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Lutz Seiler

Lutz Seiler

La poésie contemporaine
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->das neue reich

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->die fussinauten

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Lutz Seiler

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Vous pouvez lire ce poéme dans les traductions suivantes:

footienauts (Anglais)
les footinautes (Français)

die fussinauten

meinen fussballfreunden gewidmet

					„Brave Leute waren sie die Gefährten, sie murrten nicht
					über die Mühe noch über den Durst noch über die
						Kälte,
					sie verhielten sich nach Art der Bäume und der Wogen
					die den Wind hinnehmen und den Regen
					hinnehmen die Nacht und die Sonne
					und beständig bleiben im Wechsel.“                                                   

					Giorgos Seferis, aus: Die Argonauten


manchmal sangen sie auch. das waren die tiergartenjahre, wir
spielten vor dem reichstag auf. später, schon entfernt
traten wir im wedding an, barfuß-strasse, schillerpark. fast 
kahler acker, komplett türkisch, das gedröhn 
im kopf, die boings, die sich senkten richtung tegel. so

wichen wir zurück. bis potsdam, dort war alles schön: ein rasen, schattig, das bad 
nach dem spiel im heiligen see. viele kaps liessen wir hinter uns. wir 
            schwammen an den beiden 
villen günter jauchs vorbei. wir sassen am ufer, ein tisch & die terrassen 
vor der villa kellermann. die sonne ging unter. der nachtgeruch kam, im nacken 
die langsam trocknenden haare. wir waren von schlössern 
                      & gärten umgeben. dazu das weizen, der 
spargel, die spielanalyse – alles in allem: das süsse 
          
            leben. bis 
etwas aus dem schatten trat der büsche: des 
lebens fremd & unterste behörde. was uns auf immer dieses orts verschlug, dieser 
letzten wunderwiese, wielandstrasse, früher hitlerring. noch & tapfer hielten wir 
in potsdam aus, entfernt der paradiese. ein hartplatz, öffentlich, die öde 
insel, öder strand, wo endlos eiternd feiner sand sich legte in die frischen wunden. so 
altern beine, altern arme, donnerstag für donnerstag. wir sahen 
gute männer in die kniee sinken. der ausbruch kam: die hehre lichtung, wald-
platz richtung michendorf. wir reisten an – doch fanden keine menschen, dort
 
entbehrten wir des gegners. die gefährten, dann, gesenkten augs, schon aller suche 
müde dieses scheiterns, zogen nach berlin zurück. eine strasse namens forckenbeck: 
preussisches herrenhaus der mann, doch englisch war der rasen, wie 
letzte leidenschaft so voll & dicht & kurz, so schön & wenig wirklich. der 
platzwart, wieder preussisch, sprach: „nix mit stollen, junge, zieh 
die töppen aus“. ich sah den mann nie wieder. wir fragten oft, wir wissen nicht –
ist dieser platzwart schon verstorben oder seine stelle ausgelöscht? der platz
verkommt, das vlies verblasst – die fahrten, sind sie ohne ende? doch 

frag ich mich leiser, waren 
nicht die seelen der gefährten längst, sind unsre körper nicht schon lange
            eins mit jenem ernsten 
antlitz dieses platzes? mit den narben, furchen, mit dem dunklen 
abgenutzten? die saison war gross, die spiele gut, wohin 
            jetzt ziehn – wie lange noch 
ihr freunde, fliehn? lieber winfried, hendrik, peter, carsten, lieber michael, tobias, jan – 
diesmal, bitte, lasst uns bleiben: brüllen, traben, tore schrein & pässe schlagen, lasst    
            uns noch eins zwei gute bälle über diesen aller
                      letzten acker tragen –        

(1990-2005)

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© Lutz Seiler

Extrait de: unveröffentlicht

Production du son: 2007, M. Mechner / Literaturwerkstatt Berlin