Volker Braun

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Gegenwartslyrik
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->Das innerste Afrika

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->Die Austern

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Volker Braun

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Dieses Gedicht liegt in folgenden Übersetzungen vor:

África, la más interior (Spanisch)
САМАЯ ЎНУТРАНАЯ АФРЫКА (Belarussisch)
L'AFRIQUE LA PLUS INTERIEURE (Französisch)

Das innerste Afrika

Komm in ein wärmeres Land
                                              mit Rosenwetter
Und grünen laubigen Türen
Wo unverkleidete Männer
Deine Genossen sind.
                                     Dahin! Dahin
Möcht ich mit dir, Geliebter 
                                               Komm

aus deinem Bau deinem lebenslänglichen Planjahr ewigen
Schnee / Wartesaal wo die Geschichte auf den vergilbten
Fahrplan  starrt  die  Reisenden  ranzig  / Truppengelände
TRAUNERN IST NICHT GESTATTET

Unter die sachten Tamarisken
In den Tropenregen, der die Losungen
Abwäscht, trockenen Protokolle.

Sieh das Meer, das dagegen ist
Mit fröhlichen Wellen, und ins Offene geht 
                                                                 dahin

Dahin führt kein Weg.

Wenn du gehst, hebt die Zeit ihre Flügel.

Nimm den Pfad gleich links durch die Brust
Und überschreite die Grenze.

Wo die Zitronen blühn, piff paff!

En quelque soir,  par exemple,  le touriste  naïf  EUROPA 
SACKBAHNHOF die verdunkelten Züge aus der vierten
Welt vor Hunger  berstend / hinter  der  Zeitmauer Getöse
unverständliche  Schreie  /  Blut  sickert  aus  den  Nähten
der  Niederlage  /  Zukunftsgraupel  und fast will  /  Mir es
scheinen,   es   sei,  als in der bleiernen Zeit 

Sie können dich töten, aber vielleicht
Kommst du davon
Ledig und unbestimmt 
                                    komm! ins Offene, Freund!

Nicht im Süden liegt es, Ausland nicht
Wo unverkleidete Männer
Wo der Regen 
Denn nicht Mächtiges ists, zum Leben aber gehört es 
Was wir wollen
                          wo dich keiner 
Das innerste Land, die Fremde 
Erwartet. Du mußt die Grenze überschreiten
Mit deinem gültigen Gesicht.

Dein rotes Spanien, dein Libanon

Erreiche es vor der Rente.

Wir befinden uns, sagte er, auf einer schiefen Ebne.  Alles
deutet darauf hin, daß es abwärts geht.  Schließen Sie ein-
mal die Augen und hören Sie, wie es knirscht.  Das ist das 
Ende.   Warten wir ab,  wir werden es erleben.  Wir  sind
auf dem  besten  Weg.  Wir brauchen nur fortzufahren mit
der Übung.  Vor einiger Zeit konnten wir  z. B.  das  Brett
oder wie man es nennen will zurückwippen über den Null-
punkt und sagen:  es  geht  aufwärts!  Jetzt ist es eine end-
gültige Schräge in den Keller.  Zu den Kakerlaken,  meine
Damen  und  Herrn.  Bleiben  Sie  ruhig,  gehn  Sie  in  die
Firma,  wickeln Sie sich in die Plane,  fassen Sie sich kurz.
Wir  haben   die  furchtbare  Nachricht   vernommen,  wir
haben  nichts  hinzuzusetzen.  Adieu.  Sagte  der  Mann in
Itzehoe und glitt hinter dem Fenster hinab.

Non!  wir werden den Sommer nicht mehr in diesem geiz-
igen  Land  verbringen,  wo  wir  immer  nur einander ver-
sprochene Waisen sind,
	                     komm

Steckmuscheln, Zikaden
Mach dich auf 
Lebenslänglicher Leib:
SIEH DAS MEER, DAS DAGEGEN IST.
ERREICHE ES VOR DER RENTE.
DU MUSST DIE GRENZE ÜBERSCHREITEN.
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© Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1987

Entstanden: 1982

Aus: Langsamer knirschender Morgen. Gedichte

Suhrkamp, Frankfurt am Main 1987

ISBN: 3-518-04423-0

Audioproduktion: 2000 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin