Gerhard Falkner 
ÜbersetzerIn

auf Lyrikline: 61 Gedichte übersetzt

aus: ungarisch, hindi, russisch, portugiesisch, spanisch, arabisch, slowenisch, englisch, slowakisch nach: deutsch

Original

Übersetzung

Egy angyal

ungarisch | Peter Zilahy

akkor jön
hallani szárnysuhogását
biztos mozdulatokkal
húzza le a takarót
már tizenkilenc éve
hogy minden éjjel
feldúlja az ágyam
alaposan végigkutat
végül a hátamra ül
és töpreng
rakosgatja hideg lábait
ha megmozdulok elrepül
ha elrepül megmozdulok

© Peter Zilahy
aus: Lepel alatt ugrásra kész szobor (Statue Under A White Sheet Ready To Jump)
Budapest: Pesti Szalon, 1993
Audio production: 2001 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Der Engel

deutsch

erscheint
ich höre das Heranrauschen der Flügel
mit geübtem Griff
schlägt er die Decke zurück
neunzehn Jahre geht es nun schon
daß er jede Nacht
mein Bett zerwühlt
und mich sorgfältig untersucht  
schließlich setzt er sich auf meinen Rücken
grübelt
und ordnet seine kalten Beine
bewege ich mich fliegt er davon
fliegt er davon bewege ich mich

ins Deutsche übertragen von Gerhard Falkner und Orsolya Kalász

© Gerhard Falkner und Orsolya Kalász


alternativ:


Ein Engel


Sie kommt:
ich höre ihre Flügel schlagen.
Mit sicherem Griff zieht sie die Decke weg.
Seit neunzehn Jahren zerwühlt sie mein Bett,
jede Nacht,
durchsucht mich gründlich,
setzt sich auf meinen Rücken,
tritt mit kalten Füßen auf mir herum.
Wenn ich mich bewege fliegt sie davon,
wenn sie davonfliegt bewege ich mich.


Übersetzung ins Deutsche:  Joachim Helfer

© Joachim Helfer


Mintha . . .

ungarisch | Peter Zilahy

abból a csókból nõne ki
e lezárt ajkak nem eresztik
fáj ha hozzáér megszokni hidegét
lenyalni a jeget róla
szemhéja alá bebújni
az utolsó dolog mögé amit látott
ahogy a kacsok közé zuhan
elválasztja a földet az égtõl –
behavazott arcán apró lábnyomok
férgek a deszkában
csecsemõk szõlõszemekben
a fénylõ zúzmarás kertben
halott nõvel egy testben
forgó síkos avarban
ebben az édesszagú lehelletben
ebben a tõrben
ebben a duplafenekû gödörben
mindene megvan
amire jó
fázik szakálla nõ
viszket megvakarják
éhes megetetik
nem fér a bõrébe kitömik

© Peter Zilahy
aus: Lepel alatt ugrásra kész szobor (Statue Under A White Sheet Ready To Jump)
Budapest: Pesti Szalon, 1993
Audio production: 2001 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Gleichsam . . .

deutsch

diesem Kusse wollte er entwachsen
doch die verschlossenen Lippen geben ihn nicht frei
es schmerzt sie zu berühren schmerzt ihre Kälte zu spüren
das Eis von ihnen abzulecken
unter ihre Augenlider zu schlüpfen
zu den Bildern von zuletzt
als er hinstürzt zwischen den Ranken
und den Himmel von der Erde reißt –
winzige Spuren auf dem verschneiten Gesicht
Würmer im Holz
Embryos in Trauben
ein Garten im Rauhreif glitzernd
in einem Körper mit der toten Frau
in glitschig aufgewälztem Laub
in süß duftendem Atem
im Hinterhalt hier
in dieser zweifachen Gruft
hat er alles,
wozu er taugt
er friert – sein Bart wächst
ihn juckt – er wird gekratzt
er ist hungrig – wird gefüttert
er fährt aus der Haut – man stopft ihn aus


ins Deutsche übertragen von Gerhard Falkner und Orsolya Kalász

© Gerhard Falkner und Orsolya Kalász

alternativ:


Als ob ...

er aus diesem Kuß herauswachsen würde
diese versiegelten Lippen lassen ihn nie mehr los,
der Schmerz, zu berühren, sich an ihren Frost zu gewöhnen
das Eis von ihr abzulecken
unter die Lider zu schlüpfen
hinter die letzten Dinge, die sie sah
da er in die Löckchen fällt trennt er die Erde vom Himmel –
winzige Fußstapfen im Schnee auf ihrem Gesicht
Würmer im Holz
Embryo in einer Weinbeere
im glitzernden Rauhreif des Gartens
im selben Körper mit einer Toten
im glitschigen Laub
in diesem süßlichen Mundgeruch
in dieser grundlosen Grube
hat er alles
alles was er verdient
kalt – wächst ihm der Bart
juckig – wird er gekratzt
hungrig – wird er genährt
etwas geht ihm unter die Haut – er ist ausgestopft


Übersetzung ins Deutsche: Joachim Helfer


Montázs

ungarisch | Peter Zilahy

pillangózó krisztus a kereszten
– – – –
csecsemõtrófeák
a szülõszoba folyosóján
– – – –
kifeszített tûzoltópupillákba
zuhanó
ötödik emeleti asszony
– – – –
léggömböt szopogat
egy nagyfejû kisfiú
– – – –
lepel alatt ugrásra kész szobor

© Peter Zilahy
aus: Lepel alatt ugrásra kész szobor (Statue Under A White Sheet Ready To Jump)
Budapest: Pesti Szalon, 1993
Audio production: 2001 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Montage

deutsch

Schmetterlingsstil des Gekreuzigten

_ _ _ _ _ _

Säuglingstrophäen
auf dem Flur des Kreissaales
_ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _

Der Sturz einer Frau aus dem fünften Stock
in die aufgespannten
Pupillen des Feuerwehrmanns
_ _ _ _ _ _ _ _

Ein Junge mit großem Kopf
lutscht an einem Luftballon
_ _ _ _

Die verhüllte Statue setzt zum Sprung an

Ins Deutsche übertragen von Gerhard Falkner und Orsolya Kalász
© Gerhard Falkner und Orsolya Kalász

Zokniban halni meg

ungarisch | Peter Zilahy

zokniban halni meg
mert hideg a padló
bújni langymeleg
rövid zokniba
ott érni véget
oly cél minõt
óhajthat a kegyes

mert börtön a cipõ
és papucsba csusszanni
idõnk kevés
de zokniban halni meg
ez oly otthonos
hajnalban kelni
és húzni
közben halni meg
a szokott mozdulattal
nini most halok meg – mondani
így zokniban
és menni
mintha pohár vízért
innentõl már a halál
és nem zokogni

© Peter Zilahy
aus: Lepel alatt ugrásra kész szobor (Statue Under A White Sheet Ready To Jump)
Budapest: Pesti Szalon, 1993
Audio production: 2001 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

IN SOCKEN STERBEN

deutsch

In Socken sterben
weil der Boden kalt ist
in lauwarme kurze
Socken schlüpfen
und so enden
eine Vollendung  
aufs Innigste wünschend
weil Schuhe beengen
und keine Zeit bleibt
Pantoffeln anzuziehen
in Socken sterben
das ist so häuslich vertraut
frühmorgens aufstehen
sie hochziehen
und sterben
beim gewohnten Handgriff
jetzt sterbe ich - sagen
besockt
und gehen
- wie um ein Glas Wasser –
von dannen
und nicht flennen

Deutsch von Ilma Rakusa

© Ilma Rakusa


alternativ:

In Socken sterben

sterben in Socken
in wunderbar warme
Herrensocken schlüpfen
um nicht kalte Füße zu kriegen
so zu enden
das hieße: Glückseligkeit
der man andächtiglich
zubeten sollte
Schuhe wären zu viel Zwang
und in Pantoffel
zu schlüpfen
ist die Zeit zu knapp
aber in Socken zu sterben
das ist blanker Alltag
aufstehen im Morgengrauen
sie hochziehen
mit der üblichen Handbewegung
und dahinscheiden
sich zu sagen - sieh einer an ich sterbe –
sozusagen in Socken
den Abgang hinlegen
als holte man nur ein Glas Wasser
und in den Tod zu treten
einfach in Socken
und ohne zu beten

ins Deutsche übertragen von Gerhard Falkner und Orsolya Kalász

© Gerhard Falkner und Orsolya Kalász


alternativ:

In Strümpfen sterben
 
In Strümpfen zu sterben
weil der Fußboden kalt ist,
in mollige Socken gehüllt sein, zum Schluß:
Das wäre Erfüllung, sehnlichst erhofft.
Denn Schuhe sind Kerker,
und es bleibt keine Zeit, in Pantoffeln zu
schlüpfen.
In Strümpfen aber stirbt es sich ganz wie zu Hause:
man wacht im Morgengrauen auf,
will sie hochziehen
und stirbt mitten in der vertrauten Bewegung.
Sagt sich: Mensch, jetzt sterb ich in Socken ...
Und tritt, wie um ein Glas Wasser zu holen,
ab in den Tod.
Ohne Klage.


Übertragung ins Deutsche: Joachim Helfer

© Joachim Helfer


Aki el

ungarisch | Peter Zilahy

aki elment többé nincs
többé nem nyom le kilincs
nem szeret nõ nem hal halál
nem rág köröm nem szúr szakáll

hamár elment lelke rajta
nem mer leves nem gyújt gyertya
nem üt vissza nem szül gyerek
nem vár haza nem fõz meleg

meddig tart és miért nem enged
miért szorít belém lehellet
miért tüntet ki értelem
miért szórakoz pont velem

© Peter Zilahy
aus: Lepel alatt ugrásra kész szobor (Statue Under A White Sheet Ready To Jump)
Budapest: Pesti Szalon, 1993
Audio production: 2001 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Wenn man hops geht

deutsch

wer hops ist den gibt’s nie wieder
keine Klinke drückt ihn wieder nieder
keine Frau die ihn liebt oder Tod der ihn stirbt
kein Nagel der ihn kaut oder Bart der ihn verdirbt

wenn man hops ist Seele sei’s drum
kein Docht facht dich an keine Suppe rührt dich um
kein Rückschlag gefällig kein Kind trägt dich aus
nichts Warmes verspeist dich noch wartet ein Zuhaus

wie lang soll das gehn und warum das mir
warum wird ausgerechnet mir der Atem stier
warum beehrt gerade mich soviel Verstand
und hat mit diesem Spiel mich in der Hand

Ins Deutsche übertragen von Gerhard Falkner und Orsolya Kalász
© Gerhard Falkner und Orsolya Kalász

A Halál a Ramblán

ungarisch | János Térey

Hullámzik tér és tenger közt a Rambla,
S kővé dermednek élő szobrai.
A Lányka átlát rajtuk: maskarák,
És ő nem az; most, uzsonnaidőben
Szeretne nem gondolni a kalandra.
   Arcimboldo gyümölcsbe öltözött;
Hegyezi fülét a Rétor szavára
A bronzszínűre mázolt Légiós;   
A Csontváz kerékpáron ül… de csak
Egy sötét akad a szobrok között:
   Csak egynek van csillámporos palástja.
Feltűnően magányos. „Ez az egy
Csúfot űz mindenkivel”, így a Lányka.
Szemben velük, egy vén platán tövében
Che Guevara ügyel a csapatára,
   Havannát rág, szemforgató szakember.
„A szembeszomszéd, az nem érdekel,
De ezt a fekete talapzatot,
Ezt körbejárom”, gondolja a Lányka.
A hullámminta végén ott a tenger.
   Kegyelmet nem, csak haladékot adva,
Ő volt, ki a Lovaggal sakkozott?...
Nem hagyja el a posztját, mint a pincér,
Nem hasznos, mint a hordár, mint a hód.
Hullámzik tér és tenger közt a Rambla.
   „Az rendben van, hogy felnő a szerephez,
De hogy jön ahhoz, hogy Halál legyen,
Akárki is? Milyen megélhetés
Miféle bűne vonzza dobogóra?
Maga dönt róla: zord lesz vagy kegyelmes?”
   Öt lépés távolság: örökszabály,
Ha hirtelen megmoccan egy szobor,
Ha csuklyáját fölhajtva szisszen egyet,
S a megszeppent Lánykának sorsjegyet nyújt
A jókedvű, ezüstarcú Halál.

Audio production: Petőfi Irodalmi Múzeum 2006

Der Tod auf den Ramblas

deutsch

Die Ramblas welln sich zwischen Platz und Meer,
Zu Stein gefrieren seine lebenden Skulpturen.
Das Mädchen schaut durch dieses Maskenspiel.
Zur Vesper ist sie nicht bereit für Abenteuer.
Arcimboldo hat sich in Früchte gekleidet;
Für das Wort des Redners spitzt sein Ohr
Ein mit Bronze bemalter Legionär;
Das Skelett sitzt auf dem Fahrrad …
Doch unter den Skulpturen sieht sie einen nur,
Der dunkel ist. Nur er trägt ein Gewand aus Sternenstaub,
Auffällig einsam. „Dieser eine verspottet alle“,
So das Mädchen.
Gegenüber, unter der alten Platane
Wacht Che Guevara über seine Truppe,
Kaut Havanna, der augenverdrehende Meister.
„Der Nachbar interessiert mich nicht,
Aber diesen schwarzen Sockel
Will ich umrunden“, denkt das Mädchen.
Wo die Pflasterwellen enden, da ist das Meer.
War er das, der mit dem Ritter Schach spielte,
Der nicht Gnade gibt, nur Aufschub? …
Wie ein Kellner bleibt er auf seinem Posten,
Unnütz wie ein Gepäckträger, wie ein Biber.
Die Ramblas wellt sich zwischen Platz und Meer.
„Es ist gut, wenn jemand wächst in seiner Rolle,
Aber wie kommt er dazu, den Tod zu spielen, der Tod zu werden,
Überhaupt irgendjemand? Welche Sünde,
Welche Art, sein Brot zu verdienen, treibt ihn auf diesen Sockel?“
Er entscheidet selbst: Wird er streng oder gnädig?
Fünf Schritte Abstand: Die ewige Regel,
Wenn sich eine Skulptur plötzlich regt,
Wenn er seine Kapuze zurückschlägt, dabei zischt,
Und dem verstörten Mädchen ein Los gibt,
Der gut gelaunte Tod mit dem silbernen Gesicht.

 
Aus dem Ungarischen von Nora Podhaisky und Ralf Meyer



- - - - alternative Übersetzung - - - 


Der Tod auf den Ramblas


Die Ramblas wogen zwischen Platz und Meer,
Die Lebende Statue bewegt sich und gefriert.
Das Mädchen sieht sie: Es sind Maskenspiele,
Doch ihr steht nicht der Sinn nach Maske oder Spiel; zur
Zeit der Vesper
Gibt sie sich nicht für Abenteuer her.
Ein Arcimboldo hat mit Früchten sich bemalt;
Der Legionär in goldner Bronze
Leiht einem Redner Roms sein Ohr;
Auf einem Fahrrad reckt sich ein Skelett...
Doch eine Living doll, die wirklich Finsteres ausstrahlt;
Sie steht im glitzernden Gewand.
Einsam wirkt sie und verloren. »Diese eine
Ahmt und äfft Passanten nach« - auch das Mädchen.
Gegenüber, unter einer alten Platane,
Wacht Che Guevara über seine Truppe, wie gebannt
Kaut er an der Havanna, unser augenrollender Stratege.
»Der Nachbar gegenüber interessiert mich nicht,
Doch diesen schwarzen Sockel, diese Puppe,
Die will ich, denkt das Mädchen, mal umrunden«.
Wo die Pflasterwellen enden, wellen sich des Meeres Wege.
Ist ers, der Gnade nie gewährt, nur Aufschub. Der...
War er es nicht, der mit dem Ritter Schach gespielt?...
Der seinen Posten nie verlässt, wie es ein Kellner tut,
Nicht nützlich ist, wie ein Gepäckträger etwa, oder ein
Biber.
Die Ramblas wogen zwischen Platz und Meer.
»Es ist ja gut, wenn jemand wächst an seiner Rolle,
Aber wie kommt er dazu, der Tod sein zu wollen,
Wer immer er auch sei? Welche Sünde,
Welche Profession treibt ihn auf diesen Sockel?
Maßt er sich an: ob es grausam oder gnädig enden solle?«
Fünf Schritte Mindestabstand: Diese Regel gilt es
einzuhalten,
Falls die Lebende Puppe sich plötzlich bewegt,
Die Kapuze hochhebt und zischt
Und dem verstörten Mädchen ein Los überreicht,
Der Tod, mit einem silbernen Gesicht und seinen
lächelnden Falten.


Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Gerhard Falkner


रात नींद सपने और स्त्री

hindi | Savita Singh

नींद में ही छिपा है
स्त्री होने का स्पर्श
जिसे महसूस करती है रात
और जो छायी रहती है इस पृथ्वी पर
वह इसी स्पर्श की छाया है
जिसके नीचे नींबू के फूल खिलते हैं
चंपा की कलियाँ जन्म लेती हैं

नींद में है कहीं सौंदर्य
जिससे जुड़ी है स्त्री
पनपाती मृत्यु
ग्रसती हिंसक पुरुषार्थ को
गिराती साहसी और बलवान को
राज्य करती फिर एकाग्र भाव सें सब पर

रात में नींद है स्त्री
दिन में सौंदर्य
नींद में जागती है रात
इस रात में देखती है स्त्री
आदिम अनुभूतीयों पर थिरकते
अपने होने का कामुक स्वप्न

© Savita Singh
Audio production: Goethe Institut, 2015

Nacht Schlaf Träume und Frau

deutsch

Verborgen im Schlaf
Dies berührende Gefühl Frau zu sein
Das auch die Nacht verspürt
Den Schatten dieser Berührung
Unter dem die Blüten des Zitronenbaums erblühen
Und die Magnolienknospen sprossen
Es ist verbreitet auf der ganzen Welt

Irgendwo im Schlaf schlummert diese Schönheit
Die man mit der Frau verbindet
Sie lässt den Tod gedeihen
Bezwingt die rohe Männlichkeit
Bringt die Mächtigen und die Gewaltigen zu Fall
Und herrscht schließlich über alle

Bei Nacht ist die Frau der Schlaf
Am Tag aber die Schönheit
Im Schlaf erwacht die Nacht
In dieser Nacht sieht die Frau
Hinabtanzend zu den Gefühlen des Ursprungs
Den erotischen Traum ihres Seins

Ins Deutsche übertragen von Gerhard Falkner
Poets Translating Poets - VERSschmuggel mit Südasien, organisiert vom Goethe Institut in Zusammenarbeit mit der Literaturwerkstatt Berlin, 2015

[С кем бессмертие перезимую]

russisch | Vera Pavlova

*
С кем бессмертие перезимую,
буду оттаивать с кем? Но я
не променяю любовь земную
на вечную, на подземную.
Ещё успею – цветами, глиной,
памятью белоглазой… Но
пока мы смертны, тебе, любимый,
ни в чём не будет отказано.

