Daniel Falb 
ÜbersetzerIn

auf Lyrikline: 14 Gedichte übersetzt

aus: französisch, deutsch, portugiesisch nach: deutsch, englisch

Original

Übersetzung

[craquements des os]

französisch | Martine Audet

craquements des os
ou des coutures
les ombres dansent
contre la tienne
j’enveloppe ma tête
- une telle fatigue
je quitte les heures
et celle qui dort

© Martine Audet
aus: La Société des cendres suivi de Des lames entières
Montréal, Québec: éditions du Noroît, 2019
Audio production: Recording by Martine Audet, Postproduction: Haus für Poesie, 2020

[krachen der knochen]

deutsch

krachen der knochen
der nähte
schatten tanzen
in deinen
ich hülle den kopf
- bin so müde
ich lasse die stunden zurück
und die eine die schläft

Übertragung ins Deutsche von Daniel Falb
entstanden im Rahmen des Versschmuggel - Canadian Poetry / Poésie du Québec / Dichtung aus Deutschland, Poesiefestival Berlin 2020

[mon propre crâne]

französisch | Martine Audet

mon propre crâne
une promenade
- le dos est là
pour tout le monde
je fends poussières
sans grand succès
de longues morts
entre chaque mort

© Martine Audet
aus: La Société des cendres suivi de Des lames entières
Montréal, Québec: éditions du Noroît, 2019
Audio production: Recording by Martine Audet, Postproduction: Haus für Poesie, 2020

[mein eigener kopf]

deutsch

mein eigener kopf
ein spaziergang
- mein rücken
für den rest der welt
ich teile den staub
ohne großen erfolg
zwischen jedem kurzen tod
ein langer

Übertragung ins Deutsche von Daniel Falb
entstanden im Rahmen des Versschmuggel - Canadian Poetry / Poésie du Québec / Dichtung aus Deutschland, Poesiefestival Berlin 2020

[douleur douleur]

französisch | Martine Audet

douleur douleur
comment m’y prendre?
je serre les nœuds
- un monde à part
l’oubli s’apprend
avec des gestes
le bras déjà
est une histoire

© Martine Audet
aus: La Société des cendres suivi de Des lames entières
Montréal, Québec: éditions du Noroît, 2019
Audio production: Recording by Martine Audet, Postproduction: Haus für Poesie, 2020

[schmerz schmerz]

deutsch

schmerz schmerz
was damit tun?
ich ziehe die knoten fester
- eine eigene welt
vergessen kann man lernen
per handgriff
der arm ist schon
legion

Übertragung ins Deutsche von Daniel Falb
entstanden im Rahmen des Versschmuggel - Canadian Poetry / Poésie du Québec / Dichtung aus Deutschland, Poesiefestival Berlin 2020

[ici fenêtre]

französisch | Martine Audet

ici
fenêtre
comme dans tes yeux
-des attrape-gueules
du chaud du froid
charbon des cris
les cœurs se tendent
et puis
un seul

© Martine Audet
aus: La Société des cendres suivi de Des lames entières
Montréal, Québec: éditions du Noroît, 2019
Audio production: Recording by Martine Audet, Postproduction: Haus für Poesie, 2020

[hier das fenster]

deutsch

hier
das fenster
wie in deinen augen
- maulsammler
aus warm aus kalt
kohle aus schrei
viele herzen strecken sich
dann
eins

Übertragung ins Deutsche von Daniel Falb
entstanden im Rahmen des Versschmuggel - Canadian Poetry / Poésie du Québec / Dichtung aus Deutschland, Poesiefestival Berlin 2020

[étoile fissure]

französisch | Martine Audet

étoile fissure
ou cette joie
des os lavés
- l’or vide du ciel
les corps
parfois
nous les ouvrons

© Martine Audet
aus: La Société des cendres suivi de Des lames entières
Montréal, Québec: éditions du Noroît, 2019
Audio production: Recording by Martine Audet, Postproduction: Haus für Poesie, 2020

[stern riss]

deutsch

stern riss
oder freude
gewaschener knochen
- im himmel leeres gold
die körper
manchmal
öffnen wir sie

Übertragung ins Deutsche von Daniel Falb
entstanden im Rahmen des Versschmuggel - Canadian Poetry / Poésie du Québec / Dichtung aus Deutschland, Poesiefestival Berlin 2020

[Ce n’est pas le haut le bas]

französisch | Martine Audet

Ce n’est pas le haut le bas
ni l’éclipse des saisons. Je prends l’œil nécessaire, toute la voûte des
larmes. Je prends l’œil en ses ténèbres. Je cours parmi les bêtes,
l’encensoir des glissements. Je résiste aux sols et aux vœux.

© Martine Audet
aus: La Société des cendres suivi de Des lames entières
Montréal, Québec: éditions du Noroît, 2019
Audio production: Recording by Martine Audet, Postproduction: Haus für Poesie, 2020

[Nicht Oben nicht Unten]

deutsch

Nicht Oben nicht Unten
noch die Aufhebung der Jahreszeiten. Ich nehme das notwendige Auge, das ganze Gewölbe der Tränen. Ich
nehme das Auge aus seinem tiefen Dunkel. Ich renne inmitten Getiers: das Rauchfass sachten Entgleitens. Ich
halte Böden und Wünschen stand.

