Tobias Roth 
ÜbersetzerIn

auf Lyrikline: 2 Gedichte übersetzt

aus: kurdisch nach: deutsch

Original

Übersetzung

Zêmarên Rojê -I-

kurdisch | Yildiz Çakar

Tenê sê caran lê zivîrîm, tenê sê caran jê re bişîrîm. Tenê sê car min  qapaxên çavan girtin û tenê sê caran sê dilop niqûtîn axê. Rûyê axê sê car xuya kirin, sisê sisê xwînê û rûyê xwe min vexwar di kulma destên te de.

Gote min; xwîn û rû çawa tê vexwarin?

Min got; tenê bêdeng be û temaşe ke û bibîne, xwîn û rû çawa tê vexwarin di kefa destên te de. Ew ê ku  kulma wî ji gerdûnê mezin, qehirî ji min.

Min got; nexeyîde, bêdeng be û temaşe ke, gerdûn reş e, kulma te sor. Xalek biçûk im li Babîla mûr. Nizanim kîjan aliyê sînga te me. Ev çiya, ev deşt, kîjan parçeyên erdnîgariyên te ne, ev şet, ev gir, kîjan bîrîna zayînê ne. Dîcle û Ferat du pêsîr in, li kîjanî xwar bûm, xwîn rêst zimanê min, li kîjanî tî bûm, av şikest li gewriyê. Tenê sê caran lê zivîrîm, tenê sê car min lê kirin hewar, dengê min sisê sisê ket axê, ax sê car vexwar zêmarên min.

Gote min; av çawa dişikê di gewriyê de?

Min got; bêdeng be û tenê temaşe bike, bibîne ku av çawa dişikê di birînê de, bîrîn çawa dişikê di kefa destên te de. Kulma wî ya abadîn, hêrs bû!

Min got; nexeyîde, tenê bêdeng be û temaşe bike, bibîne abadînî tenê xwîn e, kulma te tofan, xalek biçûk im li Laleş, warîsê te yê dawîn im li roj-kêş. 

Ava bike çend malokan, holikan, dengê zarokan, meselokan, mamikan, çîrçîrokan, şevçîrokan, û çîrokên çîrokan.

Ev derî, ev diwar, ev baskê şikestî kijan aliyên te ne nizanim. Bi vî agirî her roj her roj dimirim û vedijim. Kîjan aliyê te melek e, kijan aliyê te şahmaran e? Sê car min sond xwarin, tenê sê car ji heft razên wî yên ji agir min vexwarin, sê caran şewîtî rû. Sê caran bûm arî û sê caran ji yêz-dan xûliqîm. Sê caran nave te li bergoşka guh ket, sê caran bûm dê, sê caran bûm qîz. Marên pîroz sisê sisê bûn kilorîk, xelek xelek bûn morîk. li stûyê dîrokê wek gerdeniyek, li me bû felek. Sê caran lê zivîrîm û min sê car bi lêvên şewîtî ramûsan fîreketa nivîştê. Serê derziyê di hinavê min de ma, hinav parçe, belawela bû giyan, deng şikest, deng deng da sise sise li erd û ezmanên te.

Min got; kîjan deng yê te ye?

Gote min; dengê min tenê agir e, çav lal, dil kor e, tune ye ev dewr î alem.

Min got; malzaroka te deştek bêserî û bêban e, navbera xewneke 'yek heye, yek tune ye'. Ka ji kerema xwe re careke din min bîne dinyayê. Biweşîne çend tov, kêlî û rûyê avê.  Hêrs bû û gote min: ew çawa dibe?  Yê heyî wê biçe. Qanûna qederê li faniyan hîç e.

Min got: dem winda ne, katjimer derew. Di kîjan keştiyê de bi rê ketin? Û ew kî bû sepet hiştin çem? Ew kî bû derya kir du xet, gav bi gav li ku bi rê ketin? Ew kîjan qebîle bû, rûyê te di min de xûliqandin. Ew ê ku ji gerdûnê mezin efû ke bêşikliya min û bêterîfa min ji wan çavên mezin yên gundên babîlê û ew giyanê min ê winda ku li taxên bi kevir yên Nînovayê di bin ronahiya şikestî de li xwe digere.  Tenê sê caran bibare li eniya min û li kêliyên min. Tenê sê caran, sisê sisê silavên minên ku min ji te re şand, li min bibexşîne, li kêliyên min jî.  Li wî çiyê, di dawa spî ya dayikekê de, benika guliyên ku bi kevirên reş hatine nexşandin, serê marek ku li deriyek hatiye nîşandan, sê caran ji serê bijankên min, ji êşa min a ji kevir, ji axê, ji asîman mezintir, bigire, pif ke, belawela bike, ji wê deşta bêdawî û bêbîn û gers...

Min got; tenê bêdeng be û temaşe ke. Bibîne agir abadinî ye, dinya razeke efsûn. Kîjan zarok dizane bi vî zimanî. Ew kîjan çivîk e li ser avê! Û ji ku tîne vê axê! Bibeje kî heq dike vê mirinê.

