Janko Ferk 
Übersetzer:in

auf Lyrikline: 39 Gedichte übersetzt

aus: slowenisch nach: deutsch

Original

Übersetzung

Šest pogledov na dež

slowenisch | Marjan Strojan

Cinija v cvetu, vlak,
ki je odpeljal naprej:
delo sobaric na balkonu.
Električni drog, jež,
ki je zlezel nanj:
palma ponoči. Bezgova
veja se je oblekla
v črnino. Potihem žari
vonj njenih socvetij. Pajek
v šipkovem cvetu, skrit
pred dežjem: ko ne bi bil
skrit, ga ne bi opazil.
Ponoči - škorci na reklamnem
napisu; veselo poje
nek davni otrok na nebu. Dež,
ki pada z neba, ogenj,
ki liže rob zvezde, en jaz,
ki lega na zemljo.

© Marjan Strojan
aus: Drobne nespečnosti
Celovec & Dunaj: Mohorjeva založba, 1991
Audio production: Študentska založba

Sechs Ansichten über den Regen

deutsch

Die Zinnie in der Blüte, der Zug,
der weitergefahren ist:
die Arbeit der Zimmermädchen auf dem Balkon.
Die Elektroleitung, der Igel,
der auf sie gekrochen ist:
eine Palme in der Nacht. Der Holunderzweig
hat sich in Schwärze
gehüllt. Heimlich glüht
der Duft ihrer Blütenstände. Die Spinne
in der Hagebutenblüte, versteckt
vor dem Regen: wäre sie nicht
versteckt, wäre ich nicht aufmerksam geworden.
In der Nacht - Stare auf der
Reklametafel; fröhlich singt
ein ewiges Kind am Himmel. Der Regen,
der vom Himmel fällt, das Feuer,
das den Sternenrand leckt, ein Ich,
das sich auf die Erde legt.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

[Vse, kar je neizbrisno]

slowenisch | Marjan Strojan

Vse, kar je neizbrisno v travi – oči
gosenic, zvok zelišč bi rad
sestavil si v predstavi in na oko
pritisnil kot obliž.

Vse, kar je grenko, kar nikdar
ne ugasne, z okusom, ki ga vsak dan
obnovi in nam podarja kakor žarko
maslo okusa po sebi, svoj okus

zgubi, posrkan z usti, da se v grlu
slina bo kakor z znancem spet
s teboj sešla in zmes trpotca,
regrata, pelina spominjala bo spet

na naju dva. Bom to zdaj s tabo
pil? Ne kot zorenja žolč –
kelih, ki nam mimo gre: – kot naju,
naju, strup in sok življenja,

kot regrat, kot otroci, kot ljudje.

© Marjan Strojan
aus: Izlet v naravo
Koper : Založba Lipa, 1990
Audio production: Študentska založba

[Alles, was unauslöschlich ist]

deutsch

Alles, was im Gras unauslöschlich ist – die Augen
der Raupe, den Klang der Kräuter würde ich gerne
in der Vorstellung zusammenfügen und auf das Auge
drücken wie ein Pflaster.

Alles, was bitter ist, was niemals
erlischt, mit dem Geschmack, der sich jeden Tag
erneuert und uns jeden Tag den Geschmack
nach ranziger Butter schenkt, verliert

seinen Geschmack, mit dem Mund aufgesaugt, damit
dir das Wasser im Mund zusammenläuft, wie ein
Bekannter mit dir, und ein Mengsel Wegerichs,
Löwenzahns, Wermuts, das wiederum an uns

erinnern wird. Werde ich das jetzt mit dir
trinken? Nicht wie des Reifens Galle –
der Kelch, der vorübergehe: - wie uns beiden,
beide, das Gift und der Saft des Lebens,

wie Löwenzahn, wie Kinder, wie Menschen.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

[strah me je ljubezni s tabo]

slowenisch | Brane Mozetič

strah me je ljubezni s tabo, veš
ne zato, ker bal bi smrti se
razpadanj, mokre zemlje, ali
dolgih ločevanj, premalo čutiš

vse prehitro vsekaš rano, rečeš
prazno misel in podiraš vse
pred sabo, kot orkan odnašaš
tuj in mrzel, kakor je življenje

strah me je, ko stopam skozi mesto
da kar padem, se sesujem v nič
da pritisk, kot tvoj, me splošči k tlom

da se reka ne razlije, sonce
pade, glava ne razpoči, sanje
ne umro, strah je večji, kakor svet.

© Brane Mozetič
aus: Pesmi za umrlimi sanjami
Ljubljana: Cankarjeva založba, 1995
Audio production: Študentska založba

[ich habe angst vor der liebe mit dir]

deutsch

ich habe angst vor der liebe mit dir, weißt du es
nicht, weil ich mich vor dem tod fürchten würde
dem zerfall, der nassen erde, oder
den langen trennungen, du spürst zu wenig

viel zu schnell schlägst du die wunde, sagst
einen leeren gedanken und reißt alles vor
dir nieder, wie ein orkan  fegst du weg
fremd und kalt, wie das leben

ich habe angst, wenn ich durch die stadt gehe
dass ich umfallen könnte, in nichts zerfallen
dass ein druck, wie deiner, mich am boden platt macht

dass sich der fluß nicht verschüttet, die sonne
stürzt, der kopf nicht zerspringt, die träume
nicht sterben, die angst ist größer, als die welt.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

[sanjal sem, da si umrl]

slowenisch | Brane Mozetič

sanjal sem, da si umrl
da bila je prazna soba, srajca
obešalnik in krog mene vedno
več prostora, več tišine

stal sem pri odprtem oknu, gledal
ven, v temô, cele ure, čakal
da morda pokličeš, strah me je bilo
zaspati, strah spustiti veke

štel sem prste, gumbe, štel korake
buljil v noč, v drgetu šepetal sem
in preganjal vse podobe s tabo

sanjal sem, da sanje so umrle
da polziva v globino, sama
prazna, in da tebe več ne bo.

© Brane Mozetič
aus: Pesmi za umrlimi sanjami
Ljubljana : Cankarjeva založba, 1995
Audio production: Študentska založba

[ich habe geträumt, du seist gestorben]

deutsch

ich habe geträumt, du seist gestorben
dass das zimmer leer war, das hemd
der aufhänger und um mich immer
mehr raum, mehr stille

ich stand am offenen fenster, schaute
hinaus, in das dunkle, ganze stunden, wartete
dass du vielleicht anrufst, ich hatte angst
einzuschlafen, angst die lider fallen zu lassen

ich zählte die finger, knöpfe, zählte die schritte
starrte in die nacht, sprach zitternd
und verscheuchte alle bilder mit dir

ich habe geträumt, dass die träume gestorben seien
dass wir in die tiefe gleiten, allein
leer, und dass es dich nicht mehr geben wird.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

[Ničesar mi niso dali]

slowenisch | Brane Mozetič

Ničesar mi niso dali, kar bi mi pomagalo
obstati. Nobene vere, da bi lahko upal,
se pokesal, prosil in bil rešen. Nobene
ljubezni, da bi jo trosil naokoli. Da se
ne bi kar naprej zaletaval, moledoval za
pozornost, nežnost, za roko, ki bi me
s strastjo objela. Niso mi dali starih
navad, običajev, vsi dnevi so enaki in
nobenega ne pričakujem posebej, se
veselim. Dali so mi sposobnost
doživljati bolečino, že ob premiku lista,
in jo obenem prenašati. Stisnjenih ust.
Dali so mi osorno natančnost, ki vsake
toliko poči, da se prevrnem v prepad.
Dali so mi svet, po katerem me zanaša,
in ki ga ne čutim. Vidim le polno ljudi,
ki so podlegli. Oblekli so si majice
z napisom: I’m nobody. Who are you?
Srečujemo se na cesti, v službah, v kinu,
v lokalih ter se tako pogovarjamo,
sprašujemo in odgovarjamo. In nas boli.
A ne znamo drugače.

© Brane Mozetič
aus: Banalije
Ljubljana: Škuc-Lambda, 2003
Audio production: Študentska založba

[Sie haben mir nichts gegeben]

deutsch

Sie haben mir nichts gegeben, das mir beim Überleben helfen
könnte. Keinen Glauben, dass ich hoffen könnte,
Buße tun, bitten und erlöst sein. Keine
Liebe, dass ich sie verschenken könnte. Dass ich
in einem fort von neuem versuchen, betteln würde
um Aufmerksamkeit, Zärtlichkeit, eine Hand, die mich
leidenschaftlich umarmen würde. Sie haben mir keine alten
Gewohnheiten, Bräuche gegeben, alle Tage sind gleich und
ich erwarte keinen besonderen, freue
mich. Sie haben mir die Fähigkeit gegeben
Schmerzen zu empfinden, schon bei einem Blattrauschen,
und sie gleichzeitig zu ertragen. Mit zusammen gekniffenen Lippen.
Sie haben mir eine barsche Genauigkeit gegeben, die von Zeit
zu Zeit platzt, damit ich in einen Abgrund stürze.
Sie haben mir die Welt gegeben, auf der es mich schleudert,
die ich nicht spüre. Ich sehe nur lauter Menschen,
die verloren haben. Sie haben Leibchen angezogen
mit der Aufschrift: I'm nobody. Who are you?
Wir sehen uns auf der Straße, im Beruf, im Kino,
in den Lokalen und unterhalten uns,
fragen und antworten. Es schmerzt uns.
Doch können wir nicht anders.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

[Ne vem, zakaj si mi padel na pamet]

slowenisch | Brane Mozetič

Ne vem, zakaj si mi padel na pamet. Bil si prvi,
ki sem ga poljubil, čeprav si bil preveč pijan,
da bi kaj vedel o tem. Jaz pa sem doživljal
neznosne bolečine in srečo. Samo da sem se te dotaknil,
hlepel sem po tvojih pogledih in rahlo sem te božal
po hrbtu. Ne vem, če sem kdaj pomislil na seks s
tabo. Pravzaprav si tega še nisem dobro predstavljal.
Začelo pa se je tedaj, ko si me hotel voziti s kolesom.
Rad bi bil tvoja punca, sem si mislil, ker nisem znal
drugače. Ti pa bi skrbel zame, me razvajal, ob večerih
bi se dobivala na samem, se držala za roke in zardevala.
Tako pa se je vse obrnilo. Poglej, ker nisi maral teh
čustev, si zdaj debelušen zdolgočasen dedec. Če se
kdaj spomniš name, ti verjetno postane slabo. In,
hvala, sicer jaz ne bi sedaj sedel v pralnici, čakal,
da se perilo opere, ko zunaj dežuje, okoli skačejo
Kitajci, stroji ropotajo, berem pesmi Killiana in
se ne zavedam, da se leta sunkovito obračajo.
Vsake toliko se poskušam vrniti v najine čase, kot da
je to povsem mogoče, poiščem kakega najstnika, ki bi
me rad vozil s kolesom, skrbel zame in me držal za roko.

