deutsch | english | français | slovenščina | العربية
home
Joachim Sartorius

Joachim Sartorius

La poésie contemporaine
Allemand

Homepage

Joachim Sartorius

Audio 

Poetik [nebst Kommentar zum Zyklus Alexandria]

(von Konstantin Kavafis
verworfenes Gedicht,
geschrieben vor dem Jüngling
von Myota, Marmor, 180 cm,
460 - 450 v. Chr.)

Das Gedicht 
sucht einen Ort 
für die Schachzüge meines Verlangens.
Es kann es nicht offen tun.
Erspart mir Erklärungen.
Die Stadt ist eine Bürde.

Fabel, Apokryphe: Alter Stoff
verhüllt die Schenkel, 
das gelbe Mal an der Leiste 
mit dem Flaum.
Helles Gesirr, bedenk ich’s,
über der Haut wie von
Einenachtlibellen.

Es ist Gaze, gesponnen
aus steinernem weißesten Stein.
Aus vielfach gebrochenem Flügel.
Widrig breche ich

wieder den alten Stoff
mit Sprache: Worten,
die ich vor der Bourse, im Café,
im teerfarbnen Zimmer
hörte. Auflas in alten

Geschichtsbüchern. Das Gedicht
mag keine Verzierung. Es ist
auf Stilisierung aus: Plissé, 
das die Stärke
der Wölbung verrät.

Ein Gedicht ist für niemanden.
Ich schicke es meinen Freunden,
die Freiheit, es zu verstehen
oder nicht zu verstehen.

Auf seinem Weg hat es
Splitter des Nichts gesammelt,
um blendend
dazustehen am Ende.

Top

© 1996 by Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln

Extrait de: Keiner gefriert anders. Gedichte

Kiepenheuer & Witsch, Köln 1996

ISBN: 3-462-02560-0

Production du son: 2000 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin