Biographie Richard Minne

Geburtsdatum: 30.11.1891
Geburtsort: Gent, Belgien
Todesdatum: 01.06.1965
Todesort: Sint-Martens-Latem, Belgien
Richard Minne (Belgien, 1891 - 1965) gehört heute mit zu den bekanntesten belgischen Dichtern. Das war nicht immer so: Zu Lebzeiten fühlte sich der Dichter unverstanden und lebte viel Jahre in Abgeschiedenheit.
Seine dichterische Reife fiel in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als sich in der literarischen Welt Neoklassizisten und Modernisten um die Vormachtstellung in der Poesie stritten.
Minne war von dieser Diskussion nur zum Teil berührt. Seine Dichtung zeugt nicht von formaler Innovation - er blieb dem Reim und Sonett treu - , man findet vielmehr Neuerungen, die die innere Struktur und den Ton des Gedichtes betreffen. Er durchwob seine Lyrik mit Motiven aus dem alltäglichen Leben, manchmal auch aus ländlichem Hintergrund (er lebte eine Zeit lang auf einem Bauernhof); gepaart mit unkonventionellen und oft sogar dialektalen Ausdrücken entstand daraus ein eigener Ton, der an den sogenannten „parlando“- Stil erinnert.
Minne nahm Einzug in die literarische Welt als Sozialist und militanter Lyriker in der aufständischen Arbeiterstadt Gent. Aber sein ausgeprägter Individualismus fühlte sich schnell eingeengt in der Zwangsjacke des Kollektivismus’ und er rebellierte schließlich gegen den Sozialismus selber. Diese negative Erfahrung und das Unverständnis für seine Gedichte, die ihrer Zeit weit voraus waren, führten dazu, dass Minne sich total zurückzog und nur sehr sporadische Kontakte zur literarischen Welt pflegte.
In Minnes Gedichten treffen Ironie, auch Selbstironie, auf Melancholie und Sarkasmus. In seiner Lyrik sind keine direkten Einflüsse flämischer oder anderer zeitgenössischer Dichter erkennbar, einzig den großen Satirikern und Freidenkern wie Diderot, Voltaire, Sterne und Swift, fühlte Minne sich nahe.
Um Richard Minne war es lange Zeit still, erst in den letzten Jahren kam seinem Werk die verdiente Aufmerksamkeit und Anerkennung zu. 2006 erschienen seine Gesammelten Werke.



