ESSEN MIT DEN ELTERN

Ich probiere es noch einmal
Ich erzähle von mir
Aber sie hören schlecht
Sie hören nicht zu
Sie reden Reden
Von den beiden Weltkriegen
Von Krankheiten Diäten
Von den wenigen noch lebenden Verwandten
Die nichts mit ihnen zu tun haben wollen
Von der Sommerfrische
In die sie nicht mehr fahren können
Vom plötzlichen Tod eines viel jüngeren Bekannten
Von Konten Losungswörtern Sparbüchern
Von Politik
Von der unglaublichen Korruption heutzutage
Von der bevorstehenden Wahl
Zu der sie sicher nicht gehen werden
Vom Wetter

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Die Kälte macht ihnen zu schaffen Die Kälte
Die spüren sie noch
Und das bockige Verlangen nach allem
Was ihnen der Arzt verboten hat
Fettes Fleisch eingebranntes Gemüse
Angebratene Erdäpfel Bier Wein
Alles das schlucken schlingen sie hinunter
Kaum kauend ohne Hunger ohne Durst
Beinah ohne Absicht
Bloß aus Gewohnheit
Und jeder für sich

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Ich weiß es paßt ihnen gar nicht
Wie ich jetzt lebe
Sie sagen sie hätten nichts dazu zu sagen
Sie würden sich hüten sich in mein Leben einzumischen
Aber dann platzen sie doch mit Fragen heraus
Seit Jahr und Tag in Ton und Wortlaut unverändert
Wann gehst du endlich wieder zum Frisör?
Wie lange willst du noch im Ausland bleiben?
Kannst du denn vom Schreiben leben?
Hast du auch an deine Pension gedacht?
Aber ohne eine Antwort abzuwarten sagt sie
Mit vollem Mund zu ihm
Was fragst du denn!
Du weißt er lügt uns ja doch nur an

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Beim Weggehen steckt sie mir einen Geldschein zu
Kleingefaltet so daß er nichts merkt
Auf der Straße nehmen wir Abschied
Der Wind treibt uns Tränen in die Augen
Wir schütteln einander die Hände
Wir küssen einander auf die Wangen flüchtig
Um halbeins sind Nachrichten im Radio und der Wetterbericht

Ich seh sie gehen
Steifbeinig auf dem vereisten Gehsteig
Sie setzen Fuß vor Fuß
Halt suchend an Hausmauern und parkenden Autos
Mit kleinen ängstlichen Bewegungen
Beinah ohne Absicht
Bloß aus Gewohnheit
Und jeder für sich

                                      (1989)

© Hans Raimund
From: Der lange geduldige Blick
Mödling : edition umbruch, 1989
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

Jantar com os pais

Eu tento mais uma vez
Eu falo de mim
Mas eles escutam mal
E não prestam atenção
Eles falam  Falam
Das duas Guerras Mundiais
De doenças  dietas
Dos poucos parentes ainda vivos
Que não querem nada com eles
Das férias de verão
Em que não podem mais viajar
Da morte súbita de um conhecido bem mais novo
De contas  senhas  cadernetas de poupança
De política
Da incrível corrupção de hoje em dia
Das próximas eleições
Em que certamente não irão votar
Do tempo
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O frio é um problema para eles  O frio
Que ainda sentem
E a ânsia teimosa por tudo
Que o médico lhes proibiu
Carne gorda  legumes ao bechamel
Batatas fritas cerveja  vinho
Tudo isso  eles engolem devoram
Quase sem mastigar  sem fome  sem sede
Quase sem querer
Só por força do hábito
E cada um por si
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Eu sei  que eles não aprovam nem um pouco
A vida que levo agora
Eles dizem  que não têm nada a dizer sobre isso
Que não ousam  se meter na minha vida
Mas depois desatam a fazer perguntas
A mesma ladainha  de tantos anos
Quando afinal você vai ao barbeiro?
Quanto tempo ainda pretende viver no estrangeiro?
Como escritor você ganha dinheiro?
Já pensou na aposentadoria?
Mas sem esperar uma resposta  ela diz
A ele  de boca cheia
Que pergunta!
Você não sabe  que para nós ele só mente?
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Ao partir ela me dá às escondidas
Uma nota  bem dobrada  para ele não perceber
Na rua despedimo-nos
O vento nos arranca lágrimas dos olhos
Trocamos um aperto de mãos
Beijamo-nos no rosto  de leve
Ao meio-dia e meia há o noticiário no rádio e a previsão do tempo

Eu vejo-os caminhando
Desajeitados na calçada congelada
Pé ante pé
Apoiando-se nos muros e carros estacionados
Com movimentos  mínimos medrosos
Quase sem querer
Só por força do hábito
E cada um por si

(1989)

Traduzido por Paulo Henriques Britto
VERSschmuggelde Poesiefestival Berlin 2008