)

german

Holyoke! Die Bambi-Biennale.
Hypothetische Momente im
intellektuellen Leben Süd-
Kaliforniens.

All die Gesichter interviewen sich selbst,
in kurzatmigen Rhythmen knapp
folkloristisch gewickelt.

Gordon masturbiert Gordon. Ihre Sommersprossen
verblassen.

Dada Carew. Höchst pointiertes Ragout. Die Streifen
steigern einen Basslauf. Tahoe pass auf.

Ich, Haltung, nehme dich, Edna, um
Nadine zu sein.

Müsstest du das nicht, mit einer Gattin?
Nicht die Picknicker. Nicht die Schaluppen Bagels,
oder die Kurven im Innern von Capri.
Möglicherweise in der gewaltig nachhallenden
Zigarre ansprechender Kanäle.

Aber wenn, dann mischt sich Bluthochdruck
mit dem Busen so echt. Gekippte Bräune
schickt entsprechende Wellen nach Tuaca, das auch.

Bevorratung, fungierte nur um eine Spalte
am Gesäß zu vertiefen, aufgebauscht durch
das Gesundheitssystem eines suspekten Magiers.

Durchdonnerte Wellen fegen die
herzkranken Gamelans dahin. Wir betrachten
die Schließung ganz offen, werden zum bestürzten
Genius.

Es ist ernst, diese Glieder des Mantras,
lispelnd bei gewagtem Knuff. Warum freiwillig
zurückschrecken, wo Fett so verblüffend ist?

Wobei, Reinrassige finden das Nötige.
Farouk kommt! Der ausgebuffte Farouk!
Oder … kringel dich, wenn dir Gringos lieb sind.

Reagan vergeudet weg-damits. Er arschbackt
Haig zu Schaum. Um seine Schüler zu verdünnen.
Das lässt dies kataraktische Starren zurück.

Häufig, verstehst du, geht Machismo nach hinten los, schafft sich
einen interethnischen Mundgeruch, durch den
Hirohito einbestellt wird.

Drecksäue Drecksäue Drecksäue. Du erscheinst
vielleicht als kompromisslos, aber dein
Optimusmus ist erschöpft. Deine Klamottage ist Niedertracht;
eine Klitsche dein Schmuck. Unter diesem
flotten Hochhut lauert die geknebelte
Isolation eines Kuscheltiers.

Korb im Nachspiel erhascht Klischée.
Verklagt den Durchlass zum Frühstück.

Die ganze drollige Bitterkeit beiseite, lasst uns ihre
Sinne beisammennehmen und an Ägyptens Tröpfe pinnen.
Lasst uns mein Redebedürfnis befriedigen, "Sag,
sie brauchte meine Worte.

Vielleicht war das schüchtern sie plünderte Turin.
Weichei Dienst am Buchstaben.
Zum Mitnehmen.
Vielleicht wird’s heut gehen.

Übersetzung ins Deutsche von Monika Rinck

Hypothetical Moments (in the Intellectual Life of Southern California)

english | Charles Amirkhanian

Holyoke! The Bambi Biennale.
Hypothetical moments in the
intellectual life of Southern
California.

All the faces interview themselves,
breathing in rhythms just short of
papoose.

Gordon masturbates Gordon. Her freckles
dim.

Dada Carew. New punctual stew. Stripes
raise a base's snare. Tahoe beware.

I, posture, take thee Edna, to be
Nadine.

Don't you have to, with a wife?
Not the picnickers. Not the sampan bagels,
or the curves in the core of Capri.
Perhaps one might in the great echoing
cigar of responsive canals.

But if so, hypertension blends with
bosoms so real. Tans on sides make
waves in proportion to Tuaca, too.

Take stock, served only to deepen a chasm
on haunches, puffed up by a queer wizard's
health system.

Thunderstruck billows wipe away the
heartsick gamelan. We gaze openly
at the closure, becoming aghast
genius.