Übertragung ins Deutsche von Daniel Falb
entstanden im Rahmen des Versschmuggel - Canadian Poetry / Poésie du Québec / Dichtung aus Deutschland, Poesiefestival Berlin 2020

[Ce n’est pas le oui le non]

französisch | Martine Audet

Ce n’est pas le oui le non
ni l’arrangement des certitudes. Je prends la simple étoile, toute encre en
train de se faire. Je prends l’étoile si nette. Je choisis les rameaux du
sommeil, les côtés aussi le centre. Je fuis plusieurs désastres.

© Martine Audet
aus: La Société des cendres suivi de Des lames entières
Montréal, Québec: éditions du Noroît, 2019
Audio production: Recording by Martine Audet, Postproduction: Haus für Poesie, 2020

[Nicht Ja nicht Nein]

deutsch

Nicht Ja nicht Nein
noch das Arrangement der Gewissheiten. Ich nehme diesen einfachen Stern, die ganze Tintengestalt im
Werden. Ich nehme diesen so klar umrissenen Stern. Ich wähle die Zweige des Schlafs, seine Seiten seine
Mitte. Ich fliehe einige Desaster.

Übertragung ins Deutsche von Daniel Falb
entstanden im Rahmen des Versschmuggel - Canadian Poetry / Poésie du Québec / Dichtung aus Deutschland, Poesiefestival Berlin 2020

[Ce n’est pas le jour la nuit]

französisch | Martine Audet

Ce n’est pas le jour la nuit
ni la femme à circuler dans les lettres. Je prends de belles mains libres,
toute la blessure du dedans. Je prends la main si leste. Je franchis
n’importe quelle montagne et un semblant de mort. Je sais la façon
d’être triste.

© Martine Audet
aus: La Société des cendres suivi de Des lames entières
Montréal, Québec: éditions du Noroît, 2019
Audio production: Recording by Martine Audet, Postproduction: Haus für Poesie, 2020

[Nicht Tag nicht Nacht]

deutsch

Nicht Tag nicht Nacht
noch die leichtfüßige Frau in den Worten. Ich nehme die schöne freie Hand, das ganze Verletztsein im Innern.
Ich nehme die leicht ausrutschende Hand. Ich überwinde noch jeden Berg und jeden Anschein von Tod. Ich
weiß wie man so traurig ist.

Übertragung ins Deutsche von Daniel Falb
entstanden im Rahmen des Versschmuggel - Canadian Poetry / Poésie du Québec / Dichtung aus Deutschland, Poesiefestival Berlin 2020

[Ce n’est pas le sud le nord]

französisch | Martine Audet

Ce n’est pas le sud le nord
ni l’élastique sombre des préparations. Je prends la tête avec un tel
charme, toute l’étrange raison du monde. Je prends la tête si sérieuse.
J’emploie les mots bâches, ceux qui couvrent mes inexistences. Je reste
longtemps à regarder.

© Martine Audet
aus: La Société des cendres suivi de Des lames entières
Montréal, Québec: éditions du Noroît, 2019
Audio production: Recording by Martine Audet, Postproduction: Haus für Poesie, 2020

[Nicht Nord nicht Süd]

deutsch

Nicht Nord nicht Süd
noch das dunkle Ziehen und Zerren der Pläne. Ich nehme den Kopf mit solchem Bezaubern, das ist der ganze
seltsame Grund der Welt. Ich nehme den Kopf so ernst. Ich verwende die Wörter Planen, die mein
unpässliches Sein bedecken. Ich bleibe lange und schaue.

Übertragung ins Deutsche von Daniel Falb
entstanden im Rahmen des Versschmuggel - Canadian Poetry / Poésie du Québec / Dichtung aus Deutschland, Poesiefestival Berlin 2020

[un morceau neuf]

französisch | Martine Audet

un morceau neuf
c’est trop de ciel
mais la douleur
- ces fleurs si simples
dans l’incendie
cherche ma main

© Martine Audet
aus: La Société des cendres suivi de Des lames entières
Montréal, Québec: éditions du Noroît, 2019
Audio production: Recording by Martine Audet, Postproduction: Haus für Poesie, 2020

[ein neues werk]

deutsch

ein neues werk
ist himmel überfließend
aber der schmerz
- diese so einfachen blumen
im feuer
sucht meine hand

Übertragung ins Deutsche von Daniel Falb
entstanden im Rahmen des Versschmuggel - Canadian Poetry / Poésie du Québec / Dichtung aus Deutschland, Poesiefestival Berlin 2020

Svalbard Paem

deutsch | Daniel Falb

Tael 1

Svalbard Paem übergibt sich in den tauenden Gang von Svalbard,

an dessen Ende die drei Tresore mit den Saaten sind, zeigt,

was in seinem Magen ist: klimawandelresistentes metallisches Sorghum,

Stücke von Okra-Gravur in einer Wolke aus brodelndem

Messing unter dem Mandat des Global Crop Diversity

Trusts. Und Coke Light. Svalbard Paem ist dein, oder mein,

Leben, das sich in Generationen wiederholt, unter der Haube

*aus Linnen*, da, wo auch Svalbard Paems nassgeschwitztes

Haar ist, übergibt sich ins sich umwendende Krebsgesicht

und auf die sommersprossigen Schultern von Cis-Cary Fowler,

das ist einer der Initiator*innen, der, apriorisch,

30 cm direkt vor Paems Nase

den Gang runtergeht, mit seinem lockigen Haar, mit seinem Haar,

und nettchen labert. Bei einer Führung. Mit einer Ledertasche.

Und wie ein helles Tattoo, von dem ich glaub’, dass es auf seiner Wange

hin- und herwandert und sich „lichtend“ vertieft, erblickt Svalbard Paem

das große Kreuz, das ist das vertikal durchgestrichene Kreuzsymbol,

von dem sein Gesicht mit Licht fast durchlöchert ist wie ein

Moscheeraum. Svalbard Paem übergibt sich direkt

in sein Gesicht. Aber Cis-Cary Fowler merkt es nicht, ist

Augmented Reality von Paem, wird auf sein’ „Netzhaut“ im

Gegenlicht angezeigt mit Schilfgras, egal

wohin und an wen es sich wendet.

Svalbard Paem ist, empirisch, im Südtiroler Archäologiemuseum

in Bozen, das Erbrochene fällt warm

in die eingeknüllten eingesternten Augenhöhlen

von Ötzi – Erste Samenbank für mtDNA mit Arm-Chiffre –, fällt

in seinen Mund, an dem die Weltbevölkerung wächst,

mit seinen schwarzen Herzen pulsierend in der trockenen Armmuskulatur,

da Fowler seine kleine Führung auf dem

Ersten Zufälligen Saatguttresor fortsetzt, „its

stomach content yellowish to brownish colored and mushy

with some bigger pieces of grain and meat,“ namentlich Kleie oder

Brot vom Einkorn, Gerste, Adlerfarn, Pollen

von Kiefernartigen und Hopfenbuchen, getrocknetes oder

geräuchertes Fleisch vom wilden Alpensteinbock

Capra Ibex, organs like the spleen, liver or brain from red

deer was also Teil seines Mahls, die Eier

des Peitschenwurms. Gehirn breitet sich wuschig wuschig

aus an seinem, vom Klimawandel frei-gelegten Mund. Immer mehr

Paeme stehn an seinem Käfig, wippen mit breiter Hose

in der Hocke. Sein Sperma, weiß im Schnee der italienischen

Alpen. Svalbard Paem übergibt sich heftig in eine Felswand. Svalbard

Paem übergibt sich in ein Gesicht. Svalbard Paem

übergibt sich in einen Wasserfilm, wo unten,

in zusammenlaufenden Kanten, alles Wäss’rige im Dunkel

zusammenfloss.

In eine Ledertasche, die

dein Leben war.




Tael 2

Die Schwimmende Schildkröte

das Trinkgefäß aus Knochen,

schwimmt auf dem Rücken

vor Svalbard Paem,

mit ihrer Einbauküche,

in ihrer Ledertasche,

und ihr Bauchpanzer wird aufgeschnitten,

-gesägt und gestemmt, die

Platte abgehoben, das Hohlgefäß,

dunkel wie eine Kirche, wird

zum vollen Menü der Organe,

mit zwölf schwarzen Herzen,

rotierendem Natostern,

Sonnensystemen-Modellen aus Messing,

die Schildkröte strampelt und schwimmt, und

da C. Fowler sich auf ihr umdreht und

mit seinen Fäustlingen da hindeutet,

wird sie leergeschaufelt mit Schaufeln, den

offenen Bauch gen purpurnen Himmel.

Svalbard Paem trinkt aus der offenen Schale,

wie wenn eine Zunge im Glas wedelt, es

ausleckt. Aber das Blut läuft nicht in seinen

Körper, sondern bildet eine Blutwolke

im flachen Tropenwasser unter der *linnenen*

Spitzenhaube, im Wirkungsbereich der

Sea Turtle Conservancy (STC) und ihrer

Schutzanstrengungen. Sie erbricht sich, aber da ist nichts.

Insofern taucht hier eine zweite Idee auf, die Idee

von Storage in Praxis.