Gote min; dinya jî wek faniyan tune ye, zarokek zane xem zem e, ne li wir, ne li vir ziman lê naqelibe, dengê çivîkê lê her wê bibare.

Min got; dibêjin zarok lal e, li xeybaneyan li deriyekî bi xal e, daweta nîsanê ne tu war e, guliyên jinan qut, neynikên wan êdî ne yar e. Ewê kulma wî ji gerdûnê mezin, ezdan im, lal im, bi xwînê daqultî dengê hewar im. Heram e daweta biharê, gelo ew kî ye xwediyê şabaşa xwînê?

Ew kî qeherî ji deriyan, kê vekir kilîdê ji taritiya li pişt heft tebeqeyan. Tarî wek kêreke ko, dibire gulîyên darê bi gor. Gor bi gor dirêj dibe leylan, serê zarokan dirêj dibe li kevirên zaliman. Qedereke kur e av, xewneke razayî ye bîr li taliyan. Tenê min deng kirin sê car!

Min got; ev ne bîra Yûsefî ye, mîlada mirinê gerîdokek ne li rê ye. Çûyin heye veger tune ye! Ka bêje deriyekî din yê bêkîlît li ba te heye?

Û

Gote min, teraziya wezne nîn e, derî xewneke bi kilîd e, ne li wir im û ne li vir im.

© Yildiz Cakar
Audio production: Haus für Poesie / 2017

Klagegesang der Sonne

deutsch

Dreimal nur habe ich mich zu ihm gedreht, dreimal nur gelächelt. Dreimal nur habe ich die Augen geschlossen, dreimal fielen drei Tropfen nur auf die Erde. Dreimal hat die Erde ihr Gesicht gezeigt. Dreimal drei Male trank ich mein Blut und Gesicht aus den hohlen Händen.

Sagte mir: Wie kann man Blut und Gesicht trinken?

Ich sagte: Beiß dir auf die Zunge, schau genau, schau, wie Blut und Gesicht getrunken werden aus deinen hohlen Händen. Der, dessen hohle Hände mehr als Kosmos sind, ist wütend auf mich.

Ich sagte: Beiß dir auf die Zunge und schau genau, der Kosmos ist dunkel, deine hohlen Hände sind rot. Ich bin nur ein Fleckchen im tiefen Babylon. Ich weiß nicht, auf welcher Seite deiner Brust ich bin. Dieser Berg, diese Ebene, zu welcher Gegend deiner Welt gehören sie, dieser Fluss, dieser Hügel, aus welchen Geburtswunden stammen sie? Tigris und Euphrat sind zwei Brüste. Wohin ich mich auch neige, um zu trinken, tröpfelt Blut auf meine Zunge; nach welcher ich auch dürstete, das Wasser drang nicht durch den Hals.
Dreimal nur habe ich mich zu ihm gedreht, dreimal nur habe ich geklagt, dreimal drei Male fiel meine Stimme auf die Erde, dreimal trank die Erde meine Klage.

Sagte mir: Wie kann Wasser nicht durch den Hals dringen?

Ich sagte: Beiß dir auf die Zunge und schau genau, Erkenne, wie Wasser in die Wunde bricht, erkenne, wie eine Wunde in deinen hohlen Händen aufbricht.

Die hohlen Hände des Unendlichen sind wütend auf mich. Sei nicht wütend, erkenne, dass Unendlichkeit nichts als Blut ist, deine hohlen Hände sind Unheil.

Ich bin nur ein Fleckchen in Lalesh, deine letzte Erbin in Roj-kes.

Wirke zahllose Häuser und Hütten, Kinderstimmen, Geschichten, Rätsel, Märchen, Schlaflieder, Erzählungen der Erzählungen.

Diese Tür, diese Wand, dieser gebrochene Flügel, zu welcher Seite von dir sie gehören, das weiß ich nicht. Täglich sterbe ich in diesem Feuer, täglich erstehe ich auf. Welche Seite von dir ist Engel, welche Basilisk?
Dreimal habe ich geschworen, dreimal nur trank ich seine sieben Geheimnisse aus Feuer, dreimal verbrannte das Gesicht. Dreimal wurde ich Arier, dreimal von Yêz-dan erschaffen. Dreimal dringt dein Name an mein Ohr, dreimal wurde ich Mutter, dreimal wurde ich Mädchen. Die heiligen Schlangen kringelten sich dreimal drei Male, aus Kreis und Kreis wurde Kugel, wie ein Amulett am Hals der Geschichte, für uns Verhängnis. Dreimal habe ich mich zu ihm gedreht und dreimal küsste ich die Heftnadel des Spruches mit brennenden Lippen. Die Nadelspitze blieb in der Brust stecken, die Brust ging in Stücke, die Seele Scherben, Stimme Bruch, Stimme ließ sich hören zwischen deiner Erde, deinem Himmel, dreimal drei Male.

Ich sagte: Welche Stimme ist deine?

Er sagte: Meine Stimme ist nur Feuer, das Auge stumm, die Zunge blind, den Kosmos gibt es nicht.

Ich sagte: Dein Schoß ist eine Ebene, ohne Haupt und Dach, ist der Mittelpunkt des Schlafes Eswareinmal. Bitte, schenk mir einmal mehr Leben. Streue Samen aus, den Moment und das Antlitz der Wasser. Er wurde wütend und sagte: Ist es möglich? Was ist, wird vergehen. Gesetze des Schicksals sind nicht für Sterbliche.

Ich sagte: Zeit ein Verlust, Stunden eine Lüge. Auf welchem Schiff sind sie unterwegs? Wer ließ den Korb am Fluss zurück? Wer teilte das Meer, wo haben sie sich auf den Weg gemacht? Welcher Stamm war das, bildete dein Gesicht in mich ein? Der, der größer ist als der Kosmos, vergib, das Fehlen einer Form, das Fehlen einer Bedeutung, aus den großen Augen der babylonischen Dörfer, und der Seele, die ich verlor in den steinernen Vororten Ninives, auf der Suche nach sich selbst unter zerbrochenem Licht.
Dreimal regne auf meine Stirn, auf meine Momente. Dreimal nur drei Male gib mir die Grüße an dich zurück und auch meine Momente. Bei diesem Berg, in dem weißen Kleid einer Mutter, die Bänder in den Zöpfen, mit schwarzen Steinen geschmückt, das Haupt einer Schlange, in eine Tür geschnitten,
Dreimal auf den Spitzen meiner Wimpern, mein Schmerz aus Stein, aus Erde, vom großen Himmel, nimm es, zerstreu es, teile es aus unter  die bodenlosen, endlose Ebene und Fata Morgana.

Ich sagte: Beiß dir auf die Zunge und schau genau. Erkenne, das Feuer ist endlos, die Welt ein verzaubertes Geheimnis. Welches Kind spricht diese Sprache? Welcher Vogel sitzt am Wasser und
Woher bringt er die Erde? Sag mir, wer verdient solch einen Tod?

Er sagte: Die Welt ist nichts, wie die Sterblichen. Ein Kind weiß, wie man die Sorge vertreibt. Weder hier noch dort setzt sich die Zunge in Bewegung, der Vogelgesang aber wird immer auf  das Kind regnen.

Ich sagte: Sie behaupten, das Kind sei stumm, im Unbekannten ist eine bezeichnete Tür, in unserer Heimat gibt es keine Hochzeiten im April, die Zöpfe der Frauen sind abgeschnitten und ihre Spiegel zeigen nichts Freundliches mehr.

Du, dessen hohle Hände größer sind als der Kosmos, du, der mich geschaffen hat, ich bin stumm, ich bin die Stimme einer Klage, mit Blut hinuntergeschluckt. Hochzeiten im Frühling sind eine Sünde.
Wer bietet ein Trinkgeld für vergossenes Blut? Wer wurde wütend an der Tür, wer schloss die Dunkelheit unter sieben Böden auf? Die Dunkelheit ist ein stumpfes Messer, sie schnitt die Zöpfe der Bäume ab. Grab für Grab wächst die Täuschung. Kindesköpfe werden länger auf den Steinen der Barbaren. Das Wasser ist ein tiefes Schicksal, ein geheimer Traum ist die Quelle am Ende. Nur ich habe dreimal meine Stimme erhoben.

Ich sagte: Dies ist nicht der Quell Yusufs. Die Geburt des Todes kam abseits ihrer abgestammten Wege. Es gibt Bewegung, aber kein Zurück. Sag mir, gibt es auch eine andere Tür, die nicht verschlossen ist?

Und
Sagte mir:
Es gibt keine ausgeglichene Waage, die Tür ist ein verschlossener Traum. Ich bin weder hier
Noch da.

Aus dem Kurdischen nachgedichtet von Tobias Roth
VERSschmuggel, Kurdisch-Deutsch, Poesiefestival Berlin, 2017

Çi dixwazî

kurdisch | Yildiz Cakar

Her ku li xerîbiyê,  
li tunebûnê zivirîbû çav! vê carê  
di çiyayekî asê de nêrinek hişt.  
Beriya ku li min bizivire,  
Wê jinê; ji dilê xwe re got 
‘ez qebûl im û ew çi be!’ 
Dil; kenî! 
Got: ‘belê şikefta tarî!’ 
Jinê lê zivîrî û got:  
‘ez roj im’

© Yildiz Cakar
Audio production: Haus für Poesie / 2017

Was willst du

deutsch

Obwohl in der Fremde
Kehrte das Auge in die Leere. Dieses Mal
Hat es einen Blick in unwegsames Gebirge zurückgelassen.
Die Frau sprach, bevor sie sich
Mir zu wandte, zu ihrem Herz:
„Ich nehme es, wie es ist.“
Das Herz – es lacht!
Es sagt: Die dunkle Höhle!
Da drehte sich die Frau und sagte.
„Ich bin die Sonne.“

Aus dem Kurdischen nachgedichtet von Tobias Roth
VERSschmuggel, Kurdisch-Deutsch, Poesiefestival Berlin, 2017