© Brane Mozetič
aus: Banalije
Ljubljana: Škuc-Lambda, 2003
Audio production: Študentska založba

[Ich weiß nicht, warum Du mir auf den Kopf gefallen bist]

deutsch

Ich weiß nicht, warum Du mir auf den Kopf gefallen bist. Du warst der erste,
den ich geküßt habe, obwohl Du zu sehr betrunken warst,
um es zu wissen. Ich aber habe unerträgliche
Schmerzen erlebt und Glück. Nur berühren wollte ich Dich,
lechzte nach Deinen Blicken und streichelte Dich zärtlich
auf dem Rücken. Ich weiß nicht, ob ich überhaupt an Sex mit Dir
gedacht habe. Eigentlich konnte ich ihn mir noch nicht richtig vorstellen.
Angefangen hat es aber, als Du mich mit dem Rad fahren wolltest.
Ich wäre gern Dein Mädchen, habe ich mir gedacht, weil ich nicht anders
konnte. Du aber würdest für mich sorgen, mich verwöhnen, abends würden
wir uns an verschwiegenen Plätzen treffen, an den Händen halten und erröten.
So aber war alles anders. Schaue, weil Du diese Gefühle nicht
mochtest, bist Du jetzt ein dicklicher gelangweilter Kerl. Wenn Du Dich
an mich erinnerst, wird Dir wahrscheinlich schlecht. Und,
danke, sonst würde ich jetzt nicht in der Wäscherei sitzen, warten,
dass die Wäsche gewaschen wird, wenn es draußen regnet, die Chinesen
herumspringen, die Geräte dröhnen, ich lese Killians Gedichte und
weiß, dass die Jahre stoßartig vergehen.
Dann und wann rufe ich unsere Zeit herbei, als ob
es möglich wäre, suche einen Teenager, der mich
gerne am Rad mitnehmen, für mich sorgen und mir die Hand halten würde.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

[Ne razumem]

slowenisch | Brane Mozetič

Ne razumem, zakaj je tu vse tako narobe. Recimo, se
peljem ob sedmih s celonočnega žura in me ustavita
smrkava policaja z nepopolno izobrazbo. Stopita po
kavbojsko do mene, me obtožujeta vsega mogočega, da
se samo čudim, kaj delam v tej deželi, pritisnem
na plin in speljem. Kliče me bivša žena ter mi
histerično razlaga, zakaj jo že toliko let nadlegujem,
zalezujem, nadzorujem, naj si vendar že najdem
kakšno žensko, saj jih je dovolj, da naj skratka
neham, neham, neham. Tip me roti, naj ga sovražim,
se obrača stran od mene, me odriva, mi kar naprej
spušča komade kot Depresija v očeh in Lep dan za
smrt. Ne razumem, kaj mi hoče povedat. Ko
se umaknem med ljudi, me njihova mešanica
pomirjeval, poživil in alkohola vleče kot
vrtinec nekam dol, kjer sem kar naprej živčen
in se ne znam pomiriti. Rekel bi, da živim
v najbolj stresnem mestu na svetu. Skušam se
zbrati, a mi roke drhtijo. Ustrašim se in mi
začnejo še bolj drhteti. Razmišljam, kam bi
spet ušel, v katero mesto bi se skril. Vse bolj
se mi zdi, da je moje življenje le nizanje sanj o pobegu.

© Brane Mozetič
aus: Banalije
Ljubljana: Škuc-Lambda, 2003
Audio production: Študentska založba

[Ich verstehe nicht]

deutsch

Ich verstehe nicht, warum hier immer alles durcheinander ist. Zum Beispiel, fahre
ich um sieben von einer durchzechten Nacht und es halten mich
zwei rotzige Polizisten mit halbfertiger Ausbildung auf. Stellen sich wie
zwei Cowboys vor mich, halten mir alles mögliche vor, dass
ich mich nur wundere, was ich noch in diesem Land mache, ich gebe Gas
und fahre weiter. Meine ehemalige Frau ruft mich an und erklärt
mir hysterisch, dass ich sie schon jahrelang belästige,
verfolge, beobachte, ich solle doch endlich irgendeine Frau
finden, es gibt doch genug, dass ich doch endlich aufhören soll,
aufhören, aufhören. Ein Typ bittet mich, ihn zu hassen,
dreht sich von mir weg, stößt mich weg, und wirft mir Brocken
zu wie Depression in den Augen und Schöner Tag für den
Tod. Ich verstehe nicht, was er mir sagen will. Als ich
unter den Leuten verschwinde, zieht mich ihre Mischung
von Beruhigunsmitteln, Aufputschtabletten und Alkohol wie
ein Strudel in irgendeine Tiefe, in der ich in einem fort nervös bin
und mich nicht beruhigen kann. Ich würde sagen, dass ich in der
allerstressigsten Stadt der Welt lebe. Ich versuche
mich zu sammeln, doch meine Hände zittern. Ich erschrecke und sie
zittern noch stärker. Ich denke nach, wohin ich wiederum
flüchten, in welcher Stadt ich mich verstecken könnte. Immer stärker scheint
es mir, dass mein Leben nur eine Aneinanderreihung von Fluchtträumen ist.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

[Ljuba Ana]

slowenisch | Brane Mozetič

Ljuba Ana, Ljubljana je kot huda nočna mora. Prvo kar
ti pade na pamet v tem mestu je, da bi si prerezal
žile, ali zadrgnil zanko okoli vratu, ali skočil z
nebotičnika. Moral bi biti kar naprej pijan ali zadet,
da bi zdržal. Prijatelji niso prijatelji, znanci
niso znanci, ljubimci niso ljubimci, mati ni mati,
oče ni oče, žena ni žena, tla niso tla, vse lebdi
v praznini, ki ji ni konca, prividi, duhovi,
spake, voda ni voda in zrak ni zrak, ogenj ni ogenj.
Ljuba Ana, tvoje mesto je konec sveta,
brez kakršnegakoli upanja, je vegetiranje, so peklenske
muke, je tiščanje v želodcu, je koncentracija vseh
negativnih sil, ki težijo le k temu, da naredijo
iz tebe bebca, pohabljenca. Ljubljana, lepo
zveneča kača, ki ti nežno ovije telo, počasi,
z občutkom, da ti zmanjkuje zraka in se je ne
moreš rešiti, vselej gre s tabo, leze za tabo,
tako pisana, nenevarna. Izgini, pogrezni se v
močvirje, vrni se nazaj v blato, za vedno,
odreši nas.

© Brane Mozetič
aus: Banalije
Ljubljana: Škuc-Lambda, 2003
Audio production: Študentska založba

[Liebe Ana]

deutsch

Liebe Ana, Ljubljana ist wie ein schlimmer nächtlicher Alp. Das erste
das Dir in dieser Stadt einfällt ist, dass Du Dir die Adern aufschneiden
könntest, oder eine Schlinge um den Hals legen, oder vom Wolkenkratzer
springen. Ich müsste ständig betrunken oder eingeraucht sein,
um es auszuhalten. Freunde sind nicht Freunde, Bekannte
nicht Bekannte, Liebhaber nicht Liebhaber, die Mutter ist keine Mutter,
der Vater kein Vater, die Frau keine Frau, der Boden kein Boden, alles schwebt
in der Leere, die kein Ende hat, Schemen, Geister,
Fratzen, das Wasser ist kein Wasser und Luft nicht Luft, Feuer kein Feuer.
Liebe Ana, Dein Platz ist das Ende der Welt,
ohne irgendeine Hoffnung, ist Vegetieren, sind Höllenqualen,
das Magendrücken, ist die Konzentration aller
negativen Kräfte, die nur bestrebt sind, aus Dir einen
Trottel zu machen, einen Beeinträchtigten. Ljubljana, schöne
klingende Schlange, die sich zärtlich um Deinen Körper schlingt, langsam,
gefühlvoll, dass Dir die Luft ausgeht und Du Dich ihrer nicht
erwehren kannst, sie geht immer mit Dir, steigt Dir nach,
so bunt, ungefährlich. Verschwinde, versinke im
Moor, gehe zurück in den Sumpf, für immer,
erlöse uns.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

[kakšne so vezi]

slowenisch | Brane Mozetič

kakšne so vezi, ki jih ustvarjaš, kakšne
korenine, nič ni, nič, vse gre mimo
in tvoj jezik je brez haska, tvoj nasmeh brez sreče
ves obupan, z grozo bivanja, iskanja
zdaj se ti razkrila je resnična slika
ko odstranil si plasti stoletij in pod njimi
vse neskončno beganje prek polj, prek gozdov
iskanje hrane in telesnih stikov
ter samota, ko te blisk požene v dir
ko neznana ljudstva ti sledijo s kopji
in te toča kamenja podira k tlom
vsega v brazgotinah, še želečega živeti
gledati skrivnostne ptice, ki leté nad barjem
se čuditi slokim srnam, jih loviti
čútiti mehkobo blata na nogah in ljubiti
ženske, moške, dvigati otroke
ne še vsega tega pozabiti
ne prenehati drseti z ene zemlje
z enega telesa nekam stran, drugam
ves čas sam, ko ti je pokrajina neznana
in obraze prvič vidiš – sam, resničen, brez laži.

© Brane Mozetič
aus: Zaklinjanja
Ljubljana: Aleph, 1987
Audio production: Študentska založba

[wie sind die verbindungen]

deutsch

wie sind die verbindungen, die du schaffst, wie
die wurzeln, es ist nichts, nichts, alles geht schief
und deine sprache ist unnütz, dein lachen glücklos
ganz verzweifelt, mit seinsekel, suchen
jetzt erkennst du das wahre bild  
nachdem du die jahrhundertschichten entfernt hast und unter ihnen
die unendliche flucht ist über felder, wälder
suche nach essen und körperberührungen
sowie einsamkeit, wenn dich der blitz zum rennen treibt
wenn dir unbekannte völker mit lanzen folgen
und dich steinhagel zu boden schlägt
mit narben übersät, noch lebenshungrig
willst du geheimnisvolle vögel sehen, die über das moor fliegen
und sich über schlanke rehe wundern, sie fangen
die weichheit des schlamms auf den füßen spüren und frauen,
männer lieben, kinder in die höhe heben
alles das noch nicht vergessen
nicht mit dem gleiten von einer erde  
von einem körper zum anderen aufhören, woandershin
die ganze zeit allein, wenn du die landschaft nicht kennst
und die gesichter zum ersten mal siehst – allein, wahrhaftig, ohne lüge.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

[kaj drugam te vleče]

slowenisch | Brane Mozetič

kaj drugam te vleče
v čem je sploh razlika, ali niso
jezera in polja tu in tam enaka
in nasmehi in poljubi in telesa
ali niso? ko v temi po drugi koži
s prsti, ali ko besede, vedno iste
ali ko strasti, obrabljene do kraja
kakšna blaznost, da je le pobeg
in upanje, nestvarno –
uniforma uniformi je enaka, škorenj
škornju, srna srni, morje morju
in jezik jeziku, prsi prsim
bolečina bolečini –
in potem, koliko škornjev, koliko
morij, koliko prsi, koliko bolečin
tu je ena sama, dolga, ostra
tam je ena sama, dolga, ostra.

© Brane Mozetič
aus: Mreža
Ljubljana: Emonica, 1989
Audio production: Študentska založba

[wieso zieht es dich woandershin]

deutsch

wieso zieht es dich woandershin
worin überhaupt ist der unterschied, sind nicht
die seen und felder da und dort gleich
und das lächeln und die küsse und die körper
sind sie nicht? wenn du im dunklen mit den fingern
über die andere haut fährst, oder wenn die wörter, immer dieselben
oder wenn die lust, bis zum ende ausgelutscht ist
welcher wahnsinn, dass es nur die flucht und
hoffnung gibt, wesenlos –
die uniform gleicht der uniform, der stiefel
dem stiefel, das reh dem reh, das meer dem meer
und die sprache der sprache, die brust der brust
der schmerz dem schmerz –
und dann, wieviele stiefel, wieviele
meere, wieviele brüste, wieviele schmerzen
da ist ein einziger, langer, scharfer
dort ist ein einziger, langer, scharfer.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

[besede, le besede]

slowenisch | Brane Mozetič

besede, le besede, besede so
prelahke, besede so prelepe
da izrazile bi grozo, strah v očeh
na ustih, trzaje lic, drget in krik

vijejo se kakor reka, polzijo
skozi prste, ne usekajo z rezilom
vse preveč lebdijo v zraku
ti iz zemlje v zemljo, iz krvi

skoz mene te vibracije, ta srh
da ne znam besed, kakor prazen
te držim ob sebi, tih, zgubljen

vse bolj sušiš se, meni pa na usta
več ne pride niti zlog, ne dah
ki zaobjel bi tvoj pogled, trzaj.

© Brane Mozetič
aus: Pesmi za umrlimi sanjami
Ljubljana : Cankarjeva založba, 1995
Audio production: Študentska založba

[wörter, nur wörter]

deutsch

wörter, nur wörter, die wörter sind
zu leicht, die wörter sind zu schön
um das grauen auszudrücken, die angst in den augen
auf den lippen, das zucken der wangen, das zittern und schreien

sie winden sich wie flüsse, rinnen
durch die finger, schlagen nicht mit der klinge
sie schweben zu sehr in der luft
du aus der erde in die erde, aus dem blut

die vibrationen durch mich, diese gänsehaut
ich finde keine worte, wie leer
ich halte dich zu mir, still, verloren

du trocknest immer mehr, und auf meine lippen
kommt nicht einmal eine silbe, kein hauch
der dein gesicht umfassen könnte, und das zucken.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

[Ali slišiš, Dave]

slowenisch | Brane Mozetič

Ali slišiš, Dave, zunaj nekaj ropota. Morda je
vlomilec. Ali je eksplodirala bomba. Daj, zbudi
se, Dave, morda je spet izbruhnila vojna in bo
spet treba v klet. Ti ne veš ničesar o tem.
Koliko ur, dni, bo treba preždeti v temi.
Ali pa je samo požar? Je sosed padel s postelje?
Vse je mogoče. Ti pa kar spiš in ničesar ne
rečeš. Zbudi se, Dave, da ne bom sam, ko bo
konec sveta. Ti, kepa mesa, Dave, ki si se že
z vsemi povaljal. Nič ti ne pride do živega.
Še vedel ne boš, kdaj boš umrl in bo tvoje
meso zasmrdelo. V kleti bo tako obupno, da ga
bom moral vreči ven, da bo plen podivjanih psov.
In vsi nočni bari bodo varni pred tabo. Dave,
nič ne rečeš. Ali me slišiš, sploh kdaj poslušaš?
Še enkrat zaropota. Mislim, da ne bo
vojna. Morda pa se ruši najin svet, po koščkih,
takole sredi noči, ko vsi pošteni ljudje spijo,
kot ti, Dave, jaz pa prisluškujem šumom in
me je strah.

© Brane Mozetič
aus: Banalije
Ljubljana: Škuc-Lambda, 2003
Audio production: Študentska založba

[Hörst Du, Dave]

deutsch

Hörst Du, Dave, draußen rumpelt etwas. Vielleicht ist es
ein Einbrecher. Ist eine Bombe explodiert. Hallo, wache
auf, Dave, vielleicht ist wieder der Krieg ausgebrochen und wir
müssen wieder in den Keller. Du weißt nichts darüber.
Wieviele Stunden, Tage, werden wir in der Dunkelheit verdämmern.
Oder ist es nur ein Feuer? Ist der Nachbar aus dem Bett gefallen?
Alles ist möglich. Du aber schläfst einfach weiter und sagst
nichts. Wache auf, Dave, dass ich nicht allein bin, wenn das Ende
der Welt kommt. Du, Fleischkoloss, Dave, der Du Dich schon
mit jedem gewälzt hast. Nichts kann Dich wirklich rühren.
Du wirst nicht einmal wissen, wann Du sterben wirst und wann Dein
Fleisch zu stinken beginnen wird. Im Keller wird es so hoffnungslos, dass
ich es werde hinaus werfen müssen, damit es die Beute wilder Hunde wird.
Und alle Nachtbars werden vor Dir sicher sein. Dave,
Du sagst nichts. Hörst Du mich, hörst Du überhaupt einmal zu?
Es rumpelt schon wieder. Ich denke, es wird keinen Krieg
geben. Vielleicht stürzt unsere Welt ein, teilt sich,
mitten in der Nacht, wenn alle anständigen Menschen schlafen,
wie Du, Dave, ich aber höre auf die Laute und
habe Angst.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

* * * [V toplem naročju]

slowenisch | Niko Grafenauer

V toplem naročju zraka, živo
mesnatem od popoldneva, sončni spol.
pokrit z brezlistjem. minutaža v sivo
osipajočih se drves, je čas navzdol?

venerično razprta čutna roža
in mehki ustični dotiki
vonjev, ptičje visoke črte z vznožja
vzpetih daljav. nemo prekrižani jeziki

brezvetrja nad zvezdo (koliko noči
zgoščene v en trenutek, da vzžari
s kristalom viška?) a v očeh ugasel
svetlopis solz. z vsem vtujenim vase

optično budni molk. a s kapilarnimi
končiči misli vtisnjene sledi
v večni nikjer. hip menetekelno odseva
v razliti madrigalni luževini dneva.

© Niko Grafenauer
aus: Palimpsesti
Ljubljana : Mladinska knjiga, 1984
Audio production: Študentska založba

* * * [Im warmen schoß der luft...]

deutsch

Im warmen schoß der luft, vom mittag
fleischig belebt, das sonnengeschlecht.
bedeckt mit blattlosigkeit. minutage in grau
sich entblätternder bäume, ist zeit abwärts?

venerisch geöffnete sinnesblume
und weiche mundberührungen
der gerüche, vogelgleich hohe striche vom fuß
ansteigender fernen. stumm überkreuzte zungen

der windlosigkeit über dem stern (wieviel nacht
verdichtet in einen augenblick, daß er erstrahlt
mit dem kristall des höhepunkts?) in den augen verloschen
die hellschrift der tränen. mit allem in sich verfremdet

optisch waches schweigen. mit haarfeinen
endungen der gedanken eingedrückte spuren
in das ewige nirgends. der augenblick strahlt unglückverheißend
in der vergossenen vielstimmigen beize des tags.

Aus: Niko Grafenauer: Eingewebte spur / Vtkana sled. Gedichte / Pesmi.


Aus dem Slowenischen übertragen und mit einem Nachwort versehen von Janko Ferk.


Wien: Edition Atelier 2003

* * * [V jeziku hiša...]

slowenisch | Niko Grafenauer

V jeziku hiša, v času sloji stanja,
v koščenem mrazu mehka rokavica,
v očesu zrenje, v olju mirovanja
biserovina, zrak napet od klica.

v spomin, v orehovino vtrt sijaj,
minevanje neznanega v kristalu,
v domačem vonju pokopan smehljaj,
solze odsotnosti, smrt v ogledalu.

tinktura hladnih zvezd, zeleni volk,
v prosojno fiziko zavrtan vid,
kot lesene letnice zgoščeni molk.

pečatna rezba, v pomnjenju odtisi,
v pavjo pahljačo razprostrti svit
na robu, kdo je mrtev, v zrak ulit?

© Niko Grafenauer
aus: Štukature
Ljubljana : DZS, 1975
Audio production: Študentska založba

* * * [In der sprache steht ein haus]

deutsch

In der sprache steht ein haus, in der zeit der bestand,
in der knöchernen kälte ein weicher handschuh,
im aug der blick, im öl des ruhens
die perlmutter, die luft ist angespannt vom ruf.

in die erinnerung, in nußholz geriebener glanz,
das vergehen des unbekannten im kristall,
im heimischen geruch begrabenes lächeln,
tränen der abwesenheit, tod im spiegel.

tinktur der kühlen sterne, grüner wolf,
in die durchsichtige physik gebohrte sicht,
verdichtetes schweigen wie hölzerne jahresringe.

stempelschnitt, abdrucke im erinnern,
in ein pfauenrad aufgespannter schein
am rand, wer ist tot, in luft gegossen?

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

* * * [Sled prejšnjega]

slowenisch | Niko Grafenauer

Sled prejšnjega, predhodnost: iz semena
formula rože v rožo dozoreva.
v listnati mreži modra slika dneva,
a zrak stepena mrzla kantilena.

v mirnem očesu časa zastekljen
spomin, ki ga z dotikom mreni
raskav vonj kutine v jeseni.
na polju krik v tišino zasejan.

iz ptičjih letov, iz občudovanj,
iz senc pozidana arhitektura
v zbledeli težnosti sveta.

mir se preliva kot glazura.
iz molka so zgnetena vsa imena
in z instrumenti ne prodreš do dna.

© Niko Grafenauer
aus: Štukature
Ljubljana : DZS, 1975
Audio production: Študentska založba

* * * [Spur des früheren...]

deutsch

Spur des früheren, vorgänglichkeit: aus dem samen
reift die formel der blume in eine blume.
im blättrigen netz ein blaues tagesbild,
doch die luft ist eine geschlagene kalte kantilene.

im ruhigen aug der zeit zu glas gewordene
erinnerung, die von der berührung des rauen geruchs
einer quitte im herbst bewölkt wird.
am feld ein schrei in die stille gesät.

aus dem flug der vögel, aus den bewunderungen,
aus den schatten gemauerte architektur
in der ausgebleichten schwere der welt.

die stille fließt wie eine glasur.
aus dem schweigen sind alle namen geknetet
und mit instrumenten kommst du nicht an den grund.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

* * * [Na ude razdalj]

slowenisch | Niko Grafenauer

Na ude razdalj nasnuti kosmi
zime. belo okostje časa in prostora,
ki šklepeta od mraza, od neskončnosti,
v dvoje. kakšna samota v sklenjenem

objemu. in koliko bližine z molkom
na ustih zakopane vanj.
kdaj se oglasi, ki počiva z licem
na ramenu golega življenja.

drug k drugemu prižeta, z leti
razmaknjena, telo k telesu,
oklepava med nama vsak svoj več
od sebe.

trenutek, ki okrog njega kroži
čas pozabe, je brezdanji in za zmerom.
ozri se, s profilom globoko vtisnjena
v spomin, Evridika. naj grem,

do koder sega čas v prostoru,
korak korakov, svojo pot v celec,
kjer ni nikogar, k tebi, brez sledov
za sabo.

© Niko Grafenauer
aus: Odtisi
Ljubljana : Nova revija, 1999
Audio production: Študentska založba

* * * [Auf die glieder der entfernungen...]

deutsch

Auf die glieder der entfernungen aufgebrachte flocken
des winters. weißes gerippe der zeit und des raums,
das vor kälte klappert, von unendlichkeit,
zu zweit. welche einsamkeit in der geschlossenen

umarmung. und wie viel nähe mit schweigen
auf den lippen in sie eingegraben.
wann ertönt sie, die mit dem gesicht auf den schultern
des nackten lebens ruht.
 
einer zum anderen gedrückt, mit den jahren
auseinandergerückt, körper an körper,
umschließen wir zwischen uns das jeweilige mehr
eines jeden.

der augenblick, um den die zeit
des vergessens kreist, ist für immer bodenlos.
schaue, mit dem profil tief in die erinnerung
gedrückt, Eurydike. soll ich gehen,

bis zum ende der zeit im raum,
schritt der schritte, meinen weg dorthin,
wo keiner ist, zu dir, ohne spuren
hinter mir.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

ČRNI BOR V NOČI BREZ ZVEZD

slowenisch | Josip Osti

Tema v meni se ni mogla upreti tvoji
privlačnosti, enako daljna in bližnja
bistrooka svetloba. Kljub prepovedi
in grožnji, da bo s teboj izginil tudi
napovedani smisel nesmiselnega življenja,
sem se obrnil. Izginila si, preden sta se
zadnjič uspela srečati najina pogleda.
Še naprej bom blodil za tabo z enako
črno temo v sebi in okrog sebe. Vse
dokler te ne najdem. Vse dokler se
ne najdem.

© Josip Osti
aus: Kraški narcis
Ljubljana : Študentska založba, 1999
Audio production: Študentska založba

DIE SCHWARZE FÖHRE IN DER NACHT OHNE STERNE

deutsch

Die Dunkelheit in mir konnte sich nicht gegen deine Anziehung
auflehnen, gleich ferne und angrenzende
scharfäugige Helligkeit. Trotz Verbot
und Drohung, dass mit dir auch der angesagte
Sinn des sinnlosen Lebens verschwinden werde,
habe ich mich umgedreht. Du bist verschwunden, bevor sich
unsere Blicke ein letztes Mal treffen konnten.
Ich werde weiter hinter dir herirren mit derselben
schwarzen Dunkelheit in mir und um mich. Bis
ich dich finde. Bis ich mich
finde.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

ZVEZDA-LJUBICA

slowenisch | Josip Osti

Ni ljubezen stokrat ljubici na glas
povedati: »Zvezda moja!« Ljubezen je
le enkrat, popolnoma sam v vrtu, eni sami
zvezdi na vedrem poletnem nebu, prepolnem
sijajnih zvezd, potihem, da nihče ne sliši,
povedati: »Ljubica moja!«

© Josip Osti
aus: Kraški narcis
Ljubljana : Študentska založba, 1999
Audio production: Študentska založba

STERN - LIEBLING

deutsch

Es ist nicht Liebe, dem Liebling einhundertmal laut
zu sagen: „Mein Stern!“ Liebe ist nur,
einmal, und zwar ganz allein im Garten, einem einzigen
Stern am klaren Sommerhimmel, mit glänzenden
Sternen voll, ganz leise, damit es niemand hört,
zu sagen: „Mein Liebling!“

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

ZNOVA GRADIM HIŠO

slowenisch | Josip Osti

Znova gradim hišo. Iz neartikuliranih
glasov. Iz verig gosenic. Iz šopov
cvetočih kopriv. … Iz odrezanih nohtov,
ostriženih las, posušene sperme,
spremenjene v bel prah. Iz krikov v
sanjah, iz katerih se ne bom nikoli
prebudil. Gradim jo na podivjanem
travniku, na katerem je ležala gola
ženska z zlatim oblakom v očesu in
cvetom potonike na dojki. Mati vseh
mater in ljubimka vseh ljubimcev.
Zarasla z bršljanom. Z mravljiščem
pod vsako pazduho. Z rušo trave na
sramnem mestu. In s pikapolonico na
travni bilki, ki jo ziblje neviden
veter in hlad pesnikovega groba.
Po kateri dežuje kravja scalina in
se meša z velikimi kapljami toplega
mleka. Z vonjem jasmina, ki ji vre
iz ugaslega spomina in ji odmika
pramen s čela. Gradim hišo. Cerkev
in bordel obenem. Hišo, ki bo z
mojo vselitvijo samo še bolj prazna
in žalostna, kot je bila pred
mislijo na kotiček, v katerem je
treba dokončati pesem, tako kot se
končuje življenje, ki izreta iz žil,
prerezanih z zarjavelo britvico.
Kotiček, v katerem bom brez bolečin
rodil svojo mater, tako kot je ona
rodila mene. In do smrti, o kateri
glas še ni prišel do mene, hranila
v platneni torbi, na dnu omare iz
orehovine, kožico popkovine in koder
mojih nekoč dolgih plavih las. Znova
gradim hišo. Iz ničesar. Za nikogar.
Hišo iz jezika.

© Josip Osti
aus: Kraški narcis
Ljubljana : Študentska založba, 1999
Audio production: Študentska založba

WIEDER BAUE ICH EIN HAUS

deutsch

Wieder baue ich ein Haus. Aus unartikulierten
Tönen. Aus Raupenketten. Aus Sträußen
blühender Brennnesseln. ... Aus abgeschnittenen Fingernägeln,
geschorenen Haaren, getrocknetem Sperma,
in weißen Staub verwandelt. Aus Schreien in den
Träumen, aus denen ich nie
aufwachen werde. Ich baue es auf einer verwilderten
Wiese, auf der eine nackte Frau
mit einer goldenen Wolke im Aug und
einer Pfingstrosenblüte auf der Brust lag. Die Mutter aller
Mütter und Liebhaberin aller Liebhaber.
Verwachsen mit Efeu. Mit einem Ameisenhaufen
unter jeder Achsel. Mit einer Grasnarbe
in der Schamgegend. Und mit einem Marienkäfer auf dem
Grashalm, den ein unsichtbarer Wind und
die Kühle aus dem Dichtergrab schwingen.
Über den Kuhurin regnet und
sich mit großen Tropfen warmer Milch
mischt. Mit Jasminduft, der ihr aus der erloschenen
Erinnerung brodelt und ihr eine Strähne
aus der Stirn streift. Ich baue ein Haus. Kirche
und Bordell zugleich. Ein Haus, das nach
meinem Einzug nur noch leerer
und trauriger wird, als vor dem
Gedanken an das Eck, in dem
das Gedicht so zu Ende zu schreiben ist, wie das
Leben beendet wird, das aus den Adern gerissen ist,
die mit einer verrosteten Rasierklinge zerschnitten werden.
Ein Eck, in dem ich ohne Schmerzen
meine Mutter gebären werde, wie sie mich
geboren hat. Und bis zum Tod, von dem
noch kein Ton zu mir gedrungen ist, hat sie in einer
Ledertasche, am Boden eines Schranks aus
Nussholz, die Nabelschnurhaut und eine Locke
meiner ehemals langen blonden Haare aufbewahrt. Wieder
baue ich ein Haus. Aus nichts. Für niemanden.
Ein Haus aus Sprache.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

VSE V MENI IN ZUNAJ MENE
JE MAGIČNO IN MISTIČNO

slowenisch | Josip Osti

Vse v meni in zunaj mene je magično in
mistično. … Tudi cvet, ki raste sredi
vaškega, obenem tudi vesoljnega smetišča.
Rosa mystica. Prosojen cvet. Iz kamna.
Toda v sanjah. Fizičen in hkrati
metafizičen. … Vse v meni in zunaj mene je
magično in mistično. … Tudi cvet, ki raste
sredi vaškega, obenem tudi vesoljnega
smetišča. … Cvet, v obliki katerega so
združene oblike vseh znanih in neznanih
cvetov. Ne le hijacinte, narcise, lilije …
ali buče, krompirja, fižola … temveč
vetrov, morja, zvezd … V njegovem vonju pa
dišave vseh obstoječih in neobstoječih rož. …
Cvet mesojed in samojed hkrati, ki ima
obliko rojstva, a diši po smrti.

© Josip Osti
aus: Veronikin prt
Ljubljana : Študentska založba, 2002
Audio production: Študentska založba

ALL MEIN INNERES UND ÄUSSERES
IST MAGISCH UND MYSTISCH

deutsch

All mein Inneres und Äußeres ist magisch und
mystisch. ... Auch die Blüte, die mitten auf dem
dörflichen und zugleich allumfassenden Müllplatz wächst.
Rosa mystica. Durchscheinende Blüte. Aus Stein.
Doch nur in den Träumen. Physisch und zugleich
metaphysisch. ... All mein Inneres und Äußeres ist
magisch und mystisch. ... Auch die Blüte, die mitten
auf dem dörflichen und zugleich allumfassenden Müllplatz
wächst. ... Blüte, in deren Form
alle Formen bekannter und unbekannter Blüten
vereinigt sind. Nicht nur Hyazinthen, Narzissen, Lilien ...
oder Kürbisse, Kartoffeln, Fisolen ... sondern
Winde, Meer, Sterne ... In ihrem Duft aber
die Düfte aller bestehenden und nicht bestehenden Blumen. ...
Die fleischfressende und selbstfressende Blume in einem, die
die Form der Geburt hat, doch nach Tod riecht.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

VPRAŠAJ

slowenisch | Josip Osti

Noči so, ko sem sam. Ko je nebo popolnoma
črno. Brez mesečine in zvezd. Ko je vse,
z mano vred, v objemu nepresojnega mraka.
Ko se ne vidi prst pred očesom. Steza med
vinogradi, ki pelje do vaškega pokopališča.
Rdeča vrtnica, ki pleza ob zidu. Črn grozd
na brajdi pred hišo … Ko oslepe okna. Ko
duša tipajoč tava naokrog. In ko le blisk
z jasnega, kot z ostro sabljo, za kratek
hip razkolje gosto temo in nad mano obvisi
velik zlat vprašaj.

© Josip Osti
aus: Kraški narcis
Ljubljana : Študentska založba, 1999
Audio production: Študentska založba

FRAGEZEICHEN

deutsch

Es gibt Nächte, in denen ich allein bin. In denen der Himmel ganz
schwarz ist. Ohne Mondschein und Sterne. In denen alles,
auch ich, von einer undurchdringlichen Dämmerung gehalten wird.
In denen man den Finger vor dem Aug nicht sieht. Nicht den Steig
im Weinberg, der bis zum Dorffriedhof führt.
Nicht die rote Rose auf der Mauer. Nicht die schwarze Traube
auf dem Rebengeländer vor dem Haus. ... Da werden die Fenster blind. Da
tappt die Seele im Dunklen. Da zerschlägt nur der Blitz
plötzlich, wie mit einem scharfen Säbel, für einen kurzen Augenblick
die dichte Dunkelheit und über mir bleibt
ein großes goldenes Fragezeichen hängen.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

Trideset

slowenisch | Marjan Strojan

Na sveže posekan smrekov les
je sedel tisto nedeljsko popoldne.
Gozd je bil plav in od koles
mokro razrite poti komaj prehoden.
Srajca se je hrbta oprijela:
všeč mu je bil ta praznični hlad
in mir, ki ga je res prva sončna nedelja
prinašala v zakasnelo pomlad.
Pa ni bil le gozd. Čez hrib od Rašice,
v zrak, ki je odzvanjal od majskega dne,
je plaval med smrekami glas kukavice
kot srna skoz praprot, mimogrede.
Segel je v žep po cigareto.
Potipal vžigalice, če bi prižgal:
prisluhnil ... še enkrat – nič, kot zakleto;
njegov svet je za dolge trenutke obstal.
Gledal je v breg, ki pod snegom zavzeto
se je kakor v večnost vanj zastrmel,
in čakal, kdaj končno prižge cigareto,
prepričan, da kadar spet pride, bo štel.

© Marjan Strojan
aus: Izlet v naravo
Koper: Založba Lipa, 1990
Audio production: Študentska založba

Dreißig

deutsch

Er setzte sich an diesem Sonntagnachmittag
auf frisch geschlägertes Fichtenholz.
Der Wald war blond und der von den Rädern
zerwühlte nasse Weg nicht begehbar.
Das Hemd klebte auf dem Rücken:
diese feiertägliche Kühle und der Frieden,
den in Wirklichkeit der erste sonnige Sonntag
in den verspäteten Frühling gebracht hat, gefielen ihm.
Es war aber nicht nur der Wald. Über dem Hügel von Rašica,
in der Luft, die vom Maitag widerhallte,
tauchte zwischen den Fichten eine Kuckucksstimme auf
wie ein Reh aus dem Farn, nebenbei.
Er holte aus seiner Hosentasche eine Zigarette.
Berührte die Zündholzer, um sie anzuzünden:
er lauschte ... noch einmal – nichts, wie verwunschen;
seine Welt blieb für lange Augenblicke stehen.
Er schaute in die Böschung, die vom Schnee und seinem Blick
wie für die Ewigkeit eingenommen wurde,
dann wartete er auf das Anzünden der Zigarette,
überzeugt, dass er beim Wiederkommen mitzählen werde.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

TETRAGRAM (1)

slowenisch | Niko Grafenauer

Dan je zasut z mrtvíco zraka,
dih zakopan. s spanjem zaliti čuti,
in tenja bitja, sled v ugasku mraka,
z brezlistnim senčenjem razsuti

glasovi v molk. dotik neznanega,
iztisnjen v solzo? mineralno čist.
zalivka let in neprepotovanega,
a pot? odprta. v belem bel odtis.

z ostrim presekom, a brez teže,
kristalna ploskev časa: svit.
drugam: iz napredovanja v sveže

plasti obzidanih daljav razlit.
v živi odsotnosti udušen korak
in z rožami okrvavljeni zrak.

© Niko Grafenauer
aus: Palimpsesti
Ljubljana : Mladinska knjiga, 1984
Audio production: Študentska založba

Tetragramm (1)

deutsch

Der tag ist mit der toten erde der luft verschüttet,
der atem vergraben. mit schlaf  zugegossene sinne,
und schattenrisse des wesens, spur im verlöschen des dämmers,
mit blattloser schattierung zerstreute

stimmen in das schweigen. berührung des unbekannten,
in die träne gepreßt? mineralrein.
füllsel der jahre und des unbereisten,
doch der weg? offen. im weißen ein weißer abdruck.

mit scharfem schnitt, doch ohne gewicht,
die kristallfläche der zeit: der tagesanbruch.
anderwärts: aus den ansagen in frische

schichten weggemauerter entfernungen vergossen.
in der lebendigen abwesenheit gedämpfter schritt
in der mit blumen angebluteten luft.

Aus: Niko Grafenauer: Eingewebte spur / Vtkana sled. Gedichte / Pesmi.


Aus dem Slowenischen übertragen und mit einem Nachwort versehen von Janko Ferk.


Wien: Edition Atelier 2003

Sinoči, ko sem stikal okrog potoka

slowenisch | Marjan Strojan

Sinoči, ko sem stikal okrog potoka
za hišo, v lopi bogve kaj iskal,
zaslišim v gozdu, kot da nekaj joka
v temi in mrazu, kliče pravzaprav.
Prisluhnil sem, saj ob večerih,
ko počrnijo hribi in poti,
ure in ure presedim pri dverih
in čakam nekaj, česar ni.
Za glasom šel sem, za pomenom,
ki ga večer je širil iz gozdov:
nekdo me klical je po imenu –
nemočen, ranjen, negotov …
Minil je hip, večer, cel dan je
minil kot hip, in zdaj z neba
strmijo zvezde nevsakdanje
v tišino novega snega.

© Marjan Strojan
aus: Dan, ko me ljubiš
Ljubljana: LUD Literatura, 2003
Audio production: Študentska založba

Gestern abend, als ich rund um den Bach gestöbert habe

deutsch

Gestern abend, als ich rund um den Bach hinter dem Haus
gestöbert, in der Laube weiß Gott was gesucht habe,
höre ich im Wald, dass etwas in der Dunkelheit und Kälte
weint, eigentlich sogar ruft.
Ich habe zugehört, sitze ich doch an den Abenden,
wenn sich die Hügel und Wege verdunkeln,
Stunden und Stunden an den Ufern
und warte auf etwas, das es nicht gibt.
Ich ging den Lauten nach, den Bedeutungen,
die der Abend aus dem Wald verbreitet hat:
Irgendwer hat mich mit dem Namen gerufen –
kraftlos, verwundet, unsicher ...
Ein Nu, der Abend, der ganze Tag
vergingen wie ein Augenblick, und jetzt starren
Sterne unalltäglich vom Himmel
in die Stille des Neuschnees.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

Ribi, ki mi je ušla na prvi fašini

slowenisch | Marjan Strojan

Mraz in prvi sunek teže, ki ti zveže
možgane v hipu slepega prebliska z vodo:
neznana ploska moč v globini, ki zapne
in lok zravna; zateg, ki do kosti zareže
v nekaj, kar po hrbtu švigne v tilnik
in čaka, kdaj na drugem koncu vztrepeta,

Začuti rep, upor plavuti, boka,
trmo gobca, njen poriv navzgor
ob kakor kamen trdo reko, staro kot
Alpe, sivo kot sviž. Blazen hip – – –
ne sreče, zmagoslavja in strahu
v nogah: nagon izkušnje, ki šele razloči
moj konec palice od drugega na drugem
koncu; se ruje s prodom, s soncem
ki se dviga v nizko jagned,
se upira dnevu, postaja noč, ki se vali
kot grušč po dnu čez svoj revir,

Kjer vsak izvir, vsak potok, drst vseh mren,
ki so se zlile vanjo, prepadi in tolmuni
nočne jage, preže prvih svitanj ...
nočejo, da jih kdo gleda. Ker to je njen svet,
zdaj razdeljen kot grunt od grunta,
v drug breg zadrt, a v isti hosti,
zataknjen v isti hrib, vsak v svojem
koncu, eno. In vleče za moj breg, moj travnik,
za lipo in kozolce v senu, prst od cerkve,
ki jo držim v rokah; za vrbe v vodi,
ki so se zbrale z voljo svojih
davnih korenin v to ribo.
Ki se obrne, trzne v dolga leta
deškega čakanja, ki ni več igra:
prihajanja – odhajanja – učenja ...
tihe groze razočaranj. Pričakovanj v prvem,
najstarejšem hipu človeka, v zadnjem
hipu reke. – – –
                         Vse to sem ujel nazaj
in bom potegnil ven, na prod,
da se nagledam, se dotaknem,
dotolčem s kamnom, vržem na svoj breg:

Odpreti te trenutke, streti glavo;
biti spet lahek, prost, na nič pribit,
sam zase. Oditi, poravnati lok
in svoj račun sam s sabo. In gledati,
kako kot rjav vlačilec, drseč
zapušča moje pristanišče in zapluje
na svoja nevarna, nedosegljiva pota,
kjer ni ničesar razen rib in rib.

© Marjan Strojan
aus: Izlet v naravo
Koper: Založba Lipa, 1990
Audio production: Študentska založba

Dem Fisch, der mir auf der ersten Faschine entflohen ist

deutsch

Die Kälte und der erste Stoß der Schwere, der dir das Gehirn
im Augenblick des blinden Gedankenblitzes mit Wasser zusammenschnürt:
die Kraft, die den Bogen spannt und ausgleicht, klatscht
unerkannt in der Tiefe; die Dehnung, die bis zu den Knochen in etwas
schneidet, das am Rücken bis zum Nacken schießt
und wartet, wann es am anderen Ende erzittert,

spürt den Schwanz, die Gegenwehr der Flossen, des Bauchs,
die Sturheit des Mauls, den Stoß aufwärts
im steinharten Fluß, alt wie die
Alpen, grau wie Flugsand. Ein irrer Augenblick ---
nicht des Glücks, des Siegesfests und der Angst
in den Beinen: der Trieb der Erfahrung, der mein Ende
der Rute vom anderen erst am anderen Ende
unterscheidet; balgt sich mit Steingrieß, mit der Sonne,
die zur tiefen Pappel steigt,
sich gegen den Tag auflehnt, zur Nacht wird, die sich wie Schotter
in ihrem Revier am Boden wälzt,

wo jede Quelle, jeder Bach, der Laich aller Barben,
die in sie geflossen sind, Abgründe und Tümpel
der nächtlichen Jagd, auf den Sonnenaufgang wartet ...
sie wollen nicht betrachtet werden. Dies ist ihre Welt,
jetzt aufgeteilt wie ein Grund vom anderen,
in eine andere Böschung gestoßen, doch im selben Gehölz,
in den selben Hügel gesteckt, jeder an seinem
Ende, eins. Und zieht an meinem Ufer, meiner Wiese,
an den Linden und Harpfen im Heu, ein Finger der Kirche,
die ich in Händen halte; für die Weiden im Wasser,
die sich versammelt haben mit dem Willen ihrer
alten Wurzeln in diesem Fisch.
Der sich umdreht, zuckt in die langen Jahre
des jugendlichen Wartens, das kein Spiel mehr ist:
Ankünfte – Abgänge – Lehren ...
Des stillen Schauderns über die Enttäuschungen. Erwartungen
im ersten, ältesten Augenblick des Menschen, im letzten
Augenblick des Flusses. ---           
                                                Alles das habe ich wieder gefangen
und werde es herausziehen, auf den Steingrieß,
dass ich mich sattsehe, es berühre,
mit einem Stein erschlage, auf das Ufer werfe:

Die Augenblicke öffnen, den Kopf zerbrechen;
wieder leicht sein, frei, an nichts genagelt,
für sich allein. Weggehen, den Bogen ausgleichen
wie die Rechnung mit sich selbst. Und schauen,
wie er als brauner Zieher, gleitend
meinen Hafen verläßt und auf seine gefährlichen,
unerreichbaren Wege schwimmt,
wo nur noch Fisch und Fische sind.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

PSIHA (2)

slowenisch | Niko Grafenauer

Z razdaljami omrežen dan
in noč, odvrnjena. zrak
iz karbona, z dihanjem zmehčan,
a od spominjanja težak.

dotik najvišje obmejenosti
v objemu. čvrsta gostosevnost
bližine, a v času s sencami
pokrita hladna neizmernost.

v sredici lahkega svetal trepet
in sled zarisana iz ravnovesja
zvezd na neznanem, je pogled?

s čim izgubljenim obtežen?
v zraku zamah, bel blesk slovesa,
z roko mehko v noč položen.

© Niko Grafenauer
aus: Palimpsesti
Ljubljana : Mladinska knjiga, 1984
Audio production: Študentska založba

Psyche (2)

deutsch

Durch entfernungen vernetzter tag
und nacht, abgekehrt. luft
aus karbon, vom atmen aufgeweicht,
doch von erinnerungen schwer.

berührung der höchsten abgrenzung
in der umarmung. kräftige strahlungsdichte
der nähe, doch in der zeit von schatten
bedeckte kühle unermeßlichkeit.

im mark des leichten helles zittern
und eine spur, gezeichnet vom gleichgewicht
der sterne im unbekannten, ist blick?

mit etwas verlorenem beschwert?
in der luft der schwung, weißer glanz des abschieds,
mit der hand weich in die nacht gelegt.

Aus: Niko Grafenauer: <i>Eingewebte spur / Vtkana sled. Gedichte / Pesmi.</i>
<br>
Aus dem Slowenischen übertragen und mit einem Nachwort versehen von Janko Ferk.
<br>
Wien: Edition Atelier 2003

Pomeben obisk

slowenisch | Marjan Strojan

admirala Nelsona in lady Hamilton leta 1800,
                         ob vrnitvi iz Eisenstadta,
                         od Haydnove maše št. 11 v d-molu (»Nelsonova«)

Spominjam se snežnega večera, ko so se pred
edino razsvetljeno stavbo v mestu, prenočiščem
z narisano pošastjo, ki se je imenovala Elefant,
a je po splošnem mnenju predstavljala Leviatana,
ustavile čudovite sani z grbom in je z njih izskočila
majhna zasnežena opica s turbanom in prižgano
baklo. Odprla je rdeča in pozlačena vratca, skozi
katera se je čez hip prikazala svilena noga v pojočih
čeveljcih pod hermelinsko obrobo temnega plašča.

