Franzobel

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Es ist aus

Ich bin doch, hörst du, nicht dein Liebesaffe,
bin zu stolz jetzt, um ein letztes Mal 
zu flehen, denn es ist aus, ich nehme, hörst du, 
meine Liebe weg vom Feuer, dass sie bald
abkühlen wird, und etwas Aufgewärmtes, 
wollen wir doch beide nicht. Aus ist es. Hör zu.
Du wirst dich nie mehr rekeln unter mir,
mich, ich. Dir nicht mehr Du sagen lassen,
dich. Kapiert?
Auch Hand in Hand werden wir nie mehr 
gehen, es ist aus. Aus ist es. Ich kann es selbst gar nicht
begreifen, warum wir nicht mehr lachen,
strahlen, so wie früher und uns nicht mehr küssen.
Es ist aus. Ich sag Lebwohl, Adieu, Vorbei,
und setz mein coolstes Steingesicht nun auf,
obwohl ich doch nur weinen möchte, 
weinen, einen, weinen, einen, weinen,
aber nein, ich werde dich vergessen,
in einen Setzkasten kommst du wie
ein Schmetterling, wirst aufgespießt,
denn es ist aus, ich hasse dich. Nie mehr,
nie mehr werde ich dein Stöhnen hören, nie mehr
Unendlichkeit an deiner warmen Zunge 
spüren. Es ist aus. Du wirst dich nie mehr 
rekeln unter mir, mich, ich. Dir nicht mehr 
Du sagen lassen,
dich.
Anderen wirst du erzählen deine Träume,
anderen deine Schokoladekuchen backen,
anderen, anderen, nicht mir, denn es ist aus. Ich
hasse dich dafür, dass es so aus ist, wie es aus ist
weil ich dich nicht mehr wie früher 
lieben kann, mir alles so egal, so scheißegal ist jetzt,
ob das Flugzeug abstürzt oder sonst etwas passiert,
alles egal, weil es aus ist, aus, aus, aus, mir Schlimmeres 
gar nicht passieren kann. Aus ist es. Adieu.
Du hast mich umgebracht. Du blöde Sau,
du Egoistenschwein hast Schluss gemacht.
Ja. Du. Jetzt ist es aus. Aus und vorbei. Good bye.


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© Zsolnay Verlag

Aus: Liebesgeschichte

Zsolnay Verlag, Wien 2007

Audioproduktion: Literaturwerkstatt Berlin 2008