Judith Beveridge

الانجليزية

Sabine Scho

الألمانية

MAN WASHING ON A RAILWAY PLATFORM
OUTSIDE DELHI

It's the way he stands
nearly naked in the winter sun
turning on and off the railway
station tap. I have seen people
look less reverent tuning Mozart.
I have seen hands give coins
to beggars appear nonchalant
compared to the way his hands
give this water to his body.
Don't tell me this is a man
released for a moment
out of poverty, a man who wants
the penance of each cold drop;
a man who wants the smell
of his neighbours to vanish
from his skin, who wants to taste
what is beyond the scum
and effluent of the village ditch.
And don't tell me each drop
he takes to glisten his body
will never be neutral, though
he holds each clear spill
with equality. It isn't just
the water. It's the way his hands
take the water from the tap
to his body. It's the way
he attends each pore. It's the way
he decants the water back
and forth as if receiving
instruction for the repetition
of the names of God. And it's
the way he knows his poverty
without privacy - and the way,
though the water is free,
he takes careful litres.

© University of Queensland Press
من: Accidental Grace
St Lucia: University of Queensland Press, 1996
الإنتاج المسموع: M.Mechner, literaturWERKstatt berlin, 2003

MANN, DER SICH AUF EINEM BAHNSTEIG
VOR DEN TOREN DELHIS WÄSCHT

Es ist die Art wie er steht,
fast nackt in der Wintersonne
und den Stationswasserhahn
auf- und zudreht. Ich habe Menschen getroffen,
die profaner aussehn, wenn sie bei Mozart lauter drehn.
Ich habe Hände Münzen geben sehn
an Bettler, nonchalant im Vergleich
zu seinen Händen, wie sie seinem Körper
dieses Wasser spenden.
Erzähl mir nicht, dies ist ein Mann
für einen Moment befreit
von der Armut, dies ist ein Mann,
der die Strafe eines jeden frostigen Tropfens will;
ein Mann, der will, dass der Gestank
seiner Nachbarn verschwindet
von der Haut, der schmecken will,
was unter dem Abschaum und Abwasser des Dorfgrabens fliesst.
Und sag ja nicht, kein Tropfen, mit dem er seinem Körper zu Glanz verhilft,
sei jemals neutral, obwohl er jeden klaren Strahl in gleicher Weise fängt.
Es ist nicht das Wasser allein. Es ist die Art wie seine Hände
das Wasser vom Hahn zum Körper tragen. Es ist die Art
wie er jede Pore behandelt. Es ist die Art
wie er das Wasser verteilt, hin
und her, als ob er  Order hätte,
die Namen Gottes zu wiederholen. Und es ist
die Art wie er seine Armut kennt
 ohne Tabu – die Art
wie er sorgsam die Liter abnimmt,
gibt’s auch das Wasser umsonst.

aus dem australischen Englisch von Sabine Scho




auch in: Hochzeit der Elemente. Zeitgenössische australische Dichtung.

Hg. von Ivor Indyk

Köln: Du Mont 2004