© Βера Павлова
aus: Вездесь
Mосква: Захаров, 2003
Audio production: 2006, Literaturwerkstatt Berlin

[Mit wem wird ich den Winter der Unsterblichkeit überdauern...]

deutsch

[Version A]

Mit wem werd ich den Winter der Unsterblichkeit überdauern
mit wem wieder auftauen dann? Niemals
tausch ich die irdische Liebe
gegen die ewige, die unterirdische.
Dafür ist später genug Zeit, für Blumen, Erde
totäugiges Gedächtnis…Liebster,
solange wir sterblich sind,
wird es an nichts dir mangeln.

[Version  B]

Wer wollt den Winter der Unsterblichkeit mit mir verbringen
wer nach dem Winter wieder mit mir tauen. Mir geläng es nimmer
zu ewiger, unterirdischer Liebe mich durchzuringen  
vielmehr will ich der ird´schen Liebe Schimmer.
Dafür ist später Zeit für Blumen und für Erde
für die Erinnerung des gebrochnen Auges, denn wisse
so lange wir sterben können, Geliebter, werde
ich dafür sorgen, daß nichts dir misse

Aus dem Russischen übertragen von Gerhard Falkner

कविता का जीवन

hindi | Savita Singh

मुझसे भी जटिल जीवन जियेंगी मेरी कविताएँ
सोयी रहेंगी कोई सौ साल
कोई उससे भी ज्यादा
जागेंगी खोलेंगी आँखे जब
कई-कई बसंत आ और जा चुके होंगे
जाने कितनी ही बार खिल चुके होंगे रातरानी और गुलाब
कितनी ही बार उपकृत हो चुकी होगी पृथ्वी
उनकी अलौकिक सुगंध से
कितने संबंध बन और बिगड चुके होंगे
आ-जा चुके होंगे कितने ही राजा रानी
ध्वस्त हो चुके होंगे उनके राज-पाट

इतने वर्षों के बाद भी मेरी कविताएँ अचंभित नहीं होगी
तब भी उन्हें यह संसार अनुपम ही लगेगा अपनी क्रूरता में
तब भी वे ढूँढेंगी प्रेम और सहिष्णुता ही इस संसार में

© Savita Singh
Audio production: Goethe Institut, 2015

Das Leben der Dichtung / der Gedichte

deutsch

Meine Gedichte werden ein noch komplizierteres Leben führen müssen als ich
Sie werden hundert Jahre geschlafen haben
Manche vielleicht sogar länger
Wenn sie dann die Augen auftun
Werden viele Frühlinge gekommen und gegangen sein
Viele Male werden die „Königin der Nacht“ und die Rose geblüht haben
Viele Male wird die Erde ihrem himmlischen Duft
Dankbarkeit gezollt haben
Viele Beziehungen geknüpft und gescheitert sein
Könige und Königinnen gekommen und gegangen sein
Zerstört ihre Königreiche

Nach so vielen Jahren wird das meine Gedichte nicht überraschen
Auch so wird ihnen die Welt trotz ihrer Grausamkeit einzigartig erscheinen
Also werden sie in dieser Welt Liebe finden wollen und Toleranz

Ins Deutsche übertragen von Gerhard Falkner
Poets Translating Poets - VERSschmuggel mit Südasien, organisiert vom Goethe Institut in Zusammenarbeit mit der Literaturwerkstatt Berlin, 2015

बची हुई जगहें

hindi | Mangalesh Dabral

रोज़ कुछ भूलता कुछ खोता रहता हूँ
चश्मा कहाँ रख दिया है क़लम कहाँ खो गया है
अभी-अभी नीला रंग देखा था वह पता नहीं कहाँ चला गया
चिट्ठियों के जवाब देना क़र्ज़ की किस्तें चुकाना भूल जाता हूँ
दोस्तों को सलाम और विदा कहना याद नहीं रहता
अफ़सोस प्रकट करता हूँ कि मेरे हाथ ऐसे कामों में उलझे रहे
जिनका मेरे दिमाग़ से कोई मेल नहीं था
कभी ऐसा भी हुआ जो कुछ भूला था उसका याद न रहना भूल गया

माँ कहती थी उस जगह जाओ
जहाँ आख़िरी बार तुमने उन्हें देखा उतारा या रखा था
अमूमन मुझे वे चीज़ें फिर से मिल जाती थीं और मैं खुश हो उठता
माँ कहती थी चीज़ें जहाँ होती हैं
अपनी एक जगह बना लेती हैं और वह आसानी से मिटती नहीं
माँ अब नही है सिर्फ़ उसकी जगह बची हुई है

चीज़ें खो जाती हैं लेकिन जगहें बनी रहती हैं 
जीवन भर साथ चलती रहती हैं
हम कहीं और चले जाते हैं अपने घरों लोगों अपने पानी और पेड़ों से दूर
मैं जहां से एक पत्थर की तरह खिसक कर चला आया
उस पहाड़ में भी एक छोटी सी जगह बची होगी
इस बीच मेरा शहर एक विशालकाय बांध के पानी में डूब गया
उसके बदले वैसा ही एक और शहर उठा दिया गया
लेकिन मैंने कहा मेरा शहर अब एक खालीपन है

घटनाएँ विलीन हो जाती हैं
लेकिन जहां वे जगहें बनी रहती हैं जहां वे घटित हुई थीं
जमा होती जाती हैं साथ-साथ चलतीं हैं
याद दिलाती हुईं कि हम क्या भूल गये हैं और हमने क्या खो दिया है।

© Mangalesh Dabral
Audio production: Goethe Institut, 2015

Verbleibende Orte

deutsch

Jeden Tag vergesse oder verliere ich etwas
Wo habe ich meine Brille hingelegt wo ist jetzt wieder mein Stift
Gerade eben war da blaue Farbe und jetzt ist sie weg
Ich vergesse Briefe zu beantworten und die Raten von Krediten zu begleichen
Übersehe es Freunde zu begrüßen oder zu verabschieden
Entschuldige mich dass ich mit den Händen herummache
Während ich mit dem Kopf ganz woanders bin
Vorgekommen ist sogar dass ich mich nicht erinnern konnte was ich vergessen hatte

Mutter sagte immer geh zurück an den Ort
Wo du sie das letzte Mal abgenommen hingelegt oder gesehen hast
Normalerweise fand ich dann meine Sachen wieder und war froh
Mutter sagte immer wo die Dinge sind
Da schaffen sie sich ihren Ort und der verschwindet nicht einfach
Mutter ist nicht mehr da aber der Ort wo sie war ist noch da

Dinge gehen verloren aber ihre Orte bleiben bestehen
Sie begleiten uns das ganze Leben
Wir verlassen unser Zuhause unsere Leute Gewässer und Bäume
Oben auf dem Berg von dem ich wie ein rolling stone herunterrollte
Ist sicher auch ein solcher Ort zurück geblieben
Inzwischen ist meine Stadt versunken im Wasser eines gewaltigen Stausees
Andernorts wurde eine andere Stadt errichtet
Ich aber sage meine Stadt ist nun eine leere Stelle

Vorkommnisse vergehen
Die Orte aber bleiben an denen sie sich ereigneten
Sie sammeln sich begleiten uns
Erinnern uns an das was wir vergessen was wir verloren haben.

Ins Deutsche übertragen von Gerhard Falkner
Poets Translating Poets - VERSschmuggel mit Südasien, organisiert vom Goethe Institut in Zusammenarbeit mit der Literaturwerkstatt Berlin, 2015

पुरानी तस्वीरें

hindi | Mangalesh Dabral

पुरानी तस्वीरों में ऐसा क्या है
जो जब दिख जाती हैं तो मैं गौर से देखने लगता हूँ
क्या वह सिर्फ़ एक चमकीली युवावस्था है
सिर पर घने बाल नाक-नक़्श कुछ कोमल
जिन पर माता-पिता से पैदा होने का आभास बचा हुआ है
आंखें जैसे दूर और भीतर तक देखने की उत्सुकता से भरी हुई
बिना प्रेस किए कपड़े उस दौर के
जब ज़िंदगी ऐसी ही सलवटों में लिपटी हुई थी

इस तस्वीर में मैं हूँ अपने वास्तविक रूप में
एक स्वप्न सरीखा चेहरे पर अपना हृदय लिए हुए
अपने ही जैसे बेफ़िक्र दोस्तों के साथ
एक हल्के बादल की मानिंद जो कहीं से तैरता हुआ आया है
और एक क्षण के लिए एक कोने में टिक गया है
कहीं कोई कठोरता नहीं कोई चतुराई नहीं
आंखों में कोई लालच नहीं

यह तस्वीर सुबह एक नुक्कड़ पर एक ढाबे में चाय पीते समय की है
उसके आसपास की दुनिया भी सरल और मासूम है
चाय के कप, नुक्कड़ और सुबह की ही तरह
ऐसी कितने ही तस्वीरें हैं जिन्हें कभी-कभी दिखलाता भी हूँ
घर आए मेहमानों को

और अब यह क्या है कि मैं अक्सर तस्वीरें खिंचवाने से कतराता हूँ
खींचने वाले से अक्सर कहता हूँ रहने दो
मेरा फोटो अच्छा नहीं आता मैं सतर्क हो जाता हूँ
जैसे एक आइना सामने रख दिया गया हो
सोचता हूँ क्या यह कोई डर है कि मैं पहले जैसा नहीं दिखूंगा
शायद मेरे चेहरे पर झलक उठेंगी इस दुनिया की कठोरताएं
और चतुराइयाँ और लालच
इन दिनों हर तरफ़ ऐसी ही चीजों की तस्वीरें ज़्यादा दिखाई देती हैं
जिनसे लड़ने की कोशिश में
मैं कभी-कभी इन पुरानी तस्वीरों को हथियार की तरह उठाने की सोचता हूँ

© Mangalesh Dabral
Audio production: Goethe Institut, 2015

Alte Fotos

deutsch

Was haben diese alten Fotos bloß an sich
Dass ich sie so gebannt betrachte, wenn sie mir in die Hände fallen
Ist es der Glanz der Jugend
Das dichte Haar, die zarteren Züge
In denen sich die Spur derer erhalten hat, die uns zeugten
Augen voller Neugier, was es weit und tief in der Welt zu erblicken gibt
Die ungebügelte Kleidung von damals
Als das Leben noch in solche Knitterfalten sich hüllte

Dieses Foto zeigt mich wie ich wirklich war
Das Herz wie einen Traum im Gesicht tragend
Umgeben von sorglosen jungen Männern wie ich selbst einer war
Einer leichten Wolke gleichend die von irgendwo herangesegelt
Und einen Augenblick stillsteht
Nirgends die Härte nirgends die Schläue
In den Augen keine Gier

Das hier beim Teetrinken am Morgen in einem Dhaba an der Ecke
Die Welt um uns herum ist einfach und unschuldig
Wie die Teetasse, die Straßenecke oder der Morgen
Es gibt viele solcher Fotos die ich manchmal auch
Den Gästen zeige, die mich besuchen

Wie kommt es nun dass ich heute meide mich fotografieren zu lassen
Dass ich allen sage: lasst es lieber
Die Fotos von mir werden nicht schön ich fange an auf alles zu achten
Als ob man einen Spiegel vor mir aufgestellt hätte
Fürchte ich etwa nicht mehr so auszusehen wie damals
Würde sich in meinem Gesicht die Härte der Welt spiegeln
Die Schläue und die Gier
Überall stößt man heute auf diese Art von Fotos
Dass ich manchmal überlege
Die alten Fotos als Waffe dagegen anzuwenden

Ins Deutsche übertragen von Gerhard Falkner
Poets Translating Poets - VERSschmuggel mit Südasien, organisiert vom Goethe Institut in Zusammenarbeit mit der Literaturwerkstatt Berlin, 2015

ÉJ-HONA

ungarisch | János Lackfi

Virrasztó lámpa világít csak meg szögletnyi geometriát
Feleségem gyermekeim alusznak
Amikor minden nyugszik felhagyhatok-e
                a Mindenről való beszéddel?
Az utcán egy-egy autó tolja maga előtt a fény-taligát
                            fáradt kubikosként
Sűrített paradicsom-konzerv a lakás akár ki se bontsuk
Nyugszanak ők megannyi kulcs becsukatlan zárban
Mi forog ilyenkor a minden érintést levedlett
                    levegős kulcs-fejekben?
Lejátszható e kotta az éj klarinétján?
Körbeforgó gyékény-szövetnek bújkáló szálaiban most
                szalmaszőkén jár-kel a Nap hiánya
Aggódom ki ne nyíljon a hűtőszekrény valahogy borsó-     atomok
Ránk ne eresszék szorosan begombolt hidegük
Messziről az elmosott poharaknak
            elmosódott harangszava közelít
Jaj jó a világ ilyen rövidre zárva jó a kávé-üledék-izü víz is
Bár méz kusza szála rajzolná tovább a pillanatok csigáit
Bár célirányos várakozásban telne a perc mint
        az a három és fél míg megfő a tojás kiázik a filter
Úgy öntöm vödörből az időt mint öblítővizet szokás
            csupa flitter az udvar
Uram én a palack mélyén kuporgó
Uram én az időzített koponyájú
Uram én a mintás legyezőként széttárt lélek
Érzéstelenítve ülök itt asztalodon
            Oly édes a műtét!

© János Lackfi
aus: Elképzelhető
Nagyvilág, 2001

Reich der Nacht

deutsch

Das Licht der wachenden Lampe wie ein geometrischer Kegel
Frau und Kinder schlafen
Wenn alles ruht kann dann nicht endlich dies Gerede
                        über alles auch ruhn?
Auf der Straße ab und zu ein Auto eine Licht-Karre vor sich herschiebend
                        wie ein müder Erdarbeiter
Die Wohnung wie eine Dose Tomatenmark lohnt gar nicht das Aufmachen
Dort schlafen sie wie irgendwelche Schlüssel in unabgeschlossenen Schlössern
Was mag sich abspielen wenn sie sich drehen diese luftigen Schlüssel-Köpfchen
                        die jede Wahrnehmung abgestreift haben?
Ließe eine solche Partitur sich spielen auf der Klarinette der Nacht?
Durch die verborgenen Fasern der kreisgeflochtenen strohblonden Bastdeckchen
                        wandert nun das Fehlen der Sonne
Ich kriege Angst der Kühlschrank könnte sich öffnen und die zugeknöpfte Kälte
Der atomartigen Erbsen würde auf mich niederprasseln
Wie aus der Ferne der verwaschene Glockenklang
                        der Gläser in der Spüle
Ach kurz gesagt die Welt ist gut mindestens so gut wie das nach Kaffeeresten
                        schmeckende Spülwasser
Würden nur die wirren Fäden des Honigs die Schlieren des Augenblicks weiterzeichnen
Würden die Minuten nur verstreichen in diesem zielgerichteten Warten wie jene
                        dreieinhalb bis das Ei gekocht ist bis der Tee gezogen hat
Eimerweise verschütt ich die Zeit als wäre sie Spülwasser
                        der Hof ist voller Flitter
Herr ich der in der Tiefe der Flasche kauernde
Herr ich der mit dem Zeitzünder Geschädelte
Herr ich diese wie ein gemusterter Fächer geöffnete Seele
Betäubt sitze ich auf deinem Tisch
                        wie süß doch diese Operation!

Deutsch von Gerhard Falkner

História Natural

portugiesisch | Horácio Costa

Detrás do taxidermista, há a palha,
detrás do rinoceronte, a savana,
detrás desta escritura só a noite,
a noite que galopa até o fronte.

Na asa da mariposa assoma a lua,
na cabeça do alfinete brilha o sol,
nestas linhas reverbera um sol negro,
o astro que ora sobe no horizonte.

O animal dissecado da sintaxe
provê o verbo, o bastidor e a legenda
duma coleção mais morta que os mortos.

No gabinete de história natural
o visitante-leitor detém-se face
a mamíferos e insetos reluzentes.

© Aldus
aus: Quadragésimo
México: Aldus, 1996
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

Naturkundliche Vitrinen

deutsch

Hinter dem Präparator steht das Stroh,
hinter dem Rhinozeros die Savanne,
hinter der Ecriture nur die Nacht,
die Nacht, die vorwärts stürmt an die Front.


Auf dem Flügel des Nachtfalters erscheint der Mond,
auf dem Kopf der Stecknadel schimmert die Sonne,
auf diesen Zeilen funkelt eine schwarze Sonne,
das Gestirn, das aufscheint an den Horizonten.


Das von seiner grammatikalischen Ordnung gelöste Tier
liefert das Verb, die Kulisse und die Beschriftung
eines Satzes von Exponaten, die toter sind als die Toten.


In den naturgeschichtlichen Kabinetten
stockt dem Besucher und Leser der Atem
vor den Säugern und den leuchtenden Insekten.

Übertragen von: Gerhard Falkner
Versschmuggel, poesiefestival berlin 2012

Cuneiforme

portugiesisch | Hor

Continuo “imerso em mim e
na água dos meus pensamentos”, mas me interessa
mais do que eles esta praia e mais do que ela em si
a presença das três garças pequenas, brancas
e de olhos amarelos e agourentos e talvez
jovens, que por sua vez muito mais me interessam
do que tratar de compreender alguma “jeune parque”
cujos desígnios -não há porque negá-lo e mais a esta altura-
sempre foram para mim para sempre desconhecidos
não: incognoscíveis. Fiai o que quiserdes, na suave companhia
de vossas viscosas irmãs: confesso que vivi entremeado
a tais fibras o que pensei ter querido e o que
vossa caprichosa e parcíssima escolha nelas soube
mais do que sorrateiramente, incognoscivelmente entremeter.
Ainda, e por falar nas palmípedes três,
convenhamos: atraem-me mais os olhares e a alma
que os oito nada discretos cavalheiros que observo
enquanto as observo, desnudos todos frente ao mar,
ao abrigo entre as pedras deste reino naturista,
no Abricó (diga-se o lugar, pois), Recreio dos Bandeirantes,
Rio de Janeiro, Brasil. Hoje
a praia está ampla, o mar turbulento do outono
perde agora em sua cotidiana labuta
contra a areia. Regozijemo-nos.
Os nudistas, sem dúvida, mais do que
as graças, digo, as garças, me interessam:
enquanto observo estas e penso naquelas (Maillol,
volta ao Museu, não me ocupes neste instante),
confiro se alguém há em ereção, ou se algum par
de casuais amantes neste instante se retira da areia
para esconder-se ainda mais entre as grandes pedras
por líquens cobertas e coroadas por bromélias
e por cujos dorsos escorrem suculentas como sêmen
natural, para dedicar-se, ora está óbvio,
a uma não menos natural seção de homo-sexo,
nefanda segundo o vulgo e, aqui, sur mer,
nada, nada surpreendente:
ninguém que proclividade afim não professe
a esta praia vem, e mais num dia de mar-alto
e vento não tépido, frio, e mais: constante.
Somos previsíveis como a presença das garças
que na extensa língua de areia escavam os seus pitéus.
Os meus são esses que se aninham entre as pedras
por um tempo variavelmente curto ou longo
e que menos do que as garças,
que não as graças e suas parcas primas,
me interessam. Há pouco disse o oposto
e agora percebo tal estratégia do dizer,
que como é sabido muito fingem os poetas
e, por que não, também neste inconclusivo texto
(falso: basta de mentiras).

Também nas duas extremidades visuais
há costões ao oceano expostos:
perfazem algo como um enorme anfiteatro
no qual de fato nada acontece: aqui há monólitos
quase a pique e tão gigantescos que a linha da estrada
em sua silhueta desaparece, quando vistos à distância.
Este é o Mar dos Atlantes num cenário deles digno:
aqui poderiam engalfinhar-se em sua guerra. Mas não.
A ele voltei já faz um tempo, e tanto como à dita
“água do meu pensamento” (já não sei o quanto
nela há de verdade ou se a emana caso exista:
água lustral ou mero torvelinho liqüefazente?
E existirá de fato? Em caso positivo,
nela prossigo imerso ou naufragante?).
Há vinte e cinco anos, em Santa Bárbara, em
outro poema, houve falésias, e um convite que jamais
faria de novo a alguém, nem às garças nem às graças,
nem a nenhum sequer amante: já mais. Je vous en jure.
Minha viagem pela matéria hoje é solitária.
Observo
novamente
as ditas garças.

Sobre a areia em trânsito para o mar
ainda me obceca a impermanente escritura cuneiforme
dos tatibitates pèzitos das gratuitas
aves.

© Selo Demônio Negro
aus: Ravenalas
São Paulo: Selo Demônio Negro, 2008
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

Keilschrift

deutsch

Ich bin wie stets in mich versunken
ins Meer meiner Gedanken, aber mehr als dies Meer
beschäftigt mich sein Strand, und mehr als sein Strand
beschäftigen mich die drei kleinen Reiher, weiß
mit gelben, stechenden Augen, Jungvögel
vermutlich, die mich wiederum erheblich mehr beschäftigen
als mein Versuch, irgendeinen dieser „Jungen Parzen“ zu begreifen
deren Absichten, warum sollte ich das leugnen
mir für alle Zeit fremd bleiben werden
ja geradezu unbegreiflich. Glaubet, was ihr wollet, in der reizenden Gesellschaft
eurer fadenspinnenden Schwestern, ich bekenne, dass ich selbst in den Spinnweben
gefangen habe, was ich glaubte zu lieben und was
eure Laune und Geiz mir durchs Hintertürchen
untergeschoben und zuteilwerden ließen
Und da wir gerade von diesen drei flossentragenden Vögeln sprechen
 (na is doch wahr) bekenne ich außerdem: Mich verlockt ein Blick oder eine Seele weit mehr
als diese acht alles andere als keuschen Kavaliere, die ich im Blick habe
während ich die Vögel im Blick habe, alle durch die Bank nackt, alle den Blick aufs Meer
gerichtet, halb verdeckt von den Felsen des FKK Strands von Abricot,
(nennen wir das Kind doch ruhig beim Namen) Recreio dos Bandeirantes
Rio de Janeiro, Brasilien. Heute
ist der Strand richtig breit, das herbstlich aufgewühlte Meer
verliert gerade seinen tagtäglichen Kampf gegen den Sand. Hallelujah!
Die nackten Männer, soviel steht fest, interessieren mich weitaus
mehr als die Grazien, will sagen: die Parzen, will sagen, die grazilen Vögel.
Während ich auf die einen blicke, blickt mein Blick auf die anderen (Monsieur Maillol
bitte mal weghören, von dir ist gerade gar nicht die Rede)
checke ich, ob vielleicht einer einen Ständer hat oder ob ein Paar
lockerer Liebhaber sich gerade aus dem Sand macht
um sich ein bisschen zu verstecken zwischen den großen, von Flechten überzogenen
und von Bromelien gekrönten Felsen, über deren Rücken Sukkulenten
wie natürliches Sperma herabfließen, und sich, ganz offensichtlich,
dem genauso natürlichen Akt des gleichgeschlechtlichen Liebesglücks hinzugeben,
der Volksmeinung zufolge zwar schändlich, aber hier, sur mer,
etwas ganz und gar Unbefremdliches:
Keiner, der mit dieser Art von Sex nichts am Hut hat, begibt sich
an diesen Strand, erst recht nicht bei Flut und einem so wenig milden,
kühl bis kalten, vor allem aber: ununterbrochenen Wind.
Uns aber trifft man hier so todsicher wie die Reiher
die auf der langen Strandzunge nach Leckerbissen fischen.
Meine Leckerbissen eben die, die sich zwischen den Felsen verbergen
mal für kürzer, mal für länger
und die mich viel weniger als die graziösen Vögel,
die weder die Grazien noch die geizenden Parzen sind,
interessieren. Aber gerade eben habe ich doch noch das Gegenteil behauptet?
Mit einem Male verstehe ich die Taktik einer solchen Behauptung,
 wie man ja weiß, Dichter sind Blender
also warum nicht auch hier, in diesem keine Schlüsse ziehenden Text
(Okay, jetzt aber genug der Lügen).

Außerdem bilden die beiden vor uns liegenden Landspitzen der dem Ozean trotzenden Felsküste
so etwas wie ein gigantisches Amphitheater
auf dem sich nun tatsächlich überhaupt nichts abspielt: quasi senkrechte
Massive, die so gigantisch sind, dass die Linie der Straße,
aus der Ferne betrachtet, auf ihrer Oberfläche verschwindet.
Vor uns eine dem Wüten des Titanen Atlas würdige Meereskulisse
vor der sie ihren Kampf noch einmal kämpfen könnten.
Aber lassen wir das!
Schon vor einer ganzen Weile kehrte ich hierher zurück
ebenso wie zum besagtem „Meer meiner Gedanken“
(ich weiß schon nicht mehr, wie viel Wahrheit in ihm steckt oder ob
es die Wahrheit überhaupt gibt, die es verströmt: wie Fruchtwasser
oder einfach nur als zerfließende Strudel?
Ob es dieses Meer überhaupt gibt? Wenn ja,
treibe ich dann versunken in mich oder ertrunken im Meer dahin?)
Vor fünfundzwanzig Jahren in Santa Barbara, in einem
anderen Gedicht, gab es ebenfalls solche Felsen und einen Antrag,
wie ich ihn nie wieder jemand machen würde, weder den graziösen Vögeln, noch den Grazien,
noch irgendeinem Lover: nie wieder. Gosh! Je vous le jure.
Meine Reise durch die Materie ist heute eine einsame.
Mein Blick wandert
erneut
zu den besagten Reihern.

Auf dem Sand vom Strand zum Meer
fasziniert mich weiterhin maßlos die zerrinnende Keilschrift
der planlos umhertapsenden Füße
jener grundlos anwesenden grazilen Vögel.

Übertragen von: Gerhard Falkner
Versschmuggel, poesiefestival berlin 2012

O Retrato de D. Luís de Gôngora

portugiesisch | Horácio Costa

cara de vampiro, nariz boxeado pela vida,
stiffness, teu legendário orgulho desmesurado,
sem ironia ou sorriso a boca nos cantos desce,
não vejo tuas mãos, estarão escrevendo,
estarão manipulando o ábaco da sintaxe,
preocupado te vejo em encontrar tesouros
dormentes, na folha branca brilham larvais,
e já fixos me perfuram teus olhos de esfinge,
que imitam tuas orelhas em leque, teu manteau
absoluto, mole de lã ou veludo, sempre Diretor
dum hospital barroco antes do Grand Renfermement,
para quem posas, cantas o Esgueva do pensamento
dos teus contemporâneos, o radical suspiro da Natureza
em cio profundo, linguagem láctea, campo blau,
e me avalias, por fora Ácis, por dentro Polifemo,
assim é o mundo Dom Luís, para mim estás posando,
pré-kafkiana barata insigne vai de ante em ante-sala,
paciente expõe seu elástico decoro enfático, tanto
tens que suportar, por fora Hyde, por dentro tão menino,
pois és menino e para lá da moldura deste quadro
como os negros falas –é de noite que em pérola
se transforma a banalidade, e tua calva preenche
o céu, cede o vazio, e tua palavra uma berceuse escapa.

© Iluminuras
aus: Satori
São Paulo: Iluminuras, 1989
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2012

Das Porträt des D. Luis de Góngora

deutsch

Vampirgesicht, eine vom Leben verpasste Boxernase,
steifer Charakter, plus legendärer, maßloser Hochmut,
ungebrochen von Ironie oder Lächeln hängen die Mundwinkel herab,
die Hände sieht man nicht, vermutlich schreiben sie,
betätigen die Rechenschieber der Grammatik,
ganz vertieft sehe ich dich schlummernde
Schätze heben, auf dem weißen Blatt erscheinen sie wie Larven,
und durchdringend fixieren mich deine Sphinx-Augen,
um mit deinen aufgesperrten Ohren gleichzuziehen, dein kolossaler  
manteau, aus weicher Wolle oder Samt, ganz der Vorsteher
einer barocken Heilstätte vor dem Grand Renfermement
für wen stehst du hier eigentlich Modell, besingst du den stinkenden Fluss
zeitgenössischen Denkens, das rasende Aufstöhnen der Natur
in höchster Brünstigkeit, die Galaxis der Milchsprache, ein blaues Wappenfeld,
du musterst mich kritisch, außen Akis, innen Polyphem,
aber so ist das Leben, Don Luis, für mich stehst du Modell
eine vorkafkaische, hochbedeutende Kakerlake, die von Vorzimmer- zu Vorzimmer
kriecht, die geduldig ihre belastbare und eindringliche stilistische Kohärenz
unter Beweis stellt, so vieles musst du wegstecken, außen Mr. Hyde, innen noch so sehr Kind,
ja, du bist echt ein Kind, und jenseits dieses Bilderrahmens
sprichst du wie die Neger – nachts, bei Dunkelheit, verwandelt sich deine Naivität
in eine Kostbarkeit, und deine kahle Stirn umfasst
den ganzen Himmel, die Leere tritt zurück, und deine Worte werden Wiegenlied.

Übertragen von: Gerhard Falkner
Versschmuggel, poesiefestival berlin 2012

[No hay hilo que descifre]

spanisch | Clara Janés

No hay hilo que descifre
el laberinto del mar,
que no es trayecto el mar;
que esbozo es de lo invisible el mar,
condensaciones, tendencias;
que siempre es pasado el mar,
origen, materia madre,
sin forma, sin sombra, el mar;
que es deseo puro el mar,
pura posibilidad.

© Clara Janés
aus: La indetenible quietud
Madrid
Audio production: 2002, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

[Da ist kein Faden]

deutsch

Da ist kein Faden
der des Meeres Labyrinth entschlüsselt
da ist kein Weg im Meer;
da ist nur Meer als ein Entwurf des Unsichtbaren,
Verdichtungen, Strebungen;
da ist das Meer nur, was es immer war,
Ursprung, Urstoff,
ohne Gestalt, ohne Schatten, das Meer;
denn das Meer ist nichts als Verlangen,
und nichts als Möglichkeit.

Auf der Grundlage von Interlinearübersetzungen aus dem Spanischen übertragen von Gerhard Falkner

[Las nubes ceden a estrellas]

spanisch | Clara Janés

Las nubes ceden a estrellas,
las estrellas forman fuegos,
los fuegos incendian nubes
y por los espacios giran
discos y planos y esferas
en espirales ascensos,
desapariciones súbitas,
caídas y retrocesos,
sonámbulas simetrías,
urentes círculos tensos
por un radio indetenible.
Los fuegos incendian nubes,
las nubes ceden a estrellas,
las estrellas forman fuegos.

© Clara Janés
aus: La indetenible quietud
Madrid
Audio production: 2002, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

[Wolken weichen Sternen]

deutsch

Wolken weichen Sternen,
Sterne schlagen Funken,
Feuer zünden Wolken,
durch Räume kreisen
Scheiben Flächen kreisen Sphären
in steigenden Spiralen,
jähen Untergängen,
Stürzen und Rückstürzen,
somnambulen Symmetrien,
brennenden Kreisen, ausgespannt
von unaufhaltsamen Radien.
Feuer zünden Wolken,
Wolken weichen Sternen,
Sterne schlagen Funken.

Auf der Grundlage von Interlinearübersetzungen aus dem Spanischen übertragen von Gerhard Falkner

[Exfoliaciones, maclas, drusas]

spanisch | Clara Janés

Exfoliaciones, maclas, drusas,
facetas, estratos, sinclinales,
fractales, nervaduras, umbelas,
esporas, anteras, dehiscencia,
lluvia, irisación, irradiación,
succión, ligereza, gravedad,
invertebrada opacidad de la muerte,
frecuencia del fuego en el pulso ansioso,
espiral abierta del espacio insomne,
remolinos del tiempo
en pos del anillo invisible
                                        de la noche.

© Clara Janés
aus: La indetenible quietud
Madrid
Audio production: 2002, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

[Abblätterungen, Zwillingskristalle, Drusen]

deutsch

Abblätterungen, Zwillingskristalle, Drusen,
Facetten, Schichten, Synklinalen,
Fraktale, Blattgerippe, Blumendolden,
Sporen, Staubbeutel, aufspringende Samenkapseln,
Regen, Irisieren, Strahlen,
Sog, Leichtigkeit, Schwere,
rückgratlose Finsternis des Todes,
Feuerfrequenz im begierigen Puls,
offene Spirale des schlaflosen Raums,
Wirbel der Zeit
auf der Suche nach dem unsichtbaren Ring
der Nacht.

Auf der Grundlage von Interlinearübersetzungen aus dem Spanischen übertragen von Gerhard Falkner

[El eco de los astros]

spanisch | Clara Janés

El eco de los astros
mece el mar de los sentidos.
En su melado cáliz
recoge el sueño del espacio
la rosa del corazón.
El trasluz del sonido
deshace en luz su pulso mortal
y despliega a los orbes su clausura
en pos del instante suspenso:
el vacío emboscado
en el negro oleaje de la noche
o el alma que sostiene el universo.

© Clara Janés
aus: La indetenible quietud
Madrid
Audio production: 2002, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

[In ihren Armen wiegen Sternenechos]

deutsch

In ihren Armen wiegen Sternenechos
ein Meer der Sinne.
In ihren Honigkelchen sammelt
die Rose des Herzens
Träume des Raums.
Der durchschimmernde Klang
zerlegt das Licht in seinen tödlichen Pulsschlag
und öffnet dem Erdkreis seine verschlossenen Räume
in der Schwebe des Augenblick:
lauernde Leere
schwarzer Wellengang der Nacht
oder die Seele, auf die das All sich stützt.

Auf der Grundlage von Interlinearübersetzungen aus dem Spanischen übertragen von Gerhard Falkner

[El alba sopla pétalos de luz]

spanisch | Clara Janés

El alba sopla pétalos de luz.
Vibra el vacío
en invisible movimiento
e invita a orientación.
El secreto del silencio
revela su ser secreto:
la quietud sin fondo
del amor.

© Clara Janés
aus: La indetenible quietud
Madrid
Audio production: 2002, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

[Der Morgen zerstreut Blüten des Lichts]

deutsch

Der Morgen zerstreut Blüten des Lichts.
unsichtbar
vibriert Leere
und ermutigt, sich zu orientieren.
Das Geheimnis der Stille
offenbart seine Wurzeln:
die bodenlose Ruhe nämlich
der Liebe.

Auf der Grundlage von Interlinearübersetzungen aus dem Spanischen übertragen von Gerhard Falkner

[Desmiente el agua lisa]

spanisch | Clara Janés

Desmiente el agua lisa
la caída del cuerpo
que fue trayecto
y ahora es beso sostenido
por la fuerza de la oscuridad.

© Clara Janés
aus: La indetenible quietud
Madrid
Audio production: 2002, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

[Es leugnet das reglose Wasser]

deutsch

Es leugnet das reglose Wasser
den Einsturz des Körpers,
der, eben noch Flug
nun Kuß ist,
aufgefangen von der Macht des Dunkels.

Auf der Grundlage von Interlinearübersetzungen aus dem Spanischen übertragen von Gerhard Falkner

[Desasosiego del signo]

spanisch | Clara Janés

Desasosiego del signo.
El viento obliga a la danza,
las hojas secas
dibujan campos cambiantes,
traslaciones y trascabos, dudas.
El aire dilacerado
incita hasta al tímido latido,
y el Ser, que no puede dar el salto...
Fluctúan los cielos,
la sombra de una nube
se desliza por el corazón.

© Clara Janés
aus: La indetenible quietud
Madrid
Audio production: 2002, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

[Unstetheit des Zeichens]

deutsch

Unstetheit des Zeichens.
Der Wind läßt tanzen,
ordnet das Laub der Blätter
zu wechselnden Feldern,
Umlaufbahnen und Stolperstellen, Zweifel.
Die aufgewühlte Luft
läßt selbst den zaudernden Puls höher schlagen,
jenes Sein, das den Sprung nicht schafft ...
Der Himmel schwingt,
der Schatten einer Wolke
schwebt durchs Herz.

