Steffen Popp

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Gegenwartslyrik
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Steffen Popp

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Dieses Gedicht liegt in folgenden Übersetzungen vor:

*** / [… chciałem drzewo bliżej określić, otrzeć się] (Polnisch)
[… voulais savoir de plus près quel était cet arbre] (Französisch)

[… wollte den Baum näher bestimmen]


… wollte den Baum näher bestimmen, rieb mich
an seinen Rinden, meine Begriffe das Fell eines Esels
die schlammverkrustete Haut eines Erdfroschs
im Herbst – rieb mich mit meinen Bäumen, Hölzern

und Baumgesträuchen, am Baum. Der sprach nichts
warf lediglich Borken, Reste von Vögeln, Blätter ab
aus Stockwerken, die sich der Sicht entzogen
mir auf das singende Haupt. Blieb wahr, unerreicht 

in seiner Langsamkeit, Nähe, die aus unendlicher 
Ferne mich anstieß, zu närrischen Sprüngen, traurigen 
Laubgesängen – so lebten wir nebeneinander 
zwei Wesen, nun, wenn er was sagte, war ich es  

wenn er schwieg. Lange dachte ich, ich sei allein
ein etwas vergröberter Käfer an seinem hölzernen Leib  
später indes, über Felder nach Haus gegangen
schien mir, nur er war allein, unter Sternen, Getier

das Regungen, Stile, und sei es nur in Begriffen
ihm antrug, sich rieb, ihn umkreiste, davonging 
ich war nur eines von ihnen, und er genügte uns allen: 
zur Sprache, zur Liebe, zum Fraß.


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© kookbooks

Aus: Kolonie Zur Sonne. Gedichte

kookbooks, Berlin 2008

Audioproduktion: 2009, Literaturwerkstatt Berlin