Billy Collins

الانجليزية

Ron Winkler

الألمانية

AIMLESS LOVE

This morning as I walked along the lakeshore,
I fell in love with a wren
and later in the day with a mouse
the cat had dropped under the dining room table.
 
In the shadows of an autumn evening,
I fell for a seamstress
still at her machine in the tailor’s window,
and later for a bowl of broth,
steam rising like smoke from a naval battle.
 
This is the best kind of love, I thought,
without recompense, without gifts,
or unkind words, without suspicion,
or silence on the telephone.
 
The love of the chestnut,
the jazz cap and one hand on the wheel.
 
No lust, no slam of the door –
the love of the miniature orange tree,
the clean white shirt, the hot evening shower,
the highway that cuts across Florida.
 
No waiting, no huffiness, or rancor –
just a twinge every now and then
 
for the wren who had built her nest
on a low branch overhanging the water
and for the dead mouse,
still dressed in its light brown suit.
 
But my heart is always propped up
in a field on its tripod,
ready for the next arrow.
 
After I carried the mouse by the tail
to a pile of leaves in the woods,
I found myself standing at the bathroom sink
gazing down affectionately at the soap,
 
so patient and soluble,
so at home in its pale green soap dish.
I could feel myself falling again
as I felt its turning in my wet hands
and caught the scent of lavender and stone.

© Random House
من: Nine Horses: Poems
New York: Random House, 2002
الإنتاج المسموع: Literaturwerkstatt Berlin 2011

Ziellose Liebe

Heute Morgen, als ich am Ufer des Sees entlanglief,
verliebte ich mich in einen Zaunkönig
und später am Tag in eine Maus –
die Katze hatte sie unter den Esszimmertisch gelegt.

Im Dämmerlicht eines Herbstabends
verliebte ich mich in eine Näherin,
an ihrer Maschine noch im Fenster der Schneiderei,
und später in eine Schüssel Brühe,
Dampf stieg auf wie Qualm bei einer Seeschlacht.

Das ist die beste Art zu lieben, dachte ich,
ohne Wiedergutmachungen, ohne Geschenke
oder unschöne Worte, ohne Misstrauen
oder Schweigen am Telefon.

Die Liebe zu einer Kastanie,
einer coolen Mütze und der einen Hand am Lenkrad.

Ohne Begierde und Türenschlagen
die Liebe zu einem Bonsai-Orangen-Baum,
einem sauberen weißen Hemd, einer heißen Dusche am Abend,
dem Highway, der durch Florida schneidet.

Kein Warten, keine Gereiztheit oder Verbitterung –
nur ein Stechen dann und wann

für den Zaunkönig, der sein Nest
auf einem niedrigen Ast über dem Wasser baute,
und für die tote Maus,
weiterhin in ihren hellbraunen Mantel gekleidet.

Doch mein Herz auf seinem Stativ
auf freiem Feld erwartet
immer schon den nächsten Pfeil.

Nachdem ich die Maus an ihrem Schwanz
zu einem Laubhaufen im nahen Wald brachte,
ertappe ich mich am Waschbecken im Bad,
wie ich verzückt auf die Seife starre,

so duldsam und auflösbar,
so zu Hause in ihrer blassgrünen Seifenschale,
dass ich mich schon wieder verliere,
sobald meine nassen Hände ihr Glitschen fühlen
und mir der Duft von Lavendel und Stein in die Nase steigt.

aus dem Amerikanischen von Ron Winkler