Helwig Brunner
Dieses Gedicht liegt in folgenden Übersetzungen vor:
Mäkkýš v hlave (Slowakisch)
Das Weichtier im Kopf
Johann Sebastian BACH: Partita No. 2, BWV 1004: Ciaconna
Ein Anfang in d-Moll, so weit ist Verlass auf das Ohr im Ohr, tongenau im Traum erinnert der fiebrig hingestellte Beginn, der die Saiten unter die Finger spannt, die Mollterz, zeitversetzt eingerahmt von den Pfeilern einer blanken Quint, der Kammerton als Tabula rasa, die alles erträgt: jede folgende Idee, die sich nun aufspannt, weitet, schrägt, während der Mond nervös und kalt sein gerades Licht ins Fenster stellt, dem er alle Wärme ausgesaugt hat, bevor es auf die Erde niederklirrt und das Weichtier im Kopf erschüttert: die Schnecke in der Muschel, dünn und eingerollt wie ein Kinderfinger jenseits der obskuren Knöchelchen, die einst ein Fisch zum Kauen benützte, als alle Musik noch ferne Zukunft war, morgens der ungeteilten Gegenwart exponiert den Gehörsinn, Hören und Sinn jenseits verstörender Physiologie: fraglos den Intervallen ausgesetzt, dem prasselnden Feuerwerk schöner Besessenheit, besessen von Schönheit, Schaudern und Scheitern, faksimile dazu im Notenbild entziffert die freien Nervenenden eines Mannes, der sich an luzider Nüchternheit berauschte: zur Seite die kreiselnden Symmetrien, die dicht verfugten Dolden, Girlanden, perlenden Festlichkeiten, unwirsch zur Seite gelehnt, geschichtet, geschoben, gestürzt die Konturen, die aufgefächerten Metren, mit Fingernägeln bis aufs Blut geschabt an der gekalkten Außenwand der Kirche, bis etwas wegbricht: der rote Kalk, die Macht, die sich im Primklang trifft, der Zirkelschluss der eigenen Adern –



