Uljana Wolf

deutsch

XVIII (from “Odi”)

Dawn bared their states of undress, mocked
the women’s peasant propriety
as homes crumbled and the bush waved in vain

its green scarves for peace. They huddled under trees
and counted a bomb when the ground shook, till
it rumbled as if the god of thunder

had changed his throne. Fear stilled the ungovern-
able mouths of babies strapped to backs with
bedspreads grabbed by instinct at the moment of flight.


Crickets, outshouted, scurried
in dazed circles around children too stunned
to stretch out a hand, until hunger matched fear

and the men, far from yam or fish, turned insect
hunters, wild root diggers. Banished
from fire by fire, they ate their food fresh.

It was dark when they fled their beds,
dark again when they knelt in silence,
prayed the invaders to accept victory and go home,

but heard the ground tremble, the sky rumble,
and the trees wave again in vain.

© Ogaga Ifowodo
Audioproduktion: 2010 Literaturwerkstatt Berlin

XVIII (aus „Ogi“)

Dämmerung entdeckte ihre Nacktheit, spottete
über die dörfliche Tugend der Frauen
und Hütten zerfielen, der Busch schwang grüne Tücher

wie Friedensfahnen, umsonst. Unter Bäumen kauernd
zählten sie die Stille nach der Bombe, wankender Grund,
bis sie das Rumpeln hörten, als hätte der Donnergott

seinen Thron verrückt. Angst stillte die unbändigen
Münder der Säuglinge, Bündel auf Rücken, geschnürt
mit Decken, die sie insinktiv auf der Flucht ergriffen.

Grillen, von allem übertönt, schwirrten
betäubte Kreise um verstörte Kinder, die ihre Hand
nicht ausstreckten, bis der Hunger so groß wurde wie die Angst

und Männer, fern von Süßkartoffeln oder Fischen, Insekten
jagten, wild nach Wurzeln gruben. Vom Feuer
durchs Feuer vertrieben, aßen sie ihre Mahlzeiten roh.

Es war dunkel, als sie aus ihren Betten flohen,
wieder dunkel, als sie in der Stille knieten, beteten,
die Feinde mögen ihren Sieg feiern und gehen,

doch sie hörten die Erde zittern, den Himmel grollen,
die Bäume umsonst sich wiegen.

Aus dem Englischen von Uljana Wolf