Sandra Meek 
Translator

on Lyrikline: 5 poems translated

from: الألمانية to: الانجليزية

Original

Translation

Königreich des weiten Wegs

الألمانية | Yevgeniy Breyger

Du hast sie gekannt. Sie war still, hat Gebirge verschluckt
mit dem Blick. Wie Wasserlilien im Dunkeln dich streifen,
sich in Portale verwandeln zu Ängsten, hat sie dich berührt.
Wie ein Punkt, ein gesprochenes Wort, gehört sie zu dir.

Wissen ist nutzlos, Richtung formlos. Strecke, Dauer
bestimmen die Form. Das Alter der Erde ist klein. Sie sagte,
die Zählung beginnt mit dem ersten Gesang einer Kröte.
Bewegung verdankt ihren Namen dem Weg. Noch vor Gott,

verkündet ein Schnitt die Geburten, hast du gelernt.
Du hältst deinen Kopf unter Wasser. In deinem Gesicht
liest ein Fisch die Brechung des Lichts und schwimmt fort.
Im Fisch ist ein Zimmer, das du nie verlässt. Eine Tür

in das Reich, das sich öffnet wie Blättchen dem Frühling.
Es ist kalt. Sie umkreist deinen Kopf als Trabant.
Kehrt im Kreisen zum Anfang zurück, ins Gestrüpp
zu dem Bau der aus Grüßen besteht. Bis sie geht.

Um zu wandern durch Tal, zu durchstreifen die Luft,
diesem Duft hinterher auf dem Rücken der Vögel, der dich
so betört. Sie zieht aus mit verschlossener Lunge, offenem
Mund auf der Suche nach Holz für ein Nest. Weil sie fliegt,

ist sie schwer. Dieser fremde Moment, wenn du wach wirst
im Traum als ein Strich und der Traum dir gehorcht,
eine Inschrift sich fügt in das Bild ihrer offenen Hand,
sich erschöpft in der Frage – Wo warst du bei deiner Geburt?

© Yevgeniy Breyger
Audio production: Haus für Poesie, 2019

Kingdom of the Long Way

الانجليزية

You have known her. Silent, she swallowed mountain ranges
with her gaze. She has touched you as waterlilies rushing
against you in the dark, transforming into portals to fears.
Like a period, a spoken word, she belongs to you.

Knowledge is useless, direction formless. Distance and duration
determine the form. The age of the earth is slight. She said
the counting begins with the first song of a toad.
Away
owes its name to a way. Still, before god,

a cut announces the births, you have learned.
You hold your head under water. In your face
a fish reads the refraction of light and turns
away. In the fish is a room you never leave. A door

into the empire that opens itself like budding leaves
to the spring. It is cold. She orbits your head, circling
again to the start—she dives into the bush, burrows
into the den made of greetings. Then she just

takes off. To wander the valley, to scissor the air,
trailing this perfume on the back of the birds
that bewitch you so. She moves out with closed lungs, open
mouth searching for twigs for a nest. Because she flies

she is heavy. This alien moment when you wake
in the dream as a sketch and the dream belongs to you,
an inscription inserting itself into the image of her open hand,
exhausting itself in the question—where were you at your birth? 

Translated by Sandra Meek
VERSschmuggel 2019, poesiefestival berlin
Language Mediator: Catherine Hales

Tag 8

الألمانية | Yevgeniy Breyger

                                 Manche dürfen einen Traum träumen, andere zwei.
                                        Vollkommen egal. Ihnen erscheint doch dasselbe.
                                        Ein Dachstuhl, die Hitze des Sommers, träge Hände,
                                        die Spinnweben wegfegen von der Handfläche des Winds.
                   
                                                      A. Dragomoschenko / Y. Breyger

Sie träumt diesen Traum wie ein Hund. Immer wieder
von vorn. Doch der Traum ist für morgen bestimmt,
daher lebt sie sich nun einen Tag hinterher. Sie träumt
sich hinein in den Hof, durch das Tor, bis zur Tür,

geht ins Haus. Und wacht auf. Sie träumt das von vorn
wie ein Hund. Immer wieder den Weg durch das Tor
bis zur Tür in den Hof diesem Tag hinterher, wie
ein schwanzloses Tier. Dieser Hund will nicht gehn,

sitzt im Weg. Er bewacht sie, als wär sie sein Schatz.
Schwarzer Hund, will sie sagen, wach auf. Doch ist's sie,
die da schläft, die von neuem sich träumt in den Hof
durch das dreckige Tor. Ein verlorener Tag. Sie spaziert

in das Haus, das nach Hund riecht, vertraut. Sieht
sich sitzen zu Tisch, sieht sich schnitzen das Zeichen
des Abschieds hinein mit verschwommenem Blick.
Eine Acht. So ein seltsamer Tag. Sie wacht auf,

geht hinaus in den Hof, schaut sich um. Und erblickt
über sich den Komet, der im Himmel seit Jahren
nicht aufhört zu leuchten. Er umkreist ihren Kopf
und er bohrt sich durch Glieder ins Mark, bis sie bellt.