Auf der Grundlage von Interlinearübersetzungen aus dem Spanischen übertragen von Gerhard Falkner

[Corre la luz]

spanisch | Clara Janés

Corre la luz
y por ello fugaces son
la imagen y el momento
y hasta el árbol
que su destello bebe,
se entrega a la danza
entre el ser y el no ser
y en su candor
al incendio se abandona.
Sólo la helada apacigua
el torbellino de las hojas.

© Clara Janés
aus: La indetenible quietud
Madrid
Audio production: 2002, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

[Rasch gleitet das Licht]

deutsch

Rasch gleitet das Licht,
daher sind flüchtig
das Bild und der Augenblick
selbst der Baum,
der dies Leuchten trinkt,
der sich hingibt diesem Wirbeln
zwischen Sein und Nichtsein
überläßt in aller Unschuld
sich seinem Feuer.
Der Frost erst besänftigt
das Lodern der Blätter.

Auf der Grundlage von Interlinearübersetzungen aus dem Spanischen übertragen von Gerhard Falkner

[Aligera el horizonte]

spanisch | Clara Janés

Aligera el horizonte
la luz oscura
hasta el punto
en que, privada de tiempo,
se desvanece la música.

© Clara Janés
aus: La indetenible quietud
Madrid
Audio production: 2002, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

[Der Horizont lindert]

deutsch

Der Horizont lindert
das dunkle Licht,
so sehr, daß,
fortan außerhalb von Zeit
 Musik verdämmert.

Auf der Grundlage von Interlinearübersetzungen aus dem Spanischen übertragen von Gerhard Falkner

[Agoniza la línea con el día]
& [Cuanto la piedra calla]

spanisch | Clara Janés

Agoniza la línea con el día
y entra en el negro,
en el infinito colapso del secreto.
 

Cuanto la piedra calla
descubre la luz:
su corazón carnal,
terso bocado
para el deseo oculto de la oquedad,
para los labios ávidos del espacio,
el sorbo del infinito.







© Clara Janés
aus: La indetenible quietud
Madrid
Audio production: 2002, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

[Mit dem Tag verdämmert der Strich]

deutsch

Mit dem Tag verdämmert der Strich
verliert sich im Schwarz,
im unaufhörlichen Kolaps der Geheimnisse.

Auf der Grundlage von Interlinearübersetzungen aus dem Spanischen übertragen von Gerhard Falkner

خارج الأزمنة

arabisch | Ali Al-Sharqawi

أيها الصبح يا عرق المدخنة
أيها الصبح
قم
و تنفس دما في خلاياي
تلك التي نرتدي الأمكنة
إنني بك يا واحدي
زمنٌ
خارج عن مدى سطوة الأزمنة
 

في الصمت الصاخب
 
شحاذون بين سواحل المعنى / لهم وجه الصدى
 و عمامة الأحجار/ ينتشرون في دمنا / أيادٍ
 في أصابعها عيون حضارة الاسمنت ~ ~ ~ ~ ~~ ~ ~ ~
~ ~ ~ ~ ~~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~~ ~ ~ ~
 يا صمتا نما في مرطبان الصمت ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
من أي الشواطئ ينبع المزحوم باللوتس ؟

© Ali Al-Sharqawi
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

Entrücktheit

deutsch

O Morgen, dich mit aller Kraft dem Ruß
dem schwarzen Qualm der Nacht entringend
O Morgen
Erhebe dich
Dringe mit deinem Atem in jede meiner Zellen
Zellen, die der Ort sind für die Orte, die sie tragen
Wie man Kleider trägt
Durch dich bin ich, Du mein einziger Einzigster
eine Zeit
an die der Arm der Zeit nicht heranreicht


In der lärmenden / brausenden Stille


Bettler sind sie zwischen den Ebenen der Bedeutung sind sie / sie haben das Gesicht
des Echos haben sie und tragen den Turban der Steine den Turban/ sie breiten sich aus in uns und im Blut in uns / an der Hand / und in den Händen / Händen
Vorne an ihren Fingern öffnen sich die Augen des Betonzeitalters------

Du Stille, die du gereift bist im Marmeladenglas der Stille
An welchem Strand sprudelt der vom Lotus Erfüllte?

Deutsche Fassung von Gerhard Falkner.
Die Übersetzung entstand im Rahmen des Übersetzungsworkshops Versschmuggel. Eine Karawane der Poesie.

تحولات

arabisch | Ali Al-Sharqawi

و يرتجف الانتشاء
كقبلةِ غيمٍ يلامس حلمة عشب الكلام
يؤول إحساسنا برهافة صمتٍ
يشدُّ الظلام بضرس الفضاء
يحوّلنا
لغةً لغوامضها لهجة الكيمياء
 

أسوار
 منفلت الحروف كساق بنت الرعد   ~ ~ ~ ~ ~
 ابني في الجدار حوار مشتعلين بالفحم القديم
 و جبهة الأحناف ~ ~ ~ ~ ~ اكتب في الشواطئ سورة
الأصداف ~ ~ ~ ~ كنت ضفاف من جاءوا إلى شفتي ~ ~ ~ ~
 و من سكنوا معي في الروح  عاشوا في سماء ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ لاقة الامواه
 بين اللحن في عيني و بين القاف  ~ ~ ~

© Ali Al-Sharqawi
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

Metamorphosen

deutsch

Die Berauschtheit berauscht sich am Rausch
als berührte der Kuss einer Wolke die zitternde Brust des Grases
und deutet unsere Empfindung mit dem Zartgefühl der Stille
bis endlich wie mit dem Reißzahn
die endlose Weite das Dunkel packt und uns verwandelt
in eine Sprache, deren Geheimnisse bestimmt sind von einer rätselhaften Chemie.


Mauern


Aus Worten, so unverbunden wie der Wüstentrüffel mit der Wüste -
entfache ich in den Mauern ein Zwiegespräch zwischen den glühenden Fürsprechern der
Holzkohle und ihren Widersachern, den Hanafiten - in den Sand
schreibe ich die Sure der Muscheln - Zuflucht war ich für solche, die gleichen Geistes
waren - und wer gleichen Geistes mit mir war, der lebte im Himmel - die b. ziehung
liegt zwischen der Melodie in meinem Auge und dem g. fängnis.

Deutsche Fassung von Gerhard Falkner.
Die Übersetzung entstand im Rahmen des Übersetzungsworkshops Versschmuggel. Eine Karawane der Poesie.

الأزرق

arabisch | Ali Al-Sharqawi

يعكس حنجرتي
حين تنط الموجة من جلد الأفعى
أو حين يجيء القرش الفاره بالحب
ليغفو فوق ذراع قناديل الدهشة
في ليل يشبه صمت الصبح
إلى ما لا يفهمه الأزرق أسعى
 

هكذا
~ ~ ~ ~ ~   ~ ~ ~ ~ ~
اسماكٌ تأتي للبحر واسماكٌ تذهب ~~ ~ ~ ~
والتيه السيّد منذ القرن السادس قبل الميلاد/~ ~ ~ ~ ~
يرمي سهم القول  و يتبعه  قد يسقط في  حفر المعنى  قد يتورط في عزف نشاز الحكمة
  ~ ~ ~ ~ ~قد يقتله المصرف ~ ~ ~ ~ ~ شاهقةٌ وقلبي راهب
مكسورة عيناه في التحديق نحو ~ ~ ~ ~ ~ كواكب الأموات. ادخل في نحاس
 الريح
 ~ ~ ~ ~  ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~

© Ali Al-Sharqawi
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

Das Blau

deutsch

(des Meeres) wirft meine Worte zurück
wenn es der Welt unter der Haut kribbelt
wenn der Haifisch, im Liebesübermut, die Wellen durchschnellt
um überwältigt zu ruhen in den Armen der Leuchtquallen
in einer Nacht, die so still ist wie die Stille des Morgens
ich aber sehne mich nach dem, was weit über das Blau
(des Meeres) hinausgeht


Also ich meine folgendes:


die Fische im Meer kommen und gehen-----
seit dem 6. Jahrhundert vor Chr. herrscht nichts als Verirrung---
der Pfeil des Wortes fliegt dahin und landet in den Fallen
der Bedeutung, verheddert sich im Getändel vermeintlichen Wissens---
zerbricht am Mammon --- hoch aufragend aber (das Schiff), und mein Herz
ein Mönch, dessen Augen gebrochen sind vom Starren ins--- Planetenreich der
Toten. Ich trete ein ins Messing des Windes.

Deutsche Fassung von Gerhard Falkner.
Die Übersetzung entstand im Rahmen des Übersetzungsworkshops Versschmuggel. Eine Karawane der Poesie.

[ربما موجةٌ من كلام القناديل]

arabisch | Ali Al-Sharqawi

ربما موجةٌ من كلام القناديل
 ترمي جدائلها فوق زنديك
مثل الحدائق في الصحو
 تسقيك خمر قراءة ثلج الضلوع
و تشرب من شفتيك براءة لحنٍ
يشكّل غصن الفضاء

© Ali Al-Sharqawi
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

Wellen von Worten wachsen lassen

deutsch

Gleich einer Welle von Worten lassen
die Lampen ihr Haar wachsen auf deine Schultern
fast wie erwachende Gärten fast wie
fällt aus den Lampen gleich einer Welle von Worten
auf deine Schultern ihr Haar
sie, die dir den Wein reicht
sie reicht dir den Wein der Erkenntnis, den Wein des
Begreifens, die Rippe wird kalt, sie erkaltet
sie trinkt, trinkt sie von deinen Lippen, deiner Lippe, die unschuldige
die reine Melodie, die wie ein Ast
in die Unendlichkeit ragt

Deutsche Fassung von Gerhard Falkner.
Die Übersetzung entstand im Rahmen des Übersetzungsworkshops Versschmuggel. Eine Karawane der Poesie.

[притвориться пьяной]

russisch | Vera Pavlova

*
притвориться пьяной
чтобы притворяться
притвориться глупой
чтоб сказать люблю
притвориться старой
чтоб не притворяться
притвориться мёртвой
притворясь что сплю

© Βера Павлова
aus: Вездесь
Mосква: Захаров, 2003
Audio production: 2006, Literaturwerkstatt Berlin

[Mich betrunken stellen...]

deutsch

[Version A]

Mich betrunken stellen
um mich anzukuscheln
mich bescheuert stellen
um ich liebe dich zu sagen
dir was vormachen
um mich nicht zu verstellen
so tun, als wäre ich tot
indem ich mich schlafend stelle

[Version B]

Ich tu so, als wär ich betrunken,
nur um mich an dich zu schmiegen-
ich tu, als wär ich nicht recht bei Verstand,
nur um „ich liebe dich“ über die Lippen zu kriegen-
ich tu so, als wäre ich alt,
nur um dir nichts vorzulügen-
ich tu so, als wäre ich tot,
nur um mich heimlich im Schlaf zu wiegen.

Aus dem Russischen übertragen von Gerhard Falkner

[презираешь женщину за то]

russisch | Vera Pavlova

*
презираешь женщину за то
что она одета слишком ярко
убиваешь женщину за то
что не можешь сделать ей подарка
проклинаешь женщину за то
что не ты во гроб её положишь
забываешь женщину за то
что никак забыть её не можешь

© Βера Павлова
aus: Вездесь
Mосква: Захаров, 2003
Audio production: 2006, Literaturwerkstatt Berlin

[Eine Frau, die schrill sich kleidet...]

deutsch

[Version A]

Eine Frau, die schrill sich kleidet,
verachtest du
eine Frau, für die du dir kein Geschenk leisten kannst,
ermordest du
eine Frau, die du nicht ins Grab bringen kannst,
verfluchst du
eine Frau, die dir nicht aus dem Kopf geht,
vergißt du

[Version B]

Eine Frau, die etwas verrückt sich kleidet
verachtest du
eine Frau, für die dir kein Geschenk bereit steht
ermordest du
eine Frau, die du nicht bis ans Grab geleitet
verfluchst du
eine Frau, die Unvergeßlichkeit sich erstreitet
vergisst du

Aus dem Russischen übertragen von Gerhard Falkner

[брошена]

russisch | Vera Pavlova

*
брошена
падать
с такой
высоты
так
долго
что
пожалуй
я
успею
научиться
летать

© Βера Павлова
aus: Вездесь
Mосква: Захаров, 2003
Audio production: 2006, Literaturwerkstatt Berlin

[Fallen gelassen...]

deutsch

[Version A]

Fallen
gelassen
zu werden
aus solcher
Höhe
läßt mir
wahrscheinlich
genug Zeit
fliegen
zu lernen

[Version B]

Aus solcher Höhe
fallen gelassen
fallen
zu müssen
wird heißen
so lange
zu fallen
daß mir vermutlich
die Zeit reicht
fliegen
zu lernen

Aus dem Russischen übertragen von Gerhard Falkner

[Убежать с тобой? Рада бы!]

russisch | Vera Pavlova

*
Убежать с тобой? Рада бы!
Разделить с тобой кров и путь?
Проще распрямить радугу,
млечный путь дугою согнуть,
накормить детей песнями,
победить в кавказской войне…
Разлюбить тебя? Если бы!
Проще строить дом на волне.

© Βера Павлова
aus: Вездесь
Mосква: Захаров, 2003
Audio production: 2006, Literaturwerkstatt Berlin

[Mit dir durchbrennen?]

deutsch

[Version A]

Mit dir durchbrennen? Das wäre schön.
Mit dir unter einem Dach leben und deinen Weg teilen?
Es wäre leichter, den Regenbogen gerade zu biegen
die Milchstraße zu krümmen.
Kinder mit Liedern satt zu bekommen
oder den Krieg im Kaukasus zu gewinnen…
Aber aufhören dich zu lieben? Schön wär´s!
Es wäre leichter, ein Haus zu errichten auf einer Welle.

[Version  B]

Durchbrennen mit dir? Aber mit Vergnügen.
Mit dir zu wohnen aber und immer bei dir zu liegen
Da wär´s wohl leichter die Galaxis rund zu fügen
den Regenbogen gerade zu biegen
Kinder mit Liedern satt zu kriegen
oder im Krieg im Kaukasus zu siegen.
Aufhören dich zu lieben, auf dich verzichten?
Da wär´s wohl leichter, auf einer Welle ein Haus zu errichten.

Aus dem Russischen übertragen von Gerhard Falkner

[Тихо, как на войне]

russisch | Vera Pavlova

*
Тихо, как на войне.
Лежу на спине, одна,
и чувствую, как во мне
умирают твои семена,
их страх, их желанье жить…
Я, кажется, не потяну
столько смертей носить,
вынашивая одну.

© Βера Павлова
aus: Вездесь
Mосква: Захаров , 2003
Audio production: 2006, Literaturwerkstatt Berlin

[Es ist still wie im Krieg...]

deutsch

[Version A]

Es ist still wie im Krieg.
Ich liege auf dem Rücken, allein,
und fühle, wie in mir
deine Spermien sterben
fühl ihre Angst, ihren Willen zu leben..
Ich glaub, ich schaff das nicht,
so viele Tode ( in mir ) zu tragen
und einen einzigen nur auszutragen
 


[Version B]

Es ist eine Stille wie im Krieg,
und ich fühl wie ein Verderben,
während ich allein und auf dem Rücken lieg,
deine Samenzellen in mir sterben,
fühl ihre Angst, ihren Willen zu leben,
fühl meine Angst, es kaum zu ertragen,
so vielen in mir den Tod zu geben,
um nur eine am Ende auszutragen.

Aus dem Russischen übertragen von Gerhard Falkner

[О детский страх потери]

russisch | Vera Pavlova

*
О детский страх потери,
с которым первоклашка
на ленте ключ нательный
под платьем, под рубашкой
нащупывает: вот он!
И к сердцу прижимает,
потому что папа с мамой ушли на работу.
Вернутся ли? Кто знает…

© Βера Павлова
aus: Вездесь
Mосква: Захаров, 2003
Audio production: 2006, Literaturwerkstatt Berlin

[Aus lauter Angst, ihn zu verlieren...]

deutsch

Aus lauter Angst, ihn zu verlieren
fassen sie in der ersten Klasse
nach dem Bändchen, um den Schlüssel zu spüren
sie unter´s Kleidchen, er unters Hemd
da endlich wird er auf der Haut ertastet
und ans Herz gepresst
denn Mama und Papa sind zur Arbeit fort
und ob sie wiederkommen? Wer weiß…

Aus dem Russischen übertragen von Gerhard Falkner

[Не надо смотреть, но смотрю]

russisch | Vera Pavlova

*
Не надо смотреть, но смотрю
на нищего, копающегося в помойке,
на геев, целующихся на скамейке,
на алканавта в окровавленной майке,
на висюльку старика, ждущего струйки –
не надо смотреть. Но смотрю.

© Βера Павлова
aus: Вездесь
Mосква: Захаров, 2003
Audio production: 2006, Literaturwerkstatt Berlin

[Man soll ja nicht hinschaun...]

deutsch

[Version A]

Man soll ja nicht hinschaun, ich schau aber hin
zu dem Penner, der im Abfall wühlt
zu den Schwulen, die auf einer Bank knutschen
zu dem Alki mit blutverschmiertem T-Shirt
auf den Pimmel des Alten, der auf seinen Strahl wartet
man soll ja nicht hinschaun, ich schau aber hin

[Version B]

Man soll ja wegschaun, aber ich schau hin
ich seh den Penner dort im Abfall wühlen
die Schwulen, die auf einer Bank sich knutschend unterkühlen
die Alkis, die das Blut ins T-shirt sickern fühlen
den Bammelmann des Alten, der versucht, die Pisse auszuspülen
Man soll ja wegschaun, aber ich schau hin

Aus dem Russischen übertragen von Gerhard Falkner

[Линия – размазанная точка]

russisch | Vera Pavlova

*
Линия – размазанная точка.
Точка – та же линия в разрезе.
Точность точечна. Конечна строчка –
много просится, да мало влезет.
Много спросится – гораздо больше,
чем казалось верности и чести.
Бочка в море. В бочке почтальонша.
В сумке телеграмма о приезде.

© Βера Павлова
aus: Вездесь
Mосква: Захаров, 2003
Audio production: 2006, Literaturwerkstatt Berlin

[Die Linie ist ein verwischter Punkt...]

deutsch

[Version A]

Die Linie ist ein verwischter Punkt.
Der Punkt der Querschnitt dieser Linie.
Die Genauigkeit zielt auf einen ganz bestimmten Punkt. Jede Zeile
endet, vieles drängt sich auf, wenig ist unterzubringen.
Viel wird von einem erwartet, viel mehr
als Treu und Ehr gebieten.
Ein Faß auf dem Meer. Im Faß eine Postbotin.
In der Tasche ein Telegramm mit der Nachricht: ich komme.

[Version B]

Die Linie ist ein verschmierter Punkt.
Der Punkt der Querschnitt der verschmierten Linie.
Exaktheit zielt auf einen ganz bestimmten Punkt. Jede Zeile
endet. Viel drängt sich auf, doch wenig fügt sich allerweile.  
So viel wird einem abverlangt, viel mehr
als dies erfordern würden Treu und Ehr.
Eine Postbotin. In einem Faß auf dem Meer.
In der Tasche ein Telegramm, mit der Nachricht, es kommt irgendwer.

Aus dem Russischen übertragen von Gerhard Falkner

[Выплакать все ресницы]

russisch | Vera Pavlova

*
Выплакать все ресницы,
ноздри, щёки,
только бы не садиться
за уроки.
Кажется слишком жидкой
панацея.
Чем нежнее ошибка,
тем грубее,
Тем вульгарней расплата.
Несомненно,
я сама виновата
в том, что смертна.

© Βера Павлова
aus: Вездесь
Mосква: Захаров, 2003
Audio production: 2006, Literaturwerkstatt Berlin

[Sich die Wimpern ausweinen...]

deutsch

[Version A]

Sich die Wimpern ausweinen,
die Nasenflügel, die Wangen
nur sich nicht auf den Hosenboden setzen
und seine Hausaufgaben machen
Das Allheilmittel
ist wahrscheinlich zu verdünnt.
Die feinsten Fehler
haben oft die gröbsten Folgen
sie hat man am schlimmsten zu büßen.
Und daran,
daß ich sterben muß,
bin ich schließlich selber schuld.

[Version B]

Ich wein mir alle
                           Wimpern aus
die Nasenflügel  
                           und die Wangen
statt mich endlich
                           auf den Arsch zu setzen
und zu lernen
                           anzufangen
das Wundermittel
                           ist zu sehr verwässert
der feinste Fehler muß
                          vor gröbsten Folgen bangen
und wird durch Büßen nur gebessert
                          und daß ich sterben muß
ist schließlich meine Schuld- und mein Verdruß.

Aus dem Russischen übertragen von Gerhard Falkner

يا ثلج الاسكيمو

arabisch | Ali Al-Sharqawi

في الهملايا
حيث النساك يعيدون صياغة هندسة الكون
بذبذبة الصمت
إلى بوذا قلت :
لنهطل في كريات الكنج
و نصعد فوق فضاء القارات
أيادينا مطرٌ
و مراجعنا قمرٌ شمسي الرؤيا
يسكن في غرف الذات .

© Ali Al-Sharqawi
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

Schnee o Schnee o der Eskimos

deutsch

Im Himalaja
wo die Mönche aus dem Klang der Stille
die neuen Gebäude des Seins errichten
sagte ich zu Buddha:
lass uns fallen wie einen Tropfen des Ganges
und aufsteigen in die Weite über den Kontinenten
unsere herabregnenden Hände werden eine Wohltat sein und ein Segen
unsere Zuflucht ein Mond, der die Welt
mit den Augen der Sonne betrachtet
und der seinen Sitz hat in uns selbst

Deutsche Fassung von Gerhard Falkner.
Die Übersetzung entstand im Rahmen des Übersetzungsworkshops Versschmuggel. Eine Karawane der Poesie.

ولادة الطريق

arabisch | Ali Al-Sharqawi

السماء مبقعةٌ بغناء النوارس
والبحر أرجوحة للمراقين على ضفة الحلم
يا أيها الأفق
افتح ربيع الإضاءة
دعنا نهيم هنا
نتدالق في الجهتين المراهقتين
كهجرة نصٍ يعيد صياغة أطرافه
بدم اللغة القابلة
 
 

نائمةٌ هي السفينة

كعشبٍ في كتاب الريح شاهقةٌ ~ ~ ~  و حولك تركض  في الشوارع جثة الإنحاء،
 ~ ~ ~ ~فـي زي القبائل  أو غبار التيه  في قلقٍ يسامرك التراب الطفل ~ ~ ~
   في ماءٍ يرافقك الظلام إلى كلام البحر  هل بحرٌ ينام الآن دون شكيمة الأملاح؟~ ~ ~  هل
ملحٌ يجرّدُ وردة الخدين من غصنٍ تسلّق  مومياء الأمس ؟ شاهقةٌ كأن معادن القصدير
~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~   

© Ali Al-Sharqawi
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

Geburt des Weges

deutsch

Der Himmel ist getupft mit dem Schrei der Möwen
das Meer wiegt die ans Land des Traums Gespülten
O Horizont
öffne dein Licht dem Frühling
lass uns in unseren jungen Tagen herumtollen und ausschweifen
dass einer den andern bespritzt mit Wasser und so
lass uns Verbreitung finden wie einen Text, dessen Ende stets von Neuem beginnt
wenn eine noch mal andere Sprache ihn wieder zur Welt bringt


Altes Schiff


aufragend, wie Schilf im Buch des Windes - um dich herum, du Wrack, tummeln sich die
Leichen sämtlicher Couleurs - in Stammestracht oder sonst wie zurückgeblieben,

endlos rieselnd redet der sorglose Sand auf dich ein - im Wasser führt dich

die Dunkelheit in das Geraune des Meeres. Schläft ein. Kann ein Meer denn schlafen

ohne die Kraft des Salzes? Kann Salz die Blüte der Wangen pflücken von einem

abgestorbenen Ast, der aus einem verknöcherten Gestern ragt? Aufragend wie Zinn

Deutsche Fassung von Gerhard Falkner.
Die Übersetzung entstand im Rahmen des Übersetzungsworkshops Versschmuggel. Eine Karawane der Poesie.

ما لا يتفهرس

arabisch | Ali Al-Sharqawi

بالقلب رأيت:
كواكب أزمنةٍ في شكل الولدان
حنان صلاة العشبة في الصمت العاصف
تاريخ الحجر الناطق بالماء الممكن
ريحان الغبطة
عاطفة الكاف الأمّارة بالريح
ضفاف الحدس الخارج عن سلطة كل الكلمات
أمواج الذبذبة الأولى
و فراغات الأوتار الكونية
ورأيت الماضي والمستقبل
ورأيت .....................
رأيت .....................
را ....................

© Ali Al-Sharqawi
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2009

Das Unfassliche / Nicht zu fassen!

deutsch

Ich sah mit dem Herzen sah ich
die Sterne der überdauernden Zeiten in Gestalt von Embryos
stumm gekauert in die Gebete der Sanftheit wie Grashalme im Sturm
sah die Geschichte des Gesteins, in der das Wasser des Womöglichen
sprudelt und spricht
das Basilikum der Überglücklichkeit
die Einfühlsamkeit jenes: Es werde! das den Sturm entfacht
sah die Ufer der Einbildungskraft jenseits der Herrschaft der Worte
die Wellen der frühesten Aufwallung
die Leere des klingenden Universums
sah die Vergangenheit sah ich und die Zukunft
und ich sahsah
und ich sahsahsah
und sa

Deutsche Fassung von Gerhard Falkner.
Die Übersetzung entstand im Rahmen des Übersetzungsworkshops Versschmuggel. Eine Karawane der Poesie.

USPAVANKA

slowenisch | Aleš Šteger

Le še pet minut ti ostaja,
Dokler ne ugasnem luči.
Ker pesmi, ki si jo ves dan čakal,
Ni bilo, naštej za konec enostavno, kar je.
Torej: na mizi ležijo utrujene knjige,
Rastline so že zvile svoje liste in spijo,
Televizor šumi in na mizi frfota vešča,
Do smrti zaljubljena v luč.
Le še minuto imaš. Trideset sekund.
Sedaj sem gol in v postelji. Slišim te:
Deset, devet, toda - ali nisem nečesa pozabil? -
Šest, da, pet, pozabil sem na štiri,
Tri, toda sedaj je dva in je tudi za to
Prepozno. Lahko le še trdno zatisnem krila
In upam, da me ob nič prebudiš.

© Aleš Šteger
aus: Kaschmir. Gedichte. Slowenisch / Deutsch, übersetzt von Gerhard Falkner und dem Autor
Wien: Edition Korrespondenzen,
ISBN: 3-902113-10-3
Audio production: 2000 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

SCHLAFLIED

deutsch

Also noch fünf Minuten,
Dann lösche ich das Licht.
Denn das Gedicht, auf das du so gewartet,
Das gibt es nicht.
Nur schlappe Bücher auf dem Tisch,
Der Pflanzen Blätter wie zum Schlaf gerollt,
Der Fernseher rauscht
Und eine Motte flattert auf dem Tisch,
Ins Licht verliebt bis in den Tod.
Noch eine Minute. Dreißig Sekunden.
Ich bin jetzt nackt, lieg hier im Bett. Ich höre dich:
Zehn, neun, halt – hab ich was vergessen? –
Sechs, ja, fünf, natürlich, vier,
Drei, doch jetzt schon zwei und nun auch
Dafür schon zu spät. Ich kann nur noch die Flügel anpressen
Und hoffen, dass du bei null mich weckst.

aus dem Slowenischen von Gerhard Falkner und dem Autor



© für die deutsche Übersetzung: Edition Korrespondenzen, Franz Hammerbacher, Wien 2001



aus: Aleš Šteger, Kaschmir. Gedichte. slowenisch-deutsch, übersetzt vo

OREH

slowenisch | Aleš Šteger

Ostal si praznih rok in v rokah imaš oreh.
Sprva ga stiskaš in skrivaš kot kako čarovnijo,
Toda potem stisne vse tebe in veš, da moraš
Odgovoriti in s tem ubiti čarovnika, da bi preživel.
V središču oreha je jedrce, toda jedrce te ne briga,
Rešitev rabiš, ki je zapisana na notranjosti lupine.
Stiska je prehuda, zato stisneš prazno pest in ga zlomiš.
Oreh umolkne, počeni znaki postanejo nedoumljivi
In odgovor sfingičen, a skozi razpoke smukneš v notranjost
In poješ jedrce. Tako si izdolbeš prostor. Tako postaneš ti jedrce.
In jedrce postane ti. Ti počepne in čaka,
Da se lupina okrog njega zarase. Kot nekakšen fetus
Čepi in čaka in v orehu je vedno manj svetlobe
In vedno manj ran. Počasi lahko prične ti brati znamenja
In znamenja so vedno bolj cela.
Ti bere na glas, a ko pride skoraj do konca,
Se lupina zaraste in okoli ti se znoči. V temi ujeti ti sliši,
Kako iz cilindra skoči beli zajec z morilskimi sekalci,
Obstoji pred orehom in ga nepremično gleda.

© Aleš Šteger
aus: Kaschmir. Gedichte. Slowenisch / Deutsch, übersetzt von Gerhard Falkner und dem Autor
Wien: Edition Korrespondenzen,
ISBN: 3-902113-10-3
Audio production: 2000 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

DIE NUSS

deutsch

Du bist mit leeren Händen ausgegangen – hältst nichts in ihnen außer einer Nuss.
Erst drückst du und umschließt du sie wie einen Zauber,
Dann drückt es dich und du weißt, du musst
mit der Antwort den Zauberer töten, um am Leben zu bleiben.
In der Nuss ist ein Kern, aber der Kern kümmert dich nicht,
Du brauchst die Lösung, die innen an der Schale steht.
Die Not drückt, daher drückst du die Faust und knackst die Nuss.
Die Nuss verstummt, die gebrochenen Zeichen werden unverständlich
Und die Antwort auf das Orakel. Durch den Knacks schlüpfst du ins Innere
Und isst den Kern. Du höhlst dir Platz aus. Du wirst der Kern
Und der Kern wird Du. Das Du hockt darin und wartet,
Dass die Schale wieder zuwächst. Wie eine Art Fötus
Hockt es und wartet und das Licht in der Nuss wird immer weniger,
Die Wunde immer kleiner. Langsam kann das Du die Zeichen erkennen
Und die Zeichen fügen sich immer mehr zusammen.
Das Du beginnt laut zu lesen, aber als es fast am Ende angelangt,
Schließt sich die Schale und um das Du wird es Nacht.
Das im Dunkel gefangene Du hört,
Wie ein weißes Kaninchen mit mörderischen Nagern aus einem Zylinder
Springt, vor der Nuss stutzt, sie reglos anstarrt.

aus dem Slowenischen von Gerhard Falkner und dem Autor



© für die deutsche Übersetzung: Edition Korrespondenzen, Franz Hammerbacher, Wien 2001



aus: Aleš Šteger, Kaschmir. Gedichte. slowenisch-deutsch, übersetzt vo

Mint kémnek lenni Estorilban

ungarisch | János Térey

Hogy mit jelent a királyság a földön?
Előbb mirrhát, tömjént és aranyat,
   Aztán Estoril cseppfolyós ezüstjét.
   Jogarra alkonyatkor semmi szükség.

A politika friss lávája kővé
Merevül, télies történelemmé;
   A tószt utáni tétek számolatlan:
   Minden lefolyt, egyetlen zuhatagban.

Mint egy fehérorosz nagyáruház,
Oly sivár a nappali Casino.
   Palást és palota tegnapi holmik.
   Iker vízlépcső színe fodrozódik.

Felségnek lenni mégis bonyolultabb,
Mint krupiénak: osztani, beszedni,
   Míg van játék, és van szolid szabályzat...
   Országot vinni százszor is hazárdabb.

A kém labdát szed a pálmaligetben.
Ez ínyenc munka lesz! Kipuhatolja,
   Fejükben milyen idea világít:
   Mi élteti Neverland koronáit.

Hajadonfőtt járkáló udvaroncok:
Egy északi erdő, lelombozódva.
   A bástyafok a szakadékra páholy.
   Mindenszentek. Három nap múlva Károly.

Audio production: Petőfi Irodalmi Múzeum 2006

Wie ein Spion in Estoril

deutsch

Was heißt das denn, ein Königreich auf Erden?
Heißt das Weihrauch, Myrrhe und Gold.
   Am Ende dann in Estoril die silbernen Wellen.
   Die Dämmerung kann kein Zepter erhellen.

Die glühende Lava der Macht erstarrt
Zu Stein, zur gefrorenen Geschichte;
   Nach den Toasts die Fahnen hissen:
   Mit einem einzigen Schwall ist alles hinweggerissen.

Öde das Casino bei Tage,
Wie ein Kaufhaus in Weißrussland,
   Ornat und Palast gehören dem Gestern.
   Zwei Kaskaden fallen wie Zwillingsschwestern.
 
Eine Majestät zu sein ist sicher schwieriger
Als ein Croupier: austeilen, kassieren,
   Solange das Spiel läuft und die Regeln gelten.
   Einen Staat zu führen, ist gewagter um Welten.

Der Spion und die Golfbälle im Palmenhain.
Hier muss ein Profi ran! Er muss erkunden,
   Welche Ideen durch die Köpfe dieser einst gekrönten
Häupter gehen:
   Und wie in ihren never- oder no-where-lands die Aktien
stehen.

Nur Aristokraten ohne Kronen auf den Beinen:
Ein nordischer Wald, bedrückend und entlaubt,
   Die Zinnen nur die Ehrenloge vor dem Abgrund.
   Totensonntag. Noch drei Tage bis Karl. Was heißt da: und?

Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Gerhard Falkner

Léket vágnijó

ungarisch | Ottó Tolnai

Hajnalonta mint félőrült
a félőrültek mindig pizsamában
hajnalonta akárha  félőrült gyilkos
édesapám rongyos  pizsamájában
csíkjai miatt adhatta nekem
ő ugyanis  sokat raboskodott
sokat Balkán szívében szegény
ő tudja hogy dobog
ő tudja hogy dobog
ő szegény tudja Balkán szíve hogy dobog
Balkán szíve hogy dobog
halld
halld hogy dobog
engem csak feltételesen ítéltek el
belerokkantam mégis
belerokkantam
akárha  félőrült gyilkos  csíkos
pizsamában  fejem fölött  fejszét lóbálva
rohanok ki már biztosan elkéstem
rohanok ki léket vágni
a pincében már van egy modernebb (szlovén)
fejszém
amely szinte magától dobja szét a tuskót
ez a régi  fejsze évek óta  lékvágóként  szolgál
lassan enni kezdi a rozsda
talán olykor ismét fát kelle hasogatnom vele
kifényesedjen
jóllehet tudom milyen veszélyes a Homokvárban
tuskót hasogatni amikor az óriás homokórában
(rég át is kellett volna keresztelni villánk)
magától is pereg a homok
hajnalonta akárha egy félőrült gyilkos
édesapám csíkos pizsamájában fejem felett
fejszét lóbálva rohanok ki
száll a szivárványszín jégszilánk
nem fagyott tán fenékig
alant a sárban is megtalálom halaim
léket vágni jó
jó látni tavasszal a zöldülő sás vízililiom között
a sárból előhömpölygő  sok semmis  halat
közben hallom a Nagy-Palics ólmát is vágják
s mint egy vízszintes katedrális ablakát verik be
a Vértavat
minden bizonnyal engem keresnek
mert ha lecsapolják
tudják ott gubbasztok pákászok királya
a pákászoknak nincsen királya
ott gubbasztok megcsúfolt király  rizómatrónomon
a fenéken s van év amikor feltöltése után is
alant  maradok
hallgatom a vadnarancs puffanásait
alant maradok
hallgatom a  menekültek bizonytalan lépteit
dalait
hallgatom a körül csikorgó mint Hölderlin
versében a vaszászló csörgő gledicsiát
félőrült gyilkos édesapám csíkos pizsamájában
csíkjai miatt adhatta nekem
ő ugyanis sokat raboskodott
Balkán szívében szegény
ő tudja hogy dobog
ő tudja hogy dobog
ő szegény tudja Balkán szíve hogy dobog
Balkán szíve hogy dobog
halld
halld hogy dobog
fejem fölött lóbálva a fejszét
rohanok immár a Nagy-Palicsra
Vértóra léket vágni
léket vágni jó
tavasszal majd nézik a turisták menekültek
maffiózók ahogy édesapám csíkos pizsamájában
előmászok a sűrű kusza rizóma közül a véres sárból
a kertészet munkásai lefürdetnek s már vinnének is
de nem tudják eldönteni   börtönből
elmegyógyintézetből szöktem-e csíkos göncömben
hiába próbálom magyarázni nekik édesapám pizsamája
csíkjai miatt adhatta nekem
ő ugyanis sokat raboskodott
Balkán szívében szegény
ő tudja hogy dobog
ő szegény tudja Balkán szíve hogy dobog
Balkán szíve hogy dobog
halld
halld hogy dobog
húznak cibálnak elő a sűrű rizóma közül
a véres sárból  fürdetnek a kertészek
dilemmáznak hová vigyenek börtönbe ispotályba
hallom már azt sugdossák végre
horogra került az egyik nagy háborús bűnös
sejtettem itt lapulnak valahol felénk
te ez nem valamelyik izé
karacsics  vagy mi a ménkű
a menekültek már  szerveszkednek is  
a Női strand valamelyik kabinjába mentsék  
mitikus hősüket ott úgysem keresik
a Női strand kabinjaiban úgysem keresik
valaki odakiált  mossátok már le arcáról
lássuk mossátok már le no a véres pakolást
de hiszen ez börtönből  szökött
hiába próbálom magyarázni nekik édesapám pizsamája
csíkjai miatt adhatta nekem
ő ugyanis sokat raboskodott
Balkán szívében szegény
ő tudja hogy dobog
ő tudja hogy dobog
ő szegény tudja Balkán szíve hogy dobog
Balkán szíve hogy dobog
hogy dobog
halld
halld hogy dobog
hogy kérdezte az egyik    
rózsát metsző kertészlány
Balkán szíve uram hogy dobog
hogy dobog
hogy fordult hirtelen felém a másik  
trágyát szóró  kertészlány is
Balkán szíve hogy dobog
hogy dobog
a levelet gereblyéző ludasi lányok
leültetnek a sétány padjára
kendőjükkel törölgetnek
nemsokára 1oo éves lesz éjszakánként kiabál hív
ő tudja hogy dobog
az én szívem hogy dobog nyugodtan nyúljon ide
mondja az egyik levelet gereblyéző ludasi lány
szívére húzva kezem
hogy dobog
hallja hogy dobog
de hiszen ez a pizsama nem daróc
selyem csak rongyos már kicsit
nézd kilógnak a tökei
pakold már vissza őket neki
édesapám pizsamája
csíkjai miatt adhatta nekem
félrebeszél mondja a puszpáng mögött térdeplő lány
a mentő és a rendőrautó is érkezik már
dugjuk a szökőkút avarjába
hallod hogy dobog a szíve mondja a ludasi lány
akinek közben a mellére görcsölt a markom
hogy dobog
halld
hajnalonta mint félőrült
a félőrültek mindig pizsamában
hajnalonta akárha  félőrült gyilkos
édesapám rongyos  pizsamájában
csíkjai miatt adhatta nekem
ő ugyanis  sokat raboskodott
sokat Balkán szívében szegény
ő tudja hogy dobog
ő tudja hogy dobog
ő szegény tudja Balkán szíve hogy dobog
Balkán szíve hogy dobog
halld
akárha  félőrült gyilkos  csíkos
pizsamában  fejem fölött  fejszét lóbálva
rohanok ki már biztosan elkéstem
rohanok ki léket vágni
léket vágni jó
léket vágni jó
halld
halld hogy dobog
hogy dobog!

© Jelenkor Kiadó
aus: Balkáni babér
Pécs: Jelenkor Kiadó, 2001
Audio production: M.Mechner / literaturWERKstatt berlin 2004

EIN LOCH INS EIS ZU HACKEN TUT GUT

deutsch

Beim ersten Sonnenstrahl, wie ein Verrückter fast
die fast Verrückten sind ja immer im Pyjama
beim ersten Sonnenstrahl, wie ein verrückter Killer fast
im zerschlissenen Pyjama meines Vaters
- er gab ihn mir bestimmt der Streifen wegen -
denn er war lange Sträfling
Sträfling im Herzen des Balkans, der Ärmste
er weiß wie es schlägt
er weiß wie es schlägt
der Ärmste, er weiß, wie es schlägt, das Herz des Balkans
weiß, wie es schlägt, das Herz des Balkans
hörst du nicht
hörst du nicht, wie es schlägt
mich haben sie nur bedingt verurteilt
trotzdem bin ich daran zerbrochen
bin daran zerbrochen
wie ein verrückter Killer fast, im gestreiften
Pyjama, über meinem Kopf eine Axt schwingend
renne ich nach draußen, wahrscheinlich schon zu spät
renne ich nach draußen, ein Loch ins Eis zu hacken
im Keller habe ich zwar eine modernere, eine slowenische Axt
eine, die jeden Holzklotz fast von alleine spaltet
die alte dient seit Jahren nur zum Aufhacken von Eislöchern
Rost nagt bereits an ihr
vielleicht sollte ich gelegentlich Holz mit ihr spalten
damit sie wieder Glanz bekommt
auch wenn ich weiß, wie gefährlich es ist, in meiner Sandburg hier
einen Klotz zu spalten, wo doch, in meiner Riesensanduhr hier
(schon längst hätten wir unser feines Haus diesbezüglich umtaufen sollen)
der Sand auch von alleine rieselt
früh morgens wie ein fast verrückter Killer
im gestreiften Pyjama meines Vaters, über meinem Kopf
die Axt schwingend, renne ich nach draußen
die regenbogenfarbenen Eissplitter spritzen
vielleicht ist er ja noch nicht bis zum Grund gefroren
unten im Schlamm finde ich meine Fische
ein Loch ins Eis zu hacken tut gut
gut zu sehen, wie sie im Frühling zwischen dem grünendem Schilf, den
Wasserlilien
aus dem Schlamm hervorquellen, die Fischlein
unterdessen höre ich, wie sie die bleierne Eisplatte von Groß-Palitsch
aufbrechen
wie das Fenster einer liegenden Kathedrale hacken sie
den Blutsee auf
wahrscheinlich suchen sie nach mir
denn immer, wenn sie ihn auslassen
so wissen sie, dass ich, König der Sumpflandfischer und Sammler, auf seinem Grunde hocke
die Sumpflandfischer und Sammler haben keinen König
ich, ihr verlachter König, hocke auf meinem rhizomatischen Thron
auf seinem Grunde und es gibt Jahre, wo ich auch nach seinem Auffüllen
dort unten bleibe
ich lausche auf das Plumpsen der wilden Orangen
ich bleibe unten
ich lausche den zaghaften Schritten, den Liedern
der Flüchtlinge
ich lausche den knatternden, den wie die Fahnen
in Hölderlins Gedicht rasselnden Gleditschienschoten
im gestreiften Pyjama meines fast verrückten Killer-Vaters
- er gab ihn mir bestimmt der Streifen wegen -
denn er war lange Sträfling
Sträfling im Herzen des Balkans
er weiß, wie es schlägt
er weiß, wie es schlägt
er, der Ärmste, weiß, wie das Herz des Balkans schlägt,
das Herz des Balkans schlägt
hörst du nicht
hörst du nicht, wie es schlägt
über meinem Kopf die Axt schwingend
renne ich nun nach Groß-Palitsch
ein Loch in den Blutsee zu hacken
ein Loch ins Eis zu hacken tut gut
im Frühling sehen die Touristen, die Flüchtlinge
die Mafiosi mir zu, wie ich im gestreiften Pyjama meines Vaters
aus dem dichten, wirren Rhizom, aus dem blutigen Schlamm hervorkrieche
die Gärtner waschen mich und würden mich sicher wegschaffen
wüssten sie nur, ob ich aus einem Gefängnis
oder einer Irrenanstalt entflohen bin in meiner gestreiften Kluft
vergebens versuche ich ihnen begreiflich zu machen, daß es der Pyjama meines
Vaters ist
- er gab ihn mir bestimmt der Streifen wegen -
denn er war lange Sträfling
der Ärmste, verschlagen ins Herz des Balkans,
er weiß, wie es schlägt
er weiß, wie es schlägt
er, der Ärmste, weiß, wie es schlägt, das Herz des Balkans,
weiß, wie das Herz des Balkans schlägt
hörst du nicht
hörst du nicht, wie es schlägt
sie ziehen, zerren mich heraus aus dem dichten Rhizom
aus dem blutigen Schlamm, sie waschen mich, die Gärtner
sie sind sich unschlüssig, wohin sie mich bringen sollen, ins Gefängnis oder
in die Anstalt
schließlich höre ich sie tuscheln
da haben wir wohl einen kapitalen Kriegsverbrecher an der Angel
konnte man sich ja denken, daß die sich in unserer Gegend hier verkriechen
Mann, ist das nicht der Dingsbums
der Karacic in Drei Teufels Namen
schon treffen die Flüchtlinge Anstalten
ihn in einer der Umkleidekabinen für Frauen zu verstecken
ihren mythischen Helden wird dort wohl keiner suchen
in den Kabinen am Frauenstrand wird ihn sicher niemand suchen
jemand ruft, wascht ihm doch endlich das Gesicht ab
zeigt ihn uns, wascht ihm endlich die blutige Schlammpackung vom Gesicht
Mann, der ist ja aus dem Gefängnis ausgebrochen
vergebens versuche ich, ihnen zu erklären, daß es der Pyjama meines Vaters ist
- er gab ihn mir bestimmt der Streifen wegen -
denn er war lange Sträfling
lange im Herzen des Balkans, der Ärmste
er weiß, wie es schlägt
er weiß, wie es schlägt
er, der Ärmste, weiß, wie das Herz des Balkans schlägt,
das Herz des Balkans schlägt
hörst du nicht
hörst du nicht, wie es schlägt
wie, mein Herr, fragte die eine
die Rosen beschneidende Gärtnerin
wie schlägt es denn, das Herz des Balkans,
wie schlägt es denn
wie, wandte da die andere sich an mich
die Kompost ausbringende Gärtnerin
das Herz des Balkans, wie schlägt es denn
wie schlägt es
das Laub zusammenrechende Mädchen aus Ludas
setzte mich auf die Bank der Promenade
und trocknete mich mit ihren Tüchern
er wird bald hundert Jahre jetzt, nachts schreit er, ruft mich
er weiß wie es schlägt
mein Herz, wie schlägt es, fassen sie ruhig hin
sagt das Laub rechende Mädchen aus Ludas
zieht meine Hand auf ihr Herz
wie schlägt es
hören Sie, wie es schlägt
dieser Pyjama ist doch nicht aus grobem Linnen
er ist aus Seide, nur ein wenig verschlissen
schaut doch, ihm hängen die Eier raus,
pack sie doch endlich zurück
der Pyjama meines Vaters
- er gab ihn mir bestimmt der Streifen wegen -
er redet wirres Zeug, sagt das hinter dem Buchsbaum kniende Mädchen
Polizei und Krankenwagen sind bereits im Anrücken
verstecken wir ihn unter dem Laub beim Brunnen
hörst du, wie sein Herz schlägt, sagt das Mädchen aus Ludas
jenes, auf deren Brust inzwischen meine Hand sich verkrampft hat
wie es schlägt
hörst du
beim ersten Sonnenstrahl, wie ein Verrückter fast
die fast Verrückten sind ja immer im Pyjama
- er gab ihn mir bestimmt der Streifen wegen -
denn er war lange Sträfling
lange im Herzen des Balkans, der Arme
er weiß, wie es schlägt
er weiß, wie es schlägt
er, der Ärmste, weiß, wie das Herz des Balkans schlägt,
wie das Herz des Balkans schlägt
hörst du
wie ein verrückter Killer fast im gestreiften
Pyjama, über meinem Kopf eine Axt schwingend
renne ich hinaus, ich bin sicher schon zu spät
ein Loch hacken, im Loch enden
ein Loch hacken, im Loch enden tut gut
hörst du
hörst du, wie es schlägt
wie es schlägt!

Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Gerhard Falkner

Diktátorok

ungarisch | Peter Zilahy

Nemi érésem göröngyös útját kommunista diktátorok halála övezte.
Elsõ szexuális élményem egybeesett Mao Ce Tung halálával, megharapott
egy Diána nevű lány az oviban. Tito halálakor kezdtem mutálni, Brezsnyevnél
volt az első magömlésem. Három napig komolyzene ment a rádióban, egy kicsit
túlzásnak tartottam, volt ahol még iskolai szünetet is elrendeltek. Aztán sokáig
nem történt semmi, kísérletképpen elvittem egy lányt moziba, de túl jó volt a film,
és görcs állt a kezembe. A gimiben felgyorsultak az események, az első csókot
az első viharos éjszakától csak néhány hónap választotta el. Andropov után
Csernyenko is beadta a kulcsot. Néhány hétre rá követte őket Enver, azt
nem mesélem el. Ceausescu kivégzésekor ismerkedtem meg a G-ponttal.
Kim Ir Szen új szempontok szerint csoportosította ismereteim, szerencsére
a bíróság ejtette a vádat. Fidel. A Föld fog sarkából kidőlni…

© Peter Zilahy
aus: unveröffentlichtem Manuskript
Audio production: Peter Zilahy

Diktatoren

deutsch

Der beschwerliche Weg meiner sexuellen Reife war vom
Ableben kommunistischer Diktatoren begleitet. Mein
erstes sexuelles Erlebnis fiel zusammen mit dem Tod
Mao Tse Tungs, ein Mädchen Namens Diana hat mich im
Kindergarten gebissen. Als Tito starb, kam ich in den
Stimmbruch, meinen ersten Samenerguß hatte ich, als
Breschnew starb. Drei Tage lang kam klassische Musik
im Radio, das fand ich dann doch etwas übertrieben,
mancherorts gab es sogar Schulfrei. Danach passierte
lange Zeit nichts, als Experiment nahm ich ein Mädchen
ins Kino mit, aber der Film war zu gut und ich bekam
einen Krampf in der Hand. Im Gymnasium beschleunigten
sich die Ereignisse, den ersten Kuß trennten nur
wenige Monate von der ersten stürmischen Nacht. Nach
Andropow gab auch Tschernenko den Löffel ab. Einige
Wochen später folgte ihnen Enver nach, das erzähle ich
lieber nicht. Als Ceaucescu hingerichtet wurde, schloß
ich Bekanntschaft mit dem G-Punkt. Kim Il Sung
gruppierte meine Kenntnisse nach anderen
Gesichtspunkten um, aber glücklicherweise ließ das
Gericht die Anklage fallen. Fidel.


Aus dem Ungarischen von Terézia Mora
 
© Terézia Mora

alternativ:


Diktatoren

Der holprige Weg zur Geschlechtsreife war für mich
mit dem Tod kommunistischer Diktatoren gepflastert.
Mein erstes sexuelles Erlebnis fiel auf das Ableben
Mao Zedongs:
Ein Mädchens namens Diana biss mich im Kindergarten.
Als Tito starb brach mir die Stimme,
und ich kam zum ersten Mal als Breshnew ging.
Drei Tage lang gab es im Radio nur klassische Musik,
was mir übertrieben erschien; sogar Schulen schlossen.
Danach geschah lange Zeit nichts.
Versuchsweise führte ich ein Mädchen ins Kino,
doch der Film war zu gut, und die Hand schlief mir ein.
Am Gymnasium ging alles schneller. Nur ein paar Monate
zwischen dem ersten Kuß und dem ersten gehetzten Gefummel.
Andropow folgte Chernenkow bald nach.
Ein paar Wochen später war Enver dran, aber dazu sag ich lieber nichts.
Den G-Punkt entdeckte ich, als sie Ceausescu erschossen.
Mein Horizont wurde weiter,
Kim il Sung tauchte noch einmal alles in neues Licht;
die Anklage wurde fallengelassen, zum Glück.
Fidel...
Brüder hört die Signale, auf zum letzten Gefecht!


ins Deutsche übertragen von Joachim Helfer
 
© Joachim Helfer


alternativ:


Diktatoren

Der dornige Weg meiner Geschlechtsreife ist gesäumt vom Tode kommunistischer Diktatoren. Meine
erstes sexuelles Erlebnis fällt zusammen mit dem Sterbedatum von Mao Tse Tung, ein Mädchen namens
Diana hatte mich im Kindergarten gebissen. Als Tito starb setzte mein Stimmbruch ein, als Breschnew
ihm folgte hatte ich meinen ersten Samenerguß. Drei Tage lang gab es nur klassische Musik im Radio.
Ich hielt das für ein wenig übertrieben. Es gab sogar Schulen, wo der Unterricht ausfiel. Danach geschah
lange Zeit nichts. Probehalber ging ich mal mit einem Mädchen ins Kino, es passierte aber nichts, denn
der Film war zu spannend und meine Hand war verkrampft. Im Gymnasium beschleunigte sich der
Prozeß, zwischen dem ersten Kuß und der ersten stürmischen Nacht lagen nur wenige Wochen. Nach
Andropov gab auch Tschernenko den Löffel ab. Ein paar Wochen später folgte ihnen Enver, aber dazu
kein Kommentar. Als Ceausescu hingerichtet wurde, machte ich meine erste Bekanntschaft mit dem
G-Punkt. Kim Ir Sen ordnete meine Kenntnisse nach neuen Gesichtspunkten. Zum Glück ließ das
Gericht die Anklage fallen. Fidel.
 Brüder hört die Signale, auf zum letzten Gefecht...

ins Deutsche übertragen von Gerhard Falkner und Orsolya Kalász


© Gerhard Falkner und Orsolya Kalász



KAŠMIR

slowenisch | Aleš Šteger

Znašel si se tam, kjer ni črk ne številk.
Svetloba je presilna, da bi gledal, ali pa je noč.
Tukaj ni glasov. Le včasih kdo vzdihne,
In tedaj prične tisoč ust hkrati kričati
Ali recitirati kako neznano pesem.
Tukaj ni ne zidov ne predmetov, vsaj ti
Nisi nikoli naletel nanje. Tudi tal ni.
Kot da tvoje telo ves čas drsi skozi roj
Frfotajočih metuljevih kril ali skozi oblak dežja.
Včasih, ko zapiha tišina z neznanimi imeni,
Se ti zdi, da morajo biti tukaj še drugi,
Tebi podobni, a tukaj nikoli ne srečaš nikogar
Ali pa greš nevede skozenj in je to takrat,
Ko doživiš nekaj takega kot misel ali sanjo ali čustvo.
Včasih si imel še smrt in bilo te je strah.
Mislil si, da povsod lebdijo nagačene tigrove glave
In da drži vsaka med svojimi čekani eno izmed tvojih src.
Sedaj, sredi sitega režanja, veš, kaj je mir.
Čeprav greš in se vračaš, si zmeraj tukaj.
Kajti tukaj ni tukaj. Tukaj je
Kašmir.

© Aleš Šteger
aus: Kaschmir. Gedichte. Slowenisch / Deutsch, übersetzt von Gerhard Falkner und dem Autor
Wien: Edition Korrespondenzen,
ISBN: 3-902113-10-3
Audio production: 2000 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

KASCHMIR

deutsch

Du bist nun angekommen, wo es weder Zahlen noch Buchstaben gibt.
Entweder ist das Licht zu grell, um etwas zu erkennen, oder es ist Nacht.
Kein Laut. Nur Seufzer hie und da,
Dann schreien Tausende von Mündern auf
Anstelle des Gedichts, das keiner kennt.
Wände oder Gegenstände gibt es nicht, zumindest bist du
Auf keine gestoßen. Auch keinen Boden.
Es ist, als glitte dein Körper durch einen Schwarm flatternder
Schmetterlingsflügel oder durch eine Regenwolke.
Manchmal, wenn durch die Stille ein fremder Name weht,
Scheint dir, als wären noch andere hier,
In ähnlicher Lage, aber keiner von ihnen begegnet dir,
Oder du schreitest durch sie hindurch, ohne es zu wissen; es ist dann,
Als würdest du einen Gedanken, einen Traum oder ein Gefühl erleben.
Früher, als du noch einen Tod hattest, hattest du Angst.
Überall schienen ausgestopfte Tigerköpfe zu schweben,
Die mit ihren Fangzähnen eines deiner Herzen zerrissen.
Heute aber, mit einem genüsslichen Grinsen, weißt du, was Friede ist.
Obwohl du weggehst und zurückkommst, bist du immer hier.
Weil hier nicht hier ist.
Hier ist Kaschmir.

aus dem Slowenischen von Gerhard Falkner und dem Autor



© für die deutsche Übersetzung: Edition Korrespondenzen, Franz Hammerbacher, Wien 2001



aus: Aleš Šteger, Kaschmir. Gedichte. slowenisch-deutsch, übersetzt vo

Coole Park And Ballylee (extract)

englisch | William Butler Yeats

Another emblem there! That stormy white
But seems a concentration of the sky;
And, like the soul, it sails into the sight
And in the morning's gone, no man knows why;
And is so lovely that it sets to right
What knowledge or its lack had set awry,
So atrogantly pure, a child might think
It can be murdered with a spot of ink.
Sound of a stick upon the floor, a sound
From somebody that toils from chair to chair;
Beloved books that famous hands have bound,
Old marble heads, old pictures everywhere;
Great rooms where travelled men and children found
Content or joy; a last inheritor
Where none has reigned that lacked a name and fame
Or out of folly into folly came.

aus: The collected poems of W. B. Yeats
ed. by Richard J. Finneran
A new ed., 2. ed., repr.
Basingstoke [u.a.]: Macmillan, 1993
ISBN: 0-333-55691-7
Audio production: © Argo Record Company, London
The Poems of William Butler Yeats
Argo Record Company, Spoken Arts 753 1959.

Coole und Ballylee, 1931 (Ausschnitt)

deutsch

Auch dies ein Sinnbild! Dieses stürmische Weiß,
Nichts anderes scheint es als des Himmels Verdichtung;
Es segelt wie die Seele in den Augenkreis
Und ist am Morgen fort, und niemand kennt Warum und Richtung,
Es ist so zauberhaft, als fühlte es zurechtzurücken die Verpflichtung,
Was sich durch Wissen oder dessen Gegenteil verunklart weiß,
So anmaßend rein, ein Kind könnte denken, daß man
Mit einem Tintenfleck es schon ermorden kann.

Der Klang von einem Stock am Boden unten
Von jemand, der von Stuhl zu Stuhl sich quält;
Geliebte Bücher, von berühmter Hand gebunden,
Marmorbüsten überall und alte Gemäld;
Großartige Räume, wo weitgereiste Männer Glück gefunden,
Zufriedenheit, deren Kinder auch; die letzte Erbin noch gezählt,
Wo keiner jemals ohne Namen herrschte oder ohne Ruhm
Oder aus Narrheit gar verfiel in Narrentum.

Übersetzt von Gerhard Falkner und Nora Matocza

aus: W.B. Yeats: Die Gedichte. Hg. v. Norbert Hummelt
München: Luchterhand Literaturverlag 2005

cibule

slowakisch | Nóra Ružičková

v najtesnejšej priliehavej blízkosti
dychtivo sústreďujem zvyšky svetla
ktoré uľpeli v ryhách a záhyboch kože
a nižšie, v ťažkej tme sedimentujúcej pri dne
ukladám vzácne cukry do naleštených cibúľ
a všetko naraz márnotratne premrhám
na poplašný zákmit svetiel
a varovné zajačanie sirén
keď sa z rozťatej kože do ticha
vyhrnie záplava kriklúnskych tulipánov
celé stádo tých perfídnych tvorov
ktoré som v detstve odvážne stojac
zoči-voči obrovskému záhonu
jediným švihnutím prúta
masovo demaskovala

© Nóra Ružičková
aus: Parcelácia vzduchu
Levoča: Modrý Peter, 2007
Audio production: Ars Poetica

knollen

deutsch

aus allernächster nähe
sauge ich gierig das restliche licht
das in den runzeln und falten der haut noch haftet
und unten, in schwer zum grunde gesunkener dunkelheit
speichere ich teuren zucker in glänzenden knollen
doch alles verschwende ich leichtsinnig
für ein aufflackern dieser leuchtfeuer
ein aufheulen der sirenen
wenn aus zerschlagener haut in die stille
eine flut knallender tulpen fließt
eine ganze schar jener perfiden geschöpfe
die ich in meiner kindheit
mutig dem riesigen beet gegenübertretend
mit einem einzigen rutenhieb
massenhaft demaskierte

übersetzt von Gerhard Falkner und der Autorin
© Parcelácia vzduchu (Parzellierung der Luft), 2007, Modrý Peter, Levoča

Bordáit tenyerében

ungarisch | Peter Zilahy

mint löki testét a hússzínû égnek
erõtlen örömtelen várakozással
fájdalmat nem érez kitapintja a tájat
a lüktetõ eret homlokán
vállán körmeit
bordáit tenyerében
az ágyékára feszülõ idegen bõrt
tudja hogy nézik hogy nem beszélnek
csak ajkaik mozognak
                           –  mozgatják a sorokat               
értejön a bicegõ kötéltáncos
beszakítja a húst
                                            egy lezuhanó szõrszál  – – –                
vérzik valami felhõre
mintha vatta lenne
talán az is
mérföldekre lábfeje
valahol ott kell lennie neki is
érzi mint vak a reggelt
hogy közeleg ernyednek izmai
nincs tovább – mondta
és nem volt tovább mondani

© Peter Zilahy
aus: Lepel alatt ugrásra kész szobor (Statue Under A White Sheet Ready To Jump)
Budapest: Pesti Szalon, 1993
Audio production: 2001 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Ihre Rippen zwischen seinen Händen

deutsch


Ihre Rippen zwischen seinen Händen

ihr Körper dabei
in schwacher lustloser Erwartung
in einen fleischfarbenen Himmel gestoßen
kein Schmerz nur ein Durchspüren von Landschaft
von Pulsadern auf der Stirn
Fingernägel auf seiner Schulter
Rippen in seinen Händen
fremde Haut, die sich auf seinen Schoß spannt
er weiß daß andere ihn sehen, aber nicht sprechen
nur ihre Lippen bewegen sich
- bewegen die Zeilen               
der hinkende Seiltänzer kommt ihn holen
Fleisch wird aufgeschlitzt
von einem herabstürzenden Haar –               
Blut sickert in eine Wolke
als wäre sie Watte
vielleicht ist sie das ja auch
die Füße meilenweit entfernt
irgendwo dort wo auch er stehen müßte
wie ein Blinder spürt er den Morgen
sich nähern seine Muskeln erschlaffen
nichts geht mehr — sagt er
und mehr war dazu nicht zu sagen

ins Deutsche übertragen von Gerhard Falkner und Orsolya Kalász

© Gerhard Falkner und Orsolya Kalász


Bújni hozzád

ungarisch | Peter Zilahy

aludni nem lehet mezõn
lehunyni nem lehet szemet
ölelni nem lehet
ebben a csöndben pók nem fog legyet
fán levél nem rezzen
se szárny se szem nem rebben
hideg verejték öledben
fájdalmas minden nesz
mintha napok óta ébren
hallgatná mint lüktet a vér tenyerében
fülére tapasztja amióta
leszakadt a csend és nem húzták ki alóla
fenn van és figyel
nem tudja miért nem múlik el
nem tudja mi nem múlik el
ha csak átfordulna az oldalára
akkora zajjal járna rögtön megölné
mint aki forgó kövek közé hajt fejet
bújni hozzád nem lehet
aludni nem lehet

© Peter Zilahy
aus: Lepel alatt ugrásra kész szobor (Statue Under A White Sheet Ready To Jump)
Budapest: Pesti Szalon, 1993
Audio production: 2001 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

An dich schmiegen

deutsch

unmöglich auf der Wiese einzuschlafen
die Augen zu schließen
oder sich zu umarmen
in dieser Stille erwischt nicht mal die Spinne eine Fliege
kein Blatt regt sich am Zweig
kein Flügel zuckt und keine Wimper
nur kalter Schweiß in deinem Schoß
und die Geräusche schmerzen
er hört als wäre er seit Tagen ohne Schlaf
das Blut durch seine Hände pochen
er preßt sie gegen seine Ohren seit die Stille
über ihm zusammenstürzte und keiner ihn rausholte
wach ist er und wachsam
er weiß nicht warum es nicht vorübergeht
er weiß nicht einmal was nicht vorübergeht
würde er sich nur auf die Seite drehen
machte das soviel Lärm daß es ihn sofort umbrächte
als senkte man den Kopf zwischen zermalmende Steine
sich an dich zu schmiegen – unmöglich
einzuschlafen – ebenso

ins Deutsche übertragen von Gerhard Falkner und Orsolya Kalász


© Gerhard Falkner und Orsolya Kalász



Balkáni babér / Ahogy (7)

ungarisch | Ottó Tolnai

Ahogy marija abramovic
hosszú szép fekete haj
hosszú szép fehér ruha
a velencei bienalén megrendezett
BALKAN BAROQUE című performanszán
(a jugoszláv illetve montenegrói pavilonból szerencsére
már előbb kiűzetett)
a körülötte felhalmozott (vagonnyi)
véres marhacsontot valami erős kefével
egyenkint súrolni-tisztítani kezdi
a wilhelm-dalok egyik sora jut eszedbe:
A RÉZDRÓTKEFE SZÉP

© Jelenkor Kiadó
aus: Balkáni babér
Pécs: Jelenkor Kiadó, 2001
Audio production: M.Mechner / literaturWERKstatt berlin 2004

Balkanischer Lorbeer - und wie (7)

deutsch

und wie dir als maria abramovic
mit schönen langen haaren
im schönen langen weißen kleid
bei ihrer auf der biennale in venedig gezeigten
performance BALKAN BAROCK (zum glück war sie aus dem
pavillon von jugoslawien beziehungsweise montenegro
schon vorher vertrieben worden)
die um sie herum aufgehäuften blutigen rinderknochen
(würden einen waggon füllen)
mit einer kräftigen bürste zu schrubben und zu bürsten beginnt
eine zeile aus den wilhelm-liedern einfiel:
DIE KUPFERDRAHTBÜRSTE IST SCHÖN

Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Gerhard Falkner

Balkáni babér / Ahogy (6)

ungarisch | Ottó Tolnai

Ahogy azt a rovignói szerb házaspárt
akikkel az újvidéki virág utca 3-at
(akárha  azonos című   könyvem)
készültem elcserélni
kikísértem a ház elé
és mercedesük hátsó ülésén
jóllehet ott ültek  kisgyerekeik is
megpillantottam a kalasnyikovot
s a vöröscsillagos olajzöld páncélsisakot
talán még integettem is
egyet egészen biztosan intettem
utánuk
szegények után
azután sokáig  álltam még ott
(istenem
éppen ilyen kataleptikus helyzetekből  születtek
katalektáim mind)
feleséged azt hitte  velük mentem
hiszen pontosan tudta
tovább már egy pillanatig sem bírom
az adria nélkül
noha ők az adria fele
többé már sosem is  mehetnek
egyértelmű volt embert öltek
álltam ott egy ideig még
a szemétdombbá púposodó
vakvágány felé fordulva
majd hirtelen fázósan
vacogva valójában
visszaszaladtam a virág utca 3-ba
(akárha szép puha könyvembe)
s azt mondtam feleségemnek:
mégsem az adriára
palicsfürdőre költözünk kedves
dr brenner is oda vágyakozott egész életében
jóllehet azon a metafizikus fürdőhelyen
végül is mindössze  
egy év
a l3-as
a balkáni háborúk vége
egy év
a 13-as
adatott meg neki
mert azután már
mint  különben most is
és mindenkor (ámen):
szarajevó következett

© Jelenkor Kiadó
aus: Balkáni babér
Pécs: Jelenkor Kiadó, 2001
Audio production: M.Mechner / literaturWERKstatt berlin 2004

Balkanischer Lorbeer - und wie (6)

deutsch

und wie ich das serbische ehepaar aus rovinj
mit dem ich meine wohnung in der virág straße 3 in újvidék
(genau wie in meinem gleichnamigen roman)
tauschen wollte
vor die haustür begleitete
erblickte ich auf dem rücksitz ihres mercedes
obwohl dort ihre kleinen kinder saßen
die kalashnikov und den olivengrünen stahlhelm mit dem roten stern
vielleicht habe ich ihnen auch nachgewunken
einmal habe ich ihnen sicherlich nachgewunken
den ärmsten
danach stand ich noch lange da
(mein gott
aus genau solchen kataleptischen situationen
sind alle meine katalekten entstanden)
deine frau glaubte ich sei mitgefahren
denn sie wusste genau
daß ich es ohne die adria
keine sekunde länger aushalte
obwohl diese leute ja gar nicht mehr
in richtung adria fahren konnten
denn es war eindeutig
dass sie einen menschen ermordet hatten
ich stand noch eine weile da
und wandte mich in richtung des
in einer aufgetürmten müllhalde endenden toten gleises
dann plötzlich fröstelnd
eigentlich sogar zitternd
rannte ich zurück in die virág straße 3
(wie in mein schönes broschiertes buch)
und sagte zu meiner frau:
doch nicht an die adria
nach palicsfürdö werden wir umziehen liebes
dr. brenner hatte sich auch ein leben lang dorthin gesehnt
obwohl ihm an diesem metaphysischen badeort
insgesamt
nur
ein jahr
anno 13
das ende des balkankrieges
ein jahr
anno 13
vergönnt war
denn gleich danach
wie übrigens jetzt auch
und in aller ewigkeit (amen):
kam sarajevo dran

Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Gerhard Falkner

Balkáni babér / Ahogy (5)

ungarisch | Ottó Tolnai

Ahogy akkortájt gyakran jutottak eszembe
zilahy lajos utolsó újvidéki napjai is
láttam fekete mamuszában csoszogni
a mestrovic-szobor súlyos ökle alatt
szálldaszobájában  a kis múzeális rezsón
csontlevesét főzögetni
vulkánfibere  tele volt velős csonttal
meg az is jutott akkortájt gyakran eszembe
hogyan okította az egyik jugomagyar írót
(nevezetesen tito összes műveinek  fordítóját)
a bestseller-írás fortélyaira:
könyvespolcodhoz sétálsz fiam
és leveszed dedijer sarajevo 1914 című nagy tomusát
majd szépen lassan kimásolod az érdekesebb részeket
közben persze itt-ott kiszínezhetsz egy-egy detaillet
leírhatsz részletesen egy gyűrődést
a hússzín atlasz szoknyán
bevezethetsz egy hőst is akár
aki például állandóan azt magyarázza
ő hol  állt  abban a bizonyos pillanatban
amikor az arkangyali princípiumot megtestesítő
figura elsütötte revolverét
meg még egy másik hőst is bevezethetsz
ha úgy gondolod
egy másik hőst akinek fogalma sincs miről is van szó
nyakában egy összekötött lábú bárányt visz a csarsiba
jómagam amióta először hallottam a nagy író tanácsait
ehhez a nyakában  összekötött lábú bárányt cipelő
hőshöz csapódtam
korán érkezik
még átengedik a miljacka hídján parolázik a katonákkal
akik meg vannak győződve a nyakába akasztott bárányt
a trónörökös lába elé fogja helyezni
kóvályog a külvárosokban
majd másnap-harmadnap munkavégzetlenül
a közben meglegeltetett báránnyal nyakában
mert addigra a miljacka hídja ismét járható
visszaballag a hegyekbe

© Jelenkor Kiadó
aus: Balkáni babér
Pécs: Jelenkor Kiadó, 2001
Audio production: M.Mechner / literaturWERKstatt berlin 2004

Balkanischer Lorbeer - und wie (5)

deutsch

und wie ich damals immer wieder
die letzten tage von lajos zilahy in újvidék vor augen hatte
wie er in seinen schwarzen filzpantoffeln herumschlurfte
unter der wuchtigen faust des mestrovic-denkmals
in seinem hotelzimmer auf einer museumsreifen kochplatte
seine kraftbrühe kochte
ein billiger pappkoffer stand immer vollgestopft mit markknochen
oft fiel mir damals auch noch ein
wie er einem der jugoslawisch-ungarischen schriftsteller
(und zwar dem übersetzer von titos gesamtwerk)
die finessen des bestseller-schreibens
beibrachte: du schlenderst zu deinem bücherregal
mein sohn und nimmst den riesigen band sarajevo 1914 von dedijer heraus
daraus kopierst du in aller ruhe die interessantesten stellen
hin und wieder kannst du natürlich das eine oder andere
detail etwas ausschmücken
ausführlich eine der knitterfalten im fleischfarbenen atlasrock beschreiben
du kannst getrost auch einen helden einführen
der zum beispiel ständig erklären will:
wo er in jenem besagten augenblick gestanden
als die verkörperung des racheengels
dieser princip seinen revolver abfeuerte
wenn du es für richtig hältst
kannst du auch noch einen zweiten helden einführen
einen anderen helden der keine ahnung hat worum es geht
über die schulter geworfen trägt er ein lamm
mit zusammengebundenen beinen in die tschartschi
ich selbst habe mich kaum dass ich die ratschläge
des großen schriftstellers zum ersten mal gehört hatte
auf die seite dieses helden geschlagen
der das lamm mit den zusammengebundenen beinen auf den schultern trägt
er kommt früh an
er wird noch über die miljacka gelassen
die soldaten begrüßen ihn mit handschlag
sie sind überzeugt dass er das lamm
das er auf den schultern trägt dem thronfolger zu füßen legen wird
er irrt durch die vorstädte
zwei, drei tage später dann unverrichteter dinge
mit dem lamm auf den schultern das er
in der zwischenzeit mehrmals weiden ließ
kaum dass die brücke über der miljacka wieder passierbar ist
trottet er in die berge zurück

Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Gerhard Falkner

Balkáni babér / Ahogy (4)

ungarisch | Ottó Tolnai

Ahogy hasa vasko popa felesége
a költő halálakor
babért keresve bolyong
a már háborús belgrádban
nincs az egész városban panaszkodik
a különben éppen moholi születésű
barátjuknak
már nem szállítanak panaszolja
már nem szállítanak dalmáciából
belgrádba babért
egy kis koszorút akartam fonatni
egy kis babérkoszorút a koporsójára

© Jelenkor Kiadó
aus: Balkáni babér
Pécs: Jelenkor Kiadó, 2001
Audio production: M.Mechner / literaturWERKstatt berlin 2004

Balkanischer Lorbeer - und wie (4)

deutsch

und wie hasa die frau von vasko popa
nach dem tod des dichters
herumirrt um lorbeerzweige zu finden
im bereits kriegsbelagerten belgrad
in der ganzen stadt gibt es keine klagt sie
ausgerechnet dem übrigens aus mohol stammenden freund
es werden aus dalmatien keine lorbeeren
mehr nach belgrad geliefert
ich wollte einen kleinen kranz flechten lassen
einen kleinen lorbeerkranz für sein grab

Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Gerhard Falkner

Balkáni babér / Ahogy (3)

ungarisch | Ottó Tolnai

Ahogy dr görög orebicen babérágakkal
borította ágyatokat
abban hiszen meztelen voltatok
valóban volt valami görögös
tépjétek mondta
tépjétek kiáltotta
jó lesz savanyú levesbe
abban mindennek ellenére
hiszen műértő volt dubrovnikban
és hamburgban készült a trópusi betegségek
orvosának fejből tudta legnagyobb költőnk
fehér ferenc költeményeit
szerette hallgatni ahogy
schweizer spielt bach
igen abban a tömérdek babérban
volt valami szégyenlős hommage is
dr görög különben még a háború kitörése előtt
hunyt el
már nem utazhattunk le temetésére
dalmát feleségén már előbb eluralkodott
a katalepszia
két szép fia pedig minden bizonnyal
mint horvát vitéz esett el a hazáért

© Jelenkor Kiadó
aus: Balkáni babér
Pécs: Jelenkor Kiadó, 2001
Audio production: M.Mechner / literaturWERKstatt berlin 2004

Balkanischer Lorbeer - und wie (3)

deutsch

und wie dr. görög in orebic
euer bett mitt lorbeerzweigen bedeckte
da ihr nackt wart
darin war wirklich etwas griechisches
zupft sie sagte er
zupft sie schrie er
sie bringen geschmack in die einbrennsuppe
in all dem lag jedoch
denn er war schließlich kunstkenner
hatte in dubrovnik und hamburg tropenmedizin studiert
konnte die gedichte unseres größten dichters
ferenc fehér auswendig
liebte die schallplatte
schweizer spielt bach
ja in all dem massenhaften lorbeer
verbarg sich auch so etwas wie eine schamhafte hommage
übrigens verstarb dr. görög noch vor
ausbruch des krieges
wir konnten nicht mehr zu seinem begräbnis reisen
seine frau aus dalmatien litt bereits seit jahren
an kataleptischen anfällen
seine beiden schönen söhne starben ganz gewiss
als kroatische helden für die heimat

Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Gerhard Falkner

Balkáni babér / Ahogy (1)

ungarisch | Ottó Tolnai

BALKÁNI BABÉR

Próbáld meg szeretni ezt a szép országot,
ahol élsz;  ártatlan a bekövetkező borzalmakban.
Én tudom szeretni az égboltot.
                                    
                                      Simone Weil Levelkek


  Mégis azt mondom, akkor, régen rontották el. Lehetett
volna  itt paradicsom... és én örülök  is, hogy úgy éltem
Krakkótól Belgrádig, mintha tényleg az lett volna. Egy ház,
egy nagy látóhatár... és mennyire nem volt az!  De tudod jól,
én csak azért is adtam a jó példát, és tettem úgy mintha! Csak
nekem cipellőm is volt hozzá, hogy a jég be ne szakadjon alattam.
Te, Hermi, mit csinálsz?! Ne a lavorba vizelj! - Mondjad csak, drágám,
te még a halálodat is el fogod mesélni, ha lesz, aki hallgatja?

                                       
                                       Mészöly Miklós Családáradás


Ahogy édesapám már majd 9o évesen
hosszú hallgatás után egyszer csak megszólalt
rendeltem 1o kiló babért
mit rendeltél szólt át édesanyám a hintaszékből
1o kiló babért
mit
1o kiló babért
babért kaptam fel a fejem én is
rendeltél 1o kiló babért
pestről a hangya-központból
és 1oo kilót küldtek
egy egész  bála dalmát babért
üzentek a vasútról
megérkezett a babér
küldjek kocsit
minek a kocsi kérdeztem
éppen az állomáson van a dragacsosunk
 küldjek kocsit a babérnak mondták
1o kiló babérnak kérdeztem
1oo kiló babérnak mondták
alig hogy elkezdtem volna árulni
jött a világháború
talán a hangya-központban is
a háború közelségét érezték meg
és mind szétküldték a raktáron lévő  babért
jóllehet a babér
éppen hogy nem romlik rá az emberre
mint a málna és a hal
a babér állóképes
talán a hangya-központban is
a háború közelségét érezték meg
aki 1 kilót rendelt
5 kiló babért kapott
aki 1o kilót
az 1oo kiló babért kapott
aki 1oo kilót rendelt
1 egész vagonnal kapott
1 egész vagon dalmát babért
nemsokára államosították a boltot
és vitte a nép a babért
széthúzták az egész bálát
a kommunisták gyanakodva vizsgálták
az éles  kesernyés leveleket
a lábatlan barátnak a kuka bélának
a konfiszkált fatalpgyárosnak
a bolond tóthnak  még a fejére is jutott
egyszerre olyan illata lett a városkánknak
mint egy görög ligetnek
a babér elnyomta a tisza felől érkező bűzt
a hullák  bűzét

© Jelenkor Kiadó
aus: Balkáni babér
Pécs: Jelenkor Kiadó, 2001
Audio production: M.Mechner / literaturWERKstatt berlin 2004

Balkanischer Lorbeer - und wie (1)

deutsch

Versuche dieses schöne Land, in dem du lebst,
zu lieben; es ist unschuldig an den künftigen
Greueln. Den Himmel darf man lieben.

                    Simone Weil

„ Trotzdem sage ich, damals, früher, wurde alles
verdorben. Es hätte hier ein Paradies sein können... u
nd ich bin froh, so zwischen Krakau und Belgrad
gelebt zu haben, als sei es eins gewesen. Ein Haus,
ein großer Horizont... und wie wenig war es das!
Aber du weißt ja, gerade deshalb hab ich ein gutes
Beispiel gegeben und getan als ob! Allerdings hatte
ich die Schuhe dazu, dass das Eis nicht unter mir
brach. Du, Hermina, was machst du? Pinkel nicht in die
Schüssel!” „Sag bloß, meine Teure, wirst du sogar von
deinem eigenen Tod erzählen, wenn jemand zugegen ist,
der dir dabei zuhört?”

                    Miklós Mészöly: Familienflut


und wie mein vater als er beinahe neunzig war
nach langem schweigen plötzlich sagte
ich habe 10 kilo lorbeerblätter bestellt
was hast du bestellt fragte aus dem schaukelstuhl meine mutter
10 kilo lorbeerblätter
lorbeerblätter hob auch ich den kopf
du hast zehn kilo lorbeerblätter bestellt
und sie haben 100 kilo geschickt
aus pest aus der hangya-genossenschaftszentrale
einen ganzen ballen dalmatische lorbeerblätter
die vom bahnhof haben ausrichten lassen
dass die lorberblätter angekommen seien
ich solle einen wagen schicken
wozu denn einen wagen fragte ich
unser schubkarrenmann ist doch gerade am bahnhof
ich solle einen wagen für die lorbeerblätter schicken sagten sie
für 10 kilo lorbeerblätter fragte ich
für 100 kilo lorbeerblätter sagten sie
kaum dass ich angefangen hatte sie zum verkauf anzubieten
kam der weltkrieg
vielleicht haben sie in der hangya-genossenschaftszentrale
das herannahen des krieges geahnt
und den ganzen lagerbestand an lorbeerblättern aufgelöst
obwohl lorbeerblätter
ja keine verderbliche ware sind
wie himbeeren oder fisch
lorbeerblätter sind lagerfähig
vielleicht haben sie in der hangya-genossenschaftszentrale
das herannahen des krieges geahnt
wer 1 kilo bestellt hatte
bekam einen ganzen waggon
einen ganzen waggon lorbeerblätter aus dalmatien
kurze zeit später wurde unser laden verstaatlicht
und die leute stürzten sich auf die lorbeerblätter
rupften den ganzen ballen auseinander
die kommunisten untersuchten misstrauisch
die scharfkantigen bitteren blätter
dem einbeinigen barát dem béla kuka
und dem verückten tóth dem enteigneten
holzsohlenfabrikanten wurden die blätter sogar auf den kopf gestreut
auf einmal roch unser städchen wie ein griechischer hain
der lorbeergeruch übertünchte den gestank der von der theiß herüberwehte
den gestank der leichen

Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Gerhard Falkner

Balkáni babér / Ahogy (2)

ungarisch | Ottó Tolnai

Ahogy csáth háborús naplójában
(szabadka palics horgos pázua szeged
cetinje lovcen bevétele
istenem még lovcent is bevették
Szavalnak de nem érzik a borzalmakat.
Délután fürdés. Belgrád ég.

leírja (lajstromozza) mit is kapott
azt otthonról érkező csomagban:
Mikor hazajövünk, vár reám kis Olgám
csomagja: babér, cigaretta, töltény, villamtelepek.

© Jelenkor Kiadó
aus: Balkáni babér
Pécs: Jelenkor Kiadó, 2001
Audio production: M.Mechner / literaturWERKstatt berlin 2004

Balkanischer Lorbeer - und wie (2)

deutsch

und wie csáth in seinem kriegstagebuch
(zur zeit der einnahme von szabadka palics horgos
pazua szeged cetinje lovcen
(mein gott sogar lovcen haben sie eingenommen
Sie lamentieren, haben aber kein Gefühl für Gräuel.
Nachmittags baden. Belgrad brennt.
)
auflistet was alles in dem paket ist
das von zuhause bekommen hat:
von meiner kleinen Olga:
Lorbeerblätter, Patronen, Batterien.

Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Gerhard Falkner

Az élõ másolat

ungarisch | Peter Zilahy

(oboett)
bejártam érted nagykapával farkasrét
összes  vermeit  beállítasz  és  nagypofával
közlöd  velem hogy  nem vagy  ott  –
ez  jó  nagyon  de  mondd  mitõl  hogy  egy
picit hasonlít rád minden ha
lott
te  mégse vagy  az  igazi  ha
egyszer nem vagy ott én élõt nem szerethetek
csak  azt ki  szervetlen  szeret  nekem  oly  szeretõ
kell  ki  mindig  frissen  ásott  és  komoly
mély  akár  egy  kút  egy  sír
egy illat

© Peter Zilahy
aus: Lepel alatt ugrásra kész szobor (Statue Under A White Sheet Ready To Jump)
Budapest: Pesti Szalon, 1993
Audio production: 2001 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Die lebende Kopie

deutsch

(Oboett)
für dich habe ich mit einer Hacke
jede Gruft des Farkasrét-Friedhofs durchstreift
und auf einmal schneißt Du hier herein
und teilst mir glattweg mit daß du dort gar nicht liegst –
daß ist zwar cool aber kannst du mir vielleicht erklären warum
alle Toten dort dir ein bißchen ähnlich sind
aber du bist nun mal nicht die Richtige
wenn du nicht dort bist eine Lebende kann ich nicht lieben
nur eine die anorganisch liebt eine solche Geliebte brauche ich
eine die immer frisch ausgegraben ist und ernst
und tief wie ein Brunnen eine Grube
ein Duft

ins Deutsche übertragen von Gerhard Falkner und Orsolya Kalász


© Gerhard Falkner und Orsolya Kalász



Az alvó Vénusz

ungarisch | János Térey

Vénusz erdőben él.
Az ablakkilincs, amelyik
Síkos még a tenyerétől,
Agancs alakú árnyékot vet a falra,
Ahogy a függöny mögül
Kikandikál. Vénusz
Félálomban szarvasbogárnak
Hiszi az árnyékot,
S miközben a másik oldalára fordul,
Mosolyogva állapítja meg:
Rovarnak óriási volna,
Kilincsnek akkora, amekkora.

A muszlinfüggöny
Ellibbenő odaliszk lehetne,
De gömbölyű formái nincsenek.
Egy cserép mikulásvirág
Álmában is egy cserép mikulásvirág:
Annyi, amennyi.

Ha nyitva az erdőre néző ablak,
Vénusz vánkosa préda a világnak:
Az alvó homlokára lepke száll,
És ő visszagondol előző életére,
Amelyikben nem Vénusz, hanem lepke volt.

Homloka mögött megjelennek
A csábító vonásai,
Aki szemezett vele a körforgalomban,
És fölpezsdítette Vénusz délelőttjét.
Mi van, ha ezt is félreérti:
Ő itt fekszik kitakarva,
De ez a fiú nem található
Az ébrenlét határain belül?

Régebben kilépett a teraszra ilyenkor,
Hogy pálcikavékony
Cigarettára gyújtson.
Most nedves tenyerébe temeti arcát.
Látomástól mentes tisztás
Egyedül a fürdőszoba,
Ahol a csempe hűvös,
Protestáns-fehér.

Audio production: Petőfi Irodalmi Múzeum 2006

Die schlafende Venus

deutsch

Venus lebt im Wald.
Die Fensterklinke,
Noch benetzt von ihrer Hand,
Wirft durch die Gardinen
Einen geweihförmigen Schatten an die Wand.
Im Halbschlaf
Hält Venus den Schatten
Für einen Hirschkäfer.
Während sie sich umdreht,
Sagt sie sich lächelnd:
Als Käfer wäre sie riesengroß,
Als Klinke ist sie einfach so groß, wie sie ist.

Die hauchdünne Gardine
Könnte eine schwebende Odaliske sein,
Doch ihr fehlen die Rundungen.
Die rote Hortensie
Bleibt auch im Traum eine rote Hortensie:
Sie ist einfach, was sie ist.

Steht das Fenster zum Wald offen,
Wird das Lager der Venus eine Beute der Blicke:
Ein Schmetterling senkt sich auf die Stirn der
      Schlummernden
Und sie denkt an ihr Leben vorher,
Da sie nicht Venus, sondern ein Schmetterling war.

Hinter den geschlossenen Augen erscheinen
Die Gesichtszüge des Verführers,
Der an der Straßenkreuzung mit ihr flirtete,
Der in den Vormittag der Venus plötzlich Leben brachte.
Was aber, wenn alles nur ein Missverständnis war:
Nun liegt sie hier, vollkommen preisgegeben,
Doch sobald sie wach ist,
Ist ein Jüngling nirgends zu entdecken?

Früher wäre sie in einem solchen Fall auf die Terrasse
      getreten,
Um sich eine dünne
Damenzigarette anzuzünden.
Nun aber bedeckt sie ihr Gesicht mit den feuchten
      Händen.
Die reinen Schauer der Vision
Kommen allenfalls aus dem Badezimmer,
In dem die Kacheln kühl
Und puritanisch-weiß.

Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Gerhard Falkner

A becsapódás helye

ungarisch | Peter Zilahy

az ébredõ város fényei
nézi a lendülõ kart az ökölcsapás úgy éri
mintha egy függönyt széjjelrántana
nem beszél nem ordít némán zuhan
kigombolja zakóját érezni akarja a hideget
ráborulni a tömör márvány levegõre
mintha szétlapítaná a mellére nehezedõ tér
belepréseli az alacsony szutykos felhõkbe
nem éri el a földet mintha hártya nõne
ujjai közé evez úszik elõre helyet csinál
a könyökével arrébb tolja a bámészkodókat
tompán puffan a porban és nincs se szó se vér
se harag nem szól nem vérzik csak kiszakad
forrón és hamuszürkén fekszik lábak közt
nyitott szemmel – nézi a test helyén a testet
elfordul eltûnik a tömegben hogy ne lássák
mire gondol minden reggel annál a háznál
megáll felfelé néz milyen magasról esne
zuhan az utca kövére némán

© Peter Zilahy
aus: Lepel alatt ugrásra kész szobor (Statue Under A White Sheet Ready To Jump)
Budapest: Pesti Szalon, 1993
Audio production: 2001 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Ort des Einschlages

deutsch

die Lichter der erwachenden Stadt
er sieht den ausholenden Arm der Faustschlag trifft
als würde ein Vorhang aufgerissen
kein Schrei kein Wort er stürzt stumm
knöpft sein Jackett auf will die Kälte spüren
stürzt in den dichten Marmor der Luft
der Raum als wolle er seine Brust zerquetschen
preßt ihn in die tiefen schmutzigen Wolken
den Boden erreicht er nicht als wäre ihm Schwimmhaut
gewachsen zwischen den Fingern rudert er vorwärts
verschafft sich Platz schiebt mit dem Ellenbogen die Gaffenden beiseite
kracht dumpf in den Staub kein Wort kein Blut
nicht einmal Wut er sagt nichts blutet nicht platzt nur auf
glühend und aschfahl liegt er zwischen Beinen
mit offenen Augen – betrachtet den Körper
anstelle des Körpers er dreht sich weg verschwindet in der Menge
damit keiner merkt was er jeden Morgen sich ausmalt
wenn er stehen bleibt vor dem Haus nach oben blickt
auf die Höhe aus welcher er fallen würde
er fällt stumm auf die Steine der Straße

ins Deutsche übertragen von Gerhard Falkner und Orsolya Kalász


© Gerhard Falkner und Orsolya Kalász