It's serious, these legs of mantra,
lisping as thumping dares. Why shrink
back voluntarily when fat's so perplexing?

Thereby, thoroughbreds find the needy.
Farouk coming! Cunning Farouk.
Or . . . honk if you love honkies.

Reagan wastes aways. He butt-splices
Haig to lather. To fade his pupils.
That leaves that cataract stare.

Often machismo backfires, you see, creating
an interracial halitosis which summons
Hirohito.

Bastards bastards bastards. You might
seem uncompromising but you've worn
optimism out. Your toggery is baseness;
your jewelry your joint. Underneath
that jaunty high-hat lurks the gagged
isolation of Poopsie.

Aftermath basket glimpses cliche.
Sues aperture for breakfast.

All quaint poignancy aside, let's collect
her wits and knock on Egypt's drip.
Let's satisfy my need to say, "Say,
she'd need my words.

Perhaps that was shy she spoiled Turin.
Pansy duty by the letter.
To take away.
To try to do today.

23 June 1981 Tassajara, California

Revised 22 Sept 81 Columbia, Missouri
& 13, 15 Oct 81 New York City

© 1981 by Charles Amirkhanian
Audio production: 2004 M. Mechner, Literaturwerkstatt Berlin
(P) Arts Plural Publishing (BMI)

HYPOTHETISCHE MOMENTE (IM INTELLEKTUELLEN LEBEN SÜDKALIFORNIENS)

german

Holyoke! Die Bambi-Biennale.
Hypothetische Momente im
intellektuellen Leben Süd-
Kaliforniens.

All die Gesichter interviewen sich selbst,
in kurzatmigen Rhythmen knapp
folkloristisch gewickelt.

Gordon masturbiert Gordon. Ihre Sommersprossen
verblassen.

Dada Carew. Höchst pointiertes Ragout. Die Streifen
steigern einen Basslauf. Tahoe pass auf.

Ich, Haltung, nehme dich, Edna, um
Nadine zu sein.

Müsstest du das nicht, mit einer Gattin?
Nicht die Picknicker. Nicht die Schaluppen Bagels,
oder die Kurven im Innern von Capri.
Möglicherweise in der gewaltig nachhallenden
Zigarre ansprechender Kanäle.

Aber wenn, dann mischt sich Bluthochdruck
mit dem Busen so echt. Gekippte Bräune
schickt entsprechende Wellen nach Tuaca, das auch.

Bevorratung, fungierte nur um eine Spalte
am Gesäß zu vertiefen, aufgebauscht durch
das Gesundheitssystem eines suspekten Magiers.

Durchdonnerte Wellen fegen die
herzkranken Gamelans dahin. Wir betrachten
die Schließung ganz offen, werden zum bestürzten
Genius.

Es ist ernst, diese Glieder des Mantras,
lispelnd bei gewagtem Knuff. Warum freiwillig
zurückschrecken, wo Fett so verblüffend ist?

Wobei, Reinrassige finden das Nötige.
Farouk kommt! Der ausgebuffte Farouk!
Oder … kringel dich, wenn dir Gringos lieb sind.

Reagan vergeudet weg-damits. Er arschbackt
Haig zu Schaum. Um seine Schüler zu verdünnen.
Das lässt dies kataraktische Starren zurück.

Häufig, verstehst du, geht Machismo nach hinten los, schafft sich
einen interethnischen Mundgeruch, durch den
Hirohito einbestellt wird.

Drecksäue Drecksäue Drecksäue. Du erscheinst
vielleicht als kompromisslos, aber dein
Optimusmus ist erschöpft. Deine Klamottage ist Niedertracht;
eine Klitsche dein Schmuck. Unter diesem
flotten Hochhut lauert die geknebelte
Isolation eines Kuscheltiers.

Korb im Nachspiel erhascht Klischée.
Verklagt den Durchlass zum Frühstück.

Die ganze drollige Bitterkeit beiseite, lasst uns ihre
Sinne beisammennehmen und an Ägyptens Tröpfe pinnen.
Lasst uns mein Redebedürfnis befriedigen, "Sag,
sie brauchte meine Worte.

Vielleicht war das schüchtern sie plünderte Turin.
Weichei Dienst am Buchstaben.
Zum Mitnehmen.
Vielleicht wird’s heut gehen.

Übersetzung ins Deutsche von Monika Rinck

Holtpont derűje

hungarian | Szabolcs Várady

Csak fejben forognak a verssorok,
elmúlik egy hang, félreáll az útból,
de hol az út, és hol, aki menne rajta?

Hallgattuk a madarakat a kertben,
és a szigeten, körülöttünk a tenger,
de volt egy hang – a gazdáját ma se tudom.

Miért ez köztünk? Hó és újra hó,
és ki tudja, mi van alatta, bezzeg
ha lucsokká romlik, majd, majd – csak csínján.

Ma megint húz valami. Merev vállal
járkálok. El kell számolni maholnap.
Tevődik ez s az – helyre-e? tönkre-e?

De az idő kimetszett szívvel ujjong,
vak sugárzásban, a holtpont derűje:
áll, megáll – maradjunk ennyiben most.

Audio production: Petőfi Irodalmi Múzeum 2006

Die Heiterkeit des toten Punktes

german

Nur im Kopf kreisen die Zeilen,
ein Klang vergeht, eröffnet den Weg,
doch wo ist dieser Weg und der Mensch, der ihn geht?

Wir hörten den Vögeln zu, im Garten
und auf der Insel, um uns das Meer,
es gab den Klang - doch wem er gehört,  weiß ich immer noch nicht.

Was ist zwischen uns? Schnee und noch mehr Schnee,
und wer weiß, was sich darunter verbirgt, aber
wenn es matschig wird, dann, dann - Vorsicht, Vorsicht.

Heute zerrt wieder etwas an mir. Mit steifen Schultern
geh ich auf und ab. Schon bald wird es Zeit, sich zu stellen.
Geht dies und jenes - in Ordnung? Zu Grunde?

Blind erstrahlt die Heiterkeit des toten Punktes.
Doch, die Zeit, jubelnd mit herausgetrenntem Herzen:
steht, bleibt stehen - belassen wir es dabei.

aus dem Ungarischen übertragen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

Headlines

english | Hind Shoufani

What is it this intake of breath
the word fuck hissed as if shock was
new to this body
as if this news was new to this body
what is it this slight widening of nostrils flare, tongue bloated inside
lips drowned in despair, too laden with history to
envision present, what is it, this gaping stare at jumbled remembrance-
-deported from west bank to gaza- IDF  pass law- apartheid
state blossoms- this  bodies shoveled by bulldozer to mass graves-
this  girl, 12 yrs old,
found dead on way to market-

this sniper tshirt draws belly of arab womb is target
twice successful-

Where do all the tents go?
- land grab  graphs- walls through a father’s face
sullen concrete of his seed-

what is this plume of
white hides shadows of the daily exterminated we-

from where does it rise up, like bile, like vomit, like
acid- this surprise?
Surprise?
This has always been the way it is,
this has always been.
In 1983,
a 5-year old refugee slams her body on a warm bed, revolts a tantrum  when
adults kindly confirm…”They have to call it Israel now, honey”… what does that child
know of stolen family?
Children learn.  
What is this
this intake of breath at headlines gaza ramallah jenin
-netanyahu dines at white house- clinton says security first- abu mazen seeks
presidency-old man dies of lack of electricity-

I have heartburn where I once had pulse, I have
spasms of stomach too full to chew this new
news I digest no more,
what is it, this surprise…”how could it possibly get worse”

-fuck-

-they slaughtered over 400 children just last year alone-

© Hind Shoufani
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2011

Schlagzeilen

german

Was ist das, dieser Atemzug
das Wort fuck gezischt als sei Schock
diesem Körper neu
als seien diese Neuigkeit diesem Körper neu
was ist das, diese leichte Aufweitung, Nasenlöcher flackern,
Zunge innerlich gebläht
Lippen in Verzweiflung ertränkt, zu geschichtsbeladen, um die
Gegenwart zu sehen, was ist das, dieses gaffende Starren auf wirre Erinnerung
- von der west bank nach gaza deportiert – IDF pass gesetz- apartheid
staat floriert – dieses körper mit bulldozern in massengräber geschaufelt

– dieses 12-jähriges mädchen, auf dem weg zum markt, tot aufgefunden
dieses heckenschützen t-shirt zeichnet bauch von arabischem unterleib ist ziel
zweimal erfolgreich-

Wo sind die ganzen Zelte hin?
- landnahme diagramme- wände durch ein vatergesicht
düster konkret von seinem samen -

was ist das eine weiße
wolke verbirgt schatten der täglichen vernichtet wir
-
woher steigt es auf, wie Galle, wie Kotze, wie
Säure - diese Überraschung?
Überraschung?
Das war immer schon so wie es ist,
das ist immer gewesen.
1983,
wirft ein 5-jähriges Flüchtlingsmädchen ihren Körper auf ein warmes Bett,
hat einen Wutanfall, als Erwachsene freundlich bestätigen …
"Sie müssen es jetzt Israel nennen, Süße"
was weiß dieses Kind von gestohlener Familie?
Kinder lernen.
Was ist das
dieser Atemzug bei Schlagzeilen gaza ramallah dschenin
-netanyahu diniert im weißen haus – clinton sagt sicherheit geht vor-
mahmud abbas strebt präsidentschaft an – alter mann stirbt
an fehlender elektrizität-

Ich habe Sodbrennen, wo ich einmal einen Puls hatte, ich habe
Magenkrämpfe zu satt um diese neuen
Nachrichten zu kauen ich verdaue nicht mehr,
was ist das, diese Überraschung…”wie könnte es jemals schlimmer werden”

-fuck-

- alleine im vergangenen jahr haben sie 400 kinder geschlachtet-

Übersetzt aus dem Englischen von Monika Rinck

Hétfő

hungarian | Ferenc Szijj

Egy hatalmas, szürke gömböt láttam meg
a szürke ég alján, és először azt hittem,
hogy ufó vagy más titokzatos jelenség,
aztán amikor kiderült, van ez az irodalmi
gondolkodás, hogy a valóságtól függetlenül
kitaláljuk, mi mit jelenthet, és akkor az
olyan, mintha nagyon mélyértelmű lenne.

Hogy az valahogy te voltál, mert éppen
utaztál el, egy furcsa hold, hiány, mert mondhatjuk,
ha elmész, akkor minden hiányzik,
vagy hogy cserébe valami, egy ilyen szokatlan
és mindent betöltő a pályaudvar fölött,
de mások is vannak, szinte véletlenül,
és nem lehet tudni, hogy nekik mekkora.

Vagy honnan a reklám-hőlégballon,
mivégre, miféle mélységekből a félelem,
vagy talán hogy minden egész órában mégsem
egyedül birtokollak, hanem magamról is
a tévhitek, nagy szürkeség a mindenféle kis
színes lámpák és lidérces, kék kijelzők
között elvegyülve, hogy helyben vagyunk.

© Ferenc Szijj
from: unveröffentlichtem Manuskript / unpublished manuscript
Audio production: 2004, Petőfi Irodalmi Múzeum

Montag

german

Ich erblickte etwas Rundes, grau und riesig
am grauen Himmelsrand, und glaubte zuerst
ein Ufo, oder eine andere geheimnisvolle Erscheinung.
Als dann klar wurde, es gibt sie, diese literarische
Denkweise, unabhängig von der Wirklichkeit
zu erfinden, was etwas bedeuten kann, und dann
ist es so, als wäre das sehr tiefsinnig.