Die in deinem Leben als Bäuer*in bei deinem

vertäfelten Gesicht gespeicherten Sorten

der vorindustriellen Landwirtschaft

fließen aus den vier Taelern von Svalbard

Paem in die Konstellation von Saatguttresoren, das

geometrische Raumschiff under der linnenen

Spitzenhaube des Mars Science Lab (MSL), nämlich

                     (1) die punktförmigen Nationentresore im

                     rötlichen Erdenstaub which contain

                     the seeds of individual countries,

                     wie Syrien oder Afghanistan,

darüber

                      (2) die 11 internationalen Saatgutbibliotheken, sogenannte

                     CGIAR centers founded by some sixty countries

                     and organizations, managed by the Consultative

                     Group on International Agricultural Research,

                     which store specific crops, und

eompor, mit taubengroßen Eiern gefüllte Schale,

die Schwimmende Schildkröte,

                      (3) der Svalbard Saatentresor.

Dieser Übergang der gespeicherten Agro-Biodiversität von
                                                                                    Lebenswirklichkeit

in pure Möglichkeit

ist

Das Große Kreuz

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   X
    |

von

Svalbard Paem,


der volatilste Durchgangspunkt der Ernährungssicherheit

unserer heutigen Bevölkerung von 11,2 Mrd.

Gedichtchen:

sie bemerken das, in ihre Netz-Haut gebrannte,

Kreuz und gehen darauf zu

wie auf einen Tannenbaum,

laufen in ihn rein

wie in einen riesigen stacheligen Strohstern

einen Licht-Raum-Modulator von

Moholy-Nagy.




Tael 3

Wie hast du dieses Gedicht gefunden?

Was hat dich hierher geführt?

Wie hast du es, lebend, gefunden

in der roten Wüste?

Zwischen gelegten Schildkröteneiern?

In einem Gelege schwarzer Schildkrötenherzen?

Under der Haube, da, wo auch

die ausgeatmete warme

Luft des gesprochenen …

und der Geruch eines Apfels

Cis-Heiko Strunk
, dieses Gedicht

muss auf lyrikline.org, sonst

muss ich es andauernd sprechen. *Thanks*

lyrikline.org ist DOBES, das VolkswagenStiftunggeförderte

Documentation of Endangered Languages

Project bei meinem durchnässten Haar.

Die Saaten der Wörter Sorghum, Okra,

Einkorn und Gerste, Hopfenbuchen, Tannenbaum etc.

verschwinden ja mit den sterbenden

Sprachen, in denen sie gelagert sind. Am

Ende bleibt dann nur das „Deutsche“ übrig – wenn

das hier immer nur in Deiner Gegenwart

gelesen werden kann ;-) –, in dessen tauendem Gang

im Haus für Poesie

ein SUPERZERFLEDDERTES, MIT

GUMMI ZUSAMMENGEHALTENES ODER -GEBUNDENES

BUCH / BRAUNES BLATTKONVOLUT / EIN

BUCH WIE EIN GLÄNZENDER BABY-ÖTZI

auf der Schwelle liegt, in dem ich meine

Wiki Searches nach „Grimm’sches Wörterbuch“

ausgedruckt habe, und die Etymologie der

Foodbegriffe darin, ohne die mein Beitrag f

ür KOOK.MONO,

„Svalbard Paem“,

ganz weiß und leer

geblieben wär.

lyrikline.org ist der Quell, aus dem dein Leben geflossen ist,

oder der Same, aus dem es gesprossen ist,

das ist der eine Prozess, der ihm sozusagen vorhergeht,

bei dem sich eine Kugel bildet mit ungesehener Höhlenmalerei,

das ist der Prozess, bei dem sich der Mars-Rover

bootet, bevor er angeschaltet wird und sich wahrnimmt,

der eine Prozess, den er dann überhaupt nur beobachten kann, der

auf seiner Retina eintätowiert ist – so würde man das vielleicht sagen –.

Es geht um die Sprache, aber es geht um das Leben,

und insofern um, irgendwie so, den intimsten Punkt

des Anthropischen Prinzips, sozusagen, und wenn irgendwie,

sozusagen, die Etymologie von einem Wort – wie „geboren“

zum Beispiel –, ‘ne andere wäre, dann wäre man nicht

geboren worden.

Und wenn die Etymologie irgendwelcher Foodstuffs oder so

eine andere wäre, dann wäre man nicht

geboren worden, dann hätte es quasi kein Paem gegeben,

hätte es in dem Sinne, äh, gewissermaßen auch nichts zu essen gegeben,

es wäre eine vollkommen andere Geschichte gewesen.

Und ich denke das ist irgendwie die, die Dimension, Etymologie ist
                                                                                                         Geschichte,

einfach, und wenn deine Existenz sozusagen

textualistisch ist, wie das in gewissem Sinne hier behauptet wird –

Paem ist dein Leben –, äh,

dann ist eben diese Textgeschichte, diese Etymologie, die Dimension,

in den sich – in der das extramentale Apriori spielt, und

eben insbesondere – sagt man dann quasi – in den

Etymologien, jetzt in dem Fall,

der Foodbegriffe.

lyrikline.org ist der Quell, aus dem dein Leben geflossen ist,

das Licht in Ötzis Magen,

wenn Svalbard Paem durch

seine Bauchdecke stößt, das Licht,

das durch Cis-Cary Fowlers Kreuz auf seiner Stirn

und Wange leuchtet,

wenn er seine Führung betreffend sein Lebenswerk gibt in diesem

Gedicht,

abrufbar auf www.lyrikline.org und zuletzt abgerufen am

21/06/4.541.736.978

– das ist der Tag,

an dem ich gehen darf –.




Tael 4

Die Nachfolger*innen von Heiko Strunk (Projektleiter*in)

und Juliane Otto (Internationale Kommunikation),

Mira Lina Simon (Presse), Michael Mechner

(Audioproduktion), Kevin Nagel (Audioproduktion)

von lyrikline.org beim Haus für Poesie

und die Nachfolger*innen (R.I.P. Fowler, der immer noch

an dieser Stelle entlanggeht) des Leitungsteams

im Bonner Crop Trust, der Svalbard managed,

also

Marie Hager (Executive Director) und Bernhard

Stocker (Executive Assistant) aus dem Executive Office,

Timothy Andrew Fisher (Chair of the

Executive Board), Charlotte Lusty

(Head of Programs, Genebank Platform

Coordinator), HRH, the Prince of Wales (der Patron) …

und all die anderen

gründen eine Kita,

gehen an den Strand, an dem Die Schwimmende Schildkröte

ihre Eier vergräbt.

Dort ist das Loch im Sand, wo sie

ihre Eier vergräbt.

Dort reinigt sie ihr Gefieder,

atmet Luft sich

in den Magen

(Sprechen ist Essen).

Dort ist die Grabestelle

in Cis-Cary Fowlers

Gesicht,

neben dem Kreuz,

an der vertäfelten Wunde.

Dort ist der Ort, an dem der Mars-Rover

Curiosity stehen geblieben ist

und an dem meine Neugier an ein Ende

gekommen ist,

an einem Ball mit ungesehener Höhlenmalerei.

Dort aber schlüpfst du

und zeigst mir ungefragt

den Inhalt deines „Magens“

– er ist noch weiß

und leer –,

da sich Svalbard Paem,

dein Leben,

– Dir –


übergibt.

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© kookbooks, Berlin
aus: Orchidee und Technofossil. Gedichte
Berlin: Kookbooks, 2019
Audio production: Haus für Poesie, 2019

Svalbard Paem

englisch

Saetion 1

Svalbard Paem throws up into the thawing tunnel of Svalbard

with the three seed vaults at the end, shows what is

in its stomach: climate change-resistant metallic sorghum,

pieces of okra engraving in a cloud of seething

brass under the mandate of the Global Crop Diversity

Trust. And Coke Light. Svalbard Paem is your, or my,

life that repeats in generations, under a bonnet

*of linen*, where Svalbard Paem’s sweaty

hair is as well, throws up into the turning cancer face

and onto the freckled shoulders of Cis-Cary Fowler,

that’s one of the initiators, who, a priori,

walks 30cm right in front of Paem’s nose

down the tunnel, with his curly hair, with his hair,

and babbles nicelittely. During a guided tour. With a leather bag.

And like a bright tattoo, which I believe wanders back and forth

on his cheek as it “lightingly” deepens, Svalbard Paem spots

the big cross – that is the vertically canceled cross symbol –

by which his face is almost perforated with light like a

mosque room. Svalbard Paem throws up directly

into his face. But Cis-Cary Fowler does not take notice, is a part

of the Augmented Reality of Paem that is displayed

on its “retina” against the light with reed grass, no matter

where and to whom it keeps turning.

Svalbard Paem stands, empirically, in the South Tyrolean Museum of Archaeology

in Bolzano, the vomit falls warmly

into the crumpled, starred-in eye sockets

of Ötzi – First Seed Bank for mtDNA with an arm cipher –, falls

into his mouth, on which the world population grows,

with his black hearts pulsing in the dry arm

musculature, as Fowler continues his little tour on the

First Random Seed Vault, “its

stomach content yellowish to brownish colored and mushy

with some bigger pieces of grain and meat,” namely bran or

bread of einkorn wheat, barley, eagle fern, pollen

of coniferales and hop hornbeam, dried or

smoked meat of the wild alpine

ibex, organs like the spleen, liver or brain from red

deer was also part of his meal, the eggs

of the whipworm. The brain spreads out woozy woozy

at his mouth, freed by climate change. Ever more

Paems stand at his cage, bobbing with broad trousers

crouching. His sperm, white in the snow of the Italian

Alps. Svalbard Paem violently vomits into a rock face. Svalbard

Paem vomits into a face. Svalbard Paem

vomits into a water film, where below,

into convergent edges, everything wat’ry flows together

in the dark.

Into a leather bag that

was your life.




Saetion 2

The Floating Turtle,

the drinking vessel of bone,

swims on its back

off Svalbard Paem,

with its fitted kitchen,

in its leather bag,

and its plastron is cut,

sawn and prized open,

the plate lifted, the hollow vessel,

dark as a church,

becomes a full menu of organs,

with twelve black hearts,

rotating NATO star,

solar system models of brass,

the turtle pedals and swims, and,

as C. Fowler turns around and

points there with his mittens,

it is shoveled empty with shovels, its

belly open toward the purple sky.

