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Hans Raimund

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La poésie contemporaine
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Hans Raimund

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Vous pouvez lire ce poéme dans les traductions suivantes:

A Meal with Parents (Anglais)
A pranzo coi genitori (Italien)
Jantar com os pais (Portugais)
KOSILO S STARŠI (dt.: Essen mit den Eltern) (Slovène)
NË DREKË ME PRINDËRIT (Albanian)
OBĚD S RODIČI (Czech)
Repas avec les parents (Français)

ESSEN MIT DEN ELTERN

Ich probiere es noch einmal
Ich erzähle von mir
Aber sie hören schlecht
Sie hören nicht zu
Sie reden  Reden
Von den beiden Weltkriegen
Von Krankheiten  Diäten
Von den wenigen noch lebenden Verwandten
Die nichts mit ihnen zu tun haben wollen
Von der Sommerfrische
In die sie nicht mehr fahren können
Vom plötzlichen Tod eines viel jüngeren Bekannten
Von Konten  Losungswörtern  Sparbüchern
Von Politik
Von der unglaublichen Korruption  heutzutage
Von der bevorstehenden Wahl
Zu der sie sicher nicht gehen werden
Vom Wetter
.........................................................

Die Kälte macht ihnen zu schaffen  Die Kälte
Die spüren sie noch
Und das bockige Verlangen nach allem
Was ihnen der Arzt verboten hat 
Fettes Fleisch  eingebranntes Gemüse
Angebratene Erdäpfel Bier Wein
Alles das schlucken  schlingen sie hinunter
Kaum kauend  ohne Hunger  ohne Durst
Beinah ohne Absicht
Bloß aus Gewohnheit
Und jeder für sich
.............................................................. 

Ich weiß  es paßt ihnen gar nicht
Wie ich jetzt lebe
Sie sagen  sie hätten nichts dazu zu sagen
Sie würden sich hüten  sich in mein Leben einzumischen
Aber dann platzen sie doch mit Fragen heraus
Seit Jahr und Tag  in Ton und Wortlaut unverändert
Wann gehst du endlich wieder zum Frisör?
Wie lange willst du noch im Ausland bleiben?
Kannst du denn vom Schreiben leben?
Hast du auch an deine Pension gedacht?
Aber ohne eine Antwort abzuwarten  sagt sie
Mit vollem Mund  zu ihm
Was fragst du denn!
Du weißt  er lügt uns ja doch nur an
...................................................................

Beim Weggehen steckt sie mir einen Geldschein zu
Kleingefaltet  so  daß er nichts merkt
Auf der Straße nehmen wir Abschied
Der Wind treibt uns Tränen in die Augen
Wir schütteln einander die Hände
Wir küssen einander auf die Wangen   flüchtig
Um halbeins sind Nachrichten im Radio und der Wetterbericht

Ich seh sie gehen
Steifbeinig auf dem vereisten Gehsteig
Sie setzen Fuß vor Fuß
Halt suchend an Hausmauern und parkenden Autos
Mit kleinen  ängstlichen Bewegungen
Beinah ohne Absicht
Bloß aus Gewohnheit
Und jeder für sich


                                                                           (1989)

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© Hans Raimund

Extrait de: Der lange geduldige Blick

edition umbruch, Mödling 1989

Production du son: Literaturwerkstatt Berlin 2008