Diane-Monique Daviau 
ÜbersetzerIn

auf Lyrikline: 48 Gedichte übersetzt

aus: deutsch nach: französisch

Original

Übersetzung

schwoaze männa

deutsch | Axel Karner

schwoaze männa
hobnd im föld draußn
a loch gegrobn
tiaf ausm bodn
es lebn gsuacht

mit de bloaßn finga
de toatn
aus da eadn
gekrotzt
und aufghänkt
zan steabn


- - - - -

schwarze männer 

schwarze männer 
haben im feld draußen 
ein loch gegraben 
tief aus dem boden 
das leben gesucht

mit den bloßen fingern 
die toten 
aus der erde 
gekratzt 
und aufgehängt 
zum sterben

© Axel Karner und Bibliothek der Provinz
aus: schottntreiba
Weitra : Bibliothek der Provinz, 2004
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

des hommes noirs

französisch

des hommes noirs
dans le champ dehors
ont creusé un trou
au fond dans le sol
cherché la vie

avec leurs doigts nus
retiré les morts
en grattant
la terre
et les ont pendus
pour qu’ils meurent

Traduction française de Diane-Monique Daviau

host ma

deutsch | Axel Karner

host ma
de augn vadraht
de sun vabotn
vatrocknet da mund

lei es schrein
auf da tenn
a ongnoglts kind
dos de ondan
vatreibt


- - - - -

hast mir

hast mir
die augen verdreht 
die sonne verboten 
vertrocknet den mund

nur das schreien
auf der tenne
ein angenageltes kind
das die anderen
vertreibt

© Axel Karner und Bibliothek der Provinz
aus: schottntreiba
Weitra: Bibliothek der Provinz, 2004
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

tu m’as

französisch

tu m’as
viré les yeux à l’envers
interdit le soleil
desséché la bouche

juste le cri
sur l’aire de battage
un enfant cloué
qui chasse
les autres

Traduction française de Diane-Monique Daviau

de leichntroga

deutsch | Axel Karner

de leichntroga
woatnd
bis de fliagltian
aufgeahnd
und de leit
ausawolgnd
in wind

lei
im banahaus
drinnen
tonznd
de toatn
bis unta de stean


- - - - -

die leichenträger

die leichenträger
warten
bis die flügeltüren
aufgehen
und die leute
herausrollen
in den wind

nur
im beinhaus
drinnen
tanzen
die toten
bis unter die sterne

© Axel Karner und Bibliothek der Provinz
aus: schottntreiba
Weitra : Bibliothek der Provinz, 2004
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

les croque-morts

französisch

les croque-morts
attendent
jusqu’à ce que les portes à deux battants
s’ouvrent
et que les gens
roulent dehors
dans le vent

seulement
dans l’ossuaire
à l’intérieur
les morts
dansent
jusque sous les étoiles

Traduction française de Diane-Monique Daviau

[wonn da bam bliaht]

deutsch | Axel Karner

wonn
da bam bliaht
kriachnd
de leit
en toad
iba de augn
de knecht
straand
kolch
ibas diarre fleisch
und pfeifnd
auf de knochn
a liad


- - - - -


wenn
der baum blüht
kriechen
die leute
dem tod
über die augen
die knechte
streuen
kalk
über das dürre fleisch
und pfeifen
auf den knochen
ein lied

© Axel Karner und Bibliothek der Provinz
aus: schottntreiba
Weitra : Bibliothek der Provinz, 2004
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

[quand l’arbre fleurit]

französisch

quand
l’arbre fleurit
les gens
rampent
par-dessus les yeux
de la mort
les garçons de ferme
épandent
de la chaux
sur la chair desséchée
et sur les os
sifflotent
une chanson

Traduction française de Diane-Monique Daviau

[Was auch geschieht]

deutsch | Farhad Showghi

Was auch geschieht: wir haben einige Birken am
geöffneten Fenster, zu denen gleich alles paßt. Jede
Handbewegung, ein Anfang vielleicht, ein Stück Papier.
Auch der Wohnblock bei Nässe und Sonne oder als
grosser enthäuteter Lachs. Frauen und Kinder beginnen
zu rufen, binden ihre Stimmen an die Birken, versuchen
etwas, gehen fort. Wir spüren ein Winken auf den
Wangen. Unsere Finger erscheinen und spielen und
werden mehr und mehr. Wir machen nichts falsch.
Wenn wir auch zu den Birken passen, spielend die Launen
wechseln, irgendwo sitzend mit Sommerschuhen und
dem Rücken zum Lachs. Lachs, sagen wir, Lachs, und die
Frage: Wer sorgt für Wasser, wer für Wirbel und sturm-
feste Schuppen? Jede Zimmerluft ist Lachsluft jetzt, die
Aussenluft der Birken. Und die Stimmen der Frauen und
Kinder laufen ohne Frauen und Kinder um die Birken
herum.

© by Farhad Showghi
aus: Die Walnußmaske, durch die ich mich träumend aß
Hamburg: Rospo-Verlag, 1998
Audio production: 2001, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

[Quoi qu’il arrive]

französisch


Quoi qu’il arrive :  nous avons quelques bouleaux près de la fenêtre ouverte auxquels tout s’accorde aussitôt.  Tout geste de la main, un début peut-être, un morceau de papier.  Ou encore le pâté de maisons sous la pluie et le soleil, ou en gros saumon dépouillé de sa peau.  Femmes et enfants commencent à appeler, lient leurs voix aux bouleaux, tentent quelque chose, s’en vont.  Nous sentons une vague passer sur nos joues.  Nos doigts apparaissent et jouent et deviennent de plus en plus nombreux.  Nous ne faisons aucun faux pas. Si nous nous accordons aussi aux bouleaux, changeons d’humeur en jouant, assis quelque part en souliers d’été et dos au saumon.  Saumon, disons-nous, saumon, et la question :  qui fournit l’eau, qui les vertèbres et les écailles résistant à la tempête ?  L’air de chaque pièce est de l’air de saumon, maintenant, l’air extérieur des bouleaux.  Et les voix des femmes et enfants courent sans femmes et enfants autour des bouleaux.


Traduction française de Diane-Monique Daviau

[WAR ICH NICHT DEUTLICH GENUG]

deutsch | Thomas Kunst

WAR ICH NICHT DEUTLICH GENUG,
Körperchen. Es beeindruckt mich einfach nicht
Mehr, daß du mit Merkheft und dem neuesten
Von Cacharel sonntags in den Galerien
Rumstehst und dir Notizen machst über
Zeitgenössische Striche, lang, dunkel,
Unterbrochen, schief, und das gute daran ist,
Immer haben sie etwas zu bedeuten, der Strich
Gleich neben dem Eingang etwa bedeutet
Versunkener, sibelischer Hinterhalt ohne
Messer und Violine, aber mit Stewardess drin.
Dabei war ich eben sogar schon kurz davor,
Dem Angekrümmten Strich, keinen Arzt her, es
Geht gleich wieder, wenigstens abzunehmen,
Nur Messer zu sein, aber alles wird einem
Genommen, aber auch rein alles, Messer,
Violine, Stewardess, dabei fehlte zur frischen,
Übereinandergeschlagenen Hitze ihrer Beine
Nur noch ein einziger, seitlich geführter Hauch.

© Thomas Kunst
aus: Der Schaum und die Zeichnung vom Pferd
Berlin: Kowalke & Co. Verlag, 1998
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

[N’AI-JE PAS ÉTÉ ASSEZ CLAIR]

französisch

N’AI-JE PAS ÉTÉ ASSEZ CLAIR,
Corpuscule.  Ça ne m’impressionne tout simplement
Plus que, avec ton bloc-notes et la dernière nouveauté
De Cacharel, tu fasses le tour des galeries
Le dimanche et que, debout ici et là, tu prennes des notes sur
Des traits de crayon contemporains, longs, foncés,
Interrompus, obliques, et ce qui est bien, avec ça,
C’est qu’ils ont toujours quelque chose à signifier, le trait
Directement à côté de l’entrée, mettons, signifie
Embuscade sibélienne absorbée sans
Couteau et violon mais avec stewardess dedans.
Et pourtant à l’instant j’étais même déjà tout près
D’enlever au trait tordu, laissez faire le médecin, ça
Va aller dans un instant, au moins le fait
De n’être qu’un couteau, mais on se fait tout
Prendre, mais alors là vraiment tout, couteau
Violon, stewardess, pourtant il ne manquait plus à la fraîche
Ardeur de ses jambes croisées
Qu’un seul souffle, dirigé de côté.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

[VATER, HAST DU MIR EINEN TAGESRITT]

deutsch | Thomas Kunst

VATER, HAST DU MIR EINEN TAGESRITT
Mitgebracht. Natürlich mein Junge. Aber
Keinen weiten. Er ist noch im Mantel. Was hat
Das zu bedeuten. Ich sah Mutter in eines dieser
Neuartigen Automobile steigen, bei denen eine
Beifahrerin nicht mit zur Serienausstattung
Gehört. Sie tat gerade so, als seist du der Fahrer.
Aber warum soll ich denn nicht der Fahrer
Gewesen sein, mein Junge. Sie hielt dem Fahrer
Ihren Ellenbogen an den Mundwinkel,
Und der hatte davon keine wesentlichen
Nachteile.

© Thomas Kunst
aus: Der Schaum und die Zeichnung vom Pferd
Berlin: Kowalke & Co. Verlag, 1998
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

[PÈRE, M’AS-TU RAPPORTÉ UNE CHEVAUCHÉE DU JOUR]

französisch

PÈRE, M’AS-TU RAPPORTÉ UNE CHEVAUCHÉE DU JOUR.
Évidemment mon garçon.  Mais
Pas une grande.  Elle est encore dans le manteau.  Qu’est-ce que
Ça veut dire.  J’ai vu mère monter dans une de ces
Nouvelles automobiles dont la
Passagère ne fait pas partie de l’équipement
De base.  Elle faisait justement comme si tu étais le conducteur.
Mais pourquoi n’aurais-je pu être le
Conducteur, mon garçon.  Elle avait son coude
Posé sur le coin de la bouche du conducteur.
Et ça n’avait pas l’air de le déranger
Outre mesure.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

[OHNE JEDE KÜSTE, SAFARELL]

deutsch | Thomas Kunst

OHNE JEDE KÜSTE, SAFARELL, aber es wäre
Einfach nicht zynisch genug, dir die Wahl der
Waffen zu überlassen. Denn ich wüßte schon
Vorher, wofür du dich entscheiden würdest.
Lichtung. Belorussische Helligkeit anhand von
Birken. Rücken an Rücken. Du, in deiner
Rechten, hängenden Hand ein kleines,
Schwarzes, anliegendes Wasser bis zum get no.
Ich, in meiner rechten, anliegenden Hand ein
Kleines, schwarzes, anhängliches Wasser bis
Zum get no. Rücken an Rücken. Jeder von uns
Beiden gerade mal zehn Schritt. Umdrehen.
Abdrücken. Du bist jetzt Puschkin, Safarell. Ich
Würde mit dir die Birken einsauen. Aber unsere
Sekundanten haben anders entschieden. Keine
Rücken. Kein Wasser. Keine Lichtung unter
Belorussischem Geäst. Unsere Sekundanten
Haben lange überlegt, welches Material am
Genauesten Regelmäßigkeiten beendet. Ohne
Einen nassen Hauch von Innereien. Bis ihnen
Der grobe, soziale Steinschmuck der Vorstädte
Einfiel. Denn der Tod ist ja auch dazu da, daß
Dein einer Stuhl an der Bar, wenigstens nur
Einen Abend lang, sein Holz mal ganz für sich
Allein hat. Du mußt jetzt Puschkin sein,
Safarell. Aber unsere Sekundanten haben schon
Anders entschieden. Keine Lichtung. Kein
Wasser. Nicht der geringste belorussische
Ansatz. Du, in deiner rechten, hängenden
Hand eine kleine, schwarze, anliegende Vorstadt
Bis zum get no. Ich, in meiner rechten,
Anliegenden Hand eine kleine, schwarze,
Anhängliche Vorstadt bis zum get no. Rücken
An Rücken. Jeder von uns beiden gerade mal
Zehn Schritt. Du hast beim Gehen die Vorstadt
Geöffnet. Ein Gasthof kippt ins Gras. Eine
Vergessene Kutsche. Natalenkas Wiesenübung
Mit Briefmesserchen. Meine Vorstadt war noch
Komplett, als ich mich umdrehte, umdrehte zu
Dir, Safarell, denn keiner ist Puschkin, wenn ich
Ihn wirklich brauche. Zum Umdrehen.
Abdrücken. Lichtung waschen. Belorussische
Flecke an den Birken. Hör auf, so zu schwitzen,
Kleine, schwarze, zusammengedrückte
Vorstadt. Ich weiß, du bist aufgeregt, deine
Engen Gassen zucken, aber damit kommst du
Bei Birken nicht durch.

© Thomas Kunst
aus: Der Schaum und die Zeichnung vom Pferd
Berlin: Kowalke & Co. Verlag, 1998
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

[SANS AUCUNE RIVE, SAFARELL]

französisch

SANS AUCUNE RIVE, SAFARELL, mais ça ne serait
Tout simplement pas assez cynique de te laisser le
Choix des armes.  Car je saurais déjà
D’avance pour quoi tu te déciderais.
Clairière.  Clarté biélorusse par le biais des
Bouleaux.  Dos à dos.  Toi, dans ta
Main droite pendante, un petit
Cours d’eau noir, contigu jusqu’à get no.
Moi, dans ma main droite collée au corps, un
Petit cours d’eau noir fidèle jusqu’à
Get no.  Dos à dos.  Chacun de nous
Deux tout juste dix pas.  Se retourner.
Appuyer sur la gâchette.  Tu es maintenant Pouchkine, Safarell.  Je
Cochonnerais les bouleaux avec toi.  Mais nos
Témoins en ont décidé autrement.  Pas de
Dos.  Pas de cours d’eau.  Pas de clairière sous
Des branchages biélorusses.  Nos témoins
Ont longuement réfléchi au matériel qui
De la manière la plus précise met fin à des régularités.  Sans
La moindre trace humide de tripes.  Jusqu’à ce que
La grossière parure de pierre des banlieues
Leur vienne à l’esprit.  Car la mort est aussi là pour que
Ta chaise au bar, au moins juste une soirée, ait pour une fois son bois
Juste pour elle.  Tu dois maintenant être Pouchkine,
Safarell.  Mais nos témoins en ont déjà
Décidé autrement.  Pas de clairière.  Pas
De cours d’eau.  Pas le moindre début
Biélorusse.  Toi, dans ta main droite pendante,
Une petite banlieue noire, contiguë
Jusqu’à get no.  Dos
À dos.  Chacun de nous deux tout juste
Dix pas.  En marchant, tu as ouvert
La banlieue.  Une auberge bascule dans l’herbe.  Une
Diligence oubliée.  L’exercice de Natalenka dans la prairie
Avec des petits couteaux à lettres.  Ma banlieue était encore
Complète quand je me retournai, me retournai vers
Toi, Safarell, car personne n’est Pouchkine quand j’en
Ai vraiment besoin.  Pour me retourner.
Appuyer sur la gâchette.  Laver la clairière.  Taches
Biélorusses sur les bouleaux.  Arrête de suer comme ça,
Petite banlieue noire,
Comprimée.  Je sais, tu es agitée, tes
Petites rues étroites tressaillent, mais ce n’est pas avec ça que tu
T’en sortiras avec les bouleaux.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

[MEIN SCHULHEFT MIT ZWÖLF.]

deutsch | Thomas Kunst

MEIN SCHULHEFT MIT ZWÖLF. Ein Aufsatz
Darüber, daß Mutter zu schnell größer
Geworden ist. Vormittag in der Badeanstalt.
Das Wasser ist dreckig. Das Umziehen dauert
Lange. Erst die Hose, das Hemd, die Strümpfe,
Das Unterhemd, dann der Bademantel mit
Gürtel, loser Knoten, angedeutete Schleife,
Runter das eine, die Badehose hoch,
Anständiges, fleckiges Weiß, die Mehrzahl der
Haare dort, wo sie nicht hinsollen.
Das Wasser lau. Auf ihre Art
Zufriedene Schwäne.

© Thomas Kunst
aus: Der Schaum und die Zeichnung vom Pferd
Berlin: Kowalke & Co. Verlag, 1998
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

[MON CAHIER D’ÉCOLE À DOUZE ANS]

französisch

MON CAHIER D’ÉCOLE À DOUZE ANS.  Une rédaction
Sur le fait que mère est devenue plus grande
Trop vite.  Avant-midi à la piscine.
L’eau est sale.  Se changer prend
Du temps.  D’abord le pantalon, la chemise, les bas,
Le tricot de corps, puis le peignoir de bain avec
Ceinture, nœud lâche, ébauche de boucle,
Descendre le caleçon, monter celui de bain,
Du blanc décent, tacheté, la majorité des
Poils là où ils ne devraient pas se trouver.
L’eau tiède. À leur manière,
Des cygnes satisfaits.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

[EINE TERRASSE, SCHON HALB AN DEN]

deutsch | Thomas Kunst

EINE TERRASSE, SCHON HALB AN DEN
Stühlen vorbei. Schwimm nicht so weit
Raus. Du frierst. Du benutzt einen tief, bis in
Die Eingeweide, schimmernden Schnaps. Ich
Weiß, das geht nicht. Du bist goldig. Du
Verschwindest in einem losegebogenen
Augenblick mit einem wohlsituierten Herren,
Der das Dinner zwar jederzeit recht reizend
Findet, aber die zuletzt angebotenen Drinks
Höflich verschmäht, eitrig fiebern die
Autoschlüssel in seinen schmalen Händen, und
Der dich fragt, schon in anderer Umgebung,
Schon was mit Pavillion, Laub und
Verdunkeltem Schwan, ob man hier überhaupt
Mit jemandem reden kann, außer mit dir. Daß er
Sich noch einmal so mit einer Frau unterhalten
Würde, das hätte noch nicht mal mein Schwan
Für möglich gehalten. Aber der ist verdunkelt.
Den fragt keiner. Dabei gehörte ihm früher der
Pavillon, da war noch Betrieb, das Laub ganz
Allein, der Weg dahin und alle Zufahrtsstraßen,
Die zum Weg führten, der sich ansonsten recht
Rot durch den Pavillon zog. Aber wenn der
Schwan sagt, zuhören kann man ja wenigstens,
Keine Angst, ich schwimme schon nicht weit
Raus, ist es besser, man fährt wieder.

© Thomas Kunst
aus: Der Schaum und die Zeichnung vom Pferd
Berlin: Kowalke & Co. Verlag, 1998
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

[UNE TERRASSE, DÉJÀ À MOITIÉ DÉPASSÉ LES CHAISES]

französisch

UNE TERRASSE, DÉJÀ À MOITIÉ
Dépassé les chaises.  Ne nage pas aussi
Loin .  Tu grelottes.  Tu prends un schnaps qui
Scintille profondément, jusque dans les entrailles. Je
Sais, ça ne marche pas.  Tu es mignonne.  Tu
Disparais, dans un moment déplié,
Détaché, avec un homme fortuné
Qui trouve le dîner certes toujours bien
Charmant mais qui dédaigne poliment
Les derniers drinks offerts, les clés d’auto sont prises d’une fièvre
Purulente dans ses mains étroites, et
Qui te demande, déjà dans un autre environnement,
Quelque chose comme ça avec un pavillon, de la verdure et
Un cygne assombri, si on peut, finalement, ici,
Parler avec quelqu’un, à part avec toi.  Qu’il puisse
À nouveau s’entretenir ainsi avec une femme,
Cela, même mon cygne
Ne l’aurait pas cru possible.  Mais il est assombri.
Personne ne lui pose de question.  Dire qu’autrefois le
Pavillon lui appartenait, il y avait encore de l’activité, toute la
Verdure, le chemin qui s’y rendait et toutes les voies d’accès
Qui menaient au chemin, qui par ailleurs s’étirait,
Bien rouge, à travers le pavillon.  Mais quand le
Cygne dit, on peut bien écouter, au moins,
N’aie pas peur, je ne nagerai pas bien
Loin, il est préférable de s’en retourner.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

[DER GRUNDGEDANKE VON NÄSSE.]

deutsch | Thomas Kunst

DER GRUNDGEDANKE VON NÄSSE. Nach
Dem Bumsen werden die Tiere traurig. Die
Augen stumpf. Das Rückenmaterial
Verwahrlost, gelb und matt und salzig. Sie
Haben zuerst nur hinübergesehen. So kamen
Fell und Muskeln der anderen in der Ferne zu
Einem ungefährdeten Sieg. Hätten sie es doch
Bloß dabei bewenden lassen. Die Ferne gab es
Schon immer. Verwaschen. Hilflos. Viel später
Erst die flache Sauberkeit der Geographie. Wer
Nicht hinsah, bekam den Wind. Gelb und matt
Und salzig. Aber mit so etwas braucht man den
Tieren gar nicht erst kommen, daß Geographie
Jünger sein soll als Ferne. Sie achten schon von
Allein darauf, daß sie sich nur für solche Tiere
Interessieren, die ihnen schon von weitem den
Rücken zukehren, gelb und matt und salzig,
Nach dem Bumsen werden die Tiere traurig, sie
Zittern, sie wackeln, sie spielen auf die Seite
Legen, auch wenn es sich scheinbar nicht gleich
Rentiert, aber mit so etwas braucht man den
Tieren gar nicht erst kommen, sie bumsen, sind
Traurig, das Rückenmaterial verwahrlost, die
Augen stumpf, je nachdem, ob es einen Wind in
Dieser Höhe jemals gegeben hat.

© Thomas Kunst
aus: Der Schaum und die Zeichnung vom Pferd
Berlin: Kowalke & Co. Verlag, 1998
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

[L’IDÉE FONDAMENTALE DE L’HUMIDITÉ]

französisch

L’IDÉE FONDAMENTALE DE L’HUMIDITÉ.  Après
Le coït les animaux deviennent tristes. Les
Yeux mornes.  Le matériel dorsal
À l’abandon, jaune et terne et salé.  Ils
Ont d’abord simplement regardé de l’autre côté.  Aussi
La fourrure et les muscles des autres dans le lointain
Semblaient-ils une victoire sans danger.  Si seulement ils
En étaient restés là.  Le lointain a
Toujours existé.  Vague.  Sans défense.  Bien plus tard
Seulement la plate propreté de la géographie.  Celui qui
Ne regardait pas recevait le vent.  Jaune et terne
Et salé.  Mais ça ne vaut même pas la peine
De raconter ça aux animaux, que la géographie
Serait plus jeune que le lointain.  Ils veillent déjà
D’eux-mêmes à ne s’intéresser qu’à ceux des
Animaux qui, de loin déjà, leur
Tournent le dos, jaune et terne et salé,
Après le coït les animaux deviennent tristes, ils
Tremblent, ils vacillent, ils jouent à se coucher
Sur le côté, même si en apparence cela ne rapporte pas
Tout de suite, mais ça ne vaut même pas la peine
De raconter ça aux animaux, ils copulent, sont
Tristes, le matériel dorsal à l’abandon, les
Yeux mornes, cela dépend si jamais il y a déjà eu
Du vent à cette altitude.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

[DAS MIT DEM TIERGARTENWECHSEL]

deutsch | Thomas Kunst

DAS MIT DEM TIERGARTENWECHSEL ist
Eine ganz andere Geschichte. Nur zur
Beruhigung, aber du bist nicht der einzige, dem
Das mit der Unterführung und dem Flamingo
Passiert ist. Aber was gehst du denn auch am
Sonntag Nachmittag durch eine Unterführung.