© Yevgeniy Breyger
Audio production: Haus für Poesie, 2019

Day 8

الانجليزية

                                   Some may dream one dream, others two.
                                   It doesn’t matter at all. After all, the same appears to both,
                                   an attic, the heat of summer, languid hands
                                   brushing away spider webs from the palm of the wind’s hand

                                                                    A. Dragomoschenko / Y. Breyger

She dreams this dream like a dog. Again and again
from the beginning. But the dream is intended
for tomorrow, so she lives now a day behind. She dreams
herself into the courtyard, through the gate, to the door,

into the house. And wakes up. She dreams this, from
the beginning, like a dog. Again and again the way
through the gate to the door into the courtyard, following day
like a tailless animal. This dog does not want to walk,

sits in her way. It guards her as though she were
its treasure. Black dog, she wants to say, wake up. But it is she
who is sleeping, who again dreams herself into the courtyard
through the grimy gate. A lost day. She walks

into the house that smells of dog, familiar. Sees
herself sitting at the table, sees herself with blurred gaze
carving into it the sign of farewell.
An eight. Such a strange day. She wakes up,

goes out into the courtyard, looks around her. And spots
above her the comet that has for years not ceased
to shine in the sky. It circles her head, and through limbs
it bores itself into the marrow until she barks.

Translated by Sandra Meek
VERSschmuggel 2019, poesiefestival berlin
Language Mediator: Catherine Hales

Königreich des kleinen Fischs

الألمانية | Yevgeniy Breyger

Der Tag wird von Scherben zu Abend getragen.
Trockene Erde zwischen den Zähnen erinnert ans Lösen
des Kalksteins von Klippen, erfasst von vergangenen Zeichen
der Hand eines Toten. Sie gräbt in Archiven nach Namen.

Wie Tropfen von Säure, unnütz auf Stein, wird schwebend
der Abend zu Nacht getragen. Die Toten sind nachts
nicht sie selbst. Also schläft sie. Also denkt sie im Schlaf
an die Adern in Blättern des Ahorns durch die ohne Eile

das Leben entweicht in kleinen Portionen. Ans Schwanken
magerer Körper, an Strömungen, die plötzlich verschwinden
und Flüsse in Seen verwandeln, den Gestank, der sich bildet.
Die Nacht, wie sie ist, wird zu Morgen getragen.

© Yevgeniy Breyger
Audio production: Haus für Poesie, 2019

Kingdom of the Small Fish

الانجليزية

In shards, the day shadows to evening.
Between the teeth, dry earth recalls limestone
sheering from cliffs as if scythed by a dead
hand. She digs in archives for names.

Like drops of acid, fruitless on lime, the hovering
evening shadows to night. At night the dead
are not themselves. So she sleeps. So she thinks
in her sleep of the maple leaf veins through which life

slowly leaks out in small measures, of the swaying
of gaunt bodies, of currents which suddenly
vanish, diminishing rivers to stagnant lakes rank
with rot. The night, as it is, shadows to morning.   

Translated by Sandra Meek
VERSschmuggel 2019, poesiefestival berlin
Language Mediator: Catherine Hales

Königreich der Adern im Ahornblatt

الألمانية | Yevgeniy Breyger

Folgsam schwanken Bäume, duldsam zanken
Träume, sagt man im Dorf. Langsam neigt sich
der Abend, freundlich die Gesichter der Hunde.
Sie zündet ein Streichholz an, wirft's in die Pfütze.

Treibt man Tiere über die Straße, wird auch sie
von Wesen getrieben hinausgehn zu den Felsen,
sichert sie zu, ist allein. Am Tag als das Dorf
sich bewaffnet, trabt ein Pferdchen müde

über ein Blumenwieslein. Sie findet das Pferdchen,
streichelt's, es schüttelt sich, die beiden lächeln sich zu.
Im Dorf werden Maischefässer bereitet fürs Fest,
in einem davon schläft ihr Kind. Daheim

vor dem Fenster sprießt eine Pflanze, gegossen
von Regen. Ich bin ein Geschoss, eine Wand,
eine Axt, ein Treibgut von Fröschen verfolgt,
ein zu spät begriffener Abschied, ein Handtuch,

ein Schnupftuch, ein Tierchen von vielen.
Man sieht mich an Türschwellen sitzen, taxiert mich,
noch bevor man mit Blicken begreift,
dass ich nackt bin. Pochen von innen.

Bäume schwanken im Wind, winken Gräsern zu.
Wieder das Pochen. Wirst du mich finden?
Wirst du dein Haus jemals verlassen?
Das Pferd richtet seinen Blick in die Steppe.

© Yevgeniy Breyger
Audio production: Haus für Poesie, 2019

Kingdom of the Maple Leaf’s Veins

الانجليزية

Trees that sway, obey; dreams quarrel
in tranquility, they say in the village. Slowly
the evening declines, the dogs’ faces friendly.
She lights a match, throws it into a puddle.

If you drive animals across a road, she too,
driven by beings, will go out to the cliffs,
she promises—but she is alone. The day
the village arms itself, a foal trots tiredly

across a meadow full of flowers. She finds
the foal, strokes it; it shakes itself, they smile
each at the other. In the village, barrels of mash
are prepared for the feast; in one of them,

her child sleeps. At home, before the window,
a plant shoots, watered by the rain. I am
a shell, a wall, an axe, flotsam followed
by frogs, a farewell too late understood, a hand

towel, a handkerchief, one little animal
of many. You see me sitting at thresholds, size
me up, even before you realize
I am naked. Beating from within.

Trees sway in the wind, grasses wave.
Again the beating. Will you find me?
Will you ever leave your house? The horse
directs its gaze out over the steppe. 

Translated by Sandra Meek
VERSschmuggel 2019, poesiefestival berlin
Language Mediator: Catherine Hales

Königreich des Regens

الألمانية | Yevgeniy Breyger

In der Nacht als das Dorf sich bewaffnet, erfährt sie
ihre Bestimmung die großen Felsen zu beschießen.
Am Flusslauf warten sie wie Augen. Entschieden,
ruhig kriecht Stein über Stein – Von ihr weg?

Wieder eine falsche Richtung, gröber als Sand,
Pulver, das ihr nicht gehorcht. Diese trockene Ader,
kann ich sie fassen? Felder – Felder. Wälder – Getier.
Im Denken verschwimmt eine Erinnerung. Sie läuft

in den Wind. Durch die innere Welt, entschlossen zum Fels,
hört Schüsse. Geschichte schießt auf Geschichte,
Hunde erschießen sich, Dorf schießt auf Stadt, Tiere
schießen Pflanzen auf Mineralien. Flinten gleiten

durch Hände. Substanzen beschießen ein weiches
Gemisch aus Gummi und Erde – Vogelschwärme
existieren als solche Geschosse, denkt sie,
und verschwinden zwischen Himmel, zwischen

Boden, in einer Brust. Weder Ankommen noch
Verschwinden ist möglich, wenn du so stark liebst.
Tritt hinaus, selbst der Fels hat gelernt, zu verzeihen.
Tritt über zu den Menschen, ihre Körper

halten sich am Leben, indem sie wie Knospen
aufgehen wenn es warm wird. Jahrlang Frühling,
wohin soll ich gehn? Aufgeben sei dir Gewinn.
Vergiss, was du tust, folge einem Gesang.

© Yevgeniy Breyger
Audio production: Haus für Poesie, 2019

Kingdom of the Rain

الانجليزية

In the night when the village arms itself, she discovers
her destiny to fire at the cliffs. At the river-
bed, they wait, like staring eyes. Determined
and calm, stone slides over stone—away from her?

Again a wrong direction, coarser than sand,
powder that does not obey her. This dry vein,
can I grasp it? Fields—fields. Forests—animals.
In thinking blurs a memory. She runs

into the wind. In her world, moving toward
the cliffs, she hears shots. History fires at history:
dogs shoot themselves, village fires at town. Animals
fire plants at minerals. Shotguns glide

through hands. Substances fire at gelled
rubber and soil—bird-swarms
exist as such shells
, she thinks,
then they disappear into the breast

between sky and earth. Neither arriving nor
disappearing is possible when you love so strongly.
Step outside: even rock has learned to forgive.
Go over to the humans, whose bodies

keep themselves alive by budding
when it warms. It’s yearlong spring:
where should I go? May surrendering be kind to you.
Forget what you’re doing. Follow a song.

Translated by Sandra Meek
VERSschmuggel 2019, poesiefestival berlin
Language Mediator: Catherine Hales