Svalbard Paem drinks from the open bowl

as if a tongue wags in a glass, licking

it clean. The blood, however, does not enter its

belly but forms a cloud

in the shallow tropical water under the *linen*

bonnet, inside the effective range

of the Sea Turtle Conservancy (STC) and its

protective efforts. She vomits, but nothing.

Thus emerges a second idea – the idea

of ​​storage in practice.

The varieties of preindustrial agriculture stored

in your life as a peasant  

at your paneled face

flow from the four saetions of Svalbard

Paem into the constellation of seed vaults, a

geometric spaceship under the Mars

Science Lab (MSL) linen bonnet, namely

            (1) the dot-shaped national safes in

            the reddish dust of the Earth which contain

            the seeds of individual countries,

            like Syria or Afghanistan,

above that
           
            (2) the 11 international seed banks, so-called

            CGIAR centers, founded by some sixty countries

            and organizations, managed by the Consultative

            G
roup on International Agricultural Research,

            which store specific crops, and

aobove
, a bowl filled with pigeon-sized eggs,

the Floating Turtle,

            (3) the Svalbard Global Seed Vault.

This drain of stored agricultural biodiversity from real life

into pure possibility

is

The Great Cross

    |
   X
    |

of

Svalbard Paem,

the most volatile point of passage with regards to the food security

of our present world population of 11.2 billion

li’l poems:

They notice the cross, burnt into their

retina, approach it

like a Christmas tree,

run into it

like into an enroumous spiky straw star
a light-space modulator by

Moholy-Nagy.




Saetion 3

How did you come upon this poem?

What led you here?

How did you come upon it, alive,

in the red desert?

Between laid turtle eggs?

In a clutch of black turtle hearts?

Under the bonnet, with  

the exhaled warm

air of the spoken ...

and the smell of an apple.

Cis-Heiko Strunk, this poem

must go on Lyrikline.org, or else

I have to perpetually speak it. *Thanks*

Lyrikline.org is DOBES, the VolkswagenStifung-

sponsored Documentation of Endangered Languages

Project at my sodden hair.

The seed of words like sorghum, okra,

einkorn wheat and barley, hop hornbeam, Christmas tree etc.

disappear with the dying

languages in which they are being stored. Eventually,

nothing but “German” remains – if

this can only be read

in your presence ;-) –, where in its thawing tunnel

at Haus für Poesie

a SUPER-TATTERED BOOK,

HELD OR BOUND TOGETHER WITH A RUBBER

BAND / A BROWN BUNDLE OF PAGES / A

BOOK LIKE A SHINING BABY ÖTZI

sits there on the threshold containing my printed

Wiki Searches for “Grimm’s Dictionary”

and the etymology

of its concepts of food, without which my contribution t

o KOOK.MONO,

“Svalbad Paem,”

would have remained entirely

white and void.

lyrikline.org is the well from which your life has flowed, or

the seed from which it has sprouted,

the one process that as it were precedes it,

in which a sphere forms with unseen cave paintings inside,

that is the process in which the Mars rover

boots itself before it is switched on and sees itself,

the single process it can then observe at all, which is

tattooed onto its retina – maybe that’s how to put it –.

It is about language, but it is about life,

and thus about – somewhat – the Anthropic Principle’s

most intimate spot, as it were, and if somehow,

as it were, the etymology of a word – like “to be born,”

e.g. – was different, then you wouldn’t have

been born.

And if the etymology of any concepts of food or something like that

were any differnet, then you wouldn’t have

been born, there effectively would not have been a Paem,  

then in a sense uh there wouldn’t have been anything to eat,

it would have been a completely different story.

And I think that is somehow the, the dimension – etymology is history,

quite simply, and if your existence is

textualistic, so to speak, as it is somewhat claimed here

– Paem is your life –, uh,

then precisely this textual history, this etymology, is the dimension

in that – in which the extramental apriori is set, and

in particular – one will sort of say – in the

etymologies, now in the case, of

the concepts of food.

Lyrikline.org is the well from which your life has flowed,

the light inside Ötzi’s stomach

when Svalbard Paem pushes  

through his abdominal wall, the light

shining through Cis-Cary Fowler’s cross on his forehead

and cheek

as he gives his guided tour regarding his life’s work in this

poem,

available at www.lyrikline.org and last accessed on

06/21/4.541.736.978

– this is the day

I may go –.




Saetion 4

The successors of Heiko Strunk (Project Manager)

and Juliana Otto (International Communication),

Mira Lina Simon (Press), Michael Mechner

(Audio Production), Kevin Nagel (Audio Production)

of lyrikline.org at Haus für Poesie,

and the successors (R.I.P. Fowler who

still walks along here) of the leadership team

at the Crop Trust in Bonn, which manages Svalbard,

namely

Marie Hager (Executive Director) and Bernhard

Stocker (Executive Assistant) from the Executive Office,

Timothy Andrew Fisher (Chair of the

Executive Board), Charlotte Lusty

(Head of Programs, Genebank Platform

Coordinator), HRH, the Prince of Wales (the patron) ...

and all the others

found a daycare center,

go to the beach where The Floating Turtle

buries her eggs.

There is the hole in the sand where she

buries her eggs.

There she cleans her feathering,

breathes air

into her stomach

(speaking is eating).

There is the digging place

in Cis-Cary Fowler’s

face,

next to the cross,

at the paneled wound.

There is the place where the Mars rover

Curiosity has stopped,

and where my curiosity has come

to an end,

at a ball with unseen cave paintings inside. –

But there you hatch,

and without asking show me

the contents of your “stomach”

– it is still white

and void –,

as Svalbard Paem, your life,

throws up and

hands itself

to you.


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English version by Daniel Falb

[podes levar os dias que trouxeste]

portugiesisch | Pedro Sena-Lino

podes levar os dias que trouxeste
os pássaros soterraram agosto
e sem lugar um homem cega pela janela
o mar que jura ter tocado com o sangue

podia ter sido o amor se não tivesse vindo
tão directamente da sede
um duplo rosto de enganos e os braços
que saíram desertos
o eco da morte reverbera na pele
com que vejo a tua ausência encher as ruas
um choro de papel cai pela terra
e nunca foi tão tarde ser depois

daqui onde o grito surdo incendeia
a refutação da madrugada
donde o crânio esmaga o coração
um homem corta pela janela
a própria certeza de ter sido

não   é tarde demais para uma manhã
que foi a enterrar em tantas noites

as escadas morreram de sede
a terra caiu em nunca

podes levar os dias que trouxeste

© Pedro Sena Lino
aus: zona de perda – livro de albas
Objecto Cardíaco, 2006
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

[du kannst die tage zurücknehmen die du gebracht hast]

deutsch

du kannst die tage zurücknehmen die du gebracht hast

die vögel vergruben den august
und ortlos erblindet ein mann am fenster
das meer das er schwört mit seinem blut berührt zu haben

es hätte liebe sein können wäre es nicht so direkt vom durst hergekommen
doppeltes gesicht der irrtümer und arme die in wüsten auslaufen
das echo eines todes hallt nach auf meiner haut
ich sehe darauf den tod die straßen füllen
das weinen des papiers überzieht die erde
es war noch nie so sehr zu spät für etwas nach seinem ende
hier von wo der taube schrei entflammt
die widerlegung des morgens
von wo der schädel das herz erdrückt
ein mann am fenster schneidet sich ab
von der gewißheit gewesen zu sein

nein     es ist zu spät für einen morgen
der sich begraben ging in so vielen nächten

die treppen sind an durst gestorben
die erde ist ins niemals gefallen

du kannst die tage zurücknehmen die du gebracht hast

Deutsche Fassung von Daniel Falb. Die Übersetzung entstand im Rahmen des Übersetzungsworkshops VERSschmuggel des Poesiefestivals Berlin 2008

[cantigo verde]

portugiesisch | Pedro Sena-Lino

hoje vou escrever um poema legível
um poema liso perceptível
como uma estrada de sentido obrigatório
onde se visse Deus imediatamente
diante do eu sem sempre lhe tocar
um poema com a pele de álvaro de campos
nos olhos míopes de alberto caeiro
(toda a gente sabe que um é os olhos do outro
e que hoje em dia as lentes progressivas
permitem angústias muito melhor focadas),
uma coisa legível de cinco ou seis patas
com natália correia cruzando jesus cristo
com régio no ventre
e platão chupando os dedos dos pés
a eu ou mim ou o que existia antes
gustav mahler deitado sonhando com dmitri shostakovich
a fumar o livro do êxodo numa flor desconhecida
um poema onde tu durmas o requiem dos ressuscitados
e acordes depois na madrugada do tempo
e o apanhes a dormir um sonho de Deus
um poema que eu possa ler aos meus sobrinhos
aos fantasmas que dormem comigo à espera do meu corpo
e lhes dê um verso como mundo
território eterno para o invisível
 
um poema onde eu
possa dizer coisas tão espessamente líquidas como
um gato desceu pela noite
as folhas que pisou gritaram
e eu acordei a pensar que
gustav mahler usou chocalhos de vacas
e não pisadas de gato nas folhas
penso nisto democraticamente
como um orçamento retificativo
choro mentalmente pelo gato
mas apenas a sexta de mahler me responde
e penso depois que podia dizer
que a noite desceu pelo gato
e que gritou às folhas
e que sonhei com isto por ser o gato
e isto as folhas e
mim a noite
até porque álvaro de campos pedia à noite que viesse
«vem noite, antiquíssima e idêntica…»
(isto é o que se chama um mecanismo poético masturbatório)
que é tocar em si próprio tantas vezes
que o poema seja espesso branco agarrado autorreferente a si
          
o que se passa neste poema que entretanto já perdeu 66% dos seus leitores
é precisamente o facto de ser absolutamente legível
é isto a pós-modernidade
rigorosamente legível referencial
e fascinante como um palimpsesto
e é por isso que apago a luz
como se apagasse o modernismo
e fôssemos todos dormir para os poemas do século XXI
alguma coisa de final e ilegível
como o gato ser a noite do dia
e passasse pelo poema via ao sentido único
para pedir a platão que me chupasse os dedos todos
e a Deus um dedo vago
que ressuscitasse as palavras
os gatos
e todos os passeios noturnos

© Pedro Sena Lino
Audio production: Literatuwerkstatt Berlin 2008

[günes lied]

deutsch

heute werde ich ein lesbares gedicht schreiben
ein klares flaches gedicht
wie eine einbahnstraße
wo gott unmittelbar erscheinen würde
vor dem lyrischen ich das ihn nicht dauernd berührt
ein gedicht mit der haut von alvaro de campos
in den kurzsichtigen augen alberto caeiros
(jeder weiß dass der eine das auge des anderen ist
und dass die gleitsichtlinsen heute
viel besser fokussierte qualen erlauben)
ein lesbares ding mit fünf oder sechs pfoten
wo natalia correia sich mit jesus christus kreuzt
schwanger mit jose regio
und platon dem lyrischen ich oder mir die zehen lutscht
oder dem was davor war
gustav mahler liegt da und träumt von dimitrij shostakovich
er raucht den exodus durch eine unbekannte blume
ein gedicht wo du das requiem der wiederauferstandenen schläfst
und in der morgenröte der zeit wieder aufwachst
du ertappst es: es schläft den traum gottes
ein gedicht das ich meinem neffen vorlesen könnte
und den geistern die mit mir schlafen während sie auf meinen körper warten
ein gedicht das ihnen einen vers als eine welt geben könnte
ewiges gebiet für das unsichtbare

ein gedicht wo ich
dinge sage so dickflüssig
wie ein kater der durch die nacht herabsteigt
die blätter in die er trat schrien
und ich lag wach denkend dass
gustav mahler kuhglocken verwendete
und nicht die schritte des katers in den blättern
ich denke darüber nach demokratisch
wie ein nachtragshaushalt
ich weine innerlich um den kater
aber nur mahlers sechste antwortet mir
und später denke ich ich könnte sagen
dass die nacht durch den kater herabstieg
und zu den blättern schrie
und dass ich das träumte weil ich der kater war
und das hier die blätter
und mir die nacht 
schon allein weil alvaro de campos bat dass sie käme
„komm, oh nacht, du älteste und ewig gleiche“
(das nennt man einen poetischen masturbationsmechanismus)
der ständig an sich herumfummelt
und das gedicht sei etwas zähflüssiges klebriges weißes das sich auf sich selbst bezieht

was in diesem gedicht passiert das inzwischen 66% seiner leser verloren hat
ist genau die tatsache dass es so absolut lesbar ist
da ist die postmoderne
rigoros lesbar referenziell
und faszinierend wie ein palimpsest
deshalb mache ich jetzt das licht aus
die moderne
und wir alle gingen schlafen in den gedichten des 21. jahrhunderts
etwas definites und unlesbares
wie der kater der die nacht des tages wäre
und durch das gedicht ginge in richtung der einbahnstraße
um platon zu bitten dass er meine finger lutscht
und gott zu fragen ob er einen finger übrig hat
der sie wiederbeleben würde die wörter
die kater
und alle nächtlichen spaziergänge

Deutsche Fassung von Daniel Falb. Die Übersetzung entstand im Rahmen des Übersetzungsworkshops VERSschmuggel des Poesiefestivals Berlin 2008

biofagia xx

portugiesisch | Pedro Sena-Lino

todas as cidades estão ancoradas num verso
que alguém deixou aceso na boca de um morto
há pedaços de sol que o deitam à distância
de um coração instável sugando a cada passo
a morte e as suas levíssimas esquinas
constatações ruínas de estar vivo

fiz do livro um corpo bíblico de mim
e do Deus vulgar por minha causa
penetrei o corpo à esquina do calvário
e jerusalém nem por isso ficou presa a minha língua

© Pedro Sena Lino
aus: Biofagia
Quasi, 2003
Audio production: Literaturwerkstatt Berlin 2008

XX.

deutsch

alle städte ankern in einem vers
den jemand brennen ließ im mund eines toten
sonnenpartikel werfen ihn in die entfernung
eines instabilen herzens das schrittweise
den tod einsaugt und seine leichtesten kreuzungen
ruinen bedeuten am leben zu sein

ich habe mir aus dem buch einen biblischen körper gemacht
und gott meinetwegen banalisiert
ich bin in den körper eingedrungen an einer kreuzung golgathas
und jerusalem meine zunge klebte nicht fest

Deutsche Fassung von Daniel Falb. Die Übersetzung entstand im Rahmen des Übersetzungsworkshops VERSschmuggel des Poesiefestivals Berlin 2008