Franz Hodjak

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Gegenwartslyrik
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Franz Hodjak

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Gedicht mit Taube

Das Wort Taube, das mir gerade einfällt, 
weil es schon morgens regnet, bringt 
dies Gedicht erst ins Rollen, ein Rollen, das 

dem Geräusch der Kaffeemaschine gleicht und 
die Gefahr in sich birgt, daß ich etwas 
unter dem Wort Taube verstehe, was 

es nicht gibt, und um das Wort Taube nicht 
zu vergessen, streiche ich die Taube von der Liste 
des Einkaufszettels und rücke die Taube 

aus dem Mittelpunkt an den Rand, wo die 
Taube nicht verschwinden wird, sondern 
sich in eine Taube verwandelt, die 

frei ist von dem, was ich von einer Taube 
denke. Das Gleiche, denke ich, während die 
Balkontür zu Gott klemmt, gilt 

für eine Orange, doch weshalb sollte ich jetzt 
eine Orange in eine Orange verwandeln, da 
ich endlich eine Taube in eine Taube 

verwandelt habe. Nun, da ich Zufälle 
nicht ausschließe, die gewaltiger sind als 
jedes Wort, das mir einfällt, akzeptiere 

ich auch den geflochtenen Korbstuhl, was schon 
gegen die Abgerundetheit eines Gedichts 
spricht, und wenn mir beim Anblick

der Zigarette das Wort Mambo einfällt oder 
das Wort Sandkasten oder das Wort Luise, sprengt 
das jede Vorstellung von einer Taube, und ich 

























frage mich, weshalb müssen wir uns etwas
vorstellen, das endet, bevor es beginnt, vielleicht
sind wir doch keine Wunderkinder, sondern 

Arschlöcher, die eine Taube brauchen, um das 
zu sehen, was sie nicht begreifen. 


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© Franz Hodjak

unveröffentlichtem Manuskript / unpublished

Audioproduktion: Literaturwerkstatt Berlin 2008