© Thomas Kunst
aus: Der Schaum und die Zeichnung vom Pferd
Berlin: Kowalke & Co. Verlag, 1998
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

[L’AFFAIRE AVEC LE CHANGEMENT DE JARDIN ZOOLOGIQUE]

französisch

L’AFFAIRE AVEC LE CHANGEMENT DE JARDIN ZOOLOGIQUE est
Une tout autre histoire.  Juste pour
Te rassurer, mais tu n’es pas le seul à qui
Cette affaire de passage souterrain et de flamant
Est arrivée.  Mais qu’est-ce qui te prend aussi, un
Dimanche après-midi, de passer par un passage souterrain.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

*** [den phasenübergang hätten wir]

deutsch | Daniel Falb

1.  den phasenübergang hätten wir gerade verpasst. vom kristall zum flüssig-
     kristall, ein blinzeln. eine schmelze, nämlich die topologien und ländereien,
     in denen wir gebogen liegen.

2.  und wie sie geplant sind. jene hundertschaften von partnern, die nur aus
     lippen und haut bestünden.

3.  die anordnung der kleinen käfige wäre in perspektivischer darstellung aus-
     zuführen. überflüssiges ließen wir weg.

4.  dasjenige, das wir die augen nannten und das sich auf allen gliedmaßen
     unkontrolliert und kreisförmig vermehrte.

5.  und dasjenige, das hier als die knochen oder doch als gesteil fungierte, den
     intelligenten einkaufswagen. unser Warenkorb sackte entsprechend schnell
     in sich zusammen.

6.  gleichwohl wollten wir sicherheit bekommen für das tier, lagen formlos und
     gerötet im bettenstudio.

7.  aus den tissues, eben dem flüssigen gewebe und den kleenex formierte sich
     so bereits ein neues objekt. eine qualität, die sich mehrdimensional erhob,
     indem wir aufstanden und zum kühlschrank gingen.

8.  das alles nahm wie unsere freundschaft nur wenige raumelemente ein, zu-
     mal meine stimme selbst dazu gehörte.

© Daniel Falb
aus: unveröffentlichtem Manuskript
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

[la phase transitoire, nous l’aurions]

französisch

1.  la phase transitoire, nous l’aurions tout juste ratée.  du cristal au cristal
     liquide, un battement de paupière.  une fusion, à savoir les topologies
     et les domaines dans lesquels nous nous retrouvons recourbés.

2.  et comment ils sont planifiés.  ces centaines de partenaires qui ne
     seraient constitués que de lèvres et de peau.

3.  la disposition des petites cages serait à exécuter dans une présentation
     en perspective.  nous supprimerions le superflu.

4.  ce que nous appelions les yeux et qui s’est propagé
     d’une manière circulaire et incontrôlée sur tous les membres.

5.  et ce qui faisait ici fonction d’os ou du moins de support, ce
     chariot intelligent.  notre panier à provisions s’est effondré
     à une vitesse égale.

6.  nous voulions tout de même une sécurité pour l’animal, étions étendus,
     sans gêne et rougis, dans la section des lits.

7.  à partir des tissus, justement la texture liquide et les kleenex, un nouvel objet
     était déjà en train de se former. une qualité
     qui se développa multidimensionnellement lorsque nous nous levâmes
     et nous dirigeâmes vers le réfrigérateur.

8.  tout cela occupa, comme notre amitié, à peine quelques éléments dans  l’espace,
     d’autant plus que même ma voix en faisant partie.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

Wohnblock mit Birken

deutsch | Farhad Showghi

Wir schauen auf Fensterstücke und Balkone wie man
auf ein Rudel Rehe schaut. Aber wir machen kein
Klopfgeräusch, wir beugen kein weites Panorama und
setzen uns hin. Wir freuen uns, trinken und rauchen,
wenn der Wohnblock jetzt knarrt, ja, sehr seetüchtig
ist, ein Schnittblumenfrachter ohne Schrauben. Die
Reihen der Fensterstücke und Balkone erfaßt eine
unverschwommene Einhelligkeit. In einem Zimmer
spielt noch ein Kind mit Schuhen, den Schnittblumen
eines Sturmkapitäns. Die Schiffbrüchigen stehen unten,
rufen. Flammender Glyzinienbogen, wir spüren die
Nähe unserer Hände und Füsse, o Kastanienzweig.
Wer, ja wer hat eine Seenot gefunden? Wer ist der
Sturm? Birken, Birken, wenn wir ertrinken, sind wir
Birken.

© by Farhad Showghi
aus: Die Walnußmaske, durch die ich mich träumend aß
Hamburg: Rospo-Verlag, 1998
Audio production: 2001, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Pâté de maisons avec bouleaux

französisch

Nous regardons fenêtres et balcons comme on regarde une harde de chevreuils.  Mais nous ne frappons pas dans nos mains, nous ne déployons pas de grand panorama et nous nous assoyons.  Nous sommes heureux, buvons et fumons quand le pâté de maisons émet un grincement, vraiment, il est très en état de prendre la mer, un cargo de fleurs coupées dépourvu d’hélices.  Les rangées de fenêtres et balcons sont englobées dans une unanimité sans flou.  Dans une pièce, un autre enfant joue avec des souliers, les fleurs coupées d’un capitaine tempête.  Les naufragés sont en bas, crient.  Arche de glycine flamboyante, nous sentons la proximité de nos mains et nos pieds, ô branche de châtaignier.  Qui, mais qui a trouvé un naufrage ?  Qui est la tempête ?  Bouleaux, bouleaux, quand nous nous noyons, nous sommes des bouleaux.


Traduction française de Diane-Monique Daviau

vorrat

deutsch | Andreas Altmann

der schnee beginnt in den augen,
wenn der wind das licht
laut aus den pappeln treibt.
du mußt dich entscheiden,
wenn dich dein schatten verläßt,
welche wege du aufstellst
fürs gehen. das zimmer erkaltet
unter geräuschen des schnees.
es klopft an der tür. du öffnest das holz.
es ist die alte geschichte.
jemand erkennt dich
und erzählt dir, was war.
du trocknest die worte und hoffst,
daß sie halten. doch noch ist es
september. du verteilst
deine schatten nach ihren gewichten,
fällst leicht durch die worte,
die leiser werden, verstummen,
wenn du sie aufschlägst
auf seiten des schnees.

© Rimbaud Verlag
aus: das langsame ende des schnees. Gedichte.
Aachen: Rimbaud Verlag, 2005
ISBN: 3-89086-624-7
Audio production: 2004, M.Mechner / literaturWERKstatt berlin

réserve

französisch

la neige commence dans les yeux
quand le vent expulse bruyamment
la lumière des peupliers.
tu dois décider,
quand ton ombre t’abandonne,
quels chemins tu ouvres
pour la marche.  la pièce refroidit
sous les bruits de la neige.
on frappe à la porte.  tu ouvres.
c’est la vieille histoire.
quelqu’un te reconnaît
et te raconte ce qui s’est passé.
tu sèches les paroles et espères
qu’elles se conservent.  mais ce n’est encore
que septembre.  tu répartis
tes ombres d’après leur poids,
tombes doucement à travers les paroles
qui faiblissent, cessent
quand tu les ouvres
aux pages de la neige.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

unter schnee

deutsch | Andreas Altmann

der schatten des felsentores ist eingeschneit.
als ich durch ihn gehe, schließt sich der körper

zwischen zwei augenblicken. ein eisnetz
zieht bäume in den himmel. eine birke

hält sich am felsen, die wurzel im stein.
geräusche aus dem tal verlieren an herkunft.

die blicke im freien fall. nur das knistern
der blätter unter dem schnee an der eiche

holt sie zurück. er brennt in den augen.
über nacht hat frost die tiefsten füßabdrücke

gerahmt. sie passen nicht in meine schritte.
als kind hab ich die unberührten flächen

des schnees gemieden. jemand hat ein herz
in ihn gestochen. auf dem bergfriedhof

ist einer so alt wie ich geworden. ich werf
einen schneeball aufs grab. und seh mich

mit offenen augen.

© Rimbaud Verlag
aus: das langsame ende des schnees. Gedichte.
Aachen: Rimbaud Verlag, 2005
ISBN: 3-89086-624-7
Audio production: 2004, M.Mechner / literaturWERKstatt berlin

enneigé

französisch

l’ombre de l’arche du rocher est enneigée.
au moment où je la traverse, le corps se ferme

entre deux instants.  un filet de glace
tire des arbres dans le ciel.  un bouleau

se retient au rocher, la racine dans la pierre.
les bruits de la vallée perdent de leur origine.

les regards en chute libre.  seul le craquètement
de feuilles sous la neige près du chêne

les ramène.  la neige brûle dans les yeux.
pendant la nuit, le gel a encadré les empreintes de pieds

les plus profondes.  elles ne correspondent pas à mes pas.
enfant, j’évitais les surfaces de neige

vierges.  quelqu’un a gratté
un cœur dedans.  au cimetière de la montagne,

il y en a un qui a atteint le même âge que moi.  je lance
une boule de neige sur la tombe.  et me vois

les yeux ouverts.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

unter dem glassturz

deutsch | Norbert Hummelt

noch stehn die magnolien nicht
im zenit doch ist ein druck
auf meinem linken augenlid
u. sendet schauder bis in
mein gehirn als sei der flieder
schon an mir vorbeigegangen

die glocke soll sich nur nicht
wieder senken, um gottes
willen bitte, nicht um mich
ich will auch immer atmen daß
ich luft bekomme, mit tropfen
künstlich die pupillen weiten

daß ich das blühen einmal nicht
versäume, das weiße blitzen
der kastanienbäume
von dem ich eingekapselt
schon u. immerfort mit
allen venen u. arterien träume

© Luchterhand Literaturverlag
aus: Zeichen im Schnee
München: Luchterhand Literaturverlag, 2001
ISBN: 3-630-62005-1
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

sous la cloche de verre

französisch

les magnolias ne sont pas encore
à leur apogée pourtant une pression s’exerce
sur ma paupière gauche
& envoie des tressaillements jusque dans
mon cerveau comme si le lilas
était déjà passé à côté de moi

la cloche ne doit surtout pas
descendre à nouveau, pour l’amour
de Dieu s’il vous plaît, pas autour de moi
je veux continuer à respirer
que j’aie assez d’air avec des gouttes
agrandir les pupilles artificiellement

qu’un jour je ne rate pas la floraison, les éclairs blancs
des châtaigniers
dont, encapsulé, je rêve déjà
et à tout jamais avec
toutes mes veines & artères

Traduction française de Diane-Monique Daviau

tour de trance

deutsch | Monika Rinck

wie sich alles drehte, wiederholte, dehnte,
und rotierte, die wärme war a space so vast,
so katastrophisch groß, war sie arena
worin die trümmer von objekten trieben,
wilde schläge in der ferne, keiner hörte,
jeder fühlte, die wellen der erschütterung.
wo etwas fehlte, wurde alles größer,
drehte sich, rotierte, kam in's schlingern
und blieb dann in der mitte liegen.
die müdigkeit war eine kur, das gewicht
der atmosphäre, halluzinogene leere
federte, es drehte sich jetzt weniger
als wären die schläge, in dem was sie sind
gegenstand der verdünnung, als würde
die zeit, der reißende raum, präzise und
zärtlich vergiftet, in ihrem gewebe stiege
die chemische schwäche, es schäumte,
erstickte, das weiße lager der krusten,
das sich formierte, wird reicher und toxisch
verrauschten die schläge, es dreht sich,
dreht sich unmerklich, und steht.

