Beetle

after Jose Pacheco


You, like all of us, are what you conceal.
Inside your horned helicopter
you hide and suffer,
infamous in your exile. Prized
for your craft that we try to imitate

in gold and amber,
you survive baiting, outrun and elude us,
your assassins, who can’t follow into the wall,
veldt of circuitry or Jacob’s ladders,
this, your solitary confinement
from which you escaped. Winged and on the run,

you entered illegally, the humblest of eaters
pursued by flashlights searching London flats,
chased into floorboards and dreaming
there to engorge yourself on chicken marrow,
hair of a woman
who forged a compatriot’s freedom,
lint and nail clippings,
underground palace of discarded excess.

Poor, you never sought to become a rascal,
thief, or tax evader.
Your mouth hooked and clutched,
to secrete a hardening cloak
as instinct instructed. No ambition
could sustain that artist in you
to fulfill the task for which you were born:
an asylum out of your own body

metamorphosing the worm
who curls in all of us who envy
such rapid success, perfected artifice
that, if an autopsy, would reveal nothing about you
that hasn’t been pestered
or riddled by schoolchildren, judges,
barbers who cannot betray your anonymity
or inform upon your green card stash

Programmed by shadows, struck dumb
yet knowing to scuttle a deathblow missing,
you do not fear
that kind of death. You have survived it
as you reported to the benefit gala,
the pearl strung collarbones enchanted by
your poise and sung resurrection.

Born and cradled in a ball of shit,
no longer a trespasser but a guest of honor,
you hum from a scroll
and silence the wait staff who once pitied you
but now mutter
you were always untouchable.

Our mumbler, how you alter the story!
Who can rival you in strategic confusion?
Pest because we can’t surpass or kill
or ignore you.
Neither an insect nor bird,
you exist in pure imagination.

Your reputation will last
long after the house is dismantled,
its fixtures stripped and auctioned, its metal
hinges scrapped, bricks sold in a yard
then reused for respectable establishments
where the threat of your possibility
will compel precautions

though you disappear again through a crack
into the darkness with which we wall ourselves
but cannot go. How we hate you for it
and spread rumors of your disease,
though we admire your rage to outlive and,
like you, are what we conceal.

© Jennifer Kwon Dobbs
Aus: Interrogation Room
Buffalo, New York: White Pine Press, 2018
Audioproduktion: Haus für Poesie, 2020

Käfer

nach José Pacheco



Du bist, wie wir alle, was du verbirgst.

Im Innern des Helikopters aus Horn

versteckst du dich, leidest,

berüchtigt in deinem Exil. Ausgezeichnet

für deine Kunstfertigkeit, der wir nacheifern


in Gold und Bernstein,

überlebst du ungeködert, entfleuchst und entkommst uns,

deinen Meuchlern, die dir nicht folgen können bis in die Wand,

ins Feld der Schaltkreise, Jakobsleitern,

diese, deine Isolationshaft,

aus der du entflohst. Das Weite suchend, geflügelt,


bist du illegal eingereist, der bescheidenste Fresser,

gejagt von Lichtkegeln, die jemand in Londoner Wohnungen wirft,

träumst davon, unter Dielen getrieben,

dich darin vollzustopfen mit Huhninnereien,

mit dem Haar einer Frau,

das einem Landsmann die Freiheit ertrickste,

Fusseln und Fußnägelschnipsel,

Untergrundwelt entsorgter Exzesse.


Obwohl arm, hattest du niemals vor, ein Gauner zu werden,

Dieb oder Steuerbetrüger.

Dein Mund hakt und klammert sich fest,

produziert eine härtende Schutzschicht,

ausgelöst durch deinen Instinkt. Kein Ehrgeiz

könnte den Künstler in dir aufrechterhalten,

um deiner wahren Berufung zu folgen:

ein Asyl aus deinem eigenen Körper,


die Verwandlung des Wurms,

der sich windet in uns, wir, die beneiden

solch schnellen Erfolg, vollendetes Können,

das, wenn es Autopsie wäre, nichts über dich verriete,

was nicht Schulkinder durch Löchern

oder Rätseln herausfinden könnten, Richter,

Friseure, die deiner Anonymität Treue halten,

oder ausplaudern das Versteck deiner Greencard.


Programmiert von Schatten, sprachlos gemacht,

doch fähig, auf Messers Schneide zu tanzen,

fürchtest du nicht

diese Art Tod. Du hast überlebt,

wie du bei der Wohltätigkeitsgala berichten konntest,

die perlenbesetzten Schlüsselbeine verzaubert von

deiner Haltung, deiner Auferstehung, besungen.


Ein Mistball als Geburtsort und Wiege,

nicht länger Eindringling, Ehrengast nun,

brummst du aus einer Schriftrolle lesend

und mahnst die Kellner zur Ruhe, die einst Mitleid hatten mit dir,

aber jetzt raunen,

unberührbar warst du schon immer.


Unser Murmler, wie du die Geschichte änderst!

Wer ist besser in strategischer Verwirrung als du?

Schädling, weil unübertroffen von uns,

nicht zu töten, zu ignorieren.

Weder Insekt noch Vogel,

existierst du nur imaginiert.


Das Bild von dir wird bleiben,

lange nachdem das Haus demontiert ist,

seine Einrichtung entnommen, versteigert, seine Scharniere

aus Metall verschrottet, seine Ziegelsteine verhökert im Hof,

später wiederverwendet in seriösen Betrieben,

wo die Bedrohung durch dich

Schutzmaßnahmen erfordert,


doch du entkommst wieder durch einen Riss,

in die Dunkelheit, mit der wir uns einmauern,

ohne hineinzukönnen. Wie wir dich dafür hassen

und Gerüchte streuen über deine Seuchen,

dabei bewundern wir deine Lebenswut und

sind, wie du, was wir verbergen.

Übersetzungen aus dem Englischen: Irina Bondas und Felix Schiller
aus: Jennifer Kwon Dobbs, VERNEHMUNGSRAUM, PalmArtPress 2022