Mnogi pomnijo, kako je na drugi strani njen lord
v opremljenem admiralskem klobuku, v tesno oprijetih
hlačah s škrlatno črto in črnimi lakastimi škornji
izstopil v cel sneg, prehitel nožico, tik preden se je ta
dotaknila stopnice, in ravno v trenutku, ko nam je
pomahala, v zaraku ujel tanko, orokavičeno roko,
jo za hip podržal in si jo nato pritisnil na srebrne prsi,
tako da se je med vratci prikazala sinja kučma
z biserom in obeljenim pavjim peresom, v kateri je
bilo mogoče opaziti glavo z rubinastimi ustnicami,
z zobmi iz alabastra in labodjim vratom.

Lord, ki je s petama in s komaj opaznim gibom
glave pozdravil posle in drugo osebje, ki se je vsulo
iz hotela (med njimi tudi nekatere v predpasnikih),
je še vedno čvrsto držal njeno roko v višini epolet,
medtem ko si je ona z drugo visoko pridvignila plašč,
da bi pogumno zakoračila v sneg. Toda konjarji
so poprijeli pri vpregi, po snegu so hiteli pogrinjat
iz glasbenega salona sposojene karminaste
perzijske preproge, pometat prag in stopnišče.

Odprla so se številna okna, dekle so pričele
stepat kovtre in celi grozdi radovednih gostov
so viseli z njih tako nizko, da jih je nekaj popadalo
na cesto. Ker je bilo snega na pretek, se nikomur
ni nič zgodilo. Zgodilo pa se je nekaj drugega.
Velikanski kit glavač (Physeter catodon)
ki se je na svoji poti v Veliko Sargaško morje
ustavil pred Tirom, je tik pred obalo izpljunil
na prod mene, mojega očeta in preroka Jono,
s katerima sem že od zgodnje jeseni v obokanih
kleteh te pošasti pripravljal trske za zimo.

Oboroženo z njimi, a za to priložnost pomočenimi
v katran in veselo prižganimi, se je hotelsko osebje
postavilo v špalir in na čelu z nenavadnim lakajem
pospremilo par do plesne dvorane v nadstropju, kjer so
jima uredili začasno sprejemnico. Rdečo snežno kočijo
sem kasneje pogosto hodil občudovat v mestni muzej,
kjer jo, po potresu spremenjeno v nekakšno votlo,
kot izžrt pergament prhko bučo, hranijo še danes,
medtem ko si je bilo kita mogoče ogledati v parku
pred univerzo šele sto oseminpetdeset let po dogodku.
Njun prihod so v gotici zabeležili v številnih cesarskih
časopisih, vendar v nobenem, ki bi ga znal brati.

© Marjan Strojan
aus: Parniki v dežju
Ljubljana: Cankarjeva založba, 1999
Audio production: Študentska založba

Wichtiger Besuch

deutsch

Admiral Nelsons und Lady Hamiltons im Jahr 1800,
                              anläßlich der Rückkehr aus Eisenstadt,
                              von Haydns Messe Nr. 11 in D- Moll (»Nelson-Messe«)

Ich erinnere mich an einen verschneiten Abend, als vor
dem einzigen beleuchteten Gebäude der Stadt, einem Nachtquartier
mit aufgemaltem Ungeheuer, das Elefant genannt wurde,
nach der allgemeinen Meinung aber Leviathan darstellte,
ein prachtvoller Schlitten mit Wappen stehen geblieben ist und ein kleiner
verschneiter Affe mit Turban und brennender Fackel aus ihm
hüpfte. Er öffnete ein rotes und vergoldetes Türchen, in der
sich einen Augenblick später ein seidiges Bein in singenden
Schüchen unter der Hermelinrobe eines dunklen Mantels zeigte.

Viele erinnern sich, wie auf der anderen Seite ihr Lord
mit einem befiederten Admiralshut, in eng anliegenden
Hosen mit Scharlachnaht und schwarzen glänzenden Stiefeln,
in den Schnee gestiegen ist, das Füßchen überholte, einen Augenblick
vor dem Berühren der Stufe, und gerade da, als sie uns
winkte, wurde er der dünnen Hand im Handschuh in der Luft habhaft,
hielt sie kurz und drückte sie dann an seine silberne Brust,
so dass sich zwischen dem Türchen eine himmelblaue Pelzkappe
mit Perle und einer gebleichten Pfauenfeder zeigte, in der man
einen Kopf mit rubinroten Lippen bemerken konnte,
mit Zähnen aus Alabaster und einem Schwanenhals.

Der Lord, der mit den Absätzen und einer kaum bemerkbaren Bewegung
des Kopfes die Bediensteten und das andere Personal begrüßte, das aus
dem Hotel lief (dazwischen waren auch einige mit Schürzen),
hielt immer noch kräftig auf der Höhe der Epauletten ihre Hand,
während sie mit der anderen ihren Mantel in die Höhe hob,
um mutig in den Schnee zu steigen. Doch die Pferdeknechte
griffen in das Zaumzeug, und im Schnee legten sie nun
die aus dem Musiksalon geliehenen karminroten
Perserteppiche aus, daneben kehrten sie die Stufen und die Schwelle.

Zahlreiche Fenster öffneten sich, die Stubenmädchen schüttelten
das Bettzeug aus und ganze Trauben neugieriger Gäste
hingen so tief aus ihnen, dass ein paar auf die Straße
fielen. Es lag so viel Schnee am Boden, dass niemandem etwas
passierte. Doch geschah etwas anderes.
Ein riesiger Pottwal (Physeter catodon),
der auf dem Weg zur großen Sargassosee war,
hielt vor Tiran, und spukte in Ufernähe
mich, meinen Vater und den Propheten Jona auf den Schotter,
mit beiden hatte ich schon seit Herstbeginn in den Kellergewölben
dieses Ungeheuers Späne für den Winter vorbereitet.
Mit ihnen bewaffnet, für diese Gelegenheit in Katran
getränkt und freudig entflammt, stand das Hotelpersonal
Spalier, das Paar wurde mit einem ungewöhnlichen Lakai
bis zum Tanzsaal im Obergeschoß begleitet, wo für es
eine vorläufige Empfangshalle eingerichtet wurde. Die rote Schneekutsche
ging ich später des öfteren in das Stadtmuseum bewundern,
wo sie, nach einem Erdbeben irgendwie als ein hohler und
wie trockenes Pergament brüchiger Kürbis, noch heute verwahrt wird,
wogegen man den Wal erst achtundfünfzig Jahre nach dem Ereignis
im Park vor der Universität betrachten konnte.
Ihre Ankunft haben sie in gotischer Schrift in zahlreichen kaiserlichen
Zeitungen vermerkt, doch in keiner, die ich hätte lesen können.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

PO VOJNI ZIDAVA HIŠO

slowenisch | Josip Osti

Po vojni zidava hišo … Po še eni vojni, v
kateri so mnogi ostali brez strehe nad
glavo, zidava hišo in urejava vrt okrog
nje. Zidava jo po zgledu na polževo,
majhno a lepo, toda za dva. Učiva se pri
lastovkah. Za nasvet sprašujeva veter in
dež. Zidava jo z rokami, ki dišijo po
zemlji, v katero se vrača vse, kar je iz
nje zraslo. Z rokami, ki se nežno
dotikajo in utrujene glasno smejijo kot
bezgov cvet. Pomagata nama kamen in voda,
ki ju združujeva z vonjem sivke in
podobami iz sanj … Po vojni zidava hišo …
Za telesi, ki bosta ležali v postelji kot
pod cvetočo jablano, in duši, ki se bosta
po njej tiho sprehajali, tako kot danes po
njej tava duša starke, ki je živela in
umrla za njenimi stenami. … Zidava zidke,
ki naju bodo ločili od krute resničnosti,
in stopnice, ki naju bodo peljale onstran
znanega, kamor prideta le tista, ki se
imata rada. … Po vojni zidava hišo. … Dan
in noč, čeprav se zavedava, da gradiva
jutrišnje ruševine.

© Josip Osti
aus: Veronikin prt
Ljubljana : Študentska založba, 2002
Audio production: Študentska založba

NACH DEM KRIEG BAUEN WIR EIN HAUS

deutsch

Nach dem Krieg bauen wir ein Haus ... Nach einem weiteren Krieg, in
dem viele ohne ein Dach über dem Kopf geblieben
sind, bauen wir ein Haus und bestellen einen Garten um
es. Wir bauen es dem Schneckenhaus nach,
schön, aber klein und doch für zwei. Schauen wir es den
Schwalben ab. Fragen wir Wind und Wetter um
Rat. Bauen wir es mit den Händen, die nach der Erde
riechen, in die alles zurückkehrt, was aus ihr gewachsen
ist. Mit den Händen, die sich zärtlich
berühren und ermüdet laut lachen wie
eine Holunderblüte. Es helfen uns Stein und Wasser,
die wir mit Lavendelduft und Traumbildern
verbinden ... Nach dem Krieg bauen wir ein Haus ...
Für die Körper, die im Bett liegen werden wie
unter einem blühenden Apfelbaum, und für die Seelen, die
in ihm auf und ab gehen werden, wie heute in ihm
die Seele einer Alten tappt, die hinter seinen Wänden
lebte und starb ... Bauen wir kleine Wände,
die uns von der grausamen Wirklichkeit trennen werden,
und Stufen, die uns auf die andere Seiten des Bekannten
führen, wohin nur jene kommen, die sich gern
haben. ... Nach dem Krieg bauen wir ein Haus. ... Tag
und Nacht, obwohl wir wissen, dass wir die morgigen
Ruinen errichten.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

PLOD LJUBEZNI

slowenisch | Josip Osti

V naročju držim nenavadno žival.
Napol je mačka, napol podgana. Sivo-
bela. Ušesa so brez dlak. Tudi
dolgi, tenki rep. Nedvomno plod
ljubezni. Plod dolgih tomajskih
zimskih noči. V katerih zaljubljenci
pozabljajo na sleherno razliko in
sleherno sovraštvo med predniki. Ko
vlada le en bog – razuzdani eros.
V tem ni nobenega čudeža, ker je
ljubezen sama čudež. Večji od vseh
čudežev. V naročju držim nenavadno
žival. Spušča glasove, ki niso ne
mačji ne podganji. Ljubim jo in
zdi se mi, da tudi ona ljubim mene.

© Josip Osti
aus: Kraški narcis
Ljubljana : Študentska založba, 1999
Audio production: Študentska založba

LIEBESFRUCHT

deutsch

In meinen Armen halte ich ein ungewöhnliches Tier.
Halb Katze, halb Ratte. Grau-
weiß. Die Ohren sind unbehaart. Auch
der lange, dünne Schwanz. Ohne Zweifel eine
Liebesfrucht. Eine Frucht der langen Winternächte
in Tomaj. In denen die Verliebten
auf jedweden Unterschied und alle
Feindschaften zwischen den Ahnen vergessen. In denen
nur ein Gott herrscht – der ungezügelte Eros.
Das ist kein Wunder, weil
die Liebe selbst das Wunder ist. Größer als alle
Wunder. In meinen Armen halte ich ein ungewöhnliches
Tier. Seine Laute stößt weder eine Katze
noch eine Ratte aus. Ich liebe es und es scheint,
dass es auch mich liebt.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

Obžgan, okleščen, podrt

slowenisch | Marjan Strojan

Pomisli,
od zdaj naprej bo dan
(za dnem) tekel dogodkoma:
vžigalnik na lepem
ne bo več vžgal.
Kave bo zmanjkalo.
Parker bo nehal pisati.
Kar je še ostalo v steklenici,
bo odteklo na tvoje zdravje:
nobene od tvojih stvari
mi ne bo treba vračat,
ker se bo vse porabilo kar samo:
tudi planeti in listje in perje in knjige,
tudi napolnjen papir, tudi ti.
Samo svoj obup bom ohranil zase.

© Marjan Strojan
aus: Drobne nespečnosti
Celovec & Dunaj: Mohorjeva založba, 1991
Audio production: Študentska založba

Angesengt, entästet, gefällt

deutsch

Bedenke,
von nun an wird ein Tag
(nach dem anderen) mit Geschehnissen verlaufen:
das Feuerzeug wird plötzlich
nicht mehr zünden.
Der Kaffee wird ausgehen.
Der Parker wird nicht mehr schreiben.
Was in der Flasche verblieben ist,
wird auf dein Wohl fließen:
keine deiner Sachen
werde ich zurückgeben müssen,
weil sich alles von allein verbrauchen wird:
auch die Planeten und das Laub und die Federn und Bücher,
auch das vollgeschriebene Papier, auch du.
Nur meine Verzweiflung werde ich für mich behalten.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

O trdnosti mostov

slowenisch | Marjan Strojan

O tem je mogoče reči naslednje: vsi grški mostovi so bili,
tako kot sumerska svetišča ali vodne ure v Egiptu, zgrajeni
po drugih zakonih mišljenja. Naknadno je bilo odkrito,
da se v nekaterih podrobnostih ujemajo s trenutno veljavnimi
izračuni za trdnost zgradb in mostov. Vendar je že vsaj
od Poincaréjevega nastopa na Faculté de sciences jasno,
da po nekdanjih zakonih danes kljub trudu bizantinskih
kardinalov, izročilom zidarskih lož, babilonskih, arabskih
in indijskih knjig ni mogoče zgraditi niti najbolj preproste brvi,
ki bi stala. Povsem druge predpostavke so obvladovale naravo.

Zvezde, ki so žarele, in planeti, ki so sijali v prejšnjih sistemih,
krogle, ki so se kotalile, leta, ki so tekla in ljudstva, ki so bežala,
bi se po zdajšnjih izkušnjah neizpodbitno vdrli v središča galaksij,
če bi veljala nekoč že izračunana razmerja sil (Lemaître, 1927).
Narava računstva se je za razliko od glasbe, poezije, šaha itd.
spremenila v celoti. Triumfalne podvige mehanike je razsejal
veter, o prejšnjem redu stvari ni mogoče reči ničesar, razen da je bil,
če sodimo po fiziki, ki je trenutno v veljavi, od začetka do konca
zgrešen in da mnogi dvomijo, ali je sploh obstajal. Videti je, da
naše védenje sledi spremembam naravnih zakonitosti z natančnostjo

algebrajskega zaporedja, ki se z domnevnim konstantnim zamikom
prilagaja opaženemu (Tomamori – Nakajama, 1958). Vendar pa so
tudi tu izračuni dosledno napačni celo v najbolj pomembnih
podrobnostih in hkrati podvrženi spremembam metodologij, ki prav
tako temeljijo na zmeraj novih napakah (Cavendish, Hill et al. 1981).
Tako si je mogoče predstavljati, drugega ob drugemu, a časovno
oddaljena, dva identična mostova z enako nihajno frekvenco, ki ju
podre v globino povsem različen korak dveh legij, ki sta se napotili
čeznju. Ena, ki prihaja, in ena, ki je odšla. (Blue Superior, 1996)

© Marjan Strojan
aus: Parniki v dežju
Ljubljana: Cankarjeva založba, 1999
Audio production: Študentska založba

Über die Standfestigkeit von Brücken

deutsch

Darüber kann man folgendes sagen: alle griechischen Brücken waren,
wie die sumerischen Heiligtümer oder ägyptischen Wasseruhren, nach anderen
Denkegesetzen errichtet. Nachträglich wurde entdeckt,
dass sie in einigen Einzelheiten den augenblicklich geltenden Berechnungen
für die Standfestigkeit der Gebäude und Brücken gleichen. Doch ist es schon
seit Poincarés Auftritt an der Faculté de sciences klar,
dass man aufgrund der einstigen Gesetze heute trotz der Anstrengung der byzantinischen
Kardinäle, des Wissens der Maurerlogen, babylonischer, arabischer
und indischer Bücher nicht einmal den einfachsten Steg bauen kann,
der stehen bliebe. Die Natur wurde von ganz anderen Vorzeichen beherrscht.

Die Sterne, die strahlten, und die Planeten, die in den früheren Systemen leuchteten,
die Kugeln, die rollten, die Jahre, die vergingen, und die Völker, die flüchteten,
würden nach heutigen Erfahrungen unbestreitbar in die Mitte der Galaxie eindringen,
wenn die schon längst berechneten Kraftverhältnisse gültig wären (Lemaître, 1927).
Das Rechenwesen hat sich zum Unterschied von Musik, Poesie, Schach usw.
zur Gänze geändert. Die triumphalen Errungenschaften der Mechanik hat der Wind
verweht, über die frühere Ordnung der Dinge kann man nichts sagen, höchstens,
wenn wir nach jener Physik gehen, die nun aktuell ist, dass sie von Anfang bis Ende
verfehlt war und dass manche überhaupt an ihrem Bestand zweifeln. Man sieht,dass
unser Verhalten den Änderungen der Naturgesetze mit der Genauigkeit einer

Algebrareihe folgt, das sich mit dem vermuteten konstanten Reiz dem
Beobachteten anpasst (Tomamori – Nakayama, 1958). Trotzdem sind auch hier
die Berechnungen folgerichtig sogar in den wichtigsten Einzelheiten
falsch und gleichzeitig sind sie den Änderungen der Methoden unterworfen, die ebenso
auf immer neuen Fehlern gründen (Cavendish, Hill et al. 1981).
So kann man sich zwei idente Brücken mit derselben Schwingungsfrequenz,
eine neben der anderen, doch zeitlich entfernt, vorstellen, die in der
Tiefe ein ganz verschiedener Schritt zweier Legionen zum Einsturz bringt, die über
sie schreiten. Eine, die ankommt, und eine andere, die abgeht. (Blue Superior, 1996)

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

LJUBEZEN ME JE NAREDILA PESNIKA

slowenisch | Josip Osti

Ljubezen me je naredila pesnika. …
Ljubezen, ki mi je s strupeno zlato
puščico v zgodnji mladosti prebodla
srce in odprla neozdravljivo rano,
v kateri se razrašča črn kristal
z ostrimi robovi. Kristal, lep in boleč,
ki se blešči na križišču duše in telesa.
In mi kaže pot, po kateri se nenehno
vračam tja, od koder pravzaprav nikdar
nisem odšel. V rojstno mesto in čas
otroštva. V prazgodovino mojih ljubezni. …
Ljubezen me je naredila pesnika. …
Ljubezen, ki mi je dala moči, da ne spim
noč za nočjo ter v dnevnik nespečnosti
zapišem na tisoče žalostnih pesmi o
življenju in, upam, vsaj eno veselo pesem
o smrti.

© Josip Osti
aus: Veronikin prt
Ljubljana : Študentska založba, 2002
Audio production: Študentska založba

DIE LIEBE HAT AUS MIR DEN DICHTER GEMACHT

deutsch

Die Liebe hat aus mir den Dichter gemacht. ...
Die Liebe, die mir mit einem giftigen
Goldpfeil in früher Jugend das Herz
durchbohrt und eine unheilbare Wunde geschlagen hat,
in der ein schwarzer Kristall mit scharfen
Rändern wächst. Ein Kristall, schön und schmerzend,
der auf der Kreuzung der Seele und des Körpers glitzert.
Und mir den Weg zeigt, auf dem ich ununterbrochen
dorthin zurückkehre, von wo ich eigentlich nie
weggegangen bin. In die Geburtsstadt und
die Kindheit. In die Urgeschichte meiner Liebschaften. ...
Die Liebe hat aus mir den Dichter gemacht. ...
Die Liebe, die mir die Kraft gegeben hat, dass ich Nacht
für Nacht wache und in das Tagebuch der Schlaflosigkeit
tausende traurige Gedichte über das Leben
schreibe, und hoffe, wenigstens ein frohes
über den Tod.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

Dišeči les

slowenisch | Marjan Strojan

Če ga vidiš od zgoraj,
se sklanja,

če ga gledaš od blizu,
rase.

Ko ga ne vidiš,
diši

bolj kot oboje
skupaj.

© Marjan Strojan
aus: Dan, ko me ljubiš
Ljubljana: LUD Literatura, 2003
Audio production: Študentska založba

Duftender Wald

deutsch

Siehst du ihn von oben,
verneigt er sich,

schaust du ihn aus der Nähe an,
wächst er.

Siehst du ihn nicht,
duftet er

stärker als beides
zusammen.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

DEŽELA

slowenisch | Niko Grafenauer

Pred mano se mukoma, še neutelešena v zavesti,
dani pokrajina. Na robu, iz gozda, ki vrši, stopi žanjica.
Vse stvari kot po premolku učvrstijo pomene.
Poletje se v krogih zgrinja okoli kukavičjega klica.

Oči do pozabe ponavljajo vse, kar uzrejo.
Ob srečanju z njimi opuste ptiči svoja imena.
Njihov krik obvisi v tišini kot nihalo.
V dušku si izpišem svet do neizrekljivega stržena.

Ni roke, ki bi pobratena s smrtjo kot meč
ukrotila vetrove. Razrahljani vonji obetajo skopo žetev.
Kdor stopi pred hišo, ki v njej prebiva, posivi kot bron.
Človeka v tej deželi preganja senca kakor očetova kletev.

© Niko Grafenauer
aus: Stiska jezika
Ljubljana : DZS, 1965
Audio production: Študentska založba

LAND

deutsch

Vor mir tagt mit Mühe und noch ohne Körper im Bewusstsein
die Landschaft. Am Rand, tritt aus dem Wald, der rauscht, eine Schnitterin.
Alle Dinge festigen wie nach einem Einhalt die Begriffe.
Der Sommer scharrt sich in Kreisen um einen Kuckucksruf.

Die Augen wiederholen bis zum Vergessen alles, was sie erblicken.
Beim Treffen mit ihnen geben die Vögel ihre Namen auf.
Ihr Geschrei bleibt in der Stille hängen wie ein Pendel.
In einem Atem schreibe ich mir die Welt bis zum unaussprechbaren Kern weg.

Es gibt keine Hand, die mit dem Tod wie ein Schwert verbrüdert wäre und
die Winde besänftigen könnte. Aufgelockerte Düfte versprechen eine spärliche Ernte.
Wer vor das Haus tritt, in dem er wohnt, ergraut wie Bronze.
Den Menschen verfolgt in diesem Land der Schatten wie der Fluch des Vaters.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

Ko vračam knjigo v knjižnico

slowenisch | Marjan Strojan

Bom kratek. Dnevi me vedno presenetijo, zato,
ko vračam knjigo v knjižnico, to ne pomeni,
da sem jo prebral ali da je nisem pripravljen
več brati. Pomeni samo, da je kljub podaljšanju
zame rok njene uporabe potekel, da so se časi
in kraji in silne usode ljudi, skupaj z znanjem
najrazličnejših šol, ustanov, tajnih krožkov
in spisov vseh dob, zbrani na njenih straneh,
urejeni po poglavjih ali po abecednem redu,
zaklenili za vrati nepreglednih dvoran ter odvrgli
ključe kot regrat semena. Za njimi nedvomno
po hodnikih cerebralnega Hada pletejo dalje svoja
življenja, neodvisna od tistih, ki jih v razsejanih
prebliskih, v preslišanih stavkih po drobcih včasih
spet najdem odškrnjena, čeprav zelo nepopolno.
Tako v pajčevinah santpetersburške postaje
(in v snegu) še vedno čaka gospa Karenina,
da se vrže pod vlak, in najbrž ne bom nikdar izvedel,
kaj bi tisti hip lahko storil Vronski, če sploh kaj.
Tatjana ni dokončala svojega pisma, čeprav vem,
da v njem pesnika, ki si je prej nekoč davno

z drobno pisavo v zvežčič beležil imena ljubimk,
gotovo zavrne. In doktor Rieux – celo on,
kaj navsezadnje, ko je nevarnost minila, reče
pisatelju, katerega hitre gospe drdrajo v kočijah
po bulonjskem gozdu, če je seveda preživel?
Je to pomebno? Ne vem, vzemimo knjigo,
ki sem jo vrnil to popoldne: povsem mi je ušlo,
kdo jo je spisal; ne spomnim se več niti
njegovega srednjega imena, ki je vendar

tako zelo znano. Droben izbor, kakor prizori
renesančne arhitekture v precizni, zgoščeni
svetlobi, s trikotniki in elegantnim stopniščem
v barvi soli. Bila je knjiga pesmi, ki se zdaj,
ko sem jih pozabil, zdijo še boljše, stisnjene
v jezik nedoločenega, trdega prevoda,
ki odpira čisto nove možnosti vsaki v dve ostri
polovici zganjenih metafor kot steber in konj.
Nekaj osvajalskega je bilo v njih, zmagovitega
v oddaljenih krajih, kot poteg meča iz nožnice:
                 Vincente Cortázar Paladio.

© Marjan Strojan
aus: Parniki v dežju
Ljubljana: Cankarjeva založba, 1999
Audio production: Študentska založba

Wenn ich das Buch zurück in die Bücherei bringe

deutsch

Ich halte mich kurz. Die Tage überraschen mich immer,  
wenn ich das Buch in die Bücherei zurückbringe, was nicht heißt,
dass ich es durchgelesen habe oder dass ich nicht mehr bereit bin,
es zu lesen. Es heißt nur, dass die Haltbarkeitsdauer für mich
trotz Verlängerung abgelaufen ist, dass sich die Zeiten
und Orte und gewaltigen Schicksale der Menschen, gemeinsam mit dem Wissen
der verschiedensten Schulen, Einrichtungen, Geheimbünde
und Aufsätze aller Zeiten, gesammelt auf ihren Seiten,
nach Kapiteln oder dem Alphabet geordnet,
hinter den Türen unüberschaubarer Säle versperrt und den Schlüssel
wegworfen haben wie der Löwenzahn den Samen. Dahinter stricken sie
auf den Gängen des zerebralen Hades ihr Leben
weiter, unabhängig von jenen, die ich in breitgestreuten
Gedankenblitzen, in überhörten Sätzen ab und zu als Splitter
zurechtgestutzt wiederfinde, wenn auch sehr unvollständig.
So wartet in den Spinnweben des Sankt Petersburger Bahnhofs
(und im Schnee) noch immer Frau Karenina,
um sich unter den Zug zu werfen, und wahrscheinlich werde ich nie erfahren,
was in diesem Augenblick Wronski getan hätte, wenn überhaupt.
Tatjana hat seinen Brief nicht erwartet, obwohl ich weiß,
dass er in ihm den Dichter, der sich längst früher einmal

mit winziger Schrift in sein Heftchen die Namen der Liebhaberinnen notiert hat,
bestimmt zurückweist. Und Doktor Rieux – sogar er sagt es,
zu guter Letzt, als die Gefahr gebannt war, dem Schriftsteller,
dessen eilige Damen in der Kutsche durch den Wald
rollen, wenn er überhaupt überlebt hat?
Ist das wichtig? Ich weiß nicht, nehmen wir das Buch,
das ich diesen Nachmittag zurückgebracht habe: zunächst habe ich vergessen,
wer es geschrieben hat; ich entsinne mich nicht einmal mehr
des zweiten Vornamens, der doch

so bekannt ist. Eine schmale Auswahl, wie die Beispiele
der Renaissance-Architektur in einer präzisen, verdichteten
Helligkeit, mit Dreiecken und einem eleganten Treppenhaus
in der Farbe des Salzes. Es war ein Gedichtband, der jetzt,
wo ich die Gedichte bereits vergessen habe, mir noch besser vorkommt,
in die Sprache einer unbestimmten, harten Übersetzung gedrängt,
die ganz neue Möglichkeiten für jede in zwei scharfe Hälften gefaltete
Metapher schafft wie eine Säule und ein Pferd.
Es war etwas Eroberndes in ihnen, etwas Siegreiches
entfernter Orte, wie das Ziehen des Schwerts  aus der Scheide:
                        Vincente Cortázar Paladio.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

KO NISI Z MANO V TOMAJU

slowenisch | Josip Osti

Ko nisi z mano v Tomaju, te dan in noč
klešem sredi vrta iz kristalno jasnega
kraškega zraka. … Po spominu oči, ki so te
dolgo gledale, in rok, ki so te dolgo
božale. Po spominu srca, ki je slišalo
utrip tvojega in utripalo z njim usklajeno.
Po spominu duše, v kateri so ostale
neizbrisne sledi vsakega najinega skupnega
smeha in joka, radosti in žalosti. … Ko
nisi z mano v Tomaju, te dan in noč klešem
sredi vrta iz kristalno jasnega kraškega
zraka. … V naravni velikosti in nevidno
vsakomur razen meni.

© Josip Osti
aus: Veronikin prt
Ljubljana : Študentska založba, 2002
Audio production: Študentska založba

WENN DU NICHT MIT MIR IN TOMAJ BIST

deutsch

Wenn du nicht mit mir in Tomaj bist, schlage ich dich Tag
und Nacht mitten im Garten aus der kristallklaren
Karstluft. ... Nach der Erinnerung der Augen, die dich
lange geschaut haben, und der Hände, die dich lange
gestreichelt haben. Nach der Erinnerung des Herzens, das deinen
Herzschlag gehört und mit ihm gleich geschlagen hat.
Nach der Erinnerung der Seele, in der die unauslöschlichen
Spuren jedes unseres gemeinsamen Lachens
und Weinens, der Freuden und Trauer geblieben sind. ... Wenn
du nicht mit mir in Tomaj bist, schlage ich dich Tag und Nacht
mitten im Garten aus der kristallklaren
Karstluft. ... In der natürlichen Größe und unsichtbar
für alle außer mir.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

KAMEN

slowenisch | Niko Grafenauer

Ni večji od tišine, ki si je poiskala v njem
svoje ležišče.
Drevje ga zagrinja s črnimi sencami,
nebo in vode se krhajo ob njem,
smrt ga je zavrgla.
Že stoletja je tam tako
zgrbljen v samoto
in molčečen.
Črne bodo njegove solze,
kadar se oglasi.

Grobni mir noči mu je blizu,
ko ni v zraku vprašanja ptičjih kril,
ne pridušenega smeha med listjem.
Kakor v polnoč prisluhnem:
zaman.
Nikoli se ne odzove ušesu z življenjem.
Drevo gre mimo njega
in trave mimo
in ptice.

Smrt počiva na njegovi rami.

© Niko Grafenauer
aus: Večer pred praznikom
Ljubljana : DZS, 1962
Audio production: Študentska založba

STEIN

deutsch

Er ist nicht größer als die Stille, die sich in ihm
ihre Liegestatt sucht.
Bäume verdecken ihn mit schwarzen Schatten,
Himmel und Wasser bröckeln an ihm,
der Tod hat ihn verworfen.
Schon Jahrhunderte ist er dort derart
in die Einsamkeit gebuckelt
und schweigsam.
Schwarz werden seine Tränen,
wenn er ertönt.

Die Grabesstille der Nacht ist ihm nahe,
wenn in der Luft keine Frage der Vogelflügel
und zwischen den Blättern kein ersticktes Lachen ist.
Ich höre wie in die Mitternacht:
vergeblich.
Nie antwortet er dem Ohr mit Leben.
Der Baum geht an ihm vorbei
und die Gräser
und die Vögel.

Der Tod ruht sich auf seiner Schulter aus.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

KADARKOLI SE SREČAVA,
SE DOLGO GLEDAVA

slowenisch | Josip Osti

Kadarkoli se srečava, se dolgo gledava. …
Ko se nepričakovano srečava na poti,
ki pelje skoz gozd ali vinograd, in tudi
ko se mi v vrtu skoz travo, prepolno
regratovih cvetov, podobnih zvezdam,
bliža gola. Z gibkimi gibi. Popolnoma
neslišno, kot da gre po prstih. V njenih
lepih očeh, iz katerih veje hlad,
najglobljega vodnjaka, vsakič vidim svoje
oči in v njih podvojeno pekoče sonce.
Ne vem, ali tudi ona čuti mojo veliko
željo kot jaz njeno, da bi se vsaj enkrat
strastno poljubila. … Kadarkoli se srečava,
se dolgo gledava. … Tako se konča vsako
moje srečanje s kačo.

© Josip Osti
aus: Veronikin prt
Ljubljana : Študentska založba, 2002
Audio production: Študentska založba

SOOFT WIR UNS SEHEN, SCHAUEN WIR UNS LANGE AN

deutsch

Sooft wir uns sehen, schauen wir uns lange an. ...
Wenn wir uns unerwartet auf dem Weg treffen,
der durch den Wald und Weinberg führt, auch
wenn sie sich mir im Garten durch das Gras, das voll ist
mit Löwenzahn, Sternen ähnlich,
nackt nähert. Mit gelenkigen Bewegungen. Vollkommen
lautlos, als würde sie auf Fingern gehen. In ihren
schönen Augen, aus denen die Kühle
des tiefsten Brunnen weht, sehe ich immer meine
Augen und in ihnen verdoppelt die brennende Sonne.
Ich weiß nicht, ob auch sie meinen großen Wunsch
spürt wie ich ihren, dass wir uns nur einmal
leidenschaftlich küssen würden. ... Sooft wir uns sehen,
schauen wir uns lange an. ... So endet jedes
meiner Treffen mit der Schlange.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk

IKAR

slowenisch | Niko Grafenauer

Cvetenje pen, čeljust neba
in zemlje, sklenjena,
a veter? lahka perutnica
zraka med zobmi, in ptica

pokopana s tišino se ugreza
v snov. sončna obreza
mehkega prostora, davna slika
v duhu? česa se dotika?

a zrenje? v prazen prvi plan
do rezkosti približan dan,
razgrnjeno. v njem vtkana sled

iz volje v čas. v vosku razpet
ptičji napor, prežgani lok
prehoda, težnost temen blok.

© Niko Grafenauer
aus: Štukature
Ljubljana : DZS, 1975
Audio production: Študentska založba

IKARUS

deutsch

Blühen des schaums, kiefer des himmels
und der erde, geschlossen,
doch wind? leichte luftflügel
zwischen den zähnen, und der vogel

mit stille begraben sinkt
in stoff. sonnenschnitte
des weichen raums, vergangenes bild
im geist? wen berührt es?

doch schauen? in das erste leere freie
bis zum scharfen naher tag,
aufgeflogenes. in ihm eingewebte spur

aus willen in zeit. im wachs gekreuzigte
vogelanstrengung, durchsengter bogen
des vergehens, schwarzer block der schwere.

Aus dem Slowenischen von Janko Ferk