© 2007 kookbooks, Idstein
aus: Zum Fernbleiben der Umarmung
Berlin: kookbooks, 2007
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2004

tour de trance

französisch

comme tout tournait, se répétait, s’étirait,
et pivotait, la chaleur était a space so vast,
si catastrophiquement grand, elle était une arène
dans laquelle les débris d’objets dérivaient,
des coups sauvages dans le lointain, pas un n’entendait,
chacun sentait les secousses du choc.
là où quelque chose manquait, tout devenait plus grand,
tournait, pivotait, se mettait à déraper
et s’arrêtait ensuite au centre.
la fatigue était une cure, le poids
de l’atmosphère, un vide hallucinogène
faisait ressort, ça tournait moins maintenant
comme si les coups étaient, dans ce qu’ils sont,
matière à dilution, comme si
le temps, cet espace impétueux, était minutieusement et
tendrement empoisonné, dans sa texture montait
la fragilité chimique, ça écumait,
étouffait, la couche de croûtes blanche
qui se formait devient plus riche et toxiquement
les coups diminuaient, ça tourne,
ça tourne imperceptiblement, et s’arrête.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

Totentanz

deutsch | Norbert Hummelt

furcht vor dem dunkeln ist es nicht alleine
man kennt sich kaum u. will auch nicht viel
mehr, der lange heiße sommer ist vorüber u.
stau war nur bei köln, doch auf der gegenspur
im dunst, im flachlandniesel liegt die scheune
daß ich musik auflege, kommt so oft nicht vor
man kennt sich gut u. wird sich immer fremder
bloß bleibt im kopf die alte partitur .. ist alles
nichts für sanftere gemüter, der krach, die posen
u. das viele bier, doch einmal fand ich darin viele
zarte wunder, u. wenn die wiederkämen, gäb ich
was dafür. furcht vor dem dunkeln dringt aus allen
boxen, die lichtorgel alleine macht nichts her; es
fehlt die discokugel, fehlt das trockeneis. nur jedes
fünfte lied sieht man noch beine zucken, doch in
den augen blitzt es gar nicht mehr .. wenn nur der
nebel in die scheune käme u. hüllt die tanzenden
gestalten ein: im dunst, im flachlandniesel huschen
bilder; so wild kann aber nur der tanz der toten sein.

© Luchterhand Literaturverlag
aus: Totentanz, München: , ISBN
Luchterhand Literaturverlag, 2007
ISBN: 3-630-62109-0
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Danse macabre

französisch

la peur de l’obscurité n’explique pas tout
on se connaît à peine & on ne veut pas vraiment grand-chose
de plus, le long été torride est terminé &
le seul bouchon c’était près de cologne, mais dans la direction opposée
la grange se trouve dans la brume, dans la bruine de la plaine
que ce soit moi qui mets de la musique, ça n’arrive pas si souvent
on se connaît bien & on devient de plus en plus comme des étrangers
mais dans la tête il reste cette vieille partition…  tout ça c’est
pas pour les âmes sensibles, le tapage, les poses
& toute cette bière, pourtant une fois j’y ai trouvé plusieurs
tendres miracles, & s’ils revenaient, je les
prendrais volontiers.  la peur de l’obscurité s’échappe de toutes
les enceintes, le jeu d’effets de lumière n’y arrive pas à lui seul;  il
manque la boule disco, manque la glace sèche.  une seule
chanson sur cinq, on voit encore les jambes s’agiter, mais dans
les yeux ça ne brille plus du tout…  si seulement
le brouillard pouvait venir dans la grange et qu’il enveloppe les formes
dansantes :  dans la brume de la plaine les images
filent à toute allure ;  mais seule la danse des morts peut être aussi déchaînée.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

teich

deutsch | Monika Rinck

sagt er: das leid ist ein teich.
sag ich: ja, das leid ist ein teich.
weil das leid von fischen durchschossen
in einer mulde liegt und faulig riecht.
sagt er: und die schuld ist ein teich.
sag ich: ja, die schuld auch teich.
weil die schuld in einer senke schwappt
und mir bei hochgerecktem arm bereits
zur aufgedehnten achselhöhle reicht.
sagt er: die lüge ist ein teich.
sag ich: ja die lüge ebenso teich.
weil man im sommer des nachts
am ufer der lüge picknicken kann
und immer dort etwas vergißt.

© M.R.
aus: Verzückte Distanzen. Gedichte.
Springe: zu Klampen! Verlag, 2004
ISBN: 3-933156-81-5
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2004

étang

französisch

dit-il :  la souffrance est un étang.
dis-je :  oui, la souffrance est un étang.
parce que la souffrance, traversée de poissons,
se trouve dans un creux et dégage une odeur putride.
dit-il :  et la culpabilité est un étang.
dis-je :  oui, la culpabilité, également un étang.
parce que la culpabilité clapote dans une dépression
et, mon bras étiré vers le haut, atteint déjà
le creux de l’aisselle en extension.
dit-il :  le mensonge est un étang.
dis-je :  oui le mensonge, un étang aussi.
parce que l’été, la nuit,
on peut pique-niquer sur la rive du mensonge
et on y oublie toujours quelque chose.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

Täler

deutsch | Norbert Hummelt

dieses tal so gut wie irgendeines in seiner sanft
gekerbten muldenform birgt in den falten
irgendein geheimnis das vor der ebene zu einem

nichts zerstäubt im flachland flüchtet sich das sehen
weiter bis es sich bricht am fernen horizont
in wintertälern ist der weg verschneiter wenn nur

der gleithang sich im morgen sonnt in großen städten
sind die schluchten steiler wie in manhattan
die fifth avenue u. wie die brooklyn bridge u. ihre

pfeiler die wir von nahem sahen ich u. du in den
vertiefungen des einen körpers in sofaritzen
u. wo bettzeug liegt ein tal ist auch wo hier das buch

gefalzt ist im herzrhythmus auf einem diagramm
weiß ich doch selbst nicht was der kühle
grund ist mich zog es immer schon hinab zur klamm

© Luchterhand Literaturverlag
aus: Totentanz
München: Luchterhand Literaturverlag, 2007
ISBN: 3-630-62109-0
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Vallées

französisch

cette vallée aussi bien qu’une autre dans sa forme
de cuvette légèrement crénelée cache dans ses plis
un quelconque secret qui, devant la plaine,

se désintègre en un rien dans la plaine le regard s’enfuit
plus loin jusqu’à ce qu’il se brise contre le lointain horizon
dans les vallées hivernales le chemin est plus enneigé si seul

le versant convexe est exposé au soleil du matin dans les grandes villes
les ravins sont plus raides comme à manhattan
la fifth avenue & comme le brooklyn bridge & ses

piles que nous avons vus de près moi & toi dans les
creux de l’un des corps dans les crevasses de sofas
& là où gisent les draps une vallée c’est aussi là où le livre

est plié dans la courbe cardiaque sur un diagramme
je ne sais même pas moi-même ce qu’est le
sol froid quelque chose m’a toujours tiré en bas dans le ravin

Traduction française de Diane-Monique Daviau

sonett mit morpheus

deutsch | Norbert Hummelt

erst ist die luft so süß von sanften drogen
u. wenn wir kuchen essen schließt sich lid um lid
dann wird die welt nach innen umgebogen
doch in der brust ist immer nur der stille beat

das ist musik mich in den schlaf zu schicken
u. was ich sehe ist allein das gras
ich werde müde wie van gogh zu blicken
weiß blüht der mandelsproß im trüben wasserglas

was denn für bilder. ich war weggetaucht
zu zögern zwischen halt u. überlassen
dann ist der kuchen restlos aufgebraucht

u. alles denken sinkt u. mir ist komisch warm
wie ist es möglich dich jetzt anzufassen
du bist so weit auf einmal weg in meinem arm

© Luchterhand Literaturverlag
aus: Zeichen im Schnee
München : Luchterhand Literaturverlag, 2001
ISBN: 3-630-62005-1
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

sonnet avec morphée

französisch

d’abord l’air est tout édulcoré de drogues douces
& quand on mange le gâteau les paupières se ferment une par une
puis le monde se recourbe vers l’intérieur
mais dans la poitrine il n’y a toujours que ce beat tranquille

c’est de la musique à m’expédier dans le sommeil
& ce que je vois c’est seulement l’herbe
je commence à être fatigué de regarder les choses comme van gogh
la bouture d’amande est en train de fleurir, blanche, dans le verre d’eau
                                                                                                               [trouble

mais quelles images.  j’avais plongé
hésitant entre arrêter et laisser aller
puis le gâteau est consommé jusqu’à la dernière miette

& toute pensée s’affaisse & j’ai étrangement chaud
comment est-ce possible de te toucher maintenant
tu es si loin au loin d’un seul coup dans mes bras

Traduction française de Diane-Monique Daviau

so einfach

deutsch | Monika Rinck

Ein Hang, nein, eine große Fläche,
sanfte Hügel, Aufgewölbtes, ich sehe ein Gefälle,
eine Streckung, ganz ergeben, einen Bogen.
Grün muss alles sein und ein verbindlicher Olivenhain
spendet exquisiten Schatten, selten,
äußerst selten.

Es muss eine weite Mulde sein
mit weichen Übergängen, eine Reling, erdnah,
an der silbrig grüne Fransen wehn, es ist wohl
eine Wiese! Eine Wiese! Dort will ich das Bleiben spürn,
Dass keiner geht und keiner zahlt und hungrig
oder müde wird. Nicht das Murren,
nicht die Sorge, die, das wißt ihr schon,
ein wenig ehrenwerter Dämon ist.
So sind wir nicht, wir haben hier
vermehrtes Brot, Wort, Fische
und Substanzen. Ich sag es gleich:
Wir mögen was Substanzen sind und
was sie tun.

Wie wunderbar, die Fülle hier, die wie das Leben ist
und wie das Wort und besser noch,
doch Jesus Christus sagt es mir
"Du hast längst keine Mitte mehr."
Vielleicht könnten Highheels hilfreich sein
für die Balance, zum Glück, schon kommen die Apostel
Den grünen Hang herab, durchqueren
Den Olivenhain mit einer Auswahl
Stiefeletten.

© M.R.
aus: Verzückte Distanzen. Gedichte.
Springe: zu Klampen! Verlag, 2004
ISBN: 3-933156-81-5
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2004

si facile

französisch

Une pente, non, une grande étendue,
de douces collines, des arrondis, je vois une descente,
un prolongement qui s’abandonne complètement, un arc.
Tout doit être vert et une oliveraie obligeante
dispense une ombre exquise, rare,
extrêmement rare.

Ce doit être un grand bassin
avec de douces transitions, un garde-corps, près du sol,
où flottent au vent des franges d’un vert argenté, il semble que ce soit
une prairie !  Une prairie !  Je veux sentir que là est la demeure,
Que personne ne part et personne ne paie et
ne ressent la faim ou la fatigue.  Pas le mécontentement,
pas le souci qui, vous le savez bien,
est un démon peu honorable.
Nous ne sommes pas comme ça, nous avons ici
du pain multiplié, la parole, des poissons
Et des substances.  Je le dis d’emblée :
Nous aimons ce que sont les substances et
ce qu’elles font.

Quelle merveille, l’abondance, ici, qui est comme la vie
et comme la parole et mieux encore,
mais Jésus-Christ me dit
«Il y a longtemps que tu n’as plus de centre.»
Peut-être que des talons hauts pourraient aider
à l’équilibre, par chance, voilà déjà les apôtres
Descendant la pente verte, traversant
L’oliveraie avec un assortiment de
bottillons.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

selten genug

deutsch | Andreas Altmann

weiß blättert das apfelholz
im licht des windes.
für sekunden sehe ich durch
meine ersten augen.
eine stimme, die anwuchs
in ausgelassenen worten.
ich kann sie nicht mehr erinnern.
nur gesichter, zu denen sie gehörte,
erkennen sie wieder. spiegel
haben kein langes gedächtnis.
wasser hat mit ihnen geduld.
ich sehe dazwischen. als kind
hab ich oft die angebissenen äpfel
in den bach geworfen.
sie waren noch unreif.
ihre wellen setzten den himmel
nur kurz in bewegung.