Dass du das irgendwie warst, weil du wegfahren
wolltest, ein seltsamer Mond, ein Fehlen, man könnte sagen:
wenn du fort gehst, dann fehlt alles,
oder sollte etwas als Tausch her, etwas so ungewöhnliches
alles ausfüllendes, dort oben über dem Bahnhof,
aber es sind auch Andere anwesend, wie zufällig
und man kann nicht wissen, wie es für sie ist.

Und woher steigt so ein Reklame-Heißluftballon überhaupt auf,
weswegen, aus welchen Tiefen die Angst,  
oder geht es vielleicht darum, dass ich dich in jeder vollen Stunde
doch nicht allein für mich haben kann, sondern auch über mich selbst
die falschen Vorstellungen, ein großes Grau, das sich unter
die vielen verschiedenen kleinen Lampen und die
spukhaften blauen Signale mischt, hier sind wir richtig.

aus dem Ungarischen von Orsolya Kalasz und Monika Rinck

Hazafelé

hungarian | Szabolcs Várady

1

A fűzfák haja, a vonat zaja.
A füzek eszelősen, a vonat ráérősen.
A fűzfák a vonatablakból,
a vonat a domb tetejéről.

2

Délután fölborult egy szék,
fölborult egy vitorlás.
Ez a megtorlás.
Amiért ide szöktünk.

3

A teraszról pedig,
a teraszról a tó, a hegyek, a néma ünnep.
Fölborult egy szék, eleredt az eső.
A teraszról pedig.

4

Onnan eljöttünk, ide szorultunk.
Innen a fűzfák, mi a domb tetejéről.
A vonat ráérősen,
a füzek eszelősen.

Audio production: Petőfi Irodalmi Múzeum 2006

Auf dem Nachhauseweg

german

1.
Das Haar der Weiden, auf den Gleisen ein Zug.
Die Weiden im Wahn, der Zug ohne Eile.
Die Weiden vom Zugfenster aus,
den Zug von der Anhöhe aus.


2.
Nachmittags kippte ein Stuhl um,
kippte ein Segelboot um.
Dies ist die Vergeltung.
Weil wir hierhin geflohen sind.


3.
Und die Terrasse,
von der Terrasse der See, die Berge, das stumme Fest.
Der Stuhl ist umgekippt, es beginnt zu regnen.
Und die Terrasse.


4.
Von dort sind wir fort, wurden hier zusammengepfercht.
von hier aus die Weiden, wir von der Anhöhe aus.
Der Zug ohne Eile.
Die Weiden im Wahn.

aus dem Ungarischen übertragen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

Hanem

hungarian | Attila Jász

Pilinszky-para

Rongyos felhőfoszlányokba csavarva
az egek hajléktalanja
az aluljáró csikkel és aprópénzzel teleszórt,
sáros betonpadlóján félkómában fekszik,

félkómában fekszik, és
nem leszünk megváltva mi sem,
ha nem tér magához,
ha nem térünk magunkhoz
harmadnap estig.

© Attila Jász

Wenn nicht

german

Pilinszky-Paranoia

In zerschlissene Wolkenfetzen gewickelt
liegt der Clochard der Himmel
auf dem dreckigen Betonboden der Unterführung
zwischen Kippen und Münzen halb im Koma,

halb im Koma liegt er da und
auch wir werden nicht erlöst,
wenn er nicht aufwacht,
wenn wir nicht aufwachen,
bevor am dritten Tage Abend wird.

Ins Deutsche übertragen von Orsolya Kalász und Monika Rinck

Goodbye

english | Gankhanani Moffat Moyo

We have reached the end of the road
And must now go separate ways
We must still remember the days
That we passed through together
Now, as we go separate paths of life
Let us dip our thoughts deep
Into ou