Wolfgang Hilbig

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Das hörbare Erbe
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Wolfgang Hilbig

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Natureingang

(frei nach Geoffrey Chaucer)

Ach wenn April mit milden Schauern
des Lebens dürre Adern bis zur Wurzel badet
und Zephyrs süßer Atemhauch die Triebe all
in Wald und Feld zu kurzem Dauern ladet
und schon die junge Sonne halb den Bogen
vom Widder bis zum Stiergehörn durchzogen
und wenn Erinnerung aus fließendem Verfall
den Blick erhebt:
		wie Vögel nachts mit offnen Augen schlafen –
o dann beginnt die Zeit auch mir den Sinn zu weiten:
Vergangenheit die nicht gelebt
				Winter da wir uns nicht trafen
sind nichtig wenn ein altes Herz sich neu erhebt.

Noch mit gebrochnen Lyren und vom Frost verstimmten Saiten:
auf deinem Ufer
		blumenreich
			entfaltet von Gezeiten
muss ich mit Sonnenlicht gerüstet dir entgegenreiten.
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©  Wolfgang Hilbig

Entstanden: 2001

Aus: unveröffentlichtem Manuskript

Audioproduktion: 2003 M. Mechner, literaturWERKstatt berlin