© Rimbaud Verlag
aus: das langsame ende des schnees. Gedichte.
Aachen: Rimbaud Verlag, 2005
ISBN: 3-89086-624-7
Audio production: 2004, M.Mechner / literaturWERKstatt berlin

suffisamment rare

französisch

blanchement s’écaille le bois du pommier
dans la lumière du vent.
pendant quelques secondes je vois à travers
mes premiers yeux.
une voix qui grandit
dans des paroles omises.
je ne peux plus me la rappeler.
seuls les visages auxquels elle appartenait
la reconnaissent.  les miroirs
n’ont pas la mémoire longue.
l’eau a de la patience avec eux.
je vois à travers.  enfant,
j’ai souvent lancé les pommes entamées
dans le ruisseau.
elles étaient encore vertes.
leurs ondes ne mettaient le ciel
qu’un bref instant en mouvement.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

schliefen die öfen [V / legnica / liegnitz]

deutsch | Uljana Wolf

legnica / liegnitz


als wir fuhren in den zügen trugen
männer die nicht unsre väter warn

das land in handgeflochtnen körben
(pilze biere) schläfrig durchs abteil

der rauch aus ihren mündern hing
wie nacht uns lange noch im haar

© kookbooks 2005
aus: kochanie ich habe brot gekauft
Berlin: kookbooks, 2005
ISBN: 3937445161
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

si les fours dormaient [V / legnica / liegnitz]

französisch

legnica / liegnitz

quand nous roulions dans les trains
des hommes qui n’étaient pas nos pères portaient

le pays dans des paniers tressés à la main
(bières Pilsen) somnolents à travers le compartiment

la fumée qui sortait de leurs bouches restait accrochée
comme de la nuit longtemps dans nos cheveux

Traduction française de Diane-Monique Daviau

rauschen

deutsch | Andreas Altmann

nachtfrost hatte die gegend gelöscht,
farben brachen ineinander. du hast mir
geschrieben, wechsle dich aus und den namen
an eine andere tür gesprochen. das holz war hart
für deine weichen lippen. das rauschen
nach dem brand der bäume war noch warm.
du hast mein haar aus deinem mund gerochen.
der kopf war nackt und flüssig deckte sich
die hand im wasser auf und das gesicht
schwamm in den blick zurück. ich schrieb dir
ohne nur ein wort die alten stellen aus.
es war kein brief. es war mein leben.

© A.A.
aus: Augen der Worte. Gedichte.
Aachen: Rimbaud Verlag, 2004
ISBN: 3-89086-654-9
Audio production: 2004, M.Mechner / literaturWERKstatt berlin

murmure

französisch

la gelée nocturne avait éteint la région,
les couleurs pénétraient les unes dans les autres.  tu m’as
écrit remplace-toi et tu as prononcé le nom
à une autre porte.  le bois était dur
pour tes lèvres douces.  le murmure,
après l’embrasement des arbres, était encore tiède.
tu as senti mon cheveu sorti de ta bouche.
la tête était nue et, fluide,
la main se dévoila dans l’eau, et le visage,
à la nage, reflua dans le regard.  je t’écrivis
et détaillai sans un seul mot les anciens endroits.
ce n’était pas une lettre.  c’était ma vie.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

Nachtlied

deutsch | Norbert Hummelt

die nacht ist wieder da, ich stehe lauschend
über mein kind gebeugt an seinem bett, um
einen atemzug mit mir hinauszunehmen, aber
alles still; die nase scheint ganz frei zu sein
kein rasseln geht, u. ist es auch nicht völlig
finster hier im zimmer, so kann ich doch das
heben oder senken der bettdecke nicht ohne
zweifel sehen. in mir ist alles ungewiß wie je
ein zwielicht, das durch die lamellen dringt.
ein bellen nebenan, ein krankenwagen sind
zeichen, daß die welt besteht. ich muß es
glauben, es ist leicht, morgen früh, wenn gott
will, hören wir wieder die ringeltaube. ihr ruf
erinnert mich .. es ist august, mein liebling,
alles still. ich weiß nur sicher, daß die dielen
knarren, so vorsichtig ich mich bewegen mag.
es ist passiert; ein kurzes schlafeszucken mit
dem fuß rührte die spieluhr an, sie singt; oder
war es meine hand, die um die decke streicht.
ein kurzes wimmern nur, damit ich gehen kann.

© Luchterhand Literaturverlag
aus: Totentanz
München: Luchterhand Literaturverlag, 2007
ISBN: 3-630-62109-0
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Chanson nocturne

französisch

la nuit est revenue, je me tiens, écoutant attentivement,
penché au-dessus de mon enfant au bord de son lit, pour
emporter avec moi un souffle, mais
tout est calme ;  le nez semble être bien dégagé
pas de râle, et même si ce n’est pas complètement
sombre ici dans la pièce, je n’arrive quand même pas
à voir la couverture monter ou descendre sans
avoir un doute.  en moi tout est incertain comme toujours
un demi-jour qui pénètre à travers les lamelles.
un aboiement à côté, une ambulance sont
des signes que le monde continue d’exister.  je dois y
croire, c’est facile, demain matin, si Dieu
le veut, nous entendrons à nouveau le pigeon ramier.  son cri
me rappelle…  c’est le mois d’août, mon chéri,
tout est calme.  tout ce que je sais avec certitude, c’est que les lattes du parquet
craquent, j’ai beau faire attention en me déplaçant.
voilà, c’est arrivé ;  un bref tressaillement du pied
dans son sommeil a touché l’horloge jouet, elle chante ;  ou
bien était-ce ma main qui effleure la couverture.
juste un bref gémissement, pour que je puisse m’en aller.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

Diesige, tätige Gegend

deutsch | Farhad Showghi

Diesige, tätige Gegend. Rote Häuser folgen roten
Ziegen. Wir schmieden Pläne. Sagen Ziege-und-
Wunderkerze, Ziege-statt-Kind. Das soll nicht über-
raschen, wir schütteln Glocken, die Sonne steht. Wir
ziehen uns Hosen, legen Hände, teilweise zerreißt ein
Herz. Wir können Begriffe rings um die Ziege setzen,
Gebirgsseesterne in bewegten Essenzen, einen Lid-
schlag im März, wahlweise Windberührung. Dann
finden Begegnungen statt. Hafenluft. Durchgespielte
Tagesgeschäfte, Horizonte ohne zwingenden Grund.
Wir bewegen uns, die Füsse am Kiessaum der Strasse.
Was über uns war, zog den Himmel durch.

© by Farhad Showghi
aus: Die Walnußmaske, durch die ich mich träumend aß
Hamburg: Rospo-Verlag, 1998
Audio production: 2001, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Région brumeuse, affairée

französisch


 
Région brumeuse, affairée.  Des maisons rouges succèdent à des chèvres rouges.  Nous faisons des projets.  Disons chèvre-et-cierge-magique,    chèvre-plutôt-qu’enfant.  Cela ne doit pas surprendre, nous agitons des cloches, le soleil est là.  Nous mettons des pantalons, posons les mains, un cœur se déchire partiellement.  Nous pouvons placer des concepts tout autour de la chèvre, des étoiles de mer de montagne dans des essences mouvantes, un battement de paupière en mars ou, au choix, un frôlement de vent.  Puis des rencontres ont lieu.  Air portuaire.  Affaires quotidiennes menées à terme, horizons sans terre contraignante.  Nous circulons, les pieds sur la surface de gravier de la rue.  Ce qui était au-dessus de nous a traversé le ciel.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

der erste schnee

deutsch | Norbert Hummelt

du sagst du wußtest schon wie du zum fenster
gingst es ist die amsel die uns da beäugt
so tief wie du in meinen armen liegst hielt sie

sich fliegend an sich selber fest jetzt sitzt sie
stumm wo in der dunkeln gabelung noch eine
spur von etwas weißem blieb das ist bestimmt

erst über nacht gekommen u. stäubt herab
wenn sie den zweig verläßt du sagst im schlaf
hast du den ersten schnee gerochen doch

was uns trennte ist noch nicht besprochen
sind denn die vogelbeeren noch nicht bald
erfroren ich sah sie leuchten eben im geäst

© Luchterhand Literaturverlag
aus: Zeichen im Schnee
München: Luchterhand Literaturverlag, 2001
ISBN: 3-630-62005-1
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

la première neige

französisch

tu dis que tu savais déjà en marchant vers la fenêtre
que c’était le merle qui nous y observait
aussi profondément que toi tu es couché dans mes bras il s’accrochait

solidement à lui-même en volant maintenant il est assis
en silence là où dans la fourche sombre il restait
encore une trace de quelque chose de blanc c’est sûrement

arrivé au cours de la nuit seulement & ça tombe comme de la poussière
quand il quitte la branche tu dis que dans ton sommeil
tu as humé la première neige toutefois

nous n’avons pas encore parlé de ce qui nous sépare
les sorbes ne seront-elles pas bientôt déjà
gelées je les ai vues briller à l’instant dans les branches

Traduction française de Diane-Monique Daviau

la defense

deutsch | Monika Rinck

es sind nur wenige grad, vielleicht fünf
oder sieben, um die erhöht die glühende stadt
in semantischer drift, haitisch, ein tunis vielleicht,
in richtung äquator davontreibt, die wärme,

die verzweiflung, mein liebling, ich sehe,
wie der riemen, das glück, diese tasche,
dir in die schulter, die weiße, hineingeht,
hell, und niemals ganz trocken, ein streifen

am glücklichen himmel, so hoch oder höher,
verteidigen achsen das hohe gegen das weite
schneiden sie wege in das gequerte, senken
den hysterischen steg weit in die vorstadt

man fühlt die verzweiflung, man fühlt
was die glücklichen fühlen, es füllt sich
das forum, das große, noch größer,
mit menschen, der aufzug, die achsen

des kreislaufs, gerichtet, zum himmel,
zur wölbung, die quere, indes fahren die
freunde im gemieteten auto den zubringer
in einer nicht glücklichen richtung hinauf

denn die freunde sind wie die gefühle
gesteigert, sind wie die erwartung, sind
dialektische temperaturen, unterscheiden
zwischen glück und verzweiflung nicht mehr.

© M.R.
aus: Verzückte Distanzen. Gedichte.
Springe: zu Klampen! Verlag, 2004
ISBN: 3-933156-81-5
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2004

la defense

französisch

ce n’est que de quelques degrés, peut-être cinq
ou sept, qu’a augmenté la ville brûlante
qui, dans un courant de surface sémantique, haïtien, une tunis peut-être,
dérive en direction de l’équateur, la chaleur,

le désespoir, mon chéri, je vois
comme la courroie, le bonheur, ce sac
s’incruste dans ton épaule, qui est blanche,
lumineuse et jamais tout à fait sèche, une strie

dans le ciel serein, si haut ou plus haut,
des axes défendent ce qui est haut contre ce qui est large
coupent des routes dans ce qui a été traversé, descendent
la pente hystérique loin dans la banlieue

on sent le désespoir, on sent
ce que les gens heureux sentent, le forum,
le grand, encore plus grand,
se remplit d’humains, le défilé, les axes

de la circulation, dirigés, vers le ciel,
vers la voûte, la diagonale, alors que des amis
dans l’auto louée prennent la voie d’accès
et montent dans une mauvaise direction

car les amis, comme les sentiments,
se sont intensifiés, sont comme l’attente, sont
des températures dialectiques, ne distinguent
plus entre bonheur et désespoir.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

karntna dreigwoltigkeit

deutsch | Axel Karner

de goschn
soll i holtn
hobns gsogt
i hätt do nix valuan
i war an ondra
nit ana von senen

na hamkemmen
brauch i neama
weil
gschegn is bold wos
bist nit stüll
weast es sicha

mia dawischn di noch
mia dawischn di sowieso
sogns ma
jedn tog


- - - - -

kärntner dreigewaltigkeit

das maul
soll ich halten
haben sie gesagt
ich hätte hier nichts verloren
ich wäre ein anderer
nicht einer von ihnen

nein heimkommen
brauche ich nicht mehr
weil
geschehen ist bald etwas
bist du nicht still
wirst du es sicher

wir erwischen dich noch 
wir erwischen dich sowieso 
sagen sie mir 
jeden tag

© Axel Karner und Bibliothek der Provinz
aus: schottntreiba
Weitra: Bibliothek der Provinz, 2004
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

triumvirat carinthien

französisch

ma gueule
je dois fermer
ont-ils dit
je n’aurais rien à faire ici
je serais différent
pas un des leurs

non rentrer
ce n’est plus la peine pour moi
parce que
se sera bientôt produit quelque chose
si tu n’es pas tranquille
tu le deviendras certainement

nous allons finir par t’attraper
nous allons t’attraper de toute façon
me disent-ils
chaque jour

Traduction française de Diane-Monique Daviau

karntn I

deutsch | Axel Karner

i bin a karntna
hob i gedocht
i war a karntna
homs gsogt

lei diafat i nit
auf mei hamat schimpfn
nit mit de redn
dera sproch i eh nit vasteah
nit olleweil
des maul aufreißn
fia eppes
wos mi nix ongeaht

weil
schließlich war i a karntna
wohl duat gebuan
sunst oba nix


- - - - -

kärnten I

ich bin ein kärntner 
habe ich gedacht 
ich wäre ein kärntner 
haben sie gesagt

nur dürfte ich nicht
auf meine heimat schimpfen
nicht mit jenen reden
deren sprache ich nicht verstehe
nicht immer
das maul aufreißen
für etwas
das mich nichts angeht

weil
schließlich wäre ich ein kärntner
wohl dort geboren
sonst aber nichts

© Axel Karner und Bibliothek der Provinz
aus: schottntreiba
Weitra : Bibliothek der Provinz, 2004
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Carinthie I

französisch

je suis un Carinthien
ai-je pensé
je serais un Carinthien
ont-ils dit

seulement je ne devrais pas
pester contre mon pays
pas parler avec ceux
dont je ne comprends pas la langue
pas toujours
ouvrir ma grande gueule
pour quelque chose
qui ne me concerne pas

parce que
finalement je serais un Carinthien
certes né là-bas
mais à part ça rien

Traduction française de Diane-Monique Daviau

déjà-vu

deutsch | Norbert Hummelt

nimm nur die hand nicht weg aus meinem haar
u. streichel die bebende kopfhaut bloß weiter
mach still. mach ruhig. mach hin. laß nicht nach.
wie unruhig macht mich dies fußbodenmuster.
erzähl mir irgendwas, hauptsache sprich mit mir.
hier ist ein cluster panischer momente
was vorher bildlich war ist implodiert
u. kehrt als endlos ausgedehntes in der zeit zurück
hier ist die platte die andauernd springt
du kennst u. kennst nicht das verdammte stück
du kannst nicht aus deiner haut, aus dem kopfraum
u. jeder wimpernschlag ist ungeheuer
u. jeder satz den einer spricht ein schock u. stoß
u. jedes wort hat schwerkraft u. gewicht
u. zieht mich runter, bild erschlag mich nicht
nimm nur die hand nicht weg aus meinem haar
u. streichel die bebende kopfhaut bloß weiter
mach still. mach ruhig. mach hin. laß nicht nach.

© Luchterhand Literaturverlag
aus: Zeichen im Schnee
München: Luchterhand Literaturverlag, 2001
ISBN: 3-630-62005-1
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

déjà-vu

französisch

surtout ne retire pas ta main de ma chevelure
& continue simplement à caresser le cuir chevelu frissonnant
ne bouge pas.  vas-y.  continue.  n’arrête pas.
comme ce motif dans le plancher me dérange.
raconte-moi n’importe quoi, pourvu que tu me parles.
il y a ici un amas de moments de panique
ce qui auparavant était figuré a implosé
& revient étiré à l’infini dans le temps
voici le disque qui saute continuellement
tu connais et ne connais pas cette maudite pièce
tu ne peux t’extirper de ta peau, de l’espace dans ta tête
& chaque battement de cils est abominable
& chaque phrase que quelqu’un prononce un choc & un coup
& chaque mot a de la gravité & du poids
& me tire vers le bas, image ne m’abats pas
surtout ne retire pas ta main de ma chevelure
& continue simplement à caresser le cuir chevelu frissonnant
ne bouge pas.  vas-y.  continue.  n’arrête pas.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

Das Zimmer 7

deutsch | Farhad Showghi

Wie eine Sommerwolke bieg ich die Hand oder lasse die
Stirn an einem Faden herunter ohne zu sprechen. So
fahre ich fort bis Osten und Westen beweglich werden
und durch die Wände ineinandergleiten. Ich atme aus
und die Stadt steht an der Fensterbank. Das Licht ist jetzt
anders geworden, weiter draußen, unberührt vom Tumult
der Dächerfarben. Wenn ich schneller werde, rücke ich
einen Stuhl, schlage die dunkelrote Decke zurück oder
trage einen Becher durch die Tür. Dann beginne ich zu
laufen und schaue auf die Gardinenfalten. Bald steh ich
im Flur, in einem Schwarm von Schatten. Hier
verschluck ich das Wörtchen Heute, werde flinker noch,
reiße den Kopf herum und drehe eine nächste Runde.
Eben ging die Sonne und zog am Horizont. Indes mein
Mund ein Hohlraum bleibt, ein aufgefangener Ball
zwischen Osten und Westen. Ich ziehe ihn an einem
Faden hoch ohne zu stoppen. Bin schon wieder im
Zimmer und ziehe ihn weiter, öffne die Lippen, und ziehe
ihn schnell über die Zunge.

© by Farhad Showghi
aus: Die Walnußmaske, durch die ich mich träumend aß
Hamburg: Rospo-Verlag, 1998
Audio production: 2001, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

La pièce 7

französisch

Comme un nuage d’été, je fléchis la main ou laisse descendre mon front le long d’un fil sans parler.  Je continue ainsi jusqu’à ce que l’Est et l’Ouest s’animent et, passant à travers les murs, se glissent l’un dans l’autre.  J’exhale et la ville se tient au rebord de la fenêtre.  La lumière a  maintenant changé, là-bas au loin, intouchée par le tumulte des couleurs des toits.  Si j’accélère, je déplace une chaise, repousse la couverture rouge sombre ou, portant un gobelet, je passe la porte.  Puis je me mets à courir et regarde les plis du rideau.  Bientôt je me retrouve dans le couloir, dans un essaim d’ombres.  Ici, je mâchonne le petit mot Aujourd’hui, deviens encore plus agile, tourne brusquement la tête et fais une autre ronde.  Le soleil vient tout juste de passer, s’étirant à l’horizon.  Cependant que ma bouche reste une cavité, un ballon saisi entre l’Est et l’Ouest.  Je le hisse le long d’un fil sans arrêter.  Je suis déjà à nouveau dans la pièce et continue à le tirer, ouvre les lèvres et le tire rapidement tout du long sur ma langue.


Traduction française de Diane-Monique Daviau

Das Zimmer 5

deutsch | Farhad Showghi

Der Tag hat die Vielfalt der Dächer zurückgewonnen. Die
Landschaft bricht vom Gesims und ich öffne das Fenster.
In der Wüste an der Zimmerdecke geht kein verzauberter
Wind. Zauber ist noch schwer zu sagen, auch Palmen
nicht immer nachzuweisen, kein kreisender Vogel, keine
Schlafterrassen. A. kann unten auf der dunkelroten
Wolldecke bleiben. Eben ging die Sonne und zog am
Horizont. Wo sich Nomaden, noch schwerelos, für keine
Schrift entscheiden. Ziehen lange ans Fenster Tag und
Nacht. Ein Fingerbreit Licht für eine ganze Handels-
karawane. Das sage ich langsam und zertrete kein Glas.
Wir sind still. Ohne Entsprechung.

© by Farhad Showghi
aus: Die Walnußmaske, durch die ich mich träumend aß
Hamburg: Rospo-Verlag, 1998
Audio production: 2001, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

La pièce 5

französisch

Le jour a reconquis la diversité des toits.  Le paysage jaillit à partir de la corniche et j’ouvre la fenêtre.  Dans le désert au plafond de la pièce, aucun vent enchanté ne passe.  Enchantement, c’est encore difficile à dire, même les palmiers ne sont pas toujours évidents, pas d’oiseau décrivant des cercles, pas de terrasses-lits.  A. peut rester en bas sur la couverture de laine rouge sombre.  Le soleil vient tout juste de passer, s’étirant à l’horizon.  Où des nomades, encore sans poids, ne font pas le choix d’une écriture.  Passent longuement à la fenêtre jour et nuit.  Un doigt de lumière pour toute une caravane marchande.  Je dis cela lentement sans briser de verre.  Nous sommes silencieux.  Sans équivalent.


Traduction française de Diane-Monique Daviau

Das Zimmer 1

deutsch | Farhad Showghi

A. steht auf und singt. In der Wüste an der Zimmerdecke
geht kein verzauberter Wind. Zauber ist noch schwer zu
sagen. gleich wieder weg oder hinter den Palmen.
Palmen, Palmen und ein Fuchs vielleicht, einige dunkle
Katzen und alles wie vorher.
Hier sind keine beweglichen Pfoten. Kein Schlaflied, das
mir die Sicht nimmt, ich nehme die Augen. A. kann
unten auf der dunkelroten Wolldecke bleiben und wartet
darauf etwas zu hören:
Das da
ist die Eisenbahn
wie sie da rollt
wer rollt denn so wer strengt sich an
was ist da plötzlich für eine Eisenbahn
und macht keinen Wind und ist schwer zu sagen
und treibt sich herum und endet in Palmen.

© by Farhad Showghi
aus: Die Walnußmaske, durch die ich mich träumend aß
Hamburg: Rospo-Verlag, 1998
Audio production: 2001, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

La pièce 1

französisch

A. se lève et chante.  Dans le désert au plafond de la pièce,
aucun vent enchanté ne passe.  Enchantement, c’est encore difficile
à dire.  aussitôt reparti ou derrière les palmiers.  
Palmiers, palmiers et un renard peut-être, quelques chats
foncés et tout est comme avant.
Ici, il n’y a pas de pattes mobiles.  Pas de berceuse qui me dérobe
la vue, je prends les yeux.  A. peut rester en bas sur
la couverture de laine rouge sombre et attend
d’entendre quelque chose :
Ça, là,
c’est le train
tel qu’il roule, là
qui roule donc ainsi qui fait l’effort
quelle sorte de train se trouve soudain là
et ne fait pas de vent et est difficile à dire
et se promène çà et là et aboutit dans des palmiers.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

holzweg

deutsch | Andreas Altmann

novemberwind drückt seine gesichter
ins wasser des sees. in ihm gehen sie unter.
blicke, die sich halten, wachsen
wochen später ins eis. die boote
liegen in ketten. ein mann in blut
roter weste geht mit dem rücken zum see
einen weg, den er unter dem jungen laub
vermutet. die asche der ruder ist naß.
er schwieg über den sommer. so ging er
worten aus den augen. nun sehen sie
keine fenster, die hell werden. und blätter
fallen schwarz durch das licht der dämmerung.
der mann geht durch die nacht in gestalt
der bäume. wenn die blicke des sees
tauen, hat er sein gesicht aus dem holz
geschlagen, setzen die bäume den weg fort.

© Rimbaud Verlag
aus: das langsame ende des schnees. Gedichte.
Aachen: Rimbaud Verlag, 2005
ISBN: 3-89086-624-7
Audio production: 2004, M.Mechner / literaturWERKstatt berlin

chemin forestier

französisch

le vent de novembre presse ses visages
dans l’eau du lac.  en elle, ils se laissent couler.
les regards, qui se conservent bien, poussent,
des semaines plus tard, dans la glace.  les bateaux
sont enchaînés.  un homme en veste rouge
sang marche, dos au lac, sur un chemin probable
sous les jeunes frondaisons.  la cendre des rames est mouillée.
il ne parla pas de l’été.  ainsi, il évita
le regard des mots.  maintenant, ils ne voient
pas de fenêtres qui s’éclairent.  et les feuilles
tombent noirement à travers la lumière du crépuscule.
l’homme marche à travers la nuit sous la forme
des arbres.  lorsque les regards du lac
dégèlent, il a taillé son visage
dans le bois, les arbres poursuivent le chemin.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

grenz wald

deutsch | Andreas Altmann

du blickst der grenze durch die augen. streu
siedlung, die verwesende haut der häuser.
du in den zimmern als kind. dahinter wege,
die sich um die blicke schnüren. magen
beschwerden vom kleiner werden. der wald
mit den schüssen auf dich gerichtet.

der vater müde vom schweigen. die mutter
müde vom schweigen. kein wort,
das zurück führt. sie kehren nicht heim
bis zum tod, der einen augenblick über
die zeit reicht. die grenze beginnt
in den augen davor. soldaten, papiere, ich

bin zu fuß mit den augen des vaters,
der meine hand fester drückt, und die perlen
auf mutters wimpern, die ich aufheb in leeren
zigarrenkartons und die beschlagen
bei jedem öffnen unter dem bett. im wald
sind gewehre vergraben, hat mir einer erzählt

ohne namen, seitdem sind die bäume
in den himmel geschossen, der hier verschwand.
ich achte nur auf den weg, daß ich heraus
find, bevor der abend sich aufstellt.
nur wenn ich allein bin im zimmer, schlaf ich
mit licht ein, das sich zerstreut.

© Rimbaud Verlag
aus: das langsame ende des schnees. Gedichte.
Aachen: Rimbaud Verlag, 2005
ISBN: 3-89086-624-7
Audio production: 2004, M.Mechner / literaturWERKstatt berlin

forêt frontière

französisch

tu regardes la frontière à travers les yeux.  habitations
dispersées, la peau des maisons en décomposition.
toi dans les pièces, enfant.  derrière, des chemins
qui s’attachent aux regards.  la douleur
à l’estomac de se sentir rapetisser.  la forêt
avec ses tirs dirigés vers toi.

le père fatigué à force de silence.  la mère
fatiguée à force de silence.  pas un mot
qui ramène en arrière.  ils ne rentreront pas chez eux
jusqu’à la mort qui un instant
dépasse le temps. la frontière commence
dans les yeux devant elle.  soldats, papiers, je

vais à pied avec les yeux du père,
qui serre ma main plus fort, et les perles
sur les cils de mère, que je conserve dans des boîtes de cigares
vides, et qui s’embuent
chaque fois que j’ouvre une boîte sous le lit.  dans la forêt,
il y a des fusils enterrés, m’a raconté quelqu’un

sans nom, depuis lors les arbres
ont poussé dans le ciel, qui ici a disparu.
je ne prête attention qu’au chemin afin de retrouver
la sortie avant que le soir ne s’installe.
ce n’est que lorsque je suis seul dans la pièce que je m’endors
avec la lumière allumée, qui se disperse.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

es war vorbei

deutsch | Monika Rinck

es war vorbei – der sommer war es sicherlich
die sonne kannte nur noch gegensätze
und wo sie fort war war sie fort.
ab sonntag deutlich kühler, aber
jetzt noch nicht – was für ein licht
das uns verlängerte und die fassaden
in den rechten winkel brachte, harte schatten
geometrisches – ein enggeschnürtes päckchen
war die summe dieses sommers – warte doch
herr doktor benn fegt eben noch
die fetten rosen hin –

© M.R.
aus: Verzückte Distanzen. Gedichte.
Springe: zu Klampen! Verlag, 2004
ISBN: 3-933156-81-5
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin, 2004

c’était passé

französisch

c’était passé  —  ç’avait bien été l’été
le soleil ne connaissait plus que des contrastes
et là où il n’y était plus, il n’y était plus.
à partir de dimanche nettement plus frais, mais
pas tout de suite encore  —  et quelle lumière,
qui nous a allongés et ramène les façades
dans le bon angle, des ombres dures
le géométrique  —  un petit paquet ficelé serré
était la somme de cet été-là  —  attends donc
docteur Benn balaie à l’instant
les roses grasses —

Traduction française de Diane-Monique Daviau

Ende des Stadtplans 9

deutsch | Farhad Showghi


Ich öffne etwas, aber Sonnenlicht löst mein
Schulterblatt. Ein Lebensmittelladen leuchtet
verletzbar, schaukelt im Hof des Nachbarn. Jetzt
gehe ich an der Straße, im Austausch mit Sträuchern
und Salaten und der Linienbus wird gleich ein
schneller Garten. Schöner Tag, es ist mit  Flugzeugen
zu rechnen, die weisse, kleine Finger brechen, sagen
wir, so beginnt das Blau, es lohnt, sich dort weiter
zu verletzen, die Luft ist gut, wirkt hörbar auf meine
Pulloverbrust. Ein Wohnblock geht mir mit Fenstern
und Türen durch alle Glieder, bewegt klingelnd
meine Fahrkartenhand. Und ich beginne gleich
meinen Unfall zu haben.

© by Farhad Showghi
aus: Ende des Stadtplans
Weil am Rhein/Basel/Wien: Urs Engeler Editor, 2003
Audio production: 2001, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Fin du plan de la ville 9

französisch

J’ouvre quelque chose mais la lumière du soleil relâche mon omoplate.  Un magasin d’alimentation luit, vulnérable, se balance dans la cour du voisin.  Maintenant je marche le long de la rue, échangeant avec des arbustes et des salades, et le bus de la ligne devient aussitôt un jardin rapide.  Belle journée, on peut s’attendre à ce qu’il y ait des avions, qui brisent les petits doigts blancs, disons-nous, ainsi commence le bleu, ça vaut la peine de continuer à s’y blesser, l’air est bon, semble audible sur la poitrine de mon pull-over.  Un pâté de maisons, avec ses fenêtres et ses portes, m’ébranle jusqu’à la moelle, agite, en la faisant sonner, ma main au billet de bus.  Et je commence aussitôt à avoir mon accident.


Traduction française de Diane-Monique Daviau

Ende des Stadtplans 1

deutsch | Farhad Showghi


Der Stadtplan hört auf. Nach außen gekehrte Steppen –
und Kistenbrände, Märsche über Böden für Zwiebeln
und Zedern. Wir versuchen etwas, wissen die Namen,
aber eine Landschaft kommt. Wer zeitig antwortet,
geht hinüber in den Garten des Nachbarn und wird
Schneeballstrauch. Auf die ungewisse, auf sich
gestellte Weise. Kein Fenster aus der Reihe klettert
um mehr zu bieten. Niemand nimmt die Häuser, die
Plätze vor den Häusern zum Fischen mit. Mittags-
wasser sickert aufwärts in sonnenhelle Platanenwipfel.
Leichter als die Hand aus der Jackentasche, schlüpft
die große Entfernung aus. Die Hand öffnet sich. Der
Gelassenheit der Ausfallstraße. Die bald ans Denken
zurückfällt.

© by Farhad Showghi
aus: Ende des Stadtplans
Weil am Rhein/Basel/Wien: Urs Engeler Editor, 2003
Audio production: 2001, M. Mechner, literaturWERKstatt berlin

Fin du plan de la ville 1

französisch

Le plan de la ville s’arrête.  Steppes tournées vers l’extérieur — et feux de boîtes, marches à travers des terres pour des oignons et des cèdres.  Nous tentons quelque chose, connaissons les noms mais un paysage arrive.  Celui qui répond à temps traverse dans le jardin du voisin et devient un arbuste de boules de neige.  D’une manière incertaine, laissée à elle-même.  Aucune fenêtre ne se hisse hors du rang pour offrir plus.  Personne n’amène à la pêche les maisons, les terrains devant les maisons.  De l’eau de midi suinte et monte vers les cimes de platanes baignées de soleil.  Plus facilement que la main ne sort de la poche d’une veste, un grand éloignement éclôt.  La main s’ouvre.  À la tranquillité de la voie de sortie.  Qui bientôt retombe à la pensée.


Traduction française de Diane-Monique Daviau

eine geschichte aus dem tal

deutsch | Andreas Altmann

das haus war gegen den berg gestemmt,
schwarz sein holz von all den wintern.
die sonne bog gelbe schatten ins tal.
oder es regnete tagelang. oder schneite.
das leben hatte nicht viele worte.
und das schweigen roch nach feuchtem gras,
das sich vom boden erhob.
in den schränken hingen kleider,
die in ihrem staub nach flieder dufteten.
ein schmetterling saß an der decke,
von den fäden der spinne gehalten.
die schritte auf den dielen erzählten
den schritten auf den dielen. darunter
ruhte das haus. darüber die welt.
die fort waren, nach denen fragte man nicht.
blumen schmückten das haar der gräber.
die kirche ragte über sich hinaus.
über die träume sprach niemand. bald
vergaßen sie, wem in der nacht sie gehörten.
die augen sahen was sie waren. manchmal
wurde ein haus von einer lawine
mit sich gerissen, es ist lange her.
die berge nahmen sie mit in den tod
als könnten sie fliehen.

© A.A.
aus: Augen der Worte. Gedichte.
Aachen : Rimbaud Verlag, 2004
ISBN: 3-89086-654-9
Audio production: 2004, M.Mechner / literaturWERKstatt berlin

une histoire en provenance de la vallée

französisch

la maison était rivée à la montagne,
son bois noirci par tous ces hivers.
le soleil découpait des ombres jaunes dans la vallée.
ou bien il pleuvait pendant des jours.  ou neigeait.
la vie n’avait pas beaucoup de paroles.
et le silence sentait l’herbe humide
qui se relevait du sol.
dans les armoires étaient accrochés des vêtements
qui sous la poussière embaumaient le lilas.
un papillon se tenait au plafond,
retenu par les fils de l’araignée.
les pas sur les parquets racontaient les choses
aux pas sur les parquets.  en dessous,
la maison reposait.  au-dessus, le monde.
ceux qui étaient partis, de ceux-là on ne s’informait pas.
des fleurs ornaient la chevelure des tombes.
l’église s’élevait au-dessus d’elle-même.
des rêves, personne ne parlait.  bientôt
ils avaient oublié à qui, la nuit, ils appartenaient.
les yeux voyaient ce qu’ils étaient.  parfois,
une avalanche emportait une maison
avec elle, il y a longtemps de cela.
les montagnes les emportaient dans la mort
comme s’ils pouvaient fuir.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

Constable

deutsch | Norbert Hummelt

in manchen von john constables bildern kann
ich nur immer die wolken sehen wie sie als
könnten sie sich bewegen über den wiesen von

salisbury stehen. dann fällt das licht dann ändert
sich die stimmung unter den wolken ist sie kurz
gebannt: wirkungen des lichtes auf die stimmung

sind mir selbst zur genüge bekannt. ich sah den
wolken zu den halben tag heut über wie sie sich
formten änderten zogen weiße u. dräuende dunkel

geränderte u. lag so still wie eine landschaft da.
vor ein paar abenden erschien es mir als sei
am himmel eine blaue wolke ich rief nach dir u.

wollte sie dir zeigen du kamst nach draußen u.
erkanntest klar: über der stadt lag eine wolken-
decke durch die man kurz noch etwas helles sah.

© Luchterhand Literaturverlag
aus: Totentanz
München: Luchterhand Literaturverlag, 2007
ISBN: 3-630-62109-0
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Constable

französisch

dans quelques-uns des tableaux de john constable je ne peux
chaque fois voir les nuages que comme s’ils
pouvaient se déplacer se tenir au-dessus des prés

de salisbury.  puis la lumière tombe puis l’ambiance
change sous les nuages elle est brièvement
bannie :  les effets de la lumière sur l’ambiance

me sont à moi-même amplement familiers.  j’ai regardé
les nuages la moitié de la journée aujourd’hui comment ils se
formaient changeaient passaient blancs bordés de noir

menaçant & j’étais allongé là tranquillement comme un paysage.
il y a quelques soirées de cela il m’a semblé qu’il y avait
dans le ciel un nuage bleu je t’ai appelé &

voulus te le montrer tu sortis dehors &
reconnus clairement :  au-dessus de la ville il y avait une couverture
de nuages à travers laquelle on voyait brièvement quelque chose de clair.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

Blues

deutsch | Norbert Hummelt

das licht brach nochmals durch die glasbausteine u.
spielte auf den fliesen, dem parkett, u. zeigte so wie
gähnend leer der raum war, denn in dem haus war
nicht mal mehr ein bett. auch war kein echo da wie
noch vor gar nicht lange, was daran liegen mochte, daß
auch niemand sprach, ich ging nur langsam durch die
leeren zimmer, während das licht durch glasbausteine
brach. die glasbausteine lange nicht gesehen, als hier
noch möbel standen, fielen sie nicht auf, es war ein
wintertag u. draußen schien die sonne, das paßte nicht
u. machte mir was aus. ich ging noch einmal durch die
leeren zimmer. dann kam von draußen auch noch der
gesang von vogelstimmen, die zu überhören mir leider
gottes nicht so ganz gelang. das licht brach nochmals
durch die glasbausteine, dies wahrzunehmen kam ich
nicht umhin, so ging ich lieber wieder in den keller, wo
noch im hobbyraum ein alter spiegel hing. da sah ich
augen, aber nicht nur meine. da tanzten welche, waren
hinter mir. es lagen erdnußlocken auf dem laminat. es
lief musik, u. eine platte sprang. ich wandte mich, doch
tanzen sah ich keine. am boden keine flips, nur staub
u. stille. u. licht, das schwach durchs kellerfenster drang.

© Luchterhand Literaturverlag
aus: Totentanz
München: Luchterhand Literaturverlag, 2007
ISBN: 3-630-62109-0
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Blues

französisch

la lumière pénétrait de nouveau à travers les blocs de verre &
jouait sur le carrelage, le parquet, montrant
le vide béant de la pièce, car dans la maison il n’y avait
même plus de lit.  il n’y avait pas non plus d’écho comme
il y en avait voilà peu de temps encore, ce qui pouvait tenir au fait que
personne non plus ne parlait, je marchais juste lentement à travers les
pièces vides tandis que la lumière pénétrait à travers les blocs
de verre.  les blocs de verre pas vus depuis longtemps, quand il
y avait encore des meubles ici, on ne les remarquait pas, c’était une
journée d’hiver & dehors le soleil brillait, ça n’allait pas ensemble
& me faisait quelque chose.  je marchai à nouveau à travers les
pièces vides.  puis de l’extérieur arriva en plus le
chant de voix d’oiseaux que je ne parvins malheureusement pas
vraiment à ignorer.  la lumière pénétra de nouveau
à travers les blocs de verre, je ne pouvais éviter de
le percevoir, alors j’ai préféré retourner à la cave où
dans la salle de jeu était encore suspendu un vieux miroir.  j’y vis
des yeux, mais pas juste les miens.  il y avait des gens qui dansaient, étaient
derrière moi.  des curly à la cacahuète gisaient sur le stratifié, de la
musique jouait & un disque sautait.  je me retournai, mais
je ne vis personne danser.  par terre, pas de curly, juste de la poussière
& du silence.  & de la lumière qui passait faiblement à travers la fenêtre de la
                                                                                                                  [cave.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

besuch

deutsch | Andreas Altmann

das gedächtnis, wenn es eine
nach der anderen erinnerung aufgibt,
erblindet an seinen worten.
in leeren räumen tastest du dich
an der wand, die deine hände ergreift,
über türen, die du nicht öffnest,
ans fenster. blicke, die dunkel
die hell sind, weichen den augen.
an geräuschen formt sich die stimme,
die nicht über das schweigen hinaus
kommt. noch einmal gehst du
mit bodenlosen schritten durchs haus.
licht hat schatten herausgeschnitten,
für die es hier keinen grund gibt.
du kratzt an den rändern die finger auf.
jemand folgt dir verschränkt
mit den armen, dem blick. du bittest,
noch länger zu bleiben. vor dem tor
wartet das auto. der motor springt an.

© Rimbaud Verlag
aus: das langsame ende des schnees. Gedichte.
Aachen: Rimbaud Verlag, 2005
ISBN: 3-89086-624-7
Audio production: 2004, M.Mechner / literaturWERKstatt berlin

visite

französisch

la mémoire, quand elle renonce
à un souvenir après l’autre,
devient aveugle à ses propres paroles.
dans des pièces vides, en tâtant
le mur, qui saisit tes mains,
dépassant des portes que tu n’ouvres pas,
tu avances vers la fenêtre.  des regards, qui sont sombres
qui sont clairs, cèdent le pas aux yeux.
à partir de bruits, la voix se façonne
qui ne franchira pas le seuil du
silence.  encore une fois tu marches,
sans toucher le sol, à travers la maison.
la lumière a découpé des ombres
pour lesquelles, ici, il n’y a aucune raison.
tu grattes profondément tes doigts aux extrémités.
quelqu’un te suit, les bras
croisés, avec ce regard de biais.  tu demandes
à rester plus longtemps.  devant le porche,
l’auto attend.  le moteur démarre.

Traduction française de Diane-Monique Daviau

Ausgang

deutsch | Norbert Hummelt

nicht nur im traum ist es mir oft begegnet daß
ich den ausgang durch die rechte tür nicht
fand in züge einstieg in der falschen richtung
da war ein bahnhof nur noch halb bekannt
das war ein schreck doch war ich unter glas u.
konnte mich von jenem fleck nicht rühren
weil ich im buch gerade eine stelle las begann
ich wallungen in meinem blut zu spüren ich
ging im wald umher u. fühlte warmes licht
u. ließ mich willenlos zu einem abhang führen
da kamen bilder doch sie schmerzten nicht
mehr so wie sonst denn unter toten wipfeln
blühte die wildnis auf mit farn u. fingerhut
u. ich ging wieder in den straßenschluchten
unüberschaubar weit in meinem blut in
seinen fensterlosen zimmerfluchten lief ich u.
rannte eine zeit im kreis bis etwas unter
meiner jacke bebte ich griff danach mit meiner
rechten hand u. hielt u. atmete hart an der
bahnsteigkante beugte mich vor u. sah das gleis

© Luchterhand Literaturverlag
aus: Totentanz, München
Luchterhand Literaturverlag, 2007
ISBN: 3-630-62109-0
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

Sortie

französisch

il n’y a pas que dans les rêves qu’il m’est souvent arrivé
de ne pas trouver la sortie par la bonne porte
j’ai pris des trains dans la mauvaise direction
il y avait une gare que je ne connaissais plus qu’à moitié
c’était l’horreur mais j’étais sous du verre &
ne pouvais pas bouger de là
parce que j’étais en train de lire un passage dans un livre je
commençais à sentir des bouillonnements dans mon sang je
tournais en rond dans la forêt & sentais une lumière chaude
& me laissais, indécis, mener à un versant
des images arrivèrent mais elles ne me faisaient plus
souffrir autant qu’avant car sous les cimes mortes
s’épanouissait une région sauvage avec de la fougère et de la digitale
& je marchai à nouveau dans les abîmes des rues
infiniment loin dans mon sang dans
ses enfilades de pièces sans fenêtres je marchai &
courus un moment en rond jusqu’à ce que quelque chose sous
ma veste vibre je tendis la
main droite pour le saisir & m’arrêtai & respirai fortement au bord
du quai me penchai en avant et vis les rails

Traduction française de Diane-Monique Daviau

aufwachraum I

deutsch | Uljana Wolf

ach wär ich nur im aufwachraum geblieben
traumverloren tropfgebunden unter weißen

laken neben andern die sich auch nicht fanden
eine herde schafe nah am schlaf noch nah an

gott und trost da waren große schwesterntiere
unsre hirten die sich samten beugten über uns –

und stellten wir einander vor das zahlenrätsel
mensch: von eins bis zehn auf einer skala sag

wie groß ist dein schmerz? – und wäre keine
grenze da in sicht die uns erschließen könnte

aus der tiefe wieder aus dem postnarkotischen
geschniefe – blieben wir ganz nah bei diesem

ich von andern schafen kaum zu unterscheiden
die hier weiden neben sich im aufwachraum

© kookbooks
aus: kochanie ich habe brot gekauft
Berlin: kookbooks, 2005
ISBN: 3937445161
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

salle de réveil I

französisch

ah, si seulement j’étais resté dans la salle de réveil
perdu dans mes rêves, relié au goutte-à-goutte sous de blancs

draps à côté d’autres êtres qui eux non plus ne s’y retrouvaient pas encore
un troupeau de moutons près du sommeil encore près de

Dieu et de la consolation il y avait là de grandes bêtes soignantes
nos bergers qui s’assemblaient se penchaient sur nous —

et si nous nous placions les uns les autres devant l’énigme arithmétique
Humain :  sur une échelle de un à dix, dis

ta douleur est grande comment ? —  et s’il n’y avait pas
de frontière en vue qui puisse nous libérer

des profondeurs, de ce reniflement
postanesthésique —  si nous restions tout près de ce

moi à peine différenciable d’autres moutons
qui paissent ici près de soi dans la salle de réveil

Traduction française de Diane-Monique Daviau

fabrik gelände

deutsch | Andreas Altmann

der weg verliert seine spuren unter den sträuchern.
vielleicht bin ich der einzige, der ihn noch geht.

das lockere holz der bäume klopft gegen den wind,
der es verstreut. die nahe fabrik ist geräumt. und

die mauern beginnen, sich ein geheimnis zu suchen.
es wird erzählt, sie haben maschinen im see versenkt.

und sein eis hätte im winter rost angesetzt.
viele, die hier gearbeitet haben, sind schon tot.

es gibt einen zaun, der an höhe verloren hat
und nur noch ein wort aus der vergangenheit ist.

die warnenden schilder wurden entfernt. ich bekomm
ihren text nicht mehr zusammen. nur einige schrauben,

durch die sie befestigt waren, stecken gebogen im loch.
die geräusche des windes entfremden sich hier.

erst an den resten des zaunes hab ich bemerkt, daß sich
der weg nur um die fabrik drehte und eigentlich keinen

ausgang hatte, wenn man sich einmal auf ihm befand.

© Rimbaud Verlag
aus: das langsame ende des schnees. Gedichte.
Aachen: Rimbaud Verlag, 2005
ISBN: 3-89086-624-7
Audio production: 2004, M.Mechner / literaturWERKstatt berlin

terrain d’usine

französisch

le chemin se perd sous les arbustes.
peut-être suis-je le seul à l’emprunter encore.

le bois détaché des arbres cogne contre le vent
qui le disperse.  l’usine tout près est vidée.  et

les murs commencent à se chercher un secret.
on raconte qu’ils ont jeté des machines au fond du lac.

et sa glace, en hiver, aurait été couverte de rouille.
plusieurs de ceux qui ont travaillé ici sont déjà morts.

il y a une clotûre qui a perdu de sa hauteur
et n’est plus qu’un mot du passé.

on a enlevé les écriteaux signalant un danger.  je n’arrive plus
à en retrouver le texte intégral.  seules quelques vis,

par lesquelles ils étaient fixés, sont coincées, crochies, dans le trou.
les bruits du vent perdent leur essence ici.

ce n’est qu’en voyant les vestiges de la clotûre que j’ai remarqué que
le chemin tournait uniquement autour de l’usine et en réalité n’avait pas

d’issue, une fois qu’on se trouvait dessus.

Traduction française de Diane-Monique Daviau